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Management
122 clinicum 2-18
Zugang zu EPD, eMedikation, eÜberweisung – was muss ich als
Leistungserbringer tun?
Auf dem Weg zu standardisierten
eHealth-Prozessen
Grundlagenkenntnisse aneignen – das ist die erste Aufgabe, die es zu lösen gilt. Spitäler müssen sich
gemäss KVG bis zum 14. April 2020, Geburtshäuser und Pflegeheime bis zum 14. April 2022 einer
nach EPDG zertifizierten Gemeinschaft oder Stammgemeinschaft anschliessen.
In der Schweiz wird das Elektronische Patienten­
dossier (EPD) nicht zentral eingeführt, sondern
es wird ein dezentraler Aufbau gefordert. Leis­
tungserbringer haben die Wahl zwischen ver­
schiedenen Zugangspunkten, um sich an das
EPD anzuschliessen. Dabei spielt es keine Rolle,
an welchen Zugangspunkt man sich anschliesst
(vergleichbar wie bei der Auswahl eines Mobil­
funkanbieters oder Internetproviders – jeder
Anbieter ermöglicht das Telefonieren bzw. den
Zugang zum Internet).
Diese technischen Zugangspunkte zum EPD
werden von Gemeinschaften oder Stamm­
gemeinschaften angeboten. Der Unterschied
zwischen einer Gemeinschaft und einer Stamm­
gemeinschaft besteht darin, dass eine Stamm­
gemeinschaft auch ein Patientenportal anbietet,
an dem der Patient sein Dossier unterhalten kann
und die Stammgemeinschaft die damit verbun­
denen Aufgaben wie Aufbewahrung der schrift­
lichen Einverständniserklärung, das Onboarding
und die Unterstützung des Patienten übernimmt.
Die Gemeinschaften und Stammgemeinschaften
müssen bestimmte Anforderungen bzgl. Funk­
tionsumfang und Sicherheit des EPD nach den
Vorgaben des Bundes gemäss EPD-Gesetzge­
bung erfüllen, um sowohl organisatorisch (ab
Mitte 2018) als auch technisch (Ende 2019) zer­
tifiziert werden zu können.
Aktuell gibt es neben verschiedenen regional im
Aufbau befindlichen Stammgemeinschaften (vgl.
www.e-health-suisse.ch) zwei Gemeinschaften
mit nationaler Ausrichtung: Abilis AG und AD
Swiss. Die Abilis AG setzt die Stammgemein­
schaft mit Ofac, der Berufsgenossenschaft der
SchweizerApotheker,um.DieAD Swiss wird von
der AD Swiss Net AG betrieben, mit HIN und
Ärztekasse als Partner.
Verstehen, wie der Zugang zum
Patientendossier und zu
B2B-eHealth-Prozessen funktioniert
Was ist der Unterschied zwischen den verschie­
denen Gemeinschaften? An welche Gemein­
schaft sollte ich mich anschliessen? Für die
reine Erfüllung der EPDG Anforderung, über
einen technischen Zugangspunkt das Patienten­
dossier bewirtschaften zu können,macht es wie
oben erwähnt keinen Unterschied, an welche
zertifizierte Gemeinschaft sich ein Leistungser­
bringer anschliesst:Die Dokumente,die aus dem
Primärsystem in die Dateiablage, das «Reposi­
tory» der Gemeinschaft, abgelegt (kopiert) wer­
den, stehen «Cross-Community» auch anderen
Gemeinschaften zur Verfügung. D. h. konkret: In
dem Moment, in welchem eine Gesundheits­
fachperson aus ihrem Primärsystem heraus
Daten zu einem Patienten abfragt, werden nicht
nur Dokumente angezeigt,die im Repository der
angeschlossenen Gemeinschaft liegen,sondern
auch alle Dokumente zu diesem Patienten, die
schweizweit in anderen Repositories von
Gemeinschaften liegen – wobei der Patient ent­
scheidet, welche Daten er zur Einsicht freigibt.
Legt eine Gesundheitsfachperson ein Dokument
zu einem Patienten im Repository der Gemein­
Das EPD ist eine verteilte Datenablage
Management
clinicum 2­18 123
genutzt werden. Mehr noch: Statt einer Reduk­
tion der administrativen Aufwände müssten
Leistungserbringer eine Vielzahl von verschie­
denen Varianten in Kauf nehmen und je nach
Kommunikationspartner anders arbeiten.
Standardisierung einfordern
Was tun als Leistungserbringer in dieser Situa­
tion? Leistungserbringer können ihren Primär­
systemanbietern folgende Fragen stellen und
dem Bedürfnis nach standardisierten eHe­
alth­Prozessen Ausdruck verleihen:
– Wird eine technische Anbindung an einen
Zugangspunkt für das EPD angeboten?
– Ist diese technische Anbindung kompatibel
mit allen Zugangspunkten in der Schweiz? Das
heisst, wäre ein Wechsel des Zugangspunktes
möglich?
– Welche eHealth­Prozesse wie eÜberweisung,
eMedikation werden von dem Primärsystem­
anbieter angeboten?Wann ist was verfügbar?
Sind diese Prozesse standardisiert?
schaft ab, steht es – vorbehaltlich der entspre­
chenden Zugriffsrechte –Gesundheitsfachper­
sonen zur Verfügung, die über andere
Gemeinschaften am EPD teilnehmen.
Neben dem Patientendossier stellt sich für den
Leistungserbringer die Frage, welche weiteren
eHealth­Prozesse er bei Anschluss an einen
Zugangspunkt nutzen/einkaufen kann: eÜber­
weisung, eMedikation funktionieren «Cross­
Community» wie das EPD nur,wenn alle Zugangs­
punkte diese Dienste mit den gleichen Standards
anbieten. An dieser Stelle sei auf die Standardi­
sierungs­Initiative derVereine IHE Suisse und der
HL7 Benutzergruppe Schweiz verwiesen (vgl.
https://standardisierung.ch), die sich genau die­
sem Ziel verschrieben hat.
Ein Leistungserbringer sollte nicht vor die Wahl
gestellt werden, ob er sich besser dieser oder
jener Gemeinschaft anschliesst. Denn mit Insel­
lösungen in den einzelnen Gemeinschaften kann
das Potential von institutionsübergreifenden
Prozessen in der gesamten Schweiz nicht
– Welche eigenen Prozessteile muss ich anpas­
sen, um diese eHealth­Prozesse effektiv End­
to­End mit anderen Leistungserbringern
durchführen zu können?
– Welche Datenbestände muss ich wie aufbe­
reiten, um bereit für die Kooperation zu sein?
Ausserdem gilt es über die Berufsverbände,
die Forderung nach einer Standardisierung der
eHealth­Prozesse über das EPD hinaus zu
platzieren.Starten Sie jetzt damit,die Umsetzung
von standardisierten Prozessen zu fordern und
zu fördern.
Autorin
Dr. Christine Reichert, BINT GmbH, Winterthur
Weitere Informationen
BINT GmbH
Hard 5
8408 Winterthur
www.bint.ch
Bachelorstudium
in Medizininformatik
Infos und Anmeldung:
ti.bfh.ch/infotage
‣ Medizininformatik
Zukunftsorientiert, interdisziplinär, schweizweit
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  • 1. Management 122 clinicum 2-18 Zugang zu EPD, eMedikation, eÜberweisung – was muss ich als Leistungserbringer tun? Auf dem Weg zu standardisierten eHealth-Prozessen Grundlagenkenntnisse aneignen – das ist die erste Aufgabe, die es zu lösen gilt. Spitäler müssen sich gemäss KVG bis zum 14. April 2020, Geburtshäuser und Pflegeheime bis zum 14. April 2022 einer nach EPDG zertifizierten Gemeinschaft oder Stammgemeinschaft anschliessen. In der Schweiz wird das Elektronische Patienten­ dossier (EPD) nicht zentral eingeführt, sondern es wird ein dezentraler Aufbau gefordert. Leis­ tungserbringer haben die Wahl zwischen ver­ schiedenen Zugangspunkten, um sich an das EPD anzuschliessen. Dabei spielt es keine Rolle, an welchen Zugangspunkt man sich anschliesst (vergleichbar wie bei der Auswahl eines Mobil­ funkanbieters oder Internetproviders – jeder Anbieter ermöglicht das Telefonieren bzw. den Zugang zum Internet). Diese technischen Zugangspunkte zum EPD werden von Gemeinschaften oder Stamm­ gemeinschaften angeboten. Der Unterschied zwischen einer Gemeinschaft und einer Stamm­ gemeinschaft besteht darin, dass eine Stamm­ gemeinschaft auch ein Patientenportal anbietet, an dem der Patient sein Dossier unterhalten kann und die Stammgemeinschaft die damit verbun­ denen Aufgaben wie Aufbewahrung der schrift­ lichen Einverständniserklärung, das Onboarding und die Unterstützung des Patienten übernimmt. Die Gemeinschaften und Stammgemeinschaften müssen bestimmte Anforderungen bzgl. Funk­ tionsumfang und Sicherheit des EPD nach den Vorgaben des Bundes gemäss EPD-Gesetzge­ bung erfüllen, um sowohl organisatorisch (ab Mitte 2018) als auch technisch (Ende 2019) zer­ tifiziert werden zu können. Aktuell gibt es neben verschiedenen regional im Aufbau befindlichen Stammgemeinschaften (vgl. www.e-health-suisse.ch) zwei Gemeinschaften mit nationaler Ausrichtung: Abilis AG und AD Swiss. Die Abilis AG setzt die Stammgemein­ schaft mit Ofac, der Berufsgenossenschaft der SchweizerApotheker,um.DieAD Swiss wird von der AD Swiss Net AG betrieben, mit HIN und Ärztekasse als Partner. Verstehen, wie der Zugang zum Patientendossier und zu B2B-eHealth-Prozessen funktioniert Was ist der Unterschied zwischen den verschie­ denen Gemeinschaften? An welche Gemein­ schaft sollte ich mich anschliessen? Für die reine Erfüllung der EPDG Anforderung, über einen technischen Zugangspunkt das Patienten­ dossier bewirtschaften zu können,macht es wie oben erwähnt keinen Unterschied, an welche zertifizierte Gemeinschaft sich ein Leistungser­ bringer anschliesst:Die Dokumente,die aus dem Primärsystem in die Dateiablage, das «Reposi­ tory» der Gemeinschaft, abgelegt (kopiert) wer­ den, stehen «Cross-Community» auch anderen Gemeinschaften zur Verfügung. D. h. konkret: In dem Moment, in welchem eine Gesundheits­ fachperson aus ihrem Primärsystem heraus Daten zu einem Patienten abfragt, werden nicht nur Dokumente angezeigt,die im Repository der angeschlossenen Gemeinschaft liegen,sondern auch alle Dokumente zu diesem Patienten, die schweizweit in anderen Repositories von Gemeinschaften liegen – wobei der Patient ent­ scheidet, welche Daten er zur Einsicht freigibt. Legt eine Gesundheitsfachperson ein Dokument zu einem Patienten im Repository der Gemein­ Das EPD ist eine verteilte Datenablage
  • 2. Management clinicum 2­18 123 genutzt werden. Mehr noch: Statt einer Reduk­ tion der administrativen Aufwände müssten Leistungserbringer eine Vielzahl von verschie­ denen Varianten in Kauf nehmen und je nach Kommunikationspartner anders arbeiten. Standardisierung einfordern Was tun als Leistungserbringer in dieser Situa­ tion? Leistungserbringer können ihren Primär­ systemanbietern folgende Fragen stellen und dem Bedürfnis nach standardisierten eHe­ alth­Prozessen Ausdruck verleihen: – Wird eine technische Anbindung an einen Zugangspunkt für das EPD angeboten? – Ist diese technische Anbindung kompatibel mit allen Zugangspunkten in der Schweiz? Das heisst, wäre ein Wechsel des Zugangspunktes möglich? – Welche eHealth­Prozesse wie eÜberweisung, eMedikation werden von dem Primärsystem­ anbieter angeboten?Wann ist was verfügbar? Sind diese Prozesse standardisiert? schaft ab, steht es – vorbehaltlich der entspre­ chenden Zugriffsrechte –Gesundheitsfachper­ sonen zur Verfügung, die über andere Gemeinschaften am EPD teilnehmen. Neben dem Patientendossier stellt sich für den Leistungserbringer die Frage, welche weiteren eHealth­Prozesse er bei Anschluss an einen Zugangspunkt nutzen/einkaufen kann: eÜber­ weisung, eMedikation funktionieren «Cross­ Community» wie das EPD nur,wenn alle Zugangs­ punkte diese Dienste mit den gleichen Standards anbieten. An dieser Stelle sei auf die Standardi­ sierungs­Initiative derVereine IHE Suisse und der HL7 Benutzergruppe Schweiz verwiesen (vgl. https://standardisierung.ch), die sich genau die­ sem Ziel verschrieben hat. Ein Leistungserbringer sollte nicht vor die Wahl gestellt werden, ob er sich besser dieser oder jener Gemeinschaft anschliesst. Denn mit Insel­ lösungen in den einzelnen Gemeinschaften kann das Potential von institutionsübergreifenden Prozessen in der gesamten Schweiz nicht – Welche eigenen Prozessteile muss ich anpas­ sen, um diese eHealth­Prozesse effektiv End­ to­End mit anderen Leistungserbringern durchführen zu können? – Welche Datenbestände muss ich wie aufbe­ reiten, um bereit für die Kooperation zu sein? Ausserdem gilt es über die Berufsverbände, die Forderung nach einer Standardisierung der eHealth­Prozesse über das EPD hinaus zu platzieren.Starten Sie jetzt damit,die Umsetzung von standardisierten Prozessen zu fordern und zu fördern. Autorin Dr. Christine Reichert, BINT GmbH, Winterthur Weitere Informationen BINT GmbH Hard 5 8408 Winterthur www.bint.ch Bachelorstudium in Medizininformatik Infos und Anmeldung: ti.bfh.ch/infotage ‣ Medizininformatik Zukunftsorientiert, interdisziplinär, schweizweit einzigartig. Besuchen Sie unsere Infotage in Biel und Bern: 3. Mai 2018 7. Juni 2018 15. Juni 2018 28. Juni 2018 (mit Grillade) Infotage 2018