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Möglichkeiten der politischen Jugendbildung im
Web 2.0 aus christlich-sozialethischer
Perspektive




                                     Institut für Christliche
                                     Sozialwissenschaften
           Dr. Alexander Filipovic
Politische Jugendarbeit im Web 2.0   2



Einleitung
• Möglichkeiten der politischen Jugendbildung im Web 2.0 aus christlich-
  sozialethischer Perspektive?
• Welche Ebene ist mit dieser Frage angezielt?
  • Welche Möglichkeiten sind wünschenswert? Wie komme ich zu einer
       Formulierung des Wünschenswerten? Was möchte und was soll ich
       berücksichtigen, bevor ich an die konkrete Umsetzung gehe? Was sind meine
       Optionen?
• Begriff der Option meint „Möglichkeiten“, aber in christlicher Ethik auch: Wir sind
  schon auf bestimmte Möglichkeiten „festgelegt“ bzw. diese legen sich biblisch
  nahe. „Optionalität christlicher Ethik“
• Ziel meines Beitrags: Diese „Optionalität christlicher Ethik“ auf das Thema
  „politische Jugendbildung im Web 2.0“ hin zu denken




Dr. Alexander Filipovic      Datum: 22.06.2010
Politische Jugendarbeit im Web 2.0   3



Überblick
1. Sozialethische Leitlinien
   a) Christliche Anthropologie und politische Bildung
   b) Option für die Armen: Teilnahme und Teilhabe
   c) Demokratie und Subsidiarität
2. Der Begriff der Medienkompetenz und die bildungsethische Diskussion
                                                             Diskussion
   a) Der christliche Anspruch: Bildungsdiakonie als verantwortliche
       Zeitgenossenschaft
   b) Medienkompetenz zwischen sozialem Anspruchsrecht und klassischer
       Bildungsphilosophie
   c) Medienkompetenz 2.0?
3. Themen politischer Jugendbildung im Web 2.0
   a) Grundsätzlich: Erfahrungswelten Jugendlicher als Ausgangspunkt
   b) Netzpolitik
   c) Medien 2.0 und diskursive Öffentlichkeiten



Dr. Alexander Filipovic   Datum: 22.06.2010
Politische Jugendarbeit im Web 2.0   4



1a) Christliche Anthropologie
• Das Menschenbild und die Ethik: der christliche Personbegriff
• Gegen die Statik des christl. Personbegriffes: Erfahrungen und
  Selbstdeutungen der Menschen von heute
• Christliche Selbstdeutung
• ethische Relevanz selbstbestimmter Selbstdeutung
• Freiheit, Autonomie, Moralität




Dr. Alexander Filipovic   Datum: 22.06.2010
Politische Jugendarbeit im Web 2.0   5



1b) Option für die Armen
• „In der vorrangigen Option für die Armen als Leitmotiv gesellschaftlichen
  Handelns konkretisiert sich die Einheit von Gottes- und Nächstenliebe. In der
      Perspektive einer christlichen Ethik muss darum alles Handeln und Entscheiden
      in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft an der Frage gemessen werden, inwiefern
      es die Armen betrifft, ihnen nützt und sie zu eigenverantwortlichem Handeln
      befähigt.
• Dabei zielt die biblische Option für die Armen darauf, Ausgrenzungen zu
  überwinden und alle am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen. Sie hält an, die
  Perspektive der Menschen einzunehmen, die im Schatten des Wohlstands leben
  und weder sich selbst als gesellschaftliche Gruppe bemerkbar machen können
  noch eine Lobby haben. Sie lenkt den Blick auf die Empfindungen der Menschen,
  auf Kränkungen und Demütigungen von Benachteiligten, auf das Unzumutbare,
  das Menschenunwürdige, auf strukturelle Ungerechtigkeit. Sie verpflichtet die
  Wohlhabenden zum Teilen und zu wirkungsvollen Allianzen der Solidarität.“
  („Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit“, 107)


Dr. Alexander Filipovic        Datum: 22.06.2010
Politische Jugendarbeit im Web 2.0   6



1c) Demokratie und Subsidiarität
•     Freiheit als Autonomie ist nur durch Mitbestimmung möglich.
•     Schaffung von Teilhabe- und Teilnahme-Strukturen.
•     Demokratie als Lebensform
•     Strukturen müssen subsidiär gestaltet sein: Subsidiarität hießt,
      • „[...] dass die Vielfalt der sich von unten her aufbauenden sozialen Einheiten
        in ihrer Eigenfunktion zu respektieren, zu bewahren und zu stärken ist, wo
        immer und solange sich diese gegenüber dem, was die ihnen übergeordnete
        gesellschaftliche Steuerungsinstanz zu leisten vermag, als die
        kompetenteren bewähren.“ (Baumgartner, Korff 1999 – Sozialprinzipien als
        ethische Baugesetzlichkeiten, S. 235)




Dr. Alexander Filipovic        Datum: 22.06.2010
Politische Jugendarbeit im Web 2.0   7



2a) Bildungsdiakonie
• Engagement der Kirche im Bildungsbereich ein bildungsdiakonaler
  Dienst gegenüber der Gesellschaft; verantwortliche
  Zeitgenossenschaft
• Kirchliche Bildungsarbeit soll helfen, Persönlichkeit zu entfalten und
  so individuelle Freiheit in sozialer Verantwortung zu verwirklichen.
• Besonderes Augenmerk auf diejenigen, die aufgrund schlechter
  Ausgangsbedingungen von der realen Beteiligung an Bildung
  ausgeschlossen sind
• Kirche als Lerngemeinschaft




Dr. Alexander Filipovic   Datum: 22.06.2010
Politische Jugendarbeit im Web 2.0   8



2b) Medienkompetenz als soziales Anspruchsrecht?
• Kompetenzdiskurs problematisch
• Befürchtung: Verzweckung menschlicher Potentiale für ökonomische
  Interessen. Gesellschaftskritisches Potential der humanistischen
  Bildungsidee ginge damit verloren.
• Dennoch: Möglichkeiten für die Widerständigkeit von Individuen (im
  Sinne einer kritischen Gestaltungskompetenz ) müssen konkret
  geschaffen werden. Meines Erachtens kann der Kompetenzbegriff
  (oder besser; „literacy“) dafür sehr nützlich sein.
• „Literacy“ könnte als Voraussetzung für Teilnahme- und Teilhabe an
  Gesellschaft gesehen werden. In diesem Sinne wäre es als soziales
  Anspruchsrechte zu fassen, das demokratischer Beteiligung voraus
  läge.


Dr. Alexander Filipovic   Datum: 22.06.2010
Politische Jugendarbeit im Web 2.0   9



2c) Medienkompetenz 2.0
• Medienkompetenz als Kommunikationskompetenz
• Bedeutung kultureller Aspekte: “Interactivity is a property of the
  technology, while participation is a property of culture.” (Jenkins
  2006)
• Dreifache Dimensionierung: In Bezug auf sich Selbst, in Bezug auf
  die Anderen und in Bezug auf die Sachebene
• „The unevenness of participation is not a consequence of lack of
  access to the hardware and software and internet connections, but a
  consequence of uneven motivations and literacies (Burgess 2007)
                                            literacies.“
• Wie löst man das Motivationsproblem?




Dr. Alexander Filipovic   Datum: 22.06.2010
Politische Jugendarbeit im Web 2.0   10



3a) Erfahrungswelten Jugendlicher als Ausgangspunkt
• Bildungsangebote müssen die Adressaten beteiligen, sie als Akteure
  ernst und in die Verantwortung nehmen (Partizipation)
• Selbstgesteuertes Lernen ist nicht nur ein gerade in Mode befindliches
  „Erfolgsrezept“
• Partizipation als normativer Grundgedanke fordert eine entsprechende
  Gestaltung von Lehr/Lern-Prozessen
• Wo liegen Erfahrungen gemeinschaftlicher Entscheidungsfindung? Was
  verstehen junge Menschen heute unter „politischer Verantwortung“
  (Welchen Begriff davon haben sie selbst?)… In welchen „Räumen“
  „finden“ sie politische Verantwortung? Wo sind dafür die Lernorte?
• Zweifach induktiv: Erfahrungsbasiert und von einem Problemfeld
  ausgehend



Dr. Alexander Filipovic   Datum: 22.06.2010
Politische Jugendarbeit im Web 2.0   11



3b) Netzpolitik
• Das Thema betrifft unmittelbar das Lebensumfeld der Jugendlichen.
• Darüber hinaus: Netzpolitik ist das entscheidende Politikfeld der
  nächsten Jahrzehnte, gerade auch weil es ein Metafeld ist, auf dem sich
  herkömmliche Politikfelder (Wirtschaftspolitik, Kulturpolitik…)
  überschneiden.
• Themen hier:
  • Netzneutralität
  • Datensicherheit
  • Urheberrecht
  • Medienpolitik
  • Bildungspolitik




Dr. Alexander Filipovic   Datum: 22.06.2010
Politische Jugendarbeit im Web 2.0   12



3c) Medien 2.0 und diskursive Öffentlichkeiten
• Insofern die Unterscheidung von Privat und Öffentlich verschwimmt,
  verschwimmt auch die Bedeutung der Öffentlichkeit für die
  Demokratie
• Wo ist heute (bzw. in wenigen Jahren) diskursive Öffentlichkeit
  möglich?
• Herausforderungen:
      • Fragmentarisierung der Medienwelt – Können „Medien“ noch integrieren?
      • Journalisten und Redakteure als professionelle Selektoren und Moderatoren
        verschwinden?
      • Welche Informationen haben die Chance, durchzudringen? Ist es nur das
        eigene Interesse, das selektierend wirkt? Was bedeutet das für die
        Demokratie?




Dr. Alexander Filipovic       Datum: 22.06.2010
Politische Jugendarbeit im Web 2.0        13



Literatur
• Baumgartner, Alois; Korff, Wilhelm (1999): Sozialprinzipien als ethische Baugesetzlichkeiten moderner Gesellschaft:
  Personalität, Solidarität und Subsidiarität. In: Korff, Wilhelm u. a. (Hg.): Handbuch der Wirtschaftsethik. Band 1-4 / hrsg. im Auftr.
  der Görres-Gesellschaft. Bd. 1. Verhältnisbestimmung von Wirtschaft und Ethik. Gütersloh: Gütersloher Verl.-Haus, S. 225–237.
• Burgess (2007): (=Jenkins, Henry (2007)): "Vernacular Creativity": An Interview with Jean Burgess (Part Two). In: Confessions of
  an ACA/Fan. The Official Weblog of Henry Jenkins, 09.10.2007. Online verfügbar unter
  http://henryjenkins.org/2007/10/vernacular_creativity_an_inter_1.html.
• Filipovic, Alexander (2009): Literacy und die Bedeutung gesellschaftlicher Beteiligung. Medien- und bildungsethische
  Überlegungen. In: Wimmer, Michael; Pongratz, Ludwig; Reichenbach, Roland (Hg.): Medien, Technik und Bildung. Paderborn u.
  a.: Schöningh (Schriftenreihe der Kommission Bildungs- und Erziehungsphilosophie der DGfE), S. 159–173.
• Filipovic, Alexander (2007): Neue Medienkompetenz und Beteiligungsgerechtigkeit. Herausforderungen für die Medien- und
  Kommunikationsethik. In: Communicatio Socialis, Jg. 37, H. 3, S. 233–245.
• Jenkins, Henry (2006): Confronting the Challenges of Participatory Culture: Media Education for the 21st Century (Part One). In:
  Confessions of an ACA/Fan. The Official Weblog of Henry Jenkins, 20.10.2006. Online verfügbar unter
  http://www.henryjenkins.org/2006/10/confronting_the_challenges_of.html
• Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland; Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (1997): Für eine Zukunft in
  Solidarität und Gerechtigkeit. Wort des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz zur
  wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland. Hannover, Bonn (Gemeinsame Texte, 9).
• Zeilinger, Thomas (2009): "Social Networking" als Basis der Wahrnehmung kommunikativer Kompetenz im Internet. Von einer
  Ethik allgemeiner Geltungsansprüche zu einer Ethik sozialer Verbundenheit. In: Zeitschrift für Kommunikationsökologie und
  Medienethik, Jg. 11, H. 1, S. 59–62.

Vgl. auch
• Themenheft: „Web 2.0. Neue Kommunikations- und Interaktionsformen als Herausforderung der Medienethik. “Zeitschrift für
  Kommunikationsökologie und Medienethik” (zfkm) Ausgabe 1/2009, 11. Jahrgang, ISSN: 1861-2687 (Inhaltsverzeichnis und
  Bestellmöglichkeit unter http://www.netzwerk-medienethik.de/2009/12/14/publikation-zur-medienethik-im-web-2-0/)
• Publikationen in der Reihe „Forum Bildungsethik“, Bielefeld (W. Berterlsmann) 2007f.




Dr. Alexander Filipovic                        Datum: 22.06.2010
Politische Jugendarbeit im Web 2.0   14



Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!



          Kontakt

          Dr. Alexander Filipovic
          Institut für Christliche Sozialwissenschaften
          Westfälische Wilhelms-Universität Münster
          Hüfferstr. 42
          48149 Münster

          Tel. 0251 83-32645
          Email: alexander.filipovic@uni-muenster.de
          www.alexander-filipovic.de




Dr. Alexander Filipovic              Datum: 22.06.2010

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Impulsreferat "Möglichkeiten der politischen Jugendbildung im Web 2.0 aus christlich-sozialethischer Perspektive"

  • 1. Möglichkeiten der politischen Jugendbildung im Web 2.0 aus christlich-sozialethischer Perspektive Institut für Christliche Sozialwissenschaften Dr. Alexander Filipovic
  • 2. Politische Jugendarbeit im Web 2.0 2 Einleitung • Möglichkeiten der politischen Jugendbildung im Web 2.0 aus christlich- sozialethischer Perspektive? • Welche Ebene ist mit dieser Frage angezielt? • Welche Möglichkeiten sind wünschenswert? Wie komme ich zu einer Formulierung des Wünschenswerten? Was möchte und was soll ich berücksichtigen, bevor ich an die konkrete Umsetzung gehe? Was sind meine Optionen? • Begriff der Option meint „Möglichkeiten“, aber in christlicher Ethik auch: Wir sind schon auf bestimmte Möglichkeiten „festgelegt“ bzw. diese legen sich biblisch nahe. „Optionalität christlicher Ethik“ • Ziel meines Beitrags: Diese „Optionalität christlicher Ethik“ auf das Thema „politische Jugendbildung im Web 2.0“ hin zu denken Dr. Alexander Filipovic Datum: 22.06.2010
  • 3. Politische Jugendarbeit im Web 2.0 3 Überblick 1. Sozialethische Leitlinien a) Christliche Anthropologie und politische Bildung b) Option für die Armen: Teilnahme und Teilhabe c) Demokratie und Subsidiarität 2. Der Begriff der Medienkompetenz und die bildungsethische Diskussion Diskussion a) Der christliche Anspruch: Bildungsdiakonie als verantwortliche Zeitgenossenschaft b) Medienkompetenz zwischen sozialem Anspruchsrecht und klassischer Bildungsphilosophie c) Medienkompetenz 2.0? 3. Themen politischer Jugendbildung im Web 2.0 a) Grundsätzlich: Erfahrungswelten Jugendlicher als Ausgangspunkt b) Netzpolitik c) Medien 2.0 und diskursive Öffentlichkeiten Dr. Alexander Filipovic Datum: 22.06.2010
  • 4. Politische Jugendarbeit im Web 2.0 4 1a) Christliche Anthropologie • Das Menschenbild und die Ethik: der christliche Personbegriff • Gegen die Statik des christl. Personbegriffes: Erfahrungen und Selbstdeutungen der Menschen von heute • Christliche Selbstdeutung • ethische Relevanz selbstbestimmter Selbstdeutung • Freiheit, Autonomie, Moralität Dr. Alexander Filipovic Datum: 22.06.2010
  • 5. Politische Jugendarbeit im Web 2.0 5 1b) Option für die Armen • „In der vorrangigen Option für die Armen als Leitmotiv gesellschaftlichen Handelns konkretisiert sich die Einheit von Gottes- und Nächstenliebe. In der Perspektive einer christlichen Ethik muss darum alles Handeln und Entscheiden in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft an der Frage gemessen werden, inwiefern es die Armen betrifft, ihnen nützt und sie zu eigenverantwortlichem Handeln befähigt. • Dabei zielt die biblische Option für die Armen darauf, Ausgrenzungen zu überwinden und alle am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen. Sie hält an, die Perspektive der Menschen einzunehmen, die im Schatten des Wohlstands leben und weder sich selbst als gesellschaftliche Gruppe bemerkbar machen können noch eine Lobby haben. Sie lenkt den Blick auf die Empfindungen der Menschen, auf Kränkungen und Demütigungen von Benachteiligten, auf das Unzumutbare, das Menschenunwürdige, auf strukturelle Ungerechtigkeit. Sie verpflichtet die Wohlhabenden zum Teilen und zu wirkungsvollen Allianzen der Solidarität.“ („Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit“, 107) Dr. Alexander Filipovic Datum: 22.06.2010
  • 6. Politische Jugendarbeit im Web 2.0 6 1c) Demokratie und Subsidiarität • Freiheit als Autonomie ist nur durch Mitbestimmung möglich. • Schaffung von Teilhabe- und Teilnahme-Strukturen. • Demokratie als Lebensform • Strukturen müssen subsidiär gestaltet sein: Subsidiarität hießt, • „[...] dass die Vielfalt der sich von unten her aufbauenden sozialen Einheiten in ihrer Eigenfunktion zu respektieren, zu bewahren und zu stärken ist, wo immer und solange sich diese gegenüber dem, was die ihnen übergeordnete gesellschaftliche Steuerungsinstanz zu leisten vermag, als die kompetenteren bewähren.“ (Baumgartner, Korff 1999 – Sozialprinzipien als ethische Baugesetzlichkeiten, S. 235) Dr. Alexander Filipovic Datum: 22.06.2010
  • 7. Politische Jugendarbeit im Web 2.0 7 2a) Bildungsdiakonie • Engagement der Kirche im Bildungsbereich ein bildungsdiakonaler Dienst gegenüber der Gesellschaft; verantwortliche Zeitgenossenschaft • Kirchliche Bildungsarbeit soll helfen, Persönlichkeit zu entfalten und so individuelle Freiheit in sozialer Verantwortung zu verwirklichen. • Besonderes Augenmerk auf diejenigen, die aufgrund schlechter Ausgangsbedingungen von der realen Beteiligung an Bildung ausgeschlossen sind • Kirche als Lerngemeinschaft Dr. Alexander Filipovic Datum: 22.06.2010
  • 8. Politische Jugendarbeit im Web 2.0 8 2b) Medienkompetenz als soziales Anspruchsrecht? • Kompetenzdiskurs problematisch • Befürchtung: Verzweckung menschlicher Potentiale für ökonomische Interessen. Gesellschaftskritisches Potential der humanistischen Bildungsidee ginge damit verloren. • Dennoch: Möglichkeiten für die Widerständigkeit von Individuen (im Sinne einer kritischen Gestaltungskompetenz ) müssen konkret geschaffen werden. Meines Erachtens kann der Kompetenzbegriff (oder besser; „literacy“) dafür sehr nützlich sein. • „Literacy“ könnte als Voraussetzung für Teilnahme- und Teilhabe an Gesellschaft gesehen werden. In diesem Sinne wäre es als soziales Anspruchsrechte zu fassen, das demokratischer Beteiligung voraus läge. Dr. Alexander Filipovic Datum: 22.06.2010
  • 9. Politische Jugendarbeit im Web 2.0 9 2c) Medienkompetenz 2.0 • Medienkompetenz als Kommunikationskompetenz • Bedeutung kultureller Aspekte: “Interactivity is a property of the technology, while participation is a property of culture.” (Jenkins 2006) • Dreifache Dimensionierung: In Bezug auf sich Selbst, in Bezug auf die Anderen und in Bezug auf die Sachebene • „The unevenness of participation is not a consequence of lack of access to the hardware and software and internet connections, but a consequence of uneven motivations and literacies (Burgess 2007) literacies.“ • Wie löst man das Motivationsproblem? Dr. Alexander Filipovic Datum: 22.06.2010
  • 10. Politische Jugendarbeit im Web 2.0 10 3a) Erfahrungswelten Jugendlicher als Ausgangspunkt • Bildungsangebote müssen die Adressaten beteiligen, sie als Akteure ernst und in die Verantwortung nehmen (Partizipation) • Selbstgesteuertes Lernen ist nicht nur ein gerade in Mode befindliches „Erfolgsrezept“ • Partizipation als normativer Grundgedanke fordert eine entsprechende Gestaltung von Lehr/Lern-Prozessen • Wo liegen Erfahrungen gemeinschaftlicher Entscheidungsfindung? Was verstehen junge Menschen heute unter „politischer Verantwortung“ (Welchen Begriff davon haben sie selbst?)… In welchen „Räumen“ „finden“ sie politische Verantwortung? Wo sind dafür die Lernorte? • Zweifach induktiv: Erfahrungsbasiert und von einem Problemfeld ausgehend Dr. Alexander Filipovic Datum: 22.06.2010
  • 11. Politische Jugendarbeit im Web 2.0 11 3b) Netzpolitik • Das Thema betrifft unmittelbar das Lebensumfeld der Jugendlichen. • Darüber hinaus: Netzpolitik ist das entscheidende Politikfeld der nächsten Jahrzehnte, gerade auch weil es ein Metafeld ist, auf dem sich herkömmliche Politikfelder (Wirtschaftspolitik, Kulturpolitik…) überschneiden. • Themen hier: • Netzneutralität • Datensicherheit • Urheberrecht • Medienpolitik • Bildungspolitik Dr. Alexander Filipovic Datum: 22.06.2010
  • 12. Politische Jugendarbeit im Web 2.0 12 3c) Medien 2.0 und diskursive Öffentlichkeiten • Insofern die Unterscheidung von Privat und Öffentlich verschwimmt, verschwimmt auch die Bedeutung der Öffentlichkeit für die Demokratie • Wo ist heute (bzw. in wenigen Jahren) diskursive Öffentlichkeit möglich? • Herausforderungen: • Fragmentarisierung der Medienwelt – Können „Medien“ noch integrieren? • Journalisten und Redakteure als professionelle Selektoren und Moderatoren verschwinden? • Welche Informationen haben die Chance, durchzudringen? Ist es nur das eigene Interesse, das selektierend wirkt? Was bedeutet das für die Demokratie? Dr. Alexander Filipovic Datum: 22.06.2010
  • 13. Politische Jugendarbeit im Web 2.0 13 Literatur • Baumgartner, Alois; Korff, Wilhelm (1999): Sozialprinzipien als ethische Baugesetzlichkeiten moderner Gesellschaft: Personalität, Solidarität und Subsidiarität. In: Korff, Wilhelm u. a. (Hg.): Handbuch der Wirtschaftsethik. Band 1-4 / hrsg. im Auftr. der Görres-Gesellschaft. Bd. 1. Verhältnisbestimmung von Wirtschaft und Ethik. Gütersloh: Gütersloher Verl.-Haus, S. 225–237. • Burgess (2007): (=Jenkins, Henry (2007)): "Vernacular Creativity": An Interview with Jean Burgess (Part Two). In: Confessions of an ACA/Fan. The Official Weblog of Henry Jenkins, 09.10.2007. Online verfügbar unter http://henryjenkins.org/2007/10/vernacular_creativity_an_inter_1.html. • Filipovic, Alexander (2009): Literacy und die Bedeutung gesellschaftlicher Beteiligung. Medien- und bildungsethische Überlegungen. In: Wimmer, Michael; Pongratz, Ludwig; Reichenbach, Roland (Hg.): Medien, Technik und Bildung. Paderborn u. a.: Schöningh (Schriftenreihe der Kommission Bildungs- und Erziehungsphilosophie der DGfE), S. 159–173. • Filipovic, Alexander (2007): Neue Medienkompetenz und Beteiligungsgerechtigkeit. Herausforderungen für die Medien- und Kommunikationsethik. In: Communicatio Socialis, Jg. 37, H. 3, S. 233–245. • Jenkins, Henry (2006): Confronting the Challenges of Participatory Culture: Media Education for the 21st Century (Part One). In: Confessions of an ACA/Fan. The Official Weblog of Henry Jenkins, 20.10.2006. Online verfügbar unter http://www.henryjenkins.org/2006/10/confronting_the_challenges_of.html • Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland; Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (1997): Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit. Wort des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland. Hannover, Bonn (Gemeinsame Texte, 9). • Zeilinger, Thomas (2009): "Social Networking" als Basis der Wahrnehmung kommunikativer Kompetenz im Internet. Von einer Ethik allgemeiner Geltungsansprüche zu einer Ethik sozialer Verbundenheit. In: Zeitschrift für Kommunikationsökologie und Medienethik, Jg. 11, H. 1, S. 59–62. Vgl. auch • Themenheft: „Web 2.0. Neue Kommunikations- und Interaktionsformen als Herausforderung der Medienethik. “Zeitschrift für Kommunikationsökologie und Medienethik” (zfkm) Ausgabe 1/2009, 11. Jahrgang, ISSN: 1861-2687 (Inhaltsverzeichnis und Bestellmöglichkeit unter http://www.netzwerk-medienethik.de/2009/12/14/publikation-zur-medienethik-im-web-2-0/) • Publikationen in der Reihe „Forum Bildungsethik“, Bielefeld (W. Berterlsmann) 2007f. Dr. Alexander Filipovic Datum: 22.06.2010
  • 14. Politische Jugendarbeit im Web 2.0 14 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Kontakt Dr. Alexander Filipovic Institut für Christliche Sozialwissenschaften Westfälische Wilhelms-Universität Münster Hüfferstr. 42 48149 Münster Tel. 0251 83-32645 Email: alexander.filipovic@uni-muenster.de www.alexander-filipovic.de Dr. Alexander Filipovic Datum: 22.06.2010