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Die strategische Wahl der Gewerkschaften - Erneuerung trotz Krise? 21.10.2010 Prof. Dr. Klaus Dörre Institut für Soziologie der FSU Jena
Gliederung: Repräsentationskrise der Gewerkschaften Ansätze zur Erneuerung Gewerkschaften in der Krise Einige Schlussfolgerungen
I. Repräsentationskrise der Gewerkschaften These 1:  Die aktuelle Schwäche gewerkschaftlicher Organisations- und Mobilisierungsfähigkeit wurzelt in einer anhaltenden Transformation der westlichen Kapitalismen.
 
 
 
 
 
These 2:  Defizite gewerkschaftlicher Repräsentation sind – auch in Deutschland – seit langem bekannt. Neu ist, dass die Repräsentationskrise zunehmend auch die verbliebenen Hochburgen gewerkschaftlicher Organisationsmacht erfasst.
Entwicklung der Gewerkschaftsmitgliedschaft 1 Anteil der Mitglieder an den abhängig Beschäftigten (Erwerbstätigkeit nach Stellung im Beruf);  ² einschließlich ostdeutsche Mitglieder; ³   Mitglieder der Einzelgewerkschaften DAG, DPG, HBV, IG Medien und ÖTV vor der Fusion zu ver.di;  4 die Mitgliederzahl zum Zeitpunkt der der Gründung von ver.di im März 2001 wird mit rund 3 Mio. angegeben und rechtfertigt daher den Ausgangspunkt der Indexmessung; * wird nicht mehr getrennt ausgewiesen; ** Beschäftigtendaten von 2005 lagen zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Manuskripts noch nicht vor Quellen: DGB-Mitgliederstatistiken; Müller-Jentsch/Ittermann 2000; BMAS, St.Tb 1998, 1999, 2000,2001,2002;StatistischesJahrbuch2005; www.destatis.de/basis/d/erwerb/erwerbtabl.php ; www.dgb.de/dgb/mitgliederzahlen/mitglieder.htm  eigene Berechnungen Jahr (Jahresende) Mitglieder DGB 1.000 Index % Organisationsgrad 1 % Mitglieder IGM 1.000 Index % Mitglieder ver.di 1.000 Index % Früheres Bundesgebiet 1970 6.713 30,9 2.223 1980 7.883 33,4 2.622 1990 7.938 30,3 2.727 1991 7.643 28,9 2.634 2001 6.310 23,5 * Ostdeutschland 1991 4.158  56,1 991 2001 1.589 26,9 * Deutschland gesamt 1991 11.800²  100,0 34,8 3.624² 100,0 2000 7.773 65,9 23,8 2.763 76,2 ca. 3.000³ 100,0 4 2001 7.899³ 66,9 24,1 2.710 74,8 2.806 93,5 2004 7.013 59,4 22,3 2.425 66,9 2.465 82,2 2005 6.779 57,4 ** 2.376 65,6 2.359 78,6
These 3: „ Strategic choice“ bedeutet: Die Krise gewerkschaftlicher Repräsentation hat nicht nur strukturelle Ursachen, sie ist – auch – hausgemacht und kann somit von den Akteuren selbst aktiv beeinflusst werden.
These 4a: Entscheidend für die gewerkschaftliche Erneuerung ist die Verfügung über Machtressourcen. Zu unterscheiden sind:   strukturelle Macht, Organisationsmacht institutionelle Macht assoziierte (kommunikative) Macht
 
 
Die unterschiedlichen Logiken des Organizing-Ansatzes
These 4b: Mit dem Übergang zum organisierten Kapitalismus ist die Bedeutung institutioneller Macht (inkorporierter Arbeitermacht) gewachsen. D. h. Gewerkschaften können als anerkannte Verhandlungspartner über verbriefte Rechte, gesetzlich fixierte Kompromisse oder qua Gewohnheit auch dann Macht  ausüben, wenn sie Mitglieder verlieren und ihre Repräsentations- und Konfliktfähigkeit schwindet.
These 4c:  Die finanzkapitalistische Landnahme zielt – auch – auf  eine Schwächung inkorporierter Arbeitermacht. Es droht eine institutionelle Krise der Gewerkschaften.
II. Ansätze zur Erneuerung These 5:  Das „Organizing-Modell“ hat sich zu einem zentralen Bezugspunkt der internationalen wissenschaftlichen Diskussion über gewerkschaftliche Handlungsbedingungen entwickelt.
These 6:  Dimensionen gewerkschaftlicher Erneuerung können sein:  verstärkte Mitgliederwerbung und  -aktivierung (organizing),  wirksame Verhandlungen und/oder Sozialpartnerschaft auf Betriebs- oder Verbandsebene (social partnership/collective bargaining),  politische Aktionen (political action),  Organisationsreformen (internal restructing),  5) Mobilisierung/Bündnisse mit sozialen Bewegungen/Organisationen (coalition-building), internationale Aktionen (international solidarity).
These 7:  Ein weit gefasstes Organizing-Konzept ist mehr als eine Methode zur Rekrutierung neuer Mitglieder. Strategisch bedeutet es, die Organisationsmacht der Gewerkschaften ins Zentrum aller Aktivitäten zu rücken. Sämtliche Praxen sollen letztlich daran gemessen werden, ob sie die Mitgliederbindung und -rekrutierung verbessern. Strategic Unionism (SMU), comprehensive campaigns, coalition building und political action sind zentrale Bestandteile dieses Ansatzes. Fakt ist, dass dieser Ansatz derzeit in unterschiedlichsten Arbeitsbeziehungs-Systemen erprobt wird.
These 8:  Inhaltlich gehört zum weit gefassten Organizing-Ansatz, dass sich Gewerkschaften wieder stärker als soziale Bewegungen verstehen, die in einem schwierigen gesellschaftlichen Umfeld mehr oder minder dazu gezwungen sind, die Wirksamkeit ihrer Vertretungspraxis eng an die eigene Mobilisierungs- und Konfliktfähigkeit zu binden.
These 9: Ein wichtiges Mittel des Social Movement Unionism sind Comprehensive Campaigns. Mit diesem Begriff werden Kampagnen bezeichnet, in deren Verlauf sich die gewerkschaftliche Politik selbst nachhaltig verändert. Kampagnenpolitik wird inzwischen auch von deutschen Gewerkschaften  erprobt.
These 10: Weit gefasste Organizing-Ansätze können prinzipiell auf unterschiedliche Beschäftigtengruppen zielen. Mit ihrer starken Betonung von Gerechtigkeitsfragen sind sie z. B. bei den überwiegend schwach organisierten Gruppen prekär Beschäftigter einsetzbar. Es gibt aber auch Beispiele für erfolgreiches Organizing im Hochqualifiziertenbereich, etwa in der IT-Industrie.
These 11:  In Deutschland (und in vergleichbaren Kapitalismen) muss eine Erneuerung gewerkschaftlicher Politik mit einer Veränderung im „Kerngeschäft“,  der arbeits-,  betriebs- und tarifpolitischen Praxis einher gehen. Hier finden sich Ansätze, die in gewisser Weise in die Richtung einer „Beteiligungs-Gewerkschaft“ zielen, ohne dass sie bewusst vom „Organisierungsmodell“ lernen.
III. Gewerkschaften in der Krise  These 12: Vordergründig hat die globale Wirtschafts- und Finanzkrise in Deutschland für ein Comeback der Gewerkschaften gesorgt.
These 13:  Hinter dem  vordergründigen Comeback verbirgt sich ein tief greifender Funktionswandel von Gewerkschaften. Aufgrund ihrer geschwächten Organisationsmacht tendieren Gewerkschaften dazu, mehr und mehr die Partialinteressen von Beschäftigtengruppen zu vertreten, bei denen sie noch über Organisationsmacht verfügen.
These 14: Wir erleben den Übergang zu Fraktal-Gewerkschaften. Der alte einheitsgewerkschaftliche Anspruch, die Interessen  „der“ Lohnabhängigen zu vertreten, lässt sich nur schwer aufrecht erhalten.
These 15:  Das überkommene Konzept von Gewerkschaften als intermediären Organisationen trägt nicht mehr, es muss durch ein neues theoretisch-analytisches Konzept ersetzt werden.
These 16: Das in Deutschland erfolgreich praktizierte Management der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008-2010 scheint die Hauptthese des Jenaer Machtressourcen-Ansatzes zu widerlegen: Die deutschen Gewerkschaften handeln pfadabhängig und pfadkonform. Erfolgreich ist – zumindest auf den ersten Blick – der gute alte Korporatismus.
These 17: Der „Krisenkorporatismus“ in Deutschland ist erfolgreich, weil es mit dem weltwirtschaftlichen Desaster zu einer Differenzierung zwischen politischen und ökonomischen Eliten gekommen ist.
These 18:  Der „Krisenkorporatismus“ ist eine Strategie des selektiven Klassenhandelns, weil er Spaltungslinien am Arbeitsmarkt und unter den Subalternen, die die finanzkapitalistische Landnahme erzeugt hat, nicht ernsthaft in Frage stellt, sondern – unbeabsichtigt – zusätzlich verstärkt.
These 19:  Neue Methoden und Organisationsformen (Organizing, Campaigning etc.), wie sie auch von den deutschen Gewerkschaften erprobt werden, geraten häufig zu technokratischen Rekrutierungsmaßnahmen, weil sie nicht in eine kohärente Erneuerungspolitik eingebettet sind. Ohne soziale und oppositionelle Bewegung in der Gesellschaft ist eine Erneuerung sowohl struktureller als auch organisationaler Machtressourcen unwahrscheinlich.
These 20:  Auch die Funktion, die Formen und die Regulierungsmöglichkeiten des sozialen Konflikts ändern sich. Der soziale Konflikt splittert auf. Je exklusiver die Bereiche sind, die durch Mitbestimmung und Tarifverträge noch abgedeckt werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit nicht-normierter Konflikte in anderen Sektoren.
IV. Schlussfolgerungen: Die strategische Wahl von Fraktal-Gewerkschaften These 21:  Die subalternen Klassen sind derart fragmentiert, dass jeder Versuch, die daraus resultierende Heterogenität durch wenige zentrale Organisationen zu repräsentieren, unweigerlich Integrationsprobleme erzeugen muss. Mit der asymmetrischen Verfügung über Sozialeigentum setzen sich Spaltungslinien durch, die der Bündnispolitik zwischen subalternen Klassen(fraktionen) und ihren organisierten Repräsentanten eine strategische Bedeutung zuweisen, die sie in der fordistischen Ära so nicht hatte.
These 22: Auch für fraktalisierte Gewerkschaften besteht die Möglichkeit  einer strategischen Wahl. Der Weg hin zu entpolitisierten Vertretungen von Pressuregroups ist keineswegs unausweichlich vorgezeichnet. Entscheidend ist,  wie  sich der gesellschaftliche Funktionswandel von Gewerkschaften vollzieht.
These 23: Auch Gewerkschaften, die sich bewusst sind, dass sie keine universelle Klassenrepräsentation zu leisten vermögen sondern sich eher als Repräsentant_innen von Klassenströmungen oder –fraktionen verstehen, können eine inklusive Politik entwickeln oder Strategien exklusiver Solidarität verfolgen.
These 24: Aktuell laufen die vermeintlich starken deutschen Gewerkschaften jedoch Gefahr, zu bloßen  Vertretungen von Pressuregroups zu degenerieren.
These 25: Mit dem alten Konzept der Gewerkschaft als intermediärer Organisation lässt sich der Funktionswandel von Gewerkschaften nicht angemessen erfassen. Was vordergründig wie eine Wiederbelebung alter korporativer Politiken wirkt, besitzt in Gesellschaften mit tief gespaltenen Arbeitsmärkten  und unter den Bedingungen der ökonomisch-ökologischen Doppelkrise eine völlig andere Bedeutung als in den prosperierenden Kapitalismen der Nachkriegsära.
These 26 Für ihr korporatives Krisenmanagement zahlen die deutschen Gewerkschaften schon mittelfristig einen hohen Preis. Auf die Legitimationsprobleme des Finanzmarktkapitalismus haben sie derzeit keine glaubwürdige Antwort. In einer Zeit, in der Systemalternativen wieder gefragt sind, ist eine eigenständige gewerkschaftliche Stimme in der Öffentlichkeit nicht zu hören.
These 27: In einer solchen Phase des Funktionswandels und der Selbstveränderung sind Gewerkschaften als noch immer höchst bedeutsame zivilgesellschaftliche Akteure im Grunde auf eine sozialwissenschaftliche Forschung angewiesen, die diese Transformation kritisch begleitet. Eine solche Forschung ist jedoch derzeit zumindest in Deutschland kaum vorhanden.
These 28: Eine zeitgemäße Forschung hätte z.B. die subjektiven Potentiale einer Revitalisierung von Gewerkschaften auszuloten. Nutzt man die gegenwärtig vorhandene, völlig unzureichende Datenbasis, stößt man auf eine eigentümliche Konstellation: Das Arbeitsbewusstsein von Kerngruppen der Lohnabhängigen zeichnet sich gegenwärtig durch eine merkwürdig anmutende „Doppelstruktur“ aus, die sich auf die Formel „Gutes Unternehmen, schlechte Gesellschaft bringen lässt.“
These 29:  In unseren früheren Arbeiten haben wir den Funktionswandel von Gewerkschaften und sozialem Konflikt unterschätzt. Die Chance zu Strategic Choice besteht nur, wenn dieser schleichende Funktionswandel als eine mögliche und teilweise bereits faktische Realität mitreflektiert wird.
Tabelle 1:  Wie stark stimmen Sie folgenden Aussagen zum heutigen Wirtschafts- und  Gesellschaftssystem zu? (Zustimmung und Ablehnung in Prozent) Trifft voll und ganz zu Trifft eher zu Teils, teils Trifft eher nicht zu Trifft gar nicht zu Weiß nicht, keine Antwort Gesamt in Prozent Die heutige Wirtschaftsweise ist auf Dauer nicht überlebensfähig (n=428) 14 25 31 21 4 5 100 Die Interessen der Arbeitsnehmer werden immer weniger berücksichtigt. (n=432) 25 39 26 9 - 1 100 In der internationalen Standortkonkurrenz geraten deutsche Arbeitsnehmer immer mehr unter Druck. (n=432) 31 44 18 5 2 - 100 Nur wenn wir einer der besten Wirtschaftsstandorte sind, können wir unseren Wohlstand erhalten. (n=424) 42 41 13 2 1 1 100 Der gesellschaftliche Wohlstand könnte viel gerechter verteilt werden. (n=340) 47 32 17 4 - 1 100 Kritik am kapitalistischen System führt und nicht weiter, das sind nun mal die Spielregeln. (n=421) 8 21 27 23 17 3 100 Eine Gesellschaft, in der man jeden auffängt, der nicht mitkommt, ist auf Dauer nicht überlebensfähig. (n=423) 12 16 36 21 12 3 100 Heutzutage haben „sozial Schwache“ eine stärkere Lobby als Leistungsträger. (n=421) 6 13 31 27 17 6 100 Nicht die Vorstände und Manager, sondern Arbeiter und Angestellte sind die eigentlichen Leistungsträger der Gesellschaft. (n=430) 34 34 27 3 1 1 100 Auf Arbeitslose sollte ein stärkerer Druck ausgeübt werden. (n=431) 9 13 45 19 10 4 100 Wer in Jena länger als ein Jahr arbeitslos ist, will nicht wirklich arbeiten. (n=430) 3 5 24 32 27 9 100 Es wäre schön, wenn die Gesellschaft in der wir leben insgesamt in großem Maße jenen Prinzipien verpflichtet wäre, die für Zeiss Tradition haben. (n=422) 30 41 17 3 1 9 100
Tabelle 2: Wie stark stimmen Sie folgenden Aussagen zum heutigen Wirtschafts- und  Gesellschaftssystem zu? (Zustimmung und Ablehnung in Prozent) Trifft voll und ganz zu Trifft eher zu Teils, teils Trifft eher nicht zu Trifft gar nicht zu Weiß nicht, keine Angabe Gesamt in Prozent Die gesellschaftlichen Veränderungen sehe ich als Herausforderung. (n=428) 13 45 30 9 1 2 100 In der heutigen Gesellschaft fühle ich mich orientierungslos und verunsichert. (n=433)  1 10 24 42 22 1 100 Ich glaube auch in Zukunft meinen jetzigen Lebensstandard mindestens halten, wenn nicht sogar verbessern zu können. (n=433) 5 34 37 19 3 2 100 Mein Leben ist ein ständiger Kampf. (n=429)  6 21 26 36 11 1 100 Ich fühle mich vom Staat allein gelassen. (n=430)  10 14 36 31 9 2 100 In der Gesellschaft gibt es nur noch Oben und Unten. (n=431) 22 36 23 12 4 3 100 Ich fühle mich ausreichend gegen Alter und Krankheit gesichert. (n=436)  2 18 39 30 9 2 100 Nach wie vor kann man in einem Land wie Deutschland sehr gut leben. (n=437) 16 45 33 4 1 1 100 Momentan muss ich mich finanziell einschränken. (n=435) 5 21 38 28 9 1 100 Die Ellenbogenmentalität in der Gesellschaft bereitet mir Sorgen. (n=473) 26 38 25 9 9 2 100 Ich fühle mich zunehmend ins gesellschaftliche Abseits geschoben. (n=430)  1 7 17 43 29 3 100 Meiner Ansicht nach, gibt es nach wie vor einen Zusammenhalt innerhalb der Gesellschaft. (n=428) 1 14 46 28 10 2 100
 

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21.10.10 uni wien strateg. wahl der gewerkschaften

  • 1. Die strategische Wahl der Gewerkschaften - Erneuerung trotz Krise? 21.10.2010 Prof. Dr. Klaus Dörre Institut für Soziologie der FSU Jena
  • 2. Gliederung: Repräsentationskrise der Gewerkschaften Ansätze zur Erneuerung Gewerkschaften in der Krise Einige Schlussfolgerungen
  • 3. I. Repräsentationskrise der Gewerkschaften These 1: Die aktuelle Schwäche gewerkschaftlicher Organisations- und Mobilisierungsfähigkeit wurzelt in einer anhaltenden Transformation der westlichen Kapitalismen.
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  • 9. These 2: Defizite gewerkschaftlicher Repräsentation sind – auch in Deutschland – seit langem bekannt. Neu ist, dass die Repräsentationskrise zunehmend auch die verbliebenen Hochburgen gewerkschaftlicher Organisationsmacht erfasst.
  • 10. Entwicklung der Gewerkschaftsmitgliedschaft 1 Anteil der Mitglieder an den abhängig Beschäftigten (Erwerbstätigkeit nach Stellung im Beruf); ² einschließlich ostdeutsche Mitglieder; ³ Mitglieder der Einzelgewerkschaften DAG, DPG, HBV, IG Medien und ÖTV vor der Fusion zu ver.di; 4 die Mitgliederzahl zum Zeitpunkt der der Gründung von ver.di im März 2001 wird mit rund 3 Mio. angegeben und rechtfertigt daher den Ausgangspunkt der Indexmessung; * wird nicht mehr getrennt ausgewiesen; ** Beschäftigtendaten von 2005 lagen zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Manuskripts noch nicht vor Quellen: DGB-Mitgliederstatistiken; Müller-Jentsch/Ittermann 2000; BMAS, St.Tb 1998, 1999, 2000,2001,2002;StatistischesJahrbuch2005; www.destatis.de/basis/d/erwerb/erwerbtabl.php ; www.dgb.de/dgb/mitgliederzahlen/mitglieder.htm eigene Berechnungen Jahr (Jahresende) Mitglieder DGB 1.000 Index % Organisationsgrad 1 % Mitglieder IGM 1.000 Index % Mitglieder ver.di 1.000 Index % Früheres Bundesgebiet 1970 6.713 30,9 2.223 1980 7.883 33,4 2.622 1990 7.938 30,3 2.727 1991 7.643 28,9 2.634 2001 6.310 23,5 * Ostdeutschland 1991 4.158 56,1 991 2001 1.589 26,9 * Deutschland gesamt 1991 11.800² 100,0 34,8 3.624² 100,0 2000 7.773 65,9 23,8 2.763 76,2 ca. 3.000³ 100,0 4 2001 7.899³ 66,9 24,1 2.710 74,8 2.806 93,5 2004 7.013 59,4 22,3 2.425 66,9 2.465 82,2 2005 6.779 57,4 ** 2.376 65,6 2.359 78,6
  • 11. These 3: „ Strategic choice“ bedeutet: Die Krise gewerkschaftlicher Repräsentation hat nicht nur strukturelle Ursachen, sie ist – auch – hausgemacht und kann somit von den Akteuren selbst aktiv beeinflusst werden.
  • 12. These 4a: Entscheidend für die gewerkschaftliche Erneuerung ist die Verfügung über Machtressourcen. Zu unterscheiden sind:   strukturelle Macht, Organisationsmacht institutionelle Macht assoziierte (kommunikative) Macht
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  • 15. Die unterschiedlichen Logiken des Organizing-Ansatzes
  • 16. These 4b: Mit dem Übergang zum organisierten Kapitalismus ist die Bedeutung institutioneller Macht (inkorporierter Arbeitermacht) gewachsen. D. h. Gewerkschaften können als anerkannte Verhandlungspartner über verbriefte Rechte, gesetzlich fixierte Kompromisse oder qua Gewohnheit auch dann Macht ausüben, wenn sie Mitglieder verlieren und ihre Repräsentations- und Konfliktfähigkeit schwindet.
  • 17. These 4c: Die finanzkapitalistische Landnahme zielt – auch – auf eine Schwächung inkorporierter Arbeitermacht. Es droht eine institutionelle Krise der Gewerkschaften.
  • 18. II. Ansätze zur Erneuerung These 5: Das „Organizing-Modell“ hat sich zu einem zentralen Bezugspunkt der internationalen wissenschaftlichen Diskussion über gewerkschaftliche Handlungsbedingungen entwickelt.
  • 19. These 6: Dimensionen gewerkschaftlicher Erneuerung können sein: verstärkte Mitgliederwerbung und -aktivierung (organizing), wirksame Verhandlungen und/oder Sozialpartnerschaft auf Betriebs- oder Verbandsebene (social partnership/collective bargaining), politische Aktionen (political action), Organisationsreformen (internal restructing), 5) Mobilisierung/Bündnisse mit sozialen Bewegungen/Organisationen (coalition-building), internationale Aktionen (international solidarity).
  • 20. These 7: Ein weit gefasstes Organizing-Konzept ist mehr als eine Methode zur Rekrutierung neuer Mitglieder. Strategisch bedeutet es, die Organisationsmacht der Gewerkschaften ins Zentrum aller Aktivitäten zu rücken. Sämtliche Praxen sollen letztlich daran gemessen werden, ob sie die Mitgliederbindung und -rekrutierung verbessern. Strategic Unionism (SMU), comprehensive campaigns, coalition building und political action sind zentrale Bestandteile dieses Ansatzes. Fakt ist, dass dieser Ansatz derzeit in unterschiedlichsten Arbeitsbeziehungs-Systemen erprobt wird.
  • 21. These 8: Inhaltlich gehört zum weit gefassten Organizing-Ansatz, dass sich Gewerkschaften wieder stärker als soziale Bewegungen verstehen, die in einem schwierigen gesellschaftlichen Umfeld mehr oder minder dazu gezwungen sind, die Wirksamkeit ihrer Vertretungspraxis eng an die eigene Mobilisierungs- und Konfliktfähigkeit zu binden.
  • 22. These 9: Ein wichtiges Mittel des Social Movement Unionism sind Comprehensive Campaigns. Mit diesem Begriff werden Kampagnen bezeichnet, in deren Verlauf sich die gewerkschaftliche Politik selbst nachhaltig verändert. Kampagnenpolitik wird inzwischen auch von deutschen Gewerkschaften erprobt.
  • 23. These 10: Weit gefasste Organizing-Ansätze können prinzipiell auf unterschiedliche Beschäftigtengruppen zielen. Mit ihrer starken Betonung von Gerechtigkeitsfragen sind sie z. B. bei den überwiegend schwach organisierten Gruppen prekär Beschäftigter einsetzbar. Es gibt aber auch Beispiele für erfolgreiches Organizing im Hochqualifiziertenbereich, etwa in der IT-Industrie.
  • 24. These 11: In Deutschland (und in vergleichbaren Kapitalismen) muss eine Erneuerung gewerkschaftlicher Politik mit einer Veränderung im „Kerngeschäft“, der arbeits-, betriebs- und tarifpolitischen Praxis einher gehen. Hier finden sich Ansätze, die in gewisser Weise in die Richtung einer „Beteiligungs-Gewerkschaft“ zielen, ohne dass sie bewusst vom „Organisierungsmodell“ lernen.
  • 25. III. Gewerkschaften in der Krise These 12: Vordergründig hat die globale Wirtschafts- und Finanzkrise in Deutschland für ein Comeback der Gewerkschaften gesorgt.
  • 26. These 13: Hinter dem vordergründigen Comeback verbirgt sich ein tief greifender Funktionswandel von Gewerkschaften. Aufgrund ihrer geschwächten Organisationsmacht tendieren Gewerkschaften dazu, mehr und mehr die Partialinteressen von Beschäftigtengruppen zu vertreten, bei denen sie noch über Organisationsmacht verfügen.
  • 27. These 14: Wir erleben den Übergang zu Fraktal-Gewerkschaften. Der alte einheitsgewerkschaftliche Anspruch, die Interessen „der“ Lohnabhängigen zu vertreten, lässt sich nur schwer aufrecht erhalten.
  • 28. These 15: Das überkommene Konzept von Gewerkschaften als intermediären Organisationen trägt nicht mehr, es muss durch ein neues theoretisch-analytisches Konzept ersetzt werden.
  • 29. These 16: Das in Deutschland erfolgreich praktizierte Management der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008-2010 scheint die Hauptthese des Jenaer Machtressourcen-Ansatzes zu widerlegen: Die deutschen Gewerkschaften handeln pfadabhängig und pfadkonform. Erfolgreich ist – zumindest auf den ersten Blick – der gute alte Korporatismus.
  • 30. These 17: Der „Krisenkorporatismus“ in Deutschland ist erfolgreich, weil es mit dem weltwirtschaftlichen Desaster zu einer Differenzierung zwischen politischen und ökonomischen Eliten gekommen ist.
  • 31. These 18: Der „Krisenkorporatismus“ ist eine Strategie des selektiven Klassenhandelns, weil er Spaltungslinien am Arbeitsmarkt und unter den Subalternen, die die finanzkapitalistische Landnahme erzeugt hat, nicht ernsthaft in Frage stellt, sondern – unbeabsichtigt – zusätzlich verstärkt.
  • 32. These 19: Neue Methoden und Organisationsformen (Organizing, Campaigning etc.), wie sie auch von den deutschen Gewerkschaften erprobt werden, geraten häufig zu technokratischen Rekrutierungsmaßnahmen, weil sie nicht in eine kohärente Erneuerungspolitik eingebettet sind. Ohne soziale und oppositionelle Bewegung in der Gesellschaft ist eine Erneuerung sowohl struktureller als auch organisationaler Machtressourcen unwahrscheinlich.
  • 33. These 20: Auch die Funktion, die Formen und die Regulierungsmöglichkeiten des sozialen Konflikts ändern sich. Der soziale Konflikt splittert auf. Je exklusiver die Bereiche sind, die durch Mitbestimmung und Tarifverträge noch abgedeckt werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit nicht-normierter Konflikte in anderen Sektoren.
  • 34. IV. Schlussfolgerungen: Die strategische Wahl von Fraktal-Gewerkschaften These 21: Die subalternen Klassen sind derart fragmentiert, dass jeder Versuch, die daraus resultierende Heterogenität durch wenige zentrale Organisationen zu repräsentieren, unweigerlich Integrationsprobleme erzeugen muss. Mit der asymmetrischen Verfügung über Sozialeigentum setzen sich Spaltungslinien durch, die der Bündnispolitik zwischen subalternen Klassen(fraktionen) und ihren organisierten Repräsentanten eine strategische Bedeutung zuweisen, die sie in der fordistischen Ära so nicht hatte.
  • 35. These 22: Auch für fraktalisierte Gewerkschaften besteht die Möglichkeit einer strategischen Wahl. Der Weg hin zu entpolitisierten Vertretungen von Pressuregroups ist keineswegs unausweichlich vorgezeichnet. Entscheidend ist, wie sich der gesellschaftliche Funktionswandel von Gewerkschaften vollzieht.
  • 36. These 23: Auch Gewerkschaften, die sich bewusst sind, dass sie keine universelle Klassenrepräsentation zu leisten vermögen sondern sich eher als Repräsentant_innen von Klassenströmungen oder –fraktionen verstehen, können eine inklusive Politik entwickeln oder Strategien exklusiver Solidarität verfolgen.
  • 37. These 24: Aktuell laufen die vermeintlich starken deutschen Gewerkschaften jedoch Gefahr, zu bloßen Vertretungen von Pressuregroups zu degenerieren.
  • 38. These 25: Mit dem alten Konzept der Gewerkschaft als intermediärer Organisation lässt sich der Funktionswandel von Gewerkschaften nicht angemessen erfassen. Was vordergründig wie eine Wiederbelebung alter korporativer Politiken wirkt, besitzt in Gesellschaften mit tief gespaltenen Arbeitsmärkten und unter den Bedingungen der ökonomisch-ökologischen Doppelkrise eine völlig andere Bedeutung als in den prosperierenden Kapitalismen der Nachkriegsära.
  • 39. These 26 Für ihr korporatives Krisenmanagement zahlen die deutschen Gewerkschaften schon mittelfristig einen hohen Preis. Auf die Legitimationsprobleme des Finanzmarktkapitalismus haben sie derzeit keine glaubwürdige Antwort. In einer Zeit, in der Systemalternativen wieder gefragt sind, ist eine eigenständige gewerkschaftliche Stimme in der Öffentlichkeit nicht zu hören.
  • 40. These 27: In einer solchen Phase des Funktionswandels und der Selbstveränderung sind Gewerkschaften als noch immer höchst bedeutsame zivilgesellschaftliche Akteure im Grunde auf eine sozialwissenschaftliche Forschung angewiesen, die diese Transformation kritisch begleitet. Eine solche Forschung ist jedoch derzeit zumindest in Deutschland kaum vorhanden.
  • 41. These 28: Eine zeitgemäße Forschung hätte z.B. die subjektiven Potentiale einer Revitalisierung von Gewerkschaften auszuloten. Nutzt man die gegenwärtig vorhandene, völlig unzureichende Datenbasis, stößt man auf eine eigentümliche Konstellation: Das Arbeitsbewusstsein von Kerngruppen der Lohnabhängigen zeichnet sich gegenwärtig durch eine merkwürdig anmutende „Doppelstruktur“ aus, die sich auf die Formel „Gutes Unternehmen, schlechte Gesellschaft bringen lässt.“
  • 42. These 29: In unseren früheren Arbeiten haben wir den Funktionswandel von Gewerkschaften und sozialem Konflikt unterschätzt. Die Chance zu Strategic Choice besteht nur, wenn dieser schleichende Funktionswandel als eine mögliche und teilweise bereits faktische Realität mitreflektiert wird.
  • 43. Tabelle 1: Wie stark stimmen Sie folgenden Aussagen zum heutigen Wirtschafts- und Gesellschaftssystem zu? (Zustimmung und Ablehnung in Prozent) Trifft voll und ganz zu Trifft eher zu Teils, teils Trifft eher nicht zu Trifft gar nicht zu Weiß nicht, keine Antwort Gesamt in Prozent Die heutige Wirtschaftsweise ist auf Dauer nicht überlebensfähig (n=428) 14 25 31 21 4 5 100 Die Interessen der Arbeitsnehmer werden immer weniger berücksichtigt. (n=432) 25 39 26 9 - 1 100 In der internationalen Standortkonkurrenz geraten deutsche Arbeitsnehmer immer mehr unter Druck. (n=432) 31 44 18 5 2 - 100 Nur wenn wir einer der besten Wirtschaftsstandorte sind, können wir unseren Wohlstand erhalten. (n=424) 42 41 13 2 1 1 100 Der gesellschaftliche Wohlstand könnte viel gerechter verteilt werden. (n=340) 47 32 17 4 - 1 100 Kritik am kapitalistischen System führt und nicht weiter, das sind nun mal die Spielregeln. (n=421) 8 21 27 23 17 3 100 Eine Gesellschaft, in der man jeden auffängt, der nicht mitkommt, ist auf Dauer nicht überlebensfähig. (n=423) 12 16 36 21 12 3 100 Heutzutage haben „sozial Schwache“ eine stärkere Lobby als Leistungsträger. (n=421) 6 13 31 27 17 6 100 Nicht die Vorstände und Manager, sondern Arbeiter und Angestellte sind die eigentlichen Leistungsträger der Gesellschaft. (n=430) 34 34 27 3 1 1 100 Auf Arbeitslose sollte ein stärkerer Druck ausgeübt werden. (n=431) 9 13 45 19 10 4 100 Wer in Jena länger als ein Jahr arbeitslos ist, will nicht wirklich arbeiten. (n=430) 3 5 24 32 27 9 100 Es wäre schön, wenn die Gesellschaft in der wir leben insgesamt in großem Maße jenen Prinzipien verpflichtet wäre, die für Zeiss Tradition haben. (n=422) 30 41 17 3 1 9 100
  • 44. Tabelle 2: Wie stark stimmen Sie folgenden Aussagen zum heutigen Wirtschafts- und Gesellschaftssystem zu? (Zustimmung und Ablehnung in Prozent) Trifft voll und ganz zu Trifft eher zu Teils, teils Trifft eher nicht zu Trifft gar nicht zu Weiß nicht, keine Angabe Gesamt in Prozent Die gesellschaftlichen Veränderungen sehe ich als Herausforderung. (n=428) 13 45 30 9 1 2 100 In der heutigen Gesellschaft fühle ich mich orientierungslos und verunsichert. (n=433) 1 10 24 42 22 1 100 Ich glaube auch in Zukunft meinen jetzigen Lebensstandard mindestens halten, wenn nicht sogar verbessern zu können. (n=433) 5 34 37 19 3 2 100 Mein Leben ist ein ständiger Kampf. (n=429) 6 21 26 36 11 1 100 Ich fühle mich vom Staat allein gelassen. (n=430) 10 14 36 31 9 2 100 In der Gesellschaft gibt es nur noch Oben und Unten. (n=431) 22 36 23 12 4 3 100 Ich fühle mich ausreichend gegen Alter und Krankheit gesichert. (n=436) 2 18 39 30 9 2 100 Nach wie vor kann man in einem Land wie Deutschland sehr gut leben. (n=437) 16 45 33 4 1 1 100 Momentan muss ich mich finanziell einschränken. (n=435) 5 21 38 28 9 1 100 Die Ellenbogenmentalität in der Gesellschaft bereitet mir Sorgen. (n=473) 26 38 25 9 9 2 100 Ich fühle mich zunehmend ins gesellschaftliche Abseits geschoben. (n=430) 1 7 17 43 29 3 100 Meiner Ansicht nach, gibt es nach wie vor einen Zusammenhalt innerhalb der Gesellschaft. (n=428) 1 14 46 28 10 2 100
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