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Meinungen, Analysen, Fakten
Nr. 12 / 28.10.2015
Volkswirtschaft special
Meinungen, Analysen, Fakten
Herausgeber: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken · BVR · Volkswirtschaft/ Mittelstandspolitik
Verantwortlich: Dr. Andreas Bley · Schellingstraße 4 · 10785 Berlin · Telefon: (030) 20 21 – 15 00
Telefax (030) 20 21 – 1904 · Internet: http://www.bvr.de · poststelle@bvr.de
Preiswachstum am Immobilienmarkt setzt sich fort
- Der Aufschwung am deutschen Immobilienmarkt hält an. Nach Berechnungen des BVR dürften
die Preise für selbst genutztes Wohneigentum in Deutschland in den nächsten zwei Jahren im
Bundesdurchschnitt um mehr als 4 % steigen. Das zeigt eine panelökonometrische Analyse von
402 Land- und Stadtkreisen über den Zeitraum von 2008 bis 2012.
- Verantwortlich für die steigenden Teuerungsraten von Wohnimmobilien ist ein makroökonomi-
scher Dreiklang. Die hohe Zuwanderung aus dem In- und Ausland in die deutschen Ballungs-
räume ist der Haupttreiber der Preisdynamik auf dem Wohnimmobilienmarkt. Darüber hinaus
stärken rekordtiefe Zinsen die Nachfrage nach Wohnimmobilien. Schließlich sorgt eine zu
schwache Bautätigkeit für ein unzureichendes Angebot an Wohnraum in den dicht besiedelten
und wirtschaftlich gut aufgestellten Regionen Deutschlands.
- Die preistreibenden Faktoren werden in den kommenden zwei Jahren ausgeprägt bleiben. So
dürften nicht nur die Finanzierungskosten auf mittlere Sicht niedrig bleiben. Auch dürfte der
hohe Zuzug in die deutschen Ballungsräume anhalten. Auf Dauer ist ein ausreichendes Angebot
an bezahlbarem Wohnungsraum die entscheidende Voraussetzung für eine Entschärfung der
zum Teil angespannten Preissituation in den deutschen Großstädten.
- Eine noch stärkere Ausweitung bezahlbaren Wohnraumes in den Ballungsräumen ist geboten.
Dabei sollten zum einen ungenutzte Freiflächen innerhalb des Stadtgebietes konsequenter für
den Wohnungsbau genutzt werden, solange dies aus städtebaulichen Gründen zumutbar ist.
Zum anderen kann die Attraktivität bestehender Wohngebiete in peripherer Lage zu Großstäd-
ten über den Ausbau der öffentlichen Infrastruktur erhöht werden.
Ab 01.01.2016
nur noch online erhältlich.
Anmeldung zum Newsletter:
www.bvr.de/Publikationen/
Konjunkturberichte
Meinung
2
Preiswachstum am Immobilienmarkt setzt sich
fort
Der Aufschwung am deutschen Immobilienmarkt
hält an. Nach den Zahlen von vdp research, dem
immobilienökonomischen Think Tank des Verban-
des der Pfandbriefbanken, stiegen die Preise für
selbstgenutztes Wohneigentum in Gesamtdeutsch-
land im zweiten Quartal 2015 um 4,4 %. Das ist
mehr als in 2014, als die Preise für Wohneigentum
im Jahresschnitt noch um rund 3,1 % zugelegt
hatten. Andere Wohnpreisindizes, wie z. B. der
vergleichbare Preisindex der Deutschen Bundes-
bank, zeigen einen ähnlichen Preistrend.
Der Aufschwung verteilt sich weiterhin ausgespro-
chen heterogen über das Bundesgebiet. In den
Großstädten bzw. Ballungsräumen legten die
Preise für Wohnraum in den vergangenen Jahren
deutlich zu. In den strukturschwachen Regionen
Deutschlands waren hingegen im gleichen Zeit-
raum rückläufige Preise für Wohneigentum zu
beobachten. Detaillierte Zahlen zu den regionalen
Preis- und Mietdynamiken in Deutschland sind im
Volkswirtschaft special Nr. 6/2015 zu finden.
Verantwortlich für die steigenden Teuerungsraten
von Wohnimmobilien ist ein makroökonomischer
Dreiklang. Zum einen stärken rekordtiefe Finanzie-
rungskosten bei gleichzeitig robustem Einkom-
menswachstum sowie ein hoher Zuzug in wirt-
schaftliche starke und dicht besiedelte Regionen
die Nachfrage nach Wohnimmobilien. Zum ande-
ren sorgt eine zu schwache Bautätigkeit für ein
unzureichendes Angebot an Wohnraum in den
dicht besiedelten und wirtschaftlich gut aufgestell-
ten Regionen Deutschlands.
Die preistreibenden Faktoren werden in den
kommenden zwei Jahren ausgeprägt bleiben.
Nicht nur werden die Zinsen angesichts der
aktuellen Überlegungen der EZB, die Geldpolitik
für den Euroraum noch weiter zu lockern, noch
lange auf einem sehr niedrigen Niveau verharren.
Auch dürfte mit dem Anstieg der Zuwanderung
aus den Krisengebieten des Nahen und Mittleren
Ostens nach Deutschland der Bedarf an zusätzli-
chen Wohnraum steigen. Die Baufertigstellungen
werden insbesondere in den Ballungsräumen trotz
einer bereits höheren Bautätigkeit auch in den
kommenden zwei Jahren nicht mit der gestiege-
nen Nachfrage Schritt halten können.
Der BVR rechnet für die kommenden Jahre daher
mit einer anhaltend hohen Preisdynamik auf dem
deutschen Immobilienmarkt. Insbesondere in den
deutschen Großstädten werden die Preise weiter
kräftig zulegen, während die dünn besiedelten,
einkommensschwachen Regionen auch zukünftig
rückläufige Preise für Wohnraum verzeichnen wer-
den. In diesem Jahr und im kommenden Jahr dürf-
ten die Preise für Wohneigentum im Bundesgebiet
durchschnittlich um über 4 % zulegen.
Preistreiber I: Steigende Einwohnerzahl
Hohe Zuwanderungsraten und Wanderungsströme
innerhalb Deutschlands sind aktuell die stärksten
Antriebskräfte für den Anstieg der Preise auf dem
deutschen Wohnimmobilienmarkt. Aktuell erleben
Meinung
3
die deutschen Ballungsräume einen spürbaren
Bevölkerungsanstieg. Die Zuzüge speisen sich dabei
sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland.
Im Rahmen der Prognose der Immobilienpreise in
Deutschland hat der BVR die Preisentwicklung für
selbstgenutztes Wohneigentum mithilfe eines ein-
fachen panelökonometrischen Modells geschätzt.
Als Datengrundlage der Schätzung dienten dabei
die Preise für selbstgenutztes Wohneigentum von
vdp research sowie die Pro-Kopf-Einkommen, die
Baufertigstellungen und die Nettozuwanderung
aus der Regionaldatenbank des Statistischen Bun-
desamtes für 402 Land- und Stadtkreise über den
Zeitraum von 2008 bis 2012. Die Analyse bestätigt
die prominente Rolle der wanderungsbedingten
Bevölkerungsveränderungen auf die Immobilien-
preise.
Die Berechnungen zeigen, dass - alle anderen Ein-
flussfaktoren unverändert - ein Zuwanderungsbe-
dingter Anstieg der Bevölkerung um 1 % der Be-
völkerung einen Anstieg der Wohnimmobilienprei-
se in Höhe von rund 3,6 % hervorruft. Der metho-
dische Ansatz der Prognose orientiert sich in leicht
abweichender Form an einem Schätzmodell der
Deutschen Bundesbank zu der Entwicklung der
regionalen Immobilienpreise, die den Zeitraum von
2004 bis 2010 mit ähnlicher Datenbasis abdeckt.
Seit gut 10 Jahren vollzieht sich im Fahrwasser des
Re-Urbanisierungstrends eine innerdeutsche Wan-
derungsbewegung von ländlich geprägten Regio-
nen in die Stadtgebiete Deutschlands. Hierbei spie-
len vor allem neue Lebensmodelle aber auch die
-04
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Q12004
Q42004
Q32005
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Q32014
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Quelle: vdp research
Immobilienpreiswachstumsteigt an
Jahreswachstumsrateder Preise für selbstgenutztes
Wohneigentum
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2013
Quelle: Statistisches Bundesamt
Starker Anstieg der Nettozuwanderung
Anzahl der Personen
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2003
2005
2007
2009
2011
2013
Quelle: Statistisches Bundesamt
Mäßiger Anstieg desWohnungsbaus
Anzahl der Baufertigstellungen (Wohnungen)
Meinung
4
mittlerweile besseren Beschäftigungsmöglichkeiten
in den Ballungsräumen eine wichtige Rolle. Parallel
hierzu hat der Zuzug aus dem Ausland nach
Deutschland deutlich an Fahrt aufgenommen.
Von 2010 bis 2014 überstieg die Zuwanderung
die Abwanderung um insgesamt 1,7 Mio. Men-
schen. Im Fahrwasser der schwachen Arbeitsmarkt-
lage in einigen südeuropäischen Staaten und des
Wohlstandsgefälles im Vergleich zu den osteuropä-
ischen Mitgliedsstaaten nahm vor allem der Zuzug
aus der Europäischen Union deutlich zu. Er machte
bis 2014 einen Großteil der Zuwanderung aus.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes
kamen im vergangenen Jahr noch mehr als die
Hälfte der rund 550.000 Zuwanderer aus der EU.
Mit dem hohen Zustrom von Flüchtlingen aus den
Krisengebieten des Nahen und Mittleren Ostens
hat die Zuwanderung nach Deutschland in diesem
Jahr noch einmal ein neues Level erreicht. In die-
sem Jahr dürfte die Nettozuwanderung noch
deutlich höher ausfallen. Allein die Zahl der Asylsu-
chenden wird nach Angaben der Bundesregierung
auf über 800.000 Menschen bzw. auf gut 1 % der
Bevölkerung ansteigen. Für das kommende Jahr ist
erneut mit einem sehr kräftigen Zustrom an neuen
Asylsuchenden aus den Krisenregionen des Nahen
und Mittleren Ostens und Afrikas zu rechnen.
Zwar wird nicht jeder Asylsuchenden aufgrund
unzureichender Asylgründe auf Dauer in Deutsch-
land bleiben können. Gleichwohl muss in den
kommenden Jahren ein Großteil der in Deutsch-
land Schutz suchenden Menschen in den deut-
schen Immobilienmarkt eingegliedert werden.
Angesichts des zu erwartenden Familiennachzugs
wird sich die Zahl der zu integrierenden Zuwande-
rer in den kommenden Jahren zusätzlich erhöhen.
Die Integration der Flüchtlinge wird daher nicht
nur in den Arbeitsmarkt sondern auch in den deut-
schen Immobilienmarkt eine große Herausforde-
rung darstellen.
Preistreiber II: Niedrigzins und Einkommen
Die ausgesprochen expansive Geldpolitik der EZB
mit ihrer faktischen Nullzinspolitik hat die Finanzie-
rungskosten für den Bau oder Erwerb von Immobi-
lien deutlich nach unten gedrückt. Nach den Zah-
len der Deutschen Bundesbank sank der Zins für
Immobilienkredite an Private Haushalte mit einer
Laufzeit von 5 bis 10 Jahren im Laufe dieses Jahres
auf unter 2 %.
Darüber hinaus gewinnen Immobilien aufgrund
fehlender Analagealternativen als Vermögensanla-
ge zunehmend an Bedeutung. Das niedrige Zinsni-
veau drückt die Renditen von Anlageformen, die
sich besonders für den nachhaltigen Aufbau einer
Alterssicherung eignen. Dabei handelt es sich in der
Regel um sichere und auf Dauer angelegte Ver-
mögensanlageprodukte, wie z. B. Lebensversiche-
rungen oder Termineinlagen. Die aktuellen Zahlen
zum Geld- und Sachvermögender Bundesbürger
bestätigen diesen Trend. So haben längerfristige
festverzinsliche Einlageprodukte sowie Lebensver-
sicherungen bei der Geldvermögensbildung an
Bedeutung verloren. Im Gegenzug erhöhten die
Bundesbürger in der Aggregation die Bildung von
Sachvermögen.
Meinung
5
Die robuste Konjunktur in Deutschland hat in den
vergangenen Jahren zudem die verfügbaren Ein-
kommen der Bundesbürger sichtbar ansteigen
lassen. Seit 2010 verzeichneten die verfügbaren
Einkommen der privaten Haushalte ein jährliches
Wachstum von durchschnittlich 2,4 %. Angesichts
der niedrigen Inflationsrate in Deutschland konn-
ten die Bundesbürger in den vergangenen fünf
Jahren ihre Kaufkraft dadurch spürbar erhöhen.
Zudem stabilisierten sich wegen der robusten Lage
auf dem deutschen Arbeitsmarkt auch die Ein-
kommenserwartungen der Deutschen.
Preistreiber III: Träges Wohnungsangebot
Der Wohnungsbau hat in den vergangenen zwei
Jahren zugelegt. So wurden im Jahr 2014 rund
220.000 neue Wohnungen fertig gestellt. Das
waren rund 80.000 Wohnungen mehr als im Jahr
2010, als der Wohnungsbau mit rund 140.000
Baufertigstellungen den niedrigsten Stand seit
der Wiedervereinigung erreicht hatte.
Trotz des Anstieges der Bautätigkeit in Deutsch-
land wird das Wohnungsangebot der hohen Zu-
wandererquote allerdings nicht gerecht. Es hat sich
in den Ballungsräumen seit 2011 sogar verschlech-
tert. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zu
den Baufertigstellungen auf Kreis- und Stadtkreis-
ebene zeigen, dass sich das Angebot an Wohn-
raum im Verhältnis zur Einwohnerzahl in Kreisen
mit über einer halben Million Menschen am aktuel-
len Rand leicht rückläufig entwickelt hat.
Auch künftig wird adäquater Wohnraum in Groß-
1
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5
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Jan.03
Jan.04
Jan.05
Jan.06
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Jan.08
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Jan.10
Jan.11
Jan.12
Jan.13
Jan.14
Jan.15
Quelle: Deutsche Bundesbank
Kreditzinsenauf niedrigemNiveau
Zins für Immobilienkredite (5-10 Jahre) im Neugeschäft
-2,0
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2,0
4,0
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015*
*1. Halbjahr 2015
Quelle. Statistisches Bundesamt
RobustesEinkommenswachstum seit 2010
Durchschnittliche Jahreswachstumsratein %
-1,0
0,0
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2,0
3,0
4,0
5,0
Q12001
Q12002
Q12003
Q12004
Q12005
Q12006
Q12007
Q12008
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Q12010
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Q12012
Q12013
Q12014
Q12015
Quelle: Deutsche Bundesbank
Moderate Immobilienkreditvergabe
Jahreswachstumsratein % des Bestandes
Meinung
6
städten knapp bleiben. Zwar dürfte sich das Ange-
bot an Wohnraum im Zuge der höheren Bautätig-
keit in den deutschen Großstädten erhöhen.
Gleichwohl werde auch zukünftig der Zuzug die
Bautätigkeit übersteigen.
Hinzu kommt, dass es wohl den Großteil der Asyl-
suchenden in die Metropolregionen ziehen wird.
Nicht nur bieten die prosperierenden Ballungszen-
tren Deutschlands vielen Flüchtlingen bessere Job-
chancen. Auch dürften sie hier Verwandte und
Freunde aus ihren Herkunftsländern finden sowie
Menschen, die ein ähnliches Schicksal erleiden
mussten. Der Zuzug in ländliche, dünn besiedelte
Regionen dürfte hingegen überschaubar ausfallen
und nicht ausreichen, um den dortigen Preisverfall
am Immobilienmarkt aufzufangen.
Makroökonomische Risiken beherrschbar
Trotz der zum Teil regional hohen Preiswachstums-
raten für Wohneigentum bleiben die makroöko-
nomischen Risiken des Aufschwungs am deutschen
Immobilienmarkt für Gesamtdeutschland am aktu-
ellen Rand beherrschbar. Eine flächendeckende
Immobilienpreisblase ist momentan in Deutschland
nicht zu erkennen. Die hohen Preisdynamiken
bleiben regional begrenzt. Ein Übergreifen der
Preisdynamiken auf ländliche Regionen blieb bis-
lang aus.
Die Mehrheit der Deutschen stürzt sich nicht kopf-
los in den Immobilienmarkt. Das zeigen auch die
Zahlen zur Verschuldung und zum Kreditgeschäft.
So hat sich die Verschuldung der privaten Haushal-
te im Verhältnis zum verfügbaren Einkommen in
den vergangenen Jahren aufgrund einer modera-
ten Kreditaufnahme sogar verringert. Laut der
Kreditnehmerstatistik der Deutschen Bundesbank
fiel der Anstieg der Immobilienkreditvergabe im
zweiten Quartal 2015 mit einer Jahreswachstums-
rate von 2,9 % noch moderat aus. In diesem und
im kommenden Jahr dürfte das Wachstum der
Immobilienkredite zwischen 2,5 und 3,0 % bleiben.
Bautätigkeit ausweiten
Zwar gehen von den aktuellen Entwicklungen
noch keine schwerwiegenden Risiken für die deut-
sche Volkswirtschaft aus. Gleichwohl ist erhöhte
Wachsamkeit angebracht. Denn, nicht nur dürften
die Finanzierungskosten auf mittlere Sicht niedrig
bleiben. Auch dürfte der hohe Zuzug in die deut-
schen Ballungsräume ausgeprägt bleiben. Dem
Wohnungsbau wird daher eine entscheidende
Rolle zuteil. Auf Dauer ist er der entscheidende
Faktor, der die Preissituation in den Ballungsräu-
men entspannen dürfte.
Die Ausweitung bezahlbaren Wohnraumes ist da-
bei das Ziel. Zum einen gehört hierzu eine konse-
quentere Nutzung von Freiflächen innerhalb des
Stadtgebietes, solange dies aus städtebaulichen
Gründen zumutbar ist. Zum anderen sollte die
Attraktivität bestehender Wohngebiete in periphe-
rer Lage zu Großstädten aufgewertet werden.
Dies kann über eine belastbarere Verkehrsinfra-
struktur geschehen als auch über die höhere Bau-
tätigkeit in peripheren aber vergleichsweise zent-
rumsnahen Gebieten. Das Beispiel vieler Großstäd-
Meinung
7
te in Deutschland zeigt, dass bei der Erschließung
neuen Wohnraumes noch Luft nach oben ist. So
bleiben bis heute potentielle Wohngebiete unge-
nutzt. Die Erschließung neuen Wohnraumes dürfte
die Wohnsituation in vielen deutschen Großstädten
nachhaltig verbessern und mittelfristig Übertrei-
bungen am Wohnungsmarkt verhindern.
Autor:
Jan Philip Weber
Mail: j.weber@bvr.de
Geldmenge
8
Kreditvergabe etwas schwächer
Die Kreditvergabe an den Privaten Sektor ist im
September schwächer ausgefallen als im Vormo-
nat. Zwar liegen die Kreditbestände nach wie vor
leicht über ihren Vorjahresniveaus. Nach den Zah-
len der Europäischen Zentralbank (EZB) notierten
die Kredite an Unternehmen und private Haushalte
im September um 0,7 % über ihrem Vorjahresni-
veau. Gleichwohl fiel die Jahreswachstumsrate vom
September 0,3 Prozentpunkte niedriger aus als im
August. Im Monatsvergleich stieg die Kreditverga-
be an die privaten Haushalte um 11 Mrd. Euro. Im
August war sie bereits um 9 Mrd. Euro expandiert.
Die Kreditvergabe an nichtfinanzielle Unternehmen
brach hingegen im September regelrecht ein. Sie
verzeichnete einen Rückgang in Höhe von 17 Mrd.
Euro, nachdem sie bereits im Vormonat um 1 Mrd.
Euro gesunken war.
Geldmengenwachstum konstant bei 4,9 %
Nach den aktuellen Zahlen der EZB lag das Wachs-
tum des breit abgegrenzten Geldmengenaggre-
gats M3 im September saisonbereinigt bei 4,9 %.
Die Jahreswachstumsrate fiel damit hoch aus wie
im August. Stärkster Wachstumstreiber war mit
6,6 Prozentpunkten erneut die besonders liquide
Geldmenge M1. Einen Monat zuvor hatte ihr
Wachstumsbeitrag bei 6,5 Prozentpunkten gele-
gen. Der Beitrag der Termin- und Spareinlagen lag
bei -1,7 Prozentpunkten. Er bestätigte damit sei-
nen Vormonatswert. Der Wachstumsbeitrag der
marktfähigen Finanzinstrumente lag bei null Pro-
zentpunkten im September.
-5,0
0,0
5,0
10,0
01/13 07/13 01/14 07/14 01/15 07/15
Marktfähige Finanzinstrumente (M3-M2)
Termin- und Spareinlagen (M2-M1)
Bargeld und Sichteinlagen (M1)
M3 insgesamt
Kredite an Privatsektor
Beiträge zum M3-Wachstum
in Prozentpunkten, saisonbereinigt
Quelle: Thomson Reuters Datastream, BVR
Geldpolitik und Geldmarkt
9
EZB heizt Spekulationen über geldpolitische
Lockerung an
Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte ihre
Geldpolitik bald noch weiter lockern. Im Anschluss
an die geldpolitische Sitzung des Zentralbankrates
der europäischen Notenbank am 24. Oktober sig-
nalisierte EZB-Präsident Mario Draghi die Bereit-
schaft des Rates die Geldpolitik erneut zu lockern,
wenn es das makroökonomische Umfeld erforder-
lich machen sollte. Insbesondere die geringe Dy-
namik der Verbraucherpreise bereitet den Noten-
bankern Sorgen. Nach Einschätzung der EZB sind
die konjunkturellen Abwärtsrisiken spürbar gestie-
gen, wodurch sich auch die Inflation nicht so ent-
wickeln wird wie erwartet. EZB-Präsident Draghi
kündigte an, dass der EZB-Rat auf seiner nächsten
Sitzung am 3. Dezember darüber entscheiden
werde, ob und inwieweit die europäische Noten-
bank die geldpolitischen Zügel noch etwas weiter
lockern werde. In der Zwischenzeit solle ausgelotet
werden, welche Maßnahmen der aktuellen Situati-
on angemessen wären. Draghi wies daraufhin, dass
einige Notenbanker im Rat auch bereit gewesen
wären, die Geldpolitik schon im Oktober zu lo-
ckern. Diskutiert wurde dabei eine erneute Absen-
kung des Einlagensatzes. Den Leitzins beließ der
EZB-Rat unverändert bei 0,05 %. Sollte die Inflati-
onsrate zum Jahresende nicht deutlich anziehen,
ist davon auszugehen, dass der EZB-Rat auf seiner
nächsten Sitzung im Dezember eine weitere Lo-
ckerung seiner Geldpolitik in Form einer Senkung
des Einlagensatzes und/oder aber einer Auswei-
tung der Anleihekäufe beschließt.
Inflationsdruck mittelfristig moderat
Der BVR Zins-Tacho signalisiert weiterhin einen
moderaten Inflationsdruck für den Euroraum. Das
Barometer zur Messung des mittelfristigen Inflati-
onsdrucks im Währungsraum bestätigte im Okto-
ber seine Vormonatswerte aus dem September
Aug 15 Sep 15 Okt 15
BVR Zins-Tacho 48 48 48
Konjunktur (50 %) 57 56 57
Preise/Kosten (40 %) 38 37 37
Liquidität (10 %) 47 45 46
BVR Zins-Tacho
Der BVR Zins-Tacho ist ein Indikator für die Inflationsrisiken im Euroraum. Ein Anstieg des BVR Zins-Tachos zeigt steigende,
eine Abnahme sinkende Inflationsrisiken an. Eine detaillierte Beschreibung des BVR Zinstachos befindet sich im
BVR Volkswirtschaft special Nr. 13/2007
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BVR Zins-Tacho EZB-Leitzins in % (rechte Skala)
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Geldpolitik und Geldmarkt
10
und August in Höhe von 48 Punkten. Die Unterin-
dikatoren blieben im Oktober weitestgehend un-
verändert. Der größte Inflationsdruck geht dabei
von der Konjunkturkomponente aus. Sie stieg im
Oktober um 1 Punkt auf 57 Zähler. Im zweiten
Quartal 2015 war der Zins-Tacho noch im Zuge
nachlassender Energiepreise und etwas schwäche-
rer Konjunkturaussichten um 4 Punkte zurückge-
gangen.
Geldmarktzinsen sinken leicht
Die Zinsen für Termingeschäfte auf dem europäi-
schen Geldmarkt sind im Oktober erneut leicht
zurückgegangen. Eine besondere Rolle spielten
dabei die geldpolitischen Erwartungen an den
Finanzmärkten. Nachdem EZB-Präsident Mario
Draghi im Anschluss zur geldpolitischen Sitzung
des EZB-Rates sehr konkret eine weitere Locke-
rung für den kommenden Dezember in Aussicht
gestellt hatte, gaben die Terminzinsen auf dem
europäischen Geldmarkt nach. Der 3-Monats-
Euribor notierte im Zuge dessen am 27. Oktober
bei -0,06 %. Das waren 2 Basispunkte weniger als
zum Vormonatsultimo. Der 12-Monats-Euribor fiel
im gleichen Zeitraum um über 3 Basispunkte auf
0,11 %. Der Tagegeldsatz EONIA lag im Oktober
durchschnittlich bei -0,14 % und damit im Schnitt
1 Basispunkt niedriger als im September.
0,00
0,25
0,50
O N D J F M A M J J A S O
Notenbankzinseninternational
in %
Japan**
USA*
Eurozone
*Die Federal Reserve hat seit 16.12.2008einen Zielbereich
von 0-0,25 % für die Federal Funds Target Rate festge-
setzt. **Die Bank of Japan hat seit 19.12.2008 ein Tages-
geld-Zielbereich von rund 0,1 % festgesetzt.
-0,5
0,0
0,5
O N D J F M A M J J A S O
Wichtige Zinsen im Euroraum
Zinssätze in %
Spitzenrefinanzierungssatz
Tagesgeld(EONIA)
Hauptrefinanzierungssatz
Einlagenfazilität
-0,5
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0,5
1,0
O N D J F M A M J J A S O
Quelle: Thomson Reuters Datastream
Geld- und Kapitalmarkt
Zinssätze in %
Umlaufsrendite
EZB-Hauptrefinanzierungssatz
3-Monatsgeld
Rentenmarkt
11
Deutliche Renditerückgänge bei Staatsanleihen
Die Renditen von Staatspapieren aus dem Euro-
raum sind im Oktober deutlich zurückgegangen.
Sowohl bei den besonders sicheren Staatstiteln
aus Deutschland als auch bei Staatsanleihen aus
der Euro-Peripherie waren auf Monatssicht deutli-
che Renditerückgänge zu verzeichnen. Ausschlag-
gebend für diese Entwicklung waren in erster Linie
Spekulationen über eine weitere Lockerung der
geldpolitischen Geldpolitik im Dezember. Gute
Konjunkturdaten aus dem Euroraum konnten sich
gegen diesen Trend nicht durchsetzen. Bei Anlei-
hen aus den Peripheriestaaten fiel der Rückgang
besonders deutlich aus, da deren zum Teil noch
angeschlagenen Volkswirtschaften in besonderer
Weise von einer erneuten Lockerung und einem
wohl dadurch niedrigeren Außenwert des Euro
profitieren würden. Die Umlaufrendite börsenno-
tierter Bundesanleihen sank um 10 Basispunkte
und notierte am 27. Oktober bei 0,35 %. Die Ren-
dite der zehnjährigen Bundesanleihen fiel um
15 Basispunkte auf 0,44 %. Ausgesprochen kräftig
fiel der Rückgang bei griechischen Papieren auf
Monatssicht aus. Kurzlaufende Papiere mit einer
Restlaufzeit von zwei Jahren sanken im Oktober
um 263 Basispunkte auf 8,44 %. Den griechischen
Papieren halfen sowohl die Verabschiedung neuer
Reformen als auch die Aussage des französischen
Präsidenten François Hollande. Er stellte Griechen-
land eine Umschuldung ihrer Staatsschulden in
Aussicht. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsan-
leihen bestätigte angesichts der Verunsicherung
über den geldpolitischen Kurs der Fed ihr Vormo-
natsultimo von 2,04 %.
0,0
1,0
2,0
3,0
O N D J F M A M J J A S O
Quelle: Thomson Reuters Datastream
Ausgewählte Staatsanleihen desEuroraums
Renditen in %, Staatsanleihen mit 10-jähriger Restlaufzeit
Spanien
Frankreich
Italien
0,0
1,0
2,0
3,0
O N D J F M A M J J A S O
Bedeutende Benchmarkanleihen
Renditen in %, Staatsanleihen mit 10-jähriger Restlaufzeit
USA
Deutschland
Japan
0,25
0,50
0,75
1,00
1,25
1,50
O N D J F M A M J J A S O
Zinsstruktur am Rentenmarkt
SpreadBundesanleihen mit Restlaufzeiten 10/1 Jahr, in %
Devisenmarkt
12
Spekulation über Geldpolitik der EZB drückt
Euro
Der Euro hat in diesem Monat unterm Strich an
Wert gegenüber dem US-Dollar verloren. Nachdem
der Euro-Dollar Kurs zur Monatsmitte auf über
1,14 US-Dollar angestiegen war, ging er zum Ende
des Monats deutlich zurück und fiel sogar unter
seinen Vormonatsultimowert von 1,12 US-Dollar je
Euro. Zum Monatsende lag der Euro-Dollar Kurs
mehr als 1 US-Cent niedriger bei 1,10 US-Dollar.
Gestärkt wurde der Euro in der ersten Monatshälf-
te von der Verunsicherung der Händler über den
weiteren Kurs der Federal Reserve. Angesichts
enttäuschender Wirtschaftsdaten aus den USA und
den Schwellenländern sowie eines niedrig bleiben-
den Preisdrucks setzte sich an den Finanzmärkten
die Meinung durch, die Fed werde ihre Zinswende
nicht wie geplant noch in diesem Jahr vollziehen.
Ein Großteil der Investoren erwartet mittlerweile
eine spätere Zinswende in den USA.
Grund für den Rückgang des Euro-Dollar Kurses
waren Spekulationen über den künftigen Kurs der
europäischen Notenbank. EZB-Präsident Mario
Draghi hatte im Anschluss an die geldpolitische
Sitzung des EZB-Rates eine weitere geldpolitische
Lockerung in Aussicht gestellt. Angesichts der zu
erwartenden Zinswende in den USA in den kom-
menden Monaten und einer möglichen Lockerung
der EZB-Geldpolitik dürften die Geldpolitiken dies-
wie jenseits des Atlantiks auf absehbare Zeit weiter
auseinanderlaufen und den Euro schwächen.
85
90
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100
105
S O N D J F M A M J J A S
Effektiver Wechselkurs desEuro*
in EUR, Quartal 1, 1999 = 100
*Nominale Wertentwicklungdes Eurogegenüber den 19
wichtigsten Handelspartnern des Euroraums. Eine Bewe-
gung nach oben entspricht einer Aufwertungdes Euro
Quelle: Thomson Reuters Datastream
0,6
0,8
1,0
1,2
1,4
O N D J F M A M J J A S O
Euro-Wechselkurs (II)
Auslandswährungpro Euro
Schweizer Franken
Britisches Pfund
120
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0,6
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O N D J F M A M J J A S O
Euro-Wechselkurs (I)
AusländerwährungproEuro
US-Dollar
Japanischer Yen (rechte Skala)
Aktienmarkt
13
Geldpolitik hilft DAX auf die Sprünge
Der DAX hat in der zweiten Oktoberhälfte von der
Aussicht auf eine weitere geldpolitische Lockerung
im Währungsraum profitiert. Darüber hinaus beleb-
te die Leitzinssenkung der chinesischen Notenbank
die Stimmung an den Aktienmärkten. Viele ent-
deckten zum Monatsende das Risiko wieder und
verstärkten ihr Engagement in Aktien. Die Chancen
einer Jahresendrallye stiegen zudem durch Speku-
lationen auf eine doch spätere Zinswende in den
USA.
Bis zum 27. Oktober gewann der DAX deutlich an
Wert hinzu. Insbesondere die Kursrally im Anschluss
an die geldpolitische Sitzung der EZB sorgte für
ein positives Monatsergebnis. Im Vergleich zum
Vormonatsultimo legte der DAX um 10,7 % auf
10.692 Punkte zu. Der US-Leitindex gewann eben-
falls deutlich an Wert. Er stieg im gleichen Zeitraum
um 8,0 % und notierte am 27. Oktober bei 17.581
Punkten.
Vor der Monatsendrallye hatten sich die Aktien-
märkte noch etwas schwerer getan. Der deutsche
Leitindex hatte in der ersten Monatshälfte Schwie-
rigkeiten die Marke von 10.000 Punkten hinter sich
zu lassen. Einerseits unterstützten die Hoffnungen
auf eine Verschiebung der Zinswende in den USA
und eine noch lockere Geldpolitik in Europa die
Kurse. Andererseits belasteten Gewinnmitnahmen
sowie die Sorge der Anleger vor einer Abkühlung
der Weltwirtschaft die Kurse.
15.500
16.000
16.500
17.000
17.500
18.000
18.500
O N D J F M A M J J A S O
Aktienmarkt USA
Dow Jones, 40-/200-Tagesschnitt
Quelle: Thomson Reuters Datastream
2.800
3.000
3.200
3.400
3.600
3.800
4.000
O N D J F M A M J J A S O
Aktien im Euroraum
Euro-Stoxx 50, 40-/200-Tagesschnitt
8.000
9.000
10.000
11.000
12.000
13.000
O N D J F M A M J J A S O
Deutscher Aktienmarkt
Dax, 40-/200-Tagesschnitt
Eurokonjunktur
14
Erholung festigt sich
Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute
Deutschlands haben am 8. Oktober ihr neues ge-
meinsames Herbstgutachten vorgelegt. In dem
Gutachten sehen sie den Euroraum in einer sich
festigenden Erholung. Das Wirtschaftswachstum
werde sich, nach dem günstigen ersten Halbjahr,
in der zweiten Jahreshälfte aber nicht weiter be-
schleunigen. Gemäß dem Herbstgutachten wird
der private Konsum eine wichtige Wachstumsstüt-
ze bleiben, da mit einem weiteren Rückgang der
Arbeitslosigkeit und einem stärkeren Anstieg der
Reallöhne zu rechnen sei. Die Expansion der Brut-
toanlageinvestitionen werde hingegen vorerst nur
verhalten sein. Auch von Seiten der Exporte seien,
befördert von der Euro-Abwertung, expansive
Impulse zu erwarten. Da allerdings den steigenden
Exporten auch zunehmende Importe gegenüber-
stünden, dürfte der Außenhandel als Ganzes kei-
nen Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten.
Insgesamt erwarten die Wirtschaftsforscher für
das laufende Jahr 2015 einen Anstieg des preis-
bereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,5 %.
Für 2016 wird ein BIP-Zuwachs von 1,6 % prognos-
tiziert.
Wirtschaftsklimaindex legt erneut zu
Auf eine Festigung der Erholung im Euroraum
deuten auch die aktuellen Ergebnisse der monatli-
chen Verbraucher- und Unternehmensbefragung
der EU-Kommission hin. Demnach hat sich die wirt-
schaftliche Stimmung im September weiter aufge-
hellt. Der Wirtschaftsklimaindex ist gegenüber Au-
gust um deutliche 1,5 Punkte auf einen Stand von
105,6 Punkten gestiegen. Zum nunmehr dritten
Anstieg des Indikators in Folge trug vor allem das
gestiegene Vertrauen in den Industrie- und Dienst-
leistungsunternehmen bei.
1) Euroraum, in Punkten - Gewichtung: 40 % Industrievertrauen, 30 % Dienstleistungsvertrauen,
20 % Verbrauchervertrauen, 5 % Einzelhandelsvertrauen, 5 % Bauvertrauen
2) Saldo in Prozentpunkten (= Differenz aus positiven und negativen Antworten)
Quelle: Thomson Reuters Datastream
Wirtschaftsklima im Euroraum
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07/13
01/14
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07/15
Gesamt1 Dienstleister2 Verbraucher2 Einzelhandel2 Bau2Industrie2
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07/13
01/14
07/14
01/15
07/15
Eurokonjunktur
15
Industrie mit geringerer Produktion
Die Industrie konnte im August nicht an die güns-
tige Entwicklung des Vormonats anknüpfen. Wie
Eurostat anhand vorläufiger Angaben mitteilte, ist
die industrielle Produktion des Euroraums mit einer
Verlaufsrate von 0,5 % gesunken, nachdem sie im
Juli aufwärtsrevidiert noch um 0,8 % zugelegt
hatte. Für die nächsten Monate lässt der Order-
Indikator eine moderate Belebung der Industrie-
konjunktur erwarten. Der Indikator ist im Septem-
ber gegenüber August um 0,8 Punkte auf -11,1
Punkte gestiegen.
Rückläufige Verbraucherpreise
Im September ist die Inflationsrate des Euroraums
erneut in den negativen Bereich gesunken. Der
Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) lag
um 0,1 % unter seinem Vorjahresstand. Im August
waren die Verbraucherpreise noch um 0,1 % ge-
stiegen. Für den Rückgang der Gesamtrate waren
vor allem die Energiepreise verantwortlich. Ohne
Berücksichtigung von Energie blieb die Inflationsra-
te unverändert bei 1,0 %.
Breite Streuung der Arbeitslosenquoten
Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote des
Euroraums blieb im August gegenüber dem Vor-
monat unverändert bei 11,0 %. Unter den Euro-
Staaten verzeichneten Deutschland (4,5 %) und
Malta (5,1 %) die niedrigsten und Griechenland
(25,2 % im Juni) und Spanien (22,2 %) die höchsten
Quoten.
10,0
11,0
12,0
13,0
07/13 01/14 07/14 01/15 07/15
Arbeitslosenquote
Euroraum, saisonbereinigt
Quelle: Thomson Reuters Datastream
-4,0
-2,0
0,0
2,0
4,0
-2,0
-1,0
0,0
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2,0
3,0
07/13 01/14 07/14 01/15 07/15
Verbraucher- undErzeugerpreise
Euroraum, in % gg. Vorjahr
Kerninflation*
Erzeugerpreise (rechte Skala)
Verbraucherpreise
*ohne Energie undunbearbeitete Lebensmittel
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07/13 01/14 07/14 01/15 07/15
Aufträge und Produktion
Euroraum, saisonbereinigt
Produktion
Aufträge (rechte Skala)*
*Order-Indikator der EU-Kommission
Deutsche Konjunktur
16
Wirtschaftsforscher vermindern Prognosewert
Der aktuellen Gemeinschaftsdiagnose der Wirt-
schaftsforschungsinstitute zufolge ist die konjunk-
turelle Entwicklung Deutschlands stabil. Das deut-
sche Bruttoinlandprodukt (BIP) wird nach Ein-
schätzung der Wirtschaftsforscher sowohl 2015 als
auch 2016 preisbereinigt um 1,8 % expandieren.
Der Prognosewert für das laufende Jahr wurde
damit gegenüber dem Frühjahrsgutachten leicht
um 0,3 Prozentpunkte nach unten revidiert, wäh-
rend der Wert für das kommende Jahr unverän-
dert blieb. Die Abwärtskorrektur für das laufende
Jahr wird im Herbstgutachten insbesondere mit
den privaten Konsumausgaben begründet, die
bislang weniger kräftig gestiegen seien als erwar-
tet. Dennoch werde der Privatkonsum im Progno-
sezeitraum weiterhin die zentrale Stütze des ge-
samtwirtschaftlichen Wachstums bleiben. Die In-
vestitionen werden nach Ansicht der Konjunktur-
forscher erst allmählich an Fahrt aufnehmen. Vom
Außenhandel seien nur wenige Wachstumsimpul-
se zu erwarten, da die Weltwirtschaft lediglich
mäßig expandieren und die stimulierende Wir-
kung der Euro-Abwertung nachlassen werde.
Dem Herbstgutachten zufolge wird die Beschäfti-
gung weiter ausgeweitet. In 2016 werde wegen
der Zuwanderung von Flüchtlingen jedoch auch
die Arbeitslosenzahl etwas zulegen. Für die Inflati-
onsrate wird ein Anstieg von 0,3 % im laufenden
auf 1,1 % im kommenden Jahr prognostiziert. Der
BVR hält das Konjunkturbild der Wirtschaftsfor-
schungsinstitute insgesamt für realistisch. Der BVR
rechnet weiterhin damit, dass das preisbereinigte
BIP in 2015 um 1,8 % und in 2016 um 1,7 % stei-
gen wird.
Wachstumsdelle in der Industrie
Die amtlichen Monatsdaten zur Industriekonjunk-
tur fielen zuletzt verhalten aus. Vor dem Hinter-
grund der ungewöhnlich späten Lage der Schul-
IMF
BVR
RWI
GD; REGDIW
IMK
1,0
1,5
2,0
2,5
Jul 15 Aug 15 Sep 15 Okt 15
Bbk - Deutsche Bundesbank
DIW - Deutsches Institut für
Wirtschaftsforschung, Berlin
GD - Gemeinschaftsdiagnose
(Frühjahrs- bzw. Herbstprognose)
HWWI - Hamburger WeltWirtschaftsInstitut
ifo - Institut für Wirtschaftsforschung,
München
IfW - Institut für Weltwirtschaft, Kiel
IMF - Internationaler Währungsfonds
IMK - Institut für Makroökonomie und
Konjunkturforschung
IW - Institut der deutschen Wirtschaft, Köln
IWH - Institut für Wirtschaftsforschung, Halle
KOM - Europäische Kommission
OECD - Organisation für Wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung
REG - Bundesregierung
RWI - Rheinisch-Westfälisches Institut für
Wirtschaftsforschung, Essen
SVR - Sachverständigenrat
Quelle: BVR
BVR
IfW
HWWI; IWH
Konjunktur 2016 - Prognosen für Deutschland
preisbereinigt, Jahreswachstumsratedes BIP in %
OECD
Deutsche Konjunktur
17
ferien in vielen Bundesländern waren sowohl bei
der Produktion als auch beim Auftragseingang
Rückgänge zu verzeichnen. Die Industrieprodukti-
on ist im August gegenüber dem Vormonat
preis-, saison- und arbeitstäglich bereinigt um
1,1 % gesunken. In dem für konjunkturelle Analy-
sezwecke besser geeignetem Zweimonatsver-
gleich Mai/Juni gegenüber Juli/August nahm
die Erzeugung jedoch nur leicht um 0,2 % ab. Der
industrielle Auftragseingang ist im August gegen-
über dem Vormonat um 1,8 % zurückgegangen.
Darüber hinaus wurde der Juli-Wert nach unten
revidiert. Im Zweimonatsvergleich gaben die Be-
stellungen um 2,2 % nach. Maßgeblich hierfür war
der Rückgang der Auslandsorders (-4,6 %), der
durch die steigende Inlandsnachfrage (+1,4 %)
nur teilweise kompensiert werden konnte.
Auch der grenzüberschreitende Handel der
deutschen Wirtschaft hat im August merklich an
Schwung eingebüßt. Die Ausfuhren sind gegen-
über dem Vormonat saisonbereinigt um 5,2 %
zurückgegangen. Zuvor, im Juli, waren sie noch
mit einer Verlaufsrate von 2,2 % gestiegen. Die
Einfuhren sind im August um 3,1 % gesunken,
nachdem sie im Vormonat um 2,3 % zugelegt
hatten. Ähnlich wie bei den Industriedaten dürfte
die Entwicklung der Außenhandelsdaten zuletzt
durch die ungünstige Konstellation der Ferientage
überlagert worden sein. Der merkliche Rückgang
der Ausfuhren und Einfuhren ist jedoch auch als
Indiz für die schwächere Gangart in den Schwel-
lenländern zu sehen.
70
80
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100
110
07/13 01/14 07/14 01/15 07/15
Außenhandel
in Mrd. Euro, saisonbereinigt
Ausfuhren
Einfuhren
Quelle: Thomson Reuters Datastream
90
100
110
120
130
07/13 01/14 07/14 01/15 07/15
Aufträge
2010=100, preis-und saisonbereinigt
Aufträge aus dem Inland
Aufträge aus dem Ausland
90
100
110
120
07/13 01/14 07/14 01/15 07/15
Produktion
2010=100, preis-und saisonbereinigt
Baugewerbe
Industrie
Deutsche Konjunktur
18
Stimmungsindikatoren gefallen
Im Oktober haben sowohl der ifo Geschäfts-
klimaindex als auch die ZEW-Konjunkturerwar-
tungen für Deutschland nachgegeben. Der ifo
Geschäftsklimaindex ist gegenüber November
leicht um 0,3 Punkte auf 108,2 Punkte gesunken,
nachdem er zuvor drei Monate in Folge gestiegen
war. Ausschlaggebend für den Rückgang war die
aktuelle Lage, die von den vom ifo Institut befrag-
ten Unternehmen per Saldo weniger positiv be-
wertet wurde als zuvor. Die Geschäftserwartun-
gen für das nächste halbe Jahr wurden hingegen
von den Umfrageteilnehmern insgesamt etwas
günstiger beurteilt. Optimistisch stimmt zudem,
dass sich bei den befragten Unternehmen der
Automobilindustrie das Geschäftsklima – trotz
des VW-Abgasskandals – weiter verbessert hat.
Die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsfor-
schung (ZEW) anhand einer Umfrage unter Fi-
nanzmarktexperten ermittelten ZEW-Konjunk-
turerwartungen sind im Oktober sichtlich um
10,2 Punkte auf 1,9 Punkte gesunken. Zum erneu-
ten Rückgang der Konjunkturerwartungen dürf-
ten vor allem die anhaltenden Sorgen um die
Entwicklung in den Schwellenländern beigetragen
haben.
Stagnation der Verbraucherpreise
Der allgemeine Preisauftrieb ist in Deutschland im
September zum Stillstand gekommen. Die Inflati-
onsrate, basierend auf der jährlichen Veränderung
des Verbraucherpreiseindexes (VPI), ging gegen-
über August um 0,2 Prozentpunkte auf 0,0 %
0
2.000
4.000
6.000
8.000
10.000
12.000
01/13 07/13 01/14 07/14 01/15
Verbraucher
Unternehmen
Insolvenzen
Monatliche Fallzahlen
Quelle: Thomson Reuters Datastream
-10
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-6
-4
-2
0
2
4
-1
0
1
2
3
4
5
07/13 01/14 07/14 01/15 07/15
Verbraucherpreise
Kerninflation*
Erzeugerpreise (rechte Skala)
Verbraucher- undErzeugerpreise
gg. Vorjahr in %
*ohne Energie und Lebensmittel
95
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105
110
115
120
-20
0
20
40
60
80
07/13 01/14 07/14 01/15 07/15
Wirtschaftliche Einschätzung
saisonbereinigt
ZEW-Konjunkturerwartungen
ifo Geschäftsklimaindex*
*rechte Skala,2010=100
Deutsche Konjunktur
19
zurück. Die Gesamtentwicklung des Verbraucher-
preisindexes wurde erneut vor allem durch die
Mineralölpreise beeinflusst, deren Abwärtsbewe-
gung sich nochmals verstärkte. Auch bei den Er-
zeugerpreisen gewerblicher Produkte hat sich der
Preisrückgang etwas beschleunigt. Der Erzeuger-
preisindex lag im September um 2,1 % unter sei-
nem Vorjahreswert. Im August hatten die Erzeu-
gerpreise noch um 1,7 % nachgegeben.
Mehr Unternehmensinsolvenzen
Im Juli hat sich das Insolvenzgeschehen weiter
entspannt. Die Anzahl der Unternehmensinsol-
venzen ist jedoch im Vergleich zum Juli 2014 et-
was gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt
mitteilte, legten sie um 3,6 % auf 2.187 Fälle zu.
Die Anzahl der Verbraucherinsolvenzen ist jedoch
nach wie vor rückläufig. Sie gab binnen Jahresfrist
um 13,5 % auf 6.927 Fälle nach. Insgesamt ist die
Zahl der Insolvenzen von Unternehmen, Verbrau-
chern und anderen Schuldnern im Juli um 9,9 %
auf 11.245 zurückgegangen.
Günstige Arbeitsmarktentwicklung hält an
Vor dem Hintergrund der allgemeinen Herbstbe-
lebung und der guten Konjunktur befindet sich
der deutsche Arbeitsmarkt weiterhin im Aufwind.
Nach vorläufigen Angaben der Bundesagentur für
Arbeit (BA) ist die Anzahl der Arbeitslosen von
August auf September um 88.000 auf 2,708 Mio.
Menschen zurückgegangen. In saisonbereinigter
Rechnung legte die Arbeitslosenzahl im Septem-
ber zwar leicht um 2.000 Personen zu. Im Vormo-
nat hatte sie jedoch um 6.000 nachgegeben. Die
saisonbereinigte Arbeitslosenquote blieb zuletzt
unverändert bei 6,4 %. Bei den Monatsdaten zur
Erwerbstätigkeit und zur sozialversicherungs-
pflichtigen Beschäftigung setzten sich die Auf-
wärtstrends fort. Die saisonbereinigte Erwerbstä-
tigenzahl nahm nach aktuellen Berechnungen des
Statistischen Bundesamtes im August gegenüber
dem Vormonat um 46.000 Personen zu. Im Vor-
jahresvergleich war ein Anstieg um 230.000 auf
43,09 Mio. Menschen zu verzeichnen. Die Beschäf-
tigtenzahl ist jüngst, im Juli, gegenüber dem
Vorjahresmonat sogar um kräftige 608.000 auf
30,73 Mio. gestiegen. In Hinblick auf die nahe
Zukunft ist mit einem weiteren Beschäftigungs-
aufbau zu rechnen. Dies lässt zumindest die Zahl
der bei der BA gemeldeten offenen Stellen erwar-
ten, die im September saisonbereinigt um 5.000
wuchs. Demnach werden derzeit vor allem Ar-
beitskräfte in den Berufsfeldern Metallerzeugung,
Metallbearbeitung, Metallbau, Verkauf sowie
Verkehr und Logistik gesucht.
42.100
42.300
42.500
42.700
42.900
43.100
6,0
6,5
7,0
7,5
07/13 01/14 07/14 01/15 07/15
Erwerbstätige u. Arbeitslosenquote
in Tsd., saisonbereinigt
Arbeitslosenquote
Erwerbstätige*
*rechte Skala
Quelle: Thomson Reuters Datastream

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BVR Volkswirtschaft Special: Preiswachstum am Immobilienmarkt

  • 1. Meinungen, Analysen, Fakten Nr. 12 / 28.10.2015 Volkswirtschaft special Meinungen, Analysen, Fakten Herausgeber: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken · BVR · Volkswirtschaft/ Mittelstandspolitik Verantwortlich: Dr. Andreas Bley · Schellingstraße 4 · 10785 Berlin · Telefon: (030) 20 21 – 15 00 Telefax (030) 20 21 – 1904 · Internet: http://www.bvr.de · poststelle@bvr.de Preiswachstum am Immobilienmarkt setzt sich fort - Der Aufschwung am deutschen Immobilienmarkt hält an. Nach Berechnungen des BVR dürften die Preise für selbst genutztes Wohneigentum in Deutschland in den nächsten zwei Jahren im Bundesdurchschnitt um mehr als 4 % steigen. Das zeigt eine panelökonometrische Analyse von 402 Land- und Stadtkreisen über den Zeitraum von 2008 bis 2012. - Verantwortlich für die steigenden Teuerungsraten von Wohnimmobilien ist ein makroökonomi- scher Dreiklang. Die hohe Zuwanderung aus dem In- und Ausland in die deutschen Ballungs- räume ist der Haupttreiber der Preisdynamik auf dem Wohnimmobilienmarkt. Darüber hinaus stärken rekordtiefe Zinsen die Nachfrage nach Wohnimmobilien. Schließlich sorgt eine zu schwache Bautätigkeit für ein unzureichendes Angebot an Wohnraum in den dicht besiedelten und wirtschaftlich gut aufgestellten Regionen Deutschlands. - Die preistreibenden Faktoren werden in den kommenden zwei Jahren ausgeprägt bleiben. So dürften nicht nur die Finanzierungskosten auf mittlere Sicht niedrig bleiben. Auch dürfte der hohe Zuzug in die deutschen Ballungsräume anhalten. Auf Dauer ist ein ausreichendes Angebot an bezahlbarem Wohnungsraum die entscheidende Voraussetzung für eine Entschärfung der zum Teil angespannten Preissituation in den deutschen Großstädten. - Eine noch stärkere Ausweitung bezahlbaren Wohnraumes in den Ballungsräumen ist geboten. Dabei sollten zum einen ungenutzte Freiflächen innerhalb des Stadtgebietes konsequenter für den Wohnungsbau genutzt werden, solange dies aus städtebaulichen Gründen zumutbar ist. Zum anderen kann die Attraktivität bestehender Wohngebiete in peripherer Lage zu Großstäd- ten über den Ausbau der öffentlichen Infrastruktur erhöht werden. Ab 01.01.2016 nur noch online erhältlich. Anmeldung zum Newsletter: www.bvr.de/Publikationen/ Konjunkturberichte
  • 2. Meinung 2 Preiswachstum am Immobilienmarkt setzt sich fort Der Aufschwung am deutschen Immobilienmarkt hält an. Nach den Zahlen von vdp research, dem immobilienökonomischen Think Tank des Verban- des der Pfandbriefbanken, stiegen die Preise für selbstgenutztes Wohneigentum in Gesamtdeutsch- land im zweiten Quartal 2015 um 4,4 %. Das ist mehr als in 2014, als die Preise für Wohneigentum im Jahresschnitt noch um rund 3,1 % zugelegt hatten. Andere Wohnpreisindizes, wie z. B. der vergleichbare Preisindex der Deutschen Bundes- bank, zeigen einen ähnlichen Preistrend. Der Aufschwung verteilt sich weiterhin ausgespro- chen heterogen über das Bundesgebiet. In den Großstädten bzw. Ballungsräumen legten die Preise für Wohnraum in den vergangenen Jahren deutlich zu. In den strukturschwachen Regionen Deutschlands waren hingegen im gleichen Zeit- raum rückläufige Preise für Wohneigentum zu beobachten. Detaillierte Zahlen zu den regionalen Preis- und Mietdynamiken in Deutschland sind im Volkswirtschaft special Nr. 6/2015 zu finden. Verantwortlich für die steigenden Teuerungsraten von Wohnimmobilien ist ein makroökonomischer Dreiklang. Zum einen stärken rekordtiefe Finanzie- rungskosten bei gleichzeitig robustem Einkom- menswachstum sowie ein hoher Zuzug in wirt- schaftliche starke und dicht besiedelte Regionen die Nachfrage nach Wohnimmobilien. Zum ande- ren sorgt eine zu schwache Bautätigkeit für ein unzureichendes Angebot an Wohnraum in den dicht besiedelten und wirtschaftlich gut aufgestell- ten Regionen Deutschlands. Die preistreibenden Faktoren werden in den kommenden zwei Jahren ausgeprägt bleiben. Nicht nur werden die Zinsen angesichts der aktuellen Überlegungen der EZB, die Geldpolitik für den Euroraum noch weiter zu lockern, noch lange auf einem sehr niedrigen Niveau verharren. Auch dürfte mit dem Anstieg der Zuwanderung aus den Krisengebieten des Nahen und Mittleren Ostens nach Deutschland der Bedarf an zusätzli- chen Wohnraum steigen. Die Baufertigstellungen werden insbesondere in den Ballungsräumen trotz einer bereits höheren Bautätigkeit auch in den kommenden zwei Jahren nicht mit der gestiege- nen Nachfrage Schritt halten können. Der BVR rechnet für die kommenden Jahre daher mit einer anhaltend hohen Preisdynamik auf dem deutschen Immobilienmarkt. Insbesondere in den deutschen Großstädten werden die Preise weiter kräftig zulegen, während die dünn besiedelten, einkommensschwachen Regionen auch zukünftig rückläufige Preise für Wohnraum verzeichnen wer- den. In diesem Jahr und im kommenden Jahr dürf- ten die Preise für Wohneigentum im Bundesgebiet durchschnittlich um über 4 % zulegen. Preistreiber I: Steigende Einwohnerzahl Hohe Zuwanderungsraten und Wanderungsströme innerhalb Deutschlands sind aktuell die stärksten Antriebskräfte für den Anstieg der Preise auf dem deutschen Wohnimmobilienmarkt. Aktuell erleben
  • 3. Meinung 3 die deutschen Ballungsräume einen spürbaren Bevölkerungsanstieg. Die Zuzüge speisen sich dabei sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland. Im Rahmen der Prognose der Immobilienpreise in Deutschland hat der BVR die Preisentwicklung für selbstgenutztes Wohneigentum mithilfe eines ein- fachen panelökonometrischen Modells geschätzt. Als Datengrundlage der Schätzung dienten dabei die Preise für selbstgenutztes Wohneigentum von vdp research sowie die Pro-Kopf-Einkommen, die Baufertigstellungen und die Nettozuwanderung aus der Regionaldatenbank des Statistischen Bun- desamtes für 402 Land- und Stadtkreise über den Zeitraum von 2008 bis 2012. Die Analyse bestätigt die prominente Rolle der wanderungsbedingten Bevölkerungsveränderungen auf die Immobilien- preise. Die Berechnungen zeigen, dass - alle anderen Ein- flussfaktoren unverändert - ein Zuwanderungsbe- dingter Anstieg der Bevölkerung um 1 % der Be- völkerung einen Anstieg der Wohnimmobilienprei- se in Höhe von rund 3,6 % hervorruft. Der metho- dische Ansatz der Prognose orientiert sich in leicht abweichender Form an einem Schätzmodell der Deutschen Bundesbank zu der Entwicklung der regionalen Immobilienpreise, die den Zeitraum von 2004 bis 2010 mit ähnlicher Datenbasis abdeckt. Seit gut 10 Jahren vollzieht sich im Fahrwasser des Re-Urbanisierungstrends eine innerdeutsche Wan- derungsbewegung von ländlich geprägten Regio- nen in die Stadtgebiete Deutschlands. Hierbei spie- len vor allem neue Lebensmodelle aber auch die -04 -02 00 02 04 06 Q12004 Q42004 Q32005 Q22006 Q12007 Q42007 Q32008 Q22009 Q12010 Q42010 Q32011 Q22012 Q12013 Q42013 Q32014 Q22015 Quelle: vdp research Immobilienpreiswachstumsteigt an Jahreswachstumsrateder Preise für selbstgenutztes Wohneigentum -100.000 0 100.000 200.000 300.000 400.000 500.000 600.000 1993 1995 1997 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011 2013 Quelle: Statistisches Bundesamt Starker Anstieg der Nettozuwanderung Anzahl der Personen 0 100.000 200.000 300.000 400.000 500.000 600.000 1993 1995 1997 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011 2013 Quelle: Statistisches Bundesamt Mäßiger Anstieg desWohnungsbaus Anzahl der Baufertigstellungen (Wohnungen)
  • 4. Meinung 4 mittlerweile besseren Beschäftigungsmöglichkeiten in den Ballungsräumen eine wichtige Rolle. Parallel hierzu hat der Zuzug aus dem Ausland nach Deutschland deutlich an Fahrt aufgenommen. Von 2010 bis 2014 überstieg die Zuwanderung die Abwanderung um insgesamt 1,7 Mio. Men- schen. Im Fahrwasser der schwachen Arbeitsmarkt- lage in einigen südeuropäischen Staaten und des Wohlstandsgefälles im Vergleich zu den osteuropä- ischen Mitgliedsstaaten nahm vor allem der Zuzug aus der Europäischen Union deutlich zu. Er machte bis 2014 einen Großteil der Zuwanderung aus. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kamen im vergangenen Jahr noch mehr als die Hälfte der rund 550.000 Zuwanderer aus der EU. Mit dem hohen Zustrom von Flüchtlingen aus den Krisengebieten des Nahen und Mittleren Ostens hat die Zuwanderung nach Deutschland in diesem Jahr noch einmal ein neues Level erreicht. In die- sem Jahr dürfte die Nettozuwanderung noch deutlich höher ausfallen. Allein die Zahl der Asylsu- chenden wird nach Angaben der Bundesregierung auf über 800.000 Menschen bzw. auf gut 1 % der Bevölkerung ansteigen. Für das kommende Jahr ist erneut mit einem sehr kräftigen Zustrom an neuen Asylsuchenden aus den Krisenregionen des Nahen und Mittleren Ostens und Afrikas zu rechnen. Zwar wird nicht jeder Asylsuchenden aufgrund unzureichender Asylgründe auf Dauer in Deutsch- land bleiben können. Gleichwohl muss in den kommenden Jahren ein Großteil der in Deutsch- land Schutz suchenden Menschen in den deut- schen Immobilienmarkt eingegliedert werden. Angesichts des zu erwartenden Familiennachzugs wird sich die Zahl der zu integrierenden Zuwande- rer in den kommenden Jahren zusätzlich erhöhen. Die Integration der Flüchtlinge wird daher nicht nur in den Arbeitsmarkt sondern auch in den deut- schen Immobilienmarkt eine große Herausforde- rung darstellen. Preistreiber II: Niedrigzins und Einkommen Die ausgesprochen expansive Geldpolitik der EZB mit ihrer faktischen Nullzinspolitik hat die Finanzie- rungskosten für den Bau oder Erwerb von Immobi- lien deutlich nach unten gedrückt. Nach den Zah- len der Deutschen Bundesbank sank der Zins für Immobilienkredite an Private Haushalte mit einer Laufzeit von 5 bis 10 Jahren im Laufe dieses Jahres auf unter 2 %. Darüber hinaus gewinnen Immobilien aufgrund fehlender Analagealternativen als Vermögensanla- ge zunehmend an Bedeutung. Das niedrige Zinsni- veau drückt die Renditen von Anlageformen, die sich besonders für den nachhaltigen Aufbau einer Alterssicherung eignen. Dabei handelt es sich in der Regel um sichere und auf Dauer angelegte Ver- mögensanlageprodukte, wie z. B. Lebensversiche- rungen oder Termineinlagen. Die aktuellen Zahlen zum Geld- und Sachvermögender Bundesbürger bestätigen diesen Trend. So haben längerfristige festverzinsliche Einlageprodukte sowie Lebensver- sicherungen bei der Geldvermögensbildung an Bedeutung verloren. Im Gegenzug erhöhten die Bundesbürger in der Aggregation die Bildung von Sachvermögen.
  • 5. Meinung 5 Die robuste Konjunktur in Deutschland hat in den vergangenen Jahren zudem die verfügbaren Ein- kommen der Bundesbürger sichtbar ansteigen lassen. Seit 2010 verzeichneten die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte ein jährliches Wachstum von durchschnittlich 2,4 %. Angesichts der niedrigen Inflationsrate in Deutschland konn- ten die Bundesbürger in den vergangenen fünf Jahren ihre Kaufkraft dadurch spürbar erhöhen. Zudem stabilisierten sich wegen der robusten Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt auch die Ein- kommenserwartungen der Deutschen. Preistreiber III: Träges Wohnungsangebot Der Wohnungsbau hat in den vergangenen zwei Jahren zugelegt. So wurden im Jahr 2014 rund 220.000 neue Wohnungen fertig gestellt. Das waren rund 80.000 Wohnungen mehr als im Jahr 2010, als der Wohnungsbau mit rund 140.000 Baufertigstellungen den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung erreicht hatte. Trotz des Anstieges der Bautätigkeit in Deutsch- land wird das Wohnungsangebot der hohen Zu- wandererquote allerdings nicht gerecht. Es hat sich in den Ballungsräumen seit 2011 sogar verschlech- tert. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zu den Baufertigstellungen auf Kreis- und Stadtkreis- ebene zeigen, dass sich das Angebot an Wohn- raum im Verhältnis zur Einwohnerzahl in Kreisen mit über einer halben Million Menschen am aktuel- len Rand leicht rückläufig entwickelt hat. Auch künftig wird adäquater Wohnraum in Groß- 1 2 3 4 5 6 Jan.03 Jan.04 Jan.05 Jan.06 Jan.07 Jan.08 Jan.09 Jan.10 Jan.11 Jan.12 Jan.13 Jan.14 Jan.15 Quelle: Deutsche Bundesbank Kreditzinsenauf niedrigemNiveau Zins für Immobilienkredite (5-10 Jahre) im Neugeschäft -2,0 0,0 2,0 4,0 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015* *1. Halbjahr 2015 Quelle. Statistisches Bundesamt RobustesEinkommenswachstum seit 2010 Durchschnittliche Jahreswachstumsratein % -1,0 0,0 1,0 2,0 3,0 4,0 5,0 Q12001 Q12002 Q12003 Q12004 Q12005 Q12006 Q12007 Q12008 Q12009 Q12010 Q12011 Q12012 Q12013 Q12014 Q12015 Quelle: Deutsche Bundesbank Moderate Immobilienkreditvergabe Jahreswachstumsratein % des Bestandes
  • 6. Meinung 6 städten knapp bleiben. Zwar dürfte sich das Ange- bot an Wohnraum im Zuge der höheren Bautätig- keit in den deutschen Großstädten erhöhen. Gleichwohl werde auch zukünftig der Zuzug die Bautätigkeit übersteigen. Hinzu kommt, dass es wohl den Großteil der Asyl- suchenden in die Metropolregionen ziehen wird. Nicht nur bieten die prosperierenden Ballungszen- tren Deutschlands vielen Flüchtlingen bessere Job- chancen. Auch dürften sie hier Verwandte und Freunde aus ihren Herkunftsländern finden sowie Menschen, die ein ähnliches Schicksal erleiden mussten. Der Zuzug in ländliche, dünn besiedelte Regionen dürfte hingegen überschaubar ausfallen und nicht ausreichen, um den dortigen Preisverfall am Immobilienmarkt aufzufangen. Makroökonomische Risiken beherrschbar Trotz der zum Teil regional hohen Preiswachstums- raten für Wohneigentum bleiben die makroöko- nomischen Risiken des Aufschwungs am deutschen Immobilienmarkt für Gesamtdeutschland am aktu- ellen Rand beherrschbar. Eine flächendeckende Immobilienpreisblase ist momentan in Deutschland nicht zu erkennen. Die hohen Preisdynamiken bleiben regional begrenzt. Ein Übergreifen der Preisdynamiken auf ländliche Regionen blieb bis- lang aus. Die Mehrheit der Deutschen stürzt sich nicht kopf- los in den Immobilienmarkt. Das zeigen auch die Zahlen zur Verschuldung und zum Kreditgeschäft. So hat sich die Verschuldung der privaten Haushal- te im Verhältnis zum verfügbaren Einkommen in den vergangenen Jahren aufgrund einer modera- ten Kreditaufnahme sogar verringert. Laut der Kreditnehmerstatistik der Deutschen Bundesbank fiel der Anstieg der Immobilienkreditvergabe im zweiten Quartal 2015 mit einer Jahreswachstums- rate von 2,9 % noch moderat aus. In diesem und im kommenden Jahr dürfte das Wachstum der Immobilienkredite zwischen 2,5 und 3,0 % bleiben. Bautätigkeit ausweiten Zwar gehen von den aktuellen Entwicklungen noch keine schwerwiegenden Risiken für die deut- sche Volkswirtschaft aus. Gleichwohl ist erhöhte Wachsamkeit angebracht. Denn, nicht nur dürften die Finanzierungskosten auf mittlere Sicht niedrig bleiben. Auch dürfte der hohe Zuzug in die deut- schen Ballungsräume ausgeprägt bleiben. Dem Wohnungsbau wird daher eine entscheidende Rolle zuteil. Auf Dauer ist er der entscheidende Faktor, der die Preissituation in den Ballungsräu- men entspannen dürfte. Die Ausweitung bezahlbaren Wohnraumes ist da- bei das Ziel. Zum einen gehört hierzu eine konse- quentere Nutzung von Freiflächen innerhalb des Stadtgebietes, solange dies aus städtebaulichen Gründen zumutbar ist. Zum anderen sollte die Attraktivität bestehender Wohngebiete in periphe- rer Lage zu Großstädten aufgewertet werden. Dies kann über eine belastbarere Verkehrsinfra- struktur geschehen als auch über die höhere Bau- tätigkeit in peripheren aber vergleichsweise zent- rumsnahen Gebieten. Das Beispiel vieler Großstäd-
  • 7. Meinung 7 te in Deutschland zeigt, dass bei der Erschließung neuen Wohnraumes noch Luft nach oben ist. So bleiben bis heute potentielle Wohngebiete unge- nutzt. Die Erschließung neuen Wohnraumes dürfte die Wohnsituation in vielen deutschen Großstädten nachhaltig verbessern und mittelfristig Übertrei- bungen am Wohnungsmarkt verhindern. Autor: Jan Philip Weber Mail: j.weber@bvr.de
  • 8. Geldmenge 8 Kreditvergabe etwas schwächer Die Kreditvergabe an den Privaten Sektor ist im September schwächer ausgefallen als im Vormo- nat. Zwar liegen die Kreditbestände nach wie vor leicht über ihren Vorjahresniveaus. Nach den Zah- len der Europäischen Zentralbank (EZB) notierten die Kredite an Unternehmen und private Haushalte im September um 0,7 % über ihrem Vorjahresni- veau. Gleichwohl fiel die Jahreswachstumsrate vom September 0,3 Prozentpunkte niedriger aus als im August. Im Monatsvergleich stieg die Kreditverga- be an die privaten Haushalte um 11 Mrd. Euro. Im August war sie bereits um 9 Mrd. Euro expandiert. Die Kreditvergabe an nichtfinanzielle Unternehmen brach hingegen im September regelrecht ein. Sie verzeichnete einen Rückgang in Höhe von 17 Mrd. Euro, nachdem sie bereits im Vormonat um 1 Mrd. Euro gesunken war. Geldmengenwachstum konstant bei 4,9 % Nach den aktuellen Zahlen der EZB lag das Wachs- tum des breit abgegrenzten Geldmengenaggre- gats M3 im September saisonbereinigt bei 4,9 %. Die Jahreswachstumsrate fiel damit hoch aus wie im August. Stärkster Wachstumstreiber war mit 6,6 Prozentpunkten erneut die besonders liquide Geldmenge M1. Einen Monat zuvor hatte ihr Wachstumsbeitrag bei 6,5 Prozentpunkten gele- gen. Der Beitrag der Termin- und Spareinlagen lag bei -1,7 Prozentpunkten. Er bestätigte damit sei- nen Vormonatswert. Der Wachstumsbeitrag der marktfähigen Finanzinstrumente lag bei null Pro- zentpunkten im September. -5,0 0,0 5,0 10,0 01/13 07/13 01/14 07/14 01/15 07/15 Marktfähige Finanzinstrumente (M3-M2) Termin- und Spareinlagen (M2-M1) Bargeld und Sichteinlagen (M1) M3 insgesamt Kredite an Privatsektor Beiträge zum M3-Wachstum in Prozentpunkten, saisonbereinigt Quelle: Thomson Reuters Datastream, BVR
  • 9. Geldpolitik und Geldmarkt 9 EZB heizt Spekulationen über geldpolitische Lockerung an Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte ihre Geldpolitik bald noch weiter lockern. Im Anschluss an die geldpolitische Sitzung des Zentralbankrates der europäischen Notenbank am 24. Oktober sig- nalisierte EZB-Präsident Mario Draghi die Bereit- schaft des Rates die Geldpolitik erneut zu lockern, wenn es das makroökonomische Umfeld erforder- lich machen sollte. Insbesondere die geringe Dy- namik der Verbraucherpreise bereitet den Noten- bankern Sorgen. Nach Einschätzung der EZB sind die konjunkturellen Abwärtsrisiken spürbar gestie- gen, wodurch sich auch die Inflation nicht so ent- wickeln wird wie erwartet. EZB-Präsident Draghi kündigte an, dass der EZB-Rat auf seiner nächsten Sitzung am 3. Dezember darüber entscheiden werde, ob und inwieweit die europäische Noten- bank die geldpolitischen Zügel noch etwas weiter lockern werde. In der Zwischenzeit solle ausgelotet werden, welche Maßnahmen der aktuellen Situati- on angemessen wären. Draghi wies daraufhin, dass einige Notenbanker im Rat auch bereit gewesen wären, die Geldpolitik schon im Oktober zu lo- ckern. Diskutiert wurde dabei eine erneute Absen- kung des Einlagensatzes. Den Leitzins beließ der EZB-Rat unverändert bei 0,05 %. Sollte die Inflati- onsrate zum Jahresende nicht deutlich anziehen, ist davon auszugehen, dass der EZB-Rat auf seiner nächsten Sitzung im Dezember eine weitere Lo- ckerung seiner Geldpolitik in Form einer Senkung des Einlagensatzes und/oder aber einer Auswei- tung der Anleihekäufe beschließt. Inflationsdruck mittelfristig moderat Der BVR Zins-Tacho signalisiert weiterhin einen moderaten Inflationsdruck für den Euroraum. Das Barometer zur Messung des mittelfristigen Inflati- onsdrucks im Währungsraum bestätigte im Okto- ber seine Vormonatswerte aus dem September Aug 15 Sep 15 Okt 15 BVR Zins-Tacho 48 48 48 Konjunktur (50 %) 57 56 57 Preise/Kosten (40 %) 38 37 37 Liquidität (10 %) 47 45 46 BVR Zins-Tacho Der BVR Zins-Tacho ist ein Indikator für die Inflationsrisiken im Euroraum. Ein Anstieg des BVR Zins-Tachos zeigt steigende, eine Abnahme sinkende Inflationsrisiken an. Eine detaillierte Beschreibung des BVR Zinstachos befindet sich im BVR Volkswirtschaft special Nr. 13/2007 0,00 0,50 1,00 1,50 2,00 2,50 3,00 3,50 4,00 4,50 5,00 25 30 35 40 45 50 55 60 65 70 75 99 01 03 05 07 09 11 13 15 BVR Zins-Tacho EZB-Leitzins in % (rechte Skala) 0 10 20 30 40 60 70 80 90 100 50
  • 10. Geldpolitik und Geldmarkt 10 und August in Höhe von 48 Punkten. Die Unterin- dikatoren blieben im Oktober weitestgehend un- verändert. Der größte Inflationsdruck geht dabei von der Konjunkturkomponente aus. Sie stieg im Oktober um 1 Punkt auf 57 Zähler. Im zweiten Quartal 2015 war der Zins-Tacho noch im Zuge nachlassender Energiepreise und etwas schwäche- rer Konjunkturaussichten um 4 Punkte zurückge- gangen. Geldmarktzinsen sinken leicht Die Zinsen für Termingeschäfte auf dem europäi- schen Geldmarkt sind im Oktober erneut leicht zurückgegangen. Eine besondere Rolle spielten dabei die geldpolitischen Erwartungen an den Finanzmärkten. Nachdem EZB-Präsident Mario Draghi im Anschluss zur geldpolitischen Sitzung des EZB-Rates sehr konkret eine weitere Locke- rung für den kommenden Dezember in Aussicht gestellt hatte, gaben die Terminzinsen auf dem europäischen Geldmarkt nach. Der 3-Monats- Euribor notierte im Zuge dessen am 27. Oktober bei -0,06 %. Das waren 2 Basispunkte weniger als zum Vormonatsultimo. Der 12-Monats-Euribor fiel im gleichen Zeitraum um über 3 Basispunkte auf 0,11 %. Der Tagegeldsatz EONIA lag im Oktober durchschnittlich bei -0,14 % und damit im Schnitt 1 Basispunkt niedriger als im September. 0,00 0,25 0,50 O N D J F M A M J J A S O Notenbankzinseninternational in % Japan** USA* Eurozone *Die Federal Reserve hat seit 16.12.2008einen Zielbereich von 0-0,25 % für die Federal Funds Target Rate festge- setzt. **Die Bank of Japan hat seit 19.12.2008 ein Tages- geld-Zielbereich von rund 0,1 % festgesetzt. -0,5 0,0 0,5 O N D J F M A M J J A S O Wichtige Zinsen im Euroraum Zinssätze in % Spitzenrefinanzierungssatz Tagesgeld(EONIA) Hauptrefinanzierungssatz Einlagenfazilität -0,5 0,0 0,5 1,0 O N D J F M A M J J A S O Quelle: Thomson Reuters Datastream Geld- und Kapitalmarkt Zinssätze in % Umlaufsrendite EZB-Hauptrefinanzierungssatz 3-Monatsgeld
  • 11. Rentenmarkt 11 Deutliche Renditerückgänge bei Staatsanleihen Die Renditen von Staatspapieren aus dem Euro- raum sind im Oktober deutlich zurückgegangen. Sowohl bei den besonders sicheren Staatstiteln aus Deutschland als auch bei Staatsanleihen aus der Euro-Peripherie waren auf Monatssicht deutli- che Renditerückgänge zu verzeichnen. Ausschlag- gebend für diese Entwicklung waren in erster Linie Spekulationen über eine weitere Lockerung der geldpolitischen Geldpolitik im Dezember. Gute Konjunkturdaten aus dem Euroraum konnten sich gegen diesen Trend nicht durchsetzen. Bei Anlei- hen aus den Peripheriestaaten fiel der Rückgang besonders deutlich aus, da deren zum Teil noch angeschlagenen Volkswirtschaften in besonderer Weise von einer erneuten Lockerung und einem wohl dadurch niedrigeren Außenwert des Euro profitieren würden. Die Umlaufrendite börsenno- tierter Bundesanleihen sank um 10 Basispunkte und notierte am 27. Oktober bei 0,35 %. Die Ren- dite der zehnjährigen Bundesanleihen fiel um 15 Basispunkte auf 0,44 %. Ausgesprochen kräftig fiel der Rückgang bei griechischen Papieren auf Monatssicht aus. Kurzlaufende Papiere mit einer Restlaufzeit von zwei Jahren sanken im Oktober um 263 Basispunkte auf 8,44 %. Den griechischen Papieren halfen sowohl die Verabschiedung neuer Reformen als auch die Aussage des französischen Präsidenten François Hollande. Er stellte Griechen- land eine Umschuldung ihrer Staatsschulden in Aussicht. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsan- leihen bestätigte angesichts der Verunsicherung über den geldpolitischen Kurs der Fed ihr Vormo- natsultimo von 2,04 %. 0,0 1,0 2,0 3,0 O N D J F M A M J J A S O Quelle: Thomson Reuters Datastream Ausgewählte Staatsanleihen desEuroraums Renditen in %, Staatsanleihen mit 10-jähriger Restlaufzeit Spanien Frankreich Italien 0,0 1,0 2,0 3,0 O N D J F M A M J J A S O Bedeutende Benchmarkanleihen Renditen in %, Staatsanleihen mit 10-jähriger Restlaufzeit USA Deutschland Japan 0,25 0,50 0,75 1,00 1,25 1,50 O N D J F M A M J J A S O Zinsstruktur am Rentenmarkt SpreadBundesanleihen mit Restlaufzeiten 10/1 Jahr, in %
  • 12. Devisenmarkt 12 Spekulation über Geldpolitik der EZB drückt Euro Der Euro hat in diesem Monat unterm Strich an Wert gegenüber dem US-Dollar verloren. Nachdem der Euro-Dollar Kurs zur Monatsmitte auf über 1,14 US-Dollar angestiegen war, ging er zum Ende des Monats deutlich zurück und fiel sogar unter seinen Vormonatsultimowert von 1,12 US-Dollar je Euro. Zum Monatsende lag der Euro-Dollar Kurs mehr als 1 US-Cent niedriger bei 1,10 US-Dollar. Gestärkt wurde der Euro in der ersten Monatshälf- te von der Verunsicherung der Händler über den weiteren Kurs der Federal Reserve. Angesichts enttäuschender Wirtschaftsdaten aus den USA und den Schwellenländern sowie eines niedrig bleiben- den Preisdrucks setzte sich an den Finanzmärkten die Meinung durch, die Fed werde ihre Zinswende nicht wie geplant noch in diesem Jahr vollziehen. Ein Großteil der Investoren erwartet mittlerweile eine spätere Zinswende in den USA. Grund für den Rückgang des Euro-Dollar Kurses waren Spekulationen über den künftigen Kurs der europäischen Notenbank. EZB-Präsident Mario Draghi hatte im Anschluss an die geldpolitische Sitzung des EZB-Rates eine weitere geldpolitische Lockerung in Aussicht gestellt. Angesichts der zu erwartenden Zinswende in den USA in den kom- menden Monaten und einer möglichen Lockerung der EZB-Geldpolitik dürften die Geldpolitiken dies- wie jenseits des Atlantiks auf absehbare Zeit weiter auseinanderlaufen und den Euro schwächen. 85 90 95 100 105 S O N D J F M A M J J A S Effektiver Wechselkurs desEuro* in EUR, Quartal 1, 1999 = 100 *Nominale Wertentwicklungdes Eurogegenüber den 19 wichtigsten Handelspartnern des Euroraums. Eine Bewe- gung nach oben entspricht einer Aufwertungdes Euro Quelle: Thomson Reuters Datastream 0,6 0,8 1,0 1,2 1,4 O N D J F M A M J J A S O Euro-Wechselkurs (II) Auslandswährungpro Euro Schweizer Franken Britisches Pfund 120 130 140 150 160 0,6 0,8 1,0 1,2 1,4 1,6 O N D J F M A M J J A S O Euro-Wechselkurs (I) AusländerwährungproEuro US-Dollar Japanischer Yen (rechte Skala)
  • 13. Aktienmarkt 13 Geldpolitik hilft DAX auf die Sprünge Der DAX hat in der zweiten Oktoberhälfte von der Aussicht auf eine weitere geldpolitische Lockerung im Währungsraum profitiert. Darüber hinaus beleb- te die Leitzinssenkung der chinesischen Notenbank die Stimmung an den Aktienmärkten. Viele ent- deckten zum Monatsende das Risiko wieder und verstärkten ihr Engagement in Aktien. Die Chancen einer Jahresendrallye stiegen zudem durch Speku- lationen auf eine doch spätere Zinswende in den USA. Bis zum 27. Oktober gewann der DAX deutlich an Wert hinzu. Insbesondere die Kursrally im Anschluss an die geldpolitische Sitzung der EZB sorgte für ein positives Monatsergebnis. Im Vergleich zum Vormonatsultimo legte der DAX um 10,7 % auf 10.692 Punkte zu. Der US-Leitindex gewann eben- falls deutlich an Wert. Er stieg im gleichen Zeitraum um 8,0 % und notierte am 27. Oktober bei 17.581 Punkten. Vor der Monatsendrallye hatten sich die Aktien- märkte noch etwas schwerer getan. Der deutsche Leitindex hatte in der ersten Monatshälfte Schwie- rigkeiten die Marke von 10.000 Punkten hinter sich zu lassen. Einerseits unterstützten die Hoffnungen auf eine Verschiebung der Zinswende in den USA und eine noch lockere Geldpolitik in Europa die Kurse. Andererseits belasteten Gewinnmitnahmen sowie die Sorge der Anleger vor einer Abkühlung der Weltwirtschaft die Kurse. 15.500 16.000 16.500 17.000 17.500 18.000 18.500 O N D J F M A M J J A S O Aktienmarkt USA Dow Jones, 40-/200-Tagesschnitt Quelle: Thomson Reuters Datastream 2.800 3.000 3.200 3.400 3.600 3.800 4.000 O N D J F M A M J J A S O Aktien im Euroraum Euro-Stoxx 50, 40-/200-Tagesschnitt 8.000 9.000 10.000 11.000 12.000 13.000 O N D J F M A M J J A S O Deutscher Aktienmarkt Dax, 40-/200-Tagesschnitt
  • 14. Eurokonjunktur 14 Erholung festigt sich Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute Deutschlands haben am 8. Oktober ihr neues ge- meinsames Herbstgutachten vorgelegt. In dem Gutachten sehen sie den Euroraum in einer sich festigenden Erholung. Das Wirtschaftswachstum werde sich, nach dem günstigen ersten Halbjahr, in der zweiten Jahreshälfte aber nicht weiter be- schleunigen. Gemäß dem Herbstgutachten wird der private Konsum eine wichtige Wachstumsstüt- ze bleiben, da mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit und einem stärkeren Anstieg der Reallöhne zu rechnen sei. Die Expansion der Brut- toanlageinvestitionen werde hingegen vorerst nur verhalten sein. Auch von Seiten der Exporte seien, befördert von der Euro-Abwertung, expansive Impulse zu erwarten. Da allerdings den steigenden Exporten auch zunehmende Importe gegenüber- stünden, dürfte der Außenhandel als Ganzes kei- nen Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten. Insgesamt erwarten die Wirtschaftsforscher für das laufende Jahr 2015 einen Anstieg des preis- bereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,5 %. Für 2016 wird ein BIP-Zuwachs von 1,6 % prognos- tiziert. Wirtschaftsklimaindex legt erneut zu Auf eine Festigung der Erholung im Euroraum deuten auch die aktuellen Ergebnisse der monatli- chen Verbraucher- und Unternehmensbefragung der EU-Kommission hin. Demnach hat sich die wirt- schaftliche Stimmung im September weiter aufge- hellt. Der Wirtschaftsklimaindex ist gegenüber Au- gust um deutliche 1,5 Punkte auf einen Stand von 105,6 Punkten gestiegen. Zum nunmehr dritten Anstieg des Indikators in Folge trug vor allem das gestiegene Vertrauen in den Industrie- und Dienst- leistungsunternehmen bei. 1) Euroraum, in Punkten - Gewichtung: 40 % Industrievertrauen, 30 % Dienstleistungsvertrauen, 20 % Verbrauchervertrauen, 5 % Einzelhandelsvertrauen, 5 % Bauvertrauen 2) Saldo in Prozentpunkten (= Differenz aus positiven und negativen Antworten) Quelle: Thomson Reuters Datastream Wirtschaftsklima im Euroraum 60 70 80 90 100 110 120 07/13 01/14 07/14 01/15 07/15 07/13 01/14 07/14 01/15 07/15 -40 -30 -20 -10 0 10 20 07/13 01/14 07/14 01/15 07/15 Gesamt1 Dienstleister2 Verbraucher2 Einzelhandel2 Bau2Industrie2 07/13 01/14 07/14 01/15 07/15 07/13 01/14 07/14 01/15 07/15 07/13 01/14 07/14 01/15 07/15
  • 15. Eurokonjunktur 15 Industrie mit geringerer Produktion Die Industrie konnte im August nicht an die güns- tige Entwicklung des Vormonats anknüpfen. Wie Eurostat anhand vorläufiger Angaben mitteilte, ist die industrielle Produktion des Euroraums mit einer Verlaufsrate von 0,5 % gesunken, nachdem sie im Juli aufwärtsrevidiert noch um 0,8 % zugelegt hatte. Für die nächsten Monate lässt der Order- Indikator eine moderate Belebung der Industrie- konjunktur erwarten. Der Indikator ist im Septem- ber gegenüber August um 0,8 Punkte auf -11,1 Punkte gestiegen. Rückläufige Verbraucherpreise Im September ist die Inflationsrate des Euroraums erneut in den negativen Bereich gesunken. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) lag um 0,1 % unter seinem Vorjahresstand. Im August waren die Verbraucherpreise noch um 0,1 % ge- stiegen. Für den Rückgang der Gesamtrate waren vor allem die Energiepreise verantwortlich. Ohne Berücksichtigung von Energie blieb die Inflationsra- te unverändert bei 1,0 %. Breite Streuung der Arbeitslosenquoten Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote des Euroraums blieb im August gegenüber dem Vor- monat unverändert bei 11,0 %. Unter den Euro- Staaten verzeichneten Deutschland (4,5 %) und Malta (5,1 %) die niedrigsten und Griechenland (25,2 % im Juni) und Spanien (22,2 %) die höchsten Quoten. 10,0 11,0 12,0 13,0 07/13 01/14 07/14 01/15 07/15 Arbeitslosenquote Euroraum, saisonbereinigt Quelle: Thomson Reuters Datastream -4,0 -2,0 0,0 2,0 4,0 -2,0 -1,0 0,0 1,0 2,0 3,0 07/13 01/14 07/14 01/15 07/15 Verbraucher- undErzeugerpreise Euroraum, in % gg. Vorjahr Kerninflation* Erzeugerpreise (rechte Skala) Verbraucherpreise *ohne Energie undunbearbeitete Lebensmittel -80 -60 -40 -20 0 20 90 100 110 120 07/13 01/14 07/14 01/15 07/15 Aufträge und Produktion Euroraum, saisonbereinigt Produktion Aufträge (rechte Skala)* *Order-Indikator der EU-Kommission
  • 16. Deutsche Konjunktur 16 Wirtschaftsforscher vermindern Prognosewert Der aktuellen Gemeinschaftsdiagnose der Wirt- schaftsforschungsinstitute zufolge ist die konjunk- turelle Entwicklung Deutschlands stabil. Das deut- sche Bruttoinlandprodukt (BIP) wird nach Ein- schätzung der Wirtschaftsforscher sowohl 2015 als auch 2016 preisbereinigt um 1,8 % expandieren. Der Prognosewert für das laufende Jahr wurde damit gegenüber dem Frühjahrsgutachten leicht um 0,3 Prozentpunkte nach unten revidiert, wäh- rend der Wert für das kommende Jahr unverän- dert blieb. Die Abwärtskorrektur für das laufende Jahr wird im Herbstgutachten insbesondere mit den privaten Konsumausgaben begründet, die bislang weniger kräftig gestiegen seien als erwar- tet. Dennoch werde der Privatkonsum im Progno- sezeitraum weiterhin die zentrale Stütze des ge- samtwirtschaftlichen Wachstums bleiben. Die In- vestitionen werden nach Ansicht der Konjunktur- forscher erst allmählich an Fahrt aufnehmen. Vom Außenhandel seien nur wenige Wachstumsimpul- se zu erwarten, da die Weltwirtschaft lediglich mäßig expandieren und die stimulierende Wir- kung der Euro-Abwertung nachlassen werde. Dem Herbstgutachten zufolge wird die Beschäfti- gung weiter ausgeweitet. In 2016 werde wegen der Zuwanderung von Flüchtlingen jedoch auch die Arbeitslosenzahl etwas zulegen. Für die Inflati- onsrate wird ein Anstieg von 0,3 % im laufenden auf 1,1 % im kommenden Jahr prognostiziert. Der BVR hält das Konjunkturbild der Wirtschaftsfor- schungsinstitute insgesamt für realistisch. Der BVR rechnet weiterhin damit, dass das preisbereinigte BIP in 2015 um 1,8 % und in 2016 um 1,7 % stei- gen wird. Wachstumsdelle in der Industrie Die amtlichen Monatsdaten zur Industriekonjunk- tur fielen zuletzt verhalten aus. Vor dem Hinter- grund der ungewöhnlich späten Lage der Schul- IMF BVR RWI GD; REGDIW IMK 1,0 1,5 2,0 2,5 Jul 15 Aug 15 Sep 15 Okt 15 Bbk - Deutsche Bundesbank DIW - Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Berlin GD - Gemeinschaftsdiagnose (Frühjahrs- bzw. Herbstprognose) HWWI - Hamburger WeltWirtschaftsInstitut ifo - Institut für Wirtschaftsforschung, München IfW - Institut für Weltwirtschaft, Kiel IMF - Internationaler Währungsfonds IMK - Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung IW - Institut der deutschen Wirtschaft, Köln IWH - Institut für Wirtschaftsforschung, Halle KOM - Europäische Kommission OECD - Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung REG - Bundesregierung RWI - Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung, Essen SVR - Sachverständigenrat Quelle: BVR BVR IfW HWWI; IWH Konjunktur 2016 - Prognosen für Deutschland preisbereinigt, Jahreswachstumsratedes BIP in % OECD
  • 17. Deutsche Konjunktur 17 ferien in vielen Bundesländern waren sowohl bei der Produktion als auch beim Auftragseingang Rückgänge zu verzeichnen. Die Industrieprodukti- on ist im August gegenüber dem Vormonat preis-, saison- und arbeitstäglich bereinigt um 1,1 % gesunken. In dem für konjunkturelle Analy- sezwecke besser geeignetem Zweimonatsver- gleich Mai/Juni gegenüber Juli/August nahm die Erzeugung jedoch nur leicht um 0,2 % ab. Der industrielle Auftragseingang ist im August gegen- über dem Vormonat um 1,8 % zurückgegangen. Darüber hinaus wurde der Juli-Wert nach unten revidiert. Im Zweimonatsvergleich gaben die Be- stellungen um 2,2 % nach. Maßgeblich hierfür war der Rückgang der Auslandsorders (-4,6 %), der durch die steigende Inlandsnachfrage (+1,4 %) nur teilweise kompensiert werden konnte. Auch der grenzüberschreitende Handel der deutschen Wirtschaft hat im August merklich an Schwung eingebüßt. Die Ausfuhren sind gegen- über dem Vormonat saisonbereinigt um 5,2 % zurückgegangen. Zuvor, im Juli, waren sie noch mit einer Verlaufsrate von 2,2 % gestiegen. Die Einfuhren sind im August um 3,1 % gesunken, nachdem sie im Vormonat um 2,3 % zugelegt hatten. Ähnlich wie bei den Industriedaten dürfte die Entwicklung der Außenhandelsdaten zuletzt durch die ungünstige Konstellation der Ferientage überlagert worden sein. Der merkliche Rückgang der Ausfuhren und Einfuhren ist jedoch auch als Indiz für die schwächere Gangart in den Schwel- lenländern zu sehen. 70 80 90 100 110 07/13 01/14 07/14 01/15 07/15 Außenhandel in Mrd. Euro, saisonbereinigt Ausfuhren Einfuhren Quelle: Thomson Reuters Datastream 90 100 110 120 130 07/13 01/14 07/14 01/15 07/15 Aufträge 2010=100, preis-und saisonbereinigt Aufträge aus dem Inland Aufträge aus dem Ausland 90 100 110 120 07/13 01/14 07/14 01/15 07/15 Produktion 2010=100, preis-und saisonbereinigt Baugewerbe Industrie
  • 18. Deutsche Konjunktur 18 Stimmungsindikatoren gefallen Im Oktober haben sowohl der ifo Geschäfts- klimaindex als auch die ZEW-Konjunkturerwar- tungen für Deutschland nachgegeben. Der ifo Geschäftsklimaindex ist gegenüber November leicht um 0,3 Punkte auf 108,2 Punkte gesunken, nachdem er zuvor drei Monate in Folge gestiegen war. Ausschlaggebend für den Rückgang war die aktuelle Lage, die von den vom ifo Institut befrag- ten Unternehmen per Saldo weniger positiv be- wertet wurde als zuvor. Die Geschäftserwartun- gen für das nächste halbe Jahr wurden hingegen von den Umfrageteilnehmern insgesamt etwas günstiger beurteilt. Optimistisch stimmt zudem, dass sich bei den befragten Unternehmen der Automobilindustrie das Geschäftsklima – trotz des VW-Abgasskandals – weiter verbessert hat. Die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsfor- schung (ZEW) anhand einer Umfrage unter Fi- nanzmarktexperten ermittelten ZEW-Konjunk- turerwartungen sind im Oktober sichtlich um 10,2 Punkte auf 1,9 Punkte gesunken. Zum erneu- ten Rückgang der Konjunkturerwartungen dürf- ten vor allem die anhaltenden Sorgen um die Entwicklung in den Schwellenländern beigetragen haben. Stagnation der Verbraucherpreise Der allgemeine Preisauftrieb ist in Deutschland im September zum Stillstand gekommen. Die Inflati- onsrate, basierend auf der jährlichen Veränderung des Verbraucherpreiseindexes (VPI), ging gegen- über August um 0,2 Prozentpunkte auf 0,0 % 0 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 12.000 01/13 07/13 01/14 07/14 01/15 Verbraucher Unternehmen Insolvenzen Monatliche Fallzahlen Quelle: Thomson Reuters Datastream -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 -1 0 1 2 3 4 5 07/13 01/14 07/14 01/15 07/15 Verbraucherpreise Kerninflation* Erzeugerpreise (rechte Skala) Verbraucher- undErzeugerpreise gg. Vorjahr in % *ohne Energie und Lebensmittel 95 100 105 110 115 120 -20 0 20 40 60 80 07/13 01/14 07/14 01/15 07/15 Wirtschaftliche Einschätzung saisonbereinigt ZEW-Konjunkturerwartungen ifo Geschäftsklimaindex* *rechte Skala,2010=100
  • 19. Deutsche Konjunktur 19 zurück. Die Gesamtentwicklung des Verbraucher- preisindexes wurde erneut vor allem durch die Mineralölpreise beeinflusst, deren Abwärtsbewe- gung sich nochmals verstärkte. Auch bei den Er- zeugerpreisen gewerblicher Produkte hat sich der Preisrückgang etwas beschleunigt. Der Erzeuger- preisindex lag im September um 2,1 % unter sei- nem Vorjahreswert. Im August hatten die Erzeu- gerpreise noch um 1,7 % nachgegeben. Mehr Unternehmensinsolvenzen Im Juli hat sich das Insolvenzgeschehen weiter entspannt. Die Anzahl der Unternehmensinsol- venzen ist jedoch im Vergleich zum Juli 2014 et- was gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, legten sie um 3,6 % auf 2.187 Fälle zu. Die Anzahl der Verbraucherinsolvenzen ist jedoch nach wie vor rückläufig. Sie gab binnen Jahresfrist um 13,5 % auf 6.927 Fälle nach. Insgesamt ist die Zahl der Insolvenzen von Unternehmen, Verbrau- chern und anderen Schuldnern im Juli um 9,9 % auf 11.245 zurückgegangen. Günstige Arbeitsmarktentwicklung hält an Vor dem Hintergrund der allgemeinen Herbstbe- lebung und der guten Konjunktur befindet sich der deutsche Arbeitsmarkt weiterhin im Aufwind. Nach vorläufigen Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist die Anzahl der Arbeitslosen von August auf September um 88.000 auf 2,708 Mio. Menschen zurückgegangen. In saisonbereinigter Rechnung legte die Arbeitslosenzahl im Septem- ber zwar leicht um 2.000 Personen zu. Im Vormo- nat hatte sie jedoch um 6.000 nachgegeben. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote blieb zuletzt unverändert bei 6,4 %. Bei den Monatsdaten zur Erwerbstätigkeit und zur sozialversicherungs- pflichtigen Beschäftigung setzten sich die Auf- wärtstrends fort. Die saisonbereinigte Erwerbstä- tigenzahl nahm nach aktuellen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im August gegenüber dem Vormonat um 46.000 Personen zu. Im Vor- jahresvergleich war ein Anstieg um 230.000 auf 43,09 Mio. Menschen zu verzeichnen. Die Beschäf- tigtenzahl ist jüngst, im Juli, gegenüber dem Vorjahresmonat sogar um kräftige 608.000 auf 30,73 Mio. gestiegen. In Hinblick auf die nahe Zukunft ist mit einem weiteren Beschäftigungs- aufbau zu rechnen. Dies lässt zumindest die Zahl der bei der BA gemeldeten offenen Stellen erwar- ten, die im September saisonbereinigt um 5.000 wuchs. Demnach werden derzeit vor allem Ar- beitskräfte in den Berufsfeldern Metallerzeugung, Metallbearbeitung, Metallbau, Verkauf sowie Verkehr und Logistik gesucht. 42.100 42.300 42.500 42.700 42.900 43.100 6,0 6,5 7,0 7,5 07/13 01/14 07/14 01/15 07/15 Erwerbstätige u. Arbeitslosenquote in Tsd., saisonbereinigt Arbeitslosenquote Erwerbstätige* *rechte Skala Quelle: Thomson Reuters Datastream