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AttraktiveArbeitfürFachkräfte – WanderungsbilanzpositivgestaltenProf. Dr. Herbert BrückerIAB und Universität BambergFachtagung der Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Fraktion, Berlin 21. März 2011
EinleitungIm gegenwärtigen Aufschwung steigt das Verhältnis von offenen Stellen zu Arbeitslosen deutlichDas Erwerbspersonenpotenzial wird in DE ohne Zuwanderung von 45 Millionen auf 27 bis 29 Millionen Personen im Jahr 2050 sinkenDas Wanderungssaldo ist in Deutschland in den letzten fünf Jahren auf Null gesunkenDie vorliegenden Zahlen deuten darauf hin, dass Deutschland durch Migration mehr Hochschulabsolventen verliert als gewinnt
Dieser VortragDiskutiert die Folgen des kurzfristigen Fachkräftebedarfs und des langfristigen Rückgangs des ErwerbspersonenpotenzialsUntersucht die deutsche Wanderungsbilanz und ihre Ursachen vor dem Hintergrund internationaler Erfahrungen und neuer ForschungserkenntnisseDiskutiert die Handlungsoptionen für eine Verbesserung der Wanderungsbilanz und eine nachhaltige Entwicklung des Erwerbspersonenpotenzials durch Zuwanderung
Fachkräftebedarf und Rückgang des EPP
1.	Kurzfristiger Fachkräftebedarf und MismatchZwischen dem langfristigen Fachkräftebedarf und kurzfristigen Fachkräftelücken („Mismatch“) ist zu unterscheidenIm vierten Quartal 2010 standen 996.000 offenen Stellen (+25%) rund 2.9 Millionen Arbeitslose und 4 Millionen Unterbeschäftigte gegenüberDieses Verhältnis wird sich weiter verbessern, so dass in vielen Regionen, Sektoren und Berufen Stellen nicht oder nur nach langen Vakanzen besetzt werden könnenEs handelt sich allerdings überwiegend um ein konjunkturelles Phänomen, das Erwerbspersonenpotential erreicht gerade seinen demographischen Höhepunkt
2.	Langfristiger Fachkräftebedarf und 	demographischer WandelLangfristig wird das Erwerbspersonenpotenzial in Deutschland demographiebedingt deutlich zurückgehen, die große Unbekannte ist die ZuwanderungDurch die Rente mit 67 und eine steigende Erwerbs-beteiligung insbesondere von Frauen kann es bis 2050 um rund 2 Millionen Personen erhöht werdenDurch eine Nettozuwanderung von 200.000 Personen p.a. kann es bis 2050 um rd. 7 Millionen Personen erhöht werdenDer Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials hat vor allem gravierende Folgen für die soziale Sicherungssysteme
Entwicklung der Bevölkerung, 2005 bis 2050Quelle: Demographisches Szenario des IAB (Fuchs, 2010)
Entwicklung der Bevölkerung 15-64-Jahre, 2005 bis 2050Quelle: Demographisches Szenario des IAB (Fuchs, 2010)
Entwicklung des Erwerbspersonenpotenzials, 2005 bis 2050Quelle: Szenario des IAB (Fuchs, 2010)
3.	Welche Folgen hat der Rückgang des EPP?Der Rückgang des EPP ist nicht mit einer dauerhaften „Fachkräftelücke“, d.h. einem persistenten Überschuss der Arbeitsnachfrage über das Angebot gleichzusetzenDrei Anpassungsmechanismen sprechen dafür, dass der demographische Wandel per se keinen Einfluss auf Unterbeschäftigung und Fachkräftelücke hat:Anpassung des Kapitalstocks (Kaldor, 1961)Anpassung der LöhneAnpassung des ArbeitsangebotsEs kann folglich sein, dass der Rückgang des EPP mit gleichbleibender Unterbeschäftigung einhergeht
Simulation eines Rückgangs des ArbeitsangebotsEmpirische Fakten sprechen dafür, dass die Kapital-Output Ratio unabhängig vom Arbeitsangebot konstant bleibt (Kaldor, 1961; Ottaviano/Peri, 2006; Brücker/Jahn, 2009)Folglich ergibt sich keine Änderung der Löhne und -- bei unvollkommenen Arbeitsmärkten -- der gesamtwirtschaft-lichen Arbeitslosenquote bei einem Arbeitsangebotsschock und konstanter Struktur des ArbeitsangebotsArbeitsmarktwirkungen können sich aber durch Veränderungen in der Struktur des Arbeitsangebots, z.B. den Trend zur Höherqualifizierung ergeben
Kapital-Output-Ratio und Erwerbspersonen in Westdeutschland, 1960-2008Quelle: Eigene Berechnungen auf Grundlage von Daten das Stat. Bundesamtes.
Simulation eines Rückgangs des Arbeitsangebots um 10 Prozent (e.g. 2025 vs. 2010)Quelle: Eigene Simulationen.
3.	Folgen des Rückgang des EPP (Forts.)Der Rückgang des EPP wirkt also nur dann auf den Arbeitsmarkt, wenn erdie Struktur des Arbeitsangebots verändert;die gesamtwirtschaftliche Rate des technischen Fortschritts (total factorproductivity) beeinflusst;Aber: Der Rückgang des EPP wirft erhebliche Folgen für den Sozialstaat auf, der durch Zuwanderung jüngerer Arbeitnehmer gewinnt (Bonin, 2006)Nettogewinn durch Zuwanderung eines Ausländers heute bei 2,200 EURO p.a.Dieser Nettogewinn würde auf 5,600 EURO steigen, wenn Ausländer die gleiche Arbeitsmarktperformanz wie gleichaltrige Inländer hätten
Auswirkungen auf den SozialstaatDer Rückgang des EPP erhöht das Finanzierungssaldo der Sozialversicherungssysteme, d.h. vor allem der gesetzlichen RentenversicherungssystemeErhöhung der Pro-Kopf-Belastung der StaatsverschuldungEine Person im erwerbstätigen Alter leistet gegenwärtig einen Nettobeitrag von 5.800 Euro zu den öffentlichen Haushalten (Bonin 2006), dieser Beitrag steigt durch den demographischen Wandel, der Gesamtbeitrag zum Finanzierungssaldo über den Lebenszyklus ist positiv und steigt mit der QualifikationHier liegt die eigentliche Ratio einer nachhaltigen Entwicklung des EPP
Die wanderungsbilanz
1.	Leidet Deutschland unter einem „Brain Drain“?Global gewinnen innerhalb der OECD nur die USA, Kanada und Australien substanziell durch die Zuwanderung Hochqualifizierter definiert als Personen mit tertiärer Ausbildung (ISCED 5-6)Im Zensusjahr 2001 verzeichnete Deutschland gegenüber den OECD Staaten ein negatives Wanderungssaldo bei den Hochqualifizierten von 311.000 Personen, das knapp durch ein positives Wanderungssaldo von 368.000 Personen gegenüber den Nicht-OECD Staaten kompensiert werden konnteDie Wanderungsbilanz dürfte sich seitdem verschlechtert haben, genaue Aussagen lassen die Daten nicht zu
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Deutschland: Zu- und Fortzüge, 1974 bis 2009Quelle: Statistisches Bundesamt (2011), GENESIS Datenbank.
Deutschland: Zu- und Fortzüge, 1974 bis 2009Quelle: Statistisches Bundesamt (2011), GENESIS Datenbank.
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Zu- und Fortzüge von Deutschen, 2003 bis 2009Quelle: Statistisches Bundesamt (2011).
2.	Die Europäische EntwicklungAnders als im OECD Rahmen insgesamt ist das Wanderungssaldo bei Hochqualifizierten in der EU ausgeglichen (Eurostat LFS, Ette/Sauer 2010)45.000 deutsche Hochschulabsolventen leben in der EU, 48.000 Hochschulabsolventen aus der EU leben in DEDies kann aber die Abwanderung in die Schweiz und die USA nicht ausgleichenDurch die EU Osterweiterung ist mit einer anfänglichen Zuwanderung von 100.000 bis 140.000 Personen p.a. mit einem überproportionalen Anteil Hochqualifizierter zu rechnen
3.	Der globale Pool an HochqualifiziertenRund 338 MillionenPersonenmittertiärenBildungsabschlüssenweltweit191 Millionen in LändernmithohemEinkommen29% derBevölkerung 25+56 Millionen in LändernmitoberemmittleremEinkommen12% derBevölkerung 25+80 Millionen in LändernmitgeringeremEinkommen5% derBevölkerung 25+12 million in Niedrigeinkommensländern3% derBevölkerung 25+ AnteilderHocheinkommensländerfälltzuGunstender “Emerging-Economies” einschließlichOst- und Mitteleuropa
Anteil der jeweiligen Ländergruppe an den Personen mit tertiärer Bildung, 1975 bis 2000 Quelle: Eigene Berechnungen auf der Grundlage von Defoort (2010).
Anteil ausländischer Studierender und von Bildungsausländern in Deutschland, 1997 - 2009Quelle: Deutsches Studentenwerk (2011).
4.	Determinanten der Zuwanderung 	HochqualifizierterÖkonometrischeEvidenz:SignifikanteEffektederSteuerungder Migration nachQualifikationSignifikanteEffektederLohnprämiefürBildung und AusbildungPositive EffektefürMaßnahmen die Migranten (temporär) von sozialstaatlichen Transfers ausschließenKeinesignifikantenEffektefür Transfers durch den Sozialstaat, Mindestlöhne und FuE-AusgabenBrücker et al. (2010/11); Ortega/Peri (2010)
Handlungsoptionen
1.	Reform der ZuwanderungssteuerungZuwanderung ist langfristig der wichtigste Hebel zur nachhaltigen Entwicklung des EPPArbeitsmarkteffekte der Zuwanderung weitgehend neutral, positive Wirkungen für Gesamtwirtschaft und SozialstaatMit steigender Qualifikation verbessert sich Integration der Zuwanderer und steigen die fiskalischen NettoerträgeZur Steuerung der Zuwanderung stehen angebots- und nachfrageorientierte Instrumente zur VerfügungAngebotsorientiert: e.g. PunktesystemeNachfrageorientiert: Antrag durch Unternehmen, ArbeitsmarkttestKonvergenz der Systeme durch Positivlisten von Berufen
Option I: PunktesystemPunktesysteme begründen in der Regel ein Daueraufenthaltsrechts und schließen an temporäre Aufenthaltsregelungen an (CA, AUS)Zugang über Daueraufenthaltsrecht: Hochschulabschluss und sehr hohes Einkommen (wie bisher)Temporäres Aufenthaltsrecht (3 Jahre) mit anschließendem DaueraufenthaltsrechtPunkte für Bildung, Beruf, Berufserfahrung, SprachkompetenzKeine VorrangprüfungKanäle für Studenten und Facharbeiter mit Vorrangprüfung
Option II: Weiterentwicklung des ZuwanderungsrechtsDaueraufenthaltsrecht: Hochschulabschluss und sehr hohes Einkommen (wie bisher?)Temporäres Aufenthaltsrecht (3 Jahre) mit anschließendem DaueraufenthaltsrechtHochschulabsolventen mit 40.000 Euro JahreseinkommenPositivliste der Berufe für qualifizierte Fachkräfte ohne HochschulabschlussKeine Vorrangprüfung, TariflohnZugang für andere Fachkräfte nach VorrangprüfungKanäle für Studenten
Aussetzen der VorrangprüfungPositivliste der BerufeNachfrageseite:Verhältnis offener Stellen/ArbeitsloseVakanzzeitenErwartete BerufsabgängeProblem: Datengrundlage (Erhebung der offenen Stellen und Vakanzzeiten)Angebotsseite:Prognose der Arbeitsmarktintegration (AL-Risiko und Lohn)Mikrodaten gestützt (IABS, IEB)Problem: Time lags.
EU Blue CardGewährung eines temporären Aufenthalts- und Arbeitsrechts, das in ein Daueraufenthaltsrecht umgewandelt werden kannFreie Mobilität im Binnenmarkt nach ÜbergangsfristKriterien: Mindestens das 1,5-fache der durchschnittlichen Bruttoverdienste, in spezifischen Berufen das 1,2-facheProblem: Das 1,5-fache kann für junge Hochschulabsolventen zu hoch sein, besser nach Alter staffeln.
Zuwanderung von FamilienangehörigenDer freie Zugang von Familienangehörigen ist für die Wanderungsanreize entscheidendGegenwärtig unterliegen Familienangehörige von Hochqualifizierten keiner Vorrangprüfung, aber von qualifizierten ArbeitskräftenEs bedarf folglich einer Erleichterung des Arbeitsmarktzugangs für Familienangehörige von qualifizierten Arbeitskräften
2.	Anwerbung von StudentenStudenten sind einer der wichtigsten Kanäle für die Zuwanderung von HochqualifiziertenInvestition in die Bildung von Ausländern kann leicht kompensiert werden, wenn sie einen Teil ihrer Erwerbsbiographie in Deutschland verbringenReform des Hochschulen und gezielte Anwerbung ist sinnvollenglische Studienangebote, ggf. Gebühren für nicht-EU-AusländerStärkung der Anreize für Arbeitsmarktintegration in DE, gezielte Werbung
3.	Kontinuierliche Anwerbung von FachkräftenTransparenz durch gute Arbeitsvermittlung in erweiterter EU, europäischer Peripherie und Südost-/OstasienAnwerbungsinitiativen von Unternehmen unterstützen (Auslandskammern, Entwicklungszusammenarbeit)

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Fachkräftebedarf und Rückgang des Erwerbspersonenpotentials

  • 1. AttraktiveArbeitfürFachkräfte – WanderungsbilanzpositivgestaltenProf. Dr. Herbert BrückerIAB und Universität BambergFachtagung der Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Fraktion, Berlin 21. März 2011
  • 2. EinleitungIm gegenwärtigen Aufschwung steigt das Verhältnis von offenen Stellen zu Arbeitslosen deutlichDas Erwerbspersonenpotenzial wird in DE ohne Zuwanderung von 45 Millionen auf 27 bis 29 Millionen Personen im Jahr 2050 sinkenDas Wanderungssaldo ist in Deutschland in den letzten fünf Jahren auf Null gesunkenDie vorliegenden Zahlen deuten darauf hin, dass Deutschland durch Migration mehr Hochschulabsolventen verliert als gewinnt
  • 3. Dieser VortragDiskutiert die Folgen des kurzfristigen Fachkräftebedarfs und des langfristigen Rückgangs des ErwerbspersonenpotenzialsUntersucht die deutsche Wanderungsbilanz und ihre Ursachen vor dem Hintergrund internationaler Erfahrungen und neuer ForschungserkenntnisseDiskutiert die Handlungsoptionen für eine Verbesserung der Wanderungsbilanz und eine nachhaltige Entwicklung des Erwerbspersonenpotenzials durch Zuwanderung
  • 5. 1. Kurzfristiger Fachkräftebedarf und MismatchZwischen dem langfristigen Fachkräftebedarf und kurzfristigen Fachkräftelücken („Mismatch“) ist zu unterscheidenIm vierten Quartal 2010 standen 996.000 offenen Stellen (+25%) rund 2.9 Millionen Arbeitslose und 4 Millionen Unterbeschäftigte gegenüberDieses Verhältnis wird sich weiter verbessern, so dass in vielen Regionen, Sektoren und Berufen Stellen nicht oder nur nach langen Vakanzen besetzt werden könnenEs handelt sich allerdings überwiegend um ein konjunkturelles Phänomen, das Erwerbspersonenpotential erreicht gerade seinen demographischen Höhepunkt
  • 6. 2. Langfristiger Fachkräftebedarf und demographischer WandelLangfristig wird das Erwerbspersonenpotenzial in Deutschland demographiebedingt deutlich zurückgehen, die große Unbekannte ist die ZuwanderungDurch die Rente mit 67 und eine steigende Erwerbs-beteiligung insbesondere von Frauen kann es bis 2050 um rund 2 Millionen Personen erhöht werdenDurch eine Nettozuwanderung von 200.000 Personen p.a. kann es bis 2050 um rd. 7 Millionen Personen erhöht werdenDer Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials hat vor allem gravierende Folgen für die soziale Sicherungssysteme
  • 7. Entwicklung der Bevölkerung, 2005 bis 2050Quelle: Demographisches Szenario des IAB (Fuchs, 2010)
  • 8. Entwicklung der Bevölkerung 15-64-Jahre, 2005 bis 2050Quelle: Demographisches Szenario des IAB (Fuchs, 2010)
  • 9. Entwicklung des Erwerbspersonenpotenzials, 2005 bis 2050Quelle: Szenario des IAB (Fuchs, 2010)
  • 10. 3. Welche Folgen hat der Rückgang des EPP?Der Rückgang des EPP ist nicht mit einer dauerhaften „Fachkräftelücke“, d.h. einem persistenten Überschuss der Arbeitsnachfrage über das Angebot gleichzusetzenDrei Anpassungsmechanismen sprechen dafür, dass der demographische Wandel per se keinen Einfluss auf Unterbeschäftigung und Fachkräftelücke hat:Anpassung des Kapitalstocks (Kaldor, 1961)Anpassung der LöhneAnpassung des ArbeitsangebotsEs kann folglich sein, dass der Rückgang des EPP mit gleichbleibender Unterbeschäftigung einhergeht
  • 11. Simulation eines Rückgangs des ArbeitsangebotsEmpirische Fakten sprechen dafür, dass die Kapital-Output Ratio unabhängig vom Arbeitsangebot konstant bleibt (Kaldor, 1961; Ottaviano/Peri, 2006; Brücker/Jahn, 2009)Folglich ergibt sich keine Änderung der Löhne und -- bei unvollkommenen Arbeitsmärkten -- der gesamtwirtschaft-lichen Arbeitslosenquote bei einem Arbeitsangebotsschock und konstanter Struktur des ArbeitsangebotsArbeitsmarktwirkungen können sich aber durch Veränderungen in der Struktur des Arbeitsangebots, z.B. den Trend zur Höherqualifizierung ergeben
  • 12. Kapital-Output-Ratio und Erwerbspersonen in Westdeutschland, 1960-2008Quelle: Eigene Berechnungen auf Grundlage von Daten das Stat. Bundesamtes.
  • 13. Simulation eines Rückgangs des Arbeitsangebots um 10 Prozent (e.g. 2025 vs. 2010)Quelle: Eigene Simulationen.
  • 14. 3. Folgen des Rückgang des EPP (Forts.)Der Rückgang des EPP wirkt also nur dann auf den Arbeitsmarkt, wenn erdie Struktur des Arbeitsangebots verändert;die gesamtwirtschaftliche Rate des technischen Fortschritts (total factorproductivity) beeinflusst;Aber: Der Rückgang des EPP wirft erhebliche Folgen für den Sozialstaat auf, der durch Zuwanderung jüngerer Arbeitnehmer gewinnt (Bonin, 2006)Nettogewinn durch Zuwanderung eines Ausländers heute bei 2,200 EURO p.a.Dieser Nettogewinn würde auf 5,600 EURO steigen, wenn Ausländer die gleiche Arbeitsmarktperformanz wie gleichaltrige Inländer hätten
  • 15. Auswirkungen auf den SozialstaatDer Rückgang des EPP erhöht das Finanzierungssaldo der Sozialversicherungssysteme, d.h. vor allem der gesetzlichen RentenversicherungssystemeErhöhung der Pro-Kopf-Belastung der StaatsverschuldungEine Person im erwerbstätigen Alter leistet gegenwärtig einen Nettobeitrag von 5.800 Euro zu den öffentlichen Haushalten (Bonin 2006), dieser Beitrag steigt durch den demographischen Wandel, der Gesamtbeitrag zum Finanzierungssaldo über den Lebenszyklus ist positiv und steigt mit der QualifikationHier liegt die eigentliche Ratio einer nachhaltigen Entwicklung des EPP
  • 17. 1. Leidet Deutschland unter einem „Brain Drain“?Global gewinnen innerhalb der OECD nur die USA, Kanada und Australien substanziell durch die Zuwanderung Hochqualifizierter definiert als Personen mit tertiärer Ausbildung (ISCED 5-6)Im Zensusjahr 2001 verzeichnete Deutschland gegenüber den OECD Staaten ein negatives Wanderungssaldo bei den Hochqualifizierten von 311.000 Personen, das knapp durch ein positives Wanderungssaldo von 368.000 Personen gegenüber den Nicht-OECD Staaten kompensiert werden konnteDie Wanderungsbilanz dürfte sich seitdem verschlechtert haben, genaue Aussagen lassen die Daten nicht zu
  • 18. „Wanderungssaldo“ von Personen mit tertiärer Bildung zwischen den OECD Staaten, 2001Quelle: Docquier/Marfouk (2010) database, eigene Berechnungen.
  • 19. „Wanderungssaldo“ von Personen mit tertiärer Bildung zwischen den OECD Staaten, 2001Deutschland: 937.000 Personen mit tertiärer Bildung leben in anderen OECD Staaten, 566.000 Personen mit tertiärer Bildung aus anderen OECD Staaten leben in Deutschland. Saldo: 370.000 Personen.Quelle: Docquier/Marfouk (2010) database, eigene Berechnungen.
  • 20. „Wanderungssaldo“ von Personen mit tertiärer Bildung insgesamt, 2001Quelle: Docquier/Marfouk (2010) database, eigene Berechnungen.
  • 21. „Wanderungssaldo“ von Personen mit tertiärer Bildung insgesamt, 2001Deutschland: 937.000 Personen mit tertiärer Bildung leben in anderen OECD Staaten, 1.011.000 Personen mit tertiärer Bildung aus anderen Staaten leben in Deutschland. Saldo: 74.000 Personen.Quelle: Docquier/Marfouk (2010) database, eigene Berechnungen.
  • 22. Deutschland: Zu- und Fortzüge, 1974 bis 2009Quelle: Statistisches Bundesamt (2011), GENESIS Datenbank.
  • 23. Deutschland: Zu- und Fortzüge, 1974 bis 2009Quelle: Statistisches Bundesamt (2011), GENESIS Datenbank.
  • 24. DE: Zu- und Fortzüge nach Regionen, 2009Quelle: Statistisches Bundesamt, Sonderauswertung 2010.
  • 25. Zu- und Fortzüge von Deutschen, 2003 bis 2009Quelle: Statistisches Bundesamt (2011).
  • 26. 2. Die Europäische EntwicklungAnders als im OECD Rahmen insgesamt ist das Wanderungssaldo bei Hochqualifizierten in der EU ausgeglichen (Eurostat LFS, Ette/Sauer 2010)45.000 deutsche Hochschulabsolventen leben in der EU, 48.000 Hochschulabsolventen aus der EU leben in DEDies kann aber die Abwanderung in die Schweiz und die USA nicht ausgleichenDurch die EU Osterweiterung ist mit einer anfänglichen Zuwanderung von 100.000 bis 140.000 Personen p.a. mit einem überproportionalen Anteil Hochqualifizierter zu rechnen
  • 27. 3. Der globale Pool an HochqualifiziertenRund 338 MillionenPersonenmittertiärenBildungsabschlüssenweltweit191 Millionen in LändernmithohemEinkommen29% derBevölkerung 25+56 Millionen in LändernmitoberemmittleremEinkommen12% derBevölkerung 25+80 Millionen in LändernmitgeringeremEinkommen5% derBevölkerung 25+12 million in Niedrigeinkommensländern3% derBevölkerung 25+ AnteilderHocheinkommensländerfälltzuGunstender “Emerging-Economies” einschließlichOst- und Mitteleuropa
  • 28. Anteil der jeweiligen Ländergruppe an den Personen mit tertiärer Bildung, 1975 bis 2000 Quelle: Eigene Berechnungen auf der Grundlage von Defoort (2010).
  • 29. Anteil ausländischer Studierender und von Bildungsausländern in Deutschland, 1997 - 2009Quelle: Deutsches Studentenwerk (2011).
  • 30. 4. Determinanten der Zuwanderung HochqualifizierterÖkonometrischeEvidenz:SignifikanteEffektederSteuerungder Migration nachQualifikationSignifikanteEffektederLohnprämiefürBildung und AusbildungPositive EffektefürMaßnahmen die Migranten (temporär) von sozialstaatlichen Transfers ausschließenKeinesignifikantenEffektefür Transfers durch den Sozialstaat, Mindestlöhne und FuE-AusgabenBrücker et al. (2010/11); Ortega/Peri (2010)
  • 32. 1. Reform der ZuwanderungssteuerungZuwanderung ist langfristig der wichtigste Hebel zur nachhaltigen Entwicklung des EPPArbeitsmarkteffekte der Zuwanderung weitgehend neutral, positive Wirkungen für Gesamtwirtschaft und SozialstaatMit steigender Qualifikation verbessert sich Integration der Zuwanderer und steigen die fiskalischen NettoerträgeZur Steuerung der Zuwanderung stehen angebots- und nachfrageorientierte Instrumente zur VerfügungAngebotsorientiert: e.g. PunktesystemeNachfrageorientiert: Antrag durch Unternehmen, ArbeitsmarkttestKonvergenz der Systeme durch Positivlisten von Berufen
  • 33. Option I: PunktesystemPunktesysteme begründen in der Regel ein Daueraufenthaltsrechts und schließen an temporäre Aufenthaltsregelungen an (CA, AUS)Zugang über Daueraufenthaltsrecht: Hochschulabschluss und sehr hohes Einkommen (wie bisher)Temporäres Aufenthaltsrecht (3 Jahre) mit anschließendem DaueraufenthaltsrechtPunkte für Bildung, Beruf, Berufserfahrung, SprachkompetenzKeine VorrangprüfungKanäle für Studenten und Facharbeiter mit Vorrangprüfung
  • 34. Option II: Weiterentwicklung des ZuwanderungsrechtsDaueraufenthaltsrecht: Hochschulabschluss und sehr hohes Einkommen (wie bisher?)Temporäres Aufenthaltsrecht (3 Jahre) mit anschließendem DaueraufenthaltsrechtHochschulabsolventen mit 40.000 Euro JahreseinkommenPositivliste der Berufe für qualifizierte Fachkräfte ohne HochschulabschlussKeine Vorrangprüfung, TariflohnZugang für andere Fachkräfte nach VorrangprüfungKanäle für Studenten
  • 35. Aussetzen der VorrangprüfungPositivliste der BerufeNachfrageseite:Verhältnis offener Stellen/ArbeitsloseVakanzzeitenErwartete BerufsabgängeProblem: Datengrundlage (Erhebung der offenen Stellen und Vakanzzeiten)Angebotsseite:Prognose der Arbeitsmarktintegration (AL-Risiko und Lohn)Mikrodaten gestützt (IABS, IEB)Problem: Time lags.
  • 36. EU Blue CardGewährung eines temporären Aufenthalts- und Arbeitsrechts, das in ein Daueraufenthaltsrecht umgewandelt werden kannFreie Mobilität im Binnenmarkt nach ÜbergangsfristKriterien: Mindestens das 1,5-fache der durchschnittlichen Bruttoverdienste, in spezifischen Berufen das 1,2-facheProblem: Das 1,5-fache kann für junge Hochschulabsolventen zu hoch sein, besser nach Alter staffeln.
  • 37. Zuwanderung von FamilienangehörigenDer freie Zugang von Familienangehörigen ist für die Wanderungsanreize entscheidendGegenwärtig unterliegen Familienangehörige von Hochqualifizierten keiner Vorrangprüfung, aber von qualifizierten ArbeitskräftenEs bedarf folglich einer Erleichterung des Arbeitsmarktzugangs für Familienangehörige von qualifizierten Arbeitskräften
  • 38. 2. Anwerbung von StudentenStudenten sind einer der wichtigsten Kanäle für die Zuwanderung von HochqualifiziertenInvestition in die Bildung von Ausländern kann leicht kompensiert werden, wenn sie einen Teil ihrer Erwerbsbiographie in Deutschland verbringenReform des Hochschulen und gezielte Anwerbung ist sinnvollenglische Studienangebote, ggf. Gebühren für nicht-EU-AusländerStärkung der Anreize für Arbeitsmarktintegration in DE, gezielte Werbung
  • 39. 3. Kontinuierliche Anwerbung von FachkräftenTransparenz durch gute Arbeitsvermittlung in erweiterter EU, europäischer Peripherie und Südost-/OstasienAnwerbungsinitiativen von Unternehmen unterstützen (Auslandskammern, Entwicklungszusammenarbeit)