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s gibt zahlreiche Beispiele von
Profisportlerin, die in ent-
scheidenden Momenten ihrer
Sportlerlaufbahn versagt haben.
Immer wieder stoße ich zum Beispiel
auf das Wimbledonfinale aus dem Jahr
1993, bei dem Steffi Graf als Siege-
rin vom Platz ging. Dieses wird vor
allem wegen der dramatischen Wen-
dung des Spiels im dritten Satz und
des Scheiterns der Finalistin Jana
Novotna regelmäßig von Sportwissen-
schaftlern neu herausgekramt. Knapp
ein Vierteljahrhundert lang wurde die
im vergangenen Jahr mit 49 Jahren
an Krebs verstorbene Tennisspielerin
immer wieder daran erinnert, wie sie
nach einer 4:l-Führung im dritten Satz
die einfachsten Bälle verschlug und
ansonsten Steffi Graf den Ball als Vor-
lage zum Winner servierte. Am Ende
verlor Novotna 4:6 und lag bei der Sie-
gerehrung weinend in den Armen der
ebenfalls mit den Tränen kämpfenden
Duchesse von Kent.
r.s | 1_2018
Die meisten Tennisspieler, unab-
hängig von der Spielklasse, kennen
solche Phänomene. Das Versagen in
Drucksituationen, wenn plötzlich die
so berüchtigte,,Vorhandlähmung"' auf-
tritt oder das bis zu diesem Zeitpunkt
so erfolgreiche Spiel plötzlich völlig
kippt. Oder wenn Anderungen der Rah-
menbedingrrngen wie der Wechsel vom
Freiplatz in die Halle wegen Regens
einen völlig aus dem Konzept bringt.
Psychologen nennen das Phänomen
,,choking under pressure", also: Versa-
gen unter Druck. So mancher erinnert
sich vieileicht an das DFB-Pokalhalb-
finale von 2015. Da rutschte der Münch-
ner Philipp Lahm im Elfmeterschie-
ßen auf gut bespielbarem Boden aus
und schoss den Strafstoß weit neben
das Tor. Der nächste Bayern-Elfer,
geschossen von Xabi Alonso, war ein
fast identisches Abbild des Lahmschen
E1fers. Dortmund wurde später Pokal-
sieger. Studien haben gezeigt, dass es
gerade die geübten Elfmeterschützen
sind, die häufiger in solchen Drucksitu-
ationen scheitern. Der Golfspieier, der
beim Putten kläglich versag, obwohl er
den Titel des 2009 Masters direkt vor
Augen hat (Kenny Perry), der Basket-
baller der nicht mehr trifft, und so wei-
ter - es gibt unendlich viele Beispiele
des Scheiterns unter Druck.
Linke Gehirnhälfte ist
unter Druck aktiver
Bei Golfspielern, die unter Druck
versagen, haben Forscher per Elek-
troenzephalografie (EEG) untersucht,
was sich in deren Gehirnen abspielt.
Ergebnis: Die linke Gehirnhälfte ist
unter Druck viel aktiver als die rechte
- ein deutliches Zeichen daftir, dass
das Gehirn die Situation analysiert. Der
,,präfrontale Kortex", und dabei ein
großer Teil des Frontallappens, steu-
ern die Bewegungen und regulieren
die kognitiven Prozesse. Wenn der prä-
frontale Kortex aktiv ist, spricht das
Ob B;eilensportler oder Profi-
spieler: Wer unter Druck gerät
oder sich unter Druck setzt,
neigt dazu, Fehler zu machen.
D6ch eirtibt einige Strategien,
um Yersegensängste zu
ndn&migi€n, Auch lässt sichip:
Drucksitualione n t ra i n iere§,
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versagen
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Bedingungen und Folgen des Versagens unter Druck
Wahrnehmung der Umgebungs-
anforderungen durch den Spieler
L. psychischer Druck
2. physischer Druck
Beeinträchtigungen der Performance
1. unkontrollierte Schläge
2. Zusammenbruch von Timing und
Koordination
3. Beschäftigung mit irrelevanten
Hinweisen
4. Muskelverspannung und Verlet-
zu ngsa nfä lligkeit
Tabelle 1, nach Miguel Crespo, Machar Reid und Ann Quinn. Tennis
Psychology, London 2005. Bedingungen, die zum Choking führen
I TRATNINGSPRAXIS
dafür, dass die Handlung und der Bewe-
gungsablauf bewusst verarbeitet wer-
den.,,Dieser neurobiologische Befund
erklärt sehr gut schon länger bekannte
Beobachtungen", sagt Sportpsychologe
Jürgen Beckmann von der TU Mün-
chen. Die bewusste Aufmerksamkeit
wird auf die Bewegung gelenkt. Das,
was der Sportler bislang automatisch
ausgeführt hat, will er unter Stress
ganz besonders gut machen. Er denkt
über die Technik nach - und das geht
schief." Einfach formuliert hat das der
auch schon verstorbene US-amerika-
nische Baseballcoach Yogi Berra: ,,Wie
willst Du nachdenken und gleichzeitig
den Ball schlagen?"
Choking under pressure:
zuviel Denken schadet
Hopplal Zuviel Denken, ein Eingreifen
des Frontallappens, hier in der Regel
des ,,präfrontalen Kortex", in unser-
Gehirn scheint die Kreativität und den
Zugriff auf automatisierte Bewegungs-
muster sowie auf Bewegungstransfer-
seinzuschränken.,,Wir bringen gute
Golfer in unser Labor, wir sagen ihnen,
sie sollen sich auf einen bestimmten
Teil ihres Schwungs konzentrieren
und sie vermasseln den Schlag. Wenn
du auf einem hohen Niveau sPielst,
sind deine Schläge automatisiert. Du
musst nicht mehr bei jedem Schritt
darauf achten, was du machst", kons-
tatiert Sian Beilock, Psychologieprofes-
sorin an der Universität von Chicago.
Was tun, wenn wir nachdenken, statt
uns auf uns Körpergefühl und unsere
,,Intuition" zu verlassen? Beilock hat
in ihrem Buch ,,Choke - What the
secrets of the brain reveal about get-
ting it right when you have to" (New
York 2010) das choking under pres-
sure-Phänomen beschrieben. Sie rät
dazu, in solchen Drucksituationen an
etwas anderes zu denken und Abstand
von der ,,Denkaufgabe" zu gewinnen.
Aber auch zu wenig Denken kann zu
Versagen fähren, und zwar bei Auf-
gaben wie dem Lösen von mathema-
tischen Problemen oder schwierigen
beziehungsweise neuen taktischen
Aufgaben im Sport. Dafür wiederum
benötigen wir das Arbeitsgedächtnis
im präfrontalen Kortex. Es entsteht
also unter Druck ein ,,Chaos im Fron-
tallappen". Das Gehirn wechselt vom
,,impliziten Modus", in dem die abge-
speicherten Lösungstrategien und
Bewegungslösungen einfach so abge-
rufen werden können, in den ,,explizi-
ten Modus", und ich fange an über die
,,richtige Technik" nachzudenken.
Sportwissenschaftler Wolfgang
Schöllhorn hat auf einen spannenden
Zusammenhang zwischen der Konzen-
tration auf die eigene Körperwahrneh-
mung und dem ,,Choking under pres-
sure"-Phänomen hingewiesen: Wenn
der Frontallappen aktiv ist, wenn ich
über meine Bewegungen nachden-
ke, ist nicht nur der Zugang zu den
automatisierten Bewegungsabläufen
blockiert, sondern die Bewegung wird
auch noch langsamer! Der slowenische
Tenniscoach Tomaz Mencinger stellt
in seinem Internetblog schön grafisch
dar, wie das (explizite) Nachdenken
über die technische Ausführung einer
Bewegung im Tennis zu einer minima-
len, aber in der Konsequenz möglicher-
weise gravierenden Einschränkung der
koordinativen Fähigkeiten führt. Der
Schlag kann nicht mehr wie aus dem
Training gewohnt ausgeführt werden
und ,,geht daneben".
Strategien gegen das
Versagen unter Druck
Welche Strategien gibt es nun für den
,,Trainingsweltmeister", der im Match
nicht seine Expertise abrufen kann?
Gibt es verallgemeinerbare Trainings-
ansätze, die die Individualität jedes
Spielers beräcksichtigen, aber mög-
lichst viele Athleten bei der Bewälti-
gung des Drucks im Wettkampf unter-
stützen? Das übliche Rezept gegen
das Versagen, noch härter trainieren
und die Situation ernster nehmen,
verschlimmert in den meisten Fäl-
len die Probleme nur. Miguel Cres-
po und Machar Reid haben in dem
empfehlenswerten ITF Lehrbuch
,,Tennis Psychology - 2OO+ practice
drills and the latest research" (Lon-
don 2006) die Vorgänge im ,,Choking-
Prozess" dargestellt:
Aufmerksamkeits-
veränderungen
f. innerer Fokus
2. verengter Fokus
3. reduzierte
Fokusflexi bilität
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Bedingungen, die zum Choking
führen (psychologische und
physische Anforderungen durch
die Umgebung)
1. ,,Big match"
2. kritischer Punkt
3. Beobachtung durch Trainer,
Freunde und Eltern
Physische
Veränderungen
1. erhöhte Muskel-
span nu ng
2. erhöhte Atemfrequenz
3. rasender Herzschlag
TennisSportll-2018 l1
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Die psychologischen Folgen
expliziten Lernens
Aus wissenschaftlicher Sicht kann
es fiir den Umgang mit Druck einen
Unterschied machen, ob wir im Trai-
ning mit expliziten Anleitungen Tech-
nik ,,lehren" oder ob wir über implizi-
te Aufgabenstellungen eine passende
Technik mit den Spielern entwickeln.
Zum impliziten Le rnen, zum differenti -
ellen Lernen und zum constraints-led-
approach, in dem Rahmenbedingungen
wie Zeit, Regeln, Material, Spielfelder,
Umgebung, soziale Einflüsse ständig
variiert und verändert werden, um Ler-
nen durch Variation zu ermöglichen,
sind in dieser Zeitschrift in den ver-
gangenen Ausgaben bereits zahlreiche
Artikel erschienen. Es scheint einige
Hinweise zu geben, die aus psycholo-
gischer Sicht für diese implizite Vorge-
hensweise sprechen.
In der expliziten Lehrmethodik
lernt der Spieler eine aus der Sicht
des Coaches r,rnd in Lehrbüchern vor-
gegebene Schlagausführung, die mit
bestimmten Abfolgen verbunden ist
(Ar"rsholbewegLrng, Schlagbewegung,
Ausschwung, Bewegung zum 8a11,...).
Hierbei gibt es offenere und engere Aus-
legungen durch den explizit arbeiten-
den Coach. Eine vorgegebene Schlag-
ausführung vermittelt dem Spieler den
Eindruck, dass die technische Ausfüh-
rung eines Schlages grundsätzlich der
Bewertung durch den Coach, später
durch den Spieler seibst unterliegt und
eine,,richtigfalsch"-Einordnung erfor-
derlich ist. Im Umkehrschluss führt
rung nicht explizit beschreiben kön-
nen. Das dürfte sich in vielen Fällen als
Vorteil im Wettkampf auswirken. Alle
in diesem Artikel beschriebenen Spiel-
formen zum psychologischen Training
sind deshalb auch implizit. Der Ler-
neffekt ergibt sich aus der jeweiligen
Übung oder Spielform und muss nicht
vom Coach explizit beschrieben wer-
den. Das schließt natürlich nicht das
Feedback und das Gespräch mit dem
Coach über die Wirkungen der Spiel-
form aus.
Erfolgreicher Top-Coach der ATP- & WTA Tennisprofis & hervorragender Fitness-Experte macht eine schöpferische
Pro-Tour-Teilpause & schreibt das Buch über seine einmaligen Trainingsmethoden. Er sucht ein eher kleineres,,verschla-
fenes" TC mit entw. keinem, o. sehr eingeschränkten Winterbetrieb f ür jew. immer Sommer-Saison. Er gibt gerne dem TC
sein professionelles Know How zum stetigen Aufbau der Mannschaften, TC-Geschehnisse, Qualität...ohne Stress eines
Bundesligaclubs. Vorzugsweise liegt der TC idyllisch am Waldrand, o. nahe eines Sees... Coach bittet den Vorstand um
Hilfe bei der Suche nach einer,,meditativen" Unterkunft (Holzhäuschen, Glasveranda, o.ä.). Entgegenkommend der Club-
verhältnissen fügt sich der Coach weitestgehend in geltende Preisgefüge & als Ausgleich bekäme er die Möglichkeit vor-
mittags den PIatz gelegentlich für seiner Profispieler zu nutzen. Er gibt gerne Abendvorträge, Videoabende & besonders
Vollspektrum des Fitnesstrainings für Spieler, u/o auch für nicht tennispielende Eltern & bringt sich gerne ins Clubleben
ein. ln Wintermonaten geht er auf Profitour. N.B. arbeitet er Wintertrainingspläne- & Trg. aus. Bildet ggf. einen übungs-
leiter aus. Möglicher Beginn ab Mitte April 2018. Vorzugsweise BY, BW, Sachsen, HE
Bitte, max. konkrete Bewerbungen mit Std.-Bedarf, Schwerpunkt-Wünschen, Honorarangebot, Lageinfos u.ä. Coach lebt
s e i t e i n i ge n J a h r e n
"' T H"#J"# ff ::in;ll'J;l iT,i;Iil;Li x-i"ä- r rwe b. d e o
dieser Ansatz, bei Erfolglo:i*k"ir.:lTr lmplizierte Vorgehensweise im
Schlages im Training und im Wett- ---1
kampf, zur schlussfok";;s;'äJ ;; Trainingstärker berücksichtigen
,,Feh1er" in einer falschen Technikaus-
führung liegen muss. Die explizite
Lehrmethode kann so zu einer Verun-
sicherung des Spielers unter Druck füh-
ren oder diese zumindest verstärken.
Ein Phänomen des impliziten Ler-
nens ist dagegen, dass Spieler, die so ihre
Technik entwickelt haben, ihre Schlag-
technik oder ihre Bewegungsausfüh-
Wenn das konsequente Entwickeln
und das Training von Schlagtechni-
ken und des taktischen Handelns unter
den Gesichtspunkten einer non-line-
aren, impliziten Vorgehensweise die
choking-under-pressure-Phänomene
reduzieren, sollte es als Grundlage des
motorischen Lernens im Training von
Anbeginn stärker beräcksichtigt wer-
17 | 1_2018
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ACHTUNG TCS &TC-VORSTANDE -ATTRAKTIVE GELEGENHEIT IUNGEWÖHNLICHE CHANCE !
I TRATNTNGSPRAXTS
den. Dies wäre dann ein weiterer posi-
tiver Effekt des Umdenkens von einem
technikorientierten,,methodischen
Traditionalismus" zu einem systemi-
schen, sich stärker an der individuellen
Selbstorganisationsfähigkeit der Spie-
Ier orientierenden Trainings.
Beilock hat zur Bewältigung des
choking-under-pressure-Phänomens
in Prüfungssituationen zahlreiche
Tipps zusammengestellt, die wir auf
die Emotionen von Sportlern im Wett-
kampf übertragen können. Dabei emp-
fiehlt sie unter anderem:
) Trainiere unter Druck
Gönne dem Nachdenken und dem
Gefühl des Versagens eine Pause
und denke an etwas Anderes
Beschäftige Dich im Vorfeld mit
Deinen Stärken (positiv denken)
Mache Dir bewusst, dass Du mehr
bist als das, was die anstehende
Aufgabe von Dir verlangt (,,Das
Leben geht weiter")
Setze Deine Emotionen in einen
anderen Zusammenhang (Herzra-
sen und Schweißausbrüche hast
Du nicht nur im Wettkampf, son-
dern vielleicht auch beim ersten
Date)
Tipp 1:
Trainiere unter Druck!
Es geht darum, im Training stressrei-
che Bedingungen herzustellen und so
Wettkampfdruck zu simulieren. Klaus
Roth und andere haben in den Büchern
der Ballschule Heidelberg zusammen-
gefasst, welche Formen von Druck in
den Ballsportarten zu erkennen sind
(Tabelle 2). Die Bewältigung dieser
Koordinationsbausteine, die häufig
in kombinierter Form auftreten, ist
eine Voraussetzung, um technische
und taktische Situationen zu bewäl-
tigen. So lassen sich Anforderungen
in den einzelnen Bausteinen isoliert
als auch kombiniert im Training erhö-
hen. Indem die Größe von Zielflächen
in Spielsituationen verändert werden,
lässt sich zum Beispiel der Präzisions-
druck erhöhen. Gleichzeitig kann der
Komplexitätsdruck durch den Einbau
von zusätzlichen Bewegungsaufgaben
(nach jedem Schlag eine bestimmte
Bewegungsaufgabe durchführen)
zusätzlich gesteigert werden. So lassen
sich in ständiger Abklärung mit den
Spielern wettkampfnahe Situationen
unter Stress und Druck konstruieren
und simulieren. Einige Beispiele für
entsprechende Spiel- und Übungsfor-
men finden Sie im Anschluss an diesen
Beitrag.
Koordinations-
baustein
Definition
Zeitdruck Zeitminimierung oder
Geschwi ndigkeitsmin i-
mierung
Präzisions-
d ruck
Höchstmögliche
Gena uigkeit
Komplexitäts-
druck
Bewältigung vieler
hintereinander ge-
schalteter (sukzessi-
ver) Anforderungen
Organisations-
d ruck
Bewältigung vieler
gleichzeitiger (simulta-
ner) Anforderungen
Variabilitäts-
druck
Bewältigung von
Anforderungen unter
wechselnden Umge-
bungs- und Situations-
bedi ngungen
Bel astu ngs-
druck
Bewältigung von
Anforderungen unter
physisch-konditionel-
len und psychischen
Be la stu ngsbed i ngu n-
gen
Tabelle 2, nach: Klaus Roth, Christian
Krüger, Daniel Memmert. Ballschule
Rückschlagspiele, Schorndorf 2002
Tipp 2: Lass den
Frontallappen pausieren!
Timothy Gallwey, US-amerikanischer
Sportpädagoge, hat sich schon in den
1970-Jahren mit ungewöhnlichen
Methoden zum psychologischen Trai-
ning beschäftigt. fn seinem Bestseller
,,Inner Game of Tennis" beschreibt
er, wie es möglich ist, den inneren
Selbstzweifel zu minimieren und
durch Ablenkung in einen Zustand zu
kommen, der es Spielern ermöglicht,
das Nachdenken über die Bewegung
auszuschalten. Dadurrch haben Spie-
ler einen schnelleren und kreativeren
Zugriff auf die Lösung von Problemen
und auf unbewusste und abgespeicher-
te Lösungsstrategien. Gallweys Ideen
wurden mittlerweile durch zahlrei-
che Studien bestätigt und viele seiner
sogenannten ,,Trick the mind" Drills
gehören zum Übungsrepertoire des
modernen Trainers. Eine der bekann
testen Übungen ist die sogenannt,
1-2- oder ,,Bounce-Hit"-Übung, bei de
sich Spieler auf den Aufsprung unr
den Treffpunkt des Balles konzentrie
ren. Diese Fokussierung auf Spielbe
standteile, die nur indirekt etvvas mi
einer,,richtigen Technik" zu tun haber:
lenkt vom Nachdenken über die Tech
nik ab und vermittelt ein Gefühl fü
Rhythmus und Timing. Solche ,,Tric1
the mind"-Übungen müssen trainier
werden. Nur bei Vertrauen der Spiele
in diese,,Ablenkungsstrategien" eigner
sie sich auch als Strategien gegen da
Versagen im Wettkampf..
Strategien Eegen das
Versagen im Wettkampf
Sportpsychologe Beckmann überlegtr
sich eine einfache Methode, um da
Gehirn der gestressten Spieler zu über
listen. Seine Idee: die recl-rte Gehirn
hälfte aktivieren, um die linke zr
dämpfen. Als Aktivator wählte er dir
linke Hand. Sie schickt ihre gesamtr
Information in die rechte Hirnhälfte
Beckmann ließ die Sportler vor der kri
tischen Situation einen kleinen Ball mi
der linken Hand dräcken. Die Autorer
der Studie gehen davon aus, dass mi
der Aktivierung der rechten Gehirn
hälfte bei Sportlern das ,,Nachdenker
über die Technik" in Angst- und Stres
situationen, dass vor allem in der linker
Gehirnhälfte abläuft, gedämpft wird
Die ersten Erfahrungen mit Golferr
r"rnd Läufern bestätigen diese Hypothe
se. Ihre Leistungen unter Druck verbes
serten sich. Ob allerdings die neurobio
logische Erklärurng richtig ist, wisser
die Sportpsychologen nicht. In ihrer
Kontrollexperimenten stellten sie fest
dass das Balldrücken seltsamerweis,
auch die Lernfähigkeit verbesserte.
Diese Strategie lässt sich zum Bei
spiel bei der Vorbereitung auf der
Return realisieren. Die Aufgabe fiir der
Rechtshänder könnte so aussehen, das
er kurz vor dem Aufschlag des Geg
ners die linke Hand zur Faust ballr
Oder dass der Ar"rfschläger vor der
Aufschlag die gleiche Strategie anwen
det. Das hört sich an wie eine klassisch
,,Trick the mind"-Übung.
Tipp 3: Schule Deine
Entscheidungsfähigkeit!
Druck im Wettkampf beeinträchtip
die Entscheidungsfähigkeit. Arbeitsge
dächtnis, Inhibition (Hemmung un
Impulskontrolle) sowie die kognitiv
Flexibilität leiden unter dem Stres:
und die Spieler können nur bedingt au
TennisSport I 1*2018 | 1l
i
§
sie zurückgreifen. Die Beachtung die-
ser sogenannten exekutiven Funktionen
(EF) für das Lernen, aber auch als Vor-
aussetzung fur die Entscheidungsfähig-
keit (decision making) und Kreativität
im Sport hat deutlich zugenommen. In
Baden-Württemberg sind sie mittier-
weile in den Lehrplänen der Schulen zu
finden. Laura Walk, Sportwissenschaft-
lerin und Mitarbeiterin am Transfer-
zentrum für Neurowissenschaften an
der Uni Ulm (FEX - Förderung exe-
kutiver Funktionen, Saale 2013) stellt
fest, dass das Training der EF im Spoft
die Verarbeitung und Steuerung von
Denkprozessen und die Emotionsregu-
lierung erleichtert. Dadurch verbessern
sich Konzentration, Aufmerksamkeit
und Stressverarbeitung. Im Tennis sind
die Spieler gefordert, nicht nur ihr eige-
nes Bewegungsverhalten, sondern auch
das der Spielpartner zu berücksichtigen,
verschiedene Lösungswege abzuwägen,
Impulse zurückzuhalten und störende
Einflüsse auszublenden. Somit können
Spiel- und Übungsforrnen, in denen
gezielt die EF trainiert werden, einen
wichtigen Einfluss auf das Wettkampf-
verhalten und den Umgang mit Druck
haben,
Tipp 4:
Sei nett zu Dir!
Sportpsychologen stellen fest, dass es
im Wettkampf häufig zu einem selbst-
boykott der eigenen Leistung durch
verinnerlichte Vorurteile kommt.
Wenn es irn Spiel nicht so läuft wie
erhofft oder erwartet, dann greifen
Spieler schnell in die unterste Schub-
lade der Selbstbeschreibung. ,,Ich bin
einfach zu blöd zum Tennis spielen"
ist da manchmal noch harmlos. Ste-
reotype und negative gesellschaftli-
che oder persönliche Selbstzuschrei-
bungen wie ,,Frauen können eh nicht
Einparken" oder,,Afro-Amerikaner
können vonGeburt höher springen als
Weiße" können eine negative Heran-
gehensweise in kritischen Spielsitu-
ationen verstärken. Marshall Rosen-
berg, Autor des Buches ,,Gewaltfreie
Kommunikation", hat in seinen Ver-
öffentlichungen zur GfK eine Liste
von Worten zusammengestellt, die
mit positiven Assoziationen verknüpft
sind und auch eine Auswahl für Sport-
ler bereit gestellt. Wählen Sie das
Adjektiv, das ihre (Schlag-)Bewegung
am besten positiv beschreibt. Mögli-
che Begriffe sind:
a trnwgl|.
BALLHOPPER BRUTE
Trai nerpreise erfragen
unter 0178-8178804 oder
WWW.GAMMA.EUROPE.COM
Tabelle 3: Marshall B. Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation. 9. überarbeitete
und erweiterte Neuauflage. funfermann, Paderborn 2010. Auswahl
Io
Gewaltfreie Kommunikation: mögliche Schlüsselwörter (Auswahl)
a ktiv a ngenehm a uf merksa m ausgelassen bege i ste rt ausgeglichen mutig
behaglich belebt beru h igt gelassen bes in n lic h zuversichtlich wach
beständig bewegt beza u bert dyna m isch eifrig inspiriert beweglich
fa nta st i sch u n besorgt vergnügt zufrieden stabil f risc h freud ig
gelöst gem ütl ich gut hellwach
hingeris-
sen
wach zuversich tl icl
19 | 1_2018
UNLEASH . '"EHAMPIT]N.
NEUES DESIGN
§taäile Räder mit
schwenkbarem Lager
Wichtig ist es, dass ich mir zu dem gewählten
Schlüsselwort ein ,,Bild mache". Wenn es zu dieser
bildlichen Vorstellung ein Foto gibt, dann kann ich
dieses ausdrucken, so dass ich es während des Trai-
nings und im Wettkampf immer in der Sporttasche
dabei habe. Tennisspielerin Lea (Leistungstennis-
spielerin, 15 Jahre) hat sich im Training zum Beispiel
das Wort ,,schön" ausgesucht und trägt während
Training und Wettkampf ein Foto vom Garten ihrer
Großmutter mit sich, den sie als Schlüsselwort für
eine ganzheitliche Vorstellung ihrer Schlagbewe-
gung nimmt.
Trainer
;
I
I
Count hackwards
Trainingsziel Training von Trick the mind-Strategien
Aufgabe: Spiele Ballwechsel mit Deinem Partner und zähle
dabei Deine Schläge von drei rückwärts
Varianten: Singe, während Du mit Deinem Partner Ball-
wechsei spielst, Dein Lieblingslied vor Dich hin.
,,Bounce - Hit'
Trainingsziel Training von Trick the mind-Strategien
Aufgabe: Spiel mit Deinem Partner Ballrvechsel. Wenn der
Ball vor Dir aufspringt, sagst Du laut,,bounce", wenn Du den
Ball schlägst 1aut,,hit".
Varianten:
. Statt bounce und hit rufst du Ham und Sa, das klingt wie
das Geräusch des Atmens und ist damit auch ein ideales
Mantra für das Tennisspiel
. Übernimm das auch für die Bälle auf der Seite Deines
Partners
Siebzehn + vier
TrainingszieL Training exekutiver Funktionen
Aufgabe: A, B, C, D spielen paarweise im Kleinfeld gall-
wechsel von der T-Linie. Coach spielt nälle ein. Beide Paare
spielen zuerst longline. Coach gibt Rechenaufgaben vor.
Ergeben sich gerade Zahlen, wird longline weitergespielt,
bei ungeraden wird cross weitergespielt.
Varianten:
. Spiel von der Grundlinie, je nach Ergebnis wird die Spiel-
richtung geändert
. Coach ruft Tiernamen, aus bestimmten Eigenschaften des
Tieres ergibt sich die Aufgabe (Zweibeiner longline, vier-
beiner cross,...),
. Coach sagt Namen, kommt in dem Namen ein,,e" vor wird
longline gespielt, kein ,,e", dann cross
. In den Spielfeldern liegen in Grundliniennähe jeweils zwei
Farbpunkte @elb und grün). Coach ruft die jeweils anzu-
spielende Farbe auf.
. Anzuspielende Zielfarbe ergibt sich aus zusätzlicher Aufgabe
Ampel
Trainingszie[ Training exekutiver Funktionen
Aufgabe: Hinter Spieler A iiegen drei Farbpunkte. Spieler
B ruft laut eine der Ampelfarben. A muss sofort mit seinem
Schläger den entsprechenden Farbpunkt berühren. Sobald
B die Farbe ruft, spielt der Coach den Ball auf B an. A und B
spielen den Punkt aus. Ist der Punkt ausgespielt und hat sich
A wieder in der Grundstellung aufgestellt, ruft B wieder laut
eine Farbe auf.
Varianten:
. Coach ruft Farbe auf
. B startet an einem fest gelegten Punkt (zum Beispiel an der
Einzellinie in seiner Rückhandecke)
. Statt Farben werden Nummern aufgerufen (zum Beispiel
1=rs1, l=grün, 3=gelb)
. B kann wählen, ob er die Nummer oder die Farbe ruft
. Statt Nummern oder Farben werden Gegenstände mit
der entsprechenden Farbe gerufen (etwa ,,Banane"=gelb,
,,Gras " = grün,,,Het z" =r ot)
. Hinter B werden ebenfalls Farbpunkte ausgelegt. Coach
ruft Farbe und spielt Ball ein, beide Spieler müssen Farb-
punkt berühren
. Coach wechselt Standort beim Anspiel
Mach den Punkt
Trainingsziel: Training/Spielform unter Zeitdruck
Aufgabe: Schließe den Ballwechsel innerhalb von drei
(vier) Schlägen ab.
Varianten:
. Anspiel durch den Coach
. mit Aufschlag
Nichts geht verloren
Trainingsziel Training/Spielform unter Belastungsdruck
Aufgabe: Spiele mit Deinem Partner ein reguläres Matcl
Am Ende des Spiels behält der Verlierer seine gewonnene
Punkte und startet mit diesem Vorsprung in das nächs1
Spiel. Wenn der Aufschläger A also sein Spiel bei 40:30 fi
sich entscheidet, beginnt B das nächste Spiel mit 30:0.
,,Zähl mit"
Trainingsziel: Training/Spielforrn unter Präzisionsdruck
Aufgabe: Spiele mit Deinem Partner zum Beispiel Vorhan
cross und zähle mit, wie oft ihr den Ball ohne Fehler in dr
halbe Einzelfeld spielen könnt. Landet der Ball nicht ir
Zielfeld, beginnt ihr konsequent u,ieder von vorne zu zähler
Variantenr
. Beide Spieler zählen laut die Zielfeldtreffer mit
. Zielfelder verändern: Ball zu,ischen T-Linie und Grundl
nie spielen; Ball in eir-ren Streifen von einem Meter vor dt
Grundlinie spielen
. Nach Erreichen der Treffervorgabe (Spieler geben abwecl
selnd eine zu erreichende Trefferzahl zwischen 1 und 1
an) rvird der Punkt in den Zielfeldern oder im komplette
Feld ausgespielt
Card Game "''tffi
TrainingszieL Training/Spielform unter Zeitdruck l§ä
Aufgabe Jeder Spieler hat vercieckt und gut gemischt
auf einem Stapel die Kaften einer Farbe (Pik, Kreuz, Her
Karo) aus einem Skatblatt (7, 8, 9, 10, Bube, Dame, König, As
Beide Spieler drehen die oberste Kafte ihres Stapels um, ohr
den Partner in die ,,Karten sehen zu 1assen". Die Wertigke
der Karte gibt an, u.ieviele Punkte der Spieler braucht, ur
das Match zu gewinnen (Bube=zwei, Dame=drei, König=vis
es=elD. Sobald der Spieler den für ihn erforderiichen Spie
stand erreicht hat ruft er: ,,Gewonnen". Dann ziehen beic
Spieler die nächste Karte und das Match beginnt von vorne
Varianten:
. Anspiel durch Coach
. mit Aufschlag und Zähiweise u,ie im Tiebreak
. in veränderten Spielfeldern spielen (Zonen)
Hoch und runter
Trainingszieft Training/Spielform unter Zeit- und Belar
tungsdruck
Aufgabe: Gespielt werden zwei Sätze bis zehn, Anspiel vo
der Grundlinie, Wechsel des Anspiels nach zwei Punkter
Nach dem ersten Satz wird der zweite Satz vom Endstan
rückwärts gezählt. Wer im zweiten Satz zuerst bei nuIl is
hat den zweiten gewonnen.
Varianten:
. Anspiel durch Coach (wechselnd oder Wechsel nach Sat:
. Mit Aufschlag (Tiebreak Zählweise)
Tennis§port | 1*2018 | 2l
Drucksimulation im
lrc lac loe
Trainingszieh Training unter Zeit-, Organisations- und
Komplexitätsdrr-rck
Aufgabe: Neben dem Spielfeld ist ein Tic-Tac-Toe-Feld auf-
gezeichnet (im Sand, aufeinem Blatt Papier). Spiel um Punk-
te. Der Spieler, der zuerst drei Punkte hat, kann sein Zeichen
(b1aur oder gelber Markierungsteller) ins Tic Tac Toe-Feld
setzen. Dann beginnt er wieder bei null. Der Spieler, der
zuerst drei Zeichen in einer Reihe gesetzt hat ist Sieger.
Varianten:
. Der Verlierer eines Matches behält seine Punkte (Ergebnis
3:2, dann weiter bei Spielstand 0:2)
. Anspiel aus der Hand
. Anspiel durch Coach
. Mit Aufschlag
Spielstand
TrainingszieL Training unter Zeit- und Organisationsdruck
Aufgabe: Spiel um Pr-rnkte. Gespielt werden zwei Sätze bis
21. In jedem Satz schlägt immer der gleiche Spieler auf. Der
erste Ballwechsel zählt einen Punkt, zweiter und dritter
Ballwechsel zählen jeweils zwei Punkte, vierter und fünfter
Ballwechsei jeweils drei, sechster und siebter Ballwechsel
jeweils vier, achter und neunter Ballwechsel jeweils fünf
Punkte, der zehnte Ballwechsel zfilt sechs Punkte.
Countdown
Trainingsziel Training u nter Zeit- und Komplexitätsdruck
Aufgabe: Spiel um Punkte. A beginnt mit Aufschlag und
hat inklusive Aufschlag sieben Schläge, um den Punkt zu
machen. Gewinnt er den Ballwechsel so, danir hat er beim
nächsten Punkt nur noch sechs Schläge zur Verfügung.
Verliert er den Ballwechsel, schlägt B auf und beginnt mit
sieben Schlägen für den Punkt. Wer zuerst sieben Punkte
hat, ist Sieger.
Varianten:
. Aufschläge zählen als ein Schlag
. 1. und 2. Aufschlag zählen als eigenständige Schläge
Störung
Trainingsziel: Training unter Beiastungs- und Variabilitäts-
druck
Aufgabe: Spiele Matches unter u'idrigen Bedingungen: bei
starkem Wind, auf unterschiedlichen Belägen, mit Störein-
flüssen durch Zuschauer, bei schlechtem Licht, neben einer
Bahnstrecke, mit alten Bällen, wechselnde Sparringspart-
nern etc.
Variation:
. Hinter den Spielern A und B liegen am Zaun verschiedene
Tennisschläger. Nacl-r einer bestimmten Punktzahl muss
der Schläger gewechselt werden
. Nur A wechselt den Schläger
. Zählweise ändern
. ,,Störung" mit anderen Aufgaben kombinieren
Zum Autor
Frercks Hartwig hat Sport und Pädago-
gik in Freiburg und Tübingen studiert.
Er leitet im Raum Horb am Neckar die
Tennisschule TMS. Hartwig ist Referent
in der Traineraus- und -weiterbildung im
Württembergischen Tennis-Bund (WTB),
im Bayerischen Tennis-Verband (BTV)
und in der Ballschule Heidelberg.
Literatur (Auswahl)
Beilock, S.: Choke. What the secrets of
the brain reveal about getting it right
when you have to. New York 2010
Crespo, M., Reid, M. Quinn, A.: Tennis
Psychology. 200 + practical drills and
the latest research. lTF, London 2006
Gallwey, T.: The lnner Game of Tennis.
Die Kunst der entspannten Konzentrati-
on. New York1974
Hartwig, F.: lnternetblog
https://www.i n nercoaching-blog.de
Menci nger, T.: I nternetbl og https:l I
www.feelten nis.net/
Renshaw, 1., Davids, K., Saverlsberg,
G.; Motor learning in practice. A cons-
traints-led approach. New York 2010
Rosenberg, M.: Gewaltfreie Kommuni-
kation. 9. überarbeitete und erweiterte
Neuauflage. Paderborn 2010
Roth, K., Kröger, C., Haag, H., Mem-
mert, D.: Ballschule Rückschlagspiele.
Schorndorf 2015
Schöllhorn, W., Humpert, V., Oelenberg,
M., Michelbrink, M. und Beckmann, H.:
Differenzielles und mentales Training
im Tennis. Leistungssport 38, 2008, 5.
10-14
Schöllhorn. W., Hegen, P., Eekhoff,
A.: Differenzielles Lernen und andere
motorische Lerntheorien. Spectrum der
Wissenschaf t,2074,2, S. 35-55
* Auch wenn immer die weibliche wie die
männliche Form gemeint ist, wird der bes-
seren Lesbarkeit wegen im Artikel nur die
männliche Form verwendet.
21 I 1_2018

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Gegen die Angst zu versagen

  • 1. o @ E -E ö o I s gibt zahlreiche Beispiele von Profisportlerin, die in ent- scheidenden Momenten ihrer Sportlerlaufbahn versagt haben. Immer wieder stoße ich zum Beispiel auf das Wimbledonfinale aus dem Jahr 1993, bei dem Steffi Graf als Siege- rin vom Platz ging. Dieses wird vor allem wegen der dramatischen Wen- dung des Spiels im dritten Satz und des Scheiterns der Finalistin Jana Novotna regelmäßig von Sportwissen- schaftlern neu herausgekramt. Knapp ein Vierteljahrhundert lang wurde die im vergangenen Jahr mit 49 Jahren an Krebs verstorbene Tennisspielerin immer wieder daran erinnert, wie sie nach einer 4:l-Führung im dritten Satz die einfachsten Bälle verschlug und ansonsten Steffi Graf den Ball als Vor- lage zum Winner servierte. Am Ende verlor Novotna 4:6 und lag bei der Sie- gerehrung weinend in den Armen der ebenfalls mit den Tränen kämpfenden Duchesse von Kent. r.s | 1_2018 Die meisten Tennisspieler, unab- hängig von der Spielklasse, kennen solche Phänomene. Das Versagen in Drucksituationen, wenn plötzlich die so berüchtigte,,Vorhandlähmung"' auf- tritt oder das bis zu diesem Zeitpunkt so erfolgreiche Spiel plötzlich völlig kippt. Oder wenn Anderungen der Rah- menbedingrrngen wie der Wechsel vom Freiplatz in die Halle wegen Regens einen völlig aus dem Konzept bringt. Psychologen nennen das Phänomen ,,choking under pressure", also: Versa- gen unter Druck. So mancher erinnert sich vieileicht an das DFB-Pokalhalb- finale von 2015. Da rutschte der Münch- ner Philipp Lahm im Elfmeterschie- ßen auf gut bespielbarem Boden aus und schoss den Strafstoß weit neben das Tor. Der nächste Bayern-Elfer, geschossen von Xabi Alonso, war ein fast identisches Abbild des Lahmschen E1fers. Dortmund wurde später Pokal- sieger. Studien haben gezeigt, dass es gerade die geübten Elfmeterschützen sind, die häufiger in solchen Drucksitu- ationen scheitern. Der Golfspieier, der beim Putten kläglich versag, obwohl er den Titel des 2009 Masters direkt vor Augen hat (Kenny Perry), der Basket- baller der nicht mehr trifft, und so wei- ter - es gibt unendlich viele Beispiele des Scheiterns unter Druck. Linke Gehirnhälfte ist unter Druck aktiver Bei Golfspielern, die unter Druck versagen, haben Forscher per Elek- troenzephalografie (EEG) untersucht, was sich in deren Gehirnen abspielt. Ergebnis: Die linke Gehirnhälfte ist unter Druck viel aktiver als die rechte - ein deutliches Zeichen daftir, dass das Gehirn die Situation analysiert. Der ,,präfrontale Kortex", und dabei ein großer Teil des Frontallappens, steu- ern die Bewegungen und regulieren die kognitiven Prozesse. Wenn der prä- frontale Kortex aktiv ist, spricht das Ob B;eilensportler oder Profi- spieler: Wer unter Druck gerät oder sich unter Druck setzt, neigt dazu, Fehler zu machen. D6ch eirtibt einige Strategien, um Yersegensängste zu ndn&migi€n, Auch lässt sichip: Drucksitualione n t ra i n iere§, ist u,nser, Autor Frercks :: Hartwig,ü r i:i §,:* iä ri" , :: l:_ ,-1i Gegen d versagen
  • 2. ü I Bedingungen und Folgen des Versagens unter Druck Wahrnehmung der Umgebungs- anforderungen durch den Spieler L. psychischer Druck 2. physischer Druck Beeinträchtigungen der Performance 1. unkontrollierte Schläge 2. Zusammenbruch von Timing und Koordination 3. Beschäftigung mit irrelevanten Hinweisen 4. Muskelverspannung und Verlet- zu ngsa nfä lligkeit Tabelle 1, nach Miguel Crespo, Machar Reid und Ann Quinn. Tennis Psychology, London 2005. Bedingungen, die zum Choking führen I TRATNINGSPRAXIS dafür, dass die Handlung und der Bewe- gungsablauf bewusst verarbeitet wer- den.,,Dieser neurobiologische Befund erklärt sehr gut schon länger bekannte Beobachtungen", sagt Sportpsychologe Jürgen Beckmann von der TU Mün- chen. Die bewusste Aufmerksamkeit wird auf die Bewegung gelenkt. Das, was der Sportler bislang automatisch ausgeführt hat, will er unter Stress ganz besonders gut machen. Er denkt über die Technik nach - und das geht schief." Einfach formuliert hat das der auch schon verstorbene US-amerika- nische Baseballcoach Yogi Berra: ,,Wie willst Du nachdenken und gleichzeitig den Ball schlagen?" Choking under pressure: zuviel Denken schadet Hopplal Zuviel Denken, ein Eingreifen des Frontallappens, hier in der Regel des ,,präfrontalen Kortex", in unser- Gehirn scheint die Kreativität und den Zugriff auf automatisierte Bewegungs- muster sowie auf Bewegungstransfer- seinzuschränken.,,Wir bringen gute Golfer in unser Labor, wir sagen ihnen, sie sollen sich auf einen bestimmten Teil ihres Schwungs konzentrieren und sie vermasseln den Schlag. Wenn du auf einem hohen Niveau sPielst, sind deine Schläge automatisiert. Du musst nicht mehr bei jedem Schritt darauf achten, was du machst", kons- tatiert Sian Beilock, Psychologieprofes- sorin an der Universität von Chicago. Was tun, wenn wir nachdenken, statt uns auf uns Körpergefühl und unsere ,,Intuition" zu verlassen? Beilock hat in ihrem Buch ,,Choke - What the secrets of the brain reveal about get- ting it right when you have to" (New York 2010) das choking under pres- sure-Phänomen beschrieben. Sie rät dazu, in solchen Drucksituationen an etwas anderes zu denken und Abstand von der ,,Denkaufgabe" zu gewinnen. Aber auch zu wenig Denken kann zu Versagen fähren, und zwar bei Auf- gaben wie dem Lösen von mathema- tischen Problemen oder schwierigen beziehungsweise neuen taktischen Aufgaben im Sport. Dafür wiederum benötigen wir das Arbeitsgedächtnis im präfrontalen Kortex. Es entsteht also unter Druck ein ,,Chaos im Fron- tallappen". Das Gehirn wechselt vom ,,impliziten Modus", in dem die abge- speicherten Lösungstrategien und Bewegungslösungen einfach so abge- rufen werden können, in den ,,explizi- ten Modus", und ich fange an über die ,,richtige Technik" nachzudenken. Sportwissenschaftler Wolfgang Schöllhorn hat auf einen spannenden Zusammenhang zwischen der Konzen- tration auf die eigene Körperwahrneh- mung und dem ,,Choking under pres- sure"-Phänomen hingewiesen: Wenn der Frontallappen aktiv ist, wenn ich über meine Bewegungen nachden- ke, ist nicht nur der Zugang zu den automatisierten Bewegungsabläufen blockiert, sondern die Bewegung wird auch noch langsamer! Der slowenische Tenniscoach Tomaz Mencinger stellt in seinem Internetblog schön grafisch dar, wie das (explizite) Nachdenken über die technische Ausführung einer Bewegung im Tennis zu einer minima- len, aber in der Konsequenz möglicher- weise gravierenden Einschränkung der koordinativen Fähigkeiten führt. Der Schlag kann nicht mehr wie aus dem Training gewohnt ausgeführt werden und ,,geht daneben". Strategien gegen das Versagen unter Druck Welche Strategien gibt es nun für den ,,Trainingsweltmeister", der im Match nicht seine Expertise abrufen kann? Gibt es verallgemeinerbare Trainings- ansätze, die die Individualität jedes Spielers beräcksichtigen, aber mög- lichst viele Athleten bei der Bewälti- gung des Drucks im Wettkampf unter- stützen? Das übliche Rezept gegen das Versagen, noch härter trainieren und die Situation ernster nehmen, verschlimmert in den meisten Fäl- len die Probleme nur. Miguel Cres- po und Machar Reid haben in dem empfehlenswerten ITF Lehrbuch ,,Tennis Psychology - 2OO+ practice drills and the latest research" (Lon- don 2006) die Vorgänge im ,,Choking- Prozess" dargestellt: Aufmerksamkeits- veränderungen f. innerer Fokus 2. verengter Fokus 3. reduzierte Fokusflexi bilität o d ,E o L o o G Bedingungen, die zum Choking führen (psychologische und physische Anforderungen durch die Umgebung) 1. ,,Big match" 2. kritischer Punkt 3. Beobachtung durch Trainer, Freunde und Eltern Physische Veränderungen 1. erhöhte Muskel- span nu ng 2. erhöhte Atemfrequenz 3. rasender Herzschlag TennisSportll-2018 l1
  • 3. o 6! s 6 o .E E o r ö r Die psychologischen Folgen expliziten Lernens Aus wissenschaftlicher Sicht kann es fiir den Umgang mit Druck einen Unterschied machen, ob wir im Trai- ning mit expliziten Anleitungen Tech- nik ,,lehren" oder ob wir über implizi- te Aufgabenstellungen eine passende Technik mit den Spielern entwickeln. Zum impliziten Le rnen, zum differenti - ellen Lernen und zum constraints-led- approach, in dem Rahmenbedingungen wie Zeit, Regeln, Material, Spielfelder, Umgebung, soziale Einflüsse ständig variiert und verändert werden, um Ler- nen durch Variation zu ermöglichen, sind in dieser Zeitschrift in den ver- gangenen Ausgaben bereits zahlreiche Artikel erschienen. Es scheint einige Hinweise zu geben, die aus psycholo- gischer Sicht für diese implizite Vorge- hensweise sprechen. In der expliziten Lehrmethodik lernt der Spieler eine aus der Sicht des Coaches r,rnd in Lehrbüchern vor- gegebene Schlagausführung, die mit bestimmten Abfolgen verbunden ist (Ar"rsholbewegLrng, Schlagbewegung, Ausschwung, Bewegung zum 8a11,...). Hierbei gibt es offenere und engere Aus- legungen durch den explizit arbeiten- den Coach. Eine vorgegebene Schlag- ausführung vermittelt dem Spieler den Eindruck, dass die technische Ausfüh- rung eines Schlages grundsätzlich der Bewertung durch den Coach, später durch den Spieler seibst unterliegt und eine,,richtigfalsch"-Einordnung erfor- derlich ist. Im Umkehrschluss führt rung nicht explizit beschreiben kön- nen. Das dürfte sich in vielen Fällen als Vorteil im Wettkampf auswirken. Alle in diesem Artikel beschriebenen Spiel- formen zum psychologischen Training sind deshalb auch implizit. Der Ler- neffekt ergibt sich aus der jeweiligen Übung oder Spielform und muss nicht vom Coach explizit beschrieben wer- den. Das schließt natürlich nicht das Feedback und das Gespräch mit dem Coach über die Wirkungen der Spiel- form aus. Erfolgreicher Top-Coach der ATP- & WTA Tennisprofis & hervorragender Fitness-Experte macht eine schöpferische Pro-Tour-Teilpause & schreibt das Buch über seine einmaligen Trainingsmethoden. Er sucht ein eher kleineres,,verschla- fenes" TC mit entw. keinem, o. sehr eingeschränkten Winterbetrieb f ür jew. immer Sommer-Saison. Er gibt gerne dem TC sein professionelles Know How zum stetigen Aufbau der Mannschaften, TC-Geschehnisse, Qualität...ohne Stress eines Bundesligaclubs. Vorzugsweise liegt der TC idyllisch am Waldrand, o. nahe eines Sees... Coach bittet den Vorstand um Hilfe bei der Suche nach einer,,meditativen" Unterkunft (Holzhäuschen, Glasveranda, o.ä.). Entgegenkommend der Club- verhältnissen fügt sich der Coach weitestgehend in geltende Preisgefüge & als Ausgleich bekäme er die Möglichkeit vor- mittags den PIatz gelegentlich für seiner Profispieler zu nutzen. Er gibt gerne Abendvorträge, Videoabende & besonders Vollspektrum des Fitnesstrainings für Spieler, u/o auch für nicht tennispielende Eltern & bringt sich gerne ins Clubleben ein. ln Wintermonaten geht er auf Profitour. N.B. arbeitet er Wintertrainingspläne- & Trg. aus. Bildet ggf. einen übungs- leiter aus. Möglicher Beginn ab Mitte April 2018. Vorzugsweise BY, BW, Sachsen, HE Bitte, max. konkrete Bewerbungen mit Std.-Bedarf, Schwerpunkt-Wünschen, Honorarangebot, Lageinfos u.ä. Coach lebt s e i t e i n i ge n J a h r e n "' T H"#J"# ff ::in;ll'J;l iT,i;Iil;Li x-i"ä- r rwe b. d e o dieser Ansatz, bei Erfolglo:i*k"ir.:lTr lmplizierte Vorgehensweise im Schlages im Training und im Wett- ---1 kampf, zur schlussfok";;s;'äJ ;; Trainingstärker berücksichtigen ,,Feh1er" in einer falschen Technikaus- führung liegen muss. Die explizite Lehrmethode kann so zu einer Verun- sicherung des Spielers unter Druck füh- ren oder diese zumindest verstärken. Ein Phänomen des impliziten Ler- nens ist dagegen, dass Spieler, die so ihre Technik entwickelt haben, ihre Schlag- technik oder ihre Bewegungsausfüh- Wenn das konsequente Entwickeln und das Training von Schlagtechni- ken und des taktischen Handelns unter den Gesichtspunkten einer non-line- aren, impliziten Vorgehensweise die choking-under-pressure-Phänomene reduzieren, sollte es als Grundlage des motorischen Lernens im Training von Anbeginn stärker beräcksichtigt wer- 17 | 1_2018 - ;,, *a ACHTUNG TCS &TC-VORSTANDE -ATTRAKTIVE GELEGENHEIT IUNGEWÖHNLICHE CHANCE !
  • 4. I TRATNTNGSPRAXTS den. Dies wäre dann ein weiterer posi- tiver Effekt des Umdenkens von einem technikorientierten,,methodischen Traditionalismus" zu einem systemi- schen, sich stärker an der individuellen Selbstorganisationsfähigkeit der Spie- Ier orientierenden Trainings. Beilock hat zur Bewältigung des choking-under-pressure-Phänomens in Prüfungssituationen zahlreiche Tipps zusammengestellt, die wir auf die Emotionen von Sportlern im Wett- kampf übertragen können. Dabei emp- fiehlt sie unter anderem: ) Trainiere unter Druck Gönne dem Nachdenken und dem Gefühl des Versagens eine Pause und denke an etwas Anderes Beschäftige Dich im Vorfeld mit Deinen Stärken (positiv denken) Mache Dir bewusst, dass Du mehr bist als das, was die anstehende Aufgabe von Dir verlangt (,,Das Leben geht weiter") Setze Deine Emotionen in einen anderen Zusammenhang (Herzra- sen und Schweißausbrüche hast Du nicht nur im Wettkampf, son- dern vielleicht auch beim ersten Date) Tipp 1: Trainiere unter Druck! Es geht darum, im Training stressrei- che Bedingungen herzustellen und so Wettkampfdruck zu simulieren. Klaus Roth und andere haben in den Büchern der Ballschule Heidelberg zusammen- gefasst, welche Formen von Druck in den Ballsportarten zu erkennen sind (Tabelle 2). Die Bewältigung dieser Koordinationsbausteine, die häufig in kombinierter Form auftreten, ist eine Voraussetzung, um technische und taktische Situationen zu bewäl- tigen. So lassen sich Anforderungen in den einzelnen Bausteinen isoliert als auch kombiniert im Training erhö- hen. Indem die Größe von Zielflächen in Spielsituationen verändert werden, lässt sich zum Beispiel der Präzisions- druck erhöhen. Gleichzeitig kann der Komplexitätsdruck durch den Einbau von zusätzlichen Bewegungsaufgaben (nach jedem Schlag eine bestimmte Bewegungsaufgabe durchführen) zusätzlich gesteigert werden. So lassen sich in ständiger Abklärung mit den Spielern wettkampfnahe Situationen unter Stress und Druck konstruieren und simulieren. Einige Beispiele für entsprechende Spiel- und Übungsfor- men finden Sie im Anschluss an diesen Beitrag. Koordinations- baustein Definition Zeitdruck Zeitminimierung oder Geschwi ndigkeitsmin i- mierung Präzisions- d ruck Höchstmögliche Gena uigkeit Komplexitäts- druck Bewältigung vieler hintereinander ge- schalteter (sukzessi- ver) Anforderungen Organisations- d ruck Bewältigung vieler gleichzeitiger (simulta- ner) Anforderungen Variabilitäts- druck Bewältigung von Anforderungen unter wechselnden Umge- bungs- und Situations- bedi ngungen Bel astu ngs- druck Bewältigung von Anforderungen unter physisch-konditionel- len und psychischen Be la stu ngsbed i ngu n- gen Tabelle 2, nach: Klaus Roth, Christian Krüger, Daniel Memmert. Ballschule Rückschlagspiele, Schorndorf 2002 Tipp 2: Lass den Frontallappen pausieren! Timothy Gallwey, US-amerikanischer Sportpädagoge, hat sich schon in den 1970-Jahren mit ungewöhnlichen Methoden zum psychologischen Trai- ning beschäftigt. fn seinem Bestseller ,,Inner Game of Tennis" beschreibt er, wie es möglich ist, den inneren Selbstzweifel zu minimieren und durch Ablenkung in einen Zustand zu kommen, der es Spielern ermöglicht, das Nachdenken über die Bewegung auszuschalten. Dadurrch haben Spie- ler einen schnelleren und kreativeren Zugriff auf die Lösung von Problemen und auf unbewusste und abgespeicher- te Lösungsstrategien. Gallweys Ideen wurden mittlerweile durch zahlrei- che Studien bestätigt und viele seiner sogenannten ,,Trick the mind" Drills gehören zum Übungsrepertoire des modernen Trainers. Eine der bekann testen Übungen ist die sogenannt, 1-2- oder ,,Bounce-Hit"-Übung, bei de sich Spieler auf den Aufsprung unr den Treffpunkt des Balles konzentrie ren. Diese Fokussierung auf Spielbe standteile, die nur indirekt etvvas mi einer,,richtigen Technik" zu tun haber: lenkt vom Nachdenken über die Tech nik ab und vermittelt ein Gefühl fü Rhythmus und Timing. Solche ,,Tric1 the mind"-Übungen müssen trainier werden. Nur bei Vertrauen der Spiele in diese,,Ablenkungsstrategien" eigner sie sich auch als Strategien gegen da Versagen im Wettkampf.. Strategien Eegen das Versagen im Wettkampf Sportpsychologe Beckmann überlegtr sich eine einfache Methode, um da Gehirn der gestressten Spieler zu über listen. Seine Idee: die recl-rte Gehirn hälfte aktivieren, um die linke zr dämpfen. Als Aktivator wählte er dir linke Hand. Sie schickt ihre gesamtr Information in die rechte Hirnhälfte Beckmann ließ die Sportler vor der kri tischen Situation einen kleinen Ball mi der linken Hand dräcken. Die Autorer der Studie gehen davon aus, dass mi der Aktivierung der rechten Gehirn hälfte bei Sportlern das ,,Nachdenker über die Technik" in Angst- und Stres situationen, dass vor allem in der linker Gehirnhälfte abläuft, gedämpft wird Die ersten Erfahrungen mit Golferr r"rnd Läufern bestätigen diese Hypothe se. Ihre Leistungen unter Druck verbes serten sich. Ob allerdings die neurobio logische Erklärurng richtig ist, wisser die Sportpsychologen nicht. In ihrer Kontrollexperimenten stellten sie fest dass das Balldrücken seltsamerweis, auch die Lernfähigkeit verbesserte. Diese Strategie lässt sich zum Bei spiel bei der Vorbereitung auf der Return realisieren. Die Aufgabe fiir der Rechtshänder könnte so aussehen, das er kurz vor dem Aufschlag des Geg ners die linke Hand zur Faust ballr Oder dass der Ar"rfschläger vor der Aufschlag die gleiche Strategie anwen det. Das hört sich an wie eine klassisch ,,Trick the mind"-Übung. Tipp 3: Schule Deine Entscheidungsfähigkeit! Druck im Wettkampf beeinträchtip die Entscheidungsfähigkeit. Arbeitsge dächtnis, Inhibition (Hemmung un Impulskontrolle) sowie die kognitiv Flexibilität leiden unter dem Stres: und die Spieler können nur bedingt au TennisSport I 1*2018 | 1l i §
  • 5. sie zurückgreifen. Die Beachtung die- ser sogenannten exekutiven Funktionen (EF) für das Lernen, aber auch als Vor- aussetzung fur die Entscheidungsfähig- keit (decision making) und Kreativität im Sport hat deutlich zugenommen. In Baden-Württemberg sind sie mittier- weile in den Lehrplänen der Schulen zu finden. Laura Walk, Sportwissenschaft- lerin und Mitarbeiterin am Transfer- zentrum für Neurowissenschaften an der Uni Ulm (FEX - Förderung exe- kutiver Funktionen, Saale 2013) stellt fest, dass das Training der EF im Spoft die Verarbeitung und Steuerung von Denkprozessen und die Emotionsregu- lierung erleichtert. Dadurch verbessern sich Konzentration, Aufmerksamkeit und Stressverarbeitung. Im Tennis sind die Spieler gefordert, nicht nur ihr eige- nes Bewegungsverhalten, sondern auch das der Spielpartner zu berücksichtigen, verschiedene Lösungswege abzuwägen, Impulse zurückzuhalten und störende Einflüsse auszublenden. Somit können Spiel- und Übungsforrnen, in denen gezielt die EF trainiert werden, einen wichtigen Einfluss auf das Wettkampf- verhalten und den Umgang mit Druck haben, Tipp 4: Sei nett zu Dir! Sportpsychologen stellen fest, dass es im Wettkampf häufig zu einem selbst- boykott der eigenen Leistung durch verinnerlichte Vorurteile kommt. Wenn es irn Spiel nicht so läuft wie erhofft oder erwartet, dann greifen Spieler schnell in die unterste Schub- lade der Selbstbeschreibung. ,,Ich bin einfach zu blöd zum Tennis spielen" ist da manchmal noch harmlos. Ste- reotype und negative gesellschaftli- che oder persönliche Selbstzuschrei- bungen wie ,,Frauen können eh nicht Einparken" oder,,Afro-Amerikaner können vonGeburt höher springen als Weiße" können eine negative Heran- gehensweise in kritischen Spielsitu- ationen verstärken. Marshall Rosen- berg, Autor des Buches ,,Gewaltfreie Kommunikation", hat in seinen Ver- öffentlichungen zur GfK eine Liste von Worten zusammengestellt, die mit positiven Assoziationen verknüpft sind und auch eine Auswahl für Sport- ler bereit gestellt. Wählen Sie das Adjektiv, das ihre (Schlag-)Bewegung am besten positiv beschreibt. Mögli- che Begriffe sind: a trnwgl|. BALLHOPPER BRUTE Trai nerpreise erfragen unter 0178-8178804 oder WWW.GAMMA.EUROPE.COM Tabelle 3: Marshall B. Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation. 9. überarbeitete und erweiterte Neuauflage. funfermann, Paderborn 2010. Auswahl Io Gewaltfreie Kommunikation: mögliche Schlüsselwörter (Auswahl) a ktiv a ngenehm a uf merksa m ausgelassen bege i ste rt ausgeglichen mutig behaglich belebt beru h igt gelassen bes in n lic h zuversichtlich wach beständig bewegt beza u bert dyna m isch eifrig inspiriert beweglich fa nta st i sch u n besorgt vergnügt zufrieden stabil f risc h freud ig gelöst gem ütl ich gut hellwach hingeris- sen wach zuversich tl icl 19 | 1_2018 UNLEASH . '"EHAMPIT]N. NEUES DESIGN §taäile Räder mit schwenkbarem Lager Wichtig ist es, dass ich mir zu dem gewählten Schlüsselwort ein ,,Bild mache". Wenn es zu dieser bildlichen Vorstellung ein Foto gibt, dann kann ich dieses ausdrucken, so dass ich es während des Trai- nings und im Wettkampf immer in der Sporttasche dabei habe. Tennisspielerin Lea (Leistungstennis- spielerin, 15 Jahre) hat sich im Training zum Beispiel das Wort ,,schön" ausgesucht und trägt während Training und Wettkampf ein Foto vom Garten ihrer Großmutter mit sich, den sie als Schlüsselwort für eine ganzheitliche Vorstellung ihrer Schlagbewe- gung nimmt. Trainer
  • 6. ; I I Count hackwards Trainingsziel Training von Trick the mind-Strategien Aufgabe: Spiele Ballwechsel mit Deinem Partner und zähle dabei Deine Schläge von drei rückwärts Varianten: Singe, während Du mit Deinem Partner Ball- wechsei spielst, Dein Lieblingslied vor Dich hin. ,,Bounce - Hit' Trainingsziel Training von Trick the mind-Strategien Aufgabe: Spiel mit Deinem Partner Ballrvechsel. Wenn der Ball vor Dir aufspringt, sagst Du laut,,bounce", wenn Du den Ball schlägst 1aut,,hit". Varianten: . Statt bounce und hit rufst du Ham und Sa, das klingt wie das Geräusch des Atmens und ist damit auch ein ideales Mantra für das Tennisspiel . Übernimm das auch für die Bälle auf der Seite Deines Partners Siebzehn + vier TrainingszieL Training exekutiver Funktionen Aufgabe: A, B, C, D spielen paarweise im Kleinfeld gall- wechsel von der T-Linie. Coach spielt nälle ein. Beide Paare spielen zuerst longline. Coach gibt Rechenaufgaben vor. Ergeben sich gerade Zahlen, wird longline weitergespielt, bei ungeraden wird cross weitergespielt. Varianten: . Spiel von der Grundlinie, je nach Ergebnis wird die Spiel- richtung geändert . Coach ruft Tiernamen, aus bestimmten Eigenschaften des Tieres ergibt sich die Aufgabe (Zweibeiner longline, vier- beiner cross,...), . Coach sagt Namen, kommt in dem Namen ein,,e" vor wird longline gespielt, kein ,,e", dann cross . In den Spielfeldern liegen in Grundliniennähe jeweils zwei Farbpunkte @elb und grün). Coach ruft die jeweils anzu- spielende Farbe auf. . Anzuspielende Zielfarbe ergibt sich aus zusätzlicher Aufgabe Ampel Trainingszie[ Training exekutiver Funktionen Aufgabe: Hinter Spieler A iiegen drei Farbpunkte. Spieler B ruft laut eine der Ampelfarben. A muss sofort mit seinem Schläger den entsprechenden Farbpunkt berühren. Sobald B die Farbe ruft, spielt der Coach den Ball auf B an. A und B spielen den Punkt aus. Ist der Punkt ausgespielt und hat sich A wieder in der Grundstellung aufgestellt, ruft B wieder laut eine Farbe auf. Varianten: . Coach ruft Farbe auf . B startet an einem fest gelegten Punkt (zum Beispiel an der Einzellinie in seiner Rückhandecke) . Statt Farben werden Nummern aufgerufen (zum Beispiel 1=rs1, l=grün, 3=gelb) . B kann wählen, ob er die Nummer oder die Farbe ruft . Statt Nummern oder Farben werden Gegenstände mit der entsprechenden Farbe gerufen (etwa ,,Banane"=gelb, ,,Gras " = grün,,,Het z" =r ot) . Hinter B werden ebenfalls Farbpunkte ausgelegt. Coach ruft Farbe und spielt Ball ein, beide Spieler müssen Farb- punkt berühren . Coach wechselt Standort beim Anspiel Mach den Punkt Trainingsziel: Training/Spielform unter Zeitdruck Aufgabe: Schließe den Ballwechsel innerhalb von drei (vier) Schlägen ab. Varianten: . Anspiel durch den Coach . mit Aufschlag Nichts geht verloren Trainingsziel Training/Spielform unter Belastungsdruck Aufgabe: Spiele mit Deinem Partner ein reguläres Matcl Am Ende des Spiels behält der Verlierer seine gewonnene Punkte und startet mit diesem Vorsprung in das nächs1 Spiel. Wenn der Aufschläger A also sein Spiel bei 40:30 fi sich entscheidet, beginnt B das nächste Spiel mit 30:0. ,,Zähl mit" Trainingsziel: Training/Spielforrn unter Präzisionsdruck Aufgabe: Spiele mit Deinem Partner zum Beispiel Vorhan cross und zähle mit, wie oft ihr den Ball ohne Fehler in dr halbe Einzelfeld spielen könnt. Landet der Ball nicht ir Zielfeld, beginnt ihr konsequent u,ieder von vorne zu zähler Variantenr . Beide Spieler zählen laut die Zielfeldtreffer mit . Zielfelder verändern: Ball zu,ischen T-Linie und Grundl nie spielen; Ball in eir-ren Streifen von einem Meter vor dt Grundlinie spielen . Nach Erreichen der Treffervorgabe (Spieler geben abwecl selnd eine zu erreichende Trefferzahl zwischen 1 und 1 an) rvird der Punkt in den Zielfeldern oder im komplette Feld ausgespielt Card Game "''tffi TrainingszieL Training/Spielform unter Zeitdruck l§ä Aufgabe Jeder Spieler hat vercieckt und gut gemischt auf einem Stapel die Kaften einer Farbe (Pik, Kreuz, Her Karo) aus einem Skatblatt (7, 8, 9, 10, Bube, Dame, König, As Beide Spieler drehen die oberste Kafte ihres Stapels um, ohr den Partner in die ,,Karten sehen zu 1assen". Die Wertigke der Karte gibt an, u.ieviele Punkte der Spieler braucht, ur das Match zu gewinnen (Bube=zwei, Dame=drei, König=vis es=elD. Sobald der Spieler den für ihn erforderiichen Spie stand erreicht hat ruft er: ,,Gewonnen". Dann ziehen beic Spieler die nächste Karte und das Match beginnt von vorne Varianten: . Anspiel durch Coach . mit Aufschlag und Zähiweise u,ie im Tiebreak . in veränderten Spielfeldern spielen (Zonen) Hoch und runter Trainingszieft Training/Spielform unter Zeit- und Belar tungsdruck Aufgabe: Gespielt werden zwei Sätze bis zehn, Anspiel vo der Grundlinie, Wechsel des Anspiels nach zwei Punkter Nach dem ersten Satz wird der zweite Satz vom Endstan rückwärts gezählt. Wer im zweiten Satz zuerst bei nuIl is hat den zweiten gewonnen. Varianten: . Anspiel durch Coach (wechselnd oder Wechsel nach Sat: . Mit Aufschlag (Tiebreak Zählweise) Tennis§port | 1*2018 | 2l Drucksimulation im
  • 7. lrc lac loe Trainingszieh Training unter Zeit-, Organisations- und Komplexitätsdrr-rck Aufgabe: Neben dem Spielfeld ist ein Tic-Tac-Toe-Feld auf- gezeichnet (im Sand, aufeinem Blatt Papier). Spiel um Punk- te. Der Spieler, der zuerst drei Punkte hat, kann sein Zeichen (b1aur oder gelber Markierungsteller) ins Tic Tac Toe-Feld setzen. Dann beginnt er wieder bei null. Der Spieler, der zuerst drei Zeichen in einer Reihe gesetzt hat ist Sieger. Varianten: . Der Verlierer eines Matches behält seine Punkte (Ergebnis 3:2, dann weiter bei Spielstand 0:2) . Anspiel aus der Hand . Anspiel durch Coach . Mit Aufschlag Spielstand TrainingszieL Training unter Zeit- und Organisationsdruck Aufgabe: Spiel um Pr-rnkte. Gespielt werden zwei Sätze bis 21. In jedem Satz schlägt immer der gleiche Spieler auf. Der erste Ballwechsel zählt einen Punkt, zweiter und dritter Ballwechsel zählen jeweils zwei Punkte, vierter und fünfter Ballwechsei jeweils drei, sechster und siebter Ballwechsel jeweils vier, achter und neunter Ballwechsel jeweils fünf Punkte, der zehnte Ballwechsel zfilt sechs Punkte. Countdown Trainingsziel Training u nter Zeit- und Komplexitätsdruck Aufgabe: Spiel um Punkte. A beginnt mit Aufschlag und hat inklusive Aufschlag sieben Schläge, um den Punkt zu machen. Gewinnt er den Ballwechsel so, danir hat er beim nächsten Punkt nur noch sechs Schläge zur Verfügung. Verliert er den Ballwechsel, schlägt B auf und beginnt mit sieben Schlägen für den Punkt. Wer zuerst sieben Punkte hat, ist Sieger. Varianten: . Aufschläge zählen als ein Schlag . 1. und 2. Aufschlag zählen als eigenständige Schläge Störung Trainingsziel: Training unter Beiastungs- und Variabilitäts- druck Aufgabe: Spiele Matches unter u'idrigen Bedingungen: bei starkem Wind, auf unterschiedlichen Belägen, mit Störein- flüssen durch Zuschauer, bei schlechtem Licht, neben einer Bahnstrecke, mit alten Bällen, wechselnde Sparringspart- nern etc. Variation: . Hinter den Spielern A und B liegen am Zaun verschiedene Tennisschläger. Nacl-r einer bestimmten Punktzahl muss der Schläger gewechselt werden . Nur A wechselt den Schläger . Zählweise ändern . ,,Störung" mit anderen Aufgaben kombinieren Zum Autor Frercks Hartwig hat Sport und Pädago- gik in Freiburg und Tübingen studiert. Er leitet im Raum Horb am Neckar die Tennisschule TMS. Hartwig ist Referent in der Traineraus- und -weiterbildung im Württembergischen Tennis-Bund (WTB), im Bayerischen Tennis-Verband (BTV) und in der Ballschule Heidelberg. Literatur (Auswahl) Beilock, S.: Choke. What the secrets of the brain reveal about getting it right when you have to. New York 2010 Crespo, M., Reid, M. Quinn, A.: Tennis Psychology. 200 + practical drills and the latest research. lTF, London 2006 Gallwey, T.: The lnner Game of Tennis. Die Kunst der entspannten Konzentrati- on. New York1974 Hartwig, F.: lnternetblog https://www.i n nercoaching-blog.de Menci nger, T.: I nternetbl og https:l I www.feelten nis.net/ Renshaw, 1., Davids, K., Saverlsberg, G.; Motor learning in practice. A cons- traints-led approach. New York 2010 Rosenberg, M.: Gewaltfreie Kommuni- kation. 9. überarbeitete und erweiterte Neuauflage. Paderborn 2010 Roth, K., Kröger, C., Haag, H., Mem- mert, D.: Ballschule Rückschlagspiele. Schorndorf 2015 Schöllhorn, W., Humpert, V., Oelenberg, M., Michelbrink, M. und Beckmann, H.: Differenzielles und mentales Training im Tennis. Leistungssport 38, 2008, 5. 10-14 Schöllhorn. W., Hegen, P., Eekhoff, A.: Differenzielles Lernen und andere motorische Lerntheorien. Spectrum der Wissenschaf t,2074,2, S. 35-55 * Auch wenn immer die weibliche wie die männliche Form gemeint ist, wird der bes- seren Lesbarkeit wegen im Artikel nur die männliche Form verwendet. 21 I 1_2018