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Rettet die Bürgerzeitung den Lokaljournalismus? Neue Konzepte für eine lesernahe Kommunalpolitik „ Stuttgart 21 ist überall – Das Aufbegehren der Bürger als Chance für den Lokaljournalismus“ - Modellseminar für Lokaljournalisten -  Rostock, 24. Mai 2011 Armin Maus, Chefredakteur
Was ist die „Bürgerzeitung?“ neue Haltung: Zeitung auf Augenhöhe mit den Lesern, nicht ex cathedra Die Zeitung machen wir nicht nur für den Bürger, sondern aus Überzeugung auch mit dem Bürger. Die Zeitung ist ein Marktplatz der Demokratie, den Journalisten moderieren. Wir geben dort den Bürgern eine Stimme und der Stimme ein Gewicht, wir schaffen Übersichtlichkeit und Durchblick. mehr als 30 Elemente für den Dialog mit Lesern/Nutzern
Warum Bürgerzeitung? Erkenntnis: Leser/Nutzer wollen mitreden „ Wutbürger“ sind eine Chance für den Journalismus Bodo Hombach, Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe: „ Der Souverän wartet nicht mehr auf den nächsten einsamen Moment in der Wahlkabine. Er will auch unterwegs genauer wissen, wie und wohin der Hase läuft. Das ist Trend. […] Die Gesellschaft der Zukunft ist eine Dialoggesellschaft – wenn nicht, versteinert sie. Wer bereit ist, einen Prozess zu fördern und zu begleiten, der den Nahbereich wieder nach vorne bringt, ist modern wie schon lange nicht mehr. In einer Demokratie wächst Macht durch Überzeugungskraft. Mit jedem Zuwachs an Transparenz gewinnen staatliche Verfahren an Legitimität. Am Ende stehen endlich die Sachfragen im Vordergrund.“ Die Bürgerzeitung bereitet uns auf die Spielregeln eines Journalismus im Zeitalter des Web 2.0 vor. Positiver Marketing-Effekt: Stärkung der Leser-Blatt-Bindung
Basis-Kontakte im Alltag Leser in der Redaktion An sechs unserer sieben Standorte können Leser spontan die Redaktion im Herzen ihrer Stadt besuchen – in  Braunschweig ist der Besuch leider noch beschwerlich. Kontaktaufnahme mit  Autoren Lokales Lesertelefon Dieses Angebot machen zwei der sieben Lokalredaktionen.
Leserredaktion und Leserseite(n) Seitdem ein Redakteur der zentrale Ansprechpartner für unsere Leser ist und täglich die „Seite der Leser“ anbietet, hat sich die Zahl der Leserbriefe verfünffacht. Neben der täglichen Leserseite im Mantel bieten auch die Lokalredaktionen mehrmals wöchentlich Seiten mit Leserbriefen und -fotos an. Als Grundregel gilt: Jeder Leser bekommt eine Antwort auf seine Einsendung – und sei es nur eine kurze Empfangsbestätigung.
Leserredaktion und Leserseite(n)
Leserseiten
Interviewreihe „Leser fragen“ Seit 2003 haben mehr als 800 Leser auf Einladung unserer Zeitung Prominente interviewt. Diese Interviews werden immer dienstags auf der Seite 3 veröffentlicht. Viele der Interviews durchbrechen die klassischen Kommunikationsmuster zwischen Journalisten auf der einen und Medienprofis auf der anderen Seite: Viele Befragte antworten in dieser Situation offener und unbefangener als in der herkömmlichen Interviewsituation.
Der Ombudsrat Die Ombudsräte Heinrich Kintzi und Heinz-Peter Lohse nehmen zu Leserbeschwerden Stellung.  Häufig geht es um ethische Fragen und die Themenauswahl. Gelegentlich landen auch presserechtliche Fälle beim Ombudsrat. Die Zahl der Leser, die sich an den Ombudsrat wenden, hat in jüngster Zeit abgenommen, einige Themen wiederholen sich. Der Presserat hat sich in einem Verfahren ausdrücklich auf den Ombudsrat bezogen.
 
Der Ombudsrat Die Kolumne der Ombudsräte erscheint montags auf der Leser-Seite.
Der Ombudsrat Dieser „Fall“ wurde als Beschwerde vom Presserat geprüft.
Der Ombudsrat
Der Ombudsrat
Die Leserkonferenzen Seit Oktober 2008 lädt jede Lokalredaktion vierteljährlich zur Leserkonferenz ein.  Die Stammleser werden von der Redaktion ausgewählt und gehören der Runde etwa ein Jahr lang an.  Die Konferenzen diskutieren die Themenauswahl und -präsentation.  Im Anschluss berichtet die Lokalredaktion über die Anregungen und Ergebnisse.
Die Leserkonferenzen
Der große Schultest Das Thema Schulen wurde immer wieder in den Leserkonferenzen diskutiert. Deshalb haben wir im Frühjahr 2010 die Umfrage „Der große Schultest“ initiiert.  Eine Arbeitsgruppe erarbeitete einen Schüler-, einen Eltern- und einen Lehrerfragebogen. Statistiker der TU Braunschweig  konnten die Fragebögen maschinell auswerten. Mehr als 15.000 Schüler, Eltern und Lehrer  nahmen an der Umfrage teil.  Nach den Osterferien berichtete unsere Zeitung vier Wochen lang über den Schultest. Die Umfrage-Ergebnisse wurden in Grafiken zusammengestellt, außerdem gab es Reportagen aus den Schulen und zahlreiche Hintergrund-Artikel. Insgesamt erschienen etwa 300 Beiträge. Das Konzept wurde inzwischen mit einem European Newspaper Award und dem Deutschen Lokaljournalistenpreis ausgezeichnet.
Der große Schultest
Der große Schultest
Leser-Forum „Sarrazins Thesen“ In der emotional geführten Integrationsdebatte im Herbst 2011 haben wir keine Lesermeinungen unterschlagen, sondern beim Leser-Forum moderiert. Fünf Experten aus der Region beantworteten über drei Wochen die Fragen unserer Leser. Bei der Abschlussdiskussion  haben Leser und Experten ihre Argumente ausgetauscht. Ähnlich sind wir bei der Plagiats-Affäre um Karl-Theodor zu Guttenberg und nach der Atomkatastrophe von Fukushima verfahren.
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Leser-Forum „Plagiats-Affäre“
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Leser-Forum „Tschernobyl, Fukushima und wir“
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Stadt-/Ortsteilabende „BZ bei uns“ Mit  Stadt- und Ortsteilabenden wollen wir den Lesern und ihren Themen nahe kommen. Die Abende bieten einen bunten Mix aus Diskussion und Unterhaltung. Wir wirken der Entfremdung zwischen Reportern und Lesern entgegen und holen die Leser vor ihrer Haustür ab. Wir  bieten Menschen, Gruppen und Institutionen ein Forum, die ihren Stadt- oder Ortsteil prägen. Jede Lokalredaktion organisiert pro Jahr sechs dieser Veranstaltungen.
Stadt-/Ortsteilabende „Zeitung bei uns“
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(Wahl-) Umfragen / Teds Zur Bundestagswahl 2009 haben Schüler aus der Region eine repräsentative Wahlumfrage für uns gemacht (Grafstat – Schüler als Wahforscher). Die Redaktion setzt regelmäßig Telefonabstimmungen ein. Das Ergebnis veröffentlichen wir am Folgetag in der Zeitung – mit dem Hinweis, dass es sich nicht um eine repräsentative Umfrage handelt. Parallel dazu bieten wir auf unserem Internetportal Votings an.
Dialog via Facebook Die Redaktion bespielt derzeit sieben Profile auf Facebook. Ziel: Kommentare, Einschätzungen und Recherche-Tipps aus der Community. Seit Anfang April hat das Hauptprofil „Braunschweiger Zeitung“ mehr als 400 Fans gewonnen.
Dialog via Facebook
Weitere Elemente der Bürgerzeitung Die medienpädagogischen Projekte „Tageszeitung im Kindergarten“, „Schule + Zeitung“ und „ZUKUNFT BILDEN“ Die junge Chefredaktion:  Jugendliche setzen für eine Ausgabe die Themen im Mantel-Teil, begründen ihre Auswahl und kommentieren. Jugendparlamente und Kinder-Pressekonferenzen Der Gemeinsam-Preis: Leser schlagen ehrenamtliche Projekte vor und wählen ihre Favoriten. Die Preisträger werden im Braunschweiger Dom ausgezeichnet. Leser wählen den Wolfsburger des Jahres / Gifhorner des Jahres. Leser wählen ihre „Sportler des Jahres“. Wissenschafts-Parlamente und Kamin-Gespräche im Schloss Richmond,  bei denen Leser mit Experten Themen aus der Forschungsregion Braunschweig diskutieren. Expertentelefone und tägliche Ratgeber-Angebote Serviceorientierte Serien und Beilagen mit hohem Nutzwert und Mitmach-Angeboten für die Leser wie die Fitness-Zeitung oder die Garten Zeitung.
Erfolge der Bürgerzeitung Das Gesamtkonzept wurde 2009 mit dem Deutschen Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung ausgezeichnet. Auch einzelne Elemente sind preisgekrönt, etwa die Interviewreihe „Leser fragen“, der „Gemeinsam-Preis“ oder – ganz aktuell – der „Große Schultest“ oder die „Fitness-Zeitung“. Die Leserschaft nimmt die vielfältigen Dialog-Angebote an.. Die Redaktion tut sich mit neuen Dialogformen im Web (Foren, Blogs, Kommentarfunktion, Social Media) leichter, weil sie den kontinuierlichen Dialog mit Lesern längst gewöhnt ist.
Leitfragen zur Weiterentwicklung der Bürgerzeitung Ist uns der Dialog mit Lesern wirklich in Fleisch und Blut übergegangen? Nehmen wir unsere Leser wirklich ernst? Wie nah sind wir im Alltag bei unseren Lesern? Bilden wir tatsächlich das ganze Meinungsspektrum ab? Kennen wir unsere Leser? Welche Marktforschung brauchen wir? Können wir mit dem Konzept der Bürgerzeitung junge Menschen erreichen und neue Leser gewinnen? Wie verlängern wir die Bürgerzeitung ins Netz? Wie nutzen wir Blogs, Facebook und Co.?

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  • 1. Rettet die Bürgerzeitung den Lokaljournalismus? Neue Konzepte für eine lesernahe Kommunalpolitik „ Stuttgart 21 ist überall – Das Aufbegehren der Bürger als Chance für den Lokaljournalismus“ - Modellseminar für Lokaljournalisten - Rostock, 24. Mai 2011 Armin Maus, Chefredakteur
  • 2. Was ist die „Bürgerzeitung?“ neue Haltung: Zeitung auf Augenhöhe mit den Lesern, nicht ex cathedra Die Zeitung machen wir nicht nur für den Bürger, sondern aus Überzeugung auch mit dem Bürger. Die Zeitung ist ein Marktplatz der Demokratie, den Journalisten moderieren. Wir geben dort den Bürgern eine Stimme und der Stimme ein Gewicht, wir schaffen Übersichtlichkeit und Durchblick. mehr als 30 Elemente für den Dialog mit Lesern/Nutzern
  • 3. Warum Bürgerzeitung? Erkenntnis: Leser/Nutzer wollen mitreden „ Wutbürger“ sind eine Chance für den Journalismus Bodo Hombach, Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe: „ Der Souverän wartet nicht mehr auf den nächsten einsamen Moment in der Wahlkabine. Er will auch unterwegs genauer wissen, wie und wohin der Hase läuft. Das ist Trend. […] Die Gesellschaft der Zukunft ist eine Dialoggesellschaft – wenn nicht, versteinert sie. Wer bereit ist, einen Prozess zu fördern und zu begleiten, der den Nahbereich wieder nach vorne bringt, ist modern wie schon lange nicht mehr. In einer Demokratie wächst Macht durch Überzeugungskraft. Mit jedem Zuwachs an Transparenz gewinnen staatliche Verfahren an Legitimität. Am Ende stehen endlich die Sachfragen im Vordergrund.“ Die Bürgerzeitung bereitet uns auf die Spielregeln eines Journalismus im Zeitalter des Web 2.0 vor. Positiver Marketing-Effekt: Stärkung der Leser-Blatt-Bindung
  • 4. Basis-Kontakte im Alltag Leser in der Redaktion An sechs unserer sieben Standorte können Leser spontan die Redaktion im Herzen ihrer Stadt besuchen – in Braunschweig ist der Besuch leider noch beschwerlich. Kontaktaufnahme mit Autoren Lokales Lesertelefon Dieses Angebot machen zwei der sieben Lokalredaktionen.
  • 5. Leserredaktion und Leserseite(n) Seitdem ein Redakteur der zentrale Ansprechpartner für unsere Leser ist und täglich die „Seite der Leser“ anbietet, hat sich die Zahl der Leserbriefe verfünffacht. Neben der täglichen Leserseite im Mantel bieten auch die Lokalredaktionen mehrmals wöchentlich Seiten mit Leserbriefen und -fotos an. Als Grundregel gilt: Jeder Leser bekommt eine Antwort auf seine Einsendung – und sei es nur eine kurze Empfangsbestätigung.
  • 8. Interviewreihe „Leser fragen“ Seit 2003 haben mehr als 800 Leser auf Einladung unserer Zeitung Prominente interviewt. Diese Interviews werden immer dienstags auf der Seite 3 veröffentlicht. Viele der Interviews durchbrechen die klassischen Kommunikationsmuster zwischen Journalisten auf der einen und Medienprofis auf der anderen Seite: Viele Befragte antworten in dieser Situation offener und unbefangener als in der herkömmlichen Interviewsituation.
  • 9. Der Ombudsrat Die Ombudsräte Heinrich Kintzi und Heinz-Peter Lohse nehmen zu Leserbeschwerden Stellung. Häufig geht es um ethische Fragen und die Themenauswahl. Gelegentlich landen auch presserechtliche Fälle beim Ombudsrat. Die Zahl der Leser, die sich an den Ombudsrat wenden, hat in jüngster Zeit abgenommen, einige Themen wiederholen sich. Der Presserat hat sich in einem Verfahren ausdrücklich auf den Ombudsrat bezogen.
  • 10.  
  • 11. Der Ombudsrat Die Kolumne der Ombudsräte erscheint montags auf der Leser-Seite.
  • 12. Der Ombudsrat Dieser „Fall“ wurde als Beschwerde vom Presserat geprüft.
  • 15. Die Leserkonferenzen Seit Oktober 2008 lädt jede Lokalredaktion vierteljährlich zur Leserkonferenz ein. Die Stammleser werden von der Redaktion ausgewählt und gehören der Runde etwa ein Jahr lang an. Die Konferenzen diskutieren die Themenauswahl und -präsentation. Im Anschluss berichtet die Lokalredaktion über die Anregungen und Ergebnisse.
  • 17. Der große Schultest Das Thema Schulen wurde immer wieder in den Leserkonferenzen diskutiert. Deshalb haben wir im Frühjahr 2010 die Umfrage „Der große Schultest“ initiiert. Eine Arbeitsgruppe erarbeitete einen Schüler-, einen Eltern- und einen Lehrerfragebogen. Statistiker der TU Braunschweig konnten die Fragebögen maschinell auswerten. Mehr als 15.000 Schüler, Eltern und Lehrer nahmen an der Umfrage teil. Nach den Osterferien berichtete unsere Zeitung vier Wochen lang über den Schultest. Die Umfrage-Ergebnisse wurden in Grafiken zusammengestellt, außerdem gab es Reportagen aus den Schulen und zahlreiche Hintergrund-Artikel. Insgesamt erschienen etwa 300 Beiträge. Das Konzept wurde inzwischen mit einem European Newspaper Award und dem Deutschen Lokaljournalistenpreis ausgezeichnet.
  • 20. Leser-Forum „Sarrazins Thesen“ In der emotional geführten Integrationsdebatte im Herbst 2011 haben wir keine Lesermeinungen unterschlagen, sondern beim Leser-Forum moderiert. Fünf Experten aus der Region beantworteten über drei Wochen die Fragen unserer Leser. Bei der Abschlussdiskussion haben Leser und Experten ihre Argumente ausgetauscht. Ähnlich sind wir bei der Plagiats-Affäre um Karl-Theodor zu Guttenberg und nach der Atomkatastrophe von Fukushima verfahren.
  • 28. Stadt-/Ortsteilabende „BZ bei uns“ Mit Stadt- und Ortsteilabenden wollen wir den Lesern und ihren Themen nahe kommen. Die Abende bieten einen bunten Mix aus Diskussion und Unterhaltung. Wir wirken der Entfremdung zwischen Reportern und Lesern entgegen und holen die Leser vor ihrer Haustür ab. Wir bieten Menschen, Gruppen und Institutionen ein Forum, die ihren Stadt- oder Ortsteil prägen. Jede Lokalredaktion organisiert pro Jahr sechs dieser Veranstaltungen.
  • 32. (Wahl-) Umfragen / Teds Zur Bundestagswahl 2009 haben Schüler aus der Region eine repräsentative Wahlumfrage für uns gemacht (Grafstat – Schüler als Wahforscher). Die Redaktion setzt regelmäßig Telefonabstimmungen ein. Das Ergebnis veröffentlichen wir am Folgetag in der Zeitung – mit dem Hinweis, dass es sich nicht um eine repräsentative Umfrage handelt. Parallel dazu bieten wir auf unserem Internetportal Votings an.
  • 33. Dialog via Facebook Die Redaktion bespielt derzeit sieben Profile auf Facebook. Ziel: Kommentare, Einschätzungen und Recherche-Tipps aus der Community. Seit Anfang April hat das Hauptprofil „Braunschweiger Zeitung“ mehr als 400 Fans gewonnen.
  • 35. Weitere Elemente der Bürgerzeitung Die medienpädagogischen Projekte „Tageszeitung im Kindergarten“, „Schule + Zeitung“ und „ZUKUNFT BILDEN“ Die junge Chefredaktion: Jugendliche setzen für eine Ausgabe die Themen im Mantel-Teil, begründen ihre Auswahl und kommentieren. Jugendparlamente und Kinder-Pressekonferenzen Der Gemeinsam-Preis: Leser schlagen ehrenamtliche Projekte vor und wählen ihre Favoriten. Die Preisträger werden im Braunschweiger Dom ausgezeichnet. Leser wählen den Wolfsburger des Jahres / Gifhorner des Jahres. Leser wählen ihre „Sportler des Jahres“. Wissenschafts-Parlamente und Kamin-Gespräche im Schloss Richmond, bei denen Leser mit Experten Themen aus der Forschungsregion Braunschweig diskutieren. Expertentelefone und tägliche Ratgeber-Angebote Serviceorientierte Serien und Beilagen mit hohem Nutzwert und Mitmach-Angeboten für die Leser wie die Fitness-Zeitung oder die Garten Zeitung.
  • 36. Erfolge der Bürgerzeitung Das Gesamtkonzept wurde 2009 mit dem Deutschen Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung ausgezeichnet. Auch einzelne Elemente sind preisgekrönt, etwa die Interviewreihe „Leser fragen“, der „Gemeinsam-Preis“ oder – ganz aktuell – der „Große Schultest“ oder die „Fitness-Zeitung“. Die Leserschaft nimmt die vielfältigen Dialog-Angebote an.. Die Redaktion tut sich mit neuen Dialogformen im Web (Foren, Blogs, Kommentarfunktion, Social Media) leichter, weil sie den kontinuierlichen Dialog mit Lesern längst gewöhnt ist.
  • 37. Leitfragen zur Weiterentwicklung der Bürgerzeitung Ist uns der Dialog mit Lesern wirklich in Fleisch und Blut übergegangen? Nehmen wir unsere Leser wirklich ernst? Wie nah sind wir im Alltag bei unseren Lesern? Bilden wir tatsächlich das ganze Meinungsspektrum ab? Kennen wir unsere Leser? Welche Marktforschung brauchen wir? Können wir mit dem Konzept der Bürgerzeitung junge Menschen erreichen und neue Leser gewinnen? Wie verlängern wir die Bürgerzeitung ins Netz? Wie nutzen wir Blogs, Facebook und Co.?