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Rolf	
  Schulmeister



Hypertext
Geschichte, Systeme, Strukturmerkmale und Werkzeuge
Hypertext	
   ist	
   die	
   Grundlage	
   des	
   World	
   Wide	
   Web.	
   Die	
   Geschichte	
   des	
   Hypertexts	
   ist	
   somit	
   zugleich	
   ein
Beitrag	
  zur	
  Geschichte	
  der	
  Entstehung	
  des	
  World	
  Wide	
  Web.	
  Der	
  ArDkel	
  informiert	
  über	
  die	
  Ursprünge	
  der
Idee	
  von	
  vernetzten	
  InformaDonen	
  und	
  Daten	
  von	
  Vannevar	
  Bush	
  (Memex)	
  und	
  führt	
  anhand	
  der	
  ersten
historischen	
  Vorstufen,	
  erdacht	
  von	
  Douglas	
  Engelbart	
  und	
  Ted	
  Nelson,	
  in	
  die	
  Grundlagen	
  von	
  Hypertext-­‐
Programmen	
  ein.	
  Erst	
  anhand	
  dieser	
  berühmten	
  Beispiele	
  kann	
  erkannt	
  werden,	
  wie	
  das	
  World	
  Wide	
  Web
entstehen	
  konnte,	
  wie	
  wir	
  es	
  heute	
  kennen.	
  Abschließend	
  werden	
  noch	
  die	
  strukturellen	
  Merkmale	
  des
Hypertexts	
  diskuDert	
  und	
  die	
  besonderen	
  Merkmale	
  wie	
  die	
  Nichtlinearität,	
  die	
  beliebigen	
  Verbindungen
usw.	
  herausgearbeitet.	
  Inwieweit	
  sich	
  Texte,	
  die	
  dermassen	
  aufgebaut	
  sind,	
  für	
  Lernen	
  und	
  Lehren	
  eignen,
ist	
  nach	
  wie	
  vor	
  eine	
  interessante	
  Frage.




Quelle:	
  
Historische	
  Aufnahmen
BTX-­‐Systeme	
  TU	
  Graz




                                                                                                                                                                   ]




                                                                                     #hypertext
                                                                                     #einfuehrung	
  
                                                                                     #geschichte

                                                                                     Version	
  vom	
  1.	
  Februar	
  2011



                                                                           Für	
  dieses	
  Kapitel	
  wird	
  noch	
  ein	
  Pate	
  gesucht,
  Jetzt Pate werden!                                             mehr	
  InformaDonen	
  unter:	
  hFp://l3t.eu/patenschaI
2	
  —	
  Lehrbuch	
  für	
  Lernen	
  und	
  Lehren	
  mit	
  Technologien	
  (L3T)


1. Vorkommen
Zum Glück müssen wir heute nicht mehr über Ideen,
Visionen oder Pläne reden, wenn wir erläutern
wollen, was Hypertext ist. Wir sind eigentlich ständig
damit beschäftigt, einen Hypertext zu nutzen, wenn
wir im World Wide Web im Internet etwas lesen,                                              Abbildung	
  2:	
  Screenshot	
  des	
  Wikipedia-­‐Artikels
suchen oder schreiben.                                                                      „Hypertext“.	
  Quelle:	
  (Stand	
  09/2010)	
  
   Die meisten Websites basieren auf Hypertext. Der                                         http://de.wikipedia.org/wiki/Hypertext
bekannteste Hypertext ist vermutlich Wikipedia. Der
Idee nach und historisch gesehen bestehen Hyper-
texte aus elektronischen Texten, die in sich markierte                                         Heute	
   werden	
   Hypertexte	
   mit	
   Hilfe	
   der	
   Auszeich-­‐
Textstellen (Sprungadressen) enthalten, mit deren
Hilfe man von einem Begriff oder Absatz zu einem
                                                                                        !      nungssprache	
   HTML	
   (HyperText	
   Markup	
   Language)
                                                                                               aucereitet.	
   Mit	
   HTML	
   können	
   Texte	
   aber	
   nicht	
   nur
anderen Begriff oder Absatz in demselben Text oder                                             sDlisDsch	
   aucereitet	
   werden	
   (Zeichensätze,	
   SDle,
                                                                                               Größen),	
   sondern	
   sie	
   können	
   auch	
   Sprungmarken
in einer anderen Textdatei „springen“ kann. Die Ver-
                                                                                               („Anker“)	
   und	
   Sprungadressen	
   aufnehmen,	
   die	
   man
bindung zwischen den Textstellen oder Dateien, der                                             als	
   Links	
   oder	
   Hyperlinks	
   bezeichnet,	
   und	
   die	
   zu	
   an-­‐
„Sprung“, wird mit dem englischen Begriff „Link“                                               deren	
  Texten	
  (als	
  Knoten	
  bezeichnet)	
  führen.	
  
(Verknüpfung) bezeichnet. Die technische Reali-
sierung war vor der Verfügbarkeit der Fenstersysteme                                      Solche Sprungadressen können zu anderen Stellen
und der Maus recht unterschiedlich.                                                    im selben Text, zu anderen Seiten derselben Website,
                                                                                       zu Dateien oder gar zu anderen Websites führen.
2. Ein	
  Beispiel	
  
                                                                                       Links sind nicht auf Begriffe und Textstellen be-
Im Wikipedia-Artikel zum Begriff Hypertext findet                                      schränkt, sondern können heute auch von Bildern
sich zu Beginn ein Inhaltsverzeichnis, das sieben Ein-                                 und Filmen ausgehen oder zu Bildern und Filmen
träge mit Links zu sieben Knoten anbietet, die durch                                   führen. Zuständig für die Weiterentwicklung von
blaue Farbe als anklickbar herausgehoben werden:                                       HTML ist heute das World Wide Web Consortium
                                                                                       (W3C).




     Abbildung	
  1:	
  Screenshot	
  des	
  Wikipedia-­‐Artikels
     „Hypertext“.	
  Quelle:	
  (Stand	
  09/2010)	
  
     http://de.wikipedia.org/wiki/Hypertext


                                                                                            Abbildung	
  3:	
  HTML-­‐Code	
  des	
  Kastens	
  „Inhaltsver-­‐
   Klickt man mit der Maus auf die Zeile „3 Ge-
                                                                                            zeichnis“	
  aus	
  Abbildung	
  1.	
  Quelle:	
  (Stand	
  09/2010)	
  
schichte und Entwicklung“, so landet man bei fol-
                                                                                            http://de.wikipedia.org/wiki/Hypertext
gendem Text im selben Wikipedia-Artikel:
Hypertext.	
  Geschichte,	
  Systeme,	
  Strukturmerkmale	
  und	
  Werkzeuge	
  —	
  3


                                                                                                   menting Human Intellect: A Conceptual
3. Geschichte	
  
                                                                                                   Framework“, mit dem er das Ziel verfolgte, die
Memex                                                                                              Reichweite des menschlichen Denkens zu erweitern.
Die Hypertext-Idee geht auf Vannevar Bush zurück.                                                  1968 implementierte er am „Augmented Human In-
Vannevar Bush, Berater von Präsident Roosevelt, be-                                                tellect Research Center“ das System NLS Augment
schrieb 1945 als Memex eine Maschine zum Blättern                                                  (oN Line System) und erfand die Computer-Maus als
und Anfertigen von Notizen in riesigen Textmengen,                                                 Eingabegerät (Engelbart, 1988; Conklin, 1987, 22;
die per Microfiche Annotationen und Kommentare                                                     Kuhlen 1991, 67ff; Gloor, 1990, 176ff; Nielsen, 1990,
speichern sollte (das Konzept geht bis in die 1930er                                               34ff; Nielsen, 1995; 36ff).
Jahre zurück; Nielsen, 1995, S. 33).
                                                                                                           Zum	
  VerDefen:	
  

   !
           Hinweis:	
   Alle	
   im	
   Kapitel	
   erwähnte	
   Links	
   und	
   weitere
           sind	
   bei	
   Mister	
   Wong	
   in	
   der	
   L3T	
   Gruppe	
   mit	
   dem        !      ▸ Die	
   Stanford	
   University	
   veröffentlicht	
   eine	
   Reihe
                                                                                                              historischer	
  Dokumente,	
  u.a.	
  auch	
  35	
  kleine	
  Filme
           Hashtag	
  #l3t	
  und	
  #hypertext	
  abgelegt.	
                                                zu	
   Doug	
   Engelbarts	
   Arbeit	
   am	
   Bildschirm
                                                                                                              (hFp://sloan.stanford.edu/mousesite/1968De-­‐
                                                                                                              mo.html).	
  
           Zum	
   VerDefen:	
   Der	
   berühmt	
   gewordene	
   Aufsatz	
   „As                          ▸ Die	
   SoIware	
   PreservaDon	
   Site	
   unterhält	
   Quellen
   !       We	
   May	
   Think“	
   aus	
   dem	
   Magazin	
   „The	
   AtlanDc
           Monthly“	
   vom	
   Juli	
   1945	
   (Volume	
   176,	
   No.	
   1;	
   101-­‐108)
                                                                                                              zu	
  NLS	
  Augment	
  (vgl.	
  hFp://www.soIwarepreser-­‐
                                                                                                              vaDon.org/projects/nlsproject/).	
  
           wird	
   vom	
   Magazin	
   im	
   Netz	
   angeboten	
   (hFp://www.-­‐
           theatlanDc.	
  com/doc/194507/bush).	
  
                                                                                                      Augment kam bei der Luftfahrt-Firma McDonnel
                                                                                                   Douglas zu größerer Anwendung (Ziegfeld & Haw-
   Mit Memex hatte Bush eine Analogie zwischen                                                     kins et al., 1988). Es erwies sich dort als zunehmend
dem „assoziativen“ Arbeiten des menschlichen Ge-                                                   wichtig, umfangreiche technische Dokumentationen
hirns und dem assoziativen Vernetzen von Texten im                                                 mit ihren internen Relationen und Verweisen elektro-
Auge. Heute finden sich viele Dokumente zu Bush                                                    nisch speichern zu können, zum Beispiel umfasste ein
im Internet mit den Originalzeichnungen des Memex                                                  Handbuch für Düsenflugzeuge 1988 circa 300.000
und Fotos des von Bush 1931 entwickelten „Diffe-                                                   Blatt, wog 3.150 Pfund und nahm einen Raum von
rential Analyzer“, einer analog arbeitenden Maschine                                               68 Kubikfuß ein. Ventura (1988) berichtet, dass das
für die Lösung von Differentialgleichungen.                                                        amerikanische Verteidigungsministerium allein fünf
                                                                                                   Millionen Blatt pro Jahr auswechseln musste (S. 111).
                                                                                                   Der Zugang zu Informationen, zum Beispiel zu
                                                                                                   Sammlungen von Photoagenturen, zu Dokumenta-
                                                                                                   tionen von Zeitungsverlagen, zu Gesetzesblättern,
                                                                                                   wurde derart schwierig, dass vermehrt Datenbanken
                                                                                                   eingeführt wurden, um die Informationen effektiver
                                                                                                   verwalten und leichter auffinden zu können.
                                                                                                   Xanadu	
  
                                                                                                   Fast gleichzeitig mit Engelbart entwickelte Ted
                                                                                                   Nelson (1967) das Hypertext-System Xanadu (die
                                                                                                   Xanadu Operating Company ist eine Filiale der Au-
                                                                                                   todesk, Inc.). Ihm wird die Erfindung des Begriffs
       Abbildung	
  4:	
  Der	
  Memex-­‐Tisch	
  von	
  Vannevar	
  Bush.
                                                                                                   „Hypertext“ zugeschrieben (Nielsen, 1995, 37ff), er
       Quelle:	
  http://web.mit.edu/mindell/www/analyzer.htm
                                                                                                   selbst nimmt dies für sich auf seiner Homepage auch
                                                                                                   in Anspruch (vgl. http://ted.hyperland.com/). Das
NLS	
  Augment	
                                                                                   im Internet eingerichtete Archiv enthält ein Do-
                                                                                                   kument, in dem der Begriff Hypertext vermutlich
Die Vision von Bush fand Nachfolger (Bush, 1986;                                                   zum ersten Mal auftrat, 1965 in einer Ankündigung
Conklin, 1987, 20; Kuhlen, 1991, 66ff; Nielsen 1990,                                               am Vassar College (vgl. http://xanadu.com/).
31ff; Nielsen, 1995, 33ff). 1962 veröffentlichte                                                      Das Projekt Xanadu, das zum Ziel hatte, sämtliche
Douglas Engelbart am Stanford Research Institute                                                   Literatur der Welt zu vernetzen, wurde nie ganz reali-
den Bericht über das SRI Project No. 3578 „Aug-                                                    siert. Nelson schwebte bereits eine Client-Server-
4	
  —	
  Lehrbuch	
  für	
  Lernen	
  und	
  Lehren	
  mit	
  Technologien	
  (L3T)


Konzeption mit nicht-lokalen Verknüpfungen wie                                           Hervorhebungen im Text als Verknüpfungen. Her-
heute im World Wide Web vor (Nelson, 1974;                                               vorhebungen erscheinen in Fettdruck auf dem Bild-
Ambron & Hooper, 1988; Conklin, 1987, 23; Kuhlen,                                        schirm. Die puritanische Philosophie der Entwickler
1991, 68ff; Nielsen, 1990, 35ff).                                                        drückt sich in der sparsamen Verwendung von Ver-
                                                                                         knüpfungen aus, die auf Überschriften beschränkt
          Zum	
   VerDefen:	
   Es	
   exisDert	
   neben	
   der	
   Homepage	
   des   wurden: „We strongly believe that the use of the ar-
  !       Projekts	
   (hFp://xanadu.com/)	
   noch	
   eine	
   australische
          Variante	
  (hFp://xanadu.com.au/).	
  
                                                                                         ticle titles as navigation landmarks is an important
                                                                                         factor to limit the disorientation of the user in the
                                                                                         database. It is only with caution that we introduced
                                                                                         what we call 'opaque links' or 'blind links' (a link
   Die Distribution von Xanadu wurde für 1990 von                                        where the highlighted word is not the title of the re-
der „Xanadu Operating Company“ angekündigt                                               ferred article), to satisfy what should remain as
(Kuhlen, 1991, 71; Woodhead, 1991, 190ff). Berk                                          special cases“ (Plaisant, 1991, 20). HyperTIES kennt
(1991) beschreibt das Client-Server-Modell von                                           nur unidirektionale Verknüpfungen, „because bidirec-
Xanadu näher.                                                                            tional links can be very confusing“ (S. 21).
KMS	
  
    KMS Knowledge Systems’ KMS (1983) für SUN-                                              Abbildung	
  5:	
  Ausschnitt	
  aus	
  HyperTIES
und Apollo-Rechner (Akscyn & McCracken et al.,
1988) ist eine Weiterentwicklung von dem frühen Hy-
pertext-System ZOG (1972 und 1975; Robertson &
McCracken et al. 1981) einer Entwicklung der Car-
negie-Mellon University (Woodhead, 1991, 188ff).
Über ZOG ist vermutlich die erste Dissertation zum
Thema Hypertext geschrieben worden (Mantei. 1982)
Nielsen, 1995, 44ff). Von 1980 bis 1984 wurde mit
ZOG ein computerunterstütztes Managementsystem
für den mit Atomkraft angetriebenen Flugzeugträger
USS Carl Vinson entwickelt (Akscyn & McCracken et
al., 1988, 821). KMS wurde 1981 begonnen, weil eine
kommerzielle Version nachgefragt wurde. KMS ist
bereits ein verteiltes Multi-User-Hypertext-System
(Yoder & Akscyn et al., 1989). Es basiert auf                                                Der untere Bildschirmrand bietet einige Befehle
Rahmen, die Text, Grafik und Bilder in beliebiger                                        für die Navigation (Vor, Zurück, Zum Beginn, Index,
Kombination enthalten können, und deren Größe                                            Beenden). Repräsentativ für das System ist das
auf maximal 1132 x 805 Pixel festgelegt ist. In KMS                                      sowohl als Buch als auch als elektronischer Text auf
sind die Modi der Autor/innen und der Leser/innen                                        Diskette veröffentlichte „Hypertext Hands-On!“, das
noch ungetrennt. Leser/innen können jederzeit Text                                       180 Aufsätze zum Thema umfasst (Shneiderman &
editieren, neue Rahmen und Verknüpfungen anlegen,                                        Kearsley, 1989) und den Leserinnen und Lesern einen
die durch kleine grafische Symbole vor dem Text si-                                      direkten Vergleich von Buch und Hypertext ermög-
gnalisiert werden. KMS benutzt eine Maus mit drei                                        licht (Nielsen, 1995, 45ff). Unter grafischen Fenster-
Knöpfen, die neun verschiedene Funktionen gene-                                          systemen entfaltet HyperTIES mehr grafische Fähig-
rieren können.                                                                           keiten, so zum Beispiel im dort zitierten Beispiel der
                                                                                         Encyclopedia of Jewish Heritage (S. 157), das 3.000
HyperTIES	
  
                                                                                         Artikel und 10.000 Bilder auf einer Bildplatte um-
Mit der Entwicklung von Ben Shneidermans Hy-                                             fassen soll, sowie in der auf einer SUN erstellten An-
perTIES wurde bereits 1983 an HyperTIES der Uni-                                         wendung zum Hubble Space Telescope (s. Shnei-
versity of Maryland begonnen. HyperTIES wurde ab                                         derman, 1989, 120). Jedoch sind die Bilder nur als
1987 von Cognetics Corporation weiterentwickelt                                          Hintergrund unterlegt und nicht mit integrierten Ver-
und vertrieben (Shneiderman et al., 1991). Hy-                                           knüpfungen in die Hypertext-Umgebung eingelassen
perTIES erscheint unter DOS als Textsystem mit al-                                       (Plaisant, 1991). In der SUN-Version hat man sich
phanumerischem Interface im typischen DOS-Zei-                                           mit „tiled windows“ begnügt, weil man überlappende
chensatz. Die Artikel fungieren als Knoten und die                                       Fenster für Neulinge als zu schwierig betrachtete. Hy-
Hypertext.	
  Geschichte,	
  Systeme,	
  Strukturmerkmale	
  und	
  Werkzeuge	
  —	
  5


perTIES folgt nach Aussage von Shneiderman der                                        Intermedia	
  
Metapher des Buchs oder der Enzyklopädie (S. 156),                                    Intermedia (1985) von Andries van Dam und dem
von der sich der Name TIES („The Electronic Ency-                                     Institute for Research in Intermedia Information and
clopedia System“) herleitet (Morariu & Shneiderman,                                   Scholarship (IRIS) der Brown University ist bereits
1986). Einen Überblick über HyperTIES gibt Plaisant                                   ein System, das im Alltag einer Universität und in
(1991).                                                                               mehreren Fächern (Biologie, Englische Literatur) für
                                                                                      die kooperative Entwicklung von Unterrichtsmate-
       Zum	
   VerDefen:	
   Das	
   Human	
   Computer	
   Lab	
   der	
   Uni-­‐    rialien und zum Lernen am Bildschirm eingesetzt
  !    versity	
   of	
   Maryland,	
   der	
   Ursprung	
   von	
   HyperTIES,
       bietet	
   historische	
   InformaDonen	
   zu	
   seinem	
   Produkt
                                                                                      wird. Yankelovich et al. (1985) schildern die Ent-
                                                                                      wicklung, die elektronische Dokumentensysteme an
       an	
  (hFp://www.cs.umd.edu/hcil/hyperDes/).	
                                 der Brown University genommen haben. Nach dem
                                                                                      rein textorientierten System FRESS (1968; vgl.
                                                                                      Nielsen, 1995, 40) und dem Electronic Document
     Obwohl das Autorentool bereits einige Aspekte                                    System, das bereits Bilder und grafische Repräsenta-
der automatischen Konstruktion von Hypertext er-                                      tionen der Knoten-Struktur darstellen sowie Animati-
leichterte, musste Shneiderman die Buchseiten noch                                    onssequenzen spielen konnte, und BALSA (Brown
manuell setzen. Auch die Links im Text wurden                                         Algorithm Simulator and Animator) wurde erst mit
einzeln gesetzt und mussten nach Editiervorgängen,                                    Intermedia ein echter Durchbruch erzielt. Yan-
die den Text verkürzten oder verlängerten, manuell                                    kelovich et al. (1988) beschreiben das System an-
versetzt werden. In modernen Hypertext-Systemen                                       schaulich anhand von 12 Bildschirmabbildungen
haften die Links am Text und müssen beim Editieren                                    einer Sitzung. Intermedia besteht aus fünf inte-
nicht mehr manuell gesetzt werden.                                                    grierten Editoren: InterText (ähnlich MacWrite), In-
                                                                                      terPix (zum Zeigen von Bitmaps), InterDraw (ähnlich
NoteCards	
  
                                                                                      MacDraw), InterSpect (Darstellen und Rotieren drei-
Xerox PARC’s NoteCards (1985) ist ein unter In-                                       dimensionaler Objekte) und InterVal (Editor für
terLisp geschriebenes Mehrfenster-Hypertext-System,                                   chronologische Zeitleisten). Zusätzlich können direkt
das auf den mit hochauflösenden Bildschirmen aus-                                     aus Intermedia heraus „Houghton-Mifflin’s American
gestatteten D-Maschinen von Xerox entwickelt                                          Heritage Dictionary“ oder „Roget’s Thesaurus“ auf-
wurde. Die kommerzielle Version von NoteCards                                         gerufen werden. Intermedia operiert mit variablen
wurde unter anderem auf Sun-Rechnern implemen-                                        Fenstern als Basiseinheit. Alle Links sind bidirek-
tiert. Sie ist bereits weiter verbreitet als die vorge-                               tionale Verknüpfungen von zwei Ankern. Intermedia
nannten Systeme, Xerox jedoch hat NoteCards nie                                       arbeitet mit globalen und lokalen Maps als Ausgangs-
vermarktet. NoteCards folgt, wie der Name sagt, der                                   punkt für Browser, das WebView-Fenster stellt die
Kartenmetapher. Jeder einzelne Knoten ist eine Da-                                    Dokumente und die Links durch mit Linien ver-
tenkarte, im Gegensatz zur ersten Version von Hy-                                     bundene Mini-Icons dar (Conklin, 1987, 28ff; Kuhlen
perCard jedoch mit variablen Fenstern. Links be-                                      1991, 198ff; Gloor, 1990, 20ff, 59ff; Nielsen, 1995,
ziehen sich auf Karten, sind aber an beliebigen                                       51ff).
Stellen eingebettet, zusätzlich gibt es Browser, die wie
Standardkarten funktionieren, und Dateiboxen, spe-
zielle Karten, auf denen mehrere Karten zusammen-                                          Abbildung	
  6:	
  Die	
  Anwendung	
  „Perseus“	
  realisiert	
  unter
gefasst werden können, die wie Menüs oder Listen                                           Intermedia	
  
oder Maps funktionieren (Halasz, 1988) Die
Browser-Karte stellt das Netz als grafischen Über-
blick dar (Conklin, 1987, 27ff; Gloor, 1990, 22ff;
Catlin & Smith, 1988; Woodhead, 1991, 189ff;
Nielsen, 1995, 47ff). Halasz (1988) hatte noch sieben
Wünsche an NoteCards: Suchen und Anfragen, zu-
sammengesetzte Strukturen, virtuelle Strukturen für
sich ändernde Informationen, Kalkulationen über
Hypermedia-Netze, Versionskontrolle, Unterstützung
kollaborativer Arbeit, Erweiterbarkeit und Anpass-
barkeit.
6	
  —	
  Lehrbuch	
  für	
  Lernen	
  und	
  Lehren	
  mit	
  Technologien	
  (L3T)


   Intermedia Version 3.0 wurde anfangs kommer-                                        immer wieder betont, obwohl Landow (1992a) sicher
ziell vertrieben. Aber diese Version lief nur unter                                    Recht hat, wenn er HyperCard und Guide nur als
A/UX auf dem Macintosh (Woodhead, 1991, 181ff).                                        „first approximations of hypertext“ bezeichnet, da
Da dieses System nicht sehr häufig eingesetzt wurde,                                   die eigentlichen Merkmale von Hypertext wie die
fand Intermedia leider keine große Verbreitung                                         Links in Form von durchsichtigen Schaltflächen (Be-
(Nielsen, 1995, 51). Erfolgreiche kommerzielle                                         dienknöpfen) über den Text gelegt werden mussten.
Systeme sind aus diesen historischen Prototypen also                                   1989 realisierte David Jonassen in HyperCard eine
nicht geworden.                                                                        Hypertext-Umgebung über das Thema Hypertext.

            Zum	
   VerDefen:	
   Die	
   Geschichte	
   von	
   Intermedia
   !        zeichnet	
   die	
   „Electronic	
   Library“	
   (hFp://elab.eserve-­‐
            r.org/hfl0032.html).


4. Erfolgreich	
  verbreitete	
  Systeme
Guide	
  
Erst Guide (1986) von OWL (Office Workstations
Limited) ist das erste kommerziell erfolgreiche Hy-
pertextsystem. Peter Brown hatte es bereits 1982 in
England an der University of Kent begonnen.
Nielsen meinte (1990, 42; 1995, 54ff), dass Guide den
                                                                                              Abbildung	
  7:	
  Hypertext	
  realisiert	
  unter	
  HyperCard.
Übergang von einem exotischen Forschungsprojekt
                                                                                              Quelle:	
  Beispiel	
  aus	
  Jonassen,	
  1989.
zu einer „Realen-Welt“-Anwendung markiere. Guide
wurde von OWL zunächst für den Macintosh, später
auch für PCs entwickelt. Es orientiert sich am                                         5. Das	
  World	
  Wide	
  Web	
  und	
  die	
  Browser
strengsten von allen Systemen am Dokument. Guide
stellt Textseiten zur Verfügung, auf denen Textstellen                                 Viele Informationen und vor allem aktuelle Informa-
als Verknüpfungen mit unterschiedlicher Bedeutung                                      tionen bezieht man heute aus dem Internet selbst,
markiert werden können. Über den Textstellen                                           und dies mit Hilfe einer Software, die Hypertexte
nimmt der Cursor unterschiedliche Gestalt an und                                       bzw. Texte, die mit HTML codiert wurden, lesen
teilt den Benutzer/innen so die Existenz von Ver-                                      kann. Diese Software wird als Webbrowser oder
knüpfungen mit. Guide kennt drei Arten von Ver-                                        kurz Browser bezeichnet. Bekannte Browser sind:
knüpfungen: Springen zu einer anderen Stelle im                                        Mosaic oder Netscape Navigator, Internet Explorer,
selben oder in einem anderen Dokument, Öffnen                                          Mozilla und Firefox, Safari, Opera und jüngst Google
eines Notizfensters oder -dialogs über dem aktuellen                                   Chrome.
Text sowie Ersetzen von Text durch kürzeren oder
längeren Text (Auffalten, Einfalten). In Version 2
                                                                                                  Browser	
   sind	
   SoIwareprogramme,	
   die	
   heute	
   in	
   der
wurde eine Skriptsprache für den Zugriff auf Bild-
plattenspieler eingebaut.                                                                 !       Lage	
  sind,	
  den	
  HTML-­‐Code	
  und	
  weitere	
  in	
  den	
  Text	
  in-­‐
                                                                                                  korporierte	
   Designelemente	
   (css,	
   cascading	
   styles-­‐
HyperCard	
                                                                                       heets),	
   Programme	
   (QuickTime,	
   Flash)	
   und	
   Skript-­‐
                                                                                                  sprachen	
   (zum	
   Beispiel	
   php)	
   zu	
   entziffern	
   und	
   in
1987 erschien Bill Atkinsons HyperCard. Schon                                                     lesbare	
  und	
  grafisch	
  gestaltete	
  Seiten	
  zu	
  übersetzen.	
  
vorher gab es gespannte Erwartungen. Conklin
(1987) gab in seinem historischen Überblick über Hy-                                      Timothy John Berners-Lee, der Ende der
pertext-Systeme sogar das Gerücht weiter: „As this                                     1980er Jahre im Kernforschungszentrum CERN in
article goes to press, there is news that Apple will                                   der Schweiz arbeitete, schlug 1989 dem CERN ein
soon have its own hypertext system, called Hyper-                                      Projekt vor, das Computer verschiedener Netzwerke
Cards“ (S. 32). Man darf wohl mit Recht behaupten,                                     miteinander verbinden und kommunizieren lassen
dass keine andere Software, schon gar keine andere                                     sollte. Das Konzept für das Metanetzwerk nutzte die
Programmierumgebung, einen derart bedeutsamen                                          Kommunikationsschnittstellen des Internet, zum Bei-
Einfluss auf den Einsatz von Computern gehabt hat                                      spiel HTTP als Protokoll und URL als eindeutige
wie HyperCard. In der Literatur speziell zu Hypertext                                  Adresse, und fußte auf der Idee von Hypertext, um
wird die historische Bedeutung von HyperCard                                           Links zwischen mehreren Rechnern und Seiten her-
Hypertext.	
  Geschichte,	
  Systeme,	
  Strukturmerkmale	
  und	
  Werkzeuge	
  —	
  7


stellen zu können. Berners-Lee entwickelte dafür die                                  schaften des Systems zu betonen. Möglicherweise ist
Auszeichnungssprache HTML und schuf dafür den                                         der Standpunkt Nielsens (1995b) vernünftig, der alle
ersten Browser, den er „WorldWideWeb“ nannte und                                      diese Systeme wegen ihres Konstruktionsprinzips als
der später dem gesamten Webserver-Netz innerhalb                                      Hypertext bezeichnet, weil es keinen Sinn mache,
des Internets den Namen geben sollte. Damit begann                                    einen speziellen Begriff für Nur-Text-Systeme übrig
ab etwa 1993 der Ursprung des World Wide Web                                          zu behalten (S. 5).
(WWW).                                                                                Hypertext ist zuerst Text, ein Textobjekt, und nichts
   1993 entwickelte Marc Andreessen den Browser                                       anderes. Hypertext entsteht aus Text, indem dem
Mosaic am National Center for Supercomputing Ap-                                      Text eine Struktur aus Ankern und Verknüpfungen
plications. 1994 gründete Andreessen die Firma                                        übergelegt wird. Nun kann man diskutieren, ob be-
Netscape die den rasch erfolgreichen Browser                                          reits das Verhältnis der Textmodule ein nicht-lineares
Netscape Navigator entwickelte.                                                       ist oder ob Nicht-Linearität erst durch die Verknüp-
   Seither wurden mehrere Browser entwickelt, und                                     fungen konstituiert wird. Auf jeden Fall trifft die Ein-
seitdem haben es alle anderen Applikationen leicht,                                   schätzung von Nielsen (1995) zu , dass Hypertext ein
weil sie sich dieser Grundlagen des Internets und des                                 echtes Computer-Phänomen ist, weil er nur auf
WWW bedienen können und den Browser als                                               einem Computer realisiert werden kann, während die
Zugang zu ihren Leistungen nutzen können. Auf                                         meisten anderen Computer-Anwendungen ebenso
derartigem Fundament bauen die Wikis auf, aber                                        gut manuell erledigt werden können (S. 16). Landow
auch die Weblogs und sogar die Lernplattformen.                                       (1992b) erwähnt literarische Werke, die auf Papier
                                                                                      ähnliche Strukturen verwirklicht haben. Ein Hy-
6. Strukturmerkmale	
  von	
  Hypertext	
  
                                                                                      pertext-System besteht aus Blöcken von Textob-
    Zum Hypertext-Konzept gibt es ausreichend Lite-                                   jekten; diese Textblöcke stellen Knoten in einem
ratur (Kuhlen, 1991; Nielsen, 1995; Schulmeister,                                     Gewebe oder Netz dar; durch rechnergesteuerte, pro-
1995), und zu allen damit im Zusammenhang ste-                                        grammierte Verknüpfungen, den Links, wird die Na-
henden Begriffen finden sich in Wikipedia Stich-                                      vigation von Knoten zu Knoten gemanagt, das soge-
worte, die einen Artikel wie diesen eigentlich über-                                  nannte „Browsing“. Landow weist auf analoge Vor-
flüssig machen könnten. Die Funktion dieses Textes                                    s t e l l u n g e n d e r französischen Strukturalisten
besteht daher mehr oder minder in der Zusammen-                                       Roland Barthes, Michel Foucault und Jacques Derrida
stellung der historischen Fakten und der Diskussion                                   hin, die sich sogar in ihrer Terminologie ähnlicher
der Strukturmerkmale.                                                                 Begriffe (Knoten, Verknüpfung, Netz) bedienten, wie
    Schoop und Glowalla (1992) unterscheiden struk-                                   sie in der heutigen Hypertext-Technologie benutzt
turelle (nodes, links), operationale (browsing), me-                                  werden (S. 1ff). Für die Konstitution des Netzes ist
diale (Hypermedia) und visuelle Aspekte (Ikonizität,                                  die Größe der als Knoten gesetzten Textblöcke, die
Effekte). Nicht-linearer Hypertext wird auch als                                      „Granularität“ oder „Korngröße“ der Informations-
nicht-linearer Text (Kuhlen, 1991) oder nicht-sequen-                                 einheiten entscheidend. Am Beispiel einer KIOSK-
tieller Text (Nielsen, 1995, 1) bezeichnet. Das Lesen                                 Anwendung, die lediglich dem Abspielen von Film-
eines Hypertexts ähnelt dem Wechsel zwischen                                          Clips von einer Bildplatte dient, erläutert Nielsen,
Buchtext, Fußnoten und Glossar: „Therefore hy-                                        dass für ihn eine KIOSK-Anwendung kein Hypertext
pertext is sometimes called the 'generalized                                          ist, weil der Benutzer mit dem Video nicht intera-
footnote'“(S. 2).                                                                     gieren kann, sobald es läuft. In dem Fall sei die Gra-
                                                                                      nularität zu groß und gebe den Benutzern nicht das
                                                                                      Gefühl, die Kontrolle über den Informationsraum zu
       Hypertext-­‐Systeme	
   bestehen	
   aus	
   Texten,	
   deren	
   ein-­‐      besitzen (S. 14).
  !    zelne	
   Elemente	
   (Begriffe,	
   Aussagen,	
   Sätze)	
   mit	
   an-­‐
       deren	
  Texten	
  verknüpI	
  sind.	
  
                                                                                           Für das Netz des Hypertexts hat Landow (1992b)
                                                                                      die Begriffe Intertextualität und Intratextualität ge-
                                                                                      prägt (38). Der Begriff Intertextualität (s.a. Lemke,
    Die Bezeichnung Hypertext spiegelt die histo-                                     1992) hat nun wiederum Sager (1995) zur Schöpfung
rische Entstehung, es war zunächst tatsächlich an                                     des Begriffs der Semiosphäre angeregt: „Die Semio-
reine Textsysteme gedacht. Heute können Texte aber                                    sphäre ist ein weltumspannendes Konglomerat be-
auch mit Daten in einer Datenbank, mit Bildern,                                       stehend aus Texten, Zeichensystemen und Symbol-
Filmen, Ton und Musik verbunden werden. Deshalb                                       komplexen, die, auch wenn sie weitgehend in sich ab-
sprechen viele Autoren inzwischen von Hypermedia                                      geschlossen sind, in ihrer Gesamtheit doch um-
statt von Hypertext, um die Multimedia-Eigen-                                         fassend systemhaft miteinander vernetzt und damit
8	
  —	
  Lehrbuch	
  für	
  Lernen	
  und	
  Lehren	
  mit	
  Technologien	
  (L3T)


kohärent, nichtlinear und sowohl denk- wie hand-                                           informationeller Einheiten hilft das 'chunk'-Konzept
lungsorientierend sind“ (S. 217). Sager berichtet über                                     auch nicht entscheidend weiter“ (S. 87). Kuhlen ver-
multimediale Hypertexte auf kunstgeschichtlichem                                           weist auf Horn, der das Chunk-Konzept am konse-
Gebiet, die über das Netz mit Videokameras in weit                                         quentesten umgesetzt habe und vier Prinzipien für
entfernten Museen verbunden sind. Die Hypertext-                                           die Unterteilung von Info-Blöcken unterscheide:
Benutzer/innen können von ihrem Platz aus die Ka-                                          „chunking principle, relevance principle, consistency
meras fernsteuern (geplant im Europäischen Muse-                                           principle“ und „labeling principle“. „Aus dieser
umsnetz). Sager erwähnt auch das Projekt „Piazza                                           knappen Diskussion kognitiver Einheiten und deren
Virtuale“ auf der Documenta 9, in dem per Live-                                            kohäsiven Geschlossenheit läßt sich die Einsicht ab-
Schaltung Fernsehzuschauer/innen Annotationen in                                           leiten, daß weder Umfang noch Inhalt einer informa-
einen Hypertext einbringen können. Auf diese Weise                                         tionellen Einheit zwingend festgelegt werden kann“
entstehen weltumspannende Räume, die über die An-                                          (S. 88). Eine zu große Einteilung der Texteinheiten
wendung hinausweisen und je nach Interesse der Be-                                         kann das Hypertext-Prinzip Granularität konterka-
nutzer andere Inhalte inkorporieren können (S. 224).                                       rieren, d.h. der Benutzerin oder dem Benutzer wird
Je nach Art der Knoten und Verknüpfungen kann der                                          dann gar nicht mehr deutlich, dass sie einen Hy-
Zugriff auf Informationen in einem Hypertext frei                                          pertext vor sich hat. Lowyck und Elen (1992)
oder beschränkt sein (Lowyck & Elen, 1992, 139). In                                        schildern diese Form drastisch so: „When larger
einer offenen Umgebung treffen die Benutzer/innen                                          pieces of information are given the hypermedia envi-
alle Entscheidungen über den Zugang und die Navi-                                          ronment is used as an integrated pageturner and
gation, in einer geschlossenen Umgebung werden                                             audio- or videoplayer. When hypermedia would be
diese Entscheidungen vorab vom Designer getroffen.                                         used instructionally a highly branched version of pro-
In jedem Fall können sich zwischen den Vorstel-                                            grammed instruction is offered. This kind of in-
lungen der Benutzer/innen und denen des Designers                                          struction does not stem from a cognitive but from a
Spannungen ergeben. Aus der Konzeption der Text-                                           behavioristic background“ (S. 142). Die Aufsplit-
blöcke, ihrer Intertextualität, können semiotische                                         terung in zu kleine Informationseinheiten kann ihrer-
Muster resultieren (Lemke, 1992), die als Kunst-                                           seits zu einer Atomisierung der Information führen,
formen genutzt werden könnten. Die Diskussion                                              was sich möglicherweise auf die kognitive Rezeption
über semiotische oder narrative Strukturen von Hy-                                         durch die Benutzer/innen auswirkt: Sie können keine
pertexten ist aber erst ganz am Anfang. Thiel (1995)                                       Zusammenhänge mehr entdecken, sie können nicht
unterscheidet eine monologische Organisationsform                                          „verstehen“.
für Hypertexte von einer dialogischen Form (S. 45),                                            Die verschiedenen Hypertext-Systeme fördern die
die eine Art Konversationsmodus für den interak-                                           eine oder die andere Seite dieses Problems, sofern sie
tiven Dialog des Benutzers mit dem Hypertext eta-                                          auf dem Datenbank-Konzept oder dem Karten-
blieren könne, konzipiert durch Sprechakte oder Dia-                                       prinzip beruhen (kleine Einheiten) oder die Organi-
logskripte.                                                                                sation in Dokumenten präferieren (größere Ein-
                                                                                           heiten). Nicht immer ist die Basiseinheit der Knoten,
        Suchen	
  und	
  lesen	
  Sie	
  eine	
  Hypertext-­‐Erzählung	
  im	
  In-­‐      es kann auch Knoten kleinerer Größe innerhalb von
  ?     ternet	
   und	
   diskuDeren	
   Sie,	
   ob	
   Hypertext	
   für	
   poeDsche
        GaFungen	
  geeignet	
  ist.	
  Zum	
  Beispiel	
  hier:
                                                                                           Rahmen oder Fenstern geben, zum Beispiel ein Wort,
                                                                                           ein Satz, ein Absatz, ein Bild. Diese Differenzierung
         ▸ hFp://www.netzliteratur.net/netzliteratur_theo-­‐                               verweist auf eines der Grundprobleme von Hy-
           rie.php	
  
         ▸ hFp://www.eastgate.com/	
  
                                                                                           pertext, das in der Hypertext-Terminologie als
                                                                                           Problem der Granularität bezeichnet wird. Dass die
        Das	
  Buchprojekt	
  „Null“	
  welches	
  auch	
  gedruckt	
  wurde:
         ▸ hFp://www.literaturkriDk.de/public/rezensi-­‐
                                                                                           Granularität nicht leicht zu entscheiden ist (nach dem
           on.php?rez_id=3806                                                              Motto „je kleiner desto besser“) zeigt eine Untersu-
                                                                                           chung von Kreitzberg und Shneiderman (1988). Sie
                                                                                           vergleichen in einem Lernexperiment zwei Hy-
    Bei der Segmentierung von Texten in Textblöcke                                         pertext-Versionen, von denen die eine viele kleine,
stellt sich die Frage, ob es eine „natürliche“ Ein-                                        die andere wenige große Knoten aufweist. Zwar
teilung der Textblöcke in Informationseinheiten gibt.                                      kommen die Autoren in ihrer Untersuchung zu der
Dabei ist die Idee aufgetaucht, ob es gelingen könnte,                                     Folgerung, dass die Version mit den kleineren
Form und Größe der Textblöcke als kognitive Ein-                                           Knoten bessere Resultate zeitigt (gemessen durch
heiten, sog. „Chunks of Knowledge“ zu definieren                                           richtige Antworten auf Fragen zum Text in Multiple-
(Kuhlen, 1991, 80ff): „Zur intensionalen Definition                                        Choice-Tests), doch Nielsen (1995) macht plausibel,
Hypertext.	
  Geschichte,	
  Systeme,	
  Strukturmerkmale	
  und	
  Werkzeuge	
  —	
  9


dass dieses Ergebnis wahrscheinlich von einer spezi-          Kuhlen (1991) unterscheidet die Navigationsmittel in
ellen Eigenschaft von HyperTIES abhängig ist, die             konventionelle Metainformationen und hypertextspe-
nicht für andere Hypertext-Systeme gilt, denn Hy-             zifische Orientierungs- und Navigationsmittel:
perties ist eines der Hypertextsysteme, die zum               ▸ konventionelle Metainformationen sind nicht-li-
Anfang eines Artikels verlinken und nicht zu der                  neare Orientierungs- und Navigationsmittel, In-
Stelle innerhalb des Artikels, an der sich die Infor-             haltsverzeichnisse, Register und Glossare (134ff);
mation befindet, auf die der Ausgangsknoten ver-              ▸ hypertextspezifische Orientierungs- und Navigati-
weisen soll. Aufgrund dieser Eigenschaft ist Hy-                  onsmittel sind grafische Übersichten („Browser“),
perties besonders leicht handhabbar, wenn der Text                vernetzte Ansichten („web views“), autorendefi-
aus kleinen Knoten mit genau einem Thema besteht,                 nierte Übersichtsmittel, Pfade („paths/trails“), ge-
so dass klar ist, worauf der Link verweist (S. 137ff.).           führte Unterweisungen („guided tours“), „Back-
    Einer Zersplitterung kann durch intensive Kon-                track“-Funktionen, Dialoghistorien, retrospektive
textualisierung der Chunks entgegengewirkt werden.                grafische (individuelle) Übersichten, leserdefinierte
Dieser Weg wird bei Kuhlen (1991) an Beispielen aus               Fixpunkte („book marks“), autorendefinierte Weg-
Intermedia diskutiert (S. 200). Die Kontextuali-                  weiser („thumb tabs“), Markierung gelesener Be-
sierung, die der Zersplitterung vorbeugen soll, muss              reiche („breadcrumbs“) (S. 144ff).
nicht nur wie in den Intermedia-Beispielen aus
reichen Kontexten innerhalb des Systems bestehen,             Zu den die Navigation unterstützenden Methoden
sondern kann auch durch den gesamten pädagogi-                zählen neben den von Kuhlen recht vollständig auf-
schen Kontext sichergestellt werden wie in den kon-           geführten Mitteln noch kognitive Karten (Bieber &
struktivistischen Experimenten zum kooperativen               Wan, 1994); Edwards & Hardman, 1993, 91) und spe-
Lernen in sozialen Situationen (Brown & Palincsar,            zielle Mittel zur Verwaltung fest verdrahteter oder be-
1989; Campione et al., 1992).                                 nutzereigener Pfade (s.a. Gay & Mazur, 1991; s.
    Canter et al. (1985) unterscheiden fünf Navigati-         Gloor, 1990) Bieber und Wan (1994) schlagen
onsmethoden: Scannen, Browsen, Suchen, Explo-                 mehrere Formen des Backtracking vor, insbesondere
rieren, Wandern. McAleese (1993) unterscheidet die            differenzieren sie die Rückverfolgung danach, ob die
Navigationsmethoden analog dem aus der Lernfor-               Navigation durch einen Fensterwechsel oder durch
schung bekannten Konzept des entdeckenden                     Anklicken eines Textankers durchgeführt wurde (zur
Lernens oder problemorientierten Lernens. Kuhlen              Funktion des Backtracking Nielsen, 1995, 249ff;
(1991) unterscheidet, eher in Anlehnung an die struk-         Kuhlen, 1991, 156ff).
turellen Eigenschaften von Hypertexten, folgende
Formen des Browsing (128ff):                                          Rand	
  Spiro	
  hat	
  eine	
  neue	
  Homepage	
  mit	
  seinen	
  Auf-­‐
▸ gerichtetes Browsing mit „Mitnahmeeffekt“,
▸ gerichtetes Browsing mit „Serendipity“-Effekt,
                                                                 ?    sätzen	
   zur	
   sog.	
   CogniDve	
   Flexibility	
   Theory	
   einge-­‐
                                                                      richtet	
   (hFp://postgutenberg.typepad.com/newgu-­‐
▸ ungerichtetes Browsing und                                          tenbergrevoluDon/).	
   Suchen	
   Sie	
   sich	
   dort	
   einen	
   Text
                                                                      aus	
   (zum	
   Beispiel	
   Spiro	
   &	
   Jehng),	
   der	
   die	
   „Theorie	
   der
▸ assoziatives Browsing.                                              kogniDven	
   Flexibilität“	
   erklärt	
   und	
   diskuDeren	
   Sie,
                                                                      warum	
   Spiro	
   und	
   seine	
   Mitautoren	
   die	
   These	
   auf-­‐
Die Klassifikation von Navigationsmethoden in Hy-                     stellen,	
  Hypertext	
  würde	
  sich	
  besonders	
  für	
  schlecht-­‐
pertexten ist abhängig von der jeweiligen Interpreta-                 strukturierte	
   Wissensgebiete	
   eignen.	
   Begründen	
   Sie,
tionsraster der Autorinnen und Autoren. Das Au-                       warum	
  Spiro	
  meint,	
  das	
  Lernen	
  mit	
  Hypertexten	
  sollte
genmerk kann dabei auf der Hypertext-Struktur, den                    fortgeschriFenen	
   Lernern	
   vorbehalten	
   bleiben	
   und
angestrebten Lernmethoden oder auf Prozessen der                      eigne	
   sich	
   nicht	
   für	
   Anfänger.	
   Oder	
   widerlegen	
   Sie
Arbeit liegen, die mit dem Hypertext-Werkzeug er-                     diese	
  Ansicht.
ledigt werden sollen. Zwei Fragen ergeben sich                        Weiters	
   diskuDeren	
   Sie,	
   ob	
   es	
   sich	
   bei	
   der	
   CogniDve
daraus:                                                               Flexibility	
  Theory	
  um	
  eine	
  Theorie	
  handelt.
▸ Wie wirken sich die unterschiedlichen Navigati-             7. Werkzeuge	
  
   onskonzepte auf die Gestaltung von Hypertext
   aus?                                                       Man sollte die Navigation in Hypertext-Umgebungen
▸ Wie wirken sich die unterschiedlichen Navigati-             nicht nur unter dem Aspekt ihrer Orientierungs- und
   onsmethoden auf die Lernenden aus?                         Interaktionsfunktion, sondern auch als aktive Form
                                                              des Lernens und Arbeitens betrachten. Diese Per-
                                                              spektive auf die Strukturelemente von Hypertext ist
                                                              aus der Sicht des Benutzers oder Lesers möglicher-
10	
  —	
  Lehrbuch	
  für	
  Lernen	
  und	
  Lehren	
  mit	
  Technologien	
  (L3T)


weise die wichtigere: Für dies Designer/innen stehen                                    Es gibt bis heute keine Konventionen für die Dar-
Nodes und Links im Vordergrund, für die Leser/in-                                       stellung von Knoten und Verknüpfungen im Text.
nen aber benutzereigene Pfade, Notizen, Annota-                                         Einige Programme drucken sensible Textstellen fett,
tionen. Diese Objekte der Struktur bieten ihnen eine                                    so dass man „fett“ als Stil ansonsten im Text nicht
Chance für aktives Arbeiten und Produzieren mit Hy-                                     mehr verwenden kann. Andere Programme wählen
pertext.                                                                                Unterstreichungen. Einige Programme umrahmen
    Als Mittel, die aktives Lernen und Arbeiten in                                      Texte beim Anklicken, wieder andere invertieren aus-
Hypertext unterstützen, gelten Notizbücher, In-                                         gewählten Text.
strumente zum Anlegen von eigenen Links und                                                Es ist auffällig, dass Hypertext-Systeme sich mit
Pfaden und für die Konstruktion von eigenen kogni-                                      Ikonen und Metaphern umgeben, die mehr oder
tiven Karten, integrierte Spreadsheets und der direkte                                  minder konsistent kleine bildliche „Welten“ konstitu-
Zugriff auf Datenbanken (zu Annotationen für In-                                        ieren. Für Hypertext-Umgebungen werden in der
termedia s. Catlin et al., 1989). Neuwirth et al. (1995)                                Regel dem jeweiligen Thema adäquate Metaphern ge-
haben die Möglichkeit für Annotationen in ihren                                         wählt: Das Buch, das Lexikon, die chronologische
PREP-Editor eingebaut. Etwas Ähnliches wie Anno-                                        Zeitleiste, die Biographie, der Ort, das Abenteuer, die
tationen sind Pop-Up-Felder oder Pop-Up-Fenster                                         Maschine usw. Die Regeln der Benutzung durch den
mit nur-lesbaren Informationen, die nur solange ge-                                     Lernenden, die Navigation, richten sich dann nach
öffnet bleiben, wie die Maustaste gedrückt gehalten                                     der jeweiligen Metapher: „Blättern“ im Buch,
wird (Nielsen, 1995, 142ff). Annotationen, die Be-                                      „Wandern“ durch eine Landschaft.
nutzer/innen selbst hinzufügen können, also Fenster                                        An Vorschlägen zur Weiterentwicklung von Hy-
für Notizen, können den aktiven Verarbeitungs-                                          pertext zu Hybrid-Systemen mangelt es nicht. Sie
prozess der Leser/innen unterstützen. Eine Alter-                                       zielen auf die Mathematisierung der Navigation, die
native zu Annotationen sind Randnotizen oder Mar-                                       Bildung semantischer Netze (Schnupp, 1992, 189),
ginalien, die dem eigentlichen Textkorpus nichts hin-                                   die tutorielle Begleitung durch Expertensysteme, die
zufügen, wohl aber den Benutzerinnen und Be-                                            Integration wissensbasierter Generierungstechniken
nutzern zur Verfügung stehen. Das MUCH-Pro-                                             (S. 192) und den Zugriff auf relationale Daten-
gramm („Many Using and Creating Hypertext“) der                                         banken. So schlagen Klar et al. (1992) computerlin-
Universität Liverpool (Rada et al., 1993) bietet den                                    guistische Textanalysen in Hypertext-Systemen vor;
Lernenden sogar ein Instrument für die Anlage ei-                                       Ruge und Schwarz (1990) suchen nach linguistisch-
gener Thesauri. Für die Verknüpfung der Einträge                                        semantischen Methoden zur Relationierung von Be-
stehen den Studierenden Link-Typen wie „usedfor“,                                       griffen; Irler (1992) befasst sich mit dem Einsatz von
„narrower-than“ und „related“ zur Verfügung.                                            Bayesian Belief Nets zur Satzgenerierung bis hin zur
    Die Strukturelemente eines Hypertexts nehmen                                        automatischen „Generierung von Hypertextteilen auf
visuelle Qualitäten an, um sich vom Kontext                                             der Basis einer formalen Darstellung“ (S. 115).
deutlich zu unterscheiden und die Aufmerksamkeit
des Lesers erringen zu können, indem sie die                                                 Das	
   World	
   Wide	
   Web	
   mit	
   seiner	
   Hypertext-­‐Struktur
Struktur, zum Beispiel Verbindungen und Knoten,
dem Leser transparent machen. Dabei sind visuelle
                                                                                         ?   hat	
   in	
   wenigen	
   Jahren	
   eine	
   enorme	
   Entwicklung
                                                                                             hinter	
  sich	
  gebracht	
  und	
  großen	
  Erfolg	
  bei	
  Nutzern	
  er-­‐
Elemente der Benutzeroberfläche mit operationaler                                            zielt.	
  Überlegen	
  Sie,	
  welche	
  pädagogisch-­‐didakDschen
Funktion (Navigation) von funktionalen Bedienungs-                                           Faktoren	
   möglicherweise	
   dafür	
   ausschlaggebend	
   ge-­‐
                                                                                             wesen	
  sind.
aspekten zu unterscheiden. Kahn et al. (1995) er-
heben am Beispiel einer Analyse von Intermedia und
StorySpace derartige visuelle Signale zu den „drei                                          Klar (1992), der Hypertext durch Experten-
fundamentalen Elementen der visuellen Rhetorik“                                         systeme ergänzen will, folgert, dass „die formalen
von Hypertexten: „These three fundamental elements                                      Wissensdarstellungen in Expertensystemen und die
are:                                                                                    informalen Präsentationen in Hypertexten sich
▸ link presence (which must include link extent),                                       sinnvoll ergänzen können“ (S. 44). Kibby und Mayes
▸ link destination (which must include multiple des-                                    (1993) wollen ihr Programm StrathTutor durch Simu-
    tinations),                                                                         lation des menschlichen Gedächtnisses mit Attribut-
▸ link mapping (which must display link and node                                        und Mustervergleichen anreichern und kommen zu
    relationships)“ (S. 167).                                                           dem Schluss, dass dafür Parallelrechnersysteme ange-
                                                                                        messener wären. Ob es sinnvoll ist, derartige Wege
                                                                                        der Komplexitätserhöhung zu beschreiten, lässt sich
Hypertext.	
  Geschichte,	
  Systeme,	
  Strukturmerkmale	
  und	
  Werkzeuge	
  —	
  11


zu einem Zeitpunkt kaum entscheiden, in dem bisher                                       ▸ Ambron, S. & Hooper, K. (1998). Interactive Multimedia: Vi-
nur wenige umfangreiche und inhaltlich sinnvolle Hy-                                       sions of Multimedia for Developers, Educators and Infor-
pertext-Anwendungen überhaupt bekannt sind.                                                mation Providers, Redmond: Microsoft Press.
                                                                                         ▸ Berk, H. (1991). Xanadu. In: E. Berk & J. Devlin (Hrsg.), Hy-
8. Zur	
  weiteren	
  Entwicklung	
  von	
  Hypertext
                                                                                           pertext/Hypermedia Handbook, New York: McGraw-Hill,
Zur Zeit der Entstehung des World Wide Web im In-                                          524-528.
ternet schien das Netz ein Lesemedium zu sein, in                                        ▸ Berners-Lee, T. & Fischetti, M. (1999). Weaving the Web: The
dem nur wenige Protagonisten Inhalte produzieren                                           Original Design and Ultimate Destiny of the World Wide Web
würden. Es gab die Befürchtung, dass alle vor 1988                                         by Its Inventor. Harper Collins. deutsch: Der Web-Report: der
gedruckten Texte in Vergessenheit geraten würden.                                          Schöpfer des World Wide Webs über das grenzenlose Potential
Inzwischen ist durch die Digitalisierung älterer                                           des Internets. München, Econ (1999).
Schriften, vor allem dank der Initiative von Google,                                     ▸ Bieber, M. & Wan, J. (1994). Backtracking in a Multiple-
ein großer Teil älterer Publikationen digitalisiert                                        Window Hypertext Environment. In: Proceedings of the
worden.                                                                                    ECHT’94 European Conference on Hypermedia Technology,
   „Die Wüste Internet“, lautete der deutsche Titel                                        Edinburgh: 158-166.
des Buches von Clifford Stoll (1996; orig. „Silicon                                      ▸ Brown, A.L. & Palingscsar, A.S. (1989). Guided, Cooperative
Snake Oil“ 1995). Noch 1997 konnte Hartmut                                                 Learning and Individual Knowledge Acquisition. In: L.B.
Winkler im Internet nur „ein Medium der Texte und                                          Resnick (Hrsg.), Knowing, Learning, and Instruction. Essays in
Schrift“ entdecken und musste folglich den „Hype                                           Honor of Robert Glaser, Hillsdale: Lawrence Erlbaum Ass,
um digitale Bilder und Multimedia“ als „Übergangs-                                         393-452.
phänomen“ verkennen. Inzwischen ist das Internet                                         ▸ Bush, V. (1945). As We May Think. In: Atlantic Monthly July
ein effizienter Träger für Bilder und Animationen, für                                     1945, 101-108. URL:
Musik, Audio, Video und Film. Die Konvergenz der                                           http://www.w3.org/History/1945/vbush/vbush-all.shtml
Medien ist keine bloße „historische Kompromiß-                                             [2010-11-13]
bildung“ (ebd.) mehr. Im Digitalen entsteht eine neue                                    ▸ Campagnoni, F.R. & Ehrlich, K. (1989). Information Retrieval
interaktive Gestalt aus der Synthese aller Medien.                                         Using a Hypertext-based Help System. In: ACM Transactions
                                                                                           on Information Systems, 3, 7, 271-291.
       Denken	
   Sie	
   sich	
   ein	
   Lernexperiment	
   mit	
   einem	
   wis-­‐   ▸ Canter, D.; Rivers, R. & Storrs, G. (1985). Characterizing User
 ?     senschaIlichem	
   Inhalt	
   oder	
   Gegenstand	
   aus,	
   der	
   in
       Hypertext-­‐Form	
   verfasst	
   ist.	
   Überlegen	
   Sie,	
   ob	
   und
                                                                                           Navigation Through Complex Data Structures. In: Behaviour
                                                                                           and Information Technology, 2, 4, 93-102.
       wie	
   Sie	
   den	
   Lerneffekt	
   des	
   Experiments	
   nachweisen          ▸ Catlin, T.J.O. & SMITH, K.E. (1998). Anchors for Shifting
       könnten.                                                                            Tides: Designing a ‘seaworthy’ Hypermedia System. In: Procee-
                                                                                           dings of the Online Information ’88 Conference London, 15-
    Es gibt zwar enorm leistungsfähige Suchma-                                             25.
schinen, doch Ordnung und Transparenz werden                                             ▸ Conklin, J. (1987). Hypertext: An Introduction and Survey. In:
durch die Masse der Angebote und den Wildwuchs                                             IEEE Computer, Sept. 20, 17-41.
der Standards zugeschüttet, Ontologien, Metadaten                                        ▸ Edwars, D.M. & Hardman, L. (1989). Lost in Hyperspace: Co-
und Taxonomien hinken weit hinter den seit Jahrhun-                                        gnitive Mapping and Navigation in a Hypertext Environment.
derten gewachsenen Thesauri der Bibliotheken her.                                          In: R. McAleese (Hrsg.), Hypertext: Theory into Practice,
Das Internet versteht uns nicht, es ist nicht seman-                                       Oxford: Intellect Books, 105-125.
tisch, d.h. es kann nicht die Bedeutung von Aussagen                                     ▸ Engelbart, D. (1988). The Augmented Knowledge Workshop.
und Sätzen verstehen. Dennoch ist es unverzichtbar                                         In: A. Goldberg (Hrsg.), A History of Personal Workstations,
geworden. Wir warten auf die nächste Entwicklungs-                                         Reading MA: Addison-Wesley, 187-236.
stufe, die Tim Berners-Lee und eine Arbeitsgruppe                                        ▸ Gay, G. & Mazur, F.E. (1991). Combining and Recombining
des W3C unter dem Begriff „Semantic Web“ ange-                                             Multimedia Story Elements. In: Journal of Computing in
kündigt haben.                                                                             Higher Education, 2, 2, 3-17.
                                                                                         ▸ Gloor, P.A. (1990). Hypermedia-Anwendungsentwicklung.
Literatur
                                                                                           Eine Einführung mit HyperCard-Beispielen, Stuttgart:
▸ Akscyn, R.; McCracken, D. & Yoder, E. (1988). KMS: A Distri-                             Teubner.
  buted Hypermedia System for Managing Knowledge in Orga-                                ▸ Halasz, F.G. (1988). Reflections on NoteCards: Seven Issues
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                                                                                           nications of the ACM, 31, 836-852.
12	
  —	
  Lehrbuch	
  für	
  Lernen	
  und	
  Lehren	
  mit	
  Technologien	
  (L3T)


▸ Irler, W.J. (1992). Selbsterklärendes kausales Netzwerk zur Hy-                       ▸ Morariu, J. & Shneiderman, B. (1986). Design and Research on
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  computerunterstützten Aus- und Weiterbildung, Berlin/Hei-                               lopment of Computer Based Instructional Systems, 19-21.
  delberg: Springer, 108-117.                                                           ▸ Nelson, T.H. (1967). Getting It Out of Our System. In:
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  ceedings of the ACM Hypertext '89 Conference Pittsburgh,                                Service.
  93-104.                                                                               ▸ Neuwirth, C.M., Chandhok, R., Kaufer, D.S., Morris, J.H.,
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Hypertext.	
  Geschichte,	
  Systeme,	
  Strukturmerkmale	
  und	
  Werkzeuge	
  —	
  13


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Hypertext - Geschichte, Systeme, Strukturmerkmale und Werkzeuge

  • 1. Rolf  Schulmeister Hypertext Geschichte, Systeme, Strukturmerkmale und Werkzeuge Hypertext   ist   die   Grundlage   des   World   Wide   Web.   Die   Geschichte   des   Hypertexts   ist   somit   zugleich   ein Beitrag  zur  Geschichte  der  Entstehung  des  World  Wide  Web.  Der  ArDkel  informiert  über  die  Ursprünge  der Idee  von  vernetzten  InformaDonen  und  Daten  von  Vannevar  Bush  (Memex)  und  führt  anhand  der  ersten historischen  Vorstufen,  erdacht  von  Douglas  Engelbart  und  Ted  Nelson,  in  die  Grundlagen  von  Hypertext-­‐ Programmen  ein.  Erst  anhand  dieser  berühmten  Beispiele  kann  erkannt  werden,  wie  das  World  Wide  Web entstehen  konnte,  wie  wir  es  heute  kennen.  Abschließend  werden  noch  die  strukturellen  Merkmale  des Hypertexts  diskuDert  und  die  besonderen  Merkmale  wie  die  Nichtlinearität,  die  beliebigen  Verbindungen usw.  herausgearbeitet.  Inwieweit  sich  Texte,  die  dermassen  aufgebaut  sind,  für  Lernen  und  Lehren  eignen, ist  nach  wie  vor  eine  interessante  Frage. Quelle:   Historische  Aufnahmen BTX-­‐Systeme  TU  Graz ] #hypertext #einfuehrung   #geschichte Version  vom  1.  Februar  2011 Für  dieses  Kapitel  wird  noch  ein  Pate  gesucht, Jetzt Pate werden! mehr  InformaDonen  unter:  hFp://l3t.eu/patenschaI
  • 2. 2  —  Lehrbuch  für  Lernen  und  Lehren  mit  Technologien  (L3T) 1. Vorkommen Zum Glück müssen wir heute nicht mehr über Ideen, Visionen oder Pläne reden, wenn wir erläutern wollen, was Hypertext ist. Wir sind eigentlich ständig damit beschäftigt, einen Hypertext zu nutzen, wenn wir im World Wide Web im Internet etwas lesen, Abbildung  2:  Screenshot  des  Wikipedia-­‐Artikels suchen oder schreiben. „Hypertext“.  Quelle:  (Stand  09/2010)   Die meisten Websites basieren auf Hypertext. Der http://de.wikipedia.org/wiki/Hypertext bekannteste Hypertext ist vermutlich Wikipedia. Der Idee nach und historisch gesehen bestehen Hyper- texte aus elektronischen Texten, die in sich markierte Heute   werden   Hypertexte   mit   Hilfe   der   Auszeich-­‐ Textstellen (Sprungadressen) enthalten, mit deren Hilfe man von einem Begriff oder Absatz zu einem ! nungssprache   HTML   (HyperText   Markup   Language) aucereitet.   Mit   HTML   können   Texte   aber   nicht   nur anderen Begriff oder Absatz in demselben Text oder sDlisDsch   aucereitet   werden   (Zeichensätze,   SDle, Größen),   sondern   sie   können   auch   Sprungmarken in einer anderen Textdatei „springen“ kann. Die Ver- („Anker“)   und   Sprungadressen   aufnehmen,   die   man bindung zwischen den Textstellen oder Dateien, der als   Links   oder   Hyperlinks   bezeichnet,   und   die   zu   an-­‐ „Sprung“, wird mit dem englischen Begriff „Link“ deren  Texten  (als  Knoten  bezeichnet)  führen.   (Verknüpfung) bezeichnet. Die technische Reali- sierung war vor der Verfügbarkeit der Fenstersysteme Solche Sprungadressen können zu anderen Stellen und der Maus recht unterschiedlich. im selben Text, zu anderen Seiten derselben Website, zu Dateien oder gar zu anderen Websites führen. 2. Ein  Beispiel   Links sind nicht auf Begriffe und Textstellen be- Im Wikipedia-Artikel zum Begriff Hypertext findet schränkt, sondern können heute auch von Bildern sich zu Beginn ein Inhaltsverzeichnis, das sieben Ein- und Filmen ausgehen oder zu Bildern und Filmen träge mit Links zu sieben Knoten anbietet, die durch führen. Zuständig für die Weiterentwicklung von blaue Farbe als anklickbar herausgehoben werden: HTML ist heute das World Wide Web Consortium (W3C). Abbildung  1:  Screenshot  des  Wikipedia-­‐Artikels „Hypertext“.  Quelle:  (Stand  09/2010)   http://de.wikipedia.org/wiki/Hypertext Abbildung  3:  HTML-­‐Code  des  Kastens  „Inhaltsver-­‐ Klickt man mit der Maus auf die Zeile „3 Ge- zeichnis“  aus  Abbildung  1.  Quelle:  (Stand  09/2010)   schichte und Entwicklung“, so landet man bei fol- http://de.wikipedia.org/wiki/Hypertext gendem Text im selben Wikipedia-Artikel:
  • 3. Hypertext.  Geschichte,  Systeme,  Strukturmerkmale  und  Werkzeuge  —  3 menting Human Intellect: A Conceptual 3. Geschichte   Framework“, mit dem er das Ziel verfolgte, die Memex Reichweite des menschlichen Denkens zu erweitern. Die Hypertext-Idee geht auf Vannevar Bush zurück. 1968 implementierte er am „Augmented Human In- Vannevar Bush, Berater von Präsident Roosevelt, be- tellect Research Center“ das System NLS Augment schrieb 1945 als Memex eine Maschine zum Blättern (oN Line System) und erfand die Computer-Maus als und Anfertigen von Notizen in riesigen Textmengen, Eingabegerät (Engelbart, 1988; Conklin, 1987, 22; die per Microfiche Annotationen und Kommentare Kuhlen 1991, 67ff; Gloor, 1990, 176ff; Nielsen, 1990, speichern sollte (das Konzept geht bis in die 1930er 34ff; Nielsen, 1995; 36ff). Jahre zurück; Nielsen, 1995, S. 33). Zum  VerDefen:   ! Hinweis:   Alle   im   Kapitel   erwähnte   Links   und   weitere sind   bei   Mister   Wong   in   der   L3T   Gruppe   mit   dem ! ▸ Die   Stanford   University   veröffentlicht   eine   Reihe historischer  Dokumente,  u.a.  auch  35  kleine  Filme Hashtag  #l3t  und  #hypertext  abgelegt.   zu   Doug   Engelbarts   Arbeit   am   Bildschirm (hFp://sloan.stanford.edu/mousesite/1968De-­‐ mo.html).   Zum   VerDefen:   Der   berühmt   gewordene   Aufsatz   „As ▸ Die   SoIware   PreservaDon   Site   unterhält   Quellen ! We   May   Think“   aus   dem   Magazin   „The   AtlanDc Monthly“   vom   Juli   1945   (Volume   176,   No.   1;   101-­‐108) zu  NLS  Augment  (vgl.  hFp://www.soIwarepreser-­‐ vaDon.org/projects/nlsproject/).   wird   vom   Magazin   im   Netz   angeboten   (hFp://www.-­‐ theatlanDc.  com/doc/194507/bush).   Augment kam bei der Luftfahrt-Firma McDonnel Douglas zu größerer Anwendung (Ziegfeld & Haw- Mit Memex hatte Bush eine Analogie zwischen kins et al., 1988). Es erwies sich dort als zunehmend dem „assoziativen“ Arbeiten des menschlichen Ge- wichtig, umfangreiche technische Dokumentationen hirns und dem assoziativen Vernetzen von Texten im mit ihren internen Relationen und Verweisen elektro- Auge. Heute finden sich viele Dokumente zu Bush nisch speichern zu können, zum Beispiel umfasste ein im Internet mit den Originalzeichnungen des Memex Handbuch für Düsenflugzeuge 1988 circa 300.000 und Fotos des von Bush 1931 entwickelten „Diffe- Blatt, wog 3.150 Pfund und nahm einen Raum von rential Analyzer“, einer analog arbeitenden Maschine 68 Kubikfuß ein. Ventura (1988) berichtet, dass das für die Lösung von Differentialgleichungen. amerikanische Verteidigungsministerium allein fünf Millionen Blatt pro Jahr auswechseln musste (S. 111). Der Zugang zu Informationen, zum Beispiel zu Sammlungen von Photoagenturen, zu Dokumenta- tionen von Zeitungsverlagen, zu Gesetzesblättern, wurde derart schwierig, dass vermehrt Datenbanken eingeführt wurden, um die Informationen effektiver verwalten und leichter auffinden zu können. Xanadu   Fast gleichzeitig mit Engelbart entwickelte Ted Nelson (1967) das Hypertext-System Xanadu (die Xanadu Operating Company ist eine Filiale der Au- todesk, Inc.). Ihm wird die Erfindung des Begriffs Abbildung  4:  Der  Memex-­‐Tisch  von  Vannevar  Bush. „Hypertext“ zugeschrieben (Nielsen, 1995, 37ff), er Quelle:  http://web.mit.edu/mindell/www/analyzer.htm selbst nimmt dies für sich auf seiner Homepage auch in Anspruch (vgl. http://ted.hyperland.com/). Das NLS  Augment   im Internet eingerichtete Archiv enthält ein Do- kument, in dem der Begriff Hypertext vermutlich Die Vision von Bush fand Nachfolger (Bush, 1986; zum ersten Mal auftrat, 1965 in einer Ankündigung Conklin, 1987, 20; Kuhlen, 1991, 66ff; Nielsen 1990, am Vassar College (vgl. http://xanadu.com/). 31ff; Nielsen, 1995, 33ff). 1962 veröffentlichte Das Projekt Xanadu, das zum Ziel hatte, sämtliche Douglas Engelbart am Stanford Research Institute Literatur der Welt zu vernetzen, wurde nie ganz reali- den Bericht über das SRI Project No. 3578 „Aug- siert. Nelson schwebte bereits eine Client-Server-
  • 4. 4  —  Lehrbuch  für  Lernen  und  Lehren  mit  Technologien  (L3T) Konzeption mit nicht-lokalen Verknüpfungen wie Hervorhebungen im Text als Verknüpfungen. Her- heute im World Wide Web vor (Nelson, 1974; vorhebungen erscheinen in Fettdruck auf dem Bild- Ambron & Hooper, 1988; Conklin, 1987, 23; Kuhlen, schirm. Die puritanische Philosophie der Entwickler 1991, 68ff; Nielsen, 1990, 35ff). drückt sich in der sparsamen Verwendung von Ver- knüpfungen aus, die auf Überschriften beschränkt Zum   VerDefen:   Es   exisDert   neben   der   Homepage   des wurden: „We strongly believe that the use of the ar- ! Projekts   (hFp://xanadu.com/)   noch   eine   australische Variante  (hFp://xanadu.com.au/).   ticle titles as navigation landmarks is an important factor to limit the disorientation of the user in the database. It is only with caution that we introduced what we call 'opaque links' or 'blind links' (a link Die Distribution von Xanadu wurde für 1990 von where the highlighted word is not the title of the re- der „Xanadu Operating Company“ angekündigt ferred article), to satisfy what should remain as (Kuhlen, 1991, 71; Woodhead, 1991, 190ff). Berk special cases“ (Plaisant, 1991, 20). HyperTIES kennt (1991) beschreibt das Client-Server-Modell von nur unidirektionale Verknüpfungen, „because bidirec- Xanadu näher. tional links can be very confusing“ (S. 21). KMS   KMS Knowledge Systems’ KMS (1983) für SUN- Abbildung  5:  Ausschnitt  aus  HyperTIES und Apollo-Rechner (Akscyn & McCracken et al., 1988) ist eine Weiterentwicklung von dem frühen Hy- pertext-System ZOG (1972 und 1975; Robertson & McCracken et al. 1981) einer Entwicklung der Car- negie-Mellon University (Woodhead, 1991, 188ff). Über ZOG ist vermutlich die erste Dissertation zum Thema Hypertext geschrieben worden (Mantei. 1982) Nielsen, 1995, 44ff). Von 1980 bis 1984 wurde mit ZOG ein computerunterstütztes Managementsystem für den mit Atomkraft angetriebenen Flugzeugträger USS Carl Vinson entwickelt (Akscyn & McCracken et al., 1988, 821). KMS wurde 1981 begonnen, weil eine kommerzielle Version nachgefragt wurde. KMS ist bereits ein verteiltes Multi-User-Hypertext-System (Yoder & Akscyn et al., 1989). Es basiert auf Der untere Bildschirmrand bietet einige Befehle Rahmen, die Text, Grafik und Bilder in beliebiger für die Navigation (Vor, Zurück, Zum Beginn, Index, Kombination enthalten können, und deren Größe Beenden). Repräsentativ für das System ist das auf maximal 1132 x 805 Pixel festgelegt ist. In KMS sowohl als Buch als auch als elektronischer Text auf sind die Modi der Autor/innen und der Leser/innen Diskette veröffentlichte „Hypertext Hands-On!“, das noch ungetrennt. Leser/innen können jederzeit Text 180 Aufsätze zum Thema umfasst (Shneiderman & editieren, neue Rahmen und Verknüpfungen anlegen, Kearsley, 1989) und den Leserinnen und Lesern einen die durch kleine grafische Symbole vor dem Text si- direkten Vergleich von Buch und Hypertext ermög- gnalisiert werden. KMS benutzt eine Maus mit drei licht (Nielsen, 1995, 45ff). Unter grafischen Fenster- Knöpfen, die neun verschiedene Funktionen gene- systemen entfaltet HyperTIES mehr grafische Fähig- rieren können. keiten, so zum Beispiel im dort zitierten Beispiel der Encyclopedia of Jewish Heritage (S. 157), das 3.000 HyperTIES   Artikel und 10.000 Bilder auf einer Bildplatte um- Mit der Entwicklung von Ben Shneidermans Hy- fassen soll, sowie in der auf einer SUN erstellten An- perTIES wurde bereits 1983 an HyperTIES der Uni- wendung zum Hubble Space Telescope (s. Shnei- versity of Maryland begonnen. HyperTIES wurde ab derman, 1989, 120). Jedoch sind die Bilder nur als 1987 von Cognetics Corporation weiterentwickelt Hintergrund unterlegt und nicht mit integrierten Ver- und vertrieben (Shneiderman et al., 1991). Hy- knüpfungen in die Hypertext-Umgebung eingelassen perTIES erscheint unter DOS als Textsystem mit al- (Plaisant, 1991). In der SUN-Version hat man sich phanumerischem Interface im typischen DOS-Zei- mit „tiled windows“ begnügt, weil man überlappende chensatz. Die Artikel fungieren als Knoten und die Fenster für Neulinge als zu schwierig betrachtete. Hy-
  • 5. Hypertext.  Geschichte,  Systeme,  Strukturmerkmale  und  Werkzeuge  —  5 perTIES folgt nach Aussage von Shneiderman der Intermedia   Metapher des Buchs oder der Enzyklopädie (S. 156), Intermedia (1985) von Andries van Dam und dem von der sich der Name TIES („The Electronic Ency- Institute for Research in Intermedia Information and clopedia System“) herleitet (Morariu & Shneiderman, Scholarship (IRIS) der Brown University ist bereits 1986). Einen Überblick über HyperTIES gibt Plaisant ein System, das im Alltag einer Universität und in (1991). mehreren Fächern (Biologie, Englische Literatur) für die kooperative Entwicklung von Unterrichtsmate- Zum   VerDefen:   Das   Human   Computer   Lab   der   Uni-­‐ rialien und zum Lernen am Bildschirm eingesetzt ! versity   of   Maryland,   der   Ursprung   von   HyperTIES, bietet   historische   InformaDonen   zu   seinem   Produkt wird. Yankelovich et al. (1985) schildern die Ent- wicklung, die elektronische Dokumentensysteme an an  (hFp://www.cs.umd.edu/hcil/hyperDes/).   der Brown University genommen haben. Nach dem rein textorientierten System FRESS (1968; vgl. Nielsen, 1995, 40) und dem Electronic Document Obwohl das Autorentool bereits einige Aspekte System, das bereits Bilder und grafische Repräsenta- der automatischen Konstruktion von Hypertext er- tionen der Knoten-Struktur darstellen sowie Animati- leichterte, musste Shneiderman die Buchseiten noch onssequenzen spielen konnte, und BALSA (Brown manuell setzen. Auch die Links im Text wurden Algorithm Simulator and Animator) wurde erst mit einzeln gesetzt und mussten nach Editiervorgängen, Intermedia ein echter Durchbruch erzielt. Yan- die den Text verkürzten oder verlängerten, manuell kelovich et al. (1988) beschreiben das System an- versetzt werden. In modernen Hypertext-Systemen schaulich anhand von 12 Bildschirmabbildungen haften die Links am Text und müssen beim Editieren einer Sitzung. Intermedia besteht aus fünf inte- nicht mehr manuell gesetzt werden. grierten Editoren: InterText (ähnlich MacWrite), In- terPix (zum Zeigen von Bitmaps), InterDraw (ähnlich NoteCards   MacDraw), InterSpect (Darstellen und Rotieren drei- Xerox PARC’s NoteCards (1985) ist ein unter In- dimensionaler Objekte) und InterVal (Editor für terLisp geschriebenes Mehrfenster-Hypertext-System, chronologische Zeitleisten). Zusätzlich können direkt das auf den mit hochauflösenden Bildschirmen aus- aus Intermedia heraus „Houghton-Mifflin’s American gestatteten D-Maschinen von Xerox entwickelt Heritage Dictionary“ oder „Roget’s Thesaurus“ auf- wurde. Die kommerzielle Version von NoteCards gerufen werden. Intermedia operiert mit variablen wurde unter anderem auf Sun-Rechnern implemen- Fenstern als Basiseinheit. Alle Links sind bidirek- tiert. Sie ist bereits weiter verbreitet als die vorge- tionale Verknüpfungen von zwei Ankern. Intermedia nannten Systeme, Xerox jedoch hat NoteCards nie arbeitet mit globalen und lokalen Maps als Ausgangs- vermarktet. NoteCards folgt, wie der Name sagt, der punkt für Browser, das WebView-Fenster stellt die Kartenmetapher. Jeder einzelne Knoten ist eine Da- Dokumente und die Links durch mit Linien ver- tenkarte, im Gegensatz zur ersten Version von Hy- bundene Mini-Icons dar (Conklin, 1987, 28ff; Kuhlen perCard jedoch mit variablen Fenstern. Links be- 1991, 198ff; Gloor, 1990, 20ff, 59ff; Nielsen, 1995, ziehen sich auf Karten, sind aber an beliebigen 51ff). Stellen eingebettet, zusätzlich gibt es Browser, die wie Standardkarten funktionieren, und Dateiboxen, spe- zielle Karten, auf denen mehrere Karten zusammen- Abbildung  6:  Die  Anwendung  „Perseus“  realisiert  unter gefasst werden können, die wie Menüs oder Listen Intermedia   oder Maps funktionieren (Halasz, 1988) Die Browser-Karte stellt das Netz als grafischen Über- blick dar (Conklin, 1987, 27ff; Gloor, 1990, 22ff; Catlin & Smith, 1988; Woodhead, 1991, 189ff; Nielsen, 1995, 47ff). Halasz (1988) hatte noch sieben Wünsche an NoteCards: Suchen und Anfragen, zu- sammengesetzte Strukturen, virtuelle Strukturen für sich ändernde Informationen, Kalkulationen über Hypermedia-Netze, Versionskontrolle, Unterstützung kollaborativer Arbeit, Erweiterbarkeit und Anpass- barkeit.
  • 6. 6  —  Lehrbuch  für  Lernen  und  Lehren  mit  Technologien  (L3T) Intermedia Version 3.0 wurde anfangs kommer- immer wieder betont, obwohl Landow (1992a) sicher ziell vertrieben. Aber diese Version lief nur unter Recht hat, wenn er HyperCard und Guide nur als A/UX auf dem Macintosh (Woodhead, 1991, 181ff). „first approximations of hypertext“ bezeichnet, da Da dieses System nicht sehr häufig eingesetzt wurde, die eigentlichen Merkmale von Hypertext wie die fand Intermedia leider keine große Verbreitung Links in Form von durchsichtigen Schaltflächen (Be- (Nielsen, 1995, 51). Erfolgreiche kommerzielle dienknöpfen) über den Text gelegt werden mussten. Systeme sind aus diesen historischen Prototypen also 1989 realisierte David Jonassen in HyperCard eine nicht geworden. Hypertext-Umgebung über das Thema Hypertext. Zum   VerDefen:   Die   Geschichte   von   Intermedia ! zeichnet   die   „Electronic   Library“   (hFp://elab.eserve-­‐ r.org/hfl0032.html). 4. Erfolgreich  verbreitete  Systeme Guide   Erst Guide (1986) von OWL (Office Workstations Limited) ist das erste kommerziell erfolgreiche Hy- pertextsystem. Peter Brown hatte es bereits 1982 in England an der University of Kent begonnen. Nielsen meinte (1990, 42; 1995, 54ff), dass Guide den Abbildung  7:  Hypertext  realisiert  unter  HyperCard. Übergang von einem exotischen Forschungsprojekt Quelle:  Beispiel  aus  Jonassen,  1989. zu einer „Realen-Welt“-Anwendung markiere. Guide wurde von OWL zunächst für den Macintosh, später auch für PCs entwickelt. Es orientiert sich am 5. Das  World  Wide  Web  und  die  Browser strengsten von allen Systemen am Dokument. Guide stellt Textseiten zur Verfügung, auf denen Textstellen Viele Informationen und vor allem aktuelle Informa- als Verknüpfungen mit unterschiedlicher Bedeutung tionen bezieht man heute aus dem Internet selbst, markiert werden können. Über den Textstellen und dies mit Hilfe einer Software, die Hypertexte nimmt der Cursor unterschiedliche Gestalt an und bzw. Texte, die mit HTML codiert wurden, lesen teilt den Benutzer/innen so die Existenz von Ver- kann. Diese Software wird als Webbrowser oder knüpfungen mit. Guide kennt drei Arten von Ver- kurz Browser bezeichnet. Bekannte Browser sind: knüpfungen: Springen zu einer anderen Stelle im Mosaic oder Netscape Navigator, Internet Explorer, selben oder in einem anderen Dokument, Öffnen Mozilla und Firefox, Safari, Opera und jüngst Google eines Notizfensters oder -dialogs über dem aktuellen Chrome. Text sowie Ersetzen von Text durch kürzeren oder längeren Text (Auffalten, Einfalten). In Version 2 Browser   sind   SoIwareprogramme,   die   heute   in   der wurde eine Skriptsprache für den Zugriff auf Bild- plattenspieler eingebaut. ! Lage  sind,  den  HTML-­‐Code  und  weitere  in  den  Text  in-­‐ korporierte   Designelemente   (css,   cascading   styles-­‐ HyperCard   heets),   Programme   (QuickTime,   Flash)   und   Skript-­‐ sprachen   (zum   Beispiel   php)   zu   entziffern   und   in 1987 erschien Bill Atkinsons HyperCard. Schon lesbare  und  grafisch  gestaltete  Seiten  zu  übersetzen.   vorher gab es gespannte Erwartungen. Conklin (1987) gab in seinem historischen Überblick über Hy- Timothy John Berners-Lee, der Ende der pertext-Systeme sogar das Gerücht weiter: „As this 1980er Jahre im Kernforschungszentrum CERN in article goes to press, there is news that Apple will der Schweiz arbeitete, schlug 1989 dem CERN ein soon have its own hypertext system, called Hyper- Projekt vor, das Computer verschiedener Netzwerke Cards“ (S. 32). Man darf wohl mit Recht behaupten, miteinander verbinden und kommunizieren lassen dass keine andere Software, schon gar keine andere sollte. Das Konzept für das Metanetzwerk nutzte die Programmierumgebung, einen derart bedeutsamen Kommunikationsschnittstellen des Internet, zum Bei- Einfluss auf den Einsatz von Computern gehabt hat spiel HTTP als Protokoll und URL als eindeutige wie HyperCard. In der Literatur speziell zu Hypertext Adresse, und fußte auf der Idee von Hypertext, um wird die historische Bedeutung von HyperCard Links zwischen mehreren Rechnern und Seiten her-
  • 7. Hypertext.  Geschichte,  Systeme,  Strukturmerkmale  und  Werkzeuge  —  7 stellen zu können. Berners-Lee entwickelte dafür die schaften des Systems zu betonen. Möglicherweise ist Auszeichnungssprache HTML und schuf dafür den der Standpunkt Nielsens (1995b) vernünftig, der alle ersten Browser, den er „WorldWideWeb“ nannte und diese Systeme wegen ihres Konstruktionsprinzips als der später dem gesamten Webserver-Netz innerhalb Hypertext bezeichnet, weil es keinen Sinn mache, des Internets den Namen geben sollte. Damit begann einen speziellen Begriff für Nur-Text-Systeme übrig ab etwa 1993 der Ursprung des World Wide Web zu behalten (S. 5). (WWW). Hypertext ist zuerst Text, ein Textobjekt, und nichts 1993 entwickelte Marc Andreessen den Browser anderes. Hypertext entsteht aus Text, indem dem Mosaic am National Center for Supercomputing Ap- Text eine Struktur aus Ankern und Verknüpfungen plications. 1994 gründete Andreessen die Firma übergelegt wird. Nun kann man diskutieren, ob be- Netscape die den rasch erfolgreichen Browser reits das Verhältnis der Textmodule ein nicht-lineares Netscape Navigator entwickelte. ist oder ob Nicht-Linearität erst durch die Verknüp- Seither wurden mehrere Browser entwickelt, und fungen konstituiert wird. Auf jeden Fall trifft die Ein- seitdem haben es alle anderen Applikationen leicht, schätzung von Nielsen (1995) zu , dass Hypertext ein weil sie sich dieser Grundlagen des Internets und des echtes Computer-Phänomen ist, weil er nur auf WWW bedienen können und den Browser als einem Computer realisiert werden kann, während die Zugang zu ihren Leistungen nutzen können. Auf meisten anderen Computer-Anwendungen ebenso derartigem Fundament bauen die Wikis auf, aber gut manuell erledigt werden können (S. 16). Landow auch die Weblogs und sogar die Lernplattformen. (1992b) erwähnt literarische Werke, die auf Papier ähnliche Strukturen verwirklicht haben. Ein Hy- 6. Strukturmerkmale  von  Hypertext   pertext-System besteht aus Blöcken von Textob- Zum Hypertext-Konzept gibt es ausreichend Lite- jekten; diese Textblöcke stellen Knoten in einem ratur (Kuhlen, 1991; Nielsen, 1995; Schulmeister, Gewebe oder Netz dar; durch rechnergesteuerte, pro- 1995), und zu allen damit im Zusammenhang ste- grammierte Verknüpfungen, den Links, wird die Na- henden Begriffen finden sich in Wikipedia Stich- vigation von Knoten zu Knoten gemanagt, das soge- worte, die einen Artikel wie diesen eigentlich über- nannte „Browsing“. Landow weist auf analoge Vor- flüssig machen könnten. Die Funktion dieses Textes s t e l l u n g e n d e r französischen Strukturalisten besteht daher mehr oder minder in der Zusammen- Roland Barthes, Michel Foucault und Jacques Derrida stellung der historischen Fakten und der Diskussion hin, die sich sogar in ihrer Terminologie ähnlicher der Strukturmerkmale. Begriffe (Knoten, Verknüpfung, Netz) bedienten, wie Schoop und Glowalla (1992) unterscheiden struk- sie in der heutigen Hypertext-Technologie benutzt turelle (nodes, links), operationale (browsing), me- werden (S. 1ff). Für die Konstitution des Netzes ist diale (Hypermedia) und visuelle Aspekte (Ikonizität, die Größe der als Knoten gesetzten Textblöcke, die Effekte). Nicht-linearer Hypertext wird auch als „Granularität“ oder „Korngröße“ der Informations- nicht-linearer Text (Kuhlen, 1991) oder nicht-sequen- einheiten entscheidend. Am Beispiel einer KIOSK- tieller Text (Nielsen, 1995, 1) bezeichnet. Das Lesen Anwendung, die lediglich dem Abspielen von Film- eines Hypertexts ähnelt dem Wechsel zwischen Clips von einer Bildplatte dient, erläutert Nielsen, Buchtext, Fußnoten und Glossar: „Therefore hy- dass für ihn eine KIOSK-Anwendung kein Hypertext pertext is sometimes called the 'generalized ist, weil der Benutzer mit dem Video nicht intera- footnote'“(S. 2). gieren kann, sobald es läuft. In dem Fall sei die Gra- nularität zu groß und gebe den Benutzern nicht das Gefühl, die Kontrolle über den Informationsraum zu Hypertext-­‐Systeme   bestehen   aus   Texten,   deren   ein-­‐ besitzen (S. 14). ! zelne   Elemente   (Begriffe,   Aussagen,   Sätze)   mit   an-­‐ deren  Texten  verknüpI  sind.   Für das Netz des Hypertexts hat Landow (1992b) die Begriffe Intertextualität und Intratextualität ge- prägt (38). Der Begriff Intertextualität (s.a. Lemke, Die Bezeichnung Hypertext spiegelt die histo- 1992) hat nun wiederum Sager (1995) zur Schöpfung rische Entstehung, es war zunächst tatsächlich an des Begriffs der Semiosphäre angeregt: „Die Semio- reine Textsysteme gedacht. Heute können Texte aber sphäre ist ein weltumspannendes Konglomerat be- auch mit Daten in einer Datenbank, mit Bildern, stehend aus Texten, Zeichensystemen und Symbol- Filmen, Ton und Musik verbunden werden. Deshalb komplexen, die, auch wenn sie weitgehend in sich ab- sprechen viele Autoren inzwischen von Hypermedia geschlossen sind, in ihrer Gesamtheit doch um- statt von Hypertext, um die Multimedia-Eigen- fassend systemhaft miteinander vernetzt und damit
  • 8. 8  —  Lehrbuch  für  Lernen  und  Lehren  mit  Technologien  (L3T) kohärent, nichtlinear und sowohl denk- wie hand- informationeller Einheiten hilft das 'chunk'-Konzept lungsorientierend sind“ (S. 217). Sager berichtet über auch nicht entscheidend weiter“ (S. 87). Kuhlen ver- multimediale Hypertexte auf kunstgeschichtlichem weist auf Horn, der das Chunk-Konzept am konse- Gebiet, die über das Netz mit Videokameras in weit quentesten umgesetzt habe und vier Prinzipien für entfernten Museen verbunden sind. Die Hypertext- die Unterteilung von Info-Blöcken unterscheide: Benutzer/innen können von ihrem Platz aus die Ka- „chunking principle, relevance principle, consistency meras fernsteuern (geplant im Europäischen Muse- principle“ und „labeling principle“. „Aus dieser umsnetz). Sager erwähnt auch das Projekt „Piazza knappen Diskussion kognitiver Einheiten und deren Virtuale“ auf der Documenta 9, in dem per Live- kohäsiven Geschlossenheit läßt sich die Einsicht ab- Schaltung Fernsehzuschauer/innen Annotationen in leiten, daß weder Umfang noch Inhalt einer informa- einen Hypertext einbringen können. Auf diese Weise tionellen Einheit zwingend festgelegt werden kann“ entstehen weltumspannende Räume, die über die An- (S. 88). Eine zu große Einteilung der Texteinheiten wendung hinausweisen und je nach Interesse der Be- kann das Hypertext-Prinzip Granularität konterka- nutzer andere Inhalte inkorporieren können (S. 224). rieren, d.h. der Benutzerin oder dem Benutzer wird Je nach Art der Knoten und Verknüpfungen kann der dann gar nicht mehr deutlich, dass sie einen Hy- Zugriff auf Informationen in einem Hypertext frei pertext vor sich hat. Lowyck und Elen (1992) oder beschränkt sein (Lowyck & Elen, 1992, 139). In schildern diese Form drastisch so: „When larger einer offenen Umgebung treffen die Benutzer/innen pieces of information are given the hypermedia envi- alle Entscheidungen über den Zugang und die Navi- ronment is used as an integrated pageturner and gation, in einer geschlossenen Umgebung werden audio- or videoplayer. When hypermedia would be diese Entscheidungen vorab vom Designer getroffen. used instructionally a highly branched version of pro- In jedem Fall können sich zwischen den Vorstel- grammed instruction is offered. This kind of in- lungen der Benutzer/innen und denen des Designers struction does not stem from a cognitive but from a Spannungen ergeben. Aus der Konzeption der Text- behavioristic background“ (S. 142). Die Aufsplit- blöcke, ihrer Intertextualität, können semiotische terung in zu kleine Informationseinheiten kann ihrer- Muster resultieren (Lemke, 1992), die als Kunst- seits zu einer Atomisierung der Information führen, formen genutzt werden könnten. Die Diskussion was sich möglicherweise auf die kognitive Rezeption über semiotische oder narrative Strukturen von Hy- durch die Benutzer/innen auswirkt: Sie können keine pertexten ist aber erst ganz am Anfang. Thiel (1995) Zusammenhänge mehr entdecken, sie können nicht unterscheidet eine monologische Organisationsform „verstehen“. für Hypertexte von einer dialogischen Form (S. 45), Die verschiedenen Hypertext-Systeme fördern die die eine Art Konversationsmodus für den interak- eine oder die andere Seite dieses Problems, sofern sie tiven Dialog des Benutzers mit dem Hypertext eta- auf dem Datenbank-Konzept oder dem Karten- blieren könne, konzipiert durch Sprechakte oder Dia- prinzip beruhen (kleine Einheiten) oder die Organi- logskripte. sation in Dokumenten präferieren (größere Ein- heiten). Nicht immer ist die Basiseinheit der Knoten, Suchen  und  lesen  Sie  eine  Hypertext-­‐Erzählung  im  In-­‐ es kann auch Knoten kleinerer Größe innerhalb von ? ternet   und   diskuDeren   Sie,   ob   Hypertext   für   poeDsche GaFungen  geeignet  ist.  Zum  Beispiel  hier: Rahmen oder Fenstern geben, zum Beispiel ein Wort, ein Satz, ein Absatz, ein Bild. Diese Differenzierung ▸ hFp://www.netzliteratur.net/netzliteratur_theo-­‐ verweist auf eines der Grundprobleme von Hy- rie.php   ▸ hFp://www.eastgate.com/   pertext, das in der Hypertext-Terminologie als Problem der Granularität bezeichnet wird. Dass die Das  Buchprojekt  „Null“  welches  auch  gedruckt  wurde: ▸ hFp://www.literaturkriDk.de/public/rezensi-­‐ Granularität nicht leicht zu entscheiden ist (nach dem on.php?rez_id=3806 Motto „je kleiner desto besser“) zeigt eine Untersu- chung von Kreitzberg und Shneiderman (1988). Sie vergleichen in einem Lernexperiment zwei Hy- Bei der Segmentierung von Texten in Textblöcke pertext-Versionen, von denen die eine viele kleine, stellt sich die Frage, ob es eine „natürliche“ Ein- die andere wenige große Knoten aufweist. Zwar teilung der Textblöcke in Informationseinheiten gibt. kommen die Autoren in ihrer Untersuchung zu der Dabei ist die Idee aufgetaucht, ob es gelingen könnte, Folgerung, dass die Version mit den kleineren Form und Größe der Textblöcke als kognitive Ein- Knoten bessere Resultate zeitigt (gemessen durch heiten, sog. „Chunks of Knowledge“ zu definieren richtige Antworten auf Fragen zum Text in Multiple- (Kuhlen, 1991, 80ff): „Zur intensionalen Definition Choice-Tests), doch Nielsen (1995) macht plausibel,
  • 9. Hypertext.  Geschichte,  Systeme,  Strukturmerkmale  und  Werkzeuge  —  9 dass dieses Ergebnis wahrscheinlich von einer spezi- Kuhlen (1991) unterscheidet die Navigationsmittel in ellen Eigenschaft von HyperTIES abhängig ist, die konventionelle Metainformationen und hypertextspe- nicht für andere Hypertext-Systeme gilt, denn Hy- zifische Orientierungs- und Navigationsmittel: perties ist eines der Hypertextsysteme, die zum ▸ konventionelle Metainformationen sind nicht-li- Anfang eines Artikels verlinken und nicht zu der neare Orientierungs- und Navigationsmittel, In- Stelle innerhalb des Artikels, an der sich die Infor- haltsverzeichnisse, Register und Glossare (134ff); mation befindet, auf die der Ausgangsknoten ver- ▸ hypertextspezifische Orientierungs- und Navigati- weisen soll. Aufgrund dieser Eigenschaft ist Hy- onsmittel sind grafische Übersichten („Browser“), perties besonders leicht handhabbar, wenn der Text vernetzte Ansichten („web views“), autorendefi- aus kleinen Knoten mit genau einem Thema besteht, nierte Übersichtsmittel, Pfade („paths/trails“), ge- so dass klar ist, worauf der Link verweist (S. 137ff.). führte Unterweisungen („guided tours“), „Back- Einer Zersplitterung kann durch intensive Kon- track“-Funktionen, Dialoghistorien, retrospektive textualisierung der Chunks entgegengewirkt werden. grafische (individuelle) Übersichten, leserdefinierte Dieser Weg wird bei Kuhlen (1991) an Beispielen aus Fixpunkte („book marks“), autorendefinierte Weg- Intermedia diskutiert (S. 200). Die Kontextuali- weiser („thumb tabs“), Markierung gelesener Be- sierung, die der Zersplitterung vorbeugen soll, muss reiche („breadcrumbs“) (S. 144ff). nicht nur wie in den Intermedia-Beispielen aus reichen Kontexten innerhalb des Systems bestehen, Zu den die Navigation unterstützenden Methoden sondern kann auch durch den gesamten pädagogi- zählen neben den von Kuhlen recht vollständig auf- schen Kontext sichergestellt werden wie in den kon- geführten Mitteln noch kognitive Karten (Bieber & struktivistischen Experimenten zum kooperativen Wan, 1994); Edwards & Hardman, 1993, 91) und spe- Lernen in sozialen Situationen (Brown & Palincsar, zielle Mittel zur Verwaltung fest verdrahteter oder be- 1989; Campione et al., 1992). nutzereigener Pfade (s.a. Gay & Mazur, 1991; s. Canter et al. (1985) unterscheiden fünf Navigati- Gloor, 1990) Bieber und Wan (1994) schlagen onsmethoden: Scannen, Browsen, Suchen, Explo- mehrere Formen des Backtracking vor, insbesondere rieren, Wandern. McAleese (1993) unterscheidet die differenzieren sie die Rückverfolgung danach, ob die Navigationsmethoden analog dem aus der Lernfor- Navigation durch einen Fensterwechsel oder durch schung bekannten Konzept des entdeckenden Anklicken eines Textankers durchgeführt wurde (zur Lernens oder problemorientierten Lernens. Kuhlen Funktion des Backtracking Nielsen, 1995, 249ff; (1991) unterscheidet, eher in Anlehnung an die struk- Kuhlen, 1991, 156ff). turellen Eigenschaften von Hypertexten, folgende Formen des Browsing (128ff): Rand  Spiro  hat  eine  neue  Homepage  mit  seinen  Auf-­‐ ▸ gerichtetes Browsing mit „Mitnahmeeffekt“, ▸ gerichtetes Browsing mit „Serendipity“-Effekt, ? sätzen   zur   sog.   CogniDve   Flexibility   Theory   einge-­‐ richtet   (hFp://postgutenberg.typepad.com/newgu-­‐ ▸ ungerichtetes Browsing und tenbergrevoluDon/).   Suchen   Sie   sich   dort   einen   Text aus   (zum   Beispiel   Spiro   &   Jehng),   der   die   „Theorie   der ▸ assoziatives Browsing. kogniDven   Flexibilität“   erklärt   und   diskuDeren   Sie, warum   Spiro   und   seine   Mitautoren   die   These   auf-­‐ Die Klassifikation von Navigationsmethoden in Hy- stellen,  Hypertext  würde  sich  besonders  für  schlecht-­‐ pertexten ist abhängig von der jeweiligen Interpreta- strukturierte   Wissensgebiete   eignen.   Begründen   Sie, tionsraster der Autorinnen und Autoren. Das Au- warum  Spiro  meint,  das  Lernen  mit  Hypertexten  sollte genmerk kann dabei auf der Hypertext-Struktur, den fortgeschriFenen   Lernern   vorbehalten   bleiben   und angestrebten Lernmethoden oder auf Prozessen der eigne   sich   nicht   für   Anfänger.   Oder   widerlegen   Sie Arbeit liegen, die mit dem Hypertext-Werkzeug er- diese  Ansicht. ledigt werden sollen. Zwei Fragen ergeben sich Weiters   diskuDeren   Sie,   ob   es   sich   bei   der   CogniDve daraus: Flexibility  Theory  um  eine  Theorie  handelt. ▸ Wie wirken sich die unterschiedlichen Navigati- 7. Werkzeuge   onskonzepte auf die Gestaltung von Hypertext aus? Man sollte die Navigation in Hypertext-Umgebungen ▸ Wie wirken sich die unterschiedlichen Navigati- nicht nur unter dem Aspekt ihrer Orientierungs- und onsmethoden auf die Lernenden aus? Interaktionsfunktion, sondern auch als aktive Form des Lernens und Arbeitens betrachten. Diese Per- spektive auf die Strukturelemente von Hypertext ist aus der Sicht des Benutzers oder Lesers möglicher-
  • 10. 10  —  Lehrbuch  für  Lernen  und  Lehren  mit  Technologien  (L3T) weise die wichtigere: Für dies Designer/innen stehen Es gibt bis heute keine Konventionen für die Dar- Nodes und Links im Vordergrund, für die Leser/in- stellung von Knoten und Verknüpfungen im Text. nen aber benutzereigene Pfade, Notizen, Annota- Einige Programme drucken sensible Textstellen fett, tionen. Diese Objekte der Struktur bieten ihnen eine so dass man „fett“ als Stil ansonsten im Text nicht Chance für aktives Arbeiten und Produzieren mit Hy- mehr verwenden kann. Andere Programme wählen pertext. Unterstreichungen. Einige Programme umrahmen Als Mittel, die aktives Lernen und Arbeiten in Texte beim Anklicken, wieder andere invertieren aus- Hypertext unterstützen, gelten Notizbücher, In- gewählten Text. strumente zum Anlegen von eigenen Links und Es ist auffällig, dass Hypertext-Systeme sich mit Pfaden und für die Konstruktion von eigenen kogni- Ikonen und Metaphern umgeben, die mehr oder tiven Karten, integrierte Spreadsheets und der direkte minder konsistent kleine bildliche „Welten“ konstitu- Zugriff auf Datenbanken (zu Annotationen für In- ieren. Für Hypertext-Umgebungen werden in der termedia s. Catlin et al., 1989). Neuwirth et al. (1995) Regel dem jeweiligen Thema adäquate Metaphern ge- haben die Möglichkeit für Annotationen in ihren wählt: Das Buch, das Lexikon, die chronologische PREP-Editor eingebaut. Etwas Ähnliches wie Anno- Zeitleiste, die Biographie, der Ort, das Abenteuer, die tationen sind Pop-Up-Felder oder Pop-Up-Fenster Maschine usw. Die Regeln der Benutzung durch den mit nur-lesbaren Informationen, die nur solange ge- Lernenden, die Navigation, richten sich dann nach öffnet bleiben, wie die Maustaste gedrückt gehalten der jeweiligen Metapher: „Blättern“ im Buch, wird (Nielsen, 1995, 142ff). Annotationen, die Be- „Wandern“ durch eine Landschaft. nutzer/innen selbst hinzufügen können, also Fenster An Vorschlägen zur Weiterentwicklung von Hy- für Notizen, können den aktiven Verarbeitungs- pertext zu Hybrid-Systemen mangelt es nicht. Sie prozess der Leser/innen unterstützen. Eine Alter- zielen auf die Mathematisierung der Navigation, die native zu Annotationen sind Randnotizen oder Mar- Bildung semantischer Netze (Schnupp, 1992, 189), ginalien, die dem eigentlichen Textkorpus nichts hin- die tutorielle Begleitung durch Expertensysteme, die zufügen, wohl aber den Benutzerinnen und Be- Integration wissensbasierter Generierungstechniken nutzern zur Verfügung stehen. Das MUCH-Pro- (S. 192) und den Zugriff auf relationale Daten- gramm („Many Using and Creating Hypertext“) der banken. So schlagen Klar et al. (1992) computerlin- Universität Liverpool (Rada et al., 1993) bietet den guistische Textanalysen in Hypertext-Systemen vor; Lernenden sogar ein Instrument für die Anlage ei- Ruge und Schwarz (1990) suchen nach linguistisch- gener Thesauri. Für die Verknüpfung der Einträge semantischen Methoden zur Relationierung von Be- stehen den Studierenden Link-Typen wie „usedfor“, griffen; Irler (1992) befasst sich mit dem Einsatz von „narrower-than“ und „related“ zur Verfügung. Bayesian Belief Nets zur Satzgenerierung bis hin zur Die Strukturelemente eines Hypertexts nehmen automatischen „Generierung von Hypertextteilen auf visuelle Qualitäten an, um sich vom Kontext der Basis einer formalen Darstellung“ (S. 115). deutlich zu unterscheiden und die Aufmerksamkeit des Lesers erringen zu können, indem sie die Das   World   Wide   Web   mit   seiner   Hypertext-­‐Struktur Struktur, zum Beispiel Verbindungen und Knoten, dem Leser transparent machen. Dabei sind visuelle ? hat   in   wenigen   Jahren   eine   enorme   Entwicklung hinter  sich  gebracht  und  großen  Erfolg  bei  Nutzern  er-­‐ Elemente der Benutzeroberfläche mit operationaler zielt.  Überlegen  Sie,  welche  pädagogisch-­‐didakDschen Funktion (Navigation) von funktionalen Bedienungs- Faktoren   möglicherweise   dafür   ausschlaggebend   ge-­‐ wesen  sind. aspekten zu unterscheiden. Kahn et al. (1995) er- heben am Beispiel einer Analyse von Intermedia und StorySpace derartige visuelle Signale zu den „drei Klar (1992), der Hypertext durch Experten- fundamentalen Elementen der visuellen Rhetorik“ systeme ergänzen will, folgert, dass „die formalen von Hypertexten: „These three fundamental elements Wissensdarstellungen in Expertensystemen und die are: informalen Präsentationen in Hypertexten sich ▸ link presence (which must include link extent), sinnvoll ergänzen können“ (S. 44). Kibby und Mayes ▸ link destination (which must include multiple des- (1993) wollen ihr Programm StrathTutor durch Simu- tinations), lation des menschlichen Gedächtnisses mit Attribut- ▸ link mapping (which must display link and node und Mustervergleichen anreichern und kommen zu relationships)“ (S. 167). dem Schluss, dass dafür Parallelrechnersysteme ange- messener wären. Ob es sinnvoll ist, derartige Wege der Komplexitätserhöhung zu beschreiten, lässt sich
  • 11. Hypertext.  Geschichte,  Systeme,  Strukturmerkmale  und  Werkzeuge  —  11 zu einem Zeitpunkt kaum entscheiden, in dem bisher ▸ Ambron, S. & Hooper, K. (1998). Interactive Multimedia: Vi- nur wenige umfangreiche und inhaltlich sinnvolle Hy- sions of Multimedia for Developers, Educators and Infor- pertext-Anwendungen überhaupt bekannt sind. mation Providers, Redmond: Microsoft Press. ▸ Berk, H. (1991). Xanadu. In: E. Berk & J. Devlin (Hrsg.), Hy- 8. Zur  weiteren  Entwicklung  von  Hypertext pertext/Hypermedia Handbook, New York: McGraw-Hill, Zur Zeit der Entstehung des World Wide Web im In- 524-528. ternet schien das Netz ein Lesemedium zu sein, in ▸ Berners-Lee, T. & Fischetti, M. (1999). Weaving the Web: The dem nur wenige Protagonisten Inhalte produzieren Original Design and Ultimate Destiny of the World Wide Web würden. Es gab die Befürchtung, dass alle vor 1988 by Its Inventor. Harper Collins. deutsch: Der Web-Report: der gedruckten Texte in Vergessenheit geraten würden. Schöpfer des World Wide Webs über das grenzenlose Potential Inzwischen ist durch die Digitalisierung älterer des Internets. München, Econ (1999). Schriften, vor allem dank der Initiative von Google, ▸ Bieber, M. & Wan, J. (1994). Backtracking in a Multiple- ein großer Teil älterer Publikationen digitalisiert Window Hypertext Environment. In: Proceedings of the worden. ECHT’94 European Conference on Hypermedia Technology, „Die Wüste Internet“, lautete der deutsche Titel Edinburgh: 158-166. des Buches von Clifford Stoll (1996; orig. „Silicon ▸ Brown, A.L. & Palingscsar, A.S. (1989). Guided, Cooperative Snake Oil“ 1995). Noch 1997 konnte Hartmut Learning and Individual Knowledge Acquisition. In: L.B. Winkler im Internet nur „ein Medium der Texte und Resnick (Hrsg.), Knowing, Learning, and Instruction. Essays in Schrift“ entdecken und musste folglich den „Hype Honor of Robert Glaser, Hillsdale: Lawrence Erlbaum Ass, um digitale Bilder und Multimedia“ als „Übergangs- 393-452. phänomen“ verkennen. Inzwischen ist das Internet ▸ Bush, V. (1945). As We May Think. In: Atlantic Monthly July ein effizienter Träger für Bilder und Animationen, für 1945, 101-108. URL: Musik, Audio, Video und Film. Die Konvergenz der http://www.w3.org/History/1945/vbush/vbush-all.shtml Medien ist keine bloße „historische Kompromiß- [2010-11-13] bildung“ (ebd.) mehr. Im Digitalen entsteht eine neue ▸ Campagnoni, F.R. & Ehrlich, K. (1989). Information Retrieval interaktive Gestalt aus der Synthese aller Medien. Using a Hypertext-based Help System. In: ACM Transactions on Information Systems, 3, 7, 271-291. Denken   Sie   sich   ein   Lernexperiment   mit   einem   wis-­‐ ▸ Canter, D.; Rivers, R. & Storrs, G. (1985). Characterizing User ? senschaIlichem   Inhalt   oder   Gegenstand   aus,   der   in Hypertext-­‐Form   verfasst   ist.   Überlegen   Sie,   ob   und Navigation Through Complex Data Structures. In: Behaviour and Information Technology, 2, 4, 93-102. wie   Sie   den   Lerneffekt   des   Experiments   nachweisen ▸ Catlin, T.J.O. & SMITH, K.E. (1998). Anchors for Shifting könnten. Tides: Designing a ‘seaworthy’ Hypermedia System. In: Procee- dings of the Online Information ’88 Conference London, 15- Es gibt zwar enorm leistungsfähige Suchma- 25. schinen, doch Ordnung und Transparenz werden ▸ Conklin, J. (1987). Hypertext: An Introduction and Survey. In: durch die Masse der Angebote und den Wildwuchs IEEE Computer, Sept. 20, 17-41. der Standards zugeschüttet, Ontologien, Metadaten ▸ Edwars, D.M. & Hardman, L. (1989). Lost in Hyperspace: Co- und Taxonomien hinken weit hinter den seit Jahrhun- gnitive Mapping and Navigation in a Hypertext Environment. derten gewachsenen Thesauri der Bibliotheken her. In: R. McAleese (Hrsg.), Hypertext: Theory into Practice, Das Internet versteht uns nicht, es ist nicht seman- Oxford: Intellect Books, 105-125. tisch, d.h. es kann nicht die Bedeutung von Aussagen ▸ Engelbart, D. (1988). The Augmented Knowledge Workshop. und Sätzen verstehen. Dennoch ist es unverzichtbar In: A. Goldberg (Hrsg.), A History of Personal Workstations, geworden. Wir warten auf die nächste Entwicklungs- Reading MA: Addison-Wesley, 187-236. stufe, die Tim Berners-Lee und eine Arbeitsgruppe ▸ Gay, G. & Mazur, F.E. (1991). Combining and Recombining des W3C unter dem Begriff „Semantic Web“ ange- Multimedia Story Elements. In: Journal of Computing in kündigt haben. Higher Education, 2, 2, 3-17. ▸ Gloor, P.A. (1990). Hypermedia-Anwendungsentwicklung. Literatur Eine Einführung mit HyperCard-Beispielen, Stuttgart: ▸ Akscyn, R.; McCracken, D. & Yoder, E. (1988). KMS: A Distri- Teubner. buted Hypermedia System for Managing Knowledge in Orga- ▸ Halasz, F.G. (1988). Reflections on NoteCards: Seven Issues nizations. In: Communications of the ACM, 7, 31, 820-835. for the Next Generation of Hypermedia Systems. In: Commu- nications of the ACM, 31, 836-852.
  • 12. 12  —  Lehrbuch  für  Lernen  und  Lehren  mit  Technologien  (L3T) ▸ Irler, W.J. (1992). Selbsterklärendes kausales Netzwerk zur Hy- ▸ Morariu, J. & Shneiderman, B. (1986). Design and Research on pothesenüberprüfung im Hypertext. In: U. Glowalla & E. The Interactive Encyclopedia System (TIES). In: Proceedings Schoop (Hrsg.), Hypertext und Multimedia. Neue Wege in der of the 29th Conference of the Association for the Deve- computerunterstützten Aus- und Weiterbildung, Berlin/Hei- lopment of Computer Based Instructional Systems, 19-21. delberg: Springer, 108-117. ▸ Nelson, T.H. (1967). Getting It Out of Our System. In: ▸ Jonassen, D.H. (1989). Hypertext/Hypermedia, Englewood Schecter, G. (Hrsg.), Information Retrieval: A Critical Review, Cliffs, NJ: Educational Technology Publications. Washington DC: Thompson Books, 191-210. ▸ Jordan, D.S. & Russell, D.M. et. al. (1989). Facilitating the De- ▸ Nelson, T. (1974). 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  • 13. Hypertext.  Geschichte,  Systeme,  Strukturmerkmale  und  Werkzeuge  —  13 ▸ Stoll C. (1996). Die Wüste Internet, Frankfurt/Main. ▸ Yankelovich, N.; Haan, B.J.; Meyrowitz, N.K. & Drucker, S.M. ▸ Thiel, U. (1995). Interaction in Hypermedia Systems: From (1988). Intermedia: The Concept and the Construction of a Browsing to Conversation. In: W. Schuler; J. Hannemann & Seamless Information Environment. In: IEEE Computer, 1, N.A. Streitz (Hrsg.), Designing User Interfaces for Hyper- 21, 81-96. media, Berlin/Heidelberg: Springer, 43-54. ▸ Ziegfeld, R.; Hawkins, R.; Judd, W. Mahany, R. (1991). Pre- ▸ Ventura C.A. (1988). Why Switch from Paper to Electronic paring for a Successful Large-Scale Courseware Development Manuals? In: Proceedings of the ACM Conference on Do- Project. In: E. Barrett (Hrsg.), Text, ConText, and Hypertext. cument Processing Systems, Santa Fe: 111-116. Cambridge/London: M.I.T. Press, 211-226.Akscyn, R.; Mc- ▸ Woodhead, N. (1991). Hypertext and Hypermedia. Theory and Cracken, D. & Yoder, E. (1988). KMS: A Distributed Hyper- Applications, Reading/MA: Addison-Wesley. media System for Managing Knowledge in Organizations. In: ▸ Yankelovich, N.; Meyrowitz, N. & Van Dam, A. (1985). Communications of the ACM, 7, 31, 820-835. Reading and Writing the Electronic Book. In: IEEE Computer, 10, 18, 15-30.