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w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e
Genese und Struktur von Menschenbildern
2015
Professor Dr. Armin G. Wildfeuer, Köln
w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e
 Zu allen Zeiten fragt der Mensch nach sich selbst: er versucht
seiner Lebenswirklichkeit als Mensch eine Sinndeutung zu
geben.
 Mit dem Vollzug des menschlichen Lebens ist immer eine
Interpretation dieses Vollzugs verknüpft: Die denkerische
Selbstdeutung des Menschen ist eine ursprüngliche
Komponente seiner Lebenspraxis!
 Zum Menschen gehört daher immer eine Art von
Anthropologie, eine Lehre vom Selbstverständis des
Menschen, das zu einem Menschenbild gerinnt.
Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer Folie Nr. 2
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Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer Folie Nr. 3
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Unterschiedliche Gründe können zum
Nachdenken über sich selbst führen:
• persönliche Schwierigkeiten,
• herbe Enttäuschungen,
• zu hoch gesteckte Hoffnungen,
• unerfüllte Sehnsüchte
• qualvolle Ängste.
Man stellt sich Fragen, weshalb, warum, wieso
und kommt dann meist auch zu der Frage, wer
man eigentlich selbst ist.
Es folgt ein Entwurf eines Selbstbildes und
darüber hinaus auch Entwürfe der Bilder der
Mitmenschen, Bilder von Gott u. Göttern und
der Welt überhaupt.
• Selbstbild
• Bild der Anderen
• generalisiertes
Menschenbild
Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer Folie Nr. 4
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Das „existentielle“ Motiv
der Frage nach sich selbst:
Der Mensch wird sich in seiner Fraglichkeit und der
Angewiesenheit auf Deutung seines Lebens
besonders da bewusst,
 wo er mit der Unausweichlichkeit seines Todes
konfrontiert wird („Grablegung“ als typisch
„menschlich);
 wo er heroischen Leistungen begegnet, die an das
„Über-menschliche“ rühren;
 wo er individuellen oder gemeinschaftlichen
Exzessen der Gewalt gegen andere Menschen
begegnet;
 wo ihm das wider alle Vernunft erfolgende
Ausklinken eines so elementaren Triebes wie des
Triebes der Selbsterhaltung („Selbsttötung“)
begegnet;
 wo er die Erfahrung der Pluralität der
Lebensordnungen, Kulturen, Moralsysteme und
Religionen macht;
 wo er „Grenzsituationen“ (Karl Jaspers) begegnet.
• Selbstbild
• Bild der Anderen
• generalisiertes
Menschenbild
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Das „existentielle“ Motiv
der Frage nach sich selbst:
Der Mensch wird sich in seiner Fraglichkeit und der
Angewiesenheit auf Deutung seines Lebens
besonders da bewusst,
 wo er mit der Unausweichlichkeit seines Todes
konfrontiert wird („Grablegung“ als typisch
„menschlich);
 wo er heroischen Leistungen begegnet, die an das
„Über-menschliche“ rühren;
 wo er individuellen oder gemeinschaftlichen
Exzessen der Gewalt gegen andere Menschen
begegnet;
 wo ihm das wider alle Vernunft erfolgende
Ausklinken eines so elementaren Triebes wie des
Triebes der Selbsterhaltung („Selbsttötung“)
begegnet;
 wo er die Erfahrung der Pluralität der
Lebensordnungen, Kulturen, Moralsysteme und
Religionen macht;
 wo er „Grenzsituationen“ (Karl Jaspers) begegnet.
• Selbstbild
• Bild der Anderen
• generalisiertes
Menschenbild
Wir bringen immer schon eine (mehr oder
weniger bewusste) Deutung des Menschen
mit, die in bestimmten Situationen (des
Scheiterns) erschüttert wird und uns
danach fragen lässt, was der Mensch ist.
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Das „denkgeschichtliche “ Motiv
der Frage nach sich selbst:
 Faktum: Es begegnen denk- und
geistesgeschichtlich verschiedene Deutungen
des Menschen.
 Martin Buber (1878-1965): die Frage nach dem
Menschen wird immer dann ausdrücklich
gestellt, wenn eine traditionelle Deutung ihre
allgemeine und unmittelbare Überzeugungskraft
verliert:
„Geistesgeschichtliche Paradigmenwechsel“:
Antike (5.Jh. v. – 5. Jh. n. Chr.
christliches Mittelalter (6-14. Jh)
Neuzeit (15.-19. Jh)
Moderne (ab 19. Jh.)
Wechsel der anthropolog. Orientierungsgrößen:
Gott – Natur - Kultur
 Folge: Neue „Menschenbilder“
• Selbstbild
• Bild der Anderen
• generalisiertes
Menschenbild
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Der Mensch braucht „Menschenbilder“
• für die Selbstinterpretation, mithin
Vorstellungen von sich, um sich eine Gestalt,
eine Möglichkeit der Orientierung geben zu
können.
• für die Interpretation und Einschätzung der
anderen Menschen als Mitmenschen.
Quellen von Menschenbildern:
• Verdichtung durch Selbsterfahrung: die
Verdichtung dieser Vorstellungen von sich und
von den anderen durch Vergleich,
Generalisierung, Abstraktion und eigener
Erfahrung, und
• Abgleich mit historisch vorfindbaren
Menschenbildern und deren Komponenten
führt zu mehr oder minder klar konturierten
generellen Bildern vom Menschen.
• Selbstbild
• Bild der Anderen
• generalisiertes
Menschenbild
Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer Folie Nr. 8
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Historisch vorgefundene Komponenten von
Menschenbildern, z.B.:
• Selbstbild
• Bild der Anderen
• generalisiertes
Menschenbild
Seele
Vernunft
Wille
Gefühl
Freiheit
Gedächtnis
Leib
etc.
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Ein generelles
Menschenbild entsteht
dann, wenn diese
Komponenten in ein
versuchsweise
kohärentes und
konsistentes Gesamtbild
des Menschen überführt
werden.
Diese Gesamtbild
verfestigt sich zu einer
rational plausiblen
Theorie, die als
Anthropologie formuliert
wird.
Es gibt eine
historische Pluralität
von solchen
anthropologischen
Theorien
• Selbstbild
• Bild der Anderen
• generalisiertes
Menschenbild
Seele
Vernunft
Wille
Gefühl
Freiheit
Gedächtnis
Leib
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Menschenbild und Weltbild:
Insofern der Mensch Teil der
Welt ist, mithin seine Existenz
durch „in-der-Welt-Sein“
gekennzeichnet ist, ist das
Menschenbild auch Teil
des Weltbildes.
Menschenbild wie Weltbild
sind Teil einer
umfassenden Überzeugung
oder Lehre, nach deren
Kohärenz und Konsistenz
gefragt wird.
Z.B.:
 christliches
 buddhistisches
 humanistisches
 Darwinistisches
Menschen- und Weltbild.
Weltbild
Menschen
-bild
Selbstbild
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Was ist ein
„Menschenbild“!
Menschenbild =
ein allgemein gebräuchlicher Begriff für die Vorstellung oder
das Gesamtbild, das jemand vom Wesen des Menschen,
seinen Eigentümlichkeiten, Vermögen, Grundbestimmungen
und seinen Grundvollzügen hat.
Jedes Menschenbild verdankt sich einer historischen oder
individuellen Erfahrung oder Vision des Gelingens des
Lebens.
Jedes Menschenbild nimmt den Menschen in seiner
Ganzheit in den Blick und muss sich auf Kohärenz und
Stimmigkeit hin befragen lassen.
Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer Folie Nr. 12
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hinter …
Psychologischen Theorien (Freud – Behaviorismus etc.)
Politische Theorien (z.B. Kommunismus – Liberalismus
Soziologische Theorien
Pädagogische und sozialarbeiterische Theorien
Regierungsformen (Demokratie, Monarchie, Diktatur)
Wirtschaftsformen (z. B. Kapitalismus – Sozialismus – Soziale
Marktwirtschaft)
Politischem Handeln (Anreiz versus strenges Reglement)
Umgangsformen (Höflichkeit – Misstrauen – Wohlwollen)
Unternehmensführung (Mitarbeiterführung: compliance/integrity-Ansatz)
Werbung und Moden
Kulturen und Religionen (Buddhismus – Hinduismus – Christentum – Islam)
Epochen und Zeiten (Antike, Renaissance, Moderne etc.)
Philosophischen Ansätzen (Idealismus, Materialismus, Platonismus etc.)
… und
überhaupt:
Hinter
vielem
steckt
ein
„Menschenbild“!
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0/14
Definition:
Philosophische Anthropologie ist die
Disziplin vom Wesen des Menschen, seinen
Vermögen (seinen geistigen und
körperlichen Fähigkeiten) und seiner
Stellung in der Wirklichkeit.
Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer
w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e
0/15
Struktur von Menschenbildern
Grundtypen von Menschenbildern
Anthropologische Grundstandpunkte
Anthropologie des 20. Jahrhunderts
Kap. 1:
„Menschenbilder“.
Grundstandpunkte und
historische Ansätze der
Philosophischen
Anthropologie
1.1
1.2
1.3
1.4
Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer
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Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer Folie Nr. 16
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• wer ist überhaupt Mensch („Unmensch“)?
• wann beginnt und wann endet das Menschsein?
• ist der Mensch frei oder determiniert?
• ist der Mensch von Vernunft, oder vom Willen oder von Gefühlen geleitet?
• was ist die Bestimmung und das Ziel menschlichen Lebens?
• woran kann sich der Mensch in Denken und Handeln orientieren?
• welche Rolle spielen Leidenschaften, Triebe und Neigungen für den Menschen?
• wie verhalten sich Individualität und Sozialität zueinander?
• wie ist das Zusammenleben unter Menschen adäquat zu gestalten?
• worin bestehen Gleichheit und Würde des Menschen?
• wie verhält es sich mit der Geschichtlichkeit des Menschen (ist alles „relativ“)?
• welche Rechte und Pflichten hat er sich und anderen gegenüber?
• warum fragt er nach dem Sinn seines Lebens?
• warum ist jeder Mensch „hilfsbedürftig“?
• warum scheitern Menschen überhaupt – gehört es zum Menschsein?
AufwelcheFragengeben
„Menschenbilder“eineAntwort?
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0/18
Normative Konsequenzen
Ein Menschenbild hat normative Konsequenzen
für das Verhalten gegenüber Mensch, Tier und Natur.
Anthropologische Komponenten
Ein Menschenbild lässt sich immer in bestimmte anthropologischen Grundkomponenten zerlegen.
Weltanschaulicher Bezugsrahmen
Ein Menschenbild ist immer in eine bestimmte Grundüberzeugung oder Lehre als ihren weltanschaulichen
Rahmen (Bezugsrahmen) eingebunden, den jemand vertritt und der die Gesamtdeutung der Welt und des
Menschen in ihr zum Gegenstand hat.
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0/19
Normative
Konsequenzen
Anthropologische
Komponenten
Weltanschaulicher
Bezugsrahmen
Jedes Menschenbild als ganzes ist
im Ausgang von jeder dieser 3
Komponenten rekonstruierbar!
Aus jeder der Komponenten lassen
sich unter Kohärenzannahmen
Rückschlüsse auf die beiden
anderen Komponenten ziehen.
Beispiel:
„deterministisches Menschenbild“
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0/20
Normative
Konsequenzen
Anthropologische
Komponenten
Weltanschaulicher
Bezugsrahmen
Im Ausgang vom Bezugsrahmen:
 kultureller (europäisches, asiatisches etc. MB)
 religiöser (christliches, islamisches,
hinduistisches MB)
 wissenschaftlicher (biologisches,
medizinisches, philosophisches,
theologisches etc. MB)
 historischer (antikes, mittelalterliches,
modernes MB)
 weltanschauliches (faschistisches,
kommunistisches, demorkatisches etc.)
 allgemein-theoretischer (Kantisches,
Aristotelisches, Darwinistisches,
aufklärerisches etc. MB)
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0/21
Normative
Konsequenzen
Anthropologische
Komponenten
Weltanschaulicher
Bezugsrahmen
Seele
Vernunft
Verstand
Wille
GefühlFreiheit
Gedächtnis
Körper/Leib
Trieb
Spannungen?
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0/22
Normative
Konsequenzen
Anthropologische
Komponenten
Weltanschaulicher
Bezugsrahmen
Seele
Vernunft
Verstand
Wille
GefühlFreiheit
Gedächtnis
Körper/Leib
Trieb
Ordnung?
Hierarchie?
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0/23
Normative
Konsequenzen
Anthropologische
Komponenten
Weltanschaulicher
Bezugsrahmen
Ordnung?
Hierarchie?
Seele
Körper/Leib
Vernunft
Verstand
Wille
Gefühl
Körper/Leib
Trieb
FreiheitGeist
Materie Determi-
nation
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0/24
Normative
Konsequenzen
Anthropologische
Komponenten
Weltanschaulicher
Bezugsrahmen
Spannungsdimensionen:
 Freiheit oder Determination des
Menschen
 Primat von Vernunft oder
Trieb/Gefühl/Neigung
 Primat von Individualität oder
Kollektivität
 Primat von Leib oder Geist
 Gleichheit oder Ungleichheit
 Primat von Vernunft oder Wille
(Intellektualismus/Voluntarismus)
 Identität und Geschichtlichkeit
 Bedeutung der Sprache
 etc.
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Struktur eines anthropologischen
Orientierungsmodells„Mehrdimensionalität des Menschseins“:
„Dimensionen“ sind gedankliche Konstrukte, die man nicht direkt beobachten, aber notwendig denken
muss, um die Vielzahl der menschlichen Fähigkeiten, Vermögen und Eigenschaften in ihrem
Wechselverhältnis zueinander und in ihrem gegenseitigen Bedingtsein als Ganzheit zu denken.
• die biologisch-leibliche DimensionKörper/Leib
• die emotional-affektive DimensionEmotion
• die volitiv-gestaltende DimensionVolition
• die kognitiv-rationale DimensionKognition
• die sozial-kommunikative DimensionSozialität
• die kulturell-geschichtliche DimensionKulturalität
• die ökologisch-poietische DimensionNaturalität
• die personale Dimension des HandelnsFreiheit
Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer Folie Nr. 25
w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e
Emotion
Emotional-affektive
Dimension
Kognition
Kognitiv-rationale
Dimension
Volition
Volitiv-gestaltende
Dimension
Sozialität
Sozial-kommunikative
Dimension
Kulturalität
Kulturell-geschichtliche
Dimension
Körper/Leib
Biologisch-leibliche Dimension
Naturalität
Ökologisch-poietische
Dimension
Ganzheit des Menschen
in 8 Dimensionen:
Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer Folie Nr. 26
w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e
0/27
Normative
Konsequenzen
Anthropologische
Komponenten
Weltanschaulicher
Bezugsrahmen
Im Ausgang von den normativen Konsequenzen:
 Moral – Ethik - Ethos
 Utilitarismus (Mensch als Lust/Unlust-
Kalkulator)
 Recht des Stärkeren
 Würde oder Würdelosigkeit
 Verhältnis Mensch/Mensch – Mensch/Tier
 Egoismus – Altruismus
 Pflicht oder Tugend
 Der „menschliche“ Staat
 Gerechtigkeit: „jedem das Gleiche“ oder
„jedem das Seine“
 Wohlwollen oder Misstrauen
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w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e
0/28
Normative Konsequenzen
Ein Menschenbild hat normative Konsequenzen
für das Verhalten gegenüber Mensch, Tier und Natur.
Anthropologische Komponenten
Ein Menschenbild lässt sich immer in bestimmte anthropologischen Grundkomponenten zerlegen.
Weltanschaulicher Bezugsrahmen
Ein Menschenbild ist immer in eine bestimmte Grundüberzeugung oder Lehre als ihren weltanschaulichen
Rahmen (Bezugsrahmen) eingebunden, den jemand vertritt und der die Gesamtdeutung der Welt und des
Menschen in ihr zum Gegenstand hat.
Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer
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Copyright by
Prof. Dr. Armin G. Wildfeuer
2015
Mail: mail@armin-wildfeuer.de
Webseite: www.armin-wildfeuer.de
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Genese und Struktur von Menschenbildern

  • 1. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e Genese und Struktur von Menschenbildern 2015 Professor Dr. Armin G. Wildfeuer, Köln
  • 2. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e  Zu allen Zeiten fragt der Mensch nach sich selbst: er versucht seiner Lebenswirklichkeit als Mensch eine Sinndeutung zu geben.  Mit dem Vollzug des menschlichen Lebens ist immer eine Interpretation dieses Vollzugs verknüpft: Die denkerische Selbstdeutung des Menschen ist eine ursprüngliche Komponente seiner Lebenspraxis!  Zum Menschen gehört daher immer eine Art von Anthropologie, eine Lehre vom Selbstverständis des Menschen, das zu einem Menschenbild gerinnt. Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer Folie Nr. 2
  • 3. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer Folie Nr. 3
  • 4. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e Unterschiedliche Gründe können zum Nachdenken über sich selbst führen: • persönliche Schwierigkeiten, • herbe Enttäuschungen, • zu hoch gesteckte Hoffnungen, • unerfüllte Sehnsüchte • qualvolle Ängste. Man stellt sich Fragen, weshalb, warum, wieso und kommt dann meist auch zu der Frage, wer man eigentlich selbst ist. Es folgt ein Entwurf eines Selbstbildes und darüber hinaus auch Entwürfe der Bilder der Mitmenschen, Bilder von Gott u. Göttern und der Welt überhaupt. • Selbstbild • Bild der Anderen • generalisiertes Menschenbild Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer Folie Nr. 4
  • 5. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e Das „existentielle“ Motiv der Frage nach sich selbst: Der Mensch wird sich in seiner Fraglichkeit und der Angewiesenheit auf Deutung seines Lebens besonders da bewusst,  wo er mit der Unausweichlichkeit seines Todes konfrontiert wird („Grablegung“ als typisch „menschlich);  wo er heroischen Leistungen begegnet, die an das „Über-menschliche“ rühren;  wo er individuellen oder gemeinschaftlichen Exzessen der Gewalt gegen andere Menschen begegnet;  wo ihm das wider alle Vernunft erfolgende Ausklinken eines so elementaren Triebes wie des Triebes der Selbsterhaltung („Selbsttötung“) begegnet;  wo er die Erfahrung der Pluralität der Lebensordnungen, Kulturen, Moralsysteme und Religionen macht;  wo er „Grenzsituationen“ (Karl Jaspers) begegnet. • Selbstbild • Bild der Anderen • generalisiertes Menschenbild Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer Folie Nr. 5
  • 6. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e Das „existentielle“ Motiv der Frage nach sich selbst: Der Mensch wird sich in seiner Fraglichkeit und der Angewiesenheit auf Deutung seines Lebens besonders da bewusst,  wo er mit der Unausweichlichkeit seines Todes konfrontiert wird („Grablegung“ als typisch „menschlich);  wo er heroischen Leistungen begegnet, die an das „Über-menschliche“ rühren;  wo er individuellen oder gemeinschaftlichen Exzessen der Gewalt gegen andere Menschen begegnet;  wo ihm das wider alle Vernunft erfolgende Ausklinken eines so elementaren Triebes wie des Triebes der Selbsterhaltung („Selbsttötung“) begegnet;  wo er die Erfahrung der Pluralität der Lebensordnungen, Kulturen, Moralsysteme und Religionen macht;  wo er „Grenzsituationen“ (Karl Jaspers) begegnet. • Selbstbild • Bild der Anderen • generalisiertes Menschenbild Wir bringen immer schon eine (mehr oder weniger bewusste) Deutung des Menschen mit, die in bestimmten Situationen (des Scheiterns) erschüttert wird und uns danach fragen lässt, was der Mensch ist. Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer Folie Nr. 6
  • 7. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e Das „denkgeschichtliche “ Motiv der Frage nach sich selbst:  Faktum: Es begegnen denk- und geistesgeschichtlich verschiedene Deutungen des Menschen.  Martin Buber (1878-1965): die Frage nach dem Menschen wird immer dann ausdrücklich gestellt, wenn eine traditionelle Deutung ihre allgemeine und unmittelbare Überzeugungskraft verliert: „Geistesgeschichtliche Paradigmenwechsel“: Antike (5.Jh. v. – 5. Jh. n. Chr. christliches Mittelalter (6-14. Jh) Neuzeit (15.-19. Jh) Moderne (ab 19. Jh.) Wechsel der anthropolog. Orientierungsgrößen: Gott – Natur - Kultur  Folge: Neue „Menschenbilder“ • Selbstbild • Bild der Anderen • generalisiertes Menschenbild Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer Folie Nr. 7
  • 8. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e Der Mensch braucht „Menschenbilder“ • für die Selbstinterpretation, mithin Vorstellungen von sich, um sich eine Gestalt, eine Möglichkeit der Orientierung geben zu können. • für die Interpretation und Einschätzung der anderen Menschen als Mitmenschen. Quellen von Menschenbildern: • Verdichtung durch Selbsterfahrung: die Verdichtung dieser Vorstellungen von sich und von den anderen durch Vergleich, Generalisierung, Abstraktion und eigener Erfahrung, und • Abgleich mit historisch vorfindbaren Menschenbildern und deren Komponenten führt zu mehr oder minder klar konturierten generellen Bildern vom Menschen. • Selbstbild • Bild der Anderen • generalisiertes Menschenbild Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer Folie Nr. 8
  • 9. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e Historisch vorgefundene Komponenten von Menschenbildern, z.B.: • Selbstbild • Bild der Anderen • generalisiertes Menschenbild Seele Vernunft Wille Gefühl Freiheit Gedächtnis Leib etc. Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer Folie Nr. 9
  • 10. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e Ein generelles Menschenbild entsteht dann, wenn diese Komponenten in ein versuchsweise kohärentes und konsistentes Gesamtbild des Menschen überführt werden. Diese Gesamtbild verfestigt sich zu einer rational plausiblen Theorie, die als Anthropologie formuliert wird. Es gibt eine historische Pluralität von solchen anthropologischen Theorien • Selbstbild • Bild der Anderen • generalisiertes Menschenbild Seele Vernunft Wille Gefühl Freiheit Gedächtnis Leib Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer Folie Nr. 10
  • 11. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e Menschenbild und Weltbild: Insofern der Mensch Teil der Welt ist, mithin seine Existenz durch „in-der-Welt-Sein“ gekennzeichnet ist, ist das Menschenbild auch Teil des Weltbildes. Menschenbild wie Weltbild sind Teil einer umfassenden Überzeugung oder Lehre, nach deren Kohärenz und Konsistenz gefragt wird. Z.B.:  christliches  buddhistisches  humanistisches  Darwinistisches Menschen- und Weltbild. Weltbild Menschen -bild Selbstbild Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer Folie Nr. 11
  • 12. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e Was ist ein „Menschenbild“! Menschenbild = ein allgemein gebräuchlicher Begriff für die Vorstellung oder das Gesamtbild, das jemand vom Wesen des Menschen, seinen Eigentümlichkeiten, Vermögen, Grundbestimmungen und seinen Grundvollzügen hat. Jedes Menschenbild verdankt sich einer historischen oder individuellen Erfahrung oder Vision des Gelingens des Lebens. Jedes Menschenbild nimmt den Menschen in seiner Ganzheit in den Blick und muss sich auf Kohärenz und Stimmigkeit hin befragen lassen. Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer Folie Nr. 12
  • 13. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e hinter … Psychologischen Theorien (Freud – Behaviorismus etc.) Politische Theorien (z.B. Kommunismus – Liberalismus Soziologische Theorien Pädagogische und sozialarbeiterische Theorien Regierungsformen (Demokratie, Monarchie, Diktatur) Wirtschaftsformen (z. B. Kapitalismus – Sozialismus – Soziale Marktwirtschaft) Politischem Handeln (Anreiz versus strenges Reglement) Umgangsformen (Höflichkeit – Misstrauen – Wohlwollen) Unternehmensführung (Mitarbeiterführung: compliance/integrity-Ansatz) Werbung und Moden Kulturen und Religionen (Buddhismus – Hinduismus – Christentum – Islam) Epochen und Zeiten (Antike, Renaissance, Moderne etc.) Philosophischen Ansätzen (Idealismus, Materialismus, Platonismus etc.) … und überhaupt: Hinter vielem steckt ein „Menschenbild“! Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer Folie Nr. 13
  • 14. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e 0/14 Definition: Philosophische Anthropologie ist die Disziplin vom Wesen des Menschen, seinen Vermögen (seinen geistigen und körperlichen Fähigkeiten) und seiner Stellung in der Wirklichkeit. Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer
  • 15. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e 0/15 Struktur von Menschenbildern Grundtypen von Menschenbildern Anthropologische Grundstandpunkte Anthropologie des 20. Jahrhunderts Kap. 1: „Menschenbilder“. Grundstandpunkte und historische Ansätze der Philosophischen Anthropologie 1.1 1.2 1.3 1.4 Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer
  • 16. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer Folie Nr. 16
  • 17. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e • wer ist überhaupt Mensch („Unmensch“)? • wann beginnt und wann endet das Menschsein? • ist der Mensch frei oder determiniert? • ist der Mensch von Vernunft, oder vom Willen oder von Gefühlen geleitet? • was ist die Bestimmung und das Ziel menschlichen Lebens? • woran kann sich der Mensch in Denken und Handeln orientieren? • welche Rolle spielen Leidenschaften, Triebe und Neigungen für den Menschen? • wie verhalten sich Individualität und Sozialität zueinander? • wie ist das Zusammenleben unter Menschen adäquat zu gestalten? • worin bestehen Gleichheit und Würde des Menschen? • wie verhält es sich mit der Geschichtlichkeit des Menschen (ist alles „relativ“)? • welche Rechte und Pflichten hat er sich und anderen gegenüber? • warum fragt er nach dem Sinn seines Lebens? • warum ist jeder Mensch „hilfsbedürftig“? • warum scheitern Menschen überhaupt – gehört es zum Menschsein? AufwelcheFragengeben „Menschenbilder“eineAntwort? Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer Folie Nr. 17
  • 18. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e 0/18 Normative Konsequenzen Ein Menschenbild hat normative Konsequenzen für das Verhalten gegenüber Mensch, Tier und Natur. Anthropologische Komponenten Ein Menschenbild lässt sich immer in bestimmte anthropologischen Grundkomponenten zerlegen. Weltanschaulicher Bezugsrahmen Ein Menschenbild ist immer in eine bestimmte Grundüberzeugung oder Lehre als ihren weltanschaulichen Rahmen (Bezugsrahmen) eingebunden, den jemand vertritt und der die Gesamtdeutung der Welt und des Menschen in ihr zum Gegenstand hat. Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer
  • 19. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e 0/19 Normative Konsequenzen Anthropologische Komponenten Weltanschaulicher Bezugsrahmen Jedes Menschenbild als ganzes ist im Ausgang von jeder dieser 3 Komponenten rekonstruierbar! Aus jeder der Komponenten lassen sich unter Kohärenzannahmen Rückschlüsse auf die beiden anderen Komponenten ziehen. Beispiel: „deterministisches Menschenbild“ Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer
  • 20. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e 0/20 Normative Konsequenzen Anthropologische Komponenten Weltanschaulicher Bezugsrahmen Im Ausgang vom Bezugsrahmen:  kultureller (europäisches, asiatisches etc. MB)  religiöser (christliches, islamisches, hinduistisches MB)  wissenschaftlicher (biologisches, medizinisches, philosophisches, theologisches etc. MB)  historischer (antikes, mittelalterliches, modernes MB)  weltanschauliches (faschistisches, kommunistisches, demorkatisches etc.)  allgemein-theoretischer (Kantisches, Aristotelisches, Darwinistisches, aufklärerisches etc. MB) Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer
  • 21. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e 0/21 Normative Konsequenzen Anthropologische Komponenten Weltanschaulicher Bezugsrahmen Seele Vernunft Verstand Wille GefühlFreiheit Gedächtnis Körper/Leib Trieb Spannungen? Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer
  • 22. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e 0/22 Normative Konsequenzen Anthropologische Komponenten Weltanschaulicher Bezugsrahmen Seele Vernunft Verstand Wille GefühlFreiheit Gedächtnis Körper/Leib Trieb Ordnung? Hierarchie? Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer
  • 23. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e 0/23 Normative Konsequenzen Anthropologische Komponenten Weltanschaulicher Bezugsrahmen Ordnung? Hierarchie? Seele Körper/Leib Vernunft Verstand Wille Gefühl Körper/Leib Trieb FreiheitGeist Materie Determi- nation Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer
  • 24. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e 0/24 Normative Konsequenzen Anthropologische Komponenten Weltanschaulicher Bezugsrahmen Spannungsdimensionen:  Freiheit oder Determination des Menschen  Primat von Vernunft oder Trieb/Gefühl/Neigung  Primat von Individualität oder Kollektivität  Primat von Leib oder Geist  Gleichheit oder Ungleichheit  Primat von Vernunft oder Wille (Intellektualismus/Voluntarismus)  Identität und Geschichtlichkeit  Bedeutung der Sprache  etc. Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer
  • 25. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e Struktur eines anthropologischen Orientierungsmodells„Mehrdimensionalität des Menschseins“: „Dimensionen“ sind gedankliche Konstrukte, die man nicht direkt beobachten, aber notwendig denken muss, um die Vielzahl der menschlichen Fähigkeiten, Vermögen und Eigenschaften in ihrem Wechselverhältnis zueinander und in ihrem gegenseitigen Bedingtsein als Ganzheit zu denken. • die biologisch-leibliche DimensionKörper/Leib • die emotional-affektive DimensionEmotion • die volitiv-gestaltende DimensionVolition • die kognitiv-rationale DimensionKognition • die sozial-kommunikative DimensionSozialität • die kulturell-geschichtliche DimensionKulturalität • die ökologisch-poietische DimensionNaturalität • die personale Dimension des HandelnsFreiheit Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer Folie Nr. 25
  • 26. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e Emotion Emotional-affektive Dimension Kognition Kognitiv-rationale Dimension Volition Volitiv-gestaltende Dimension Sozialität Sozial-kommunikative Dimension Kulturalität Kulturell-geschichtliche Dimension Körper/Leib Biologisch-leibliche Dimension Naturalität Ökologisch-poietische Dimension Ganzheit des Menschen in 8 Dimensionen: Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer Folie Nr. 26
  • 27. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e 0/27 Normative Konsequenzen Anthropologische Komponenten Weltanschaulicher Bezugsrahmen Im Ausgang von den normativen Konsequenzen:  Moral – Ethik - Ethos  Utilitarismus (Mensch als Lust/Unlust- Kalkulator)  Recht des Stärkeren  Würde oder Würdelosigkeit  Verhältnis Mensch/Mensch – Mensch/Tier  Egoismus – Altruismus  Pflicht oder Tugend  Der „menschliche“ Staat  Gerechtigkeit: „jedem das Gleiche“ oder „jedem das Seine“  Wohlwollen oder Misstrauen Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer
  • 28. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e 0/28 Normative Konsequenzen Ein Menschenbild hat normative Konsequenzen für das Verhalten gegenüber Mensch, Tier und Natur. Anthropologische Komponenten Ein Menschenbild lässt sich immer in bestimmte anthropologischen Grundkomponenten zerlegen. Weltanschaulicher Bezugsrahmen Ein Menschenbild ist immer in eine bestimmte Grundüberzeugung oder Lehre als ihren weltanschaulichen Rahmen (Bezugsrahmen) eingebunden, den jemand vertritt und der die Gesamtdeutung der Welt und des Menschen in ihr zum Gegenstand hat. Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer
  • 29. w w w . a r m i n – w i l d f e u e r . d e Copyright by Prof. Dr. Armin G. Wildfeuer 2015 Mail: mail@armin-wildfeuer.de Webseite: www.armin-wildfeuer.de Menschenbilder - 2015 Copyright by Armin G. Wildfeuer Folie Nr. 29