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S KE
1
„Rückholung / Rückholbarkeit
hochradioaktiver Abfälle aus einem
Endlager – ein Diskussionspapier"
Michael Sailer
Technisches Forum Sicherheit; 07.03.2013, Brugg/AG
S KE
2
• Die Rückholung/Rückholbarkeit hat lange keine Rolle
gespielt, nicht in der Fachdiskussion und nur wenig in
öffentlichen Diskussionen
• Entsprechend wenig differenzierte Entwicklung von
Gedanken zur Rückholung/Rückholbarkeit
• Überwiegende Auffassung in der Fachszene, dass
Rückholung kein relevantes Thema ist
Diskussion in Deutschland (1)
S KE
3
• Seit wenigen Jahren wird Rückholung/Rückholbarkeit
etwas stärker in der Öffentlichkeit thematisiert
• Hintergründe sind nicht klar ausgesprochen:
• Besorgnis, dass es zu nicht korrigierbaren
Fehlentscheidungen kommt ?
• Das Asseproblem ?
• Rückholung als Instrument gegen Salz als
Wirtsgestein ?
• ??
Diskussion in Deutschland (2)
S KE
4
• BMU hat in seinen Sicherheitsanforderungen von 2010
die Rückholbarkeit angesprochen
• In dieser Situation entscheidet sich ESK-EL zunächst zu
einer längeren internen Sachdiskussion und dann zur
Herausgabe von zwei Papieren im September 2011
• Kurz und knapp „Rückholbarkeit: Thesen für eine
öffentliche Diskussion“
• Und die ausführliche Diskussion in „Rückholung /
Rückholbarkeit hochradioaktiver Abfälle aus
einem Endlager - ein Diskussionspapier"
Diskussion in Deutschland (3)
S KE
5
• Grundlagen und Ziele einer nachhaltig sicheren
Endlagerung
• Varianten und Zeitskalen der Endlagerung radioaktiver
Abfälle mit und ohne einer Option der Rückholbarkeit
• Thematisch geordnete Argumente zur Rückholbarkeit
• Position des ESK-EL
• Zu klärende Aspekte zur Rückholbarkeit
Das ESK-EL Papier - Inhalt
S KE
6
Varianten und Zeitskalen
Zeitskala für mögliche Rückholungskonzepte
(modifiziert nach Blommaert 2010).
S KE
7
• Sicherheitsorientierte Argumente
• Gewährleistung der Langzeitsicherheit
• Nachweis der Langzeitsicherheit
• Betriebliche und Umgebungssicherheit
• Ethische Argumente
• Intragenerationelle Gerechtigkeit
• Intergenerationelle Gerechtigkeit
• Argumente zum Akzeptanzgewinn
• Ökonomische Argumente
• Argumente zu Proliferation, Kernmaterialüberwachung
und Terrorismus
Argumente pro und contra
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8
a) Gewährleistung der Langzeitsicherheit
- Ohne Option Rückholbarkeit
• Eingriff in Geosphäre bleibt geringer.
• Bei Lagerkonzept und –auslegung möglicherweise
Beeinträchtigungen durch Rückholungsanforderungen.
• Minimierung des Kontakts mit Wasser.
• Langfristiger Einschluss ohne Rückholung erreichbar.
• Zeitnahe Verfüllmaßnahmen steigern die
Langzeitsicherheit.
• Der Verschluss wird nach bekannter Technologie sicher
erfolgen. Wer weiß, ob die späteren Generationen das
noch können.
Sicherheitsorientierte Argumente (1)
S KE
9
a) Gewährleistung der Langzeitsicherheit
- mit Option Rückholbarkeit
• Langzeitsicherheit kann grundsätzlich nicht gewährleistet
werden, deshalb immer Reaktionsmöglichkeit erforderlich.
• Mehr Vertrauen zu künftigem menschlichen Handeln als
zum wartungsfreiem Endlagerkonzept.
• Zukünftige Kontrolle, Wartung und Reparatur erhöhen
Sicherheit.
• Falsche Standortentscheidung kann korrigiert werden.
• In der Zukunft können Weiterentwicklungen von
Wissenschaft und Technik und sich auftuende
Alternativmöglichkeiten die Sicherheit erhöhen.
Sicherheitsorientierte Argumente (2)
S KE
10
b) Nachweis der Langzeitsicherheit
- ohne Option Rückholbarkeit
• Prognose der langfristigen Entwicklung des Endlager und
der Geosphäre ist viel sicherer als die der Gesellschaft.
- mit Option Rückholbarkeit
• Nachweis der Langzeitsicherheit ist methodisch nicht
machbar bzw. nicht aussagekräftig genug. Sicherheit ist
nur durch Kontrolle und Überwachung erreichbar.
• Durch Überwachung können Modellvorstellungen durch
laufende Beobachtung und Vergleich abgesichert werden.
Sicherheitsorientierte Argumente (3)
S KE
11
c) Betriebliche und Umgebungssicherheit
- ohne Option Rückholbarkeit
• Nach Verschluss keine radiologische Belastung mehr;
Exposition der Beschäftigten wird minimiert.
• Für offenen Zeitraum optimierte Verhältnisse, weil durch
Auslegung bestimmt.
• Offenhaltung kann signifikante Strahlendosen
verursachen durch Kontrolle, Wartung und Reparatur.
Sicherheitsorientierte Argumente (4)
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12
c) Betriebliche und Umgebungssicherheit
- mit Option Rückholbarkeit
• Durch langfristige Kontrollperiode kann nachhaltig die
Belastung reduziert werden, die bei nicht
bestimmungsgemäßer Entwicklung entsteht.
• Mögliche Strahlenbelastung durch Rückholung geringer
als die Belastung durch Fehlentwicklung im Endlager.
Hinweis:
Abwägung zwischen heutiger realer und zukünftiger
potentieller Strahlenbelastung !
Sicherheitsorientierte Argumente (5)
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13
a) Intragenerationelle Gerechtigkeit
- ohne Option Rückholbarkeit
• Keine unnötige Belastung der zur Zeit des Betriebes
lebenden Menschen in der Standortregion.
- mit Option Rückholbarkeit
• Standortentscheid ist Ungleichbehandlung der Menschen
in der Standortregion. Deshalb muss er reversibel bleiben
um möglichen Fehlentscheid rückgängig machen zu
können.
Ethische Argumente (1)
S KE
14
b) Intergenerationelle Gerechtigkeit
- ohne Option Rückholbarkeit
• Durch Auslegung wird erreicht, dass Zukünftige nicht
stärker belastet sind als Heutige.
• Verursacherprinzip wird eingehalten.
• Wegen der Wartungsfreiheit keine Verantwortung und
Lastenweitergabe an die Zukünftigen.
• Handlungsspielräume der Zukünftigen werden durch
wartungsfreies Endlager nicht eingeschränkt.
• Wird das Endlager vergessen, entsteht keine besondere
Gefährdungssituation.
Ethische Argumente (2)
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15
b) Intergenerationelle Gerechtigkeit
- mit Option Rückholbarkeit
• Belastungen der Zukünftigen dürfen nicht größer sein als
die der Heutigen.
• Verursacherprinzip verbietet Endlagerung ohne
Rückholbarkeit, weil dann Schäden durch Unwissen
entstehen können. Das Wissen um das Endlager darf
nicht verloren gehen.
• Erhaltung der Handlungsspielräume und
Entscheidungsfreiheit der Zukünftigen.
• Reversibilität ist grundsätzlich anzustreben wegen der
nicht auszuschließenden Fehlentscheidungen.
Ethische Argumente (3)
S KE
16
• Priorität der Sicherheit  Forderungen hinsichtlich der
Rückholbarkeit dürfen nicht zu einer sicherheits-
technischen Verschlechterung der Endlagerung führen.
• Wartungsfreiheit  Sicherheit der Endlagerung stützt sich
auf Einschluss der Abfälle und muss darauf beruhen,
dass nach Verschluss des Endlagers keine menschlichen
Eingriffe mehr zur Aufrechterhaltung der Sicherheit
notwendig sind.
• Verschluss der Abfallräume und des Endlagers so schnell
als möglich, damit ein Wassereinbruch nicht zu
Freisetzungen führt.  Weitere Offenhaltung führt zu
unnötigen Wegsamkeiten für eindringendes Wasser.
Position der ESK-EL (1)
S KE
17
• Intensive Beobachtung während der Betriebsphase; v.a.
zur Überprüfung der Vorausberechnungen.  Wenn
Zweifel, dann entsprechende Gegenmaßnahmen bzw.
Rückholung.
• Nachüberwachungsprogramm (von der Tagesoberfläche
aus) während einer „frühen" Nachbetriebsphase von
einigen Jahrhunderten.
• Möglichst lange Erhaltung der Dokumentation über Art
und genaue Lage der Abfälle, die im Anforderungsfall
Planung einer Rückholung ermöglicht.
Position der ESK-EL (2)
S KE
18
Aus: BMU - Sicherheitsanforderungen an die Endlagerung
wärmeentwickelnder radioaktiver Abfälle (Stand 30. September 2010)
Amtlicherseits (1)
8 .6 Abfallbehälter müssen unter Berücksichtigung der darin verpackten Abfallprodukte und des sie
umgebenden Versatzes folgende Sicherheitsfunktionen erfüllen:
• Für die wahrscheinlichen Entwicklungen muss eine Handhabbarkeit der Abfallbehälter bei
einer eventuellen Bergung aus dem stillgelegten und verschlossenen Endlager für einen
Zeitraum von 500 Jahren gegeben sein. Dabei ist die Vermeidung von Freisetzungen
radioaktiver Aerosole zu beachten.
• In der Betriebsphase bis zum Verschluss der Schächte oder Rampen muss eine Rückholung
der Abfallbehälter möglich sein.
Maßnahmen, die zur Sicherstellung der Möglichkeiten zur Rückholung oder Bergung getroffen
werden, dürfen die passiven Sicherheitsbarrieren und damit die Langzeitsicherheit nicht
beeinträchtigen.
S KE
Derzeit wird ein Endlagersuchgesetz zwischen den Parteien und
Bundesländern diskutiert. Falls es verabschiedet wird, bildet es die
zentrale Grundlage für das weitere Verfahren hinsichtlich des Endlagers.
Eine Passage im aktuellen Entwurf lautet:
Zu den Entscheidungsgrundlagen für eine Standortentscheidung gehören
…
3. Anforderungen an die Konzeption der Endlagerung, insbesondere zu
den Fragen der Rückholbarkeit und Bergbarkeit der radioaktiven Abfälle
und nachsorgefreien Konzeption der Endlagerung,
…
19
Amtlicherseits (2)
S KE
Im Internet
ESK:
www.entsorgungskommission.de
Thesenpapier:
http://www.entsorgungskommission.de/downloads/epanlage1el19homepage.pdf
Diskussionspapier:
http://www.entsorgungskommission.de/downloads/epanlage2el19homepage.pdf
BMU-Sicherheitsanforderungen:
http://www.bmu.de/fileadmin/bmu-
import/files/pdfs/allgemein/application/pdf/sicherheitsanforderungen_endlagerung_bf.pdf
20
S KE
Vielen Dank !
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Rückholbarkeit von radioaktiven Abfällen. Präsentation von Michael Sailer, Entsorgungskommission ESK Deutschland

  • 1. S KE 1 „Rückholung / Rückholbarkeit hochradioaktiver Abfälle aus einem Endlager – ein Diskussionspapier" Michael Sailer Technisches Forum Sicherheit; 07.03.2013, Brugg/AG
  • 2. S KE 2 • Die Rückholung/Rückholbarkeit hat lange keine Rolle gespielt, nicht in der Fachdiskussion und nur wenig in öffentlichen Diskussionen • Entsprechend wenig differenzierte Entwicklung von Gedanken zur Rückholung/Rückholbarkeit • Überwiegende Auffassung in der Fachszene, dass Rückholung kein relevantes Thema ist Diskussion in Deutschland (1)
  • 3. S KE 3 • Seit wenigen Jahren wird Rückholung/Rückholbarkeit etwas stärker in der Öffentlichkeit thematisiert • Hintergründe sind nicht klar ausgesprochen: • Besorgnis, dass es zu nicht korrigierbaren Fehlentscheidungen kommt ? • Das Asseproblem ? • Rückholung als Instrument gegen Salz als Wirtsgestein ? • ?? Diskussion in Deutschland (2)
  • 4. S KE 4 • BMU hat in seinen Sicherheitsanforderungen von 2010 die Rückholbarkeit angesprochen • In dieser Situation entscheidet sich ESK-EL zunächst zu einer längeren internen Sachdiskussion und dann zur Herausgabe von zwei Papieren im September 2011 • Kurz und knapp „Rückholbarkeit: Thesen für eine öffentliche Diskussion“ • Und die ausführliche Diskussion in „Rückholung / Rückholbarkeit hochradioaktiver Abfälle aus einem Endlager - ein Diskussionspapier" Diskussion in Deutschland (3)
  • 5. S KE 5 • Grundlagen und Ziele einer nachhaltig sicheren Endlagerung • Varianten und Zeitskalen der Endlagerung radioaktiver Abfälle mit und ohne einer Option der Rückholbarkeit • Thematisch geordnete Argumente zur Rückholbarkeit • Position des ESK-EL • Zu klärende Aspekte zur Rückholbarkeit Das ESK-EL Papier - Inhalt
  • 6. S KE 6 Varianten und Zeitskalen Zeitskala für mögliche Rückholungskonzepte (modifiziert nach Blommaert 2010).
  • 7. S KE 7 • Sicherheitsorientierte Argumente • Gewährleistung der Langzeitsicherheit • Nachweis der Langzeitsicherheit • Betriebliche und Umgebungssicherheit • Ethische Argumente • Intragenerationelle Gerechtigkeit • Intergenerationelle Gerechtigkeit • Argumente zum Akzeptanzgewinn • Ökonomische Argumente • Argumente zu Proliferation, Kernmaterialüberwachung und Terrorismus Argumente pro und contra
  • 8. S KE 8 a) Gewährleistung der Langzeitsicherheit - Ohne Option Rückholbarkeit • Eingriff in Geosphäre bleibt geringer. • Bei Lagerkonzept und –auslegung möglicherweise Beeinträchtigungen durch Rückholungsanforderungen. • Minimierung des Kontakts mit Wasser. • Langfristiger Einschluss ohne Rückholung erreichbar. • Zeitnahe Verfüllmaßnahmen steigern die Langzeitsicherheit. • Der Verschluss wird nach bekannter Technologie sicher erfolgen. Wer weiß, ob die späteren Generationen das noch können. Sicherheitsorientierte Argumente (1)
  • 9. S KE 9 a) Gewährleistung der Langzeitsicherheit - mit Option Rückholbarkeit • Langzeitsicherheit kann grundsätzlich nicht gewährleistet werden, deshalb immer Reaktionsmöglichkeit erforderlich. • Mehr Vertrauen zu künftigem menschlichen Handeln als zum wartungsfreiem Endlagerkonzept. • Zukünftige Kontrolle, Wartung und Reparatur erhöhen Sicherheit. • Falsche Standortentscheidung kann korrigiert werden. • In der Zukunft können Weiterentwicklungen von Wissenschaft und Technik und sich auftuende Alternativmöglichkeiten die Sicherheit erhöhen. Sicherheitsorientierte Argumente (2)
  • 10. S KE 10 b) Nachweis der Langzeitsicherheit - ohne Option Rückholbarkeit • Prognose der langfristigen Entwicklung des Endlager und der Geosphäre ist viel sicherer als die der Gesellschaft. - mit Option Rückholbarkeit • Nachweis der Langzeitsicherheit ist methodisch nicht machbar bzw. nicht aussagekräftig genug. Sicherheit ist nur durch Kontrolle und Überwachung erreichbar. • Durch Überwachung können Modellvorstellungen durch laufende Beobachtung und Vergleich abgesichert werden. Sicherheitsorientierte Argumente (3)
  • 11. S KE 11 c) Betriebliche und Umgebungssicherheit - ohne Option Rückholbarkeit • Nach Verschluss keine radiologische Belastung mehr; Exposition der Beschäftigten wird minimiert. • Für offenen Zeitraum optimierte Verhältnisse, weil durch Auslegung bestimmt. • Offenhaltung kann signifikante Strahlendosen verursachen durch Kontrolle, Wartung und Reparatur. Sicherheitsorientierte Argumente (4)
  • 12. S KE 12 c) Betriebliche und Umgebungssicherheit - mit Option Rückholbarkeit • Durch langfristige Kontrollperiode kann nachhaltig die Belastung reduziert werden, die bei nicht bestimmungsgemäßer Entwicklung entsteht. • Mögliche Strahlenbelastung durch Rückholung geringer als die Belastung durch Fehlentwicklung im Endlager. Hinweis: Abwägung zwischen heutiger realer und zukünftiger potentieller Strahlenbelastung ! Sicherheitsorientierte Argumente (5)
  • 13. S KE 13 a) Intragenerationelle Gerechtigkeit - ohne Option Rückholbarkeit • Keine unnötige Belastung der zur Zeit des Betriebes lebenden Menschen in der Standortregion. - mit Option Rückholbarkeit • Standortentscheid ist Ungleichbehandlung der Menschen in der Standortregion. Deshalb muss er reversibel bleiben um möglichen Fehlentscheid rückgängig machen zu können. Ethische Argumente (1)
  • 14. S KE 14 b) Intergenerationelle Gerechtigkeit - ohne Option Rückholbarkeit • Durch Auslegung wird erreicht, dass Zukünftige nicht stärker belastet sind als Heutige. • Verursacherprinzip wird eingehalten. • Wegen der Wartungsfreiheit keine Verantwortung und Lastenweitergabe an die Zukünftigen. • Handlungsspielräume der Zukünftigen werden durch wartungsfreies Endlager nicht eingeschränkt. • Wird das Endlager vergessen, entsteht keine besondere Gefährdungssituation. Ethische Argumente (2)
  • 15. S KE 15 b) Intergenerationelle Gerechtigkeit - mit Option Rückholbarkeit • Belastungen der Zukünftigen dürfen nicht größer sein als die der Heutigen. • Verursacherprinzip verbietet Endlagerung ohne Rückholbarkeit, weil dann Schäden durch Unwissen entstehen können. Das Wissen um das Endlager darf nicht verloren gehen. • Erhaltung der Handlungsspielräume und Entscheidungsfreiheit der Zukünftigen. • Reversibilität ist grundsätzlich anzustreben wegen der nicht auszuschließenden Fehlentscheidungen. Ethische Argumente (3)
  • 16. S KE 16 • Priorität der Sicherheit  Forderungen hinsichtlich der Rückholbarkeit dürfen nicht zu einer sicherheits- technischen Verschlechterung der Endlagerung führen. • Wartungsfreiheit  Sicherheit der Endlagerung stützt sich auf Einschluss der Abfälle und muss darauf beruhen, dass nach Verschluss des Endlagers keine menschlichen Eingriffe mehr zur Aufrechterhaltung der Sicherheit notwendig sind. • Verschluss der Abfallräume und des Endlagers so schnell als möglich, damit ein Wassereinbruch nicht zu Freisetzungen führt.  Weitere Offenhaltung führt zu unnötigen Wegsamkeiten für eindringendes Wasser. Position der ESK-EL (1)
  • 17. S KE 17 • Intensive Beobachtung während der Betriebsphase; v.a. zur Überprüfung der Vorausberechnungen.  Wenn Zweifel, dann entsprechende Gegenmaßnahmen bzw. Rückholung. • Nachüberwachungsprogramm (von der Tagesoberfläche aus) während einer „frühen" Nachbetriebsphase von einigen Jahrhunderten. • Möglichst lange Erhaltung der Dokumentation über Art und genaue Lage der Abfälle, die im Anforderungsfall Planung einer Rückholung ermöglicht. Position der ESK-EL (2)
  • 18. S KE 18 Aus: BMU - Sicherheitsanforderungen an die Endlagerung wärmeentwickelnder radioaktiver Abfälle (Stand 30. September 2010) Amtlicherseits (1) 8 .6 Abfallbehälter müssen unter Berücksichtigung der darin verpackten Abfallprodukte und des sie umgebenden Versatzes folgende Sicherheitsfunktionen erfüllen: • Für die wahrscheinlichen Entwicklungen muss eine Handhabbarkeit der Abfallbehälter bei einer eventuellen Bergung aus dem stillgelegten und verschlossenen Endlager für einen Zeitraum von 500 Jahren gegeben sein. Dabei ist die Vermeidung von Freisetzungen radioaktiver Aerosole zu beachten. • In der Betriebsphase bis zum Verschluss der Schächte oder Rampen muss eine Rückholung der Abfallbehälter möglich sein. Maßnahmen, die zur Sicherstellung der Möglichkeiten zur Rückholung oder Bergung getroffen werden, dürfen die passiven Sicherheitsbarrieren und damit die Langzeitsicherheit nicht beeinträchtigen.
  • 19. S KE Derzeit wird ein Endlagersuchgesetz zwischen den Parteien und Bundesländern diskutiert. Falls es verabschiedet wird, bildet es die zentrale Grundlage für das weitere Verfahren hinsichtlich des Endlagers. Eine Passage im aktuellen Entwurf lautet: Zu den Entscheidungsgrundlagen für eine Standortentscheidung gehören … 3. Anforderungen an die Konzeption der Endlagerung, insbesondere zu den Fragen der Rückholbarkeit und Bergbarkeit der radioaktiven Abfälle und nachsorgefreien Konzeption der Endlagerung, … 19 Amtlicherseits (2)