Kompetenzentwicklung im Social Web

4.073 Aufrufe

Veröffentlicht am

Wunschdenken oder reelle Chance? Entwicklung von Kompetenzen im Social Web - Keynote am E-Learning-Tag der FH Joanneum 22. September 2009: Sandra Schaffert (Salzburg Research) in Kooperation mit Prof. Amber Beadyeyes (Monster Academy)

Veröffentlicht in: Bildung

Kompetenzentwicklung im Social Web

  1. 1. Wunschdenken oder reelle Chance? Entwicklung von Kompetenzen im Social Web.
  2. 2. Zusammenfassung Statt Faktenwissen sind heute Kompetenzen gefragt. Das Social Web mit seinen vielfältigen Möglichkeiten um sich auszutauschen, zusammen zu arbeiten und voneinander zu lernen, wird dabei von vielen als Chance zur Kompetenzentwicklung betrachtet. Es zeigt sich jedoch, dass das Social Web dabei derzeit nur eingeschränkt bedeutsam ist. Wie Lehre und Hochschulen gestaltet sein müssen, damit Kompetenzentwicklung (auch) mit dem Social Web gefördert werden können, steht daher im Fokus des Vortrags: Es werden Vorraussetzungen zur Entwicklung von Kompetenzen mit dem Social Web geklärt und neue Entwicklungen rund um offenes und kooperatives Lernen mit dem Web vorgestellt.
  3. 3. Vorstellung der Kooperationspartnerin Prof. Amber Beadyeyes
  4. 4. Prof. Amber Beadyeyes (Monster Academy) <ul><li>Leader of the Working Group “Problem Based Learning“ </li></ul>
  5. 5. Prof. Amber Beadyeyes (Monster Academy)
  6. 6. mehr: monstery.wordpress.com
  7. 7. Kompetenzen sind heute gefragt!
  8. 8. Die Forderung nach Kompetenzen ist „jung“ <ul><li>Grootings (1994): „von der Qualifikation zur Kompetenz“ </li></ul>Quelle: http://www.openpr.de/images/articles/c/1/c106f54ace79d4b8e77b2ad15a128c00_g.jpg
  9. 9. Veröffentlichungen zu „Kompetenz“ vs. „Qualifikation“ Zahl der Treffer prozentual zu der Anzahl der Eintragungen des jeweiligen Jahres In der FIS-Bildung-Datenbank, Stand 09/2009
  10. 10. http://www.technoland.de/homepage/images/uu-freundlich-und-kompetent-gross.gif
  11. 11. http://www.dermasilk.de/kompetenz.jpg
  12. 12. http://www.stefan-streit.de/media/KompetenzteamPC2.jpg
  13. 13. http://niederbayern.de/mediaserver/13/itatlasmacher_82213.jpg
  14. 15. Kompetenz-Kritik Wissen ist doch auch wichtig! Inkompetenz- Kompensations- Kompetenz! Kompetenz- Inflation!
  15. 16. Was sind eigentlich „Kompetenzen“?
  16. 17. Kompetenz (-en)
  17. 18. Kompetenzen nach John Erpenbeck <ul><li>Kompetenzen sind Fähigkeiten zum Handeln, sich in offenen und unüberschaubaren komplexen und dynamischen Situationen selbst organisiert zu Recht zu finden (Selbstorganisationsdispositionen) </li></ul><ul><li>Kompetenzen sind unerlässlich für das Handeln in der Risikogesellschaft </li></ul>
  18. 19. Vier Kompetenzarten (nach Erpenbeck) Personale Kompetenzen Aktivitäts- und umsetzungs-bezogene Kompetenzen Sozial-kommunikative Kompetenzen Fach- und Methoden-kompetenzen
  19. 20. Vier Kompetenzarten (nach Erpenbeck) Personale Kompetenzen Aktivitäts- und umsetzungs-bezogene Kompetenzen Sozial-kommunikative Kompetenzen Fach- und Methoden-kompetenzen
  20. 21. Vier Kompetenzarten (nach Erpenbeck) Personale Kompetenzen Aktivitäts- und umsetzungs-bezogene Kompetenzen Sozial-kommunikative Kompetenzen Fach- und Methoden-kompetenzen
  21. 22. Vier Kompetenzarten (nach Erpenbeck) Personale Kompetenzen Aktivitäts- und umsetzungs-bezogene Kompetenzen Sozial-kommunikative Kompetenzen Fach- und Methoden-kompetenzen
  22. 23. Vier Kompetenzarten (nach Erpenbeck) Personale Kompetenzen Aktivitäts- und umsetzungs-bezogene Kompetenzen Sozial-kommunikative Kompetenzen Fach- und Methoden-kompetenzen
  23. 24. Vier Kompetenzarten (nach Erpenbeck) Personale Kompetenzen Aktivitäts- und umsetzungs-bezogene Kompetenzen Sozial-kommunikative Kompetenzen Fach- und Methoden-kompetenzen
  24. 25. Kompetenz vs. Bildung ≠ Prozess + Ergebnis auch normativ Selbstbildung: subjektiv Kein Äquivalent im Englischen ! Ergebnis (o. Status) messbar ökonomischer Kontext ähnlich, aber nicht identisch ...
  25. 26. Wie entstehen Kompetenzen?
  26. 28. Wie entstehen Kompetenzen? <ul><li>„ Kompetenzen werden von Wissen fundiert, </li></ul><ul><li>durch Werte konstituiert, </li></ul><ul><li>als Fähigkeiten disponiert, </li></ul><ul><li>durch Erfahrungen konsolidiert, </li></ul><ul><li>auf Grund von Willen realisiert“ </li></ul><ul><li>(Erpenbeck & Heyse 2008, 163) </li></ul>http://www.thur.de/philo/som/bilder/somlo1.gif Kompetenzentwicklung nach Frei, Hugentobler u.a., S. 16 <ul><li>Theoretisch und empirisch ist es schwer zu klären, wie sich (spezifische) Kompetenzen entwickeln </li></ul>
  27. 29. Social Web wird als Chance zur Kompetenzentwicklung betrachtet
  28. 30. Social Web Quelle:ü nach http://1.bp.blogspot.com/ Web social Social Web = + verknüpfte Inhalte im Internet involvierend, kollaborativ, kommunikativ Einnehmende, kommunikative und kollaborative Vernetzung von Menschen und Inhalten im Internet
  29. 31. Social Web – Drei Aspekte Schaffert & Ebner (tbp 2010)
  30. 32. „ Social Web“ Quelle: http://reinseite.files.wordpress.com/2008/04/cartoon-social-web.gif
  31. 33. Social W e b und Kompetenzentwicklung <ul><li>Das Social Web ermöglicht „die Bearbeitung offener Entscheidungsprobleme in sozial kontroversen, Dissonanzen und Labilisierungen setzenden Kommunikationsformen; sie sind daher ideal geeignet, Kompetenzen im Netz zu ermöglichen“ (Erpenbeck & Sauter) </li></ul>
  32. 34. Beispiele für (informelle) Kompetenzentwicklung im Web
  33. 35. Florina ist Hobbyphotographin
  34. 36. stellt ihre Fotos bei Flickr.com aus
  35. 37. Digital Photography School <<<<<<<<<<<<<<
  36. 38. Digital Photography School - Weekly Assignments ...
  37. 39. Lisa will ihr Englisch auffrischen
  38. 40. ... und hat diverse Englisch-Widgets in ihrem I-Google
  39. 41. hört in der U-Bahn Englisch Podcasts von BBC (Learn English) an
  40. 42. <ul><li>Bei Mixxer sucht sie nun nach einer/m Tandem-Lerner/in </li></ul>
  41. 43. Möchte dann via Skype (Instant Messaging/Telefonie) kommunizieren
  42. 44. Zwischenbemerkung ... <ul><li>Kompetenzentwicklung (auf den ersten Blick) v.a. im Bereich </li></ul><ul><li>Beide Beispiele zeigen, dass zur Kompetenzentwicklung in der Regel auch eine Praxis und Kommunikation außerhalb des Social Webs gehören. </li></ul>
  43. 45. Neil Strauss wollte lernen, wie man eine Frau „aufreisst“
  44. 46. ... u nd hat darüber ein Buch geschrieben <ul><li>... wie er Teil einer (Online-) Community wird, den „Pick-Up Artists“ </li></ul><ul><li>... und in Theorie und Praxis ein Aufreisser-Profi wird </li></ul>
  45. 47. Zwischenbemerkung <ul><li>Zweifellos hat Neil Kompetenzen entwickelt, er kann das Problem nun selbstorganisiert lösen etc. </li></ul><ul><li>Kompetenzentwicklung beinhaltet auch Werthaltungen </li></ul><ul><li>... Ist das hier nicht problematisch? </li></ul><ul><li>... Ist der Kompetenzbegriff an sich „wertneutral“? </li></ul><ul><li>(Gefällt uns da die Forderung nach (Selbst-) Bildung nicht besser?) </li></ul>
  46. 48. Kompetenzentwicklung beim Counterstrike-Spielen (Amber Beadyeyes interviewt S.S., Liga-Spielerin, Salzburg)
  47. 49. Kompetenzentwicklung durch Spielen
  48. 50. Zwischenbemerkung <ul><li>Entwickelt man soziale/kommunikative Kompetenzen im Web? </li></ul><ul><li>„ sozial kompetentes Verhalten“ ist situationsabhängig </li></ul><ul><li>Erpenbeck dazu: Digitale Welt ist auch ein Teil der Realität! </li></ul>Nonverbales wird nur z. T. im Web transportiert (Abb. http://tinyurl.com/locqws )
  49. 51. Entwicklung von Informationsmanagementkompetenz (Amber Beadyeyes interviewt Dr. Christian Glahn, Open University of the Netherlands)
  50. 52. Informationsmanagement & Kompetenz
  51. 53. Kompetenzentwicklung durch Twittern (Amber Beadyeyes interviewt Dr. Martin Ebner, TU Graz)
  52. 54. Kompetenzentwicklung durch Twittern
  53. 55. Zwischenbemerkung <ul><li>Mit dem Social Web können sich auch neue Fertigkeiten, Fähigkeiten, Kompetenzen entwickeln, da neue Formen der Kommunikation, der Kollaboration und Bedürfnisse des Informationsmanagements etc. entstehen </li></ul>
  54. 56. Zwischenbemerkung <ul><li>... Aber man erwirbt durch „Bedienkompetenz“ nicht „automatisch“ Medienkompetenz </li></ul>DIGITAL NAIVES?
  55. 57. Überblick über Möglichkeiten der (informellen) Kompetenzentwicklung im Social Web
  56. 58. Kompetenzentwicklung im Social Web... <ul><ul><li>IIgGGoo </li></ul></ul>
  57. 59. Mögliche Formen der (informellen) Kompetenzentwicklung im Social Web
  58. 60. Wie oft kommt das vor? Welche Bedeutung hat es heute? <ul><li>... Prozent der österreichischen Studierenden nutzen täglich: </li></ul><ul><li>59% E-Mail </li></ul><ul><li>20% Lernplattform </li></ul><ul><li>35% Chat </li></ul><ul><li>10% Wiki lesen </li></ul><ul><li>8% Diskussionsforen </li></ul><ul><li>Quelle: Jadin & Zöserl (2009), N=770 </li></ul>
  59. 61. Möglichkeiten der Kompetenzentwicklung mit dem Social Web in der Hochschullehre
  60. 62. K o mpetenzentwicklung mit Social Tools (Amber Beadyeyes interviewt Behnam Taraghi , TU Graz)
  61. 63. Kompetenzentwicklung mit Social Tools
  62. 64. Das Konzept der Persönlichen Lernumgebung (Personal Learning Environment, PLE) Quelle: http://www.werbeblogger.de/wp-content/myfotos/campaign/tafel.JPG Siehe Schaffert & Kalz (2009), Abbildung nach Ryan Turner
  63. 65. Aber: Technologie allein ... <ul><li>„ ... „Es genügt aber nicht, nur die neue Technologie zur Verfügung zu stellen. Die Lernsysteme müssen sich grundlegend ändern“ (Kuhlmann & Sauter 2008, Vorwort) </li></ul>Quelle: http://www.werbeblogger.de/wp-content/myfotos/campaign/tafel.JPG
  64. 66. Kompetenzentwicklung benötigt (u.a.) <ul><li>Definition der Lernziel und Lernerfolg liegen in der Verantwortung des Lerners </li></ul><ul><li>Lernziele sind auf selbstorganisierte Lösung von Praxisproblemen, d.h. handlungsorientiert ausgerichtet </li></ul><ul><li>Neben Wissenszielen werden Wertziele angestrebt </li></ul><ul><li>Selbstorganisierte Lernphasen </li></ul><ul><li>Lernprozesse finden überwiegend in Netzwerken von Lernern, Tutoren statt </li></ul><ul><li>(siehe Kuhlmann & Sauter 2008, 27; Euler und Hahn 2007) </li></ul><ul><ul><li>IIgGGoo </li></ul></ul>
  65. 67. Eine Möglichkeit: Die Arbeit mit E-Portfolios
  66. 68. E-Portfolio-Prozesse (Hilzensauer & Hornung-Prähauser 2006)
  67. 69. Vier Anwendungsmöglichkeiten an Hochschulen Quelle: Hornung-Prähauser, Geser, Hilzensauer & Schaffert 2007,39
  68. 70. Weitere Möglichkeiten
  69. 71. Weitere Möglichkeiten <ul><li>Offene Lernansätze (Projektarbeit, Problembasiertes Lernen, ...) mit Nutzung des Social Webs und über längere Zeiträume hinweg </li></ul><ul><li>Das Social Web und offene Lernansätze sind attraktiv, bedeuten aber oft für Studierende (und Lehrende) einen höheren (Zeit-) Aufwand. </li></ul>
  70. 72. Wichtige Fragen <ul><li>WELCHE Kompetenz soll eigentlich entwickelt werden? </li></ul><ul><li>Soll die Kompetenzentwicklung in bestehenden Studiengängen oder ergänzend gefördert werden? </li></ul>
  71. 73. Herausforderungen für Kompetenzentwicklung mit dem Social Web an Hochschulen
  72. 74. Herausforderungen <ul><li>Passen Lehrziele und Curricula? </li></ul><ul><li>Ermöglichen die aktuellen Lehrkonzepte Kompetenzentwicklung? </li></ul><ul><li>Passen die Werte der Hochschule, auch die Lernkultur? </li></ul><ul><li>Passen die Prüfungsregularien? </li></ul><ul><li>Wollen und Können die Lehrenden unterstützen? </li></ul><ul><li>Knowhow im Umgang mit dem Social Web? </li></ul><ul><li>(Infrastruktur?) </li></ul><ul><li>... </li></ul>
  73. 75. Kompetenzentwicklung im Social Web: Wunschdenken oder reelle Chance?
  74. 76. Fazit Amber Beadyeyes
  75. 77. Fazit Amber Beadyeyes
  76. 78. Mein Fazit
  77. 79. Kompetenzentwicklung im Social Web: Wunschdenken oder reelle Chance? Fazit
  78. 80. Kontakt Dr. Sandra Schaffert Salzburg Research Jakob-Haringer-Str. 5/III A-5020 Salzburg Phone: +43-662-2288-429 Fax: +43-662-2288-222 [email_address] http://sandra.schaffert.ws Prof. Amber Beadyeyes Monster Academy http://monstery.wordpress.com
  79. 81. Danke ... F ür die Einladung & Ihr Interesse! ... und für die Interviews besonders an Amber Beadyeyes, Anastasia Sfiri, S.S., Behnam Taraghi, Dr. Christian Glahn & Dr. Martin Ebner!
  80. 82. Referenzen ... Futurelab: Literature Review of E-Assessment MOSEP E-Portfolio-Tutorials www.mosep.org … <ul><li>Euler, D. & Hahn, A. (2007). Wirtschaftsdidaktik (2. Aufl.). Bern: Haupt Verlag. </li></ul><ul><li>Hilzensauer, W. & Hornung-Prähauser, V. (2005). ePortfolio - Methode und Werkzeug für kompetenzbasiertes Lernen. SRFG-Broschüre, Salzburg. URL: http://edumedia.salzburgresearch.at/images/stories/EduMedia/Studienzentrum/eportfolio_srfg.pdf </li></ul><ul><li>Hornung-Prähauser, V., Geser, G., Hilzenhauser,W. & Schaffert, S. (2007). Vorstudie zu </li></ul><ul><li>didaktischen, organisatorischen und technologischen Grundlagen von E-Portfolios und </li></ul><ul><li>Analyse internationaler Beispiele und Erfahrungen mit E-Portfolio-Implementierungen an </li></ul><ul><li>der Hochschule. URL: http://edumedia.salzburgresearch.at </li></ul><ul><li>Schaffert, S. & Ebner, M. (tbp in 2010). New Forms of and Tools for Cooperative Learning with Social Software in Higher Education. </li></ul><ul><li>Jadin, T. & Zöserl, E. (2009). Informelles Lernen mit Web-2.0-Medien. In: bildungsforschung, Jahrgang 6, Ausgabe 1,URL: http://www.bildungsforschung.org/Archiv/2009-01/Web2.0/ </li></ul>Kuhlmann & Sauter: Innovative Lernsysteme Erpenbeck & v. Rosen- Stiehl: Handbuch Kom- petenzmessung

×