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11. Juli 2017 M. Jaun Seite 1 / 5
Taalance
Nimmt uns die Digitalisierung den Job weg?
Computer können unstrukturierte Situationen nicht bearbeiten, erkennen Zusammenhänge zwischen
verschiedenen Fachgebieten nicht und weiche Materie wie Gefühle oder soziale Zusammenhänge
bleiben ihnen für immer verwehrt. Deshalb wird der Mensch den Computern immer einiges voraus
haben. So wird es geschrieben – immer wieder. Aber: Selbstfahrende Autos kommen heute mit völlig
unstrukturierten Situationen zurecht, meistern zahllose überraschende Ereignisse und erfassen
schnell ablaufende, sich verändernde Situationen. Ist die Furcht also doch berechtigt, dass uns der
alleskönnende Computer eines Tages überflüssig macht?
Die Digitalisierung in den Massenmedien
Kaum ein anderer Trend wird in den Massenmedien so oft und so spektakulär dargestellt wie die Digi-
talisierung. In der Berichterstattung schwingen Bewunderung für die Möglichkeiten der Technik
ebenso mit wie Besorgnis vor dramatischen Veränderungen. Die Artikel enden deshalb nicht selten in
politischen Forderungen: das Grundeinkommen als Lösung für drohende Arbeitslosigkeit, die Integra-
tion von Sozialversicherungsabrechnungen in Vermittlungsplattformen zur Sicherung der Sozialwerke
oder neue Steuersysteme zur Gewährung von gleichverteiltem Einkommen und Vermögen. Schauen
wir uns die Thematik etwas genauer an, indem wir den Erkenntnissen dreier Studien nachgehen.
Der Auftakt: die alarmierende Aussage zum amerikanischen Arbeitsmarkt
Als die zwei in England tätigen Wissenschaftler Carl Benedikt Frey und Michael Osborne im Septem-
ber 2013 ihre Studie publizierten, musste ihnen klar gewesen sein, dass diese grossen Widerhall aus-
lösen würde. Sie hatten sich die Frage gestellt, in welchem Umfang die Tätigkeiten amerikanischer
Berufe zu automatisieren seien. Nach intensivem Studium der Geschichte technischer Revolutionen
konnten sie das überraschende Ausmass der von ihnen propagierten Automatisierungsmöglichkeiten
gut einordnen.
Das Aufkommen von Bürogeräten wie Schreib- und Rechenmaschinen reduzierte die Kosten der In-
formationsverarbeitung und erhöhte die Nachfrage nach ausgebildeten Büroangestellten. Die Technik
trieb die Ausbildung und somit die Stärkung des Mittelstandes voran. Die Computer-Revolution der
80er Jahre akzentuierte dann die Lohnentwicklung von Ingenieuren, Programmierern und IT-Consul-
tants. Zugleich sanken die Löhne von Personen mit Routinearbeiten. Das Resultat war eine gewisse
Polarisierung des Arbeitsmarktes mit einer Zunahme gut bezahlter, intellektueller Stellen einerseits
und schlechter bezahlten manuellen Tätigkeiten andererseits. Die Computer-Revolution reduzierte die
Zahl mittelqualifizierter Stellen mit Routinetätigkeiten. Die Technologiewechsel führten während Über-
gangszeiten zu Arbeitslosigkeit. Die Wegrationalisierung traditioneller Arbeitsplätze verlief schneller
als die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Doch langfristig wurden sogar Arbeitsplätze dazugewonnen.
Bisher konnte die Technik kognitive und manuelle Routinetätigkeiten substituieren. Mit neuen Sensor-
techniken, Big Data und Maschinenlernen können auch nicht routinisierte kognitive Aufgaben in wohl
definierte Probleme überführt werden. Auf manuellem Gebiet stösst fingerfertigere und ständig billiger
werdende Robotik in das Reich nicht routinemässiger Tätigkeiten vor. Der Hauptvorteil der Computer
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liegt dabei in der unendlichen Vervielfachung einmal gefundener technischer Lösungen. Während
sich Wissensarbeiter zu einem gewissen Grad anpassen und behaupten können, werden unqualifi-
zierte Arbeiter ihre Stelle verlieren.
Der Mensch weist gegenüber der Robotik mehrere Vorteile auf: extreme Bewegungsfähigkeit, Finger-
fertigkeit wie auch Fortbewegungsfähigkeit in engen, räumlichen Verhältnissen. Kreativität und Intelli-
genz lassen den Menschen im Unterschied zu Computern neuartige und wertvolle Gedanken produ-
zieren. Soziale Wahrnehmung, Empathie, Überzeugungskraft und Verhandlungsgeschick ermögli-
chen den Austausch mit anderen Menschen und damit die Zusammenarbeit. Diese Vorteile des Men-
schen stellen aus der Sicht von Computertechnologen „Flaschenhälse“ zur Digitalisierung von Tätig-
keiten dar. Zur Erforschung der Bedrohung von Arbeitsstellen durch die Digitalisierung untersuchten
Frey und Osborne 702 Berufsbeschreibungen des US-Arbeitsmarktes. Für jeden Beruf schätzten sie
die Wahrscheinlichkeit zur Überwindung der neun „Flaschenhälse“ ein. Ihr Forschungsresultat war
wie gesagt spektakulär und löste in der ganzen Welt Schlagzeilen aus: „According to our estimates,
about 47 percent of total US employment is at risk.“ Jeder zweite Job ist also gefährdet, in den kom-
menden 10-20 Jahren automatisiert zu werden. In einer ersten Welle werden viele Arbeitende im
Transportgewerbe und der Logistik zusammen mit Büroangestellten und Produktionsarbeitern ersetzt
werden. Überraschenderweise werden auch Verkäufer, Schalterpersonal und Personen im Kunden-
dienst davon betroffen sein. Das ist bedeutend, denn gerade im Dienstleistungsbereich sind in den
letzten Jahrzehnten viele neue Stellen entstanden. Die Digitalisierung trifft also wenig qualifizierte und
bereits heute tief entlohnte Personen. In einer zweiten Welle würden durch die Überwindung von Hür-
den in den Bereichen Kreativität und soziale Fähigkeiten ganz neue Einsatzgebiete des Computers
möglich werden.
Die Abbildung zeigt
rechts die Berufe mit
einem hohen Risiko
digitalisiert zu wer-
den. Die Berufe im
linken Drittel der Gra-
fik sind schwieriger
zu digitalisieren und
daher weniger anfäl-
lig, vom Computer
substituiert zu wer-
den.
Die Forscher erklärten, dass diese Aussagen lediglich im Sinne der technischen Machbarkeit zu ver-
stehen seien. Sie behaupteten jedoch nicht, dass die betreffenden Arbeitsstellen auch tatsächlich au-
tomatisiert werden würden. Auf diese Aussage mussten sie sich später berufen. Denn auf die Verbrei-
tung ihrer Resultate folgte heftige Kritik. Viele Tätigkeiten heutiger Berufe könnten nicht entbündelt
werden, indem Computer die qualifizierten und Menschen die unqualifizierten Arbeiten ausführten,
11. Juli 2017 M. Jaun Seite 3 / 5
ohne dass eine wesentliche Qualitätsverschlechterung resultiere. Die Automatisierung ganzer Berufe
sei somit nicht möglich. In einem Artikel unter dem Titel „Die Pi-mal-Daumen-Studie“ wird die Sicht-
weise der beiden Forscher zu einer "déformation professionnelle" degradiert. Computeringenieure
würden das Potenzial ihrer Technik natürlicherweise überschätzen. Doch es kam auch zu anderen
Reaktionen: Wissenschaftler haben den methodischen Ansatz auf den Schweizer Arbeitsmarkt ange-
wandt und fanden heraus, dass auch in der Schweiz rund die Hälfte der Jobs digitalisierbar wäre.
World Economic Forum: eine umfassendere Betrachtung – doch ebenso ein Warnruf
Als Vorbereitung auf das Jahrestreffen 2016 publizierte das World Economic Forum eine weltweit
ausgerichtete Studie zu den Auswirkungen der vierten industriellen Revolution. Dieses Dokument rüt-
telte in einem noch umfassenderen Sinne auf als die Studie von Frey und Osborne. Zur Erklärung des
Einflusses von disruptiven Veränderungen auf Beschäftigung, Kompetenzen und Rekrutierungsver-
fahren wurden Personalchefs und andere Vertreter des oberen Managements von 371 Grossfirmen in
15 Ländern befragt.
Die zentrale Botschaft der Studie ist einfach: in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen wird
es rasch zu grundlegenden Veränderungen kommen. Disruptive Veränderungen der Geschäftsmo-
delle werden neue Stellen schaffen, andere eliminieren, die Arbeitsproduktivität steigern und zwi-
schen Stellenprofilen und Kompetenzen von Berufsleuten eine Kluft entstehen lassen. 65% der Kin-
der, welche in die Volksschule eintreten, werden heute noch nicht existierende Berufe ausüben. Sozi-
ale Fähigkeiten wie Überzeugungsfähigkeit, emotionale Intelligenz, aktives Zuhören und Lehrtätigkeit
werden in allen Branchen stark verlangt sein. Der gekonnte Umgang mit Computern, aktives Lernen,
Kreativität, mathematisches Argumentieren und kritisches Denken werden Kernkompetenzen sein.
Stark zulegen werden Stellen in Architektur und Ingenieurswesen, Computer und Mathematik-Diszipli-
nen. Aber im Bereich der Administrations- und Büroberufe wird es aufgrund von Technologien wie Big
Data, Cloud-Services und dem Internet of Things zu einer einschneidenden Stellenreduktion kom-
men. Bis zum Jahr 2020 werden in den untersuchten Ländern 7.1 Millionen Stellen verloren gehen –
davon zwei Drittel im Bereich der Büro- und Administrationsberufe – und rund 2 Millionen Stellen wer-
den in mehreren kleineren, hochqualifizierten Berufsfamilien neu entstehen. Frauen werden stärker
tangiert werden als Männer. Erstens werden sie vom starken Beschäftigungswachstum im MINT-Be-
reich weniger profitieren und zweitens werden sie von den Reduktionen im Büro- und Administrations-
bereich stärker getroffen. Zwei Berufsgruppen werden übermässig stark nachgefragt werden: Daten-
analysten und spezialisierte Verkäufer, denn die neuen Produkte werden erklärungsbedürftig sein.
Für die hier untersuchte Gruppe von Ländern, zu der auch China und Indien gehören, stellt ein Ver-
lust von 5 Millionen Arbeitsstellen eine bescheidene Abnahme dar. Diese Studie zeichnet bezüglich
der Automatisierung von Arbeit also ein deutlich milderes Bild als die Studie von Frey und Osborne.
Die Länderdaten decken zudem auf, dass die Situation für Deutschland verhältnismässig günstig ist.
11. Juli 2017 M. Jaun Seite 4 / 5
Deutschland und mehr noch die Schweiz dürften vom hohen Bildungsniveau profitieren und sich ei-
nen grossen Anteil der neu entstehenden, hoch qualifizierten Stellen sichern können. Für Schwellen-
länder wird die Situation gerade gegenteiliger Art sein. Da ihr Produktionssektor noch stark ist und
viel ausführendes Personal beschäftigt, wird die Automatisierung der Produktionsanlagen zu zahlrei-
chen Arbeitslosen führen.
Der entspannte Blick der Zukunftsgestalter
Im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales wurde mit der Studie „Arbeitsmarkt 2030
– Wirtschaft und Arbeitsmarkt im digitalen Zeitalter“ versucht, die Auswirkungen des jüngsten Flücht-
lingszustroms auf den deutschen Arbeitsmarkt sowie Chancen und Risiken der Digitalisierung abzu-
schätzen. Damit Politik und Wirtschaft bewusst werde, dass auch die Digitalisierung ein aktiv gestalt-
barer Vorgang ist, wurden zwei Szenarien entwickelt und mit ökonometrischen Modellen quantifiziert.
Das „Basisszenario“ berücksichtigt den starken Anstieg der Zuwanderung seit 2013. Es geht davon
aus, dass die fluchtbedingte Zuwanderung bis 2020 abebben wird. Das Szenario geht von einer steti-
gen Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft aus, setzt aber keinen Handlungsschwerpunkt auf
Entwicklung und Einsatz digitaler Techniken. Es unterstellt die Fortsetzung des bereits wirksamen
Strukturwandels hin zu wissensintensiven, kulturellen und sozialen Diensten. Dies hat starke Be-
schäftigungsgewinne bei den Unternehmensdiensten, Sozialwesen und Heimen, der Personalvermitt-
lung sowie im Gesundheitswesen zur Folge. Der Abbau von Arbeitsplätzen findet vor allem in der öf-
fentlichen Verwaltung, dem Maschinenbau sowie im Hotel- und Gastrobereich statt.
Die Zahl der Hochschulabgänger wird bis 2030 stark steigen, jene der Fachhochschulabgänger stag-
niert und Personen mit Berufslehren werden weniger werden. Die Wissenschaftler gehen davon aus,
dass 70% der Flüchtlinge nach fünf Jahren eine verwertbare berufliche Bildung besitzen. Die fluchtbe-
dingte Zuwanderung begünstigt vor allem die sozialen und personenbezogenen Dienste, während
Warenproduktion und Unternehmensdienste eher durch die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte
profitieren werden. Die Fachkräftelücke wird bis zum Prognosehorizont schrumpfen, jedoch bestehen
bleiben.
Das Szenario „Beschleunigte Digitalisierung“ geht von einer Entwicklungsstrategie aus, welche auf
die intensive Nutzung und Anwendung der digitalen Technik durch Bevölkerung, Wirtschaft und öf-
fentliche Hand setzt und die technologische Führerschaft im Bereich der vernetzten Industrieproduk-
tion (Industrie 4.0) anstrebt. Die Herausforderung dieses Szenarios wird darin bestehen, eine Weiter-
bildungsinitiative mit grosser Breitenwirkung zu entfalten. Weiter müssen Breitbandnetze gebaut, die
gesetzlichen Grundlagen zum Datenschutz verbessert und die Forschung im Bereich digitaler Tech-
nologien intensiviert werden. Dann wird der technologische Wandel einen entscheidenden Beitrag zur
Überwindung der Fachkräfteengpässe leisten. In der Tat kann man von einer Revolution sprechen,
denn die hohen Innovationsraten und die rasche Diffusion der Informationstechnologie verändern
Märkte, Unternehmen und Arbeitsplätze in bisher kaum bekanntem Ausmass.
Entgegen der vielfach geäusserten Erwartungen, die Digitalisierung gefährde Arbeitsplätze in gros-
sem Umfang, zeigen die Modellrechnungen, dass es durch eine beschleunigte Digitalisierung gelin-
gen kann, wirtschaftliches Wachstum und Beschäftigung zu erzeugen. Der entscheidende Unter-
schied zu der von Frey und Osborne vorgelegten Studie besteht darin, dass diese Arbeit nicht nur die
Gefährdungspotenziale durch digitale Technik quantifiziert, sondern auch die positiven Nachfrageef-
fekte von Produktinnovationen, Kosten- und Preissenkungen berücksichtigt. Dies wendet das Blatt
und führt zu einem beträchtlichen Beschäftigungsgewinn.
Die beschleunigte Digitalisierung löst vor allem in den Herstellerbranchen für digitale Technik und
Dienste starke Beschäftigungsimpulse aus. In den Anwenderbranchen wird die digitale Technik hin-
gegen Arbeit freisetzen. Die Nachfrage nach IT-Berufen, Berufen der Unternehmensführung und -or-
ganisation sowie Berufen im Bereich Werbung und Marketing wird grösser. Gleichzeitig steigt im
Zuge von Industrie 4.0 der Bedarf an Mechatronikern sowie Maschinen- und Fahrzeugtechnikern. Im
Vergleich zum Basisszenario erhöht die beschleunigte Digitalisierung den Bedarf an Arbeitskräften
11. Juli 2017 M. Jaun Seite 5 / 5
mit Hochschulbildung bis zum Jahr 2030 wesentlich: Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler,
Ingenieure, Mathematiker und Naturwissenschaftler sowie Sprach- und Kulturwissenschaftler und
Künstler. Die Zahl der Fachkräfte mit einer Berufslehre wird leicht abnehmen.
Diese Studie legt nun sogar einen Gewinn an Arbeitsplätzen nahe. Es scheint, dass die Studien umso
nüchterner ausfallen je später sie erarbeitet worden sind. Das Phänomen Digitalisierung hat mit fort-
schreitender Analyse an Schrecken verloren und ist greifbarer geworden. Ebenso scheinen die Er-
kenntnisse positiver zu werden, je mehr sich die Betrachtungen auf hochentwickelte Volkswirtschaf-
ten mit einem starken Dienstleistungssektor konzentrieren. Diese Länder rechnen sich aus, zu den
Gewinnern der globalen Arbeitsteilung zu gehören und haben ihre Wettbewerbsstrategie schon fest-
gelegt. Während Deutschland den Fokus auf die vernetzte Industrieproduktion legt, positioniert sich
die Schweiz als weltweiter Hub für Datenspeicherung, Datenschutz und Datensicherheit.
Und was glauben wir nun?
Die Angst, dass menschliche Arbeit durch Maschinen ersetzt werden könnte, kommt in der Wirt-
schaftsgeschichte immer wieder vor. Die Wirtschaftsgeschichte zeigt, dass die bisherigen technologi-
schen Revolutionen in der Schweiz nie zu einem langdauernden, substanziellen Beschäftigungsrück-
gang geführt haben. Es entstanden im Gegenteil neue Berufe, Arbeitsplätze, Unternehmen und In-
dustrien. So sind auch angesichts der Digitalisierung Vertreter von SECO und Arbeitgeberverbänden
der Meinung, dass durch die digitale Transformation zahlreiche wertschöpfungsintensive Arbeits-
plätze entstehen und den hohen Wohlstand der Schweiz sichern werden.
Dennoch fragt sich, ob die Automatisierung nicht schneller abläuft als die Entstehung der neuen Stel-
len und es zwischenzeitlich zu einer technologischen Arbeitslosigkeit kommt. In der Vergangenheit ist
dies vorgekommen. Die zweite offene Frage betrifft die Entlohnung der neu entstehenden Stellen.
Wird man insbesondere von weniger qualifizierten Arbeiten und den qualifizierten Freelancertätigkei-
ten auch gut leben können? Die aktuelle Erfahrung mit Clickwork deutet leider in die falsche Richtung.
Die Preise auf den Internetmärkten sind sehr tief und hält die Clickworker in einer prekären Lebenssi-
tuation gefangen. Es kann also durchaus sein, dass die Zahl der working poor zunimmt.
Der Gewinn an Arbeitsplätzen resultiert nur, wenn die Voraussetzungen zur erfolgreichen Bewälti-
gung der Veränderungen geschaffen werden können. Hierzu müssen die politischen Prozesse rasch
genug ablaufen und zielkonform ausfallen. Und schliesslich müssen auch die Arbeitnehmer mitma-
chen, indem sie sich fortlaufend weiterbilden.
Zu bemerken ist noch, dass die Diskussion rund um die Automatisierung eigentlich merkwürdiger Art
ist: Würde menschliche Arbeitskraft tatsächlich überflüssig gemacht, bestünde das Problem ja nicht
darin, dass den Menschen etwas fehlen würde. Das Problem wäre einzig die Verteilung der produ-
zierten Güter, also des erreichten Wohlstandes.
Quellen
Frey, C.B. & Osborne, M.A. (September 2013). The Future of Employment: How susceptible are jobs
to computerisation?
World Economic Forum (Januar 2016). The future of Jobs. Employment, Skills and Workforce Strat-
egy for the Fourth Industrial Revolution.
Vogler-Ludwig, K., Düll, N., Kriechel, B. (Juli 2016). Arbeitsmarkt 2030 – Wirtschaft und Arbeitsmarkt
im digitalen Zeitalter. Prognose 2016. Economix.
© Markus Jaun, Spiez, 11.07.2017

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Artikel zur Digitalisierung

  • 1. 11. Juli 2017 M. Jaun Seite 1 / 5 Taalance Nimmt uns die Digitalisierung den Job weg? Computer können unstrukturierte Situationen nicht bearbeiten, erkennen Zusammenhänge zwischen verschiedenen Fachgebieten nicht und weiche Materie wie Gefühle oder soziale Zusammenhänge bleiben ihnen für immer verwehrt. Deshalb wird der Mensch den Computern immer einiges voraus haben. So wird es geschrieben – immer wieder. Aber: Selbstfahrende Autos kommen heute mit völlig unstrukturierten Situationen zurecht, meistern zahllose überraschende Ereignisse und erfassen schnell ablaufende, sich verändernde Situationen. Ist die Furcht also doch berechtigt, dass uns der alleskönnende Computer eines Tages überflüssig macht? Die Digitalisierung in den Massenmedien Kaum ein anderer Trend wird in den Massenmedien so oft und so spektakulär dargestellt wie die Digi- talisierung. In der Berichterstattung schwingen Bewunderung für die Möglichkeiten der Technik ebenso mit wie Besorgnis vor dramatischen Veränderungen. Die Artikel enden deshalb nicht selten in politischen Forderungen: das Grundeinkommen als Lösung für drohende Arbeitslosigkeit, die Integra- tion von Sozialversicherungsabrechnungen in Vermittlungsplattformen zur Sicherung der Sozialwerke oder neue Steuersysteme zur Gewährung von gleichverteiltem Einkommen und Vermögen. Schauen wir uns die Thematik etwas genauer an, indem wir den Erkenntnissen dreier Studien nachgehen. Der Auftakt: die alarmierende Aussage zum amerikanischen Arbeitsmarkt Als die zwei in England tätigen Wissenschaftler Carl Benedikt Frey und Michael Osborne im Septem- ber 2013 ihre Studie publizierten, musste ihnen klar gewesen sein, dass diese grossen Widerhall aus- lösen würde. Sie hatten sich die Frage gestellt, in welchem Umfang die Tätigkeiten amerikanischer Berufe zu automatisieren seien. Nach intensivem Studium der Geschichte technischer Revolutionen konnten sie das überraschende Ausmass der von ihnen propagierten Automatisierungsmöglichkeiten gut einordnen. Das Aufkommen von Bürogeräten wie Schreib- und Rechenmaschinen reduzierte die Kosten der In- formationsverarbeitung und erhöhte die Nachfrage nach ausgebildeten Büroangestellten. Die Technik trieb die Ausbildung und somit die Stärkung des Mittelstandes voran. Die Computer-Revolution der 80er Jahre akzentuierte dann die Lohnentwicklung von Ingenieuren, Programmierern und IT-Consul- tants. Zugleich sanken die Löhne von Personen mit Routinearbeiten. Das Resultat war eine gewisse Polarisierung des Arbeitsmarktes mit einer Zunahme gut bezahlter, intellektueller Stellen einerseits und schlechter bezahlten manuellen Tätigkeiten andererseits. Die Computer-Revolution reduzierte die Zahl mittelqualifizierter Stellen mit Routinetätigkeiten. Die Technologiewechsel führten während Über- gangszeiten zu Arbeitslosigkeit. Die Wegrationalisierung traditioneller Arbeitsplätze verlief schneller als die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Doch langfristig wurden sogar Arbeitsplätze dazugewonnen. Bisher konnte die Technik kognitive und manuelle Routinetätigkeiten substituieren. Mit neuen Sensor- techniken, Big Data und Maschinenlernen können auch nicht routinisierte kognitive Aufgaben in wohl definierte Probleme überführt werden. Auf manuellem Gebiet stösst fingerfertigere und ständig billiger werdende Robotik in das Reich nicht routinemässiger Tätigkeiten vor. Der Hauptvorteil der Computer
  • 2. 11. Juli 2017 M. Jaun Seite 2 / 5 liegt dabei in der unendlichen Vervielfachung einmal gefundener technischer Lösungen. Während sich Wissensarbeiter zu einem gewissen Grad anpassen und behaupten können, werden unqualifi- zierte Arbeiter ihre Stelle verlieren. Der Mensch weist gegenüber der Robotik mehrere Vorteile auf: extreme Bewegungsfähigkeit, Finger- fertigkeit wie auch Fortbewegungsfähigkeit in engen, räumlichen Verhältnissen. Kreativität und Intelli- genz lassen den Menschen im Unterschied zu Computern neuartige und wertvolle Gedanken produ- zieren. Soziale Wahrnehmung, Empathie, Überzeugungskraft und Verhandlungsgeschick ermögli- chen den Austausch mit anderen Menschen und damit die Zusammenarbeit. Diese Vorteile des Men- schen stellen aus der Sicht von Computertechnologen „Flaschenhälse“ zur Digitalisierung von Tätig- keiten dar. Zur Erforschung der Bedrohung von Arbeitsstellen durch die Digitalisierung untersuchten Frey und Osborne 702 Berufsbeschreibungen des US-Arbeitsmarktes. Für jeden Beruf schätzten sie die Wahrscheinlichkeit zur Überwindung der neun „Flaschenhälse“ ein. Ihr Forschungsresultat war wie gesagt spektakulär und löste in der ganzen Welt Schlagzeilen aus: „According to our estimates, about 47 percent of total US employment is at risk.“ Jeder zweite Job ist also gefährdet, in den kom- menden 10-20 Jahren automatisiert zu werden. In einer ersten Welle werden viele Arbeitende im Transportgewerbe und der Logistik zusammen mit Büroangestellten und Produktionsarbeitern ersetzt werden. Überraschenderweise werden auch Verkäufer, Schalterpersonal und Personen im Kunden- dienst davon betroffen sein. Das ist bedeutend, denn gerade im Dienstleistungsbereich sind in den letzten Jahrzehnten viele neue Stellen entstanden. Die Digitalisierung trifft also wenig qualifizierte und bereits heute tief entlohnte Personen. In einer zweiten Welle würden durch die Überwindung von Hür- den in den Bereichen Kreativität und soziale Fähigkeiten ganz neue Einsatzgebiete des Computers möglich werden. Die Abbildung zeigt rechts die Berufe mit einem hohen Risiko digitalisiert zu wer- den. Die Berufe im linken Drittel der Gra- fik sind schwieriger zu digitalisieren und daher weniger anfäl- lig, vom Computer substituiert zu wer- den. Die Forscher erklärten, dass diese Aussagen lediglich im Sinne der technischen Machbarkeit zu ver- stehen seien. Sie behaupteten jedoch nicht, dass die betreffenden Arbeitsstellen auch tatsächlich au- tomatisiert werden würden. Auf diese Aussage mussten sie sich später berufen. Denn auf die Verbrei- tung ihrer Resultate folgte heftige Kritik. Viele Tätigkeiten heutiger Berufe könnten nicht entbündelt werden, indem Computer die qualifizierten und Menschen die unqualifizierten Arbeiten ausführten,
  • 3. 11. Juli 2017 M. Jaun Seite 3 / 5 ohne dass eine wesentliche Qualitätsverschlechterung resultiere. Die Automatisierung ganzer Berufe sei somit nicht möglich. In einem Artikel unter dem Titel „Die Pi-mal-Daumen-Studie“ wird die Sicht- weise der beiden Forscher zu einer "déformation professionnelle" degradiert. Computeringenieure würden das Potenzial ihrer Technik natürlicherweise überschätzen. Doch es kam auch zu anderen Reaktionen: Wissenschaftler haben den methodischen Ansatz auf den Schweizer Arbeitsmarkt ange- wandt und fanden heraus, dass auch in der Schweiz rund die Hälfte der Jobs digitalisierbar wäre. World Economic Forum: eine umfassendere Betrachtung – doch ebenso ein Warnruf Als Vorbereitung auf das Jahrestreffen 2016 publizierte das World Economic Forum eine weltweit ausgerichtete Studie zu den Auswirkungen der vierten industriellen Revolution. Dieses Dokument rüt- telte in einem noch umfassenderen Sinne auf als die Studie von Frey und Osborne. Zur Erklärung des Einflusses von disruptiven Veränderungen auf Beschäftigung, Kompetenzen und Rekrutierungsver- fahren wurden Personalchefs und andere Vertreter des oberen Managements von 371 Grossfirmen in 15 Ländern befragt. Die zentrale Botschaft der Studie ist einfach: in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen wird es rasch zu grundlegenden Veränderungen kommen. Disruptive Veränderungen der Geschäftsmo- delle werden neue Stellen schaffen, andere eliminieren, die Arbeitsproduktivität steigern und zwi- schen Stellenprofilen und Kompetenzen von Berufsleuten eine Kluft entstehen lassen. 65% der Kin- der, welche in die Volksschule eintreten, werden heute noch nicht existierende Berufe ausüben. Sozi- ale Fähigkeiten wie Überzeugungsfähigkeit, emotionale Intelligenz, aktives Zuhören und Lehrtätigkeit werden in allen Branchen stark verlangt sein. Der gekonnte Umgang mit Computern, aktives Lernen, Kreativität, mathematisches Argumentieren und kritisches Denken werden Kernkompetenzen sein. Stark zulegen werden Stellen in Architektur und Ingenieurswesen, Computer und Mathematik-Diszipli- nen. Aber im Bereich der Administrations- und Büroberufe wird es aufgrund von Technologien wie Big Data, Cloud-Services und dem Internet of Things zu einer einschneidenden Stellenreduktion kom- men. Bis zum Jahr 2020 werden in den untersuchten Ländern 7.1 Millionen Stellen verloren gehen – davon zwei Drittel im Bereich der Büro- und Administrationsberufe – und rund 2 Millionen Stellen wer- den in mehreren kleineren, hochqualifizierten Berufsfamilien neu entstehen. Frauen werden stärker tangiert werden als Männer. Erstens werden sie vom starken Beschäftigungswachstum im MINT-Be- reich weniger profitieren und zweitens werden sie von den Reduktionen im Büro- und Administrations- bereich stärker getroffen. Zwei Berufsgruppen werden übermässig stark nachgefragt werden: Daten- analysten und spezialisierte Verkäufer, denn die neuen Produkte werden erklärungsbedürftig sein. Für die hier untersuchte Gruppe von Ländern, zu der auch China und Indien gehören, stellt ein Ver- lust von 5 Millionen Arbeitsstellen eine bescheidene Abnahme dar. Diese Studie zeichnet bezüglich der Automatisierung von Arbeit also ein deutlich milderes Bild als die Studie von Frey und Osborne. Die Länderdaten decken zudem auf, dass die Situation für Deutschland verhältnismässig günstig ist.
  • 4. 11. Juli 2017 M. Jaun Seite 4 / 5 Deutschland und mehr noch die Schweiz dürften vom hohen Bildungsniveau profitieren und sich ei- nen grossen Anteil der neu entstehenden, hoch qualifizierten Stellen sichern können. Für Schwellen- länder wird die Situation gerade gegenteiliger Art sein. Da ihr Produktionssektor noch stark ist und viel ausführendes Personal beschäftigt, wird die Automatisierung der Produktionsanlagen zu zahlrei- chen Arbeitslosen führen. Der entspannte Blick der Zukunftsgestalter Im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales wurde mit der Studie „Arbeitsmarkt 2030 – Wirtschaft und Arbeitsmarkt im digitalen Zeitalter“ versucht, die Auswirkungen des jüngsten Flücht- lingszustroms auf den deutschen Arbeitsmarkt sowie Chancen und Risiken der Digitalisierung abzu- schätzen. Damit Politik und Wirtschaft bewusst werde, dass auch die Digitalisierung ein aktiv gestalt- barer Vorgang ist, wurden zwei Szenarien entwickelt und mit ökonometrischen Modellen quantifiziert. Das „Basisszenario“ berücksichtigt den starken Anstieg der Zuwanderung seit 2013. Es geht davon aus, dass die fluchtbedingte Zuwanderung bis 2020 abebben wird. Das Szenario geht von einer steti- gen Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft aus, setzt aber keinen Handlungsschwerpunkt auf Entwicklung und Einsatz digitaler Techniken. Es unterstellt die Fortsetzung des bereits wirksamen Strukturwandels hin zu wissensintensiven, kulturellen und sozialen Diensten. Dies hat starke Be- schäftigungsgewinne bei den Unternehmensdiensten, Sozialwesen und Heimen, der Personalvermitt- lung sowie im Gesundheitswesen zur Folge. Der Abbau von Arbeitsplätzen findet vor allem in der öf- fentlichen Verwaltung, dem Maschinenbau sowie im Hotel- und Gastrobereich statt. Die Zahl der Hochschulabgänger wird bis 2030 stark steigen, jene der Fachhochschulabgänger stag- niert und Personen mit Berufslehren werden weniger werden. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass 70% der Flüchtlinge nach fünf Jahren eine verwertbare berufliche Bildung besitzen. Die fluchtbe- dingte Zuwanderung begünstigt vor allem die sozialen und personenbezogenen Dienste, während Warenproduktion und Unternehmensdienste eher durch die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte profitieren werden. Die Fachkräftelücke wird bis zum Prognosehorizont schrumpfen, jedoch bestehen bleiben. Das Szenario „Beschleunigte Digitalisierung“ geht von einer Entwicklungsstrategie aus, welche auf die intensive Nutzung und Anwendung der digitalen Technik durch Bevölkerung, Wirtschaft und öf- fentliche Hand setzt und die technologische Führerschaft im Bereich der vernetzten Industrieproduk- tion (Industrie 4.0) anstrebt. Die Herausforderung dieses Szenarios wird darin bestehen, eine Weiter- bildungsinitiative mit grosser Breitenwirkung zu entfalten. Weiter müssen Breitbandnetze gebaut, die gesetzlichen Grundlagen zum Datenschutz verbessert und die Forschung im Bereich digitaler Tech- nologien intensiviert werden. Dann wird der technologische Wandel einen entscheidenden Beitrag zur Überwindung der Fachkräfteengpässe leisten. In der Tat kann man von einer Revolution sprechen, denn die hohen Innovationsraten und die rasche Diffusion der Informationstechnologie verändern Märkte, Unternehmen und Arbeitsplätze in bisher kaum bekanntem Ausmass. Entgegen der vielfach geäusserten Erwartungen, die Digitalisierung gefährde Arbeitsplätze in gros- sem Umfang, zeigen die Modellrechnungen, dass es durch eine beschleunigte Digitalisierung gelin- gen kann, wirtschaftliches Wachstum und Beschäftigung zu erzeugen. Der entscheidende Unter- schied zu der von Frey und Osborne vorgelegten Studie besteht darin, dass diese Arbeit nicht nur die Gefährdungspotenziale durch digitale Technik quantifiziert, sondern auch die positiven Nachfrageef- fekte von Produktinnovationen, Kosten- und Preissenkungen berücksichtigt. Dies wendet das Blatt und führt zu einem beträchtlichen Beschäftigungsgewinn. Die beschleunigte Digitalisierung löst vor allem in den Herstellerbranchen für digitale Technik und Dienste starke Beschäftigungsimpulse aus. In den Anwenderbranchen wird die digitale Technik hin- gegen Arbeit freisetzen. Die Nachfrage nach IT-Berufen, Berufen der Unternehmensführung und -or- ganisation sowie Berufen im Bereich Werbung und Marketing wird grösser. Gleichzeitig steigt im Zuge von Industrie 4.0 der Bedarf an Mechatronikern sowie Maschinen- und Fahrzeugtechnikern. Im Vergleich zum Basisszenario erhöht die beschleunigte Digitalisierung den Bedarf an Arbeitskräften
  • 5. 11. Juli 2017 M. Jaun Seite 5 / 5 mit Hochschulbildung bis zum Jahr 2030 wesentlich: Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, Ingenieure, Mathematiker und Naturwissenschaftler sowie Sprach- und Kulturwissenschaftler und Künstler. Die Zahl der Fachkräfte mit einer Berufslehre wird leicht abnehmen. Diese Studie legt nun sogar einen Gewinn an Arbeitsplätzen nahe. Es scheint, dass die Studien umso nüchterner ausfallen je später sie erarbeitet worden sind. Das Phänomen Digitalisierung hat mit fort- schreitender Analyse an Schrecken verloren und ist greifbarer geworden. Ebenso scheinen die Er- kenntnisse positiver zu werden, je mehr sich die Betrachtungen auf hochentwickelte Volkswirtschaf- ten mit einem starken Dienstleistungssektor konzentrieren. Diese Länder rechnen sich aus, zu den Gewinnern der globalen Arbeitsteilung zu gehören und haben ihre Wettbewerbsstrategie schon fest- gelegt. Während Deutschland den Fokus auf die vernetzte Industrieproduktion legt, positioniert sich die Schweiz als weltweiter Hub für Datenspeicherung, Datenschutz und Datensicherheit. Und was glauben wir nun? Die Angst, dass menschliche Arbeit durch Maschinen ersetzt werden könnte, kommt in der Wirt- schaftsgeschichte immer wieder vor. Die Wirtschaftsgeschichte zeigt, dass die bisherigen technologi- schen Revolutionen in der Schweiz nie zu einem langdauernden, substanziellen Beschäftigungsrück- gang geführt haben. Es entstanden im Gegenteil neue Berufe, Arbeitsplätze, Unternehmen und In- dustrien. So sind auch angesichts der Digitalisierung Vertreter von SECO und Arbeitgeberverbänden der Meinung, dass durch die digitale Transformation zahlreiche wertschöpfungsintensive Arbeits- plätze entstehen und den hohen Wohlstand der Schweiz sichern werden. Dennoch fragt sich, ob die Automatisierung nicht schneller abläuft als die Entstehung der neuen Stel- len und es zwischenzeitlich zu einer technologischen Arbeitslosigkeit kommt. In der Vergangenheit ist dies vorgekommen. Die zweite offene Frage betrifft die Entlohnung der neu entstehenden Stellen. Wird man insbesondere von weniger qualifizierten Arbeiten und den qualifizierten Freelancertätigkei- ten auch gut leben können? Die aktuelle Erfahrung mit Clickwork deutet leider in die falsche Richtung. Die Preise auf den Internetmärkten sind sehr tief und hält die Clickworker in einer prekären Lebenssi- tuation gefangen. Es kann also durchaus sein, dass die Zahl der working poor zunimmt. Der Gewinn an Arbeitsplätzen resultiert nur, wenn die Voraussetzungen zur erfolgreichen Bewälti- gung der Veränderungen geschaffen werden können. Hierzu müssen die politischen Prozesse rasch genug ablaufen und zielkonform ausfallen. Und schliesslich müssen auch die Arbeitnehmer mitma- chen, indem sie sich fortlaufend weiterbilden. Zu bemerken ist noch, dass die Diskussion rund um die Automatisierung eigentlich merkwürdiger Art ist: Würde menschliche Arbeitskraft tatsächlich überflüssig gemacht, bestünde das Problem ja nicht darin, dass den Menschen etwas fehlen würde. Das Problem wäre einzig die Verteilung der produ- zierten Güter, also des erreichten Wohlstandes. Quellen Frey, C.B. & Osborne, M.A. (September 2013). The Future of Employment: How susceptible are jobs to computerisation? World Economic Forum (Januar 2016). The future of Jobs. Employment, Skills and Workforce Strat- egy for the Fourth Industrial Revolution. Vogler-Ludwig, K., Düll, N., Kriechel, B. (Juli 2016). Arbeitsmarkt 2030 – Wirtschaft und Arbeitsmarkt im digitalen Zeitalter. Prognose 2016. Economix. © Markus Jaun, Spiez, 11.07.2017