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Léchevin Antoine
Matrikel Nummer 11304
Mediengestaltung, 7. Semester
W.S. 2004/05




                     Mylène Farmer und Laurent Boutonnat erste Analyse:

                                                L’intégrale des clips volume I.




Unter der Leitung von Dipl. Kulturpäd. Hedwig Wagner

im Rahmen des Seminars: Gender und Identität in Film und Filmtheorie
« De ce paradoxe,

         Je ne suis complice,

      Souffrez qu’une autre,

            En moi se glisse,

                        Car…

               Sans logique,

                Je me quitte

        Aussi bien satanique,

              Qu’angélique »

Sans Logique, Mylène Farmer.




                           2
Vergöttert oder gehasst, Mylène Farmer gehört seit über zwei Jahrzehnten
zu den unumgänglichen Prominenten Frankreichs. In Zusammenarbeit mit dem
Komponist und Regisseur Laurent Boutonnat, schrieb sie 6 Alben, veröffentlichte 24
Singles und verkaufte Millionen von Platten. Ihre Texte über Melancholie, Tod,
Selbstmord und Sex faszinieren und stören. Erfolg erreichte sie nicht nur durch die
Musik, sondern auch durch ihre aufwendigen Musikvideos in denen sie in Kostüm mit
zahlreichen Schauspielern und Statisten in prächtigen Kulissen inszeniert wurde.
Skandale, Zensur sowie zahlreiche Auszeichnungen prägen die Karriere von Farmer.

      In dieser Arbeit möchte ich die Auftritte von Mylène Farmer in ihren ersten
Musikvideos untersuchen. Wer ist Mylène Farmer? Wie wurde sie trotz ihrer
negativen Einstellungen erfolgreich und wie wurde das Mythos Mylène Farmer
aufgebaut? Welches Bild der Frau und der geschlechtlichen Identität vermittelt sie
durch die Musikfilme dem Publikum und wie wurde sie dabei inszeniert?

   Durch Analyse einer Auswahl ihrer Musikvideos und anhand von Kritiktexten der
Gendertheorie werden wir versuchen, diese Frage zu beantworten.


                                                                                 3
I. Farmer und Boutonnat




    A: Mylène Gauthier und Laurent Boutonnat

    Die Geschichte von Mylène Farmer fängt im 1983 an, als zwei junge Männer,
Laurent Boutonnat, Komponist und Jerôme Dahan, ein Casting organisiert haben,
um eine Sängerin für ihren neuen Song zu finden: Maman A Tort. Die „psychotische
Art“1 der jungen Mylène Gauthier gefiel den beiden, die sich sofort für diese
22jährige Schauspielschülerin entschieden, ohne sie singen gehört zu haben.

Laurent Boutonnat hatte bereits in seiner Kindheit Filme gedreht bei dem er alles
allein geschafft hatte, vom Drehbuch bis zum Schnitt, Make-up, Bühnenbild und
Musik inklusiv. Er lernte Klavier, hatte drei Jahre Theaterunterricht, interessierte
sich aber hauptsächlich für das Kino. Mit 17 produzierte er seinen ersten Film: La
Ballade de la Féconductrice (1979)2 in dem er Kindesmord, Pädophilie, Inzest in
einer Welt voller religiöser Referenzen inszenierte. Eine weißgeschminkte junge
Frau vernichtet blutig alle aus der Norm geratenen Menschen: Behinderte,
Obdachlose, Alte, tötet durch elektrischen Schlag ein Baby in einer Badewanne. Ein
junger Pfarrer entmannt einen Ministrant, im Hintergrund barocke und gotische
Bilder der Kreuzigung. Der Film lief zwei Wochen in einem Pariser Kino und wurde
nicht unter 18 Jahre freigegeben. In harter Weise setzt Laurent Boutonnat die
Bilder und Referenzen die er in seinen späteren Arbeiten immer wieder benutzen
wird:       christliche         Religion,         Tod       und        Sexualität,         Inszenierung           eines
menschenfeindlichen Totalitarismus.

         Als er an einem neuen Film arbeitete, schrieb er mit einem Freund Maman A
Tort3 - einen Song über eine verletzte Kindheit: ein Mädchen lehnt ihre Mutter ab
und verliebt sich in ihre Krankenschwester. Aus gesetzlichem Grunde scheiterte der
erste Versuch mit einem 15jährigen Mädchen zu arbeiten. Daraus folgte die
Begegnung mit Mylène Gauthier, die sofort bei dem Projekt einstieg. Wegen
Geldmangel wurde ein aufwendiges Video nie gedreht, jedoch stehen uns Teile des
1
  « son côté psychotique » Fernsehinterview von Laurent Boutonnat mit Noël Mamère, 1986
2
  Das Wort « Féconductrice » ist eine Zusammenstellung aus verschiedenen Wörter: Fée (die Fee), féconde (fruchtbar),
conductrice (Die Führerin/Fahrerin).
3
  Siehe Text und Übersetzung, Seite

                                                                                                                       4
Drehbuchs              zur      Verfügung:     ein   junges   Mädchen      wird   zur   Psychiatrie/
Krankenhaus/Schloss                   von    ihrer   Mutter   begleitet.    Sie   begegnet    einer
Krankenschwester und wird auf einem Rollstuhl gesetzt. Anderes Personal des
Krankenhauses sperrt das Mädchen ein, sie wird aber von ihrer Krankenschwester
befreit und gewaschen4. Die Mutter beobachtet die Szene und schlägt ihre Tochter.
Diese schafft zu entfliehen, rennt zu einem Turm und springt ins Leere, während
die Krankenschwester sie zu retten versucht. Das Video inspiriert sich von dem
dramatischen Leben der Schauspielerin Frances Farmer, deren Name Mylène
Gauthier übernehmen wird. Nach einem erfolgreichen Lebenslauf und zahlreichen
Auftritten in Hollywoodfilmen und auf der Bühne begann Frances Farmer in den
40er Jahren zu trinken und Amphetamine zu schlucken. Darauf schickte ihre Mutter
sie in diverse Anstalten für Psychischkranken, wo sie, wie sie später selber
berichtete, misshandelt und vergewaltigt wurde. Nachdem sie aus der Psychiatrie
fliehen konnte, verfiel sie wieder der Alkoholsucht. Sie wurde dann mit Insulin und
Elektroschocktherapie behandelt. Ihr Aufenthalt in Krankenhaus nahm mit einer
Gehirnoperation ein Ende. Nie wurde es richtig nachgewiesen, es hat sich aber
wahrscheinlich um eine Lobotomie gehandelt.

Obwohl der Song 1984 in Frankreich ein Sommerhit wurde, steigt Jerôme Dahan aus
dem Arbeitsteam aus. Mylène Farmer fängt an ihre eigene Texte und die
Drehbücher für die Videos zu schreiben, während Laurent Boutonnat die Musik
komponiert und zum Regisseur wird.

          B. Mylène Farmer, vom Anfang an ein Mythos.

          Der Verfasser einer Webseite über Laurent Boutonnat, Jodel Saint-Marc5, stellt
eine interessante Theorie vor in der er Mylène Farmer zum puren Instrument der
Arbeit von Boutonnat reduziert. Er erkennt die künstlerischen Fähigkeiten Farmers
und ihre Teilnahme an der Arbeit nicht an und integriert sie lieber als Objekt in
einem großen Kunstwerk dessen Schöpfer Boutonnat ist. Es ist tatsächlich schwierig
herauszufinden inwiefern Mylène Farmer an der künstlerischen Arbeit teilnimmt, da
das Duo wenig Interviews gibt und ihre Biographien bestritten wurden. Es stimmt,
dass die Texte und Videos Boutonnats mit oder ohne Farmer dieselben
Eigenschaften haben, jedoch kann man allein durch ihre Texte die Präsenz der
Sängerin nicht ablehnen. Der Vorschlag von Jodel Saint-Marc ist für uns in einem
4
    Siehe Abbildung 1.
5
    http://jodel.saint-marc.club.fr

                                                                                                  5
anderem Sinn relevant. Er versteht Mylène Farmer als Schöpfung Laurent
Boutonnats, selbst erklärter Mythos, Göttin und so wurde sie auch der
Öffentlichkeit präsentiert, dem Publikum geliefert.

         C. Farmer, Musik, Texten und Clips : Das farmersche Universum.

         Ob es richtig als eine kommerzielle Strategie gedacht wurde oder ob es nur
ein künstlerischer Wunsch war, ist uns aus direkter Quelle nicht bekannt. Eins
können wir dennoch feststellen: Jenseits ihrer Songs und Musikvideos ist Mylène
Farmer mehr als eine Popsängerin, sie ist im Interview und auf der Bühne auch
Interpret eines an die Öffentlichkeit freigegebenen Stars, eine multimediale Figur.
Alle ihre Charaktere schreiben sich in einem einzigen von Laurent Boutonnat und
Mylène Farmer geschaffenen Universum ein: einer märchenhaften Welt der Magie,
des Todes und der Sexualität mit Mylène Farmer als Hauptdarstellerin.

           Die Idee eine Rolle für Mylène Gauthier in dem gesamten Werk zu schreiben
musste in den Köpfen von Farmer und Boutonnat erstmal ausreifen. Bis zur zweiten
Single On Est Tous Des Imbéciles und dessen Promotionzeit 1984, redete Mylène
Farmer gern im Interview über ihre Kindheit im Kanada, ihre Projekte für die
Zukunft und Erwartungen im Leben. Erst mit der dritten Veröffentlichung des Duos
Plus Grandir (1985) änderte sie ihren Stil. Zurückhaltend, schüchtern trat sie nun
seltener in Radio und Fernsehen auf und wenn sie Interviews gab, redete sie nur
andeutungsweise über eine schwierige einsame Kindheit, ihre Angst vor dem Tod
oder über Sexualität, Themen der Arbeit mit Laurent Boutonnat.


           In der Boutonnat-Farmer Zusammenarbeit in der Karriere von Mylène Farmer
unterscheidet man zwei Zeitabschnitte. Vom Plus Grandir (1985) und das erste
Album Cendres De Lune bis zu ihrem ersten Liveauftritt En Concert (1989)
arbeiteten die beiden eng zusammen an Musik, Texten und Musikvideos. Ab 1990
konzentrierte sich Laurent Boutonnat auf die Vorbereitung eines Langspielfilms und
vernachlässigte die Produktion von Musikvideos. Weil Boutonnats Film Giorgino
(1994) ein extremer Misserfolg war, entschied er sich, die Musikvideoproduktion
aufzugeben und arbeitete von nun an nur an der Musik. Schwerpunkt unserer
Analyse wird auf den ersten Teil gesetzt: Mylène Farmer in Boutonnats Musikvideo
1985-1990.6

6
    Siehe DVD « Mylène Farmer, l’intégrale des clips, volume I »

                                                                                  6
II. Die Clips.



     A. Das Medium Musikvideo.

     In den 80ern war es üblich, um einen Song zu vermarkten, Musikvideos als
Unterstützung des Audioprodukts zu produzieren. Durch einfache Abbildung des
Textes, Choreographien, moderne Videoeffekte oder visuelle Vorstellung der
Musiker wurden Musikvideos für das Fernsehen angefertigt, den Erwartungen von
Musikproduzenten, Musikern und des Publikums entsprechend.


     Nach dem Scheitern des zweiten Songs des Duos und seines Videos (Mylène
Farmer in rosa Jacke tanzt vor einem weißen oder schwarzen Hintergrund)
entschied sich Boutonnat für den neuen Song Plus Grandir (1985) eine neue Art von
Musikvideo zu drehen. Er stellt seiner neuen Plattenfirma Bedingungen: Es wird auf
einem Cinemascope-Verfahren 35mm-Film im Studio und draußen gedreht. Von nun
an kann man bei der Arbeit von Boutonnat nicht mehr von Musikvideo reden: der
französische Ausdruck Clip oder musikalischer Kurzfilm wird bevorzugt. Die
Produktionen     verlangen   denselben   Aufwand    wie   Kurzfilme:   Finanzielle
Unterstützung werden beim externen Produzent gefordert (das Plus Grandir
Projekt kostet 330.000 FF d.h. über 50.000€), seine Clips benötigen mehrere Tage
Dreharbeit, zahlreiche Techniker und Statisten. Vorspann, Abspann, additionale
Musik, Dialog und Untertitel lassen die Clips eher dem Kurzfilm ähneln als einem
Musikvideo.
Als der Clip fertig wurde, lud Boutonnat Filmkritiker und Kinopromis zur Première
in Pariser Kinos ein. Bevor der Song veröffentlicht wurde, bevor Mylène Farmer auf
die Bühne stieg und vor einem Publikum ihr Song aufführte, wird der Clip selber im
Kino inszeniert. Plus Grandir ist der erste Clip der auf cinemascope Filmmaterial
gedreht wurde und konnte damals nur mit dem Video „Thriller“ von Michael
Jackson verglichen werden. Der folgende Clip Libertine (1986) wurde auch zuerst
im Kino projiziert und später im Fernsehen ausgestrahlt. Jeder weitere Clip von
Mylène Farmer wurde als Event angekündigt und wurde im Gegensatz zu anderen




                                                                                7
Musikvideos immer in Sondersendungen in Première gezeigt7. Dabei wird für den
Song geworben, aber nicht zuletzt auch für den Clip und seine Hauptdarstellerin.
Jenseits der Musik und deren Promotionobjekt Musikvideo, schaffte Boutonnat
einen neuen medialen Gegenstand, in dem weder der Clip die Musik unterstützt,
noch die Musik den Clip. Beide dienen der Figur Mylène Farmer und erfüllen auf
auditiver und visueller Ebene die Erwartung des Publikums.


         B. Die Musik und die Clips von Boutonnat.


         Die Zusammenarbeit erfolgt meistens nach dem folgenden Verfahren:
Boutonnat komponiert die Musik, Farmer schreibt darauf die Texte und später
entwerfen sie den Clip, der den Songs nicht abbildet, sondern mit dem Song zu
einem eigenständigen Werk wird. Die Filme erzählen Geschichten, die zwar in
Zusammenhang mit den Texten gebracht werden können, aber trotzdem ihr
eigenes Universum enthalten.
Das Universum der Clips werden wir in diesem Teil der Arbeit analysieren.
Im Vordergrund Mylène Farmer, Hauptdarstellerin und Erzählerin des Songs, wird in
künstlichen Welten inszeniert, die einem anderen Zeitalter (18.Jahrhundert wie in
Libertine (1986) und Pourvu Qu’Elles Soient Douces (1988), russische Revolution in
Tristana (1987)) oder märchenhafte Umgebungen (Sans Contrefaçon (1987), Ainsi
Soit Je (1988), Sans Logique (1989), A Quoi Je Sers? (1990)) angehören.
Externe Aggressionen, Ausschließung, Liebe, Kuss oder Geschlechtsverkehr lösen
stabile Situationen auf, die Farmer zum Flucht, Kampf, Mord oder in den Tod
zwingen.
Diese Motive findet man in jedem Clip der Sängerin (Ainsi Soit Je ausgenommen).
Bevor wir zur Farmers Rolle und Charakter in den Clips kommen, möchte ich das
Universum, die geschlossenen, märchenhaften Welten der Clips und ihre Akteure
vorstellen.




7
    Zu Silvester 1988 auf dem französischem Musikkanal M6 für „Sans Contrefaçon“ z.B.
    In der Tagesschau um 20.00 auf dem ersten französischen Kanal TF1 für „Désenchantée“.

                                                                                            8
C: der Inhalt.


         Ob er eindeutig Schneewittchens (tristana, 1987)8 oder Pinocchios (Sans
Contrefaçon, 1987)9 Erzählungen übernimmt oder ob er sich einfach die
Erzählweise des Märchens borgt: Boutonnat baut seine Kurzfilme immer nach
klassischen Märchenkonstruktionsverfahren.

1. Das Märchen.

           Märchen sind auf wiederkehrende Schemen gebaute volkstümliche mündliche
Erzählungen. Ein friedlicher glücklicher Startzustand wird durch ein gewaltiges
Ereignis gestört. Darauf wird der Held oder die Heldin gefordert durch verschiedene
Erprobungen ihre Welt wieder in einen stabilen Zustand zu bringen. Neben Magie,
feenhaften Charakteren (wie Hexe oder Zwerge), imaginären Tieren, erkennt man
soziale und gesellschaftliche Darstellung und Kritik in den künstlichen Welten der
Märchen. Die Heldin im Märchen spielt meistens eine passive Rolle: Jungfrau, zum
Heirat gegeben, sie wird von der bösen Stiefmutter gehasst (Schneewittchen) oder
von einer Hexe verflucht. Sie wird verwünscht und fällt in tiefen Schlaf. Nur der
Kuss eines Prinzen kann sie wieder zum Leben bringen.

2. Die Welt.

           In Boutonnats Clips erkennt man viele von diesen Märchenkomponenten. Die
Filme fangen alle mit einer Kamerafahrt über eine Landschaft an (außer bei Sans
Contrefaçon). Draußen gedreht, öffnen sich die Musikfilme auf ruhige, fast tote
Landschaften: ein Friedhof in Plus Grandir, ein Wald, ein See oder Sumpf in
Libertine, Pourvu Qu’Elles soient Douces und A Quoi je sers? Schnee im Tristana
und Ainsi soit je, unfruchtbare Erde bei Sans Logique, was dem stillen
Anfangszustand der Märchen entspricht. Bevor wir einen Mensch sehen können
betreten Schlangen, Wölfe oder Raben diese Natur als Übergang zur Menschheit
und warnen uns vor einer Gefahr.

Diese Orte für die Geschichte sind gleichzeitig geschlossen und unbegrenzt wie
auch der Strand in Sans Contrefaçon oder die Berge in Tristana. Diese Welten sind
nicht nur in ihrer Räumlichkeit definiert sondern auch zeitlich. Die Wahl, die


8
    Siehe Abbildung 6 und 7.
9
    Siehe Abbildung 8.

                                                                                 9
Erzählungen in einem historischen Rahmen einzusetzen, verleiht den Clips einen
zusätzlichen          fremden   Charakter.   Wir    befinden   uns   von    nun    an   in    der
festgeschriebenen Welt der Vergangenheit, in der nichts mehr zu verändern ist.

Kaum wird uns die Welt in ihrer unveränderlichen Ewigkeit vorgestellt, treten
Menschen im Bild auf und ein Störfaktor kippt die Situation: Mylène Farmer findet
ihre eigenes Grab in Plus Grandir. Im Duell tötet Libertine einen Mann und zieht
sich dabei den Hass ihrer Rivalin (Sophie Tellier) zu. Die eifersüchtige Stiefmutter
(noch mal Sophie Tellier)10 will die schöne Tristana umbringen lassen. In Sans
Contrefaçon wird der Marionnettenspieler aus seinem Theater rausgeworfen und in
Sans Logique wird Farmer (als Stier)11 gefordert, mit ihrem Geliebten in einem
Stierkampf/Duell zu kämpfen.

3. Die Gesellschaft.

           Die Nebenrollen und die Statisten bilden eine einheitliche Menschengruppe
in die Mylène Farmer nicht gehört. Alle sind gebunden und gehören einem
bestimmten Gesellschaftskreis an. Die Kirche und ihre Religion wird durch die
Nonnen-Zwerge in Plus Grandir und das Publikum des Stierkampfes in Sans Logique
repräsentiert, die Prostituierten im Bordell von Libertine symbolisieren die
Spaßgesellschaft, die englischen Soldaten die Armee in Pourvu Qu’Elles Soient
Douces, die Theaterschauspieler in Sans Contrefaçon die Aristokratie und Arbeiter
in Tristana.

Mylène Farmer wird dieser instabilen Lage nur durch die Liebe eines Mannes oder
durch Geschlechtsverkehr entfliehen können. Nur, im Gegensatz zu den Märchen,
erreicht sie dadurch nicht die reale Welt, wird nicht zum Leben wiedergebracht,
sondern stirbt oder verkörpert sogar den Tod selbst.

4. Die Heldin: Mylène Farmer.

           Die Welt in der Mylène Farmer inszeniert wird, ist eine Welt der
Ausschließung, aus der Mylène Farmer immer vertrieben wird. Der Körper, die
Körperveränderungen             oder   Aktionen    auf   den   Körper      wie    Mörder     oder
Geschlechtsverkehr sind Schlüssel zu anderen Situationen.


10
     Siehe Abbildung 6.
11
     Siehe Abbildung 13.

                                                                                               10
Die Annahme einer Rolle erfolgt durch die Verfremdung des Körpers. Mylène
Farmer tritt nicht nur verkleidet auf, ihr Körper selbst wird verfremdet. In Plus
Grandir singt sie über ihre Angst vom Altwerden12. Der Film öffnet sich auf einem
Friedhof, wo Farmer einen alten Babywagen schiebt und ihrem eigenen Grab
begegnet. Darauf sehen wir jene Stufe ihres Lebens im Flashback in einem alten
dunklen staubigen Haus. Am Mund verletzt, schaut sie in die Kamera, auf das
Publikum. Sie scheint wie vor einem Spiegel ihr eigenes Bild wahrzunehmen.
Tollwütig, ergreift sie eine Puppe, Symbol ihrer Kindheit, und ertränkt sie im
Wasser, bevor sie sich an die heilige Jungfrau Maria wendet, zu Ihr betet, weinend.
Im Kampf mit ihrer Kindheit ist Farmer aber selber noch eine Jungfrau und sucht
Hilfe in der Religion. Die Statue von Maria gibt ihr keine Antwort und keine Hilfe,
während ihre Puppe, noch am Leben, zu ihr grinst und sie verspottet.

Als in der Nacht, beim Gewitter, Farmer im roten Schlafrock schläft, dringt ein
mächtiger Mann ins Haus ein und vergewaltigt sie. Die verführerische Farbe ihres
Kleides deutet schon auf den Geschlechtsverkehr hin. Erst lehnt sie den fremden
Mann ab und kämpf gegen ihn, dann schenkt sie ihm einwilligend ihre Lippen. Die
Mariastatue schaut weg und Zwergnonnen beobachten angeekelt wie der Mann
Farmer zärtlich küsst. Die Musik an dieser Stelle unterscheidet sich von der
Audiofassung, die Wichtigkeit der Szene betonend.13

Darauf wird sie von den Nonnen, die Religion und christliche Moral repräsentieren,
körperlich bestraft. Dann liegt sie zusammengekrümmt am Boden, die Hände den
Bauch haltend.14 Nach der Entdeckung der Lust, erlebt sie den psychischen und
physischen Schmerz. Sie erfährt durch körperlichen Schmerz und Extase ihren
eigenen Körper, den Körper einer Frau.15 Die Puppe dreht verhöhnend den Kopf zu
Mylène Farmer, die wütend nach einem Messer greift und einen Arm der Puppe
abschneidet. Dies wird Farmer in einen Todestanz treiben, in dem sie immer älter
wird. Das Gesicht voller Falten einer Achtzigjährigen schaut sie traurig und müde
aus dem Fenster raus, wo sich ein Friedenstaube, Symbol der Freiheit, niederlässt.



12
    Plus Grandir Abbildung 2 und 3.
13
    Wie auch in anderen Clips von Boutonnat, unterscheiden die Songs von ihrer Audiofassung. Er fügt lange Vor- und
Abspannmelodien am Anfang und Ende des Songs zu. In der Mitte bleibt der Audiotitel gleich bis auf die Intimszene (siehe
Plus Grandir, Libertine, Pourvu Qu’elles Soient Douces, Sans Logique)
14
    Abbildung 2.
15
   « Zahlreich und « eigensinnig » sind hingegen die Zeugnisse in Literatur und Kunst, wie Frauen ihren Körper als
verstörend, die körperlichen Funktionen, die vom weiblichen Körper erwartet werden, bedrückend empfinden. Der Körper
erscheint als Belastung, als ein Stück Außenwelt, ja sogar als Krankheit. »Valie Export, 1992, Seite 10.

                                                                                                                      11
Die junge Farmer wirft Blumen auf das Grab auf dem die Kindheitspuppe sitzt. Sie
läuft vom Grab weg und schiebt einen Kinderwagen. Das letzte Bild zeigt uns wie
diese den Kopf zu Kamera dreht und grinst, als ob sie die Zuschauer erinnern
möchte, dass sie auch älter werden.

Da auf dem Grab „Mylène Farmer – Plus Grandir“ steht, könnte man denken, dass
Farmer um ihre Angst vom Älterwerden und eine mögliche Zukunftsvision trauert.
Der Kinderwagen deutet auf eine Mutterschaft, die in der Rückblende seinen Platz
nicht findet. Was Valie Export über Unica Zürn schrieb, trifft auch auf diesen Clip
zu: „Es ist nicht der Körper selbst, sondern dessen Weiblichkeit, die soziale Doktrin
des Körpers als Definition der Frau, die Identifizierung des Wesens der Frau mit
ihren körperlichen Geschlechtsmerkmalen und -funktionen, die den Körper zum
Haus der Krankheit macht, zum Ort des Todes.“16

            In der Hinsicht von Körper, fremdem Körper, Verwandlung, Leben und Tod
ist der Kurzfilm Sans Contrefaçon hoch interessant. In diesem Lied singt Farmer,
dass sie ein Junge ist:

« Puisqu'il faut choisir/ A mots doux je peux le dire/ Sans contrefaçon/ Je suis un garçon/ Et pour un empire/
                                                                             17
Je ne veux me dévêtir/ Puisque sans contrefaçon/ Je suis un garçon »


Der Clip zum Lied inspiriert sich von dem Roman von Carlo Lorenzini Pinocchio, in
dem eine Marionnette ein echter Junge zu werden versucht. Boutonnat inszeniert
in seinem Kurzfilm einen Marionnettenspieler mit seiner Puppe und ihre kurze
Begegnung mit Zirkusleuten18. Er übernimmt die Thematik des Romans und fügt die
Frage          der     Geschlechtidentität          zu.     In    diesem          Clip   sind      die     Blicke      der
Schauspielgesellschaft auf die Puppe Punkte der Destabilisierung, sie stellen die
Beziehungen zwischen Menschen um und ermöglichen die Verwandlung der Puppe.
Der Clip öffnet sich mit Applaus für eine kurzhaarige knabenhafte Puppe mit dem
Gesicht von Mylène Farmer: „ Dis, Maman… pourquoi je suis pas un garçon?“19 sagt
sie       in     Kindersprache.         Kurz        darauf       schmeißen          zwei       Transvestiten           den
Marionnettenspieler und seine Puppe aus dem Theater raus, spucken sie an,
lachend, und lassen sie im Schlamm liegen. Der Marionnettist schaut mit
16
     Ibid, Seite 12 und 13.

17
  Da es gilt, zu wählen, kann ich’s sanft und süß erzählen: Zweifellos bin dann ich ein junger Mann. Selbst fürs Königshaus
zöge ich mich niemals aus. Denn ganz zweifellos bin dann ich ein junger Mann.

18
     Siehe Abbildung 8.
19
     « Sag mal, Mama… wieso bin ich kein Junge? »

                                                                                                                         12
kurzsichtigem Blick die Puppe an und wischt ihr das Gesicht. Er hat die Puppe
geschaffen, jedoch ist er unfähig zu erkennen, wer sie richtig ist. Auf dem Weg
erinnert uns eine Vogelscheuche mit ausgestreckten Armen an ein Bild der
Kreuzigung Christus, Symbol unserer körperbezogenen Kultur20 und ist für den
Marionnettenspieler und seine Puppe die Tür zur Gesellschaft und zum Leben. Die
Zirkusleute, die sie dort treffen, werfen alle misstrauische Blicke, bis auf eine
ältere Frau, von der Puppe fasziniert, die dem Mann Essen schenkt. Mit der Puppe
spielend treibt die Truppe mit der Frau Schabernack. Sie will sie schützen, entführt
sie und flieht zum Strand außer Sehweite. Die mütterliche Liebe dieser Frau bringt
die Puppe zum Leben. Als der Marionnettenspieler die beiden Frauen wieder sieht,
versteht er, dass seine Schöpfung lebt. Wie ein Echo der ersten Szene, hebt der
Marionnettenspieler Mylène Farmer, auf den Boden gefallen, auf, wischt ihr das
Gesicht und küsst sie. Die Frau beobachtet die Szene und verlässt die beiden mit
dem Zirkus. Mylène Farmer, allein am Strand mit ihrem Schöpfer, ohne ihre Mutter,
ist wieder zur Puppe geworden. Das Paradox zwischen dem Text und den Bildern
lässt viele Wege für verschiedene Interpretation offen: „sans contrefaçon, je suis
un garçon“, aber der Junge ist nur eine lebenslose Puppe, der durch die
anerkennenden Blicke zum Leben gerufen werden kann und wird eine lebendige
Frau.

        Eine andere Art der Verwandlung ist in dem Kurzfilm Sans logique (1989) zu
finden, wo Mylène Farmer vor einer Versammlung schwarz gekleideter Leute als
Stier zur Kampf gegen ihren Liebhaber, den Torero gefordert wird.

Ihre Hände sind im Rücken gebunden, ihr wird ein Haarreif mit Hörnern aus Metall
auf den Kopf gesetzt, die Waffe, mit der sie ihren Liebhaber in den Tod
durchstechen wird.21 Durch dieses Werkzeug, diese technische Extension, welche
ihr zugefügt wird, wird Mylène Farmer zum Tier mit männlichem Charakter. Freud
schrieb über die Technologie als Ausdehnung des Körpers, als Kultur22, vom Mensch
als Prothesengott, der zu Gottähnlichkeit strebt. In diesem musikalischen Kurzfilm
sind viele Symbole der christlichen Religion zu erkennen: Das Publikum läuft wie

20
   „Der Körper ist das Medium des Realen und sozialen, der Kontrolle. Der Körper ist das „Kairos“ des Subjekts.
Eben weil der Körper die reale Insertion in die Welt darstellt, die Insertion des Subjekts in Reale, kann der
Körper an der Kreuz genagelt werden, sich dem Gesetzt des Vaters, dem Realitätsprinzip unterwerfen.“ In Valie
Export, 1992, Seite 7.
21
   Siehe Abbildung 12 und 13.
22
  „ die Kultur […] als die ganze Summe der Leistungen und Einrichtungen,…die zwei Zwecken dienen: Dem
Schutz des Menschen gegen die Natur und die Regelung der Beziehungen der Menschen untereinander“ Zitiert
von Valie Export, 1992, Seite 6.

                                                                                                            13
eine Prozession zur Schauplatz des Kampfes, eine Schlange kriecht, ein Kind findet
eine Christstatuette. Farmer ist an der Grenze zwischen Kultur und Natur, Tier und
Mensch. Ihr Körper wirkt wie aufgelöst wenn sie vor dem Todesschlag mit weißen
Augen in Wahn gerät.

      Die Inszenierung des Todes ist auch ein Leitmotiv in den Clips von Boutonnat.
Ob sie stirbt, selber tötet oder er selber wird, begegnet die Heldin immer am Ende
dem Tod. Dieses dient der Mystifizierung der Sängerin. Sie ist in ihrem Körper, in
ihrer Rolle sterblich, kehrt aber immer zurück. Der letzte Film den wir hier
untersuchen A Quoi Je Sers? schließt die erste Clipreihe. In den Song, nach der
Veröffentlichung des zweiten Album geschrieben, singt Farmer einen depressiven
Text über den Selbstmord. Der entsprechende Schwarzweiß-Clip inszeniert Farmer
mit einem Reisegepäck im Sumpf, geführt durch den Nebel zwischen Leben und Tod
von einem Gondoliere23. Die früheren Darsteller aller Clips treffen sie, begleiten sie
im Moor und senken sich mit ihr ins Wasser, in den Tod. Nicht nur Farmer, sondern
auch ihre Welt, ihre Feinde, Freunde und Liebhaber verschwinden mit ihr. Es heißt
nicht unbedingt, dass die Sängerin damit auch richtig vergeht, im Gegenteil: Es
gehört zu der allgemeinen Inszenierung, wie man bei Valie Export lesen kann, das “
„Geschlecht das nicht eins ist“ (Luce Irigaray) entzieht sich jeder Definition,
Klassifikation, Identifikation.[…] Die weiblichen Inszenierungen der eigenen
Körperlichkeit         sind   Inszenierungen   der   Auflösung,   der   Opaktheit,   der
Unbestimmtheit, der Ambivalenz, der bloßen Virtualität“24. Mit A Quoi Je Sers?
endet ein Zeitalter Farmers und Boutonnats Arbeit.




      D. Die Wahrnehmung

      Mylène Farmer wird aber nicht nur der Gesellschaft ihrer Filme
gegenübergestellt. Über Leinwand oder Fernsehen wird sie einem Publikum
vorgestellt. Die Faszination der Zuhörer/Zuschauer für die Sängerin wird durch die
visuellen Erzählungen der Clips unterstützt. Laura Mulvey untersuchte die
Strukturen der Wahrnehmung und der Lust am Schauen im Kino25. Dabei berichtet
sie über die Beobachtung, die voyeuristische Fantasien des Zuschauers und ihre


23
   Siehe Abbildung 14.
24
   Valie Export, Seite 34.
25
   Laura Mulvey, 1989.

                                                                                      14
Projektion auf die Darsteller26. Die Zuschauer blicken in Farmers private Welt
hinein und nehmen sie durch das Schauen als Objekt wahr. Anderseits betont sie
den Identifikationsprozess mit dem Bild, durch die Spiegelung der dargestellten
Schauspielerin als ideales Ich auf das Publikum27. Diese zwei Komponenten,
Sexualtriebe und Ich-Libido, artikulieren das Begehren, das das Instinktive und das
Imaginäre transzendiert. Nach Mulvey kristallisiert die Frau als Bild das Paradox der
Bedrohung und des Angenehmes.




Schlusswort:




        Die Arbeiten von Mylène Farmer und Laurent Boutonnat bieten viel Material
für eine Genderanalyse. Fünf Jahren lang lieferten die zwei Künstler Musikfilme,
bei den Mylène Farmer ins Zentrum des Werkes gestellt wurde, als Heldin einer
Märchenwelt voller Symbole, die unsere eigene Welt spiegelt. Die Clips stellen eine
Frau dar, die sich durch ihre Erfahrungen mit den Anderen und die Blicke der
Gesellschaft verwandelt. Ob es durch die Zeit oder durch Verfremdung des eigenen
Körpers kommt, stellt das Bild Farmers seinen Zuschauern eine Identitätsfrage. So
wie die Welt in der sie sich entwickelt undefiniert, unbegrenzt und irreal ist, bleibt
sie immer zwischen zwei Ebenen wie Leben und Tod, männlich/weiblich,
Täter/Opfer. Sogar die Mediumträger, die uns ihr Bild vermitteln, sind zweiseitig:
Popsongs mit tief greifenden Texten und Clips, die eher Filme größere
Produktionen ähneln.

        Nach ihrem dritten Album, entschied sich Boutonnat keine Clips mehr für
Farmer zu drehen. Regisseure wie Luc Besson oder Abel Ferrara drehten für sie
Musikvideos und übernahmen manche Eigenschaften der Welt von Farmer, ohne
jedoch die Magie des Duos zu gleichen.




26
   „Ganz eindeutig ist die Position der Zuschauer im Kino die, daß sie ihren eigenen Exhibitionismus
unterdrücken und die unterdrückten Wünsche auf den Schauspieler projizieren“ Laura Mulvey, 1989.
27
   « das Kino verfügt über Faszinationsmuster, die stark genug sind, einen vorübergehenden Verlust des Ego mit
dessen gleichzeitiger Verstärkung zu koppeln.“ Laura Mulvey, 1989, Seite 35.

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Anhang:

  Bibliographie:




Judith Butler, Das Unbehagen der Geschlechter, in Philosophische Geschlechtertheorien, hrsg. V.
Sabine Doyé, Marion Heinz, Friederike Kuster, Stuttgart, Reclam, 2002.


Valie Export, Der Körper, das Reale und das Double, Vortrag im Kunstmuseum Bern, 13. Dezember
1987, Bern, Benteli Verlag, 1992.


Laura Mulvey, Visuelle Lust und narratives Kino, in Laura Mulvey: Visual and Other Pleasure,
Bloomington, Indiana University Press, 1989.


Caroline Bee, Mylène Farmer: l’ange blessé, Paris, Librio musique, 2003.


Interview von Sophie Tellier: in Platine N.39, März 1997, Seite 19-20.


Interview von Jérôme Dahan: in Platine, N.11 - 4 Februar 1994.


http://jodel.saint-marc.club.fr


http://www.mylene-farmer.de


Lewis C. Seifert, Fairy Tales, sexuality and gender in France, 1690-1715 : Nostalgique utopiase,
Cambridge, Cambridge University press, 1996 (« Cambridge studies in French », 55), 276 p. par
Jean-François Perrin




  Musikographie:

Mylène Farmer, Cendres De Lune, (Mylène Farmer/ Laurent Boutonnat/ Jérôme Dahan/ J.C.
Déqueant), Polydor, 1986.


Mylène Farmer, Ainsi Soit Je…, (Mylène Farmer/Laurent Boutonnat), Polydor, 1988.




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Filmographie:

Plus Grandir; Fr. 1985, R: Laurent Boutonnat, B: Laurent Boutonnat und Mylène Farmer, S: Christine
Simonot, T: Laurent Boutonnat, D: Mylène Farmer, Véronique Khodja, Rambo Kowalski, Tynou, P:
Stephan Sperry, Polygram, Polydor, Tact Production.


Libertine; Fr. 1986, R: Laurent Boutonnat, B: Laurent Boutonnat und Mylène Farmer, S: Agnès
Mouchel, T: Laurent Boutonnat, J.C. Déqueant, D: Mylène Farmer (Libertine), Sophie Tellier, Gérard
Nublat, Rambo Kowalski, Tynou, P: Movie Box, Polygram, Polydor.


Tristana; Fr. 1987, R: Laurent Boutonnat, B: Laurent Boutonnat, S: Agnès Mouchel, T: Laurent
Boutonnat, D: Mylène Farmer (Tristana), Sophie Tellier (La Tsarine), Vladimir Ivtchenko (Rasoukine),
Sacha Prijovic (Le Moine) P: Movie Box, Polygram, Polydor.


Pourvu Qu’Elles Soient Douces (Libertine II); Fr. 1988, R: Laurent Boutonnat, B: Laurent Boutonnat
und Gilles Laurent, S: Agnès Mouchel, T: Laurent Boutonnat, D: Mylène Farmer (Libertine), Ian
Babilee (Le Capitaine), Sophie Tellier (La Rivale), Sandy Whitelaw (Swift), David Sadler Hall (Le
Petit Tambour), Chris Ellis (William), P: Toutankhamon, Casa Film.


Sans Contrefaçon; Fr. 1987, R: Laurent Boutonnat, B: Laurent Boutonnat und Mylène Farmer,
S:Agnès Mouchel, T: Laurent Boutonnat, D: Frédéric Lagache (Le Marionnettiste), Mylène Farmer,
Zouc P: Toutankhamon, Major, Polygram, Polydor.


Ainsi Soit Je; Fr. 1988, R: Laurent Boutonnat, D: Mylène Farmer.


Sans Logique; Fr. 1989, R: Laurent Boutonnat, B: Laurent Boutonnat und Gilles Laurent, D: Mylène
Farmer P: Toutankhamon, Polygram, Polydor.


A Quoi Je Sers?; Fr. 1990, R: Laurent Boutonnat, D: Mylène Farmer P: Toutankhamon, Polygram,
Polydor.




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Texte:


Maman a tort                           Drei – Die Krankenschwester weint
                                       Vier – Ich liebe sie (ihn?)
                                       Fünf – Es ist mein Recht
Un Maman a tort                        Sechs – Alles zu berühren
Deux C’est beau l’amour                Sieben – Dort halte ich nicht inne
Trois L’infirmière pleure              Acht – Ich amüsiere mich/mache mich lustig
Quatre Je l’aime
Cinq Il est d’mon droit
                                       Eins – Obwohl Mama (vielleicht) sagen würde
Six De tout toucher
                                       Zwei – Sie wird mich verlieren/vergessen
Sept J’m’arrête pas là
                                       Drei – Die/mit feuchten Augen
Huit J’m’amuse
                                       Vier – Mir ist schlecht/tut es weh
                                       Fünf – Ich sage was ich will
Un Quoiqu’ maman dise
                                       Sechs – Ich bin unglücklich
Deux Elle m’oubliera
                                       Sieben – Ich denke (,) nicht (allzu) oft
Trois Les yeux mouillés
                                       Acht – Und Sie/Ihr?
Quatre J’ai mal
Cinq Je dis c’ que j’ veux
Six J’ suis malheureuse                Ich mag/liebe das, was man mir verbietet
Sept J’ pense pas souvent              Die unhöflichen Vergnügen/Freuden/Späße
Huit Et vous?                          Ich liebe es, wenn sie mich anlächelt
                                       Ich liebe die Krankenschwester, Mama
J’aime ce qu’on m’interdit
Les plaisirs impolis
                                       Eins – Ich bin sehr heiter/glücklich/fröhlich
J’aime quand elle me sourit
                                       Zwei – Und ich tat gut daran
J’aime l’infirmière maman
                                       Drei – Mit Ihnen/Euch darüber zu sprechen
                                       Vier – Ich amüsiere mich/mache mich lustig
Un J’suis très sereine
                                       Fünf – Obwohl Mama (vielleicht) sagen würde
Deux Et j’ai bien fait
                                       Sechs – Sie war schön
Trois D’vous en parler
                                       Sieben – Diese Krankenschwester
Quatre J’m’amuse
                                       Acht – Ich liebe sie (ihn?)
Cinq Quoiqu’ maman dise
Six Elle était belle
Sept Cette infirmière                  Eins – Die Krankenschwester singt
Huit Je l’aime                         Zwei – Das löst etwas in mir aus/macht mich an
                                       Drei – Wie die Lerche
Un L’infirmière chante                 Vier – Ich habe Angst/fürchte mich
Deux Ça m’fait des choses              Fünf – Das Leben ist hart
Trois Comme l’alouette                 Sechs – Für ein Lächeln
Quatre J’ai peur                       Sieben – (Dafür/darüber) Weine ich die Nacht
Cinq C’est dur la vie                  Acht – Und Sie/Ihr?
Six Pour un sourire
Sept J’en pleure la nuit
                                       Ich mag/liebe das, was man mir verbietet
Huit Et vous?
                                       Die unhöflichen Vergnügen/Freuden/Späße
                                       Ich liebe es, wenn sie mich anlächelt
J’aime ce qu’on m’interdit
                                       Ich liebe die Krankenschwester, Mama
Les plaisir impolis
J’aime quand elle me sourit
J’aime infirmière maman                Eins – Mama hat Unrecht/liegt falsch
                                       Zwei – Die Liebe ist schön
Un Maman a tort                        Drei – Die Krankenschwester weint
Deux C’est beau l’amour                Vier – Ich liebe sie
Trois L’infirmière pleure              Fünf – Mama hat Unrecht/liegt falsch
Quatre Je l’aime                       Sechs – Die Liebe ist schön
Cinq Maman a tort                      Sieben – Im Hospital/Krankenhaus
Six C’est beau l’amour                 Acht – Mir ist schlecht/tut es weh.
Sept À l’hôpital                       Übersetzung: Peter Marwitz & Michael Kuyumcu, Februar
Huit J’ai mal.                         1993

                                       Lyrische Übersetzung:
Mama hat Unrecht
                                       Maman a tort
Eins – Mama liegt falsch/hat Unrecht
Zwei – Die Liebe ist schön


                                                                                         18
Eins – Mama liegt falsch
Zwei – Liebe ist schön                             Jeux de mains, jeux de fous
Drei – die Schwester weint                         C’est pas pour nous
Vier – lieb sie                                    Suspendue au lit comme une poupée
Fünf – es ist mein Recht:                          Qu’on a désarticulée
Sechs – alles berührn
Siebn – da stopp ich nicht                         Petit rien, petit bout
Acht – macht Spaß                                  De rien du tout
                                                   Reviens dans mes images j’ me suis perdue
                                                   Après... je n’sais plus!
Eins – Wenn Ma auch meint
Zwei – mich zu verliern
                                                   Plus grandir, j’ veux plus grandir
Drei – die Augen feucht
                                                   Plus grandir pour pas mourir, pas souffrir
Vier – tut’s weh
                                                   Plus grandir, j’ veux plus grandir
Fünf – ich sag ich will
                                                   Pour les pleurs d’une petite fille...
Sechs – bin unglücklich
Siebn – Ich denk nicht oft
Acht – und Sie?                                    Plus grandir
                                                   (Nicht) älter/erwachsen werden
Ich lieb, was man nicht macht
Den unartigen Spaß                                 Kleine Nichtigkeit/Bagatelle, kleines Ende/
Ich lieb es, wenn sie lacht                        Knirps/ kleine Zwinge/ kleine Spitze
Ich lieb die Schwester, Ma                         Von gar nichts/ Macht gar nichts
                                                   Hat mich ganz drunter und drüber/durcheinander
                                                   gebracht/
Eins – ich bin sehr froh
                                                   das Unterste zuoberst gekehrt/ meine Kleidung ganz
Zwei – das tat mir gut
                                                   sinnlich/Sinn/Gefühl Über- Unterwäsche/Oberteil
Drei – es auszusprechen
                                                   Unterteil (Kehrseite)
Vier – macht Spaß
                                                   Nahm seine Beine unter den Arm/Ist Hals über Kopf
Fünf – wenn Ma auch meint
                                                   geflohen (überfallen)
Sechs – sie war so schön
Siebn – die Kranknschwester
Acht – lieb ich                                    Kleine Nichtigkeit/Bagatelle, kleines Ende/ Knirps/ kleine
                                                   Zwinge/
                                                   kleine Spitze
Eins – die Schwester singt
                                                   Das Leben macht sich darüber lustig/ dem Leben ist es
Zwei – das macht mich an
                                                   egal
Drei – so lerchengleich
                                                   In meine(n) ganz aufgeweichten Papier-Tüchern
Vier – hab Angst
                                                   Meine Küsse sind besudelt/beschmutzt
Fünf – hart ist’s, das Leben
Sechs – für’n Lächeln nur
Siebn – wein ich die Nacht
Acht – und Sie?
                                                   (Nicht) älter werden, ich will (nicht) erwachsen werden /
Ich lieb, was man nicht macht                      (Ich will darüber hinwegkommen)
Den unartigen Spaß                                 (Nicht) älter werden, um nicht zu sterben, nicht zu
Ich lieb es, wenn sie lacht                        leiden
Ich lieb die Schwester, Ma                         (Nicht) größer werden, ich will (nicht) erwachsen werden
                                                   Für die Tränen eines kleinen Mädchens/ Um der Tränen
                                                   eines kleinen
Eins – Mama liegt falsch
                                                   Mädchens willen
Zwei – Liebe ist schön
Drei – die Schwester weint
Vier – lieb sie                                    (Kinder-) Spiele der Hände, Launen der
Fünf – Mama liegt falsch                           Unvernünftigen/Narren/
Sechs – Liebe ist schön                            Spiele der Läufer (Schachfigur)
Siebn – im Hospital                                Es ist nicht für uns
Acht – tut’s weh                                   Außer Kraft gesetzt/aufgehängt im Bett wie eine Puppe
                                                   Die man zergliedert/verrenkt/im Gelenk amputiert hat

Übersetzung (lyrische Version): Michael Kuyumcu,   Kleine Nichtigkeit/Bagatelle, kleines Ende/ Knirps/ kleine
November 1994                                      Zwinge/
                                                   kleine Spitze
Plus grandir                                       Von gar nichts/ Macht gar nichts
                                                   Kommt/Kehrt/Erhole mich wieder in meinen
                                                   Vorstellungen,
Petit rien, petit bout
                                                   ich bin mir verloren gegangen
De rien du tout
                                                   Danach... ich weiß nicht mehr!/ Bereit·/ abgesehen von·
M’a mise tout sens dessus dessous
                                                   ich weiß nicht mehr!/ Ich bin nicht mehr daheim·/nicht
A pris ses jambes à son cou
                                                   mehr heimisch
Petit rien, petit bout
La vie s’en fout                                   (Nicht) älter werden, ich will (nicht) erwachsen werden /
Dans mes draps de papier tout délavés              (Ich will darüber hinwegkommen)
Mes baisers sont souillés                          (Nicht) älter werden, um nicht zu sterben, nicht zu
                                                   leiden
Plus grandir, j’ veux plus grandir
Plus grandir pour pas mourir, pas souffrir
                                                   (Nicht) älter werden, ich will (nicht) erwachsen werden /
Plus grandir, j’ veux plus grandir
                                                   (Ich will darüber hinwegkommen)
Pour les pleurs d’une petite fille


                                                                                                         19
Für die Tränen eines kleinen Mädchens/
Um der Tränen eines kleinen Mädchens willen...               Libertine

                                                             Cendre de lune, petite bulle d’écume
Übersetzung: Peter Marwitz & Michael Kuyumcu, März           Poussée par le vent je brûle et je m’enrhume
1993                                                         Entre mes dunes reposent mes infortunes
                                                             C’est nue que j’apprends la vertu
Textorientierte Übersetzung:
                                                             Je, je suis libertine*
Plus grandir
                                                             Je suis une catin
(Nicht) älter/erwachsen werden
                                                             Je, je suis si fragile
                                                             Qu’on me tienne la main
Kleine Nichtigkeit/Bagatelle, kleines Ende/
Knirps/ kleine Zwinge/ kleine Spitze                         Fendre la lune, baisers d’épine et de plume
Von gar nichts/ Macht gar nichts                             Bercée par un petit vent je déambule
Hat mich ganz drunter und drüber/durcheinander               La vie est triste comme un verre de grenadine
gebracht/                                                    Aimer c’est pleurer quand on s’incline
das Unterste zuoberst gekehrt/ meine Kleidung ganz
sinnlich/Sinn/Gefühl Über- Unterwäsche/Oberteil              Je, je suis libertine
Unterteil (Kehrseite)                                        Je suis une catin
Nahm seine Beine unter den Arm/Ist Hals über Kopf            Je, je suis si fragile
geflohen (überfallen)                                        Qu’on me tienne la main

                                                             Quand sur ton corps je m’endors
Kleine Nichtigkeit/Bagatelle, kleines Ende/ Knirps/ kleine
                                                             Je m’évapore, bébé tu dors et moi j’attends l’aurore
Zwinge/
                                                             Quand sur mes lèvres tu t’enlèves, un goût amer
kleine Spitze
                                                             Me rappelle que je suis au ciel
Das Leben macht sich darüber lustig/ dem Leben ist es
egal
                                                             Cendre de lune, petite bulle d’écume
In meine(n) ganz aufgeweichten Papier-Tüchern
                                                             Perdue dans le vent je brûle et je m’enrhume
Meine Küsse sind besudelt/beschmutzt
                                                             Mon corps a peur, la peau mouillée, j’ai plus d’âme
                                                             Papa, ils ont violé mon cœur.


                                                             Je, je suis libertine
(Nicht) älter werden, ich will (nicht) erwachsen werden /
                                                             Je suis une catin
(Ich will darüber hinwegkommen)
                                                             Je, je suis si fragile
(Nicht) älter werden, um nicht zu sterben, nicht zu
                                                             Qu’on me tienne la main
leiden
(Nicht) größer werden, ich will (nicht) erwachsen werden
Für die Tränen eines kleinen Mädchens/ Um der Tränen
eines kleinen                                                Textorientierte Übersetzung:
Mädchens willen
                                                             Libertine
(Kinder-) Spiele der Hände, Launen der
Unvernünftigen/Narren/                                       Asche des Mondes, kleine Blase der Gischt/des
Spiele der Läufer (Schachfigur)                              Geifers/Abschaumes
Es ist nicht für uns                                         Getrieben vom Wind glühe/brenne ich, und ich erkälte
Außer Kraft gesetzt/aufgehängt im Bett wie eine Puppe        mich
Die man zergliedert/verrenkt/im Gelenk amputiert hat         Zwischen meinen Dünen ruhen (liegen begraben)
                                                             meine Schicksalsschläge/Leiden/Mißgeschicke
                                                             Es ist nackt, wie/daß ich die Tugend/Stärke/
Kleine Nichtigkeit/Bagatelle, kleines Ende/ Knirps/ kleine
                                                             Sittsamkeit/Keuschheit lerne/lehre
Zwinge/
kleine Spitze
Von gar nichts/ Macht gar nichts                             Ich, ich bin Libertine*
Kommt/Kehrt/Erhole mich wieder in meinen                     Ich bin eine Hure/Nutte
Vorstellungen,                                               Ich, ich bin so zerbrechlich/zart/vergänglich
ich bin mir verloren gegangen                                Daß man mir die Hand reicht/hält
Danach... ich weiß nicht mehr!/ Bereit·/ abgesehen von·
ich weiß nicht mehr!/ Ich bin nicht mehr daheim·/nicht
                                                             Den Mond aufschlitzen/-spalten, Küsse von Stacheln und
mehr heimisch
                                                             von Federn
                                                             Gewiegt/getröstet durch einen kleinen Wind ziehe ich
(Nicht) älter werden, ich will (nicht) erwachsen werden /    umher
(Ich will darüber hinwegkommen)                              Das Leben ist trüb wie ein Glas
(Nicht) älter werden, um nicht zu sterben, nicht zu          Granatapfelsaft/Grenadine
leiden                                                       Lieben, das ist weinen wenn man sich
                                                             beugt/verneigt/fügt
(Nicht) älter werden, ich will (nicht) erwachsen werden /
(Ich will darüber hinwegkommen)                              Ich, ich bin Libertine
Für die Tränen eines kleinen Mädchens/                       Ich bin eine Hure/Nutte
Um der Tränen eines kleinen Mädchens willen...               Ich, ich bin so zerbrechlich/zart/vergänglich
                                                             Daß man mir die Hand reicht/hält

                                                             Wenn auf Deinem Körper, ich schlafe ein
Übersetzung: Peter Marwitz & Michael Kuyumcu, März
                                                             Ich dampfe ab/verdunste, Baby, Du schläfst,
1993
                                                             und ich erwarte die Dämmerung


                                                                                                                    20
Wenn Du Dich von meinen Lippen wegreißt/               Contre ta bouche elle veut qu’on la couche
meinen Lippen entziehst, ein bitterer Geschmack
Erinnert mich daran, daß ich im Himmel bin             Triste elle fait la grimace,
                                                       Devant sa glace
                                                       D’un coup du cœur enlace l’ombre qui passe
Asche des Mondes (bzw.: Aschermittwoch des Mondes),
                                                       Et rien jamais n’effacera les traces, lâches
kleine Blase der Gischt/des Geifers/Abschaumes
                                                       Du sang qui coule des corps qui se cassent
Verloren im Wind glühe ich, und ich erkälte mich
Mein Körper hat Angst, die Haut benetzt/
                                                       Adieu Tristana
aufgeweicht, ich habe keine Seele mehr / mehr Seele
                                                       Ton cœur a pris froid
Papa, sie haben mein Herz entweiht/
                                                       Adieu Tristana
geschändet/verletzt/vergewaltigt.
                                                       Dieu baisse les bras
                                                       Laissez-la partir
Ich, ich bin Libertine                                 Laissez-la mourir
Ich bin eine Hure/Nutte                                Ne le dites pas
Ich, ich bin so zerbrechlich/zart/vergänglich          Tristana, c’est moi!
Daß man mir die Hand reicht/hält
                                                       Triste sort Tristana
                                                       Tu sais, crois-moi
                                                       Trois petits tours, elle s’en va
Übersetzung: Peter Marwitz & Michael Kuyumcu, März
                                                       La vie comme ça
1993
                                                       Les plus beaux jours s’achèvent dans la peine,
                                                       Haine
Lyrische Übersetzung:
                                                       Pourquoi faut-il payer de ses veines
Libertine

                                                       Textorientierte Übersetzung:
Asche des Mondes, kleine Blase von Schwären
Getrieben vom Wind brenn ich, mich erkältend
                                                       Tristana
Zwischen meinen Dünen ruhn meine Schicksalsschläge
Nackt, wie ich die Tugend lerne
                                                       Traurig/betrübt ist sie bereit zu allem
                                                       Für nichts, für alles
Ich, ich bin Libertine*
                                                       In der Runde der Verrückten weint sie ganz
Ich geh auf den Strich
                                                       sanft/süß/leise
Zerbrechliche Vitrine
                                                       Die Liebe tötete die Worte, die sie berühren,
Fremde Hand, halt mich
                                                       Berühren
                                                       Sie will, daß man sie gegen/an Deinen Mund
Spalte den Mond, Küsse von Stacheln und Federn         bettet/schlafen legt
Gewiegt von einem kleinen Wind zieh ich umher
Das Leben: trüb wie Grenadine-Gläser
                                                       Traurig/betrübt schneidet sie die Grimasse/zieht sie ein
Lieben ist Sich-Beugen tränenschwer
                                                       Gesicht
                                                       Vor ihrem Spiegel/ihrer inneren Kälte
Ich, ich bin Libertine                                 Fesselt/umschlingt ein Herzschlag den Schatten, der
Ich geh auf den Strich                                 vorüberzieht
Zerbrechliche Vitrine                                  Und nichts wird jemals die Spuren, die kraftlosen,
Fremde Hand, halt mich                                 löschen
                                                       Des Bluts, das aus den Körpern rinnt/strömt,
                                                       die gebrechlich/schwach/alt werden
Schlaf auf Deinem Körper ein
Verdampfe ich, Baby, Du schläfst fein
Ich wart auf Sonnenschein                              Adieu Tristana
Entziehst Du Dich meinen Lippen,                       Dein Herz hat sich erkältet
Schmeckt es bitter,                                    Adieu Tristana
Erinnert mich: ich bin im Himmel                       Gott senkt die Arme
                                                       Laßt/Lassen Sie sie abreisen/gehen
                                                       Laßt/Lassen Sie sie sterben
Asche des Mondes, kleine Blase von Schwären
                                                       Sagt/Sagen Sie es nicht
Verloren im Wind brenn ich, mich erkältend
                                                       Tristana, das bin ich!
Mein Körper hat Angst, die Haut gequolln, ohne Seele
Papa, sie entweihten mir mein Herz
                                                       Traurig/betrübt verläßt/geht Tristana
                                                       Du weißt, glaub mir
Ich, ich bin Libertine
                                                       Drei kleine Runden, (schon) geht es
Ich geh auf den Strich
                                                       Das Leben einfach so
Zerbrechliche Vitrine
                                                       Die schönsten Tage enden im Schmerz
Fremde Hand, halt mich
                                                       Haß
                                                       Warum ist es nötig, für sein Wesen/Glück zu büßen/zu
                                                       bezahlen
Übersetzung (lyrische Version): Michael Kuyumcu,
Dezember 1994
                                                       Übersetzung: Peter Marwitz & Michael Kuyumcu, März
Tristana
                                                       1993

Triste elle est prête à tout                           Lyrische Übersetzung:
Pour rien, pour tout
Dans la ronde des fous elle pleure tout doux           Tristana
L’amour a tué les mots qui la touchent,
Touchent


                                                                                                              21
Nichts – sie ist betrübt.                                  Da man (ja) wählen/entscheiden muß
In der Irren Runde weint sie süß·                          In leisen/sanften Worten kann ich es sagen
Liebe tötete die Worte, die berühren,                      "Ohne Fälschung"/unverfälscht/eindeutig
Rühren,                                                    Ich bin ein Junge
An Deinem Mund sollst Du sie nachts spüren.                Und für ein Königreich
                                                           Ich will mich nicht entkleiden
                                                           Denn "ohne Fälschung"/eindeutig
Trist zieht sie die Grimasse
                                                           Ich bin ein Junge
Vor dem Glase
Aus Eis im Innern hält einen Schatten
Ihr Herz. Und nichts löscht je die Spuren, fahlen Lachen   Ganz allein in meinem (Wand-)Schrank
Des Bluts, das strömt aus Körpern der Schwachen            Die Augen von Schwärze umschlossen/-geben
                                                           Sicher/geschützt vor fremden Blicken
                                                           Ich biete dem Zufall/Glück die Stirn (fordere... heraus)
Tristana, Adieu,
                                                           In dieser Welt die weder Hand noch Fuß hat
Dein Herz tut Dir weh.
                                                           ("weder Schwanz noch Kopf")
Tristana, Adieu,
                                                           Handele ich nur nach meinem Kopf/Willen
Gotts Arm senkt sich jäh.
                                                           Ein Taschen-/Kopftuch in der "Tiefe der Hose"
Laßt sie endlich gehn,
                                                           Ich bin Ritter von Eon
Endlich von Euch gehn.
                                                           Da man (ja) wählen/entscheiden muß
Aber sagt es nicht:
                                                           In leisen/sanften Worten kann ich es sagen
Tristana – bin ich!
                                                           "Ohne Fälschung"/unverfälscht/eindeutig
                                                           Ich bin ein Junge
Trist geht Tristana,
Du weißt: ’s ist wahr.
                                                           Und für ein Königreich
Drei Runden – sie ist nicht mehr da.
                                                           Ich will mich nicht entkleiden
Leben wie das –
                                                           Denn "ohne Fälschung"/eindeutig
Wenn schönste Tage bloß im Schmerz verblassen,
                                                           Ich bin ein Junge
Hassen.
Warum muß man sich zur Ader lassen?
                                                           Abwechselnd/der Reihe nach jagt/treibt man mich
                                                           Mit Eurer Benutzung/Umgang/Besuch
                                                           Ich dulde es nicht/lasse es nicht zu, daß man
Übersetzung (lyrische Version): Michael Kuyumcu, Mai
                                                           Meine Beschlüsse/Entscheidungen bedroht
1993
                                                           Ich schere mich nicht um das Gerede der Leute
                                                           Ich bin "Chamäleon"/schillernd
Sans contrefaçon
                                                           Nehmt Euch in acht vor meinen Zinnsoldaten
                                                           Sie sind es, die Euch töten.
Puisqu'il faut choisir
A mots doux je peux le dire
                                                           Da man (ja) wählen/entscheiden muß
Sans contrefaçon
                                                           In leisen/sanften Worten kann ich es sagen...
Je suis un garçon
Et pour un empire
J e ne veux me dévêtir                                     Übersetzung: Peter Marwitz, September 1992
Puisque sans contrefaçon
Je suis un garçon
                                                           Lyrische Übersetzung:
Tout seul dans mon placard
                                                           Sans contrefaçon
Les yeux cernés de noir
A l'abri des regards
Je défie le hasard                                         Da es gilt, zu wähln,
Dans ce monde qui n'a ni queue ni tète                     Kann ich’s sanft und süß erzähln:
Je n'en fais qu'à sa tète                                  Zweifellos bin dann
Un mouchoir au creux du pantalon                           Ich ein junger Mann.
Je suis chevalier D'Eon                                    Selbst fürs Königshaus
                                                           Zöge ich mich niemals aus.
Puisqu'il faut choisir                                     Denn ganz zweifellos bin dann
A mots doux je peux le dire                                Ich ein junger Mann
Sans contrefaçon
Je suis un garçon
                                                           Allein in meinem Schrank,
Et pour un empire
                                                           Wo Nacht aufs Auge sank,
Je ne veux me dévêtir
                                                           Geschützt vor fremdem Blick,
Puisque sans contrefaçon
                                                           Biet ich die Stirn dem Glück.
Je suis un garçon
                                                           Sie hat weder Hand noch Fuß, die Welt –Ich tu, was mir
                                                           gefällt.
Tour à tour on me chasse
                                                           Ein Taschentuch folgt mir auf Schritt und Tritt
De vos fréquentations
                                                           Her von Eon führt mein Ritt.
Je n'admets pas qu'on menace
Mes résolutions
Je me fous bien des qu'en-dira-t'on                        Da es gilt, zu wähln,
Je suis caméléon                                           Kann ich’s sanft und süß erzähln:
Prenez garde à mes soldats de plomb                        Zweifellos bin dann
C'est eux qui vous tueront                                 Ich ein junger Mann.

Puisqu'il faut choisir
                                                           Selbst fürs Königshaus
A mots doux le peux le dire...
                                                           Zöge ich mich niemals aus.
                                                           Denn ganz zweifellos bin dann
Sans contrefaçon                                           Ich ein junger Mann
Ohne Fälschung/unverfälscht


                                                                                                                  22
Euch alle muß ich fliehn,                              Mais pourvu qu'elles soient douces
Wenn Ihr Besuche macht;                                D'un esthète tu n'as garde qu'un "air bête"
Niemand darf in Zweifel ziehn,                         Tout est beau si c'est "Vue de dos" ! ...
Was ich mir gedacht.
Und was schert mich Euer Tratsch denn schon;
                                                       Pourvu qu'elles soient douces
Ich bin Chamäleon.
                                                       Vorausgesetzt/wünschte, daß sie weich wären
Nehmt Euch in acht vor meinem Zinnsoldat,
Denn er plant ein Attentat.
                                                       Nun/he Kerl/Typ!
                                                       Dein versteckter/hinterhältiger/schräger Blick
Da es gilt, zu wähln,
                                                       Ist keineswegs nicht lüstern/geil
Kann ich’s sanft und süß erzähln...
                                                       Deine Mutter hat Dir zu sehr den Hintern versohlt
                                                       Dein Geschmack/Vorliebe für die Kehr-/Rückseite
                                                       Hat rein gar nichts Perverses
Übersetzung (lyrische Version): Michael Kuyumcu, Mai   Und Dein Baby/kleines Kind ist nicht böse/verstimmt
1993
                                                       Dein Kamasutra
Textorientierte Übersetzung:
                                                       Ist gut/mindestens hundert Jahre alt
Pourvu qu'elles soient douces
                                                       Mein Gott, wie ist es altmodisch
                                                       Das Nonplusultra
Pourvu Qu’elles soient douces                          In dieser Landschaft/Gegend
Eh Mec !                                               Ist es, beide Seiten zu lieben
Ton regard oblique
En rien n'est lubrique
                                                       Deine Majestät/Dein König/Deine Würde
Ta maman t'a trop fessé
                                                       Verschiebt/versetzt Dich nie(mals)!
Ton goût du revers
                                                       Ohne Dein kleines Kopfkissen (?)
N'a rien de pervers
                                                       Auf ewig/für immer bin ich
Et ton bébé n'est pas fâché
                                                       Deine einzige/alleinige Klasse/Schicht/Kategorie
                                                       Alles ist nur ein zu zahlender Preis
Ton Kamasutra
A bien cent ans d’âge
Mon Dieu que c'est démodé                              Du "machst"/sagst Ahs und Ohs
Le nec plus ultra                                      Hinter Deinen Befestigungs-/Verteidigungsanlagen
En ce paysage                                          Wenn/sobald meine kleine Hose
C'est d'aimer les deux côtés                           Aufrecht/stehend und auf dem Rücken
                                                       Ohne den Mut zu verlieren
Ta majesté                                             Entblöße/äußere Deine Besessenheit quälenden
Jamais ne te déplaces !                                Gedanken/Vorstellungen
Sans ton petit oreiller
A jamais je suis
                                                       Du versteifst Dich darauf/hast die Stirn, Dich
Ton unique classe
                                                       über alles lustig zu machen
Tout n'est que prix à payer
                                                       Aber vorausgesetzt, daß sie sanft/weich sind
                                                       Von einem Poeten/Dichter "hast Du nichts als den
Tu fais des Ah! des Oh!
                                                       Mond im Sinn" ("Du bist ein wenig verrückt")
Derrière ton ouvrage
                                                       Gegenüber meiner Offenheit/meinen Rundungen bist Du
Quand mon petit pantalon
                                                       K.O./hilflos
Debout et de dos
                                                       Du versteifst Dich darauf/hast die Stirn, Dich
Sans perdre courage
                                                       über alles lustig zu machen
Dénude tes obsessions
                                                       Aber vorausgesetzt, daß sie sanft/weich sind
                                                       Von einem Ästheten hast Du nur ein "tierisches/
Tu t'entêtes à te foutre de tout
                                                       dümmliches Aussehen/Art/Erscheinung" bewahrt
Mais pourvu qu'elles soient douces
                                                       Alles ist schön, wenn es "von hinten gesehen" wird
D'un poète tu n'as que la lune en tête
De mes rondeurs tu es K.O. !
Tu t'entêtes à te foutre de tout                       O.K.!
Mais pourvu qu'elles soient douces                     Prosa oder Poesie
D'un esthète tu n'as gardé qu'un "air bête"...         Alles ist nur ein Vorwand
Tout est beau si c'est "Vue de dos" !                  Nicht nötig, sich zu entschuldigen
                                                       Muse/Kunst/Genie oder Anstifterin/Nymphe
0K !                                                   Meine kleinen Hinterbacken
Prose ou poésie                                        Hören nicht auf, Dich zu inspirieren/erregen
Tout n'est que prétexte
Pas la peine de t'excuser
                                                       Ich "mache"/sage Ahs und Ohs
Muse ou égerie
                                                       Erschöpfe/ermüde mich nie (Ich ermüde/langweile nie)
Mes petites fesses
                                                       Durch Liebe, für die (ich) Feuer und Flamme bin
Ne cessent de t'inspirer
                                                       Ist es nicht (sowieso) unumgänglich, daß
                                                       Die Jugend vorbei-/vorübergeht/sich abschwächt
Je fais des Ah! des Oh!
                                                       Wozu also sich drängen/überhastet sein?
Jamais ne me lasse
Par amour pour un toqué
Ne faut-il pas que                                     Du versteifst Dich darauf/hast die Stirn, Dich
Jeunesse se passe                                      über alles lustig zu machen
A quoi bon se bousculer ?                              Aber vorausgesetzt, daß sie sanft/weich sind
                                                       (wünschte, sie wären sanft/weich)
Tu t'entêtes à te foutre de tout
Mais pourvu qu'elles soient douces
D'un poète tu n'as que la lune en tête                 Übersetzung: Peter Marwitz, September 1992
De mes rondeurs tu es K.O. !
Tu t'entêtes à te foutre de tout

                                                                                                             23
Lyrische Übersetzung:                                  Je sais bien que je mens
                                                       Je sais bien que 1'ai froid dedans
Pourvu qu'elles soient douces
                                                       Bulle de chagrin
                                                       Boule d'incertitude
Kerl! Dein
                                                       De nos destins
Blick, den Du verteilst,
                                                       Naît que solitude
Ist nicht wenig geil;
                                                       Tu dis qu'il faut du temps
Mutter hat Dir’n Po vertrimmt.
                                                       Qu'aimer n'est pas un 1eu d'enfant
Dein Spaß am Revers
                                                       Je sais bien que tu mens
Ist kein Stück pervers –
                                                       Mais je suis si seule à présent
Dein Baby ist auch nicht verstimmt
                                                       Ainsi soit Je
Dein Kamasutra                                         Ainsi soit Tu
Hat gut hundert Jahr,                                  Ainsi soit Il
Mein Gott, aus Omas Zeiten...                          Ainsi moi je
Das Nonplusultra                                       Prie pour que Tu
Ist hier wie da:                                       Fuis mon exil
Liebe einfach beide Seiten.                            Mais quel espoir
                                                       Pourrais-je avoir
                                                       Quand tout est noir ?
Die Würde läßt
                                                       Ainsi soit Je
Dich sicher nie im Stich!
                                                       Ainsi soit Tu
Ohne Kissen, das Du preßt,
                                                       Ainsi soit ma vie
Bleibe immer ich
                                                       Tant pis.
Deine einz’ge Schicht –
Und der Preis dafür steht fest
                                                       Bulle de chagrin
                                                       Boule d'incertitude
Du stammelst Ahs und Ohs –                             Deux orphelins
Nur aus "Arbeitswut" –                                 Que le temps défigure
Wenn dann meine kleine Hos’                            Je voudrais mon hiver
Rücklings liegt, von vorn·                             M'endormir loin de tes chimères
Fasse doch den Mut:                                    Tu sais bien que je mens
Leg Deine Lüste bloß!                                  Tu sais bien que j'ai froid dedans

                                                       Ainsi soit Je
Du machst alles lächerlich sogleich,
                                                       Ainsi soit Tu
Ach, wären sie doch weich...
                                                       Ainsi soit il
Vom Poeten blieb der Kopf Dir voll Planeten,
                                                       Ainsi moi je
Doch meine Rundung macht Dich stumm!
                                                       Prie pour que Tu
Du machst alles lächerlich sogleich
                                                       Fuis mon exil
Ach, wären sie doch weich...
                                                       Niais quel espoir
Vom Ästheten ging nur’s Tiergesicht nicht flöten
                                                       Pourrais-je avoir
Alles ist schön, dreht man es um!
                                                       Quand tout est noir ?
                                                       Ainsi soit Je
O.K.!                                                  Ainsi soit Tu
Prosa, Poesie·                                         Ainsi soit ma vie
Alles Vorwand und                                      Tant pis...
Für Entschuldigung kein Grund.
Muse, Nymphe – nie
                                                       Ainsi soit je...*
werden meine Hügel
                                                       So soll ich sein*
Aufhörn, Dich stets neu zu beflügeln

                                                       Blase des Kummers/Leids/Grams
Ich stammle Ahs und Ohs,
                                                       Kugel/Ball der
Niemals werd ich müde;
                                                       Ungewißheit/Unbeständigkeit/Unsicherheit
Liebend brenn ich lichterloh
                                                       So viele der Morgen (So sehr Morgen)
Die Jugend, Lieber –
                                                       Daß nichts verheimlicht/verborgen/verschleiert ist
Sie geht vorüber...
                                                       Ich will/möchte meinen Winter
Wozu also hetzt Du so?
                                                       Mich beruhigen/einschlafen fern von Deinen Träumen
                                                          /Grillen/Hirngespinsten/Trugbildern/Schimären
Du machst alles lächerlich sogleich,                   Ich weiß (sehr) wohl, daß ich lüge
Ach, wären sie doch weich...                           Ich weiß (sehr) wohl, daß ich innerlich/im Innern friere

                                                       Blase des Kummers/Leids/Grams
Übersetzung (lyrische Version): Michael Kuyumcu, Mai   Kugel/Ball der
1993                                                   Ungewißheit/Unbeständigkeit/Unsicherheit
                                                       (Von) unseren Schicksalen/Geschicken/Bestimmungen
                                                       Entspringt nur/nichts als Einsamkeit
Textorientierte Übersetzung:
                                                       Du sagst, daß es/er Zeit braucht,
                                                       Daß Lieben kein Kinderspiel ist
Ainsi soit je...*
                                                       Ich weiß (sehr) wohl, daß Du lügst
                                                       Doch ich bin allein/einsam zur Zeit/gegenwärtig
Bulle de chagrin
Boule d'incertitude
                                                       So   soll Ich sein*
Tant de matins
                                                       So   sollst Du sein
Que rien ne dissimule
                                                       So   soll (möge) Er/Es sein / Amen
Je veux mon hiver
                                                       So   ich – ich
M'endormir loin de tes chimères

                                                                                                              24
Bitte/bete darum, daß Du                             Der Deinen Schemen mich entreißt.
Fliehst/Dich abkehrst (aus) meiner Verbannung/Exil   Du weiß wohl, daß ich lüg –
Aber/doch welche Hoffnung                            Du weißt, wie mich der Frost durchglüht.
Könnte ich noch haben / könnte mir bleiben
Da/wenn alles schwarz ist?
                                                     So seie Ich
So soll Ich sein
                                                     So seiest Du
So sollst (mögest) Du sein
                                                     So seie Es.
So soll (möge) mein Leben sein
                                                     So bitt ich Dich,
Desto schlimmer/macht nichts.
                                                     Verlasse Du
                                                     Verbannt mich jetzt.
Blase des Kummers/Leids/Grams                        Doch was bleibt mir,
Kugel/Ball der                                       Wenn ich mich hier
Ungewißheit/Unbeständigkeit/Unsicherheit             In Nacht verlier?
Zwei Waisen                                          So seie Ich
Die die Zeit entstellt/verändert/verzerrt            So seiest Du,
Ich würde meinen Winter wollen                       So sei gelebt –
Mich beruhigen/einschlafen fern von Deinen Träumen   Wenn’s geht...
   /Grillen/Hirngespinsten/Trugbildern/Schimären
Du weißt (sehr) wohl, daß ich lüge
Du weißt (sehr) wohl, daß ich innerlich friere
                                                     Übersetzung (lyrische Version): Michael Kuyumcu, März
                                                     1993
So soll (möge) Ich sein
So sollst (mögest) Du sein
                                                     Sans logique
So soll (möge) Er/Es sein / Amen
So ich – ich
Bitte/bete darum, daß Du                             Si Dieu nous fait à son image
Fliehst/abkehrst (aus) meiner Verbannung/Exil        Si c’était sa volonté
Aber/doch welche Hoffnung                            Il aurait dû prendre ombrage
Könnte ich noch haben / könnte mir bleiben           Du malin mal habité
Da/wenn alles schwarz ist?                           Qui s'immisce et se partage
So soll (möge) Ich sein                              L'innocence immaculée
So sollst (mögest) Du sein                           De mon âme d'enfant sage
So soll (möge) mein Leben sein                       Je voudrais comprendre
Desto schlimmer/macht nichts...
                                                     De ce paradoxe
                                                     Je ne suis complice
Lyrische Übersetzung:
                                                     Souffrez qu'une autre
                                                     En moi se glisse
Ainsi soit je...
                                                     Car sans logique
                                                     Je me quitte
Blase des Grams                                      Aussi bien satanique
Der Unstetigkeit –                                   Qu’angélique
Der Morgen kam,
Und nichts blieb mehr geheim.                        Si chaque fois qu'en bavardages
Ich will den Schlaf in Eis,                          Nous nous laissons dériver
Der Deinen Schemen mich entreißt.                    Je crois bien que d’héritage
Ich weiß wohl, daß ich lüg –                         Mon silence est meurtrier
Ich weiß, wie mich der Frost durchglüht.             Vous me découvrez blafarde
                                                     Fixée à vos yeux si tendres
                                                     Je pourrais bien par mégarde
Blase des Grams
                                                     D'un ciseau les fendre
Der Unstetigkeit –
Die Zukunft kam
Und läßt nur Einsamkeit.                             Textorientierte Übersetzung:
Du sagst, es braucht noch viel
Geduld, und Lieben ist kein Spiel.                   Sans logique
Ich weiß wohl, daß Du lügst –                        Ohne Logik/Vernunft
Doch ich bin jetzt allein wie nie.
                                                     Falls Gott uns nach seinem Bild schuf
So seie Ich*                                         Falls es sein Wille war
So seiest Du                                         Müßte er Verdacht schöpfen/es übelnehmen
So seie Es.                                          (Gegenüber) dem schlecht gekleideten Teufel/Schurken
So bitt ich Dich,                                    Der sich einmischt und sich verteilt/geteilt
Verlasse Du                                          Die unbefleckte/reine Unschuld
Verbannt mich jetzt.                                 Meiner Seele eines artigen/folgsamen Kindes
Doch was bleibt mir,                                 Möchte ich gerne verstehen
Wenn ich mich hier
In Nacht verlier?
                                                     An diesem Paradox(on)
So seie Ich
                                                     Bin ich nicht mitschuldig
So seiest Du,
                                                     Gestatten Sie/Gestattet, daß eine andere
So sei gelebt –
                                                     Sich in mich hineinschleicht/-gleitet
Wenn’s geht.
                                                     Denn ohne Logik/Vernunft
                                                     Ich trenne mich/Nehme Abschied
Blase des Grams,                                     Genauso satanisch/teuflisch
Der Unstetigkeit –                                   Wie engelsgleich/himmlisch
Verwaistes Paar,
Entstellt vom Lauf der Zeit.
Ich will den Schlaf in Eis,

                                                                                                         25
Falls jedes Mal wenn man plaudert                         Nicht mehr zu wissen, wozu ich diene/was meines Lebens
Wir uns (willenlos) treiben/mitreißen lassen              Sinn ist
Ich glaube sehr wohl dem                                  Zweifellos zu absolut nichts
Erbe/Vererbung/Hinterlassenschaft                         Gegenwärtig/jetzt kann ich verstummen/schweigen
Meine Stille/Schweigen ist tödlich/todbringend            Wenn alles zu Abscheu/Abneigung/Überdruß/Ekel wird...
Ihr entdeckt/entblößt mich fahl/bleich
Fixiert auf Eure/Ihre so zärtlichen Augen
                                                          Glühendes Elend, das Fieber/Unruhe hat mich
Ich könnte sie gleichwohl – aus Versehen –
                                                          überwältigt
Mit einem Meißel/Dolch aushacken/-stechen
                                                          Ich lache ohne Lachen, ich lebe, ich tue egal
                                                          was/irgendetwas
Übersetzung: Peter Marwitz, September 1992                Und ich irre umher
                                                          Ich habe Angst vor der Leere
A quoi je sers                                            Ich blättere (Buch-)Seiten um
                                                          Aber... leere/inhaltslose Seiten/Blätter.
                                                          Übersetzung: Peter Marwitz
Poussière vivante, je cherche en vain ma voie lactée
Dans ma tourmente, je n’ai trouvé qu’un mausolée
Et je divague
J’ai peur du vide                                         Lyrische Übersetzung:
Je tourne des pages
Mais... des pages vides                                   A quoi je sers...

Poussière errante, je n’ai pas su me diriger
                                                          Lebendes Elend, wo mag die Milchstraße sein?
Chaque heure demande pour qui, pour quoi, se redresser
                                                          In meinem Kummer fand ich nur nen Totenschrein.
Et je divague
                                                          Irrend durch Weiten,
J’ai peur du vide
                                                          Fürcht ich die Leere.
Pourquoi ces larmes
                                                          Ich wende die Seiten –
Dis... à quoi bon vivre...
                                                          Doch... Seiten der Leere.
Mais mon Dieu de quoi j’ai l’air
Je sers à rien de tout                                    Irrendes Elend, ich wußt nicht: wie sollt ich gehn.
Et qui peut dire dans cet enfer                           Und jede Stunde fragt, wozu neu aufzustehen.
Ce qu’on attend de nous, j’avoue                          Irrend voll Sehnen
Ne plus savoir à quoi je sers                             Fürcht ich die Leere
Sans doute à rien de tout                                 Wozu die Tränen –
A présent je peux me taire                                Sag... wozu gut leben...
Si tout devient dégoût...
                                                          Doch, mein Gott, warum scheint mir
Poussière brûlante, la fièvre a eu raison de moi
                                                          Ich nütze rein zu nichts?
Je ris sans rire, je vis, je fais n’importe quoi
                                                          Wer sagt in dieser Hölle hier,
Et je divague
                                                          Was man von uns verlangt – ich nicht!
J’ai peur du vide
                                                          Ich weiß nicht mehr, wozu ich nütz –
Je tourne des pages
                                                          Ganz zweifellos zu nichts.
Mais... des pages vides.
                                                          Schweigen kann ich jetzt, wenn hier
                                                          Aus allem Ekel spricht...
Textorientierte Übersetzung:
                                                          Glühendes Elend, Fieber ergriff Besitz von mir.
A quoi je sers
                                                          Ohne zu lachen lach ich, mach ich gleichwas hier.
Zu was bin ich nutze/diene ich
                                                          Irrend durch Weiten
                                                          Fürcht ich die Leere.
Lebendes Elend, ich suche vergeblich meine Milchstraße    Ich wende die Seiten –
In meinem Kummer/Pein, ich habe nichts als ein            Doch... Seiten der Leere.
Mausoleum gefunden
Und ich irre umher
Ich habe Angst vor der Leere
                                                          Übersetzung (lyrische Version): Michael Kuyumcu
Ich blättere (Buch-)Seiten um
Aber... leere/inhaltslose Seiten/Blätter
                                                          Alle Texte sind von Mylène Farmer, außer Maman a tort
Streunendes Elend/Staub, ich wußte mich nicht zu führen   (Jérôme Dahan) und Libertine (Laurent Boutonnat).
Jede Stunde fragt, für wen, für was, sich wieder
aufrichten
Und ich irre umher                                        Quelle: http://www.mylene-farmer.de
Ich habe Angst vor der Leere
Warum diese Tränen
Sag... wozu/woran gut leben...

Aber, mein Gott, warum sehe ich so aus/scheine ich
Zu absolut nichts nutze zu sein
Und wer kann – in dieser Hölle – sagen
Was man von uns erwartet, ich gebe zu




                                                                                                                26
Abbildung:




 1.

 Aus dem Story-Board Maman a Tort, 1984.




 2.




 3.

 Plus Grandir, 1985.

                                           27
4.




5.

Libertine, 1986.




6.




7.

Tristana, 1987

                   28
8.

Sans Contrefaçon, 1988




9.

Ainsi soit Je, 1988.




10.




                         29
11.

Pourvu Qu’elles Soient Douces, 1988.




12.




13.

Sans Logique, 1989.




                                       30
14.

A Quoi Je Sers ?, 1990.




                          31

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Mylène Farmer und Laurent Boutonnat erste Analyse: L’intégrale des clips volume I.

  • 1. Léchevin Antoine Matrikel Nummer 11304 Mediengestaltung, 7. Semester W.S. 2004/05 Mylène Farmer und Laurent Boutonnat erste Analyse: L’intégrale des clips volume I. Unter der Leitung von Dipl. Kulturpäd. Hedwig Wagner im Rahmen des Seminars: Gender und Identität in Film und Filmtheorie
  • 2. « De ce paradoxe, Je ne suis complice, Souffrez qu’une autre, En moi se glisse, Car… Sans logique, Je me quitte Aussi bien satanique, Qu’angélique » Sans Logique, Mylène Farmer. 2
  • 3. Vergöttert oder gehasst, Mylène Farmer gehört seit über zwei Jahrzehnten zu den unumgänglichen Prominenten Frankreichs. In Zusammenarbeit mit dem Komponist und Regisseur Laurent Boutonnat, schrieb sie 6 Alben, veröffentlichte 24 Singles und verkaufte Millionen von Platten. Ihre Texte über Melancholie, Tod, Selbstmord und Sex faszinieren und stören. Erfolg erreichte sie nicht nur durch die Musik, sondern auch durch ihre aufwendigen Musikvideos in denen sie in Kostüm mit zahlreichen Schauspielern und Statisten in prächtigen Kulissen inszeniert wurde. Skandale, Zensur sowie zahlreiche Auszeichnungen prägen die Karriere von Farmer. In dieser Arbeit möchte ich die Auftritte von Mylène Farmer in ihren ersten Musikvideos untersuchen. Wer ist Mylène Farmer? Wie wurde sie trotz ihrer negativen Einstellungen erfolgreich und wie wurde das Mythos Mylène Farmer aufgebaut? Welches Bild der Frau und der geschlechtlichen Identität vermittelt sie durch die Musikfilme dem Publikum und wie wurde sie dabei inszeniert? Durch Analyse einer Auswahl ihrer Musikvideos und anhand von Kritiktexten der Gendertheorie werden wir versuchen, diese Frage zu beantworten. 3
  • 4. I. Farmer und Boutonnat A: Mylène Gauthier und Laurent Boutonnat Die Geschichte von Mylène Farmer fängt im 1983 an, als zwei junge Männer, Laurent Boutonnat, Komponist und Jerôme Dahan, ein Casting organisiert haben, um eine Sängerin für ihren neuen Song zu finden: Maman A Tort. Die „psychotische Art“1 der jungen Mylène Gauthier gefiel den beiden, die sich sofort für diese 22jährige Schauspielschülerin entschieden, ohne sie singen gehört zu haben. Laurent Boutonnat hatte bereits in seiner Kindheit Filme gedreht bei dem er alles allein geschafft hatte, vom Drehbuch bis zum Schnitt, Make-up, Bühnenbild und Musik inklusiv. Er lernte Klavier, hatte drei Jahre Theaterunterricht, interessierte sich aber hauptsächlich für das Kino. Mit 17 produzierte er seinen ersten Film: La Ballade de la Féconductrice (1979)2 in dem er Kindesmord, Pädophilie, Inzest in einer Welt voller religiöser Referenzen inszenierte. Eine weißgeschminkte junge Frau vernichtet blutig alle aus der Norm geratenen Menschen: Behinderte, Obdachlose, Alte, tötet durch elektrischen Schlag ein Baby in einer Badewanne. Ein junger Pfarrer entmannt einen Ministrant, im Hintergrund barocke und gotische Bilder der Kreuzigung. Der Film lief zwei Wochen in einem Pariser Kino und wurde nicht unter 18 Jahre freigegeben. In harter Weise setzt Laurent Boutonnat die Bilder und Referenzen die er in seinen späteren Arbeiten immer wieder benutzen wird: christliche Religion, Tod und Sexualität, Inszenierung eines menschenfeindlichen Totalitarismus. Als er an einem neuen Film arbeitete, schrieb er mit einem Freund Maman A Tort3 - einen Song über eine verletzte Kindheit: ein Mädchen lehnt ihre Mutter ab und verliebt sich in ihre Krankenschwester. Aus gesetzlichem Grunde scheiterte der erste Versuch mit einem 15jährigen Mädchen zu arbeiten. Daraus folgte die Begegnung mit Mylène Gauthier, die sofort bei dem Projekt einstieg. Wegen Geldmangel wurde ein aufwendiges Video nie gedreht, jedoch stehen uns Teile des 1 « son côté psychotique » Fernsehinterview von Laurent Boutonnat mit Noël Mamère, 1986 2 Das Wort « Féconductrice » ist eine Zusammenstellung aus verschiedenen Wörter: Fée (die Fee), féconde (fruchtbar), conductrice (Die Führerin/Fahrerin). 3 Siehe Text und Übersetzung, Seite 4
  • 5. Drehbuchs zur Verfügung: ein junges Mädchen wird zur Psychiatrie/ Krankenhaus/Schloss von ihrer Mutter begleitet. Sie begegnet einer Krankenschwester und wird auf einem Rollstuhl gesetzt. Anderes Personal des Krankenhauses sperrt das Mädchen ein, sie wird aber von ihrer Krankenschwester befreit und gewaschen4. Die Mutter beobachtet die Szene und schlägt ihre Tochter. Diese schafft zu entfliehen, rennt zu einem Turm und springt ins Leere, während die Krankenschwester sie zu retten versucht. Das Video inspiriert sich von dem dramatischen Leben der Schauspielerin Frances Farmer, deren Name Mylène Gauthier übernehmen wird. Nach einem erfolgreichen Lebenslauf und zahlreichen Auftritten in Hollywoodfilmen und auf der Bühne begann Frances Farmer in den 40er Jahren zu trinken und Amphetamine zu schlucken. Darauf schickte ihre Mutter sie in diverse Anstalten für Psychischkranken, wo sie, wie sie später selber berichtete, misshandelt und vergewaltigt wurde. Nachdem sie aus der Psychiatrie fliehen konnte, verfiel sie wieder der Alkoholsucht. Sie wurde dann mit Insulin und Elektroschocktherapie behandelt. Ihr Aufenthalt in Krankenhaus nahm mit einer Gehirnoperation ein Ende. Nie wurde es richtig nachgewiesen, es hat sich aber wahrscheinlich um eine Lobotomie gehandelt. Obwohl der Song 1984 in Frankreich ein Sommerhit wurde, steigt Jerôme Dahan aus dem Arbeitsteam aus. Mylène Farmer fängt an ihre eigene Texte und die Drehbücher für die Videos zu schreiben, während Laurent Boutonnat die Musik komponiert und zum Regisseur wird. B. Mylène Farmer, vom Anfang an ein Mythos. Der Verfasser einer Webseite über Laurent Boutonnat, Jodel Saint-Marc5, stellt eine interessante Theorie vor in der er Mylène Farmer zum puren Instrument der Arbeit von Boutonnat reduziert. Er erkennt die künstlerischen Fähigkeiten Farmers und ihre Teilnahme an der Arbeit nicht an und integriert sie lieber als Objekt in einem großen Kunstwerk dessen Schöpfer Boutonnat ist. Es ist tatsächlich schwierig herauszufinden inwiefern Mylène Farmer an der künstlerischen Arbeit teilnimmt, da das Duo wenig Interviews gibt und ihre Biographien bestritten wurden. Es stimmt, dass die Texte und Videos Boutonnats mit oder ohne Farmer dieselben Eigenschaften haben, jedoch kann man allein durch ihre Texte die Präsenz der Sängerin nicht ablehnen. Der Vorschlag von Jodel Saint-Marc ist für uns in einem 4 Siehe Abbildung 1. 5 http://jodel.saint-marc.club.fr 5
  • 6. anderem Sinn relevant. Er versteht Mylène Farmer als Schöpfung Laurent Boutonnats, selbst erklärter Mythos, Göttin und so wurde sie auch der Öffentlichkeit präsentiert, dem Publikum geliefert. C. Farmer, Musik, Texten und Clips : Das farmersche Universum. Ob es richtig als eine kommerzielle Strategie gedacht wurde oder ob es nur ein künstlerischer Wunsch war, ist uns aus direkter Quelle nicht bekannt. Eins können wir dennoch feststellen: Jenseits ihrer Songs und Musikvideos ist Mylène Farmer mehr als eine Popsängerin, sie ist im Interview und auf der Bühne auch Interpret eines an die Öffentlichkeit freigegebenen Stars, eine multimediale Figur. Alle ihre Charaktere schreiben sich in einem einzigen von Laurent Boutonnat und Mylène Farmer geschaffenen Universum ein: einer märchenhaften Welt der Magie, des Todes und der Sexualität mit Mylène Farmer als Hauptdarstellerin. Die Idee eine Rolle für Mylène Gauthier in dem gesamten Werk zu schreiben musste in den Köpfen von Farmer und Boutonnat erstmal ausreifen. Bis zur zweiten Single On Est Tous Des Imbéciles und dessen Promotionzeit 1984, redete Mylène Farmer gern im Interview über ihre Kindheit im Kanada, ihre Projekte für die Zukunft und Erwartungen im Leben. Erst mit der dritten Veröffentlichung des Duos Plus Grandir (1985) änderte sie ihren Stil. Zurückhaltend, schüchtern trat sie nun seltener in Radio und Fernsehen auf und wenn sie Interviews gab, redete sie nur andeutungsweise über eine schwierige einsame Kindheit, ihre Angst vor dem Tod oder über Sexualität, Themen der Arbeit mit Laurent Boutonnat. In der Boutonnat-Farmer Zusammenarbeit in der Karriere von Mylène Farmer unterscheidet man zwei Zeitabschnitte. Vom Plus Grandir (1985) und das erste Album Cendres De Lune bis zu ihrem ersten Liveauftritt En Concert (1989) arbeiteten die beiden eng zusammen an Musik, Texten und Musikvideos. Ab 1990 konzentrierte sich Laurent Boutonnat auf die Vorbereitung eines Langspielfilms und vernachlässigte die Produktion von Musikvideos. Weil Boutonnats Film Giorgino (1994) ein extremer Misserfolg war, entschied er sich, die Musikvideoproduktion aufzugeben und arbeitete von nun an nur an der Musik. Schwerpunkt unserer Analyse wird auf den ersten Teil gesetzt: Mylène Farmer in Boutonnats Musikvideo 1985-1990.6 6 Siehe DVD « Mylène Farmer, l’intégrale des clips, volume I » 6
  • 7. II. Die Clips. A. Das Medium Musikvideo. In den 80ern war es üblich, um einen Song zu vermarkten, Musikvideos als Unterstützung des Audioprodukts zu produzieren. Durch einfache Abbildung des Textes, Choreographien, moderne Videoeffekte oder visuelle Vorstellung der Musiker wurden Musikvideos für das Fernsehen angefertigt, den Erwartungen von Musikproduzenten, Musikern und des Publikums entsprechend. Nach dem Scheitern des zweiten Songs des Duos und seines Videos (Mylène Farmer in rosa Jacke tanzt vor einem weißen oder schwarzen Hintergrund) entschied sich Boutonnat für den neuen Song Plus Grandir (1985) eine neue Art von Musikvideo zu drehen. Er stellt seiner neuen Plattenfirma Bedingungen: Es wird auf einem Cinemascope-Verfahren 35mm-Film im Studio und draußen gedreht. Von nun an kann man bei der Arbeit von Boutonnat nicht mehr von Musikvideo reden: der französische Ausdruck Clip oder musikalischer Kurzfilm wird bevorzugt. Die Produktionen verlangen denselben Aufwand wie Kurzfilme: Finanzielle Unterstützung werden beim externen Produzent gefordert (das Plus Grandir Projekt kostet 330.000 FF d.h. über 50.000€), seine Clips benötigen mehrere Tage Dreharbeit, zahlreiche Techniker und Statisten. Vorspann, Abspann, additionale Musik, Dialog und Untertitel lassen die Clips eher dem Kurzfilm ähneln als einem Musikvideo. Als der Clip fertig wurde, lud Boutonnat Filmkritiker und Kinopromis zur Première in Pariser Kinos ein. Bevor der Song veröffentlicht wurde, bevor Mylène Farmer auf die Bühne stieg und vor einem Publikum ihr Song aufführte, wird der Clip selber im Kino inszeniert. Plus Grandir ist der erste Clip der auf cinemascope Filmmaterial gedreht wurde und konnte damals nur mit dem Video „Thriller“ von Michael Jackson verglichen werden. Der folgende Clip Libertine (1986) wurde auch zuerst im Kino projiziert und später im Fernsehen ausgestrahlt. Jeder weitere Clip von Mylène Farmer wurde als Event angekündigt und wurde im Gegensatz zu anderen 7
  • 8. Musikvideos immer in Sondersendungen in Première gezeigt7. Dabei wird für den Song geworben, aber nicht zuletzt auch für den Clip und seine Hauptdarstellerin. Jenseits der Musik und deren Promotionobjekt Musikvideo, schaffte Boutonnat einen neuen medialen Gegenstand, in dem weder der Clip die Musik unterstützt, noch die Musik den Clip. Beide dienen der Figur Mylène Farmer und erfüllen auf auditiver und visueller Ebene die Erwartung des Publikums. B. Die Musik und die Clips von Boutonnat. Die Zusammenarbeit erfolgt meistens nach dem folgenden Verfahren: Boutonnat komponiert die Musik, Farmer schreibt darauf die Texte und später entwerfen sie den Clip, der den Songs nicht abbildet, sondern mit dem Song zu einem eigenständigen Werk wird. Die Filme erzählen Geschichten, die zwar in Zusammenhang mit den Texten gebracht werden können, aber trotzdem ihr eigenes Universum enthalten. Das Universum der Clips werden wir in diesem Teil der Arbeit analysieren. Im Vordergrund Mylène Farmer, Hauptdarstellerin und Erzählerin des Songs, wird in künstlichen Welten inszeniert, die einem anderen Zeitalter (18.Jahrhundert wie in Libertine (1986) und Pourvu Qu’Elles Soient Douces (1988), russische Revolution in Tristana (1987)) oder märchenhafte Umgebungen (Sans Contrefaçon (1987), Ainsi Soit Je (1988), Sans Logique (1989), A Quoi Je Sers? (1990)) angehören. Externe Aggressionen, Ausschließung, Liebe, Kuss oder Geschlechtsverkehr lösen stabile Situationen auf, die Farmer zum Flucht, Kampf, Mord oder in den Tod zwingen. Diese Motive findet man in jedem Clip der Sängerin (Ainsi Soit Je ausgenommen). Bevor wir zur Farmers Rolle und Charakter in den Clips kommen, möchte ich das Universum, die geschlossenen, märchenhaften Welten der Clips und ihre Akteure vorstellen. 7 Zu Silvester 1988 auf dem französischem Musikkanal M6 für „Sans Contrefaçon“ z.B. In der Tagesschau um 20.00 auf dem ersten französischen Kanal TF1 für „Désenchantée“. 8
  • 9. C: der Inhalt. Ob er eindeutig Schneewittchens (tristana, 1987)8 oder Pinocchios (Sans Contrefaçon, 1987)9 Erzählungen übernimmt oder ob er sich einfach die Erzählweise des Märchens borgt: Boutonnat baut seine Kurzfilme immer nach klassischen Märchenkonstruktionsverfahren. 1. Das Märchen. Märchen sind auf wiederkehrende Schemen gebaute volkstümliche mündliche Erzählungen. Ein friedlicher glücklicher Startzustand wird durch ein gewaltiges Ereignis gestört. Darauf wird der Held oder die Heldin gefordert durch verschiedene Erprobungen ihre Welt wieder in einen stabilen Zustand zu bringen. Neben Magie, feenhaften Charakteren (wie Hexe oder Zwerge), imaginären Tieren, erkennt man soziale und gesellschaftliche Darstellung und Kritik in den künstlichen Welten der Märchen. Die Heldin im Märchen spielt meistens eine passive Rolle: Jungfrau, zum Heirat gegeben, sie wird von der bösen Stiefmutter gehasst (Schneewittchen) oder von einer Hexe verflucht. Sie wird verwünscht und fällt in tiefen Schlaf. Nur der Kuss eines Prinzen kann sie wieder zum Leben bringen. 2. Die Welt. In Boutonnats Clips erkennt man viele von diesen Märchenkomponenten. Die Filme fangen alle mit einer Kamerafahrt über eine Landschaft an (außer bei Sans Contrefaçon). Draußen gedreht, öffnen sich die Musikfilme auf ruhige, fast tote Landschaften: ein Friedhof in Plus Grandir, ein Wald, ein See oder Sumpf in Libertine, Pourvu Qu’Elles soient Douces und A Quoi je sers? Schnee im Tristana und Ainsi soit je, unfruchtbare Erde bei Sans Logique, was dem stillen Anfangszustand der Märchen entspricht. Bevor wir einen Mensch sehen können betreten Schlangen, Wölfe oder Raben diese Natur als Übergang zur Menschheit und warnen uns vor einer Gefahr. Diese Orte für die Geschichte sind gleichzeitig geschlossen und unbegrenzt wie auch der Strand in Sans Contrefaçon oder die Berge in Tristana. Diese Welten sind nicht nur in ihrer Räumlichkeit definiert sondern auch zeitlich. Die Wahl, die 8 Siehe Abbildung 6 und 7. 9 Siehe Abbildung 8. 9
  • 10. Erzählungen in einem historischen Rahmen einzusetzen, verleiht den Clips einen zusätzlichen fremden Charakter. Wir befinden uns von nun an in der festgeschriebenen Welt der Vergangenheit, in der nichts mehr zu verändern ist. Kaum wird uns die Welt in ihrer unveränderlichen Ewigkeit vorgestellt, treten Menschen im Bild auf und ein Störfaktor kippt die Situation: Mylène Farmer findet ihre eigenes Grab in Plus Grandir. Im Duell tötet Libertine einen Mann und zieht sich dabei den Hass ihrer Rivalin (Sophie Tellier) zu. Die eifersüchtige Stiefmutter (noch mal Sophie Tellier)10 will die schöne Tristana umbringen lassen. In Sans Contrefaçon wird der Marionnettenspieler aus seinem Theater rausgeworfen und in Sans Logique wird Farmer (als Stier)11 gefordert, mit ihrem Geliebten in einem Stierkampf/Duell zu kämpfen. 3. Die Gesellschaft. Die Nebenrollen und die Statisten bilden eine einheitliche Menschengruppe in die Mylène Farmer nicht gehört. Alle sind gebunden und gehören einem bestimmten Gesellschaftskreis an. Die Kirche und ihre Religion wird durch die Nonnen-Zwerge in Plus Grandir und das Publikum des Stierkampfes in Sans Logique repräsentiert, die Prostituierten im Bordell von Libertine symbolisieren die Spaßgesellschaft, die englischen Soldaten die Armee in Pourvu Qu’Elles Soient Douces, die Theaterschauspieler in Sans Contrefaçon die Aristokratie und Arbeiter in Tristana. Mylène Farmer wird dieser instabilen Lage nur durch die Liebe eines Mannes oder durch Geschlechtsverkehr entfliehen können. Nur, im Gegensatz zu den Märchen, erreicht sie dadurch nicht die reale Welt, wird nicht zum Leben wiedergebracht, sondern stirbt oder verkörpert sogar den Tod selbst. 4. Die Heldin: Mylène Farmer. Die Welt in der Mylène Farmer inszeniert wird, ist eine Welt der Ausschließung, aus der Mylène Farmer immer vertrieben wird. Der Körper, die Körperveränderungen oder Aktionen auf den Körper wie Mörder oder Geschlechtsverkehr sind Schlüssel zu anderen Situationen. 10 Siehe Abbildung 6. 11 Siehe Abbildung 13. 10
  • 11. Die Annahme einer Rolle erfolgt durch die Verfremdung des Körpers. Mylène Farmer tritt nicht nur verkleidet auf, ihr Körper selbst wird verfremdet. In Plus Grandir singt sie über ihre Angst vom Altwerden12. Der Film öffnet sich auf einem Friedhof, wo Farmer einen alten Babywagen schiebt und ihrem eigenen Grab begegnet. Darauf sehen wir jene Stufe ihres Lebens im Flashback in einem alten dunklen staubigen Haus. Am Mund verletzt, schaut sie in die Kamera, auf das Publikum. Sie scheint wie vor einem Spiegel ihr eigenes Bild wahrzunehmen. Tollwütig, ergreift sie eine Puppe, Symbol ihrer Kindheit, und ertränkt sie im Wasser, bevor sie sich an die heilige Jungfrau Maria wendet, zu Ihr betet, weinend. Im Kampf mit ihrer Kindheit ist Farmer aber selber noch eine Jungfrau und sucht Hilfe in der Religion. Die Statue von Maria gibt ihr keine Antwort und keine Hilfe, während ihre Puppe, noch am Leben, zu ihr grinst und sie verspottet. Als in der Nacht, beim Gewitter, Farmer im roten Schlafrock schläft, dringt ein mächtiger Mann ins Haus ein und vergewaltigt sie. Die verführerische Farbe ihres Kleides deutet schon auf den Geschlechtsverkehr hin. Erst lehnt sie den fremden Mann ab und kämpf gegen ihn, dann schenkt sie ihm einwilligend ihre Lippen. Die Mariastatue schaut weg und Zwergnonnen beobachten angeekelt wie der Mann Farmer zärtlich küsst. Die Musik an dieser Stelle unterscheidet sich von der Audiofassung, die Wichtigkeit der Szene betonend.13 Darauf wird sie von den Nonnen, die Religion und christliche Moral repräsentieren, körperlich bestraft. Dann liegt sie zusammengekrümmt am Boden, die Hände den Bauch haltend.14 Nach der Entdeckung der Lust, erlebt sie den psychischen und physischen Schmerz. Sie erfährt durch körperlichen Schmerz und Extase ihren eigenen Körper, den Körper einer Frau.15 Die Puppe dreht verhöhnend den Kopf zu Mylène Farmer, die wütend nach einem Messer greift und einen Arm der Puppe abschneidet. Dies wird Farmer in einen Todestanz treiben, in dem sie immer älter wird. Das Gesicht voller Falten einer Achtzigjährigen schaut sie traurig und müde aus dem Fenster raus, wo sich ein Friedenstaube, Symbol der Freiheit, niederlässt. 12 Plus Grandir Abbildung 2 und 3. 13 Wie auch in anderen Clips von Boutonnat, unterscheiden die Songs von ihrer Audiofassung. Er fügt lange Vor- und Abspannmelodien am Anfang und Ende des Songs zu. In der Mitte bleibt der Audiotitel gleich bis auf die Intimszene (siehe Plus Grandir, Libertine, Pourvu Qu’elles Soient Douces, Sans Logique) 14 Abbildung 2. 15 « Zahlreich und « eigensinnig » sind hingegen die Zeugnisse in Literatur und Kunst, wie Frauen ihren Körper als verstörend, die körperlichen Funktionen, die vom weiblichen Körper erwartet werden, bedrückend empfinden. Der Körper erscheint als Belastung, als ein Stück Außenwelt, ja sogar als Krankheit. »Valie Export, 1992, Seite 10. 11
  • 12. Die junge Farmer wirft Blumen auf das Grab auf dem die Kindheitspuppe sitzt. Sie läuft vom Grab weg und schiebt einen Kinderwagen. Das letzte Bild zeigt uns wie diese den Kopf zu Kamera dreht und grinst, als ob sie die Zuschauer erinnern möchte, dass sie auch älter werden. Da auf dem Grab „Mylène Farmer – Plus Grandir“ steht, könnte man denken, dass Farmer um ihre Angst vom Älterwerden und eine mögliche Zukunftsvision trauert. Der Kinderwagen deutet auf eine Mutterschaft, die in der Rückblende seinen Platz nicht findet. Was Valie Export über Unica Zürn schrieb, trifft auch auf diesen Clip zu: „Es ist nicht der Körper selbst, sondern dessen Weiblichkeit, die soziale Doktrin des Körpers als Definition der Frau, die Identifizierung des Wesens der Frau mit ihren körperlichen Geschlechtsmerkmalen und -funktionen, die den Körper zum Haus der Krankheit macht, zum Ort des Todes.“16 In der Hinsicht von Körper, fremdem Körper, Verwandlung, Leben und Tod ist der Kurzfilm Sans Contrefaçon hoch interessant. In diesem Lied singt Farmer, dass sie ein Junge ist: « Puisqu'il faut choisir/ A mots doux je peux le dire/ Sans contrefaçon/ Je suis un garçon/ Et pour un empire/ 17 Je ne veux me dévêtir/ Puisque sans contrefaçon/ Je suis un garçon » Der Clip zum Lied inspiriert sich von dem Roman von Carlo Lorenzini Pinocchio, in dem eine Marionnette ein echter Junge zu werden versucht. Boutonnat inszeniert in seinem Kurzfilm einen Marionnettenspieler mit seiner Puppe und ihre kurze Begegnung mit Zirkusleuten18. Er übernimmt die Thematik des Romans und fügt die Frage der Geschlechtidentität zu. In diesem Clip sind die Blicke der Schauspielgesellschaft auf die Puppe Punkte der Destabilisierung, sie stellen die Beziehungen zwischen Menschen um und ermöglichen die Verwandlung der Puppe. Der Clip öffnet sich mit Applaus für eine kurzhaarige knabenhafte Puppe mit dem Gesicht von Mylène Farmer: „ Dis, Maman… pourquoi je suis pas un garçon?“19 sagt sie in Kindersprache. Kurz darauf schmeißen zwei Transvestiten den Marionnettenspieler und seine Puppe aus dem Theater raus, spucken sie an, lachend, und lassen sie im Schlamm liegen. Der Marionnettist schaut mit 16 Ibid, Seite 12 und 13. 17 Da es gilt, zu wählen, kann ich’s sanft und süß erzählen: Zweifellos bin dann ich ein junger Mann. Selbst fürs Königshaus zöge ich mich niemals aus. Denn ganz zweifellos bin dann ich ein junger Mann. 18 Siehe Abbildung 8. 19 « Sag mal, Mama… wieso bin ich kein Junge? » 12
  • 13. kurzsichtigem Blick die Puppe an und wischt ihr das Gesicht. Er hat die Puppe geschaffen, jedoch ist er unfähig zu erkennen, wer sie richtig ist. Auf dem Weg erinnert uns eine Vogelscheuche mit ausgestreckten Armen an ein Bild der Kreuzigung Christus, Symbol unserer körperbezogenen Kultur20 und ist für den Marionnettenspieler und seine Puppe die Tür zur Gesellschaft und zum Leben. Die Zirkusleute, die sie dort treffen, werfen alle misstrauische Blicke, bis auf eine ältere Frau, von der Puppe fasziniert, die dem Mann Essen schenkt. Mit der Puppe spielend treibt die Truppe mit der Frau Schabernack. Sie will sie schützen, entführt sie und flieht zum Strand außer Sehweite. Die mütterliche Liebe dieser Frau bringt die Puppe zum Leben. Als der Marionnettenspieler die beiden Frauen wieder sieht, versteht er, dass seine Schöpfung lebt. Wie ein Echo der ersten Szene, hebt der Marionnettenspieler Mylène Farmer, auf den Boden gefallen, auf, wischt ihr das Gesicht und küsst sie. Die Frau beobachtet die Szene und verlässt die beiden mit dem Zirkus. Mylène Farmer, allein am Strand mit ihrem Schöpfer, ohne ihre Mutter, ist wieder zur Puppe geworden. Das Paradox zwischen dem Text und den Bildern lässt viele Wege für verschiedene Interpretation offen: „sans contrefaçon, je suis un garçon“, aber der Junge ist nur eine lebenslose Puppe, der durch die anerkennenden Blicke zum Leben gerufen werden kann und wird eine lebendige Frau. Eine andere Art der Verwandlung ist in dem Kurzfilm Sans logique (1989) zu finden, wo Mylène Farmer vor einer Versammlung schwarz gekleideter Leute als Stier zur Kampf gegen ihren Liebhaber, den Torero gefordert wird. Ihre Hände sind im Rücken gebunden, ihr wird ein Haarreif mit Hörnern aus Metall auf den Kopf gesetzt, die Waffe, mit der sie ihren Liebhaber in den Tod durchstechen wird.21 Durch dieses Werkzeug, diese technische Extension, welche ihr zugefügt wird, wird Mylène Farmer zum Tier mit männlichem Charakter. Freud schrieb über die Technologie als Ausdehnung des Körpers, als Kultur22, vom Mensch als Prothesengott, der zu Gottähnlichkeit strebt. In diesem musikalischen Kurzfilm sind viele Symbole der christlichen Religion zu erkennen: Das Publikum läuft wie 20 „Der Körper ist das Medium des Realen und sozialen, der Kontrolle. Der Körper ist das „Kairos“ des Subjekts. Eben weil der Körper die reale Insertion in die Welt darstellt, die Insertion des Subjekts in Reale, kann der Körper an der Kreuz genagelt werden, sich dem Gesetzt des Vaters, dem Realitätsprinzip unterwerfen.“ In Valie Export, 1992, Seite 7. 21 Siehe Abbildung 12 und 13. 22 „ die Kultur […] als die ganze Summe der Leistungen und Einrichtungen,…die zwei Zwecken dienen: Dem Schutz des Menschen gegen die Natur und die Regelung der Beziehungen der Menschen untereinander“ Zitiert von Valie Export, 1992, Seite 6. 13
  • 14. eine Prozession zur Schauplatz des Kampfes, eine Schlange kriecht, ein Kind findet eine Christstatuette. Farmer ist an der Grenze zwischen Kultur und Natur, Tier und Mensch. Ihr Körper wirkt wie aufgelöst wenn sie vor dem Todesschlag mit weißen Augen in Wahn gerät. Die Inszenierung des Todes ist auch ein Leitmotiv in den Clips von Boutonnat. Ob sie stirbt, selber tötet oder er selber wird, begegnet die Heldin immer am Ende dem Tod. Dieses dient der Mystifizierung der Sängerin. Sie ist in ihrem Körper, in ihrer Rolle sterblich, kehrt aber immer zurück. Der letzte Film den wir hier untersuchen A Quoi Je Sers? schließt die erste Clipreihe. In den Song, nach der Veröffentlichung des zweiten Album geschrieben, singt Farmer einen depressiven Text über den Selbstmord. Der entsprechende Schwarzweiß-Clip inszeniert Farmer mit einem Reisegepäck im Sumpf, geführt durch den Nebel zwischen Leben und Tod von einem Gondoliere23. Die früheren Darsteller aller Clips treffen sie, begleiten sie im Moor und senken sich mit ihr ins Wasser, in den Tod. Nicht nur Farmer, sondern auch ihre Welt, ihre Feinde, Freunde und Liebhaber verschwinden mit ihr. Es heißt nicht unbedingt, dass die Sängerin damit auch richtig vergeht, im Gegenteil: Es gehört zu der allgemeinen Inszenierung, wie man bei Valie Export lesen kann, das “ „Geschlecht das nicht eins ist“ (Luce Irigaray) entzieht sich jeder Definition, Klassifikation, Identifikation.[…] Die weiblichen Inszenierungen der eigenen Körperlichkeit sind Inszenierungen der Auflösung, der Opaktheit, der Unbestimmtheit, der Ambivalenz, der bloßen Virtualität“24. Mit A Quoi Je Sers? endet ein Zeitalter Farmers und Boutonnats Arbeit. D. Die Wahrnehmung Mylène Farmer wird aber nicht nur der Gesellschaft ihrer Filme gegenübergestellt. Über Leinwand oder Fernsehen wird sie einem Publikum vorgestellt. Die Faszination der Zuhörer/Zuschauer für die Sängerin wird durch die visuellen Erzählungen der Clips unterstützt. Laura Mulvey untersuchte die Strukturen der Wahrnehmung und der Lust am Schauen im Kino25. Dabei berichtet sie über die Beobachtung, die voyeuristische Fantasien des Zuschauers und ihre 23 Siehe Abbildung 14. 24 Valie Export, Seite 34. 25 Laura Mulvey, 1989. 14
  • 15. Projektion auf die Darsteller26. Die Zuschauer blicken in Farmers private Welt hinein und nehmen sie durch das Schauen als Objekt wahr. Anderseits betont sie den Identifikationsprozess mit dem Bild, durch die Spiegelung der dargestellten Schauspielerin als ideales Ich auf das Publikum27. Diese zwei Komponenten, Sexualtriebe und Ich-Libido, artikulieren das Begehren, das das Instinktive und das Imaginäre transzendiert. Nach Mulvey kristallisiert die Frau als Bild das Paradox der Bedrohung und des Angenehmes. Schlusswort: Die Arbeiten von Mylène Farmer und Laurent Boutonnat bieten viel Material für eine Genderanalyse. Fünf Jahren lang lieferten die zwei Künstler Musikfilme, bei den Mylène Farmer ins Zentrum des Werkes gestellt wurde, als Heldin einer Märchenwelt voller Symbole, die unsere eigene Welt spiegelt. Die Clips stellen eine Frau dar, die sich durch ihre Erfahrungen mit den Anderen und die Blicke der Gesellschaft verwandelt. Ob es durch die Zeit oder durch Verfremdung des eigenen Körpers kommt, stellt das Bild Farmers seinen Zuschauern eine Identitätsfrage. So wie die Welt in der sie sich entwickelt undefiniert, unbegrenzt und irreal ist, bleibt sie immer zwischen zwei Ebenen wie Leben und Tod, männlich/weiblich, Täter/Opfer. Sogar die Mediumträger, die uns ihr Bild vermitteln, sind zweiseitig: Popsongs mit tief greifenden Texten und Clips, die eher Filme größere Produktionen ähneln. Nach ihrem dritten Album, entschied sich Boutonnat keine Clips mehr für Farmer zu drehen. Regisseure wie Luc Besson oder Abel Ferrara drehten für sie Musikvideos und übernahmen manche Eigenschaften der Welt von Farmer, ohne jedoch die Magie des Duos zu gleichen. 26 „Ganz eindeutig ist die Position der Zuschauer im Kino die, daß sie ihren eigenen Exhibitionismus unterdrücken und die unterdrückten Wünsche auf den Schauspieler projizieren“ Laura Mulvey, 1989. 27 « das Kino verfügt über Faszinationsmuster, die stark genug sind, einen vorübergehenden Verlust des Ego mit dessen gleichzeitiger Verstärkung zu koppeln.“ Laura Mulvey, 1989, Seite 35. 15
  • 16. Anhang: Bibliographie: Judith Butler, Das Unbehagen der Geschlechter, in Philosophische Geschlechtertheorien, hrsg. V. Sabine Doyé, Marion Heinz, Friederike Kuster, Stuttgart, Reclam, 2002. Valie Export, Der Körper, das Reale und das Double, Vortrag im Kunstmuseum Bern, 13. Dezember 1987, Bern, Benteli Verlag, 1992. Laura Mulvey, Visuelle Lust und narratives Kino, in Laura Mulvey: Visual and Other Pleasure, Bloomington, Indiana University Press, 1989. Caroline Bee, Mylène Farmer: l’ange blessé, Paris, Librio musique, 2003. Interview von Sophie Tellier: in Platine N.39, März 1997, Seite 19-20. Interview von Jérôme Dahan: in Platine, N.11 - 4 Februar 1994. http://jodel.saint-marc.club.fr http://www.mylene-farmer.de Lewis C. Seifert, Fairy Tales, sexuality and gender in France, 1690-1715 : Nostalgique utopiase, Cambridge, Cambridge University press, 1996 (« Cambridge studies in French », 55), 276 p. par Jean-François Perrin Musikographie: Mylène Farmer, Cendres De Lune, (Mylène Farmer/ Laurent Boutonnat/ Jérôme Dahan/ J.C. Déqueant), Polydor, 1986. Mylène Farmer, Ainsi Soit Je…, (Mylène Farmer/Laurent Boutonnat), Polydor, 1988. 16
  • 17. Filmographie: Plus Grandir; Fr. 1985, R: Laurent Boutonnat, B: Laurent Boutonnat und Mylène Farmer, S: Christine Simonot, T: Laurent Boutonnat, D: Mylène Farmer, Véronique Khodja, Rambo Kowalski, Tynou, P: Stephan Sperry, Polygram, Polydor, Tact Production. Libertine; Fr. 1986, R: Laurent Boutonnat, B: Laurent Boutonnat und Mylène Farmer, S: Agnès Mouchel, T: Laurent Boutonnat, J.C. Déqueant, D: Mylène Farmer (Libertine), Sophie Tellier, Gérard Nublat, Rambo Kowalski, Tynou, P: Movie Box, Polygram, Polydor. Tristana; Fr. 1987, R: Laurent Boutonnat, B: Laurent Boutonnat, S: Agnès Mouchel, T: Laurent Boutonnat, D: Mylène Farmer (Tristana), Sophie Tellier (La Tsarine), Vladimir Ivtchenko (Rasoukine), Sacha Prijovic (Le Moine) P: Movie Box, Polygram, Polydor. Pourvu Qu’Elles Soient Douces (Libertine II); Fr. 1988, R: Laurent Boutonnat, B: Laurent Boutonnat und Gilles Laurent, S: Agnès Mouchel, T: Laurent Boutonnat, D: Mylène Farmer (Libertine), Ian Babilee (Le Capitaine), Sophie Tellier (La Rivale), Sandy Whitelaw (Swift), David Sadler Hall (Le Petit Tambour), Chris Ellis (William), P: Toutankhamon, Casa Film. Sans Contrefaçon; Fr. 1987, R: Laurent Boutonnat, B: Laurent Boutonnat und Mylène Farmer, S:Agnès Mouchel, T: Laurent Boutonnat, D: Frédéric Lagache (Le Marionnettiste), Mylène Farmer, Zouc P: Toutankhamon, Major, Polygram, Polydor. Ainsi Soit Je; Fr. 1988, R: Laurent Boutonnat, D: Mylène Farmer. Sans Logique; Fr. 1989, R: Laurent Boutonnat, B: Laurent Boutonnat und Gilles Laurent, D: Mylène Farmer P: Toutankhamon, Polygram, Polydor. A Quoi Je Sers?; Fr. 1990, R: Laurent Boutonnat, D: Mylène Farmer P: Toutankhamon, Polygram, Polydor. 17
  • 18. Texte: Maman a tort Drei – Die Krankenschwester weint Vier – Ich liebe sie (ihn?) Fünf – Es ist mein Recht Un Maman a tort Sechs – Alles zu berühren Deux C’est beau l’amour Sieben – Dort halte ich nicht inne Trois L’infirmière pleure Acht – Ich amüsiere mich/mache mich lustig Quatre Je l’aime Cinq Il est d’mon droit Eins – Obwohl Mama (vielleicht) sagen würde Six De tout toucher Zwei – Sie wird mich verlieren/vergessen Sept J’m’arrête pas là Drei – Die/mit feuchten Augen Huit J’m’amuse Vier – Mir ist schlecht/tut es weh Fünf – Ich sage was ich will Un Quoiqu’ maman dise Sechs – Ich bin unglücklich Deux Elle m’oubliera Sieben – Ich denke (,) nicht (allzu) oft Trois Les yeux mouillés Acht – Und Sie/Ihr? Quatre J’ai mal Cinq Je dis c’ que j’ veux Six J’ suis malheureuse Ich mag/liebe das, was man mir verbietet Sept J’ pense pas souvent Die unhöflichen Vergnügen/Freuden/Späße Huit Et vous? Ich liebe es, wenn sie mich anlächelt Ich liebe die Krankenschwester, Mama J’aime ce qu’on m’interdit Les plaisirs impolis Eins – Ich bin sehr heiter/glücklich/fröhlich J’aime quand elle me sourit Zwei – Und ich tat gut daran J’aime l’infirmière maman Drei – Mit Ihnen/Euch darüber zu sprechen Vier – Ich amüsiere mich/mache mich lustig Un J’suis très sereine Fünf – Obwohl Mama (vielleicht) sagen würde Deux Et j’ai bien fait Sechs – Sie war schön Trois D’vous en parler Sieben – Diese Krankenschwester Quatre J’m’amuse Acht – Ich liebe sie (ihn?) Cinq Quoiqu’ maman dise Six Elle était belle Sept Cette infirmière Eins – Die Krankenschwester singt Huit Je l’aime Zwei – Das löst etwas in mir aus/macht mich an Drei – Wie die Lerche Un L’infirmière chante Vier – Ich habe Angst/fürchte mich Deux Ça m’fait des choses Fünf – Das Leben ist hart Trois Comme l’alouette Sechs – Für ein Lächeln Quatre J’ai peur Sieben – (Dafür/darüber) Weine ich die Nacht Cinq C’est dur la vie Acht – Und Sie/Ihr? Six Pour un sourire Sept J’en pleure la nuit Ich mag/liebe das, was man mir verbietet Huit Et vous? Die unhöflichen Vergnügen/Freuden/Späße Ich liebe es, wenn sie mich anlächelt J’aime ce qu’on m’interdit Ich liebe die Krankenschwester, Mama Les plaisir impolis J’aime quand elle me sourit J’aime infirmière maman Eins – Mama hat Unrecht/liegt falsch Zwei – Die Liebe ist schön Un Maman a tort Drei – Die Krankenschwester weint Deux C’est beau l’amour Vier – Ich liebe sie Trois L’infirmière pleure Fünf – Mama hat Unrecht/liegt falsch Quatre Je l’aime Sechs – Die Liebe ist schön Cinq Maman a tort Sieben – Im Hospital/Krankenhaus Six C’est beau l’amour Acht – Mir ist schlecht/tut es weh. Sept À l’hôpital Übersetzung: Peter Marwitz & Michael Kuyumcu, Februar Huit J’ai mal. 1993 Lyrische Übersetzung: Mama hat Unrecht Maman a tort Eins – Mama liegt falsch/hat Unrecht Zwei – Die Liebe ist schön 18
  • 19. Eins – Mama liegt falsch Zwei – Liebe ist schön Jeux de mains, jeux de fous Drei – die Schwester weint C’est pas pour nous Vier – lieb sie Suspendue au lit comme une poupée Fünf – es ist mein Recht: Qu’on a désarticulée Sechs – alles berührn Siebn – da stopp ich nicht Petit rien, petit bout Acht – macht Spaß De rien du tout Reviens dans mes images j’ me suis perdue Après... je n’sais plus! Eins – Wenn Ma auch meint Zwei – mich zu verliern Plus grandir, j’ veux plus grandir Drei – die Augen feucht Plus grandir pour pas mourir, pas souffrir Vier – tut’s weh Plus grandir, j’ veux plus grandir Fünf – ich sag ich will Pour les pleurs d’une petite fille... Sechs – bin unglücklich Siebn – Ich denk nicht oft Acht – und Sie? Plus grandir (Nicht) älter/erwachsen werden Ich lieb, was man nicht macht Den unartigen Spaß Kleine Nichtigkeit/Bagatelle, kleines Ende/ Ich lieb es, wenn sie lacht Knirps/ kleine Zwinge/ kleine Spitze Ich lieb die Schwester, Ma Von gar nichts/ Macht gar nichts Hat mich ganz drunter und drüber/durcheinander gebracht/ Eins – ich bin sehr froh das Unterste zuoberst gekehrt/ meine Kleidung ganz Zwei – das tat mir gut sinnlich/Sinn/Gefühl Über- Unterwäsche/Oberteil Drei – es auszusprechen Unterteil (Kehrseite) Vier – macht Spaß Nahm seine Beine unter den Arm/Ist Hals über Kopf Fünf – wenn Ma auch meint geflohen (überfallen) Sechs – sie war so schön Siebn – die Kranknschwester Acht – lieb ich Kleine Nichtigkeit/Bagatelle, kleines Ende/ Knirps/ kleine Zwinge/ kleine Spitze Eins – die Schwester singt Das Leben macht sich darüber lustig/ dem Leben ist es Zwei – das macht mich an egal Drei – so lerchengleich In meine(n) ganz aufgeweichten Papier-Tüchern Vier – hab Angst Meine Küsse sind besudelt/beschmutzt Fünf – hart ist’s, das Leben Sechs – für’n Lächeln nur Siebn – wein ich die Nacht Acht – und Sie? (Nicht) älter werden, ich will (nicht) erwachsen werden / Ich lieb, was man nicht macht (Ich will darüber hinwegkommen) Den unartigen Spaß (Nicht) älter werden, um nicht zu sterben, nicht zu Ich lieb es, wenn sie lacht leiden Ich lieb die Schwester, Ma (Nicht) größer werden, ich will (nicht) erwachsen werden Für die Tränen eines kleinen Mädchens/ Um der Tränen eines kleinen Eins – Mama liegt falsch Mädchens willen Zwei – Liebe ist schön Drei – die Schwester weint Vier – lieb sie (Kinder-) Spiele der Hände, Launen der Fünf – Mama liegt falsch Unvernünftigen/Narren/ Sechs – Liebe ist schön Spiele der Läufer (Schachfigur) Siebn – im Hospital Es ist nicht für uns Acht – tut’s weh Außer Kraft gesetzt/aufgehängt im Bett wie eine Puppe Die man zergliedert/verrenkt/im Gelenk amputiert hat Übersetzung (lyrische Version): Michael Kuyumcu, Kleine Nichtigkeit/Bagatelle, kleines Ende/ Knirps/ kleine November 1994 Zwinge/ kleine Spitze Plus grandir Von gar nichts/ Macht gar nichts Kommt/Kehrt/Erhole mich wieder in meinen Vorstellungen, Petit rien, petit bout ich bin mir verloren gegangen De rien du tout Danach... ich weiß nicht mehr!/ Bereit·/ abgesehen von· M’a mise tout sens dessus dessous ich weiß nicht mehr!/ Ich bin nicht mehr daheim·/nicht A pris ses jambes à son cou mehr heimisch Petit rien, petit bout La vie s’en fout (Nicht) älter werden, ich will (nicht) erwachsen werden / Dans mes draps de papier tout délavés (Ich will darüber hinwegkommen) Mes baisers sont souillés (Nicht) älter werden, um nicht zu sterben, nicht zu leiden Plus grandir, j’ veux plus grandir Plus grandir pour pas mourir, pas souffrir (Nicht) älter werden, ich will (nicht) erwachsen werden / Plus grandir, j’ veux plus grandir (Ich will darüber hinwegkommen) Pour les pleurs d’une petite fille 19
  • 20. Für die Tränen eines kleinen Mädchens/ Um der Tränen eines kleinen Mädchens willen... Libertine Cendre de lune, petite bulle d’écume Übersetzung: Peter Marwitz & Michael Kuyumcu, März Poussée par le vent je brûle et je m’enrhume 1993 Entre mes dunes reposent mes infortunes C’est nue que j’apprends la vertu Textorientierte Übersetzung: Je, je suis libertine* Plus grandir Je suis une catin (Nicht) älter/erwachsen werden Je, je suis si fragile Qu’on me tienne la main Kleine Nichtigkeit/Bagatelle, kleines Ende/ Knirps/ kleine Zwinge/ kleine Spitze Fendre la lune, baisers d’épine et de plume Von gar nichts/ Macht gar nichts Bercée par un petit vent je déambule Hat mich ganz drunter und drüber/durcheinander La vie est triste comme un verre de grenadine gebracht/ Aimer c’est pleurer quand on s’incline das Unterste zuoberst gekehrt/ meine Kleidung ganz sinnlich/Sinn/Gefühl Über- Unterwäsche/Oberteil Je, je suis libertine Unterteil (Kehrseite) Je suis une catin Nahm seine Beine unter den Arm/Ist Hals über Kopf Je, je suis si fragile geflohen (überfallen) Qu’on me tienne la main Quand sur ton corps je m’endors Kleine Nichtigkeit/Bagatelle, kleines Ende/ Knirps/ kleine Je m’évapore, bébé tu dors et moi j’attends l’aurore Zwinge/ Quand sur mes lèvres tu t’enlèves, un goût amer kleine Spitze Me rappelle que je suis au ciel Das Leben macht sich darüber lustig/ dem Leben ist es egal Cendre de lune, petite bulle d’écume In meine(n) ganz aufgeweichten Papier-Tüchern Perdue dans le vent je brûle et je m’enrhume Meine Küsse sind besudelt/beschmutzt Mon corps a peur, la peau mouillée, j’ai plus d’âme Papa, ils ont violé mon cœur. Je, je suis libertine (Nicht) älter werden, ich will (nicht) erwachsen werden / Je suis une catin (Ich will darüber hinwegkommen) Je, je suis si fragile (Nicht) älter werden, um nicht zu sterben, nicht zu Qu’on me tienne la main leiden (Nicht) größer werden, ich will (nicht) erwachsen werden Für die Tränen eines kleinen Mädchens/ Um der Tränen eines kleinen Textorientierte Übersetzung: Mädchens willen Libertine (Kinder-) Spiele der Hände, Launen der Unvernünftigen/Narren/ Asche des Mondes, kleine Blase der Gischt/des Spiele der Läufer (Schachfigur) Geifers/Abschaumes Es ist nicht für uns Getrieben vom Wind glühe/brenne ich, und ich erkälte Außer Kraft gesetzt/aufgehängt im Bett wie eine Puppe mich Die man zergliedert/verrenkt/im Gelenk amputiert hat Zwischen meinen Dünen ruhen (liegen begraben) meine Schicksalsschläge/Leiden/Mißgeschicke Es ist nackt, wie/daß ich die Tugend/Stärke/ Kleine Nichtigkeit/Bagatelle, kleines Ende/ Knirps/ kleine Sittsamkeit/Keuschheit lerne/lehre Zwinge/ kleine Spitze Von gar nichts/ Macht gar nichts Ich, ich bin Libertine* Kommt/Kehrt/Erhole mich wieder in meinen Ich bin eine Hure/Nutte Vorstellungen, Ich, ich bin so zerbrechlich/zart/vergänglich ich bin mir verloren gegangen Daß man mir die Hand reicht/hält Danach... ich weiß nicht mehr!/ Bereit·/ abgesehen von· ich weiß nicht mehr!/ Ich bin nicht mehr daheim·/nicht Den Mond aufschlitzen/-spalten, Küsse von Stacheln und mehr heimisch von Federn Gewiegt/getröstet durch einen kleinen Wind ziehe ich (Nicht) älter werden, ich will (nicht) erwachsen werden / umher (Ich will darüber hinwegkommen) Das Leben ist trüb wie ein Glas (Nicht) älter werden, um nicht zu sterben, nicht zu Granatapfelsaft/Grenadine leiden Lieben, das ist weinen wenn man sich beugt/verneigt/fügt (Nicht) älter werden, ich will (nicht) erwachsen werden / (Ich will darüber hinwegkommen) Ich, ich bin Libertine Für die Tränen eines kleinen Mädchens/ Ich bin eine Hure/Nutte Um der Tränen eines kleinen Mädchens willen... Ich, ich bin so zerbrechlich/zart/vergänglich Daß man mir die Hand reicht/hält Wenn auf Deinem Körper, ich schlafe ein Übersetzung: Peter Marwitz & Michael Kuyumcu, März Ich dampfe ab/verdunste, Baby, Du schläfst, 1993 und ich erwarte die Dämmerung 20
  • 21. Wenn Du Dich von meinen Lippen wegreißt/ Contre ta bouche elle veut qu’on la couche meinen Lippen entziehst, ein bitterer Geschmack Erinnert mich daran, daß ich im Himmel bin Triste elle fait la grimace, Devant sa glace D’un coup du cœur enlace l’ombre qui passe Asche des Mondes (bzw.: Aschermittwoch des Mondes), Et rien jamais n’effacera les traces, lâches kleine Blase der Gischt/des Geifers/Abschaumes Du sang qui coule des corps qui se cassent Verloren im Wind glühe ich, und ich erkälte mich Mein Körper hat Angst, die Haut benetzt/ Adieu Tristana aufgeweicht, ich habe keine Seele mehr / mehr Seele Ton cœur a pris froid Papa, sie haben mein Herz entweiht/ Adieu Tristana geschändet/verletzt/vergewaltigt. Dieu baisse les bras Laissez-la partir Ich, ich bin Libertine Laissez-la mourir Ich bin eine Hure/Nutte Ne le dites pas Ich, ich bin so zerbrechlich/zart/vergänglich Tristana, c’est moi! Daß man mir die Hand reicht/hält Triste sort Tristana Tu sais, crois-moi Trois petits tours, elle s’en va Übersetzung: Peter Marwitz & Michael Kuyumcu, März La vie comme ça 1993 Les plus beaux jours s’achèvent dans la peine, Haine Lyrische Übersetzung: Pourquoi faut-il payer de ses veines Libertine Textorientierte Übersetzung: Asche des Mondes, kleine Blase von Schwären Getrieben vom Wind brenn ich, mich erkältend Tristana Zwischen meinen Dünen ruhn meine Schicksalsschläge Nackt, wie ich die Tugend lerne Traurig/betrübt ist sie bereit zu allem Für nichts, für alles Ich, ich bin Libertine* In der Runde der Verrückten weint sie ganz Ich geh auf den Strich sanft/süß/leise Zerbrechliche Vitrine Die Liebe tötete die Worte, die sie berühren, Fremde Hand, halt mich Berühren Sie will, daß man sie gegen/an Deinen Mund Spalte den Mond, Küsse von Stacheln und Federn bettet/schlafen legt Gewiegt von einem kleinen Wind zieh ich umher Das Leben: trüb wie Grenadine-Gläser Traurig/betrübt schneidet sie die Grimasse/zieht sie ein Lieben ist Sich-Beugen tränenschwer Gesicht Vor ihrem Spiegel/ihrer inneren Kälte Ich, ich bin Libertine Fesselt/umschlingt ein Herzschlag den Schatten, der Ich geh auf den Strich vorüberzieht Zerbrechliche Vitrine Und nichts wird jemals die Spuren, die kraftlosen, Fremde Hand, halt mich löschen Des Bluts, das aus den Körpern rinnt/strömt, die gebrechlich/schwach/alt werden Schlaf auf Deinem Körper ein Verdampfe ich, Baby, Du schläfst fein Ich wart auf Sonnenschein Adieu Tristana Entziehst Du Dich meinen Lippen, Dein Herz hat sich erkältet Schmeckt es bitter, Adieu Tristana Erinnert mich: ich bin im Himmel Gott senkt die Arme Laßt/Lassen Sie sie abreisen/gehen Laßt/Lassen Sie sie sterben Asche des Mondes, kleine Blase von Schwären Sagt/Sagen Sie es nicht Verloren im Wind brenn ich, mich erkältend Tristana, das bin ich! Mein Körper hat Angst, die Haut gequolln, ohne Seele Papa, sie entweihten mir mein Herz Traurig/betrübt verläßt/geht Tristana Du weißt, glaub mir Ich, ich bin Libertine Drei kleine Runden, (schon) geht es Ich geh auf den Strich Das Leben einfach so Zerbrechliche Vitrine Die schönsten Tage enden im Schmerz Fremde Hand, halt mich Haß Warum ist es nötig, für sein Wesen/Glück zu büßen/zu bezahlen Übersetzung (lyrische Version): Michael Kuyumcu, Dezember 1994 Übersetzung: Peter Marwitz & Michael Kuyumcu, März Tristana 1993 Triste elle est prête à tout Lyrische Übersetzung: Pour rien, pour tout Dans la ronde des fous elle pleure tout doux Tristana L’amour a tué les mots qui la touchent, Touchent 21
  • 22. Nichts – sie ist betrübt. Da man (ja) wählen/entscheiden muß In der Irren Runde weint sie süß· In leisen/sanften Worten kann ich es sagen Liebe tötete die Worte, die berühren, "Ohne Fälschung"/unverfälscht/eindeutig Rühren, Ich bin ein Junge An Deinem Mund sollst Du sie nachts spüren. Und für ein Königreich Ich will mich nicht entkleiden Denn "ohne Fälschung"/eindeutig Trist zieht sie die Grimasse Ich bin ein Junge Vor dem Glase Aus Eis im Innern hält einen Schatten Ihr Herz. Und nichts löscht je die Spuren, fahlen Lachen Ganz allein in meinem (Wand-)Schrank Des Bluts, das strömt aus Körpern der Schwachen Die Augen von Schwärze umschlossen/-geben Sicher/geschützt vor fremden Blicken Ich biete dem Zufall/Glück die Stirn (fordere... heraus) Tristana, Adieu, In dieser Welt die weder Hand noch Fuß hat Dein Herz tut Dir weh. ("weder Schwanz noch Kopf") Tristana, Adieu, Handele ich nur nach meinem Kopf/Willen Gotts Arm senkt sich jäh. Ein Taschen-/Kopftuch in der "Tiefe der Hose" Laßt sie endlich gehn, Ich bin Ritter von Eon Endlich von Euch gehn. Da man (ja) wählen/entscheiden muß Aber sagt es nicht: In leisen/sanften Worten kann ich es sagen Tristana – bin ich! "Ohne Fälschung"/unverfälscht/eindeutig Ich bin ein Junge Trist geht Tristana, Du weißt: ’s ist wahr. Und für ein Königreich Drei Runden – sie ist nicht mehr da. Ich will mich nicht entkleiden Leben wie das – Denn "ohne Fälschung"/eindeutig Wenn schönste Tage bloß im Schmerz verblassen, Ich bin ein Junge Hassen. Warum muß man sich zur Ader lassen? Abwechselnd/der Reihe nach jagt/treibt man mich Mit Eurer Benutzung/Umgang/Besuch Ich dulde es nicht/lasse es nicht zu, daß man Übersetzung (lyrische Version): Michael Kuyumcu, Mai Meine Beschlüsse/Entscheidungen bedroht 1993 Ich schere mich nicht um das Gerede der Leute Ich bin "Chamäleon"/schillernd Sans contrefaçon Nehmt Euch in acht vor meinen Zinnsoldaten Sie sind es, die Euch töten. Puisqu'il faut choisir A mots doux je peux le dire Da man (ja) wählen/entscheiden muß Sans contrefaçon In leisen/sanften Worten kann ich es sagen... Je suis un garçon Et pour un empire J e ne veux me dévêtir Übersetzung: Peter Marwitz, September 1992 Puisque sans contrefaçon Je suis un garçon Lyrische Übersetzung: Tout seul dans mon placard Sans contrefaçon Les yeux cernés de noir A l'abri des regards Je défie le hasard Da es gilt, zu wähln, Dans ce monde qui n'a ni queue ni tète Kann ich’s sanft und süß erzähln: Je n'en fais qu'à sa tète Zweifellos bin dann Un mouchoir au creux du pantalon Ich ein junger Mann. Je suis chevalier D'Eon Selbst fürs Königshaus Zöge ich mich niemals aus. Puisqu'il faut choisir Denn ganz zweifellos bin dann A mots doux je peux le dire Ich ein junger Mann Sans contrefaçon Je suis un garçon Allein in meinem Schrank, Et pour un empire Wo Nacht aufs Auge sank, Je ne veux me dévêtir Geschützt vor fremdem Blick, Puisque sans contrefaçon Biet ich die Stirn dem Glück. Je suis un garçon Sie hat weder Hand noch Fuß, die Welt –Ich tu, was mir gefällt. Tour à tour on me chasse Ein Taschentuch folgt mir auf Schritt und Tritt De vos fréquentations Her von Eon führt mein Ritt. Je n'admets pas qu'on menace Mes résolutions Je me fous bien des qu'en-dira-t'on Da es gilt, zu wähln, Je suis caméléon Kann ich’s sanft und süß erzähln: Prenez garde à mes soldats de plomb Zweifellos bin dann C'est eux qui vous tueront Ich ein junger Mann. Puisqu'il faut choisir Selbst fürs Königshaus A mots doux le peux le dire... Zöge ich mich niemals aus. Denn ganz zweifellos bin dann Sans contrefaçon Ich ein junger Mann Ohne Fälschung/unverfälscht 22
  • 23. Euch alle muß ich fliehn, Mais pourvu qu'elles soient douces Wenn Ihr Besuche macht; D'un esthète tu n'as garde qu'un "air bête" Niemand darf in Zweifel ziehn, Tout est beau si c'est "Vue de dos" ! ... Was ich mir gedacht. Und was schert mich Euer Tratsch denn schon; Pourvu qu'elles soient douces Ich bin Chamäleon. Vorausgesetzt/wünschte, daß sie weich wären Nehmt Euch in acht vor meinem Zinnsoldat, Denn er plant ein Attentat. Nun/he Kerl/Typ! Dein versteckter/hinterhältiger/schräger Blick Da es gilt, zu wähln, Ist keineswegs nicht lüstern/geil Kann ich’s sanft und süß erzähln... Deine Mutter hat Dir zu sehr den Hintern versohlt Dein Geschmack/Vorliebe für die Kehr-/Rückseite Hat rein gar nichts Perverses Übersetzung (lyrische Version): Michael Kuyumcu, Mai Und Dein Baby/kleines Kind ist nicht böse/verstimmt 1993 Dein Kamasutra Textorientierte Übersetzung: Ist gut/mindestens hundert Jahre alt Pourvu qu'elles soient douces Mein Gott, wie ist es altmodisch Das Nonplusultra Pourvu Qu’elles soient douces In dieser Landschaft/Gegend Eh Mec ! Ist es, beide Seiten zu lieben Ton regard oblique En rien n'est lubrique Deine Majestät/Dein König/Deine Würde Ta maman t'a trop fessé Verschiebt/versetzt Dich nie(mals)! Ton goût du revers Ohne Dein kleines Kopfkissen (?) N'a rien de pervers Auf ewig/für immer bin ich Et ton bébé n'est pas fâché Deine einzige/alleinige Klasse/Schicht/Kategorie Alles ist nur ein zu zahlender Preis Ton Kamasutra A bien cent ans d’âge Mon Dieu que c'est démodé Du "machst"/sagst Ahs und Ohs Le nec plus ultra Hinter Deinen Befestigungs-/Verteidigungsanlagen En ce paysage Wenn/sobald meine kleine Hose C'est d'aimer les deux côtés Aufrecht/stehend und auf dem Rücken Ohne den Mut zu verlieren Ta majesté Entblöße/äußere Deine Besessenheit quälenden Jamais ne te déplaces ! Gedanken/Vorstellungen Sans ton petit oreiller A jamais je suis Du versteifst Dich darauf/hast die Stirn, Dich Ton unique classe über alles lustig zu machen Tout n'est que prix à payer Aber vorausgesetzt, daß sie sanft/weich sind Von einem Poeten/Dichter "hast Du nichts als den Tu fais des Ah! des Oh! Mond im Sinn" ("Du bist ein wenig verrückt") Derrière ton ouvrage Gegenüber meiner Offenheit/meinen Rundungen bist Du Quand mon petit pantalon K.O./hilflos Debout et de dos Du versteifst Dich darauf/hast die Stirn, Dich Sans perdre courage über alles lustig zu machen Dénude tes obsessions Aber vorausgesetzt, daß sie sanft/weich sind Von einem Ästheten hast Du nur ein "tierisches/ Tu t'entêtes à te foutre de tout dümmliches Aussehen/Art/Erscheinung" bewahrt Mais pourvu qu'elles soient douces Alles ist schön, wenn es "von hinten gesehen" wird D'un poète tu n'as que la lune en tête De mes rondeurs tu es K.O. ! Tu t'entêtes à te foutre de tout O.K.! Mais pourvu qu'elles soient douces Prosa oder Poesie D'un esthète tu n'as gardé qu'un "air bête"... Alles ist nur ein Vorwand Tout est beau si c'est "Vue de dos" ! Nicht nötig, sich zu entschuldigen Muse/Kunst/Genie oder Anstifterin/Nymphe 0K ! Meine kleinen Hinterbacken Prose ou poésie Hören nicht auf, Dich zu inspirieren/erregen Tout n'est que prétexte Pas la peine de t'excuser Ich "mache"/sage Ahs und Ohs Muse ou égerie Erschöpfe/ermüde mich nie (Ich ermüde/langweile nie) Mes petites fesses Durch Liebe, für die (ich) Feuer und Flamme bin Ne cessent de t'inspirer Ist es nicht (sowieso) unumgänglich, daß Die Jugend vorbei-/vorübergeht/sich abschwächt Je fais des Ah! des Oh! Wozu also sich drängen/überhastet sein? Jamais ne me lasse Par amour pour un toqué Ne faut-il pas que Du versteifst Dich darauf/hast die Stirn, Dich Jeunesse se passe über alles lustig zu machen A quoi bon se bousculer ? Aber vorausgesetzt, daß sie sanft/weich sind (wünschte, sie wären sanft/weich) Tu t'entêtes à te foutre de tout Mais pourvu qu'elles soient douces D'un poète tu n'as que la lune en tête Übersetzung: Peter Marwitz, September 1992 De mes rondeurs tu es K.O. ! Tu t'entêtes à te foutre de tout 23
  • 24. Lyrische Übersetzung: Je sais bien que je mens Je sais bien que 1'ai froid dedans Pourvu qu'elles soient douces Bulle de chagrin Boule d'incertitude Kerl! Dein De nos destins Blick, den Du verteilst, Naît que solitude Ist nicht wenig geil; Tu dis qu'il faut du temps Mutter hat Dir’n Po vertrimmt. Qu'aimer n'est pas un 1eu d'enfant Dein Spaß am Revers Je sais bien que tu mens Ist kein Stück pervers – Mais je suis si seule à présent Dein Baby ist auch nicht verstimmt Ainsi soit Je Dein Kamasutra Ainsi soit Tu Hat gut hundert Jahr, Ainsi soit Il Mein Gott, aus Omas Zeiten... Ainsi moi je Das Nonplusultra Prie pour que Tu Ist hier wie da: Fuis mon exil Liebe einfach beide Seiten. Mais quel espoir Pourrais-je avoir Quand tout est noir ? Die Würde läßt Ainsi soit Je Dich sicher nie im Stich! Ainsi soit Tu Ohne Kissen, das Du preßt, Ainsi soit ma vie Bleibe immer ich Tant pis. Deine einz’ge Schicht – Und der Preis dafür steht fest Bulle de chagrin Boule d'incertitude Du stammelst Ahs und Ohs – Deux orphelins Nur aus "Arbeitswut" – Que le temps défigure Wenn dann meine kleine Hos’ Je voudrais mon hiver Rücklings liegt, von vorn· M'endormir loin de tes chimères Fasse doch den Mut: Tu sais bien que je mens Leg Deine Lüste bloß! Tu sais bien que j'ai froid dedans Ainsi soit Je Du machst alles lächerlich sogleich, Ainsi soit Tu Ach, wären sie doch weich... Ainsi soit il Vom Poeten blieb der Kopf Dir voll Planeten, Ainsi moi je Doch meine Rundung macht Dich stumm! Prie pour que Tu Du machst alles lächerlich sogleich Fuis mon exil Ach, wären sie doch weich... Niais quel espoir Vom Ästheten ging nur’s Tiergesicht nicht flöten Pourrais-je avoir Alles ist schön, dreht man es um! Quand tout est noir ? Ainsi soit Je O.K.! Ainsi soit Tu Prosa, Poesie· Ainsi soit ma vie Alles Vorwand und Tant pis... Für Entschuldigung kein Grund. Muse, Nymphe – nie Ainsi soit je...* werden meine Hügel So soll ich sein* Aufhörn, Dich stets neu zu beflügeln Blase des Kummers/Leids/Grams Ich stammle Ahs und Ohs, Kugel/Ball der Niemals werd ich müde; Ungewißheit/Unbeständigkeit/Unsicherheit Liebend brenn ich lichterloh So viele der Morgen (So sehr Morgen) Die Jugend, Lieber – Daß nichts verheimlicht/verborgen/verschleiert ist Sie geht vorüber... Ich will/möchte meinen Winter Wozu also hetzt Du so? Mich beruhigen/einschlafen fern von Deinen Träumen /Grillen/Hirngespinsten/Trugbildern/Schimären Du machst alles lächerlich sogleich, Ich weiß (sehr) wohl, daß ich lüge Ach, wären sie doch weich... Ich weiß (sehr) wohl, daß ich innerlich/im Innern friere Blase des Kummers/Leids/Grams Übersetzung (lyrische Version): Michael Kuyumcu, Mai Kugel/Ball der 1993 Ungewißheit/Unbeständigkeit/Unsicherheit (Von) unseren Schicksalen/Geschicken/Bestimmungen Entspringt nur/nichts als Einsamkeit Textorientierte Übersetzung: Du sagst, daß es/er Zeit braucht, Daß Lieben kein Kinderspiel ist Ainsi soit je...* Ich weiß (sehr) wohl, daß Du lügst Doch ich bin allein/einsam zur Zeit/gegenwärtig Bulle de chagrin Boule d'incertitude So soll Ich sein* Tant de matins So sollst Du sein Que rien ne dissimule So soll (möge) Er/Es sein / Amen Je veux mon hiver So ich – ich M'endormir loin de tes chimères 24
  • 25. Bitte/bete darum, daß Du Der Deinen Schemen mich entreißt. Fliehst/Dich abkehrst (aus) meiner Verbannung/Exil Du weiß wohl, daß ich lüg – Aber/doch welche Hoffnung Du weißt, wie mich der Frost durchglüht. Könnte ich noch haben / könnte mir bleiben Da/wenn alles schwarz ist? So seie Ich So soll Ich sein So seiest Du So sollst (mögest) Du sein So seie Es. So soll (möge) mein Leben sein So bitt ich Dich, Desto schlimmer/macht nichts. Verlasse Du Verbannt mich jetzt. Blase des Kummers/Leids/Grams Doch was bleibt mir, Kugel/Ball der Wenn ich mich hier Ungewißheit/Unbeständigkeit/Unsicherheit In Nacht verlier? Zwei Waisen So seie Ich Die die Zeit entstellt/verändert/verzerrt So seiest Du, Ich würde meinen Winter wollen So sei gelebt – Mich beruhigen/einschlafen fern von Deinen Träumen Wenn’s geht... /Grillen/Hirngespinsten/Trugbildern/Schimären Du weißt (sehr) wohl, daß ich lüge Du weißt (sehr) wohl, daß ich innerlich friere Übersetzung (lyrische Version): Michael Kuyumcu, März 1993 So soll (möge) Ich sein So sollst (mögest) Du sein Sans logique So soll (möge) Er/Es sein / Amen So ich – ich Bitte/bete darum, daß Du Si Dieu nous fait à son image Fliehst/abkehrst (aus) meiner Verbannung/Exil Si c’était sa volonté Aber/doch welche Hoffnung Il aurait dû prendre ombrage Könnte ich noch haben / könnte mir bleiben Du malin mal habité Da/wenn alles schwarz ist? Qui s'immisce et se partage So soll (möge) Ich sein L'innocence immaculée So sollst (mögest) Du sein De mon âme d'enfant sage So soll (möge) mein Leben sein Je voudrais comprendre Desto schlimmer/macht nichts... De ce paradoxe Je ne suis complice Lyrische Übersetzung: Souffrez qu'une autre En moi se glisse Ainsi soit je... Car sans logique Je me quitte Blase des Grams Aussi bien satanique Der Unstetigkeit – Qu’angélique Der Morgen kam, Und nichts blieb mehr geheim. Si chaque fois qu'en bavardages Ich will den Schlaf in Eis, Nous nous laissons dériver Der Deinen Schemen mich entreißt. Je crois bien que d’héritage Ich weiß wohl, daß ich lüg – Mon silence est meurtrier Ich weiß, wie mich der Frost durchglüht. Vous me découvrez blafarde Fixée à vos yeux si tendres Je pourrais bien par mégarde Blase des Grams D'un ciseau les fendre Der Unstetigkeit – Die Zukunft kam Und läßt nur Einsamkeit. Textorientierte Übersetzung: Du sagst, es braucht noch viel Geduld, und Lieben ist kein Spiel. Sans logique Ich weiß wohl, daß Du lügst – Ohne Logik/Vernunft Doch ich bin jetzt allein wie nie. Falls Gott uns nach seinem Bild schuf So seie Ich* Falls es sein Wille war So seiest Du Müßte er Verdacht schöpfen/es übelnehmen So seie Es. (Gegenüber) dem schlecht gekleideten Teufel/Schurken So bitt ich Dich, Der sich einmischt und sich verteilt/geteilt Verlasse Du Die unbefleckte/reine Unschuld Verbannt mich jetzt. Meiner Seele eines artigen/folgsamen Kindes Doch was bleibt mir, Möchte ich gerne verstehen Wenn ich mich hier In Nacht verlier? An diesem Paradox(on) So seie Ich Bin ich nicht mitschuldig So seiest Du, Gestatten Sie/Gestattet, daß eine andere So sei gelebt – Sich in mich hineinschleicht/-gleitet Wenn’s geht. Denn ohne Logik/Vernunft Ich trenne mich/Nehme Abschied Blase des Grams, Genauso satanisch/teuflisch Der Unstetigkeit – Wie engelsgleich/himmlisch Verwaistes Paar, Entstellt vom Lauf der Zeit. Ich will den Schlaf in Eis, 25
  • 26. Falls jedes Mal wenn man plaudert Nicht mehr zu wissen, wozu ich diene/was meines Lebens Wir uns (willenlos) treiben/mitreißen lassen Sinn ist Ich glaube sehr wohl dem Zweifellos zu absolut nichts Erbe/Vererbung/Hinterlassenschaft Gegenwärtig/jetzt kann ich verstummen/schweigen Meine Stille/Schweigen ist tödlich/todbringend Wenn alles zu Abscheu/Abneigung/Überdruß/Ekel wird... Ihr entdeckt/entblößt mich fahl/bleich Fixiert auf Eure/Ihre so zärtlichen Augen Glühendes Elend, das Fieber/Unruhe hat mich Ich könnte sie gleichwohl – aus Versehen – überwältigt Mit einem Meißel/Dolch aushacken/-stechen Ich lache ohne Lachen, ich lebe, ich tue egal was/irgendetwas Übersetzung: Peter Marwitz, September 1992 Und ich irre umher Ich habe Angst vor der Leere A quoi je sers Ich blättere (Buch-)Seiten um Aber... leere/inhaltslose Seiten/Blätter. Übersetzung: Peter Marwitz Poussière vivante, je cherche en vain ma voie lactée Dans ma tourmente, je n’ai trouvé qu’un mausolée Et je divague J’ai peur du vide Lyrische Übersetzung: Je tourne des pages Mais... des pages vides A quoi je sers... Poussière errante, je n’ai pas su me diriger Lebendes Elend, wo mag die Milchstraße sein? Chaque heure demande pour qui, pour quoi, se redresser In meinem Kummer fand ich nur nen Totenschrein. Et je divague Irrend durch Weiten, J’ai peur du vide Fürcht ich die Leere. Pourquoi ces larmes Ich wende die Seiten – Dis... à quoi bon vivre... Doch... Seiten der Leere. Mais mon Dieu de quoi j’ai l’air Je sers à rien de tout Irrendes Elend, ich wußt nicht: wie sollt ich gehn. Et qui peut dire dans cet enfer Und jede Stunde fragt, wozu neu aufzustehen. Ce qu’on attend de nous, j’avoue Irrend voll Sehnen Ne plus savoir à quoi je sers Fürcht ich die Leere Sans doute à rien de tout Wozu die Tränen – A présent je peux me taire Sag... wozu gut leben... Si tout devient dégoût... Doch, mein Gott, warum scheint mir Poussière brûlante, la fièvre a eu raison de moi Ich nütze rein zu nichts? Je ris sans rire, je vis, je fais n’importe quoi Wer sagt in dieser Hölle hier, Et je divague Was man von uns verlangt – ich nicht! J’ai peur du vide Ich weiß nicht mehr, wozu ich nütz – Je tourne des pages Ganz zweifellos zu nichts. Mais... des pages vides. Schweigen kann ich jetzt, wenn hier Aus allem Ekel spricht... Textorientierte Übersetzung: Glühendes Elend, Fieber ergriff Besitz von mir. A quoi je sers Ohne zu lachen lach ich, mach ich gleichwas hier. Zu was bin ich nutze/diene ich Irrend durch Weiten Fürcht ich die Leere. Lebendes Elend, ich suche vergeblich meine Milchstraße Ich wende die Seiten – In meinem Kummer/Pein, ich habe nichts als ein Doch... Seiten der Leere. Mausoleum gefunden Und ich irre umher Ich habe Angst vor der Leere Übersetzung (lyrische Version): Michael Kuyumcu Ich blättere (Buch-)Seiten um Aber... leere/inhaltslose Seiten/Blätter Alle Texte sind von Mylène Farmer, außer Maman a tort Streunendes Elend/Staub, ich wußte mich nicht zu führen (Jérôme Dahan) und Libertine (Laurent Boutonnat). Jede Stunde fragt, für wen, für was, sich wieder aufrichten Und ich irre umher Quelle: http://www.mylene-farmer.de Ich habe Angst vor der Leere Warum diese Tränen Sag... wozu/woran gut leben... Aber, mein Gott, warum sehe ich so aus/scheine ich Zu absolut nichts nutze zu sein Und wer kann – in dieser Hölle – sagen Was man von uns erwartet, ich gebe zu 26
  • 27. Abbildung: 1. Aus dem Story-Board Maman a Tort, 1984. 2. 3. Plus Grandir, 1985. 27
  • 29. 8. Sans Contrefaçon, 1988 9. Ainsi soit Je, 1988. 10. 29
  • 30. 11. Pourvu Qu’elles Soient Douces, 1988. 12. 13. Sans Logique, 1989. 30
  • 31. 14. A Quoi Je Sers ?, 1990. 31