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report 2012
Zusammen erfolgreich – in einer gemeinsamen Region
 Grenzüberschreitendes Gesundheitswesen
 Die Bedeutung des Messe- und Kulturwesens für die Region metrobasel
©ruwebakommunikationag
Dieses Molekül
kennt die Diagnose.
Wir finden, Medizin sollte so exakt
wie möglich auf die Bedürfnisse
der Patienten zugeschnitten sein.
Die Informationen, die in der
Erbsubstanz stecken, weisen uns
dabei den Weg.
Unsere Innovationen
helfen Millionen Menschen,
indem sie Leid lindern und
Lebensqualität verbessern.
Wir geben Hoffnung.
Innovation für die Gesundheit
3
Dr.Carlo Conti
Regierungsrat Basel-Stadt
Der Metropolitanraum Basel (auch
Metropolitanregion genannt) dehnt sich
bis nach Delémont (JU), Mulhouse (F)
und Freiburg im Breisgau (D) aus und
umfasst fünf Kantone und drei Natio-
nalstaaten mit über zwei Millionen Ein-
wohnerinnern und Einwohnern, 8’700
km2
Fläche und ca. 650’000 Arbeitsplätze
im 2. und 3. Sektor. Die Life Sciences sind
als treibender Motor des Metropolitan-
raums anerkannt und ein wesentlicher
Isaac Reber
Regierungsrat Basel-Landschaft
Bis vor Kurzem war das gute alte
«Baselbieter Stübli» schlichtes Sinnbild
der Verbundenheit des Baselbiets mit der
Messe. Doch hinter diesem emotionalen
Element liegt etwas viel Tiefgründigeres:
Kaum ein partnerschaftliches Engage-
Faktor der internationalen Ausstrahlung
dieses Raumes. Rund 6 % der Arbeits-
plätze entfallen auf diese Branche,
welche einen Grossteil des Wirtschaft-
wachstums der Region generiert.
Die Metropolitanregion Basel hat sich
seit den 60er Jahren zu einem dyna-
mischen trinationalen Wirtschaftsraum
mit hoher Wertschöpfung entwickelt.
Nicht zuletzt dank der europäischen
Integration ist diese Wirtschaftsregion
stärker zusammengewachsen und wird
auch in Zukunft ein grosses Potential für
eine intensivere Zusammenarbeit vor
allem im Gesundheits-, Bildungs- und
Kulturbereich bieten. Das gemeinsame
Interesse zur Stärkung der Region und
die gegenseitigen Abhängigkeiten wer-
den sich auf politischer wie auch auf
finanzieller Ebene zunehmend auf diese
drei Bereiche fokussieren. Insbesondere
die Gesundheitsregion Basel als wich-
tiger Forschungsstandort und Sitz zahl-
reicher Life-Sciences Firmen zeichnet
sich durch ein breites medizinisches und
hoch spezialisiertes Angebot mit dem
Universitätsspital Basel als dem Maxi-
malversorger für die ganze Region aus.
Die nordwestschweizer Kantone Aargau,
ment der beiden Basel hat eine so lange
Tradition wie jenes für die heutige Messe
Schweiz - seit 1920 wird sie gelebt.
Dass diese Verbindung auch heute sehr
lebendig ist und der Baselbieter Bevöl-
kerung der Stellenwert des Messeplatzes
für die gesamte Region immer noch sehr
bewusst ist, zeigt sich darin, dass sie
im September 2008 den insgesamt 85
Millionen Franken für den Neubau mit
deutlicher Mehrheit zugestimmt hat!
Ja, was hat die Region denn vom Messe-
platz Basel ausser der «Herbschtmäss»
und der MUBA mit ihren Gratismüsch-
terli? BAK Economics hat den volkswirt-
schaftlichen Nutzen errechnet aufgrund
der Aussteller- und Besucherzahlen
sowie der Geschäftsergebnisse der Jahre
2002 bis 2005: Jedes Jahr profitiert die
Region von einer Wertschöpfung in der
Höhe von rund 937 Millionen Franken;
oder von 10 390 Vollzeitstellen; oder von
72 Millionen Franken an Steuererträgen!
Basel-Landschaft, Solothurn und Basel-
Stadt haben mit dem Versorgungsraum
Nordwestschweiz ihre Zusammenarbeit
in der Spitalplanung in den letzten Jah-
ren bereits verstärkt und sind daran, die-
se weiter auszubauen. Die gemeinsame
Spitalplanung in den vier Kantonen soll
nach einheitlichen Kriterien erfolgen.
Ziel ist es, in den vier Kantonen die
Freizügigkeit für alle Einwohnerinnen
und Einwohner für die Wahl einer Be-
handlung in einem Spital, welches sich
auf der Spitalliste des Kantons befindet,
ohne Kostenfolgen zu ermöglichen. Es ist
mein Ziel, dass diese Freizügigkeit in der
Wahl der Leistungserbringer mittelfristig
auf alle Einwohnerinnen und Einwoh-
ner im Metropolitanraum ausgedehnt
werden kann.
Die Mobilität und insbesondere die
Bedürfnisse der Patientinnen und Pati-
enten werden das Interesse für ein grenz-
überschreitendes Gesundheitswesen
weiter fördern und die Zusammenarbeit
auf politischer Ebene intensivieren.
So können alle Personen im Metro-
politanraum auch von Innovationen
im Gesundheitswesen gleichermassen
profitieren.
Das sind die nackten Zahlen, im Nabel-
schau-Modus. Darüber dürfen wir nicht
vergessen, was es heisst, wenn vor allem
über die internationalen Messen Basels
in den Medien berichtet wird, weltweit!
Der Messeplatz Basel wird dann zum
Schaufenster für uns alle, für die
gesamte Region. Den volkswirtschaft-
lichen Effekt können wir zwar nicht
wirklich seriös in konkreten Zahlen
messen. Doch eines ist klar: Der Begriff
«Basel» geht um die Welt. Man kann
auch etwas pathetisch sagen: Der Mes-
seplatz Basel verleiht unserer Region
«Strahlkraft».Wie auch immer man es
ausdrücken will und sieht: Es lohnt sich,
dafür die Verantwortung zu überneh-
men, gemeinsam. Dieses Engagement
ist ein Engagement in unsere Region,
eine Investition in unsere gemeinsame
Zukunft – wie auch immer die dann
aussieht.
Eine Gesundheitsversorgungsregion im Metropolitanraum Basel
Messeplatz Basel,eine gemeinsameVerantwortung undVerpflichtung
www.wecreatechemistry.com
Chemie, die
verbindet.
Damit die
Haut die
Sonne liebt.
Um Haut sogar an besonders sonnigen Tagen gesund zu
erhalten und zuverlässig zu schützen, kommt es auf die
richtige Kombination von UV-Filtern an. Sonnenschutz- und
Tagespflegeprodukte mit UV-Filtern unserer Marken Tinosorb®,
Uvinul® und Z-COTE® decken sowohl das UVA- als auch das
UVB-Spektrum ab, absorbieren schädliche UV-Strahlung und
wandeln sie in harmlose Wärme um. Wenn man Sonnentage
den ganzen Sommer lang geniessen kann, dann ist das
Chemie, die verbindet. Von BASF.
5
Inhalt
Impressum
Der metrobasel report 2012 erscheint als Beilage in der Basler Zeitung (Gesamt-
auflage) sowie in der Sonntagsausgabe der Basellandschaftschaftlichen Zeitung
und wird zusätzlich im Kanton Jura, im Landkreis Lörrach und im Elsass verteilt
(Druckauflage: ca. 285‘000 Exemplare).
Redaktion, Realisation & Inserate:
ruweba kommunikation ag, Riehen
Druck: Swissprinters AG, Zürich
3		 Vorworte der Regierungsräte Dr.Carlo Conti und Isaac Reber
6 	 Fricktal – das Aargauer Boomvalley
7 	 «metrobasel economic report 2012» Perspektiven 2035
8		 Nutzen und Folgen von Bankenregulierungen
9 	 Banken,Risiken und Eigenverantwortung,Dr.Georg Hess im Interview
10 	 Auswirkungen von Pharmaregulierungen
11		 Innovation dient dem Patienten,Pascal Brenneisen im Interview
13		 Eine Gesundheitsversorgungsregion im Metropolitanraum Basel
15 	 Universitätsspital Basel: Zukunftsweisende Expansion ins Ausland
16		 Das grenzüberschreitende Gesundheitswesen aus deutscher Sicht
17		 Vom Pilotprojekt zur Normalität?
18 	 metrobasel forum
23		 Messeplatz Basel,eine gemeinsameVerantwortung undVerpflichtung
24 	 In der Champions League der internationalen Messeplätze
26 	 Vier Leitmotive für eine zeitgemässe Baselbieter Kulturpolitik
27 	 Kulturelle Strahlkraft über Grenzen hinweg
28 	 Stärkung und Ausbau der Performing Arts durch gut vernetzte Kulturplattform
30 	 Kulturegion Basel: Leitbild für eine Zukunft in höchsterVielfalt und Qualität
31 	 metrobaselVision 2050
Geschäftsstelle
Aeschenvorstadt 4, 4051 Basel | Tel. +41 (0) 61 272 11 44 | office@metrobasel.org | www.metrobasel.ch
Fricktal – das Aargauer Boomvalley
Das Wirtschaftsforum Fricktal, welches in Zusammenarbeit mit metrobasel im Herbst in Magden
stattfand, drehte sich um die Perspektiven 2035 für das Fricktal. Zur Diskussion standen die
Ergebnisse der metrobasel Studie «economic report 2012».
Text: metrobasel
Das Fricktal sei die «Perle im Aargau»
und das Boomvalley schlechthin, wie der
Aargauer Volkswirtschaftsdirektor Urs
Hofmann am Wirtschaftsforum Fricktal
2012 betonte. Er stellte die Hightech-
Strategie des Kantons vor: Das Fricktal
hüte noch einen Schatz in Form von
grossen Landreserven im Sisslerfeld. Mit
der sinn- und massvollen Erschliessung
dieses zusammenhängenden Gebiets,
stehe und falle gewissermassen die künf-
tige Weiterentwicklung der Region.
Im Sisslerfeld sollen Unternehmen im
Bereich Life Sciences, Hochschulen
oder Innovation angesiedelt werden, die
Arbeitsplätze und Entwicklung generie-
ren. Für die Umsetzung von Hightech-
Aargau wolle der Regierungsrat in den
kommenden Jahren 38 Millionen Fran-
ken sprechen. Oliver Schläfli, Head QA
Novartis Pharma Stein AG, stellte die
geplante Produktionsanlage für pharma-
zeutische Produkte am Novartis Stand-
ort in Stein vor. Novartis will mit dieser
modernen Anlage über eine halbe Milli-
arde Franken investieren, was ein klares
Bekenntnis zum Standort Stein sei. Zwar
würden nicht zusätzliche Stellen geschaf-
fen, aber Arbeitsplätze in der Region
beibehalten, meinte Gemeindeammann
Hansueli Bühler. Bühler sieht auch Chan-
cen für das regionale Gewerbe, welches
von den Investitionen von Novartis pro-
fitieren könne.
Wachstum gezielt steuern
Mit dem Wachstum der Life Science-
Branche, aber auch mit gesellschaftli-
chen Trends würden die Wohnbevöl-
kerung und voraussichtlich auch die
Pendlerströme im Fricktal stark zuneh-
men. Dies bedinge Investitionen in In-
frastrukturen, erklärte Regula Ruetz,
Direktorin von metrobasel. Teilweise
könne man Wachstum über Rahmenbe-
dingungen steuern, wie beispielsweise
vorteilhafte Steuern, dem Ausbau des ÖV
und des Strassennetzes oder über zahl-
bares Bauland sowie über Immobilien-
angebote. Das Fricktal sei diesbezüglich
gut aufgestellt, vor allem was Landreser-
ven und vorteilhafte Standortbedingun-
gen anbelangt.
Einig waren sich die Podiumsteilneh-
menden, dass im Fricktal die Möglich-
keit für die Ansiedlung von Industrie und
Gewerbe mit hoher Wertschöpfung be-
steht und im Sisslerfeld die entsprechen-
de Planung bereits aufgegleist wurde. Mit
ihrer Pharmaindustrie boomt die Ebene
des Fricktals am Rhein aber bereits jetzt.
www.fricktal.ch
Bei der Podiumsdiskussion wurde angeregt diskutiert.
6
7
economic report 2012: Perspektiven 2035
Den Fragen nach der langfristigen Entwicklung von Wirtschaft und Bevölkerung in der Metropolitan-
region Basel ist eine Studie von metrobasel nachgegangen. Sie wurde im «metrobasel economic
report 2012» zusammengefasst und im Sommer in Basel an einem Podiumsanlass vorgestellt.
Text: metrobasel
WostehtdieMetropolitanregionBaselim
Jahr 2035? Wie viele Menschen werden
hier erwerbstätig und wie gross wird die
Bevölkerung sein? Im Rahmen des Mas-
terprojektes 2020/35/50 wird im dies-
jährigen «metrobasel economic report»
der Zeithorizont vom Jahr 2020 aus um
15 Jahre erweitert und der Bogen bis ins
Jahr 2035 gespannt. Damit wir mögli-
che Zustände auch in einer entfernten
Zukunft analysieren können, benötigen
wir in unserer Gesellschaft konsistente
Daten. Insbesondere wenn wir an die Be-
reitstellung von physischen Infrastruk-
turen denken. Beispielsweise für die Pla-
nung von Strassen und Eisenbahnlinien
ist es sehr wichtig zu wissen, wo in 25 Jah-
ren wie viele Menschen arbeiten und wo
siewohnenwerden.DasGleichegiltauch
für die Planung und Realisierung von
Schulen, Spitälern und Altersheimen.
metrobasel hat gemeinsam mit dem
Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Ba-
sel und der Beratungsfirma Wüest &
Partner aus Zürich die Entwicklung der
Wirtschaft und der Bevölkerung in der
trinationalen Metropolitanregion Ba-
sel bis 2035 modelliert. Im Dreiländer-
eck Frankreich, Deutschland und der
Schweiz werden die möglichen wirt-
schaftlichen Entwicklungen analysiert.
Daraus kann abgeleitet werden, wohin
die Stossrichtung der Entwicklung der
Raumnutzung sowie die Notwendigkeit
neuer Infrastrukturen zielt. Um der Un-
sicherheit im prognostischen Bereich
zu begegnen, wurden drei Szenarien
erstellt, die zusammen als Leitplanken
dienen: ein Basisszenario, ein positives
Alternativszenario und ein negatives
Alternativszenario.
Pharmaindustrie dominiert
Eine grundlegende Annahme dieser Sze-
narien ist, dass die Pharmaindustrie als
die dominierende Schlüsselbranche die-
ser Region die Wirtschaftsentwicklung
massgeblich bestimmt und die Bevölke-
rungsentwicklung im Wesentlichen von
der Entwicklung dieser Branche abhängt.
Wenn bei den drei Szenarien jeweils die
Pharmaindustrie im Vordergrund steht,
geschieht dies aufgrund ihres Gewich-
tes von rund 20 Prozent der regionalen
Wertschöpfung. Es darf allerdings nicht
vergessen gehen, dass es in der Region
noch andere Industriezweige gibt, die
aufgrund ihrer Exporte massgeblich
zum regionalen Wohlstand beitragen.
Mit Hilfe eines ökonometrischen Re-
gionalmodells wurden Prognosen für
die Region metrobasel und ihre Teilre-
gionen bis ins Jahr 2035 berechnet. Auf
Basis der Prognosen zur wirtschaftlichen
Entwicklung wurden anschliessend Be-
völkerungsprognosen erstellt. Aufgrund
der Tatsache, dass Langfristprognosen
sehr unsicher sind, werden im «metro-
baseleconomicreport»zumBasisszenario
auch zwei Alternativszenarien gerechnet,
die durch relativ starke Abweichungen
als Leitplanken gesehen werden können.
In diesen wird sich die Zukunft allerWahr-
scheinlichkeit nach abspielen. Es zeigt
sich, dass selbst grosse wirtschaftliche Ab-
weichungen nur etwa zu einemViertel auf
die Entwicklung der Bevölkerung durch-
schlagen. Denn die Bevölkerungsent-
wicklung ist noch ein wenig träger als die
Beschäftigung.
Die metrobasel Studie zeigt, dass Wirt-
schaftspolitik in der Metropolitanregi-
on Basel letztlich eine Gratwanderung
bleibt: Eine weiterhin stark wachsende
Pharmaindustrie erhöht das Klumpen-
risiko und den Bedarf nach vielen gut
qualifizierten Fachleuten, eine darben-
de Pharmaindustrie kann zu einer lang
andauernden Stagnation und Arbeitslo-
sigkeit führen.
Die öffentliche Planung muss auf bei-
des vorbereitet sein, die Wirtschafts-
politik soll einen Mittelweg anvisieren,
während die Raumplanung überlegen
muss, ob sie proaktiv oder nur reaktiv
handeln soll.Visionär ist nur ersteres. Des-
halb wird metrobasel im 2013 eine Stu-
die zur Raumentwicklung und not-
wendigen Infrastrukturen, basierend
auf den Ergebnissen des vorliegenden
«metrobaseleconomicreports»,erarbeiten.
Bevölkerungsentwicklung bis 2035 in den Subräumen: «Basisszenario».
< - 8’000
	 - 8’000 - - 6’000
	 - 6’000 - - 4’000
	 - 4’000 - - 2’000
	 - 2’000 - 1’000
	 -	1’000 - 0
		 0 - 1’000
		 1’000 - 2’000
		 2’000 - 4’000
		 4’000 - 6’000
		 6’000 - 8’000
		 8’000 - 10’000
		 10’000 - 15’000
>		 15’000
8
Viele fragen sich – und das zurecht – wie
es um die Zukunft unserer Schweizer
Banken steht. Der Schweizer Finanz-
platz ist im Umbruch. Das hat auch Aus-
wirkungen auf die Bankenstandorte in
der Schweiz, insbesondere auf Zürich,
Basel und Genf. Wird die Bankenregu-
lierung massiv verschärft, besteht die
Gefahr, dass die Institute ihre Hauptsitze
oder zumindest internationale Aktivitä-
ten in ein anderes Land mit liberalerer,
weniger restriktiver Regulierung ver-
schieben.
Am 13. November 2012 wurde die Studie
in der Börse in Zürich präsentiert und
unter dem Titel «Werden die Banken
wegreguliert – die Zukunft des Standor-
tes Schweiz» die Ergebnisse auf einem
Podium mit Dr. Patrick Raaflaub, Direk-
tor der Finma, diskutiert.
Finanzmärkte erfüllen volkswirtschaft-
lich wertvolle Funktionen. Der Banken-
sektor ist dabei zentral und gehört zu den
am stärksten regulierten Wirtschafts-
zweigen. Staatliche Regulierungsbestre-
bungen werden oftmals während und
im Nachgang zu grösseren Krisen breit
thematisiert, so auch während der
letzten Finanzmarktkrise, deren Aus-
wirkungen Politik und Wirtschaft bis
heute herausfordern.
Erhöhter gesamtwirtschaftlicher Nutzen
metrobasel hat beim Unternehmen
Polynomics AG eine Studie, welche die
Regulierungen in der Bankenbranche
untersucht, in Auftrag gegeben. Neben
unseren Partnern wurde die Studie mit-
finanziert durch die Volkswirtschaftsdi-
rektion des Kanton Zürichs, der Stiftung
Finanzplatz Basel und dem Verband der
Auslandsbanken. Die Studie setzt sich
mit Regulierungen im Schweizer Ban-
kensektor auseinander und vergleicht
diese mit den Regulierungen anderer
wichtiger Finanzplätze wie denen in
Deutschland, Grossbritannien, den Ver-
einigten Staaten und Singapur.
Bei der Regulierung ist die Bundes-
politik gefordert, den richtigen Regu-
lierungsrahmen zu finden. Einerseits
geht es darum, volkswirtschaftliche
Risiken zu minimieren. Andererseits
sollten die Regulierungen die Wett-
bewerbsfähigkeit der Finanzbran-
che nicht übermässig einschränken.
Zu drei Zeitpunkten – 2008, 2012 und
2020 – wurden die betreffenden Regu-
lierungen hinsichtlich verschiedener
Kriterien untersucht. Für jedes Kri-
terium werden sowohl die gesamtwirt-
schaftliche Wirkung wie auch die Aus-
wirkungen auf die Banken beurteilt.
In sämtlichen untersuchten Staaten
erhöhen die Regulierungen beinahe
kontinuierlich den gesamtwirtschaft-
lichen Nutzen. In der Schweiz zeigen
die Veränderungen der Regulierungen
zwischen 2012 und 2020 jedoch keine
Wirkung mehr.
Dies kommt daher, weil sich die bis zu
diesem Zeitpunkt eingeführten Mass-
nahmen teils gegenseitig aufheben.
So wirkt beispielsweise die negative
Bewertung betreffend Liquiditätsrege-
lung der positiven Bewertung verschärf-
ter Kapitalvorschriften entgegen.
Zusammenfassend führen die schwei-
zerischen Regulierungsbestrebungen
insgesamt zu einer durchschnittlichen
gesamtwirtschaftlichen Bewertung,
weshalbdieSchweiz2020hinterdenUSA
sowie Singapur auf dem dritten Platz
rangiert. Ausgehend von den Studie-
nergebnissen wurden anhand ver-
schiedener Szenarien drei wichtige
Ansatzpunkte identifiziert, wie die
Schweizer Bankenregulierung relativ
zu den anderen Ländern deutlich ver-
bessert werden könnte: die Einlage-
sicherung, die Liquiditätsregulierung
sowie die Kapitalvorschriften. Wenn die
Schweiz in diesen drei Punkten die von
der Studie empfohlenen Anpassungen
vornähme, würde sie gemäss Studien-
verfasser beim gesamtwirtschaftlichen
Nutzen den ersten Rang einnehmen,
und die nicht systemrelevanten Banken
würden deutlich entlastet.
Werden Banken aus der Schweiz
wegreguliert?
metrobasel hat eine Studie, die sich mit Regulierungen im Schweizer Bankensektor auseinandersetzt,
herausgegeben. Insgesamt schneidet der Finanzplatz Schweiz im Vergleich zu anderen Finanzplätzen
durchschnittlich ab.
Text: metrobasel
Filippo Leutenegger forderte die Podiumsteilnehmenden mit interessanten Fragen heraus.
©ruweba
9
Als ehemaliger Finanzminister des
Kantons Schwyz haben Sie die
Seiten gewechselt, zur Bank Julius Bär.
Warum?
Ich war als Regierungsrat während acht
Jahren für das Finanzdepartement zu-
ständig, insgesamt ein Jahrzehnt in der
Kantonsregierung des Kantons Schwyz
tätig. Aus meiner Sicht sind zwölf Jahre
in einem Exekutivamt genug. Die Beru-
fung der Bank Julius Bär kam zwar et-
was früh, aber die Aufgabe reizte mich.
Als Vermittler zwischen drei Kulturen –
Bankenwelt, Politik und Gesellschaft – ist
mein breites politisches und gesellschaft-
liches Netzwerk von grossem Nutzen.
Zurzeit ist der Bankensektor in
starken Turbulenzen. Was führte
aus Ihrer Sicht dazu?
Aus meiner Sicht sind vorwiegend drei
Gründe dafür verantwortlich, sie drehen
sich alle um Verschuldung. Zum Ersten:
Die Tugend, dass man sich nur leistet,
was man auch bezahlen kann, wurde
durchbrochen.DurchVerschuldungkann
mansichmehrleisten,alsmanlangfristig
bezahlen kann. Das führte dazu, dass
die westliche Welt seit Jahrzehnten über
ihre Verhältnisse lebt.
Zum Zweiten: Der wachsende Sozial-
staat hat Leistungen entwickelt und
bereitgestellt, deren Finanzierung auf
falschen Annahmen basiert. Die Rendi-
teerwartung der Kapitalmärkte wurde
zu hoch festgelegt und die demografi-
sche Entwicklung wurde nicht ehrlich
abgebildet. Das führt zu einer mittel-
bis langfristig starken Überschuldung
der öffentlichen Hand. Und drittens hat
sich die Mentalität der Menschen in den
entwickelten Staaten grundlegend ge-
ändert. Die Eigenverantwortung wird
dann gefordert, wenn man nicht selber
betroffen ist. Die Partikularinteressen
führen zu ausufernden Forderungen an
den Staat. Gleichzeitig aber spezialisiert
man sich aufs Steuersparen und verlangt
lauthals, dass die Steuern runter müssen.
Dabei vergisst man allzu schnell, dass
Schulden der öffentlichen Hand nichts
anderes als nicht bezahlte Steuern sind.
Und dafür braucht es natürlich einen
Schuldigen.
Diese Rolle wird seit 2007, als die Schul-
denkrise in den USA akut wurde und
das Finanzsystem beinahe zusam-
menbrach, den Banken zugeteilt. Das
ist darum auch salonfähig geworden,
weil von den über 300‘000 Beschäf-
tigten in der Schweiz wenige Dutzend
in den Augen der Gesellschaft zu hohe
Bonuszahlungen erhalten.
Seit der globalen Finanzkrise 2008
sinkt die Attraktivität des Finanzplatzes
Schweiz kontinuierlich. Es gibt immer
weniger Bankenmitarbeitende. Wird
es noch zu einer weiteren Schrumpf-
ung des Bankensektors kommen?
Das kommt stark auf die Entwicklung
bei den beiden Grossbanken an. Zudem
hoffe ich, dass die Verunsicherungen
auf dem Werkplatz Schweiz durch die
anstehenden Initiativen wie Abzocker-
Initiative von Thomas Minder, 1:12 Ini-
tiative der SP oder Kündigen der Perso-
nenfreizügigkeit der SVP baldmöglichst
zur Abstimmung kommen und keine
Mehrheit finden. Ansonsten wird es zu
einer weiteren Schrumpfung kommen.
Sollten Risiken und Haftung nicht ver-
mehrt auch bei den Banken in Abhän-
gigkeit gebracht werden, im Sinne von:
Wer ein Risiko eingeht, haftet auch?
Diese Meinung teile ich. Das würde be-
deuten, dass die Staatshaftung ausge-
schaltet werden könnte. In der Schweiz
sind wir zurzeit daran, solche Möglich-
keiten zu schaffen. Beispiele sind die In-
solvenzverordnung, die Eigenmittelver-
ordnung oder die Umsetzung der «Too
big to fail» - Vorgaben.
Es ist aber wesentlich einfacher, ein
Trennbankensystem oder gesetzliche
Sollbruchstellen bei einer Bank zu for-
dern, als das dann auch umzusetzen
und politisch dafür die Verantwortung
zu übernehmen. Denn jede Auflage be-
deutet eine zusätzliche Regulierung und
damit verbunden eine Verringerung der
Wettbewerbsfähigkeit, wenn sie nicht für
alle Marktteilnehmer der Konkurrenzfi-
nanzplätze zeitgleich eingeführt wird.
Welchen gesamtwirtschaftlichen
Nutzen haben Regulierungen?
Mit der Vorlage «Too big to fail» hat man
die Eigenmittelvorschriften, die Liquidi-
tätsvorschriften und Kapitalvorschriften
für systemrelevante Banken verschärft.
Der erwartete Nutzen wäre, dass auch in
Krisenfällen der Staat keine Bankenin-
stitute mehr mit Steuergeldern stützen
muss und so die Volkswirtschaft nicht
zu Schaden kommt.
Wie schätzen Sie die Zukunft des
Bankenplatzes Schweiz ein?
Wenn das Stimmvolk auch weiterhin
zum Werkplatz Schweiz steht und Ei-
genverantwortung und Respekt Grund-
werte unserer Gesellschaft bleiben,
glaube ich auch für die Zukunft an
einen starken Finanzplatz Schweiz.
Seine Stärke basiert auf Schweizer
Tugenden wie Tradition und Know-how,
Servicequalität, hohem Ausbildungs-
stand und Internationalität – dies lässt
sich nicht so leicht von einem anderen
Finanzplatz schlagen.
Banken, Risiken und Eigenverantwortung
Regulierung ist eine Art staatlicher Kundenschutz, den es braucht. Insbesondere in wirtschaftlich
schwierigen Zeiten wird von staatlicher Seite versucht, diese auszubauen, um Risiken zu verringern.
Welche Regelungen einen relevanten Kundennutzen bringen, liegt an deren sinnvoller Ausgestaltung.
Regula Ruetz, Direktorin metrobasel im Interview mit
Dr. Georg Hess, Head Public Affairs der Bank Julius Bär & Co. LTD.
10
Die Life-Sciences-Wirtschaft steuert
gemeinsam mit der chemischen Indus-
trie etwa einen Drittel zu den Schwei-
zer Exporten bei und beschäftigt in der
Schweiz mit allen vor- und nachgelager-
ten Betrieben rund 144’000 Personen.
Die stärkste Teilbranche ist die Phar-
maindustrie. Diese ist traditionell in der
Nordwestschweiz stark verankert. Es
liegt deshalb in unserem Interesse, dieser
Branche vorteilhafte Rahmenbedingun-
gen anzubieten oder sie zu verbessern,
wo wir international nicht im vorders-
ten Feld rangieren. Denn vom Florieren
der Life Science-Branche sind viele gut
bezahlte Arbeitsplätze abhängig, Auf-
träge an Zulieferer in der Region sowie
Steuereinnahmen, welche es den Ge-
bietskörperschaften erlauben, ihren
Verpflichtungen nachzukommen.
Insbesondere die Arbeitsmarktregulie-
rungen und das Steuersystem haben
einen nachweisbaren Einfluss auf die
Standortwahl von global tätigen Unter-
nehmen. Durch deren attraktive Gestal-
tung versuchen Staaten und Regionen je
länger je mehr, sich einen Standortvorteil
zu verschaffen. Deshalb hat metrobasel
zum zweiten Mal nach 2008 Polyno-
mics beauftragt, einen internationalen
Quervergleich von sektorspezifischen
Regulierungssystemen für zwei Schlüs-
selbranchen und Wachstumsträger der
Schweiz durchzuführen, nämlich für die
Pharmaindustrie und den Bankensektor.
Schweiz schneidet schlecht ab
Die metrobasel Studie vergleicht bei-
spielsweise die Preisregulierungen von
Arzneimitteln, Zulassungsverfahren für
Medikamente, Forschungsregulierungen
und den Schutz des geistigen Eigentums
(Patentrecht) mit Regulierungen von
Deutschland, dem Vereinigten König-
reich, den USA sowie Singapur. Dabei
handelt es sich um Länder, die alle eine
eigene Pharmaindustrie aufweisen und
somit in der Standortfrage grundsätzlich
miteinander konkurrieren. Aus der Stu-
die geht leider hervor, dass die Schweiz
imVergleich mit den Konkurrenz-Stand-
orten schlecht abschneidet und ihre
Position gegenüber dem letzten Ver-
gleich 2008 sogar nochmals verschlech-
tert hat. Die Studienergebnisse wur-
den auf einem Podium mit Vertretern
aus Politik und Wirtschaft diskutiert.
Dabei vertrat Regierungsrat Chris-
toph Brutschin die Sicht der Politik des
Standortkantons Basel-Stadt. Die Phar-
maindustrie sei während der Finanz-
und Wirtschaftskrise die resistenteste
Branche gewesen. Sie generiere insge-
samt rund 144’000 Arbeitsplätze in der
Schweiz und trage in erheblichem Mas-
se zu Steuereinnahmen für die Stand-
ortkantone bei. Stelle man die Kosten,
welche für Arzneimittel von Schweize-
rischen Pharmaunternehmen ausgege-
ben würden, in Relation zum generierten
Nutzen der Branche für die Schweizeri-
sche Volkswirtschaft, so überwiege die-
ser um ein Vielfaches die Kosten.
Aus Sicht der Pharmaindustrie äusserte
sich Pascal Brenneisen, Leiter Novartis
Schweiz AG, zur Auswirkung von Re-
gulierungen auf die Branche (siehe In-
terview). Aus Sicht vom Bundesamt für
Gesundheit äusserte sich Vizedirektor
Andreas Faller, der einen klaren Verbes-
serungsbedarf bei den Zulassungsver-
fahren sieht, welche zu lange dauern.
Der Preisüberwacher Stefan Meierhans
plädierte für Kosteneinsparungen und
-senkungen.
Auswirkungen von Pharmaregulierungen
Am 18. Oktober 2012 hat metrobasel die Studie «Pharmaregulierung im internationalen
Vergleich» im SCALA Basel vorgestellt. Die Standortwahl der Pharmaindustrie wird nicht zufällig
getroffen; insbesondere Arbeitsmarktregulierungen und das Steuersystem haben einen
nachweisbaren Einfluss darauf.
Text: Regula Ruetz, Direktorin metrobasel
Preisüberwacher Stefan Meierhans vertrat eine andere Meinung als Christoph Brutschin und Pascal Brenneisen.
11
Pascal Brenneisen
Leiter Novartis Schweiz AG
Herr Brenneisen, wie schlimm steht es
um den Forschungsstandort Schweiz?
Ich möchte hier nicht zuallererst von
den Schwächen sprechen. Immerhin
wurden in der Studie fünf der weltweit
führenden Forschungsstandorte ver-
glichen. Novartis investiert mit gutem
Grund in Forschung und Entwicklung in
der Schweiz, im Jahr 2011 waren es statt-
liche 3.3 Milliarden CHF. Der Standort
hat viel zu bieten, wenn es z.B. um qua-
lifizierte Arbeitskräfte oder den Schutz
des geistigen Eigentums geht. Es ist aber
trotzdem schade, dass die Schweiz den
letzten Platz unter den untersuchten
Ländern einnimmt: Schliesslich stehen
wir gerade mit diesenTop-Standorten im
Wettbewerb. Es bleibt auch eine schlech-
te Nachricht, dass in der Schweiz die For-
schungsfreundlichkeit abgenommen hat
und auch sonst in keinem der untersuch-
ten Länder zwischen 2008 und 2011 eine
Verbesserung eingetreten ist.
Worauf führen Sie die
Verschlechterung zurück?
Der Zeitraum seit 2007 wurde durch die
weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise
geprägt. Diese rückte die Staatshaushal-
te in das Zentrum des Bewusstseins und
damit auch die Ausgaben für Gesund-
heit, die einen wichtigen Anteil an den
Staatsausgaben haben. So kam es nach
den neuesten Zahlen der OECD 2010 zu
einer Trendwende: Während 2000-2009
die Gesundheitskosten im europäischen
Durchschnitt gestiegen sind, fielen sie
2010. Die Schweiz, die bisher nicht so
stark von der Krise betroffen war, ver-
zeichnete 2010 zwar mit 1.4 % steigende
Gesundheitskosten, die Medikamen-
tenkosten pro Kopf fielen jedoch um 3.1
%. Offenbar hat die Schweiz dem poli-
tischen Ziel einer kurzfristigen Reduk-
tion der Gesundheitsausgaben vor der
Wahrung, bzw. dem Ausbau der For-
schungs-freundlichkeit Priorität gege-
ben. Das können wir nur bedauern und
darauf hinweisen, welche langfristigen
Folgen dies haben kann.
Welche Folgen meinen sie konkret?
Einerseits muss sich die Schweiz dem
weltweiten Standortwettbewerb stellen.
Betrachtet man die neuesten Zahlen
des BfS, so wird deutlich, dass die Phar-
maindustrie nicht nur 38‘989 Personen
direkt beschäftigt, sondern über Zulie-
ferer weitere 105‘270 Stellen von der
Industrie abhängen. Es wäre nicht wün-
schenswert, wenn es hier zu Verschie-
bungen ins Ausland käme. Andererseits
ist klar, dass starke Preisregulierungen
und lange Zulassungszeiten dazu führen
können, dass innovative Medikamente
zuerst in anderen Ländern auf den Markt
kommen, wie dies die Studie z.B. für die
USA aufgezeigt hat. Dies könnte zu einer
Verschlechterung der Versorgung für die
Schweizer Patienten führen, von der Ge-
fahr für die zukünftige Forschung und
derVerfügbarkeit von innovativen Medi-
kamenten ganz zu schweigen.
Sie stellen es so dar, als ob die
Schweiz der Gegenwart vor der
Zukunft den Vorzug gibt. Die Position
des Preisüberwachers ist da jedoch
eine andere. Hier gibt es wenig
Verständnis dafür, dass die Preise für
Medikamente nicht auf der Verände-
rung des Wechselkurses des Frankens
basieren sollten. Was meinen Sie
zu solchen Aussagen?
Nun, es ist effektiv so, dass jede Preisre-
gulierung abwägen muss zwischen güns-
tiger Versorgung der Gegenwart und ge-
nügend Anreizen für die Zukunft. Es ist
auch nicht so, dass die Industrie nicht
bereit wäre, ihren Beitrag zu den Spa-
ranstrengungen im Gesundheitswesen
zu leisten. Aber wir haben bereits in den
letzten Jahren für mehrere – auch aus-
serordentliche – Preissenkungsrunden
Hand geboten. So haben die Preisan-
passungen seit 2005 kumuliert zu Ein-
sparungen von über 1.5 Mia. CHF ge-
führt. Seit 1. November bis Ende 2014 hat
das Bundesamt für Gesundheit weitere
Preissenkungen um 20 % angeordnet
und zwar nur wegen dem überbewer-
teten Schweizer Franken. Wenn dies so
umgesetzt wird, wird der Pharmastand-
ort relativ zur Konkurrenz weiter abfallen.
Mit einem Kostenanteil der Medika-
mente am Gesundheitswesen von mitt-
lerweile unter 10 % wird es auch nie ge-
lingen, das Gesundheitswesen nur auf
dem Buckel der Medikamentenpreise
zu sanieren. Dazu müssen auch die
grossen Kostenblöcke, die ambulanten
Kosten mit 33 % und die stationären
Kosten mit 45 % der Gesundheitskosten,
angepackt werden.
Innovation dient dem Patienten
Die metrobasel Studie zur Pharmaregulierung hat fünf Standorte auf Forschungsfreundlichkeit hin
untersucht. Das Ergebnis: Das Regulierungsumfeld in der Schweiz ist zusammen mit Deutschland am
wenigsten forschungsfreundlich; die USA und Singapur sind an der Spitze, während Grossbritannien
eine Mittelstellung einnimmt. Aus Sicht von Pascal Brenneisen muss der Forschungsstandort Schweiz
revitalisiert werden.
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13
Eine Gesundheitsversorgungsregion
im Metropolitanraum Basel
Der Metropolitanraum Basel bietet ein grosses Potential für eine intensivere Zusammenarbeit
im Bereich der Gesundheitsversorgung.
Text: Dr. Carlo Conti, Regierungsrat des Kanton Basel-Stadt
Im Jahr 2010 haben sich die nordwest-
schweizer Kantone Aargau, Basel-Land-
schaft, Solothurn und Basel-Stadt im
Hinblick auf die gemeinsame Spitalpla-
nung 2012 zusammengeschlossen. Der
gemeinsam erstellte Versorgungsbericht
diente als Grundlage für die weitere Zu-
sammenarbeit und für die Festlegung
von Versorgungskriterien. Diese Zu-
sammenarbeit soll weiter gestärkt wer-
den, ein Nachfolgeprojekt ist bereits in
Arbeit. Die Regierungen des Kantons
Basel-Stadt und Basel-Landschaft haben
bereits beschlossen, dass die Einwohner-
innen und Einwohner beider Kantone
spätestens ab 2014 in den Genuss einer
kompletten Freizügigkeit in den beiden
Kantonen kommen sollen. Das heisst
für die Einwohnerinnen und Einwoh-
ner, dass sie sich in sämtlichen Spitälern
in Basel-Stadt und Basel-Landschaft,
welche sich auf der Spitalliste befinden,
ohne zusätzliche Kostenfolgen behan-
deln lassen können. Es ist weiter die Ab-
sicht, diese Freizügigkeit auf den ganzen
Gesundheitsversorgungsraum Nord-
westschweiz auszudehnen. Ist eine sol-
che Gesundheitsregion auch für den tri-
nationalen Metropolitanraum denkbar?
Die grenzüberschreitende Zusammenar-
beit, vor allem mit Deutschland, hat im
stationären Bereich seit den 80er Jahren
Tradition. Es existieren auch bereits zahl-
reiche Kooperationen im ambulanten
Bereich auf ärztlicher Ebene wie auch
bei den Rettungsdiensten. Am 4. Okto-
ber 2012 fand der Spatenstich für das
Onkologische Zentrum inklusive Strah-
lentherapie in Lörrach statt, welches eine
Zusammenarbeit zwischen dem Uni-
versitätsspital Basel mit den deutschen
Partnern «Onkologie Dreiländereck» und
dem Kreiskrankenhaus Lörrach vorsieht.
Um die Auswirkungen einer möglichen
Ausweitung der grenzüberschreitenden
Zusammenarbeit im Gesundheitswesen
zwischen der Schweiz und Deutschland
zu prüfen, wurde bereits im Jahr 2007
ein bis 2014 befristetes binationales
Pilotprojekt lanciert.
Träger des binationalen Pilotprojektes
sind die Kantone Basel-Stadt und Basel-
Landschaft, der Landkreis Lörrach, das
Sozialministerium Baden-Württemberg
sowie das Bundesministerium für Ge-
sundheit in Berlin.
Am Pilotprojekt können schweizerische
und deutsche Krankenversicherer so-
wie Kliniken des Kantons Basel-Stadt,
des Kantons Basel-Landschaft und des
Landkreises Lörrach teilnehmen. Eine
wissenschaftliche Auswertung des Pilot-
projekts soll prüfen, ob eine unbefristete
Erweiterung der grenzüberschreitenden
Kooperation in der Gesundheitsversor-
gung sinnvoll ist. Die nun im Jahr 2011
verabschiedeten Richtlinien des euro-
päischen Parlamentes und Rates über
die Ausübung der Patientenrechte in der
grenzüberschreitenden Gesundheitsver-
sorgung bieten nun diesbezüglich neue
Möglichkeiten. Das Universitätsspital
Basel mit seiner hochspezialisierten
Medizin erbringt im stationären Be-
reich rund 45 % seiner Leistungen für
Patientinnen und Patienten aus anderen
Kantonen wie auch für Patientinnen
und Patienten aus dem Ausland. Mit sei-
nem Leistungsangebot ist das Univer-
sitätsspital Basel der Maximalversorger
für die ganze Region. Alle Einwohnerin-
nen und Einwohner der Metropolitanre-
gion Basel sollten vom Leistungsangebot
dieses medizinischen Zentrums profitie-
ren können.
Das gemeinsame Interesse zur Stärkung
der Region soll weiterhin dazu beitra-
gen, dass die neuen Chancen und Mög-
lichkeiten in der Gesundheitsversorgung
genutzt und die Grenzen abgebaut wer-
den können.
Gesundheitsversorgung über die Grenze hinaus.
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15
So ist das onkologische Zentrum in Lörrach geplant.
Am 4. Oktober 2012 wurde der Spatenstich gefeiert. Zur Schaufel griffen Landrätin Marion Dammann,
Geschäftsführer Armin Müller vom Kreiskrankenhaus Lörrach, Jan Knoblich von der Praxis «Onkologie
Dreiländereck», Direktor Werner Kübler vom Universitätsspital Basel, Markus de Rossi von der Investoren-
gesellschaft (v.l.n.r).
Universitätsspital Basel: Zukunfts-
weisende Expansion ins Ausland
Das Universitätsspital Basel tritt erstmals im Ausland als Bauherrschaft auf und errichtet
zusammen mit deutschen Ärzten in Lörrach ein onkologisches Zentrum.
Text: Andreas Bitterlin, Leiter Marketing und Kommunikation, Universitätsspital Basel
Übergeordnete Motivation für das grenz-
überschreitende Engagement des Uni-
versitätsspitals Basel ist die Strategie, das
inländische, auf Grund der Landesgren-
ze eng begrenzte Einzugsgebiet in der
Schweiz auszudehnen. Insbesondere in
der hochspezialisierten Medizin sowie
in der Forschung und in der Aus- und
Weiterbildung ist die Behandlung einer
Mindestanzahl von Patientinnen und
Patienten unabdingbar, um hohe Quali-
tätsstandards gewährleisten zu können.
Die Expertise muss in einer Universitäts-
klinik besonders breit abgestützt sein.
Für Lörrach interessant sind das geogra-
fisch nahe Angebot von spezialisierten
Leistungen und eine wohnortnahe Ver-
sorgung seiner Bürgerinnen und Bürger
auf universitärem Niveau.
Eine wesentliche Komponente für die
Expansion ins Ausland ist die Tatsache,
dass bereits in derVergangenheit jährlich
rund 500 Patientinnen und Patienten aus
dem Landkreis Lörrach in der Abteilung
für Strahlentherapie am Universitätsspi-
tal in Basel behandelt wurden. Ziel der
Basler Klinik ist es, das deutsche Pati-
entenvolumen langfristig zu halten und
allenfalls auszubauen, und sie wählte als
Geschäftsmodell für die Verfolgung die-
ser Strategie ein bauliches Engagement
im nahen Ausland. Mit der Bewilligung
des Betriebs erhält das Universitätsspital
Basel gleichsam einen Versorgungsauf-
trag jenseits der Grenze.
Einzigartig und zukunftsweisend
Die lokale Versorgungslücke im Land-
kreis Lörrach in der Strahlentherapie
wird nun geschlossen. Die beiden Kli-
niken aus Deutschland und aus der
Schweiz bieten den Patientinnen und
Patienten in einer gelebten Partnerschaft
kurze Wege zwischen den ambulanten
Therapien des Universitätsspitals Ba-
sel und den stationären Angeboten des
Kreiskrankenhauses Lörrach sowie eine
enge fachliche Kooperation auf dem sel-
ben Areal. Landrätin Marion Dammann
bezeichnete das Vorhaben anlässlich
des Spatenstichs am 4.10.2012 als «in
mehrfacher Hinsicht einzigartig und
zukunftsweisend». Das geplante Ge-
bäude, welches 2014 auf dem Areal des
Kreiskrankenhauses Lörrach in Betrieb
genommen wird, besteht aus einer Tief-
garage und drei Stockwerken à je 900 m2
.
Zwei davon wird das Universitätsspital
Basel primär mit der Disziplin Radio-
onkologie bzw. Strahlentherapie betrei-
ben, eines die private Praxis «Onkologie
Dreiländereck». Als weitere medizinische
Disziplinen werden vom Universitätsspi-
tal Basel im neuen Zentrum in Lörrach
die Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie
und die Neurochirurgie etabliert. Die
Bauherrschaft hat das Universitäts-
spital Basel inne, welches sieben Mio.
Euro in die Baukosten von insgesamt
elf Mio. Euro investiert.
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©FotoMichaelBaas/BadischeZeitung
16
Das grenzüberschreitende
Gesundheitswesen aus deutscher Sicht
Aus deutscher Sicht steht die Vision einer gemeinsamen Gesundheitsregion klar im Vordergrund.
Es ist wichtig, Herausforderungen und Fortschritte frühzeitig zu erkennen und diese anzugehen.
Text: Marion Dammann, Landkreis Lörrach
Im Rahmen des Pilotprojekts «grenz-
überschreitende Zusammenarbeit im
Gesundheitswesen» haben der Land-
kreis Lörrach zusammen mit den Kan-
tonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft
wegweisende neue Möglichkeiten ge-
schaffen, in denen Leistungen des Ge-
sundheitswesens seit 2007 grenzüber-
schreitend genutzt werden können. Im
Herbst 2012 beginnt nun auch das Basel-
LörracherPflegeprojektGestaltanzuneh-
men. Dies ist ein weiterer Schritt hin zu
unserer grossen Vision einer gemeinsa-
men Gesundheitsregion mit grenzüber-
schreitenden Versorgungsstrukturen.
Der demografische Wandel stellt uns vor
grosse Herausforderungen, denen wir
gerade im Gesundheitswesen gemein-
sam begegnen sollten.
Das anvisierte Ziel sollte immer sein,
Vereinfachungen zu erzielen, das Ange-
bot für den Patienten zu erweitern, ihm
qualitativ hochwertigeVersorgung anzu-
bieten und kurze Wege zu ermöglichen,
um eine hohe Patientenzufriedenheit zu
erreichen. Hier wäre es wünschenswert,
auch unsere französischen Nachbarn
noch besser einzubinden.
Behandlungen über Grenze hinaus
In unserer Grenzregion lassen sich
durch gemeinsame Strukturen und Zu-
sammenarbeit viele Vorteile generieren.
Insbesondere können qualitativ hoch-
wertige Leistungen angeboten werden.
Durch Ärztekooperationen werden die
medizinischen Möglichkeiten zuguns-
ten der Patienten verbessert und sie
können stationär vor Ort verbleiben.
Eine wohnortnahe Akutversorgung gera-
Unzensuriert.
bzbasel.ch
de auch in der Spitzenmedizin ist für den
Patienten ein grosses Plus. Rehaklini-
ken arbeiten durch eine höhere Patien-
tenzahl rentabler. Hier gibt es konkrete
Erfolge zu verzeichnen, weil das Ange-
bot auf deutscher Seite von Schweizer
Patienten schon rege genutzt wird.
Krankenhäuser können durch Koopera-
tionspartner Leistungen anbieten, die
sonst vielleicht nicht möglich gewesen
wären. Viele Ärzte behandeln bereits
«über die Grenze». Partnerschaftlich
muss über offenkundige Hürden ge-
sprochen werden. Das Preisgefälle zwi-
schen der Schweiz und Deutschland
bleibt für die deutschen Patienten und
Leistungserbringer ein grosses Handi-
cap. Problematisch ist, dass gut ausge-
bildete Personen im medizinischen und
pflegerischen Bereich Arbeitsstellen in
der Schweiz annehmen, weil auch ein
Entgeltgefälle gegeben ist.
Es gilt für die Zukunft weiter, an ver-
tieften Kooperationen zu arbeiten und
das Gesundheitssystem zu optimieren;
innovative Lösungen sind gefragt und
haben Vorbildfunktion für Europa.
Marion Dammann, Landrätin Lörrach
17
Vom Pilotprojekt zur Normalität?
Der praktische Alltag der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung aus
der Sicht deutscher Leistungserbringer.
Text: Peter Lepkojis, Stv. Geschäftsführer Kliniken des Landkreises Lörrach GmbH
Donnerstag, 09:47 Uhr in einer im Pilot-
projekt beteiligten deutschen Rehabili-
tationsklinik. Angemeldet ist ein Patient
einer Basler orthopädischen Klinik für
einen 3-wöchigen Rehabilitationsauf-
enthalt. Kein Problem, Alltag in der Zu-
sammenarbeit über die Grenzen hinweg.
Dienstag, 11:19 Uhr, Anruf des Kreis-
krankenhauses Lörrach im Universitäts-
spital Basel. Nach umfassender Diagnos-
tikisteinmedizinischerBefunderarbeitet
worden, der die operative Zusammenar-
beit in der Thoraxchirurgie erfordert. Ein
gemeinsamer Operationstermin wird
für Freitag vereinbart. Zuvor organisiert
der Basler Arzt ein Vorgespräch mit den
Fachleuten vor Ort und mit dem Patien-
ten am Donnerstag. Im Kreiskranken-
haus Lörrach wird am Mittwoch in der
Tumorkonferenz die Situation des Pati-
enten vorbesprochen. Die Zusammenar-
beit mit der Pathologie ermöglicht einen
direkten telemedizinischen Zugriff auf
die Pathologiebefunde des Patienten. Mit
am Tisch die Experten der Strahlenthe-
rapie, die künftig in direkter Anbindung
an das Lörracher Kreiskrankenhaus die
Strahlentherapie durchführen werden.
Zeitgleich in der Kardiologie der Kreis-
klinik: Eine Patientin aus Riehen wird
vom Chefarzt untersucht. Als Grundver-
sicherte ist eine stationäre Versorgung
in der Lörracher Klinik kein Problem.
Die Klinik wurde ihr vom niedergelasse-
nen Arzt empfohlen. Die Klinik ist in eine
engmaschige Qualitätsüberwachung
eingebunden und die Ergebnisse öffent-
lich zugänglich. Und da ist noch die Er-
fahrung der Klinik – die Kardiologie mit
Linkherzkatheterarbeitsplatz und hoher
Fallzahl bei Schrittmacherimplantation
und -betreuung verfügt über grosse Er-
fahrung und ein versiertes Kardiologen-
Team. Am Ende der Untersuchung dann
der beruhigende Befund – auf einen kar-
diologischen Eingriff im Kreisklinikum
kann verzichtet werden, die medikamen-
töse Behandlung war erfolgreich. Die Pa-
tientin kann problemlos von ihrem Haus-
arzt in Riehen weiterbehandelt werden.
Eine Behandlungsempfehlung nimmt
sie direkt mit.
Eine Normalität in der grenzüberschrei-
tenden Zusammenarbeit? Noch sind es
einzelne Patienten, die den Weg in die
Akutkliniken im Landkreis Lörrach wäh-
len. Die Abstimmungsprozesse zwischen
den Kliniken und den Versicherern sind
bereits jetzt durch entsprechende Verträ-
gegeregelt.DasVerfahrenfüreineKosten-
gutsprache für die Versorgung Schweizer
Patienten in den Kliniken ist unkompli-
ziert. In Notfällen ist die Behandlung von
Patienten aus dem Nachbarland sowieso
schon Normalität.
Alltag auf Schweizer Seite: Patienten aus
demsüdbadischenRaumhabenseitjeher
dieGesamtregionimBlick.Aberauchdie-
se nehmen die Qualitätsverbesserung der
Kliniken im Landkreis Lörrach wahr und
entscheiden sich differenziert je nach
Krankheitssituation gezielt für eine Be-
handlungaufderdeutschenoderschwei-
zerischen Seite der Grenze.
Für die Zusammenarbeit in der Grenzre-
gion sieht Kreiskliniken-Geschäftsführer
Armin Müller die Zukunft in einer Auf-
gabenverteilung zwischen den Ein-
richtungen: «Leistungsfähige und mit
langjähriger Spezialisierung weiterent-
wickelte Kliniken wie im Landkreis Lör-
rach stellen in der Hierarchie eine wert-
volle Basis für eine flächendeckende,
grenzüberschreitende Versorgung dar.
Maximalversorger sind für spezifische
Krankheitsbilder die Partner der Wahl.
Gemeinsam bilden wir im Zusammen-
schluss mit den Rehabilitationskliniken
eine vernetzte Gesundheitsregion, die
für potenzielle Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter eine interessante Option
zu anderen europäischen Ballungszen-
tren bildet und durch die kulturelle und
landschaftliche Qualität punktet.»
Chefarzt Prof. Dr. Hans-H. Osterhues bei der Visite
18
metrobasel forum: Überregionale Gesund-
heitsversorgung und Bedeutung der Messe
Für das grenzüberschreitende Gesundheitswesen könnte mehr getan werden. Auch bei der Bedeutung
des Messe- und Kulturstandortes Basel muss sich die Zusammenarbeit zwischen den Regionen
verbessern. Das lässt sich aus den Referaten und der Podiumsdiskussion vom 8. metrobasel forum
vom 21. November 2012 ziehen.
Text: Markus Vogt
metrobasel-Präsidentin Ingrid Duplain
begrüsste im Theater Basel rund 170
Personen aus Wirtschaft und Politik
zum achten metrobasel forum; dieses
stand erstmals unter der Ägide der neu-
en Direktorin Regula Ruetz, fand neu im
Theaterfoyer statt und wurde moderiert
von der Publizistin und Dozentin Esther
Girsberger aus Zürich. Die grenzüber-
schreitende Gesundheitsversorgung
sowie der Messe- und Kulturplatz Basel
bildeten dabei die beiden Schwerpunkte.
Beschlossen wurde der Anlass mit einer
künstlerischen Darbietung von Mitglie-
dern der Oper Avenir vom Theater Basel
sowie einem Stehlunch.
Ingrid Duplain kam kurz auf die Neu-
positionierung von metrobasel zu spre-
chen und betonte, dass die Organisation
weiterhin Studien erstellen wird, die bei
Planungsfragen eine Entscheidungshil-
fe sein können. metrobasel werde wei-
terhin als «Think Tank» aktiv sein, aber
künftig kein Lobbying mehr Richtung
Bundeshauptstadt Bern betreiben. Dies
sei Aufgabe der Politik respektive der
neuen Metropolitankonferenz Basel
(MKB). Derzeit habe metrobasel rund
300 Partner aus den Bereichen Wirt-
schaft, Politik und Zivilgesellschaft. Der
Perimeter von metrobasel umfasst die
Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft,
das solothurnische Schwarzbubenland,
das Fricktal, einen Teil des Juras sowie
das Elsass und Südbaden. Hauptsponsor
des diesjährigen Anlasses war wiederum
Novartis.
Grenzenloses Gesundheitswesen
Zur grenzüberschreitenden Gesund-
heitsversorgung bemerkte der Basler
Gesundheitsdirektor Dr. Carlo Conti in
seinem einleitenden Votum, dass die
Bevölkerung der Region die bestehen-
den Kantons- und Landesgrenzen kaum
noch wahrnehme – das sei eine Rea-
lität. Die Region wachse immer mehr
zu einer wirtschaftlichen, sozialen und
kulturellen Einheit zusammen. Der Ge-
sundheitsbereich hinke dieser Entwick-
lung hinterher, man sollte diesem Punkt
jedoch vermehrt Beachtung schenken.
Dagegen funktioniere der «kleine Grenz-
verkehr» im Gesundheitswesen seit
Jahren recht gut. In Richtung Deutsch-
land, das wie die Schweiz eher födera-
le Strukturen aufweist, gehe es besser
als in Richtung Frankreich mit seinem
zentralistischen Staatsaufbau. Auch die
konsiliarärztlichen Dienste klappen, Ärz-
te des Unispitals wirken auch vor Ort in
deutschen Spitälern. Das gleiche gilt für
die Telemedizin, bei der vom Universi-
tätsspital Basel aus deutsche Kranken-
häuser unterstützt werden. Das laufende
Podiumsdiskussion: Andreas Faller, Vizedirektor BAG; Pascal Brenneisen, Leiter Novartis Schweiz AG; Dr. Esther Girsberger, Publizistin und Dozentin;
Dr. Carlo Conti, Gesundheitsdirektor BS; Jacqueline Fehr, Nationalrätin; Dr. Werner Kübler, Direktor Universitätsspital Basel (von links nach rechts)
19
Pilotprojekt «Grenzüberschreitende Zu-
sammenarbeit im Gesundheitswesen»
ist zeitlich bis Ende 2014 und räumlich
auf Basel-Stadt, Basel-Landschaft und
den Landkreis Lörrach beschränkt.
Conti schwebt die Vision einer Gesund-
heitsversorgungsregionNordwestschweiz
vor, mit Basel-Stadt, Basel-Landschaft so-
wieTeilen der Kantone Aargau, Solothurn
und Jura. Dafür brauche es eine gemein-
same Bedarfsplanung, wie es sie für die
Kantone Aargau, Solothurn, Basel-Land-
schaft und Basel-Stadt bereits gibt. Eine
weitere Massnahme – analog der bereits
beschlossenen vollen Freizügigkeit ab
2014 zwischen Basel-Stadt und Basel-
Landschaft – sähe Conti in der Freizü-
gigkeit im ganzen Versorgungsraum
sowie in gemeinsamen Strukturen. Die
zweite Vision wäre dann die trinationale
Gesundheitsregion, also der Ausbau in
Richtung Südbaden und Südelsass, mit
Freizügigkeit bei der Spitalwahl.
Dafür brauche es entsprechende Regeln
für die Übernahme der Grundkosten
durch die Krankenkassen und die Politik,
bei uns durch die Kantone. Zentralisti-
sche Strukturen seien eher ungeeignet,
erklärte Conti und verwies auf England.
In England warten Patienten lange auf
Termine für Wahlbehandlungen, dies
ist bei der Schweizer Bevölkerung nicht
gewollt. Föderale Strukturen eigneten
sich besser, doch das Schweizer System
mit 26 Kantonen und entsprechend un-
terschiedlicher Planung sei auch nicht
mehr zeitgemäss und schwerfällig. Carlo
Conti sprach auch die Gesundheitswirt-
schaft an – solcheVisionen sind nur mög-
lich mit einer gut positionierten Medizi-
nischen Fakultät an der Universität Basel
mit einer guten klinischen Forschung am
Standort Basel, der Kernstadt der Region.
Beides sei eine wichtige Standortfrage.
Das Gesundheitswesen sei nicht nur ein
Kostenfaktor, sondern auch ein wichti-
ger Standortfaktor. Conti wies noch da-
rauf hin, dass das Gesundheitswesen in
der Region Basel der grösste Arbeitgeber
ist, noch vor der Pharma-Branche. Am
27./28. Juni 2013 werde das 2. Forum
Gesundheitswirtschaft stattfinden. Die-
ses zeige nicht die Kosten, sondern die
Nutzen stiftenden Funktionen des Ge-
sundheitswesens auf.
Die Sicht des Bundes
Lange standen dem grenzüberschreiten-
den Gesundheitswesen Schranken im
Weg, erklärte Andreas Faller, Vizedirek-
tor im Bundesamt für Gesundheit (BAG).
Diese Mauer sei heute erst zu einem ganz
kleinen Teil eingerissen. Das Pilotprojekt
Basel-Lörrach sei gut unterwegs, nur die
Fallzahlen seien noch zu tief. Dieses Pro-
jekt sei erst auf Druck aus der Nordwest-
schweiz möglich geworden; bis heute
gibt es überhaupt nur zwei solcher grenz-
überschreitender Projekte: Das Pilotpro-
jekt von Basel-Lörrach und ein weiteres
zwischen St. Gallen und Liechtenstein.
Das Problem sei, dass nicht einfach ver-
schiedene Gesundheitssysteme einan-
der «angedockt» werden können: Zuvor
müsse die Rechtslage geklärt werden,
dies vor allem hinsichtlich Freizügigkeit.
Was die Schweiz betrifft, müsse das Ter-
ritorialprinzip fallen. Nicht erwünscht
sei Patiententourismus. «Und in der EU
müssen justiziabel definierte Grenzre-
gionen geschaffen werden, innerhalb
derer dann volle Freizügigkeit herrschen
soll», meinte Faller. Das könne noch
eine Zeit lang dauern.
Hinderlicher Kantönligeist
ObwohldasKrankenversicherungsgesetz
die Kantone zu regionaler Spitalplanung
verpflichtet, bestehe hier noch Hand-
lungsbedarf. Die Spitalversorgung nicht
regional zu planen, sei gesetzeswidrig.
Spitalplanung solle weiter föderalistisch
strukturiert sein, der Kantönligeist stehe
aber einer vernünftigen Entwicklung im
Wege. Es brauche Gesundheitsregionen,
die sich nicht an Staatszugehörigkeiten,
sondern an räumlichen Realitäten ori-
entieren. Es braucht eine gemeinsame
Planung aber auch eine gemeinsame
Verzichtplanung. Zudem seien die Pa-
tientenströme sinnvoll zu steuern. Die
Versorgungssysteme müssten komple-
mentär zusammenwachsen. Faller emp-
fahl, die bisherigen Pilotprojekte wei-
terzuführen, die nötigen gesetzlichen
Grundlagen in der Schweiz zu schaffen,
den bilateralen Anschluss der Schweiz
an die europäischen Patientenrichtli-
nien anzustreben, ein Rahmenabkom-
men mit Frankreich abzuschliessen, die
Schweiz in den europäischen Datenaus-
tausch einzubinden und die Zusammen-
arbeit mit Deutschland und Österreich
zu intensivieren.
Life Science – wichtigste Branche
Nirgendwo auf der Welt sei die Life-
Sciences-Industrie für die regionale
Wirtschaft so wichtig wie für die Re-
gion Basel, erklärte Pascal Brennei-
sen, Leiter Novartis Schweiz. Mit 19 %
BIP-Anteil der Branche ist die Region
global führend, insgesamt setzen sich
über 900 Unternehmen in dieser Regi-
on mit Life Sciences auseinander und
mit 9,5 % jährlichem Wachstum nehme
sie nachhaltig zu. Die Pharmaindustrie
beschäftige in der Schweiz 38’989 Per-
sonen, und jeder dieser Arbeitsplätze
sichere 2,7 weitere. Damit seien über
100’000 Beschäftigte von vor- und nach-
gelagerten Betrieben direkt von der Phar-
maindustrie abhängig. Für Forschung
und Entwicklung habe Novartis in den
Jahren von 1997-2011 total 84 Milliarden
Dollar ausgegeben.
Andreas Faller
Dr. Carlo Conti
Pascal Brenneisen
20
UmdenStandortSchweizalsForschungs-
standort für die Pharma zu stärken,
sei ein Masterplan notwendig. Novar-
tis bemühe sich, in Sachen klinischer
Forschung auf dem internationalen
Standard zu verbleiben, versicherte
Brenneisen.
Strahlenzentrum in Lörrach
Das Basler Engagement mit dem Onko-
logiezentrum beim Kreiskrankenhaus
Lörrach sei ausgesprochen komplex,
sagte schliesslich Unispitaldirektor Wer-
ner Kübler, der das grenzübergreifende
Projekt näher vorstellte. Das Univer-
sitätsspital Basel baut im Garten des
Kreiskrankenhauses Lörrach ein onkolo-
gisches Zentrum. Betrieben werden soll
es vom Universitätsspital in Zusammen-
arbeit mit deutschen Ärzten.
Bis das Projekt fliege, seien noch etli-
che Herausforderungen zu überwinden.
Die Motivation, über die Grenze zu ge-
hen, sei medizinisch-wissenschaftlich
begründet. Um eine bestimmte Disziplin
gut auszuführen, brauche es eben auch
eine bestimmte Anzahl Patienten. Im
vorliegenden Fall sei es so gewesen, dass
das Unispital 40 Prozent seiner Strah-
lentherapie-Patienten im Raum Lörrach
habe; ohne diesen Neubau in Lörrach,
hätte man diese verlieren können. Den
Schritt über die Grenze hätte das Unispi-
tal auch angestrebt, wenn es nicht selb-
ständig geworden wäre. Es habe auch
Hindernisse und Erschwernisse gege-
ben, berichtete Kübler. Insbesondere die
unterschiedlichen Regulierungen in der
Schweiz und in Deutschland seien eine
echte Herausforderung gewesen.
Podiumsdiskussion: Gesundheitswesen
In der anschliessenden Podiumsdiskus-
sion unter der Leitung der Publizistin
und Dozentin Esther Girsberger war
man sich einig, dass Grenzen überwun-
den werden müssen. Dafür brauche es
Gespräche zwischen allen Beteiligten.
Die Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline
Fehr, welche zur Podiumsrunde stiess,
sah die unterschiedlichen Erwartungs-
haltungen aller Beteiligten als grosse
Schwierigkeit. Wir hätten unterschiedli-
che Hüte an: Aus Sicht der Politik gälte
es zu sparen; und die Versicherten we-
niger Prämien bezahlen. Ist man dann
aber selber Patient und brauche Hilfe,
wollten wir alle die bestmöglichen Leis-
tungen nutzen können – ohne Rücksicht
auf die Kosten und ohne mehr dafür zu
bezahlen. In der Schweiz sei das Gesund-
heitswesen kantonal geregelt und somit
könne einer dem anderen den Ball zu-
schieben. In unserem Land hätten aber
Pioniere eine grosse Chance, etwas zu
verändern, man könne auch jederzeit
Pilotprojekte starten.
Was brauchen die Patienten wirklich?
Carlo Conti erklärte, dass manche kan-
tonale Strukturen noch nicht überwun-
den seien. «Wir brauchen ein anderes
Denken, wir müssen fragen, was die
Patienten brauchen», forderte Conti. In
den Köpfen der Bevölkerung sei das Ver-
ständnis für Kooperationen weiter gedie-
hen als in den Köpfen der Politiker und
Leistungserbringer. «Wir bräuchten über
die Grenzen hinaus gemeinsame Orga-
nisationen im Gesundheitswesen», hielt
Conti fest. Viele Entscheide im Schwei-
zer Gesundheitswesen würden zudem
nicht aus gesundheitspolitischen, son-
dern aus finanzpolitischen Erwägungen
heraus gefällt.
Regionale Hindernisse überwinden
Andreas Faller attestierte dem Kanton
Basel-Stadt, verstanden zu haben, dass
regional gedacht und geplant werden
sollte. Auf der deutschen Seite stellte er
«eher eine Abkühlung des Interesses»
fest, von Frankreich her sei das Interesse
hingegen wieder grösser als auch schon.
Werner Kübler stellte fest, dass die Gren-
zen überwunden werden müssen, da
man sich in einem homogenen Markt
einfacher positionieren und bewegen
könne. «Wir müssen vermehrt aus der
Sicht der Gesundheits-Konsumenten
denken undVerbesserungen anstreben»,
verlangte Kübler.
Es braucht eine Datenbasis
Um vorwärts zu kommen, regte Pascal
Brenneisen an, müsse die Datenbasis
aktualisiert werden. «Uns fehlen heute
die notwendigen aktuellen Zahlen und
recherchierten Daten. Pro Spital und
pro Kanton müsste man doch wissen,
was wieviel kostet. Warum ist das nicht
möglich?», fragte Brenneisen. Er empfahl
zudem dringlich, dass alle Beteiligten an
denselben Tisch sitzen und die Proble-
me lösen sollten: «Denn angesichts von
64 Milliarden Franken Gesundheitskos-
ten kann der Novartis die Entwicklung
nicht egal sein».
Bedeutung Messe- und Kulturwesens
Zum Thema Messe- und Kulturplatz Ba-
sel hielten metrobasel-Direktorin Regula
Ruetz, Messe-CEO René Kamm und der
Baselbieter Regierungsrat Isaac Reber
Einführungsreferate. Die Messe sei Aus-
hängeschildundDrehkreuzzugleich,Wirt-
schaftundKulturbeeinflusstensichgegen-
seitig, meinte Regula Ruetz. Dazu komme
jüngst «als dritte Dimension» der Sport,
vor allem mit Fussball und Tennis, das
heisst dem FCB und den Swiss Indoors.
Eine langjährige Verbundenheit
Welche Bedeutung die Messe Schweiz
fürs Baselbiet habe, erläuterte Regie-
rungsrat Isaac Reber mit Anekdoten.
Er ging auch auf das finanzielle Enga-
gement seines Kantons ein: Heute hält
Basel-Landschaft 7,8 Prozent der Aktien
und ist damit hinter Basel-Stadt (33,5
Prozent) der zweitgrösste Aktionär. Die
Muba im Frühling und die Herbstmes-
se seien die beiden Messen, welche
das breiteste Publikum ansprächen.
Die emotionale Verbundenheit seines
Kantons komme am besten mit der
Geschichte des «Baselbieter Stübli» und
des traditionellen Baselbieter Tags zum
Ausdruck.
Beim Messeausbau half das Baselbiet mit
20 Millionen Franken à fonds perdu so-
Dr. Werner Kübler
Regula Ruetz
21
wie rückzahlbaren Darlehen von insge-
samt 65 Millionen. BAK Basel Economics
habe die volkswirtschaftlichen Auswir-
kungen des Messeplatzes auf den Kanton
Basel-Landschaft untersucht. Die Eigen-
und Gastmessen und weitere Veranstal-
tungen der Messe Schweiz lösen jährlich
direkte Ausgaben von 1,95 Milliarden
Franken aus, wovon 185 Millionen auf
Basel-Landschaft entfallen. Diese direk-
ten Auswirkungen haben Folgeeffekte,
namentlich profitieren Zulieferer- und
Dienstleistungsbetriebe. Allein im Basel-
biet würden wegen diesen Folgeeffekten
rund 470 Millionen Franken umgesetzt.
Die daraus resultierende Wertschöpfung
beziffere BAK Basel Economics für Basel-
Landschaft mit 210 Millionen Franken,
was knapp 2’500 Vollstellen entspreche.
Daraus ergeben sich Steuererträge von
total 314 Millionen, davon entfallen 29
Millionen direkt auf Basel-Landschaft
und dessen Gemeinden. Alles in allem
profitiere Basel-Landschaft – «vom Bau-
gewerbe bis zum Verkehr» – jährlich mit
890 Millionen Franken von den Aktivitä-
ten der Messe.
Eine grosse Ausstrahlung
Der Begriff «Basel» gehe um die Welt.
Der Messeplatz verleihe der Region eine
ungeheure Strahlkraft, davon profitiere
auch das Baselbiet. Auch wenn es sich
lohne, in die Messe zu investieren, so sei
das Engagement aber nicht nur monetär
motiviert: Reber empfahl, gemeinsam im
Boot zu bleiben, in die gleiche Richtung
zu rudern und so diese Erfolgsgeschichte
weiter zu führen.
Messe Schweiz weltweit in Top-Liga
Einen Überblick über die Messe und
deren Aktivitäten gab schliesslich de-
ren CEO René Kamm. Von weltweit 300
Leitmessen befinden sich deren vier
in der Schweiz respektive drei in Basel
(Baselworld, Art Basel, Worlddidac).
Bezüglich Ausstellungsfläche liegt die
Messe Schweiz auf dem 12. Platz welt-
weit, bezüglich Umsatz auf Platz sechs.
Grösser werden kann sie wegen ihrer
Lage in der Stadt nicht, aber sie werde
stetig und funktional verbessert. Die
Messe Schweiz schaffe viele Arbeitsplät-
ze und trage mit den grossen Messen zur
Bekanntheit von Basel in der Welt bei.
Provinziell oder Weltstadt?
In der folgenden Podiumsdiskussion,
wiederum geleitet von Esther Girsberger,
drehte sich das Gespräch hautpsächlich
um den Kulturplatz, um Sponsoring und
um Vermarktung des Standortes. Touris-
mus-Direktor Daniel Egloff plädierte für
eine Grenzen übergreifende, gemein-
same Vermarktung. Als Touristiker auf
den Spagat zwischen Messe und Kultur
angesprochen, erklärte Egloff, es sei eine
grosse Chance, so breit aufgestellt sein
zu dürfen. Die grosse Diversifikation sei
hilfreich, eine breite Zielgruppe anspre-
chen zu können. Trotzdem müsse man
sich positionieren, sonst gehe man unter.
Basel Tourismus bleibe beim Leitmotto
«Culture unlimited». Beim Messetouris-
mus ist aufgrund der seit Jahren 100 %
Auslastung kaum zusätzlichesWachstum
mehr möglich. Hingegen konnte mit at-
traktiven Weekendpauschalen der Kul-
turtourismus stimuliert werden. In den
Fernmärkten Asien und Indien positio-
nierte sich Basel die letzten Jahre erfolg-
reich als Europa-Etappenreiseziel.
Der Architekt Samuel Schultze attestierte
Basel, gleichzeitig eine kulturelle Gross-
stadt zu sein, aber den Charme einer
provinziellen Kleinstadt zu haben. Lei-
der würden die verschiedenen Kantons-,
Landes- und sonstigen Grenzen entge-
gen der Aussagen derVorredner doch die
eine oder andere Entwicklung hindern.
Grosse Stücke auf Basel hält Matthias
Müller, der Präsident der AVO SESSION.
Er empfiehlt, die Aktie Basel nicht nur zu
halten, sondern zuzukaufen. «Basel ist so
viel kleiner als andere, denoch gelingt es
immer wieder, grosse Dinge zu schaffen,
zum Beispiel das Basel Tattoo.» Müller
riet, aufeinander zuzugehen und Gren-
zen zu überwinden. Markus Muffler vom
STIMMEN-Festival in Lörrach wünscht
sich noch mehr Offenheit für Kooperati-
onen im kulturellen Bereich und Daniel
Egloff eine gemeinsame Vermarktung
der Region Basel. Isaac Reber empfahl
zudem, Neues nicht nur im Zentrum der
Kernstadt realisieren zu wollen, sondern
auch in der Peripherie, zum Beispiel im
Nachbarkanton Basel-Landschaft.
Podiumsdiskussion: René Kamm, Group CEO MCH Group; Samuel Schultze, Präsident des S AM; Daniel Egloff, Direktor Basel Tourismus;
Isaac Reber, Regierungsrat BL; Matthias Müller, Präsident AVO SESSION Basel; Markus Muffler, Geschäftsführer Burghof Lörrach (von links nach rechts)
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28.02.–02.03.13 BETWEEN THE BEATS FESTIVAL
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13.03.13 ADRIAN BRENDEL (VIOLONCELLO) &
KIT ARMSTRONG (KLAVIER)
18.03.13 FAMILIE FLÖZ
22.03.13 GAUTHIER DANCE COMPANY
29.03.13 A FILETTA
10.04.13 JUNIOR BALLETT ZÜRICH
13.04.13 NILS MÖNKEMEYER & FRIENDS
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23
Messeplatz Basel, eine gemeinsame
Verantwortung und Verpflichtung
Die beiden Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt dürfen stolz sein auf eines ihrer ältesten
gemeinsamen Projekte: die Messe Schweiz. Millionen Gäste aus der ganzen Welt besuchen jährlich
die verschiedenen Fach- und Publikumsmessen hier am Rheinknie.
Text: Isaac Reber, Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft
Bis vor kurzem war das gute alte
«Baselbieter Stübli» schlichtes Sinnbild
der Verbundenheit des Baselbiets mit
der Messe. Doch hinter diesem emoti-
onalen Element steckt etwas viel Tief-
gründigeres: Kaum ein gemeinsames
Engagement der beiden Basel hat eine
längere Tradition als jenes in Sachen
Messe. Der Kanton Basel-Landschaft war
von allem Anfang an signifikant beteiligt
–seit1920wirddiesePartnerschaftgelebt.
Die Messe, «d Muschtermäss» wie es
im Volksmund da und dort noch heisst,
stellt für beide Basler Kantone ein ver-
bindendes Element dar. Der Stellen-
wert des Messeplatzes ist nach wie vor
sehr hoch. Dies zeigt sich auch bei der
Abstimmung im Jahr 2008, bei der eine
deutliche Mehrheit im Landkanton dem
Beitrag von insgesamt 85 Millionen
Franken für den Neubau zugestimmt
hat. Die Bedeutung der Messe für die
Baselbieter Bevölkerung erschöpft sich
tatsächlich auch keineswegs auf die Gra-
tis-Müsterchen, die an der MUBA in die
Taschen gesteckt werden können.
Das Baselbiet ist sich sehr wohl auch be-
wusst, welche volkswirtschaftlichen Aus-
wirkungen der Messeplatz Basel auf die
gesamte Region hat. Die Messe Schweiz
bringt jedes Jahr rund 14’300 Aussteller
und 1,7 Mio Besucher nach Basel und
Zürich. Messen bewegen Leute. Und
Menschen geben an Messen Geld aus.
Dies betrifft sowohl die Aussteller als
auch die Besucher. Sie generieren nicht
nur Umsätze bei den direkt involvierten
Wirtschaftszweigen, wie zum Beispiel
dem Gastgewerbe, der Hotellerie, dem
Detailhandel oder dem Standbau, son-
dern auch bei deren Zulieferern. Und
dadurch schaffen sie viele Arbeitsplätze.
Schaufenster für die Region Basel
Wer schon einmal während einer der
grossen Messen wie zum Beispiel der
BaselWorld, der Art Basel oder derWorld-
didac vergeblich ein Hotelzimmer ge-
sucht hat, kann sich ansatzweise vorstel-
len, welche Bedeutung den Weltmessen
für die Region Basel beigemessen wird.
Die Eigen- und Gastmessen sowie die
weiteren Veranstaltungen der Messe
Schweiz lösen jährlich direkte Ausga-
ben von 1.95 Mia. Franken aus. Alleine
der Kanton Basel-Landschaft, vom Bau-
gewerbe bis zumVerkehr, profitiert jedes
Jahr in der Grössenordnung von rund 890
Mio. Franken. Nicht zu vergessen sind
dabei eine grosse Anzahl an Arbeitsplät-
zen und Steuererträgen in beiden Kanto-
nen, die direkt und indirekt von der Mes-
se generiert werden. Die wirtschaftliche
Bedeutung der Messe Schweiz lässt sich
auch daran erkennen, dass die durch
die Ausgaben der (Messe-)Aussteller
und -Besucher generierte Wertschöp-
fung von gut 1,8 Mia. Franken und die
damit verbundenen rund 22’000 Stellen
knapp ein halbes Prozent der schweize-
rischen Volkswirtschaft ausmachen. Da-
mit ist der Messeplatz Basel eine gemein-
same Verantwortung und Verpflichtung
der beiden Kantone.Wenn internationa-
le Messen stattfinden, berichten Medien
weltweit darüber.
Die Stadt Basel wird dann zum Schau-
fenster für alle – der Name «Basel» geht
um dieWelt. Es ist ein Engagement in die
Region, eine Investition in eine gemein-
same Zukunft. Der Messeplatz Basel ist
eines von vielen Sinnbildern, nebst dem
gemeinsamen Universitätskinderspital,
den heutigen Schweizerischen Rhein-
häfen, der Fachhochschule Nordwest-
schweiz (FHNW) oder der Universität,
welches für das gute Einvernehmen zwi-
schen den Kantonen Basel-Landschaft
und Basel-Stadt steht. Und genau diese
Erfolgsgeschichte gilt es fortzusetzen,
zum Beispiel mit einem gemeinsamen
Engagement für einen Standort des Inno-
vationsparks Schweiz in unserer Region!
Die Neubau-Baustelle während der Herbstmesse – Ende Januar werden die Bauarbeiten
abgeschlossen sein.
24
In der Champions League der
internationalen Messeplätze
Der Neubau der Messe Basel ist ein markanter Meilenstein in der langen Geschichte des Messeplatzes
Basel. Mit ihm werden die Voraussetzungen geschaffen, dass die Weltmesse für Uhren und Schmuck
BASELWORLD weiterhin in Basel stattfindet und der Messeplatz Basel seine grosse internationale
Ausstrahlung stärken kann. Davon profitiert die ganze Region.
Text: Christian Jecker, MCH Group AG
Als im Frühjahr 2006 die ersten Pläne
für den Neubau der Messe Basel der
Öffentlichkeit vorgestellt wurden, zwei-
felten viele daran, dass dieses Projekt
jemalsrealisiertwerdenwürde.Dochnun
ist es bald so weit: Angang Februar 2013
werden die Bauarbeiten abgeschlossen
sein, und im April 2013 wird der Neu-
bau anlässlich der Weltmesse für Uhren
und Schmuck BASELWORLD 2013
eingeweiht.
Der vom international renommierten
Basler Architekturbüro Herzog & de
Meuron entworfene Neubau läutet ein
neues Zeitalter in der Geschichte des
Messeplatzes Basel ein. Der neue, sich
zweigeschossig über den Messeplatz
spannende Hallenkomplex verbindet
in geradezu perfekter Weise Funktiona-
lität und Ästhetik. Die gesteigerte Kom-
paktheit des Geländes, das sich nun mit
grossen zusammenhängenden Ausstel-
lungsflächen präsentiert, erlaubt eine
wesentlich flexiblere Bewirtschaftung.
Durch diese Kompaktheit sowie die
Überbauung des Messeplatzes wird auch
der Komfort für die Besucherinnen und
Besucher markant verbessert.
Gleichzeitig wird der neue Komplex
eine beeindruckende architektonische
Visitenkarte abgeben. Mit einer leich-
ten Verschiebung der Geschosse, der
Verdrehung der Fassaden sowie einer
lamellenartigen Fassadengestaltung ge-
lingt es den Architekten, eine lebendige
Beziehung zu umliegenden Städteräu-
men zu schaffen. Der überbaute Teil des
Messeplatzes mit dem grossen Lichthof
– die so genannte «City Lounge» – wird
mit seinen öffentlichen Drittnutzungen
zu einem neuen, anziehenden Zentrum
des Messegeländes und des gesamten
Quartiers.
Die Messe Basel wird künftig über eine
Bruttoausstellungsfläche von 141’000 m2
verfügen.Dassindzwarrund20’000m2
we-
niger als vorher, aber es wird mehr Flä-
che für mehrstöckige Standbauten zur
Verfügung stehen. Mehr Qualität statt
Quantität also – und zwar eine Qualität,
welche sich insbesondere an der welt-
weit führenden BASELWORLD misst.
Tatsächlich steht hinter dem gesamten
Projekt der Wille, die Weltmesse für Uh-
ren und Schmuck auch in Zukunft in
Basel durchführen zu können, und dem-
entsprechend massgebend waren auch
die damit verbundenen Anforderungen.
Mit Gesamtkosten von CHF 430 Mio. ist
der Neubau der Messe Basel die grösste
Investition in der Geschichte des Messe-
wesens in der Schweiz. Das ist ein deut-
liches Bekenntnis der aus der Messe Ba-
sel hervorgegangenen MCH Group zum
internationalen Messestandort Basel.
Umgekehrt hat auch die Öffentlichkeit
ein klares Bekenntnis zu «ihrer» Messe
abgegeben. 2008 hat die Stimmbevöl-
kerung der Kantone Basel-Stadt und
Basel-Landschaft mit jeweils über 61
Prozent Ja-Stimmen den notwendigen
Investitionsbeihilfen der öffentlichen
Hand zugestimmt. Diese Unterstützung
macht sich auf Grund der grossen volks-
wirtschaftlichen Effekte, welche die Ver-
anstaltungen auf dem Messeplatz Basel
auslösen, durchaus auch für die Öffent-
lichkeit bezahlt.
Messen, Kongresse und weitere Events
initiieren auf Grund der so genannten
«Umwegrentabilität» grosse volkswirt-
schaftliche Effekte. Bei Messen zum Bei-
spiel fliessen nur etwa 20 bis 25 Prozent
der Ausgaben der Aussteller in die Kas-
se des Messeveranstalters. Die übrigen
Ausgaben kommen verschiedenen Zu-
lieferern und Dienstleistern zu gute, un-
ter anderem den Standbaufirmen, den
Visualisierung des neuen Hallenkomplexes von Herzog & de Meuron
25
Hotels und Restaurants, denVerkehrsbe-
trieben und dem Detailhandel.
Rechnet man die Ergebnisse einer Studie
der BAK Basel auf die aktuellen Kenn-
zahlen des Messe- und Kongressbetriebs
hoch, so werden allein in der Region
Basel durch die Veranstaltungen auf
dem Messeplatz insgesamt – das heisst,
inklusive Folgeeffekte – jährlich Umsätze
von CHF 3’500 Mio. ausgelöst.
Daraus ergibt sich eine Wertschöpfung
von jährlich CHF 1’600 Mio., was 17’500
Arbeitsplätzen entspricht. Schliesslich
fallen daraus für die Kantone und Ge-
meinden Steuereinahmen von jährlich
CHF 120 Mio. an.
Keine andere Stadt auf der Welt darf sich
rühmen, Durchführungsort der wich-
tigstenVeranstaltungen in den Bereichen
Uhren und Schmuck sowie Kunst zu sein.
Die indirekten Impulse, die mit der da-
mit verbundenen internationalen Aus-
strahlung des Standortes Basel ausge-
hen, lassen sich nicht beziffern. Klar ist:
Messen wie die BASELWORLD und die
Art Basel bringen gleichsam die ganze
MCH Group
In den letzten zehn Jahren hat die 1917 als Schweizer Mustermesse ins Leben gerufene Messe Basel eine
dynamische Unternehmensentwicklung vollzogen: Sie erweiterte schrittweise ihre Geschäftstätigkeit und ist zu
einer führenden, internationalen Live-Marketing-Unternehmensgruppe geworden.
Begonnen hat diese Entwicklung mit der Fusion der Messe Basel und der Messe Zürich und dem gleichzeitigen
Börsengang der damals gegründeten Messe Schweiz, die 2009 in die heutige MCH Group umfirmiert worden ist.
Seit 2010 gehört auch die Betreibergesellschaft des Messe- und Kongressplatzes Lausanne – die MCH Beaulieu
Lausanne – zur Unternehmensgruppe.
1995 hat die Unternehmensgruppe mit dem Aufbau des neuen Geschäftsfeldes Event Services ihre Geschäfts-
aktivitäten über das eigentliche Messegeschäft hinaus erweitert. Mit der Akquisition der Firmen Winkler Multi
Media Events (Veranstaltungstechnik), Expomobilia (Standbau und Einrichtungen) und Rufener Events
(Event Management) bietet die MCH Group heute umfassende Dienstleistungen im gesamten nationalen und
internationalen Messe- und Eventmarkt.
Das Messeportfolio der MCH Group zählt heute rund 95 Eigen- und Gastmessen. In Basel finden jedes Jahr
etwa 25 Messen mit rund 7‘000 ausstellenden Firmen und gegen eine Million Besuchern statt.
Die MCH Group zählt rund 620 festangestellte Mitarbeiter/innen. Die Unternehmensgruppe erzielte 2011 einen
Umsatz von 324 Mio. Franken und einen Gruppengewinn von 20 Mio. Franken Sie zählt damit umsatzmässig
weltweit zu den zehn grössten Messegesellschaften.
Welt nach Basel und tragen den Namen
Basel in die ganze Welt hinaus – letzte-
res gilt natürlich auch für die Art Basel
in Miami Beach und neu auch in Hong-
kong. Allein bei der BASELWORD kom-
men rund 1’400 der 1’800 ausstellenden
Firmen sowie 75’000 der über 100’000
Besucher aus dem Ausland. Hinzu kom-
men über 3’000 Medienschaffende aus
über 70 Ländern.
Die Weltmesse für Uhren und Schmuck BASELWORLD wird sich 2013 völlig neu präsentieren.
26
Musikproduktion «Blaue Stunde» von Balthasar Streiff im Römischen Theater in Augusta Raurica
Vier Leitmotive für eine zeitgemässe
Baselbieter Kulturpolitik
Partnerschaftlich - Pluralistisch - Profiliert - Positioniert. Basellandschaftliche Kulturpolitik
macht nicht dicht, sondern öffnet sich gegenüber der Welt, den Anderen, den Hiesigen
und kreiert damit zeitgemässes Selbstbewusstsein ohne Anmassung oder Heimattümelei.
Text: Niggi Ullrich, Leiter kulturelles.bl
Wer möchte glaubhaft bestreiten – und
vor allem mit welchen Argumenten –
dass Kultur (mit und ohne Kunst) für
eine Region keine oder allenfalls nur
marginale Bedeutung hat. Das ist im «Ba-
selbiet» nicht anders als anderswo in der
Schweiz auch. Auf welcher Ebene und in
welchenParameternwäredaszumessen?
Und wie laut wäre der Aufschrei, wenn...
schwer zu sagen. Die Frage nach dem
Stellenwert von Kulturpolitik im Span-
nungs- und Handlungsfeld eines öffent-
lichen Gemeinwesens ist eine andere.
Aussagen im regierungsrätlichen neuen
Leitbild «Wir leben unsereVision» (2012-
2022) des Kanton Basel-Landschaft las-
sen darauf schliessen, dass Kulturpolitik
ein breites und ernst gemeintes Service
Public-Handlungsfeld ist. Da heisst es:
«Gerade weil wir in einer Gesellschaft
von Individuen leben, die sehr unter-
schiedliche Lebensentwürfe haben, be-
darf es der Basis einer gemeinsamen
Kultur und Identität. Die Kulturpolitik
leistet dazu einen wichtigen Beitrag,
indem sie Projekte unterstützt, die
das Bewusstsein für die gemeinsamen
Werte stärken. Dadurch erhöht sich
letztlich die Lebensqualität und mit ihr
die Standortattraktivität. Darüber hin-
aus bildet die Kultur eine geeignete
Plattform, um die Kohäsion der ver-
schiedenen Regionen des Kantons zu
verbessern.»
UndwielässtsichdieserAnspruchglaub-
haft verkörpern oder messen? An der
Anzahl Musikvereine oder Ortsmuse-
en landauf landab? Am Buch- und Me-
dienangebot in der Kantonsbibliothek?
Oder vielleicht an der Höhe der Basel-
bieter Subvention in Franken und Rap-
pen ans Theater Basel? Schwer zu sagen.
Nur ganz Unbedarfte wissen oder be-
haupten«es»zuwissen.MitderBeschwö-
rung von Folklore, Volksnähe oder der
Auflistung von Einschaltquoten von da
und dort lässt sich nicht argumentieren.
Der breit angelegte Kulturleitbildpro-
zess im Baselbiet (seit Mai 2011) ist nicht
abgeschlossen, aber (gut) unterwegs.
Es zeichnet sich das Bild eines Kantons,
der sowohl qualitativ als auch quanti-
tativ eine Kulturpolitik betreibt, die in
allen bekannten Handlungsfeldern aktiv
und einigermassen à jour ist. In jedem
Fall über dem freundeidgenössischen
Durchschnitt. Da und dort mit der
Zeit, anderweitig mit einigen Defiziten.
In jedem Fall aber mit jenem Ansatz, der
seiner Gründergeschichte und -energie
gerecht wird.
Der Kanton Basel-Landschaft orientiert
seine bisherige und zukünftige Kultur-
politik an den Werten des «service pub-
lic» für den «citoyen public» und macht
sie damit zur «res publica» - zu einer
öffentlichen Leistung für die Bürger und
Bürgerinnen als öffentliche Angele-
genheit. Das gilt auch, wenn Kunst
und Kultur selbstredend immer aus
privater Initiative und Phantasie
hervorgehen. Erst in der Öffentlichkeit
aber – also im Diskurs, in der Kritik,
mit dem Beifall - können sich Kunst und
Kultur behaupten und entfalten und
werden damit zum Massstab für den
Auftrag der öffentlichen Hand, Kultur-
pflege und -förderung als selbstver-
ständliches und gesetzlich legitimiertes
Handlungsfeld zu begreifen.
Im Baselbiet muss es unterschiedlichs-
te öffentliche Orte geben, in denen
Risiko und Unabhängigkeit garantiert
sind und damit erst recht zu werden.
In der Gründerzeit des Landkantons
(1832) war diese Art von Offenheit
eine ausgesprochene Tugend. Nur wer
ein offenes Haus pflegt, wird ander-
norts eingeladen. Wer nur für sich
schaut, bleibt nur daheim.
27
Kulturelle Strahlkraft über
Grenzen hinweg
Das Kulturprogramm in Lörrach mit Burghof und STIMMEN-Festival hält ausnahmslos jedem Vergleich
mit großstädtischen Einrichtungen Stand und begeistert das Publikum der trinationalen Region.
Text: Gudrun Heute-Bluhm, Oberbürgermeisterin der Stadt Lörrach
Das internationale STIMMEN-Festival
geht 2013 in seine zwanzigste Ausgabe.
Beheimatet und fest verankert in Lörrach
hat es sich im Laufe seiner Geschichte zu
einem wahrhaft grenzüberschreitenden
Festival entwickelt.
Auf dem Lörracher Marktplatz treffen
sich jedes Jahr immer wieder Musikfans,
um Stars wie Bob Dylan, NeilYoung, Pink
oder Lenny Kravitz hautnah in einer ganz
besonderen Atmosphäre zu erleben. Seit
vielen Jahren kooperiert das Festival mit
unseren Nachbarn in der Schweiz und
Frankreich und ist so eine zentrale Säule
des trinationalen Kulturangebotes. Spiel-
orte wie der Wenkenpark in Riehen oder
das Theater Augusta Raurica sind seit
einigen Jahren feste Bezugspunkte des
Festivals geworden und setzen zum Teil
mit Uraufführungen und Grossproduk-
tionen besondere Festival-Akzente.
Der Burghof in Lörrach ist seit seiner
Fertigstellung im Jahre 1998 als zentraler
Bestandteil des kulturellen Lebens in der
Metropolregion etabliert und hat sich zu
einem international renommierten Kul-
tur- und Veranstaltungszentrum entwi-
ckelt. Der Spielplan zeigt internationale
Topqualität im Modernen Tanz oder in
der klassischen Vokalmusik und koope-
riert dabei immer wieder bei grenzüber-
schreitenden Projekten wie beispiels-
weise die Literaturreihe Wintergäste mit
kulturelles.bl oder dem Festival Cultu-
rescapes. Mit einem Anteil von 30 Pro-
zent honoriert das Basler Publikum bei
STIMMEN und dem Burghof-Programm
den hohen kulturellen Anspruch und die
Bedeutung des Kulturzentrums Burghof
im grenzüberschreitenden Leben.
Gudrun Heute-Bluhm
Oberbürgermeisterin der Stadt Lörrach
STIMMEN Konzert in der Augusta Raurica
28
Theater Basel, das grösste Dreispartenhaus der Schweiz vereint Oper, Ballett und Schauspiel.
Stärkung und Ausbau der Performing Arts
durch gut vernetzte Kulturplattform
Als grösstes Dreispartenhaus der Schweiz erfüllt das Theater Basel seinen gesellschaftlichen
Auftrag als Leitinstitution für Oper, Ballett und Schauspiel, vernetzt sich gewinnbringend mit
Partnern und vereint unter seinem Dach eine Vielfalt künstlerischer Handschriften und Visionen.
Text: Georges Delnon, Direktor Theater Basel
Das Messe- und Kulturwesen hat als du-
ales System in der Geschichte von Basel
eine grosse Tradition. Dies sowohl im
merkantilen als auch im humanistischen
Sinne. Besondere Köpfe und Denker,
Philosophen mit einer grossen geisti-
gen Potenz einerseits sowie Pragmatiker,
Ökonomen, Händler andererseits waren
am Standort Basels seit jeher vertreten.
Dadurch entstand in der Region Basel
ein Klima, das der Stadt diese beson-
dere Entwicklung und Energie ermög-
lichte. Sichtbare Zeugen sind das Bas-
ler Münster, die Universität, die selbst
heute noch einmalige Museumsdichte
und –vielfalt in Basel. Auch die Wurzeln
der Buchdruckkunst gehen auf Basel
zurück. Heute noch ist Basel in der
Schweiz und der Welt eine starke Wirt-
schaftsmetropole mit der Messe Schweiz
als Aushängschild und Drehkreuz. Basel
ist nach wie vor ein kulturelles und
geistiges Zentrum Europas.
Interessant wird es dort, wo diese beiden
Bereiche sich gegenseitig berühren und
im Sinne eines Mehrwerts beeinflussen.
Zum Beispiel im Mäzenatentum: Wirt-
schaft braucht diesen geistigen Nährbo-
den und schmückt sich mit Kunst. Und
Kultur und Geisteswissenschaften brau-
chen die Mäzene, um weiter forschen
und gedeihen zu können.
Man könnte gut unter sich bleiben, aber
das Ganze bekäme dann doch einen ge-
waltig elitären Touch. Deshalb braucht
es noch was anderes, zum Beispiel den
Sport. In Basel ist dies der Fussball mit
dem FCB und das Tennis mit den Swiss
Indoors, die beide als positives Identi-
tätsangebot für eine breite Masse von
Fans genutzt wird. Insofern hat der
Sport eine zentrale Bedeutung bekom-
men – auch als Imageträger einer er-
folgreichen Region. Basel ist top, wenn
es da investiert, wo Basel schon top ist.
Man sollte versuchen, möglichst nicht zu
breit zu streuen, zu verteilt zu sein. Kein
Giesskannenprinzip, sondern bewusst
Schwerpunkte setzen. Die Bereiche, in
denen man top ist, gilt es nach innen und
natürlich möglichst nach aussen optimal
bekannt zu machen und zu vermarkten!
Aus meiner Sicht bräuchte es für die
Performing Arts in Basel eine hoch-
karätige Ausbildungsstätte, die beispiels-
weise an die Musikakademie angeschlos-
sen sein könnte mit einem direkten Link
zur Fachhochschule und zur Universität.
Es sind in diesen Institutionen schon so
viele hochkarätige Basisangebote vor-
handen, dass die fehlenden Elemente
für eine solche Ausbildung gar nicht
mehr so kostspielig wären. Kulturin-
stitutionen wie das Theater, die Kaserne
und viele andere mehr in der Region,
könnten gleichermassen davon profitie-
ren – es würde die Stadt und die Region
Basel noch lebendiger machen. Gerade
dieses Kreativ-Biotop, das durch solche
Ausbildungsstätten – und dabei denke
ich auch an die Architekturstudenten –
entsteht, ist für Basel existenziell wichtig
und attraktiv.
Die Stadt, die Region und eine gemein-
same Öffentlichkeit könnten Projekte
zusätzlich fördern, die unterschiedli-
che Institutionen gemeinsam angehen.
Sparten- und disziplinübergreifend und
letztlich zur Stärkung eines Drei-Länder-
Kulturstandorts Oberrhein mit einer gut
vernetzten Kulturplattform und einem
starken, selbstbewussten Basel Enga-
gement! Einen ersten Schritt in diese
©Foto:MoritzWeisskopf
29
Georges Delnon, Direktor Theater Basel
Richtung hat das internetbasierte kultu-
relle Medienprojekt SZENIK mit 18 Pro-
jektpartnern aus Basel, Freiburg, Offen-
burg und Strassburg getan.
Unter www.szenik.eu hat die Öffentlich-
keit ein «Referenzportal für die Darstel-
lenden Künste in der Oberrheinregion»,
wie der Projektträger, die «Association
Europe Culture Citoyenneté» mit Sitz in
Strassburg, das Ergebnis der Zusammen-
arbeit von 18 kulturschaffenden Institu-
tionen des Oberrheins beschreibt.
Einfacher ausgedrückt: Über die
«Szenik»- Homepage werden künf-
tig Kulturinteressierte Filmsequenzen
– Live-Streams aus Theaterhäusern,
Konzertsälen und sonstigen Auffüh-
rungsstätten in Basel, Freiburg, Of-
fenburg und Strassburg – aufrufen
können, um sich selbst ein Bild von
einem Konzert bzw. einer Vorstellung
zu machen. Nicht das Urteil von Kul-
turkritikern oder die Intensität einer
Anzeigenserie entscheidet künftig über
die Attraktivität einer Aufführung, son-
dern der persönliche Eindruck der
Interessenten. Für mich ist es ein ers-
tes Schlüsselprojekt der Säule «Kultur»
der trinationalen Metropolregion. Das
Theater Basel bietet in der trinationalen
Metropolregion ein gleichsam breites
wie anspruchsvolles Spielprogramm
in Oper, Schauspiel und Ballett, hin-
zu kommt das Kinder- und Jugendan-
gebot. In den Sparten Schauspiel und
Musiktheater ist das Theater Basel auf
die PflegevonKlassikernundtraditionel-
len Werken ebenso bedacht wie auf die
Präsentation von zeitgenössischen
Dramen und modernem Musiktheater.
Uraufführungen und deutschsprachige
sowie Schweizer Erstaufführungen ste-
hen dabei für einen abwechslungsrei-
chen und spannenden Spielplan.
Ebenso wird Raum für experimentelle
Projekte aller Sparten sowie der Förde-
rung des Nachwuchses gegeben.Theater
mit lokaler Verankerung und überregio-
naler Ausstrahlung, lebendig, traditions-
bewusst und zugleich innovativ.
«Als grösstes Dreispartenhaus der
Schweiz erfüllt das Theater Basel sei-
nen gesellschaftlichen Auftrag als Leit-
institution für Oper, Ballett und Schau-
spiel, vernetzt sich gewinnbringend mit
verschiedensten Partnern und vereint
unter seinem Dach eine Vielfalt künst-
lerischer Handschriften und Visionen.
Aufbauend auf der Tradition grosser
Namen, Ensemblequalität und Innova-
tionsfähigkeit will das Theater Basel in
Zukunft eine klare Erkennbarkeit und
gesellschaftliche Relevanz haben und
ein breites Publikum binden. In einer
international geprägten Industrie und
Forschungsstadt gehört das Theater
Basel innerhalb des reichen Kulturange-
bots zu den Top Five Players.»
Wir danken der Basler Zei-
tung BaZ, der Baselland-
schaftschaftlichen Zeitung bz
und Swissprinters AG für ihre
Unterstützung. Dank diesen
Organisationen und Firmen
war es uns möglich, den me-
trobasel report an so viele
Haushalte zu verteilen.
Insbesondere danken wir
Brenntag Schweizerhall AG
für ihre Unterstützung. Die
Novartis InternationalAG trat
als Sponsor des «metrobasel
forum 2012» auf. Auch ihnen
gebührt ein grosses Danke-
schön.
©Foto:NinaUrban
30
Kulturregion Basel: Leitbild für eine
Zukunft in höchster Vielfalt und Qualität
Städte sind Orte von Tradition, Innovation und kultureller Vielfalt. Die Region Basel ist ohne
seine grossartigen Kulturangebote undenkbar, denn Kultur und Kunst sind wesentliche Ursachen
ihrer erfolgreichen Entwicklung und internationalen Ausstrahlung.
Text: Philippe Bischof, Leiter Abteilung Kultur, Präsidialdepartement Basel-Stadt
Bice Curiger, renommierte Kuratorin und
Direktorin der Biennale Venedig 2011,
hat kürzlich in der NZZ eine schmeichel-
hafte Aussage gemacht: «Basel ist defini-
tiv die Kulturstadt – wenn die Schweiz
überhaupt eine hat, dann ist sie es.» Eine
solche Aussage freut die Kulturverant-
wortlichen des Kantons und verpflich-
tet sie zu wacher Aufmerksamkeit und
Verantwortung gegenüber dem Schatz,
der ihnen anvertraut ist. In hohem Be-
wusstsein für den Kulturreichtum der
Region hat der Basler Regierungsrat im
Frühjahr erstmals ein integrales Kultur-
leitbild veröffentlicht.
Dieses umfassende Dokument, das vom
Grossen Rat sehr positiv aufgenommen
worden ist, leistet einerseits eine Be-
standsaufnahme und Wertschätzung
der kulturellen Angebote, die in Basel
auf eine jahrhundertelange Tradition
zurückgehen und stets von grossem öf-
fentlichem und privatem Engagement
getragen wurden. Andererseits legt das
Kulturleitbild die förderstrategischen
Ziele bis 2017 fest und benennt elemen-
tare Herausforderungen im Kulturbe-
reich. Insgesamt ist das Kulturleitbild
ein entschiedenes Bekenntnis zur Siche-
rung und Entwicklung der grossartigen
Vielfalt und Qualität der Kulturange-
bote in Basel-Stadt, von der die lokale
Bevölkerung ebenso profitiert wie die
zahlreichen Gäste aus der Region und
dem Ausland. Das politische Bekenntnis
zur Kulturstadt wird auch auf finanzi-
eller Ebene bestätigt: Im Budget 2012
macht der ordentliche Nettoaufwand für
die Kulturförderung mit 119.9 Mio. Fran-
ken etwa 4.9 % des gesamtstaatlichen
ordentlichen Nettoaufwandes aus. Da-
mit steht Basel bei den Pro-Kopf-Ausga-
ben an der Schweizer Spitze, vergleich-
bar mit Zürich und Genf. Der kulturelle
Reichtum der Region trägt wesentlich
zur Qualität des Lebens-, Arbeits- und
Tourismus-Standortes Basel bei. Unter
dem Label «Culture unlimited» wird da-
her national wie international kommu-
niziert, wofür Basel steht: Eine Stadt der
Museen, Orchester und Festivals, Thea-
ter undTanz, Jazz-, Rock- und Popmusik,
reich an Bildender Kunst und Design, Li-
teratur, Film und natürlich Architektur.
Nicht zu vergessen die Volkskultur, ohne
die Basel nicht zu denken ist. All dies
mit internationaler Ausstrahlung, denn
Basel versteht sich als kulturelles Zen-
trum in einem trinationalen Umland,
mit dem es in regem Austausch steht.
Das Kulturleitbild sieht vor, die für den
Standort bedeutenden Museen, mehr als
30 an der Zahl, die Orchester und zahl-
reichen Festivals, das Theater Basel, die
Kaserne und weitere Institutionen in ih-
rem Bestand zu sichern und ihre Profile
für die Zukunft zu stärken. Dabei geht
es etwa darum, die Tradition der gro-
ssen Sammlungen, die Bedeutung der
Musikstadt und das Dreispartentheater
konkurrenzfähig zu halten. Dafür wer-
den grosse Investitionen getätigt: 2016
Philippe Bischof, Leiter Abteilung Kultur
Präsidialdepartement Basel-Stadt.
wird der Erweiterungsbau des Kunstmu-
seums eröffnet, die Sanierung des Stadt-
casinos wird zurzeit geplant. Eine be-
sondere Herausforderung besteht darin,
für diese Institutionen das Publikum der
Zukunft zu suchen und zu bilden. Damit
sind nicht nur junge Menschen aus der
Region gemeint, sondern auch sämtliche
Einwohner mit Migrationshintergrund,
deren Präsenz in den kulturellen Institu-
tionen deutlich verstärkt werden kann.
Daher will der Kanton aktiv und breit
Kultur vermitteln. Ebenso wichtig für die
Lebendigkeit und die Attraktivität der Re-
gion ist es, neben den grossen Institutio-
nen neue kulturelle Bewegungen, junge
Talente und zeitgenössische Formen der
Kreativität zu unterstützen und diesen
entsprechende Rahmenbedingungen
zu ermöglichen. Innovative Nachwuchs-
förderung und Vermittlungsarbeit sowie
Verständnis für die Anliegen der Jugend
sind zentrale Herausforderungen, de-
nen der Kanton mit Offenheit und Fan-
tasie begegnen will. Dass es dabei auch
zu Spannungen und Widersprüchen
zwischen der Jugend und Politik und
Verwaltung kommen kann, liegt in der
Natur der Sache und ist Teil der demo-
kratischen Prozesse, die unsere Gesell-
schaft prägen. Kultur und Kunst tragen
insofern ihren wichtigen Teil dazu bei,
dass auch die kommende Gesellschaft
nach demokratischen Werten gestaltet
wird: Offen und tolerant, vielfältig und
dialogisch, streitbar und kreativ.
Das Kulturleitbild Basel steht dafür ein,
dass Kunst und Kultur ihren zentralen
Ort in unserer Gesellschaft bewahren.
Die Attraktivität der Region hat zahlrei-
che Ursachen, die verschiedenen Künste
und vielfältigen Kulturangebote sind ein
entscheidendes Argument, Basel ins Herz
zu schliessen und darin zu bewahren.
31
Hätten Sie vor 40 Jahren – also 1972
– gedacht, dass 2012 jedermann ein
Handy besitzt und ständig mit seiner
Umwelt online ist? Hätten Sie gedacht,
dass Sie Informationen in Real Time
im Internet holen werden, Tickets über
Webseiten buchen, hauptsächlich per
E-Mail kommunizieren und über Goog-
le Earth Echtzeitbilder von Standorten
in der ganzen Welt ansehen können?
Hätten Sie gedacht, dass 2012 Herz-
transplantationen Routineoperationen
werden, Fenster gleich gut isolieren
wie Mauern und Sonnenenergie für die
Gewinnung von Wärme serienmässig
genutzt wird?
Wir brauchen Visionen
Werfen wir einen Blick von 40 Jahren
in die Zukunft, so begegnen wir schon
Regula Ruetz, Direktorin und Delegierte
metrobasel Vision 2050
Text: Regula Ruetz, Direktorin metrobasel
heute vielen offenen Fragen: Welche
Branchen und Unternehmen werden
in vierzig Jahren die meisten Arbeits-
kräfte in der Region beschäftigen und
mit einer hohen Wertschöpfung zum
Wohlstand der Region beitragen? Wel-
che Arbeitsmodelle werden angestrebt?
Wie begegnen wir den Herausforderun-
gen einer immer älter werdenden Gesell-
schaft?Wie gehen wir mit der Globalisie-
rung und der Schnelllebigkeit um? Wie
sieht unsere Energieversorgung aus, mit
welchen Folgen für die Einzelnen? Wel-
che technischen Fortschritte verändern
unser Leben? Können wir das Modell
von immer mehr, immer grösser und im-
mer besser aufrechterhalten oder muss
die kommende Generation ihre Ansprü-
che massiv zurückschrauben? Wie sieht
unsere Region im 2050 aus?
Fragen zu räumlichen Aspekten aber
auch zu soziologischen, zu Energie,
Kultur, Lebensformen, Bildung und Suf-
fizienz möchten wir mit dem metrobasel
Projekt «Vision 2050» im nächsten Jahr
nachgehen. Dafür haben sich einige der
kreativsten Köpfe der Region, Politiker
und Wirtschaftsführer zur Verfügung
gestellt, diesen Visionsprozess von met-
robasel zu begleiten.
In Einzelgesprächen, Brainstormings und
Workshops möchten wir gemeinsam eine
Vision 2050 für unsere Region erarbeiten,
welche am nächsten metrobasel forum
2013 präsentiert und diskutiert wird.
Raumordnung 2035
Wo werden die Leute in unserer Region
im 2035 wohnen und wo arbeiten, wie
begegnen wir Pendlerströmen und wel-
che Infrastrukturen braucht es dann?
Diesen und ähnlichen Fragen gehen wir
in einer Studie zur Raumentwicklung
2035 und den notwendigen Infrastruk-
turen gemeinsam mit Partnern und
Fachexperten nach. Sie basiert auf den
Szenarien des zweiten Teils der metro-
basel Masterstudie zur langfristigen
Entwicklung von Beschäftigung
und Bevölkerung in der Metropoli-
tanregion Basel, welche im metro-
basel economic report «Perspekti-
ven 2035» zusammengefasst ist. Die
Studie soll wiederum am metroba-
sel economic forum im Juni 2013
vorgestellt und diskutiert werden.
USPs und Clusters der Regionen
Ebenfalls 2013 werden wir eine weite-
re Doppelstudie zu USPs (Alleinstel-
lungsmerkmalen) der Regionen und
Clusters von exportorientierten Un-
ternehmen in der Region in Auftrag
geben.Diesemöchtenwirgemeinsammit
Wirtschaftsförderungen und Gebiets-
körperschaften aber auch mit unse-
ren Partnern und Vertretern aus der
Wirtschaft begleiten. Die Studie wer-
den wir im Spätsommer 2013 an einem
Anlass präsentieren.
Werden Sie Mitglied von metrobasel
Der Verein metrobasel als Plattform, Stimme und Akteur für die metropolitane Region Basel steht allen offen. Einwohnerinnen
und Einwohner, Unternehmen,Verbände und Vereine, Gemeinden und weitere Gebietskörperschaften sind willkommen und
können sich engagieren. Senden Sie uns eine E-Mail oder rufen Sie uns an.
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  • 1. report 2012 Zusammen erfolgreich – in einer gemeinsamen Region  Grenzüberschreitendes Gesundheitswesen  Die Bedeutung des Messe- und Kulturwesens für die Region metrobasel ©ruwebakommunikationag
  • 2. Dieses Molekül kennt die Diagnose. Wir finden, Medizin sollte so exakt wie möglich auf die Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten sein. Die Informationen, die in der Erbsubstanz stecken, weisen uns dabei den Weg. Unsere Innovationen helfen Millionen Menschen, indem sie Leid lindern und Lebensqualität verbessern. Wir geben Hoffnung. Innovation für die Gesundheit
  • 3. 3 Dr.Carlo Conti Regierungsrat Basel-Stadt Der Metropolitanraum Basel (auch Metropolitanregion genannt) dehnt sich bis nach Delémont (JU), Mulhouse (F) und Freiburg im Breisgau (D) aus und umfasst fünf Kantone und drei Natio- nalstaaten mit über zwei Millionen Ein- wohnerinnern und Einwohnern, 8’700 km2 Fläche und ca. 650’000 Arbeitsplätze im 2. und 3. Sektor. Die Life Sciences sind als treibender Motor des Metropolitan- raums anerkannt und ein wesentlicher Isaac Reber Regierungsrat Basel-Landschaft Bis vor Kurzem war das gute alte «Baselbieter Stübli» schlichtes Sinnbild der Verbundenheit des Baselbiets mit der Messe. Doch hinter diesem emotionalen Element liegt etwas viel Tiefgründigeres: Kaum ein partnerschaftliches Engage- Faktor der internationalen Ausstrahlung dieses Raumes. Rund 6 % der Arbeits- plätze entfallen auf diese Branche, welche einen Grossteil des Wirtschaft- wachstums der Region generiert. Die Metropolitanregion Basel hat sich seit den 60er Jahren zu einem dyna- mischen trinationalen Wirtschaftsraum mit hoher Wertschöpfung entwickelt. Nicht zuletzt dank der europäischen Integration ist diese Wirtschaftsregion stärker zusammengewachsen und wird auch in Zukunft ein grosses Potential für eine intensivere Zusammenarbeit vor allem im Gesundheits-, Bildungs- und Kulturbereich bieten. Das gemeinsame Interesse zur Stärkung der Region und die gegenseitigen Abhängigkeiten wer- den sich auf politischer wie auch auf finanzieller Ebene zunehmend auf diese drei Bereiche fokussieren. Insbesondere die Gesundheitsregion Basel als wich- tiger Forschungsstandort und Sitz zahl- reicher Life-Sciences Firmen zeichnet sich durch ein breites medizinisches und hoch spezialisiertes Angebot mit dem Universitätsspital Basel als dem Maxi- malversorger für die ganze Region aus. Die nordwestschweizer Kantone Aargau, ment der beiden Basel hat eine so lange Tradition wie jenes für die heutige Messe Schweiz - seit 1920 wird sie gelebt. Dass diese Verbindung auch heute sehr lebendig ist und der Baselbieter Bevöl- kerung der Stellenwert des Messeplatzes für die gesamte Region immer noch sehr bewusst ist, zeigt sich darin, dass sie im September 2008 den insgesamt 85 Millionen Franken für den Neubau mit deutlicher Mehrheit zugestimmt hat! Ja, was hat die Region denn vom Messe- platz Basel ausser der «Herbschtmäss» und der MUBA mit ihren Gratismüsch- terli? BAK Economics hat den volkswirt- schaftlichen Nutzen errechnet aufgrund der Aussteller- und Besucherzahlen sowie der Geschäftsergebnisse der Jahre 2002 bis 2005: Jedes Jahr profitiert die Region von einer Wertschöpfung in der Höhe von rund 937 Millionen Franken; oder von 10 390 Vollzeitstellen; oder von 72 Millionen Franken an Steuererträgen! Basel-Landschaft, Solothurn und Basel- Stadt haben mit dem Versorgungsraum Nordwestschweiz ihre Zusammenarbeit in der Spitalplanung in den letzten Jah- ren bereits verstärkt und sind daran, die- se weiter auszubauen. Die gemeinsame Spitalplanung in den vier Kantonen soll nach einheitlichen Kriterien erfolgen. Ziel ist es, in den vier Kantonen die Freizügigkeit für alle Einwohnerinnen und Einwohner für die Wahl einer Be- handlung in einem Spital, welches sich auf der Spitalliste des Kantons befindet, ohne Kostenfolgen zu ermöglichen. Es ist mein Ziel, dass diese Freizügigkeit in der Wahl der Leistungserbringer mittelfristig auf alle Einwohnerinnen und Einwoh- ner im Metropolitanraum ausgedehnt werden kann. Die Mobilität und insbesondere die Bedürfnisse der Patientinnen und Pati- enten werden das Interesse für ein grenz- überschreitendes Gesundheitswesen weiter fördern und die Zusammenarbeit auf politischer Ebene intensivieren. So können alle Personen im Metro- politanraum auch von Innovationen im Gesundheitswesen gleichermassen profitieren. Das sind die nackten Zahlen, im Nabel- schau-Modus. Darüber dürfen wir nicht vergessen, was es heisst, wenn vor allem über die internationalen Messen Basels in den Medien berichtet wird, weltweit! Der Messeplatz Basel wird dann zum Schaufenster für uns alle, für die gesamte Region. Den volkswirtschaft- lichen Effekt können wir zwar nicht wirklich seriös in konkreten Zahlen messen. Doch eines ist klar: Der Begriff «Basel» geht um die Welt. Man kann auch etwas pathetisch sagen: Der Mes- seplatz Basel verleiht unserer Region «Strahlkraft».Wie auch immer man es ausdrücken will und sieht: Es lohnt sich, dafür die Verantwortung zu überneh- men, gemeinsam. Dieses Engagement ist ein Engagement in unsere Region, eine Investition in unsere gemeinsame Zukunft – wie auch immer die dann aussieht. Eine Gesundheitsversorgungsregion im Metropolitanraum Basel Messeplatz Basel,eine gemeinsameVerantwortung undVerpflichtung
  • 4. www.wecreatechemistry.com Chemie, die verbindet. Damit die Haut die Sonne liebt. Um Haut sogar an besonders sonnigen Tagen gesund zu erhalten und zuverlässig zu schützen, kommt es auf die richtige Kombination von UV-Filtern an. Sonnenschutz- und Tagespflegeprodukte mit UV-Filtern unserer Marken Tinosorb®, Uvinul® und Z-COTE® decken sowohl das UVA- als auch das UVB-Spektrum ab, absorbieren schädliche UV-Strahlung und wandeln sie in harmlose Wärme um. Wenn man Sonnentage den ganzen Sommer lang geniessen kann, dann ist das Chemie, die verbindet. Von BASF.
  • 5. 5 Inhalt Impressum Der metrobasel report 2012 erscheint als Beilage in der Basler Zeitung (Gesamt- auflage) sowie in der Sonntagsausgabe der Basellandschaftschaftlichen Zeitung und wird zusätzlich im Kanton Jura, im Landkreis Lörrach und im Elsass verteilt (Druckauflage: ca. 285‘000 Exemplare). Redaktion, Realisation & Inserate: ruweba kommunikation ag, Riehen Druck: Swissprinters AG, Zürich 3 Vorworte der Regierungsräte Dr.Carlo Conti und Isaac Reber 6 Fricktal – das Aargauer Boomvalley 7 «metrobasel economic report 2012» Perspektiven 2035 8 Nutzen und Folgen von Bankenregulierungen 9 Banken,Risiken und Eigenverantwortung,Dr.Georg Hess im Interview 10 Auswirkungen von Pharmaregulierungen 11 Innovation dient dem Patienten,Pascal Brenneisen im Interview 13 Eine Gesundheitsversorgungsregion im Metropolitanraum Basel 15 Universitätsspital Basel: Zukunftsweisende Expansion ins Ausland 16 Das grenzüberschreitende Gesundheitswesen aus deutscher Sicht 17 Vom Pilotprojekt zur Normalität? 18 metrobasel forum 23 Messeplatz Basel,eine gemeinsameVerantwortung undVerpflichtung 24 In der Champions League der internationalen Messeplätze 26 Vier Leitmotive für eine zeitgemässe Baselbieter Kulturpolitik 27 Kulturelle Strahlkraft über Grenzen hinweg 28 Stärkung und Ausbau der Performing Arts durch gut vernetzte Kulturplattform 30 Kulturegion Basel: Leitbild für eine Zukunft in höchsterVielfalt und Qualität 31 metrobaselVision 2050 Geschäftsstelle Aeschenvorstadt 4, 4051 Basel | Tel. +41 (0) 61 272 11 44 | office@metrobasel.org | www.metrobasel.ch
  • 6. Fricktal – das Aargauer Boomvalley Das Wirtschaftsforum Fricktal, welches in Zusammenarbeit mit metrobasel im Herbst in Magden stattfand, drehte sich um die Perspektiven 2035 für das Fricktal. Zur Diskussion standen die Ergebnisse der metrobasel Studie «economic report 2012». Text: metrobasel Das Fricktal sei die «Perle im Aargau» und das Boomvalley schlechthin, wie der Aargauer Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann am Wirtschaftsforum Fricktal 2012 betonte. Er stellte die Hightech- Strategie des Kantons vor: Das Fricktal hüte noch einen Schatz in Form von grossen Landreserven im Sisslerfeld. Mit der sinn- und massvollen Erschliessung dieses zusammenhängenden Gebiets, stehe und falle gewissermassen die künf- tige Weiterentwicklung der Region. Im Sisslerfeld sollen Unternehmen im Bereich Life Sciences, Hochschulen oder Innovation angesiedelt werden, die Arbeitsplätze und Entwicklung generie- ren. Für die Umsetzung von Hightech- Aargau wolle der Regierungsrat in den kommenden Jahren 38 Millionen Fran- ken sprechen. Oliver Schläfli, Head QA Novartis Pharma Stein AG, stellte die geplante Produktionsanlage für pharma- zeutische Produkte am Novartis Stand- ort in Stein vor. Novartis will mit dieser modernen Anlage über eine halbe Milli- arde Franken investieren, was ein klares Bekenntnis zum Standort Stein sei. Zwar würden nicht zusätzliche Stellen geschaf- fen, aber Arbeitsplätze in der Region beibehalten, meinte Gemeindeammann Hansueli Bühler. Bühler sieht auch Chan- cen für das regionale Gewerbe, welches von den Investitionen von Novartis pro- fitieren könne. Wachstum gezielt steuern Mit dem Wachstum der Life Science- Branche, aber auch mit gesellschaftli- chen Trends würden die Wohnbevöl- kerung und voraussichtlich auch die Pendlerströme im Fricktal stark zuneh- men. Dies bedinge Investitionen in In- frastrukturen, erklärte Regula Ruetz, Direktorin von metrobasel. Teilweise könne man Wachstum über Rahmenbe- dingungen steuern, wie beispielsweise vorteilhafte Steuern, dem Ausbau des ÖV und des Strassennetzes oder über zahl- bares Bauland sowie über Immobilien- angebote. Das Fricktal sei diesbezüglich gut aufgestellt, vor allem was Landreser- ven und vorteilhafte Standortbedingun- gen anbelangt. Einig waren sich die Podiumsteilneh- menden, dass im Fricktal die Möglich- keit für die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe mit hoher Wertschöpfung be- steht und im Sisslerfeld die entsprechen- de Planung bereits aufgegleist wurde. Mit ihrer Pharmaindustrie boomt die Ebene des Fricktals am Rhein aber bereits jetzt. www.fricktal.ch Bei der Podiumsdiskussion wurde angeregt diskutiert. 6
  • 7. 7 economic report 2012: Perspektiven 2035 Den Fragen nach der langfristigen Entwicklung von Wirtschaft und Bevölkerung in der Metropolitan- region Basel ist eine Studie von metrobasel nachgegangen. Sie wurde im «metrobasel economic report 2012» zusammengefasst und im Sommer in Basel an einem Podiumsanlass vorgestellt. Text: metrobasel WostehtdieMetropolitanregionBaselim Jahr 2035? Wie viele Menschen werden hier erwerbstätig und wie gross wird die Bevölkerung sein? Im Rahmen des Mas- terprojektes 2020/35/50 wird im dies- jährigen «metrobasel economic report» der Zeithorizont vom Jahr 2020 aus um 15 Jahre erweitert und der Bogen bis ins Jahr 2035 gespannt. Damit wir mögli- che Zustände auch in einer entfernten Zukunft analysieren können, benötigen wir in unserer Gesellschaft konsistente Daten. Insbesondere wenn wir an die Be- reitstellung von physischen Infrastruk- turen denken. Beispielsweise für die Pla- nung von Strassen und Eisenbahnlinien ist es sehr wichtig zu wissen, wo in 25 Jah- ren wie viele Menschen arbeiten und wo siewohnenwerden.DasGleichegiltauch für die Planung und Realisierung von Schulen, Spitälern und Altersheimen. metrobasel hat gemeinsam mit dem Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Ba- sel und der Beratungsfirma Wüest & Partner aus Zürich die Entwicklung der Wirtschaft und der Bevölkerung in der trinationalen Metropolitanregion Ba- sel bis 2035 modelliert. Im Dreiländer- eck Frankreich, Deutschland und der Schweiz werden die möglichen wirt- schaftlichen Entwicklungen analysiert. Daraus kann abgeleitet werden, wohin die Stossrichtung der Entwicklung der Raumnutzung sowie die Notwendigkeit neuer Infrastrukturen zielt. Um der Un- sicherheit im prognostischen Bereich zu begegnen, wurden drei Szenarien erstellt, die zusammen als Leitplanken dienen: ein Basisszenario, ein positives Alternativszenario und ein negatives Alternativszenario. Pharmaindustrie dominiert Eine grundlegende Annahme dieser Sze- narien ist, dass die Pharmaindustrie als die dominierende Schlüsselbranche die- ser Region die Wirtschaftsentwicklung massgeblich bestimmt und die Bevölke- rungsentwicklung im Wesentlichen von der Entwicklung dieser Branche abhängt. Wenn bei den drei Szenarien jeweils die Pharmaindustrie im Vordergrund steht, geschieht dies aufgrund ihres Gewich- tes von rund 20 Prozent der regionalen Wertschöpfung. Es darf allerdings nicht vergessen gehen, dass es in der Region noch andere Industriezweige gibt, die aufgrund ihrer Exporte massgeblich zum regionalen Wohlstand beitragen. Mit Hilfe eines ökonometrischen Re- gionalmodells wurden Prognosen für die Region metrobasel und ihre Teilre- gionen bis ins Jahr 2035 berechnet. Auf Basis der Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung wurden anschliessend Be- völkerungsprognosen erstellt. Aufgrund der Tatsache, dass Langfristprognosen sehr unsicher sind, werden im «metro- baseleconomicreport»zumBasisszenario auch zwei Alternativszenarien gerechnet, die durch relativ starke Abweichungen als Leitplanken gesehen werden können. In diesen wird sich die Zukunft allerWahr- scheinlichkeit nach abspielen. Es zeigt sich, dass selbst grosse wirtschaftliche Ab- weichungen nur etwa zu einemViertel auf die Entwicklung der Bevölkerung durch- schlagen. Denn die Bevölkerungsent- wicklung ist noch ein wenig träger als die Beschäftigung. Die metrobasel Studie zeigt, dass Wirt- schaftspolitik in der Metropolitanregi- on Basel letztlich eine Gratwanderung bleibt: Eine weiterhin stark wachsende Pharmaindustrie erhöht das Klumpen- risiko und den Bedarf nach vielen gut qualifizierten Fachleuten, eine darben- de Pharmaindustrie kann zu einer lang andauernden Stagnation und Arbeitslo- sigkeit führen. Die öffentliche Planung muss auf bei- des vorbereitet sein, die Wirtschafts- politik soll einen Mittelweg anvisieren, während die Raumplanung überlegen muss, ob sie proaktiv oder nur reaktiv handeln soll.Visionär ist nur ersteres. Des- halb wird metrobasel im 2013 eine Stu- die zur Raumentwicklung und not- wendigen Infrastrukturen, basierend auf den Ergebnissen des vorliegenden «metrobaseleconomicreports»,erarbeiten. Bevölkerungsentwicklung bis 2035 in den Subräumen: «Basisszenario». < - 8’000 - 8’000 - - 6’000 - 6’000 - - 4’000 - 4’000 - - 2’000 - 2’000 - 1’000 - 1’000 - 0 0 - 1’000 1’000 - 2’000 2’000 - 4’000 4’000 - 6’000 6’000 - 8’000 8’000 - 10’000 10’000 - 15’000 > 15’000
  • 8. 8 Viele fragen sich – und das zurecht – wie es um die Zukunft unserer Schweizer Banken steht. Der Schweizer Finanz- platz ist im Umbruch. Das hat auch Aus- wirkungen auf die Bankenstandorte in der Schweiz, insbesondere auf Zürich, Basel und Genf. Wird die Bankenregu- lierung massiv verschärft, besteht die Gefahr, dass die Institute ihre Hauptsitze oder zumindest internationale Aktivitä- ten in ein anderes Land mit liberalerer, weniger restriktiver Regulierung ver- schieben. Am 13. November 2012 wurde die Studie in der Börse in Zürich präsentiert und unter dem Titel «Werden die Banken wegreguliert – die Zukunft des Standor- tes Schweiz» die Ergebnisse auf einem Podium mit Dr. Patrick Raaflaub, Direk- tor der Finma, diskutiert. Finanzmärkte erfüllen volkswirtschaft- lich wertvolle Funktionen. Der Banken- sektor ist dabei zentral und gehört zu den am stärksten regulierten Wirtschafts- zweigen. Staatliche Regulierungsbestre- bungen werden oftmals während und im Nachgang zu grösseren Krisen breit thematisiert, so auch während der letzten Finanzmarktkrise, deren Aus- wirkungen Politik und Wirtschaft bis heute herausfordern. Erhöhter gesamtwirtschaftlicher Nutzen metrobasel hat beim Unternehmen Polynomics AG eine Studie, welche die Regulierungen in der Bankenbranche untersucht, in Auftrag gegeben. Neben unseren Partnern wurde die Studie mit- finanziert durch die Volkswirtschaftsdi- rektion des Kanton Zürichs, der Stiftung Finanzplatz Basel und dem Verband der Auslandsbanken. Die Studie setzt sich mit Regulierungen im Schweizer Ban- kensektor auseinander und vergleicht diese mit den Regulierungen anderer wichtiger Finanzplätze wie denen in Deutschland, Grossbritannien, den Ver- einigten Staaten und Singapur. Bei der Regulierung ist die Bundes- politik gefordert, den richtigen Regu- lierungsrahmen zu finden. Einerseits geht es darum, volkswirtschaftliche Risiken zu minimieren. Andererseits sollten die Regulierungen die Wett- bewerbsfähigkeit der Finanzbran- che nicht übermässig einschränken. Zu drei Zeitpunkten – 2008, 2012 und 2020 – wurden die betreffenden Regu- lierungen hinsichtlich verschiedener Kriterien untersucht. Für jedes Kri- terium werden sowohl die gesamtwirt- schaftliche Wirkung wie auch die Aus- wirkungen auf die Banken beurteilt. In sämtlichen untersuchten Staaten erhöhen die Regulierungen beinahe kontinuierlich den gesamtwirtschaft- lichen Nutzen. In der Schweiz zeigen die Veränderungen der Regulierungen zwischen 2012 und 2020 jedoch keine Wirkung mehr. Dies kommt daher, weil sich die bis zu diesem Zeitpunkt eingeführten Mass- nahmen teils gegenseitig aufheben. So wirkt beispielsweise die negative Bewertung betreffend Liquiditätsrege- lung der positiven Bewertung verschärf- ter Kapitalvorschriften entgegen. Zusammenfassend führen die schwei- zerischen Regulierungsbestrebungen insgesamt zu einer durchschnittlichen gesamtwirtschaftlichen Bewertung, weshalbdieSchweiz2020hinterdenUSA sowie Singapur auf dem dritten Platz rangiert. Ausgehend von den Studie- nergebnissen wurden anhand ver- schiedener Szenarien drei wichtige Ansatzpunkte identifiziert, wie die Schweizer Bankenregulierung relativ zu den anderen Ländern deutlich ver- bessert werden könnte: die Einlage- sicherung, die Liquiditätsregulierung sowie die Kapitalvorschriften. Wenn die Schweiz in diesen drei Punkten die von der Studie empfohlenen Anpassungen vornähme, würde sie gemäss Studien- verfasser beim gesamtwirtschaftlichen Nutzen den ersten Rang einnehmen, und die nicht systemrelevanten Banken würden deutlich entlastet. Werden Banken aus der Schweiz wegreguliert? metrobasel hat eine Studie, die sich mit Regulierungen im Schweizer Bankensektor auseinandersetzt, herausgegeben. Insgesamt schneidet der Finanzplatz Schweiz im Vergleich zu anderen Finanzplätzen durchschnittlich ab. Text: metrobasel Filippo Leutenegger forderte die Podiumsteilnehmenden mit interessanten Fragen heraus. ©ruweba
  • 9. 9 Als ehemaliger Finanzminister des Kantons Schwyz haben Sie die Seiten gewechselt, zur Bank Julius Bär. Warum? Ich war als Regierungsrat während acht Jahren für das Finanzdepartement zu- ständig, insgesamt ein Jahrzehnt in der Kantonsregierung des Kantons Schwyz tätig. Aus meiner Sicht sind zwölf Jahre in einem Exekutivamt genug. Die Beru- fung der Bank Julius Bär kam zwar et- was früh, aber die Aufgabe reizte mich. Als Vermittler zwischen drei Kulturen – Bankenwelt, Politik und Gesellschaft – ist mein breites politisches und gesellschaft- liches Netzwerk von grossem Nutzen. Zurzeit ist der Bankensektor in starken Turbulenzen. Was führte aus Ihrer Sicht dazu? Aus meiner Sicht sind vorwiegend drei Gründe dafür verantwortlich, sie drehen sich alle um Verschuldung. Zum Ersten: Die Tugend, dass man sich nur leistet, was man auch bezahlen kann, wurde durchbrochen.DurchVerschuldungkann mansichmehrleisten,alsmanlangfristig bezahlen kann. Das führte dazu, dass die westliche Welt seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse lebt. Zum Zweiten: Der wachsende Sozial- staat hat Leistungen entwickelt und bereitgestellt, deren Finanzierung auf falschen Annahmen basiert. Die Rendi- teerwartung der Kapitalmärkte wurde zu hoch festgelegt und die demografi- sche Entwicklung wurde nicht ehrlich abgebildet. Das führt zu einer mittel- bis langfristig starken Überschuldung der öffentlichen Hand. Und drittens hat sich die Mentalität der Menschen in den entwickelten Staaten grundlegend ge- ändert. Die Eigenverantwortung wird dann gefordert, wenn man nicht selber betroffen ist. Die Partikularinteressen führen zu ausufernden Forderungen an den Staat. Gleichzeitig aber spezialisiert man sich aufs Steuersparen und verlangt lauthals, dass die Steuern runter müssen. Dabei vergisst man allzu schnell, dass Schulden der öffentlichen Hand nichts anderes als nicht bezahlte Steuern sind. Und dafür braucht es natürlich einen Schuldigen. Diese Rolle wird seit 2007, als die Schul- denkrise in den USA akut wurde und das Finanzsystem beinahe zusam- menbrach, den Banken zugeteilt. Das ist darum auch salonfähig geworden, weil von den über 300‘000 Beschäf- tigten in der Schweiz wenige Dutzend in den Augen der Gesellschaft zu hohe Bonuszahlungen erhalten. Seit der globalen Finanzkrise 2008 sinkt die Attraktivität des Finanzplatzes Schweiz kontinuierlich. Es gibt immer weniger Bankenmitarbeitende. Wird es noch zu einer weiteren Schrumpf- ung des Bankensektors kommen? Das kommt stark auf die Entwicklung bei den beiden Grossbanken an. Zudem hoffe ich, dass die Verunsicherungen auf dem Werkplatz Schweiz durch die anstehenden Initiativen wie Abzocker- Initiative von Thomas Minder, 1:12 Ini- tiative der SP oder Kündigen der Perso- nenfreizügigkeit der SVP baldmöglichst zur Abstimmung kommen und keine Mehrheit finden. Ansonsten wird es zu einer weiteren Schrumpfung kommen. Sollten Risiken und Haftung nicht ver- mehrt auch bei den Banken in Abhän- gigkeit gebracht werden, im Sinne von: Wer ein Risiko eingeht, haftet auch? Diese Meinung teile ich. Das würde be- deuten, dass die Staatshaftung ausge- schaltet werden könnte. In der Schweiz sind wir zurzeit daran, solche Möglich- keiten zu schaffen. Beispiele sind die In- solvenzverordnung, die Eigenmittelver- ordnung oder die Umsetzung der «Too big to fail» - Vorgaben. Es ist aber wesentlich einfacher, ein Trennbankensystem oder gesetzliche Sollbruchstellen bei einer Bank zu for- dern, als das dann auch umzusetzen und politisch dafür die Verantwortung zu übernehmen. Denn jede Auflage be- deutet eine zusätzliche Regulierung und damit verbunden eine Verringerung der Wettbewerbsfähigkeit, wenn sie nicht für alle Marktteilnehmer der Konkurrenzfi- nanzplätze zeitgleich eingeführt wird. Welchen gesamtwirtschaftlichen Nutzen haben Regulierungen? Mit der Vorlage «Too big to fail» hat man die Eigenmittelvorschriften, die Liquidi- tätsvorschriften und Kapitalvorschriften für systemrelevante Banken verschärft. Der erwartete Nutzen wäre, dass auch in Krisenfällen der Staat keine Bankenin- stitute mehr mit Steuergeldern stützen muss und so die Volkswirtschaft nicht zu Schaden kommt. Wie schätzen Sie die Zukunft des Bankenplatzes Schweiz ein? Wenn das Stimmvolk auch weiterhin zum Werkplatz Schweiz steht und Ei- genverantwortung und Respekt Grund- werte unserer Gesellschaft bleiben, glaube ich auch für die Zukunft an einen starken Finanzplatz Schweiz. Seine Stärke basiert auf Schweizer Tugenden wie Tradition und Know-how, Servicequalität, hohem Ausbildungs- stand und Internationalität – dies lässt sich nicht so leicht von einem anderen Finanzplatz schlagen. Banken, Risiken und Eigenverantwortung Regulierung ist eine Art staatlicher Kundenschutz, den es braucht. Insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wird von staatlicher Seite versucht, diese auszubauen, um Risiken zu verringern. Welche Regelungen einen relevanten Kundennutzen bringen, liegt an deren sinnvoller Ausgestaltung. Regula Ruetz, Direktorin metrobasel im Interview mit Dr. Georg Hess, Head Public Affairs der Bank Julius Bär & Co. LTD.
  • 10. 10 Die Life-Sciences-Wirtschaft steuert gemeinsam mit der chemischen Indus- trie etwa einen Drittel zu den Schwei- zer Exporten bei und beschäftigt in der Schweiz mit allen vor- und nachgelager- ten Betrieben rund 144’000 Personen. Die stärkste Teilbranche ist die Phar- maindustrie. Diese ist traditionell in der Nordwestschweiz stark verankert. Es liegt deshalb in unserem Interesse, dieser Branche vorteilhafte Rahmenbedingun- gen anzubieten oder sie zu verbessern, wo wir international nicht im vorders- ten Feld rangieren. Denn vom Florieren der Life Science-Branche sind viele gut bezahlte Arbeitsplätze abhängig, Auf- träge an Zulieferer in der Region sowie Steuereinnahmen, welche es den Ge- bietskörperschaften erlauben, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Insbesondere die Arbeitsmarktregulie- rungen und das Steuersystem haben einen nachweisbaren Einfluss auf die Standortwahl von global tätigen Unter- nehmen. Durch deren attraktive Gestal- tung versuchen Staaten und Regionen je länger je mehr, sich einen Standortvorteil zu verschaffen. Deshalb hat metrobasel zum zweiten Mal nach 2008 Polyno- mics beauftragt, einen internationalen Quervergleich von sektorspezifischen Regulierungssystemen für zwei Schlüs- selbranchen und Wachstumsträger der Schweiz durchzuführen, nämlich für die Pharmaindustrie und den Bankensektor. Schweiz schneidet schlecht ab Die metrobasel Studie vergleicht bei- spielsweise die Preisregulierungen von Arzneimitteln, Zulassungsverfahren für Medikamente, Forschungsregulierungen und den Schutz des geistigen Eigentums (Patentrecht) mit Regulierungen von Deutschland, dem Vereinigten König- reich, den USA sowie Singapur. Dabei handelt es sich um Länder, die alle eine eigene Pharmaindustrie aufweisen und somit in der Standortfrage grundsätzlich miteinander konkurrieren. Aus der Stu- die geht leider hervor, dass die Schweiz imVergleich mit den Konkurrenz-Stand- orten schlecht abschneidet und ihre Position gegenüber dem letzten Ver- gleich 2008 sogar nochmals verschlech- tert hat. Die Studienergebnisse wur- den auf einem Podium mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft diskutiert. Dabei vertrat Regierungsrat Chris- toph Brutschin die Sicht der Politik des Standortkantons Basel-Stadt. Die Phar- maindustrie sei während der Finanz- und Wirtschaftskrise die resistenteste Branche gewesen. Sie generiere insge- samt rund 144’000 Arbeitsplätze in der Schweiz und trage in erheblichem Mas- se zu Steuereinnahmen für die Stand- ortkantone bei. Stelle man die Kosten, welche für Arzneimittel von Schweize- rischen Pharmaunternehmen ausgege- ben würden, in Relation zum generierten Nutzen der Branche für die Schweizeri- sche Volkswirtschaft, so überwiege die- ser um ein Vielfaches die Kosten. Aus Sicht der Pharmaindustrie äusserte sich Pascal Brenneisen, Leiter Novartis Schweiz AG, zur Auswirkung von Re- gulierungen auf die Branche (siehe In- terview). Aus Sicht vom Bundesamt für Gesundheit äusserte sich Vizedirektor Andreas Faller, der einen klaren Verbes- serungsbedarf bei den Zulassungsver- fahren sieht, welche zu lange dauern. Der Preisüberwacher Stefan Meierhans plädierte für Kosteneinsparungen und -senkungen. Auswirkungen von Pharmaregulierungen Am 18. Oktober 2012 hat metrobasel die Studie «Pharmaregulierung im internationalen Vergleich» im SCALA Basel vorgestellt. Die Standortwahl der Pharmaindustrie wird nicht zufällig getroffen; insbesondere Arbeitsmarktregulierungen und das Steuersystem haben einen nachweisbaren Einfluss darauf. Text: Regula Ruetz, Direktorin metrobasel Preisüberwacher Stefan Meierhans vertrat eine andere Meinung als Christoph Brutschin und Pascal Brenneisen.
  • 11. 11 Pascal Brenneisen Leiter Novartis Schweiz AG Herr Brenneisen, wie schlimm steht es um den Forschungsstandort Schweiz? Ich möchte hier nicht zuallererst von den Schwächen sprechen. Immerhin wurden in der Studie fünf der weltweit führenden Forschungsstandorte ver- glichen. Novartis investiert mit gutem Grund in Forschung und Entwicklung in der Schweiz, im Jahr 2011 waren es statt- liche 3.3 Milliarden CHF. Der Standort hat viel zu bieten, wenn es z.B. um qua- lifizierte Arbeitskräfte oder den Schutz des geistigen Eigentums geht. Es ist aber trotzdem schade, dass die Schweiz den letzten Platz unter den untersuchten Ländern einnimmt: Schliesslich stehen wir gerade mit diesenTop-Standorten im Wettbewerb. Es bleibt auch eine schlech- te Nachricht, dass in der Schweiz die For- schungsfreundlichkeit abgenommen hat und auch sonst in keinem der untersuch- ten Länder zwischen 2008 und 2011 eine Verbesserung eingetreten ist. Worauf führen Sie die Verschlechterung zurück? Der Zeitraum seit 2007 wurde durch die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise geprägt. Diese rückte die Staatshaushal- te in das Zentrum des Bewusstseins und damit auch die Ausgaben für Gesund- heit, die einen wichtigen Anteil an den Staatsausgaben haben. So kam es nach den neuesten Zahlen der OECD 2010 zu einer Trendwende: Während 2000-2009 die Gesundheitskosten im europäischen Durchschnitt gestiegen sind, fielen sie 2010. Die Schweiz, die bisher nicht so stark von der Krise betroffen war, ver- zeichnete 2010 zwar mit 1.4 % steigende Gesundheitskosten, die Medikamen- tenkosten pro Kopf fielen jedoch um 3.1 %. Offenbar hat die Schweiz dem poli- tischen Ziel einer kurzfristigen Reduk- tion der Gesundheitsausgaben vor der Wahrung, bzw. dem Ausbau der For- schungs-freundlichkeit Priorität gege- ben. Das können wir nur bedauern und darauf hinweisen, welche langfristigen Folgen dies haben kann. Welche Folgen meinen sie konkret? Einerseits muss sich die Schweiz dem weltweiten Standortwettbewerb stellen. Betrachtet man die neuesten Zahlen des BfS, so wird deutlich, dass die Phar- maindustrie nicht nur 38‘989 Personen direkt beschäftigt, sondern über Zulie- ferer weitere 105‘270 Stellen von der Industrie abhängen. Es wäre nicht wün- schenswert, wenn es hier zu Verschie- bungen ins Ausland käme. Andererseits ist klar, dass starke Preisregulierungen und lange Zulassungszeiten dazu führen können, dass innovative Medikamente zuerst in anderen Ländern auf den Markt kommen, wie dies die Studie z.B. für die USA aufgezeigt hat. Dies könnte zu einer Verschlechterung der Versorgung für die Schweizer Patienten führen, von der Ge- fahr für die zukünftige Forschung und derVerfügbarkeit von innovativen Medi- kamenten ganz zu schweigen. Sie stellen es so dar, als ob die Schweiz der Gegenwart vor der Zukunft den Vorzug gibt. Die Position des Preisüberwachers ist da jedoch eine andere. Hier gibt es wenig Verständnis dafür, dass die Preise für Medikamente nicht auf der Verände- rung des Wechselkurses des Frankens basieren sollten. Was meinen Sie zu solchen Aussagen? Nun, es ist effektiv so, dass jede Preisre- gulierung abwägen muss zwischen güns- tiger Versorgung der Gegenwart und ge- nügend Anreizen für die Zukunft. Es ist auch nicht so, dass die Industrie nicht bereit wäre, ihren Beitrag zu den Spa- ranstrengungen im Gesundheitswesen zu leisten. Aber wir haben bereits in den letzten Jahren für mehrere – auch aus- serordentliche – Preissenkungsrunden Hand geboten. So haben die Preisan- passungen seit 2005 kumuliert zu Ein- sparungen von über 1.5 Mia. CHF ge- führt. Seit 1. November bis Ende 2014 hat das Bundesamt für Gesundheit weitere Preissenkungen um 20 % angeordnet und zwar nur wegen dem überbewer- teten Schweizer Franken. Wenn dies so umgesetzt wird, wird der Pharmastand- ort relativ zur Konkurrenz weiter abfallen. Mit einem Kostenanteil der Medika- mente am Gesundheitswesen von mitt- lerweile unter 10 % wird es auch nie ge- lingen, das Gesundheitswesen nur auf dem Buckel der Medikamentenpreise zu sanieren. Dazu müssen auch die grossen Kostenblöcke, die ambulanten Kosten mit 33 % und die stationären Kosten mit 45 % der Gesundheitskosten, angepackt werden. Innovation dient dem Patienten Die metrobasel Studie zur Pharmaregulierung hat fünf Standorte auf Forschungsfreundlichkeit hin untersucht. Das Ergebnis: Das Regulierungsumfeld in der Schweiz ist zusammen mit Deutschland am wenigsten forschungsfreundlich; die USA und Singapur sind an der Spitze, während Grossbritannien eine Mittelstellung einnimmt. Aus Sicht von Pascal Brenneisen muss der Forschungsstandort Schweiz revitalisiert werden. Regula Ruetz, Direktorin metrobasel im Interview mit Herrn Pascal Brenneisen, Leiter Novartis Schweiz AG
  • 12. www.merianiselin.ch Wir behandeln von Patient zu Patient und nicht von Fall zu Fall Merian Iselin – die führende Klinik für Orthopädie und Chirurgie Die Hoch- und Tiefbauer. Implenia denkt und baut fürs Leben. Gern www.implenia.com Die Kurzfassungen der neusten Studien finden Sie unter: www.metrobasel.org Die kompletten Studien können bei der Geschäftsstelle von metrobasel bezogen werden. Für Partner von metrobasel sind die Studien kostenlos.
  • 13. 13 Eine Gesundheitsversorgungsregion im Metropolitanraum Basel Der Metropolitanraum Basel bietet ein grosses Potential für eine intensivere Zusammenarbeit im Bereich der Gesundheitsversorgung. Text: Dr. Carlo Conti, Regierungsrat des Kanton Basel-Stadt Im Jahr 2010 haben sich die nordwest- schweizer Kantone Aargau, Basel-Land- schaft, Solothurn und Basel-Stadt im Hinblick auf die gemeinsame Spitalpla- nung 2012 zusammengeschlossen. Der gemeinsam erstellte Versorgungsbericht diente als Grundlage für die weitere Zu- sammenarbeit und für die Festlegung von Versorgungskriterien. Diese Zu- sammenarbeit soll weiter gestärkt wer- den, ein Nachfolgeprojekt ist bereits in Arbeit. Die Regierungen des Kantons Basel-Stadt und Basel-Landschaft haben bereits beschlossen, dass die Einwohner- innen und Einwohner beider Kantone spätestens ab 2014 in den Genuss einer kompletten Freizügigkeit in den beiden Kantonen kommen sollen. Das heisst für die Einwohnerinnen und Einwoh- ner, dass sie sich in sämtlichen Spitälern in Basel-Stadt und Basel-Landschaft, welche sich auf der Spitalliste befinden, ohne zusätzliche Kostenfolgen behan- deln lassen können. Es ist weiter die Ab- sicht, diese Freizügigkeit auf den ganzen Gesundheitsversorgungsraum Nord- westschweiz auszudehnen. Ist eine sol- che Gesundheitsregion auch für den tri- nationalen Metropolitanraum denkbar? Die grenzüberschreitende Zusammenar- beit, vor allem mit Deutschland, hat im stationären Bereich seit den 80er Jahren Tradition. Es existieren auch bereits zahl- reiche Kooperationen im ambulanten Bereich auf ärztlicher Ebene wie auch bei den Rettungsdiensten. Am 4. Okto- ber 2012 fand der Spatenstich für das Onkologische Zentrum inklusive Strah- lentherapie in Lörrach statt, welches eine Zusammenarbeit zwischen dem Uni- versitätsspital Basel mit den deutschen Partnern «Onkologie Dreiländereck» und dem Kreiskrankenhaus Lörrach vorsieht. Um die Auswirkungen einer möglichen Ausweitung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Gesundheitswesen zwischen der Schweiz und Deutschland zu prüfen, wurde bereits im Jahr 2007 ein bis 2014 befristetes binationales Pilotprojekt lanciert. Träger des binationalen Pilotprojektes sind die Kantone Basel-Stadt und Basel- Landschaft, der Landkreis Lörrach, das Sozialministerium Baden-Württemberg sowie das Bundesministerium für Ge- sundheit in Berlin. Am Pilotprojekt können schweizerische und deutsche Krankenversicherer so- wie Kliniken des Kantons Basel-Stadt, des Kantons Basel-Landschaft und des Landkreises Lörrach teilnehmen. Eine wissenschaftliche Auswertung des Pilot- projekts soll prüfen, ob eine unbefristete Erweiterung der grenzüberschreitenden Kooperation in der Gesundheitsversor- gung sinnvoll ist. Die nun im Jahr 2011 verabschiedeten Richtlinien des euro- päischen Parlamentes und Rates über die Ausübung der Patientenrechte in der grenzüberschreitenden Gesundheitsver- sorgung bieten nun diesbezüglich neue Möglichkeiten. Das Universitätsspital Basel mit seiner hochspezialisierten Medizin erbringt im stationären Be- reich rund 45 % seiner Leistungen für Patientinnen und Patienten aus anderen Kantonen wie auch für Patientinnen und Patienten aus dem Ausland. Mit sei- nem Leistungsangebot ist das Univer- sitätsspital Basel der Maximalversorger für die ganze Region. Alle Einwohnerin- nen und Einwohner der Metropolitanre- gion Basel sollten vom Leistungsangebot dieses medizinischen Zentrums profitie- ren können. Das gemeinsame Interesse zur Stärkung der Region soll weiterhin dazu beitra- gen, dass die neuen Chancen und Mög- lichkeiten in der Gesundheitsversorgung genutzt und die Grenzen abgebaut wer- den können. Gesundheitsversorgung über die Grenze hinaus. Trinationale Grenzgängerströme innerhalb der Oberrheins
  • 14. 100 Jahre Vitamine für mehr Lebensqualität www.100yearsofvitamins.com www.dsm.com/human-nutrition 1912 erfuhr die Welt von der Existenz von Vitaminen. Diesen Namen gab der Wissenschaftler Casimir Funk bioaktiven Substanzen, welche unverzichtbar für die Gesundheit von Mensch und Tier sind. Als Marktführer ist DSM Teil dieser Entwicklung. Mit mehr als 3’000 Mitarbeitenden im Dreiländereck setzen wir uns für Ihr Wohlergehen sowie jenes künftiger Generationen ein. Wir sind für Sie da – 365 Tage der offenen Tür Von der Diagnose bis zur Behandlung mit Kompetenz durch Forschung. Das Universitätsspital Basel – Ihr überregionales Gesundheitszentrum. Spitalstrasse 21 | Petersgraben 4 CH-4031 Basel Telefon +41 61 265 25 25 | info@uhbs.ch www.unispital-basel.ch
  • 15. 15 So ist das onkologische Zentrum in Lörrach geplant. Am 4. Oktober 2012 wurde der Spatenstich gefeiert. Zur Schaufel griffen Landrätin Marion Dammann, Geschäftsführer Armin Müller vom Kreiskrankenhaus Lörrach, Jan Knoblich von der Praxis «Onkologie Dreiländereck», Direktor Werner Kübler vom Universitätsspital Basel, Markus de Rossi von der Investoren- gesellschaft (v.l.n.r). Universitätsspital Basel: Zukunfts- weisende Expansion ins Ausland Das Universitätsspital Basel tritt erstmals im Ausland als Bauherrschaft auf und errichtet zusammen mit deutschen Ärzten in Lörrach ein onkologisches Zentrum. Text: Andreas Bitterlin, Leiter Marketing und Kommunikation, Universitätsspital Basel Übergeordnete Motivation für das grenz- überschreitende Engagement des Uni- versitätsspitals Basel ist die Strategie, das inländische, auf Grund der Landesgren- ze eng begrenzte Einzugsgebiet in der Schweiz auszudehnen. Insbesondere in der hochspezialisierten Medizin sowie in der Forschung und in der Aus- und Weiterbildung ist die Behandlung einer Mindestanzahl von Patientinnen und Patienten unabdingbar, um hohe Quali- tätsstandards gewährleisten zu können. Die Expertise muss in einer Universitäts- klinik besonders breit abgestützt sein. Für Lörrach interessant sind das geogra- fisch nahe Angebot von spezialisierten Leistungen und eine wohnortnahe Ver- sorgung seiner Bürgerinnen und Bürger auf universitärem Niveau. Eine wesentliche Komponente für die Expansion ins Ausland ist die Tatsache, dass bereits in derVergangenheit jährlich rund 500 Patientinnen und Patienten aus dem Landkreis Lörrach in der Abteilung für Strahlentherapie am Universitätsspi- tal in Basel behandelt wurden. Ziel der Basler Klinik ist es, das deutsche Pati- entenvolumen langfristig zu halten und allenfalls auszubauen, und sie wählte als Geschäftsmodell für die Verfolgung die- ser Strategie ein bauliches Engagement im nahen Ausland. Mit der Bewilligung des Betriebs erhält das Universitätsspital Basel gleichsam einen Versorgungsauf- trag jenseits der Grenze. Einzigartig und zukunftsweisend Die lokale Versorgungslücke im Land- kreis Lörrach in der Strahlentherapie wird nun geschlossen. Die beiden Kli- niken aus Deutschland und aus der Schweiz bieten den Patientinnen und Patienten in einer gelebten Partnerschaft kurze Wege zwischen den ambulanten Therapien des Universitätsspitals Ba- sel und den stationären Angeboten des Kreiskrankenhauses Lörrach sowie eine enge fachliche Kooperation auf dem sel- ben Areal. Landrätin Marion Dammann bezeichnete das Vorhaben anlässlich des Spatenstichs am 4.10.2012 als «in mehrfacher Hinsicht einzigartig und zukunftsweisend». Das geplante Ge- bäude, welches 2014 auf dem Areal des Kreiskrankenhauses Lörrach in Betrieb genommen wird, besteht aus einer Tief- garage und drei Stockwerken à je 900 m2 . Zwei davon wird das Universitätsspital Basel primär mit der Disziplin Radio- onkologie bzw. Strahlentherapie betrei- ben, eines die private Praxis «Onkologie Dreiländereck». Als weitere medizinische Disziplinen werden vom Universitätsspi- tal Basel im neuen Zentrum in Lörrach die Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie und die Neurochirurgie etabliert. Die Bauherrschaft hat das Universitäts- spital Basel inne, welches sieben Mio. Euro in die Baukosten von insgesamt elf Mio. Euro investiert. www.mvz-loerrach.de www.unispital-basel.ch ©FotoMichaelBaas/BadischeZeitung
  • 16. 16 Das grenzüberschreitende Gesundheitswesen aus deutscher Sicht Aus deutscher Sicht steht die Vision einer gemeinsamen Gesundheitsregion klar im Vordergrund. Es ist wichtig, Herausforderungen und Fortschritte frühzeitig zu erkennen und diese anzugehen. Text: Marion Dammann, Landkreis Lörrach Im Rahmen des Pilotprojekts «grenz- überschreitende Zusammenarbeit im Gesundheitswesen» haben der Land- kreis Lörrach zusammen mit den Kan- tonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft wegweisende neue Möglichkeiten ge- schaffen, in denen Leistungen des Ge- sundheitswesens seit 2007 grenzüber- schreitend genutzt werden können. Im Herbst 2012 beginnt nun auch das Basel- LörracherPflegeprojektGestaltanzuneh- men. Dies ist ein weiterer Schritt hin zu unserer grossen Vision einer gemeinsa- men Gesundheitsregion mit grenzüber- schreitenden Versorgungsstrukturen. Der demografische Wandel stellt uns vor grosse Herausforderungen, denen wir gerade im Gesundheitswesen gemein- sam begegnen sollten. Das anvisierte Ziel sollte immer sein, Vereinfachungen zu erzielen, das Ange- bot für den Patienten zu erweitern, ihm qualitativ hochwertigeVersorgung anzu- bieten und kurze Wege zu ermöglichen, um eine hohe Patientenzufriedenheit zu erreichen. Hier wäre es wünschenswert, auch unsere französischen Nachbarn noch besser einzubinden. Behandlungen über Grenze hinaus In unserer Grenzregion lassen sich durch gemeinsame Strukturen und Zu- sammenarbeit viele Vorteile generieren. Insbesondere können qualitativ hoch- wertige Leistungen angeboten werden. Durch Ärztekooperationen werden die medizinischen Möglichkeiten zuguns- ten der Patienten verbessert und sie können stationär vor Ort verbleiben. Eine wohnortnahe Akutversorgung gera- Unzensuriert. bzbasel.ch de auch in der Spitzenmedizin ist für den Patienten ein grosses Plus. Rehaklini- ken arbeiten durch eine höhere Patien- tenzahl rentabler. Hier gibt es konkrete Erfolge zu verzeichnen, weil das Ange- bot auf deutscher Seite von Schweizer Patienten schon rege genutzt wird. Krankenhäuser können durch Koopera- tionspartner Leistungen anbieten, die sonst vielleicht nicht möglich gewesen wären. Viele Ärzte behandeln bereits «über die Grenze». Partnerschaftlich muss über offenkundige Hürden ge- sprochen werden. Das Preisgefälle zwi- schen der Schweiz und Deutschland bleibt für die deutschen Patienten und Leistungserbringer ein grosses Handi- cap. Problematisch ist, dass gut ausge- bildete Personen im medizinischen und pflegerischen Bereich Arbeitsstellen in der Schweiz annehmen, weil auch ein Entgeltgefälle gegeben ist. Es gilt für die Zukunft weiter, an ver- tieften Kooperationen zu arbeiten und das Gesundheitssystem zu optimieren; innovative Lösungen sind gefragt und haben Vorbildfunktion für Europa. Marion Dammann, Landrätin Lörrach
  • 17. 17 Vom Pilotprojekt zur Normalität? Der praktische Alltag der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung aus der Sicht deutscher Leistungserbringer. Text: Peter Lepkojis, Stv. Geschäftsführer Kliniken des Landkreises Lörrach GmbH Donnerstag, 09:47 Uhr in einer im Pilot- projekt beteiligten deutschen Rehabili- tationsklinik. Angemeldet ist ein Patient einer Basler orthopädischen Klinik für einen 3-wöchigen Rehabilitationsauf- enthalt. Kein Problem, Alltag in der Zu- sammenarbeit über die Grenzen hinweg. Dienstag, 11:19 Uhr, Anruf des Kreis- krankenhauses Lörrach im Universitäts- spital Basel. Nach umfassender Diagnos- tikisteinmedizinischerBefunderarbeitet worden, der die operative Zusammenar- beit in der Thoraxchirurgie erfordert. Ein gemeinsamer Operationstermin wird für Freitag vereinbart. Zuvor organisiert der Basler Arzt ein Vorgespräch mit den Fachleuten vor Ort und mit dem Patien- ten am Donnerstag. Im Kreiskranken- haus Lörrach wird am Mittwoch in der Tumorkonferenz die Situation des Pati- enten vorbesprochen. Die Zusammenar- beit mit der Pathologie ermöglicht einen direkten telemedizinischen Zugriff auf die Pathologiebefunde des Patienten. Mit am Tisch die Experten der Strahlenthe- rapie, die künftig in direkter Anbindung an das Lörracher Kreiskrankenhaus die Strahlentherapie durchführen werden. Zeitgleich in der Kardiologie der Kreis- klinik: Eine Patientin aus Riehen wird vom Chefarzt untersucht. Als Grundver- sicherte ist eine stationäre Versorgung in der Lörracher Klinik kein Problem. Die Klinik wurde ihr vom niedergelasse- nen Arzt empfohlen. Die Klinik ist in eine engmaschige Qualitätsüberwachung eingebunden und die Ergebnisse öffent- lich zugänglich. Und da ist noch die Er- fahrung der Klinik – die Kardiologie mit Linkherzkatheterarbeitsplatz und hoher Fallzahl bei Schrittmacherimplantation und -betreuung verfügt über grosse Er- fahrung und ein versiertes Kardiologen- Team. Am Ende der Untersuchung dann der beruhigende Befund – auf einen kar- diologischen Eingriff im Kreisklinikum kann verzichtet werden, die medikamen- töse Behandlung war erfolgreich. Die Pa- tientin kann problemlos von ihrem Haus- arzt in Riehen weiterbehandelt werden. Eine Behandlungsempfehlung nimmt sie direkt mit. Eine Normalität in der grenzüberschrei- tenden Zusammenarbeit? Noch sind es einzelne Patienten, die den Weg in die Akutkliniken im Landkreis Lörrach wäh- len. Die Abstimmungsprozesse zwischen den Kliniken und den Versicherern sind bereits jetzt durch entsprechende Verträ- gegeregelt.DasVerfahrenfüreineKosten- gutsprache für die Versorgung Schweizer Patienten in den Kliniken ist unkompli- ziert. In Notfällen ist die Behandlung von Patienten aus dem Nachbarland sowieso schon Normalität. Alltag auf Schweizer Seite: Patienten aus demsüdbadischenRaumhabenseitjeher dieGesamtregionimBlick.Aberauchdie- se nehmen die Qualitätsverbesserung der Kliniken im Landkreis Lörrach wahr und entscheiden sich differenziert je nach Krankheitssituation gezielt für eine Be- handlungaufderdeutschenoderschwei- zerischen Seite der Grenze. Für die Zusammenarbeit in der Grenzre- gion sieht Kreiskliniken-Geschäftsführer Armin Müller die Zukunft in einer Auf- gabenverteilung zwischen den Ein- richtungen: «Leistungsfähige und mit langjähriger Spezialisierung weiterent- wickelte Kliniken wie im Landkreis Lör- rach stellen in der Hierarchie eine wert- volle Basis für eine flächendeckende, grenzüberschreitende Versorgung dar. Maximalversorger sind für spezifische Krankheitsbilder die Partner der Wahl. Gemeinsam bilden wir im Zusammen- schluss mit den Rehabilitationskliniken eine vernetzte Gesundheitsregion, die für potenzielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine interessante Option zu anderen europäischen Ballungszen- tren bildet und durch die kulturelle und landschaftliche Qualität punktet.» Chefarzt Prof. Dr. Hans-H. Osterhues bei der Visite
  • 18. 18 metrobasel forum: Überregionale Gesund- heitsversorgung und Bedeutung der Messe Für das grenzüberschreitende Gesundheitswesen könnte mehr getan werden. Auch bei der Bedeutung des Messe- und Kulturstandortes Basel muss sich die Zusammenarbeit zwischen den Regionen verbessern. Das lässt sich aus den Referaten und der Podiumsdiskussion vom 8. metrobasel forum vom 21. November 2012 ziehen. Text: Markus Vogt metrobasel-Präsidentin Ingrid Duplain begrüsste im Theater Basel rund 170 Personen aus Wirtschaft und Politik zum achten metrobasel forum; dieses stand erstmals unter der Ägide der neu- en Direktorin Regula Ruetz, fand neu im Theaterfoyer statt und wurde moderiert von der Publizistin und Dozentin Esther Girsberger aus Zürich. Die grenzüber- schreitende Gesundheitsversorgung sowie der Messe- und Kulturplatz Basel bildeten dabei die beiden Schwerpunkte. Beschlossen wurde der Anlass mit einer künstlerischen Darbietung von Mitglie- dern der Oper Avenir vom Theater Basel sowie einem Stehlunch. Ingrid Duplain kam kurz auf die Neu- positionierung von metrobasel zu spre- chen und betonte, dass die Organisation weiterhin Studien erstellen wird, die bei Planungsfragen eine Entscheidungshil- fe sein können. metrobasel werde wei- terhin als «Think Tank» aktiv sein, aber künftig kein Lobbying mehr Richtung Bundeshauptstadt Bern betreiben. Dies sei Aufgabe der Politik respektive der neuen Metropolitankonferenz Basel (MKB). Derzeit habe metrobasel rund 300 Partner aus den Bereichen Wirt- schaft, Politik und Zivilgesellschaft. Der Perimeter von metrobasel umfasst die Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft, das solothurnische Schwarzbubenland, das Fricktal, einen Teil des Juras sowie das Elsass und Südbaden. Hauptsponsor des diesjährigen Anlasses war wiederum Novartis. Grenzenloses Gesundheitswesen Zur grenzüberschreitenden Gesund- heitsversorgung bemerkte der Basler Gesundheitsdirektor Dr. Carlo Conti in seinem einleitenden Votum, dass die Bevölkerung der Region die bestehen- den Kantons- und Landesgrenzen kaum noch wahrnehme – das sei eine Rea- lität. Die Region wachse immer mehr zu einer wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Einheit zusammen. Der Ge- sundheitsbereich hinke dieser Entwick- lung hinterher, man sollte diesem Punkt jedoch vermehrt Beachtung schenken. Dagegen funktioniere der «kleine Grenz- verkehr» im Gesundheitswesen seit Jahren recht gut. In Richtung Deutsch- land, das wie die Schweiz eher födera- le Strukturen aufweist, gehe es besser als in Richtung Frankreich mit seinem zentralistischen Staatsaufbau. Auch die konsiliarärztlichen Dienste klappen, Ärz- te des Unispitals wirken auch vor Ort in deutschen Spitälern. Das gleiche gilt für die Telemedizin, bei der vom Universi- tätsspital Basel aus deutsche Kranken- häuser unterstützt werden. Das laufende Podiumsdiskussion: Andreas Faller, Vizedirektor BAG; Pascal Brenneisen, Leiter Novartis Schweiz AG; Dr. Esther Girsberger, Publizistin und Dozentin; Dr. Carlo Conti, Gesundheitsdirektor BS; Jacqueline Fehr, Nationalrätin; Dr. Werner Kübler, Direktor Universitätsspital Basel (von links nach rechts)
  • 19. 19 Pilotprojekt «Grenzüberschreitende Zu- sammenarbeit im Gesundheitswesen» ist zeitlich bis Ende 2014 und räumlich auf Basel-Stadt, Basel-Landschaft und den Landkreis Lörrach beschränkt. Conti schwebt die Vision einer Gesund- heitsversorgungsregionNordwestschweiz vor, mit Basel-Stadt, Basel-Landschaft so- wieTeilen der Kantone Aargau, Solothurn und Jura. Dafür brauche es eine gemein- same Bedarfsplanung, wie es sie für die Kantone Aargau, Solothurn, Basel-Land- schaft und Basel-Stadt bereits gibt. Eine weitere Massnahme – analog der bereits beschlossenen vollen Freizügigkeit ab 2014 zwischen Basel-Stadt und Basel- Landschaft – sähe Conti in der Freizü- gigkeit im ganzen Versorgungsraum sowie in gemeinsamen Strukturen. Die zweite Vision wäre dann die trinationale Gesundheitsregion, also der Ausbau in Richtung Südbaden und Südelsass, mit Freizügigkeit bei der Spitalwahl. Dafür brauche es entsprechende Regeln für die Übernahme der Grundkosten durch die Krankenkassen und die Politik, bei uns durch die Kantone. Zentralisti- sche Strukturen seien eher ungeeignet, erklärte Conti und verwies auf England. In England warten Patienten lange auf Termine für Wahlbehandlungen, dies ist bei der Schweizer Bevölkerung nicht gewollt. Föderale Strukturen eigneten sich besser, doch das Schweizer System mit 26 Kantonen und entsprechend un- terschiedlicher Planung sei auch nicht mehr zeitgemäss und schwerfällig. Carlo Conti sprach auch die Gesundheitswirt- schaft an – solcheVisionen sind nur mög- lich mit einer gut positionierten Medizi- nischen Fakultät an der Universität Basel mit einer guten klinischen Forschung am Standort Basel, der Kernstadt der Region. Beides sei eine wichtige Standortfrage. Das Gesundheitswesen sei nicht nur ein Kostenfaktor, sondern auch ein wichti- ger Standortfaktor. Conti wies noch da- rauf hin, dass das Gesundheitswesen in der Region Basel der grösste Arbeitgeber ist, noch vor der Pharma-Branche. Am 27./28. Juni 2013 werde das 2. Forum Gesundheitswirtschaft stattfinden. Die- ses zeige nicht die Kosten, sondern die Nutzen stiftenden Funktionen des Ge- sundheitswesens auf. Die Sicht des Bundes Lange standen dem grenzüberschreiten- den Gesundheitswesen Schranken im Weg, erklärte Andreas Faller, Vizedirek- tor im Bundesamt für Gesundheit (BAG). Diese Mauer sei heute erst zu einem ganz kleinen Teil eingerissen. Das Pilotprojekt Basel-Lörrach sei gut unterwegs, nur die Fallzahlen seien noch zu tief. Dieses Pro- jekt sei erst auf Druck aus der Nordwest- schweiz möglich geworden; bis heute gibt es überhaupt nur zwei solcher grenz- überschreitender Projekte: Das Pilotpro- jekt von Basel-Lörrach und ein weiteres zwischen St. Gallen und Liechtenstein. Das Problem sei, dass nicht einfach ver- schiedene Gesundheitssysteme einan- der «angedockt» werden können: Zuvor müsse die Rechtslage geklärt werden, dies vor allem hinsichtlich Freizügigkeit. Was die Schweiz betrifft, müsse das Ter- ritorialprinzip fallen. Nicht erwünscht sei Patiententourismus. «Und in der EU müssen justiziabel definierte Grenzre- gionen geschaffen werden, innerhalb derer dann volle Freizügigkeit herrschen soll», meinte Faller. Das könne noch eine Zeit lang dauern. Hinderlicher Kantönligeist ObwohldasKrankenversicherungsgesetz die Kantone zu regionaler Spitalplanung verpflichtet, bestehe hier noch Hand- lungsbedarf. Die Spitalversorgung nicht regional zu planen, sei gesetzeswidrig. Spitalplanung solle weiter föderalistisch strukturiert sein, der Kantönligeist stehe aber einer vernünftigen Entwicklung im Wege. Es brauche Gesundheitsregionen, die sich nicht an Staatszugehörigkeiten, sondern an räumlichen Realitäten ori- entieren. Es braucht eine gemeinsame Planung aber auch eine gemeinsame Verzichtplanung. Zudem seien die Pa- tientenströme sinnvoll zu steuern. Die Versorgungssysteme müssten komple- mentär zusammenwachsen. Faller emp- fahl, die bisherigen Pilotprojekte wei- terzuführen, die nötigen gesetzlichen Grundlagen in der Schweiz zu schaffen, den bilateralen Anschluss der Schweiz an die europäischen Patientenrichtli- nien anzustreben, ein Rahmenabkom- men mit Frankreich abzuschliessen, die Schweiz in den europäischen Datenaus- tausch einzubinden und die Zusammen- arbeit mit Deutschland und Österreich zu intensivieren. Life Science – wichtigste Branche Nirgendwo auf der Welt sei die Life- Sciences-Industrie für die regionale Wirtschaft so wichtig wie für die Re- gion Basel, erklärte Pascal Brennei- sen, Leiter Novartis Schweiz. Mit 19 % BIP-Anteil der Branche ist die Region global führend, insgesamt setzen sich über 900 Unternehmen in dieser Regi- on mit Life Sciences auseinander und mit 9,5 % jährlichem Wachstum nehme sie nachhaltig zu. Die Pharmaindustrie beschäftige in der Schweiz 38’989 Per- sonen, und jeder dieser Arbeitsplätze sichere 2,7 weitere. Damit seien über 100’000 Beschäftigte von vor- und nach- gelagerten Betrieben direkt von der Phar- maindustrie abhängig. Für Forschung und Entwicklung habe Novartis in den Jahren von 1997-2011 total 84 Milliarden Dollar ausgegeben. Andreas Faller Dr. Carlo Conti Pascal Brenneisen
  • 20. 20 UmdenStandortSchweizalsForschungs- standort für die Pharma zu stärken, sei ein Masterplan notwendig. Novar- tis bemühe sich, in Sachen klinischer Forschung auf dem internationalen Standard zu verbleiben, versicherte Brenneisen. Strahlenzentrum in Lörrach Das Basler Engagement mit dem Onko- logiezentrum beim Kreiskrankenhaus Lörrach sei ausgesprochen komplex, sagte schliesslich Unispitaldirektor Wer- ner Kübler, der das grenzübergreifende Projekt näher vorstellte. Das Univer- sitätsspital Basel baut im Garten des Kreiskrankenhauses Lörrach ein onkolo- gisches Zentrum. Betrieben werden soll es vom Universitätsspital in Zusammen- arbeit mit deutschen Ärzten. Bis das Projekt fliege, seien noch etli- che Herausforderungen zu überwinden. Die Motivation, über die Grenze zu ge- hen, sei medizinisch-wissenschaftlich begründet. Um eine bestimmte Disziplin gut auszuführen, brauche es eben auch eine bestimmte Anzahl Patienten. Im vorliegenden Fall sei es so gewesen, dass das Unispital 40 Prozent seiner Strah- lentherapie-Patienten im Raum Lörrach habe; ohne diesen Neubau in Lörrach, hätte man diese verlieren können. Den Schritt über die Grenze hätte das Unispi- tal auch angestrebt, wenn es nicht selb- ständig geworden wäre. Es habe auch Hindernisse und Erschwernisse gege- ben, berichtete Kübler. Insbesondere die unterschiedlichen Regulierungen in der Schweiz und in Deutschland seien eine echte Herausforderung gewesen. Podiumsdiskussion: Gesundheitswesen In der anschliessenden Podiumsdiskus- sion unter der Leitung der Publizistin und Dozentin Esther Girsberger war man sich einig, dass Grenzen überwun- den werden müssen. Dafür brauche es Gespräche zwischen allen Beteiligten. Die Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr, welche zur Podiumsrunde stiess, sah die unterschiedlichen Erwartungs- haltungen aller Beteiligten als grosse Schwierigkeit. Wir hätten unterschiedli- che Hüte an: Aus Sicht der Politik gälte es zu sparen; und die Versicherten we- niger Prämien bezahlen. Ist man dann aber selber Patient und brauche Hilfe, wollten wir alle die bestmöglichen Leis- tungen nutzen können – ohne Rücksicht auf die Kosten und ohne mehr dafür zu bezahlen. In der Schweiz sei das Gesund- heitswesen kantonal geregelt und somit könne einer dem anderen den Ball zu- schieben. In unserem Land hätten aber Pioniere eine grosse Chance, etwas zu verändern, man könne auch jederzeit Pilotprojekte starten. Was brauchen die Patienten wirklich? Carlo Conti erklärte, dass manche kan- tonale Strukturen noch nicht überwun- den seien. «Wir brauchen ein anderes Denken, wir müssen fragen, was die Patienten brauchen», forderte Conti. In den Köpfen der Bevölkerung sei das Ver- ständnis für Kooperationen weiter gedie- hen als in den Köpfen der Politiker und Leistungserbringer. «Wir bräuchten über die Grenzen hinaus gemeinsame Orga- nisationen im Gesundheitswesen», hielt Conti fest. Viele Entscheide im Schwei- zer Gesundheitswesen würden zudem nicht aus gesundheitspolitischen, son- dern aus finanzpolitischen Erwägungen heraus gefällt. Regionale Hindernisse überwinden Andreas Faller attestierte dem Kanton Basel-Stadt, verstanden zu haben, dass regional gedacht und geplant werden sollte. Auf der deutschen Seite stellte er «eher eine Abkühlung des Interesses» fest, von Frankreich her sei das Interesse hingegen wieder grösser als auch schon. Werner Kübler stellte fest, dass die Gren- zen überwunden werden müssen, da man sich in einem homogenen Markt einfacher positionieren und bewegen könne. «Wir müssen vermehrt aus der Sicht der Gesundheits-Konsumenten denken undVerbesserungen anstreben», verlangte Kübler. Es braucht eine Datenbasis Um vorwärts zu kommen, regte Pascal Brenneisen an, müsse die Datenbasis aktualisiert werden. «Uns fehlen heute die notwendigen aktuellen Zahlen und recherchierten Daten. Pro Spital und pro Kanton müsste man doch wissen, was wieviel kostet. Warum ist das nicht möglich?», fragte Brenneisen. Er empfahl zudem dringlich, dass alle Beteiligten an denselben Tisch sitzen und die Proble- me lösen sollten: «Denn angesichts von 64 Milliarden Franken Gesundheitskos- ten kann der Novartis die Entwicklung nicht egal sein». Bedeutung Messe- und Kulturwesens Zum Thema Messe- und Kulturplatz Ba- sel hielten metrobasel-Direktorin Regula Ruetz, Messe-CEO René Kamm und der Baselbieter Regierungsrat Isaac Reber Einführungsreferate. Die Messe sei Aus- hängeschildundDrehkreuzzugleich,Wirt- schaftundKulturbeeinflusstensichgegen- seitig, meinte Regula Ruetz. Dazu komme jüngst «als dritte Dimension» der Sport, vor allem mit Fussball und Tennis, das heisst dem FCB und den Swiss Indoors. Eine langjährige Verbundenheit Welche Bedeutung die Messe Schweiz fürs Baselbiet habe, erläuterte Regie- rungsrat Isaac Reber mit Anekdoten. Er ging auch auf das finanzielle Enga- gement seines Kantons ein: Heute hält Basel-Landschaft 7,8 Prozent der Aktien und ist damit hinter Basel-Stadt (33,5 Prozent) der zweitgrösste Aktionär. Die Muba im Frühling und die Herbstmes- se seien die beiden Messen, welche das breiteste Publikum ansprächen. Die emotionale Verbundenheit seines Kantons komme am besten mit der Geschichte des «Baselbieter Stübli» und des traditionellen Baselbieter Tags zum Ausdruck. Beim Messeausbau half das Baselbiet mit 20 Millionen Franken à fonds perdu so- Dr. Werner Kübler Regula Ruetz
  • 21. 21 wie rückzahlbaren Darlehen von insge- samt 65 Millionen. BAK Basel Economics habe die volkswirtschaftlichen Auswir- kungen des Messeplatzes auf den Kanton Basel-Landschaft untersucht. Die Eigen- und Gastmessen und weitere Veranstal- tungen der Messe Schweiz lösen jährlich direkte Ausgaben von 1,95 Milliarden Franken aus, wovon 185 Millionen auf Basel-Landschaft entfallen. Diese direk- ten Auswirkungen haben Folgeeffekte, namentlich profitieren Zulieferer- und Dienstleistungsbetriebe. Allein im Basel- biet würden wegen diesen Folgeeffekten rund 470 Millionen Franken umgesetzt. Die daraus resultierende Wertschöpfung beziffere BAK Basel Economics für Basel- Landschaft mit 210 Millionen Franken, was knapp 2’500 Vollstellen entspreche. Daraus ergeben sich Steuererträge von total 314 Millionen, davon entfallen 29 Millionen direkt auf Basel-Landschaft und dessen Gemeinden. Alles in allem profitiere Basel-Landschaft – «vom Bau- gewerbe bis zum Verkehr» – jährlich mit 890 Millionen Franken von den Aktivitä- ten der Messe. Eine grosse Ausstrahlung Der Begriff «Basel» gehe um die Welt. Der Messeplatz verleihe der Region eine ungeheure Strahlkraft, davon profitiere auch das Baselbiet. Auch wenn es sich lohne, in die Messe zu investieren, so sei das Engagement aber nicht nur monetär motiviert: Reber empfahl, gemeinsam im Boot zu bleiben, in die gleiche Richtung zu rudern und so diese Erfolgsgeschichte weiter zu führen. Messe Schweiz weltweit in Top-Liga Einen Überblick über die Messe und deren Aktivitäten gab schliesslich de- ren CEO René Kamm. Von weltweit 300 Leitmessen befinden sich deren vier in der Schweiz respektive drei in Basel (Baselworld, Art Basel, Worlddidac). Bezüglich Ausstellungsfläche liegt die Messe Schweiz auf dem 12. Platz welt- weit, bezüglich Umsatz auf Platz sechs. Grösser werden kann sie wegen ihrer Lage in der Stadt nicht, aber sie werde stetig und funktional verbessert. Die Messe Schweiz schaffe viele Arbeitsplät- ze und trage mit den grossen Messen zur Bekanntheit von Basel in der Welt bei. Provinziell oder Weltstadt? In der folgenden Podiumsdiskussion, wiederum geleitet von Esther Girsberger, drehte sich das Gespräch hautpsächlich um den Kulturplatz, um Sponsoring und um Vermarktung des Standortes. Touris- mus-Direktor Daniel Egloff plädierte für eine Grenzen übergreifende, gemein- same Vermarktung. Als Touristiker auf den Spagat zwischen Messe und Kultur angesprochen, erklärte Egloff, es sei eine grosse Chance, so breit aufgestellt sein zu dürfen. Die grosse Diversifikation sei hilfreich, eine breite Zielgruppe anspre- chen zu können. Trotzdem müsse man sich positionieren, sonst gehe man unter. Basel Tourismus bleibe beim Leitmotto «Culture unlimited». Beim Messetouris- mus ist aufgrund der seit Jahren 100 % Auslastung kaum zusätzlichesWachstum mehr möglich. Hingegen konnte mit at- traktiven Weekendpauschalen der Kul- turtourismus stimuliert werden. In den Fernmärkten Asien und Indien positio- nierte sich Basel die letzten Jahre erfolg- reich als Europa-Etappenreiseziel. Der Architekt Samuel Schultze attestierte Basel, gleichzeitig eine kulturelle Gross- stadt zu sein, aber den Charme einer provinziellen Kleinstadt zu haben. Lei- der würden die verschiedenen Kantons-, Landes- und sonstigen Grenzen entge- gen der Aussagen derVorredner doch die eine oder andere Entwicklung hindern. Grosse Stücke auf Basel hält Matthias Müller, der Präsident der AVO SESSION. Er empfiehlt, die Aktie Basel nicht nur zu halten, sondern zuzukaufen. «Basel ist so viel kleiner als andere, denoch gelingt es immer wieder, grosse Dinge zu schaffen, zum Beispiel das Basel Tattoo.» Müller riet, aufeinander zuzugehen und Gren- zen zu überwinden. Markus Muffler vom STIMMEN-Festival in Lörrach wünscht sich noch mehr Offenheit für Kooperati- onen im kulturellen Bereich und Daniel Egloff eine gemeinsame Vermarktung der Region Basel. Isaac Reber empfahl zudem, Neues nicht nur im Zentrum der Kernstadt realisieren zu wollen, sondern auch in der Peripherie, zum Beispiel im Nachbarkanton Basel-Landschaft. Podiumsdiskussion: René Kamm, Group CEO MCH Group; Samuel Schultze, Präsident des S AM; Daniel Egloff, Direktor Basel Tourismus; Isaac Reber, Regierungsrat BL; Matthias Müller, Präsident AVO SESSION Basel; Markus Muffler, Geschäftsführer Burghof Lörrach (von links nach rechts) Isaac Reber René Kamm
  • 22. Lore Ipsum seliredes MCH Group Global Live Marketing MCH Messen MCH Infrastruktur MCH Event Services www.mch-group.com www.messe.ch MCH_ad_200x143_d_ch.indd 1 16.11.12 14:45 04.12.12 ALONZO KING LINES BALLET 30./31.12.12 COMPAGNIE AKOREACRO 05.01.13 MOTHER AFRICA 12.01.13 COMPAGNIE BODECKER & NEANDER 30.01.13 SWR SINFONIEORCHESTER BADEN-BADEN UND FREIBURG 03.02.13 THE TEN TENORS 28.02.–02.03.13 BETWEEN THE BEATS FESTIVAL INDIE, POP & ROCK ABSEITS DES MAINSTREAM 13.03.13 ADRIAN BRENDEL (VIOLONCELLO) & KIT ARMSTRONG (KLAVIER) 18.03.13 FAMILIE FLÖZ 22.03.13 GAUTHIER DANCE COMPANY 29.03.13 A FILETTA 10.04.13 JUNIOR BALLETT ZÜRICH 13.04.13 NILS MÖNKEMEYER & FRIENDS 19.04.13 BASEL SINFONIETTA: PANZERKREUZER POTEMKIN 25.04.13 FREIBURGER BAROCKORCHESTER & ANDREAS STAIER (CEMBALO) 05.06.13 DEE DEE BRIDGEWATER 04.07.–28.07.13 20. STIMMEN-FESTIVAL für weitere Informationen besuchen Sie uns im Internet unter www.burghof.com und www.stimmen.com Kartenhaus im Burghof: Tel +49 (0) 76 21- 940 89 -11/12 SAISON 2012/2013 DeeDeeBridgewateram05.06.13imBurghof Foto|MarkHigashino à bientôt. bis bald. COME AND GO Vorfreude oder Erwartung. Entspannung oder Erfolg. Starten oder ankommen. Von oder zu 90 Destinationen auf dieser Welt. Alles in Ruhe, in einer Atmosphäre der Grosszügigkeit und der kurzen Wege. EuroAirport. www.euroairport.com www.fly-euroairport.com Das beste Flugangebot auf einen Blick. Suchen. Buchen. Fliegen.
  • 23. 23 Messeplatz Basel, eine gemeinsame Verantwortung und Verpflichtung Die beiden Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt dürfen stolz sein auf eines ihrer ältesten gemeinsamen Projekte: die Messe Schweiz. Millionen Gäste aus der ganzen Welt besuchen jährlich die verschiedenen Fach- und Publikumsmessen hier am Rheinknie. Text: Isaac Reber, Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft Bis vor kurzem war das gute alte «Baselbieter Stübli» schlichtes Sinnbild der Verbundenheit des Baselbiets mit der Messe. Doch hinter diesem emoti- onalen Element steckt etwas viel Tief- gründigeres: Kaum ein gemeinsames Engagement der beiden Basel hat eine längere Tradition als jenes in Sachen Messe. Der Kanton Basel-Landschaft war von allem Anfang an signifikant beteiligt –seit1920wirddiesePartnerschaftgelebt. Die Messe, «d Muschtermäss» wie es im Volksmund da und dort noch heisst, stellt für beide Basler Kantone ein ver- bindendes Element dar. Der Stellen- wert des Messeplatzes ist nach wie vor sehr hoch. Dies zeigt sich auch bei der Abstimmung im Jahr 2008, bei der eine deutliche Mehrheit im Landkanton dem Beitrag von insgesamt 85 Millionen Franken für den Neubau zugestimmt hat. Die Bedeutung der Messe für die Baselbieter Bevölkerung erschöpft sich tatsächlich auch keineswegs auf die Gra- tis-Müsterchen, die an der MUBA in die Taschen gesteckt werden können. Das Baselbiet ist sich sehr wohl auch be- wusst, welche volkswirtschaftlichen Aus- wirkungen der Messeplatz Basel auf die gesamte Region hat. Die Messe Schweiz bringt jedes Jahr rund 14’300 Aussteller und 1,7 Mio Besucher nach Basel und Zürich. Messen bewegen Leute. Und Menschen geben an Messen Geld aus. Dies betrifft sowohl die Aussteller als auch die Besucher. Sie generieren nicht nur Umsätze bei den direkt involvierten Wirtschaftszweigen, wie zum Beispiel dem Gastgewerbe, der Hotellerie, dem Detailhandel oder dem Standbau, son- dern auch bei deren Zulieferern. Und dadurch schaffen sie viele Arbeitsplätze. Schaufenster für die Region Basel Wer schon einmal während einer der grossen Messen wie zum Beispiel der BaselWorld, der Art Basel oder derWorld- didac vergeblich ein Hotelzimmer ge- sucht hat, kann sich ansatzweise vorstel- len, welche Bedeutung den Weltmessen für die Region Basel beigemessen wird. Die Eigen- und Gastmessen sowie die weiteren Veranstaltungen der Messe Schweiz lösen jährlich direkte Ausga- ben von 1.95 Mia. Franken aus. Alleine der Kanton Basel-Landschaft, vom Bau- gewerbe bis zumVerkehr, profitiert jedes Jahr in der Grössenordnung von rund 890 Mio. Franken. Nicht zu vergessen sind dabei eine grosse Anzahl an Arbeitsplät- zen und Steuererträgen in beiden Kanto- nen, die direkt und indirekt von der Mes- se generiert werden. Die wirtschaftliche Bedeutung der Messe Schweiz lässt sich auch daran erkennen, dass die durch die Ausgaben der (Messe-)Aussteller und -Besucher generierte Wertschöp- fung von gut 1,8 Mia. Franken und die damit verbundenen rund 22’000 Stellen knapp ein halbes Prozent der schweize- rischen Volkswirtschaft ausmachen. Da- mit ist der Messeplatz Basel eine gemein- same Verantwortung und Verpflichtung der beiden Kantone.Wenn internationa- le Messen stattfinden, berichten Medien weltweit darüber. Die Stadt Basel wird dann zum Schau- fenster für alle – der Name «Basel» geht um dieWelt. Es ist ein Engagement in die Region, eine Investition in eine gemein- same Zukunft. Der Messeplatz Basel ist eines von vielen Sinnbildern, nebst dem gemeinsamen Universitätskinderspital, den heutigen Schweizerischen Rhein- häfen, der Fachhochschule Nordwest- schweiz (FHNW) oder der Universität, welches für das gute Einvernehmen zwi- schen den Kantonen Basel-Landschaft und Basel-Stadt steht. Und genau diese Erfolgsgeschichte gilt es fortzusetzen, zum Beispiel mit einem gemeinsamen Engagement für einen Standort des Inno- vationsparks Schweiz in unserer Region! Die Neubau-Baustelle während der Herbstmesse – Ende Januar werden die Bauarbeiten abgeschlossen sein.
  • 24. 24 In der Champions League der internationalen Messeplätze Der Neubau der Messe Basel ist ein markanter Meilenstein in der langen Geschichte des Messeplatzes Basel. Mit ihm werden die Voraussetzungen geschaffen, dass die Weltmesse für Uhren und Schmuck BASELWORLD weiterhin in Basel stattfindet und der Messeplatz Basel seine grosse internationale Ausstrahlung stärken kann. Davon profitiert die ganze Region. Text: Christian Jecker, MCH Group AG Als im Frühjahr 2006 die ersten Pläne für den Neubau der Messe Basel der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, zwei- felten viele daran, dass dieses Projekt jemalsrealisiertwerdenwürde.Dochnun ist es bald so weit: Angang Februar 2013 werden die Bauarbeiten abgeschlossen sein, und im April 2013 wird der Neu- bau anlässlich der Weltmesse für Uhren und Schmuck BASELWORLD 2013 eingeweiht. Der vom international renommierten Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron entworfene Neubau läutet ein neues Zeitalter in der Geschichte des Messeplatzes Basel ein. Der neue, sich zweigeschossig über den Messeplatz spannende Hallenkomplex verbindet in geradezu perfekter Weise Funktiona- lität und Ästhetik. Die gesteigerte Kom- paktheit des Geländes, das sich nun mit grossen zusammenhängenden Ausstel- lungsflächen präsentiert, erlaubt eine wesentlich flexiblere Bewirtschaftung. Durch diese Kompaktheit sowie die Überbauung des Messeplatzes wird auch der Komfort für die Besucherinnen und Besucher markant verbessert. Gleichzeitig wird der neue Komplex eine beeindruckende architektonische Visitenkarte abgeben. Mit einer leich- ten Verschiebung der Geschosse, der Verdrehung der Fassaden sowie einer lamellenartigen Fassadengestaltung ge- lingt es den Architekten, eine lebendige Beziehung zu umliegenden Städteräu- men zu schaffen. Der überbaute Teil des Messeplatzes mit dem grossen Lichthof – die so genannte «City Lounge» – wird mit seinen öffentlichen Drittnutzungen zu einem neuen, anziehenden Zentrum des Messegeländes und des gesamten Quartiers. Die Messe Basel wird künftig über eine Bruttoausstellungsfläche von 141’000 m2 verfügen.Dassindzwarrund20’000m2 we- niger als vorher, aber es wird mehr Flä- che für mehrstöckige Standbauten zur Verfügung stehen. Mehr Qualität statt Quantität also – und zwar eine Qualität, welche sich insbesondere an der welt- weit führenden BASELWORLD misst. Tatsächlich steht hinter dem gesamten Projekt der Wille, die Weltmesse für Uh- ren und Schmuck auch in Zukunft in Basel durchführen zu können, und dem- entsprechend massgebend waren auch die damit verbundenen Anforderungen. Mit Gesamtkosten von CHF 430 Mio. ist der Neubau der Messe Basel die grösste Investition in der Geschichte des Messe- wesens in der Schweiz. Das ist ein deut- liches Bekenntnis der aus der Messe Ba- sel hervorgegangenen MCH Group zum internationalen Messestandort Basel. Umgekehrt hat auch die Öffentlichkeit ein klares Bekenntnis zu «ihrer» Messe abgegeben. 2008 hat die Stimmbevöl- kerung der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft mit jeweils über 61 Prozent Ja-Stimmen den notwendigen Investitionsbeihilfen der öffentlichen Hand zugestimmt. Diese Unterstützung macht sich auf Grund der grossen volks- wirtschaftlichen Effekte, welche die Ver- anstaltungen auf dem Messeplatz Basel auslösen, durchaus auch für die Öffent- lichkeit bezahlt. Messen, Kongresse und weitere Events initiieren auf Grund der so genannten «Umwegrentabilität» grosse volkswirt- schaftliche Effekte. Bei Messen zum Bei- spiel fliessen nur etwa 20 bis 25 Prozent der Ausgaben der Aussteller in die Kas- se des Messeveranstalters. Die übrigen Ausgaben kommen verschiedenen Zu- lieferern und Dienstleistern zu gute, un- ter anderem den Standbaufirmen, den Visualisierung des neuen Hallenkomplexes von Herzog & de Meuron
  • 25. 25 Hotels und Restaurants, denVerkehrsbe- trieben und dem Detailhandel. Rechnet man die Ergebnisse einer Studie der BAK Basel auf die aktuellen Kenn- zahlen des Messe- und Kongressbetriebs hoch, so werden allein in der Region Basel durch die Veranstaltungen auf dem Messeplatz insgesamt – das heisst, inklusive Folgeeffekte – jährlich Umsätze von CHF 3’500 Mio. ausgelöst. Daraus ergibt sich eine Wertschöpfung von jährlich CHF 1’600 Mio., was 17’500 Arbeitsplätzen entspricht. Schliesslich fallen daraus für die Kantone und Ge- meinden Steuereinahmen von jährlich CHF 120 Mio. an. Keine andere Stadt auf der Welt darf sich rühmen, Durchführungsort der wich- tigstenVeranstaltungen in den Bereichen Uhren und Schmuck sowie Kunst zu sein. Die indirekten Impulse, die mit der da- mit verbundenen internationalen Aus- strahlung des Standortes Basel ausge- hen, lassen sich nicht beziffern. Klar ist: Messen wie die BASELWORLD und die Art Basel bringen gleichsam die ganze MCH Group In den letzten zehn Jahren hat die 1917 als Schweizer Mustermesse ins Leben gerufene Messe Basel eine dynamische Unternehmensentwicklung vollzogen: Sie erweiterte schrittweise ihre Geschäftstätigkeit und ist zu einer führenden, internationalen Live-Marketing-Unternehmensgruppe geworden. Begonnen hat diese Entwicklung mit der Fusion der Messe Basel und der Messe Zürich und dem gleichzeitigen Börsengang der damals gegründeten Messe Schweiz, die 2009 in die heutige MCH Group umfirmiert worden ist. Seit 2010 gehört auch die Betreibergesellschaft des Messe- und Kongressplatzes Lausanne – die MCH Beaulieu Lausanne – zur Unternehmensgruppe. 1995 hat die Unternehmensgruppe mit dem Aufbau des neuen Geschäftsfeldes Event Services ihre Geschäfts- aktivitäten über das eigentliche Messegeschäft hinaus erweitert. Mit der Akquisition der Firmen Winkler Multi Media Events (Veranstaltungstechnik), Expomobilia (Standbau und Einrichtungen) und Rufener Events (Event Management) bietet die MCH Group heute umfassende Dienstleistungen im gesamten nationalen und internationalen Messe- und Eventmarkt. Das Messeportfolio der MCH Group zählt heute rund 95 Eigen- und Gastmessen. In Basel finden jedes Jahr etwa 25 Messen mit rund 7‘000 ausstellenden Firmen und gegen eine Million Besuchern statt. Die MCH Group zählt rund 620 festangestellte Mitarbeiter/innen. Die Unternehmensgruppe erzielte 2011 einen Umsatz von 324 Mio. Franken und einen Gruppengewinn von 20 Mio. Franken Sie zählt damit umsatzmässig weltweit zu den zehn grössten Messegesellschaften. Welt nach Basel und tragen den Namen Basel in die ganze Welt hinaus – letzte- res gilt natürlich auch für die Art Basel in Miami Beach und neu auch in Hong- kong. Allein bei der BASELWORD kom- men rund 1’400 der 1’800 ausstellenden Firmen sowie 75’000 der über 100’000 Besucher aus dem Ausland. Hinzu kom- men über 3’000 Medienschaffende aus über 70 Ländern. Die Weltmesse für Uhren und Schmuck BASELWORLD wird sich 2013 völlig neu präsentieren.
  • 26. 26 Musikproduktion «Blaue Stunde» von Balthasar Streiff im Römischen Theater in Augusta Raurica Vier Leitmotive für eine zeitgemässe Baselbieter Kulturpolitik Partnerschaftlich - Pluralistisch - Profiliert - Positioniert. Basellandschaftliche Kulturpolitik macht nicht dicht, sondern öffnet sich gegenüber der Welt, den Anderen, den Hiesigen und kreiert damit zeitgemässes Selbstbewusstsein ohne Anmassung oder Heimattümelei. Text: Niggi Ullrich, Leiter kulturelles.bl Wer möchte glaubhaft bestreiten – und vor allem mit welchen Argumenten – dass Kultur (mit und ohne Kunst) für eine Region keine oder allenfalls nur marginale Bedeutung hat. Das ist im «Ba- selbiet» nicht anders als anderswo in der Schweiz auch. Auf welcher Ebene und in welchenParameternwäredaszumessen? Und wie laut wäre der Aufschrei, wenn... schwer zu sagen. Die Frage nach dem Stellenwert von Kulturpolitik im Span- nungs- und Handlungsfeld eines öffent- lichen Gemeinwesens ist eine andere. Aussagen im regierungsrätlichen neuen Leitbild «Wir leben unsereVision» (2012- 2022) des Kanton Basel-Landschaft las- sen darauf schliessen, dass Kulturpolitik ein breites und ernst gemeintes Service Public-Handlungsfeld ist. Da heisst es: «Gerade weil wir in einer Gesellschaft von Individuen leben, die sehr unter- schiedliche Lebensentwürfe haben, be- darf es der Basis einer gemeinsamen Kultur und Identität. Die Kulturpolitik leistet dazu einen wichtigen Beitrag, indem sie Projekte unterstützt, die das Bewusstsein für die gemeinsamen Werte stärken. Dadurch erhöht sich letztlich die Lebensqualität und mit ihr die Standortattraktivität. Darüber hin- aus bildet die Kultur eine geeignete Plattform, um die Kohäsion der ver- schiedenen Regionen des Kantons zu verbessern.» UndwielässtsichdieserAnspruchglaub- haft verkörpern oder messen? An der Anzahl Musikvereine oder Ortsmuse- en landauf landab? Am Buch- und Me- dienangebot in der Kantonsbibliothek? Oder vielleicht an der Höhe der Basel- bieter Subvention in Franken und Rap- pen ans Theater Basel? Schwer zu sagen. Nur ganz Unbedarfte wissen oder be- haupten«es»zuwissen.MitderBeschwö- rung von Folklore, Volksnähe oder der Auflistung von Einschaltquoten von da und dort lässt sich nicht argumentieren. Der breit angelegte Kulturleitbildpro- zess im Baselbiet (seit Mai 2011) ist nicht abgeschlossen, aber (gut) unterwegs. Es zeichnet sich das Bild eines Kantons, der sowohl qualitativ als auch quanti- tativ eine Kulturpolitik betreibt, die in allen bekannten Handlungsfeldern aktiv und einigermassen à jour ist. In jedem Fall über dem freundeidgenössischen Durchschnitt. Da und dort mit der Zeit, anderweitig mit einigen Defiziten. In jedem Fall aber mit jenem Ansatz, der seiner Gründergeschichte und -energie gerecht wird. Der Kanton Basel-Landschaft orientiert seine bisherige und zukünftige Kultur- politik an den Werten des «service pub- lic» für den «citoyen public» und macht sie damit zur «res publica» - zu einer öffentlichen Leistung für die Bürger und Bürgerinnen als öffentliche Angele- genheit. Das gilt auch, wenn Kunst und Kultur selbstredend immer aus privater Initiative und Phantasie hervorgehen. Erst in der Öffentlichkeit aber – also im Diskurs, in der Kritik, mit dem Beifall - können sich Kunst und Kultur behaupten und entfalten und werden damit zum Massstab für den Auftrag der öffentlichen Hand, Kultur- pflege und -förderung als selbstver- ständliches und gesetzlich legitimiertes Handlungsfeld zu begreifen. Im Baselbiet muss es unterschiedlichs- te öffentliche Orte geben, in denen Risiko und Unabhängigkeit garantiert sind und damit erst recht zu werden. In der Gründerzeit des Landkantons (1832) war diese Art von Offenheit eine ausgesprochene Tugend. Nur wer ein offenes Haus pflegt, wird ander- norts eingeladen. Wer nur für sich schaut, bleibt nur daheim.
  • 27. 27 Kulturelle Strahlkraft über Grenzen hinweg Das Kulturprogramm in Lörrach mit Burghof und STIMMEN-Festival hält ausnahmslos jedem Vergleich mit großstädtischen Einrichtungen Stand und begeistert das Publikum der trinationalen Region. Text: Gudrun Heute-Bluhm, Oberbürgermeisterin der Stadt Lörrach Das internationale STIMMEN-Festival geht 2013 in seine zwanzigste Ausgabe. Beheimatet und fest verankert in Lörrach hat es sich im Laufe seiner Geschichte zu einem wahrhaft grenzüberschreitenden Festival entwickelt. Auf dem Lörracher Marktplatz treffen sich jedes Jahr immer wieder Musikfans, um Stars wie Bob Dylan, NeilYoung, Pink oder Lenny Kravitz hautnah in einer ganz besonderen Atmosphäre zu erleben. Seit vielen Jahren kooperiert das Festival mit unseren Nachbarn in der Schweiz und Frankreich und ist so eine zentrale Säule des trinationalen Kulturangebotes. Spiel- orte wie der Wenkenpark in Riehen oder das Theater Augusta Raurica sind seit einigen Jahren feste Bezugspunkte des Festivals geworden und setzen zum Teil mit Uraufführungen und Grossproduk- tionen besondere Festival-Akzente. Der Burghof in Lörrach ist seit seiner Fertigstellung im Jahre 1998 als zentraler Bestandteil des kulturellen Lebens in der Metropolregion etabliert und hat sich zu einem international renommierten Kul- tur- und Veranstaltungszentrum entwi- ckelt. Der Spielplan zeigt internationale Topqualität im Modernen Tanz oder in der klassischen Vokalmusik und koope- riert dabei immer wieder bei grenzüber- schreitenden Projekten wie beispiels- weise die Literaturreihe Wintergäste mit kulturelles.bl oder dem Festival Cultu- rescapes. Mit einem Anteil von 30 Pro- zent honoriert das Basler Publikum bei STIMMEN und dem Burghof-Programm den hohen kulturellen Anspruch und die Bedeutung des Kulturzentrums Burghof im grenzüberschreitenden Leben. Gudrun Heute-Bluhm Oberbürgermeisterin der Stadt Lörrach STIMMEN Konzert in der Augusta Raurica
  • 28. 28 Theater Basel, das grösste Dreispartenhaus der Schweiz vereint Oper, Ballett und Schauspiel. Stärkung und Ausbau der Performing Arts durch gut vernetzte Kulturplattform Als grösstes Dreispartenhaus der Schweiz erfüllt das Theater Basel seinen gesellschaftlichen Auftrag als Leitinstitution für Oper, Ballett und Schauspiel, vernetzt sich gewinnbringend mit Partnern und vereint unter seinem Dach eine Vielfalt künstlerischer Handschriften und Visionen. Text: Georges Delnon, Direktor Theater Basel Das Messe- und Kulturwesen hat als du- ales System in der Geschichte von Basel eine grosse Tradition. Dies sowohl im merkantilen als auch im humanistischen Sinne. Besondere Köpfe und Denker, Philosophen mit einer grossen geisti- gen Potenz einerseits sowie Pragmatiker, Ökonomen, Händler andererseits waren am Standort Basels seit jeher vertreten. Dadurch entstand in der Region Basel ein Klima, das der Stadt diese beson- dere Entwicklung und Energie ermög- lichte. Sichtbare Zeugen sind das Bas- ler Münster, die Universität, die selbst heute noch einmalige Museumsdichte und –vielfalt in Basel. Auch die Wurzeln der Buchdruckkunst gehen auf Basel zurück. Heute noch ist Basel in der Schweiz und der Welt eine starke Wirt- schaftsmetropole mit der Messe Schweiz als Aushängschild und Drehkreuz. Basel ist nach wie vor ein kulturelles und geistiges Zentrum Europas. Interessant wird es dort, wo diese beiden Bereiche sich gegenseitig berühren und im Sinne eines Mehrwerts beeinflussen. Zum Beispiel im Mäzenatentum: Wirt- schaft braucht diesen geistigen Nährbo- den und schmückt sich mit Kunst. Und Kultur und Geisteswissenschaften brau- chen die Mäzene, um weiter forschen und gedeihen zu können. Man könnte gut unter sich bleiben, aber das Ganze bekäme dann doch einen ge- waltig elitären Touch. Deshalb braucht es noch was anderes, zum Beispiel den Sport. In Basel ist dies der Fussball mit dem FCB und das Tennis mit den Swiss Indoors, die beide als positives Identi- tätsangebot für eine breite Masse von Fans genutzt wird. Insofern hat der Sport eine zentrale Bedeutung bekom- men – auch als Imageträger einer er- folgreichen Region. Basel ist top, wenn es da investiert, wo Basel schon top ist. Man sollte versuchen, möglichst nicht zu breit zu streuen, zu verteilt zu sein. Kein Giesskannenprinzip, sondern bewusst Schwerpunkte setzen. Die Bereiche, in denen man top ist, gilt es nach innen und natürlich möglichst nach aussen optimal bekannt zu machen und zu vermarkten! Aus meiner Sicht bräuchte es für die Performing Arts in Basel eine hoch- karätige Ausbildungsstätte, die beispiels- weise an die Musikakademie angeschlos- sen sein könnte mit einem direkten Link zur Fachhochschule und zur Universität. Es sind in diesen Institutionen schon so viele hochkarätige Basisangebote vor- handen, dass die fehlenden Elemente für eine solche Ausbildung gar nicht mehr so kostspielig wären. Kulturin- stitutionen wie das Theater, die Kaserne und viele andere mehr in der Region, könnten gleichermassen davon profitie- ren – es würde die Stadt und die Region Basel noch lebendiger machen. Gerade dieses Kreativ-Biotop, das durch solche Ausbildungsstätten – und dabei denke ich auch an die Architekturstudenten – entsteht, ist für Basel existenziell wichtig und attraktiv. Die Stadt, die Region und eine gemein- same Öffentlichkeit könnten Projekte zusätzlich fördern, die unterschiedli- che Institutionen gemeinsam angehen. Sparten- und disziplinübergreifend und letztlich zur Stärkung eines Drei-Länder- Kulturstandorts Oberrhein mit einer gut vernetzten Kulturplattform und einem starken, selbstbewussten Basel Enga- gement! Einen ersten Schritt in diese ©Foto:MoritzWeisskopf
  • 29. 29 Georges Delnon, Direktor Theater Basel Richtung hat das internetbasierte kultu- relle Medienprojekt SZENIK mit 18 Pro- jektpartnern aus Basel, Freiburg, Offen- burg und Strassburg getan. Unter www.szenik.eu hat die Öffentlich- keit ein «Referenzportal für die Darstel- lenden Künste in der Oberrheinregion», wie der Projektträger, die «Association Europe Culture Citoyenneté» mit Sitz in Strassburg, das Ergebnis der Zusammen- arbeit von 18 kulturschaffenden Institu- tionen des Oberrheins beschreibt. Einfacher ausgedrückt: Über die «Szenik»- Homepage werden künf- tig Kulturinteressierte Filmsequenzen – Live-Streams aus Theaterhäusern, Konzertsälen und sonstigen Auffüh- rungsstätten in Basel, Freiburg, Of- fenburg und Strassburg – aufrufen können, um sich selbst ein Bild von einem Konzert bzw. einer Vorstellung zu machen. Nicht das Urteil von Kul- turkritikern oder die Intensität einer Anzeigenserie entscheidet künftig über die Attraktivität einer Aufführung, son- dern der persönliche Eindruck der Interessenten. Für mich ist es ein ers- tes Schlüsselprojekt der Säule «Kultur» der trinationalen Metropolregion. Das Theater Basel bietet in der trinationalen Metropolregion ein gleichsam breites wie anspruchsvolles Spielprogramm in Oper, Schauspiel und Ballett, hin- zu kommt das Kinder- und Jugendan- gebot. In den Sparten Schauspiel und Musiktheater ist das Theater Basel auf die PflegevonKlassikernundtraditionel- len Werken ebenso bedacht wie auf die Präsentation von zeitgenössischen Dramen und modernem Musiktheater. Uraufführungen und deutschsprachige sowie Schweizer Erstaufführungen ste- hen dabei für einen abwechslungsrei- chen und spannenden Spielplan. Ebenso wird Raum für experimentelle Projekte aller Sparten sowie der Förde- rung des Nachwuchses gegeben.Theater mit lokaler Verankerung und überregio- naler Ausstrahlung, lebendig, traditions- bewusst und zugleich innovativ. «Als grösstes Dreispartenhaus der Schweiz erfüllt das Theater Basel sei- nen gesellschaftlichen Auftrag als Leit- institution für Oper, Ballett und Schau- spiel, vernetzt sich gewinnbringend mit verschiedensten Partnern und vereint unter seinem Dach eine Vielfalt künst- lerischer Handschriften und Visionen. Aufbauend auf der Tradition grosser Namen, Ensemblequalität und Innova- tionsfähigkeit will das Theater Basel in Zukunft eine klare Erkennbarkeit und gesellschaftliche Relevanz haben und ein breites Publikum binden. In einer international geprägten Industrie und Forschungsstadt gehört das Theater Basel innerhalb des reichen Kulturange- bots zu den Top Five Players.» Wir danken der Basler Zei- tung BaZ, der Baselland- schaftschaftlichen Zeitung bz und Swissprinters AG für ihre Unterstützung. Dank diesen Organisationen und Firmen war es uns möglich, den me- trobasel report an so viele Haushalte zu verteilen. Insbesondere danken wir Brenntag Schweizerhall AG für ihre Unterstützung. Die Novartis InternationalAG trat als Sponsor des «metrobasel forum 2012» auf. Auch ihnen gebührt ein grosses Danke- schön. ©Foto:NinaUrban
  • 30. 30 Kulturregion Basel: Leitbild für eine Zukunft in höchster Vielfalt und Qualität Städte sind Orte von Tradition, Innovation und kultureller Vielfalt. Die Region Basel ist ohne seine grossartigen Kulturangebote undenkbar, denn Kultur und Kunst sind wesentliche Ursachen ihrer erfolgreichen Entwicklung und internationalen Ausstrahlung. Text: Philippe Bischof, Leiter Abteilung Kultur, Präsidialdepartement Basel-Stadt Bice Curiger, renommierte Kuratorin und Direktorin der Biennale Venedig 2011, hat kürzlich in der NZZ eine schmeichel- hafte Aussage gemacht: «Basel ist defini- tiv die Kulturstadt – wenn die Schweiz überhaupt eine hat, dann ist sie es.» Eine solche Aussage freut die Kulturverant- wortlichen des Kantons und verpflich- tet sie zu wacher Aufmerksamkeit und Verantwortung gegenüber dem Schatz, der ihnen anvertraut ist. In hohem Be- wusstsein für den Kulturreichtum der Region hat der Basler Regierungsrat im Frühjahr erstmals ein integrales Kultur- leitbild veröffentlicht. Dieses umfassende Dokument, das vom Grossen Rat sehr positiv aufgenommen worden ist, leistet einerseits eine Be- standsaufnahme und Wertschätzung der kulturellen Angebote, die in Basel auf eine jahrhundertelange Tradition zurückgehen und stets von grossem öf- fentlichem und privatem Engagement getragen wurden. Andererseits legt das Kulturleitbild die förderstrategischen Ziele bis 2017 fest und benennt elemen- tare Herausforderungen im Kulturbe- reich. Insgesamt ist das Kulturleitbild ein entschiedenes Bekenntnis zur Siche- rung und Entwicklung der grossartigen Vielfalt und Qualität der Kulturange- bote in Basel-Stadt, von der die lokale Bevölkerung ebenso profitiert wie die zahlreichen Gäste aus der Region und dem Ausland. Das politische Bekenntnis zur Kulturstadt wird auch auf finanzi- eller Ebene bestätigt: Im Budget 2012 macht der ordentliche Nettoaufwand für die Kulturförderung mit 119.9 Mio. Fran- ken etwa 4.9 % des gesamtstaatlichen ordentlichen Nettoaufwandes aus. Da- mit steht Basel bei den Pro-Kopf-Ausga- ben an der Schweizer Spitze, vergleich- bar mit Zürich und Genf. Der kulturelle Reichtum der Region trägt wesentlich zur Qualität des Lebens-, Arbeits- und Tourismus-Standortes Basel bei. Unter dem Label «Culture unlimited» wird da- her national wie international kommu- niziert, wofür Basel steht: Eine Stadt der Museen, Orchester und Festivals, Thea- ter undTanz, Jazz-, Rock- und Popmusik, reich an Bildender Kunst und Design, Li- teratur, Film und natürlich Architektur. Nicht zu vergessen die Volkskultur, ohne die Basel nicht zu denken ist. All dies mit internationaler Ausstrahlung, denn Basel versteht sich als kulturelles Zen- trum in einem trinationalen Umland, mit dem es in regem Austausch steht. Das Kulturleitbild sieht vor, die für den Standort bedeutenden Museen, mehr als 30 an der Zahl, die Orchester und zahl- reichen Festivals, das Theater Basel, die Kaserne und weitere Institutionen in ih- rem Bestand zu sichern und ihre Profile für die Zukunft zu stärken. Dabei geht es etwa darum, die Tradition der gro- ssen Sammlungen, die Bedeutung der Musikstadt und das Dreispartentheater konkurrenzfähig zu halten. Dafür wer- den grosse Investitionen getätigt: 2016 Philippe Bischof, Leiter Abteilung Kultur Präsidialdepartement Basel-Stadt. wird der Erweiterungsbau des Kunstmu- seums eröffnet, die Sanierung des Stadt- casinos wird zurzeit geplant. Eine be- sondere Herausforderung besteht darin, für diese Institutionen das Publikum der Zukunft zu suchen und zu bilden. Damit sind nicht nur junge Menschen aus der Region gemeint, sondern auch sämtliche Einwohner mit Migrationshintergrund, deren Präsenz in den kulturellen Institu- tionen deutlich verstärkt werden kann. Daher will der Kanton aktiv und breit Kultur vermitteln. Ebenso wichtig für die Lebendigkeit und die Attraktivität der Re- gion ist es, neben den grossen Institutio- nen neue kulturelle Bewegungen, junge Talente und zeitgenössische Formen der Kreativität zu unterstützen und diesen entsprechende Rahmenbedingungen zu ermöglichen. Innovative Nachwuchs- förderung und Vermittlungsarbeit sowie Verständnis für die Anliegen der Jugend sind zentrale Herausforderungen, de- nen der Kanton mit Offenheit und Fan- tasie begegnen will. Dass es dabei auch zu Spannungen und Widersprüchen zwischen der Jugend und Politik und Verwaltung kommen kann, liegt in der Natur der Sache und ist Teil der demo- kratischen Prozesse, die unsere Gesell- schaft prägen. Kultur und Kunst tragen insofern ihren wichtigen Teil dazu bei, dass auch die kommende Gesellschaft nach demokratischen Werten gestaltet wird: Offen und tolerant, vielfältig und dialogisch, streitbar und kreativ. Das Kulturleitbild Basel steht dafür ein, dass Kunst und Kultur ihren zentralen Ort in unserer Gesellschaft bewahren. Die Attraktivität der Region hat zahlrei- che Ursachen, die verschiedenen Künste und vielfältigen Kulturangebote sind ein entscheidendes Argument, Basel ins Herz zu schliessen und darin zu bewahren.
  • 31. 31 Hätten Sie vor 40 Jahren – also 1972 – gedacht, dass 2012 jedermann ein Handy besitzt und ständig mit seiner Umwelt online ist? Hätten Sie gedacht, dass Sie Informationen in Real Time im Internet holen werden, Tickets über Webseiten buchen, hauptsächlich per E-Mail kommunizieren und über Goog- le Earth Echtzeitbilder von Standorten in der ganzen Welt ansehen können? Hätten Sie gedacht, dass 2012 Herz- transplantationen Routineoperationen werden, Fenster gleich gut isolieren wie Mauern und Sonnenenergie für die Gewinnung von Wärme serienmässig genutzt wird? Wir brauchen Visionen Werfen wir einen Blick von 40 Jahren in die Zukunft, so begegnen wir schon Regula Ruetz, Direktorin und Delegierte metrobasel Vision 2050 Text: Regula Ruetz, Direktorin metrobasel heute vielen offenen Fragen: Welche Branchen und Unternehmen werden in vierzig Jahren die meisten Arbeits- kräfte in der Region beschäftigen und mit einer hohen Wertschöpfung zum Wohlstand der Region beitragen? Wel- che Arbeitsmodelle werden angestrebt? Wie begegnen wir den Herausforderun- gen einer immer älter werdenden Gesell- schaft?Wie gehen wir mit der Globalisie- rung und der Schnelllebigkeit um? Wie sieht unsere Energieversorgung aus, mit welchen Folgen für die Einzelnen? Wel- che technischen Fortschritte verändern unser Leben? Können wir das Modell von immer mehr, immer grösser und im- mer besser aufrechterhalten oder muss die kommende Generation ihre Ansprü- che massiv zurückschrauben? Wie sieht unsere Region im 2050 aus? Fragen zu räumlichen Aspekten aber auch zu soziologischen, zu Energie, Kultur, Lebensformen, Bildung und Suf- fizienz möchten wir mit dem metrobasel Projekt «Vision 2050» im nächsten Jahr nachgehen. Dafür haben sich einige der kreativsten Köpfe der Region, Politiker und Wirtschaftsführer zur Verfügung gestellt, diesen Visionsprozess von met- robasel zu begleiten. In Einzelgesprächen, Brainstormings und Workshops möchten wir gemeinsam eine Vision 2050 für unsere Region erarbeiten, welche am nächsten metrobasel forum 2013 präsentiert und diskutiert wird. Raumordnung 2035 Wo werden die Leute in unserer Region im 2035 wohnen und wo arbeiten, wie begegnen wir Pendlerströmen und wel- che Infrastrukturen braucht es dann? Diesen und ähnlichen Fragen gehen wir in einer Studie zur Raumentwicklung 2035 und den notwendigen Infrastruk- turen gemeinsam mit Partnern und Fachexperten nach. Sie basiert auf den Szenarien des zweiten Teils der metro- basel Masterstudie zur langfristigen Entwicklung von Beschäftigung und Bevölkerung in der Metropoli- tanregion Basel, welche im metro- basel economic report «Perspekti- ven 2035» zusammengefasst ist. Die Studie soll wiederum am metroba- sel economic forum im Juni 2013 vorgestellt und diskutiert werden. USPs und Clusters der Regionen Ebenfalls 2013 werden wir eine weite- re Doppelstudie zu USPs (Alleinstel- lungsmerkmalen) der Regionen und Clusters von exportorientierten Un- ternehmen in der Region in Auftrag geben.Diesemöchtenwirgemeinsammit Wirtschaftsförderungen und Gebiets- körperschaften aber auch mit unse- ren Partnern und Vertretern aus der Wirtschaft begleiten. Die Studie wer- den wir im Spätsommer 2013 an einem Anlass präsentieren. Werden Sie Mitglied von metrobasel Der Verein metrobasel als Plattform, Stimme und Akteur für die metropolitane Region Basel steht allen offen. Einwohnerinnen und Einwohner, Unternehmen,Verbände und Vereine, Gemeinden und weitere Gebietskörperschaften sind willkommen und können sich engagieren. Senden Sie uns eine E-Mail oder rufen Sie uns an.
  • 32. www.novartis.ch Bessere Arzneimittel dank Innovation Novartis will hochwertige medizinische Lösungen entdecken, entwickeln und bereitstellen und damit auf die sich wandelnden Bedürfnisse von Patienten und Gesellschaft auf der ganzen Welt eingehen. Wir sind überzeugt, dass unser vielfältiges Gesundheitsportfolio, unser Engagement für Innovation und unsere verantwortungsbewusste Vorgehensweise es uns ermöglichen, unsere Mission zu erfüllen: Krankheiten vorzubeugen und zu heilen, Leiden zu lindern und Lebens­ qualität zu verbessern. Novartis ist ein in über 140 Ländern tätiges und weltweit führendes Gesundheitsunternehmen, das in der Schweiz zu Hause ist.