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BusinessVALUE24
                         zeigt in einer neuen
                     Serie, was 3D-Techno-
                logie und virtuelle Welten
            im Mittelstand leisten können,
         beschäftigt sich aber auch mit den
         Grenzen und Risiken der Technologie.



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                      www.businessvalue24.de
© sellingpix - Fotolia.com




VORWORT
Aus der Fernsehserie „Star-Trek“ und dem Kino-Hit „Star Wars“ kennen wir sie schon lange: Holo-
decks; Hologramme, die Nachrichten überbringen oder Replikatoren, die auf Knopfdruck Essen und
andere Dinge des täglichen Bedarfs erzeugen. Nach und nach werden diese Visionen Wirklichkeit.
Mit 3D-Druckern lassen sich Autos oder Geigen herstellen, über Tele-Presence werden in Telefon-
konferenzen die Gesprächspartner bald in 3D erscheinen und in sogenannten immersiven Welten
kann man in eine virtuelle Realität eintauchen und mit der Umgebung interagieren. Faszinierende
Möglichkeiten ergeben sich daraus. Grund genug, diese Technologie einmal genau unter die Lupe
zu nehmen. In unserem aktuellen Themenspecial widmen wir uns deshalb 3D-Technologien und Vir-
tuellen Welten. BusinessVALUE24 wird in den nächsten Wochen wichtige Hotspots der Entwicklungen
vorstellen und das Thema von allen Seiten beleuchten.

Über uns: BusinessVALUE24 ist ein Online-Wirtschaftsmagazin für den Mittelstand. Wir berichten
schwerpunktmäßig über Social Media-Trends, Marketing im Web 2.0 und neue Technologien.
Inhalt
Aller Guten Dimensionen
Sind drei

Früher war 3D-Technik nur für Film und Fernsehen
ein Thema. Doch seit zehn Jahren gewinnt 3D
immer mehr Freunde im Wirtschaftsleben.




Einfach herausragend:
3D in der Plakatwerbung

Ein deutsches Startup-Unternehmen wird den
Werbemarkt revolutionieren, mit Plakaten, die
einem wortwörtlich entgegen springen.




3D kann sich heute auch
ein Mittelständler leisten

Wer seinen Kunden komplizierte Dinge zu ver-
kaufen hat, kommt an 3D bald nicht mehr vorbei.
Visenso macht virtuelle Welten kommerziell nutzbar.




GEschäftsreise Adé: Das 3D Telefon
holt Businesspartner ins Zimmer

Hochschulforscher entwickeln in der Schweiz
Instrumente, die Normalsterbliche nur aus sehr
kostspieligen Science-Fiction-Filmen kennen.




Die Digitale Fabrik
"Sie erkennen schon im Vorfeld Fehler"

Herbert Beesten reißt Wände ein, bevor sie gebaut
sind. Seine 3D-Animationen können Investoren
Millionen sparen.
© Konovalov Pavel - Fotolia.com




Aller guten Dimensionen
sind drei
Besser verkaufen, besser planen, besser verstehen: 3D-Technik und virtuelle Welten sind der letzte
Schrei unter den Business Trends. Was bis vor kurzem nur große Konzerne bezahlen konnten, ist jetzt
auch für Mittelständler erschwinglich. BusinessVALUE24 zeigt in einer neuen Serie, was 3D leisten
kann, beschäftigt sich aber auch mit den Grenzen und Risiken der Technologie.


Früher war 3D-Technik nur für Film und Fernsehen     heute noch viel Körpersprache verloren geht,
ein Thema. Doch seit zehn Jahren gewinnt die drit-   kann wohl schon bald eine 3D-Projektion wichtige
te Dimension immer mehr Freunde im Wirtschafts-      Information des Gesprächspartners liefern.
leben. Denn plastische Darstellungen machen
viele Dinge einfacher. Man kann falsch geplante      Die Automobilindustrie nutzt seit Jahren die Vor-
Regale in Lagerhallen umgestalten, die noch gar      züge von 3D-Animationen, um Crashs zu simulie-
nicht gebaut sind. Man kann Messebesucher und        ren oder ihre Produktionsabläufe zu verbessern.
Kunden mit Anblicken beeindrucken, die sie nicht     Andere Großkonzerne wie IBM oder Cisco haben
erwartet hätten. Und wo bei Videokonferenzen         virtuelle Welten wie Second Life für sich entdeckt
Die rasanten Entwicklungen machen auch vor dem
                                                         Internet nicht Halt: Das Web wird dreidimensio-
                                                         nal. Bisher waren verschiedene Zusatzprogram-
                                                         me nötig, um 3D-Grafiken im eigenen Browser
                                                         darzustellen. Seit einigen Monaten gibt es nun ei-
                                                         nen lizenzfreien Standard, auf den sich viele Soft-
                                                         warehersteller und Internetunternehmen geeinigt
                                                         haben. Dieser Standard, das sogenannte Web
                                                         GL, ermöglicht es, 3D-Grafiken direkt im Browser
und nutzen diese für Web-Konferenzen oder für die        darzustellen. Beliebte Webbrowser wie Google
Ausbildung ihrer Mitarbeiter. Viele dieser Vorzüge       Chrome oder Mozilla Firefox unterstützen Web GL
waren bisher nur den ganz Großen vorbehalten,            bereits. Für Programmierer und Entwickler ist das
denn die Technologie war lange Zeit unerschwing-         ein großer Vorteil: Sie können sich sicher sein, dass
lich. Mitte der 1990er Jahre kostete eine sogenann-      fast jeder Internetnutzer sich ihre Animationen und
te Virtual Reality Anlage noch rund eine Million         Darstellungen auch ansehen kann, ohne erst noch
Mark.                                                    komplizierte Software zu installieren.

Doch seit dem hat sich viel getan. DieTechnik kommt      Die Branche schätzt 3D im Internet inzwischen als
über die Unterhaltungselektronik in die Haushalte.       Megatrend ein. Internetunternehmer Mervyn Le-
Jeder will die 3D-Filme aus dem Kino auch zuhause        vin zum Beispiel prophezeit: „Die wachsende Zahl
sehen. Das Engineering verdankt den Preisverfall         von 3D-Anwendungen ist die nächste Phase der
bei den Grafikkarten der Vielzahl an Gamern. Sie          Internet-Revolution und wird wahrscheinlich die
haben eine hohe Nachfrage geschaffen. Deshalb            gleichen Auswirkungen haben wie die erste Web-
werden Grafikkarten jetzt für einen Millionenmarkt        Explosion.“ Die Verschmelzung von Spieletechno-
produziert und sind dadurch viel günstiger. Auch         logie, Virtuellen Welten und Social Web reizt vor
die Entwicklung und weite Verbreitung von Spiele-        allem die Elite von morgen, die nichts anderes als
konsolen wie die Nintendo-Wii oder die Microsoft         das Onlinezeitalter kennt und langsam in die Be-
Xbox haben für einen Inno-vationsschub gesorgt.          rufe strebt. So hat sich die dreidimensionale Welt
                                                         „Second Life“ von einem Tagträumer-Spiel zu ei-
3D wird damit auch für den Mittelstand interessant.      nem virtuellen Treffpunkt der realen Welt entwickelt.
Die Vorteile, die dreidimensionale Inhalte bieten,       Fortbildungen, Konferenzen und Weiterbildungen
sind vielfältig und helfen in jedem Unternehmens-        finden hier statt.
bereich: Produkte werden mit 3D-Technologien
entworfen, 3D ist gut für die Markenbildung, da          Die Universität Heilbronn hält dort beispielsweise
man Produkte und Leistungen einfacher demonst-           virtuelle Seminare ab für Fach- und Führungskräf-
rieren kann. 3D unterstützt auch den Verkauf, es hilft   te des Mittelstands. Die Referenten aus der Praxis
bei der Rekrutierung und es erhöht die Produktivi-       schickten ebenso ihre liebevoll gestalten Online-
tät. Und es kann eine Menge Dienstreisen erspa-          Alter Egos (Avatare) wie die Zuhörer. Während
ren.                                                     der abendlichen Seminare konnten sich die 32
                                                         Teilnehmer untereinander austauschen, diskutieren
Auch Verbraucher lieben die dritte Dimension. Kon-       und als „Avatare“ im Raum bewegen sowie inter-
sumenten entwickeln eine neue Produkterfahrung,          agieren. „Das Konzept der virtuellen Veranstaltung
die emotionaler ist als bei herkömmlicher Werbung.       kann als voller Erfolg gewertet werden“ resümiert
                                                                                                 ,
Das zeigt auch eine Studie des Marktforschungsin-        Prof. Sonja Salmen. Der Online-Treffpunkt sparte
stituts Skopos. Das Institut zeigte Testpersonen ei-     200 Stunden Fahrzeit, etwa 1600 Kilometer Fahrt-
nen Werbespot über ein erfundenes Fruchteis ent-         weg und rund 5900 Euro Spritkosten.
weder in 3D oder in herkömmlichem 2D. Nach der
3D-Ausstrahlung verspürten die Zuschauer mehr            3D ist eine Technik, die viele Chancen, aber auch
Lust, das Eis zu probieren und auch die Kaufwahr-        Tücken in sich birgt. BusinessVALUE24 wird in den
scheinlichkeit war deutlich größer. Allerdings muss      nächsten Wochen wichtige Hotspots der Entwick-
man im Hinterkopf behalten, dass der Effekt auch         lungen vorstellen und das Thema von allen Seiten
von Qualität der Bildschirmauflösung und Digitali-        beleuchten.
sierung abhängt.
©realeyes




Einfach herausragend:
3D in der Plakatwerbung
Weg mit der Brille! Das ist für 3D-Forscher der Knackpunkt schlechthin.Ein deutsches Startup-Unternehmen hat eine
vielversprechende Technik entwickelt. Das System könnte den Werbemarkt revolutionieren: Plakate, auf denen die
Produkte dem Betrachter wortwörtlich entgegen springen.



Die 3D-Branche ist auf das Thema Brille nicht gut           die Werbewelt aufrollen: Ein 3D-Plakat. „Es ist ein
zu sprechen. Ihre Experten arbeiten momentan vor            echtes 3D-Bild“ erklärt Realeyes-Geschäftsführer
                                                                            ,
allem an einem Ziel: Die Brille muss weg. Denn              Philipp von Trotha.
kein Normalbürger oder Messebesucher läuft für
gewöhnlich mit einer Spezialbrille durch die Ge-            Es sind beeindruckende Anblicke: Ein Astronaut,
gend. Wer diese Leute mit einer dreidimensionalen           dessen Arm weit aus dem Bild herausragt. Er bietet
Werbung oder Präsentation überraschen und ein-              Passanten scheinbar eine Getränkedose an. Oder
fangen will, muss ihnen den tollen Effekt auf dem           ein Motorcross-Fahrer, der mit seinem Bike aus
Silbertablett servieren. Ohne Hilfsmittel. Eine junge       dem Plakat springt. „Unsere Objekte können bis
Firma aus Kiel ist schon am Ziel. Ihr Patent könnte         zu einem Meter aus dem Bild herauskommen.
In der Tiefe können wir bis zu zwei Meter scharf ab-           Fläche so groß wie acht Zeichenblöcke. Auf die-
bilden. Danach geht es ins Unendliche und wird                 ser Fläche sind 250.000 Mikrolinsen untergebracht,
unscharf.“ Dabei muss der Betrachter nicht einmal              keine größer als ein Streichholzkopf. Diese Linsen
genau vor dem Bild stehen, um den 3D-Effekt zu                 sind kleine Kameras. Sie dienen dazu, das Motiv
erkennen. „Man kann sich auch vor dem 3D-Bild                  aufzunehmen, erzeugen später aber auch den 3D-
bewegen und hat immer ein räumliches Bild“ be- ,               Effekt. Dahinter ist der Film, der die Information
schreibt von Trotha. „Man kann in die Hocke ge-                speichert. Er verfügt über eine riesige Speicherka-
hen, kann das Bild von unten betrachten, von links             pazität.
von rechts oder von oben, ohne dass es Sprünge
gibt.“
Gängige 3D-Systeme funktionieren anders. Spezi-
elle Fernseher oder -Kinofilme nutzen sogenannte
stereoskopische Bilder, die dem Zuschauer zwei
Bilder vor das Auge spielen. Damit im Gehirn ein
3D-Eindruck entsteht, braucht man eine spezielle
Brille, die die zwei Bilder nebeneinandersetzt. Die
Kieler Erfinder wählten einen ganz anderen Weg
bei den Displays und bauen mit modernster Tech-
nik auf erprobter Grundlage auf: „Eigentlich ist
das ein ‚Schritt zurück‘, weil wir einen analogen                                                          ©realeyes
Film nutzen, wie man es von früher kennt, als es
noch keine Digitalkameras gegeben hat“ sagt von
                                          ,                      Der Motorcross-Fahrer springt förmlich aus dem Bild.
Trotha. „Da hat man eine Filmrolle in die Kame-                  Der Effekt ist ohne 3D-Brille zu erkennen.
                                                                 Möglich machen das rund 250.000 Streichholzkopf
ra gesteckt, hat seine Fotos geschossen, den Film                große Linsen.
wieder rausgenommen und entwickelt. Im Grunde
genommen machen wir genau das Gleiche.“

So unkompliziert das klingt, so anspruchsvoll ist die          „Im Grunde ist das, was wir machen, die High-
Gesamtkonstruktion: Gerade einmal acht Millime-                tech-Version von Wackelpostkarten“ veranschau-
                                                                                                      ,
ter tief ist das Display, jedoch in der                        licht von Trotha. „Da haben Sie eine sogenannte
                                                               Lentikular-Schicht und dahinter ist ein Bild.“ Jedoch
                                                               ist die Bildauflösung bei dem beliebten Souvenir
   Produktion und Kosten                                       gering. Zudem sitzen die Bildpunkte nicht ganz ex-
                                                               akt hinter der Linse. „Deshalb sind die 3D-Effekte
                                                               einer Wackelpostkarte auch gering.“

                                                               Der Clou der neuen Methode ist, dass der Film
                                                               und die Linsen erst zusammengeklebt und dann
                                                               belichtet werden. Das Bild, das nachher auf dem
                                                               Film zu sehen ist, wird zuvor im Computer erzeugt.
                                                               In einem Belichter werden die Informationen aus
                                       © milos - Fotolia.com
                                                               dem Computer mit Hilfe von LEDS auf das Filmma-
                                                               terial belichtet. „Hinter jeder Linse sitzt das kom-
   In der Produktionshalle in Kiel stellt Realeyes die         plette Bild“ sagt von Trotha. „Das sind im Grunde
                                                                           ,
   Displays her. Rund 14 Tage dauert die Lieferung für         genommen auf 250.000 Bilder auf einem Quad-
   ein Display, wenn das Motiv vorliegt. Das Bild lässt        ratmeter. Wir legen 232 Gigabyte auf dem Film ab.
   sich auch auswechseln. Parallel zum Kauf vermie-            Das ist eine unglaubliche Datenmenge.“
   tet Realeyes das Display auch.. Das lohnt sich zum
   Beispiel, wenn man es auf einer Messe einsetzen will.
   Ein einzelnes Display kann maximal in Größe DIN A0          Dass sich nachher ein dreidimensionales Bild formt,
   hergestellt werden. Dieses kann man aber beliebig           liegt daran, dass die Linsen nach dem Prinzip eines
   mit weiteren Displays zusammensetzen und damit die          Schlüssellochs funktionieren. „Wenn ich durch ein
   Anzeigefläche vergrößern. Wie bei einem großen Wer-
                                                               Schlüsselloch hindurchschaue, sehe ich nur einen
   beplakat, das aus mehreren Teilen besteht, entsteht
   dann ein einzelnes großes Bild.                             bestimmten Ausschnitt des Raumes hinter der Tür“  ,
                                                               erklärt von Trotha. „Wenn ich nun in eine Tür ganz
                                                               viele Schlüssellöcher hineinbohre,
einen Nachteil: Sie braucht einen dunklen Raum,
                                                         weil das Bild von vorne beleuchtet werden muss.
                                                         In lichtdurchfluteten Gebäude kann man so etwas
                                                         nicht aufstellen.“ Von Laffert habe sich gefragt, „ob
                                                         man das nicht auch anders machen kann und hat
                                                         sich intensiv mit der Materie beschäftigt“ Dank sei-
                                                                                                   .
                                                         ner Forschung ist für das 3D-Plakat ein heller Raum
                                                         kein Problem mehr.

                                                         Wo das dreidimensionale Plakat schließlich seine
                                                         Nische finden wird, können die Unternehmer noch
                                                         nicht genau sagen. „Das ist ein ganz neues Pro-
                                            © realeyes   dukt“ sagt von Trotha. Vorwiegend werde es wohl
                                                              ,
                                                         in der Werbung eingesetzt. Deshalb sprechen die
   Als könnte man es anfassen                            Kieler verschiedene Zielgruppen an: Werbeagen-
   3D-Werbung wirkt sich laut Studien positiv auf die    turen, Werbeabteilungen in Unternehmen, Messe-
   Markenwahrnehmung aus.                                bauer und Shopdesigner. „Wir können uns auch
                                                         vorstellen, dass das Ganze in der Kunst oder Kunst
                                                         am Bau eingesetzt wird oder auch in Hotelhallen“ ,
dann kann ich irgendwann den kompletten Raum             sagt von Trotha. „Wir wünschen uns, dass das Pro-
sehen.“ Genauso funktioniere auch das Realeyes-          dukt auch einen Platz im Medienmix findet; dass es
System. „Hinter jedem Schlüsselloch ist das kom-         für die Werbewirtschaft ein
plette Bild. Aber ich sehe nur einen bestimmten          Standardbaustein wird.“
Ausschnitt. Wenn ich viele Schlüssellöcher neben-
einander packe mit einem ganz leicht versetzten
Blickwinkel, dann bekomme ich den ganzen Raum
zu sehen. Dadurch schaffe ich auch dieses 3D-
Bild.“

Für die Anwender sei das Aufstellen des Plakats
allerdings „total simpel“ verspricht von Trotha. „Sie
                        ,
legen die Platte in einen Leuchtkasten, schließen
den an die Steckdose an und dann erscheint das
3D-Bild. Sie können den Kasten rund um die Uhr
an sieben Tagen die Wochen brennen lassen. Da
ist keine Software dahinter.“

Fünf Jahre lang haben Philipp von Trotha und sein
Geschäftspartner Felix von Laffert das System ent-
wickelt und zur Marktreife geführt. Zusammen mit
verschiedenen Spezialfirmen, namhaften Einrich-
tungen wie dem Fraunhofer Institut und oder dem
Informatik-Institut der Universität Kiel haben sie
den Belichter entwickelt, die Entwicklungsmaschine
gebaut und eine spezielle Software programmiert,            Kontakt zu REALEYES
die es erlaubt, aus einem 3D-Modell im Computer
250.000 Bilder zu generieren.
                                                            REALEYES GmbH
Damit ist eine Idee realisiert worden, die den heute        Am Kiel-Kanal 2
38 Jahre alte Physiker von Laffert bereits während          D - 24106 Kiel
seines Studiums verfolgt hatte. Damals hatte er
eine Holographie-Ausstellung in London besucht,             Tel.: +49 (0)431 / 530 221 - 30
in der dreidimensionale Bilder ausgestellt wur-             E-Mail: info@real-eyes.eu
den. „Das hat ihn begeistert“ sagt der gleichalt-
                                ,
rige von Trotha. „Die Holographie hat allerdings            www.real-eyes.eu
© visenso




"3D kann sich heute auch
ein Mittelständler leisten"
Wer seinen Kunden komplizierte Dinge zu verkaufen hat, kommt an 3D bald nicht mehr vorbei, sagen die Marke-
tingspezialisten Martin Zimmermann und Andreas Wierse. Die Gründer der Firma Visenso aus Stuttgart wollen virtuel-
le Welten kommerziell nutzbar machen. Sie sind seit 20 Jahren im Geschäft. Ihre Botschaft: „3D ergreift die Menschen
viel stärker.“ Die gute Nachricht ist: „Gerade im Bereich Marketing sind Dinge, die sich früher nur die Großen leisten
konnten, auch für den Mittelstand bezahlbar.“ Doch die Experten warnen. Eine Firma sollte nicht „mal eben“ konzept-
los auf den 3D-Zug aufspringen. „Das geht mit hoher Wahrscheinlichkeit in die Hose.“




BusinessVALUE24: Herr Wierse, wo steht die 3D-                 schon ein gutes Niveau erreicht. Viele Leute kön-
Technologie heute?                                             nen sich einen 3D-Film problemlos zwei Stunden
Wierse: In den Kinderschuhen steckt sie sicherlich             im Kino ansehen. Was die weiteren Entwicklungen
nicht mehr, das kann man schon daran sehen, wie                angeht, sind wir aber noch nicht am Ende. Das
das Thema 3D sowohl in Kinos als auch in Richtung              fängt beim Thema Brille an. Der Elektronikhersteller
Privatnutzer gepusht wird. Auch die Qualität hat               LG hat jetzt einen Monitor vorgestellt,
der für eine Person 3D-Darstellungen ohne Brille
erlaubt. Gerade in der Richtung wird sich noch ei-
niges tun, damit man mittelfristig dieses Hilfsmittel
loswird. Ich würde sagen, das erste Drittel des Ent-
wicklungsweges haben wir hinter uns.

BusinessVALUE24: Wo sehen die Trends?
Wierse: Gerade im Bereich Marketing sind Din-
ge, die sich früher nur die Großen leisten konn-
ten, auch für den Mittelstand bezahlbar. Mit einem
großen 3D-Fernseher auf eine Messe zu gehen, ist
im Hinblick auf die Kosten für die Hardware heute
kein Problem mehr. Wo es interessanter wird und                                                         © visenso
was gleichzeitig auch ein wenig anspruchsvoller ist,
das sind interaktive 3D-Präsentationen. Das ist für       Abtauchen in virtuelle Welten
Mittelständler, die aus der Menge herausstechen           Häufig ist dazu noch eine 3D-Brille nötig. Aber
wollen, bei einem guten Preis-Leistungsverhältnis         Experten sind sich sicher, dass die Brille bald der
machbar.                                                  Vergangenheit angehört.

BusinessVALUE24: Was kommt auf den Mittelstand
zu? Wird 3D zukünftig Pflicht sein?                      BusinessVALUE24: Welche Branchen sprechen Sie
Wierse: Es kommt darauf an, was man tut. Wer            an?
komplexe Produkte hat, die er seinen Kunden ver-        Zimmermann: Viele. Bei Medien und Entertainment,
mitteln möchte, der wird feststellen, dass 3D Dar-      Versicherungen und Banken werden zukünftig 3D-
stellungen den zweidimensionalen Visualisierun-         Technologien eine ganz andere Rolle spielen. Der
gen überlegen sind. Auch der emotionale Aspekt          Konsument erwartet, dass ihm möglichst plastisch
ist wichtig: 3D ergreift die Menschen viel stärker.     dargestellt wird, was mit seinem Geld bei der Bank
Da muss man dann auch aufpassen, dass es nicht          passiert; wie die Wirtschaftskreisläufe aussehen,
einen 3D-Hype gibt und alle nur 3D machen, um           welche Abhängigkeiten es gibt. Der Trend ist bei-
3D zu machen. Da ist die Technik schon noch an-         spielsweise bei Wissenschaftssendungen im Fern-
spruchsvoll. ‚Mal eben so etwas machen zu lassen,       sehen von „ Terra X“ bis „Planetopia“ zu beobach-
von jemandem, der sich nicht so auskennt, das           ten, die vermehrt 3D-Simulationen einsetzen. Die
geht mit hoher Wahrscheinlichkeit in die Hose.          Gesellschaft ist sehr daran interessiert, Dinge zu
                                                        verstehen.
BusinessVALUE24: Herr Zimmermann, wer nutzt 3D?
Zimmermann: 3D-Technlogie und virtuelle Wel-            BusinessVALUE24: Woher kommt eigentlich die Fas-
ten sind nicht mehr begrenzt auf Auto- oder Ma-         zination für 3D und virtuelle Welten?
schinenbauer. Wir adressieren jetzt auch neue           Zimmermann: Zum einen ist es immer wieder fas-
Branchen. Vor zehn Jahren mussten wir noch die          zinierend, wenn Sie eine 3D-Brille aufsetzen und
sogenannten First Mover finden, die mutig ge-            vor Ihnen dann ein Gebilde schwebt. Und diese
nug waren, in diese Bereiche zu gehen. Heute            Faszination lässt nicht nach. Der Mensch ist ein Au-
kooperieren wir beispielsweise mit dem französi-        gentier. Diese Reize sprechen ihn einfach an. Zum
schen Softwarekonzern Dassault Systèmes. Er hat         anderen hat schon Konfuzius völlig richtig gesagt:
eine neue Produktreihe auf den Markt gebracht:          „Wenn ich etwas höre, vergesse ich es, wenn ich
3DVIA. Sie zielt unter anderem darauf ab, kleinen       es sehe, kann ich mich daran erinnern, und wenn
und mittleren Unternehmen eine 3D-Virtual Reality       ich es selber gemacht habe, dann habe ich es ver-
Umgebung an die Hand zu geben, so dass diese            standen.“ Es wird spannend, wenn Sie selbst ein
Technologie auch für den breiten Einsatz nutzbar        Beteiligter sind, etwa ein Fahrzeug aufschneiden,
wird. Wir bringen unsere Erfahrung ein, um diese        skalieren, durch Ventile hindurch fliegen. Dadurch
einer breiten Anzahl von Unternehmen zur Verfü-         werden Welten zugänglich, die sonst verschlossen
gung zu stellen.                                        sind.
© visenso

   3D Simulationen helfen komplexe Produkte zu
   veranschaulichen. Das macht die Technologie so
   wertvoll für unterschiedlichste Unternehmens-
   bereiche – von der Produktion bis zum Marketing.




BusinessVALUE24: Sie beschäftigen sich auch mit
Werbung. Wie hilft 3D, ein Produkt zu verkaufen?
Zimmermann: Zum einen ist es im Marketing-Um-
feld wichtig, die Leute zu faszinieren und zu verblüf-
fen. Ein weiterer Aspekt, der unserer Meinung nach
noch wichtiger ist: Sie können komplexe Zusam-
menhänge teilweise spielerisch erläutern oder er-
fahrbar machen. Wenn Sie die Technisierung unse-
rer Welt betrachten, dann sind viele Dinge einfach
nicht mehr nachvollziehbar. Wenn Sie da Wege
finden, über Animation und 3D-Technologien ei-
nen komplexen Zusammenhang einfach versteh-
bar und nachvollziehbar zu machen, dann hilft es,
die Kompetenz der Unternehmen darzulegen; und
man kann Menschen etwas an die Hand geben,
mit dem sie sich verorten können.

BusinessVALUE24: Nennen Sie mal ein Beispiel.
Zimmermann: Fukushima ist ein Beispiel. Jeder
wusste: Das ist ein dramatischer Atomunfall. Aber
viele fragten sich: Was ist denn eine Kernschmelze
genau? Was heißt es, wenn Radioaktivität austritt?
Das sind Dinge, für die 3D hervorragend geeignet
ist, Verständlichkeit zu schaffen.
                                                         Kontakt zu Visenso
BusinessVALUE24: Was treibt die Entwicklung voran?
Zimmermann: Die Technik kommt über die Un-
terhaltungselektronik in die Haushalte, über die
Filmindustrie und natürlich auch über die Spielein-      VISENSO GmbH
dustrie. Das Engineering verdankt den Preisverfall       Nobelstraße 15
bei den Grafikkarten der Vielzahl an Gamern. Sie          D - 70569 Stuttgart
haben eine hohe Nachfrage geschaffen. Deshalb
werden Grafikkarten jetzt für einen Millionenmarkt        Tel.: +49 (0)711 / 849 700 - 0
produziert und sind dadurch viel günstiger.              Fax: +49 (0)711 / 849 700 - 79
                                                         E-Mail: info@visenso.de

                                                         www.visenso.de
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Geschäftsreise adé:
Das 3D Telefon holt Businesspartner ins Zimmer


Es soll der größte Durchbruch seit er Erfindung des Telefons werden: Hochschulforscher entwickeln in der Schweiz
Instrumente, die Normalsterbliche nur aus sehr kostspieligen Science-Fiction-Filmen kennen. Wer je „Star Wars“ ge-
sehen, hat nie mehr den eindrucksvollen 3D-Effekt vergessen, als ein kleiner Roboter den Hilferuf von Prinzessin Leia
holographisch ausstrahlt. Etwas Vergleichbares will Prof. Markus Gross konstruieren. In drei Jahren soll die Technik
marktreif sein.

Gross ist an der Eidgenössischen Technischen                   hen, denn es gibt non-verbale Kommunikation und
Hochschule in Zürich als Leiter des Labors Compu-              viele Meta-Ebenen, auf denen man kommuniziert.“
tergrafik und -animation tätig. Die neue 3D-Über-               Über einen so begrenzten Kanal wie einem Telefon
tragung soll die Kommunikation ähnlich revolutio-              oder einer Videokamera gehe ein Großteil dieser
nieren wie vor fast 150 Jahren die Erfindung des                wichtigen Informationen verloren, erläutert der For-
Telefons. „Die physische Präsenz ist sehr wichtig,             scher. „Unser Ziel ist es, die „nächste Generation“
deshalb trifft man sich, deshalb finden viele Ge-               dieser Systeme zu entwickeln, in die man dann ein-
schäftsreisen statt. Man muss sein Gegenüber se-               tauchen kann,
die den Eindruck der physischen Präsenz stärker       „Es gibt noch andere Anwendungen, die wir uns
vermitteln.“                                          sehr gut vorstellen können“ erläutert Gross. „Etwa
                                                                                   ,
                                                      technische wissenschaftliche Anwendungen. Wir
Geplant ist ein mannshohes 3D-Display, das es         sehen Potenzial für diese Technik bei der Auswer-
erlaubt, einen Menschen in voller Größe dreidi-       tung von Experimenten oder auch in der Telemedi-
mensional darzustellen. Jedes Zwinkern, Lächeln       zin. Für diagnostische Zwecke oder Operationen
und jede Geste wird dann für Konferenzteilnehmer      können Experten aus aller Welt zugeschaltet wer-
zu sehen sein - auch wenn der Gesprächspartner        den.“ Doch nicht nur von Seiten der Forschung und
gar nicht persönlich anwesend ist. „Das Display ist   Wirtschaft rechnet der Experte mit großer Nach-
durchsichtig“ sagt Professor Gross. „So dass man
            ,                                         frage. „Auch die Unterhaltungsindustrie darf man
das Gefühl hat, die Person steht im Raum“.            nicht unterschätzen. Das ist ein Milliardenmarkt.
                                                      Solche beweglichen 3D-Displays kann man sich
Für ein solches 3D-Gespräch braucht man mindes-       wirklich überall vorstellen, beispielsweise für Spiele
tens zwei dieser Apparate. Ähnlich wie beim Tele-     oder interaktive Unterhaltungen.“
fon kann man niemanden anrufen, der nicht auch
ein Gerät besitzt. Das Modell ermöglicht aber
mehr als nur die Abbildung eines Menschen: Auch
die Bewegung im Raum wird nachgeahmt. Dafür
ist das Display auf einen fahrbaren Untersatz mon-
tiert. Geht der eine Gesprächspartner in seinem
Büro während der 3D-Konferenz auf und ab, tut
das sein weit entferntes virtuelles Abbild auch.

Übertragen werden die Bilder über Kameras, die
oben an dem Display befestigt sind. Diese Ka-
meras übertragen nicht nur das Bild einer Person.
„Man braucht, um eine solche Vision zu betreiben,
ein Gerät, das die Tiefe im Raum ermittelt - und
das in Realzeit“ sagt der 3D-Experte Gross. „Zu-
                ,
mindest sollte es den Abstand von der aktuellen
Person ermitteln und diesen Menschen auch erfas-
sen. Dazu braucht es neben Kamerasensoren auch
Tiefensensoren.“

Die Forscher gehen davon aus, dass die Tele-Pre-
sence, so das Fachwort für diese Art 3D-Übertra-
gung, der Schlüssel zu einem Multi-Milliarden-Dol-
lar-Markt ist. Von diesem Vermögen möchten die
Wissenschaftler ein Stück sichern.

Einsatzmöglichkeiten für die neue Technik gebe es
viele, so Gross. „Das eine sind selbstverständlich
Videokonferenzen, gemeinsame Projekte und tech-
nische Meetings“ sagt der Forscher. „
                 ,                    Vor allem für
Firmen, die weltweit operieren.“ Um sich die Fort-
schritte bei der Produktentwicklung anzusehen,
müssen Ingenieure und Management eines Unter-
nehmens sich dann nicht mehr am selben Ort tref-
fen. Sie sehen alles in ihren 3D-Videokonferenzen.
Das spart den Firmen Geld und macht sie flexibler.                                @ Markus Gross, ETH Zürich
Auch müssen, wenn Züge und Flüge einmal nicht
einsatzfähig sind, keine Konferenzen mehr abge-         So sieht eine Telefonkonferenz der Zukunft aus:
                                                        Von dem durchsichtigen Display hebt sich das Bild
sagt werden. Gleich ob es einen starken Winter-         dreidimensional ab. Dank seines fahrbaren Unter-
einbruch in Europa, Wirbelstürme in den USA oder        satzes reagiert das virtuelle Abbild auch auf Bewe-
einen Vulkanausbruch auf Island gibt.                   gungen im Raum.
Gross baut die Prototypen für die 3D-Konferenzen
zusammen mit Forschern aus Singapur und den
USA im Rahmen des Projekts „BeingThere“ Insge-
                                           .
samt arbeiten mehr als 30 Spezialisten daran, den
Traum der 3D-Projektion für jedermann zu realisie-
ren. Dazu müssen sie viele der Komponenten aber
erst noch entwickeln. Die durchsichtigen Displays
sind dabei eine ganz besondere Herausforderung.
Bisher gibt es nur wenige Firmen, die erste Proto-
typen solcher Displays herstellen. Da am Ende ein
dreidimensionales Bild erscheinen soll, das auch
ohne spezielle Brille erkennbar ist, „braucht man
vor dem eigentlichen Display ein optisches Ele-
ment.“ Dieses Element darf aber die Durchsichtig-
keit des Displays nicht beeinflussen.

Massenmarkttauglich soll die Tele-Presence trotz-
dem schon in wenigen Jahren sein. „Die einzelnen
Bestandteile sind nicht sehr teuer. Ich denke, dass
man unsere Technik preislich in einen Bereich brin-
gen kann, wo sie vergleichbar mit Unterhaltungs-
elektronik ist. Das sehe ich durchaus realistisch.“
                                                      Werden Sie
                                                      Gastautor




  Kontakt



  Prof. Dr. Markus Gross                              Sie sind 3D-Profi oder kennen sich mit virtu-
  Department of Computer Science                      ellen Welten aus? Dann werden Sie Gast-
  Universitätstrasse 6                                autor! Für unser aktuelles Themenspecial
  ETH Zentrum                                         „3D und Virtuelle Welten für den Mittel-
  CH - 8092 Zürich                                    stand“ suchen wir noch spannende Texte.

  Tel.: +41 (0)44 / 632 71 14                         Schicken Sie Ihren Artikel bis zum 15.10.2011
  Fax: +41 (0)44 / 632 15 96                          einfach an:
  E-Mail: grossm@inf.ethz.ch                          redaktion@businessvalue24.de
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Die Digitale Fabrik:
"Sie erkennen schon im Vorfeld Fehler"
Herbert Beesten reißt Wände ein, bevor sie gebaut sind. Seine 3D-Animationen von geplanten Fabriken und Lager-
hallen können Investoren Millionen sparen. Denn in der virtuellen Welt tritt möglicher Verbesserungsbedarf viel klarer
zu Tage als in der klassischen Blaupause des Architekten. „Je später der Fehler auffällt, umso teurer wird er“, sagt der
Diplomingenieur. Lange war diese Technologie nur für Großkonzerne erschwinglich. Jetzt gibt es auch Konzepte für
Mittelständler.


BusinessVALUE24: Herr Beesten, was ist eine Digitale            den vor allem die Automobilindustrie vor einigen
Fabrik?                                                         Jahren geprägt hat.
Beesten: Unter dem Begriff „Digitale Fabrik“ sind
alle computergestützten Techniken zusammenge-                   BusinessVALUE24: Wo nutzt man eine Digitale
fasst, die sich mit Planung, Simulation, Betrieb und            Fabrik?
auch dem Optimieren von Produktionsanlagen be-                  Beesten: Der Klassiker ist die Automobilindustrie,
schäftigen. Dabei werden 3D-Welten und neue Vir-                die die Digitale Fabrik sehr systematisch umsetzt
tual-Reality-Techniken miteinander verbunden. Es                - von der Konstruktion über Produktion und Mon-
ist ein weiter und manchmal schwammiger Begriff,                tage bis zur Logistik. In anderen Branchen wird die
Digitale Fabrik beispielsweise für die Erstellung
neuer Lager- und Produktionsstätten oder neu-
er Logistikzentren genutzt. Auch mittelständische
Unternehmen setzen diese Technik gern ein, wenn
sie eine neue Fabrik planen. Die dreidimensionale
Darstellung ist in der internen Kommunikation sehr
sinnvoll.

BusinessVALUE24: Warum?
Beesten: An solchen Prozessen sind viele betei-
                                                                                                      © tarakos
ligt: Vom einfachen Arbeiter, der an der Werkbank
steht, über den Sicherheitsingenieur bis zum Pro-
duktionschef und dem Logistikleiter. Da ist die Di-
gitale Fabrik, in der man sich bewegt, ein bisschen
wie das Computerspiel für den Ingenieur. Die Ab-
läufe kann man durch die virtuelle Darstellung viel
besser nachvollziehen. Auch Betriebswirte oder
Finanzexperten können sich so die zukünftige Fa-
brik besser vorstellen, um dann Entscheidungen
zu treffen. In vielen Fällen ist es also ein Medium,
das Entscheidungsprozesse begleitet. In der Re-                                                       © tarakos
gel versucht man, eine geplante Fabrik möglichst
realistisch virtuell aufzubauen. Dabei sollen alle
Aspekte berücksichtigt werden, die auch nachher
in der wirklichen Produktions- oder Logistikstätte
stattfinden könnten. So erkennen Sie schon im Vor-
feld Fehler.

BusinessVALUE24: Und die können teuer werden…
Beesten: Es gibt die typischen Kostenanalysen, die
berechnen, wie teuer es ist, wenn bei einem neu-
                                                                                                      © tarakos
en Werk, das gebaut wird, zu einem bestimmten
Zeitpunkt ein Fehler entdeckt wird. Das heißt, je         Die digitale Fabrik
später der Fehler auffällt umso teurer wird er. Im
                                                          In der digitalen Fabrik werden Planungsfehler schnell
schlimmsten Fall kann eine Fabrik ein halbes Jahr
                                                          entdeckt. Auch Produktionsabläufe lassen sich mit
stillstehen, weil eine bestimmte Maschine nicht           Software optimieren.
durch die zu kleine Tür passt oder die Fundamen-
te nicht stimmen. Solche Fehler können mit einer
Digitalen Fabrik früh erkannt werden. Wenn unter-
schiedliche Leute aus verschiedenen Bereichen vir-      hende Anlagen zu optimieren oder auszubauen.
tuell durch die geplante Fabrik gehen, dann fallen      Einige Kunden setzen unsere Produkte auch in der
ihnen Fehler sofort ins Auge. Ein einfaches Beispiel:   Produktion oder Logistik ein. Da geht es dann da-
Der Angestellte, der irgendwelche Kartons packt,        rum, eine tatsächliche Anlage als virtuelles Modell
sagt „Da brauche ich mehr Platz, um die Kartons         nachzubauen. Dabei werden alle Parameter, die
zu stapeln“ Oder der Sicherheitsingenieur sieht,
             .                                          im Betrieb vorhanden sind, berücksichtigt. So kann
dass ein Sicherheitsabstand nicht gewährleistet         derjenige, der seine Anlage verbessern will, etwa
ist und der Konstrukteur sieht, dass die Decke zu       die Produktionstakte und den Durchsatz einstellen,
niedrig sind. Das sind die Möglichkeiten, die immer     die er in der realen Fabrik vorfindet. In der virtu-
wieder auftauchen.                                      ellen Anlage lassen sich diese Werte dann verän-
                                                        dern. Das Programm berechnet, wie sich daraufhin
BusinessVALUE24: Wird die Digitale Fabrik einge-        die Produktion entwickelt. So kann man prüfen, wo
setzt, bevor die wirkliche Fabrik gebaut wird?          Unterschiede liegen und kann so die Anlage opt-
Beesten: Genau, das ist der klassische Ansatz,          mieren.
wenn man also einen Änderungs- oder Baubedarf
hat. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, beste-
genau geschaut. Nicht nur darauf, was die Soft-
                                                         ware kostet, sondern auch, welche Projekte damit
                                                         umsetzbar sind oder welche Qualifikation die Mit-
                                                         arbeiter brauchen. Das sind die drei wichtigen Fra-
                                                         gen, die immer dahinter stehen.

                                                         BusinessVALUE24: Was kann man mit einer Digitalen
                                                         Fabrik alles simulieren?
                                                         Beesten: Von der Crashsimulation über Konstrukti-
                                                         on bis hin zum Schwingungsverhalten der Maschi-
                                                         nen eigentlich alles. Meist will man aber wissen,
                                                         welchen Raumbedarf man hat, wenn man eine
                                                         Produktion plant. Oder man möchte die Produk-
                                                         tionskapazitäten bestimmen und diese dann op-
                                             © tarakos
                                                         timieren. Auch logistische Aspekte, Produktions-
  Die Geschäftsführer Christian Höpner und Herbert       abläufe, Materialfluss lassen sich darstellen: Wie
  Beesten entwickeln Virtual Reality-Anwendungen für     kommt ein Material zur Maschine? Mit dem Stap-
  die mittelständische Industrie.                        ler? Wo habe ich den Warenausgang? Was mache
                                                         ich mit Abfall, Spänen und Verpackungsmaterial.
                                                         Diesen Betrieb kann man mit der Software vorher
BusinessVALUE24: Wie schafft man es eigentlich,          simulieren.
eine ganze Fabrik zu digitalisieren?
Beesten: Dazu gibt es viele Softwareprogramme.           BusinessVALUE24: Gibt es Grenzen in Komplexität?
Ein zentraler Gedanke bei der Digitalen Fabrik ist       Beesten: Es gibt starke Grenzen von der Komple-
die Vereinheitlichung. Also dass die Systeme unter-      xität und vom Aufwand her. Es lohnt sich nicht,
einander kompatibel sind, dass möglichst wenige          alles bis ins kleinste Detail virtuell nachzubauen,
Arbeiten doppelt gemacht werden müssen. Auch             sondern es gibt eine Mischung von verschiedenen
die sogenannte Datenkonsistenz ist wichtig. Das          Tools und Methoden, die man anwendet. Unser
heißt, wenn an irgendeinem dieser Tools etwas            Tool ist im unteren und mittleren Leistungsbereich.
geändert wird, sei das in der Konstruktion, in der
Produktionsstatistik oder beim Architekten, dann         BusinessVALUE24: Was ist Ihr Rat, wenn man noch
erhalten alle anderen Systeme automatisch diese          keine Erfahrung hat mit solcher Software?
Information.                                             Beesten: Fangen Sie mit überschaubaren Projekten
                                                         an und versuchen nicht gleich eine gesamte kom-
BusinessVALUE24: Bei all diesen Vorteilen entstehen      plexe Fabrik digital nachzubilden.
auch durch die Digitale Fabrik Kosten für das Unter-
nehmen. Beispielsweise muss das Personal geschult
werden. Wann lohnt sich der Einsatz einer 3D-Soft-
ware?
Beesten: Die wirtschaftliche Bewertung ist natürlich
immer schwierig. Bei KMUs ist es immer eine Fra-
ge des Einsatzes und Aufwandes. Wenn ein Mittel-
ständler eine Digitale Fabrik mit aller Konsequenz
                                                            Kontakt zu tarakos
umsetzen will, also mit dem nötigen Equipment
und der Qualifikation der Mitarbeiter, ist das fast
so aufwendig, wie bei einem großen Unterneh-                tarakos GmbH
men. Deshalb wird bei kleineren und mittleren Un-           Werner-Heisenberg-Str. 1
ternehmen die Schwelle der Wirtschaftlichkeit erst          39106 Magdeburg
später erreicht als bei großen Unternehmen – oder
aber gar nicht.                                             Tel.: +49 (0)391 / 597 495 - 0
                                                            Fax: +49 (0)391 / 597 495 - 33
BusinessVALUE24: KMUs müssen eher rechnen?                  E-Mail: info@tarakos.com
Beesten: Das ist richtig. Das ist ein wichtiger Punkt.
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Impressum

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Die Zukunft ist jetzt: 3D und Virtuelle Welten im Mittelstand Themenspecial vom Online-Wirtschaftsmagazin BusinessVALUE24

  • 1. BusinessVALUE24 zeigt in einer neuen Serie, was 3D-Techno- logie und virtuelle Welten im Mittelstand leisten können, beschäftigt sich aber auch mit den Grenzen und Risiken der Technologie. Lesen Sie jede Woche mehr auf BusinessVALUE24: www.businessvalue24.de
  • 2. © sellingpix - Fotolia.com VORWORT Aus der Fernsehserie „Star-Trek“ und dem Kino-Hit „Star Wars“ kennen wir sie schon lange: Holo- decks; Hologramme, die Nachrichten überbringen oder Replikatoren, die auf Knopfdruck Essen und andere Dinge des täglichen Bedarfs erzeugen. Nach und nach werden diese Visionen Wirklichkeit. Mit 3D-Druckern lassen sich Autos oder Geigen herstellen, über Tele-Presence werden in Telefon- konferenzen die Gesprächspartner bald in 3D erscheinen und in sogenannten immersiven Welten kann man in eine virtuelle Realität eintauchen und mit der Umgebung interagieren. Faszinierende Möglichkeiten ergeben sich daraus. Grund genug, diese Technologie einmal genau unter die Lupe zu nehmen. In unserem aktuellen Themenspecial widmen wir uns deshalb 3D-Technologien und Vir- tuellen Welten. BusinessVALUE24 wird in den nächsten Wochen wichtige Hotspots der Entwicklungen vorstellen und das Thema von allen Seiten beleuchten. Über uns: BusinessVALUE24 ist ein Online-Wirtschaftsmagazin für den Mittelstand. Wir berichten schwerpunktmäßig über Social Media-Trends, Marketing im Web 2.0 und neue Technologien.
  • 3. Inhalt Aller Guten Dimensionen Sind drei Früher war 3D-Technik nur für Film und Fernsehen ein Thema. Doch seit zehn Jahren gewinnt 3D immer mehr Freunde im Wirtschaftsleben. Einfach herausragend: 3D in der Plakatwerbung Ein deutsches Startup-Unternehmen wird den Werbemarkt revolutionieren, mit Plakaten, die einem wortwörtlich entgegen springen. 3D kann sich heute auch ein Mittelständler leisten Wer seinen Kunden komplizierte Dinge zu ver- kaufen hat, kommt an 3D bald nicht mehr vorbei. Visenso macht virtuelle Welten kommerziell nutzbar. GEschäftsreise Adé: Das 3D Telefon holt Businesspartner ins Zimmer Hochschulforscher entwickeln in der Schweiz Instrumente, die Normalsterbliche nur aus sehr kostspieligen Science-Fiction-Filmen kennen. Die Digitale Fabrik "Sie erkennen schon im Vorfeld Fehler" Herbert Beesten reißt Wände ein, bevor sie gebaut sind. Seine 3D-Animationen können Investoren Millionen sparen.
  • 4. © Konovalov Pavel - Fotolia.com Aller guten Dimensionen sind drei Besser verkaufen, besser planen, besser verstehen: 3D-Technik und virtuelle Welten sind der letzte Schrei unter den Business Trends. Was bis vor kurzem nur große Konzerne bezahlen konnten, ist jetzt auch für Mittelständler erschwinglich. BusinessVALUE24 zeigt in einer neuen Serie, was 3D leisten kann, beschäftigt sich aber auch mit den Grenzen und Risiken der Technologie. Früher war 3D-Technik nur für Film und Fernsehen heute noch viel Körpersprache verloren geht, ein Thema. Doch seit zehn Jahren gewinnt die drit- kann wohl schon bald eine 3D-Projektion wichtige te Dimension immer mehr Freunde im Wirtschafts- Information des Gesprächspartners liefern. leben. Denn plastische Darstellungen machen viele Dinge einfacher. Man kann falsch geplante Die Automobilindustrie nutzt seit Jahren die Vor- Regale in Lagerhallen umgestalten, die noch gar züge von 3D-Animationen, um Crashs zu simulie- nicht gebaut sind. Man kann Messebesucher und ren oder ihre Produktionsabläufe zu verbessern. Kunden mit Anblicken beeindrucken, die sie nicht Andere Großkonzerne wie IBM oder Cisco haben erwartet hätten. Und wo bei Videokonferenzen virtuelle Welten wie Second Life für sich entdeckt
  • 5. Die rasanten Entwicklungen machen auch vor dem Internet nicht Halt: Das Web wird dreidimensio- nal. Bisher waren verschiedene Zusatzprogram- me nötig, um 3D-Grafiken im eigenen Browser darzustellen. Seit einigen Monaten gibt es nun ei- nen lizenzfreien Standard, auf den sich viele Soft- warehersteller und Internetunternehmen geeinigt haben. Dieser Standard, das sogenannte Web GL, ermöglicht es, 3D-Grafiken direkt im Browser und nutzen diese für Web-Konferenzen oder für die darzustellen. Beliebte Webbrowser wie Google Ausbildung ihrer Mitarbeiter. Viele dieser Vorzüge Chrome oder Mozilla Firefox unterstützen Web GL waren bisher nur den ganz Großen vorbehalten, bereits. Für Programmierer und Entwickler ist das denn die Technologie war lange Zeit unerschwing- ein großer Vorteil: Sie können sich sicher sein, dass lich. Mitte der 1990er Jahre kostete eine sogenann- fast jeder Internetnutzer sich ihre Animationen und te Virtual Reality Anlage noch rund eine Million Darstellungen auch ansehen kann, ohne erst noch Mark. komplizierte Software zu installieren. Doch seit dem hat sich viel getan. DieTechnik kommt Die Branche schätzt 3D im Internet inzwischen als über die Unterhaltungselektronik in die Haushalte. Megatrend ein. Internetunternehmer Mervyn Le- Jeder will die 3D-Filme aus dem Kino auch zuhause vin zum Beispiel prophezeit: „Die wachsende Zahl sehen. Das Engineering verdankt den Preisverfall von 3D-Anwendungen ist die nächste Phase der bei den Grafikkarten der Vielzahl an Gamern. Sie Internet-Revolution und wird wahrscheinlich die haben eine hohe Nachfrage geschaffen. Deshalb gleichen Auswirkungen haben wie die erste Web- werden Grafikkarten jetzt für einen Millionenmarkt Explosion.“ Die Verschmelzung von Spieletechno- produziert und sind dadurch viel günstiger. Auch logie, Virtuellen Welten und Social Web reizt vor die Entwicklung und weite Verbreitung von Spiele- allem die Elite von morgen, die nichts anderes als konsolen wie die Nintendo-Wii oder die Microsoft das Onlinezeitalter kennt und langsam in die Be- Xbox haben für einen Inno-vationsschub gesorgt. rufe strebt. So hat sich die dreidimensionale Welt „Second Life“ von einem Tagträumer-Spiel zu ei- 3D wird damit auch für den Mittelstand interessant. nem virtuellen Treffpunkt der realen Welt entwickelt. Die Vorteile, die dreidimensionale Inhalte bieten, Fortbildungen, Konferenzen und Weiterbildungen sind vielfältig und helfen in jedem Unternehmens- finden hier statt. bereich: Produkte werden mit 3D-Technologien entworfen, 3D ist gut für die Markenbildung, da Die Universität Heilbronn hält dort beispielsweise man Produkte und Leistungen einfacher demonst- virtuelle Seminare ab für Fach- und Führungskräf- rieren kann. 3D unterstützt auch den Verkauf, es hilft te des Mittelstands. Die Referenten aus der Praxis bei der Rekrutierung und es erhöht die Produktivi- schickten ebenso ihre liebevoll gestalten Online- tät. Und es kann eine Menge Dienstreisen erspa- Alter Egos (Avatare) wie die Zuhörer. Während ren. der abendlichen Seminare konnten sich die 32 Teilnehmer untereinander austauschen, diskutieren Auch Verbraucher lieben die dritte Dimension. Kon- und als „Avatare“ im Raum bewegen sowie inter- sumenten entwickeln eine neue Produkterfahrung, agieren. „Das Konzept der virtuellen Veranstaltung die emotionaler ist als bei herkömmlicher Werbung. kann als voller Erfolg gewertet werden“ resümiert , Das zeigt auch eine Studie des Marktforschungsin- Prof. Sonja Salmen. Der Online-Treffpunkt sparte stituts Skopos. Das Institut zeigte Testpersonen ei- 200 Stunden Fahrzeit, etwa 1600 Kilometer Fahrt- nen Werbespot über ein erfundenes Fruchteis ent- weg und rund 5900 Euro Spritkosten. weder in 3D oder in herkömmlichem 2D. Nach der 3D-Ausstrahlung verspürten die Zuschauer mehr 3D ist eine Technik, die viele Chancen, aber auch Lust, das Eis zu probieren und auch die Kaufwahr- Tücken in sich birgt. BusinessVALUE24 wird in den scheinlichkeit war deutlich größer. Allerdings muss nächsten Wochen wichtige Hotspots der Entwick- man im Hinterkopf behalten, dass der Effekt auch lungen vorstellen und das Thema von allen Seiten von Qualität der Bildschirmauflösung und Digitali- beleuchten. sierung abhängt.
  • 6. ©realeyes Einfach herausragend: 3D in der Plakatwerbung Weg mit der Brille! Das ist für 3D-Forscher der Knackpunkt schlechthin.Ein deutsches Startup-Unternehmen hat eine vielversprechende Technik entwickelt. Das System könnte den Werbemarkt revolutionieren: Plakate, auf denen die Produkte dem Betrachter wortwörtlich entgegen springen. Die 3D-Branche ist auf das Thema Brille nicht gut die Werbewelt aufrollen: Ein 3D-Plakat. „Es ist ein zu sprechen. Ihre Experten arbeiten momentan vor echtes 3D-Bild“ erklärt Realeyes-Geschäftsführer , allem an einem Ziel: Die Brille muss weg. Denn Philipp von Trotha. kein Normalbürger oder Messebesucher läuft für gewöhnlich mit einer Spezialbrille durch die Ge- Es sind beeindruckende Anblicke: Ein Astronaut, gend. Wer diese Leute mit einer dreidimensionalen dessen Arm weit aus dem Bild herausragt. Er bietet Werbung oder Präsentation überraschen und ein- Passanten scheinbar eine Getränkedose an. Oder fangen will, muss ihnen den tollen Effekt auf dem ein Motorcross-Fahrer, der mit seinem Bike aus Silbertablett servieren. Ohne Hilfsmittel. Eine junge dem Plakat springt. „Unsere Objekte können bis Firma aus Kiel ist schon am Ziel. Ihr Patent könnte zu einem Meter aus dem Bild herauskommen.
  • 7. In der Tiefe können wir bis zu zwei Meter scharf ab- Fläche so groß wie acht Zeichenblöcke. Auf die- bilden. Danach geht es ins Unendliche und wird ser Fläche sind 250.000 Mikrolinsen untergebracht, unscharf.“ Dabei muss der Betrachter nicht einmal keine größer als ein Streichholzkopf. Diese Linsen genau vor dem Bild stehen, um den 3D-Effekt zu sind kleine Kameras. Sie dienen dazu, das Motiv erkennen. „Man kann sich auch vor dem 3D-Bild aufzunehmen, erzeugen später aber auch den 3D- bewegen und hat immer ein räumliches Bild“ be- , Effekt. Dahinter ist der Film, der die Information schreibt von Trotha. „Man kann in die Hocke ge- speichert. Er verfügt über eine riesige Speicherka- hen, kann das Bild von unten betrachten, von links pazität. von rechts oder von oben, ohne dass es Sprünge gibt.“ Gängige 3D-Systeme funktionieren anders. Spezi- elle Fernseher oder -Kinofilme nutzen sogenannte stereoskopische Bilder, die dem Zuschauer zwei Bilder vor das Auge spielen. Damit im Gehirn ein 3D-Eindruck entsteht, braucht man eine spezielle Brille, die die zwei Bilder nebeneinandersetzt. Die Kieler Erfinder wählten einen ganz anderen Weg bei den Displays und bauen mit modernster Tech- nik auf erprobter Grundlage auf: „Eigentlich ist das ein ‚Schritt zurück‘, weil wir einen analogen ©realeyes Film nutzen, wie man es von früher kennt, als es noch keine Digitalkameras gegeben hat“ sagt von , Der Motorcross-Fahrer springt förmlich aus dem Bild. Trotha. „Da hat man eine Filmrolle in die Kame- Der Effekt ist ohne 3D-Brille zu erkennen. Möglich machen das rund 250.000 Streichholzkopf ra gesteckt, hat seine Fotos geschossen, den Film große Linsen. wieder rausgenommen und entwickelt. Im Grunde genommen machen wir genau das Gleiche.“ So unkompliziert das klingt, so anspruchsvoll ist die „Im Grunde ist das, was wir machen, die High- Gesamtkonstruktion: Gerade einmal acht Millime- tech-Version von Wackelpostkarten“ veranschau- , ter tief ist das Display, jedoch in der licht von Trotha. „Da haben Sie eine sogenannte Lentikular-Schicht und dahinter ist ein Bild.“ Jedoch ist die Bildauflösung bei dem beliebten Souvenir Produktion und Kosten gering. Zudem sitzen die Bildpunkte nicht ganz ex- akt hinter der Linse. „Deshalb sind die 3D-Effekte einer Wackelpostkarte auch gering.“ Der Clou der neuen Methode ist, dass der Film und die Linsen erst zusammengeklebt und dann belichtet werden. Das Bild, das nachher auf dem Film zu sehen ist, wird zuvor im Computer erzeugt. In einem Belichter werden die Informationen aus © milos - Fotolia.com dem Computer mit Hilfe von LEDS auf das Filmma- terial belichtet. „Hinter jeder Linse sitzt das kom- In der Produktionshalle in Kiel stellt Realeyes die plette Bild“ sagt von Trotha. „Das sind im Grunde , Displays her. Rund 14 Tage dauert die Lieferung für genommen auf 250.000 Bilder auf einem Quad- ein Display, wenn das Motiv vorliegt. Das Bild lässt ratmeter. Wir legen 232 Gigabyte auf dem Film ab. sich auch auswechseln. Parallel zum Kauf vermie- Das ist eine unglaubliche Datenmenge.“ tet Realeyes das Display auch.. Das lohnt sich zum Beispiel, wenn man es auf einer Messe einsetzen will. Ein einzelnes Display kann maximal in Größe DIN A0 Dass sich nachher ein dreidimensionales Bild formt, hergestellt werden. Dieses kann man aber beliebig liegt daran, dass die Linsen nach dem Prinzip eines mit weiteren Displays zusammensetzen und damit die Schlüssellochs funktionieren. „Wenn ich durch ein Anzeigefläche vergrößern. Wie bei einem großen Wer- Schlüsselloch hindurchschaue, sehe ich nur einen beplakat, das aus mehreren Teilen besteht, entsteht dann ein einzelnes großes Bild. bestimmten Ausschnitt des Raumes hinter der Tür“ , erklärt von Trotha. „Wenn ich nun in eine Tür ganz viele Schlüssellöcher hineinbohre,
  • 8. einen Nachteil: Sie braucht einen dunklen Raum, weil das Bild von vorne beleuchtet werden muss. In lichtdurchfluteten Gebäude kann man so etwas nicht aufstellen.“ Von Laffert habe sich gefragt, „ob man das nicht auch anders machen kann und hat sich intensiv mit der Materie beschäftigt“ Dank sei- . ner Forschung ist für das 3D-Plakat ein heller Raum kein Problem mehr. Wo das dreidimensionale Plakat schließlich seine Nische finden wird, können die Unternehmer noch nicht genau sagen. „Das ist ein ganz neues Pro- © realeyes dukt“ sagt von Trotha. Vorwiegend werde es wohl , in der Werbung eingesetzt. Deshalb sprechen die Als könnte man es anfassen Kieler verschiedene Zielgruppen an: Werbeagen- 3D-Werbung wirkt sich laut Studien positiv auf die turen, Werbeabteilungen in Unternehmen, Messe- Markenwahrnehmung aus. bauer und Shopdesigner. „Wir können uns auch vorstellen, dass das Ganze in der Kunst oder Kunst am Bau eingesetzt wird oder auch in Hotelhallen“ , dann kann ich irgendwann den kompletten Raum sagt von Trotha. „Wir wünschen uns, dass das Pro- sehen.“ Genauso funktioniere auch das Realeyes- dukt auch einen Platz im Medienmix findet; dass es System. „Hinter jedem Schlüsselloch ist das kom- für die Werbewirtschaft ein plette Bild. Aber ich sehe nur einen bestimmten Standardbaustein wird.“ Ausschnitt. Wenn ich viele Schlüssellöcher neben- einander packe mit einem ganz leicht versetzten Blickwinkel, dann bekomme ich den ganzen Raum zu sehen. Dadurch schaffe ich auch dieses 3D- Bild.“ Für die Anwender sei das Aufstellen des Plakats allerdings „total simpel“ verspricht von Trotha. „Sie , legen die Platte in einen Leuchtkasten, schließen den an die Steckdose an und dann erscheint das 3D-Bild. Sie können den Kasten rund um die Uhr an sieben Tagen die Wochen brennen lassen. Da ist keine Software dahinter.“ Fünf Jahre lang haben Philipp von Trotha und sein Geschäftspartner Felix von Laffert das System ent- wickelt und zur Marktreife geführt. Zusammen mit verschiedenen Spezialfirmen, namhaften Einrich- tungen wie dem Fraunhofer Institut und oder dem Informatik-Institut der Universität Kiel haben sie den Belichter entwickelt, die Entwicklungsmaschine gebaut und eine spezielle Software programmiert, Kontakt zu REALEYES die es erlaubt, aus einem 3D-Modell im Computer 250.000 Bilder zu generieren. REALEYES GmbH Damit ist eine Idee realisiert worden, die den heute Am Kiel-Kanal 2 38 Jahre alte Physiker von Laffert bereits während D - 24106 Kiel seines Studiums verfolgt hatte. Damals hatte er eine Holographie-Ausstellung in London besucht, Tel.: +49 (0)431 / 530 221 - 30 in der dreidimensionale Bilder ausgestellt wur- E-Mail: info@real-eyes.eu den. „Das hat ihn begeistert“ sagt der gleichalt- , rige von Trotha. „Die Holographie hat allerdings www.real-eyes.eu
  • 9. © visenso "3D kann sich heute auch ein Mittelständler leisten" Wer seinen Kunden komplizierte Dinge zu verkaufen hat, kommt an 3D bald nicht mehr vorbei, sagen die Marke- tingspezialisten Martin Zimmermann und Andreas Wierse. Die Gründer der Firma Visenso aus Stuttgart wollen virtuel- le Welten kommerziell nutzbar machen. Sie sind seit 20 Jahren im Geschäft. Ihre Botschaft: „3D ergreift die Menschen viel stärker.“ Die gute Nachricht ist: „Gerade im Bereich Marketing sind Dinge, die sich früher nur die Großen leisten konnten, auch für den Mittelstand bezahlbar.“ Doch die Experten warnen. Eine Firma sollte nicht „mal eben“ konzept- los auf den 3D-Zug aufspringen. „Das geht mit hoher Wahrscheinlichkeit in die Hose.“ BusinessVALUE24: Herr Wierse, wo steht die 3D- schon ein gutes Niveau erreicht. Viele Leute kön- Technologie heute? nen sich einen 3D-Film problemlos zwei Stunden Wierse: In den Kinderschuhen steckt sie sicherlich im Kino ansehen. Was die weiteren Entwicklungen nicht mehr, das kann man schon daran sehen, wie angeht, sind wir aber noch nicht am Ende. Das das Thema 3D sowohl in Kinos als auch in Richtung fängt beim Thema Brille an. Der Elektronikhersteller Privatnutzer gepusht wird. Auch die Qualität hat LG hat jetzt einen Monitor vorgestellt,
  • 10. der für eine Person 3D-Darstellungen ohne Brille erlaubt. Gerade in der Richtung wird sich noch ei- niges tun, damit man mittelfristig dieses Hilfsmittel loswird. Ich würde sagen, das erste Drittel des Ent- wicklungsweges haben wir hinter uns. BusinessVALUE24: Wo sehen die Trends? Wierse: Gerade im Bereich Marketing sind Din- ge, die sich früher nur die Großen leisten konn- ten, auch für den Mittelstand bezahlbar. Mit einem großen 3D-Fernseher auf eine Messe zu gehen, ist im Hinblick auf die Kosten für die Hardware heute kein Problem mehr. Wo es interessanter wird und © visenso was gleichzeitig auch ein wenig anspruchsvoller ist, das sind interaktive 3D-Präsentationen. Das ist für Abtauchen in virtuelle Welten Mittelständler, die aus der Menge herausstechen Häufig ist dazu noch eine 3D-Brille nötig. Aber wollen, bei einem guten Preis-Leistungsverhältnis Experten sind sich sicher, dass die Brille bald der machbar. Vergangenheit angehört. BusinessVALUE24: Was kommt auf den Mittelstand zu? Wird 3D zukünftig Pflicht sein? BusinessVALUE24: Welche Branchen sprechen Sie Wierse: Es kommt darauf an, was man tut. Wer an? komplexe Produkte hat, die er seinen Kunden ver- Zimmermann: Viele. Bei Medien und Entertainment, mitteln möchte, der wird feststellen, dass 3D Dar- Versicherungen und Banken werden zukünftig 3D- stellungen den zweidimensionalen Visualisierun- Technologien eine ganz andere Rolle spielen. Der gen überlegen sind. Auch der emotionale Aspekt Konsument erwartet, dass ihm möglichst plastisch ist wichtig: 3D ergreift die Menschen viel stärker. dargestellt wird, was mit seinem Geld bei der Bank Da muss man dann auch aufpassen, dass es nicht passiert; wie die Wirtschaftskreisläufe aussehen, einen 3D-Hype gibt und alle nur 3D machen, um welche Abhängigkeiten es gibt. Der Trend ist bei- 3D zu machen. Da ist die Technik schon noch an- spielsweise bei Wissenschaftssendungen im Fern- spruchsvoll. ‚Mal eben so etwas machen zu lassen, sehen von „ Terra X“ bis „Planetopia“ zu beobach- von jemandem, der sich nicht so auskennt, das ten, die vermehrt 3D-Simulationen einsetzen. Die geht mit hoher Wahrscheinlichkeit in die Hose. Gesellschaft ist sehr daran interessiert, Dinge zu verstehen. BusinessVALUE24: Herr Zimmermann, wer nutzt 3D? Zimmermann: 3D-Technlogie und virtuelle Wel- BusinessVALUE24: Woher kommt eigentlich die Fas- ten sind nicht mehr begrenzt auf Auto- oder Ma- zination für 3D und virtuelle Welten? schinenbauer. Wir adressieren jetzt auch neue Zimmermann: Zum einen ist es immer wieder fas- Branchen. Vor zehn Jahren mussten wir noch die zinierend, wenn Sie eine 3D-Brille aufsetzen und sogenannten First Mover finden, die mutig ge- vor Ihnen dann ein Gebilde schwebt. Und diese nug waren, in diese Bereiche zu gehen. Heute Faszination lässt nicht nach. Der Mensch ist ein Au- kooperieren wir beispielsweise mit dem französi- gentier. Diese Reize sprechen ihn einfach an. Zum schen Softwarekonzern Dassault Systèmes. Er hat anderen hat schon Konfuzius völlig richtig gesagt: eine neue Produktreihe auf den Markt gebracht: „Wenn ich etwas höre, vergesse ich es, wenn ich 3DVIA. Sie zielt unter anderem darauf ab, kleinen es sehe, kann ich mich daran erinnern, und wenn und mittleren Unternehmen eine 3D-Virtual Reality ich es selber gemacht habe, dann habe ich es ver- Umgebung an die Hand zu geben, so dass diese standen.“ Es wird spannend, wenn Sie selbst ein Technologie auch für den breiten Einsatz nutzbar Beteiligter sind, etwa ein Fahrzeug aufschneiden, wird. Wir bringen unsere Erfahrung ein, um diese skalieren, durch Ventile hindurch fliegen. Dadurch einer breiten Anzahl von Unternehmen zur Verfü- werden Welten zugänglich, die sonst verschlossen gung zu stellen. sind.
  • 11. © visenso 3D Simulationen helfen komplexe Produkte zu veranschaulichen. Das macht die Technologie so wertvoll für unterschiedlichste Unternehmens- bereiche – von der Produktion bis zum Marketing. BusinessVALUE24: Sie beschäftigen sich auch mit Werbung. Wie hilft 3D, ein Produkt zu verkaufen? Zimmermann: Zum einen ist es im Marketing-Um- feld wichtig, die Leute zu faszinieren und zu verblüf- fen. Ein weiterer Aspekt, der unserer Meinung nach noch wichtiger ist: Sie können komplexe Zusam- menhänge teilweise spielerisch erläutern oder er- fahrbar machen. Wenn Sie die Technisierung unse- rer Welt betrachten, dann sind viele Dinge einfach nicht mehr nachvollziehbar. Wenn Sie da Wege finden, über Animation und 3D-Technologien ei- nen komplexen Zusammenhang einfach versteh- bar und nachvollziehbar zu machen, dann hilft es, die Kompetenz der Unternehmen darzulegen; und man kann Menschen etwas an die Hand geben, mit dem sie sich verorten können. BusinessVALUE24: Nennen Sie mal ein Beispiel. Zimmermann: Fukushima ist ein Beispiel. Jeder wusste: Das ist ein dramatischer Atomunfall. Aber viele fragten sich: Was ist denn eine Kernschmelze genau? Was heißt es, wenn Radioaktivität austritt? Das sind Dinge, für die 3D hervorragend geeignet ist, Verständlichkeit zu schaffen. Kontakt zu Visenso BusinessVALUE24: Was treibt die Entwicklung voran? Zimmermann: Die Technik kommt über die Un- terhaltungselektronik in die Haushalte, über die Filmindustrie und natürlich auch über die Spielein- VISENSO GmbH dustrie. Das Engineering verdankt den Preisverfall Nobelstraße 15 bei den Grafikkarten der Vielzahl an Gamern. Sie D - 70569 Stuttgart haben eine hohe Nachfrage geschaffen. Deshalb werden Grafikkarten jetzt für einen Millionenmarkt Tel.: +49 (0)711 / 849 700 - 0 produziert und sind dadurch viel günstiger. Fax: +49 (0)711 / 849 700 - 79 E-Mail: info@visenso.de www.visenso.de
  • 12. © norman blue - Fotolia.com Geschäftsreise adé: Das 3D Telefon holt Businesspartner ins Zimmer Es soll der größte Durchbruch seit er Erfindung des Telefons werden: Hochschulforscher entwickeln in der Schweiz Instrumente, die Normalsterbliche nur aus sehr kostspieligen Science-Fiction-Filmen kennen. Wer je „Star Wars“ ge- sehen, hat nie mehr den eindrucksvollen 3D-Effekt vergessen, als ein kleiner Roboter den Hilferuf von Prinzessin Leia holographisch ausstrahlt. Etwas Vergleichbares will Prof. Markus Gross konstruieren. In drei Jahren soll die Technik marktreif sein. Gross ist an der Eidgenössischen Technischen hen, denn es gibt non-verbale Kommunikation und Hochschule in Zürich als Leiter des Labors Compu- viele Meta-Ebenen, auf denen man kommuniziert.“ tergrafik und -animation tätig. Die neue 3D-Über- Über einen so begrenzten Kanal wie einem Telefon tragung soll die Kommunikation ähnlich revolutio- oder einer Videokamera gehe ein Großteil dieser nieren wie vor fast 150 Jahren die Erfindung des wichtigen Informationen verloren, erläutert der For- Telefons. „Die physische Präsenz ist sehr wichtig, scher. „Unser Ziel ist es, die „nächste Generation“ deshalb trifft man sich, deshalb finden viele Ge- dieser Systeme zu entwickeln, in die man dann ein- schäftsreisen statt. Man muss sein Gegenüber se- tauchen kann,
  • 13. die den Eindruck der physischen Präsenz stärker „Es gibt noch andere Anwendungen, die wir uns vermitteln.“ sehr gut vorstellen können“ erläutert Gross. „Etwa , technische wissenschaftliche Anwendungen. Wir Geplant ist ein mannshohes 3D-Display, das es sehen Potenzial für diese Technik bei der Auswer- erlaubt, einen Menschen in voller Größe dreidi- tung von Experimenten oder auch in der Telemedi- mensional darzustellen. Jedes Zwinkern, Lächeln zin. Für diagnostische Zwecke oder Operationen und jede Geste wird dann für Konferenzteilnehmer können Experten aus aller Welt zugeschaltet wer- zu sehen sein - auch wenn der Gesprächspartner den.“ Doch nicht nur von Seiten der Forschung und gar nicht persönlich anwesend ist. „Das Display ist Wirtschaft rechnet der Experte mit großer Nach- durchsichtig“ sagt Professor Gross. „So dass man , frage. „Auch die Unterhaltungsindustrie darf man das Gefühl hat, die Person steht im Raum“. nicht unterschätzen. Das ist ein Milliardenmarkt. Solche beweglichen 3D-Displays kann man sich Für ein solches 3D-Gespräch braucht man mindes- wirklich überall vorstellen, beispielsweise für Spiele tens zwei dieser Apparate. Ähnlich wie beim Tele- oder interaktive Unterhaltungen.“ fon kann man niemanden anrufen, der nicht auch ein Gerät besitzt. Das Modell ermöglicht aber mehr als nur die Abbildung eines Menschen: Auch die Bewegung im Raum wird nachgeahmt. Dafür ist das Display auf einen fahrbaren Untersatz mon- tiert. Geht der eine Gesprächspartner in seinem Büro während der 3D-Konferenz auf und ab, tut das sein weit entferntes virtuelles Abbild auch. Übertragen werden die Bilder über Kameras, die oben an dem Display befestigt sind. Diese Ka- meras übertragen nicht nur das Bild einer Person. „Man braucht, um eine solche Vision zu betreiben, ein Gerät, das die Tiefe im Raum ermittelt - und das in Realzeit“ sagt der 3D-Experte Gross. „Zu- , mindest sollte es den Abstand von der aktuellen Person ermitteln und diesen Menschen auch erfas- sen. Dazu braucht es neben Kamerasensoren auch Tiefensensoren.“ Die Forscher gehen davon aus, dass die Tele-Pre- sence, so das Fachwort für diese Art 3D-Übertra- gung, der Schlüssel zu einem Multi-Milliarden-Dol- lar-Markt ist. Von diesem Vermögen möchten die Wissenschaftler ein Stück sichern. Einsatzmöglichkeiten für die neue Technik gebe es viele, so Gross. „Das eine sind selbstverständlich Videokonferenzen, gemeinsame Projekte und tech- nische Meetings“ sagt der Forscher. „ , Vor allem für Firmen, die weltweit operieren.“ Um sich die Fort- schritte bei der Produktentwicklung anzusehen, müssen Ingenieure und Management eines Unter- nehmens sich dann nicht mehr am selben Ort tref- fen. Sie sehen alles in ihren 3D-Videokonferenzen. Das spart den Firmen Geld und macht sie flexibler. @ Markus Gross, ETH Zürich Auch müssen, wenn Züge und Flüge einmal nicht einsatzfähig sind, keine Konferenzen mehr abge- So sieht eine Telefonkonferenz der Zukunft aus: Von dem durchsichtigen Display hebt sich das Bild sagt werden. Gleich ob es einen starken Winter- dreidimensional ab. Dank seines fahrbaren Unter- einbruch in Europa, Wirbelstürme in den USA oder satzes reagiert das virtuelle Abbild auch auf Bewe- einen Vulkanausbruch auf Island gibt. gungen im Raum.
  • 14. Gross baut die Prototypen für die 3D-Konferenzen zusammen mit Forschern aus Singapur und den USA im Rahmen des Projekts „BeingThere“ Insge- . samt arbeiten mehr als 30 Spezialisten daran, den Traum der 3D-Projektion für jedermann zu realisie- ren. Dazu müssen sie viele der Komponenten aber erst noch entwickeln. Die durchsichtigen Displays sind dabei eine ganz besondere Herausforderung. Bisher gibt es nur wenige Firmen, die erste Proto- typen solcher Displays herstellen. Da am Ende ein dreidimensionales Bild erscheinen soll, das auch ohne spezielle Brille erkennbar ist, „braucht man vor dem eigentlichen Display ein optisches Ele- ment.“ Dieses Element darf aber die Durchsichtig- keit des Displays nicht beeinflussen. Massenmarkttauglich soll die Tele-Presence trotz- dem schon in wenigen Jahren sein. „Die einzelnen Bestandteile sind nicht sehr teuer. Ich denke, dass man unsere Technik preislich in einen Bereich brin- gen kann, wo sie vergleichbar mit Unterhaltungs- elektronik ist. Das sehe ich durchaus realistisch.“ Werden Sie Gastautor Kontakt Prof. Dr. Markus Gross Sie sind 3D-Profi oder kennen sich mit virtu- Department of Computer Science ellen Welten aus? Dann werden Sie Gast- Universitätstrasse 6 autor! Für unser aktuelles Themenspecial ETH Zentrum „3D und Virtuelle Welten für den Mittel- CH - 8092 Zürich stand“ suchen wir noch spannende Texte. Tel.: +41 (0)44 / 632 71 14 Schicken Sie Ihren Artikel bis zum 15.10.2011 Fax: +41 (0)44 / 632 15 96 einfach an: E-Mail: grossm@inf.ethz.ch redaktion@businessvalue24.de
  • 15. © tarakos Die Digitale Fabrik: "Sie erkennen schon im Vorfeld Fehler" Herbert Beesten reißt Wände ein, bevor sie gebaut sind. Seine 3D-Animationen von geplanten Fabriken und Lager- hallen können Investoren Millionen sparen. Denn in der virtuellen Welt tritt möglicher Verbesserungsbedarf viel klarer zu Tage als in der klassischen Blaupause des Architekten. „Je später der Fehler auffällt, umso teurer wird er“, sagt der Diplomingenieur. Lange war diese Technologie nur für Großkonzerne erschwinglich. Jetzt gibt es auch Konzepte für Mittelständler. BusinessVALUE24: Herr Beesten, was ist eine Digitale den vor allem die Automobilindustrie vor einigen Fabrik? Jahren geprägt hat. Beesten: Unter dem Begriff „Digitale Fabrik“ sind alle computergestützten Techniken zusammenge- BusinessVALUE24: Wo nutzt man eine Digitale fasst, die sich mit Planung, Simulation, Betrieb und Fabrik? auch dem Optimieren von Produktionsanlagen be- Beesten: Der Klassiker ist die Automobilindustrie, schäftigen. Dabei werden 3D-Welten und neue Vir- die die Digitale Fabrik sehr systematisch umsetzt tual-Reality-Techniken miteinander verbunden. Es - von der Konstruktion über Produktion und Mon- ist ein weiter und manchmal schwammiger Begriff, tage bis zur Logistik. In anderen Branchen wird die
  • 16. Digitale Fabrik beispielsweise für die Erstellung neuer Lager- und Produktionsstätten oder neu- er Logistikzentren genutzt. Auch mittelständische Unternehmen setzen diese Technik gern ein, wenn sie eine neue Fabrik planen. Die dreidimensionale Darstellung ist in der internen Kommunikation sehr sinnvoll. BusinessVALUE24: Warum? Beesten: An solchen Prozessen sind viele betei- © tarakos ligt: Vom einfachen Arbeiter, der an der Werkbank steht, über den Sicherheitsingenieur bis zum Pro- duktionschef und dem Logistikleiter. Da ist die Di- gitale Fabrik, in der man sich bewegt, ein bisschen wie das Computerspiel für den Ingenieur. Die Ab- läufe kann man durch die virtuelle Darstellung viel besser nachvollziehen. Auch Betriebswirte oder Finanzexperten können sich so die zukünftige Fa- brik besser vorstellen, um dann Entscheidungen zu treffen. In vielen Fällen ist es also ein Medium, das Entscheidungsprozesse begleitet. In der Re- © tarakos gel versucht man, eine geplante Fabrik möglichst realistisch virtuell aufzubauen. Dabei sollen alle Aspekte berücksichtigt werden, die auch nachher in der wirklichen Produktions- oder Logistikstätte stattfinden könnten. So erkennen Sie schon im Vor- feld Fehler. BusinessVALUE24: Und die können teuer werden… Beesten: Es gibt die typischen Kostenanalysen, die berechnen, wie teuer es ist, wenn bei einem neu- © tarakos en Werk, das gebaut wird, zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Fehler entdeckt wird. Das heißt, je Die digitale Fabrik später der Fehler auffällt umso teurer wird er. Im In der digitalen Fabrik werden Planungsfehler schnell schlimmsten Fall kann eine Fabrik ein halbes Jahr entdeckt. Auch Produktionsabläufe lassen sich mit stillstehen, weil eine bestimmte Maschine nicht Software optimieren. durch die zu kleine Tür passt oder die Fundamen- te nicht stimmen. Solche Fehler können mit einer Digitalen Fabrik früh erkannt werden. Wenn unter- schiedliche Leute aus verschiedenen Bereichen vir- hende Anlagen zu optimieren oder auszubauen. tuell durch die geplante Fabrik gehen, dann fallen Einige Kunden setzen unsere Produkte auch in der ihnen Fehler sofort ins Auge. Ein einfaches Beispiel: Produktion oder Logistik ein. Da geht es dann da- Der Angestellte, der irgendwelche Kartons packt, rum, eine tatsächliche Anlage als virtuelles Modell sagt „Da brauche ich mehr Platz, um die Kartons nachzubauen. Dabei werden alle Parameter, die zu stapeln“ Oder der Sicherheitsingenieur sieht, . im Betrieb vorhanden sind, berücksichtigt. So kann dass ein Sicherheitsabstand nicht gewährleistet derjenige, der seine Anlage verbessern will, etwa ist und der Konstrukteur sieht, dass die Decke zu die Produktionstakte und den Durchsatz einstellen, niedrig sind. Das sind die Möglichkeiten, die immer die er in der realen Fabrik vorfindet. In der virtu- wieder auftauchen. ellen Anlage lassen sich diese Werte dann verän- dern. Das Programm berechnet, wie sich daraufhin BusinessVALUE24: Wird die Digitale Fabrik einge- die Produktion entwickelt. So kann man prüfen, wo setzt, bevor die wirkliche Fabrik gebaut wird? Unterschiede liegen und kann so die Anlage opt- Beesten: Genau, das ist der klassische Ansatz, mieren. wenn man also einen Änderungs- oder Baubedarf hat. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, beste-
  • 17. genau geschaut. Nicht nur darauf, was die Soft- ware kostet, sondern auch, welche Projekte damit umsetzbar sind oder welche Qualifikation die Mit- arbeiter brauchen. Das sind die drei wichtigen Fra- gen, die immer dahinter stehen. BusinessVALUE24: Was kann man mit einer Digitalen Fabrik alles simulieren? Beesten: Von der Crashsimulation über Konstrukti- on bis hin zum Schwingungsverhalten der Maschi- nen eigentlich alles. Meist will man aber wissen, welchen Raumbedarf man hat, wenn man eine Produktion plant. Oder man möchte die Produk- tionskapazitäten bestimmen und diese dann op- © tarakos timieren. Auch logistische Aspekte, Produktions- Die Geschäftsführer Christian Höpner und Herbert abläufe, Materialfluss lassen sich darstellen: Wie Beesten entwickeln Virtual Reality-Anwendungen für kommt ein Material zur Maschine? Mit dem Stap- die mittelständische Industrie. ler? Wo habe ich den Warenausgang? Was mache ich mit Abfall, Spänen und Verpackungsmaterial. Diesen Betrieb kann man mit der Software vorher BusinessVALUE24: Wie schafft man es eigentlich, simulieren. eine ganze Fabrik zu digitalisieren? Beesten: Dazu gibt es viele Softwareprogramme. BusinessVALUE24: Gibt es Grenzen in Komplexität? Ein zentraler Gedanke bei der Digitalen Fabrik ist Beesten: Es gibt starke Grenzen von der Komple- die Vereinheitlichung. Also dass die Systeme unter- xität und vom Aufwand her. Es lohnt sich nicht, einander kompatibel sind, dass möglichst wenige alles bis ins kleinste Detail virtuell nachzubauen, Arbeiten doppelt gemacht werden müssen. Auch sondern es gibt eine Mischung von verschiedenen die sogenannte Datenkonsistenz ist wichtig. Das Tools und Methoden, die man anwendet. Unser heißt, wenn an irgendeinem dieser Tools etwas Tool ist im unteren und mittleren Leistungsbereich. geändert wird, sei das in der Konstruktion, in der Produktionsstatistik oder beim Architekten, dann BusinessVALUE24: Was ist Ihr Rat, wenn man noch erhalten alle anderen Systeme automatisch diese keine Erfahrung hat mit solcher Software? Information. Beesten: Fangen Sie mit überschaubaren Projekten an und versuchen nicht gleich eine gesamte kom- BusinessVALUE24: Bei all diesen Vorteilen entstehen plexe Fabrik digital nachzubilden. auch durch die Digitale Fabrik Kosten für das Unter- nehmen. Beispielsweise muss das Personal geschult werden. Wann lohnt sich der Einsatz einer 3D-Soft- ware? Beesten: Die wirtschaftliche Bewertung ist natürlich immer schwierig. Bei KMUs ist es immer eine Fra- ge des Einsatzes und Aufwandes. Wenn ein Mittel- ständler eine Digitale Fabrik mit aller Konsequenz Kontakt zu tarakos umsetzen will, also mit dem nötigen Equipment und der Qualifikation der Mitarbeiter, ist das fast so aufwendig, wie bei einem großen Unterneh- tarakos GmbH men. Deshalb wird bei kleineren und mittleren Un- Werner-Heisenberg-Str. 1 ternehmen die Schwelle der Wirtschaftlichkeit erst 39106 Magdeburg später erreicht als bei großen Unternehmen – oder aber gar nicht. Tel.: +49 (0)391 / 597 495 - 0 Fax: +49 (0)391 / 597 495 - 33 BusinessVALUE24: KMUs müssen eher rechnen? E-Mail: info@tarakos.com Beesten: Das ist richtig. Das ist ein wichtiger Punkt. Die meisten unserer Kunden sind KMUs, da wird www.tarakos.com
  • 18. Impressum Herausgeber: VALUE24 Businessportale Deutschland GmbH Jarrestraße 80 22303 Hamburg Tel: +49 (0)40 / 807 93 807 Fax: +49 (0)40 / 807 93 812 Internet: www.businessvalue24.de Email: info@businessvalue24.de Geschäftsführer: Steffen Kneist Fotos: Fotolia.de, Realeyes GmbH, Visenso GmbH, Markus Gross - ETH Zürich, tarakos GmbH Redaktion und Text: Julia Räsch Layout und Illustration: Daniela Richardon Unser nächstes Themenspecial Besuchen Sie uns auch auf Facebook: erscheint im Dezember. Das Thema facebook.com/businessVALUE24 lautet: „Mobile Commerce im Mittelstand“. Feedback: Sie haben Fragen oder Anregun- gen zu unserem Special? Sie wollen als Gastautor dabei sein? Dann mailen Sie uns: Dann schicken Sie uns Ihren Artikel bis redaktion@businessvalue24.de zum 15.11.2011 an oder besuchen Sie unsere Webseite und redaktion@businessvalue24.de diskutieren mit: www.businessvalue24.de!