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4 | Politik&Unternehmen handelszeitung | Nr. 39 | 24. September 2015
Rat der Trägen
und Blinden
Urs Paul Engeler
D
onnerstag,
17. September,
8 Uhr. Auf den
Tischen der National­
räte liegt das umfang­
reichste (592 Seiten),
detaillierteste (441
Einzelpositionen) und teuerste Dossier
der Session (Ausgaben von über 1 Mil­
liarde Franken). Titel des Monsterge­
schäfts: «Bericht über die im Jahr 2014
abgeschlossenen völkerrechtlichen Ver­
träge». Der Rapport ist in kaum zehn
­Sekunden erledigt. Ohne Wortmeldung
wird von ihm «Kenntnis genommen». Es
folgt das nächste Traktandum.
Das ist, milde beurteilt, seltsam. Denn
auf diesen fast 600 eng bedruckten Sei­
ten sind nach Franken und Millionen
alle Ergebnisse aufgelistet, die in Bud­
get- und Grundsatzdebatten so heftig zu
reden gegeben haben. Die Referenten
könnten hier nachprüfen, wie die um­
strittenen 1,3 Milliarden Franken für die
Staaten Osteuropas konkret verteilt wer­
den. Ebenso klar wird ausgewiesen, in
welche Projekte, Regionen und Kassen
die helvetische Entwicklungshilfe fliesst.
Auch politisch heikle Verträge, etwa jene
zur Erweiterung der Schengen/Dublin-
Abkommen, sind dargestellt: Alles
höchst bedeutsame Informationen, ein
Abbild der real praktizierten Schweizer
Aussenpolitik und der weltweiten Geld­
verteilung – also eine fast unerschöpf­
liche Quelle von Motiven, kritische Fra­
gen zu belegbaren Fakten zu stellen.
• Entspricht es zum Beispiel den Zielen
der Osthilfe (Demokratisierung, Aufbau
der Marktwirtschaft, Abbau des wirt­
schaftlichen Gefälles), wenn die Schweiz
dem polnischen Ministerium für Regio­
nalentwicklung seit Jahren die «Präven­
tion im Bereich der Mundhygiene von
Kindern im Vorschulalter» bezahlt, sich
in Mazedonien und Umgebung auf die
«Förderung geschlechtersensibler Politi­
ken» (1,12 Millionen Dollar) konzen­
triert, in Bosnien-Herzegowina «Gesetze
zur Eindämmung des Tabakkonsums»
entwickelt (2,9 Millionen Franken) oder
in Ungarn unter besonderer Beachtung
der «Endokannaboide» für eine knappe
Million Schmerzforschung betreibt?
• Warum bemüht sich die Schweiz, im
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zu erfassen (832 000 Franken) und «ge­
schlechterspezifische Gewalt» zu brem­
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und die Lobby-Stelle zum gleichen
Zweck («Senior Political Affairs/Liaison
Officer») von 750 000 Franken Bun­
desaufgaben?
Nicht nur die ewig kritische SVP hat, wie
in früheren Jahren, die Gelegenheit ver­
passt, ihre Skepsis am fassbaren Beispiel
zu konkretisieren. Auch die ewig ent­
zückte Linke hat die Chance verstrei­
chen lassen, aus Projekten einen Sinn
abzuleiten. Solange alle zu faul sind, um
genau hinzuschauen, bleiben Debatten
über Ost- und Entwicklungshilfe fakten­
freie Glaubenskämpfe.
In dieser Kolumne schreiben im Wechsel
«Handelszeitung»-Chefökonom Simon Schmid,
«Handelszeitung»-Autor Urs Paul Engeler sowie
Reiner Eichen­berger, Professor für Finanz- und
Wirtschaftspolitik an der Universität Freiburg.
«Die Debatten
bleiben
faktenfreie
­Glaubenskämpfe.»
Freie Sicht
Abgang des UnbequemenSwissgrid Chef Pierre-Alain Graf wirft das Handtuch. Der Netzbetreiber droht an Bedeutung zu verlieren.
Sven Millischer, David Vonplon
D
ie Kunde vom Ausschei­
den des Swissgrid-Chefs
erreichte die Strombosse
an einer Wasserwirt­
schaftstagung in Aarau.
Dort hätte auch Pierre-Alain Graf refe­
rieren sollen. Doch statt über «Markt­
opportunitäten für die Schweizer Was­
serkraft» zu sprechen, gab der 52-jährige
Top-Manager fast zeitgleich seinen
Rücktritt als Chef des nationalen Netzbe­
treibers bekannt. Nicht nur die Tagungs­
teilnehmer waren baff. Auch die Ge­
schäftsleitungsmitglieder der Swissgrid
wurden vom Chefwechsel in Laufenburg
überrascht.
Grafs Abgang gibt in der Strombran­
che zu reden. Der ehemalige Cisco-Ma­
nager, der Swissgrid seit 2008 führte, po­
larisierte wie kein Zweiter. Als visionären
Macher, fachlich beschlagen und kom­
munikativ souverän beschreiben ihn die
einen. Als unnahbar und unnachgiebig
charakterisieren ihn die anderen.
Fest steht, dass Graf in seiner Rolle
als Swissgrid-Chef zusehends zwischen
Stuhl und Bank agierte. «Der Druck auf
Pierre-Alain nahm von allen Seiten zu»,
sagt einer, der ihn gut kennt. Auch wenn
Swissgridbetont,GrafsRücktrittnachsie­
ben Amtsjahren sei aus freien Stücken er­
folgt. Die politische Gemengelage wurde
schwieriger,dieunternehmerischenFrei­
heiten für den agilen Manager enger.
So würdigt Urs Gasche, Präsident der
gewichtigen Swissgrid-Aktionärin BKW,
den abtretenden Swissgrid-Chef zwar als
«sehr fähigen und unternehmerischen
Mann». Gasche betont zugleich aber
auch, dass die Aktivitäten von Graf sich
nicht in allen Punkten mit den Vorstel­
lungen des Berner Stromkonzerns ge­
deckt hätten. Dem Swissgrid-Chef seien
die Möglichkeiten, die der enge gesetzli­
che ­Rahmen für den nationalen Netzbe­
treiber vorsehe, zu restriktiv gewesen,
meint Gasche: «Da hat man ein Rennross
vorein‹Milchwägeli›gespannt.Daskonn­
tenichtgutkommen.»AneinerVeranstal­
tung hat Gasche zudem den Eindruck
­gewonnen, dass Graf im gesamten Netz
weitere koordinierende und regulierende
Funktionen übernehmen wolle. Der
­zurückgetretene Swissgrid-Chef war für
eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Markt gestalten oder verwalten
Ein Zankapfel war beispielsweise die
Errichtung eines zentralen Big-Data-
Hubs für Strom, der alle Markt-, Produk­
tions- und Verbrauchsinformationen
hätte bündeln sollen. Swissgrid verstand
sich dabei als IT-Enabler und Cloud-­
Zudiener für alle Energieversorger glei­
chermassen. Der Umarmungsversuch
stiess den Stromern jedoch sauer auf. Sie
wollen ihre Big-Data-Ströme selber ana­
lysieren und monetarisieren.
KeineFreundemachtesichderSwiss­
grid-Chef auch mit seiner aktiven Rolle
bei der künftigen Marktgestaltung. Die­
ses sogenannte Marketdesign soll unter
anderem ein effizientes Netz gewährleis­
ten, wenn dereinst Sonne und Wind im
grossen Stil zur Stromversorgung bei­
tragen. Doch die visionären Vorarbeiten
stiessen bei den Aktionären des Netz­
betreibers auf Ablehnung.
«Swissgrid muss die Märkte abwi­
ckeln und sie nicht mitgestalten», bringt
ein Verbandsvertreter die Branchenhal­
tung auf den Punkt. Dabei schwingt auch
der latente Frust darüber mit, dass sich
die Überlandwerke mit der Gründung
der Swissgrid und der Überführung
des Hochspannungsnetzes in die natio­
nale Netzgesellschaft enteignet und zu
«Zwangsaktionären» ohne Durchgriffs­
rechte rückgestuft sahen. Schliesslich
sind die sogenannt «unabhängigen»
­Verwaltungsräte bei der Swissgrid in
der Mehrheit. BKW-Präsident Gasche
spricht denn auch von einer «Fehlkon­
struktion»: «Entweder hat die Stromwirt­
schaft die Verantwortung, das Sagen, die
Kosten und Nutzen. Oder sonst über­
nimmt der Bund diese Aufgabe. Dann
soll man uns auszahlen.»
Doch von solch einer «sauberen Lö­
sung» ist man meilenweit entfernt. Zwar
wollte CEO Graf dezidiert das Swissgrid-
Aktionariat öffnen und insitutionelle
­Investoren wie Pensionskassen als ge­
wichtige Aktionäre hereinholen. Gar ei­
nen Börsengang hat Graf einst öffentlich
andiskutiert.
Ein Reglementewall verhindert je­
doch kategorisch eine Transformation
der Eignerschaft. Das juristische Di­
ckicht besteht aus einem
nichtöffentlichen Aktio­
närsbindungsvertrag zwi­
schen den Swissgrid-Grün­
dern, der offenbar dem­
nächst ausläuft, den Fir­
menstatuten sowie dem
Stromversorgungsgesetz.
Es ist ein schwammiges Ge­
setz, an dem seinerzeit Car­
lo Schmid mitarbeitete, der heute den
Elektrizitäts-Regulator Elcom präsidiert.
Alle drei Dokumente widersprechen
sich offenbar materiell oder bieten Spiel­
raum zur Interpretation. Dies führt dazu,
dass sich BKW und die Westschweizer
Kantone juristisch in den Haaren liegen,
werdennnundasSwissgrid-Aktienpaket
der Alpiq übernehmen darf. Der Einfluss
der Branche auf den nationalen Netz­
betreiber ist somit gleich mehrfach sti­
puliert.
Für einen marktorientierten CEO wie
Graf bedeutete dies einen steten Kampf
mit den eigenen Aktionären und einem
trägenRegulator.SosetztederSwissgrid-
Chef in seiner Amtszeit Hunderte Mil­
lionen Franken an Wohlfahrtsgewinnen
frei, indem er einen Markt für den Unter­
halt des Höchstspannungsnetzes schuf.
Nachdem die Stromversorger Jahrzehnte
Monopolrenten hatten abschöpfen kön­
nen, mussten sie sich nun als Dienstleis­
ter bewähren. Dies sorgte verständli­
cherweise für wenig Begeisterung.
Sorge um Restanzen
Die Sorge in der Branche ging gar um,
dass Swissgrid – wie umliegende euro­
päische Netzbetreiber – den Einflussbe­
reich auf tiefere Spannungsebenen aus­
dehen könnte. «Auf den unteren Netz­
ebenen liegen ebenfalls Einsparungen
im dreistelligen Millionenbereich drin»,
sagt ein Kenner der Materie. Die Swiss­
grid-Antipathie der Bran­
che ist deshalb auch die
Angst vor dem Verlust wei­
terer Monopolrestanzen.
Mit dem überraschen­
den Rücktritt Grafs be­
ginnt nun hinter den Ku­
lissen der Richtungsstreit
um die künftige Rolle der
Swissgrid und ihres obers­
ten Chefs. Der Verwaltungsrat wird in
seiner nächsten Sitzung ein Stellenprofil
für den neuen CEO erarbeiten. «Es droht
die Rückstufung zum reinen Mastenver­
walter», sagt ein Insider. Mit der Ernen­
nung von Yves Zumwald zum Interims­
chef scheint dieser Weg vorgezeichnet.
Der Romand ist ausgewiesener Bran­
chen- und Fachmann. Als studierter
Elektroingenieur blickt er auf eine lang­
jährige Karriere in der Schweizer Strom­
wirtschaft zurück. Zumwald soll das dis­
parate Netz der Überlandwerke operativ
in der Swissgrid konsolidieren.
zvg
Pierre-Alain Graf:
Steter Kampf mit
den Swissgrid-
Aktionären.
«Man hat ein
Rennross vor ein
‹Milchwägeli›
gespannt.»
Urs Gasche
VR-Präsident BKW
Credit Suisse will «mehr Dreck»
Auftritt Die Grossbank will
ihr Profil schärfen. Dazu stellt
die Credit Suisse einen Profi
für pointierte Sprache an.
stefan eiselin
Simon Rhodes macht aus Blabla Gold. In
seiner Funktion als Kommunikationsex­
perte hilft er Unternehmen, sich besser
zu präsentieren. Ausschweifende Reden
und seitenlange Berichte, die nicht zum
Punkt kommen und oft nicht einmal
eine klare Aussage haben, sind in den
Augen des Briten Gift fürs Geschäft. Das
zu ändern ist seine Aufgabe.
Seit Anfang August steht Rhodes
neu in Diensten der Credit Suisse. Er
soll ­helfen, das Profil der Grossbank
zu schärfen. Dazu gehört auch, mitzu­
bestimmen, wofür die CS steht – sei es in
der Politik, im Bereich der neuen Tech­
nologienoderindeneinzelnenMärkten.
Rhodes beschreibt seine Aufgabe so: Er
werde mit den Geschäftseinheiten eine
«klare und einzigartige Positionierung»
formulieren und vorantreiben. Rocker
Chris von Rohr würde wohl sagen:
­Rhodes sorgt bei der zweitgrössten
Schweizer Bank für «mehr Dreck».
Zu viel «Geschwafel»
DieBotschaftsolldannvonallenStel­
len unisono gepredigt werden. Wann
­immer ein CS-Manager der Bank dem­
nächst zu brisanten Themen befragt
wird, dürfte er wohl vorher von Rhodes
instruiert worden sein. Der Mann mit
­roten Haaren und schelmischem Blick
wird auch deren Reden schreiben. In
seiner Rolle berichtet er an die globale
Kommunikationschefin Clarissa Haller.
Den gleichen Job machte Rhodes
­zuvor beim Beratungsunternehmen EY,
wie sich Ernst & Young heute nennt. Wer
Dienstleistungen verkaufe, müsse sich
profilieren können, erklärte er dort
­einmal. Die Publikationen und Auftritte
des Buchprüfungskonzerns müssten
deshalb «massgebend» sein. Zu viele
Verlautbarungen seien noch «Geschwa­
fel mit zu technischer Sprache, die den
Inhalt mehr verschleiere als transpor­
tiere», beschrieb es Rhodes damals.
«Wenn man mit Kunden nicht klar spre­
chenkann, nimmteinenniemandernst.»
Eine erste Hausaufgabe
Wenn das sein Ziel ist, so könnte
­Rhodes bei seinem eigenen Titel begin­
nen. Seine Jobbezeichnung ist nicht
­gerade kurz und prägnant. «Head of
Thought Leadership and Communi­
cation Stra­tegy» heisst die Stelle offiziell.
Simon Rhodes
Der Brite ist neuer Vordenker der
Credit Suisse und soll helfen, die
Bank klarer zu positionieren.

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Gasche betont zugleich aber auch, dass die Aktivitäten von Graf sich nicht in allen Punkten mit den Vorstel­ lungen des Berner Stromkonzerns ge­ deckt hätten. Dem Swissgrid-Chef seien die Möglichkeiten, die der enge gesetzli­ che ­Rahmen für den nationalen Netzbe­ treiber vorsehe, zu restriktiv gewesen, meint Gasche: «Da hat man ein Rennross vorein‹Milchwägeli›gespannt.Daskonn­ tenichtgutkommen.»AneinerVeranstal­ tung hat Gasche zudem den Eindruck ­gewonnen, dass Graf im gesamten Netz weitere koordinierende und regulierende Funktionen übernehmen wolle. Der ­zurückgetretene Swissgrid-Chef war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Markt gestalten oder verwalten Ein Zankapfel war beispielsweise die Errichtung eines zentralen Big-Data- Hubs für Strom, der alle Markt-, Produk­ tions- und Verbrauchsinformationen hätte bündeln sollen. Swissgrid verstand sich dabei als IT-Enabler und Cloud-­ Zudiener für alle Energieversorger glei­ chermassen. Der Umarmungsversuch stiess den Stromern jedoch sauer auf. Sie wollen ihre Big-Data-Ströme selber ana­ lysieren und monetarisieren. KeineFreundemachtesichderSwiss­ grid-Chef auch mit seiner aktiven Rolle bei der künftigen Marktgestaltung. Die­ ses sogenannte Marketdesign soll unter anderem ein effizientes Netz gewährleis­ ten, wenn dereinst Sonne und Wind im grossen Stil zur Stromversorgung bei­ tragen. Doch die visionären Vorarbeiten stiessen bei den Aktionären des Netz­ betreibers auf Ablehnung. «Swissgrid muss die Märkte abwi­ ckeln und sie nicht mitgestalten», bringt ein Verbandsvertreter die Branchenhal­ tung auf den Punkt. Dabei schwingt auch der latente Frust darüber mit, dass sich die Überlandwerke mit der Gründung der Swissgrid und der Überführung des Hochspannungsnetzes in die natio­ nale Netzgesellschaft enteignet und zu «Zwangsaktionären» ohne Durchgriffs­ rechte rückgestuft sahen. Schliesslich sind die sogenannt «unabhängigen» ­Verwaltungsräte bei der Swissgrid in der Mehrheit. BKW-Präsident Gasche spricht denn auch von einer «Fehlkon­ struktion»: «Entweder hat die Stromwirt­ schaft die Verantwortung, das Sagen, die Kosten und Nutzen. Oder sonst über­ nimmt der Bund diese Aufgabe. Dann soll man uns auszahlen.» Doch von solch einer «sauberen Lö­ sung» ist man meilenweit entfernt. Zwar wollte CEO Graf dezidiert das Swissgrid- Aktionariat öffnen und insitutionelle ­Investoren wie Pensionskassen als ge­ wichtige Aktionäre hereinholen. Gar ei­ nen Börsengang hat Graf einst öffentlich andiskutiert. Ein Reglementewall verhindert je­ doch kategorisch eine Transformation der Eignerschaft. Das juristische Di­ ckicht besteht aus einem nichtöffentlichen Aktio­ närsbindungsvertrag zwi­ schen den Swissgrid-Grün­ dern, der offenbar dem­ nächst ausläuft, den Fir­ menstatuten sowie dem Stromversorgungsgesetz. Es ist ein schwammiges Ge­ setz, an dem seinerzeit Car­ lo Schmid mitarbeitete, der heute den Elektrizitäts-Regulator Elcom präsidiert. Alle drei Dokumente widersprechen sich offenbar materiell oder bieten Spiel­ raum zur Interpretation. Dies führt dazu, dass sich BKW und die Westschweizer Kantone juristisch in den Haaren liegen, werdennnundasSwissgrid-Aktienpaket der Alpiq übernehmen darf. Der Einfluss der Branche auf den nationalen Netz­ betreiber ist somit gleich mehrfach sti­ puliert. Für einen marktorientierten CEO wie Graf bedeutete dies einen steten Kampf mit den eigenen Aktionären und einem trägenRegulator.SosetztederSwissgrid- Chef in seiner Amtszeit Hunderte Mil­ lionen Franken an Wohlfahrtsgewinnen frei, indem er einen Markt für den Unter­ halt des Höchstspannungsnetzes schuf. Nachdem die Stromversorger Jahrzehnte Monopolrenten hatten abschöpfen kön­ nen, mussten sie sich nun als Dienstleis­ ter bewähren. Dies sorgte verständli­ cherweise für wenig Begeisterung. Sorge um Restanzen Die Sorge in der Branche ging gar um, dass Swissgrid – wie umliegende euro­ päische Netzbetreiber – den Einflussbe­ reich auf tiefere Spannungsebenen aus­ dehen könnte. «Auf den unteren Netz­ ebenen liegen ebenfalls Einsparungen im dreistelligen Millionenbereich drin», sagt ein Kenner der Materie. Die Swiss­ grid-Antipathie der Bran­ che ist deshalb auch die Angst vor dem Verlust wei­ terer Monopolrestanzen. Mit dem überraschen­ den Rücktritt Grafs be­ ginnt nun hinter den Ku­ lissen der Richtungsstreit um die künftige Rolle der Swissgrid und ihres obers­ ten Chefs. Der Verwaltungsrat wird in seiner nächsten Sitzung ein Stellenprofil für den neuen CEO erarbeiten. «Es droht die Rückstufung zum reinen Mastenver­ walter», sagt ein Insider. Mit der Ernen­ nung von Yves Zumwald zum Interims­ chef scheint dieser Weg vorgezeichnet. Der Romand ist ausgewiesener Bran­ chen- und Fachmann. Als studierter Elektroingenieur blickt er auf eine lang­ jährige Karriere in der Schweizer Strom­ wirtschaft zurück. Zumwald soll das dis­ parate Netz der Überlandwerke operativ in der Swissgrid konsolidieren. zvg Pierre-Alain Graf: Steter Kampf mit den Swissgrid- Aktionären. «Man hat ein Rennross vor ein ‹Milchwägeli› gespannt.» Urs Gasche VR-Präsident BKW Credit Suisse will «mehr Dreck» Auftritt Die Grossbank will ihr Profil schärfen. Dazu stellt die Credit Suisse einen Profi für pointierte Sprache an. stefan eiselin Simon Rhodes macht aus Blabla Gold. In seiner Funktion als Kommunikationsex­ perte hilft er Unternehmen, sich besser zu präsentieren. Ausschweifende Reden und seitenlange Berichte, die nicht zum Punkt kommen und oft nicht einmal eine klare Aussage haben, sind in den Augen des Briten Gift fürs Geschäft. Das zu ändern ist seine Aufgabe. Seit Anfang August steht Rhodes neu in Diensten der Credit Suisse. Er soll ­helfen, das Profil der Grossbank zu schärfen. Dazu gehört auch, mitzu­ bestimmen, wofür die CS steht – sei es in der Politik, im Bereich der neuen Tech­ nologienoderindeneinzelnenMärkten. Rhodes beschreibt seine Aufgabe so: Er werde mit den Geschäftseinheiten eine «klare und einzigartige Positionierung» formulieren und vorantreiben. Rocker Chris von Rohr würde wohl sagen: ­Rhodes sorgt bei der zweitgrössten Schweizer Bank für «mehr Dreck». Zu viel «Geschwafel» DieBotschaftsolldannvonallenStel­ len unisono gepredigt werden. Wann ­immer ein CS-Manager der Bank dem­ nächst zu brisanten Themen befragt wird, dürfte er wohl vorher von Rhodes instruiert worden sein. Der Mann mit ­roten Haaren und schelmischem Blick wird auch deren Reden schreiben. In seiner Rolle berichtet er an die globale Kommunikationschefin Clarissa Haller. Den gleichen Job machte Rhodes ­zuvor beim Beratungsunternehmen EY, wie sich Ernst & Young heute nennt. Wer Dienstleistungen verkaufe, müsse sich profilieren können, erklärte er dort ­einmal. Die Publikationen und Auftritte des Buchprüfungskonzerns müssten deshalb «massgebend» sein. Zu viele Verlautbarungen seien noch «Geschwa­ fel mit zu technischer Sprache, die den Inhalt mehr verschleiere als transpor­ tiere», beschrieb es Rhodes damals. «Wenn man mit Kunden nicht klar spre­ chenkann, nimmteinenniemandernst.» Eine erste Hausaufgabe Wenn das sein Ziel ist, so könnte ­Rhodes bei seinem eigenen Titel begin­ nen. Seine Jobbezeichnung ist nicht ­gerade kurz und prägnant. «Head of Thought Leadership and Communi­ cation Stra­tegy» heisst die Stelle offiziell. Simon Rhodes Der Brite ist neuer Vordenker der Credit Suisse und soll helfen, die Bank klarer zu positionieren.