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  Lehrbuch	
  für	
  Lernen	
  und	
  Lehren	
  mit	
  Technologien	
  (L3T)


                                                                                        sonders für kooperative Lernszenarien, die von inter-
1. Entwicklung	
  von	
  Videokonferenzen	
  
                                                                                        aktiver Kommunikation wie Tutoring oder Coaching
Seit der Verbreitung des Telefons gab es immer                                          profitieren, und für Szenarien, die eine gemeinsame
wieder die Vision und den Wunsch, das Gegenüber                                         Lösungs- oder Entscheidungsfindung beinhalten.
nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen. Bereits in                                   Aspekte beider Szenarien sollen im Folgenden kurz
der 30er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es mit                                     charakterisiert werden:
der Einführung der Fernsehsprechzelle erste Ver-                                           Tutoring- und Coaching-Szenarien zeichnen
suche, Bild- und Tonübertragungen vorzunehmen,                                          sich durch unterschiedlich hohe Expertise der Teil-
die dann in den späten 1960er Jahren mit der Ein-                                       nehmer/innen aus. Dabei leitet eine Person mit
führung des Picturephones fortgeführt wurden –                                          hoher Expertise eine oder mehrere Personen mit ge-
wirklich erfolgreich waren beide Ansätze nicht. Erst                                    ringerer Expertise über Videokonferenz an. Der be-
mit der Verbreitung des Internets Ende der 1990er                                       sondere Beitrag der Videokonferenz in solchen Situa-
Jahre erlebt die Videokonferenz einen neuen Auf-                                        tionen besteht in der Möglichkeit, zusätzliche Anwen-
schwung – insbesondere seitdem die Übertragung                                          dungen oder Werkzeuge in den Lernprozess zu inte-
von Bild und Ton auch über die Web-Standards                                            grieren und dadurch gemeinsame Referenzpunkte zu
möglich geworden ist und ausreichend Bandbreiten                                        schaffen (Ertl, 2007).
zur Verfügung stehen (Flessner, 2000).                                                     Bei der kooperativen Lösungs- oder Entschei-
                                                                                        dungsfindung diskutieren Lernende mit vergleich-
                                                                                        barer Expertise gemeinsam Fragestellungen oder er-
        „Eine	
   Videokonferenz	
   ist	
   eine	
   Besprechung	
   mehrerer	
        arbeiten gemeinsam eine Problemlösung. Hier stehen
  !     Personen	
   an	
   unterschiedlichen	
   Orten,	
   die	
   per	
   Video-­‐
        kamera	
  oder	
  Webcam	
  und	
  Datenleitungen	
  mit	
  hoher	
  
                                                                                        die gemeinsame Diskussion und Problemreflexion im
        Bandbreite,	
   beispielsweise	
   über	
   das	
   Internet,	
   über-­‐       Vordergrund. Der spezifische Beitrag der Videokon-
        tragen	
  wird,	
  wobei	
  sich	
  alle	
  Teilnehmenden	
  über	
  Mo-­‐      ferenz besteht in solchen Szenarien aus dem Bereit-
        nitor	
  sowie	
  Sprachein-­‐	
  und	
  -­‐ausgabegeräte	
  sehen	
  und	
     stellen eines hoch interaktiven Kommunikationsme-
        hören	
   können.“	
   (DefiniQon	
   von	
   „Videokonferenz“	
   im	
          diums und gemeinsamer Arbeitsdokumente für die
        Glossar	
  von	
  e-­‐teaching.org)	
                                           Lerngruppe (Paechter et al., 2010).
                                                                                           Weitere didaktische Szenarien können Vorle-
2. Szenarien	
  des	
  Lernens	
  in	
  Videokonferenzen	
                              sungen über Videokonferenzen umfassen. Beispiels-
Betrachtet man Lernszenarien in Videokonferenzen,                                       weise haben sich die Universitäten Freiburg, Hei-
dann stellt sich die Frage, inwieweit sich diese vom                                    delberg, Karlsruhe und Mannheim in einem Projekt
Lernen Face-to-Face (das heißt Lernende und Leh-                                        zur virtuellen Hochschule zusammengeschlossen.
rende befinden sich an einem gemeinsamen Ort)                                           Die vier Universitäten tauschen Vorlesungen über
oder von anderen Formen des E-Learnings unter-                                          Datenleitungen aus, führen gemeinsam Televorle-
scheiden. Diese Frage lässt sich sowohl auf einer                                       sungen und -seminare durch und tauschen multime-
technischen, als auch auf einer didaktischen Ebene                                      diale Lernmodule. So wurde über Videokonferenz die
beantworten. Technisch fokussiert diese Frage auf                                       Vorlesung „Rechnernetze“ der Universität Mannheim
Aspekte wie den Aufwand, mit dem sich Lernen in                                         an die Partneruniversitäten übertragen. Die Über-
Videokonferenzen realisieren lässt, und wie einfach                                     tragung von Vorlesungen erfolgt in speziellen, tech-
der Zugang der Lernenden zu solchen Lernszenarien                                       nisch entsprechend ausgestatteten Hörsälen. Inter-
ist. Die Beantwortung dieser Frage ist von der ver-                                     aktive Whiteboards (die technisierte Form der Wand-
wendeten Infrastruktur abhängig und kann daher erst                                     tafel), spezielle Softwareprogramme und eine ausrei-
in der konkreten Anwendung berücksichtigt werden                                        chend hohe Übertragungsrate der Netzwerke ge-
(Hinweise dazu finden Sie am Ende des Kapitels). An                                     hören zur Standardausstattung in diesem Projekt. Die
dieser Stelle liegt der Fokus auf dem didaktischen                                      Lerninhalte werden zudem archiviert. Vorlesungen
Aspekt, das heißt wie sich charakteristische Eigen-                                     werden aufgezeichnet und ins Netz gestellt oder Do-
schaften von Videokonferenzen so einsetzen lassen,                                      zierende erstellen Präsentationen ausschließlich für
dass die Lernenden davon besonders profitieren:                                         das Netz (vgl. VCC, siehe Literaturverzeichnis). Er-
Synchrone sprachliche Kommunikation, durch die                                          gänzend dazu gibt es Ansätze, dass sich die einzelnen
elaborierte Erklärungen und interaktive Diskussionen                                    Teilnehmer/innen vom eigenen Computer aus an
ermöglicht werden, und Application-Sharing, wo-                                         einem Videokonferenz-Seminar beteiligen; Gestal-
durch die Lernenden gleichzeitig auf einen ge-                                          tungsvorschläge für das Design solcher Seminare und
meinsam sichtbaren Arbeitsbereich zugreifen                                             konkrete Anforderungen an Tutoren von Videokon-
können. Dadurch eignen sich Videokonferenzen be-                                        ferenz-Seminaren finden sich unter anderem bei
Lernen	
  mit	
  Videokonferenzen.	
  Szenarien,	
  Anwendungen	
  und	
  PraxisQpps	
  —	
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Keller (2009). Er beschreibt auch Spezifika der Semi-            munikation und die Leistung von Gruppen in Video-
narsituation Videokonferenz. Insgesamt ist die Kom-              konferenz- und Face-to-Face-Kommunikation unter-
munikation beim Lernen mit Hilfe von Videokonfe-                 sucht. Achtundvierzig Teams zu je vier Personen
renzen der Face-to-Face-Kommunikation eher                       trafen sich dreimal entweder Face-to-Face oder in
ähnlich; dennoch gibt es Unterschiede. Diese sollen              einer Videokonferenz und bearbeiteten komplexe
im Folgenden näher betrachtet werden.                            Aufgaben. Alle Gruppenmitglieder sollten ihr Wissen
                                                                 austauschen, einen gemeinsamen Lösungsvorschlag
3. Kommunika>on	
  in	
  Videokonferenzen
                                                                 entwickeln und sich auf diesen einigen. Bei der
Kommunikation kann man als einen fortlaufenden                   Analyse der Leistung zeigten sich keine Unterschiede
Prozess der gemeinsamen Verständigung von zwei                   zwischen den Videokonferenz- und den Face-to-Fa-
oder mehreren Personen beschreiben (Clark &                      ce-Gruppen. Allerdings kommunizierten die Grup-
Brennan, 1996), in dem unterschiedliche Ziele erfüllt            penmitglieder in den beiden Settings unterschiedlich:
werden: Personen entwickeln zum Beispiel einen Ein-              Videokonferenzteams verbalisierten wesentlich häu-
druck voneinander, tauschen sachbezogene oder                    figer die Koordination der gemeinsamen Arbeit und
emotionale Information aus, koordinieren Arbeitstä-              die Ausführung der Aufgaben. Sie machten häufiger
tigkeiten. Man kann Kommunikation als gemein-                    Äußerungen dazu, welches Gruppenmitglied eine
sames Handeln beschreiben, in dem die Kommunika-                 (Teil-) Aufgabe durchführt, über welches Wissen oder
tionspartner/innen die Gesprächsinhalte und den                  über welche zeitlichen Ressourcen bestimmte Grup-
Gesprächsverlauf koordinieren. In diesem Prozess                 penmitglieder verfügen. Dieses Ergebnis kann da-
versuchen sie fortlaufend eine gemeinsame Verstän-               durch erklärt werden, dass in der Videokonferenz
digungsbasis, einen „Common Ground“, zu gewähr-                  Mittel zur Gesprächskoordination, wie der Blick-
leisten (Clark & Brennan, 1996). Dazu müssen sie                 kontakt, nicht zur Verfügung stehen.
sich an die Besonderheiten des jeweils verwendeten                  Die Bedeutung der Koordination in Videokonfe-
Kommunikationsmediums anpassen.                                  renzen wird durch weitere Studien bestätigt: In einer
    Videokonferenzkommunikation und Face-to-Face-                Studie von Paechter et al. (2010) wurde ein Training
Kommunikation haben zunächst einige Gemeinsam-                   für das gemeinsame Arbeiten in Videokonferenzen
keiten: Sichtbarkeit, Hörbarkeit, Synchronizität (das            entwickelt und untersucht. Arbeitsgruppen lernten,
heißt ein Beitrag wird zur selben Zeit produziert, zu            die Koordination der gemeinsamen Arbeit explizit zu
der er von der Kommunikationspartnerin oder vom                  verbalisieren, aufgabenbezogene Information im Ge-
Kommunikationspartner empfangen wird; dies trifft                spräch wiederaufzugreifen und mit der Aufgabe in
zum Beispiel auf E-Mail nicht zu), Sequenzialität (das           Bezug zu setzen. In einer empirischen Untersuchung
heißt es bleibt die von den Sprechenden intendierte              wurden Gruppen, die dieses Training erhalten hatten,
Abfolge der Beiträge erhalten; dies trifft zum Beispiel          mit Gruppen verglichen, die kein Training erhalten
auf Chats nicht zu). Dennoch unterscheidet sich die              hatten. Es zeigte sich, dass die Trainingsgruppen
Videokonferenz- von der Face-to-Face-Kommuni-                    bessere Leistungen erzielten.
kation: So fehlt die Kopräsenz, da sich die Kommu-
                                                                 4. Unterstützung	
  des	
  Lernens	
  in	
  Videokonferenzen
nikationspartner/innen nicht denselben Raum teilen.
Gerade dieses Merkmal ist jedoch wesentlich für das              Auch wenn sich durch Trainings die Kommunikation
Erfahren von emotionaler Nähe und sozialer                       in Videokonferenzen verbessern lässt, bleibt die
Präsenz. Videokonferenzen schränken zudem die                    Frage offen, inwieweit die Lernpartner/innen über
Sichtbarkeit von Personen ein, wenn zum Beispiel in              die notwendigen Fähigkeiten zur erfolgreichen Bear-
Desktop-Videokonferenzen nur ein Porträtausschnitt               beitung kooperativer Aufgaben verfügen. Da dies oft
der Kommunikationspartner/innen auf dem Monitor                  nicht in ausreichendem Maße der Fall ist, ist didak-
angezeigt wird. Eine wesentliche Einschränkung der               tische Unterstützung für das Lernen in Videokonfe-
Sichtbarkeit betrifft die fehlende Möglichkeit, Blick-           renzen notwendig. Es lassen sich verschiedene
kontakt herzustellen. Damit fehlt ein wichtiges Mittel           Arten der didaktischen Unterstützung des
für die non-verbale Koordination der Abfolge von                 Lernens in Videokonferenzen klassifizieren, deren
Gesprächsbeiträgen (Paechter et al., 2010).                      Anwendung entweder vor oder während der Video-
    Diese Besonderheiten machen es notwendig, dass               konferenz stattfindet und deren Fokus auf der Ver-
die Kommunikationspartner/innen ihr Verhalten an                 besserung der Kooperation oder auf der Unter-
das Setting „Videokonferenz“ anpassen. Dazu ein                  stützung der Inhaltsbearbeitung liegt.
Beispiel: In einer Studie von Paechter et al. (2010)                 Unterstützungsmöglichkeiten vor der Koope-
wurden über mehrere Teamtreffen hinweg die Kom-                  ration zielen darauf ab, die Lernenden besser auf die
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  Lernen	
  und	
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Kooperation in der Videokonferenz vorzubereiten.
                                                                                              In	
   diesem	
   AbschniX	
   werden	
   Sie	
   eine	
   Videokonferenz	
  
Hierunter fallen die schon beschriebenen Trainings
für den Umgang mit der spezifischen Kommunikati-                                         ?    einrichten	
   und	
   in	
   einem	
   Lernkontext	
   anwenden.	
   Auf	
  
                                                                                              Basis	
   der	
   eigenen	
   Erfahrungen	
   reflekQeren	
   Sie	
   dabei	
  
onssituation „Videokonferenz“, Kooperationstrai-                                              den	
   Einsatz	
   dieser	
   Technologie	
   und	
   die	
   didakQschen	
  
nings und das Zirkulieren von Agenden oder von                                                ImplikaQonen,	
  die	
  sich	
  daraus	
  ergeben.	
  
Unterlagen zur individuellen inhaltlichen Vorbe-
reitung (siehe dazu auch den Teil „Leitfäden für er-                                   Hinweise	
  zur	
  Technologieentscheidung	
  
folgreiche Videokonferenzen“).
    Während der Kooperation kann die Unter-                                               Die Internationale Fernmeldeunion ITU klassifi-
stützung durch Strukturvorgaben umgesetzt werden.                                      ziert Videokonferenz-Endgeräte in Desktopsysteme,
Kooperationsspezifische Unterstützung unterteilt den                                   Kompaktsysteme oder Raumsysteme, die sich hin-
Kooperationsprozess in spezifische Phasen, die un-                                     sichtlich Leistungsspektrum und Einsatzgebiet unter-
terschiedliche Aspekte der Aufgabenbearbeitung her-                                    scheiden.
vorheben. So lassen sich zum Beispiel der Austausch                                       Bei einer Point-to-Point-Desktop-Videokon-
von Informationen, das Sammeln von Aspekten und                                        ferenz werden Bild und Ton von einem PC auf einen
die Diskussion der Lösung fokussieren (siehe auch                                      anderen übertragen. Dazu benötigt man eine Video-
das Anwendungsbeispiel am Ende des Kapitels). Auf                                      kamera oder Webcam und ein Mikrofon. Die Ver-
inhaltlicher Ebene können Wissensschemata und                                          bindung kann über Internet oder mindestens zwei
Mapping-Methoden die Teilnehmenden auf spezi-                                          ISDN-Telefonleitungen hergestellt werden.
fische Inhaltsbereiche aufmerksam machen und Zu-                                          Wenn mehrere Personen gleichzeitig miteinander
sammenhänge visualisieren. Studien haben gezeigt,                                      verbunden sind, spricht man von einer Multipoint-
dass Lernende von einer Kombination beider Unter-                                      Destop-Konferenz. Für die Organisation einer
stützungsmethoden am meisten profitieren (Ertl et                                      solchen Konferenz werden eine Multipoint-Control-
al., 2006).                                                                            Unit (MCU) oder ein Videokonferenz-Server be-
                                                                                       nötigt. Diese verbinden drei und mehr PC-Ar-
                                                                                       beitsplätze gleichzeitig. In der Regel nutzen ISDN-
                                                                                       basierte MCUs den international etablierten Video-
                                                     Fokus
                                                                                       konferenzstandard H.320 oder wenn es sich um eine
                                     Inhalt             KooperaQon                     IP-basierte Übertragung handelt, wird das Protokoll
      Inhalt      vor	
  der	
  Ko-­‐ Agenden           Trainings                      H.323 verwendet. Die Basisfunktion von H.323 bzw.
                  operaQon                                                             H.320 ist die Übertragung von Audio, Video und
                  während	
  der	
   Wissens-­‐         KooperaQons-­‐                 Daten von einem Standort zum anderen.
                  KooperaQon schemata                   skripts                           Für den Einsatz von Videokonferenzen in
                                                                                       großen Räumen, zum Beispiel um einen Vortra-
     Tabelle	
  1:	
  Unterstützungsmöglichkeiten	
  für	
  Lernen	
  und	
            genden oder eine Vortragende aus Übersee in die
     Kooperation	
  in	
  Videokonferenzen.                                            Vorlesung per Videokonferenzübertragung einzu-
                                                                                       laden, empfiehlt sich die Anschaffung von eigens
                                                                                       dafür konzipierten Raumsystemen. Dazu gehören
   In der nun folgenden Übungsaufgabe werden Sie                                       eine hochwertige Kamera, ein Beamer für die Pro-
die Gelegenheit haben, die Methoden des Kooperati-                                     jektion des Bildes auf eine größere Fläche, eventuell
onsskripts und des Wissensschemas selbst in einer                                      eine Dokumentenkamera sowie ein PC. Üblicher-
Videokonferenz zu erproben.                                                            weise sind Raumsysteme fix installiert.
                                                                                          Schließlich gibt es auch portable Systeme.
                                                                                       Laptops und Netbooks verfügen heute standard-
5. Anwendung	
  von	
  Videokonferenzen	
  
                                                                                       mäßig über Webkameras. Auch die mobile Telefonie
Es gibt eine Vielzahl an frei und kostenlos verfüg-                                    bietet Geräte, in die Webcams integriert sind. Web-
baren sowie kommerziellen internetbasierten Anwen-                                     portale, die Schnittstellen zu mobilen Endgeräten wie
dungen und Software für die Einrichtung einer Vi-                                      Handys, Smartphones und Handheld-Geräten an-
deokonferenz, mit und ohne Application-Sharing-                                        bieten, ermöglichen unabhängig von Zeit und Ort die
Funktionalität. Auch die gängigen Instant-Messaging-                                   audio-visuelle Kommunikation zwischen Personen
Anwendungen bieten zusätzlich zur Chat-Funktion                                        und damit kooperatives Lernen.
häufig die Möglichkeiten zur Kommunikation über
einen Audio- und Videokanal.
Lernen	
  mit	
  Videokonferenzen.	
  Szenarien,	
  Anwendungen	
  und	
  PraxisQpps	
  —	
  5



  In der Praxis: Leitfäden für erfolgreiche Videokonferenzen
  Im	
   folgenden	
   AbschniX	
   werden	
   praxisnahe	
   Ratschläge	
   für	
                indem	
  sie	
  Lernende	
  durch	
  Vergabe	
  von	
  ModeraQonsrechten	
  
  den	
  Einsatz	
  von	
  Videokonferenzsystemen	
  in	
  der	
  alltäglichen	
                  als	
   Lehrende	
   einsetzen!	
   Es	
   sind	
   etwaige	
   Hemmschwellen	
   der	
  
  Lern-­‐	
   sowie	
   Lehrpraxis	
   angeführt.	
   Die	
   Verwendung	
   der	
   Vi-­‐        Teilnehmer/innen	
   zu	
   beachten	
   –	
   erste	
   Konferenzsitzungen	
  
  deokonferenztechnologie	
  bringt	
  in	
  der	
  Regel	
  einen	
  gewissen	
                  sollten	
   daher	
   im	
   universitären	
   Rahmen	
   (Campus)	
   durchge-­‐
  Mehraufwand	
  für	
  die	
  Lehrenden	
  mit	
  sich.	
  Dieser	
  wird	
  jedoch	
            führt	
   werden,	
   und	
   es	
   sollte	
   erst	
   im	
   Anschluss	
   eine	
   Mit-­‐
  mit	
   einer	
   Bereicherung	
   der	
   Lernerfahrung	
   sowie	
   erhöhtem	
               wirkung	
   von	
   unterschiedlichen	
   Senngs	
   aus	
   ermöglicht	
  
  MoQvaQonspotenzial	
   der	
   Lernenden	
   belohnt.	
   Die	
   nachfol-­‐                    werden	
  (zu	
  Hause,	
  Büro).
  genden	
   praxisorienQerten	
   Empfehlungen	
   gliedern	
   sich	
   in	
   un-­‐
  terschiedliche	
   Punkte	
   und	
   sollen	
   als	
   Anleitung	
   oder als	
  
                                                                                	
                Kommunika>on	
  
  Checkliste	
   für	
   die	
   Gewährleistung	
   einer	
   effekQven	
   Appli-­‐
  kaQon	
   dienen	
   (vgl.	
   Gyorke,2006;	
   Pepper,	
   2003;	
   publicare;	
              Ganz	
  besonders	
  ist	
  die	
  Bedeutung	
  von	
  definierten	
  Kommuni-­‐
  Rakoczi	
  et	
  al.,	
  2010;	
  Salmon,	
  2010).                                             kaQonsregeln	
   zu	
   betonen.	
   Ein	
   rechtzeiQger	
   Hinweis	
   auf	
   et-­‐
                                                                                                  waige	
   NeQqueXe-­‐Regeln	
   ist	
   zu	
   empfehlen.	
   Bei	
   der	
  
  Technologie	
                                                                                   Bildübertragung	
   sollte	
   auf	
   die	
   Körpersprache	
   geachtet	
  
                                                                                                  werden	
   –	
   die	
   Lehrenden	
   sollen	
   ihren	
   Blick	
   direkt	
   in	
   die	
  
  Im	
   Rahmen	
   der	
   Technologieentscheidung	
   sind	
   pladormun-­‐                     Kamera	
   richten	
   und	
   sich	
   dem	
   Zweck	
   entsprechend	
   kleiden!	
  
  abhängige	
   Lösungen	
   zu	
   präferieren,	
   um	
   opQmale	
   KonnekQ-­‐                Untersuchungen	
   zeigen	
   zudem,	
   dass	
   die	
   Begeisterung	
   der	
  
  vität	
   der	
   unterschiedlichen	
   (Betriebs-­‐)Systeme	
   gewähren	
   zu	
              Lehrenden	
  wichQg	
  ist,	
  um	
  Lernende	
  zu	
  moQvieren	
  (Paechter	
  
  können.	
  Weiters	
  ist	
  die	
  Bandbreite	
  der	
  Netzwerkverbindung	
                   et	
   al.,	
   2010).	
   Auch	
   dies	
   wird	
   über	
   die	
   Körpersprache	
   ver-­‐
  zu	
   beachten,	
   da	
   die	
   Übertragung	
   von	
   Videokanälen	
   mitunter	
         miXelt!	
   Wesentlich	
   ist,	
   dass	
   gegen	
   Ende	
   einer	
   Videokonfe-­‐
  sehr	
   datenintensiv	
   ausfallen	
   kann.	
   Bei	
   der	
   Internet-­‐ver-­‐            renzsitzung	
   die	
   besprochenen	
   Inhalte	
   zusammengefasst	
  
  bindung	
   sollte	
   der	
   Kabelzugang	
   gegenüber	
   dem	
   EinsQeg	
                  werden	
   und	
   den	
   Teilnehmerinnen	
   und	
   Teilnehmern	
  
  über	
   WLAN	
   bevorzugt	
   werden,	
   da	
   dieser	
   in	
   der	
   Regel	
   sta-­‐   Feedback	
   gegeben	
   wird.	
   Bei	
   Konferenzen	
   auf	
   dem	
   Campus	
  
  bilere	
  Übertragungen	
  garanQert.	
  Es	
  ist	
  auf	
  eine	
  opQmale	
  Be-­‐           sind	
   persönlich	
   und	
   unmiXelbar	
   nach	
   der	
   Sitzung	
   durchge-­‐
  lichtung	
   beim	
   Videobild	
   zu	
   achten,	
   um	
   bestmögliche	
                    führte	
   Treffen	
   mit	
   den	
   Lernenden	
   überaus	
   hilfreich.	
   Essen-­‐
  Videoqualität	
   zu	
   ermöglichen.	
   Den	
   Lernenden	
   sollten	
   für	
   das	
       ziell	
   ist	
   im	
   Rahmen	
   der	
   KommunikaQon,	
   dass	
   fortlaufend	
   auf	
  
  Üben	
   im	
   Vorhinein	
   Testzugänge	
   zur	
   Verfügung	
   gestellt	
                  Verständlichkeit	
   geachtet	
   wird	
   –	
   daher	
   sollten	
   wesentliche	
  
  werden.	
   In	
   diesem	
   Zusammenhang	
   ist	
   es	
   sinnvoll	
   für	
   un-­‐        Aussagen	
   der	
   Konferenz	
   wiederholt	
   werden!	
   Körperbewe-­‐
  geübte	
  Teilnehmer	
  oder	
  Teilnehmerinnen	
  kurze	
  Anleitungen	
                       gungen	
  sollten	
  stets	
  langsam	
  ausgeführt	
  werden,	
  da	
  schnelle	
  
  oder	
  Checklisten	
  anzuferQgen.	
                                                           Bewegungen	
   ruckarQge	
   Artefakte	
   im	
   Videobild	
   erzeugen	
  
                                                                                                  können.	
  
  Tipps	
  für	
  die	
  didak>sche	
  Organisa>on	
  
                                                                                                  Zeitmanagement	
  
  Lehrende	
   sollten	
   auf	
   ihre	
   Zielgruppe	
   achten	
   und	
   überlegen	
  
  in	
   welcher	
   Form	
   Videokonferenzen	
   opQmal	
   eingesetzt	
                        Videokonferenzen	
   sind	
   anspruchsvoll	
   und	
   ermüdend	
   –	
   Mo-­‐
  werden	
   können	
   (als	
   PräsentaQonstool,	
   als	
   diskursives	
                      derator/innen	
   sollten	
   daher	
   regelmäßig	
   Pausen	
   einplanen!	
  
  Werkzeug	
   etc.)	
   Zahlreiche	
   Videokonferenzlösungen	
   bieten	
                       Gegebenenfalls	
   ist	
   zudem	
   zu	
   Beginn	
   der	
   Sitzungen	
   Zeit	
   für	
  
  erweiterte	
   (in	
   das	
   System	
   integrierte)	
   KommunikaQonswerk-­‐                 die	
  Einrichtung	
  der	
  technischen	
  Infrastruktur	
  vorzusehen.	
  In	
  
  zeuge	
   (Whiteboards,	
   Chat,	
   File-­‐Sharing)	
   an	
   –	
   diese	
   können	
       der	
  Einleitung	
  sollte	
  stets	
  eine	
  kurze	
  zeitliche	
  Strukturierung	
  
  für	
   erweiterte	
   didakQsche	
   AkQvitäten	
   genutzt	
   werden.	
   Leh-­‐             bekanntgegeben	
   werden	
   und	
   auf	
   ihre	
   Einhaltung	
   geachtet	
  
  rende	
  sollten	
  die	
  Beteiligung	
  fördern	
  und	
  belohnen,	
  zum	
  Bei-­‐          werden.	
   Abschließend	
   sei	
   darauf	
   verwiesen,	
   dass	
   eine	
   klare	
  
  spiel	
   mit	
   einem	
   Preis	
   für	
   die	
   akQvsten	
   Teilnehmer/innen.	
          Adressierung	
   der	
   KommunikaQonsteilnehmer/innen	
   Zeit	
  
  Lehrende	
   sollten	
   auch	
   den	
   PerspekQvenwechsel	
   einplanen,	
                   spart!	
  

6. Technische	
  Anforderungen	
  und	
  Umsetzungen	
                                            weise werden Bandbreiten zwischen 384 und 1920
Für erfolgreiche Videokonferenzen werden höchste                                                  kbps benutzt, welche für eine gute bis sehr gute Vi-
Anforderungen an die Netzanbindung und die Da-                                                    deoqualität ausreichen. Die zur Übertragung einge-
tenübertragung gelegt. Die für Videokonferenzen be-                                               setzten Videokomprimierungen (H.263, H.264) sind
nötigte Bandbreite beginnt bei 128 kbps für eine ge-                                              sehr effektiv und werden sowohl für ruhende Teile
ringe Videoqualität und endet bei 4 Mbps. Üblicher-                                               als auch für den Bewegtanteil im Video genutzt.
6	
  —	
  Lehrbuch	
  für	
  Lernen	
  und	
  Lehren	
  mit	
  Technologien	
  (L3T)


Nicht nur um sicher zu stellen, dass ausreichend
                                                                                                   Wir	
   haben	
   Ihnen	
   eine	
   umfangreiche	
   Übungsaufgabe	
  
Bandbereite gewährleistet ist, ist unbedingt die IT-
Abteilung bei der Auswahl und Installation der VC-                                            ?    (für	
   zwei	
   Personen)	
   vorbereitet,	
   die	
   Ihnen	
   die	
   Mög-­‐
                                                                                                   lichkeit	
   gibt,	
   Ihre	
   Kompetenz	
   im	
   Umgang	
   mit	
   Web-­‐	
  
Anlage einzubinden. Mit dieser ist auch zu klären, wie                                             und	
  Videokonferenzen	
  prakQsch	
  zu	
  entwickeln	
  und	
  zu	
  
Sicherheitsfragen und Integration in die Firewall                                                  reflekQeren.	
  Die	
  Übungsaufgabe	
  ist	
  als	
  ZIP-­‐Datei	
  unter	
  
gelöst werden können, da das H.323-Protokoll nicht                                                 hXp//:l3t.eu	
   bei	
   diesem	
   Kapitel	
   zugänglich	
   (#video-­‐
von allen Firewalls unterstützt wird.                                                              konferenz).	
   Sollten	
   Sie	
   keine	
   KooperaQonspartnerin	
  
                                                                                                   oder	
   keinen	
   KooperaQonspartner	
   finden	
   oder	
   sollten	
  
    Optimal ist es, wenn alle Konferenzteilnehmer das
                                                                                                   technische	
   Probleme	
   die	
   Einrichtung	
   der	
   Videokon-­‐
gleiche System verwenden. Bei der Auswahl ist jeden-                                               ferenz	
   verhindern,	
   können	
   Sie	
   die	
   Aufgabenstellung	
  
falls darauf zu achten, welche Kompatibilitäten die                                                auch	
  eigenständig	
  bearbeiten.	
  
Hersteller für das jeweilige Produkt garantieren.                                                    ▸ Bevor	
  Sie	
  mit	
  der	
  Bearbeitung	
  der	
  Übungsaufgabe	
  
    Die Auswahl einer Video- oder Webkonfe-                                                            beginnen,	
   lesen	
   Sie	
   biXe	
   alle	
   InformaQonen	
   genau	
  
renz-Anwendung für den Einsatz in einem Lehr-                                                          durch,	
   um	
   einen	
   Überblick	
   über	
   den	
   gesamten	
  
Lernkontext muss mit den spezifischen didaktischen                                                     Lernprozess	
  und	
  die	
  erforderlichen	
  SchriXe	
  zu	
  be-­‐
                                                                                                       kommen.	
  
Zielsetzungen abgestimmt werden und ist zusätzlich
                                                                                                     ▸ Im	
  AbschniX	
  zur	
  Unterstützung	
  des	
  Lernens	
  in	
  Vi-­‐
von technischen und organisatorischen Rahmenbe-                                                        deokonferenzen	
  wurden	
  Ihnen	
  zwei	
  Möglichkeiten	
  
dingungen abhängig. Insbesondere ist bei der                                                           zur	
   Unterstützung	
   des	
   Lernens	
   in	
   Videokonfe-­‐
Auswahl von Videokonferenz-Equipment (Hard- und                                                        renzen	
  vorgestellt:	
  Strukturierungen	
  mit	
  Fokus	
  auf	
  
Soft-ware) neben der Abklärung, wie viel Budget zur                                                    die	
   KooperaQon	
   oder	
   auf	
   den	
   Inhalt.	
   Sie	
   ver-­‐
Verfügung steht, zu klären, ob und in welcher Qua-                                                     wenden	
  selbst	
  ein	
  KooperaQonsskript	
  und	
  eine	
  in-­‐
lität die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche                                                      haltspezifische	
   Strukturierung	
   für	
   die	
   Kommuni-­‐
                                                                                                       kaQon	
   mit	
   Ihrer	
   Partnerin	
   oder	
   Ihrem	
   Partner.	
  
Videokonferenz vorhanden sind oder geschaffen                                                          Folgen	
  Sie	
  dem	
  KooperaQonsskript!	
  
werden müssen.

         Tools	
   in	
   der	
   Praxis	
   Beispiele	
   für	
   Werkzeuge,	
   mit	
     munikations- und Kooperationsprozessen. Des-
  !      denen	
   sich	
   Videokonferenzen	
   abhalten	
   lassen,	
   sind	
  
         unter	
  anderem:	
  
                                                                                            wegen, und auch weil den Lernenden oft wichtige
                                                                                            Fertigkeiten zur Kooperation fehlen, kann didak-
         Kommerzielle	
  webbasierte	
  Konferenzsysteme:	
                                 tische Unterstützung in Videokonferenzen hilfreich
          ▸ Adobe	
  Connect	
  Spreed,	
                                                   sein, zum Beispiel durch Skripts und Wissens-
          ▸ Netviewer,	
                                                                    schemata. Für den Einsatz von Videokonferenzen
          ▸ NetMeeQng	
   (oder	
   Windows-­‐Besprechungsraum	
  
            ab	
  Windows	
  Vista)	
  oder
                                                                                            beim Lernen gilt es, neben den pädagogischen
          ▸ Vitero.	
                                                                       Aspekten, technische, organisatorische und finan-
         Kostenlose	
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                                                                                            zielle Rahmenbedingungen zu beachten, um die Vi-
          ▸ fast	
   alle	
   Messaging-­‐Systeme	
   wie	
   Skype,	
   DimDim	
           deokonferenz für alle Beteiligten erfolgreich zu ge-
            oder	
  Windows	
  Live	
  Messenger	
  sowie                                   stalten.
          ▸ Open	
   Source	
   Web	
   Conferencing:	
   openmeeQngs,	
  
            vmukQ	
  

                                                                                                   Die	
  häufigsten	
  Fehler,	
  die	
  bei	
  Videokonferenzen	
  auf-­‐
   Video- und Webkonferenz-Software erfordert in
der Regel die Installation eines Programms auf dem                                            !    treten	
  können,	
  werden	
  im	
  Video	
  der	
  University	
  of	
  
                                                                                                   Washington	
  „The	
  Videoconferencing	
  Zone“	
  auf	
  hu-­‐
Computer. Es gibt auch Online-Applikationen, bei                                                   morvolle	
  Weise	
  dargestellt.	
  Verfügbar	
  auf:	
  hXp://you-­‐
denen lediglich die Anmeldung und Einrichtung eines                                                tu.be/ccMZ_NWhkf4.
Accounts erforderlich ist. Die Ausstattung des Com-
puters mit einer Webcam und Lautsprecher/Mi-
                                                                                            Literatur
krofon (Headset) ist in jedem Fall erforderlich; Breit-
bandinternetverbindung wird empfohlen.                                                      ▸ Clark, H. H. & Brennan, S. E. (1996). Grounding in communi-
                                                                                              cation. In: L. B. Resnick; J. M. Levine & S. D. Teasley (Hrsg.),
7. Fazit	
  
                                                                                              Perspectives on socially shared cognition. Washington DC:
Videokonferenzen sind eine vielversprechende Mög-                                             American Psychological Association, 127-149.
lichkeit, kooperativ und hoch interaktiv über Entfer-                                       ▸ Ertl, B. (2007). Kooperatives Lernen in Videokonferenzen.
nungen hinweg zu lernen. Allerdings, auch wenn Vi-                                            Einflussmöglichkeiten didaktischer Strukturierungen. Saar-
deokonferenzen der Face-to-Face Kommunikation                                                 brücken: VDM Verlag Dr. Müller.
sehr ähnlich sind, gibt es Unterschiede in den Kom-
Lernen	
  mit	
  Videokonferenzen.	
  Szenarien,	
  Anwendungen	
  und	
  PraxisQpps	
  —	
  7


▸ Ertl, B.; Fischer, F. & Mandl, H. (2006). Conceptual and socio-      ▸ Paechter, M.; Maier, B. & Macher, D. (2010). Students’ expecta-
  cognitive support for collaborative learning in videoconfe-            tions of, and experiences in e-learning: Their relation to
  rencing environments. Computers & Education, 47(3), 298-               learning achievements and course satisfaction. Computers and
  315.                                                                   Education, 54(1), 222-229.
▸ e-teaching.org. URL: http://www.e-teaching.org/glossar/vi-           ▸ Pepper, C. (2003). Digital handbook - a videoconferencing
  deokonferenz [2010-10-09].                                             guide for teachers and students. URL:
▸ Flessner, B. (2000). Fernsprechen als Fernsehen. Die Ent-              http://www.d261.k12.id.us/VCing/intro.htm [2010-07-20].
  wicklung der Bildtelefonie und die Bildtelefonprojekte der           ▸ publicare. Weltweit einzigartig: Herstellerunabhängiger Ver-
  Deutschen Reichspost. In: J. Bräunlein & B. Flessner (Hrsg.),          gleich von Software für Webkonferenzen. URL: http://ww-
  Der sprechende Knochen. Perspektiven von Telefonkulturen.              w.webconferencing-test.com/de/webkonferenz_home.html
  Wiesbaden: Königshausen und Neumann, 29-46.                            [2010-07-06].
▸ Gyorke, A. (2006). Faculty guide to teaching through videocon-       ▸ Rakoczi, G.; Herbst, I. & Reichl, F. (2010). Nine recommenda-
  ferencing. URL: http://clc.its.psu.edu/Classrooms/Help/Vi-             tions for enhancing e-moderation skills by utilisation of video-
  deoconferencing.pdf [2010-07-20].                                      conferencing within an e-tutoring curriculum. In: Proceedings
▸ Keller, R. (2009). Live e-learning im virtuellen Klassenzimmer.        of ED-Media World Conference on Educational Multimedia,
  Eine qualitative Studie zu den Besonderheiten beim Lehren              Hypermedia & Telecommunication, Chesapeake, VA: AACE,
  und Lernen. Hamburg: Verlag Dr. Kovac.                                 2258-2266.
▸ König, P. (2007). Blickkontakt. c’t, 07(1), URL: http://ww-          ▸ Salmon, G. (2000). E-moderating: The key to teaching and
  w.heise.de/ct/artikel/Blickkontakt-290814.html [2010-09-16].           learning online. London: Kogan Page Limited.
▸ Paechter, M.; Kreisler, M. & Maier, B. (2010). Supporting colla-     ▸ VCC: Kompetenzzentrum für Videokonferenzen. URL:
  boration and communication in videoconferences. In: B. Ertl            http://vcc.zih.tu-dresden.de [2010-09-10].
  (Hrsg.), E-collaborative knowledge construction: Learning            ▸ Virtuelle Hochschule Oberrhein. URL: http://www.viror.de
  from computer-supported and virtual environments, Hershey,             [2010-09-10].
  PA: IGI Global, 195-212.

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Lernen mit Videokonferenzen - Szenarien, Anwendungen und Praxistipps

  • 1.
  • 2. 2  —  Lehrbuch  für  Lernen  und  Lehren  mit  Technologien  (L3T) sonders für kooperative Lernszenarien, die von inter- 1. Entwicklung  von  Videokonferenzen   aktiver Kommunikation wie Tutoring oder Coaching Seit der Verbreitung des Telefons gab es immer profitieren, und für Szenarien, die eine gemeinsame wieder die Vision und den Wunsch, das Gegenüber Lösungs- oder Entscheidungsfindung beinhalten. nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen. Bereits in Aspekte beider Szenarien sollen im Folgenden kurz der 30er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es mit charakterisiert werden: der Einführung der Fernsehsprechzelle erste Ver- Tutoring- und Coaching-Szenarien zeichnen suche, Bild- und Tonübertragungen vorzunehmen, sich durch unterschiedlich hohe Expertise der Teil- die dann in den späten 1960er Jahren mit der Ein- nehmer/innen aus. Dabei leitet eine Person mit führung des Picturephones fortgeführt wurden – hoher Expertise eine oder mehrere Personen mit ge- wirklich erfolgreich waren beide Ansätze nicht. Erst ringerer Expertise über Videokonferenz an. Der be- mit der Verbreitung des Internets Ende der 1990er sondere Beitrag der Videokonferenz in solchen Situa- Jahre erlebt die Videokonferenz einen neuen Auf- tionen besteht in der Möglichkeit, zusätzliche Anwen- schwung – insbesondere seitdem die Übertragung dungen oder Werkzeuge in den Lernprozess zu inte- von Bild und Ton auch über die Web-Standards grieren und dadurch gemeinsame Referenzpunkte zu möglich geworden ist und ausreichend Bandbreiten schaffen (Ertl, 2007). zur Verfügung stehen (Flessner, 2000). Bei der kooperativen Lösungs- oder Entschei- dungsfindung diskutieren Lernende mit vergleich- barer Expertise gemeinsam Fragestellungen oder er- „Eine   Videokonferenz   ist   eine   Besprechung   mehrerer   arbeiten gemeinsam eine Problemlösung. Hier stehen ! Personen   an   unterschiedlichen   Orten,   die   per   Video-­‐ kamera  oder  Webcam  und  Datenleitungen  mit  hoher   die gemeinsame Diskussion und Problemreflexion im Bandbreite,   beispielsweise   über   das   Internet,   über-­‐ Vordergrund. Der spezifische Beitrag der Videokon- tragen  wird,  wobei  sich  alle  Teilnehmenden  über  Mo-­‐ ferenz besteht in solchen Szenarien aus dem Bereit- nitor  sowie  Sprachein-­‐  und  -­‐ausgabegeräte  sehen  und   stellen eines hoch interaktiven Kommunikationsme- hören   können.“   (DefiniQon   von   „Videokonferenz“   im   diums und gemeinsamer Arbeitsdokumente für die Glossar  von  e-­‐teaching.org)   Lerngruppe (Paechter et al., 2010). Weitere didaktische Szenarien können Vorle- 2. Szenarien  des  Lernens  in  Videokonferenzen   sungen über Videokonferenzen umfassen. Beispiels- Betrachtet man Lernszenarien in Videokonferenzen, weise haben sich die Universitäten Freiburg, Hei- dann stellt sich die Frage, inwieweit sich diese vom delberg, Karlsruhe und Mannheim in einem Projekt Lernen Face-to-Face (das heißt Lernende und Leh- zur virtuellen Hochschule zusammengeschlossen. rende befinden sich an einem gemeinsamen Ort) Die vier Universitäten tauschen Vorlesungen über oder von anderen Formen des E-Learnings unter- Datenleitungen aus, führen gemeinsam Televorle- scheiden. Diese Frage lässt sich sowohl auf einer sungen und -seminare durch und tauschen multime- technischen, als auch auf einer didaktischen Ebene diale Lernmodule. So wurde über Videokonferenz die beantworten. Technisch fokussiert diese Frage auf Vorlesung „Rechnernetze“ der Universität Mannheim Aspekte wie den Aufwand, mit dem sich Lernen in an die Partneruniversitäten übertragen. Die Über- Videokonferenzen realisieren lässt, und wie einfach tragung von Vorlesungen erfolgt in speziellen, tech- der Zugang der Lernenden zu solchen Lernszenarien nisch entsprechend ausgestatteten Hörsälen. Inter- ist. Die Beantwortung dieser Frage ist von der ver- aktive Whiteboards (die technisierte Form der Wand- wendeten Infrastruktur abhängig und kann daher erst tafel), spezielle Softwareprogramme und eine ausrei- in der konkreten Anwendung berücksichtigt werden chend hohe Übertragungsrate der Netzwerke ge- (Hinweise dazu finden Sie am Ende des Kapitels). An hören zur Standardausstattung in diesem Projekt. Die dieser Stelle liegt der Fokus auf dem didaktischen Lerninhalte werden zudem archiviert. Vorlesungen Aspekt, das heißt wie sich charakteristische Eigen- werden aufgezeichnet und ins Netz gestellt oder Do- schaften von Videokonferenzen so einsetzen lassen, zierende erstellen Präsentationen ausschließlich für dass die Lernenden davon besonders profitieren: das Netz (vgl. VCC, siehe Literaturverzeichnis). Er- Synchrone sprachliche Kommunikation, durch die gänzend dazu gibt es Ansätze, dass sich die einzelnen elaborierte Erklärungen und interaktive Diskussionen Teilnehmer/innen vom eigenen Computer aus an ermöglicht werden, und Application-Sharing, wo- einem Videokonferenz-Seminar beteiligen; Gestal- durch die Lernenden gleichzeitig auf einen ge- tungsvorschläge für das Design solcher Seminare und meinsam sichtbaren Arbeitsbereich zugreifen konkrete Anforderungen an Tutoren von Videokon- können. Dadurch eignen sich Videokonferenzen be- ferenz-Seminaren finden sich unter anderem bei
  • 3. Lernen  mit  Videokonferenzen.  Szenarien,  Anwendungen  und  PraxisQpps  —  3 Keller (2009). Er beschreibt auch Spezifika der Semi- munikation und die Leistung von Gruppen in Video- narsituation Videokonferenz. Insgesamt ist die Kom- konferenz- und Face-to-Face-Kommunikation unter- munikation beim Lernen mit Hilfe von Videokonfe- sucht. Achtundvierzig Teams zu je vier Personen renzen der Face-to-Face-Kommunikation eher trafen sich dreimal entweder Face-to-Face oder in ähnlich; dennoch gibt es Unterschiede. Diese sollen einer Videokonferenz und bearbeiteten komplexe im Folgenden näher betrachtet werden. Aufgaben. Alle Gruppenmitglieder sollten ihr Wissen austauschen, einen gemeinsamen Lösungsvorschlag 3. Kommunika>on  in  Videokonferenzen entwickeln und sich auf diesen einigen. Bei der Kommunikation kann man als einen fortlaufenden Analyse der Leistung zeigten sich keine Unterschiede Prozess der gemeinsamen Verständigung von zwei zwischen den Videokonferenz- und den Face-to-Fa- oder mehreren Personen beschreiben (Clark & ce-Gruppen. Allerdings kommunizierten die Grup- Brennan, 1996), in dem unterschiedliche Ziele erfüllt penmitglieder in den beiden Settings unterschiedlich: werden: Personen entwickeln zum Beispiel einen Ein- Videokonferenzteams verbalisierten wesentlich häu- druck voneinander, tauschen sachbezogene oder figer die Koordination der gemeinsamen Arbeit und emotionale Information aus, koordinieren Arbeitstä- die Ausführung der Aufgaben. Sie machten häufiger tigkeiten. Man kann Kommunikation als gemein- Äußerungen dazu, welches Gruppenmitglied eine sames Handeln beschreiben, in dem die Kommunika- (Teil-) Aufgabe durchführt, über welches Wissen oder tionspartner/innen die Gesprächsinhalte und den über welche zeitlichen Ressourcen bestimmte Grup- Gesprächsverlauf koordinieren. In diesem Prozess penmitglieder verfügen. Dieses Ergebnis kann da- versuchen sie fortlaufend eine gemeinsame Verstän- durch erklärt werden, dass in der Videokonferenz digungsbasis, einen „Common Ground“, zu gewähr- Mittel zur Gesprächskoordination, wie der Blick- leisten (Clark & Brennan, 1996). Dazu müssen sie kontakt, nicht zur Verfügung stehen. sich an die Besonderheiten des jeweils verwendeten Die Bedeutung der Koordination in Videokonfe- Kommunikationsmediums anpassen. renzen wird durch weitere Studien bestätigt: In einer Videokonferenzkommunikation und Face-to-Face- Studie von Paechter et al. (2010) wurde ein Training Kommunikation haben zunächst einige Gemeinsam- für das gemeinsame Arbeiten in Videokonferenzen keiten: Sichtbarkeit, Hörbarkeit, Synchronizität (das entwickelt und untersucht. Arbeitsgruppen lernten, heißt ein Beitrag wird zur selben Zeit produziert, zu die Koordination der gemeinsamen Arbeit explizit zu der er von der Kommunikationspartnerin oder vom verbalisieren, aufgabenbezogene Information im Ge- Kommunikationspartner empfangen wird; dies trifft spräch wiederaufzugreifen und mit der Aufgabe in zum Beispiel auf E-Mail nicht zu), Sequenzialität (das Bezug zu setzen. In einer empirischen Untersuchung heißt es bleibt die von den Sprechenden intendierte wurden Gruppen, die dieses Training erhalten hatten, Abfolge der Beiträge erhalten; dies trifft zum Beispiel mit Gruppen verglichen, die kein Training erhalten auf Chats nicht zu). Dennoch unterscheidet sich die hatten. Es zeigte sich, dass die Trainingsgruppen Videokonferenz- von der Face-to-Face-Kommuni- bessere Leistungen erzielten. kation: So fehlt die Kopräsenz, da sich die Kommu- 4. Unterstützung  des  Lernens  in  Videokonferenzen nikationspartner/innen nicht denselben Raum teilen. Gerade dieses Merkmal ist jedoch wesentlich für das Auch wenn sich durch Trainings die Kommunikation Erfahren von emotionaler Nähe und sozialer in Videokonferenzen verbessern lässt, bleibt die Präsenz. Videokonferenzen schränken zudem die Frage offen, inwieweit die Lernpartner/innen über Sichtbarkeit von Personen ein, wenn zum Beispiel in die notwendigen Fähigkeiten zur erfolgreichen Bear- Desktop-Videokonferenzen nur ein Porträtausschnitt beitung kooperativer Aufgaben verfügen. Da dies oft der Kommunikationspartner/innen auf dem Monitor nicht in ausreichendem Maße der Fall ist, ist didak- angezeigt wird. Eine wesentliche Einschränkung der tische Unterstützung für das Lernen in Videokonfe- Sichtbarkeit betrifft die fehlende Möglichkeit, Blick- renzen notwendig. Es lassen sich verschiedene kontakt herzustellen. Damit fehlt ein wichtiges Mittel Arten der didaktischen Unterstützung des für die non-verbale Koordination der Abfolge von Lernens in Videokonferenzen klassifizieren, deren Gesprächsbeiträgen (Paechter et al., 2010). Anwendung entweder vor oder während der Video- Diese Besonderheiten machen es notwendig, dass konferenz stattfindet und deren Fokus auf der Ver- die Kommunikationspartner/innen ihr Verhalten an besserung der Kooperation oder auf der Unter- das Setting „Videokonferenz“ anpassen. Dazu ein stützung der Inhaltsbearbeitung liegt. Beispiel: In einer Studie von Paechter et al. (2010) Unterstützungsmöglichkeiten vor der Koope- wurden über mehrere Teamtreffen hinweg die Kom- ration zielen darauf ab, die Lernenden besser auf die
  • 4. 4  —  Lehrbuch  für  Lernen  und  Lehren  mit  Technologien  (L3T) Kooperation in der Videokonferenz vorzubereiten. In   diesem   AbschniX   werden   Sie   eine   Videokonferenz   Hierunter fallen die schon beschriebenen Trainings für den Umgang mit der spezifischen Kommunikati- ? einrichten   und   in   einem   Lernkontext   anwenden.   Auf   Basis   der   eigenen   Erfahrungen   reflekQeren   Sie   dabei   onssituation „Videokonferenz“, Kooperationstrai- den   Einsatz   dieser   Technologie   und   die   didakQschen   nings und das Zirkulieren von Agenden oder von ImplikaQonen,  die  sich  daraus  ergeben.   Unterlagen zur individuellen inhaltlichen Vorbe- reitung (siehe dazu auch den Teil „Leitfäden für er- Hinweise  zur  Technologieentscheidung   folgreiche Videokonferenzen“). Während der Kooperation kann die Unter- Die Internationale Fernmeldeunion ITU klassifi- stützung durch Strukturvorgaben umgesetzt werden. ziert Videokonferenz-Endgeräte in Desktopsysteme, Kooperationsspezifische Unterstützung unterteilt den Kompaktsysteme oder Raumsysteme, die sich hin- Kooperationsprozess in spezifische Phasen, die un- sichtlich Leistungsspektrum und Einsatzgebiet unter- terschiedliche Aspekte der Aufgabenbearbeitung her- scheiden. vorheben. So lassen sich zum Beispiel der Austausch Bei einer Point-to-Point-Desktop-Videokon- von Informationen, das Sammeln von Aspekten und ferenz werden Bild und Ton von einem PC auf einen die Diskussion der Lösung fokussieren (siehe auch anderen übertragen. Dazu benötigt man eine Video- das Anwendungsbeispiel am Ende des Kapitels). Auf kamera oder Webcam und ein Mikrofon. Die Ver- inhaltlicher Ebene können Wissensschemata und bindung kann über Internet oder mindestens zwei Mapping-Methoden die Teilnehmenden auf spezi- ISDN-Telefonleitungen hergestellt werden. fische Inhaltsbereiche aufmerksam machen und Zu- Wenn mehrere Personen gleichzeitig miteinander sammenhänge visualisieren. Studien haben gezeigt, verbunden sind, spricht man von einer Multipoint- dass Lernende von einer Kombination beider Unter- Destop-Konferenz. Für die Organisation einer stützungsmethoden am meisten profitieren (Ertl et solchen Konferenz werden eine Multipoint-Control- al., 2006). Unit (MCU) oder ein Videokonferenz-Server be- nötigt. Diese verbinden drei und mehr PC-Ar- beitsplätze gleichzeitig. In der Regel nutzen ISDN- basierte MCUs den international etablierten Video- Fokus konferenzstandard H.320 oder wenn es sich um eine Inhalt KooperaQon IP-basierte Übertragung handelt, wird das Protokoll Inhalt vor  der  Ko-­‐ Agenden Trainings H.323 verwendet. Die Basisfunktion von H.323 bzw. operaQon H.320 ist die Übertragung von Audio, Video und während  der   Wissens-­‐ KooperaQons-­‐ Daten von einem Standort zum anderen. KooperaQon schemata skripts Für den Einsatz von Videokonferenzen in großen Räumen, zum Beispiel um einen Vortra- Tabelle  1:  Unterstützungsmöglichkeiten  für  Lernen  und   genden oder eine Vortragende aus Übersee in die Kooperation  in  Videokonferenzen. Vorlesung per Videokonferenzübertragung einzu- laden, empfiehlt sich die Anschaffung von eigens dafür konzipierten Raumsystemen. Dazu gehören In der nun folgenden Übungsaufgabe werden Sie eine hochwertige Kamera, ein Beamer für die Pro- die Gelegenheit haben, die Methoden des Kooperati- jektion des Bildes auf eine größere Fläche, eventuell onsskripts und des Wissensschemas selbst in einer eine Dokumentenkamera sowie ein PC. Üblicher- Videokonferenz zu erproben. weise sind Raumsysteme fix installiert. Schließlich gibt es auch portable Systeme. Laptops und Netbooks verfügen heute standard- 5. Anwendung  von  Videokonferenzen   mäßig über Webkameras. Auch die mobile Telefonie Es gibt eine Vielzahl an frei und kostenlos verfüg- bietet Geräte, in die Webcams integriert sind. Web- baren sowie kommerziellen internetbasierten Anwen- portale, die Schnittstellen zu mobilen Endgeräten wie dungen und Software für die Einrichtung einer Vi- Handys, Smartphones und Handheld-Geräten an- deokonferenz, mit und ohne Application-Sharing- bieten, ermöglichen unabhängig von Zeit und Ort die Funktionalität. Auch die gängigen Instant-Messaging- audio-visuelle Kommunikation zwischen Personen Anwendungen bieten zusätzlich zur Chat-Funktion und damit kooperatives Lernen. häufig die Möglichkeiten zur Kommunikation über einen Audio- und Videokanal.
  • 5. Lernen  mit  Videokonferenzen.  Szenarien,  Anwendungen  und  PraxisQpps  —  5 In der Praxis: Leitfäden für erfolgreiche Videokonferenzen Im   folgenden   AbschniX   werden   praxisnahe   Ratschläge   für   indem  sie  Lernende  durch  Vergabe  von  ModeraQonsrechten   den  Einsatz  von  Videokonferenzsystemen  in  der  alltäglichen   als   Lehrende   einsetzen!   Es   sind   etwaige   Hemmschwellen   der   Lern-­‐   sowie   Lehrpraxis   angeführt.   Die   Verwendung   der   Vi-­‐ Teilnehmer/innen   zu   beachten   –   erste   Konferenzsitzungen   deokonferenztechnologie  bringt  in  der  Regel  einen  gewissen   sollten   daher   im   universitären   Rahmen   (Campus)   durchge-­‐ Mehraufwand  für  die  Lehrenden  mit  sich.  Dieser  wird  jedoch   führt   werden,   und   es   sollte   erst   im   Anschluss   eine   Mit-­‐ mit   einer   Bereicherung   der   Lernerfahrung   sowie   erhöhtem   wirkung   von   unterschiedlichen   Senngs   aus   ermöglicht   MoQvaQonspotenzial   der   Lernenden   belohnt.   Die   nachfol-­‐ werden  (zu  Hause,  Büro). genden   praxisorienQerten   Empfehlungen   gliedern   sich   in   un-­‐ terschiedliche   Punkte   und   sollen   als   Anleitung   oder als     Kommunika>on   Checkliste   für   die   Gewährleistung   einer   effekQven   Appli-­‐ kaQon   dienen   (vgl.   Gyorke,2006;   Pepper,   2003;   publicare;   Ganz  besonders  ist  die  Bedeutung  von  definierten  Kommuni-­‐ Rakoczi  et  al.,  2010;  Salmon,  2010). kaQonsregeln   zu   betonen.   Ein   rechtzeiQger   Hinweis   auf   et-­‐ waige   NeQqueXe-­‐Regeln   ist   zu   empfehlen.   Bei   der   Technologie   Bildübertragung   sollte   auf   die   Körpersprache   geachtet   werden   –   die   Lehrenden   sollen   ihren   Blick   direkt   in   die   Im   Rahmen   der   Technologieentscheidung   sind   pladormun-­‐ Kamera   richten   und   sich   dem   Zweck   entsprechend   kleiden!   abhängige   Lösungen   zu   präferieren,   um   opQmale   KonnekQ-­‐ Untersuchungen   zeigen   zudem,   dass   die   Begeisterung   der   vität   der   unterschiedlichen   (Betriebs-­‐)Systeme   gewähren   zu   Lehrenden  wichQg  ist,  um  Lernende  zu  moQvieren  (Paechter   können.  Weiters  ist  die  Bandbreite  der  Netzwerkverbindung   et   al.,   2010).   Auch   dies   wird   über   die   Körpersprache   ver-­‐ zu   beachten,   da   die   Übertragung   von   Videokanälen   mitunter   miXelt!   Wesentlich   ist,   dass   gegen   Ende   einer   Videokonfe-­‐ sehr   datenintensiv   ausfallen   kann.   Bei   der   Internet-­‐ver-­‐ renzsitzung   die   besprochenen   Inhalte   zusammengefasst   bindung   sollte   der   Kabelzugang   gegenüber   dem   EinsQeg   werden   und   den   Teilnehmerinnen   und   Teilnehmern   über   WLAN   bevorzugt   werden,   da   dieser   in   der   Regel   sta-­‐ Feedback   gegeben   wird.   Bei   Konferenzen   auf   dem   Campus   bilere  Übertragungen  garanQert.  Es  ist  auf  eine  opQmale  Be-­‐ sind   persönlich   und   unmiXelbar   nach   der   Sitzung   durchge-­‐ lichtung   beim   Videobild   zu   achten,   um   bestmögliche   führte   Treffen   mit   den   Lernenden   überaus   hilfreich.   Essen-­‐ Videoqualität   zu   ermöglichen.   Den   Lernenden   sollten   für   das   ziell   ist   im   Rahmen   der   KommunikaQon,   dass   fortlaufend   auf   Üben   im   Vorhinein   Testzugänge   zur   Verfügung   gestellt   Verständlichkeit   geachtet   wird   –   daher   sollten   wesentliche   werden.   In   diesem   Zusammenhang   ist   es   sinnvoll   für   un-­‐ Aussagen   der   Konferenz   wiederholt   werden!   Körperbewe-­‐ geübte  Teilnehmer  oder  Teilnehmerinnen  kurze  Anleitungen   gungen  sollten  stets  langsam  ausgeführt  werden,  da  schnelle   oder  Checklisten  anzuferQgen.   Bewegungen   ruckarQge   Artefakte   im   Videobild   erzeugen   können.   Tipps  für  die  didak>sche  Organisa>on   Zeitmanagement   Lehrende   sollten   auf   ihre   Zielgruppe   achten   und   überlegen   in   welcher   Form   Videokonferenzen   opQmal   eingesetzt   Videokonferenzen   sind   anspruchsvoll   und   ermüdend   –   Mo-­‐ werden   können   (als   PräsentaQonstool,   als   diskursives   derator/innen   sollten   daher   regelmäßig   Pausen   einplanen!   Werkzeug   etc.)   Zahlreiche   Videokonferenzlösungen   bieten   Gegebenenfalls   ist   zudem   zu   Beginn   der   Sitzungen   Zeit   für   erweiterte   (in   das   System   integrierte)   KommunikaQonswerk-­‐ die  Einrichtung  der  technischen  Infrastruktur  vorzusehen.  In   zeuge   (Whiteboards,   Chat,   File-­‐Sharing)   an   –   diese   können   der  Einleitung  sollte  stets  eine  kurze  zeitliche  Strukturierung   für   erweiterte   didakQsche   AkQvitäten   genutzt   werden.   Leh-­‐ bekanntgegeben   werden   und   auf   ihre   Einhaltung   geachtet   rende  sollten  die  Beteiligung  fördern  und  belohnen,  zum  Bei-­‐ werden.   Abschließend   sei   darauf   verwiesen,   dass   eine   klare   spiel   mit   einem   Preis   für   die   akQvsten   Teilnehmer/innen.   Adressierung   der   KommunikaQonsteilnehmer/innen   Zeit   Lehrende   sollten   auch   den   PerspekQvenwechsel   einplanen,   spart!   6. Technische  Anforderungen  und  Umsetzungen   weise werden Bandbreiten zwischen 384 und 1920 Für erfolgreiche Videokonferenzen werden höchste kbps benutzt, welche für eine gute bis sehr gute Vi- Anforderungen an die Netzanbindung und die Da- deoqualität ausreichen. Die zur Übertragung einge- tenübertragung gelegt. Die für Videokonferenzen be- setzten Videokomprimierungen (H.263, H.264) sind nötigte Bandbreite beginnt bei 128 kbps für eine ge- sehr effektiv und werden sowohl für ruhende Teile ringe Videoqualität und endet bei 4 Mbps. Üblicher- als auch für den Bewegtanteil im Video genutzt.
  • 6. 6  —  Lehrbuch  für  Lernen  und  Lehren  mit  Technologien  (L3T) Nicht nur um sicher zu stellen, dass ausreichend Wir   haben   Ihnen   eine   umfangreiche   Übungsaufgabe   Bandbereite gewährleistet ist, ist unbedingt die IT- Abteilung bei der Auswahl und Installation der VC- ? (für   zwei   Personen)   vorbereitet,   die   Ihnen   die   Mög-­‐ lichkeit   gibt,   Ihre   Kompetenz   im   Umgang   mit   Web-­‐   Anlage einzubinden. Mit dieser ist auch zu klären, wie und  Videokonferenzen  prakQsch  zu  entwickeln  und  zu   Sicherheitsfragen und Integration in die Firewall reflekQeren.  Die  Übungsaufgabe  ist  als  ZIP-­‐Datei  unter   gelöst werden können, da das H.323-Protokoll nicht hXp//:l3t.eu   bei   diesem   Kapitel   zugänglich   (#video-­‐ von allen Firewalls unterstützt wird. konferenz).   Sollten   Sie   keine   KooperaQonspartnerin   oder   keinen   KooperaQonspartner   finden   oder   sollten   Optimal ist es, wenn alle Konferenzteilnehmer das technische   Probleme   die   Einrichtung   der   Videokon-­‐ gleiche System verwenden. Bei der Auswahl ist jeden- ferenz   verhindern,   können   Sie   die   Aufgabenstellung   falls darauf zu achten, welche Kompatibilitäten die auch  eigenständig  bearbeiten.   Hersteller für das jeweilige Produkt garantieren. ▸ Bevor  Sie  mit  der  Bearbeitung  der  Übungsaufgabe   Die Auswahl einer Video- oder Webkonfe- beginnen,   lesen   Sie   biXe   alle   InformaQonen   genau   renz-Anwendung für den Einsatz in einem Lehr- durch,   um   einen   Überblick   über   den   gesamten   Lernkontext muss mit den spezifischen didaktischen Lernprozess  und  die  erforderlichen  SchriXe  zu  be-­‐ kommen.   Zielsetzungen abgestimmt werden und ist zusätzlich ▸ Im  AbschniX  zur  Unterstützung  des  Lernens  in  Vi-­‐ von technischen und organisatorischen Rahmenbe- deokonferenzen  wurden  Ihnen  zwei  Möglichkeiten   dingungen abhängig. Insbesondere ist bei der zur   Unterstützung   des   Lernens   in   Videokonfe-­‐ Auswahl von Videokonferenz-Equipment (Hard- und renzen  vorgestellt:  Strukturierungen  mit  Fokus  auf   Soft-ware) neben der Abklärung, wie viel Budget zur die   KooperaQon   oder   auf   den   Inhalt.   Sie   ver-­‐ Verfügung steht, zu klären, ob und in welcher Qua- wenden  selbst  ein  KooperaQonsskript  und  eine  in-­‐ lität die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche haltspezifische   Strukturierung   für   die   Kommuni-­‐ kaQon   mit   Ihrer   Partnerin   oder   Ihrem   Partner.   Videokonferenz vorhanden sind oder geschaffen Folgen  Sie  dem  KooperaQonsskript!   werden müssen. Tools   in   der   Praxis   Beispiele   für   Werkzeuge,   mit   munikations- und Kooperationsprozessen. Des- ! denen   sich   Videokonferenzen   abhalten   lassen,   sind   unter  anderem:   wegen, und auch weil den Lernenden oft wichtige Fertigkeiten zur Kooperation fehlen, kann didak- Kommerzielle  webbasierte  Konferenzsysteme:   tische Unterstützung in Videokonferenzen hilfreich ▸ Adobe  Connect  Spreed,   sein, zum Beispiel durch Skripts und Wissens- ▸ Netviewer,   schemata. Für den Einsatz von Videokonferenzen ▸ NetMeeQng   (oder   Windows-­‐Besprechungsraum   ab  Windows  Vista)  oder beim Lernen gilt es, neben den pädagogischen ▸ Vitero.   Aspekten, technische, organisatorische und finan- Kostenlose  webbasierte  Konferenzsysteme:   zielle Rahmenbedingungen zu beachten, um die Vi- ▸ fast   alle   Messaging-­‐Systeme   wie   Skype,   DimDim   deokonferenz für alle Beteiligten erfolgreich zu ge- oder  Windows  Live  Messenger  sowie stalten. ▸ Open   Source   Web   Conferencing:   openmeeQngs,   vmukQ   Die  häufigsten  Fehler,  die  bei  Videokonferenzen  auf-­‐ Video- und Webkonferenz-Software erfordert in der Regel die Installation eines Programms auf dem ! treten  können,  werden  im  Video  der  University  of   Washington  „The  Videoconferencing  Zone“  auf  hu-­‐ Computer. Es gibt auch Online-Applikationen, bei morvolle  Weise  dargestellt.  Verfügbar  auf:  hXp://you-­‐ denen lediglich die Anmeldung und Einrichtung eines tu.be/ccMZ_NWhkf4. Accounts erforderlich ist. Die Ausstattung des Com- puters mit einer Webcam und Lautsprecher/Mi- Literatur krofon (Headset) ist in jedem Fall erforderlich; Breit- bandinternetverbindung wird empfohlen. ▸ Clark, H. H. & Brennan, S. E. (1996). Grounding in communi- cation. In: L. B. Resnick; J. M. Levine & S. D. Teasley (Hrsg.), 7. Fazit   Perspectives on socially shared cognition. Washington DC: Videokonferenzen sind eine vielversprechende Mög- American Psychological Association, 127-149. lichkeit, kooperativ und hoch interaktiv über Entfer- ▸ Ertl, B. (2007). Kooperatives Lernen in Videokonferenzen. nungen hinweg zu lernen. Allerdings, auch wenn Vi- Einflussmöglichkeiten didaktischer Strukturierungen. Saar- deokonferenzen der Face-to-Face Kommunikation brücken: VDM Verlag Dr. Müller. sehr ähnlich sind, gibt es Unterschiede in den Kom-
  • 7. Lernen  mit  Videokonferenzen.  Szenarien,  Anwendungen  und  PraxisQpps  —  7 ▸ Ertl, B.; Fischer, F. & Mandl, H. (2006). Conceptual and socio- ▸ Paechter, M.; Maier, B. & Macher, D. (2010). Students’ expecta- cognitive support for collaborative learning in videoconfe- tions of, and experiences in e-learning: Their relation to rencing environments. Computers & Education, 47(3), 298- learning achievements and course satisfaction. Computers and 315. Education, 54(1), 222-229. ▸ e-teaching.org. URL: http://www.e-teaching.org/glossar/vi- ▸ Pepper, C. (2003). Digital handbook - a videoconferencing deokonferenz [2010-10-09]. guide for teachers and students. URL: ▸ Flessner, B. (2000). Fernsprechen als Fernsehen. Die Ent- http://www.d261.k12.id.us/VCing/intro.htm [2010-07-20]. wicklung der Bildtelefonie und die Bildtelefonprojekte der ▸ publicare. Weltweit einzigartig: Herstellerunabhängiger Ver- Deutschen Reichspost. In: J. Bräunlein & B. Flessner (Hrsg.), gleich von Software für Webkonferenzen. URL: http://ww- Der sprechende Knochen. Perspektiven von Telefonkulturen. w.webconferencing-test.com/de/webkonferenz_home.html Wiesbaden: Königshausen und Neumann, 29-46. [2010-07-06]. ▸ Gyorke, A. (2006). Faculty guide to teaching through videocon- ▸ Rakoczi, G.; Herbst, I. & Reichl, F. (2010). Nine recommenda- ferencing. URL: http://clc.its.psu.edu/Classrooms/Help/Vi- tions for enhancing e-moderation skills by utilisation of video- deoconferencing.pdf [2010-07-20]. conferencing within an e-tutoring curriculum. In: Proceedings ▸ Keller, R. (2009). Live e-learning im virtuellen Klassenzimmer. of ED-Media World Conference on Educational Multimedia, Eine qualitative Studie zu den Besonderheiten beim Lehren Hypermedia & Telecommunication, Chesapeake, VA: AACE, und Lernen. Hamburg: Verlag Dr. Kovac. 2258-2266. ▸ König, P. (2007). Blickkontakt. c’t, 07(1), URL: http://ww- ▸ Salmon, G. (2000). E-moderating: The key to teaching and w.heise.de/ct/artikel/Blickkontakt-290814.html [2010-09-16]. learning online. London: Kogan Page Limited. ▸ Paechter, M.; Kreisler, M. & Maier, B. (2010). Supporting colla- ▸ VCC: Kompetenzzentrum für Videokonferenzen. URL: boration and communication in videoconferences. In: B. Ertl http://vcc.zih.tu-dresden.de [2010-09-10]. (Hrsg.), E-collaborative knowledge construction: Learning ▸ Virtuelle Hochschule Oberrhein. URL: http://www.viror.de from computer-supported and virtual environments, Hershey, [2010-09-10]. PA: IGI Global, 195-212.