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(Langfassung eines Beitrags der in der Zeitschrif für E-Learning 2/2010 erschienen ist,
Schwerpunkt „E-Learning und Bologna“, hrsg. von Rolf Schulmeister)

Sandra Schafert, Martn Ebner

Die Standortatraktvität europäischer Hochschulen fördern? -
Der mögliche Beitrag von Open Content


1 Einleitung
Von den Zielen des Bologna-Prozesses haben vor allem die Anforderungen an die
Neustrukturierungen der Studiengänge und -abschlüsse zu zahlreichen Veränderungen, Debaten,
und Evaluatonen geführt. Es wird dabei hinterfragt, inwieweit die neuen Abschlüsse
Arbeitsmarktchancen der Studiengänger verändern (vgl. Projekt „Bologna und die Folgen“1) oder in
welcher Weise die ECTS-Bewertung von Lehrveranstaltungen mit dem tatsächlichen
Arbeitsaufwand der Studierenden korrespondiert (vgl. Projekt „ZEITLast“2). Ob die wesentlichen
Ziele des Bologna-Prozesses erreicht wurden, ist demnach noch unklar: Zehn Jahre nach
Einführung des Bologna-Prozesses konstatert ein unabhängiges Gutachten, dass es noch zu früh
ist, um beurteilen zu können inwieweit die angestrebten Ziele der Kompatbilität, der
Vergleichbarkeit und der Atraktvität europäischer Studienangebote erreicht werden
(Westerhejden u.a. 2010, S. 107).

Den Bologna-Prozess mit ins Laufen gebracht hat auch das Ziel, europäische Hochschulen für
internatonale Studierende atraktv zu machen. Die unkomplizierte Anerkennung von
Studienleistungen erscheint hierbei ein bedeutsamer Faktor bei der Entscheidung, ob man in der
Europäischen Union studieren möchte. In diesem Beitrag möchten wir an dem Wunsch einer
größeren Atraktvität bzw. Wahrnehmung einer Universität als atraktven Studienplatz anknüpfen.
Dazu widmen wir uns einer Bewegung, die in den letzten Jahren erheblich Aufrieb und
Aufmerksamkeit gewonnen hat: Neben den Open-Access-Initatven die einen freien Zugang zu
wissenschaflichen Veröfentlichungen fordern und fördern entstanden eine Reihe von Initatven,
die sich mit dem verwandten Thema der ofenen Bildungsressourcen auseinandersetzen. Im
englischen Sprachraum werden dabei die Bezeichnungen „Open Educatonal Resources“ (OER)
oder „Open Content“ verwendet. Open Content kann im „im Sinne der freien Zugänglichkeit zu
Bildungsinhalten als ein wichtger Schrit zur Erhöhung der Chancengleichheit und als ein weiterer
Baustein auf dem Weg zur Harmonisierung des europäischen Hochschulraums im Sinne der
Bologna-Deklaraton gesehen“ werden (Oberhuemer & Pfefer, 2008, aus der Zusammenfassung).

In diesem Beitrag möchten wir an Hand von Zugrifs- und Downloadzahlen von Open Content eine
erste Einschätzung vornehmen, ob mit Open Content neue Zielgruppen und Lernende außerhalb
der Hochschulen erreicht werden.

2 Open Content an Hochschulen
Häufg werden unter ofenen Bildungsressourcen Lern- und Lehrmaterialien verstanden, die im
Netz zur Verfügung stehen. Aufgrund der europäischen Urheberrechtsbestmmung ist eine

1 Bologna und die Folgen, Universität Konstanz, htp://ipunikonstanz.wordpress.com/forschung/ [2010-05-15]
2 „Lehrzeit und Lernzeit: Studierbarkeit der BA-/BSc und MA-/MSc-Studiengänge als Adapton von Lehrorganisaton
  und Zeitmanagement unter Berücksichtgung von Fächerkultur und Neuen Technologien“, siehe
  htp://www.zhw.uni-hamburg.de/zhw/?page_id=419 [2010-05-15]
Verwendung solcher Materialien aber nicht ohne weiteres für Lern- und Lehrzwecke erlaubt. Daher
wird der Begrif der ofenen Bildungsressourcen häufg speziell für Materialien verwendet, die
nicht nur im Web zur Verfügung stehen sondern auch entsprechend liberal lizensiert wurden. Im
besten Falle sind auch Modifkatonen der Ressourcen erlaubt und wurden mit Open-Source-
Sofware erstellt bzw. sind damit modifzierbar. Dadurch fällt auch entsprechende ofen lizensierte
Sofware unter dieser weiten Defniton von ofenen Bildungsressourcen (vgl. Geser, 2007).

Im Folgenden konzentrieren wir uns auf Open Content als einen Teil der ofenen
Bildungsressourcen und vernachlässigen Open-Source-Sofware für Zwecke der Bildung. Open
Content fndet sich in Form von Präsentatonsunterlagen, Mitschrifen, Lehrtexten, Aufgaben,
wissenschaflicher Literatur, Abbildungen, Tabellen, Photos und andere Illustratonen, Online-Tests,
gemeinschaflich entwickelte Materialien in Wikis, Mailinglisten, interaktve Lernobjekten,
Webbasierte Trainings und vieles mehr im World Wide Web. Mehrere Projekte, Datenbanken und
Verzeichnisse bieten Open Content für bzw. von Hochschulen gesammelt an, beispielsweise sind
hier die Initatven MERLOT3 oder OER Commons4 zu nennen.

Auch die Europäische Kommission hat früh diese Idee von Open Content aufgegrifen und ein
europäisches Forschungsprojekt mit einem Schwerpunkt auf ofenen Lernressourcen und deren
Möglichkeiten ko-fnanziert (OLCOS, Start Januar 20065). Auch haben mehrere Universitäten Open-
Content-Strategien entwickelt (Schafert, 2010). Inzwischen erweitert sich die Debate um Open
Content, indem es im Horizon-Report 2010 als eine der beiden aussichtsreichsten Entwicklungen
hervorgehoben wird, die im nächsten Jahr nachhaltg das Lernen und Lehren verändern werden
(Johnson, Levine, Smith & Stone, 2010).

Die zur Verfügungsstellung von ofenen Bildungsressourcen wird dabei aus Sicht der Universitäten
mit unterschiedlichen Begründungen eingesetzt. Für einige Hochschulen sind es
Qualitätsverbesserungen oder auch Innovatonen durch den möglichen Austausch von ofenen
Bildungsressourcen, gemeinsame Entwicklungen oder Anregungen von Lehrenden und Lernenden
oder sogar die angestrebte Einführung einer neuen Lernkultur der Treiber solcher strategischer
Maßnahmen zu ofenen Bildungsressourcen. Ein Beispiel ist hier das OpenLearn-Projekt der Open
University der Vereinigten Königreichs (Lane, 2008). Parallel zu den Einführungen von Initatven zu
ofenen Bildungsressourcen zeigen sich da gleichermaßen die Unterstützung ofener
pädagogischer Praktken notwendig um solche Veränderungen zu ermöglichen (Baumgartner 2007;
Zauchner, Baumgartner, Blaschitz & Weissenbäck 2008). Für andere wiederum, und hier wird
maßgeblich das Massachusets Insttute of Technology (MIT)6 zitert, ist bzw. war es zunächst die
Möglichkeit neue Studierende für das eigene Angebot zu begeistern maßgeblich und somit stehen
Public-Relatons-Aspekte im Vordergrund.
So wird in einer OECD-Studie darauf hingewiesen, dass ein Argument für die Beteiligung an OER-
Projekten aus Sicht von Insttutonen in Hinblick auf die Außenwirkung positv sein kann: „it is good
for public relatons and can functon as a show-window atractng new students“ (vgl. Hylén, 2006).
Berücksichtgt man die Ausrichtung der Initatven auf Zielgruppen (vorhandene Studierende bzw.
neue Zielgruppen) sowie den Fokus der Implementerung (Optmierung von Prozessen oder
organisatorisches Wandel) ergibt sich daraus folgende Darstellung der angestrebten
Veränderungen der derzeitgen Open-Content-Initatven an Hochschulen (vgl. folgende
Abbildung).

3   Multmedia Educatonal Resource for Learning and Online Teaching, htp://www.merlot.org [2010-05-15]
4   OER Commons htp://www.oercommons.org [2010-05-15]
5   htp://www.olcos.org [2010-05-15]
6   htp://web.mit.edu/ [2010-05-15]
Ausrichtung der Implementierung

                                                     auf bestehende                 auf neue Zielgruppen
                                                      Zielgruppen

Fokus der                    Entwicklung
Implementierung              und Wandel            Einführung neuer
                                                                                Kollaboration mit externen
                                                    Lernansätze und
                                                                               Studierenden und Lehrenden
                                                        -kulturen
                                                                                    (Open Innovation)
                                                 (z. B. offenes Lernen)


                             Optimierung
                                                    Erreichbarkeit von
                                                                                        Public Relation
                                                       Materialien
                                                                                        Marktaspekte
                                                   Qualitätssicherung


Abbildung 1: Angestrebte organisatonale Veränderungen durch die strategische Implementerung
von Open Content. Anmerkung: Die Idee für diese Illustraton stammt von einer Abbildung aus
Euler & Seufert, 2005 (über Innovatonen im E-Learning)



3 Open-Content-Initatven von Hochschulen und die Nachfrage durch
  (neue) Zielgruppen

MIT Open Course Ware Projekt
Das Massachusets Insttute of Technology (MIT) entschließt sich 2001 zu einer OpenCourseWare
(OCW) Initatve und wird damit zum Vorreiter jener Bildungseinrichtungen, die sich einem ofenen
Zugang zu Bildungsmaterialien verschreiben. Gezählte 1.900 Kurse aus 33 Disziplinen werden
heute über die Webseite angeboten (Abelson, 2008; Lerman et al., 2008) und können damit
weltweit abgerufen werden. Bereits 2005 hat die OCW-Initatve mehr als ein Dutzend
Auszeichnungen enthalten und ein OCW-Konsortum gegründet an dem sich viele andere
Universitäten weltweit anschließen. Im Jahr 2008 wurde damit begonnen, Audio-Beiträge, Videos
und Photos über die populären Platormen wie YouTube, iTunesU und FlickR zur Verfügung zu
stellen. Die Beiträge stammen dabei allesamt von den MIT-Mitarbeitern bzw. kooperierenden
Partnern und folgen daher einem Produzenten-Konsumenten Model (Mora, 2008).

Die OCW-Initatve stellt auf seinen Webseiten die Ergebnisse der Auswertungen der
Aufrufstatstken und Nutzerbefragungen zur Verfügung7. Dort erfährt man beispielsweise, dass die
das OCW-Projekt inzwischen durchschnitlich 1 Millionen Zugrife im Monat verzeichnet. Die
größte Anteil der Nutzer bezeichnet sich als Selbstlerner (43%), gefolgt von Studierenden (42%).
Aber auch Lehrende (9%) und andere Personengruppen (6%) gehören zu den Besuchern8. Im
Evalutonsbericht aus dem Jahr 2009 wird zudem darauf verwiesen, dass die Nutzer im hohen
Grade mit dem bereitgestellten Materialien zufrieden sind: 92 Prozent sind mit der Qualität der
Kurse, und 94 Prozent mit der Aktualität der Kurse zufrieden (MIT-OCW, 2009). Von den
Lehrenden, die diese Seite besuchen geben fast die Hälfe an, bereits OCW-Materialien in ihrem
Unterricht (kombiniert mit anderen Materialien) eingesetzt zu haben, fast ein Dritel hat Syllabi,

7 htp://ocw.mit.edu/ [2010-05-15]
8 Die Zahl der Beteiligten an der Umfrage oder weitere Angaben sind nicht erhältlich.
Aufgabenstellung oder Prüfungen adaptert (ebd.). Damit ist die OCW-Initatve eine
außerordentlich erfolgreiche Initatve, die sowohl die Sichtbarkeit als auch das Image der
Einrichtung MIT weltweit positv beeinfusst.

Inzwischen wird auf den Webseiten der OCW-Initatve hervorgehoben, dass mit der Zugänglichkeit
der Materialien auch Personen und Regionen mit kostenlosen Bildungsmaterialien versorgt werden
können. Dankmeldungen werden ebenso veröfentlicht, als auch ein Spendenruf für die
erfolgreiche Initatve.

Open UK
Die Open University des Vereinigten Königreichs hat als direktes Ergebnis des Erfolg des
erfolgreichen Starts der OCW-Initatve mit einer Planungsgruppe begonnen, wie eine
Fernuniversität die Idee des Open Content aufgreife nund dabei den Mission der Einrichtung
erfüllen kann (Lane, 2008) . 2006 wurde mit Hilfe der William and Flora Hewlet Foundaton das
Open-Learn-Projekt gestartet. Es hate das Ziel, die Erfahrungen der Nutzer von ofenen
Bildungsmaterialien zu verbessern, schlechter zu erreichende Bevölkerungsgruppen stärker in die
Hochschulbildung zu integrieren, entsprechende Netzwerke zu unterstützen und darüberhinaus
auch die Möglichkeiten genauer zu betrachten wie man ofene Bildungsressourcen atraktv und
nachhaltg gestaltet (Lane 2008). Im Unterschied zum MIT hat die Open-Learn-Initatve die Web-
2.0-Ideen im Hinblick auf Partzipaton, kollaboratves Erstellen, und auch der ständigen „Beta-
Version“ von Materialien aufgegrifen. Das heisst auch, dass externe Freiwillige mitarbeiten und
gestalten können.

Auch das Open-Learn-Projekt hat beeindruckende Zahlen vorzulegen. Im Frühjahr 2008 (Lane,
2008) können so 5.400 Unterrichtsstunden von 450 Lehreinheiten à 1 bis 50 Stunden im
„LearningSpace“ abgerufen werden. Zudem sind 8.100 Stunden im „LabSpace“, einem
„verbesserten Lernbereich“ (Lane 2008) zugänglich. 60.000 registrierte Nutzer wurden damals
gezählt. Auch für das Open-Learn-Projekt stellt sich die Frage der zukünfigen (Ko-)Finanzierung
(Lane 2008).

Das Open-Learn-Projekt hat dafür gesorgt, den Gedanken der ofenen Bildungsressourcen auch
universitätsintern zu fördern und zu verbreiten. So war die Open University einer der ersten
Universitäten weltweit, die beim „iTunesU“ Projekt des Apple-Konzerns mitmachten:
2007 öfnete Apple ihr Produkt iTunes für Bildungseinrichtungen in den Vereinigten Staaten und in
Kanada, mit dem Ziel ofene Bildungsressourcen zum Download anzubieten9: „A public iTunes U
site — such as those created by Yale, Stanford, UC Berkeley, Oxford, Cambridge, MIT, and
broadcasters like PBS — distributes material for free on iTunes U […] Professors (as well as
learners) can use audio and video content from museums, universites, cultural insttutons, and
public television statons to supplement their lectures“. Seit Mite 2008 wurde iTunes U auch auf
Australien, Großbritannien, Irland und Neuseeland ausgedehnt und ist mit Beginn 2009 auch im
deutschsprachigen Raum verfügbar. Sicher die Einführung des Hochschul-Kanals bei Apple auch im
Hinblick auf positve PR erfolgt.

Im April 2010 hat die Open University mehr als 300 Alben mit fast 2.700 Tracks (1.180 Audio, 1.500
Videos) aus mehr als 140 Kursen bereitgestellt. Von mehr als 96 Prozent gibt es dazu Transkripte im
pdf-Format. Aus dem April 2010 stammen auch folgende Angaben auf den Projektseiten des
Knowledge Management Insttute10 der Open University. Demnach verzeichnet sie seit dem Start

9 htp://www.apple.com/educaton/itunes-u/what-is.html [2010-05-15]
10 htp://projects.kmi.open.ac.uk/itunesu/impact/ [2010-05-15]
im Juni 2008 folgende Nutzungszahlen: Fast 18 Millionen Downloads von mehr als 1.800.000
Nutzern, mehr als durchschnitlich 300.000 Downloads in der Woche (!). Mit 88 Prozent ist der
Zugrif von Personen außerhalb des Vereinigten Königreichs sehr hoch. Auch zeigt sich in dieser
Auswertung ein weiterer interessanter Efekt: Einer von 14 Nutzer die etwas heruntergeladen
haben besucht im Anschluss die Website der Open University.

Diese Auswertungen – weitergehende Nutzerbefragungen sind uns nicht bekannt – zeigen
deutlich, dass (a) Interesse an solchen Materialien besteht und (b) dadurch ofensichtlich auch
Nutzer und Lernende aus der ganzen Welt angesprochen werden. Es ist zu erwarten – und durch
den vergleichsweise häufgen Zugrif auf die Websites der Open University nach einem Download
bei iTunesU auch indiziert – dass die Open University hier ein Medium gefunden hat, dass den
positven Ruf und Image der Einrichtung stark verbreiten und ausweiten konnte.

Die Open-Content-Initatve der TU Graz
Während das MIT und die Open University weltweit Vorreiter der Open-Content-Bewegung sind,
haben sich auch einzelne Hochschulen des deutschsprachigen Bildungsraum der Idee
angenommen. Als Beispiel wollen wir hier die Technische Universität Graz anführen, welche seit
dem Frühjahr 2010 eine eigene Webseite präsentert, die eine Open Content Strategie anführt11.
Neben der Zugänglichkeit verschiedenster Kursmaterialien, werden hier auch Aufzeichnungen
unterschiedlichster Lehrveranstaltungsinhalte angeboten.

Darüber hinaus ist auch die TU Graz seit November 2009 auf iTunesU aktv und bietet neben
Lehrinhalten auch Audio/Video zu Forschungsprojekten und allgemeinen Informatonen an. Nur
wenige andere deutschsprachige Universitäten haben damals das iTunesU-Portal genutzt,
beispielsweise gehört die Ludwig-Maximilians-Universität München dazu, welche dort auch
Dissertatonen zum Download bereit stellt12. Für diesen Beitrag wurde ausgewertet inwieweit die
iTunesU-Beteiligung für Aussenstehende genutzt wird und damit einen Beitrag zur Sichtbarkeit der
Universität führen kann.

Im April hat die TU Graz 30 Alben online mit mehr als 300 Tracks. Die Tracks sind entweder Audio-
oder Videomitschnite von Vorlesungen und Veranstaltungen, Forschungsvideos oder
beschreibende pdf, sowie Bildmaterial.

Eine rein quanttatve Darstellung der Zugrifsstatstken kann der nachfolgenden Abbildung
entnommen werden. Hier wird gezeigt, dass vom Start des Angebotes es wöchentlich zu ca. 700
Downloads nur über die Sofware iTunes kam. Als „Download“ wird hierbei gezählt wenn entweder
ein Film als Preview angesehen wurde, direkt am Rechner gespeichert oder wenn er innerhalb
seiner Gruppe gebucht wurde. Nach einem halbjährlichen Betrieb hat sich die durchschnitliche
wöchentliche Downloadrate bereits auf 1.600 erhöht. Die zweite Linie des Diagramms ist die
kumulatve Darstellung aller bisherigen Downloads die sich mitlerweile auf 23.600 belaufen.
Nicht erfasst in dieser Statstk sind Downloads direkt von der Webseite der TU Graz13, die die
gleichen Inhalte zur Verfügung stellen für Besucher die über keine iTunes verfügen.




11 htp://opencontent.tugraz.at [2010-05-15]
12 Pressemiteilung der LMU htp://www.uni-
   muenchen.de/einrichtungen/zuv/uebersicht/komm_presse/verteiler/presseinformatonen/2009/p-03-09.html
   [2010-05-15]
13 htp://itunes.tugraz.at [2010-05-15]
Abbildung 2: Download-Zahlen der iTunesU-Materialien der TU Graz (Stand April 2010)
Es ist eher unwahrscheinlich, dass viele Zugrife von den Studierenden und Mitarbeitern der TU
Graz zuzuordnen sind – entsprechende Statstken sind nicht vorhanden – da alle Materialien auf
den internen Webseiten der TU Graz einfach verfügbar sind.

Klarerweise kann man die TU Graz nicht mit der Open University vergleichen, zu unterschiedlich ist
nicht nur die Ausrichtung der Universität (Präsenzuniversität vs. Fernuniversität), sondern auch die
Größenordnung des Angebotes, die Laufzeit als auch der Sprachraum selbst (deutsch/englisch).
Gemein ist aber beiden der Trend zu mehr Downloads und der Erschließung neuer Benutzerkreise.

Betrachtet man die Meldungen und Kommentare zum Launch der Initatve zeigt dies ein
wohlwollendes, positves Bild. So wird z.B. in einem Weblog kommentert: „Besonderheit in Graz,
die Materialien werden parallel auch ohne iTunes zugänglich gemacht. Ein Novum für die
bisherigen iTunes-Angebote. (…) Gratulaton zu diesem Schrit! Vor allem aber auch zur
Verfügbarmachung der Angebote auf dem iPhone. Klasse gemacht!“14 Auch die klassischen Medien
zeigen in Ihren Reaktonen eine starke Befürwortung. „ … [man] könne man via iTunes University
die Lernenden in der Welt ansprechen, in der sie sich selbst bewegen“ ist hier z.B zu lesen15.




14 htp://www.ifeb.uni-bremen.de/wordpress_staedtler/?p=645 [2010-05-15]
15 htp://diepresse.com/home/bildung/universitaet/523106/index.do?
   _vl_backlink=/home/bildung/universitaet/index.do [2010-05-15]
4 Diskussion
Anhand der gezeigten Beispiele kann abgelesen werden, dass die zur Verfügungsstellung von OER
auf sehr großes Interesse in der Öfentlichkeit stößt und das Angebot auch stark frequentert ist.
Dass dadurch die Sichtbarkeit und Wahrnehmung einer öfentlichen Bildungseinrichtungen
verbessert wird, steht außer Zweifel. Das Interesse könne zwar auf einem gewissen
Neuigkeitsefekt zurückgeführt werden, jedoch spiegeln das die ständig steigenden Downloadraten
bisher nicht wirklich wider.

Das Open Content Angebot in Form vom multmedialen Inhalten auf der größten Musikplatorm
anzubieten, scheint auch zeitgerecht. Die Open University streicht heraus, dass alle Altersgruppen
das Angebot nutzen und daher gleichermaßen angesprochen werden. Im Sinne des lebenslangen
Lernens ist dieser Aspekt von großer Bedeutung, wenn es um die Erreichbarkeit und Verteilung von
Ressourcen geht.

Am Beispiel der Open University wurde auch darauf hingewiesen, wie Open Content auch
kollaboratv entwickelt werden kann und dabei auch Externe mit eingebunden werden können. Es
ergeben sich also, sofern Open-Content-Initatven auch bewusst solche kooperatven und
kollaboratven Möglichkeiten mitdenken (z. B. durch entsprechende Lizenzierungen) könnten
Open-Content-Strategien auch weitere Ziele des Bologna-Prozesses erreichen helfen: Sie wären
dann nicht nur ein Mitel, die Atraktvität und Bekanntheit der Universitäten zu erhöhen sondern
können auch wesentlich die interuniversitäre Zusammenarbeit ermöglichen: „An important longer-
term driver of Open Educatonal Resources in the tertary educaton sector in Europe could be the
Bologna Process. Although study resources are not one of the main acton lines of the Bologna
Process, an important element will be the collaboratve development and sharing of study material
across borders.“ (Geser, 2007, 63).

Open-Content-Initatven und Angebote von Universitäten können also zunächst den Zugang zu
Bildungsmaterialien erleichtern. Darüberhinaus scheinen sie jedoch auch, ganz im Sinne der Ziele
des Bologna-Prozesses, auch geeignet zu sein die Atraktvität einer Universität aufzuzeigen bzw. zu
erhöhen, als auch eine Möglichkeit für den interuniversitären Austausch zu bieten.

5 Literatur
   •   Abelson, Hal (2008). The Creaton of OpenCourseWare at MIT. Journal of Science Educaton
       and Technology, 17, 2, 1573-1839
   •   Baumgartner, P. (2007). Mediada-Prix – Quo vadis? Gedanken zur zukünfigen Ausrichtung
       des mediendidaktschen Hochschulpreises. In Forum Neue Medien in der Lehre (Hrsg.), E-
       Learning. Strategische Implementerung und Studieneingang, Graz Verlag Forum Neue
       Medien, S. 68-81.
   •   Geser, G. (2007). Open Educatonal Practces and Resources. OLCOS Roadmap 2012.
       Salzburg: Salzburg Research.
   •   Hylén, J. (2006). Open Educatonal Resources: Opportunites and Challenges. Online
       zugänglich unter: htp://www.oecd.org/dataoecd/5/47/37351085.pdf [2009-04-07]
   •   Lane, Andy (2008). Refectons on sustaining Open Educatonal Resources: an insttutonal
       case study. In: eLearning Papers, 10 , September 2008. Online zugänglich unter
       htp://www.elearningeuropa.info/fles/media/media16677.pdf [2009-04-04]
   •   Lerman, S. R., Miyagawa, S., Margulies, A. H. () Open Course Ware: Building a Culture of
       Sharing, In: Opening Up Educaton, Iiyoshi, T. and Kumar, M.S.V (Hrsg.), 2008, MIT Press, S.
       213-227
•   Johnson, L., Levine, A., Smith, R., & Stone, S. (2010). The 2010 Horizon Report. Austn,
    Texas: The New Media Consortum.
•   MIT-OCW (2009). 2009 Report summary. Online zugänglich unter:
    htp://ocw.mit.edu/ans7870/global/09_Eval_Summary.pdf [2010-05-15]
•   Mora, Monica J. (2008). Open Educatonal Resources: Motvatons, Governance, And
    Content Protecton. MA thesis at the Carleton University, Otawa, Canada. Online
    zugänglich unter: htp://d.scribd.com/docs/kcztmiu1uxpwor2gvye.pdf [2009-04-04]
•   Oberhuemer, Petra & Pfefer, Thomas (2008). Open Educatonal Resources - ein Policy-
    Paper. In: S. Zauchner, P. Baumgartner, E. Blaschitz & A. Weissenbäck (Hrsg.), Ofener
    Bildungsraum Hochschule, Waxmann, 17-27.
•   Schafert, Sandra (2010). Strategic Integraton of Open Educatonal Resources in Higher
    Educaton. Objectves, Case Studies, and the Impact of Web 2.0 on Universites. In: Ulf-
    Daniel Ehlers & Dirk Schneckenberg (eds.), Changing Cultures in Higher Educaton – Moving
    Ahead to Future Learning, New York: Springer, 119-132
•   Seufert, S. & Euler, D. (2005). Nachhaltgkeit von eLearning Innovatonen: Fallstudien zu Im-
    plementerungsstrategien von eLearning als Innovatonen an Hochschulen. Arbeitsbericht
    4, St. Gallen: SCIL, Universität St. Gallen.
•   Westerhejden, D.; Beerkens, E.; Cremonini, L.; Huisman, J.; Kehm, B.; Kovač, A.; Lažetć, P.;
    Miccoshan, A.; Mozuraityte, N.; Souto Otero, M.; Otero, de Weert, E.; Wite, J. & Yağci, Y.
    (2010).The frst decade of working on the European Higher Educaton Area The Bologna
    Process Independent Assessment Volume 1 Detailed assessment report. Online zugänglich
    unter: htp://ec.europa.eu/educaton/higher-
    educaton/doc/bologna_process/independent_assessment_1_detailed_rept.pdf [2010-05-
    15]
•   Zauchner, Sabine; Baumgartner, Peter; Blaschitz; Edith & Weissenbäck, Andreas (2008).
    Ofener Bildungsraum Hochschule. Freiheiten und Notwendigkeiten. Waxmann.

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  • 1. (Langfassung eines Beitrags der in der Zeitschrif für E-Learning 2/2010 erschienen ist, Schwerpunkt „E-Learning und Bologna“, hrsg. von Rolf Schulmeister) Sandra Schafert, Martn Ebner Die Standortatraktvität europäischer Hochschulen fördern? - Der mögliche Beitrag von Open Content 1 Einleitung Von den Zielen des Bologna-Prozesses haben vor allem die Anforderungen an die Neustrukturierungen der Studiengänge und -abschlüsse zu zahlreichen Veränderungen, Debaten, und Evaluatonen geführt. Es wird dabei hinterfragt, inwieweit die neuen Abschlüsse Arbeitsmarktchancen der Studiengänger verändern (vgl. Projekt „Bologna und die Folgen“1) oder in welcher Weise die ECTS-Bewertung von Lehrveranstaltungen mit dem tatsächlichen Arbeitsaufwand der Studierenden korrespondiert (vgl. Projekt „ZEITLast“2). Ob die wesentlichen Ziele des Bologna-Prozesses erreicht wurden, ist demnach noch unklar: Zehn Jahre nach Einführung des Bologna-Prozesses konstatert ein unabhängiges Gutachten, dass es noch zu früh ist, um beurteilen zu können inwieweit die angestrebten Ziele der Kompatbilität, der Vergleichbarkeit und der Atraktvität europäischer Studienangebote erreicht werden (Westerhejden u.a. 2010, S. 107). Den Bologna-Prozess mit ins Laufen gebracht hat auch das Ziel, europäische Hochschulen für internatonale Studierende atraktv zu machen. Die unkomplizierte Anerkennung von Studienleistungen erscheint hierbei ein bedeutsamer Faktor bei der Entscheidung, ob man in der Europäischen Union studieren möchte. In diesem Beitrag möchten wir an dem Wunsch einer größeren Atraktvität bzw. Wahrnehmung einer Universität als atraktven Studienplatz anknüpfen. Dazu widmen wir uns einer Bewegung, die in den letzten Jahren erheblich Aufrieb und Aufmerksamkeit gewonnen hat: Neben den Open-Access-Initatven die einen freien Zugang zu wissenschaflichen Veröfentlichungen fordern und fördern entstanden eine Reihe von Initatven, die sich mit dem verwandten Thema der ofenen Bildungsressourcen auseinandersetzen. Im englischen Sprachraum werden dabei die Bezeichnungen „Open Educatonal Resources“ (OER) oder „Open Content“ verwendet. Open Content kann im „im Sinne der freien Zugänglichkeit zu Bildungsinhalten als ein wichtger Schrit zur Erhöhung der Chancengleichheit und als ein weiterer Baustein auf dem Weg zur Harmonisierung des europäischen Hochschulraums im Sinne der Bologna-Deklaraton gesehen“ werden (Oberhuemer & Pfefer, 2008, aus der Zusammenfassung). In diesem Beitrag möchten wir an Hand von Zugrifs- und Downloadzahlen von Open Content eine erste Einschätzung vornehmen, ob mit Open Content neue Zielgruppen und Lernende außerhalb der Hochschulen erreicht werden. 2 Open Content an Hochschulen Häufg werden unter ofenen Bildungsressourcen Lern- und Lehrmaterialien verstanden, die im Netz zur Verfügung stehen. Aufgrund der europäischen Urheberrechtsbestmmung ist eine 1 Bologna und die Folgen, Universität Konstanz, htp://ipunikonstanz.wordpress.com/forschung/ [2010-05-15] 2 „Lehrzeit und Lernzeit: Studierbarkeit der BA-/BSc und MA-/MSc-Studiengänge als Adapton von Lehrorganisaton und Zeitmanagement unter Berücksichtgung von Fächerkultur und Neuen Technologien“, siehe htp://www.zhw.uni-hamburg.de/zhw/?page_id=419 [2010-05-15]
  • 2. Verwendung solcher Materialien aber nicht ohne weiteres für Lern- und Lehrzwecke erlaubt. Daher wird der Begrif der ofenen Bildungsressourcen häufg speziell für Materialien verwendet, die nicht nur im Web zur Verfügung stehen sondern auch entsprechend liberal lizensiert wurden. Im besten Falle sind auch Modifkatonen der Ressourcen erlaubt und wurden mit Open-Source- Sofware erstellt bzw. sind damit modifzierbar. Dadurch fällt auch entsprechende ofen lizensierte Sofware unter dieser weiten Defniton von ofenen Bildungsressourcen (vgl. Geser, 2007). Im Folgenden konzentrieren wir uns auf Open Content als einen Teil der ofenen Bildungsressourcen und vernachlässigen Open-Source-Sofware für Zwecke der Bildung. Open Content fndet sich in Form von Präsentatonsunterlagen, Mitschrifen, Lehrtexten, Aufgaben, wissenschaflicher Literatur, Abbildungen, Tabellen, Photos und andere Illustratonen, Online-Tests, gemeinschaflich entwickelte Materialien in Wikis, Mailinglisten, interaktve Lernobjekten, Webbasierte Trainings und vieles mehr im World Wide Web. Mehrere Projekte, Datenbanken und Verzeichnisse bieten Open Content für bzw. von Hochschulen gesammelt an, beispielsweise sind hier die Initatven MERLOT3 oder OER Commons4 zu nennen. Auch die Europäische Kommission hat früh diese Idee von Open Content aufgegrifen und ein europäisches Forschungsprojekt mit einem Schwerpunkt auf ofenen Lernressourcen und deren Möglichkeiten ko-fnanziert (OLCOS, Start Januar 20065). Auch haben mehrere Universitäten Open- Content-Strategien entwickelt (Schafert, 2010). Inzwischen erweitert sich die Debate um Open Content, indem es im Horizon-Report 2010 als eine der beiden aussichtsreichsten Entwicklungen hervorgehoben wird, die im nächsten Jahr nachhaltg das Lernen und Lehren verändern werden (Johnson, Levine, Smith & Stone, 2010). Die zur Verfügungsstellung von ofenen Bildungsressourcen wird dabei aus Sicht der Universitäten mit unterschiedlichen Begründungen eingesetzt. Für einige Hochschulen sind es Qualitätsverbesserungen oder auch Innovatonen durch den möglichen Austausch von ofenen Bildungsressourcen, gemeinsame Entwicklungen oder Anregungen von Lehrenden und Lernenden oder sogar die angestrebte Einführung einer neuen Lernkultur der Treiber solcher strategischer Maßnahmen zu ofenen Bildungsressourcen. Ein Beispiel ist hier das OpenLearn-Projekt der Open University der Vereinigten Königreichs (Lane, 2008). Parallel zu den Einführungen von Initatven zu ofenen Bildungsressourcen zeigen sich da gleichermaßen die Unterstützung ofener pädagogischer Praktken notwendig um solche Veränderungen zu ermöglichen (Baumgartner 2007; Zauchner, Baumgartner, Blaschitz & Weissenbäck 2008). Für andere wiederum, und hier wird maßgeblich das Massachusets Insttute of Technology (MIT)6 zitert, ist bzw. war es zunächst die Möglichkeit neue Studierende für das eigene Angebot zu begeistern maßgeblich und somit stehen Public-Relatons-Aspekte im Vordergrund. So wird in einer OECD-Studie darauf hingewiesen, dass ein Argument für die Beteiligung an OER- Projekten aus Sicht von Insttutonen in Hinblick auf die Außenwirkung positv sein kann: „it is good for public relatons and can functon as a show-window atractng new students“ (vgl. Hylén, 2006). Berücksichtgt man die Ausrichtung der Initatven auf Zielgruppen (vorhandene Studierende bzw. neue Zielgruppen) sowie den Fokus der Implementerung (Optmierung von Prozessen oder organisatorisches Wandel) ergibt sich daraus folgende Darstellung der angestrebten Veränderungen der derzeitgen Open-Content-Initatven an Hochschulen (vgl. folgende Abbildung). 3 Multmedia Educatonal Resource for Learning and Online Teaching, htp://www.merlot.org [2010-05-15] 4 OER Commons htp://www.oercommons.org [2010-05-15] 5 htp://www.olcos.org [2010-05-15] 6 htp://web.mit.edu/ [2010-05-15]
  • 3. Ausrichtung der Implementierung auf bestehende auf neue Zielgruppen Zielgruppen Fokus der Entwicklung Implementierung und Wandel Einführung neuer Kollaboration mit externen Lernansätze und Studierenden und Lehrenden -kulturen (Open Innovation) (z. B. offenes Lernen) Optimierung Erreichbarkeit von Public Relation Materialien Marktaspekte Qualitätssicherung Abbildung 1: Angestrebte organisatonale Veränderungen durch die strategische Implementerung von Open Content. Anmerkung: Die Idee für diese Illustraton stammt von einer Abbildung aus Euler & Seufert, 2005 (über Innovatonen im E-Learning) 3 Open-Content-Initatven von Hochschulen und die Nachfrage durch (neue) Zielgruppen MIT Open Course Ware Projekt Das Massachusets Insttute of Technology (MIT) entschließt sich 2001 zu einer OpenCourseWare (OCW) Initatve und wird damit zum Vorreiter jener Bildungseinrichtungen, die sich einem ofenen Zugang zu Bildungsmaterialien verschreiben. Gezählte 1.900 Kurse aus 33 Disziplinen werden heute über die Webseite angeboten (Abelson, 2008; Lerman et al., 2008) und können damit weltweit abgerufen werden. Bereits 2005 hat die OCW-Initatve mehr als ein Dutzend Auszeichnungen enthalten und ein OCW-Konsortum gegründet an dem sich viele andere Universitäten weltweit anschließen. Im Jahr 2008 wurde damit begonnen, Audio-Beiträge, Videos und Photos über die populären Platormen wie YouTube, iTunesU und FlickR zur Verfügung zu stellen. Die Beiträge stammen dabei allesamt von den MIT-Mitarbeitern bzw. kooperierenden Partnern und folgen daher einem Produzenten-Konsumenten Model (Mora, 2008). Die OCW-Initatve stellt auf seinen Webseiten die Ergebnisse der Auswertungen der Aufrufstatstken und Nutzerbefragungen zur Verfügung7. Dort erfährt man beispielsweise, dass die das OCW-Projekt inzwischen durchschnitlich 1 Millionen Zugrife im Monat verzeichnet. Die größte Anteil der Nutzer bezeichnet sich als Selbstlerner (43%), gefolgt von Studierenden (42%). Aber auch Lehrende (9%) und andere Personengruppen (6%) gehören zu den Besuchern8. Im Evalutonsbericht aus dem Jahr 2009 wird zudem darauf verwiesen, dass die Nutzer im hohen Grade mit dem bereitgestellten Materialien zufrieden sind: 92 Prozent sind mit der Qualität der Kurse, und 94 Prozent mit der Aktualität der Kurse zufrieden (MIT-OCW, 2009). Von den Lehrenden, die diese Seite besuchen geben fast die Hälfe an, bereits OCW-Materialien in ihrem Unterricht (kombiniert mit anderen Materialien) eingesetzt zu haben, fast ein Dritel hat Syllabi, 7 htp://ocw.mit.edu/ [2010-05-15] 8 Die Zahl der Beteiligten an der Umfrage oder weitere Angaben sind nicht erhältlich.
  • 4. Aufgabenstellung oder Prüfungen adaptert (ebd.). Damit ist die OCW-Initatve eine außerordentlich erfolgreiche Initatve, die sowohl die Sichtbarkeit als auch das Image der Einrichtung MIT weltweit positv beeinfusst. Inzwischen wird auf den Webseiten der OCW-Initatve hervorgehoben, dass mit der Zugänglichkeit der Materialien auch Personen und Regionen mit kostenlosen Bildungsmaterialien versorgt werden können. Dankmeldungen werden ebenso veröfentlicht, als auch ein Spendenruf für die erfolgreiche Initatve. Open UK Die Open University des Vereinigten Königreichs hat als direktes Ergebnis des Erfolg des erfolgreichen Starts der OCW-Initatve mit einer Planungsgruppe begonnen, wie eine Fernuniversität die Idee des Open Content aufgreife nund dabei den Mission der Einrichtung erfüllen kann (Lane, 2008) . 2006 wurde mit Hilfe der William and Flora Hewlet Foundaton das Open-Learn-Projekt gestartet. Es hate das Ziel, die Erfahrungen der Nutzer von ofenen Bildungsmaterialien zu verbessern, schlechter zu erreichende Bevölkerungsgruppen stärker in die Hochschulbildung zu integrieren, entsprechende Netzwerke zu unterstützen und darüberhinaus auch die Möglichkeiten genauer zu betrachten wie man ofene Bildungsressourcen atraktv und nachhaltg gestaltet (Lane 2008). Im Unterschied zum MIT hat die Open-Learn-Initatve die Web- 2.0-Ideen im Hinblick auf Partzipaton, kollaboratves Erstellen, und auch der ständigen „Beta- Version“ von Materialien aufgegrifen. Das heisst auch, dass externe Freiwillige mitarbeiten und gestalten können. Auch das Open-Learn-Projekt hat beeindruckende Zahlen vorzulegen. Im Frühjahr 2008 (Lane, 2008) können so 5.400 Unterrichtsstunden von 450 Lehreinheiten à 1 bis 50 Stunden im „LearningSpace“ abgerufen werden. Zudem sind 8.100 Stunden im „LabSpace“, einem „verbesserten Lernbereich“ (Lane 2008) zugänglich. 60.000 registrierte Nutzer wurden damals gezählt. Auch für das Open-Learn-Projekt stellt sich die Frage der zukünfigen (Ko-)Finanzierung (Lane 2008). Das Open-Learn-Projekt hat dafür gesorgt, den Gedanken der ofenen Bildungsressourcen auch universitätsintern zu fördern und zu verbreiten. So war die Open University einer der ersten Universitäten weltweit, die beim „iTunesU“ Projekt des Apple-Konzerns mitmachten: 2007 öfnete Apple ihr Produkt iTunes für Bildungseinrichtungen in den Vereinigten Staaten und in Kanada, mit dem Ziel ofene Bildungsressourcen zum Download anzubieten9: „A public iTunes U site — such as those created by Yale, Stanford, UC Berkeley, Oxford, Cambridge, MIT, and broadcasters like PBS — distributes material for free on iTunes U […] Professors (as well as learners) can use audio and video content from museums, universites, cultural insttutons, and public television statons to supplement their lectures“. Seit Mite 2008 wurde iTunes U auch auf Australien, Großbritannien, Irland und Neuseeland ausgedehnt und ist mit Beginn 2009 auch im deutschsprachigen Raum verfügbar. Sicher die Einführung des Hochschul-Kanals bei Apple auch im Hinblick auf positve PR erfolgt. Im April 2010 hat die Open University mehr als 300 Alben mit fast 2.700 Tracks (1.180 Audio, 1.500 Videos) aus mehr als 140 Kursen bereitgestellt. Von mehr als 96 Prozent gibt es dazu Transkripte im pdf-Format. Aus dem April 2010 stammen auch folgende Angaben auf den Projektseiten des Knowledge Management Insttute10 der Open University. Demnach verzeichnet sie seit dem Start 9 htp://www.apple.com/educaton/itunes-u/what-is.html [2010-05-15] 10 htp://projects.kmi.open.ac.uk/itunesu/impact/ [2010-05-15]
  • 5. im Juni 2008 folgende Nutzungszahlen: Fast 18 Millionen Downloads von mehr als 1.800.000 Nutzern, mehr als durchschnitlich 300.000 Downloads in der Woche (!). Mit 88 Prozent ist der Zugrif von Personen außerhalb des Vereinigten Königreichs sehr hoch. Auch zeigt sich in dieser Auswertung ein weiterer interessanter Efekt: Einer von 14 Nutzer die etwas heruntergeladen haben besucht im Anschluss die Website der Open University. Diese Auswertungen – weitergehende Nutzerbefragungen sind uns nicht bekannt – zeigen deutlich, dass (a) Interesse an solchen Materialien besteht und (b) dadurch ofensichtlich auch Nutzer und Lernende aus der ganzen Welt angesprochen werden. Es ist zu erwarten – und durch den vergleichsweise häufgen Zugrif auf die Websites der Open University nach einem Download bei iTunesU auch indiziert – dass die Open University hier ein Medium gefunden hat, dass den positven Ruf und Image der Einrichtung stark verbreiten und ausweiten konnte. Die Open-Content-Initatve der TU Graz Während das MIT und die Open University weltweit Vorreiter der Open-Content-Bewegung sind, haben sich auch einzelne Hochschulen des deutschsprachigen Bildungsraum der Idee angenommen. Als Beispiel wollen wir hier die Technische Universität Graz anführen, welche seit dem Frühjahr 2010 eine eigene Webseite präsentert, die eine Open Content Strategie anführt11. Neben der Zugänglichkeit verschiedenster Kursmaterialien, werden hier auch Aufzeichnungen unterschiedlichster Lehrveranstaltungsinhalte angeboten. Darüber hinaus ist auch die TU Graz seit November 2009 auf iTunesU aktv und bietet neben Lehrinhalten auch Audio/Video zu Forschungsprojekten und allgemeinen Informatonen an. Nur wenige andere deutschsprachige Universitäten haben damals das iTunesU-Portal genutzt, beispielsweise gehört die Ludwig-Maximilians-Universität München dazu, welche dort auch Dissertatonen zum Download bereit stellt12. Für diesen Beitrag wurde ausgewertet inwieweit die iTunesU-Beteiligung für Aussenstehende genutzt wird und damit einen Beitrag zur Sichtbarkeit der Universität führen kann. Im April hat die TU Graz 30 Alben online mit mehr als 300 Tracks. Die Tracks sind entweder Audio- oder Videomitschnite von Vorlesungen und Veranstaltungen, Forschungsvideos oder beschreibende pdf, sowie Bildmaterial. Eine rein quanttatve Darstellung der Zugrifsstatstken kann der nachfolgenden Abbildung entnommen werden. Hier wird gezeigt, dass vom Start des Angebotes es wöchentlich zu ca. 700 Downloads nur über die Sofware iTunes kam. Als „Download“ wird hierbei gezählt wenn entweder ein Film als Preview angesehen wurde, direkt am Rechner gespeichert oder wenn er innerhalb seiner Gruppe gebucht wurde. Nach einem halbjährlichen Betrieb hat sich die durchschnitliche wöchentliche Downloadrate bereits auf 1.600 erhöht. Die zweite Linie des Diagramms ist die kumulatve Darstellung aller bisherigen Downloads die sich mitlerweile auf 23.600 belaufen. Nicht erfasst in dieser Statstk sind Downloads direkt von der Webseite der TU Graz13, die die gleichen Inhalte zur Verfügung stellen für Besucher die über keine iTunes verfügen. 11 htp://opencontent.tugraz.at [2010-05-15] 12 Pressemiteilung der LMU htp://www.uni- muenchen.de/einrichtungen/zuv/uebersicht/komm_presse/verteiler/presseinformatonen/2009/p-03-09.html [2010-05-15] 13 htp://itunes.tugraz.at [2010-05-15]
  • 6. Abbildung 2: Download-Zahlen der iTunesU-Materialien der TU Graz (Stand April 2010) Es ist eher unwahrscheinlich, dass viele Zugrife von den Studierenden und Mitarbeitern der TU Graz zuzuordnen sind – entsprechende Statstken sind nicht vorhanden – da alle Materialien auf den internen Webseiten der TU Graz einfach verfügbar sind. Klarerweise kann man die TU Graz nicht mit der Open University vergleichen, zu unterschiedlich ist nicht nur die Ausrichtung der Universität (Präsenzuniversität vs. Fernuniversität), sondern auch die Größenordnung des Angebotes, die Laufzeit als auch der Sprachraum selbst (deutsch/englisch). Gemein ist aber beiden der Trend zu mehr Downloads und der Erschließung neuer Benutzerkreise. Betrachtet man die Meldungen und Kommentare zum Launch der Initatve zeigt dies ein wohlwollendes, positves Bild. So wird z.B. in einem Weblog kommentert: „Besonderheit in Graz, die Materialien werden parallel auch ohne iTunes zugänglich gemacht. Ein Novum für die bisherigen iTunes-Angebote. (…) Gratulaton zu diesem Schrit! Vor allem aber auch zur Verfügbarmachung der Angebote auf dem iPhone. Klasse gemacht!“14 Auch die klassischen Medien zeigen in Ihren Reaktonen eine starke Befürwortung. „ … [man] könne man via iTunes University die Lernenden in der Welt ansprechen, in der sie sich selbst bewegen“ ist hier z.B zu lesen15. 14 htp://www.ifeb.uni-bremen.de/wordpress_staedtler/?p=645 [2010-05-15] 15 htp://diepresse.com/home/bildung/universitaet/523106/index.do? _vl_backlink=/home/bildung/universitaet/index.do [2010-05-15]
  • 7. 4 Diskussion Anhand der gezeigten Beispiele kann abgelesen werden, dass die zur Verfügungsstellung von OER auf sehr großes Interesse in der Öfentlichkeit stößt und das Angebot auch stark frequentert ist. Dass dadurch die Sichtbarkeit und Wahrnehmung einer öfentlichen Bildungseinrichtungen verbessert wird, steht außer Zweifel. Das Interesse könne zwar auf einem gewissen Neuigkeitsefekt zurückgeführt werden, jedoch spiegeln das die ständig steigenden Downloadraten bisher nicht wirklich wider. Das Open Content Angebot in Form vom multmedialen Inhalten auf der größten Musikplatorm anzubieten, scheint auch zeitgerecht. Die Open University streicht heraus, dass alle Altersgruppen das Angebot nutzen und daher gleichermaßen angesprochen werden. Im Sinne des lebenslangen Lernens ist dieser Aspekt von großer Bedeutung, wenn es um die Erreichbarkeit und Verteilung von Ressourcen geht. Am Beispiel der Open University wurde auch darauf hingewiesen, wie Open Content auch kollaboratv entwickelt werden kann und dabei auch Externe mit eingebunden werden können. Es ergeben sich also, sofern Open-Content-Initatven auch bewusst solche kooperatven und kollaboratven Möglichkeiten mitdenken (z. B. durch entsprechende Lizenzierungen) könnten Open-Content-Strategien auch weitere Ziele des Bologna-Prozesses erreichen helfen: Sie wären dann nicht nur ein Mitel, die Atraktvität und Bekanntheit der Universitäten zu erhöhen sondern können auch wesentlich die interuniversitäre Zusammenarbeit ermöglichen: „An important longer- term driver of Open Educatonal Resources in the tertary educaton sector in Europe could be the Bologna Process. Although study resources are not one of the main acton lines of the Bologna Process, an important element will be the collaboratve development and sharing of study material across borders.“ (Geser, 2007, 63). Open-Content-Initatven und Angebote von Universitäten können also zunächst den Zugang zu Bildungsmaterialien erleichtern. Darüberhinaus scheinen sie jedoch auch, ganz im Sinne der Ziele des Bologna-Prozesses, auch geeignet zu sein die Atraktvität einer Universität aufzuzeigen bzw. zu erhöhen, als auch eine Möglichkeit für den interuniversitären Austausch zu bieten. 5 Literatur • Abelson, Hal (2008). The Creaton of OpenCourseWare at MIT. Journal of Science Educaton and Technology, 17, 2, 1573-1839 • Baumgartner, P. (2007). Mediada-Prix – Quo vadis? Gedanken zur zukünfigen Ausrichtung des mediendidaktschen Hochschulpreises. In Forum Neue Medien in der Lehre (Hrsg.), E- Learning. Strategische Implementerung und Studieneingang, Graz Verlag Forum Neue Medien, S. 68-81. • Geser, G. (2007). Open Educatonal Practces and Resources. OLCOS Roadmap 2012. Salzburg: Salzburg Research. • Hylén, J. (2006). Open Educatonal Resources: Opportunites and Challenges. Online zugänglich unter: htp://www.oecd.org/dataoecd/5/47/37351085.pdf [2009-04-07] • Lane, Andy (2008). Refectons on sustaining Open Educatonal Resources: an insttutonal case study. In: eLearning Papers, 10 , September 2008. Online zugänglich unter htp://www.elearningeuropa.info/fles/media/media16677.pdf [2009-04-04] • Lerman, S. R., Miyagawa, S., Margulies, A. H. () Open Course Ware: Building a Culture of Sharing, In: Opening Up Educaton, Iiyoshi, T. and Kumar, M.S.V (Hrsg.), 2008, MIT Press, S. 213-227
  • 8. Johnson, L., Levine, A., Smith, R., & Stone, S. (2010). The 2010 Horizon Report. Austn, Texas: The New Media Consortum. • MIT-OCW (2009). 2009 Report summary. Online zugänglich unter: htp://ocw.mit.edu/ans7870/global/09_Eval_Summary.pdf [2010-05-15] • Mora, Monica J. (2008). Open Educatonal Resources: Motvatons, Governance, And Content Protecton. MA thesis at the Carleton University, Otawa, Canada. Online zugänglich unter: htp://d.scribd.com/docs/kcztmiu1uxpwor2gvye.pdf [2009-04-04] • Oberhuemer, Petra & Pfefer, Thomas (2008). Open Educatonal Resources - ein Policy- Paper. In: S. Zauchner, P. Baumgartner, E. Blaschitz & A. Weissenbäck (Hrsg.), Ofener Bildungsraum Hochschule, Waxmann, 17-27. • Schafert, Sandra (2010). Strategic Integraton of Open Educatonal Resources in Higher Educaton. Objectves, Case Studies, and the Impact of Web 2.0 on Universites. In: Ulf- Daniel Ehlers & Dirk Schneckenberg (eds.), Changing Cultures in Higher Educaton – Moving Ahead to Future Learning, New York: Springer, 119-132 • Seufert, S. & Euler, D. (2005). Nachhaltgkeit von eLearning Innovatonen: Fallstudien zu Im- plementerungsstrategien von eLearning als Innovatonen an Hochschulen. Arbeitsbericht 4, St. Gallen: SCIL, Universität St. Gallen. • Westerhejden, D.; Beerkens, E.; Cremonini, L.; Huisman, J.; Kehm, B.; Kovač, A.; Lažetć, P.; Miccoshan, A.; Mozuraityte, N.; Souto Otero, M.; Otero, de Weert, E.; Wite, J. & Yağci, Y. (2010).The frst decade of working on the European Higher Educaton Area The Bologna Process Independent Assessment Volume 1 Detailed assessment report. Online zugänglich unter: htp://ec.europa.eu/educaton/higher- educaton/doc/bologna_process/independent_assessment_1_detailed_rept.pdf [2010-05- 15] • Zauchner, Sabine; Baumgartner, Peter; Blaschitz; Edith & Weissenbäck, Andreas (2008). Ofener Bildungsraum Hochschule. Freiheiten und Notwendigkeiten. Waxmann.