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Kurzinfo Überfischung



Meere

Die Jagd auf den
letzten Fisch




                       www. greenpeace . de
02                                                                                                                        Überfi schung




Höchste Zeit für eine
nachhaltige Fischerei
Lange Zeit galten die Fischbestände
in den unendlichen Weiten der Meere
als unerschöpfliche Reichtümer.
Doch seit industrielle, hochmodern
ausgestattete Fangflotten die Ozeane
plündern, schrumpfen die Bestände
dramatisch. Die Flotten weichen in
immer entlegenere Gebiete aus und
dringen mit ihren Netzen in Tiefen bis
2.000 Meter vor. Die industrielle Fische-
rei richtet nicht nur ökologische
Schäden an, sondern gefährdet auch
eine langfristige Nutzung der Meere.

Leere Meere
Seit dem Jahr 1970 hat sich die Kapazität
der Fischereiflotte weltweit verdoppelt.
Von den rund vier Millionen Fischerei-
schiffen im Einsatz sind zwar nur etwa
ein Prozent industrielle Trawler, diese
erbeuten jedoch über die Hälfte der
Gesamtfangmenge von rund 90 Millionen
Tonnen pro Jahr. Technologische Raffines-
sen machen es möglich: Echolot und
Radar orten Fischschwärme selbst in
entlegensten Winkeln. Durch effizientere
Fangtechniken wird die Situation immer
kritischer. Die Welternährungsorgani-
sation (FAO) schätzt, dass von den           Die Grundschleppnetz-Fischerei erzeugt massiven Beifang.
weltweit kommerziell genutzten Fischbe-
ständen 52 Prozent bis an ihre Grenze        So werden weltweit jedes Jahr bis zu 30      Verwüstung unter Wasser
genutzt, 19 Prozent überfischt und acht       Millionen Tonnen Leben verschwendet.         Keine andere Fangmethode ist so zer-
Prozent bereits erschöpft sind.              Extrem viel Beifang – bis zu 80 Prozent –    störerisch wie die Grundschleppnetz-
Laut Wissenschaftlern wurden die Be-         erzeugt die Jagd nach Tieren, die im oder    Fischerei. Kostbare Lebensräume wie
stände der großen Raubfische wie              auf dem Boden leben, darunter Scholle,       Korallenriffe werden dem Erdboden
Thunfisch, Schwertfisch und Kabeljau           Seezunge und Krabben. Dabei werden           gleich gemacht, Bodenlebewesen werden
innerhalb von 50 Jahren um bis zu            Grundschleppnetze mit schwerem               zerquetscht oder untergepflügt. Mittler-
90 Prozent dezimiert. Sie prognostizieren    Geschirr über den Meeresboden gezogen.       weile dringen die Schleppnetzfischer in
einen Kollaps der meisten kommerziellen      Sie nehmen alles mit, was dort wächst        2.000 Meter Tiefe vor, wo es besonders
Fischereien bis zur Mitte dieses Jahrhun-    und krabbelt.                                empfindliche Ökosysteme wie Tiefsee-
derts. In den europäischen Meeren ist die    Auch die Treib- und Stellnetzfischerei        berge (Seamounts) gibt. Sie erheben sich
Situation ebenso dramatisch: 88 Prozent      verursachen unerwünschten Beifang. Eines zum Teil mehr als 1.000 Meter vom
der europäischen Speisefischbestände          der Opfer: Schweinswale, die in Europa       Meeresboden und sind ein einzigartiger
sind überfischt, und 30 Prozent dieser        am stärksten bedrohte Walpopulation.         Lebensraum für Tausende Tierarten.
Bestände befinden sich außerhalb sicherer     Allein in der dänischen Stellnetzfischerei    Tiefseefische sind besonders anfällig, über-
biologischer Grenzen, so dass möglicher-     sterben über 5.000 Schweinswale pro Jahr. fischt und ausgerottet zu werden. Denn in
weise keine Erholung mehr erfolgt.           Bei der Industriefischerei in der Nordsee,    der Tiefe wachsen Tiere langsam und
                                             auch Gammelfischerei genannt, werden
Verschwendung von Leben                      zum Teil noch lebende Fische, häufig
                                                                                                Der ökosystemare
Einer der schlimmsten Auswüchse der          Sandaal und Sprotte, zu Fischmehl und
Fischerei ist der Beifang: In den riesigen   Fischöl verkocht. Jedes Jahr enden so              Ansatz:    Hier kümmert sich das
Netzen verfangen sich neben kommer-          rund 20 Millionen Tonnen Fisch als           Fischereimanagement nicht nur
ziell verwertbaren Fischen auch andere       billiges Futter für Hühner, Schweine oder nachhaltig um den Fisch, der im Netz
Lebewesen, unter anderem Jungfische,          auch Garnelen und Lachse in der Aqua-        landen soll, z.B. Scholle, sondern
Vögel, Schildkröten und sogar Haie und       kultur. Für die „Produktion“ von nur         beachtet das gesamte Ökosystem.
Wale. Tot oder schwer verletzt, werden       einem Kilogramm Lachs können bis zu          Ziel ist es, auch andere Fische, Krebse,
diese Tiere wieder über Bord geworfen.       vier Kilo Fischmehl oder Fischöl nötig sein. Seesterne etc. nicht zu schädigen.
Greenpeace Kurzinfo                                                                                                                          03




                                                                                                   Verfehlungen der Politik
                                                                                                   Die Politik fördert die Überfischung:
Die industrielle Fischerei plündert die Meere, so dass die lokalen Fischer häufig leer ausgehen.
                                                                                                   Fangquoten liegen regelmäßig weit über
                                                                                                   den Empfehlungen der Wissenschaftler,
                                                                                                   die Fangmethoden sind viel zu zerstöre-
                                                                                                   risch, und die Flottenkapazität ist weltweit
                                                                                                   50 Prozent zu hoch – gefördert durch
                                                                                                   Subventionen. Zudem sind Kontrollen zu
                                                                                                   selten und Strafen zu gering.
                                                                                                   Nicht zuletzt fehlt noch immer die Um-
                                                                                                   setzung des ökosystemaren Ansatzes und
                                                                                                   Vorsorgeprinzips im Fischereimanage-
                                                                                                   ment. Damit bricht zum Beispiel die
                                                                                                   Europäische Union internationale, ge-
                                                                                                   setzlich bindende Verpflichtungen, denn
                                                                                                   im Plan von Johannesburg 2002 hat sie
                                                                                                   einer nachhaltigen Bewirtschaftung der
                                                                                                   Fischbestände bis 2015 zugestimmt.
                                                                                                   Insgesamt dominiert kurzfristiger Profit
                                                                                                   über langfristige Nutzung.
                                                                                                   Vielerorts fehlt ein Fischereimanagement
                                                                                                   ganz, vor allem in Gebieten der Hohen
                                                                                                   See außerhalb der 200 Seemeilen-Zonen
In Aquakulturen werden Thunfische auf Maximalgewicht gebracht und als Wildfisch verkauft.            vor der Küste. Seitdem die Küstenmeere
                                                                                                   leer gefischt sind, wird die Hohe See von
vermehren sich spät, etwa der Atlantische             gel nicht stoppen. Sie verschieben einfach   Fischtrawlern immer häufiger aufgesucht.
Sägebauch: Er wird erst mit 25 Jahren                 ihre Probleme in den Süden der Welt. Die
geschlechtsreif, kann dafür aber 150 Jahre            Supertrawler der Reichen schöpfen den
alt werden.                                           Meeresreichtum der Armen ab – und das        Das können Sie tun
                                                      zu skandalösen Dumpingpreisen.               Essen Sie seltener und bewusster
Piratenfischer                                         Fischereiabkommen mit kleinen pazifi-         Fisch und Meeresfrüchte. Kaufen
Die illegale Fischerei verschärft die                 schen Inselstaaten bringen den Partnern      Sie Fisch & Co. aus gesunden Bestän-
Krise. Piratenfischer scheren sich nicht               wenige Prozente des eigentlichen Waren-      den, die mit schonenden Methoden
um internationale Fischereiabkommen.                  werts. Beispiel westlicher Pazifik: Hier      gefangen wurden oder aus Öko-Aqua-
Mit riesigen Fangschiffen jagen sie am                holen internationale Flotten rund            kultur stammen. Der Greenpeace-
liebsten dort, wo wenig kontrolliert wird,            70 Prozent des Gesamtfangs an Thunfisch       Fischratgeber bietet Ihnen Informatio-
etwa im Südpolarmeer, Pazifik oder vor                 aus dem Meer, im Wert von über vier          nen für die richtige Wahl.
Westafrika. Sie tarnen sich, indem sie ihre           Milliarden Euro. Und obwohl 80 Prozent       Als Erfolg der Greenpeace-Arbeit
Schiffe in Billigflaggen-Ländern registrie-            des Fangs in den Hoheitsgewässern der        kennzeichnen viele Supermärkte ihre
ren lassen oder ganz ohne Flagge fahren.              Pazifischen Inselstaaten stattfindet,          Fischprodukte mittlerweile besser.
Nicht selten sitzen die Schiffseigner in              erhalten diese nur zwei bis fünf Prozent     Falls nicht: Fragen Sie nach! Woher
Europa, Japan oder den USA. Der Umsatz                des Fangwerts durch den Verkauf ihrer        kommt der Fisch? Wie wurde er
illegaler Fischerei wird weltweit auf bis zu          Fischereirechte.                             gefangen? Als Verbraucher haben Sie
sieben Milliarden Euro geschätzt.                     Als fatale Folge dieser Unfairness kehren    ein Recht auf vollständige Information.
                                                      die lokalen Fischer immer häufiger            Bestellen Sie den Ratgeber bei
Ausbeutung der Armen                                  mit leeren Netzen heim. Ihre zentrale        Greenpeace oder lesen Sie ihn online:
Leere Meere vor der eigenen Haustür kann              Einnahmequelle und vielerorts einzige           www.greenpeace.de/themen/
die Gier der Länder auf der Nordhalbku-               Eiweißquelle fehlt.                             meere/fischerei
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Greenpeace protestiert gegen die Fischerei auf Dorsch, der in der Ostsee überfischt ist.


Lösungen                                                        spezielle Sofortverbote durchgesetzt                             dere Verantwortung: Als Schnittstelle
Die Krise der Weltmeere mit ihren ver-                          werden, etwa für zerstörerische Fischerei-                       zwischen Verbraucher und Fischindustrie
heerenden Folgen für Fischbestände,                             methoden innerhalb einzelner Gebiete.                            entscheidet sich dort, welcher Fisch wie
Fischer und das Fisch verarbeitende                             Langfristig geben aber nur großflächige                           gekennzeichnet in den Supermarktrega-
Gewerbe erfordert ein radikales Umden-                          Schutzgebiete – frei von Nutzungen wie                           len liegt. Grundlage für die Firmen sollte
ken. Die Bewirtschaftung muss sich                              Fischerei, Sand- und Kiesabbau – dem                             eine Einkaufspolitik für Fisch und andere
konsequent an der Produktivität des                             Meer eine Chance auf Regeneration. Laut                          Meeresfrüchte sein, die Folgendes
Fischbestandes orientieren, das heißt: Es                       wissenschaftlicher Untersuchungen                                einschließt: den Verzicht auf bedrohte
darf nur so viel Fisch gefangen werden,                         erholen sich die Fischbestände in solchen                        Arten und Bestände, Nachhaltigkeit,
wie auch nachwachsen kann. Außerdem                             Ruhezonen. Und nicht nur in den                                  Rückverfolgbarkeit, eine vollständige
muss die Auswirkung der Fischerei auf                           untersuchten Schutzzonen selbst, auch                            Kennzeichnung und Transparenz.
das gesamte Ökosystem beachtet werden:                          ringsherum können die Fischpopulatio-
Ein nachhaltiges Fischereimanagement                            nen wieder anwachsen. Nur so ist eine
folgt dem Vorsorgeprinzip und dem                               langfristige Nutzung der Fischbestände
ökosystemaren Ansatz. Ebenso sind                               möglich.
Meeresschutzgebiete ein wesentlicher                            Neben der Politik sind auch die Fischer,
                                                                                                                                 Greenpeace fordert:
Baustein. Da ihre Einrichtung häufig                             die Fischindustrie und der Lebensmittel-                              ein nachhaltiges und sozialverträg-
lange dauert, müssen als erster Schritt                         handel gefordert. Letzterer trägt beson-                              liches Fischereimanagement, das
                                                                                                                                      dem Vorsorgeprinzip und einem
Greenpeace ist eine internationale Umweltorganisation, die mit gewaltfreien                                                           ökosystemaren Ansatz folgt
Aktionen für den Schutz der Lebensgrundlagen kämpft. Unser Ziel ist es,                                                               die Einrichtung von großflächigen
Umweltzerstörung zu verhindern, Verhaltensweisen zu ändern und Lösungen                                                               Meeresschutzgebieten
durchzusetzen. Greenpeace ist überparteilich und völlig unabhängig von                                                                eine transparente und nachhaltige
Politik, Parteien und Industrie. Mehr als eine halbe Million Menschen in                                                              Einkaufspolitik für Fisch und
Deutschland spenden an Greenpeace und gewährleisten damit unsere tägliche                                                             andere Meeresfrüchte im Lebens-
Arbeit zum Schutz der Umwelt.                                                                                                         mittelhandel und der Fischindustrie


Impressum              Greenpeace e. V., Große Elbstr. 39, 22767 Hamburg, Tel. 040 / 3 06 18 - 0 Politische Vertretung Berlin Marienstraße 19 – 20, 10117 Berlin, mail @ greenpeace . de,
www. greenpeace . de V.i.S.d.P. Dr. Iris Menn Druck Druckzentrum Harry Jung, Am Sophienhof 9, 24941 Flensburg Aufl age 20.000 Exemplare Fotos Titel: © Virginia Lee Hunter/
Greenpeace, S. 2 : © Philip Reynaers/Greenpeace, S. 3: oben © Greenpeace/Alex Hofford, S. 3: unten © Greenpeace/Marco Care, S. 4: © Greenpeace/Christian Aslund
Zur Deckung unserer Herstellungskosten bitten wir um eine Spende: GLS Gemeinschaftsbank eG , BLZ 430 609 67, KTO 33400
                                                                                                                                                                                               A 115 2




                                                                                                                                                                             Stand 10 / 2010

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Die Jagd auf den letzten Fisch - Kurzinfo zum Thema Überfischung

  • 1. Kurzinfo Überfischung Meere Die Jagd auf den letzten Fisch www. greenpeace . de
  • 2. 02 Überfi schung Höchste Zeit für eine nachhaltige Fischerei Lange Zeit galten die Fischbestände in den unendlichen Weiten der Meere als unerschöpfliche Reichtümer. Doch seit industrielle, hochmodern ausgestattete Fangflotten die Ozeane plündern, schrumpfen die Bestände dramatisch. Die Flotten weichen in immer entlegenere Gebiete aus und dringen mit ihren Netzen in Tiefen bis 2.000 Meter vor. Die industrielle Fische- rei richtet nicht nur ökologische Schäden an, sondern gefährdet auch eine langfristige Nutzung der Meere. Leere Meere Seit dem Jahr 1970 hat sich die Kapazität der Fischereiflotte weltweit verdoppelt. Von den rund vier Millionen Fischerei- schiffen im Einsatz sind zwar nur etwa ein Prozent industrielle Trawler, diese erbeuten jedoch über die Hälfte der Gesamtfangmenge von rund 90 Millionen Tonnen pro Jahr. Technologische Raffines- sen machen es möglich: Echolot und Radar orten Fischschwärme selbst in entlegensten Winkeln. Durch effizientere Fangtechniken wird die Situation immer kritischer. Die Welternährungsorgani- sation (FAO) schätzt, dass von den Die Grundschleppnetz-Fischerei erzeugt massiven Beifang. weltweit kommerziell genutzten Fischbe- ständen 52 Prozent bis an ihre Grenze So werden weltweit jedes Jahr bis zu 30 Verwüstung unter Wasser genutzt, 19 Prozent überfischt und acht Millionen Tonnen Leben verschwendet. Keine andere Fangmethode ist so zer- Prozent bereits erschöpft sind. Extrem viel Beifang – bis zu 80 Prozent – störerisch wie die Grundschleppnetz- Laut Wissenschaftlern wurden die Be- erzeugt die Jagd nach Tieren, die im oder Fischerei. Kostbare Lebensräume wie stände der großen Raubfische wie auf dem Boden leben, darunter Scholle, Korallenriffe werden dem Erdboden Thunfisch, Schwertfisch und Kabeljau Seezunge und Krabben. Dabei werden gleich gemacht, Bodenlebewesen werden innerhalb von 50 Jahren um bis zu Grundschleppnetze mit schwerem zerquetscht oder untergepflügt. Mittler- 90 Prozent dezimiert. Sie prognostizieren Geschirr über den Meeresboden gezogen. weile dringen die Schleppnetzfischer in einen Kollaps der meisten kommerziellen Sie nehmen alles mit, was dort wächst 2.000 Meter Tiefe vor, wo es besonders Fischereien bis zur Mitte dieses Jahrhun- und krabbelt. empfindliche Ökosysteme wie Tiefsee- derts. In den europäischen Meeren ist die Auch die Treib- und Stellnetzfischerei berge (Seamounts) gibt. Sie erheben sich Situation ebenso dramatisch: 88 Prozent verursachen unerwünschten Beifang. Eines zum Teil mehr als 1.000 Meter vom der europäischen Speisefischbestände der Opfer: Schweinswale, die in Europa Meeresboden und sind ein einzigartiger sind überfischt, und 30 Prozent dieser am stärksten bedrohte Walpopulation. Lebensraum für Tausende Tierarten. Bestände befinden sich außerhalb sicherer Allein in der dänischen Stellnetzfischerei Tiefseefische sind besonders anfällig, über- biologischer Grenzen, so dass möglicher- sterben über 5.000 Schweinswale pro Jahr. fischt und ausgerottet zu werden. Denn in weise keine Erholung mehr erfolgt. Bei der Industriefischerei in der Nordsee, der Tiefe wachsen Tiere langsam und auch Gammelfischerei genannt, werden Verschwendung von Leben zum Teil noch lebende Fische, häufig Der ökosystemare Einer der schlimmsten Auswüchse der Sandaal und Sprotte, zu Fischmehl und Fischerei ist der Beifang: In den riesigen Fischöl verkocht. Jedes Jahr enden so Ansatz: Hier kümmert sich das Netzen verfangen sich neben kommer- rund 20 Millionen Tonnen Fisch als Fischereimanagement nicht nur ziell verwertbaren Fischen auch andere billiges Futter für Hühner, Schweine oder nachhaltig um den Fisch, der im Netz Lebewesen, unter anderem Jungfische, auch Garnelen und Lachse in der Aqua- landen soll, z.B. Scholle, sondern Vögel, Schildkröten und sogar Haie und kultur. Für die „Produktion“ von nur beachtet das gesamte Ökosystem. Wale. Tot oder schwer verletzt, werden einem Kilogramm Lachs können bis zu Ziel ist es, auch andere Fische, Krebse, diese Tiere wieder über Bord geworfen. vier Kilo Fischmehl oder Fischöl nötig sein. Seesterne etc. nicht zu schädigen.
  • 3. Greenpeace Kurzinfo 03 Verfehlungen der Politik Die Politik fördert die Überfischung: Die industrielle Fischerei plündert die Meere, so dass die lokalen Fischer häufig leer ausgehen. Fangquoten liegen regelmäßig weit über den Empfehlungen der Wissenschaftler, die Fangmethoden sind viel zu zerstöre- risch, und die Flottenkapazität ist weltweit 50 Prozent zu hoch – gefördert durch Subventionen. Zudem sind Kontrollen zu selten und Strafen zu gering. Nicht zuletzt fehlt noch immer die Um- setzung des ökosystemaren Ansatzes und Vorsorgeprinzips im Fischereimanage- ment. Damit bricht zum Beispiel die Europäische Union internationale, ge- setzlich bindende Verpflichtungen, denn im Plan von Johannesburg 2002 hat sie einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Fischbestände bis 2015 zugestimmt. Insgesamt dominiert kurzfristiger Profit über langfristige Nutzung. Vielerorts fehlt ein Fischereimanagement ganz, vor allem in Gebieten der Hohen See außerhalb der 200 Seemeilen-Zonen In Aquakulturen werden Thunfische auf Maximalgewicht gebracht und als Wildfisch verkauft. vor der Küste. Seitdem die Küstenmeere leer gefischt sind, wird die Hohe See von vermehren sich spät, etwa der Atlantische gel nicht stoppen. Sie verschieben einfach Fischtrawlern immer häufiger aufgesucht. Sägebauch: Er wird erst mit 25 Jahren ihre Probleme in den Süden der Welt. Die geschlechtsreif, kann dafür aber 150 Jahre Supertrawler der Reichen schöpfen den alt werden. Meeresreichtum der Armen ab – und das Das können Sie tun zu skandalösen Dumpingpreisen. Essen Sie seltener und bewusster Piratenfischer Fischereiabkommen mit kleinen pazifi- Fisch und Meeresfrüchte. Kaufen Die illegale Fischerei verschärft die schen Inselstaaten bringen den Partnern Sie Fisch & Co. aus gesunden Bestän- Krise. Piratenfischer scheren sich nicht wenige Prozente des eigentlichen Waren- den, die mit schonenden Methoden um internationale Fischereiabkommen. werts. Beispiel westlicher Pazifik: Hier gefangen wurden oder aus Öko-Aqua- Mit riesigen Fangschiffen jagen sie am holen internationale Flotten rund kultur stammen. Der Greenpeace- liebsten dort, wo wenig kontrolliert wird, 70 Prozent des Gesamtfangs an Thunfisch Fischratgeber bietet Ihnen Informatio- etwa im Südpolarmeer, Pazifik oder vor aus dem Meer, im Wert von über vier nen für die richtige Wahl. Westafrika. Sie tarnen sich, indem sie ihre Milliarden Euro. Und obwohl 80 Prozent Als Erfolg der Greenpeace-Arbeit Schiffe in Billigflaggen-Ländern registrie- des Fangs in den Hoheitsgewässern der kennzeichnen viele Supermärkte ihre ren lassen oder ganz ohne Flagge fahren. Pazifischen Inselstaaten stattfindet, Fischprodukte mittlerweile besser. Nicht selten sitzen die Schiffseigner in erhalten diese nur zwei bis fünf Prozent Falls nicht: Fragen Sie nach! Woher Europa, Japan oder den USA. Der Umsatz des Fangwerts durch den Verkauf ihrer kommt der Fisch? Wie wurde er illegaler Fischerei wird weltweit auf bis zu Fischereirechte. gefangen? Als Verbraucher haben Sie sieben Milliarden Euro geschätzt. Als fatale Folge dieser Unfairness kehren ein Recht auf vollständige Information. die lokalen Fischer immer häufiger Bestellen Sie den Ratgeber bei Ausbeutung der Armen mit leeren Netzen heim. Ihre zentrale Greenpeace oder lesen Sie ihn online: Leere Meere vor der eigenen Haustür kann Einnahmequelle und vielerorts einzige www.greenpeace.de/themen/ die Gier der Länder auf der Nordhalbku- Eiweißquelle fehlt. meere/fischerei
  • 4. 04 Überfi schung Greenpeace protestiert gegen die Fischerei auf Dorsch, der in der Ostsee überfischt ist. Lösungen spezielle Sofortverbote durchgesetzt dere Verantwortung: Als Schnittstelle Die Krise der Weltmeere mit ihren ver- werden, etwa für zerstörerische Fischerei- zwischen Verbraucher und Fischindustrie heerenden Folgen für Fischbestände, methoden innerhalb einzelner Gebiete. entscheidet sich dort, welcher Fisch wie Fischer und das Fisch verarbeitende Langfristig geben aber nur großflächige gekennzeichnet in den Supermarktrega- Gewerbe erfordert ein radikales Umden- Schutzgebiete – frei von Nutzungen wie len liegt. Grundlage für die Firmen sollte ken. Die Bewirtschaftung muss sich Fischerei, Sand- und Kiesabbau – dem eine Einkaufspolitik für Fisch und andere konsequent an der Produktivität des Meer eine Chance auf Regeneration. Laut Meeresfrüchte sein, die Folgendes Fischbestandes orientieren, das heißt: Es wissenschaftlicher Untersuchungen einschließt: den Verzicht auf bedrohte darf nur so viel Fisch gefangen werden, erholen sich die Fischbestände in solchen Arten und Bestände, Nachhaltigkeit, wie auch nachwachsen kann. Außerdem Ruhezonen. Und nicht nur in den Rückverfolgbarkeit, eine vollständige muss die Auswirkung der Fischerei auf untersuchten Schutzzonen selbst, auch Kennzeichnung und Transparenz. das gesamte Ökosystem beachtet werden: ringsherum können die Fischpopulatio- Ein nachhaltiges Fischereimanagement nen wieder anwachsen. Nur so ist eine folgt dem Vorsorgeprinzip und dem langfristige Nutzung der Fischbestände ökosystemaren Ansatz. Ebenso sind möglich. Meeresschutzgebiete ein wesentlicher Neben der Politik sind auch die Fischer, Greenpeace fordert: Baustein. Da ihre Einrichtung häufig die Fischindustrie und der Lebensmittel- ein nachhaltiges und sozialverträg- lange dauert, müssen als erster Schritt handel gefordert. Letzterer trägt beson- liches Fischereimanagement, das dem Vorsorgeprinzip und einem Greenpeace ist eine internationale Umweltorganisation, die mit gewaltfreien ökosystemaren Ansatz folgt Aktionen für den Schutz der Lebensgrundlagen kämpft. Unser Ziel ist es, die Einrichtung von großflächigen Umweltzerstörung zu verhindern, Verhaltensweisen zu ändern und Lösungen Meeresschutzgebieten durchzusetzen. Greenpeace ist überparteilich und völlig unabhängig von eine transparente und nachhaltige Politik, Parteien und Industrie. Mehr als eine halbe Million Menschen in Einkaufspolitik für Fisch und Deutschland spenden an Greenpeace und gewährleisten damit unsere tägliche andere Meeresfrüchte im Lebens- Arbeit zum Schutz der Umwelt. mittelhandel und der Fischindustrie Impressum Greenpeace e. V., Große Elbstr. 39, 22767 Hamburg, Tel. 040 / 3 06 18 - 0 Politische Vertretung Berlin Marienstraße 19 – 20, 10117 Berlin, mail @ greenpeace . de, www. greenpeace . de V.i.S.d.P. Dr. Iris Menn Druck Druckzentrum Harry Jung, Am Sophienhof 9, 24941 Flensburg Aufl age 20.000 Exemplare Fotos Titel: © Virginia Lee Hunter/ Greenpeace, S. 2 : © Philip Reynaers/Greenpeace, S. 3: oben © Greenpeace/Alex Hofford, S. 3: unten © Greenpeace/Marco Care, S. 4: © Greenpeace/Christian Aslund Zur Deckung unserer Herstellungskosten bitten wir um eine Spende: GLS Gemeinschaftsbank eG , BLZ 430 609 67, KTO 33400 A 115 2 Stand 10 / 2010