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Journalistische Recherche im Social Web: Neue Potenziale, neue Probleme?
StudiVZ als journalistische Recherchequelle?
Journalistische Recherche im Social Web: Neue Potenziale, neue Probleme? Fragestellung: Welche berufsethischen Konsequenzen ergeben sich aus den neuen Möglichkeiten einer journalistischen Recherche im Social Web?  Zielsetzung: Identifikation und Systematisierung verschiedener Problemdimensionen Formulierung von Handlungsempfehlungen für die redaktionelle Praxis Vorgehen: Forschungsstand Inhaltsanalyse und Experteninterviews: Methode, Ergebnisse, Diskussion Schlussfolgerungen
Journalistische Recherche im Internet: Forschungsstand Quelle: Machill/Beiler/Zenker 2008: 108 3:34:45 100,0 Gesamt 0:23:57 11,5 Agenturen 1:52:33 40,6 Nicht computergestützt 0:22:09 0:09:16 0:12:49 0:14:19 0:12:44 0:05:50 0:00:55 0:00:13 12,1 8,3 8,0 7,5 7,1 3,3 0,5 0,1 E-Mail Suchmaschinen und Webkataloge Verschiedene Onlineangebote Onlineangebote redaktioneller Medien Hausinterne Archive Datenbanken und Archive Interaktive Formen Sonstiges 1:18:15 47,0 Computergestützt Dauer pro Journalist  in Stunden Anteil pro Journalist  in Prozent Journalistische Recherchemittel
Journalistische Recherche im Internet: Forschungsstand Problem: Viele Journalisten weisen sich beim Umgang mit webbasierten Informationsquellen keineswegs als Rechercheprofis aus, sondern gehen meist eher intuitiv, unreflektiert und unsystematisch vor, weil ihnen eine entsprechende Fachkompetenz fehlt. (vgl. Machill/Beiler/Zenker 2008: 290; Neuberger/Welker 2008: 32 und 39; Springer/Wolling 2008: 54f.; Wyss/Keel 2007: 156f. und 2008: 69f.)
Journalistische Recherche im Internet: Forschungsstand Quelle: news aktuell 2007 9 % Weiß nicht 9 % Gar keine Relevanz 52 % Geringe Relevanz 25 % Hohe Relevanz 5 % Sehr hohe Relevanz Welche Relevanz haben Web-2.0-Angebote für die journalistische Arbeit?
Journalistische Recherche im Internet: Forschungsstand Aber: Einzelne Erhebungen betonen immer wieder das große Potenzial neuer  webbasierter Medienformate – vor allem Weblogs – für den journalistischen Alltag: Weblogs als publizistisches Tool und Recherchetool (Welker 2006 und 2007) Medienblogs, die ins Publikationsumfeld der traditionellen Massenmedien integriert sind, scheinen bei Journalisten positive Erwartungen zu schüren. (Wied/Schmidt 2008) „ Mit wachsender Vertrautheit mit Blogs steigt offenkundig […] das Ansehen der Blogs.“ (Holler/Vollnhals/Faas 2008: 108)
Journalistische Recherche im Internet: Zwischenfazit Quellen im Social Web werden für die journalistische Recherche zunehmend wichtiger. Der Einbezug von Web-2.0-Quellen in die journalistische Recherche kann dazu beitragen, die Qualität der Berichterstattung zu steigern. Der Einbezug von Web-2.0-Quellen ist gleichzeitig mit neuen Problemen verbunden, die die journalistische Berufsethik auf die Probe stellen.
Inhaltsanalyse und Experteninterviews: Methode Inhaltsanalyse: Untersuchungsgegenstand: fünf überregionale Qualitätszeitungen (SZ, FAZ ohne FAS, Welt ohne WamS, FR, taz) Vollerhebung im Zeitraum bis zum 31.12.2008 Ziel: Identifikation von Beiträgen, in denen Quellen aus dem Social Web einbezogen wurden Experteninterviews: Fünf leitfadengestützte Interviews mit Fachleuten aus journalistischer Praxis, Journalistik, Journalistenausbildung, Medienselbstkontrolle und Blogosphäre Ziel: Identifikation und Bewertung von berufsethischen Problemdimensionen bei der Einbeziehung von Quellen aus dem Social Web in den journalistischen Rechercheprozess
Inhaltsanalyse: Weblogs in der überregionalen Qualitätspresse Quelle: eigene Erhebung 4649 1762 1338 885 505 100 43 10 5 1 gesamt 865 331 282 151 77 13 8 3 0 0 taz 1370 467 409 216 220 36 20 2 0 0 FR 710 242 166 206 75 15 4 0 2 0 Welt 723 289 191 155 63 15 6 3 1 0 FAZ 981 433 290 157 70 21 5 2 2 1 SZ gesamt 2008 2007 2006 2005 2004 2003 2002 2001 2000
Experteninterviews: Recherche im Social Web – Potenziale und Probleme Grundsätzlich: Positive Einschätzung der Potenziale des Social Web für die journalistische Recherche Aber: Differenzierte Bewertung der unterschiedlichen Formate des Social Web zeigt  auch Problemdimensionen auf: Wikis Weblogs Social-Networking-Communities
Experteninterviews: Wikis als Quelle journalistischer Recherche „ Wikipedia ist nach meiner Überzeugung das heimliche Leitmedium im Internet. Jeder, der im Netz war, war auch schon bei Wikipedia. […] Die Wikipedia, eingedampft auf einen Satz, ließe sich so beschreiben: Viele Leute erzählen freiwillig, was sie wissen. Das ist doch eine traumhafte Situation – gerade für uns Journalisten. Wir kennen das normalerweise nur so, dass die Leute nicht freiwillig erzählen, was sie wissen.“  (Albrecht Ude, Netzwerk Recherche)
Experteninterviews: Wikis als Quelle journalistischer Recherche „ Die Sorgfaltsregeln, die bisher schon im traditionellen konservativen System für die Nutzung von Quellen galten, gelten auch bei Quellen wie Wikipedia.“ (Manfred Protze, Deutscher Presserat)
Experteninterviews: Weblogs als Quelle journalistischer Recherche „ Als Anstoßpunkt für Recherchen eignen sich Blogs sehr gut. Sie können die journalistische Arbeit bereichern, weil sie zeigen, wie zivilgesellschaftlich gedacht wird – je nachdem in welchen Bereichen man recherchiert. Im Technik-Bereich geht es ohne Blogs gar nicht. Wenn ich wissen will, was eine Bürgerrechtsgruppe oder ein Verband zu einem bestimmten Thema denkt, dann stoße ich in der Regel auf Blogs. Das sind die zentralen Quellen.“ (Christiane Schulzki-Haddouti, Freie Journalistin)
Experteninterviews: Weblogs als Quelle journalistischer Recherche „ Wenn klar ist, wer da spricht, und wenn sich das auch für Dritte nachvollziehen lässt, dann ist es in Ordnung, aus Weblogs zu zitieren. Wenn es sich aber um ein anonymes Blog handelt, würde ich damit natürlich vorsichtiger umgehen.“ (Andreas Bittner, DJV-Bundesfachausschuss Online)
Experteninterviews: Netzwerk-Plattformen als Quelle journalistischer Recherche „ Für mich ist das völlig unproblematisch: Die Recherchemöglichkeit in Social Networks ist da und man sollte sie auch nutzen. Die Frage ist nur: Wie gehe ich […] mit den Ergebnissen um?“ (Albrecht Ude)
Experteninterviews: Netzwerk-Plattformen als Quelle journalistischer Recherche „ Es gelten […] in sozialen Netzwerken unverändert die Regeln, die bisher auch galten: Ein Journalist muss sich, wenn er recherchiert, gegenüber den Quellen ausweisen. Er muss sich als Journalist zu erkennen geben. Er hat eine berufliche Identifizierungspflicht. Das gilt uneingeschränkt auch für Facebook oder StudiVZ.“ (Manfred Protze)
Schlussfolgerungen Internetquellen generell, aber auch Quellen im Social Web, werden für die journalistische Recherche zunehmend wichtiger. Der Einbezug von Web-2.0-Quellen in die journalistische Berichterstattung eröffnet zahlreiche neue Potenziale, kann aber herkömmliche Techniken der (Offline-) Recherche nicht ersetzen. Der Einbezug von Web-2.0-Quellen ist gleichzeitig mit verschiedenen ethischen  Problemen verbunden, die Journalisten im Recherche-Alltag berücksichtigen müssen. Die ethischen Problemdimensionen sind nicht vollständig neu: Die journalistische Berufsethik hält verschiedene grundlegende Handlungsempfehlungen bereit, um ihnen angemessen zu begegnen. Die Operationalisierung der gängigen berufsethischen Richtlinien im Kontext des neuen Anwendungsfeldes Social Web scheint bei vielen journalistischen Akteuren noch unzureichend – eine neue Herausforderung für die Journalistenausbildung!
Journalistische Recherche im Social Web: Neue Potenziale, neue Probleme? Kontaktadresse: Dipl.-Journ. Tobias Eberwein Institut für Journalistik Technische Universität Dortmund Emil-Figge-Str. 50 44227 Dortmund E-Mail:  [email_address] Homepage:  http://www.journalistik-dortmund.de   Weblog:  http://www.coolepark.de   Titelfoto: Angelika Lutz/pixelio.de Tobias Eberwein & Horst Pöttker | München, 12. Februar 2009 technische universität dortmund

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Journalistische Recherche im Social Web

  • 1. Journalistische Recherche im Social Web: Neue Potenziale, neue Probleme?
  • 2. StudiVZ als journalistische Recherchequelle?
  • 3. Journalistische Recherche im Social Web: Neue Potenziale, neue Probleme? Fragestellung: Welche berufsethischen Konsequenzen ergeben sich aus den neuen Möglichkeiten einer journalistischen Recherche im Social Web? Zielsetzung: Identifikation und Systematisierung verschiedener Problemdimensionen Formulierung von Handlungsempfehlungen für die redaktionelle Praxis Vorgehen: Forschungsstand Inhaltsanalyse und Experteninterviews: Methode, Ergebnisse, Diskussion Schlussfolgerungen
  • 4. Journalistische Recherche im Internet: Forschungsstand Quelle: Machill/Beiler/Zenker 2008: 108 3:34:45 100,0 Gesamt 0:23:57 11,5 Agenturen 1:52:33 40,6 Nicht computergestützt 0:22:09 0:09:16 0:12:49 0:14:19 0:12:44 0:05:50 0:00:55 0:00:13 12,1 8,3 8,0 7,5 7,1 3,3 0,5 0,1 E-Mail Suchmaschinen und Webkataloge Verschiedene Onlineangebote Onlineangebote redaktioneller Medien Hausinterne Archive Datenbanken und Archive Interaktive Formen Sonstiges 1:18:15 47,0 Computergestützt Dauer pro Journalist in Stunden Anteil pro Journalist in Prozent Journalistische Recherchemittel
  • 5. Journalistische Recherche im Internet: Forschungsstand Problem: Viele Journalisten weisen sich beim Umgang mit webbasierten Informationsquellen keineswegs als Rechercheprofis aus, sondern gehen meist eher intuitiv, unreflektiert und unsystematisch vor, weil ihnen eine entsprechende Fachkompetenz fehlt. (vgl. Machill/Beiler/Zenker 2008: 290; Neuberger/Welker 2008: 32 und 39; Springer/Wolling 2008: 54f.; Wyss/Keel 2007: 156f. und 2008: 69f.)
  • 6. Journalistische Recherche im Internet: Forschungsstand Quelle: news aktuell 2007 9 % Weiß nicht 9 % Gar keine Relevanz 52 % Geringe Relevanz 25 % Hohe Relevanz 5 % Sehr hohe Relevanz Welche Relevanz haben Web-2.0-Angebote für die journalistische Arbeit?
  • 7. Journalistische Recherche im Internet: Forschungsstand Aber: Einzelne Erhebungen betonen immer wieder das große Potenzial neuer webbasierter Medienformate – vor allem Weblogs – für den journalistischen Alltag: Weblogs als publizistisches Tool und Recherchetool (Welker 2006 und 2007) Medienblogs, die ins Publikationsumfeld der traditionellen Massenmedien integriert sind, scheinen bei Journalisten positive Erwartungen zu schüren. (Wied/Schmidt 2008) „ Mit wachsender Vertrautheit mit Blogs steigt offenkundig […] das Ansehen der Blogs.“ (Holler/Vollnhals/Faas 2008: 108)
  • 8. Journalistische Recherche im Internet: Zwischenfazit Quellen im Social Web werden für die journalistische Recherche zunehmend wichtiger. Der Einbezug von Web-2.0-Quellen in die journalistische Recherche kann dazu beitragen, die Qualität der Berichterstattung zu steigern. Der Einbezug von Web-2.0-Quellen ist gleichzeitig mit neuen Problemen verbunden, die die journalistische Berufsethik auf die Probe stellen.
  • 9. Inhaltsanalyse und Experteninterviews: Methode Inhaltsanalyse: Untersuchungsgegenstand: fünf überregionale Qualitätszeitungen (SZ, FAZ ohne FAS, Welt ohne WamS, FR, taz) Vollerhebung im Zeitraum bis zum 31.12.2008 Ziel: Identifikation von Beiträgen, in denen Quellen aus dem Social Web einbezogen wurden Experteninterviews: Fünf leitfadengestützte Interviews mit Fachleuten aus journalistischer Praxis, Journalistik, Journalistenausbildung, Medienselbstkontrolle und Blogosphäre Ziel: Identifikation und Bewertung von berufsethischen Problemdimensionen bei der Einbeziehung von Quellen aus dem Social Web in den journalistischen Rechercheprozess
  • 10. Inhaltsanalyse: Weblogs in der überregionalen Qualitätspresse Quelle: eigene Erhebung 4649 1762 1338 885 505 100 43 10 5 1 gesamt 865 331 282 151 77 13 8 3 0 0 taz 1370 467 409 216 220 36 20 2 0 0 FR 710 242 166 206 75 15 4 0 2 0 Welt 723 289 191 155 63 15 6 3 1 0 FAZ 981 433 290 157 70 21 5 2 2 1 SZ gesamt 2008 2007 2006 2005 2004 2003 2002 2001 2000
  • 11. Experteninterviews: Recherche im Social Web – Potenziale und Probleme Grundsätzlich: Positive Einschätzung der Potenziale des Social Web für die journalistische Recherche Aber: Differenzierte Bewertung der unterschiedlichen Formate des Social Web zeigt auch Problemdimensionen auf: Wikis Weblogs Social-Networking-Communities
  • 12. Experteninterviews: Wikis als Quelle journalistischer Recherche „ Wikipedia ist nach meiner Überzeugung das heimliche Leitmedium im Internet. Jeder, der im Netz war, war auch schon bei Wikipedia. […] Die Wikipedia, eingedampft auf einen Satz, ließe sich so beschreiben: Viele Leute erzählen freiwillig, was sie wissen. Das ist doch eine traumhafte Situation – gerade für uns Journalisten. Wir kennen das normalerweise nur so, dass die Leute nicht freiwillig erzählen, was sie wissen.“ (Albrecht Ude, Netzwerk Recherche)
  • 13. Experteninterviews: Wikis als Quelle journalistischer Recherche „ Die Sorgfaltsregeln, die bisher schon im traditionellen konservativen System für die Nutzung von Quellen galten, gelten auch bei Quellen wie Wikipedia.“ (Manfred Protze, Deutscher Presserat)
  • 14. Experteninterviews: Weblogs als Quelle journalistischer Recherche „ Als Anstoßpunkt für Recherchen eignen sich Blogs sehr gut. Sie können die journalistische Arbeit bereichern, weil sie zeigen, wie zivilgesellschaftlich gedacht wird – je nachdem in welchen Bereichen man recherchiert. Im Technik-Bereich geht es ohne Blogs gar nicht. Wenn ich wissen will, was eine Bürgerrechtsgruppe oder ein Verband zu einem bestimmten Thema denkt, dann stoße ich in der Regel auf Blogs. Das sind die zentralen Quellen.“ (Christiane Schulzki-Haddouti, Freie Journalistin)
  • 15. Experteninterviews: Weblogs als Quelle journalistischer Recherche „ Wenn klar ist, wer da spricht, und wenn sich das auch für Dritte nachvollziehen lässt, dann ist es in Ordnung, aus Weblogs zu zitieren. Wenn es sich aber um ein anonymes Blog handelt, würde ich damit natürlich vorsichtiger umgehen.“ (Andreas Bittner, DJV-Bundesfachausschuss Online)
  • 16. Experteninterviews: Netzwerk-Plattformen als Quelle journalistischer Recherche „ Für mich ist das völlig unproblematisch: Die Recherchemöglichkeit in Social Networks ist da und man sollte sie auch nutzen. Die Frage ist nur: Wie gehe ich […] mit den Ergebnissen um?“ (Albrecht Ude)
  • 17. Experteninterviews: Netzwerk-Plattformen als Quelle journalistischer Recherche „ Es gelten […] in sozialen Netzwerken unverändert die Regeln, die bisher auch galten: Ein Journalist muss sich, wenn er recherchiert, gegenüber den Quellen ausweisen. Er muss sich als Journalist zu erkennen geben. Er hat eine berufliche Identifizierungspflicht. Das gilt uneingeschränkt auch für Facebook oder StudiVZ.“ (Manfred Protze)
  • 18. Schlussfolgerungen Internetquellen generell, aber auch Quellen im Social Web, werden für die journalistische Recherche zunehmend wichtiger. Der Einbezug von Web-2.0-Quellen in die journalistische Berichterstattung eröffnet zahlreiche neue Potenziale, kann aber herkömmliche Techniken der (Offline-) Recherche nicht ersetzen. Der Einbezug von Web-2.0-Quellen ist gleichzeitig mit verschiedenen ethischen Problemen verbunden, die Journalisten im Recherche-Alltag berücksichtigen müssen. Die ethischen Problemdimensionen sind nicht vollständig neu: Die journalistische Berufsethik hält verschiedene grundlegende Handlungsempfehlungen bereit, um ihnen angemessen zu begegnen. Die Operationalisierung der gängigen berufsethischen Richtlinien im Kontext des neuen Anwendungsfeldes Social Web scheint bei vielen journalistischen Akteuren noch unzureichend – eine neue Herausforderung für die Journalistenausbildung!
  • 19. Journalistische Recherche im Social Web: Neue Potenziale, neue Probleme? Kontaktadresse: Dipl.-Journ. Tobias Eberwein Institut für Journalistik Technische Universität Dortmund Emil-Figge-Str. 50 44227 Dortmund E-Mail: [email_address] Homepage: http://www.journalistik-dortmund.de Weblog: http://www.coolepark.de Titelfoto: Angelika Lutz/pixelio.de Tobias Eberwein & Horst Pöttker | München, 12. Februar 2009 technische universität dortmund