SlideShare ist ein Scribd-Unternehmen logo
E 1.2
Wörter wie Luftballons
Wie man schlank und zupackend schreibt




                                                               Christoph Fasel



Jeder, der im Wissenschaftsbetrieb arbeitet wird feststellen, wie weit sich die Sprache der
Wissenschaft oft vom Alltags-Verständnis des normalen Lesers entfernt. Was können Wissenschaft-
ler tun, die dennoch verstanden werden möchten? Sie können die künstliche Distanz, die zwischen
ihrer Fachsprache auf der einen Seite und dem Verständnishorizont des normal gebildeten Laien
andererseits klafft überbrücken. Einige der Techniken, die dazu nötig sind, haben wir in den vori-
gen Abschnitten kennen gelernt.
Mit einer weiteren dieser Techniken beschäftigt sich dieser Absatz. Er beleuchtet kritisch den oft
unnötig aufgeblasenen Sprachgebrauch in der Hochschule – und nennt ein paar Rezepte, wie man
diesen Wörtern wie Luftballons die Luft ablässt.


Gliederung                                                                                  Seite

1.      Wie sich Fach-Sprache spreizt: Beispiele aus der Praxis                                 2
2.      Übersetzungs-Fallen – und wie man sie umgeht                                            6
3.      Ein Spiel gegen den Jargon: Bullshit Bingo                                             10
4.      Wie man dicken Wörtern die Luft rauslässt                                              11




HWK 1 00 08 03                                                                                  1
E 1.2                                            Werkzeugkasten: Welche Instrumente wofür?

Die richtige Sprache sprechen




                                1.    Wie sich Fach-Sprache spreizt: Beispiele
                                      aus der Praxis
                                Karl Popper, Philosoph und Begründer des kritischen Rationalismus,
                                beschäftigte sich als Wissenschaftler mit schwierigen Fragen. Das
                                hinderte ihn jedoch nicht dran, stets zu versuchen, seine Gedanken in
                                einer möglichst fasslichen Form auszudrücken – auch wenn dies, wie
                                er selbst in einem Briefwechsel eingestand, nicht ganz leicht war.

Komplexe Gedanken –             Wie wichtig es hingegen ist, sich genau dieser Schwierigkeit
klare Form!                     unerschrocken zu stellen, Kompliziertes in eine fassliche Form zu
                                bringen, zeigen uns immer wieder Beispiele aus der Praxis von Lehre,
                                Forschung oder Publikationen. So lautet etwa eine Veranstaltungs-
                                Ankündigung der Bundeswehr-Hochschule in Hamburg Harburg:



                                                               Wissenschafts-Worthülse 1



    In der Veranstaltung soll vermittels eines interdisziplinären Zuganges versucht werden, das
    komplexe Phänomen Menschenführung als multidimensionale Aufgabe zu verstehen und ernst zu
    nehmen (...) An eine kompakte Präsentation der einzeldisziplinorientierten Problemvielfalt von
    Menschenführung schließt sich eine freie Diskussion mit der Intention an, eine ganzheitliche
    Problemsicht zu entwickeln, die ethisch reflektiert, theoretisch und prozessual versiert sowie für
    Fremd- und Selbstkritik sensibilisiert praktische Menschenführung optimieren hilft.


                                Was soll das bedeuten? Ein Seminar zum Thema „Sprache des
                                Journalismus“ des Germanistischen Institutes der Universität Mün-
                                chen versuchte in einer gemeinschaftlichen Anstrengung vor einigen
                                Jahren als Übungsaufgabe, diesen offiziell verteilten Text der
                                Hochschule in ein verständliches Deutsch zu bringen. Soweit sich dem
                                Bezeichnenden dieses Textes etwas Bezeichnetes überhaupt zuordnen
                                ließ, ergaben sich, je nach Interpretationstiefe, unterschiedlich weit
                                reichende Redigaturen des Textes. Eine der klarsten Übersetzungen
                                lautete:



                                                                  Redigaturvorschlag:
                                                                 So ist es verständlicher


    Wissenschaftler unterschiedlicher Fächer wollen gemeinsam darüber sprechen, wie man
    Menschenführung verbessern kann. Die Veranstaltung beginnt mit einer Reihe von Kurzvorträgen,
    an die sich eine Diskussion aller Teilnehmer anschließt.




2                                                                                           HWK 1 00 08 03
Werkzeugkasten: Welche Instrumente wofür?                                                         E 1.2

                                                                           Die richtige Sprache sprechen




Noch radikaler erwies sich ein Soziologiestudent, der am Seminar
teilnahm. Aus dem bayerischen Oberland stammend, entsann er sich
des zupackenden Idioms seiner Heimatstadt Bad Tölz und fasste den
oben stehenden Schwarm von Wortballons in den schlichten Satz:
„Leit, lasst uns z’samm kemma und drüber red’n, wia ma
miteinand umgeh’n!“

Was ist hier geschehen? In beiden Fällen ist nichts anderes passiert,         Weg mit der heißen Luft!
als das radikal die heiße Luft aus den Worthülsen abgelassen wurde.
Jede Redigatur, die einen solchen Text bearbeitet, muß als erstes die
Frage stellen: Was steht da eigentlich drin? Diese Frage muss sich
auch der folgende Text gefallen lassen, der aus der Theaterpädagogik
stammt:



            Wissenschafts-Worthülse 2



  „Wir wollen unter dem Stichwort Kommunikation zusammen mit Philosophie, Psychologie,
  Soziologie, Pädagogik, bildenden und anderen Künsten das „Produkt“ Kindertheater als
  komplexen Prozess fließender Systeme von Zeichen, Codes und Symbolen verstehen und
  gemeinsam Erfahrungen sammeln.“


Eine Nachfrage bei den Autoren über die Aussage und Bedeutung
dieses Absatzes ergab folgende Antwort (hier in einem
zusammenhängenden Ausschnitt als Originalzitat zum Inhalt dar-
geboten):



       Die erbetene Erläuterung der Autoren
                (in originaler Form)


  „Innerhalb von diesem‚...komplexen Prozess...“, der sich von Vorstellung zu Vorstellung erneuert,
  gibt es „...fließende Systeme von Zeichen...“ (z. B. Mimik, Gestik, Haltung und Betonung der Spra-
  che), die nicht absolut festzulegen sind. „...Codes...“ sind bedeutungstragende Einheiten, die aus
  Kombination und Gewichtung dieser und anderer Zeichen entstehen, wie im richtigen Leben. Bild-
  nerische Mittel erweitern die darstellerischen Möglichkeiten bis hin zur „...Symbolik...“. Wenn zum
  Beispiel ein alter Mann (im Figurentheater) durch eine krumme und reife Banane dargestellt wird,
  deren Schale zu Boden gleitet, das Innere aber zum Munde des Spielers aufsteigt und verspeist
  wird. Es hängt vom Wissen und der Erfahrung des Zuschauers ab, ob und wie sie die wechselnden
  Ebenen in Verbindung bringen, den Code entschlüsseln und Bedeutung entnehmen.




HWK 1 00 08 03                                                                                          3
E 1.2                                        Werkzeugkasten: Welche Instrumente wofür?

Die richtige Sprache sprechen




  Informationen zum Autor:
  Prof. Dr. Christoph Fasel lehrt als Dekan an der SRH Hochschule in Calw Medien- und
  Kommunikationsmanagement; als Journalist Arbeit u. a. bei BILD, Abendzeitung, Bayerischer
  Rundfunk, Eltern. Er war Reporter des STERN, Chefredakteur von Reader’s Digest Deutschland
  und Österreich und Leiter der Henri Nannen Journalistenschule Gruner+Jahr/DIE ZEIT. Als
  Medienentwickler der WortFreunde Kommunikation berät er Institutionen, Verlage und Unternehmen
  im In- und Ausland. Er ist Chefredakteur des Wissenschaftsmagazins „Faszination Forschung“ der
  TU München.




12                                                                                  HWK 1 00 08 03

Weitere ähnliche Inhalte

Andere mochten auch

óSsos
óSsosóSsos
óSsos
maiteposino
 
Ästhethik
ÄsthethikÄsthethik
Ästhethik
branki1208
 
Chancen und Möglichkeiten von Absolventen von Gestaltungshochschulen
Chancen und Möglichkeiten von Absolventen von GestaltungshochschulenChancen und Möglichkeiten von Absolventen von Gestaltungshochschulen
Chancen und Möglichkeiten von Absolventen von Gestaltungshochschulen
Corporate Identity Institut
 
Seo Campixx Vortrag 2012: Affiliate auf Weltreise
Seo Campixx Vortrag 2012: Affiliate auf WeltreiseSeo Campixx Vortrag 2012: Affiliate auf Weltreise
Seo Campixx Vortrag 2012: Affiliate auf Weltreise
Nils Römeling
 
Infopaq Social Media Kurzanalyse - Trainerkarussell beim FC Bayern (26.04.11)
Infopaq Social Media Kurzanalyse - Trainerkarussell beim FC Bayern (26.04.11)Infopaq Social Media Kurzanalyse - Trainerkarussell beim FC Bayern (26.04.11)
Infopaq Social Media Kurzanalyse - Trainerkarussell beim FC Bayern (26.04.11)
Infopaq Deutschland
 
The Biggest Secret - Geistige Weltstrukturen von Gerold Szonn
The Biggest Secret - Geistige Weltstrukturen von Gerold SzonnThe Biggest Secret - Geistige Weltstrukturen von Gerold Szonn
The Biggest Secret - Geistige Weltstrukturen von Gerold Szonn
Gerold Szonn
 
Vor dem vortrag
Vor dem vortragVor dem vortrag
Vor dem vortrag
Ina Arendt
 
Prezentacja huberta
Prezentacja hubertaPrezentacja huberta
Prezentacja huberta
kaelbo
 
imatics ProcessSuite
imatics ProcessSuiteimatics ProcessSuite
imatics ProcessSuite
imatics Software GmbH
 
Präsentation Lüfter e²
Präsentation Lüfter e²Präsentation Lüfter e²
Präsentation Lüfter e²
lunosventilation
 
ESSILOR IMPULSE 2012
ESSILOR IMPULSE 2012ESSILOR IMPULSE 2012
ESSILOR IMPULSE 2012
talk social
 
Eggevoort friche - de burger in de stad
Eggevoort friche - de burger in de stadEggevoort friche - de burger in de stad
Eggevoort friche - de burger in de stad
Stedenbeleid Vlaanderen
 
Studie KMU-PR
Studie KMU-PRStudie KMU-PR
Studie KMU-PR
buero miller aichholz
 
Gernot Lehr: Die Verbreiterhaftung
Gernot Lehr: Die VerbreiterhaftungGernot Lehr: Die Verbreiterhaftung
Gernot Lehr: Die Verbreiterhaftung
Stefanie Kollenberg, Raabe Verlag
 
Alexander Gerber: Wissenschaft als strategischer Partner der Wirtschaft
Alexander Gerber: Wissenschaft als strategischer Partner der WirtschaftAlexander Gerber: Wissenschaft als strategischer Partner der Wirtschaft
Alexander Gerber: Wissenschaft als strategischer Partner der Wirtschaft
Stefanie Kollenberg, Raabe Verlag
 
Umfrage unter Energieexperten zur Energiewende: Keine Partei kann es
Umfrage unter Energieexperten zur Energiewende: Keine Partei kann esUmfrage unter Energieexperten zur Energiewende: Keine Partei kann es
Umfrage unter Energieexperten zur Energiewende: Keine Partei kann es
Andreas Jung
 
Buzz
BuzzBuzz
Buzz
Google
 

Andere mochten auch (20)

óSsos
óSsosóSsos
óSsos
 
Ästhethik
ÄsthethikÄsthethik
Ästhethik
 
Chancen und Möglichkeiten von Absolventen von Gestaltungshochschulen
Chancen und Möglichkeiten von Absolventen von GestaltungshochschulenChancen und Möglichkeiten von Absolventen von Gestaltungshochschulen
Chancen und Möglichkeiten von Absolventen von Gestaltungshochschulen
 
F U N C I O N S
F U N C I O N SF U N C I O N S
F U N C I O N S
 
BVOB - Tagung 2012
BVOB - Tagung 2012 BVOB - Tagung 2012
BVOB - Tagung 2012
 
Seo Campixx Vortrag 2012: Affiliate auf Weltreise
Seo Campixx Vortrag 2012: Affiliate auf WeltreiseSeo Campixx Vortrag 2012: Affiliate auf Weltreise
Seo Campixx Vortrag 2012: Affiliate auf Weltreise
 
Infopaq Social Media Kurzanalyse - Trainerkarussell beim FC Bayern (26.04.11)
Infopaq Social Media Kurzanalyse - Trainerkarussell beim FC Bayern (26.04.11)Infopaq Social Media Kurzanalyse - Trainerkarussell beim FC Bayern (26.04.11)
Infopaq Social Media Kurzanalyse - Trainerkarussell beim FC Bayern (26.04.11)
 
The Biggest Secret - Geistige Weltstrukturen von Gerold Szonn
The Biggest Secret - Geistige Weltstrukturen von Gerold SzonnThe Biggest Secret - Geistige Weltstrukturen von Gerold Szonn
The Biggest Secret - Geistige Weltstrukturen von Gerold Szonn
 
Vor dem vortrag
Vor dem vortragVor dem vortrag
Vor dem vortrag
 
Prezentacja huberta
Prezentacja hubertaPrezentacja huberta
Prezentacja huberta
 
imatics ProcessSuite
imatics ProcessSuiteimatics ProcessSuite
imatics ProcessSuite
 
Präsentation Lüfter e²
Präsentation Lüfter e²Präsentation Lüfter e²
Präsentation Lüfter e²
 
ESSILOR IMPULSE 2012
ESSILOR IMPULSE 2012ESSILOR IMPULSE 2012
ESSILOR IMPULSE 2012
 
Eggevoort friche - de burger in de stad
Eggevoort friche - de burger in de stadEggevoort friche - de burger in de stad
Eggevoort friche - de burger in de stad
 
Studie KMU-PR
Studie KMU-PRStudie KMU-PR
Studie KMU-PR
 
AUTOCAD DRAWINGS
AUTOCAD DRAWINGSAUTOCAD DRAWINGS
AUTOCAD DRAWINGS
 
Gernot Lehr: Die Verbreiterhaftung
Gernot Lehr: Die VerbreiterhaftungGernot Lehr: Die Verbreiterhaftung
Gernot Lehr: Die Verbreiterhaftung
 
Alexander Gerber: Wissenschaft als strategischer Partner der Wirtschaft
Alexander Gerber: Wissenschaft als strategischer Partner der WirtschaftAlexander Gerber: Wissenschaft als strategischer Partner der Wirtschaft
Alexander Gerber: Wissenschaft als strategischer Partner der Wirtschaft
 
Umfrage unter Energieexperten zur Energiewende: Keine Partei kann es
Umfrage unter Energieexperten zur Energiewende: Keine Partei kann esUmfrage unter Energieexperten zur Energiewende: Keine Partei kann es
Umfrage unter Energieexperten zur Energiewende: Keine Partei kann es
 
Buzz
BuzzBuzz
Buzz
 

Ähnlich wie Christoph Fasel: Wie man schlank und zupackend schreibt

Christioph Fasel: Redigieren
Christioph Fasel: RedigierenChristioph Fasel: Redigieren
Christioph Fasel: Redigieren
Stefanie Kollenberg, Raabe Verlag
 
Sprechen als Handeln
Sprechen als HandelnSprechen als Handeln
Sprechen als Handeln
Roland Bruggmann
 
silo.tips_die-kompetenz-sprachmittlung-und-ihre-implikationen-fr-den-fremdspr...
silo.tips_die-kompetenz-sprachmittlung-und-ihre-implikationen-fr-den-fremdspr...silo.tips_die-kompetenz-sprachmittlung-und-ihre-implikationen-fr-den-fremdspr...
silo.tips_die-kompetenz-sprachmittlung-und-ihre-implikationen-fr-den-fremdspr...
Maria Carmen Perez
 
Britta Klocke: Zur Kommunikation wissenschaftlicher Ergebnisse vor Ort
Britta Klocke: Zur Kommunikation wissenschaftlicher Ergebnisse vor OrtBritta Klocke: Zur Kommunikation wissenschaftlicher Ergebnisse vor Ort
Britta Klocke: Zur Kommunikation wissenschaftlicher Ergebnisse vor Ort
Stefanie Kollenberg, Raabe Verlag
 
Interkult PräSentation
Interkult PräSentationInterkult PräSentation
Interkult PräSentation
Erik Wegener
 
Rhetorik
RhetorikRhetorik
Rhetorik
Heiko Luedemann
 
Grundbegriffe der Wortbildungslehre - aktualisierte und erweiterte Version de...
Grundbegriffe der Wortbildungslehre - aktualisierte und erweiterte Version de...Grundbegriffe der Wortbildungslehre - aktualisierte und erweiterte Version de...
Grundbegriffe der Wortbildungslehre - aktualisierte und erweiterte Version de...
Jelena Kostic-Tomovic
 
Die Sprachgrenzen gliedern die Welt und begründen Kulturkreise
Die Sprachgrenzen gliedern die Welt und begründen KulturkreiseDie Sprachgrenzen gliedern die Welt und begründen Kulturkreise
Die Sprachgrenzen gliedern die Welt und begründen Kulturkreise
olik88
 
IDT 2009: Meine Erlebnisse
IDT 2009: Meine ErlebnisseIDT 2009: Meine Erlebnisse
IDT 2009: Meine Erlebnisse
guest75cd9a7
 
Unternehmenskommunikation im mehrsprachigen Markt: Impulsreferat IAM live 2012
Unternehmenskommunikation im mehrsprachigen Markt: Impulsreferat IAM live 2012Unternehmenskommunikation im mehrsprachigen Markt: Impulsreferat IAM live 2012
Unternehmenskommunikation im mehrsprachigen Markt: Impulsreferat IAM live 2012
IAM Institute of Applied Media Studies, ZHAW Zurich University of Applied Sciences
 
[Michael r. genesereth,__nils_j._nilsson__(auth.),(book_zz.org)
[Michael r. genesereth,__nils_j._nilsson__(auth.),(book_zz.org)[Michael r. genesereth,__nils_j._nilsson__(auth.),(book_zz.org)
[Michael r. genesereth,__nils_j._nilsson__(auth.),(book_zz.org)
Andreea Ion
 
Fs didaktik
Fs didaktikFs didaktik
Fs didaktik
George Telis
 
Deutsch als wissenschaftssprache
Deutsch als wissenschaftsspracheDeutsch als wissenschaftssprache
Deutsch als wissenschaftssprache
bfnd
 
Protokoll
ProtokollProtokoll
Protokoll
fvgthvj
 
Kommunikationsmodelle
KommunikationsmodelleKommunikationsmodelle
Kommunikationsmodelle
Günther Gettinger
 
Der Arztbrief als eigene "Visitenkarte"
Der Arztbrief als eigene "Visitenkarte"Der Arztbrief als eigene "Visitenkarte"
Der Arztbrief als eigene "Visitenkarte"
telc gGmbH
 
Slides zu Fachdidaktik I, 2017
Slides zu Fachdidaktik I, 2017Slides zu Fachdidaktik I, 2017
Slides zu Fachdidaktik I, 2017
Philippe Wampfler
 
Iclonlitdaf2012
Iclonlitdaf2012Iclonlitdaf2012
Iclonlitdaf2012
vri
 

Ähnlich wie Christoph Fasel: Wie man schlank und zupackend schreibt (20)

Christioph Fasel: Redigieren
Christioph Fasel: RedigierenChristioph Fasel: Redigieren
Christioph Fasel: Redigieren
 
Sprechen als Handeln
Sprechen als HandelnSprechen als Handeln
Sprechen als Handeln
 
silo.tips_die-kompetenz-sprachmittlung-und-ihre-implikationen-fr-den-fremdspr...
silo.tips_die-kompetenz-sprachmittlung-und-ihre-implikationen-fr-den-fremdspr...silo.tips_die-kompetenz-sprachmittlung-und-ihre-implikationen-fr-den-fremdspr...
silo.tips_die-kompetenz-sprachmittlung-und-ihre-implikationen-fr-den-fremdspr...
 
Britta Klocke: Zur Kommunikation wissenschaftlicher Ergebnisse vor Ort
Britta Klocke: Zur Kommunikation wissenschaftlicher Ergebnisse vor OrtBritta Klocke: Zur Kommunikation wissenschaftlicher Ergebnisse vor Ort
Britta Klocke: Zur Kommunikation wissenschaftlicher Ergebnisse vor Ort
 
Interkult PräSentation
Interkult PräSentationInterkult PräSentation
Interkult PräSentation
 
Rhetorik
RhetorikRhetorik
Rhetorik
 
Grundbegriffe der Wortbildungslehre - aktualisierte und erweiterte Version de...
Grundbegriffe der Wortbildungslehre - aktualisierte und erweiterte Version de...Grundbegriffe der Wortbildungslehre - aktualisierte und erweiterte Version de...
Grundbegriffe der Wortbildungslehre - aktualisierte und erweiterte Version de...
 
Die Sprachgrenzen gliedern die Welt und begründen Kulturkreise
Die Sprachgrenzen gliedern die Welt und begründen KulturkreiseDie Sprachgrenzen gliedern die Welt und begründen Kulturkreise
Die Sprachgrenzen gliedern die Welt und begründen Kulturkreise
 
IDT 2009: Meine Erlebnisse
IDT 2009: Meine ErlebnisseIDT 2009: Meine Erlebnisse
IDT 2009: Meine Erlebnisse
 
Unternehmenskommunikation im mehrsprachigen Markt: Impulsreferat IAM live 2012
Unternehmenskommunikation im mehrsprachigen Markt: Impulsreferat IAM live 2012Unternehmenskommunikation im mehrsprachigen Markt: Impulsreferat IAM live 2012
Unternehmenskommunikation im mehrsprachigen Markt: Impulsreferat IAM live 2012
 
[Michael r. genesereth,__nils_j._nilsson__(auth.),(book_zz.org)
[Michael r. genesereth,__nils_j._nilsson__(auth.),(book_zz.org)[Michael r. genesereth,__nils_j._nilsson__(auth.),(book_zz.org)
[Michael r. genesereth,__nils_j._nilsson__(auth.),(book_zz.org)
 
Fs didaktik
Fs didaktikFs didaktik
Fs didaktik
 
Text sarah
Text sarahText sarah
Text sarah
 
English 1
English 1English 1
English 1
 
Deutsch als wissenschaftssprache
Deutsch als wissenschaftsspracheDeutsch als wissenschaftssprache
Deutsch als wissenschaftssprache
 
Protokoll
ProtokollProtokoll
Protokoll
 
Kommunikationsmodelle
KommunikationsmodelleKommunikationsmodelle
Kommunikationsmodelle
 
Der Arztbrief als eigene "Visitenkarte"
Der Arztbrief als eigene "Visitenkarte"Der Arztbrief als eigene "Visitenkarte"
Der Arztbrief als eigene "Visitenkarte"
 
Slides zu Fachdidaktik I, 2017
Slides zu Fachdidaktik I, 2017Slides zu Fachdidaktik I, 2017
Slides zu Fachdidaktik I, 2017
 
Iclonlitdaf2012
Iclonlitdaf2012Iclonlitdaf2012
Iclonlitdaf2012
 

Mehr von Stefanie Kollenberg, Raabe Verlag

Christina Beck: Wissenschaftskommunikation im Internet
Christina Beck: Wissenschaftskommunikation im InternetChristina Beck: Wissenschaftskommunikation im Internet
Christina Beck: Wissenschaftskommunikation im Internet
Stefanie Kollenberg, Raabe Verlag
 
Nicole Bongard: Briefing von Agenturen und freien Mitarbeitern
Nicole Bongard: Briefing von Agenturen und freien MitarbeiternNicole Bongard: Briefing von Agenturen und freien Mitarbeitern
Nicole Bongard: Briefing von Agenturen und freien Mitarbeitern
Stefanie Kollenberg, Raabe Verlag
 
Gudrun Quandel: FuE-Marketing
Gudrun Quandel: FuE-MarketingGudrun Quandel: FuE-Marketing
Gudrun Quandel: FuE-Marketing
Stefanie Kollenberg, Raabe Verlag
 
Fuada Stankovic: Konfliktbewältigung
Fuada Stankovic: KonfliktbewältigungFuada Stankovic: Konfliktbewältigung
Fuada Stankovic: Konfliktbewältigung
Stefanie Kollenberg, Raabe Verlag
 
Daniel Bayer: Die Zielgruppe wird zur Dialoggruppe, Facebook für die Kommuni...
Daniel Bayer: Die Zielgruppe wird zur Dialoggruppe,  Facebook für die Kommuni...Daniel Bayer: Die Zielgruppe wird zur Dialoggruppe,  Facebook für die Kommuni...
Daniel Bayer: Die Zielgruppe wird zur Dialoggruppe, Facebook für die Kommuni...
Stefanie Kollenberg, Raabe Verlag
 
Bernt Armbruster, Utz Lederbogen: Imagestudien als Evaluierungsinstrument
Bernt Armbruster, Utz Lederbogen: Imagestudien als EvaluierungsinstrumentBernt Armbruster, Utz Lederbogen: Imagestudien als Evaluierungsinstrument
Bernt Armbruster, Utz Lederbogen: Imagestudien als Evaluierungsinstrument
Stefanie Kollenberg, Raabe Verlag
 
Eva Kalbheim: Tabuthemen aufbrechen
Eva Kalbheim: Tabuthemen aufbrechenEva Kalbheim: Tabuthemen aufbrechen
Eva Kalbheim: Tabuthemen aufbrechen
Stefanie Kollenberg, Raabe Verlag
 
Gunvald Herdin, Ulrich Künzel: Online-Marketing im Student Recruitment, Teil 2
Gunvald Herdin, Ulrich Künzel: Online-Marketing im Student Recruitment, Teil 2Gunvald Herdin, Ulrich Künzel: Online-Marketing im Student Recruitment, Teil 2
Gunvald Herdin, Ulrich Künzel: Online-Marketing im Student Recruitment, Teil 2
Stefanie Kollenberg, Raabe Verlag
 
Markus Greitemann, Patrick Honecker: Kommunikation neuer Hochschulgebäude
Markus Greitemann, Patrick Honecker: Kommunikation neuer HochschulgebäudeMarkus Greitemann, Patrick Honecker: Kommunikation neuer Hochschulgebäude
Markus Greitemann, Patrick Honecker: Kommunikation neuer Hochschulgebäude
Stefanie Kollenberg, Raabe Verlag
 
Franz Miller: Pressesprecher als Beruf
Franz Miller: Pressesprecher als BerufFranz Miller: Pressesprecher als Beruf
Franz Miller: Pressesprecher als Beruf
Stefanie Kollenberg, Raabe Verlag
 
Gunvald Herdin, Ulrich Künzel: Online-Marketing im Student Recruitment
Gunvald Herdin, Ulrich Künzel: Online-Marketing im Student RecruitmentGunvald Herdin, Ulrich Künzel: Online-Marketing im Student Recruitment
Gunvald Herdin, Ulrich Künzel: Online-Marketing im Student Recruitment
Stefanie Kollenberg, Raabe Verlag
 
Ulrike Reimann: Lobbying für die Wissenschaft
Ulrike Reimann: Lobbying für die WissenschaftUlrike Reimann: Lobbying für die Wissenschaft
Ulrike Reimann: Lobbying für die Wissenschaft
Stefanie Kollenberg, Raabe Verlag
 
Elke Theobald: Mit Suchmaschinenmarketing auf Toppositionen
Elke Theobald: Mit Suchmaschinenmarketing auf ToppositionenElke Theobald: Mit Suchmaschinenmarketing auf Toppositionen
Elke Theobald: Mit Suchmaschinenmarketing auf Toppositionen
Stefanie Kollenberg, Raabe Verlag
 
Andreas Archut: Tradition als Botschaft
Andreas Archut: Tradition als BotschaftAndreas Archut: Tradition als Botschaft
Andreas Archut: Tradition als Botschaft
Stefanie Kollenberg, Raabe Verlag
 
Iris Klaßen: Studierendenmarketing - Von der Strategie zur Maßnahme
Iris Klaßen: Studierendenmarketing - Von der Strategie zur MaßnahmeIris Klaßen: Studierendenmarketing - Von der Strategie zur Maßnahme
Iris Klaßen: Studierendenmarketing - Von der Strategie zur Maßnahme
Stefanie Kollenberg, Raabe Verlag
 
Florian Hugger: Corporate Design in Lehre und Forschung
Florian Hugger: Corporate Design in Lehre und ForschungFlorian Hugger: Corporate Design in Lehre und Forschung
Florian Hugger: Corporate Design in Lehre und Forschung
Stefanie Kollenberg, Raabe Verlag
 
Achim Fischer: Mit System zur Strategie
Achim Fischer: Mit System zur StrategieAchim Fischer: Mit System zur Strategie
Achim Fischer: Mit System zur Strategie
Stefanie Kollenberg, Raabe Verlag
 
Helmut Schubert: Aus Ideen Geld machen
Helmut Schubert: Aus Ideen Geld machenHelmut Schubert: Aus Ideen Geld machen
Helmut Schubert: Aus Ideen Geld machen
Stefanie Kollenberg, Raabe Verlag
 
Achim Fischer: In zehn Schritten zum Maßnahmenplan
Achim Fischer: In zehn Schritten zum MaßnahmenplanAchim Fischer: In zehn Schritten zum Maßnahmenplan
Achim Fischer: In zehn Schritten zum Maßnahmenplan
Stefanie Kollenberg, Raabe Verlag
 

Mehr von Stefanie Kollenberg, Raabe Verlag (20)

Christina Beck: Wissenschaftskommunikation im Internet
Christina Beck: Wissenschaftskommunikation im InternetChristina Beck: Wissenschaftskommunikation im Internet
Christina Beck: Wissenschaftskommunikation im Internet
 
Nicole Bongard: Briefing von Agenturen und freien Mitarbeitern
Nicole Bongard: Briefing von Agenturen und freien MitarbeiternNicole Bongard: Briefing von Agenturen und freien Mitarbeitern
Nicole Bongard: Briefing von Agenturen und freien Mitarbeitern
 
Gudrun Quandel: FuE-Marketing
Gudrun Quandel: FuE-MarketingGudrun Quandel: FuE-Marketing
Gudrun Quandel: FuE-Marketing
 
Fuada Stankovic: Konfliktbewältigung
Fuada Stankovic: KonfliktbewältigungFuada Stankovic: Konfliktbewältigung
Fuada Stankovic: Konfliktbewältigung
 
Daniel Bayer: Die Zielgruppe wird zur Dialoggruppe, Facebook für die Kommuni...
Daniel Bayer: Die Zielgruppe wird zur Dialoggruppe,  Facebook für die Kommuni...Daniel Bayer: Die Zielgruppe wird zur Dialoggruppe,  Facebook für die Kommuni...
Daniel Bayer: Die Zielgruppe wird zur Dialoggruppe, Facebook für die Kommuni...
 
Bernt Armbruster, Utz Lederbogen: Imagestudien als Evaluierungsinstrument
Bernt Armbruster, Utz Lederbogen: Imagestudien als EvaluierungsinstrumentBernt Armbruster, Utz Lederbogen: Imagestudien als Evaluierungsinstrument
Bernt Armbruster, Utz Lederbogen: Imagestudien als Evaluierungsinstrument
 
Eva Kalbheim: Tabuthemen aufbrechen
Eva Kalbheim: Tabuthemen aufbrechenEva Kalbheim: Tabuthemen aufbrechen
Eva Kalbheim: Tabuthemen aufbrechen
 
Gunvald Herdin, Ulrich Künzel: Online-Marketing im Student Recruitment, Teil 2
Gunvald Herdin, Ulrich Künzel: Online-Marketing im Student Recruitment, Teil 2Gunvald Herdin, Ulrich Künzel: Online-Marketing im Student Recruitment, Teil 2
Gunvald Herdin, Ulrich Künzel: Online-Marketing im Student Recruitment, Teil 2
 
Markus Greitemann, Patrick Honecker: Kommunikation neuer Hochschulgebäude
Markus Greitemann, Patrick Honecker: Kommunikation neuer HochschulgebäudeMarkus Greitemann, Patrick Honecker: Kommunikation neuer Hochschulgebäude
Markus Greitemann, Patrick Honecker: Kommunikation neuer Hochschulgebäude
 
Franz Miller: Pressesprecher als Beruf
Franz Miller: Pressesprecher als BerufFranz Miller: Pressesprecher als Beruf
Franz Miller: Pressesprecher als Beruf
 
Gunvald Herdin, Ulrich Künzel: Online-Marketing im Student Recruitment
Gunvald Herdin, Ulrich Künzel: Online-Marketing im Student RecruitmentGunvald Herdin, Ulrich Künzel: Online-Marketing im Student Recruitment
Gunvald Herdin, Ulrich Künzel: Online-Marketing im Student Recruitment
 
Ulrike Reimann: Lobbying für die Wissenschaft
Ulrike Reimann: Lobbying für die WissenschaftUlrike Reimann: Lobbying für die Wissenschaft
Ulrike Reimann: Lobbying für die Wissenschaft
 
Elke Theobald: Mit Suchmaschinenmarketing auf Toppositionen
Elke Theobald: Mit Suchmaschinenmarketing auf ToppositionenElke Theobald: Mit Suchmaschinenmarketing auf Toppositionen
Elke Theobald: Mit Suchmaschinenmarketing auf Toppositionen
 
Andreas Archut: Tradition als Botschaft
Andreas Archut: Tradition als BotschaftAndreas Archut: Tradition als Botschaft
Andreas Archut: Tradition als Botschaft
 
Iris Klaßen: Studierendenmarketing - Von der Strategie zur Maßnahme
Iris Klaßen: Studierendenmarketing - Von der Strategie zur MaßnahmeIris Klaßen: Studierendenmarketing - Von der Strategie zur Maßnahme
Iris Klaßen: Studierendenmarketing - Von der Strategie zur Maßnahme
 
Ferdinand Knauß: Wie Wissenschaft in die Zeitung kommt
Ferdinand Knauß: Wie Wissenschaft in die Zeitung kommtFerdinand Knauß: Wie Wissenschaft in die Zeitung kommt
Ferdinand Knauß: Wie Wissenschaft in die Zeitung kommt
 
Florian Hugger: Corporate Design in Lehre und Forschung
Florian Hugger: Corporate Design in Lehre und ForschungFlorian Hugger: Corporate Design in Lehre und Forschung
Florian Hugger: Corporate Design in Lehre und Forschung
 
Achim Fischer: Mit System zur Strategie
Achim Fischer: Mit System zur StrategieAchim Fischer: Mit System zur Strategie
Achim Fischer: Mit System zur Strategie
 
Helmut Schubert: Aus Ideen Geld machen
Helmut Schubert: Aus Ideen Geld machenHelmut Schubert: Aus Ideen Geld machen
Helmut Schubert: Aus Ideen Geld machen
 
Achim Fischer: In zehn Schritten zum Maßnahmenplan
Achim Fischer: In zehn Schritten zum MaßnahmenplanAchim Fischer: In zehn Schritten zum Maßnahmenplan
Achim Fischer: In zehn Schritten zum Maßnahmenplan
 

Christoph Fasel: Wie man schlank und zupackend schreibt

  • 1. E 1.2 Wörter wie Luftballons Wie man schlank und zupackend schreibt Christoph Fasel Jeder, der im Wissenschaftsbetrieb arbeitet wird feststellen, wie weit sich die Sprache der Wissenschaft oft vom Alltags-Verständnis des normalen Lesers entfernt. Was können Wissenschaft- ler tun, die dennoch verstanden werden möchten? Sie können die künstliche Distanz, die zwischen ihrer Fachsprache auf der einen Seite und dem Verständnishorizont des normal gebildeten Laien andererseits klafft überbrücken. Einige der Techniken, die dazu nötig sind, haben wir in den vori- gen Abschnitten kennen gelernt. Mit einer weiteren dieser Techniken beschäftigt sich dieser Absatz. Er beleuchtet kritisch den oft unnötig aufgeblasenen Sprachgebrauch in der Hochschule – und nennt ein paar Rezepte, wie man diesen Wörtern wie Luftballons die Luft ablässt. Gliederung Seite 1. Wie sich Fach-Sprache spreizt: Beispiele aus der Praxis 2 2. Übersetzungs-Fallen – und wie man sie umgeht 6 3. Ein Spiel gegen den Jargon: Bullshit Bingo 10 4. Wie man dicken Wörtern die Luft rauslässt 11 HWK 1 00 08 03 1
  • 2. E 1.2 Werkzeugkasten: Welche Instrumente wofür? Die richtige Sprache sprechen 1. Wie sich Fach-Sprache spreizt: Beispiele aus der Praxis Karl Popper, Philosoph und Begründer des kritischen Rationalismus, beschäftigte sich als Wissenschaftler mit schwierigen Fragen. Das hinderte ihn jedoch nicht dran, stets zu versuchen, seine Gedanken in einer möglichst fasslichen Form auszudrücken – auch wenn dies, wie er selbst in einem Briefwechsel eingestand, nicht ganz leicht war. Komplexe Gedanken – Wie wichtig es hingegen ist, sich genau dieser Schwierigkeit klare Form! unerschrocken zu stellen, Kompliziertes in eine fassliche Form zu bringen, zeigen uns immer wieder Beispiele aus der Praxis von Lehre, Forschung oder Publikationen. So lautet etwa eine Veranstaltungs- Ankündigung der Bundeswehr-Hochschule in Hamburg Harburg: Wissenschafts-Worthülse 1 In der Veranstaltung soll vermittels eines interdisziplinären Zuganges versucht werden, das komplexe Phänomen Menschenführung als multidimensionale Aufgabe zu verstehen und ernst zu nehmen (...) An eine kompakte Präsentation der einzeldisziplinorientierten Problemvielfalt von Menschenführung schließt sich eine freie Diskussion mit der Intention an, eine ganzheitliche Problemsicht zu entwickeln, die ethisch reflektiert, theoretisch und prozessual versiert sowie für Fremd- und Selbstkritik sensibilisiert praktische Menschenführung optimieren hilft. Was soll das bedeuten? Ein Seminar zum Thema „Sprache des Journalismus“ des Germanistischen Institutes der Universität Mün- chen versuchte in einer gemeinschaftlichen Anstrengung vor einigen Jahren als Übungsaufgabe, diesen offiziell verteilten Text der Hochschule in ein verständliches Deutsch zu bringen. Soweit sich dem Bezeichnenden dieses Textes etwas Bezeichnetes überhaupt zuordnen ließ, ergaben sich, je nach Interpretationstiefe, unterschiedlich weit reichende Redigaturen des Textes. Eine der klarsten Übersetzungen lautete: Redigaturvorschlag: So ist es verständlicher Wissenschaftler unterschiedlicher Fächer wollen gemeinsam darüber sprechen, wie man Menschenführung verbessern kann. Die Veranstaltung beginnt mit einer Reihe von Kurzvorträgen, an die sich eine Diskussion aller Teilnehmer anschließt. 2 HWK 1 00 08 03
  • 3. Werkzeugkasten: Welche Instrumente wofür? E 1.2 Die richtige Sprache sprechen Noch radikaler erwies sich ein Soziologiestudent, der am Seminar teilnahm. Aus dem bayerischen Oberland stammend, entsann er sich des zupackenden Idioms seiner Heimatstadt Bad Tölz und fasste den oben stehenden Schwarm von Wortballons in den schlichten Satz: „Leit, lasst uns z’samm kemma und drüber red’n, wia ma miteinand umgeh’n!“ Was ist hier geschehen? In beiden Fällen ist nichts anderes passiert, Weg mit der heißen Luft! als das radikal die heiße Luft aus den Worthülsen abgelassen wurde. Jede Redigatur, die einen solchen Text bearbeitet, muß als erstes die Frage stellen: Was steht da eigentlich drin? Diese Frage muss sich auch der folgende Text gefallen lassen, der aus der Theaterpädagogik stammt: Wissenschafts-Worthülse 2 „Wir wollen unter dem Stichwort Kommunikation zusammen mit Philosophie, Psychologie, Soziologie, Pädagogik, bildenden und anderen Künsten das „Produkt“ Kindertheater als komplexen Prozess fließender Systeme von Zeichen, Codes und Symbolen verstehen und gemeinsam Erfahrungen sammeln.“ Eine Nachfrage bei den Autoren über die Aussage und Bedeutung dieses Absatzes ergab folgende Antwort (hier in einem zusammenhängenden Ausschnitt als Originalzitat zum Inhalt dar- geboten): Die erbetene Erläuterung der Autoren (in originaler Form) „Innerhalb von diesem‚...komplexen Prozess...“, der sich von Vorstellung zu Vorstellung erneuert, gibt es „...fließende Systeme von Zeichen...“ (z. B. Mimik, Gestik, Haltung und Betonung der Spra- che), die nicht absolut festzulegen sind. „...Codes...“ sind bedeutungstragende Einheiten, die aus Kombination und Gewichtung dieser und anderer Zeichen entstehen, wie im richtigen Leben. Bild- nerische Mittel erweitern die darstellerischen Möglichkeiten bis hin zur „...Symbolik...“. Wenn zum Beispiel ein alter Mann (im Figurentheater) durch eine krumme und reife Banane dargestellt wird, deren Schale zu Boden gleitet, das Innere aber zum Munde des Spielers aufsteigt und verspeist wird. Es hängt vom Wissen und der Erfahrung des Zuschauers ab, ob und wie sie die wechselnden Ebenen in Verbindung bringen, den Code entschlüsseln und Bedeutung entnehmen. HWK 1 00 08 03 3
  • 4. E 1.2 Werkzeugkasten: Welche Instrumente wofür? Die richtige Sprache sprechen Informationen zum Autor: Prof. Dr. Christoph Fasel lehrt als Dekan an der SRH Hochschule in Calw Medien- und Kommunikationsmanagement; als Journalist Arbeit u. a. bei BILD, Abendzeitung, Bayerischer Rundfunk, Eltern. Er war Reporter des STERN, Chefredakteur von Reader’s Digest Deutschland und Österreich und Leiter der Henri Nannen Journalistenschule Gruner+Jahr/DIE ZEIT. Als Medienentwickler der WortFreunde Kommunikation berät er Institutionen, Verlage und Unternehmen im In- und Ausland. Er ist Chefredakteur des Wissenschaftsmagazins „Faszination Forschung“ der TU München. 12 HWK 1 00 08 03