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INFORMELLES LERNEN IM JUGENDALTER Vernachlässigte Dimensionen der Bildungsdebatte
Zum Buch Herausgeber: Thomas Rauschenbach Wiebken Düx Erich Sass
Inhalt Einleitung I Forschungsstand und konzeptionelle Debatten II Außerschulische Lernorte und -kontexte Der Lernort Familie und die Bildungsbedeutsamkeit der Familie im Kindes- und Jugendalter  Lernen im Nebenjob Cliquen und Peers als Lernort im Jugendalter III Lernen im freiwilligen Engagement – empirische Befunde
Einleitung (1) Begriff „informelles“ Lernen  viel verwendet (kaum Forschung) Interesse am möglichen Kompetenzerwerb in informellen Lernkontexten und ihrer Bedeutung Erziehungswissenschaft Psychologie Soziologie Politik Wirtschaft
Einleitung (2) Lernen: formal nonformal informell Informelles Lernen ist einerseits Voraussetzung und andererseits Fortsetzung formaler und nonformaler Lernprozesse. Anteil an Kompetenzentwicklung? Wechselbeziehung?
Einleitung (3) Begrifflichkeiten: Bildung Lernen Entwicklung Sozialisation Qualifikation Kompetenz Wissen
Einleitung (4) Kernfrage: Wo und wie können junge Menschen die für ein selbstbestimmtes und sozial verantwortliches Leben notwendigen Erfahrungen und Kompetenzen in einer sich beschleunigt verändernden Gesellschaft erwerben?
Abschnitt II des Buches (Außerschulische Lernorte und -kontexte) „ Der Lernort Familie und die Bildungsbedeutsamkeit der Familie im Kindes- und Jugendalter“
Der Lernort Familie und ihre Bildungs-bedeutsamkeit im Kindes- und Jugendalter Bildung beginnt mit der Geburt  und umfasst sowohl das Lernen innerhalb als auch außerhalb von Bildungsinstitutionen, also formale, nonformale und informelle Bildung. formal (meist vormittags in der Schule) nonformal (eher am Nachmittag oder am Wochenende: Hausaufgabenbetreuung, Kinderkulturaufgaben, Sport) informelle Bildung (in der Familie, unter Gleichaltrigen)
Der Lernort Familie und ihre Bildungs-bedeutsamkeit im Kindes- und Jugendalter Resultat: Lebensbewältigung Selbstständigkeitsentwicklung Identitätsfindung Erwerb von Basiskompetenzen soziale Schlüsselqualifikationen kulturelle Teilhabefähigkeit soziale Anschlussfähigkeit
Der Lernort Familie und ihre Bildungs-bedeutsamkeit im Kindes- und Jugendalter Familie: erster (biografisch gesehen) und wesentlicher Ort des Bildungserwerbes Bildungsinstitution eigener Art  grundlegende Fertigkeiten und Fähigkeiten Orientierungen und Einstellungen Auswirkungen auf Wahl der Schulform und Schulerfolg Wie werden Bildung und Kultur in familialen Zusammenhängen weitergegeben?
Der Lernort Familie und ihre Bildungs-bedeutsamkeit im Kindes- und Jugendalter Vergleich zweier Familien (Mehrgenerationen-perspektive): Welche Bildungsleistungen erbringt die Familie im Rahmen der Bildungsbiografieverläufe der Großeltern- Eltern- und Enkelgeneration? Welche familialen Gelegenheitsstrukturen und Unterstützungspotentiale tragen dazu bei, dass biografische Etappen und bildungsrelevante Weichenstellungen mehr oder weniger erfolgreich bewältigt werden?
Der Lernort Familie und ihre Bildungs-bedeutsamkeit im Kindes- und Jugendalter Arbeitermilieu bildungsfern sozialer Aufstieg durch Bildung Familie Fink Familie Schramm
Familie Fink Formale Bildungsabschlüsse und ihre Wertschätzung als Zugangsvoraussetzung zu gewünschten beruflichen und sozialen Positionen haben keine Tradition. Nach Schulpflicht: arbeiten Berufliches Können zählt mehr als ein formaler Bildungsabschluss vorrangig: praktisches Erfahrungswissen
Familie Fink Enkelinnen sollen es besser haben und daher HS-Abschluss erwerben HS-Abschluss hat jedoch durch Bildungsinflation eine Abwertung erfahren Idee des LLL wird von Familie Fink nicht akzeptiert, sondern als Zumutung abgelehnt (Bildungsunlust) Devise: „Halt‘s Maul und geh schaffe“ funktioniert nicht mehr
Familie Fink Enkelinnen: geringe Motivation zum Schulbesuch, erinnert an Bildungsbiografieverlauf der Mutter Mutter fühlt sich mit alltäglichen Erziehungsaufga-ben überfordert  Vermittlung bildungsrelevanter Basiskompetenzen sprachliches Ausdrucksvermögen Literalität Frustrationstoleranz Konfliktfähigkeit Selbstdisziplinierung
Familie Fink Nadja: Probleme in der Schule („Krieg, purer Hass“) werde geschlagen Minderheitenstatus als Deutsche unter Migranten-jungendlichen HS als Auffangbecken für Kinder aus den gesellschaft-lich benachteiligten Gruppen
Familie Fink Lösungsansätze Nadja: Schulwechsel (scheitert an Ortsverbundenheit; mütter-liche Tradition) Möglichkeit einer Mutterschaft wird mehrfach erwägt Heirat mit einer möglichst guten Partie
Familie Schramm bereits in Großelterngeneration höhere Bildungs-ambitionen erkennbar aus Erzählungen der Großmutter wird deutlich, dass neben der formalen auch die nonformale und informelle Bildung hohen Stellenwert haben Mitgliedschaft in freikirchlicher Gemeinde geistig sinnvolle Freizeitgestaltung Lernen von Maschinenschreiben und Stenografie in der Freizeit (vom Stehberuf zum Sitzberuf)
Familie Schramm Großvater  Laienprediger hohes Ansehen beide Söhne werden in Gesprächsrunden der Erwachsenen miteinbezogen; Vorleser (Selbstbewusst-sein; Bildungsambitionen werden entwickelt) bildungsbetonte Lebensweise beide Söhne: Gymnasium trotz Schulgeld
Familie Schramm Großeltern ergänzen formale Bildung um nonformale Freizeitaktivitäten: Förderung von Lesen und Schreiben vor Schuleintritt privater Musikunterricht gezieltes Fördern der Leseneigung: Kaufen von Büchern Geigenunterricht Klavierstunden  wichtiges kulturelles Kapital
Familie Schramm Vater in Retrospektive: kulturelle Familientraditionen in Kindheit einengend Erinnerung emotional überwiegend negativ getönt studierte in fremder Stadt, weit weg von Familie kirchliche Studentengruppe: aktive Mitwirkung an der Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen    lernt seine spätere Frau kennen
Familie Schramm Mutter: Eltern legten Wert auf Familie Bildung wichtig sehr, sehr viel lesen Musikunterricht Teilnahme an Jugendfreizeiten Auslandsaufenthalte in England und Frankreich („zu der Zeit etwas Besonderes“)
Familie Schramm Vater und Mutter Schramm legen Wert auf: Lesen und Vorlesen gemeinsame Gespräche kreative oder politische Aktivitäten Selbsterfahrungsaktivitäten
Familie Schramm Enkelgeneration: problemloser formaler Bildungsweg deutliche Betonung nonformaler Bildung und informeller Lernprozesse  Studium wird finanziell und durch ständige Beratungs-gespräche der Eltern unterstützt
Resümee Bildungsferne Familie Fink kann sich nur schwer auf die historisch veränderten Rahmenbedingungen und den daraus resultierenden  höheren Stellenwert formaler Bildungsnachweisen einstellen. Erforderliche Habitus-Eigenschaften wie eigen-verantwortliche und flexible Lebensplanung und Lebensgestaltung sind bei Familie Fink nur unzureichend.
Resümee Kontinuitäten im Hinblick auf Bildungsbiografiever-läufe konnten festgestellt werden, ebenso ein komplexes Zusammenspiel von formalen, nonformalen und informellen Bildungszusammen-hängen innerhalb und außerhalb der Familie. Eine Bedeutungszunahme des Stellenwertes von nonformalen und informellen Bildungskomponenten in Verbindung mit dem Erwerb von höherer formaler Bildung ist erkennbar.
Resümee Habitus der Familie Schramm: innerweltliche Askese Reflexivität Nicht nur die Anstrengungen der älteren Generation sind wichtig, entscheidend ist die kindliche Aneig-nungsseite.
Resümee Bei der Weitergabe und Aneignung von Bildung und Kultur scheinen bedeutend: Wechselwirkung zwischen formalen Bildungsprozessen und der Wahrnehmung einer Vielzahl von nonformalen und informellen Bildungsmöglichkeiten, die sich jeweils gegenseitig ergänzen und verstärken Bildungsnähe der Familie über mehrere Generationen
Danke für die Aufmerksamkeit!

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Informelles Lernen Im Jugendalter 97

  • 1. INFORMELLES LERNEN IM JUGENDALTER Vernachlässigte Dimensionen der Bildungsdebatte
  • 2. Zum Buch Herausgeber: Thomas Rauschenbach Wiebken Düx Erich Sass
  • 3. Inhalt Einleitung I Forschungsstand und konzeptionelle Debatten II Außerschulische Lernorte und -kontexte Der Lernort Familie und die Bildungsbedeutsamkeit der Familie im Kindes- und Jugendalter Lernen im Nebenjob Cliquen und Peers als Lernort im Jugendalter III Lernen im freiwilligen Engagement – empirische Befunde
  • 4. Einleitung (1) Begriff „informelles“ Lernen viel verwendet (kaum Forschung) Interesse am möglichen Kompetenzerwerb in informellen Lernkontexten und ihrer Bedeutung Erziehungswissenschaft Psychologie Soziologie Politik Wirtschaft
  • 5. Einleitung (2) Lernen: formal nonformal informell Informelles Lernen ist einerseits Voraussetzung und andererseits Fortsetzung formaler und nonformaler Lernprozesse. Anteil an Kompetenzentwicklung? Wechselbeziehung?
  • 6. Einleitung (3) Begrifflichkeiten: Bildung Lernen Entwicklung Sozialisation Qualifikation Kompetenz Wissen
  • 7. Einleitung (4) Kernfrage: Wo und wie können junge Menschen die für ein selbstbestimmtes und sozial verantwortliches Leben notwendigen Erfahrungen und Kompetenzen in einer sich beschleunigt verändernden Gesellschaft erwerben?
  • 8. Abschnitt II des Buches (Außerschulische Lernorte und -kontexte) „ Der Lernort Familie und die Bildungsbedeutsamkeit der Familie im Kindes- und Jugendalter“
  • 9. Der Lernort Familie und ihre Bildungs-bedeutsamkeit im Kindes- und Jugendalter Bildung beginnt mit der Geburt und umfasst sowohl das Lernen innerhalb als auch außerhalb von Bildungsinstitutionen, also formale, nonformale und informelle Bildung. formal (meist vormittags in der Schule) nonformal (eher am Nachmittag oder am Wochenende: Hausaufgabenbetreuung, Kinderkulturaufgaben, Sport) informelle Bildung (in der Familie, unter Gleichaltrigen)
  • 10. Der Lernort Familie und ihre Bildungs-bedeutsamkeit im Kindes- und Jugendalter Resultat: Lebensbewältigung Selbstständigkeitsentwicklung Identitätsfindung Erwerb von Basiskompetenzen soziale Schlüsselqualifikationen kulturelle Teilhabefähigkeit soziale Anschlussfähigkeit
  • 11. Der Lernort Familie und ihre Bildungs-bedeutsamkeit im Kindes- und Jugendalter Familie: erster (biografisch gesehen) und wesentlicher Ort des Bildungserwerbes Bildungsinstitution eigener Art grundlegende Fertigkeiten und Fähigkeiten Orientierungen und Einstellungen Auswirkungen auf Wahl der Schulform und Schulerfolg Wie werden Bildung und Kultur in familialen Zusammenhängen weitergegeben?
  • 12. Der Lernort Familie und ihre Bildungs-bedeutsamkeit im Kindes- und Jugendalter Vergleich zweier Familien (Mehrgenerationen-perspektive): Welche Bildungsleistungen erbringt die Familie im Rahmen der Bildungsbiografieverläufe der Großeltern- Eltern- und Enkelgeneration? Welche familialen Gelegenheitsstrukturen und Unterstützungspotentiale tragen dazu bei, dass biografische Etappen und bildungsrelevante Weichenstellungen mehr oder weniger erfolgreich bewältigt werden?
  • 13. Der Lernort Familie und ihre Bildungs-bedeutsamkeit im Kindes- und Jugendalter Arbeitermilieu bildungsfern sozialer Aufstieg durch Bildung Familie Fink Familie Schramm
  • 14. Familie Fink Formale Bildungsabschlüsse und ihre Wertschätzung als Zugangsvoraussetzung zu gewünschten beruflichen und sozialen Positionen haben keine Tradition. Nach Schulpflicht: arbeiten Berufliches Können zählt mehr als ein formaler Bildungsabschluss vorrangig: praktisches Erfahrungswissen
  • 15. Familie Fink Enkelinnen sollen es besser haben und daher HS-Abschluss erwerben HS-Abschluss hat jedoch durch Bildungsinflation eine Abwertung erfahren Idee des LLL wird von Familie Fink nicht akzeptiert, sondern als Zumutung abgelehnt (Bildungsunlust) Devise: „Halt‘s Maul und geh schaffe“ funktioniert nicht mehr
  • 16. Familie Fink Enkelinnen: geringe Motivation zum Schulbesuch, erinnert an Bildungsbiografieverlauf der Mutter Mutter fühlt sich mit alltäglichen Erziehungsaufga-ben überfordert Vermittlung bildungsrelevanter Basiskompetenzen sprachliches Ausdrucksvermögen Literalität Frustrationstoleranz Konfliktfähigkeit Selbstdisziplinierung
  • 17. Familie Fink Nadja: Probleme in der Schule („Krieg, purer Hass“) werde geschlagen Minderheitenstatus als Deutsche unter Migranten-jungendlichen HS als Auffangbecken für Kinder aus den gesellschaft-lich benachteiligten Gruppen
  • 18. Familie Fink Lösungsansätze Nadja: Schulwechsel (scheitert an Ortsverbundenheit; mütter-liche Tradition) Möglichkeit einer Mutterschaft wird mehrfach erwägt Heirat mit einer möglichst guten Partie
  • 19. Familie Schramm bereits in Großelterngeneration höhere Bildungs-ambitionen erkennbar aus Erzählungen der Großmutter wird deutlich, dass neben der formalen auch die nonformale und informelle Bildung hohen Stellenwert haben Mitgliedschaft in freikirchlicher Gemeinde geistig sinnvolle Freizeitgestaltung Lernen von Maschinenschreiben und Stenografie in der Freizeit (vom Stehberuf zum Sitzberuf)
  • 20. Familie Schramm Großvater Laienprediger hohes Ansehen beide Söhne werden in Gesprächsrunden der Erwachsenen miteinbezogen; Vorleser (Selbstbewusst-sein; Bildungsambitionen werden entwickelt) bildungsbetonte Lebensweise beide Söhne: Gymnasium trotz Schulgeld
  • 21. Familie Schramm Großeltern ergänzen formale Bildung um nonformale Freizeitaktivitäten: Förderung von Lesen und Schreiben vor Schuleintritt privater Musikunterricht gezieltes Fördern der Leseneigung: Kaufen von Büchern Geigenunterricht Klavierstunden  wichtiges kulturelles Kapital
  • 22. Familie Schramm Vater in Retrospektive: kulturelle Familientraditionen in Kindheit einengend Erinnerung emotional überwiegend negativ getönt studierte in fremder Stadt, weit weg von Familie kirchliche Studentengruppe: aktive Mitwirkung an der Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen  lernt seine spätere Frau kennen
  • 23. Familie Schramm Mutter: Eltern legten Wert auf Familie Bildung wichtig sehr, sehr viel lesen Musikunterricht Teilnahme an Jugendfreizeiten Auslandsaufenthalte in England und Frankreich („zu der Zeit etwas Besonderes“)
  • 24. Familie Schramm Vater und Mutter Schramm legen Wert auf: Lesen und Vorlesen gemeinsame Gespräche kreative oder politische Aktivitäten Selbsterfahrungsaktivitäten
  • 25. Familie Schramm Enkelgeneration: problemloser formaler Bildungsweg deutliche Betonung nonformaler Bildung und informeller Lernprozesse Studium wird finanziell und durch ständige Beratungs-gespräche der Eltern unterstützt
  • 26. Resümee Bildungsferne Familie Fink kann sich nur schwer auf die historisch veränderten Rahmenbedingungen und den daraus resultierenden höheren Stellenwert formaler Bildungsnachweisen einstellen. Erforderliche Habitus-Eigenschaften wie eigen-verantwortliche und flexible Lebensplanung und Lebensgestaltung sind bei Familie Fink nur unzureichend.
  • 27. Resümee Kontinuitäten im Hinblick auf Bildungsbiografiever-läufe konnten festgestellt werden, ebenso ein komplexes Zusammenspiel von formalen, nonformalen und informellen Bildungszusammen-hängen innerhalb und außerhalb der Familie. Eine Bedeutungszunahme des Stellenwertes von nonformalen und informellen Bildungskomponenten in Verbindung mit dem Erwerb von höherer formaler Bildung ist erkennbar.
  • 28. Resümee Habitus der Familie Schramm: innerweltliche Askese Reflexivität Nicht nur die Anstrengungen der älteren Generation sind wichtig, entscheidend ist die kindliche Aneig-nungsseite.
  • 29. Resümee Bei der Weitergabe und Aneignung von Bildung und Kultur scheinen bedeutend: Wechselwirkung zwischen formalen Bildungsprozessen und der Wahrnehmung einer Vielzahl von nonformalen und informellen Bildungsmöglichkeiten, die sich jeweils gegenseitig ergänzen und verstärken Bildungsnähe der Familie über mehrere Generationen
  • 30. Danke für die Aufmerksamkeit!