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„Aktuell kann die GEMA ihre
                                  Unbeliebtheit wohl nur noch durch das
                                  öffentliche Ertränken von Katzenbabys
                                       vor der Geschäftsstelle steigern.“
                                                                  am 03.07.2012




                                        Medien gegen GEMA?
Eine Tarifreform wird zum PR-Desaster für den Musikrechteverwerter


           Oranienburger Str. 27 | 10117 Berlin-Mitte | Germany
                 www.blaetterwald.org | info@blaetterwald.org
                                                                                  1
                                                                   1
Die GEMA-Tarifreform

1.   Summary
2.   Hintergrund & Methodik
3.   GEMA-Tarifstreit




                      Demo-Aufruf von Cartoonist
                               Gerhard Seyfried


                                                       2
                                                   2
Summary
 62% der Meldungen in deutschen Leitmedien zur Tarifreform der         „Ganz Berlin hat einen Gegner: die
GEMA haben eine implizit oder explizit negative Tendenz.                Gema. Der Bürokratenhaufen aus der
                                                                        Zeit der Schellackplatte, der sich
 Über die Tarifreform hinaus wurde in 27% der Meldungen auch die       einschläfernd-harmlos >Gesellschaft für
innere Struktur der GEMA kritisiert.                                    musikalische Aufführungs- und
                                                                        mechanische Vervielfältigungsrechte<
 Von den 124 untersuchten Zitaten waren 86 negativ: 69% aller          nennt, geriert sich als gefräßiger
Akteure äußerten sich gegen die Tarifreform der GEMA. Clubbesitzer      Clubkiller.“                     30.06.12
wurden mit 53 Wortmeldungen am häufigsten zitiert und sprachen
sich zu 91% negativ im Bezug auf die Tarifreform aus. Auch unter
                                                                        „Die Gema, die bis in die kleinsten
Politikern war man sich parteiübergreifend einig: 28 der 31 zitierten
                                                                        Ritzen unseres von Musik beherrschten
Politiker traten mit negativen Statements zur GEMA-Tarifreform auf.
                                                                        Alltags vorgedrungen ist und in deren
                                                                        Kasse es praktisch andauernd klingelt,
 In 42% der untersuchten Meldungen tauchten die Argumente
                                                                        war bis vor kurzem eine Angelegenheit
beider Seiten auf, 45% der Artikel enthielten keine Argumente der
                                                                        für Profis, Buchhalter und Spezialisten.
GEMA, sondern ausschließlich die der Gegenseite. Lediglich 4% der
                                                                        Die nicht-komponierende Bevölkerung
Meldungen verzichteten auf Argumente gegen die Tarifreform.
                                                                        nahm von ihrem Wirken ähnlich Notiz
                                                                        wie von anderen Einrichtungen auch,
 In den untersuchten Imagedimensionen schnitt die GEMA
                                                                        deren Undurchschaubarkeit nicht das
durchweg eher negativ ab. So wurde die GEMA z. B. in 48% der Artikel
                                                                        Bedürfnis weckt, es sonderlich genau
als kulturzerstörend dargestellt, in 33% der Meldungen als ungerecht
                                                                        wissen zu wollen.“
und intransparent.
                                                                        26.06.12


                                                                                                                    3
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Die GEMA-Tarifreform

1.   Summary
2.   Hintergrund & Methodik
3.   GEMA-Tarifstreit




                                         4
                                     4
Hintergrund & Methodik (1)
Wenn an einem öffentlichen Ort in Deutschland urheberrechtlich geschützte Musik gespielt wird, steht die
Verwertungsgesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, kurz GEMA,
bereit, um Lizenzgebühren einzufordern, die sie an Musiker, Komponisten und Musikindustrie weiterleitet.
Natürlich nicht, ohne einen Anteil von 14% für die eigene Verwaltung abzuziehen.

Bisher hatten Diskotheken und Clubs Pauschalverträge mit der GEMA, doch diese laufen zum Jahresende 2012 aus.
Nach einem erfolglosen Einigungsversuch mit den Vertretern der Gaststätteninnung stellt die GEMA am 2. April
2012 eine neue Tarifstruktur für den Veranstaltungsbereich vor.

Die neuen Tarife sehen vor, dass…
       die bisher 10 Tarife auf 2 reduziert werden: Live-Musik oder
         Tonträgerwiedergabe,
       die Abgabe in Abhängigkeit von Raumgröße und Höhe des
         Eintrittsgelds berechnet wird,
       Der Pauschaltarif entfällt und Gebühren für jede einzelne
         Veranstaltung fällig werden,
       Zuschläge für Veranstaltungen erhoben werden, die länger als
         8 Stunden dauern.**



                                                                                      Hauptsitz der GEMA in Berlin

                                       *Bildquelle: www.wikipedia.de von Jivee Blau
                                       ** Die GEMA weißt uns in einer Mail vom 19.9.12 darauf hin, dass die
                                                                                                                     5
                                       Kosten auf 10% der tatsächlichen Eintrittseinnahmen inklusive aller
                                       Zuschläge gedeckelt sind.                                              5
Hintergrund & Methodik (2)
 Für diese Analyse angewendet wurde die Methode der quantitativen Inhaltsanalyse.
 Untersucht wurden 89 Meldungen in den Hauptausgaben deutscher Leitmedien (Print und Online).
 Untersuchungszeitraum sind die vier Monate nach Ankündigung der Tarifumstellung auf der GEMA-
Pressekonferenz am 29. März 2012.

Medienauswahl
In das Panel aufgenommen wurden die wichtigsten deutschen Leitmedien, deren Berichterstattungen aufgrund
ihrer Reichweite und Bedeutung überproportionalen Einfluss auf die öffentliche Debatte haben, und deren
Meldungen mithilfe digitaler Mediendatenbanken retrospektiv verfügbar sind.

Hinweis
Die vorliegende Studie entstand ohne Kundenauftrag.

Ausprägungsskala des Merkmals Tonalität
Die Tonalität sei explizit positiv, wenn die GEMA für ihr Handeln oder ihr Vorhaben gelobt wurde, implizit positiv,
wenn im Zusammenhang mit der GEMA positive Attribute genannt wurden oder generell eine eher positive
Grundeinstellung gegenüber der GEMA durchklang. Als explizit negativ wurde die Tonalität codiert, wenn über die
GEMA mit scharfer Kritik berichtet wurde und negative Begriffe auf sie bezogen wurden. Implizit negativ bedeutet,
dass im Zusammenhang mit der GEMA eher negativ konnotierte Begriffe verwendet wurden. Als ambivalent wurde
eine Meldung codiert, wenn der Konflikt betont wurde und Argumente beider Seiten zur Sprache kamen.
Besonders objektiv formulierte Faktenberichte ohne implizite oder explizite Tendenz wurden als neutral eingestuft.



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Hintergrund & Methodik (3)
Betrachtet wurden außerdem:
 die auftretenden Akteure, wobei jemand dann Akteur ist, wenn eine Person direkt oder indirekt zitiert wurde
und sich zur Tarifreform der GEMA äußerte (positiv, negativ oder neutral).
Hier wurde unterschieden zwischen folgenden GEMA-Sprecher und –Sprecherinnen:
           Künstlern, die ordentliches GEMA-Mitglied sind
           Künstlern, die außerordentliches oder nur angeschlossenes Mitglied sind
           Künstlern, die nicht der GEMA angehören
           Künstlern, dessen Position innerhalb der GEMA unklar ist
           Politikern
           Clubbetreibern, wozu alle zählen, die direkt von der Tarifreform betroffen sind wie Veranstalter,
           Barbesitzer sowie der Hotel und Gaststättenverband DEHOGA, der häufig im Namen der Clubs auftritt
           Konsumenten, also privaten Nutzern von Musik
           Dritte, wie Rechtsexperten und Anwälte
 die Argumente für und gegen die GEMA. Diese wurden in einer explorativen Vorstudie aus Pressemitteilungen
und Meldungen zum Tarifstreit aggregiert und überschneidungsfrei definiert.
 das Image der GEMA im Bezug auf ihre Gerechtigkeit und Transparenz, ihre Zeitgemäßheit, ihre Funktion als
Kulturschützer und ihrer Darstellung als gemeinnütziger Verein, der die Interessen der Künstler vertritt.




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Einbezogene Printmedien
               Financial Times Deutschland                     Meldungen
                                                               2

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
                 Zeit, Die                                 1
                     Welt, Die
                       Frankfurter Rundschau
             Welt am Sonntag
                                                                                                                               16
          tageszeitung, die taz
                                      Handelsblatt                 2
             Tagesspiegel, Der
                        Süddeutsche
         Süddeutsche Zeitung              Zeitung                                   5
                         Stern
                                  Der Tagesspiegel                                                         11
                  Spiegel, Der
                                                                                                                               Meldungen
                         Heise           Die Welt                               4
                 Handelsblatt
       Frankfurter Rundschau
                              Die Welt kompakt                                  4
Frankfurter Allgemeine Zeitung
            Welt am Sonntag überregional                           2
                         Focus
  Financial Times Deutschland             Die Zeit         1
                          BILD
                                                     0         2            4           6        8   10        12   14        16     18
                                  0              5                     10                   15            20             25
                                                                                                      Anzahl der Meldungen je Medium

                                                         * Hauptausgaben deutscher Leitmedien in
                                                         der Zeit vom 29.03.2012 bis 29.07.2012                                            8
                                                                                                                     8
Einbezogene Onlinemedien
               bild.de                                      Meldungen                                             5
               faz.net Die
                    Zeit,                    1
                     Welt, Die
             focus.de                                             2
             Welt am Sonntag

         fr-online.de taz
          tageszeitung, die                                                                                       5
             Tagesspiegel, Der
                ftd.de                       1
         Süddeutsche Zeitung
 handelsblatt.comStern                       1
                  Spiegel, Der
            heise.de                                                                                              5   Meldungen
                         Heise
              jetzt.de
                 Handelsblatt                                                       3
       Frankfurter Rundschau
             stern.de                                             2
Frankfurter Allgemeine Zeitung
                taz.de Focus                                                        3
  Financial Times Deutschland
              welt.de                                                               3
                         BILD
                           0     0       1       5            2   10            3   15           4 20          5 25          6
                                                                                                Anzahl der Meldungen je Medium

                                                     *Deutsche Leitmedien im Online-Bereich in der
                                                     Zeit vom 29.03.1012 bis 29.07.2012                                           9
                                                                                                              9
Die GEMA-Tarifreform

1.   Summary
2.   Hintergrund & Methodik
3.   GEMA-Tarifstreit




                                          10
                                     10
Anzahl der Meldungen
                                Meldungsaufkommen nach Tonalität
                       25        Mitgliederver-
                              sammlung der GEMA                         ambivalent
                                                                                              18%        12%
                       20                                               explizit
                                                                        negativ
                       15                                                                8%
                                                                        implizit
                                                                        negativ                               36%
                       10                                               implizit              26%
                                                                        positiv
                                                                                                                    (n=89)
                        5                                               neutral
                                                                                      ambivalent              explizit negativ
                                                                        (n=89)        implizit negativ        implizit positiv
                        0
                            14 16 18 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 Kalenderwochen     neutral

    Kurz nach der Vorstellung der neuen GEMA-Tarife war die Berichterstattung in den deutschen Leitmedien noch
    ausgeglichen: In der 14. KW stehen 3 neutrale oder leicht positive Meldungen 2 ambivalenten oder leicht negativen
    Meldungen gegenüber. Dieses Verhältnis kippt schon in der 16. KW und verschlechtert sich in den folgenden
    Wochen deutlich. Auf dem Höhepunkt der Berichterstattung, mit der GEMA-Mitgliederversammlung vom 25.-
    27.06.2012 in Berlin, sind in der 26. Kalenderwoche von 22 Artikeln 13 eher negativ, 4 neutral und 3 eher positiv. In
    der darauffolgenden Woche gibt es weder positive noch neutrale Meldungen. In insgesamt 62% der Meldungen
    wird mit explizit oder implizit negativer Tendenz über die GEMA berichtet. In nur 8% der Artikel wird sich für die
    GEMA-Tarifreform ausgesprochen.


                                                                                                                             11
                                                                                                         11
Argumente pro GEMA-Tarife
Folgende Argumente wurden genannt…
                                    Vereinfachung                                            16

                               mehr Gerechtigkeit                                          15

                        Entlastung für kleine Clubs                                                             25

            Preise waren vorher einfach zu günstig                                 11

                          Internationaler Standard                        8

Schutz von geistigem Eigentum/faire Bezahlung für                                        Anzahl genannter Argumente
                                                                               10
                     Musiker

                                                      0          5            10        15          20         25    30

Die am häufigsten aufgegriffenen Argumente der GEMA waren: Vereinfachung der Tariflandschaft, mehr
Gerechtigkeit, bisher zu niedrige Preise, Anpassung an internationale Standards, der Schutz von geistigem Eigentum
und eine faire Entlohnung für Künstler. Am häufigsten wurde das Argument der GEMA genannt, nachdem kleinere
Clubs durch die Reform entlastet würden: Dieses tauchte in 28% der untersuchten Meldungen auf.


                                                 * Analyseebene ist hier nicht der Artikel, sondern das
                                                 einzelne Argument, d.h. pro Artikel können mehrere                   12
                                                 Argumente vorkommen                                      12
Argumente contra GEMA-Tarife
Folgende Argumente wurden genannt…
                            Existenzgefährdung                                                                      63
         Steigende Preise für die Clubbesucher                      12
     Clubs sind Kulturgut/wichtig für Tourismus                    11
 Musikfolgen sind auf den Elektro-Bereich kaum…                       14
                    Ungerechte innere Struktur                                  24
               GEMA stellt Tatsachen falsch dar                    12
                                                                                          Anzahl genannter Argumente
                     Wegfall von Arbeitsplätzen           5
                                                  0           10           20        30      40      50        60        70

Ein überragender Anteil der Meldungen enthielt das Argument, dass die Tariferhöhung explizit existenzgefährdend
sei: 63 Mal und somit in 71% der untersuchten Meldungen zum Tarifstreit tauchte dieses Argument auf. Insgesamt
14 Mal wurde kritisiert, dass das Verlangen der sogenannten „Musikfolgen“ zum Nachweis, dass keine GEMA-
pflichtige Musik gespielt wurde, gerade für den Elektro-Bereich nicht umsetzbar ist. Das Angeben vor Klarnamen auf
der Musikfolge ist praktisch nicht möglich, da viele Platten unter „white labels“ veröffentlicht werden und der Name
des Künstlers zum Teil unbekannt ist.
Das Argument die GEMA habe eine ungerechte innere Struktur tauchte in 27% der Meldungen auf. Hier wurde
kritisiert, dass die GEMA nur ihre ordentlichen Mitglieder profitieren lasse, es zum Teil zu hohe Verwaltungskosten
gäbe und das Geld nicht voll bei den Künstlern ankommt. Dies zeigt insbesondere, dass es nicht nur um den
Tarifstreit geht, sondern die GEMA auch als Ganzes kritisiert wird und somit ein generelles Rechtfertigungsproblem
hat.

                                            * Analyseebene ist hier nicht der Artikel, sondern das
                                            einzelne Argument, d.h. pro Artikel können mehrere                            13
                                            Argumente vorkommen                                           13
Argumente der GEMA können sich nicht durchsetzen
   Ausschließlich Argumente der Gegenseite
   Ausschließlich Argumente der GEMA                                         bild.de          3
   keine Argumente genannt                                         Der Tagesspiegel                  7
   Argumente beider Seiten                                         Die Tageszeitung           3
                                                                            Die Welt    1
                                                                  Die Welt kompakt         2
                                                                    Financial Times…    1
                 42%            45%                                                  89 Meldungen
                                                             Frankfurter Allgemeine…    1
                                                                                      zum Thema
                                                             Frankfurter Rundschau     Tarifstreit       9
                                                                       fr-online.de        2
                       9% 4%                 (n=89)                    Handelsblatt     1
                                                                  handelsblatt.com      1
                                                                            heise.de    1
Lediglich in 4 Meldungen sind ausschließlich Argumente für                  jetzt.de    1
die GEMA-Tarifreform enthalten, 8 zitieren weder                            stern.de       2
Argumente der einen, noch der anderen Seite und in 37          Süddeutsche Zeitung         2
Artikeln werden beide Seiten beleuchtet. Die meisten der                      taz.de       2
untersuchten Artikel (40) argumentieren ausschließlich             Welt am Sonntag      1
gegen die Tarifreform. Das Balkendiagramm rechts zeigt, in
welchen Medien Meldungen erschienen, in denen keine                                 0   2    4   6    8 10
GEMA-Argumente aufgegriffen wurden.                                          Anzahl der Meldungen je Medium


                                                                                                         14
                                                                                            14
Einstellung der Akteure
        GEMA-Sprecher/in                      24
    Ordentliche Mitglieder 1
 Angeschlossene Mitglieder     3
          Nicht-Mitglieder 1 1
     GEMA-Position unklar 2 5                                                                           neutral
                   Politker 2 1                    28                                                   positiv
             Clubbetreiber     3 2                                   48                                 negativ
             Konsumenten 1 1
    Dritte(Rechtsvertreter,… 1
                            0            10             20            30         40          50
                                                                                       Anzahl der Zitate (n=124)

Clubbetreiber und ihre Interessensvertreter werden mit insgesamt 53 Statements am häufigsten zitiert. Am
zweithäufigsten mit 31 Statements kommen Politiker zu Wort. GEMA-Sprecher werden in den untersuchten Artikeln
24 Mal zitiert, erwartungsgemäß die Tarifreform verteidigend. Die Clubbetreiber äußern sich dagegen in 48
Statements negativ, dabei sind darunter auch Besitzer kleinerer Clubs, die laut GEMA von der Reform profitieren
sollen. Auch alle anderen Akteure wie Mitglieder, Nicht-Mitglieder, Politiker, Konsumenten, Rechtsexperten und
sonstige Künstler sprechen sich insgesamt 38 Mal gegen die Tarifreform aus und nur 3 Mal dafür. 90% der zitierten
Politiker (insgesamt 31 Statements) äußern sich negativ zur Tarifreform – und das unabhängig von ihrer
parteipolitischen Zugehörigkeit.

                                         *n=124, Codierung auf Zitateebene
                                                                                                                  15
                                                                                               15
GEMA - gerecht und transparent? (1)
                      Meldungen                                        GEMA ist eher gerecht & transparent
                      GEMA ist eher nicht gerecht & transparent        neutral/Argumente heben sich auf
                                                                                    24.07.2012: Einigung mit
Meldungen




            20                                                                        dem Karnevalsbund
            10
             0
                 14       16      18      21      22      23      24   25    26         27     28       29    30
                                                                                                     Kalenderwochen
  Am Anfang des Untersuchungszeitraumes wird die GEMA-Tarifreform            „Gema-Bezirksdirektor Lorenz Schmid
  eher als gerecht und transparent dargestellt: Die Medien nehmen die        warf am Freitag in München den
  von der GEMA emittierten Informationen neutral auf. Ab der 24. KW          Diskotheken-Inhabern eine >sture
  nimmt der Anteil der Meldungen zu, in denen die GEMA als deutlich          Verhandlungsverweigerung< vor. >Das
  ungerechter dargestellt wird. Höhepunkt ist die 26. KW: In 32,6% der       macht mich in gewisser Weise
  Meldungen wird GEMA als eher nicht gerecht & transparent eingestuft.       fassungslos<, sagte Schmid. Die
  Erst in der 30. KW, am Ende des Untersuchungszeitraumes, steigt die        Tarifeinigung mit dem Bund Deutscher
  Zahl der Meldungen, in denen die GEMA als eher gerecht und                 Karneval habe bewiesen, dass die
  transparent dargestellt wurde. Die Hälfte der Artikel in dieser Woche      Gema gesprächsbereit sei.“
  bezogen sich auf eine GEMA-Pressemitteilung, in der eine Einigung mit
  dem Karnevalsverband mitgeteilt wurde. In diesem Zusammenhang
  wurde die GEMA häufiger als verhandlungsbereit dargestellt.                28.07.12



                                                                                                                    18
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GEMA - gerecht und transparent? (2)
100%                                      Als eher gerecht und transparent wurde die GEMA z.B. dann
                                          dargestellt, wenn hervorgehoben wurde, dass die Reform eine
                          keine Aussage   deutliche Vereinfachung ist und für eine Umverteilung
90%
                                          zugunsten kleinerer Veranstalter sorgt: „Die Gema lichtet ihre
80%                                       Tarifstruktur und stellt Veranstalter von kleineren Musik-Events
            48,3                          besser.“                            03.04.12,
70%                       GEMA ist eher   oder wenn geschildert wurde, dass die GEMA versucht auf die
                          nicht gerecht   Clubbetreiber zuzugehen: „Im Streit um eine neue Tarifstruktur
60%                       & transparent   hat die Verwertungsgesellschaft Gema angekündigt, eine
50%                                       Einigung mit der Bundesvereinigung der Musikveranstalter
                                          anzustreben.“                     17.04.12
                          GEMA ist eher
40%                       gerecht &
            32,6                          In den Meldungen, in denen die GEMA als ungerecht beurteilt
                          transparent
30%                                       wurde, wurde genau das Gegenteil behauptet: „Zur
                                          Überlebensfähigkeit der Berliner Clublandschaft gehören ein
20%                       neutral/Argum   fairer Umgang und faire Rahmenbedingungen. Dazu gehört,
             9            ente heben      dass ein Verein mit einer Monopolstellung wie die Gema sich
10%                       sich auf        an Regeln hält und neue Tarife mit ihren Mitgliedern
            10,1                          aushandelt. Dies ist mit der Tarifreform 2013 nicht geschehen.“
 0%                                                             14.07.12
       Meldungen (n=89)


                                                                                                        19
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Wird GEMA als zeitgemäß wahrgenommen?
100%                                       „Das bestehende Urheberrecht muss dringend
                                           reformiert werden. Aber genauso muss die GEMA
90%                                        dringend reformiert werden. Wir haben allerorten für
                                           Großverdiener und Verwertungsindustrie bequeme
80%                                        Strukturen, die aber mit den digitalen Realitäten des
                                           21. Jahrhunderts nichts mehr zu tun haben und
70%                                        letztlich den Geringverdienern und den Konsumenten
                          keine Aussage
                                           schaden.“                     01.06.12
60%
             85,4
50%
                                          Untersucht wurde, ob die GEMA als eher zeitgemäß oder als
40%                                       eher überholt eingestuft wurde. Als Indikatoren dafür, dass die
                                          GEMA eher zeitgemäß ist, wurden Aussagen gewertet , die z.B.
30%                       GEMA eher       darstellen, dass die GEMA gerade in Zeiten von Onlinehandel
                          nicht           und auch Internetpiraterie immer wichtiger wird und besonders
20%                       zeitgemäß       jetzt stark für ihre Mitglieder eintreten muss. Die GEMA wurde
                                          in keiner Meldung als modern oder zeitgemäß beschrieben.
10%                                       In 13 Meldungen werden Aussagen zur „Modernität“ gemacht.
             14,6                         Diese fielen durchweg negativ für die GEMA aus. So wurde z.B.
 0%                                       geschrieben, dass die GEMA angesichts der neuen Ansprüche an
       Meldungen (n=89)                   das Urheberrecht reformbedürftig sei.


                                                                                                       21
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GEMA als Bewahrer von Kulturgut?
100%
                                          Knapp die Hälfte der Artikel (47%) stellt die GEMA als eher
90%                       keine Aussage   kultureinschränkend dar, was insbesondere daran liegt, dass
                                          sehr häufig die Schwierigkeiten von Clubbesitzern und die
80%        39,3                           Bedeutung der Tarifreform für die Partykultur beschrieben
                                          werden. So wird z.B. von einer "Verarmung der
70%                                       Veranstaltungskultur“ (Welt kompakt, 16.04.12) gesprochen
                          GEMA
                                          oder Artikel werden betitelt mit „Tod der Tanzfläche“
                          zerstört eher
60%                                       (Tagesspiegel, 05.06.12). Nur in 3% der Artikel wurden
                          Kultur          Aussagen getroffen, die die GEMA als kulturfördernd oder
50%                                       kulturbewahrend verstehen, z. B. wird darauf aufmerksam
                          GEMA fördert    gemacht, dass es eine wichtige Errungenschaft unserer Zeit ist,
40%                       eher Kultur     von Kunst leben zu können und dass eine „Umsonstkultur“
           47,2
                                          keinen Anreiz für die Künstler mehr darstellen würde.
30%

20%                       neutral/Argu     „Ohne Gema wären die meisten Musiker gar keine mehr,
                          mente heben      jedenfalls nicht beruflich, sondern Müllwerker oder
10%        3,4            sich auf         Mathelehrer.“                           30.06.12
           10,1
 0%
       Meldungen (n=89)



                                                                                                            22
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GEMA: Verein oder Monopol?
„Füllt aber mal eine Band den                  100%
Musikfolgebogen für ein Konzert falsch aus,                                            keine Aussage
dann wird sie es wohl nicht erleben, dass       80%
die Verwertungsgesellschaft nachfragt.
Formale Fehler, das bedeutet zumeist, dass      60%                 72
                                                                                       GEMA eher
die Gelder unverteilbar sind, nicht                                                    eigennütziges
ausgeschüttet werden. Ganz einfach. […] Es      40%                                    Unternehmen
ist noch nicht oft genug gesagt worden: Die
Gema ist keine Behörde, sondern ein                                                    GEMA eher
                                                20%                                    gemeinnütziger Verein
privater Verein. Und trotz seines                                  24,7
Jahresumsatzes von durchschnittlich 850
                                                  0%              3,3
Millionen Euro untersteht er nur dem
Patent- und Markenamt. So kann die Gema                     Meldungen (n=89)
intern tun, was sie will, zum Beispiel auf
basisdemokratische Entscheidungen             Der Anspruch der GEMA ist es, ein gemeinnütziger Verein zu sein,
pfeifen. Nach außen tritt sie wie eine        der die Interessen seiner Mitglieder vertritt. Dennoch lässt sich in
Behörde auf, wie jüngst beim Youtube-         der Resonanz der Medien erkennen, dass die GEMA vielfach anders
Streit. Es wird Zeit, dass die Politik die    wahrgenommen wird: 25% der Meldungen beschrieben sie eher als
Gema endlich zu dem zu macht, was sie sein    eigennütziges Unternehmen mit Monopolstellung, das zu hohe
sollte – zu einer Behörde.“                   Verwaltungskosten hat und einen Großteil seiner Mitglieder nicht
                    25.06.12                  profitieren lässt. Nur in 3% der Meldungen werden Aussagen
                                              getroffen, die die GEMA als gemeinnützigen Verein darstellen, das
                                              heißt als ein Verein, der im Interesse seiner Mitglieder handelt.


                                                                                                                23
                                                                                               23
Danke für Ihr Interesse.

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  • 1. „Aktuell kann die GEMA ihre Unbeliebtheit wohl nur noch durch das öffentliche Ertränken von Katzenbabys vor der Geschäftsstelle steigern.“ am 03.07.2012 Medien gegen GEMA? Eine Tarifreform wird zum PR-Desaster für den Musikrechteverwerter Oranienburger Str. 27 | 10117 Berlin-Mitte | Germany www.blaetterwald.org | info@blaetterwald.org 1 1
  • 2. Die GEMA-Tarifreform 1. Summary 2. Hintergrund & Methodik 3. GEMA-Tarifstreit Demo-Aufruf von Cartoonist Gerhard Seyfried 2 2
  • 3. Summary  62% der Meldungen in deutschen Leitmedien zur Tarifreform der „Ganz Berlin hat einen Gegner: die GEMA haben eine implizit oder explizit negative Tendenz. Gema. Der Bürokratenhaufen aus der Zeit der Schellackplatte, der sich  Über die Tarifreform hinaus wurde in 27% der Meldungen auch die einschläfernd-harmlos >Gesellschaft für innere Struktur der GEMA kritisiert. musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte<  Von den 124 untersuchten Zitaten waren 86 negativ: 69% aller nennt, geriert sich als gefräßiger Akteure äußerten sich gegen die Tarifreform der GEMA. Clubbesitzer Clubkiller.“ 30.06.12 wurden mit 53 Wortmeldungen am häufigsten zitiert und sprachen sich zu 91% negativ im Bezug auf die Tarifreform aus. Auch unter „Die Gema, die bis in die kleinsten Politikern war man sich parteiübergreifend einig: 28 der 31 zitierten Ritzen unseres von Musik beherrschten Politiker traten mit negativen Statements zur GEMA-Tarifreform auf. Alltags vorgedrungen ist und in deren Kasse es praktisch andauernd klingelt,  In 42% der untersuchten Meldungen tauchten die Argumente war bis vor kurzem eine Angelegenheit beider Seiten auf, 45% der Artikel enthielten keine Argumente der für Profis, Buchhalter und Spezialisten. GEMA, sondern ausschließlich die der Gegenseite. Lediglich 4% der Die nicht-komponierende Bevölkerung Meldungen verzichteten auf Argumente gegen die Tarifreform. nahm von ihrem Wirken ähnlich Notiz wie von anderen Einrichtungen auch,  In den untersuchten Imagedimensionen schnitt die GEMA deren Undurchschaubarkeit nicht das durchweg eher negativ ab. So wurde die GEMA z. B. in 48% der Artikel Bedürfnis weckt, es sonderlich genau als kulturzerstörend dargestellt, in 33% der Meldungen als ungerecht wissen zu wollen.“ und intransparent. 26.06.12 3 3
  • 4. Die GEMA-Tarifreform 1. Summary 2. Hintergrund & Methodik 3. GEMA-Tarifstreit 4 4
  • 5. Hintergrund & Methodik (1) Wenn an einem öffentlichen Ort in Deutschland urheberrechtlich geschützte Musik gespielt wird, steht die Verwertungsgesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, kurz GEMA, bereit, um Lizenzgebühren einzufordern, die sie an Musiker, Komponisten und Musikindustrie weiterleitet. Natürlich nicht, ohne einen Anteil von 14% für die eigene Verwaltung abzuziehen. Bisher hatten Diskotheken und Clubs Pauschalverträge mit der GEMA, doch diese laufen zum Jahresende 2012 aus. Nach einem erfolglosen Einigungsversuch mit den Vertretern der Gaststätteninnung stellt die GEMA am 2. April 2012 eine neue Tarifstruktur für den Veranstaltungsbereich vor. Die neuen Tarife sehen vor, dass…  die bisher 10 Tarife auf 2 reduziert werden: Live-Musik oder Tonträgerwiedergabe,  die Abgabe in Abhängigkeit von Raumgröße und Höhe des Eintrittsgelds berechnet wird,  Der Pauschaltarif entfällt und Gebühren für jede einzelne Veranstaltung fällig werden,  Zuschläge für Veranstaltungen erhoben werden, die länger als 8 Stunden dauern.** Hauptsitz der GEMA in Berlin *Bildquelle: www.wikipedia.de von Jivee Blau ** Die GEMA weißt uns in einer Mail vom 19.9.12 darauf hin, dass die 5 Kosten auf 10% der tatsächlichen Eintrittseinnahmen inklusive aller Zuschläge gedeckelt sind. 5
  • 6. Hintergrund & Methodik (2)  Für diese Analyse angewendet wurde die Methode der quantitativen Inhaltsanalyse.  Untersucht wurden 89 Meldungen in den Hauptausgaben deutscher Leitmedien (Print und Online).  Untersuchungszeitraum sind die vier Monate nach Ankündigung der Tarifumstellung auf der GEMA- Pressekonferenz am 29. März 2012. Medienauswahl In das Panel aufgenommen wurden die wichtigsten deutschen Leitmedien, deren Berichterstattungen aufgrund ihrer Reichweite und Bedeutung überproportionalen Einfluss auf die öffentliche Debatte haben, und deren Meldungen mithilfe digitaler Mediendatenbanken retrospektiv verfügbar sind. Hinweis Die vorliegende Studie entstand ohne Kundenauftrag. Ausprägungsskala des Merkmals Tonalität Die Tonalität sei explizit positiv, wenn die GEMA für ihr Handeln oder ihr Vorhaben gelobt wurde, implizit positiv, wenn im Zusammenhang mit der GEMA positive Attribute genannt wurden oder generell eine eher positive Grundeinstellung gegenüber der GEMA durchklang. Als explizit negativ wurde die Tonalität codiert, wenn über die GEMA mit scharfer Kritik berichtet wurde und negative Begriffe auf sie bezogen wurden. Implizit negativ bedeutet, dass im Zusammenhang mit der GEMA eher negativ konnotierte Begriffe verwendet wurden. Als ambivalent wurde eine Meldung codiert, wenn der Konflikt betont wurde und Argumente beider Seiten zur Sprache kamen. Besonders objektiv formulierte Faktenberichte ohne implizite oder explizite Tendenz wurden als neutral eingestuft. 6 6
  • 7. Hintergrund & Methodik (3) Betrachtet wurden außerdem:  die auftretenden Akteure, wobei jemand dann Akteur ist, wenn eine Person direkt oder indirekt zitiert wurde und sich zur Tarifreform der GEMA äußerte (positiv, negativ oder neutral). Hier wurde unterschieden zwischen folgenden GEMA-Sprecher und –Sprecherinnen: Künstlern, die ordentliches GEMA-Mitglied sind Künstlern, die außerordentliches oder nur angeschlossenes Mitglied sind Künstlern, die nicht der GEMA angehören Künstlern, dessen Position innerhalb der GEMA unklar ist Politikern Clubbetreibern, wozu alle zählen, die direkt von der Tarifreform betroffen sind wie Veranstalter, Barbesitzer sowie der Hotel und Gaststättenverband DEHOGA, der häufig im Namen der Clubs auftritt Konsumenten, also privaten Nutzern von Musik Dritte, wie Rechtsexperten und Anwälte  die Argumente für und gegen die GEMA. Diese wurden in einer explorativen Vorstudie aus Pressemitteilungen und Meldungen zum Tarifstreit aggregiert und überschneidungsfrei definiert.  das Image der GEMA im Bezug auf ihre Gerechtigkeit und Transparenz, ihre Zeitgemäßheit, ihre Funktion als Kulturschützer und ihrer Darstellung als gemeinnütziger Verein, der die Interessen der Künstler vertritt. 7 7
  • 8. Einbezogene Printmedien Financial Times Deutschland Meldungen 2 Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung Zeit, Die 1 Welt, Die Frankfurter Rundschau Welt am Sonntag 16 tageszeitung, die taz Handelsblatt 2 Tagesspiegel, Der Süddeutsche Süddeutsche Zeitung Zeitung 5 Stern Der Tagesspiegel 11 Spiegel, Der Meldungen Heise Die Welt 4 Handelsblatt Frankfurter Rundschau Die Welt kompakt 4 Frankfurter Allgemeine Zeitung Welt am Sonntag überregional 2 Focus Financial Times Deutschland Die Zeit 1 BILD 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 0 5 10 15 20 25 Anzahl der Meldungen je Medium * Hauptausgaben deutscher Leitmedien in der Zeit vom 29.03.2012 bis 29.07.2012 8 8
  • 9. Einbezogene Onlinemedien bild.de Meldungen 5 faz.net Die Zeit, 1 Welt, Die focus.de 2 Welt am Sonntag fr-online.de taz tageszeitung, die 5 Tagesspiegel, Der ftd.de 1 Süddeutsche Zeitung handelsblatt.comStern 1 Spiegel, Der heise.de 5 Meldungen Heise jetzt.de Handelsblatt 3 Frankfurter Rundschau stern.de 2 Frankfurter Allgemeine Zeitung taz.de Focus 3 Financial Times Deutschland welt.de 3 BILD 0 0 1 5 2 10 3 15 4 20 5 25 6 Anzahl der Meldungen je Medium *Deutsche Leitmedien im Online-Bereich in der Zeit vom 29.03.1012 bis 29.07.2012 9 9
  • 10. Die GEMA-Tarifreform 1. Summary 2. Hintergrund & Methodik 3. GEMA-Tarifstreit 10 10
  • 11. Anzahl der Meldungen Meldungsaufkommen nach Tonalität 25 Mitgliederver- sammlung der GEMA ambivalent 18% 12% 20 explizit negativ 15 8% implizit negativ 36% 10 implizit 26% positiv (n=89) 5 neutral ambivalent explizit negativ (n=89) implizit negativ implizit positiv 0 14 16 18 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 Kalenderwochen neutral Kurz nach der Vorstellung der neuen GEMA-Tarife war die Berichterstattung in den deutschen Leitmedien noch ausgeglichen: In der 14. KW stehen 3 neutrale oder leicht positive Meldungen 2 ambivalenten oder leicht negativen Meldungen gegenüber. Dieses Verhältnis kippt schon in der 16. KW und verschlechtert sich in den folgenden Wochen deutlich. Auf dem Höhepunkt der Berichterstattung, mit der GEMA-Mitgliederversammlung vom 25.- 27.06.2012 in Berlin, sind in der 26. Kalenderwoche von 22 Artikeln 13 eher negativ, 4 neutral und 3 eher positiv. In der darauffolgenden Woche gibt es weder positive noch neutrale Meldungen. In insgesamt 62% der Meldungen wird mit explizit oder implizit negativer Tendenz über die GEMA berichtet. In nur 8% der Artikel wird sich für die GEMA-Tarifreform ausgesprochen. 11 11
  • 12. Argumente pro GEMA-Tarife Folgende Argumente wurden genannt… Vereinfachung 16 mehr Gerechtigkeit 15 Entlastung für kleine Clubs 25 Preise waren vorher einfach zu günstig 11 Internationaler Standard 8 Schutz von geistigem Eigentum/faire Bezahlung für Anzahl genannter Argumente 10 Musiker 0 5 10 15 20 25 30 Die am häufigsten aufgegriffenen Argumente der GEMA waren: Vereinfachung der Tariflandschaft, mehr Gerechtigkeit, bisher zu niedrige Preise, Anpassung an internationale Standards, der Schutz von geistigem Eigentum und eine faire Entlohnung für Künstler. Am häufigsten wurde das Argument der GEMA genannt, nachdem kleinere Clubs durch die Reform entlastet würden: Dieses tauchte in 28% der untersuchten Meldungen auf. * Analyseebene ist hier nicht der Artikel, sondern das einzelne Argument, d.h. pro Artikel können mehrere 12 Argumente vorkommen 12
  • 13. Argumente contra GEMA-Tarife Folgende Argumente wurden genannt… Existenzgefährdung 63 Steigende Preise für die Clubbesucher 12 Clubs sind Kulturgut/wichtig für Tourismus 11 Musikfolgen sind auf den Elektro-Bereich kaum… 14 Ungerechte innere Struktur 24 GEMA stellt Tatsachen falsch dar 12 Anzahl genannter Argumente Wegfall von Arbeitsplätzen 5 0 10 20 30 40 50 60 70 Ein überragender Anteil der Meldungen enthielt das Argument, dass die Tariferhöhung explizit existenzgefährdend sei: 63 Mal und somit in 71% der untersuchten Meldungen zum Tarifstreit tauchte dieses Argument auf. Insgesamt 14 Mal wurde kritisiert, dass das Verlangen der sogenannten „Musikfolgen“ zum Nachweis, dass keine GEMA- pflichtige Musik gespielt wurde, gerade für den Elektro-Bereich nicht umsetzbar ist. Das Angeben vor Klarnamen auf der Musikfolge ist praktisch nicht möglich, da viele Platten unter „white labels“ veröffentlicht werden und der Name des Künstlers zum Teil unbekannt ist. Das Argument die GEMA habe eine ungerechte innere Struktur tauchte in 27% der Meldungen auf. Hier wurde kritisiert, dass die GEMA nur ihre ordentlichen Mitglieder profitieren lasse, es zum Teil zu hohe Verwaltungskosten gäbe und das Geld nicht voll bei den Künstlern ankommt. Dies zeigt insbesondere, dass es nicht nur um den Tarifstreit geht, sondern die GEMA auch als Ganzes kritisiert wird und somit ein generelles Rechtfertigungsproblem hat. * Analyseebene ist hier nicht der Artikel, sondern das einzelne Argument, d.h. pro Artikel können mehrere 13 Argumente vorkommen 13
  • 14. Argumente der GEMA können sich nicht durchsetzen Ausschließlich Argumente der Gegenseite Ausschließlich Argumente der GEMA bild.de 3 keine Argumente genannt Der Tagesspiegel 7 Argumente beider Seiten Die Tageszeitung 3 Die Welt 1 Die Welt kompakt 2 Financial Times… 1 42% 45% 89 Meldungen Frankfurter Allgemeine… 1 zum Thema Frankfurter Rundschau Tarifstreit 9 fr-online.de 2 9% 4% (n=89) Handelsblatt 1 handelsblatt.com 1 heise.de 1 Lediglich in 4 Meldungen sind ausschließlich Argumente für jetzt.de 1 die GEMA-Tarifreform enthalten, 8 zitieren weder stern.de 2 Argumente der einen, noch der anderen Seite und in 37 Süddeutsche Zeitung 2 Artikeln werden beide Seiten beleuchtet. Die meisten der taz.de 2 untersuchten Artikel (40) argumentieren ausschließlich Welt am Sonntag 1 gegen die Tarifreform. Das Balkendiagramm rechts zeigt, in welchen Medien Meldungen erschienen, in denen keine 0 2 4 6 8 10 GEMA-Argumente aufgegriffen wurden. Anzahl der Meldungen je Medium 14 14
  • 15. Einstellung der Akteure GEMA-Sprecher/in 24 Ordentliche Mitglieder 1 Angeschlossene Mitglieder 3 Nicht-Mitglieder 1 1 GEMA-Position unklar 2 5 neutral Politker 2 1 28 positiv Clubbetreiber 3 2 48 negativ Konsumenten 1 1 Dritte(Rechtsvertreter,… 1 0 10 20 30 40 50 Anzahl der Zitate (n=124) Clubbetreiber und ihre Interessensvertreter werden mit insgesamt 53 Statements am häufigsten zitiert. Am zweithäufigsten mit 31 Statements kommen Politiker zu Wort. GEMA-Sprecher werden in den untersuchten Artikeln 24 Mal zitiert, erwartungsgemäß die Tarifreform verteidigend. Die Clubbetreiber äußern sich dagegen in 48 Statements negativ, dabei sind darunter auch Besitzer kleinerer Clubs, die laut GEMA von der Reform profitieren sollen. Auch alle anderen Akteure wie Mitglieder, Nicht-Mitglieder, Politiker, Konsumenten, Rechtsexperten und sonstige Künstler sprechen sich insgesamt 38 Mal gegen die Tarifreform aus und nur 3 Mal dafür. 90% der zitierten Politiker (insgesamt 31 Statements) äußern sich negativ zur Tarifreform – und das unabhängig von ihrer parteipolitischen Zugehörigkeit. *n=124, Codierung auf Zitateebene 15 15
  • 16. GEMA - gerecht und transparent? (1) Meldungen GEMA ist eher gerecht & transparent GEMA ist eher nicht gerecht & transparent neutral/Argumente heben sich auf 24.07.2012: Einigung mit Meldungen 20 dem Karnevalsbund 10 0 14 16 18 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 Kalenderwochen Am Anfang des Untersuchungszeitraumes wird die GEMA-Tarifreform „Gema-Bezirksdirektor Lorenz Schmid eher als gerecht und transparent dargestellt: Die Medien nehmen die warf am Freitag in München den von der GEMA emittierten Informationen neutral auf. Ab der 24. KW Diskotheken-Inhabern eine >sture nimmt der Anteil der Meldungen zu, in denen die GEMA als deutlich Verhandlungsverweigerung< vor. >Das ungerechter dargestellt wird. Höhepunkt ist die 26. KW: In 32,6% der macht mich in gewisser Weise Meldungen wird GEMA als eher nicht gerecht & transparent eingestuft. fassungslos<, sagte Schmid. Die Erst in der 30. KW, am Ende des Untersuchungszeitraumes, steigt die Tarifeinigung mit dem Bund Deutscher Zahl der Meldungen, in denen die GEMA als eher gerecht und Karneval habe bewiesen, dass die transparent dargestellt wurde. Die Hälfte der Artikel in dieser Woche Gema gesprächsbereit sei.“ bezogen sich auf eine GEMA-Pressemitteilung, in der eine Einigung mit dem Karnevalsverband mitgeteilt wurde. In diesem Zusammenhang wurde die GEMA häufiger als verhandlungsbereit dargestellt. 28.07.12 18 18
  • 17. GEMA - gerecht und transparent? (2) 100% Als eher gerecht und transparent wurde die GEMA z.B. dann dargestellt, wenn hervorgehoben wurde, dass die Reform eine keine Aussage deutliche Vereinfachung ist und für eine Umverteilung 90% zugunsten kleinerer Veranstalter sorgt: „Die Gema lichtet ihre 80% Tarifstruktur und stellt Veranstalter von kleineren Musik-Events 48,3 besser.“ 03.04.12, 70% GEMA ist eher oder wenn geschildert wurde, dass die GEMA versucht auf die nicht gerecht Clubbetreiber zuzugehen: „Im Streit um eine neue Tarifstruktur 60% & transparent hat die Verwertungsgesellschaft Gema angekündigt, eine 50% Einigung mit der Bundesvereinigung der Musikveranstalter anzustreben.“ 17.04.12 GEMA ist eher 40% gerecht & 32,6 In den Meldungen, in denen die GEMA als ungerecht beurteilt transparent 30% wurde, wurde genau das Gegenteil behauptet: „Zur Überlebensfähigkeit der Berliner Clublandschaft gehören ein 20% neutral/Argum fairer Umgang und faire Rahmenbedingungen. Dazu gehört, 9 ente heben dass ein Verein mit einer Monopolstellung wie die Gema sich 10% sich auf an Regeln hält und neue Tarife mit ihren Mitgliedern 10,1 aushandelt. Dies ist mit der Tarifreform 2013 nicht geschehen.“ 0% 14.07.12 Meldungen (n=89) 19 19
  • 18. Wird GEMA als zeitgemäß wahrgenommen? 100% „Das bestehende Urheberrecht muss dringend reformiert werden. Aber genauso muss die GEMA 90% dringend reformiert werden. Wir haben allerorten für Großverdiener und Verwertungsindustrie bequeme 80% Strukturen, die aber mit den digitalen Realitäten des 21. Jahrhunderts nichts mehr zu tun haben und 70% letztlich den Geringverdienern und den Konsumenten keine Aussage schaden.“ 01.06.12 60% 85,4 50% Untersucht wurde, ob die GEMA als eher zeitgemäß oder als 40% eher überholt eingestuft wurde. Als Indikatoren dafür, dass die GEMA eher zeitgemäß ist, wurden Aussagen gewertet , die z.B. 30% GEMA eher darstellen, dass die GEMA gerade in Zeiten von Onlinehandel nicht und auch Internetpiraterie immer wichtiger wird und besonders 20% zeitgemäß jetzt stark für ihre Mitglieder eintreten muss. Die GEMA wurde in keiner Meldung als modern oder zeitgemäß beschrieben. 10% In 13 Meldungen werden Aussagen zur „Modernität“ gemacht. 14,6 Diese fielen durchweg negativ für die GEMA aus. So wurde z.B. 0% geschrieben, dass die GEMA angesichts der neuen Ansprüche an Meldungen (n=89) das Urheberrecht reformbedürftig sei. 21 21
  • 19. GEMA als Bewahrer von Kulturgut? 100% Knapp die Hälfte der Artikel (47%) stellt die GEMA als eher 90% keine Aussage kultureinschränkend dar, was insbesondere daran liegt, dass sehr häufig die Schwierigkeiten von Clubbesitzern und die 80% 39,3 Bedeutung der Tarifreform für die Partykultur beschrieben werden. So wird z.B. von einer "Verarmung der 70% Veranstaltungskultur“ (Welt kompakt, 16.04.12) gesprochen GEMA oder Artikel werden betitelt mit „Tod der Tanzfläche“ zerstört eher 60% (Tagesspiegel, 05.06.12). Nur in 3% der Artikel wurden Kultur Aussagen getroffen, die die GEMA als kulturfördernd oder 50% kulturbewahrend verstehen, z. B. wird darauf aufmerksam GEMA fördert gemacht, dass es eine wichtige Errungenschaft unserer Zeit ist, 40% eher Kultur von Kunst leben zu können und dass eine „Umsonstkultur“ 47,2 keinen Anreiz für die Künstler mehr darstellen würde. 30% 20% neutral/Argu „Ohne Gema wären die meisten Musiker gar keine mehr, mente heben jedenfalls nicht beruflich, sondern Müllwerker oder 10% 3,4 sich auf Mathelehrer.“ 30.06.12 10,1 0% Meldungen (n=89) 22 22
  • 20. GEMA: Verein oder Monopol? „Füllt aber mal eine Band den 100% Musikfolgebogen für ein Konzert falsch aus, keine Aussage dann wird sie es wohl nicht erleben, dass 80% die Verwertungsgesellschaft nachfragt. Formale Fehler, das bedeutet zumeist, dass 60% 72 GEMA eher die Gelder unverteilbar sind, nicht eigennütziges ausgeschüttet werden. Ganz einfach. […] Es 40% Unternehmen ist noch nicht oft genug gesagt worden: Die Gema ist keine Behörde, sondern ein GEMA eher 20% gemeinnütziger Verein privater Verein. Und trotz seines 24,7 Jahresumsatzes von durchschnittlich 850 0% 3,3 Millionen Euro untersteht er nur dem Patent- und Markenamt. So kann die Gema Meldungen (n=89) intern tun, was sie will, zum Beispiel auf basisdemokratische Entscheidungen Der Anspruch der GEMA ist es, ein gemeinnütziger Verein zu sein, pfeifen. Nach außen tritt sie wie eine der die Interessen seiner Mitglieder vertritt. Dennoch lässt sich in Behörde auf, wie jüngst beim Youtube- der Resonanz der Medien erkennen, dass die GEMA vielfach anders Streit. Es wird Zeit, dass die Politik die wahrgenommen wird: 25% der Meldungen beschrieben sie eher als Gema endlich zu dem zu macht, was sie sein eigennütziges Unternehmen mit Monopolstellung, das zu hohe sollte – zu einer Behörde.“ Verwaltungskosten hat und einen Großteil seiner Mitglieder nicht 25.06.12 profitieren lässt. Nur in 3% der Meldungen werden Aussagen getroffen, die die GEMA als gemeinnützigen Verein darstellen, das heißt als ein Verein, der im Interesse seiner Mitglieder handelt. 23 23
  • 21. Danke für Ihr Interesse. blätterwald GmbH Oranienburger Str. 27 10117 Berlin-Mitte numrich@blaetterwald.org Read our Blog: www.medienresonanzanalyse.wordpress.com Become a fan: www.facebook.com/blaetterwald 25 25