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Roxana Dârjan   Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext




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Roxana Dârjan         Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext




                                    Danksagung



Diese Diplomarbeit wäre ohne die Unterstützung folgender Personen und
Institutionen in der vorliegenden Form nicht möglich gewesen. Allen voran möchte
ich meinen Eltern danken, für ihre geduldige Unterstützung und nachhaltige
Motivation. Herrn Univ. Prof. Dr. Dr. Nicolae Alexandru Pop verdanke ich aus den
Gesprächen wichtige Anregungen und Konzepte. Herr Univ. Assist. Dr. Dan Cristian
Dabija hat mir durch seine Bereitschaft zu regelmäßigen Besprechungsterminen mit
Korrekturen geholfen. Nicht zuletzt verdanke ich dem Reitverein Transilvania durch
die Bereitstellung von umfangreicher Dokumentation die Grundlage meiner
Implementation.




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Roxana Dârjan        Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



                   BABEŞ-BOLYAI UNIVERSITÄT
            FAKULTÄT DER WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTEN
                  UND UNTERNEHMENSFÜHRUNG
                          CLUJ-NAPOCA




                 DIPLOMARBEIT


             DIE VERGLEICHENDE
           POTENTIALANALYSE DES
              REITTOURISMUS IM
         INTERNATIONALEN KONTEXT



Wissenschaftlicher Betreuer
UNIV. PROF. DR. DR. H.C. NICOLAE ALEXANDRU POP
UNIV. ASSIST. DR. DAN CRISTIAN DABIJA



                                                                  Studentin
                                                                  ROXANA DÂRJAN




                                        -    2010 -

                                                                                                       3
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       INHALTSVERZEICHNIS
   Zusammenfassung in rumänischer Sprache ............................................................... 9
EINFÜHRUNG .......................................................................................................... 11
   Problemstellung und Zielsetzung ............................................................................. 11
KAPITEL 1 : EINFÜHRUNG IN DAS THEMA FREIZEITGEOGRAPHIE .... 14
   1.1. DER BEGRIFF TOURISMUS ......................................................................... 14
   1.2. TOURISMUS ALS FREIZEITFAKTOR ........................................................ 15
   1.3. DIE FREIZEITGEOGRAPHIE UND DAS FREIZEITVERHALTEN .......... 15
      1.3.2 . DEFINITIONEN ....................................................................................... 16
      1.3.3. AUFGABEN UND ZIELE DER GEOGRAPHIE DES
      FREIZEITVERHALTENS ................................................................................... 18
      1.3.4. ALLGEMEINE BEDEUTUNG DES FREIZEIVERHALTENS ............. 18
      1.3.5. PROZESSE DER FREIZEITGESTALTUNG .......................................... 19
      1.3.6. DIE ROLLE DES KONSUMENTEN ....................................................... 22
      1.3.7. DIE ANBIETER DES FREIZEITANGEBOTS........................................ 23
      1.3.8. DIE NACHFRAGE DES FREIZEITANGEBOTS ................................... 23
      1.3.9. MOTIVE DER REISENDEN ................................................................... 24
KAPITEL 2 : DIE TRENDS IM SPORTTOURISMUS ........................................ 25
   2.1. HISTORISCHER HINTERGRUND DES SPORTTOURISMUS .................. 25
   2.2. SPORTARTEN IM RAHMEN DES SPORTS – UND REISETOURISMUS 25
   2.3. SPORTTOURISMUS ALLGEMEIN .............................................................. 26
      2.3.1. ZWEI MEGABEREICHE TREFFEN AUFEINANDER .......................... 26
      2.3.2. DEFINITION DES BEGRIFFS SPORTTOURISMUS ............................ 27
   3.3. DER MARKT FÜR SPORTTOURISMUS ..................................................... 27
      2.3.4. DIE STRUKTUR DER NACHFRAGE .................................................... 28
      2.3.5. STRUKTUR DES ANGEBOTS ............................................................... 29
      2.3.6. TRENDS IN SPORTTOURISMUS .......................................................... 30
KAPITEL 3 : DER REITTOURISMUS .................................................................. 31
   3.1. HISTORISCHER HINTERGRUND DES REITENS ..................................... 31
   3.2. DAS PFERD IM VERLAUF DER ZEIT ........................................................ 32
   3.3. DIE BEZIEHUNG ZWISCHEN MENSCH UND PFERD ............................. 33
      3.3.1. EINSTMALS BEUTETIER ...................................................................... 33
      3.3.2. MYTHOS PFERD ..................................................................................... 34
      3.3.3. DIE ROLLE DES PFERDES .................................................................... 35
   3.4. PFERDE ALS THERAPIEMITTEL ............................................................... 36
      3.4.1. THERAPEUTISCHES REITEN ............................................................... 36

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      3.4.2. ZUSAMMENARBEIT VON PFERD UND MENSCH ........................... 38
KAPITEL 4 : REITTOURISMUS IN DEUTSCHLAND UND RUMÄNIEN ..... 39
   4.1. ALLGEMEINE DARSTELLUNG .................................................................. 39
   4.2. ARTEN VON REITURLAUB UND REITTOURISMUS .............................. 40
   4.3. REITTOURISTEN UND PFERDEINTERESSIERTE ................................... 41
   4.4. DER REITTOURISTISCHE MARKT ............................................................ 42
      4.4.1 DIE ANBIETER DES REITTOURISMUS ............................................... 42
      4.4.2. EINFLUSSFAKTOREN DES REITTOURISTISCHEN ANGEBOTS ... 43
   4.5. PFERDESPORT UND REITTOURISMUS IN DEUTSCHLAND ............... 44
   4.6. WIRTSCHAFTSFAKTOR PFERD ................................................................. 45
   4.7. REITTOURISMUS IN RUMÄNIEN ............................................................. 45
   4.8. ZUSAMMENFASSUNG ................................................................................. 47
KAPITEL 5: ENTWICKLUNGSLINIEN FÜR DIE ERÖFFNUNG EINER
REITPENSION IN RUMÄNIEN ............................................................................. 49
   5.1 ERSTELLUNG EINER DURCHFÜHRBARKEITSSTUDIE ......................... 49
      5.1.1. ALLGEMEINE DATEN DES ANTRAGSTELLERS ............................. 50
      5.1.2. DIE BESCHREIBUNG DES PROJEKTES.............................................. 51
      5.1.3. INFORMATIONEN ÜBER DIE ARBEITSKRAFT ................................ 53
      5.1.4. DIE BESCHREIBUNG DER AQUISITIONEN ....................................... 53
      5.1.5. DIE PROJEKTDAUER ............................................................................. 54
   5.2. DIE FÖRDERUNG DER INVESTITION ....................................................... 56
   5.3. DIE BERECHNUNG DER FINANZIELLEN ERFOLGSINDIKATOREN .. 60
      5.3.1. DIE WIEDERGEWINNDAUER DER INVESTITION ........................... 61
      5.3.2. DIE SCHÄTZUNG DER KOMMERZIELLEN RENDITEN .................. 61
      5.3.3. DIE RENTABILITÄT DES INVESTIERTEN KAPITALS ................... 62
      5.3.4. DIE PRODUKTIVITÄT DES INVESTIERTEN KAPITALS ( Wi ) ...... 62
      5.3.5. DER NETTOKAPITALWERT ................................................................ 63
      5.3.6. DER RENDITE-INDIKATOR.................................................................. 63
      5.4. DAS TOURISTISCHE ANGEBOT DER REITPENSION „EQUINA” ..... 64
      5.4.1. DAS TOURISTISCHE ANGEBOT FÜR INLÄNDER ........................... 64
      5.4.2. DAS TOURISTISCHE ANGEBOT FÜR AUSLÄNDER ........................ 65
KAPITEL 6: ALLGEMEINE SCHLUSSFOLGERUNGEN ................................ 66
LITERAURVERZEICHNIS ........................................................................................ 68
Ehrenwörtliche Erklärung ............................................................................................ 70




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  Tabellenverzeichnis



        Tabelle 1 - Nachfrage im Sporttourismus ........................................................ 28
        Tabelle 2 - Die Vorstellung der besitzen Güter des Antragstellers. ................ 50
        Tabelle 3 - Die benötigten Ankäufe ................................................................. 54
        Tabelle 4 - Die GANT-Graphik ....................................................................... 56
        Tabelle 5 - Der Wert der förderfähigen und nicht förderfähigen Ausgaben .... 57
        Tabelle 6 - Die Gesamteinkommen im ersten Jahr .......................................... 58
        Tabelle 7 - Die Ausgabenprognose für 2011 ................................................... 59
        Tabelle 8 - Die Entwicklung der Einkommen und Ausgaben ........................ 60
        Tabelle 9 - Die Entwicklung der Cash-Flows ................................................ 60
        Tabelle 10 - Die kommerzielle Rendite ........................................................... 62
        Tabelle 11 - „Wi" ............................................................................................. 63



Abbildungsverzeichnis

        Abbildung 1 - Das Themenfeld der Freizeitgestaltung .................................... 19
        Abbildung 2 - Prozess der Imagebildung durch Freizeiteinrichtung ............... 21
        Abbildung 3 - Erste Darstellungen des Pferdes................................................ 31
        Abbildung 4 - Mensch und Pferd zusammen ................................................... 35
        Abbildung 5 - Xenophon erklärt die Kunst des Reitens ................................... 35
        Abbildung 6 - Potentielle Reittouristen ............................................................ 41
        Abbildung 7 - Aktivitäten von Pferdeinteressierten ......................................... 41
        Abbildung 8 - Einflussfaktoren des reittouristischen Angebots ....................... 43
        Abbildung 9 - Freude an Reiten ....................................................................... 64
        Abbildung 10 - Familienausritt ........................................................................ 65




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Roxana Dârjan      Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext




     „Où que l’homme ait laissé sa marque dans la grand

ascension, de la barbarie jusqu’à la civilization, on trouve, la

                trace du pied du cheval à son côté “



       „Wo immer Menschen ihre Spuren zum großen

   Anstieg hinterließen,,von Barbarei zur Zivilisation,

   findet man neben ihnen die Hufabdrücke des Pferdes“




                                                       John Moore
                                                                                                     8
Roxana Dârjan            Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



Zusammenfassung in rumänischer Sprache



Rezumat

In zilele noastre timpul liber este bine preţuit în raport cu timpul de muncă, fiind
folosit în scopul lărgirii orizontului de cunoaştere precum şi pentru odihnă activă şi
reconfortare. Astfel, se poate constata că noile nevoi şi exigenţe privind calitatea
componentelor turistice aduc îmbunătăţiri în acest sector prin diversificarea
oportunităţilor de petrecere a timpului liber, stimulând apariţia şi dezvoltarea unor
servicii specifice – şi anume a celor de agrement.

Turismul de agrement constituie în prezent o ramură importanta şi de viitor a pieţei
turistice. Datorită unei cereri în continuă creştere din partea turiştilor, s-au format
tendinţe cu un grad ridicat de popularitate în domeniul turismului, cum ar fi turismul
sportiv şi de vacanţă. In ultimii ani s-a dovedit că aceste tendinţe a turismului au rolul
unor factori pozitivi ceea ce priveşte situaţia economică a unei ţări.

Turismul ecvestru este considerat in multe ţări o tendinţă populara a turismului. In
Germania turismul ecvestru este cel mai apreciat, fiind privit ca o perspectivă foarte
bună pentru viitor. Din păcate nu se poate spune aceelaşi lucru şi despre turismul
ecvestru în România.

Interesul pentru această lucrare s-a dezvoltat în primul rând din experienţele personale
privind ecvinele şi echitaţia, pe care le-am acumulat în ultimii doi ani în cadrul
centrelor hipice din Transilvania. Prin contactul intens cu organizaţii ecvestre şi
specialişti, mi s-au acordat informaţiile necesare în domeniul turismului ecvestru.

Datorită activităţilor profesionale in cadrul companiei “e.c.c. Ecocare”, am acumulat
diverse cunoştinţe în domeniul consultanţei economice şi în mod special al fondurilor
structurale europene pentru dezvoltarea zonelor rurale. Astfel am cunoscut
modalităţile de accesare a fondurilor structurale europene prin “Ghidul Solicitantului“
şi etapele care trebuie parcurse de solicitant pentru aprobarea dosarului.

Având în vedere faptul că imi sunt cunoscute atât probleme actuale legate de turismul
ecvestru cât şi modalităţile de a obţine fonduri structurale nerambursabile, am incercat



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Roxana Dârjan             Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



sa efectuez un studiu de caz               privind dezvoltarea turismului ecvestru prin
oportunitatea înfiinţării unei pensiuni ecvestre in comuna Gilău.

Scopul acestei lucrări este cercetarea si evaluarea turismului ecvestru ca o nouă ofertă
de turism în România. Astfel s-a realizat o analiză comparativă a turismului ecvestru
în Germania şi România. Rezultatul analizei are ca scop recunoaşterea şanselor şi a
riscurilor legate de dezvoltarea turismului ecvestru în România.

Lucrarea de faţă se structurează în şase capitole. Pentru o mai bună inţelegere a
termenilor, s-au definit în primul capitol conceptele de turism şi turismul timpului
liber. Al doilea capitol se ocupă cu turismul sportiv şi de vacanţă, analizând cererea şi
oferta acestora.

Capitolul trei prezinta echitaţia şi turismul ecvestru la modul general. Aici sunt
descrişi potenţialii consumatori a turismului ecvestru. Un subcapitol special se ocupă
cu echitaţia terapeutică, care a devenit foarte apreciată în ultimii ani.

In capitolil patru se descrie o analiză comparativă a turismului ecvestru în Germania şi
România, având ca scop vizualizarea lipsurilor de pe partea României.

Capitolul cinci este format pe baza cunoştinţelor şi rezultatelor anterioare având ca
scop efectuarea unui studiu de caz privind dezvoltarea turismului ecvestru prin
oportunitatea înfiinţării unei pensiuni ecvestre in comuna Gilău. Studiul de fezabilitate
privind Măsura 313 - “Încurajarea activităţilor turistice” va conţine toate documentele
necesare pentru înfiinţarea pensiunii ecvestre. Analiza rentabilităţii s-a realizat prin
prisma unor indicatori precum: rata comercială a profitului, rentabilitatea capitalului
investit şi productivitatea investiţiei. După calculul acestor indicatori s-ar putea spune
că investiţia în pensiunea ecvestră din comuna Gilău se dovedeşte a fi o iniţiativă
viabilă şi necesară în contextul actual al pieţei turistice.

Capitolul şase oferă interpretarea tuturor rezultatelor împreuna cu o viziune de viitor
asupra turismului ecvestru în România.




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                                    EINFÜHRUNG




Die vorliegende Arbeit beschreibt die wachsende Bedeutung des Freizeitreitens für
den Tourismus, sie versucht die bestehenden Angebotsstrukturen aufzuzeigen und die
wichtigsten Anforderungen für eine erfolgreiche Entwicklung und Vermarktung einer
Reitpension in einer touristischen Region darzustellen.

Problemstellung und Zielsetzung
Die Entwicklungsperspektiven neuer Tourismusarten werden von der Neuorientierung
der wirtschaftlichen Märkte bestimmt. Auf der Angebotsseite drängen immer mehr
Anbieter und Produkte auf den Markt, die um die Kunden konkurrieren. Auf der
Nachfrageseite hingegen, sind Sättigungstendenzen sowie ein gestiegener Anspruch
an den Dienstleistungen zu beobachten.

Heutzutage wird der ländliche Tourismus als ein wichtiger Teil des Tourismusmarkts
eines Landes angesehen. Weltweit hat sich dieser, was das Angebot und die
Nachfrage der Reisenden betrifft, verändert. Tourismustrends wie zum Beispiel der
Sport- und Urlaubstourismus haben immer mehr Terrain gewonnen. Diese
Entwicklungen sind wichtige Indikatoren für die wirtschaftliche Lage eines Landes.
Was den Reittourismus betrifft, ist dessen weltweite Verbreitung als Tourismustrend
unterschiedlich. In Deutschland gehören Pferdesport und Reittourismus zu den
größten Freizeitmärkten und blicken mit Wachstumsraten in eine erfolgreiche
Zukunft. Somit stellt sich die Frage, wie die Entwicklung in Rumänien voranzutreiben
ist und welche Maßnahmen erforderlich sind.

Mein Interesse an dieser Arbeit entstand in erster Linie aus meinen persönlichen
Erfahrungen mit Pferden , welche ich im Verlauf der letzen zwei Jahre im Reitverein
des Kreises Siebenbürgens erworben habe. Ein intensiver Kontakt zu Fachleuten und
reittouristischen Organisationen in Rumänien und Deutschland, hat mir den Zugang
zum Thema Reittourismus gewährt.




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Roxana Dârjan              Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



Durch meine Projekttätigkeiten bei der Firma „e.c.c. Ecocare“1, habe ich viele
Informationen über die Finanzierungsmöglichkeiten aus dem Europäischen Fonds
erhalten. Das Unternehmen beschäftigt sich mit betriebswirtschaftlicher Beratung und
ist auf die Finanzierungsmöglichkeiten aus dem Europäischen Fonds für die
Entwicklung des räumlichen Landes spezialisiert. Desweiteren ist mir nun bekannt,
was notwendig ist, um einen Finanzierungsantrag zu erstellen und welche die
jeweiligen Schritte bis zur Genehmigung der Förderung sind.

Durch die Tatsache, dass mir die Probleme im Bereich des Reittourismus bekannt
waren und ich vertraut mit der Herstellung eines Finanzierungsantrags durch
Europäischen Fonds für die Entwicklung des räumlichen Landes war, habe ich in der
vorliegenden Arbeit versucht, die Richtlinien für die Herstellung einer Reitpension in
Rumänien darzustellen.

Ziel dieser Untersuchung ist die Bewertung des Reittourismus als neue touristische
Angebotsform für Rumänien. Es wurde eine umfassende Potentialanalyse des
Reittourismus in Deutschland und Rumänien ermittelt. Das Untersuchungsgebiet soll
darstellen, welche Chancen und Risiken für eine ländliche Region mit dem Aufbau
dieses Tourismussegments verbunden sind.

Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in sechs systematisch aufeinander aufgebaute
Kapitel. Nach einem thematischen Einstieg, der eine räumliche Einordnung der
Freizeitgeographie einschließt, erfolgt im zweiten Kapitel eine Bestandsaufnahme des
Sport- und Urlaubstourismus. Es wird herausgestellt, dass der Sport-und
Urlaubstourismus einen Trend aufweisen, mit Hilfe derer das gegenwärtige
Kundenverhalten analysiert und neue Angebotsformen abgeleitet werden können. Es
wurde erkannt, dass der Sport-und Urlaubstourismus einen Tourismusmarkt der
Zukunft ist.

Der dritte Kapitel beschreibt zuerst den Reittourismus im Allgemein mit seinen
Hauptakteueren Mensch und Pferd und das therapeutische Reiten. Aus dem dritten



1
 http://www.ecc-ecocare.com/Pages/ro/Internationalisierungsberatung/default.aspx - Zugriff am
20.06.2010

                                                                                                         12
Roxana Dârjan             Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



Kapitel kann man den Grundgedanken, dass die Beziehung Mensch-Pferd ganz
besonders ist, leicht erkennen.

Als nächstes wird im vierten Kapitel die Bedeutung des Reittourismus im
Untersuchungsgebiet im Vergleich zu Deutschland mittels einer deduktiven
Vorgehensweise abgeschätzt. Es wird eine Angebotsanalyse der natürlichen und
organisatorischen Potentiale gebildet. Diese Methode der Analysephase hat das Ziel,
das rumänische Angebot im Vergleich zu dem deutschen Angeboten einzuordnen,
wobei die eigene Position immer wieder in Relation zur Konkurrenz oder zur
Nachfrage gesetzt wird.

Das fünfte Kapitel wird anhand der schon vorhandenen Ergebnisse aufgebaut und hat
als Ziel die Erstellung einer Durchführbarkeitsstudie für eine Reitpension in einem
ländlichen      Gebiet     Rumäniens.          Die       Durchführbarkeitsstudie              für      die
Finanzierungsmöglichkeit 313 „Förderung der touristischen Aktivitäten im Bereich
Erholung/Vergnügung“ wird alle Teile enthalten, welche für den Aufbau einer
Reitpension gebraucht werden. Die Ergebnisse anhand der Berechnung der
Erfolgsindikatoren werden vorgestellt um zu beweisen, ob das Projekt im Bereich des
Profits und der wirtschaftlichen Lage des Gebietes vorteilhaft ist oder nicht.

Im sechsten und letzten Teil dieser Arbeit werden die Ergebnisse zusammengefasst
und es wird ein Ausblick in die Zukunft des Reittourismus gegeben.




                                                                                                        13
Roxana Dârjan                 Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



                 KAPITEL 1 : EINFÜHRUNG IN DAS THEMA
                                FREIZEITGEOGRAPHIE




1.1. DER BEGRIFF TOURISMUS



Zuallererst ist es notwendig, eine passende Definition zu finden, um Klarheit über den
Terminus zu verschaffen. Seitdem sich die Wissenschaft mit dem Thema Tourismus
beschäftig, sind verschiedene Versuche gestartet worden, diesen Begriff eindeutig
abzugrenzen. Dies erwies sich aber als äußerst schwierig, da das Phänomen Reisen
vielerlei Gestalt annehmen kann.

Der Tourismus ist einer der führenden Wirtschaftszweige in der Welt. Nach Angaben
der World Tourism Organization (UNWTO) ist weltweit jeder dreizehnte Beschäftige
in der Tourismuswirtschaft tätig bei immer noch leicht steigender Tendenz. In
manchen Regionen liegt die Bedeutung der Tourismuswirtschaft als Arbeitgeber sogar
noch über diesem Durchschnittswert. In Europa gibt es allerdings inzwischen gewisse
Sättigungseffekte. Doch auch in Europa wird die Angabe der European Travel
Commisision (ETC) 5% des Bruttonationaleinkommens direkt und indirekt sogar bis
zu 12 % von der Tourismusbranche erwirtschaftet. Die UNWTO prognostiziert bis
2010 einen Anstieg auf etwa 1 Mrd. Ankünfte und bis 2020 sogar fast 1,6 Mrd.
Ankünfte weltweit. Tourismus wird als Aktivitäten von Personen, die an Orte
außerhalb ihrer gewohnten Umgebung reisen und sich dort zu Freizeit-, Geschäfts-
oder bestimmten anderen Zwecken nicht länger als ein Jahr ohne Unterbrechung
aufhalten, definiert. Touristische Aktivitäten weisen daher zum Teil große
Unterschiede bezüglich ihrer Motive (Erholung, Beruf, Bildung und andere), ihrer
Dauer ( Tagesausflug, Kurzreise, Urlaubsreise ) sowie die Entfernung (städtisches
Umland, Inland, Ausland).2




2
    Vgl. Wiesner 2006: S.16

                                                                                                            14
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1.2. TOURISMUS ALS FREIZEITFAKTOR


Immer mehr Menschen nutzen ihre Freizeit, um zu reisen. Deshalb ist es nicht
verwunderlich, dass der touristische Markt einen der größten Wachstumsmärkte
weltweit darstellt. Wachstumsraten zwischen fünf oder zehn Prozent verzeichnet die
Branche jedes Jahr laut UNWTO.3

Doch weshalb reisen so viele Menschen in ihrer freien Zeit? Welche Einflussfaktoren
haben zu solch einem Reiseaufkommen geführt? Und vor allem woher hat der Begriff
Freizeit seinen Ursprung? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigen sich die
nächsten Kapitel dieser Arbeit.



1.3. DIE FREIZEITGEOGRAPHIE UND DAS FREIZEITVERHALTEN


Bei der Freizeitgeographie handelt es sich um einen Zweig der traditionellen
Fremdverkehrsgeographie, die seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts die
räumliche Struktur und Raumwirksamkeit des aufkommenden Freizeitverkehrs
untersucht.4

Die Entwicklung von der Fremdverkehrsgeographie hin zur Freizeitgeographie ging
und anderem mit der Optimierung industrieller Arbeitsprozesse und hierbei mit der
Steigerung der Produktivität der eingesetzten Arbeit sowie einer zunehmenden
Mobilität. Für die Bevölkerung hatte dies positive Auswirkungen. Der Wohlstand
wuchs und die Arbeitszeit nahm ab. Die zunehmend zur Verfügung freie Zeit hatte die
Notwendigkeit der Gestaltung dieser Zeit zur Folge. Kurz- und mittelfristige
Freizeitaktivitäten gewannen an Bedeutung. Es entstand eine immer grösser werdende
Anzahl an Freizeiteinrichtungen, wodurch sich der Wettbewerb zwischen diesen
Institutionen verstärkte. Diese Abhängigkeit zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und
Raum entsprechen damit dem Ansatz der Regulationstheorie. Sie geht davon aus, dass
sich Wechselwirkungen und Prozesse aus wirtschaftlicher und gesellschaftlicher
Ebene in räumlichen Veränderungen niederschlagen.5



3
  Vgl: Holzapfel 2008: S.4
4
  Vgl. Blotevogel 2002: S.17
5
  Vgl. Kleeberg 2004: S.1

                                                                                                         15
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Im Zuge von Arbeitsverkürzung und steigendem Wohlstand ist die Bedeutung der
Freizeitgestaltung im Laufe der Jahre für die Bevölkerung immer bedeutender
geworden. Mittlerweise werden ca. 20 % des Einkommens eines durchschnittlichen
Vierpersonen-Arbeitnehmerhaushalts mittleren und hohen Einkommen für die Freizeit
aufgewendet.6 Die Freizeit dient heutzutage als wichtige Basis zur Verwirklichung der
individuellen Bedürfnisse der Bevölkerung. Als deren Grundlage ist die Arbeitszeit
als „notwendigem Übel“ zu bewältigen. Im Zuge der Entwicklung hin zu mehr zur
Verfügung stehender Zeit hat sich auch das Angebot an Möglichkeiten der Gestaltung
dieser Zeit erweitert. Parallel zu der Ausweitung des Angebots sind die
Anforderungen in Freizeiteinrichtungen deutlich gestiegen. Es hat sich ein starker
Wettbewerb zwischen den Einrichtungen entwickelt. Einhergehend damit wuchs die
Bereitschaft der Bevölkerung, größere Distanzen für die Freizeitgestaltung
zurückzulegen. Mittlerweile wird ca. die Hälfte der gefahrenen Autokilometer im
Zusammenhang mit Freizeit und deren Gestaltung zurückgelegt. Dies hat auch
zwangsläufig negative Folgen für die Umwelt, insbesondere in den Zielgebieten.7

Aufgabe des Geographie des Freizeitverhaltens ist es Strukturen und Auswirkungen
von Freizeiteinrichtungen und deren Nutzung auszudecken, zu erklären und zu
planen.8 Eingeschlossen ist die Analyse der Motive für die Nutzung einer
Freizeiteinrichtung sowie der Erwartungen, Anforderungen und Wahrnehmungen der
Nutzung des Angebots. Weiterhin interessiert, welche Reichweiten ein Angebot hat,
bzw. welche Distanzen die Nachfrager noch bereit sind zu bewältigen um das
Angebot zu nutzten.


1.3.2 . DEFINITIONEN


Der Teil der Geographie, der sich mit dem Phänomen der Freizeit und seinen
Auswirkungen auf dem Raum befasst, wird in der wissenschaftlichen Literatur
Geographie des Freizeitverhaltens genannt. Die Geographie des Freizeitverhaltens
wird    als     Teildisziplin      der    Sozialgeographie          verstanden,        deren     generelles
Erkenntnisinteresse der Beobachtung, Analyse und Erklärung der 'räumlichen


6
  Vgl. Bollheimer 1999: S.7
7
  Vgl. Kleeberg 2004: S.6
8
  Vgl. Kleeberg 2004: S.8

                                                                                                            16
Roxana Dârjan              Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



Organisationsformen und raumbildenden Prozesse der Daseinsgrundfunktionen
menschlicher Gruppen und Gesellschaften' gilt9

Während in einigen Definitionen die Freizeit noch als "die nicht der Erwerbstätigkeit
dienende Zeit" und "Zeit ohne barwerte Entlohnung" gesehen wird, gehen andere
Wissenschaftler schon etwas differenzierter an die Betrachtung dieses Begriffes
heran. So wird Freizeit häufig auch in einer Art Subtraktionsverfahren als jene Zeit
definiert, die übrig bleibt, wenn alle verpflichtende Arbeit getan und die körperlichen
Notwendigkeiten wie Schlafen, Essen, befriedigt sind. Der Rückgang der Arbeitszeit
führte in den letzten Jahrzehnten zu einem Anstieg der Freizeit, was auch umfassende
Auswirkungen auf deren Gestaltung und Bedeutung hat, sodass unsere Gesellschaft
auch als Freizeitgesellschaft bezeichnet werden kann..10

Als Freizeitverhalten ist ein vielfältiges Spektrum von Aktivitäten zu bezeichnen.
Begriffe wie Erlebnisorientierung, Genussorientierung oder Naturorientierung
kennzeichnen Trends des Freizeitverhaltens post moderner Gesellschaften. Eine
Typisierung dieser Orientierungen legt einer Unterteilung in häusliche und
außerhäusliche Aktivität nahe. Aus geographischer Perspektive ist das außerhäusliche
Freizeitverhalten von Bedeutung, da in diesem Fall zu dem Aspekt der Freizeit noch
der Raumbezug hinzukommt. Gemäß unserer Wertvorstellungen wird diese Mobilität
mit Freiheit verbunden, wodurch die außerhäusliche Freizeitaktivität doppelt positiv
besetzt ist.11

Bei der Freizeiteinrichtung handelt es sich um ein von privater oder öffentlicher Hand
organisiertes Angebot, in welchem man seiner freie Zeit verbringen und gestalten
kann. Typisch für Freizeiteinrichtungen ist eine bestimmte Ausrichtung bzw. ein
bestimmtes Thema.




9
  http://www.uni-mannheim.de/mateo/verlag/dipl/gpreis/kap-01.html Zugriff am: 20.06.2010
10
   http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/BERUFSFINDUNG/Beruf-Freizeit.shtml Zugriff am: 20.06.2010
11
   Vgl. Kleeberg 2004: S.16

                                                                                                         17
Roxana Dârjan                   Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



1.3.3. AUFGABEN UND ZIELE DER GEOGRAPHIE DES
FREIZEITVERHALTENS


In der Geographie des Freizeitverhaltens ist das Interesse auf die Analyse und
Erklärung der raumbezogenen Dimensionen des Freizeit- und Fremdenverkehrs
ausgerichtet. Es werden Raumstrukturen und Prozesse, die sich aus der
Grunddaseinsfunktion „sich erholen“ ergeben.

Die Geographie des Freizeitverhaltens befasst sich auf wissenschaftliche Weise unter
anderem damit, die sich aus dem Freizeitverhalten ergebenen sozialen, ökonomischen
und gesellschaftlichen Probleme bzw. Phänomene zu begreifen und Lösungsansätze
zu erarbeiten. Diese Lösungsansätze sind laut Steinecke auf drei Ebenen zu finden.
Zum einen ist dies die Erarbeitung von Praxis bezogenen Wissen für Planungs-,
Verwaltungs- und Wirtschaftszwecke. Zum zweiten soll Grundlagenforschung
betrieben werden, um daraus Theorien zu bilden und Prognosen abgehen zu können.
Zum dritten ist es die gesellschaftstheoretische Forschung, auf deren Grundlage
Einstellungen und Handlungsweisen im Freizeit und Fremdenverkehr verändert
werden sollen.12



1.3.4. ALLGEMEINE BEDEUTUNG DES FREIZEIVERHALTENS


Früher spielte sich das Freizeitverhalten nicht zuletzt werden geringeren Mobilität der
Bevölkerung überwiegend im Wohnumfeld ab. Im Laufe der Zeit nahm die Mobilität
stark zu und es wurden immer größere Wege zurückgelegt, um an besonderen
Angeboten         und    Attraktionen         teilzunehmen.        Einhergehend          damit     kam      der
Freizeitaktivität eine immer grösser werdende Bedeutung zu. Das Ausmaß und die
Form der Freizeit sind wie alle wirtschaftlichen Güter von Angebots-und
Nachfragefaktoren           abhängig.          Die      veränderten         Rahmenbedingungen               des
Freizeitverhaltens lassen sich demzufolge sowohl auf der Angebots- als auch auf der
Nachfrageseite in einigen markanten Punkten erkennen, die sich wie folgt darstellen.




12
     Vgl. Kleeberg 2004: S.19

                                                                                                              18
Roxana Dârjan           Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



     1.3.5. PROZESSE DER FREIZEITGESTALTUNG


     Unter Berücksichtigung von Freizeiteinrichtungen wird eine Analyse der aktiven
     Gestaltung der Freizeit von Menschen durchgeführt. Das Themenfeld der
     Freizeitgestaltung ist sehr vielsichtig und kann, wie in Abbildung 1 dargestellt,
     folgendermaßen unterteilt bzw. aufgegliedert werden:


                                       Abbildung 1 Das Themenfeld der Freizeitgestaltung

                                               Freizeit




                                          Wochenendfreize                               Urlaubsfreiheit
          Tagesfreizeit
                                          it



    Kein Freizeitverkehr                                                               Freizeitverkehr


                                           Naherholung
                                                                                         Urlaub




 In der         Im         Inter-                 Inter-            Inter-             Inter-          Inter-
Wohnung        Wohn-
                           lokal                  lokal            regional          regional         nationa
               Umfeld
                                                                                                          l




                                                                   ( Quelle: Kleeberg 2004 : S. 24 )




                                                                                                              19
Roxana Dârjan                   Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



Die in Abbildung 1 „Das Themenfeld der Freizeitgestaltung” dargestellte
Untergliederung der Freizeitgestaltung stellt eine Grundlage für diese Untersuchung
dar. Bei dem für diese Untersuchung relevanten Freizeitverhalten handelt es sich vor
allem um Tages-und Wochenendaktivitäten. Die Abbildung zeigt auf, welche Formen,
Verknüpfungen, Ausprägungen und regionalen Ausdehnungen die Freizeit bzw.
Bereiche der Freizeit haben kann. Zum Beispiel die für Reitsport relevanten
Zusammenhänge werden durch breite Linien hervorgehoben. Wesentliche Faktoren
bilden hierbei die zwei Komponenten Zeit und Raum.

Die zeitliche Komponente verkörpert die Art und Menge der zur Verfügung stehenden
freien Zeit. Sie kann die Ausprägungen Stunden-, Tages-, Wochenend- und
Urlaubsfreizeit       annehmen. Sie ist               die Basis         für die sich anschließende
Freizeitaktivität, bei der die räumliche Komponente eine Rolle spielt. Kommt es zu
einer räumlichen Aktivität, spricht man von Freizeitaktivität wo die Dauer und
Intensität wichtig sind. Bei der Intensität ist zwischen Naherholung und Urlaub zu
unterscheiden. Die entsprechenden Reichweiten können zwischen dem unmittelbaren
Wohnumfeld und der international gestalteten Freizeit variieren.

Um Gründe für die spezielle Freizeitverwendung aufzudecken, wird aufbauend auf
dem Gerüst der Abbildung 1 der Prozess der Freizeitverwendung bzw.
Freizeitgestaltung komplettiert. Hierfür empfiehlt er sich, zum einen die Einstellungen
gegenüber dem jeweiligen Freizeitangebot und zum anderen die Zufriedenheiten mit
eben diesem Angebot zu analysieren. Eine solche erweiterte Betrachtungsweise lässt
verstehen, wodurch die räumliche Nutzungsintensität der Freizeitverwendung
beeinflusst wird und wie es zu der Frequenz der jeweiligen Nutzung kommt. Erst
durch       eine    solche       umfassende         Betrachtungsweise            können       Gründe        und
Zusammenhänge, die relevant für die Freizeitverwendung bzw. Freizeitaktivitäten
sind, aufgedeckt und verstanden werden. Unter Berücksichtigung dieser Ergänzung
ergibt sich der im Folgenden dargestellte Kreislauf, wobei die Nutzung eines
Freizeitangebots die Nahstelle zu der zuvor dargestellten Abbildung 2 bildet:13




13
     Vgl. Kleeberg 2004: S.24

                                                                                                              20
Roxana Dârjan          Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



                  Abbildung 2 Prozess der Imagebildung durch die Nutzung einer

                                                                             Freizeiteinrichtung

                        Nutzung des Freizeitangebots



                        Erwartungen an das Angebot




                       Wahrnehmungen des Angebots



                       Zufriedenheit mit dem Angebot



                        Einstellungen gegenüber dem
                                  Angebot



                        Image der Freizeiteinrichtung


                                                              (Quelle: Kleeberg 2004 : S. 26 )



Abbildung 2 stellt den Prozess der Herausbildung bzw. Formung des Images einer
Freizeiteinrichtung durch deren Nutzung dar. Es handelt sich um einen Kreislauf, der
maßgeblich für die Auswahl der jeweils genutzten Freizeiteinrichtung ist. Er liefert
Gründe für die aktive Sicht und Nutzung von Freizeiteinrichtungen.




                                                                                                     21
Roxana Dârjan                Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



1.3.6. DIE ROLLE DES KONSUMENTEN


Alle Menschen sind in der Rolle als Konsumenten Teilnehmer am Wirtschaftssystem,
deshalb nimmt die „Konsumentenethik“ eine herausragende Rolle in der
individualethischen Wirtschaftsethik ein. Als Konsument wird der Mensch vor allem
aufgefordert, seine Bedürfnisse intensiver zu reflektieren und Verantwortung
gegenüber sich selbst bedeutet. Eine große Verantwortung wird dem Konsumenten
aber auch im Verhältnis zur natürlichen Umwelt zugeschrieben, weil der Konsum von
Dienstleistungen heute vielfach mit Umweltschäden verbunden ist.14

Der Einstieg eines Konsumenten in den Prozess erfolgt üblicherweise mit dem Image
der Freizeiteinrichtung, welches sich durch die Einflüsse von außen beim
Konsumenten gebildet hat. Steht dem Konsumenten eine gewisse Menge an Freizeit
zur Verfügung, kann die Wahl eines konkreten Freizeitangebots durch dieses Image
unterstütz werden. Er kommt zur Nutzung des Angebots durch den Konsumenten.
Dieser hat durch seine vorherigen Informationen bestimmte Erwartungen an das
Angebot, die er erfüllt haben möchte. Sie beeinflussen maßgeblich seine
Wahrnehmungen des konkreten Angebots. Der Konsument vergleicht nun seine
Erwartungen mit den Wahrnehmungen. Als Ergebnis dieses Bewerbungsprozesses
ergeben sich die konkreten Zufriedenheiten mit den Leistungsfacetten des Angebots.
Diese Zufriedenheiten wiederum führen zu Einstellungen gegenüber den einzelnen
Leistungsfacetten des Angebots. Die Summe dieser Einstellungen ergibt das neu
geprägte Image des Freizeitangebots, das sich somit aus den verschiedenen
Einstellungen zusammensetzt.15 Je positiver das sich ausbildende Image des
Freizeitangebots ist, desto größer ist die Bereitschaft der wiederholten Nutzung durch
den Konsumenten.

Externe Einflussfaktoren, wie beispielweise Werbeaktivitäten sowie die PR- und
Öffentlichkeitsarbeit der Freizeiteinrichtungen, wirken von außen auf dieses System
und beeinflussen bzw. lenken die Sicht der potentiellen Nutzer. Bei der Wahl der
Freizeitgestaltung handelt es sich um einen stetigen Prozess, der sich aus vielen
unterschiedlichen Teilbereichen zusammensetzt und von vielen Einflussfaktoren
abhängig ist. Beispielsweise wirken verschiedene Faktoren auf die Zufriedenheit von

14
     Vgl. Göbel 2006: S.80
15
     Vgl. Kleeberg: S.27

                                                                                                           22
Roxana Dârjan                   Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



Freizeiteinrichtungsbesuchern. Welcher der jeweiligen Faktoren bzw. welches der
diversen Ereignisse hierbei wahrgenommen wird und dadurch entscheidend für die
sich bildende Einstellung bzw. dem sich daraus bildenden Image ist, stellt einen
komplexen Prozess dar. Dieser Prozess und das daraus resultierende Ergebnis ist bei
jeder Person unterschiedlich. Weiterhin ist der Prozess immer auch dem
Konkurrenzkampf innerhalb der Freizeitbranche ausgesetzt, so dass ein weiterer
starker Einflussfaktor von außen auf dar dargestellte System einwirkt.



1.3.7. DIE ANBIETER DES FREIZEITANGEBOTS


Auf Seiten der Anbieter ist das Freizeitangebot durch starkes Wachstum und
Kommerzialisierung gekennzeichnet. Neuartige Angebote, sich verstärkender
Wettbewerb sowie die Tendenz zu Professionalisierung und Internationalisierung
bedeuten für die Anbieter dieses Segments nicht nur eine Chance, sondern immer
auch eine Gefahr.16 Sie müssen ihr Angebot stets hinterfragen, um neuartige
Strömungen und Erwartungen bzw. Anforderungen nicht zu verpassen und dauerhaft
am Markt bestehen zu können.


1.3.8. DIE NACHFRAGE DES FREIZEITANGEBOTS


Der wachsende Anteil der Bevölkerung mit qualifizierten Abschlüssen wirkt positiv
auf den freizeittouristischen Bereich aus. Durch die steigende Anzahl an
Beschäftigten steigt die Bereitschaft zu reisen. Die Reisetätigkeit steigt also mit
zunehmendem Bildungsniveau. Die Art der Reisen verändert sich dadurch ebenfalls.
Es ist eine zunehmende Nachfrage an Studien-, Bildungs- und Kulturreisen zu
verzeichnen.17

Auf Seiten der Nachfrage machen steigende Einkommen, zunehmende freie Zeit und
Mobilität, höhere Anforderungen an das Freizeitangebot , Bereitschaft für die Freizeit
mehr Geld aufzuwenden, den Bereich der Freizeitgestaltung immer bedeutender für
die persönliche Lebensgestaltung. Dies bietet den Anbietern Differenzierungschancen,
um sich von Wettbewerbern abzuheben und gegenüber diesen vor den Kunden zu

16
     Vgl. Kleeberg 2004: S.29
17
     Vgl. Wessel 2006: S.12

                                                                                                              23
Roxana Dârjan                   Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



profilieren. Im Zusammenhang mit der Nachfrage ist zu berücksichtigen, dass nach
Expertenmeinung der Zeitaufwand zur Nutzung eines Freizeitangebots 60 Minuten
Fahrzeit nicht übersteigt.

Ergänzend         hierzu    kann        festgehalten       werden,       dass      die     Bedeutung        der
Freizeitgestaltung und die Inanspruchnahme von Freizeitangeboten bei jungen
Menschen deutlich höher als bei älteren ist. Bezogen auf das Bildungsniveau nimmt
die Nutzung von Freizeitangeboten mit dem Bildungsstand zu.18



1.3.9. MOTIVE DER REISENDEN


Das Bedürfnis zu reisen scheint ungebrochen. Jedoch unterscheiden sich die Motive
für den Antritt einer Reise erheblich. Zuallererst muss zwischen beruflich bedingten
Reisen und privaten Reisen unterschieden werden. Erstgenannte sind unbedingt für
das Unternehmen notwendig, wie z.B. der Besuch von Messen und Ausstellungen, die
Pflege von Geschäftsbeziehungen oder das Führen von Verhandlungen. Dabei ist das
Motiv eindeutig bestimmt. Im Gegensatz dazu gibt es bei privaten Reisen eine
Vielzahl von Motiven. Einige davon können ebenfalls unabdingbar sein, der
überwiegende Teil jedoch erfolgt nach individuellen Bedürfnissen. 19




18
     Vgl. Kleeberg 2004: S.27
19
     Vgl: Holzapfel 2008: S.5

                                                                                                              24
Roxana Dârjan                   Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



            KAPITEL 2 : DIE TRENDS IM SPORTTOURISMUS



2.1. HISTORISCHER HINTERGRUND DES SPORTTOURISMUS


Sporttourismus ist in der heutigen Form eine relativ junge Ausprägung. Sport in
Verbindung mit Reise-Tourismus beginnt ab den 1960er Jahren ein massenhaftes
Phänomen zu werden. In den wissenschaftlichen und verbandsspezifischen Fokus
kommt das Thema Sport und Tourismus erstmals in den 1970er Jahren vor, abgesehen
von einigen früheren Einzelveröffentlichungen. Der Begriff Sporttourismus taucht in
der 1980er Jahre auf, ohne jedoch erläutert zu werden, und spätestens seit Mitte der
1990er Jahre ist ein rapider Anstieg in der Auseinandersetzung mit dem Thema
weltweit zu verzeichnen.20


2.2. SPORTARTEN IM RAHMEN DES SPORTS – UND REISETOURISMUS



Der Sport- und Reisetourismus enthält eine Vielfalt von Sportarten welche man im
Verlauf der Reise durchführen kann. Ein paar der beliebtesten Sportarten in den
Urlaubszeiten wären: 21
           Abenteuer-Erlebnis-Expeditionen
           Angeln-Sportfischen
           Ballsport-Laufsport
           Fahrrad
           Fliegen ( Motor-Segel-Drachen-Ballon)
           Golf
           Reiten
           Segeln-Surfen-Wassersport
           Tauchen
           Tennis
           Wandern-Bergsteigen-Trekking
           Wintersport-Skireisen-Snowboard

20
     Vgl: Schwark 2006: S.9
21
     Vgl: Schwark 2006: S.155

                                                                                                              25
Roxana Dârjan                 Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



2.3. SPORTTOURISMUS ALLGEMEIN



Egal ob man selbst sportlich aktiv sein möchte oder ein Sportereignis der Anlass zu
einer Reise ist, Sportreisen liegen im Trend. Der Sport motiviert zum Ortswechsel.
Die Medien haben vor allem dazu beigetragen, dass die ganze Welt scheinbar ein
großer Sportplatz geworden ist. Ob beim City Marathon in New York, im Tenniscamp
auf Gran Canaria, bei Formel 1 Rennen auf der ganzen Welt oder bei Olympia – der
Sport mit seinen Veranstaltungen stellt ein internationales Phänomen dar.22

In diesem Abschnitt werden die beiden Megabereiche vorgestellt, aus denen sich der
Sporttourismus zusammensetzt. Außerdem wird der Begriff Sporttourismus definiert,
der Markt für diesen Bereich genauer betrachtet, sowie über einige Trends berichtet.



2.3.1. ZWEI MEGABEREICHE TREFFEN AUFEINANDER



Beim Sport- Tourismus treffen zwei der wichtigsten deutschen Freizeitphänomene
aufeinander: Der Megamarkt Tourismus mit dem Volkssport Reisen und der
Megamarkt Sport mit einem Volk der Sporttreibenden.

Zum Beispiel war Deutschland 2006 Reiseweltmeister. Mehr als 60 Milliarden Euro
gaben die Bundesbürger im vergangenen Jahr für Urlaub aus. Davon wurden rund 80
Millionen Nah- und Fernreisen von fünf und mehr Tagen gebucht Über die Hälfte
aller Deutschen fahren mindestens einmal im Jahr in den Urlaub. Mehr als ein Drittel
ist Mitglied in einem Sportverein, viele Andere sind mehr oder weniger sportlich aktiv
bzw. interessiert am Sport. Bemerkenswert ist auch die Zahl der Sportzuschauer in
Deutschland.         Allein     in     2005       besuchten        18,3      Mio.      Menschen          eine
Sportveranstaltung.23

Zusammengefasst gibt es ca. 60 Mio. Urlaubsreisende und ca. 40. Mio.
Sportbegeisterte, jedoch aber keinen neuen Megamarkt. Die Schnittmenge für den
Bereich Sporttourismus ist viel kleiner als gedacht. Durch ein großes Spektrum an



22
     Vgl: Holzapfel 2008: S.8
23
     http://www.comdirect.de/pbl/static/pdf/comdirect_ratgeber_urlaub.pdf Zugriff am 20.06.2010

                                                                                                            26
Roxana Dârjan                   Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



verschiedenartigen Sportarten stellt sich der Markt als sehr unübersichtlich,
inhomogen und individuell dar.24



2.3.2. DEFINITION DES BEGRIFFS SPORTTOURISMUS


Sport und sportliche Aktivitäten haben das große Interesse der Menschen geweckt.
Ausflüge, Kurz- oder Sporturlaub, Freizeitaktivitäten in Verbindung mit Sport haben
im Tourismus einen eigenen Bereich entstehen lassen.

Um ein einheitliches Verständnis über den Begriff des Sporttourismus zu bekommen,
ist es notwendig, diesen genau abzugrenzen bzw. zu definieren. Was sind die genauen
Motive für Sportreisen und wo ordnet man die Gruppe von Sportunterstützer ein?
Sind die beiden Bereiche Sport und Tourismus gleichberechtigt oder sind die Begriffe
eigenständig zu betrachten? Solche ähnliche Fragen können oftmals nicht eindeutig
geklärt werden, da unterschiedliche Sichtweisen und Argumentationen vorliegen.
Trosien 2001 definiert Sporttourismus wie folgt und unterscheidet dabei zwischen
einer engen und einer weiten Sichtweise: Sporttourismus im engeren Sinne. sind
Reisen,       bei   denen       Sport     ein    Hauptmotiv         der    Reise      ist.   Sporttourismus
im.weiteren.Sinne sind Reisen, bei denen Sport ein Nebenmotiv der Reise ist.25



3.3. DER MARKT FÜR SPORTTOURISMUS


Der Sporttourismus ist bisher noch ein relativ unerforschtes Gebiet, was womöglich
vom bis dato eher geringen Gesamtvolumen des Marktes abhängig ist. Für den Sport
und den Tourismus gilt der Sporttourismus allerdings als Hoffnungsträger für die
Zukunft. Erstmalig haben sich die UNWTO und das International Olympic
Committee ( IOC ) auf dem Sporttourismusgipfel in Barcelona gemeinsam mit diesem
Themenbereich befasst. Der Markt weist nachweislich enormes Potential auf. Die
Struktur des Marktes wird im Folgenden näher betrachtet.




24
     Vgl: Holzapfel 2008: S.8
25
     Vgl: Holzapfel 2008: S.9


                                                                                                              27
Roxana Dârjan                   Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



2.3.4. DIE STRUKTUR DER NACHFRAGE


Die Nachfrage nach Sportreisen war in den letzten Jahren eher gering. Nur etwa fünf
bis zehn Prozent der Befragten, die jährlich in den Urlaub reisen, geben Sport als
Hauptreisemotiv an. Allerdings wird die Anzahl derer, die einen auf sportliche
Betätigung ausgerichteten Aktivurlaub unternehmen, immer größer. Inwieweit dieser
dann als solcher verlebt wird, spielt eine eher untergeordnete Rolle. Sportorientierte
Veranstaltungen bedeuten außerdem nicht immer, dass man selbst sportlich aktiv
wird. Die Möglichkeit zum Besuch eines großen Sportereignisses kann dabei auch
                       26
gewählt werden.             Um einen genauen Überblick über die Nachfrageformen und
Nachfragetypen im Sporttourismus zu bekommen, werden die vier Gruppen in der
folgenden Tabelle beschrieben.

                                                          Tabelle 1 Nachfrage im Sporttourismus

         Formen der                     Nachfragetyp                            Motivationslage
          Nachfrage

 Aktivurlaub ( Sport                 Sportorientierter                        Aktive Erholung
     im Urlaub )                      Aktivurlauber,                       Fitness und Gesundheit
                                         Ausübung                               Rehabilitation
                                       verschiedener                             Geselligkeit
                                         Sportarten                          Spaß, Erlebnisdrang
        Sporturlaub                    Sporturlauber,                           Sport treiben
                                        vollständige                          Bewegungsdrang
                                  Ausrichtung der Reise                 Erlernen einer neuen Sportart
                                  auf die Ausübung einer                      Spaß und Freude
                                   bestimmten Sportart                   Wunsch nach Anerkennung
                                                                           Persönliche Entfaltung
      Trainings- und                   Training-und                        Leistungsverbesserung
      Wettkampfreise                Wettkampfreisender,                        Erfolg und Spaß
                                         Reise ins                       Wunsch nach Anerkennung
                                    Trainingslager oder                      Finanzielle Motive
                                      zum Wettkampf
 Sportveranstaltungs-                Reise zum Besuch                   Wunsch nach Abwechslung
     Tourismus                              einer                               Geselligkeit
                                    Sportveranstaltung,              Prestigeträchtige Veranstaltungen
                                    passiv Interessierter                        besuchen
                                                                     ( Quelle: Holzapfel 2008: S. 10 )

26
     Vgl: Holzapfel 2008: S.9


                                                                                                              28
Roxana Dârjan                Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



Sportliche Aktivitäten stehen für den Sportorientierten Aktivurlauber im Vordergrund,
aber auch andere Aspekte sind für ihn wichtig. Der Aktivurlauber widmet sich
verschiedenen Sportarten, eine ist ihm zu wenig. So trifft man ihn beispielsweise beim
Wintersport und auch beim Wassersport. Der Sporturlauber richtet seine Reise auch
komplett am Sport aus. Jedoch legt er sein Augenmerk nur auf die Ausübung einer
Sportart, z. B. nur Reiten oder Skifahren.27 Für Trainings-und Wettkampfreisende
dagegen steht die Verbesserung der Leistung in einem Trainingslager oder der
sportliche Vergleich mit Gleichgesinnten bei einem Wettkampf im Vordergrund.
Personen, die selbst nicht sportlich aktiv werden und die Sportveranstaltungen nur als
passive Akteure besuchen, gehören zu der Gruppe der Sportveranstaltungstouristen.



2.3.5. STRUKTUR DES ANGEBOTS



Bei einer näheren Betrachtung des Marktes der Sportreiseveranstalter zeigt sich eine
deutliche Inhomogenität. Sportliche Pauschalreisen werden nur von wenigen großen
Veranstaltern angeboten. Im Gegensatz dazu sind viele Spezialisten auf dem
Sportreisemarkt vertreten, die vor allem lokal tätig sind oder sich auf gewisse
Sportarten spezialisiert haben. Aber auch Gelegenheitsveranstalter, wie Sportvereine,
Sportverbände oder Reisebüros, sollten nicht vergessen werden, da auch sie, denn
auch nur wenige Male im Jahr, Sonderreisen für Sportgruppen veranstalten.

Durch eine eher geringe Nachfrage halten sich die großen Veranstalter der
Reisebranche bedingt durch dieses eher kleine, wenig attraktive Marktsegment, bisher
deutlich zurück. Des Weiteren ist es durch die Vielzahl an Sportarten für die
klassischen Veranstalter kaum möglich, auf allen Gebieten ausreichend Kompetenzen
aufweisen zu können. Erschwerend kommt ebenso hinzu, dass durch die individuellen
Ansprüche der Sporttouristen eine Standardisierung des Angebots kaum möglich ist.
Daher wird der Markt oft den Spezialisten überlassen, die in vielen Bereichen ihre
Angebote vor allem flexibler und individueller gestalten können. 28



27
     Vgl: Holzapfel 2008: S.9
28
     Vgl. Breidenbach 2002: S.79



                                                                                                           29
Roxana Dârjan           Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



2.3.6. TRENDS IN SPORTTOURISMUS


Wie bereits im vorherigen Punkt näher betrachtet, ist das Sportangebot für Touristen
sehr vielfältig. Der Sporttourismus wird hauptsächlich durch viele Trendsportarten
beeinflusst. Die Vorstellungen und Gewohnheiten derer, die Sport treiben, haben sich
in den letzten Jahren mehr oder weniger stark verändert. Dies hat natürlich auch auf
die Nachfrageseite von Sportreisen Auswirkungen. Einige dieser Trends stellt
Holzapfel (2008, S.11) dar:


        Trend zum Spaß
        Trend zur Bewegungs- und Körperkultur (lustvolle Bewegung, Ästhetik, Spiel,
        Gesundheit)
        Trend zu Körper, Geist, Seele (Fitness und Wellness)
        Trend zum Sport als Abenteuer (Erlebnis, Aktion, Grenzen austesten)
        Trend zum Sport-Event (Sport sehen und erleben)


Einige dieser Trends spielen auch bei einem bedeutenden Vertreter des
Sporttourismus,   dem     Reittourismus,         eine     wichtige       Rolle.     Nachdem         der
Sporttourismus allgemein mit seinen Besonderheiten dargestellt wurde, wird jetzt der
Fokus auf den Reitsport beziehungsweise Reittourismus gesetzt.




                                                                                                      30
Roxana Dârjan               Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



                      KAPITEL 3 : DER REITTOURISMUS



3.1. HISTORISCHER HINTERGRUND DES REITENS


Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die
hohe Dressur an der Reitakademie
unterrichtet. Speziell der französische,
spanische       und    italienische       Adel
begeisterte sich dafür und nahm daran
teil. Zwei „Reitmeister“ sind hier zu
nennen.     Erstens    de    Pluvinel       und
zweitens de la Guérinière. Sie prägten
die Entwicklung. So beruft sich auch
                                                Abbildung 3 Erste Darstellungen des Pferdes
die    Spanische      Hofreitschule        in
Wien noch heute auf die Lehren Guérinères. Er war der erste, der eine komplette
Sammlung der Dressurlektionen nieder schrieb. Diese Schrift nannte er „Ecole de
Cavalarie“, die auch die Schulen über der Erde (z.B. Levade, Courbette und Kapriole)
umfasst. Doch auch in England entwickelte sich eine Reitkunst. Und damit auch ein
Gegner der französischen Reitschule. Der Brite Baucher sowie sein Schüler Fillis
zählten dazu. Mit Baucher wurden nicht mehr nur kompakte und barock wirkende
Pferde für die Dressur geschult, sondern er begann auch britische Jagd- und
Vollblutpferde für die Dressur auszubilden. Dadurch, dass diese Pferde sowohl über
ein   anderes     Wesen      und     einen      von     den     sonst     üblichen       Dressurpferden
unterschiedlichen großrahmigen Körperbau verfügten, musste sie die Reitkunst den
Pferden anpassen. Die neue Reitkunst fand auch in Deutschland ihre Anhänger, so
auch der Deutsche Steinbrecht. Er verfasste ein Werk zu dieser neuen Reitkunst
(„Gymnasium des Pferdes“ [1858]).

Mit Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts verkam die klassische Reitkunst.
Die neuen Anforderungen an die Pferde waren: sie mussten schnell aus zu bilden sein
und absolut bedingungslos gehorsam sein. Es wurde in den Heeresinstruktionen eine
rationalisierte und auf Nutzen ausgerichtete Reitkunst entwickelt. Von Anforderungen
wie Eleganz und Ausdruck war hier nichts mehr zu sehen. Es bildete sich aus der

                                                                                                          31
Roxana Dârjan              Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



militärischen Pferdeausbildung in Kombination mit Ansätzen der klassischen
Reitkunst die heutige Dressurlehre. Diese wird heute auch bei den Olympischen
Spielen gefordert. 29

Heutzutage ist das Reiten eine Sportart welche das Vergnügen mit dem Nützlichen
vereint, es entwickelt den Mut, die Orientierung und die Kapazität schnelle
Entscheidungen zu treffen. Die Kunst des Reitens verlangt viel Bildung und
Ausdauer, weil es von zwei Hauptfaktoren geprägt wird: Der Mensch und das Pferd.30



3.2. DAS PFERD IM VERLAUF DER ZEIT



Die Geschichte des Reitens beginnt mit der Domestizierung des Pferdes und
entwickelt sich im Bereich der Militär, aber auch für die Eroberung neuer Gebiete und
Völker. Die „Cavalarie“ wurde immer mit den Elementen Mobilität und Kraft
verbunden, aber am meisten lag es mit dem Schicksal vieler Kriege im
Zusammenhang. Das domestizierte Pferd hat eine sehr lange Geschichte. Viele
entscheidende Eroberungszüge, Schlachten und Völkerwanderungen wären ohne das
Pferd nicht zustande gekommen oder ganz anders verlaufen. Folge der Entwicklung
vom Beute- zum Reittier kam es dazu, dass Pferde für Transportaufgaben genutzt
wurden. Der Mensch fühlte sich stets auf dem Rücken eines gezähmten Pferdes dem
Rest der Welt überlegener. 31

Dadurch bewegte sich die Weiterentwicklung der Reitkunst lange Zeit im Bereich des
Militärs. Erst später wurden diese von Zivilen Bereichen übernommen. Die erste
schriftlich überlieferte Reitlehre ist in Xenophons Schriften „Der Reitoberst“ und
„Über die Reitkunst“ zu finden. Hierbei handelt es sich um eine ausgereifte und
psychologische Reitlehre, die beruhend auf Beobachtungen der Bewegungen der
Pferde gründet. 32 Er widmete sich aufgrund des philosophischen Hintergrundes, den
er als Schüler von Sokrates erhielt, besonders mit der Einheit Pferd-Mensch-Körper-
Seele.


29
   Vgl. Stodulka 2006: S.3
30
   Vgl. Muresan et.Al. Marchis & Pentelescu 2007: S.194
31
   Vgl. Muresan et.Al. Marchis & Pentelescu 2007: S.194
32
   Vgl. Dulugeac 2005: S.9

                                                                                                         32
Roxana Dârjan                 Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



Die Römer übernahmen diesbezüglich viel von den Griechen. Zur selben Zeit
zähmten und züchteten die Perser schon Vollblutaraber. Gegen Ende des 12. und
Anfang des 13. Jahrhunderts waren die Reitheere des berühmt- berüchtigten
Dschingis Khans gefürchtet, sie nutzten die kleine mongolischen Ponys. Die
klassische Reitkunst, wie sie auch heute noch bekannt ist, nahm ihren Anfang mit
Beginn der Neuzeit.33

In der Renaissance war der Begründer der neapolitanischen Reitakademie, Frederigo
Grisone, im 16. Jahrhundert der Erste, der 2000 Jahre nach Xenophon das zweite
Grundlagewerk über die Reitkunst verfasste. Leider interpretierte er das Verhalten des
Pferdes falsch und versuchte Widerstände und Unverständnis mit Bestrafung des
Pferdes zu korrigieren.



3.3. DIE BEZIEHUNG ZWISCHEN MENSCH UND PFERD


Die Beziehung zwischen Mensch und Pferd reicht bis in die Anfänge der Menschheit
zurück, sie wurde im Verlauf der Geschichte noch gefestigt und besteht bis heute.


3.3.1. EINSTMALS BEUTETIER


Schon der Homo Sapiens der Altsteinzeit fand das Pferd als Mitglied der ihn
umgebenden Tierwelt vor. Er mag das flüchtige Tier beneidet und bestaunt haben, er
mag sich vor ihm gefürchtet haben, mag von ihm fasziniert gewesen sein. Über diese
erste Beziehung lassen sich nur Vermutungen anstellen, die allerdings mit speziellen
Funden wie mit allgemeinen vor- und frühgeschichtlichen Forschungsergebnissen
unterlegt werden.34

Zwischen dem 30. und 10. vorchristlichen Jahrtausend fing der Mensch an, sich für
die wilden Pferde seiner Umgebung näher zu interessieren. In jenen Jahrtausenden
waren die Menschen Jäger und Sammler. Daher erregte das Pferd anfangs nur als
potentielles Beutetier das Interesse der Menschen. Nach Basche (1994, S. 43) war
somit die Nutzung als Fleischtier die erste nützliche Verbindung des Menschen zum


33
     http://www.pferde-pferderassen.de/pferde-geschichte.php - Zugriff am 20.06.2010
34
     Vgl.: Scharaditsch 2006: S.15

                                                                                                            33
Roxana Dârjan                 Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



Pferd, und aus der Perspektive des Jägers stellte das Pferd eine willkommene Beute
zur Lebensfristung dar.

Von der Jagdbeute in der Steinzeit wurde das Pferd zum zahmen Haustier. Darüber,
wo und von wem das erste Pferd gezähmt wurde, gibt es jedoch keine einheitliche
Meinung. Einige Forscher meinen, dass Pferde zuerst in der Mongolei eingesetzt
wurden, und zwar schon im fünften vorchristlichen Jahrtausend. Die ersten gezähmten
Pferde wurden zunächst zum Ziehen von Kampfwagen, später auch als Last- und
Reittiere genutzt, dann wurde das Pferd Zeichen von Wohlstand und Macht.
Denjenigen, die Pferde besaßen und sie reiten oder mit ihnen kutschieren konnten,
wurde Respekt entgegengebracht; sie besaßen meist Reichtum, zählten zum Adel oder
besaßen einmalige Fähigkeiten, wie etwa die großen Feldherren der Geschichte, die
zu Pferde ganze Weltreiche eroberten – und dies oftmals mit Hilfe ihrer Pferde.35



3.3.2. MYTHOS PFERD


Fast die gesamte Menschheitsgeschichte hindurch war das Pferd dem Menschen
Kamerad, Diener und Partner. Seit der ersten Begegnung zwischen Mensch und Pferd
spielt dieses einmalige Tier eine besondere Rolle für den Menschen, sei es in der
Realität oder im Mythos. Spätestens seit der Bronzezeit waren Pferde nicht nur Zug-
und Reittiere, sondern zugleich Statusobjekt und religiöses Symbol. Als Verkörperung
des Sieges und des Herrschertums besaßen Pferde große Bedeutung und hohes
Ansehen und verschafften dem Besitzer enormes Sozialprestige.36

Pferde waren immer hochgeschätzt - Pferde weckten auch heute noch Emotionen. Sie
zählen wohl zu den edelsten Geschöpfen auf Erden. In ihnen paaren sich Kraft und
Ausdauer, sie verkörpern Stolz und Mut genauso wie Sensibilität und Vorsicht. Und
sie faszinieren durch Schönheit und Anmut.

Diese besondere Faszination und die Einstellung vieler Menschen zu diesen
Geschöpfen wusste Ronald Duncan besonders gut in einem seiner Gedichte
auszudrücken, das er 1954 niederschrieb:


35
     Vgl.: Scharaditsch 2006: S.15
36
     Vgl.: Scharaditsch 2006: S.16

                                                                                                            34
Roxana Dârjan                 Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



“Where in this wide world can man find nobility without pride, friendship without
envy, or beauty without vanity?
Here where grace is laced with
muscle         and      strength       by
gentleness confined. He serves
without servility; he has fought
without enmity. There is nothing
so powerful, nothing less violent;
there is nothing so quick, nothing
more patient.”                                      Abbildung 4 Mensch und Pferd zusammen


Das moderne Pferd ist ein intelligentes Geschöpf, das aufgrund seiner extremen
Sensibilität und seiner Kooperationsbereitschaft in guten Händen zu außerordentlich
hohen Leistungen fähig ist. Dasselbe Pferd kann jedoch in schlechten Händen schnell
störrisch und unbeherrschbar werden.37

Der britische Premierminister Winston Churchill gehörte zur Riege der exzellenten
Führer mit „Pferdeverstand“. Schon er sah, dass Pferde einen großen Einfluss auf
einen Menschen und dessen Führungsverhalten haben können, was er wiederum in
einem Zitat zum Ausdruck brachte:

„There is something about the outside of a horse that is good for the inside of a man.”



3.3.3. DIE ROLLE DES PFERDES                                      Abbildung 5 Xenophon erklärt die
                                                                                 Kunst des Reitens

Das Pferd ist ein Zeichen für Schönheit,
Schnelligkeit und Freiheit. Deshalb lieben
und bewundern die Menschen es. Es wird in
der Werbung eingesetzt um Symbole wie
Freiheit und Schönheit darzustellen und auf
Postern und Bildern verewigt um das Zimmer
oder die Wohnung zu verschönern. Und in
der Tat sind Xenophons Worte wahr: Ein

37
     Vgl. Scharaditsch 2006: S.17

                                                                                                            35
Roxana Dârjan                   Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



Pferd,      das    sich    stolz      trägt,    ist    etwas     so     Schönes,       Bewunderns-          und
Erstaunenswürdiges, dass er aller Zuschauer Augen auf sich zieht. Keiner wird müde
es anzuschauen, solange es sich in seiner Pracht zeigt. 38

Die Rückbesinnung auf den Umgang mit Pferden als Erfahrungs- und Erlebnisfeld
stellt keineswegs nur eine modische Erscheinung dar, sondern beruht auf einer uralten
Tradition, wie zahlreiche Beispiele belegen.

„Ein Pferd hat nichts hündisches und auch nichts raubtierhaftes, es ist – wie Paul
Hunting, ein erfahrener Pferdeflüsterer, es formuliert – The Perfect Follower“.


3.4. PFERDE ALS THERAPIEMITTEL


Schon seit dem Altertum ist die wohltuende Wirkung des Reitens für den Körper,
Geist und Seele bekannt. Das Therapeutische Reiten nutzt diesen Effekt erst seit
einigen Jahrzehnten zur Linderung und Heilung psychosozialler Störungen und
körperlichen Erkrankungen. Das Pferd bietet eine Besonderheit gegenüber anderen
Tieren, die therapeutisch eingesetzt werden. Die Arbeit auf dem Pferd findet in
direktem Körperkontakt statt, zudem ähneln die Bewegungen des Pferdes dem
menschlichen Gang



3.4.1. THERAPEUTISCHES REITEN



Unter dem Begriff Therapeutisches Reiten werden drei Bereiche zusammengefasst:

Die Hippotherapie, welche eine spezielle krankengymnastische, ärztlich verordnete
und überwachte bewegungstherapeutische Maßnahme auf dem Pferd ist, die sich der
Bewegungen des Pferdes als therapeutischem Medium bedient. .39

Die Therapie kommt aus der Medizin und bezeichnet Maßnahmen zur Behandlung
von Krankheiten. Ziel einer Therapie ist die Heilung, die Beseitigung oder Linderung
der Symptome und die Wiederherstellung der körperlichen und psychischen Funktion.



38
     Vgl. Kirstein 2006: S.22
39
     Vgl. Fingerhut 2007: S.5

                                                                                                              36
Roxana Dârjan                 Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



Das Wort Reiten kommt aus dem Altertum und meint ursprünglich die Bewegung
überhaupt.

Das Heiltherapeutische Reiten wird als Oberbegriff für die drei Fachbereiche:
Hippotherapie (Krankengymnastik auf dem Pferd), Heilpädagogisches Reiten
(Personen mit verschiedenen Störungen die mit Hilfe des Pferdes umgesetzt werden)
und Behindertensport verwendet.

Die Wahrnehmung des Pferdes unterscheidet sich in mancherlei Hinsicht von der des
Menschen. Beide orientieren sich zwar vorwiegend über Sehen und Hören, jedoch
sind die Sinneseindrücke beim Pferd ausgeprägter und somit sensibler und präziser.

Da Pferde von Natur aus sehr gesellige Tiere sind, setzen sie ihre Sinnesorgane auch
ein, um miteinander zu kommunizieren und nicht nur um drohende Gefahr zu wittern.
Sie nehmen die Eindrücke ihrer Umwelt mit allen Sinnen wahr und so entgeht ihnen
kaum eine Veränderung in ihrer Umgebung. Auch für Gefühlsschwankungen sind
Pferde sehr sensibel.

Reiz und Reaktion liegen beim Pferd zeitlich eng beieinander. Pferde sind
hochsensible Wesen und reagieren daher unmittelbar und unverfälscht. Auch beim
Umgang mit Menschen nehmen Pferde selbst kleinste – oftmals auch unbewusste
Veränderungen im Gesichtsausdruck, in Körperhaltung oder in der Gefühlswelt
wahr.40

Da Pferde wie oben erwähnt Flucht- und Beutetiere sind, fassen sie auch viel weniger
schnell Vertrauen zu anderen Lebewesen. Sie sind überaus aufmerksam und kritisch
ihrer Umwelt gegenüber. Man muss sich das Vertrauen der Pferde erst erarbeiten und
sich beweisen. Kann man einem Pferd die Furcht nehmen, sich sein Vertrauen und
seinen Respekt erarbeiten und es in Folge von seinen Führungsqualitäten überzeugen,
lassen sich die dabei gewonnenen Erfahrungen auf das Führungsverhalten im Umgang
mit den Mitarbeitern übertragen.41




40
     Vgl. Scharaditsch 2006: S.40
41
     Vgl. Fingerhut 2007: S.5

                                                                                                            37
Roxana Dârjan                 Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



3.4.2. ZUSAMMENARBEIT VON PFERD UND MENSCH


„Pferde sind offen für alles Neue und bereit zur Mitarbeit, gleichzeitig aber sensibel,
vorsichtig und zurückhaltend. Sie erwarten Achtung, Respekt und Anerkennung. Sie
reagieren auf Motivation, Lob und Vertrauen. Der Umgang mit dem Pferd fördert
Mut,         Kraft,      Kreativität        und        Risikobereitschaft           aber       gleichzeitig
Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit, Geduld und Zielstrebigkeit.“ (Gerhard
J. Krebs

Pferde sind uns körperlich überlegen und könnten sich unseren Befehlen leicht
widersetzen oder entziehen. Jedoch lassen sich Pferde grundsätzlich nur selten auf
Konfrontationen ein. Der Grund dafür liegt darin, dass Pferde in sozial organisierten
Verbänden leben, in denen das Zusammenleben auf Kooperation und Kommunikation
beruht. Gewalt hingegen wird zur Verteidigung gegen den Feind eingesetzt, wenn
eine Flucht nicht mehr möglich ist oder im Ernstfall auch zur Klärung der
Rangordnung. Daher verhalten sich Pferde dem Menschen gegenüber grundsätzlich
auch gutmütig.42




42
     Vgl. Scharaditsch 2006: S.18

                                                                                                            38
Roxana Dârjan                 Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



        KAPITEL 4 : REITTOURISMUS IN DEUTSCHLAND UND
                                            RUMÄNIEN



4.1. ALLGEMEINE DARSTELLUNG



Im letzten Jahrhundert gewinnt eine neue Form des Reitens viel Aufmerksamkeit –
der Reittourismus. In Frankreich, England, Deutschland, Belgien und viele andere
Länden wurden reittouristische Organisationen eröffnet. Diese bieten nicht nur den
Profis, sondern auch den Amateuren verschiedene Reitnetze an. ( in Frankreich:
„Vacances à cheval“, in England „ Tekking“ genannt )43

Pferdesport und Reittourismus sind bedeutende und wachsende Freizeitmärkte. Seit
das Pferd zunehmend als Wirtschaftsfaktor wahrgenommen wird, werden in
zahlreichen Regionen Aktivitäten und Projekte zur Entwicklung und Förderung des
Reittourismus initiiert

Früher war der Leistungssport das Ziel vieler Pferdesportler, doch heute erfreuen sich
naturnahe Erholung, Spaß und Gesundheit mit dem Pferd weitaus größerer
Beliebtheit. Gerade die verschiedenen Reitweisen haben großen Einfluss auf die
Mensch-Pferd-Beziehung.44

Unter Reiturlaub werden pferdebezogene Urlaubsreisen mit Übernachtungen
zusammengefasst, die von Reisen mit und ohne eigenes Pferd, Wanderreiten,
Reitkursen bis zu Kinderreitferien reichen. Der zentrale Ansprechpartner für
Reiturlauber sind die Reitbetriebe. Drei Viertel der Reitgäste haben in ihrem letzten
Reiturlaub direkt auf dem Reiterhof übernachtet. Die reittouristischen Betriebe
erbringen die Kernleistungen eines Reiturlaubes. Hier wird übernachtet, gegessen, das
Pferd untergebracht und geritten. Der Großteil der Reiturlauber bucht direkt beim
Betrieb. Dafür erwarten die Gäste von den Betrieben eine hohe Qualität und
Gastfreundschaft. Wichtig sind unter anderem eine gute Unterbringung der Pferde, ein
gutes und qualifiziertes Reitangebot sowie freundliches und kompetentes Personal.
Reitgäste sind anspruchsvolle Gäste. Sie übernachten am liebsten in einer
43
     Vgl. Muresan et. Al. Marchis & Pentelescu 2007: S.194
44
     Vgl. Winkler 2006: S.22

                                                                                                            39
Roxana Dârjan                 Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



komfortablen         Unterkunft,      einer     Ferienwohnung           oder     einem       Hotel-      oder
Pensionszimmer.45 Im Mittelpunkt des Urlaubs steht das Pferd, mit dem viel Zeit
verbracht wird. Für die Reiturlauber spielt die Umgebung eine große Rolle – am
wichtigsten sind ihnen eine schöne Landschaft und ein gutes Reitwegenetz.46

4.2. ARTEN VON REITURLAUB UND REITTOURISMUS


Ausschlaggebende Aspekte bei einem Reiturlaub sind vor allem eine schöne
Umgebung, Landschaft, ein gutes Reitwegenetz, die Qualität des Reitbetriebes sowie
die Reiterfreundlichkeit, das Preis-Leistungsverhältnis und die Möglichkeit, viel Zeit
mit dem eigenen Pferd zu verbringen.
Reittourismus ist vielfältig, es zeichnet sich durch eine große Heterogenität aus und
umfasst verschiedene Segmente:
           Reiturlaub mit und ohne eigenes Pferd
           Wanderreiten,
           Reitferien für Kinder
           Veranstaltungen und Events für pferdeinteressierte Besucher, Kutsch-,
           Kremser- und Planwagenfahrten usw.




45
     Vgl. Franke et. Al. Gonsior & Trenstedt 2009
46
     Vgl. Franke et. Al. Gonsior Tennstedt 2009

                                                                                                            40
Roxana Dârjan             Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



4.3. REITTOURISTEN UND PFERDEINTERESSIERTE
                                                          Abbildung 6 Potentielle Reittouristen




                                              ( Quelle : Franke; Gonsior, Trendstedt 2009 )



Pferdeinteressierte sind Personen, die nicht selbst Reiter sind, aber in ihrer Freizeit
oder im Urlaub Aktivitäten nachgehen, die mit Pferden verbunden sind oder sich dies
vorstellen können.
                                          Abbildung 7 Aktivitäten von Pferdeinteressierten


                Aktivitäten von Pferdeinteressierten


   Besuch von Pferdeveranstaltungen
         Pferdesport/-Filme ansehen
      Kutsch-,und Planwagenfahrten
        Begleitung von Personen bei…
                 Pferdebücher lesen
              Fachzeitschriften lesen
        Mitversorgung eines Pferdes

                                      0        1         2        3         4        5         6


                                                ( Quelle : Franke; Gonsior, Trendstedt 2009 )

                                                                                                        41
Roxana Dârjan             Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



4.4. DER REITTOURISTISCHE MARKT


Der Reittouristische Markt ist relativ jung und im ständigen Wachstum. Als
Hauptfaktoren des Reittouristischen Marktes zählen das Angebot und die Nachfrage
des Reittourismus.


4.4.1 DIE ANBIETER DES REITTOURISMUS


Das Angebot an Reittourismus kann in folgenden Formen erscheinen:
        Reittouristische Betriebe
        Reittouristische Zusammenschüsse (Vereine)
        Touristische Organisationen
        Pferdesportliche Organisationen47
        Reiterreiseveranstalter 48




47
 Deutsche Reiterliche Vereinigung, Vereinigung der Freizeitreiter
48
  Spezielle Reiterreisespezialisten wie Pferd & Reiter, Das Urlaubspferd, Pegasus Reisen ,Online-
Buchungszentralen, Internetportale

                                                                                                        42
Roxana Dârjan             Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



4.4.2. EINFLUSSFAKTOREN DES REITTOURISTISCHEN ANGEBOTS


                                Abbildung 8 Einflussfaktoren des reittouristischen Angebots

                                                  Betrieb:

                                            Unternehmerische
                                               Aktivitäten

                                            Innovations- und
                                          Leistungsbereitschaft,
                                           Arbeitskräfte und
                                                                                       Staatliche Einflüsse:
      Gesellschaftliche                          Kapital
       Einflüsse:                                                                    Gesetzgebung ,politische
                                                                                      Rahmenbedingungen
    Kultur, Werte und
      Traditionen                                                                       Förderungspolitik

       Arbeits-und                      Reittouristisches Angebot:
     Freizeitverhalten
                                         Unterkunft für Gäste u.
                                           Pferde, Verpflegung,
                                       Serviceleistungen, Angebot
                                             bereitbarer Wege                               Nachfrager:
      Umweltfaktoren:
                                                                                        Nachfragevolumen
           Klima
                                                                                               Motive
     geographische Lage
                                                                                          Anforderungen
         Landschaft

       Zugänglichkeit

                                                  Wirtschaft:

                                            Gesamtwirtschaftliche
                                                 Situation

                                                  Ressourcen

                                                 Arbeitsplätze

                                                Preisstrukturen




                                                ( Quelle : Franke; Gonsior, Trendstedt 2009 )




                                                                                                        43
Roxana Dârjan             Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



4.5. PFERDESPORT UND REITTOURISMUS IN DEUTSCHLAND


Pferdesport und Reittourismus gehören zu den größten Freizeitmärkten in
Deutschland und sind ein Wachstumsmarkt mit Zukunft. Zwei bis drei Millionen
Reiter und über eine Million Pferde in Deutschland mit einem jährlichen Wachstum
von 5 % erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von fünf bis sieben Milliarden Euro.
Dazu kommt der große Markt der Pferdeinteressierten: Nach der Marktanalyse der
Deutschen Reiterlichen Vereinigung sind rund 11 Millionen Deutsche am Thema
Pferd und Pferdesport interessiert.49

Im Pferdesport und in der Pferdezucht hat Deutschland seit langem eine
herausragende Bedeutung: Deutschland ist Standort internationaler Turniere und
Wettbewerbe rund ums Pferd. Jährlich finden zwischen 3000 und 4000
Turnierveranstaltungen mit 60 000 bis 90 000 Prüfungen/ Wettbewerben und knapp 2
Mio. Startern statt. Für die deutschen Pferdezüchtungen kommen Käufer aus der
ganzen Welt.50

Deutschland bietet eine Vielzahl an reittouristischen Angeboten für unterschiedliche
Zielgruppen      vom     Reitferienkind,       anspruchsvollem           Reiturlauber        bis     zum
Eventbesucher. In vielen Regionen Deutschlands wurden und werden Projekte rund
ums Pferd initiiert, um sich auf dem reittouristischen Markt zu positionieren und die
wirtschaftlichen Potenziale von Pferdesport und -tourismus zu nutzen.51

Der Reittourismus-Markt entwickelt sich dynamisch: Die Nachfrage wächst, aber
auch die Qualität der Angebote im In- und Ausland und damit der Wettbewerb um
den Kunden nimmt zu. In Deutschland gibt es rund eine Million Pferde und Ponys.
Der Pferdebestand hat sich in den letzten Jahren 35 Jahren mehr als verdreifacht. Die
Zahl der Reiter wird auf zwei bis drei Millionen Reiter geschätzt. Die Deutsche
Reiterliche Vereinigung (FN) ist mit 760 000 Mitgliedern die weltweit größte
Pferdesport-Vereinigung.




49
   www.smul.sachsen.de/lfulg - Zugriff am 20.06.2010
50
   www.fnverlag.de/misc/filePush.php?id=2938name...2008 - Zugriff am 20.06.2010
51
   www.smul.sachsen.de/lfulg - Zugriff am 20.06.2010

                                                                                                        44
Roxana Dârjan             Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



4.6. WIRTSCHAFTSFAKTOR PFERD


Nach vorsichtigen Schätzungen der FN liegt der Gesamtumsatz rund um den
Pferdesport bei weit über fünf Milliarden Euro. Es ergeben sich bei einer Anzahl von
über 1 Mio. Pferde ca. 300 000 Arbeitsplätze in Deutschland. Laut dem FN-
Jahresbericht 2009 liegt der Pferdebestand bei 1.100.087.52

In den letzten Jahren sind zahlreiche Projekte und Angebote auf den deutschen
Reittourismus-Markt gekommen. Auch auf Länderebene wurde das Potenzial des
Reittourismus erkannt und in vielen Ländern entsprechende Initiativen ins Leben
gerufen (Sachsen mit Pferd, Reiterland Hessen, Pferdeland Schleswig-Holstein).

Der Wettbewerb um den Reitgast wird härter. Zwar sind die Reittouristen eine
wachsende Zielgruppe und auch im Ausland liegen noch ungenutzte Potenziale, aber
die steigende Anzahl an reittouristischen Produkten, die stärkere Bewerbung der
Zielgruppen und steigende Ansprüche bei den Kunden erfordern klare Marktstrategien
und „konzertierte Aktionen“.

Zahlen rund um den Pferdesport53:
        1.600.000 Menschen in Deutschland sind Pferdesportler
        1. Mio. Pferde gibt es in Deutschland
        300.000 Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt mit und um das Pferd
        3000 Firmen existieren Rund um den Pferdesport.


4.7. REITTOURISMUS IN RUMÄNIEN


Rumänien besitzt ein sehr hohes touristisches Potential. Dies wird allerdings nicht in
dem Maße ausgeschöpft ( nur 2 % vom BIP ), wie es für eine positive wirtschaftliche
Entwicklung unabdingbar wäre. Die Ausgaben für Freizeitaktivitäten belaufen sich in
Rumänien bei 3,7% im Vergleich zu Deutschland 6,73 %.54




52
   www.fnverlag.de/misc/filePush.php?id=3370&name=Jahresbericht_2009 - Zugriff am 20.06.2010
53
   Vgl. Arnold 2010: S.160
54
   Vgl. Sallanz 2005: S.129

                                                                                                        45
Roxana Dârjan                 Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



Obwohl Rumänien zahlreiche Urlaubsangebote besitzt, entsprechen nicht alle dem
europäischen Standardniveau.

Verschiedene rumänische Urlaubangebote:

           Aktivurlaub
           Badeurlaub
           Donaukreuzfahrt
           Jagen & Fischen
           Offroad
           Radtouren
           Reiten
           Rundreisen
           Urlaub auf dem Bauernhof
           Wandern & Trekking
           Wellness


In Rumänien gehört das Pferd noch zum Alltag der Menschen. Neben Arbeitstieren
gibt es natürlich auch Sport- und Reitpferde. Das bekannteste Gestüt in Rumänien ist
das Lipizzaner-Gestüt in Sambata de Jos bei dem Fagaras-Gebirge. Es gibt 40 Gestüte
in Rumänien, aber nicht alle bieten auch Ferienangebote für Reiter und Pferdefreunde
an.

Das rumänische Reitangebot enthält: Westernreiten, Abenteuerreiten und Winterreiten
sowie Urlaub auf dem Reiterhof. Die weite Landschaft ist ideal für Ausritte in der
Natur. Zahlreiche National- und Naturparks sowie Biosphärenreservate bieten ideale
Möglichkeiten für Wanderer, Kletterer oder Familienurlaub mit Kindern.

Der Ursprung und die Entwicklung des Reittourismus erfolge in den Nähe der
bekanntesten Gestüte Sâmbata, Mangalia, Beclean, Izvin, Tulucesti und Lucina.

Laut dem FAO 2008 gibt es in Rumänien Pferde 862.93655. Der Pferdebestand ist in
den letzten Jahren 30 Jahren mit einigen Ausnahmen, gestiegen. Die Zahl der Reiter
wird auf 1,5 Millionen geschätzt, im Vergleich zu Deutschland, wo es doppelt so viel
ist.

55
     http://faostat.fao.org/site/573/DesktopDefault.aspx?PageID=573#ancor - Zugriff am 20.06.2010

                                                                                                            46
Roxana Dârjan                 Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



Weil in Rumänien das Pferd noch nicht als Wirtschaftsfaktor wahrgenommen wird,
können Aktivitäten und Projekte zur Entwicklung und Förderung des Reittourismus
nicht initiiert werden. Auch der Markt der Pferdeinteressierten ist viel kleiner als in
Deutschland.

Um auf dem reittouristischen Markt erfolgreich zu sein, müssen Anbieter und
Vermittler die reittouristischen Zielgruppen und ihre Ansprüche kennen. Das
reittouristische Angebot in Rumänien ist noch unterentwickelt, aber trotzdem im
Wachstum. Bezüglich der Preise bezahlt zum Beispiel eine Person bei der Beclean
Gestüte pro Nacht zwischen 20 und 25 Euro. Im Jahr 2009 waren 20% - 30% der
Gäste Ausländer und der Geschäftsumsatz des Jahres 2009 war 400.000 EURO.56 Im
Vergleich dazu, wird bei einer Reitpension in Deutschland pro Nacht für eine Person
mindestens 30 Euro bezahlt.

Im Deutschland dagegen ist das reittouristische Angebot vielfältig und reicht von
exklusiv ausgestatteten Reithotels bis zu einfachen Wanderreitstationen. Der Gast hat
eine große Auswahl an attraktiven Reisezielen und Urlaubsangeboten.




4.8. ZUSAMMENFASSUNG



Die Chancen und Potenziale im Reittourismus in Rumänien sind beachtlich: Von der
wachsenden         reittouristischen      Nachfrage        können       viele     Leistungsträger         und
Wirtschaftsbereiche profitieren.

Aber der Markt entwickelt sich dynamisch und ist neben den wirtschaftlich
schwierigen          Rahmenbedingungen              durch        wachsende           Konkurrenz           und
Qualitätsansprüche gekennzeichnet. Bei zunehmender Verknappung von Zeit und
Geld legen die Kunden großen Wert auf einen einzigartigen Urlaub ohne Mängel.
Gefragt sind unter anderem die richtige Mischung aus Aktivurlaub und Entspannung
sowie authentische Erlebnisse.

Um Rumäniens Marktposition im Reittourismus auszubauen und zu festigen, ist vor
allem der Aufbau entsprechender Vermarktungsstrukturen und einer zentralen

56
     Aus dem Gespräch mit Traian Lapuste, Leiter der Gestüte Beclean

                                                                                                            47
Roxana Dârjan           Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



Informationsstelle für Reitgäste aus dem In- und Ausland erforderlich. Das Potenzial
des Reittourismus in Rumänien muss erkannt werden, um entsprechende Initiativen
ins Leben zu rufen.

Nach einer vergleichenden Potentialanalyse des Reittourismus in Deutschland und
Rumänien, hat man festgestellt, dass trotz des hohen Entwicklungspotentials,
Rumänien noch viel hinter Deutschland zurückliegt.

Mit dem Pferd als Wirtschaftsfaktor nachhaltiger Regionalentwicklung, können
Aktivitäten und Projekte zur Entwicklung und Förderung des Reittourismus in
Rumänien initiiert werden. Weil es notwendig ist, Rumäniens Potential im Bereich
des Reittourismus zu nutzen, wird man in den nächsten Kapitel versuchen, die
Richtlinien für die Eröffnung einer Reitpension in einer Region mit touristischem
Potential, zu beschreiben.

Die Eröffnung einer Reitpension in Rumänien, würde nicht nur den Tourismus
fördern sondern nachhaltig auch die Regionalentwicklung.




                                                                                                      48
Roxana Dârjan           Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



 KAPITEL 5: ENTWICKLUNGSLINIEN FÜR DIE ERÖFFNUNG
                 EINER REITPENSION IN RUMÄNIEN




Dieser Teil der Arbeit hat als Ziel die Erarbeitung einer Durchführbarkeitsstudie für
die Investition in einer Reitpension. Als Forschungsthema wurde die Entwicklung des
Reittourismus in der Gemeinde Gilău gewählt und zwar die Eröffnung einer
Reitpension.



5.1 ERSTELLUNG EINER DURCHFÜHRBARKEITSSTUDIE



Die Durchführbarkeitsstudie für die Finanzierungsmöglichkeit 313 „Förderung der
touristischen Aktivitäten im Bereich Erholung/Vergnügung“ wird alle Teile enthalten,
welche für den Aufbau einer Reitpension gebraucht werden. Die Ergebnisse werden
vorgestellt, um zu beweisen, ob sich das Projekt lohnt oder nicht.

Die zukünftige Reitpension muss so erstellt werden, dass sie den Kunden vielfache
Möglichkeiten zur Erholung, Vergnügung, Reittherapie aber auch zum Trainieren
gibt. Die Menschen die von Pferden fasziniert sind und den Mut haben auch das
Reiten zu lernen sind bei der Reitpension willkommen, da man für Anfänger ganz viel
Geduld zeigt und schrittweise vorgeht. Die Reitpension ist auch ein Platz für
fortgeschrittene Reiter die zusammen mit Pferden die Natur genießen wollen und das
Wanderreiten bevorzugen. Für diese Art von Gästen bietet die Reitpension
verschiedene Reittouren an. Das Reittherapiezentrum bietet heilpädagogisches Reiten
und Reiten für Behinderte an. Für die Zukunft plant man auch Sommerreitschulen für
Kinder.

Für die Erstellung einer vollständigen und richtigen Durchführbarkeitsstudie wird das
Model der Finanzierungsmöglichkeit 313 aus dem Europäischen Fonds für die
Entwicklung des räumlichen Landes benutzt. Für diese Studie wurde die
Finanzierungsmöglichkeit 313 gewählt, weil das zukünftige Implementierungsprojekt
alle   Bedingungen    der    Finanzierungsmöglichkeit             313     erfüllt.    Es     wird     in


                                                                                                      49
Roxana Dârjan              Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



Vergnügungstätigkeiten wie: Wanderreiten, einschließlich die Erstanschaffung von
Pferden mit touristischem Zwecke (außer der Rennpferde), Unterkunft für die Tiere
und Reitpensionen investiert.57



5.1.1. ALLGEMEINE DATEN DES ANTRAGSTELLERS



Name des zukünftigen Unternehmens: SC „Equina” SRL - Reitpension und
Heiltherapiezentrum“, mit Stammsitz in Gilău Gemeinde, im Kreis Klausenburg,
Hauptstraße 14, Telefonnummer: 0264-223567.Die steuerlichen Identifizierungsdaten
sind:

           Steuernummer : R 16277060
           Registrierungsnummer : J12-1350
Das Unternehmen SC „Equina” SRL wurde im Jahr 2010 gegründet und hat die
CAEN Nummer 9262 „Andere sportliche Aktivitäten“. Das Unternehmen hatte bis
jetzt keine anderen Aktivitäten da es in 2010 gegründet wurde, aber durch diesen
Finanzierungsantrag wird es für die Leitung und Verwaltung der Reitpension und des
Heiltherapiezentrums „Equina” zuständig sein. Der Unternehmensführer besitzt durch
eine Erbschaft ein Gelände in der Gilău Gemeinde von etwa 4000 m . Außerdem ist
der Unternehmensführer Besitzer von vier Lipizzaner-Pferden.



                       Tabelle 2 Die Vorstellung der besitzen Güter des Antragstellers.

     Nr.            Gut                         Anzahl                          Wert in EURO
1.           Gelände                4000 m                               28.000
2.           Lipizzaner             4                                    4.000
Summe                                                                    32.000


                                                                   ( Quelle: Eigene Darstellung )




57
     http://www.fondurile-structurale.ro/cod-313-Incurajarea-activitatilor-turistice.htm - Zugriff am
20.06.2010

                                                                                                         50
Roxana Dârjan                 Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext



5.1.2. DIE BESCHREIBUNG DES PROJEKTES


Das Ziel dieser Projektinvestition besteht in der Erstellung einer Reitpension und
eines Heilzentrums in der Gilău Gemeinde und der Sicherung aller nötigen Elemente
für den touristischen Betrieb.

Mit Hilfe der erhaltenen Entwicklungsfonds will man eine Reitpension und ein
Reittherapiezentrum bauen, dass alle möglichen Bedürfnisse der Kunden decken soll
und für den Anstieg des touristischen Potentials in der Gegend sorgen wird.

Für die Entwicklung der Investition ist folgendes notwendig:

           Bau einer Pension für maximaler Personenanzahl gleich 20
           Restaurant mit traditioneller Küche
           Büro für das Heiltherapiezentrum
           Stall für die Unterkunft der Pferde
           Zwei abgegrenzte Oberflächen für die Reitstunden und die Reittherapie
           6 Pferde und 2 Ponys
           Strom – Wasser - und Gaseinrichtungen
           Pferdeausrüstung für Reiten und Pflegen.


Das Projekt liegt in der Gemeinde Gilău auf dem privaten Gelände des
Unternehmensführers. Gilău ist eine Gemeinde im Kreis Cluj und befindet sich 15 km
von der Stadt Klausenburg entfernt. Es hat einer Gesamtoberfläche von 116,82 km²
und 8.384 Einwohner (2009). Das Projekt liegt am Fuße des Retezat – Gebirge in
ländlicher Idylle. Daher kann man behaupten das Gilău für Tourismus geeignet ist. In
Gilău gibt es 2 Schutzgebiete: der Tarnita See und als geologisches Naturdenkmal den
Steinbruch „Corabia“. Die Infrastruktur zu der Gilău Gemeinde ist gut entwickelt, da
die Stadt Klausenburg mit dem Auto, dem Bus, dem Zug oder dem Flugzeug
erreichbar ist. Wegen der günstigen Lage ist die Anfahrt auch für diejenigen Kunden,
die kein Auto besitzen nicht problematisch, da jede Stunde Buse von Klausenburg
nach Gilău fahren. Obwohl es nicht zu weit von einer großen Stadt entfernt ist, liegt
das Projekt in der Mitte der Natur, umgeben von Wald, Wiese, Gebirge und Wasser. 58



58
     Vgl: Stieu 2005: S. 20

                                                                                                            51
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  • 1. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext 1
  • 2. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext Danksagung Diese Diplomarbeit wäre ohne die Unterstützung folgender Personen und Institutionen in der vorliegenden Form nicht möglich gewesen. Allen voran möchte ich meinen Eltern danken, für ihre geduldige Unterstützung und nachhaltige Motivation. Herrn Univ. Prof. Dr. Dr. Nicolae Alexandru Pop verdanke ich aus den Gesprächen wichtige Anregungen und Konzepte. Herr Univ. Assist. Dr. Dan Cristian Dabija hat mir durch seine Bereitschaft zu regelmäßigen Besprechungsterminen mit Korrekturen geholfen. Nicht zuletzt verdanke ich dem Reitverein Transilvania durch die Bereitstellung von umfangreicher Dokumentation die Grundlage meiner Implementation. 2
  • 3. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext BABEŞ-BOLYAI UNIVERSITÄT FAKULTÄT DER WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTEN UND UNTERNEHMENSFÜHRUNG CLUJ-NAPOCA DIPLOMARBEIT DIE VERGLEICHENDE POTENTIALANALYSE DES REITTOURISMUS IM INTERNATIONALEN KONTEXT Wissenschaftlicher Betreuer UNIV. PROF. DR. DR. H.C. NICOLAE ALEXANDRU POP UNIV. ASSIST. DR. DAN CRISTIAN DABIJA Studentin ROXANA DÂRJAN - 2010 - 3
  • 4. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext 4
  • 5. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext INHALTSVERZEICHNIS Zusammenfassung in rumänischer Sprache ............................................................... 9 EINFÜHRUNG .......................................................................................................... 11 Problemstellung und Zielsetzung ............................................................................. 11 KAPITEL 1 : EINFÜHRUNG IN DAS THEMA FREIZEITGEOGRAPHIE .... 14 1.1. DER BEGRIFF TOURISMUS ......................................................................... 14 1.2. TOURISMUS ALS FREIZEITFAKTOR ........................................................ 15 1.3. DIE FREIZEITGEOGRAPHIE UND DAS FREIZEITVERHALTEN .......... 15 1.3.2 . DEFINITIONEN ....................................................................................... 16 1.3.3. AUFGABEN UND ZIELE DER GEOGRAPHIE DES FREIZEITVERHALTENS ................................................................................... 18 1.3.4. ALLGEMEINE BEDEUTUNG DES FREIZEIVERHALTENS ............. 18 1.3.5. PROZESSE DER FREIZEITGESTALTUNG .......................................... 19 1.3.6. DIE ROLLE DES KONSUMENTEN ....................................................... 22 1.3.7. DIE ANBIETER DES FREIZEITANGEBOTS........................................ 23 1.3.8. DIE NACHFRAGE DES FREIZEITANGEBOTS ................................... 23 1.3.9. MOTIVE DER REISENDEN ................................................................... 24 KAPITEL 2 : DIE TRENDS IM SPORTTOURISMUS ........................................ 25 2.1. HISTORISCHER HINTERGRUND DES SPORTTOURISMUS .................. 25 2.2. SPORTARTEN IM RAHMEN DES SPORTS – UND REISETOURISMUS 25 2.3. SPORTTOURISMUS ALLGEMEIN .............................................................. 26 2.3.1. ZWEI MEGABEREICHE TREFFEN AUFEINANDER .......................... 26 2.3.2. DEFINITION DES BEGRIFFS SPORTTOURISMUS ............................ 27 3.3. DER MARKT FÜR SPORTTOURISMUS ..................................................... 27 2.3.4. DIE STRUKTUR DER NACHFRAGE .................................................... 28 2.3.5. STRUKTUR DES ANGEBOTS ............................................................... 29 2.3.6. TRENDS IN SPORTTOURISMUS .......................................................... 30 KAPITEL 3 : DER REITTOURISMUS .................................................................. 31 3.1. HISTORISCHER HINTERGRUND DES REITENS ..................................... 31 3.2. DAS PFERD IM VERLAUF DER ZEIT ........................................................ 32 3.3. DIE BEZIEHUNG ZWISCHEN MENSCH UND PFERD ............................. 33 3.3.1. EINSTMALS BEUTETIER ...................................................................... 33 3.3.2. MYTHOS PFERD ..................................................................................... 34 3.3.3. DIE ROLLE DES PFERDES .................................................................... 35 3.4. PFERDE ALS THERAPIEMITTEL ............................................................... 36 3.4.1. THERAPEUTISCHES REITEN ............................................................... 36 5
  • 6. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext 3.4.2. ZUSAMMENARBEIT VON PFERD UND MENSCH ........................... 38 KAPITEL 4 : REITTOURISMUS IN DEUTSCHLAND UND RUMÄNIEN ..... 39 4.1. ALLGEMEINE DARSTELLUNG .................................................................. 39 4.2. ARTEN VON REITURLAUB UND REITTOURISMUS .............................. 40 4.3. REITTOURISTEN UND PFERDEINTERESSIERTE ................................... 41 4.4. DER REITTOURISTISCHE MARKT ............................................................ 42 4.4.1 DIE ANBIETER DES REITTOURISMUS ............................................... 42 4.4.2. EINFLUSSFAKTOREN DES REITTOURISTISCHEN ANGEBOTS ... 43 4.5. PFERDESPORT UND REITTOURISMUS IN DEUTSCHLAND ............... 44 4.6. WIRTSCHAFTSFAKTOR PFERD ................................................................. 45 4.7. REITTOURISMUS IN RUMÄNIEN ............................................................. 45 4.8. ZUSAMMENFASSUNG ................................................................................. 47 KAPITEL 5: ENTWICKLUNGSLINIEN FÜR DIE ERÖFFNUNG EINER REITPENSION IN RUMÄNIEN ............................................................................. 49 5.1 ERSTELLUNG EINER DURCHFÜHRBARKEITSSTUDIE ......................... 49 5.1.1. ALLGEMEINE DATEN DES ANTRAGSTELLERS ............................. 50 5.1.2. DIE BESCHREIBUNG DES PROJEKTES.............................................. 51 5.1.3. INFORMATIONEN ÜBER DIE ARBEITSKRAFT ................................ 53 5.1.4. DIE BESCHREIBUNG DER AQUISITIONEN ....................................... 53 5.1.5. DIE PROJEKTDAUER ............................................................................. 54 5.2. DIE FÖRDERUNG DER INVESTITION ....................................................... 56 5.3. DIE BERECHNUNG DER FINANZIELLEN ERFOLGSINDIKATOREN .. 60 5.3.1. DIE WIEDERGEWINNDAUER DER INVESTITION ........................... 61 5.3.2. DIE SCHÄTZUNG DER KOMMERZIELLEN RENDITEN .................. 61 5.3.3. DIE RENTABILITÄT DES INVESTIERTEN KAPITALS ................... 62 5.3.4. DIE PRODUKTIVITÄT DES INVESTIERTEN KAPITALS ( Wi ) ...... 62 5.3.5. DER NETTOKAPITALWERT ................................................................ 63 5.3.6. DER RENDITE-INDIKATOR.................................................................. 63 5.4. DAS TOURISTISCHE ANGEBOT DER REITPENSION „EQUINA” ..... 64 5.4.1. DAS TOURISTISCHE ANGEBOT FÜR INLÄNDER ........................... 64 5.4.2. DAS TOURISTISCHE ANGEBOT FÜR AUSLÄNDER ........................ 65 KAPITEL 6: ALLGEMEINE SCHLUSSFOLGERUNGEN ................................ 66 LITERAURVERZEICHNIS ........................................................................................ 68 Ehrenwörtliche Erklärung ............................................................................................ 70 6
  • 7. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext Tabellenverzeichnis Tabelle 1 - Nachfrage im Sporttourismus ........................................................ 28 Tabelle 2 - Die Vorstellung der besitzen Güter des Antragstellers. ................ 50 Tabelle 3 - Die benötigten Ankäufe ................................................................. 54 Tabelle 4 - Die GANT-Graphik ....................................................................... 56 Tabelle 5 - Der Wert der förderfähigen und nicht förderfähigen Ausgaben .... 57 Tabelle 6 - Die Gesamteinkommen im ersten Jahr .......................................... 58 Tabelle 7 - Die Ausgabenprognose für 2011 ................................................... 59 Tabelle 8 - Die Entwicklung der Einkommen und Ausgaben ........................ 60 Tabelle 9 - Die Entwicklung der Cash-Flows ................................................ 60 Tabelle 10 - Die kommerzielle Rendite ........................................................... 62 Tabelle 11 - „Wi" ............................................................................................. 63 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1 - Das Themenfeld der Freizeitgestaltung .................................... 19 Abbildung 2 - Prozess der Imagebildung durch Freizeiteinrichtung ............... 21 Abbildung 3 - Erste Darstellungen des Pferdes................................................ 31 Abbildung 4 - Mensch und Pferd zusammen ................................................... 35 Abbildung 5 - Xenophon erklärt die Kunst des Reitens ................................... 35 Abbildung 6 - Potentielle Reittouristen ............................................................ 41 Abbildung 7 - Aktivitäten von Pferdeinteressierten ......................................... 41 Abbildung 8 - Einflussfaktoren des reittouristischen Angebots ....................... 43 Abbildung 9 - Freude an Reiten ....................................................................... 64 Abbildung 10 - Familienausritt ........................................................................ 65 7
  • 8. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext „Où que l’homme ait laissé sa marque dans la grand ascension, de la barbarie jusqu’à la civilization, on trouve, la trace du pied du cheval à son côté “ „Wo immer Menschen ihre Spuren zum großen Anstieg hinterließen,,von Barbarei zur Zivilisation, findet man neben ihnen die Hufabdrücke des Pferdes“ John Moore 8
  • 9. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext Zusammenfassung in rumänischer Sprache Rezumat In zilele noastre timpul liber este bine preţuit în raport cu timpul de muncă, fiind folosit în scopul lărgirii orizontului de cunoaştere precum şi pentru odihnă activă şi reconfortare. Astfel, se poate constata că noile nevoi şi exigenţe privind calitatea componentelor turistice aduc îmbunătăţiri în acest sector prin diversificarea oportunităţilor de petrecere a timpului liber, stimulând apariţia şi dezvoltarea unor servicii specifice – şi anume a celor de agrement. Turismul de agrement constituie în prezent o ramură importanta şi de viitor a pieţei turistice. Datorită unei cereri în continuă creştere din partea turiştilor, s-au format tendinţe cu un grad ridicat de popularitate în domeniul turismului, cum ar fi turismul sportiv şi de vacanţă. In ultimii ani s-a dovedit că aceste tendinţe a turismului au rolul unor factori pozitivi ceea ce priveşte situaţia economică a unei ţări. Turismul ecvestru este considerat in multe ţări o tendinţă populara a turismului. In Germania turismul ecvestru este cel mai apreciat, fiind privit ca o perspectivă foarte bună pentru viitor. Din păcate nu se poate spune aceelaşi lucru şi despre turismul ecvestru în România. Interesul pentru această lucrare s-a dezvoltat în primul rând din experienţele personale privind ecvinele şi echitaţia, pe care le-am acumulat în ultimii doi ani în cadrul centrelor hipice din Transilvania. Prin contactul intens cu organizaţii ecvestre şi specialişti, mi s-au acordat informaţiile necesare în domeniul turismului ecvestru. Datorită activităţilor profesionale in cadrul companiei “e.c.c. Ecocare”, am acumulat diverse cunoştinţe în domeniul consultanţei economice şi în mod special al fondurilor structurale europene pentru dezvoltarea zonelor rurale. Astfel am cunoscut modalităţile de accesare a fondurilor structurale europene prin “Ghidul Solicitantului“ şi etapele care trebuie parcurse de solicitant pentru aprobarea dosarului. Având în vedere faptul că imi sunt cunoscute atât probleme actuale legate de turismul ecvestru cât şi modalităţile de a obţine fonduri structurale nerambursabile, am incercat 9
  • 10. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext sa efectuez un studiu de caz privind dezvoltarea turismului ecvestru prin oportunitatea înfiinţării unei pensiuni ecvestre in comuna Gilău. Scopul acestei lucrări este cercetarea si evaluarea turismului ecvestru ca o nouă ofertă de turism în România. Astfel s-a realizat o analiză comparativă a turismului ecvestru în Germania şi România. Rezultatul analizei are ca scop recunoaşterea şanselor şi a riscurilor legate de dezvoltarea turismului ecvestru în România. Lucrarea de faţă se structurează în şase capitole. Pentru o mai bună inţelegere a termenilor, s-au definit în primul capitol conceptele de turism şi turismul timpului liber. Al doilea capitol se ocupă cu turismul sportiv şi de vacanţă, analizând cererea şi oferta acestora. Capitolul trei prezinta echitaţia şi turismul ecvestru la modul general. Aici sunt descrişi potenţialii consumatori a turismului ecvestru. Un subcapitol special se ocupă cu echitaţia terapeutică, care a devenit foarte apreciată în ultimii ani. In capitolil patru se descrie o analiză comparativă a turismului ecvestru în Germania şi România, având ca scop vizualizarea lipsurilor de pe partea României. Capitolul cinci este format pe baza cunoştinţelor şi rezultatelor anterioare având ca scop efectuarea unui studiu de caz privind dezvoltarea turismului ecvestru prin oportunitatea înfiinţării unei pensiuni ecvestre in comuna Gilău. Studiul de fezabilitate privind Măsura 313 - “Încurajarea activităţilor turistice” va conţine toate documentele necesare pentru înfiinţarea pensiunii ecvestre. Analiza rentabilităţii s-a realizat prin prisma unor indicatori precum: rata comercială a profitului, rentabilitatea capitalului investit şi productivitatea investiţiei. După calculul acestor indicatori s-ar putea spune că investiţia în pensiunea ecvestră din comuna Gilău se dovedeşte a fi o iniţiativă viabilă şi necesară în contextul actual al pieţei turistice. Capitolul şase oferă interpretarea tuturor rezultatelor împreuna cu o viziune de viitor asupra turismului ecvestru în România. 10
  • 11. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext EINFÜHRUNG Die vorliegende Arbeit beschreibt die wachsende Bedeutung des Freizeitreitens für den Tourismus, sie versucht die bestehenden Angebotsstrukturen aufzuzeigen und die wichtigsten Anforderungen für eine erfolgreiche Entwicklung und Vermarktung einer Reitpension in einer touristischen Region darzustellen. Problemstellung und Zielsetzung Die Entwicklungsperspektiven neuer Tourismusarten werden von der Neuorientierung der wirtschaftlichen Märkte bestimmt. Auf der Angebotsseite drängen immer mehr Anbieter und Produkte auf den Markt, die um die Kunden konkurrieren. Auf der Nachfrageseite hingegen, sind Sättigungstendenzen sowie ein gestiegener Anspruch an den Dienstleistungen zu beobachten. Heutzutage wird der ländliche Tourismus als ein wichtiger Teil des Tourismusmarkts eines Landes angesehen. Weltweit hat sich dieser, was das Angebot und die Nachfrage der Reisenden betrifft, verändert. Tourismustrends wie zum Beispiel der Sport- und Urlaubstourismus haben immer mehr Terrain gewonnen. Diese Entwicklungen sind wichtige Indikatoren für die wirtschaftliche Lage eines Landes. Was den Reittourismus betrifft, ist dessen weltweite Verbreitung als Tourismustrend unterschiedlich. In Deutschland gehören Pferdesport und Reittourismus zu den größten Freizeitmärkten und blicken mit Wachstumsraten in eine erfolgreiche Zukunft. Somit stellt sich die Frage, wie die Entwicklung in Rumänien voranzutreiben ist und welche Maßnahmen erforderlich sind. Mein Interesse an dieser Arbeit entstand in erster Linie aus meinen persönlichen Erfahrungen mit Pferden , welche ich im Verlauf der letzen zwei Jahre im Reitverein des Kreises Siebenbürgens erworben habe. Ein intensiver Kontakt zu Fachleuten und reittouristischen Organisationen in Rumänien und Deutschland, hat mir den Zugang zum Thema Reittourismus gewährt. 11
  • 12. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext Durch meine Projekttätigkeiten bei der Firma „e.c.c. Ecocare“1, habe ich viele Informationen über die Finanzierungsmöglichkeiten aus dem Europäischen Fonds erhalten. Das Unternehmen beschäftigt sich mit betriebswirtschaftlicher Beratung und ist auf die Finanzierungsmöglichkeiten aus dem Europäischen Fonds für die Entwicklung des räumlichen Landes spezialisiert. Desweiteren ist mir nun bekannt, was notwendig ist, um einen Finanzierungsantrag zu erstellen und welche die jeweiligen Schritte bis zur Genehmigung der Förderung sind. Durch die Tatsache, dass mir die Probleme im Bereich des Reittourismus bekannt waren und ich vertraut mit der Herstellung eines Finanzierungsantrags durch Europäischen Fonds für die Entwicklung des räumlichen Landes war, habe ich in der vorliegenden Arbeit versucht, die Richtlinien für die Herstellung einer Reitpension in Rumänien darzustellen. Ziel dieser Untersuchung ist die Bewertung des Reittourismus als neue touristische Angebotsform für Rumänien. Es wurde eine umfassende Potentialanalyse des Reittourismus in Deutschland und Rumänien ermittelt. Das Untersuchungsgebiet soll darstellen, welche Chancen und Risiken für eine ländliche Region mit dem Aufbau dieses Tourismussegments verbunden sind. Aufbau der Arbeit Die vorliegende Arbeit gliedert sich in sechs systematisch aufeinander aufgebaute Kapitel. Nach einem thematischen Einstieg, der eine räumliche Einordnung der Freizeitgeographie einschließt, erfolgt im zweiten Kapitel eine Bestandsaufnahme des Sport- und Urlaubstourismus. Es wird herausgestellt, dass der Sport-und Urlaubstourismus einen Trend aufweisen, mit Hilfe derer das gegenwärtige Kundenverhalten analysiert und neue Angebotsformen abgeleitet werden können. Es wurde erkannt, dass der Sport-und Urlaubstourismus einen Tourismusmarkt der Zukunft ist. Der dritte Kapitel beschreibt zuerst den Reittourismus im Allgemein mit seinen Hauptakteueren Mensch und Pferd und das therapeutische Reiten. Aus dem dritten 1 http://www.ecc-ecocare.com/Pages/ro/Internationalisierungsberatung/default.aspx - Zugriff am 20.06.2010 12
  • 13. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext Kapitel kann man den Grundgedanken, dass die Beziehung Mensch-Pferd ganz besonders ist, leicht erkennen. Als nächstes wird im vierten Kapitel die Bedeutung des Reittourismus im Untersuchungsgebiet im Vergleich zu Deutschland mittels einer deduktiven Vorgehensweise abgeschätzt. Es wird eine Angebotsanalyse der natürlichen und organisatorischen Potentiale gebildet. Diese Methode der Analysephase hat das Ziel, das rumänische Angebot im Vergleich zu dem deutschen Angeboten einzuordnen, wobei die eigene Position immer wieder in Relation zur Konkurrenz oder zur Nachfrage gesetzt wird. Das fünfte Kapitel wird anhand der schon vorhandenen Ergebnisse aufgebaut und hat als Ziel die Erstellung einer Durchführbarkeitsstudie für eine Reitpension in einem ländlichen Gebiet Rumäniens. Die Durchführbarkeitsstudie für die Finanzierungsmöglichkeit 313 „Förderung der touristischen Aktivitäten im Bereich Erholung/Vergnügung“ wird alle Teile enthalten, welche für den Aufbau einer Reitpension gebraucht werden. Die Ergebnisse anhand der Berechnung der Erfolgsindikatoren werden vorgestellt um zu beweisen, ob das Projekt im Bereich des Profits und der wirtschaftlichen Lage des Gebietes vorteilhaft ist oder nicht. Im sechsten und letzten Teil dieser Arbeit werden die Ergebnisse zusammengefasst und es wird ein Ausblick in die Zukunft des Reittourismus gegeben. 13
  • 14. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext KAPITEL 1 : EINFÜHRUNG IN DAS THEMA FREIZEITGEOGRAPHIE 1.1. DER BEGRIFF TOURISMUS Zuallererst ist es notwendig, eine passende Definition zu finden, um Klarheit über den Terminus zu verschaffen. Seitdem sich die Wissenschaft mit dem Thema Tourismus beschäftig, sind verschiedene Versuche gestartet worden, diesen Begriff eindeutig abzugrenzen. Dies erwies sich aber als äußerst schwierig, da das Phänomen Reisen vielerlei Gestalt annehmen kann. Der Tourismus ist einer der führenden Wirtschaftszweige in der Welt. Nach Angaben der World Tourism Organization (UNWTO) ist weltweit jeder dreizehnte Beschäftige in der Tourismuswirtschaft tätig bei immer noch leicht steigender Tendenz. In manchen Regionen liegt die Bedeutung der Tourismuswirtschaft als Arbeitgeber sogar noch über diesem Durchschnittswert. In Europa gibt es allerdings inzwischen gewisse Sättigungseffekte. Doch auch in Europa wird die Angabe der European Travel Commisision (ETC) 5% des Bruttonationaleinkommens direkt und indirekt sogar bis zu 12 % von der Tourismusbranche erwirtschaftet. Die UNWTO prognostiziert bis 2010 einen Anstieg auf etwa 1 Mrd. Ankünfte und bis 2020 sogar fast 1,6 Mrd. Ankünfte weltweit. Tourismus wird als Aktivitäten von Personen, die an Orte außerhalb ihrer gewohnten Umgebung reisen und sich dort zu Freizeit-, Geschäfts- oder bestimmten anderen Zwecken nicht länger als ein Jahr ohne Unterbrechung aufhalten, definiert. Touristische Aktivitäten weisen daher zum Teil große Unterschiede bezüglich ihrer Motive (Erholung, Beruf, Bildung und andere), ihrer Dauer ( Tagesausflug, Kurzreise, Urlaubsreise ) sowie die Entfernung (städtisches Umland, Inland, Ausland).2 2 Vgl. Wiesner 2006: S.16 14
  • 15. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext 1.2. TOURISMUS ALS FREIZEITFAKTOR Immer mehr Menschen nutzen ihre Freizeit, um zu reisen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass der touristische Markt einen der größten Wachstumsmärkte weltweit darstellt. Wachstumsraten zwischen fünf oder zehn Prozent verzeichnet die Branche jedes Jahr laut UNWTO.3 Doch weshalb reisen so viele Menschen in ihrer freien Zeit? Welche Einflussfaktoren haben zu solch einem Reiseaufkommen geführt? Und vor allem woher hat der Begriff Freizeit seinen Ursprung? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigen sich die nächsten Kapitel dieser Arbeit. 1.3. DIE FREIZEITGEOGRAPHIE UND DAS FREIZEITVERHALTEN Bei der Freizeitgeographie handelt es sich um einen Zweig der traditionellen Fremdverkehrsgeographie, die seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts die räumliche Struktur und Raumwirksamkeit des aufkommenden Freizeitverkehrs untersucht.4 Die Entwicklung von der Fremdverkehrsgeographie hin zur Freizeitgeographie ging und anderem mit der Optimierung industrieller Arbeitsprozesse und hierbei mit der Steigerung der Produktivität der eingesetzten Arbeit sowie einer zunehmenden Mobilität. Für die Bevölkerung hatte dies positive Auswirkungen. Der Wohlstand wuchs und die Arbeitszeit nahm ab. Die zunehmend zur Verfügung freie Zeit hatte die Notwendigkeit der Gestaltung dieser Zeit zur Folge. Kurz- und mittelfristige Freizeitaktivitäten gewannen an Bedeutung. Es entstand eine immer grösser werdende Anzahl an Freizeiteinrichtungen, wodurch sich der Wettbewerb zwischen diesen Institutionen verstärkte. Diese Abhängigkeit zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Raum entsprechen damit dem Ansatz der Regulationstheorie. Sie geht davon aus, dass sich Wechselwirkungen und Prozesse aus wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene in räumlichen Veränderungen niederschlagen.5 3 Vgl: Holzapfel 2008: S.4 4 Vgl. Blotevogel 2002: S.17 5 Vgl. Kleeberg 2004: S.1 15
  • 16. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext Im Zuge von Arbeitsverkürzung und steigendem Wohlstand ist die Bedeutung der Freizeitgestaltung im Laufe der Jahre für die Bevölkerung immer bedeutender geworden. Mittlerweise werden ca. 20 % des Einkommens eines durchschnittlichen Vierpersonen-Arbeitnehmerhaushalts mittleren und hohen Einkommen für die Freizeit aufgewendet.6 Die Freizeit dient heutzutage als wichtige Basis zur Verwirklichung der individuellen Bedürfnisse der Bevölkerung. Als deren Grundlage ist die Arbeitszeit als „notwendigem Übel“ zu bewältigen. Im Zuge der Entwicklung hin zu mehr zur Verfügung stehender Zeit hat sich auch das Angebot an Möglichkeiten der Gestaltung dieser Zeit erweitert. Parallel zu der Ausweitung des Angebots sind die Anforderungen in Freizeiteinrichtungen deutlich gestiegen. Es hat sich ein starker Wettbewerb zwischen den Einrichtungen entwickelt. Einhergehend damit wuchs die Bereitschaft der Bevölkerung, größere Distanzen für die Freizeitgestaltung zurückzulegen. Mittlerweile wird ca. die Hälfte der gefahrenen Autokilometer im Zusammenhang mit Freizeit und deren Gestaltung zurückgelegt. Dies hat auch zwangsläufig negative Folgen für die Umwelt, insbesondere in den Zielgebieten.7 Aufgabe des Geographie des Freizeitverhaltens ist es Strukturen und Auswirkungen von Freizeiteinrichtungen und deren Nutzung auszudecken, zu erklären und zu planen.8 Eingeschlossen ist die Analyse der Motive für die Nutzung einer Freizeiteinrichtung sowie der Erwartungen, Anforderungen und Wahrnehmungen der Nutzung des Angebots. Weiterhin interessiert, welche Reichweiten ein Angebot hat, bzw. welche Distanzen die Nachfrager noch bereit sind zu bewältigen um das Angebot zu nutzten. 1.3.2 . DEFINITIONEN Der Teil der Geographie, der sich mit dem Phänomen der Freizeit und seinen Auswirkungen auf dem Raum befasst, wird in der wissenschaftlichen Literatur Geographie des Freizeitverhaltens genannt. Die Geographie des Freizeitverhaltens wird als Teildisziplin der Sozialgeographie verstanden, deren generelles Erkenntnisinteresse der Beobachtung, Analyse und Erklärung der 'räumlichen 6 Vgl. Bollheimer 1999: S.7 7 Vgl. Kleeberg 2004: S.6 8 Vgl. Kleeberg 2004: S.8 16
  • 17. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext Organisationsformen und raumbildenden Prozesse der Daseinsgrundfunktionen menschlicher Gruppen und Gesellschaften' gilt9 Während in einigen Definitionen die Freizeit noch als "die nicht der Erwerbstätigkeit dienende Zeit" und "Zeit ohne barwerte Entlohnung" gesehen wird, gehen andere Wissenschaftler schon etwas differenzierter an die Betrachtung dieses Begriffes heran. So wird Freizeit häufig auch in einer Art Subtraktionsverfahren als jene Zeit definiert, die übrig bleibt, wenn alle verpflichtende Arbeit getan und die körperlichen Notwendigkeiten wie Schlafen, Essen, befriedigt sind. Der Rückgang der Arbeitszeit führte in den letzten Jahrzehnten zu einem Anstieg der Freizeit, was auch umfassende Auswirkungen auf deren Gestaltung und Bedeutung hat, sodass unsere Gesellschaft auch als Freizeitgesellschaft bezeichnet werden kann..10 Als Freizeitverhalten ist ein vielfältiges Spektrum von Aktivitäten zu bezeichnen. Begriffe wie Erlebnisorientierung, Genussorientierung oder Naturorientierung kennzeichnen Trends des Freizeitverhaltens post moderner Gesellschaften. Eine Typisierung dieser Orientierungen legt einer Unterteilung in häusliche und außerhäusliche Aktivität nahe. Aus geographischer Perspektive ist das außerhäusliche Freizeitverhalten von Bedeutung, da in diesem Fall zu dem Aspekt der Freizeit noch der Raumbezug hinzukommt. Gemäß unserer Wertvorstellungen wird diese Mobilität mit Freiheit verbunden, wodurch die außerhäusliche Freizeitaktivität doppelt positiv besetzt ist.11 Bei der Freizeiteinrichtung handelt es sich um ein von privater oder öffentlicher Hand organisiertes Angebot, in welchem man seiner freie Zeit verbringen und gestalten kann. Typisch für Freizeiteinrichtungen ist eine bestimmte Ausrichtung bzw. ein bestimmtes Thema. 9 http://www.uni-mannheim.de/mateo/verlag/dipl/gpreis/kap-01.html Zugriff am: 20.06.2010 10 http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/BERUFSFINDUNG/Beruf-Freizeit.shtml Zugriff am: 20.06.2010 11 Vgl. Kleeberg 2004: S.16 17
  • 18. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext 1.3.3. AUFGABEN UND ZIELE DER GEOGRAPHIE DES FREIZEITVERHALTENS In der Geographie des Freizeitverhaltens ist das Interesse auf die Analyse und Erklärung der raumbezogenen Dimensionen des Freizeit- und Fremdenverkehrs ausgerichtet. Es werden Raumstrukturen und Prozesse, die sich aus der Grunddaseinsfunktion „sich erholen“ ergeben. Die Geographie des Freizeitverhaltens befasst sich auf wissenschaftliche Weise unter anderem damit, die sich aus dem Freizeitverhalten ergebenen sozialen, ökonomischen und gesellschaftlichen Probleme bzw. Phänomene zu begreifen und Lösungsansätze zu erarbeiten. Diese Lösungsansätze sind laut Steinecke auf drei Ebenen zu finden. Zum einen ist dies die Erarbeitung von Praxis bezogenen Wissen für Planungs-, Verwaltungs- und Wirtschaftszwecke. Zum zweiten soll Grundlagenforschung betrieben werden, um daraus Theorien zu bilden und Prognosen abgehen zu können. Zum dritten ist es die gesellschaftstheoretische Forschung, auf deren Grundlage Einstellungen und Handlungsweisen im Freizeit und Fremdenverkehr verändert werden sollen.12 1.3.4. ALLGEMEINE BEDEUTUNG DES FREIZEIVERHALTENS Früher spielte sich das Freizeitverhalten nicht zuletzt werden geringeren Mobilität der Bevölkerung überwiegend im Wohnumfeld ab. Im Laufe der Zeit nahm die Mobilität stark zu und es wurden immer größere Wege zurückgelegt, um an besonderen Angeboten und Attraktionen teilzunehmen. Einhergehend damit kam der Freizeitaktivität eine immer grösser werdende Bedeutung zu. Das Ausmaß und die Form der Freizeit sind wie alle wirtschaftlichen Güter von Angebots-und Nachfragefaktoren abhängig. Die veränderten Rahmenbedingungen des Freizeitverhaltens lassen sich demzufolge sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite in einigen markanten Punkten erkennen, die sich wie folgt darstellen. 12 Vgl. Kleeberg 2004: S.19 18
  • 19. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext 1.3.5. PROZESSE DER FREIZEITGESTALTUNG Unter Berücksichtigung von Freizeiteinrichtungen wird eine Analyse der aktiven Gestaltung der Freizeit von Menschen durchgeführt. Das Themenfeld der Freizeitgestaltung ist sehr vielsichtig und kann, wie in Abbildung 1 dargestellt, folgendermaßen unterteilt bzw. aufgegliedert werden: Abbildung 1 Das Themenfeld der Freizeitgestaltung Freizeit Wochenendfreize Urlaubsfreiheit Tagesfreizeit it Kein Freizeitverkehr Freizeitverkehr Naherholung Urlaub In der Im Inter- Inter- Inter- Inter- Inter- Wohnung Wohn- lokal lokal regional regional nationa Umfeld l ( Quelle: Kleeberg 2004 : S. 24 ) 19
  • 20. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext Die in Abbildung 1 „Das Themenfeld der Freizeitgestaltung” dargestellte Untergliederung der Freizeitgestaltung stellt eine Grundlage für diese Untersuchung dar. Bei dem für diese Untersuchung relevanten Freizeitverhalten handelt es sich vor allem um Tages-und Wochenendaktivitäten. Die Abbildung zeigt auf, welche Formen, Verknüpfungen, Ausprägungen und regionalen Ausdehnungen die Freizeit bzw. Bereiche der Freizeit haben kann. Zum Beispiel die für Reitsport relevanten Zusammenhänge werden durch breite Linien hervorgehoben. Wesentliche Faktoren bilden hierbei die zwei Komponenten Zeit und Raum. Die zeitliche Komponente verkörpert die Art und Menge der zur Verfügung stehenden freien Zeit. Sie kann die Ausprägungen Stunden-, Tages-, Wochenend- und Urlaubsfreizeit annehmen. Sie ist die Basis für die sich anschließende Freizeitaktivität, bei der die räumliche Komponente eine Rolle spielt. Kommt es zu einer räumlichen Aktivität, spricht man von Freizeitaktivität wo die Dauer und Intensität wichtig sind. Bei der Intensität ist zwischen Naherholung und Urlaub zu unterscheiden. Die entsprechenden Reichweiten können zwischen dem unmittelbaren Wohnumfeld und der international gestalteten Freizeit variieren. Um Gründe für die spezielle Freizeitverwendung aufzudecken, wird aufbauend auf dem Gerüst der Abbildung 1 der Prozess der Freizeitverwendung bzw. Freizeitgestaltung komplettiert. Hierfür empfiehlt er sich, zum einen die Einstellungen gegenüber dem jeweiligen Freizeitangebot und zum anderen die Zufriedenheiten mit eben diesem Angebot zu analysieren. Eine solche erweiterte Betrachtungsweise lässt verstehen, wodurch die räumliche Nutzungsintensität der Freizeitverwendung beeinflusst wird und wie es zu der Frequenz der jeweiligen Nutzung kommt. Erst durch eine solche umfassende Betrachtungsweise können Gründe und Zusammenhänge, die relevant für die Freizeitverwendung bzw. Freizeitaktivitäten sind, aufgedeckt und verstanden werden. Unter Berücksichtigung dieser Ergänzung ergibt sich der im Folgenden dargestellte Kreislauf, wobei die Nutzung eines Freizeitangebots die Nahstelle zu der zuvor dargestellten Abbildung 2 bildet:13 13 Vgl. Kleeberg 2004: S.24 20
  • 21. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext Abbildung 2 Prozess der Imagebildung durch die Nutzung einer Freizeiteinrichtung Nutzung des Freizeitangebots Erwartungen an das Angebot Wahrnehmungen des Angebots Zufriedenheit mit dem Angebot Einstellungen gegenüber dem Angebot Image der Freizeiteinrichtung (Quelle: Kleeberg 2004 : S. 26 ) Abbildung 2 stellt den Prozess der Herausbildung bzw. Formung des Images einer Freizeiteinrichtung durch deren Nutzung dar. Es handelt sich um einen Kreislauf, der maßgeblich für die Auswahl der jeweils genutzten Freizeiteinrichtung ist. Er liefert Gründe für die aktive Sicht und Nutzung von Freizeiteinrichtungen. 21
  • 22. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext 1.3.6. DIE ROLLE DES KONSUMENTEN Alle Menschen sind in der Rolle als Konsumenten Teilnehmer am Wirtschaftssystem, deshalb nimmt die „Konsumentenethik“ eine herausragende Rolle in der individualethischen Wirtschaftsethik ein. Als Konsument wird der Mensch vor allem aufgefordert, seine Bedürfnisse intensiver zu reflektieren und Verantwortung gegenüber sich selbst bedeutet. Eine große Verantwortung wird dem Konsumenten aber auch im Verhältnis zur natürlichen Umwelt zugeschrieben, weil der Konsum von Dienstleistungen heute vielfach mit Umweltschäden verbunden ist.14 Der Einstieg eines Konsumenten in den Prozess erfolgt üblicherweise mit dem Image der Freizeiteinrichtung, welches sich durch die Einflüsse von außen beim Konsumenten gebildet hat. Steht dem Konsumenten eine gewisse Menge an Freizeit zur Verfügung, kann die Wahl eines konkreten Freizeitangebots durch dieses Image unterstütz werden. Er kommt zur Nutzung des Angebots durch den Konsumenten. Dieser hat durch seine vorherigen Informationen bestimmte Erwartungen an das Angebot, die er erfüllt haben möchte. Sie beeinflussen maßgeblich seine Wahrnehmungen des konkreten Angebots. Der Konsument vergleicht nun seine Erwartungen mit den Wahrnehmungen. Als Ergebnis dieses Bewerbungsprozesses ergeben sich die konkreten Zufriedenheiten mit den Leistungsfacetten des Angebots. Diese Zufriedenheiten wiederum führen zu Einstellungen gegenüber den einzelnen Leistungsfacetten des Angebots. Die Summe dieser Einstellungen ergibt das neu geprägte Image des Freizeitangebots, das sich somit aus den verschiedenen Einstellungen zusammensetzt.15 Je positiver das sich ausbildende Image des Freizeitangebots ist, desto größer ist die Bereitschaft der wiederholten Nutzung durch den Konsumenten. Externe Einflussfaktoren, wie beispielweise Werbeaktivitäten sowie die PR- und Öffentlichkeitsarbeit der Freizeiteinrichtungen, wirken von außen auf dieses System und beeinflussen bzw. lenken die Sicht der potentiellen Nutzer. Bei der Wahl der Freizeitgestaltung handelt es sich um einen stetigen Prozess, der sich aus vielen unterschiedlichen Teilbereichen zusammensetzt und von vielen Einflussfaktoren abhängig ist. Beispielsweise wirken verschiedene Faktoren auf die Zufriedenheit von 14 Vgl. Göbel 2006: S.80 15 Vgl. Kleeberg: S.27 22
  • 23. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext Freizeiteinrichtungsbesuchern. Welcher der jeweiligen Faktoren bzw. welches der diversen Ereignisse hierbei wahrgenommen wird und dadurch entscheidend für die sich bildende Einstellung bzw. dem sich daraus bildenden Image ist, stellt einen komplexen Prozess dar. Dieser Prozess und das daraus resultierende Ergebnis ist bei jeder Person unterschiedlich. Weiterhin ist der Prozess immer auch dem Konkurrenzkampf innerhalb der Freizeitbranche ausgesetzt, so dass ein weiterer starker Einflussfaktor von außen auf dar dargestellte System einwirkt. 1.3.7. DIE ANBIETER DES FREIZEITANGEBOTS Auf Seiten der Anbieter ist das Freizeitangebot durch starkes Wachstum und Kommerzialisierung gekennzeichnet. Neuartige Angebote, sich verstärkender Wettbewerb sowie die Tendenz zu Professionalisierung und Internationalisierung bedeuten für die Anbieter dieses Segments nicht nur eine Chance, sondern immer auch eine Gefahr.16 Sie müssen ihr Angebot stets hinterfragen, um neuartige Strömungen und Erwartungen bzw. Anforderungen nicht zu verpassen und dauerhaft am Markt bestehen zu können. 1.3.8. DIE NACHFRAGE DES FREIZEITANGEBOTS Der wachsende Anteil der Bevölkerung mit qualifizierten Abschlüssen wirkt positiv auf den freizeittouristischen Bereich aus. Durch die steigende Anzahl an Beschäftigten steigt die Bereitschaft zu reisen. Die Reisetätigkeit steigt also mit zunehmendem Bildungsniveau. Die Art der Reisen verändert sich dadurch ebenfalls. Es ist eine zunehmende Nachfrage an Studien-, Bildungs- und Kulturreisen zu verzeichnen.17 Auf Seiten der Nachfrage machen steigende Einkommen, zunehmende freie Zeit und Mobilität, höhere Anforderungen an das Freizeitangebot , Bereitschaft für die Freizeit mehr Geld aufzuwenden, den Bereich der Freizeitgestaltung immer bedeutender für die persönliche Lebensgestaltung. Dies bietet den Anbietern Differenzierungschancen, um sich von Wettbewerbern abzuheben und gegenüber diesen vor den Kunden zu 16 Vgl. Kleeberg 2004: S.29 17 Vgl. Wessel 2006: S.12 23
  • 24. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext profilieren. Im Zusammenhang mit der Nachfrage ist zu berücksichtigen, dass nach Expertenmeinung der Zeitaufwand zur Nutzung eines Freizeitangebots 60 Minuten Fahrzeit nicht übersteigt. Ergänzend hierzu kann festgehalten werden, dass die Bedeutung der Freizeitgestaltung und die Inanspruchnahme von Freizeitangeboten bei jungen Menschen deutlich höher als bei älteren ist. Bezogen auf das Bildungsniveau nimmt die Nutzung von Freizeitangeboten mit dem Bildungsstand zu.18 1.3.9. MOTIVE DER REISENDEN Das Bedürfnis zu reisen scheint ungebrochen. Jedoch unterscheiden sich die Motive für den Antritt einer Reise erheblich. Zuallererst muss zwischen beruflich bedingten Reisen und privaten Reisen unterschieden werden. Erstgenannte sind unbedingt für das Unternehmen notwendig, wie z.B. der Besuch von Messen und Ausstellungen, die Pflege von Geschäftsbeziehungen oder das Führen von Verhandlungen. Dabei ist das Motiv eindeutig bestimmt. Im Gegensatz dazu gibt es bei privaten Reisen eine Vielzahl von Motiven. Einige davon können ebenfalls unabdingbar sein, der überwiegende Teil jedoch erfolgt nach individuellen Bedürfnissen. 19 18 Vgl. Kleeberg 2004: S.27 19 Vgl: Holzapfel 2008: S.5 24
  • 25. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext KAPITEL 2 : DIE TRENDS IM SPORTTOURISMUS 2.1. HISTORISCHER HINTERGRUND DES SPORTTOURISMUS Sporttourismus ist in der heutigen Form eine relativ junge Ausprägung. Sport in Verbindung mit Reise-Tourismus beginnt ab den 1960er Jahren ein massenhaftes Phänomen zu werden. In den wissenschaftlichen und verbandsspezifischen Fokus kommt das Thema Sport und Tourismus erstmals in den 1970er Jahren vor, abgesehen von einigen früheren Einzelveröffentlichungen. Der Begriff Sporttourismus taucht in der 1980er Jahre auf, ohne jedoch erläutert zu werden, und spätestens seit Mitte der 1990er Jahre ist ein rapider Anstieg in der Auseinandersetzung mit dem Thema weltweit zu verzeichnen.20 2.2. SPORTARTEN IM RAHMEN DES SPORTS – UND REISETOURISMUS Der Sport- und Reisetourismus enthält eine Vielfalt von Sportarten welche man im Verlauf der Reise durchführen kann. Ein paar der beliebtesten Sportarten in den Urlaubszeiten wären: 21 Abenteuer-Erlebnis-Expeditionen Angeln-Sportfischen Ballsport-Laufsport Fahrrad Fliegen ( Motor-Segel-Drachen-Ballon) Golf Reiten Segeln-Surfen-Wassersport Tauchen Tennis Wandern-Bergsteigen-Trekking Wintersport-Skireisen-Snowboard 20 Vgl: Schwark 2006: S.9 21 Vgl: Schwark 2006: S.155 25
  • 26. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext 2.3. SPORTTOURISMUS ALLGEMEIN Egal ob man selbst sportlich aktiv sein möchte oder ein Sportereignis der Anlass zu einer Reise ist, Sportreisen liegen im Trend. Der Sport motiviert zum Ortswechsel. Die Medien haben vor allem dazu beigetragen, dass die ganze Welt scheinbar ein großer Sportplatz geworden ist. Ob beim City Marathon in New York, im Tenniscamp auf Gran Canaria, bei Formel 1 Rennen auf der ganzen Welt oder bei Olympia – der Sport mit seinen Veranstaltungen stellt ein internationales Phänomen dar.22 In diesem Abschnitt werden die beiden Megabereiche vorgestellt, aus denen sich der Sporttourismus zusammensetzt. Außerdem wird der Begriff Sporttourismus definiert, der Markt für diesen Bereich genauer betrachtet, sowie über einige Trends berichtet. 2.3.1. ZWEI MEGABEREICHE TREFFEN AUFEINANDER Beim Sport- Tourismus treffen zwei der wichtigsten deutschen Freizeitphänomene aufeinander: Der Megamarkt Tourismus mit dem Volkssport Reisen und der Megamarkt Sport mit einem Volk der Sporttreibenden. Zum Beispiel war Deutschland 2006 Reiseweltmeister. Mehr als 60 Milliarden Euro gaben die Bundesbürger im vergangenen Jahr für Urlaub aus. Davon wurden rund 80 Millionen Nah- und Fernreisen von fünf und mehr Tagen gebucht Über die Hälfte aller Deutschen fahren mindestens einmal im Jahr in den Urlaub. Mehr als ein Drittel ist Mitglied in einem Sportverein, viele Andere sind mehr oder weniger sportlich aktiv bzw. interessiert am Sport. Bemerkenswert ist auch die Zahl der Sportzuschauer in Deutschland. Allein in 2005 besuchten 18,3 Mio. Menschen eine Sportveranstaltung.23 Zusammengefasst gibt es ca. 60 Mio. Urlaubsreisende und ca. 40. Mio. Sportbegeisterte, jedoch aber keinen neuen Megamarkt. Die Schnittmenge für den Bereich Sporttourismus ist viel kleiner als gedacht. Durch ein großes Spektrum an 22 Vgl: Holzapfel 2008: S.8 23 http://www.comdirect.de/pbl/static/pdf/comdirect_ratgeber_urlaub.pdf Zugriff am 20.06.2010 26
  • 27. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext verschiedenartigen Sportarten stellt sich der Markt als sehr unübersichtlich, inhomogen und individuell dar.24 2.3.2. DEFINITION DES BEGRIFFS SPORTTOURISMUS Sport und sportliche Aktivitäten haben das große Interesse der Menschen geweckt. Ausflüge, Kurz- oder Sporturlaub, Freizeitaktivitäten in Verbindung mit Sport haben im Tourismus einen eigenen Bereich entstehen lassen. Um ein einheitliches Verständnis über den Begriff des Sporttourismus zu bekommen, ist es notwendig, diesen genau abzugrenzen bzw. zu definieren. Was sind die genauen Motive für Sportreisen und wo ordnet man die Gruppe von Sportunterstützer ein? Sind die beiden Bereiche Sport und Tourismus gleichberechtigt oder sind die Begriffe eigenständig zu betrachten? Solche ähnliche Fragen können oftmals nicht eindeutig geklärt werden, da unterschiedliche Sichtweisen und Argumentationen vorliegen. Trosien 2001 definiert Sporttourismus wie folgt und unterscheidet dabei zwischen einer engen und einer weiten Sichtweise: Sporttourismus im engeren Sinne. sind Reisen, bei denen Sport ein Hauptmotiv der Reise ist. Sporttourismus im.weiteren.Sinne sind Reisen, bei denen Sport ein Nebenmotiv der Reise ist.25 3.3. DER MARKT FÜR SPORTTOURISMUS Der Sporttourismus ist bisher noch ein relativ unerforschtes Gebiet, was womöglich vom bis dato eher geringen Gesamtvolumen des Marktes abhängig ist. Für den Sport und den Tourismus gilt der Sporttourismus allerdings als Hoffnungsträger für die Zukunft. Erstmalig haben sich die UNWTO und das International Olympic Committee ( IOC ) auf dem Sporttourismusgipfel in Barcelona gemeinsam mit diesem Themenbereich befasst. Der Markt weist nachweislich enormes Potential auf. Die Struktur des Marktes wird im Folgenden näher betrachtet. 24 Vgl: Holzapfel 2008: S.8 25 Vgl: Holzapfel 2008: S.9 27
  • 28. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext 2.3.4. DIE STRUKTUR DER NACHFRAGE Die Nachfrage nach Sportreisen war in den letzten Jahren eher gering. Nur etwa fünf bis zehn Prozent der Befragten, die jährlich in den Urlaub reisen, geben Sport als Hauptreisemotiv an. Allerdings wird die Anzahl derer, die einen auf sportliche Betätigung ausgerichteten Aktivurlaub unternehmen, immer größer. Inwieweit dieser dann als solcher verlebt wird, spielt eine eher untergeordnete Rolle. Sportorientierte Veranstaltungen bedeuten außerdem nicht immer, dass man selbst sportlich aktiv wird. Die Möglichkeit zum Besuch eines großen Sportereignisses kann dabei auch 26 gewählt werden. Um einen genauen Überblick über die Nachfrageformen und Nachfragetypen im Sporttourismus zu bekommen, werden die vier Gruppen in der folgenden Tabelle beschrieben. Tabelle 1 Nachfrage im Sporttourismus Formen der Nachfragetyp Motivationslage Nachfrage Aktivurlaub ( Sport Sportorientierter Aktive Erholung im Urlaub ) Aktivurlauber, Fitness und Gesundheit Ausübung Rehabilitation verschiedener Geselligkeit Sportarten Spaß, Erlebnisdrang Sporturlaub Sporturlauber, Sport treiben vollständige Bewegungsdrang Ausrichtung der Reise Erlernen einer neuen Sportart auf die Ausübung einer Spaß und Freude bestimmten Sportart Wunsch nach Anerkennung Persönliche Entfaltung Trainings- und Training-und Leistungsverbesserung Wettkampfreise Wettkampfreisender, Erfolg und Spaß Reise ins Wunsch nach Anerkennung Trainingslager oder Finanzielle Motive zum Wettkampf Sportveranstaltungs- Reise zum Besuch Wunsch nach Abwechslung Tourismus einer Geselligkeit Sportveranstaltung, Prestigeträchtige Veranstaltungen passiv Interessierter besuchen ( Quelle: Holzapfel 2008: S. 10 ) 26 Vgl: Holzapfel 2008: S.9 28
  • 29. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext Sportliche Aktivitäten stehen für den Sportorientierten Aktivurlauber im Vordergrund, aber auch andere Aspekte sind für ihn wichtig. Der Aktivurlauber widmet sich verschiedenen Sportarten, eine ist ihm zu wenig. So trifft man ihn beispielsweise beim Wintersport und auch beim Wassersport. Der Sporturlauber richtet seine Reise auch komplett am Sport aus. Jedoch legt er sein Augenmerk nur auf die Ausübung einer Sportart, z. B. nur Reiten oder Skifahren.27 Für Trainings-und Wettkampfreisende dagegen steht die Verbesserung der Leistung in einem Trainingslager oder der sportliche Vergleich mit Gleichgesinnten bei einem Wettkampf im Vordergrund. Personen, die selbst nicht sportlich aktiv werden und die Sportveranstaltungen nur als passive Akteure besuchen, gehören zu der Gruppe der Sportveranstaltungstouristen. 2.3.5. STRUKTUR DES ANGEBOTS Bei einer näheren Betrachtung des Marktes der Sportreiseveranstalter zeigt sich eine deutliche Inhomogenität. Sportliche Pauschalreisen werden nur von wenigen großen Veranstaltern angeboten. Im Gegensatz dazu sind viele Spezialisten auf dem Sportreisemarkt vertreten, die vor allem lokal tätig sind oder sich auf gewisse Sportarten spezialisiert haben. Aber auch Gelegenheitsveranstalter, wie Sportvereine, Sportverbände oder Reisebüros, sollten nicht vergessen werden, da auch sie, denn auch nur wenige Male im Jahr, Sonderreisen für Sportgruppen veranstalten. Durch eine eher geringe Nachfrage halten sich die großen Veranstalter der Reisebranche bedingt durch dieses eher kleine, wenig attraktive Marktsegment, bisher deutlich zurück. Des Weiteren ist es durch die Vielzahl an Sportarten für die klassischen Veranstalter kaum möglich, auf allen Gebieten ausreichend Kompetenzen aufweisen zu können. Erschwerend kommt ebenso hinzu, dass durch die individuellen Ansprüche der Sporttouristen eine Standardisierung des Angebots kaum möglich ist. Daher wird der Markt oft den Spezialisten überlassen, die in vielen Bereichen ihre Angebote vor allem flexibler und individueller gestalten können. 28 27 Vgl: Holzapfel 2008: S.9 28 Vgl. Breidenbach 2002: S.79 29
  • 30. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext 2.3.6. TRENDS IN SPORTTOURISMUS Wie bereits im vorherigen Punkt näher betrachtet, ist das Sportangebot für Touristen sehr vielfältig. Der Sporttourismus wird hauptsächlich durch viele Trendsportarten beeinflusst. Die Vorstellungen und Gewohnheiten derer, die Sport treiben, haben sich in den letzten Jahren mehr oder weniger stark verändert. Dies hat natürlich auch auf die Nachfrageseite von Sportreisen Auswirkungen. Einige dieser Trends stellt Holzapfel (2008, S.11) dar: Trend zum Spaß Trend zur Bewegungs- und Körperkultur (lustvolle Bewegung, Ästhetik, Spiel, Gesundheit) Trend zu Körper, Geist, Seele (Fitness und Wellness) Trend zum Sport als Abenteuer (Erlebnis, Aktion, Grenzen austesten) Trend zum Sport-Event (Sport sehen und erleben) Einige dieser Trends spielen auch bei einem bedeutenden Vertreter des Sporttourismus, dem Reittourismus, eine wichtige Rolle. Nachdem der Sporttourismus allgemein mit seinen Besonderheiten dargestellt wurde, wird jetzt der Fokus auf den Reitsport beziehungsweise Reittourismus gesetzt. 30
  • 31. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext KAPITEL 3 : DER REITTOURISMUS 3.1. HISTORISCHER HINTERGRUND DES REITENS Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die hohe Dressur an der Reitakademie unterrichtet. Speziell der französische, spanische und italienische Adel begeisterte sich dafür und nahm daran teil. Zwei „Reitmeister“ sind hier zu nennen. Erstens de Pluvinel und zweitens de la Guérinière. Sie prägten die Entwicklung. So beruft sich auch Abbildung 3 Erste Darstellungen des Pferdes die Spanische Hofreitschule in Wien noch heute auf die Lehren Guérinères. Er war der erste, der eine komplette Sammlung der Dressurlektionen nieder schrieb. Diese Schrift nannte er „Ecole de Cavalarie“, die auch die Schulen über der Erde (z.B. Levade, Courbette und Kapriole) umfasst. Doch auch in England entwickelte sich eine Reitkunst. Und damit auch ein Gegner der französischen Reitschule. Der Brite Baucher sowie sein Schüler Fillis zählten dazu. Mit Baucher wurden nicht mehr nur kompakte und barock wirkende Pferde für die Dressur geschult, sondern er begann auch britische Jagd- und Vollblutpferde für die Dressur auszubilden. Dadurch, dass diese Pferde sowohl über ein anderes Wesen und einen von den sonst üblichen Dressurpferden unterschiedlichen großrahmigen Körperbau verfügten, musste sie die Reitkunst den Pferden anpassen. Die neue Reitkunst fand auch in Deutschland ihre Anhänger, so auch der Deutsche Steinbrecht. Er verfasste ein Werk zu dieser neuen Reitkunst („Gymnasium des Pferdes“ [1858]). Mit Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts verkam die klassische Reitkunst. Die neuen Anforderungen an die Pferde waren: sie mussten schnell aus zu bilden sein und absolut bedingungslos gehorsam sein. Es wurde in den Heeresinstruktionen eine rationalisierte und auf Nutzen ausgerichtete Reitkunst entwickelt. Von Anforderungen wie Eleganz und Ausdruck war hier nichts mehr zu sehen. Es bildete sich aus der 31
  • 32. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext militärischen Pferdeausbildung in Kombination mit Ansätzen der klassischen Reitkunst die heutige Dressurlehre. Diese wird heute auch bei den Olympischen Spielen gefordert. 29 Heutzutage ist das Reiten eine Sportart welche das Vergnügen mit dem Nützlichen vereint, es entwickelt den Mut, die Orientierung und die Kapazität schnelle Entscheidungen zu treffen. Die Kunst des Reitens verlangt viel Bildung und Ausdauer, weil es von zwei Hauptfaktoren geprägt wird: Der Mensch und das Pferd.30 3.2. DAS PFERD IM VERLAUF DER ZEIT Die Geschichte des Reitens beginnt mit der Domestizierung des Pferdes und entwickelt sich im Bereich der Militär, aber auch für die Eroberung neuer Gebiete und Völker. Die „Cavalarie“ wurde immer mit den Elementen Mobilität und Kraft verbunden, aber am meisten lag es mit dem Schicksal vieler Kriege im Zusammenhang. Das domestizierte Pferd hat eine sehr lange Geschichte. Viele entscheidende Eroberungszüge, Schlachten und Völkerwanderungen wären ohne das Pferd nicht zustande gekommen oder ganz anders verlaufen. Folge der Entwicklung vom Beute- zum Reittier kam es dazu, dass Pferde für Transportaufgaben genutzt wurden. Der Mensch fühlte sich stets auf dem Rücken eines gezähmten Pferdes dem Rest der Welt überlegener. 31 Dadurch bewegte sich die Weiterentwicklung der Reitkunst lange Zeit im Bereich des Militärs. Erst später wurden diese von Zivilen Bereichen übernommen. Die erste schriftlich überlieferte Reitlehre ist in Xenophons Schriften „Der Reitoberst“ und „Über die Reitkunst“ zu finden. Hierbei handelt es sich um eine ausgereifte und psychologische Reitlehre, die beruhend auf Beobachtungen der Bewegungen der Pferde gründet. 32 Er widmete sich aufgrund des philosophischen Hintergrundes, den er als Schüler von Sokrates erhielt, besonders mit der Einheit Pferd-Mensch-Körper- Seele. 29 Vgl. Stodulka 2006: S.3 30 Vgl. Muresan et.Al. Marchis & Pentelescu 2007: S.194 31 Vgl. Muresan et.Al. Marchis & Pentelescu 2007: S.194 32 Vgl. Dulugeac 2005: S.9 32
  • 33. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext Die Römer übernahmen diesbezüglich viel von den Griechen. Zur selben Zeit zähmten und züchteten die Perser schon Vollblutaraber. Gegen Ende des 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts waren die Reitheere des berühmt- berüchtigten Dschingis Khans gefürchtet, sie nutzten die kleine mongolischen Ponys. Die klassische Reitkunst, wie sie auch heute noch bekannt ist, nahm ihren Anfang mit Beginn der Neuzeit.33 In der Renaissance war der Begründer der neapolitanischen Reitakademie, Frederigo Grisone, im 16. Jahrhundert der Erste, der 2000 Jahre nach Xenophon das zweite Grundlagewerk über die Reitkunst verfasste. Leider interpretierte er das Verhalten des Pferdes falsch und versuchte Widerstände und Unverständnis mit Bestrafung des Pferdes zu korrigieren. 3.3. DIE BEZIEHUNG ZWISCHEN MENSCH UND PFERD Die Beziehung zwischen Mensch und Pferd reicht bis in die Anfänge der Menschheit zurück, sie wurde im Verlauf der Geschichte noch gefestigt und besteht bis heute. 3.3.1. EINSTMALS BEUTETIER Schon der Homo Sapiens der Altsteinzeit fand das Pferd als Mitglied der ihn umgebenden Tierwelt vor. Er mag das flüchtige Tier beneidet und bestaunt haben, er mag sich vor ihm gefürchtet haben, mag von ihm fasziniert gewesen sein. Über diese erste Beziehung lassen sich nur Vermutungen anstellen, die allerdings mit speziellen Funden wie mit allgemeinen vor- und frühgeschichtlichen Forschungsergebnissen unterlegt werden.34 Zwischen dem 30. und 10. vorchristlichen Jahrtausend fing der Mensch an, sich für die wilden Pferde seiner Umgebung näher zu interessieren. In jenen Jahrtausenden waren die Menschen Jäger und Sammler. Daher erregte das Pferd anfangs nur als potentielles Beutetier das Interesse der Menschen. Nach Basche (1994, S. 43) war somit die Nutzung als Fleischtier die erste nützliche Verbindung des Menschen zum 33 http://www.pferde-pferderassen.de/pferde-geschichte.php - Zugriff am 20.06.2010 34 Vgl.: Scharaditsch 2006: S.15 33
  • 34. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext Pferd, und aus der Perspektive des Jägers stellte das Pferd eine willkommene Beute zur Lebensfristung dar. Von der Jagdbeute in der Steinzeit wurde das Pferd zum zahmen Haustier. Darüber, wo und von wem das erste Pferd gezähmt wurde, gibt es jedoch keine einheitliche Meinung. Einige Forscher meinen, dass Pferde zuerst in der Mongolei eingesetzt wurden, und zwar schon im fünften vorchristlichen Jahrtausend. Die ersten gezähmten Pferde wurden zunächst zum Ziehen von Kampfwagen, später auch als Last- und Reittiere genutzt, dann wurde das Pferd Zeichen von Wohlstand und Macht. Denjenigen, die Pferde besaßen und sie reiten oder mit ihnen kutschieren konnten, wurde Respekt entgegengebracht; sie besaßen meist Reichtum, zählten zum Adel oder besaßen einmalige Fähigkeiten, wie etwa die großen Feldherren der Geschichte, die zu Pferde ganze Weltreiche eroberten – und dies oftmals mit Hilfe ihrer Pferde.35 3.3.2. MYTHOS PFERD Fast die gesamte Menschheitsgeschichte hindurch war das Pferd dem Menschen Kamerad, Diener und Partner. Seit der ersten Begegnung zwischen Mensch und Pferd spielt dieses einmalige Tier eine besondere Rolle für den Menschen, sei es in der Realität oder im Mythos. Spätestens seit der Bronzezeit waren Pferde nicht nur Zug- und Reittiere, sondern zugleich Statusobjekt und religiöses Symbol. Als Verkörperung des Sieges und des Herrschertums besaßen Pferde große Bedeutung und hohes Ansehen und verschafften dem Besitzer enormes Sozialprestige.36 Pferde waren immer hochgeschätzt - Pferde weckten auch heute noch Emotionen. Sie zählen wohl zu den edelsten Geschöpfen auf Erden. In ihnen paaren sich Kraft und Ausdauer, sie verkörpern Stolz und Mut genauso wie Sensibilität und Vorsicht. Und sie faszinieren durch Schönheit und Anmut. Diese besondere Faszination und die Einstellung vieler Menschen zu diesen Geschöpfen wusste Ronald Duncan besonders gut in einem seiner Gedichte auszudrücken, das er 1954 niederschrieb: 35 Vgl.: Scharaditsch 2006: S.15 36 Vgl.: Scharaditsch 2006: S.16 34
  • 35. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext “Where in this wide world can man find nobility without pride, friendship without envy, or beauty without vanity? Here where grace is laced with muscle and strength by gentleness confined. He serves without servility; he has fought without enmity. There is nothing so powerful, nothing less violent; there is nothing so quick, nothing more patient.” Abbildung 4 Mensch und Pferd zusammen Das moderne Pferd ist ein intelligentes Geschöpf, das aufgrund seiner extremen Sensibilität und seiner Kooperationsbereitschaft in guten Händen zu außerordentlich hohen Leistungen fähig ist. Dasselbe Pferd kann jedoch in schlechten Händen schnell störrisch und unbeherrschbar werden.37 Der britische Premierminister Winston Churchill gehörte zur Riege der exzellenten Führer mit „Pferdeverstand“. Schon er sah, dass Pferde einen großen Einfluss auf einen Menschen und dessen Führungsverhalten haben können, was er wiederum in einem Zitat zum Ausdruck brachte: „There is something about the outside of a horse that is good for the inside of a man.” 3.3.3. DIE ROLLE DES PFERDES Abbildung 5 Xenophon erklärt die Kunst des Reitens Das Pferd ist ein Zeichen für Schönheit, Schnelligkeit und Freiheit. Deshalb lieben und bewundern die Menschen es. Es wird in der Werbung eingesetzt um Symbole wie Freiheit und Schönheit darzustellen und auf Postern und Bildern verewigt um das Zimmer oder die Wohnung zu verschönern. Und in der Tat sind Xenophons Worte wahr: Ein 37 Vgl. Scharaditsch 2006: S.17 35
  • 36. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext Pferd, das sich stolz trägt, ist etwas so Schönes, Bewunderns- und Erstaunenswürdiges, dass er aller Zuschauer Augen auf sich zieht. Keiner wird müde es anzuschauen, solange es sich in seiner Pracht zeigt. 38 Die Rückbesinnung auf den Umgang mit Pferden als Erfahrungs- und Erlebnisfeld stellt keineswegs nur eine modische Erscheinung dar, sondern beruht auf einer uralten Tradition, wie zahlreiche Beispiele belegen. „Ein Pferd hat nichts hündisches und auch nichts raubtierhaftes, es ist – wie Paul Hunting, ein erfahrener Pferdeflüsterer, es formuliert – The Perfect Follower“. 3.4. PFERDE ALS THERAPIEMITTEL Schon seit dem Altertum ist die wohltuende Wirkung des Reitens für den Körper, Geist und Seele bekannt. Das Therapeutische Reiten nutzt diesen Effekt erst seit einigen Jahrzehnten zur Linderung und Heilung psychosozialler Störungen und körperlichen Erkrankungen. Das Pferd bietet eine Besonderheit gegenüber anderen Tieren, die therapeutisch eingesetzt werden. Die Arbeit auf dem Pferd findet in direktem Körperkontakt statt, zudem ähneln die Bewegungen des Pferdes dem menschlichen Gang 3.4.1. THERAPEUTISCHES REITEN Unter dem Begriff Therapeutisches Reiten werden drei Bereiche zusammengefasst: Die Hippotherapie, welche eine spezielle krankengymnastische, ärztlich verordnete und überwachte bewegungstherapeutische Maßnahme auf dem Pferd ist, die sich der Bewegungen des Pferdes als therapeutischem Medium bedient. .39 Die Therapie kommt aus der Medizin und bezeichnet Maßnahmen zur Behandlung von Krankheiten. Ziel einer Therapie ist die Heilung, die Beseitigung oder Linderung der Symptome und die Wiederherstellung der körperlichen und psychischen Funktion. 38 Vgl. Kirstein 2006: S.22 39 Vgl. Fingerhut 2007: S.5 36
  • 37. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext Das Wort Reiten kommt aus dem Altertum und meint ursprünglich die Bewegung überhaupt. Das Heiltherapeutische Reiten wird als Oberbegriff für die drei Fachbereiche: Hippotherapie (Krankengymnastik auf dem Pferd), Heilpädagogisches Reiten (Personen mit verschiedenen Störungen die mit Hilfe des Pferdes umgesetzt werden) und Behindertensport verwendet. Die Wahrnehmung des Pferdes unterscheidet sich in mancherlei Hinsicht von der des Menschen. Beide orientieren sich zwar vorwiegend über Sehen und Hören, jedoch sind die Sinneseindrücke beim Pferd ausgeprägter und somit sensibler und präziser. Da Pferde von Natur aus sehr gesellige Tiere sind, setzen sie ihre Sinnesorgane auch ein, um miteinander zu kommunizieren und nicht nur um drohende Gefahr zu wittern. Sie nehmen die Eindrücke ihrer Umwelt mit allen Sinnen wahr und so entgeht ihnen kaum eine Veränderung in ihrer Umgebung. Auch für Gefühlsschwankungen sind Pferde sehr sensibel. Reiz und Reaktion liegen beim Pferd zeitlich eng beieinander. Pferde sind hochsensible Wesen und reagieren daher unmittelbar und unverfälscht. Auch beim Umgang mit Menschen nehmen Pferde selbst kleinste – oftmals auch unbewusste Veränderungen im Gesichtsausdruck, in Körperhaltung oder in der Gefühlswelt wahr.40 Da Pferde wie oben erwähnt Flucht- und Beutetiere sind, fassen sie auch viel weniger schnell Vertrauen zu anderen Lebewesen. Sie sind überaus aufmerksam und kritisch ihrer Umwelt gegenüber. Man muss sich das Vertrauen der Pferde erst erarbeiten und sich beweisen. Kann man einem Pferd die Furcht nehmen, sich sein Vertrauen und seinen Respekt erarbeiten und es in Folge von seinen Führungsqualitäten überzeugen, lassen sich die dabei gewonnenen Erfahrungen auf das Führungsverhalten im Umgang mit den Mitarbeitern übertragen.41 40 Vgl. Scharaditsch 2006: S.40 41 Vgl. Fingerhut 2007: S.5 37
  • 38. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext 3.4.2. ZUSAMMENARBEIT VON PFERD UND MENSCH „Pferde sind offen für alles Neue und bereit zur Mitarbeit, gleichzeitig aber sensibel, vorsichtig und zurückhaltend. Sie erwarten Achtung, Respekt und Anerkennung. Sie reagieren auf Motivation, Lob und Vertrauen. Der Umgang mit dem Pferd fördert Mut, Kraft, Kreativität und Risikobereitschaft aber gleichzeitig Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit, Geduld und Zielstrebigkeit.“ (Gerhard J. Krebs Pferde sind uns körperlich überlegen und könnten sich unseren Befehlen leicht widersetzen oder entziehen. Jedoch lassen sich Pferde grundsätzlich nur selten auf Konfrontationen ein. Der Grund dafür liegt darin, dass Pferde in sozial organisierten Verbänden leben, in denen das Zusammenleben auf Kooperation und Kommunikation beruht. Gewalt hingegen wird zur Verteidigung gegen den Feind eingesetzt, wenn eine Flucht nicht mehr möglich ist oder im Ernstfall auch zur Klärung der Rangordnung. Daher verhalten sich Pferde dem Menschen gegenüber grundsätzlich auch gutmütig.42 42 Vgl. Scharaditsch 2006: S.18 38
  • 39. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext KAPITEL 4 : REITTOURISMUS IN DEUTSCHLAND UND RUMÄNIEN 4.1. ALLGEMEINE DARSTELLUNG Im letzten Jahrhundert gewinnt eine neue Form des Reitens viel Aufmerksamkeit – der Reittourismus. In Frankreich, England, Deutschland, Belgien und viele andere Länden wurden reittouristische Organisationen eröffnet. Diese bieten nicht nur den Profis, sondern auch den Amateuren verschiedene Reitnetze an. ( in Frankreich: „Vacances à cheval“, in England „ Tekking“ genannt )43 Pferdesport und Reittourismus sind bedeutende und wachsende Freizeitmärkte. Seit das Pferd zunehmend als Wirtschaftsfaktor wahrgenommen wird, werden in zahlreichen Regionen Aktivitäten und Projekte zur Entwicklung und Förderung des Reittourismus initiiert Früher war der Leistungssport das Ziel vieler Pferdesportler, doch heute erfreuen sich naturnahe Erholung, Spaß und Gesundheit mit dem Pferd weitaus größerer Beliebtheit. Gerade die verschiedenen Reitweisen haben großen Einfluss auf die Mensch-Pferd-Beziehung.44 Unter Reiturlaub werden pferdebezogene Urlaubsreisen mit Übernachtungen zusammengefasst, die von Reisen mit und ohne eigenes Pferd, Wanderreiten, Reitkursen bis zu Kinderreitferien reichen. Der zentrale Ansprechpartner für Reiturlauber sind die Reitbetriebe. Drei Viertel der Reitgäste haben in ihrem letzten Reiturlaub direkt auf dem Reiterhof übernachtet. Die reittouristischen Betriebe erbringen die Kernleistungen eines Reiturlaubes. Hier wird übernachtet, gegessen, das Pferd untergebracht und geritten. Der Großteil der Reiturlauber bucht direkt beim Betrieb. Dafür erwarten die Gäste von den Betrieben eine hohe Qualität und Gastfreundschaft. Wichtig sind unter anderem eine gute Unterbringung der Pferde, ein gutes und qualifiziertes Reitangebot sowie freundliches und kompetentes Personal. Reitgäste sind anspruchsvolle Gäste. Sie übernachten am liebsten in einer 43 Vgl. Muresan et. Al. Marchis & Pentelescu 2007: S.194 44 Vgl. Winkler 2006: S.22 39
  • 40. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext komfortablen Unterkunft, einer Ferienwohnung oder einem Hotel- oder Pensionszimmer.45 Im Mittelpunkt des Urlaubs steht das Pferd, mit dem viel Zeit verbracht wird. Für die Reiturlauber spielt die Umgebung eine große Rolle – am wichtigsten sind ihnen eine schöne Landschaft und ein gutes Reitwegenetz.46 4.2. ARTEN VON REITURLAUB UND REITTOURISMUS Ausschlaggebende Aspekte bei einem Reiturlaub sind vor allem eine schöne Umgebung, Landschaft, ein gutes Reitwegenetz, die Qualität des Reitbetriebes sowie die Reiterfreundlichkeit, das Preis-Leistungsverhältnis und die Möglichkeit, viel Zeit mit dem eigenen Pferd zu verbringen. Reittourismus ist vielfältig, es zeichnet sich durch eine große Heterogenität aus und umfasst verschiedene Segmente: Reiturlaub mit und ohne eigenes Pferd Wanderreiten, Reitferien für Kinder Veranstaltungen und Events für pferdeinteressierte Besucher, Kutsch-, Kremser- und Planwagenfahrten usw. 45 Vgl. Franke et. Al. Gonsior & Trenstedt 2009 46 Vgl. Franke et. Al. Gonsior Tennstedt 2009 40
  • 41. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext 4.3. REITTOURISTEN UND PFERDEINTERESSIERTE Abbildung 6 Potentielle Reittouristen ( Quelle : Franke; Gonsior, Trendstedt 2009 ) Pferdeinteressierte sind Personen, die nicht selbst Reiter sind, aber in ihrer Freizeit oder im Urlaub Aktivitäten nachgehen, die mit Pferden verbunden sind oder sich dies vorstellen können. Abbildung 7 Aktivitäten von Pferdeinteressierten Aktivitäten von Pferdeinteressierten Besuch von Pferdeveranstaltungen Pferdesport/-Filme ansehen Kutsch-,und Planwagenfahrten Begleitung von Personen bei… Pferdebücher lesen Fachzeitschriften lesen Mitversorgung eines Pferdes 0 1 2 3 4 5 6 ( Quelle : Franke; Gonsior, Trendstedt 2009 ) 41
  • 42. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext 4.4. DER REITTOURISTISCHE MARKT Der Reittouristische Markt ist relativ jung und im ständigen Wachstum. Als Hauptfaktoren des Reittouristischen Marktes zählen das Angebot und die Nachfrage des Reittourismus. 4.4.1 DIE ANBIETER DES REITTOURISMUS Das Angebot an Reittourismus kann in folgenden Formen erscheinen: Reittouristische Betriebe Reittouristische Zusammenschüsse (Vereine) Touristische Organisationen Pferdesportliche Organisationen47 Reiterreiseveranstalter 48 47 Deutsche Reiterliche Vereinigung, Vereinigung der Freizeitreiter 48 Spezielle Reiterreisespezialisten wie Pferd & Reiter, Das Urlaubspferd, Pegasus Reisen ,Online- Buchungszentralen, Internetportale 42
  • 43. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext 4.4.2. EINFLUSSFAKTOREN DES REITTOURISTISCHEN ANGEBOTS Abbildung 8 Einflussfaktoren des reittouristischen Angebots Betrieb: Unternehmerische Aktivitäten Innovations- und Leistungsbereitschaft, Arbeitskräfte und Staatliche Einflüsse: Gesellschaftliche Kapital Einflüsse: Gesetzgebung ,politische Rahmenbedingungen Kultur, Werte und Traditionen Förderungspolitik Arbeits-und Reittouristisches Angebot: Freizeitverhalten Unterkunft für Gäste u. Pferde, Verpflegung, Serviceleistungen, Angebot bereitbarer Wege Nachfrager: Umweltfaktoren: Nachfragevolumen Klima Motive geographische Lage Anforderungen Landschaft Zugänglichkeit Wirtschaft: Gesamtwirtschaftliche Situation Ressourcen Arbeitsplätze Preisstrukturen ( Quelle : Franke; Gonsior, Trendstedt 2009 ) 43
  • 44. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext 4.5. PFERDESPORT UND REITTOURISMUS IN DEUTSCHLAND Pferdesport und Reittourismus gehören zu den größten Freizeitmärkten in Deutschland und sind ein Wachstumsmarkt mit Zukunft. Zwei bis drei Millionen Reiter und über eine Million Pferde in Deutschland mit einem jährlichen Wachstum von 5 % erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von fünf bis sieben Milliarden Euro. Dazu kommt der große Markt der Pferdeinteressierten: Nach der Marktanalyse der Deutschen Reiterlichen Vereinigung sind rund 11 Millionen Deutsche am Thema Pferd und Pferdesport interessiert.49 Im Pferdesport und in der Pferdezucht hat Deutschland seit langem eine herausragende Bedeutung: Deutschland ist Standort internationaler Turniere und Wettbewerbe rund ums Pferd. Jährlich finden zwischen 3000 und 4000 Turnierveranstaltungen mit 60 000 bis 90 000 Prüfungen/ Wettbewerben und knapp 2 Mio. Startern statt. Für die deutschen Pferdezüchtungen kommen Käufer aus der ganzen Welt.50 Deutschland bietet eine Vielzahl an reittouristischen Angeboten für unterschiedliche Zielgruppen vom Reitferienkind, anspruchsvollem Reiturlauber bis zum Eventbesucher. In vielen Regionen Deutschlands wurden und werden Projekte rund ums Pferd initiiert, um sich auf dem reittouristischen Markt zu positionieren und die wirtschaftlichen Potenziale von Pferdesport und -tourismus zu nutzen.51 Der Reittourismus-Markt entwickelt sich dynamisch: Die Nachfrage wächst, aber auch die Qualität der Angebote im In- und Ausland und damit der Wettbewerb um den Kunden nimmt zu. In Deutschland gibt es rund eine Million Pferde und Ponys. Der Pferdebestand hat sich in den letzten Jahren 35 Jahren mehr als verdreifacht. Die Zahl der Reiter wird auf zwei bis drei Millionen Reiter geschätzt. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) ist mit 760 000 Mitgliedern die weltweit größte Pferdesport-Vereinigung. 49 www.smul.sachsen.de/lfulg - Zugriff am 20.06.2010 50 www.fnverlag.de/misc/filePush.php?id=2938name...2008 - Zugriff am 20.06.2010 51 www.smul.sachsen.de/lfulg - Zugriff am 20.06.2010 44
  • 45. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext 4.6. WIRTSCHAFTSFAKTOR PFERD Nach vorsichtigen Schätzungen der FN liegt der Gesamtumsatz rund um den Pferdesport bei weit über fünf Milliarden Euro. Es ergeben sich bei einer Anzahl von über 1 Mio. Pferde ca. 300 000 Arbeitsplätze in Deutschland. Laut dem FN- Jahresbericht 2009 liegt der Pferdebestand bei 1.100.087.52 In den letzten Jahren sind zahlreiche Projekte und Angebote auf den deutschen Reittourismus-Markt gekommen. Auch auf Länderebene wurde das Potenzial des Reittourismus erkannt und in vielen Ländern entsprechende Initiativen ins Leben gerufen (Sachsen mit Pferd, Reiterland Hessen, Pferdeland Schleswig-Holstein). Der Wettbewerb um den Reitgast wird härter. Zwar sind die Reittouristen eine wachsende Zielgruppe und auch im Ausland liegen noch ungenutzte Potenziale, aber die steigende Anzahl an reittouristischen Produkten, die stärkere Bewerbung der Zielgruppen und steigende Ansprüche bei den Kunden erfordern klare Marktstrategien und „konzertierte Aktionen“. Zahlen rund um den Pferdesport53: 1.600.000 Menschen in Deutschland sind Pferdesportler 1. Mio. Pferde gibt es in Deutschland 300.000 Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt mit und um das Pferd 3000 Firmen existieren Rund um den Pferdesport. 4.7. REITTOURISMUS IN RUMÄNIEN Rumänien besitzt ein sehr hohes touristisches Potential. Dies wird allerdings nicht in dem Maße ausgeschöpft ( nur 2 % vom BIP ), wie es für eine positive wirtschaftliche Entwicklung unabdingbar wäre. Die Ausgaben für Freizeitaktivitäten belaufen sich in Rumänien bei 3,7% im Vergleich zu Deutschland 6,73 %.54 52 www.fnverlag.de/misc/filePush.php?id=3370&name=Jahresbericht_2009 - Zugriff am 20.06.2010 53 Vgl. Arnold 2010: S.160 54 Vgl. Sallanz 2005: S.129 45
  • 46. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext Obwohl Rumänien zahlreiche Urlaubsangebote besitzt, entsprechen nicht alle dem europäischen Standardniveau. Verschiedene rumänische Urlaubangebote: Aktivurlaub Badeurlaub Donaukreuzfahrt Jagen & Fischen Offroad Radtouren Reiten Rundreisen Urlaub auf dem Bauernhof Wandern & Trekking Wellness In Rumänien gehört das Pferd noch zum Alltag der Menschen. Neben Arbeitstieren gibt es natürlich auch Sport- und Reitpferde. Das bekannteste Gestüt in Rumänien ist das Lipizzaner-Gestüt in Sambata de Jos bei dem Fagaras-Gebirge. Es gibt 40 Gestüte in Rumänien, aber nicht alle bieten auch Ferienangebote für Reiter und Pferdefreunde an. Das rumänische Reitangebot enthält: Westernreiten, Abenteuerreiten und Winterreiten sowie Urlaub auf dem Reiterhof. Die weite Landschaft ist ideal für Ausritte in der Natur. Zahlreiche National- und Naturparks sowie Biosphärenreservate bieten ideale Möglichkeiten für Wanderer, Kletterer oder Familienurlaub mit Kindern. Der Ursprung und die Entwicklung des Reittourismus erfolge in den Nähe der bekanntesten Gestüte Sâmbata, Mangalia, Beclean, Izvin, Tulucesti und Lucina. Laut dem FAO 2008 gibt es in Rumänien Pferde 862.93655. Der Pferdebestand ist in den letzten Jahren 30 Jahren mit einigen Ausnahmen, gestiegen. Die Zahl der Reiter wird auf 1,5 Millionen geschätzt, im Vergleich zu Deutschland, wo es doppelt so viel ist. 55 http://faostat.fao.org/site/573/DesktopDefault.aspx?PageID=573#ancor - Zugriff am 20.06.2010 46
  • 47. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext Weil in Rumänien das Pferd noch nicht als Wirtschaftsfaktor wahrgenommen wird, können Aktivitäten und Projekte zur Entwicklung und Förderung des Reittourismus nicht initiiert werden. Auch der Markt der Pferdeinteressierten ist viel kleiner als in Deutschland. Um auf dem reittouristischen Markt erfolgreich zu sein, müssen Anbieter und Vermittler die reittouristischen Zielgruppen und ihre Ansprüche kennen. Das reittouristische Angebot in Rumänien ist noch unterentwickelt, aber trotzdem im Wachstum. Bezüglich der Preise bezahlt zum Beispiel eine Person bei der Beclean Gestüte pro Nacht zwischen 20 und 25 Euro. Im Jahr 2009 waren 20% - 30% der Gäste Ausländer und der Geschäftsumsatz des Jahres 2009 war 400.000 EURO.56 Im Vergleich dazu, wird bei einer Reitpension in Deutschland pro Nacht für eine Person mindestens 30 Euro bezahlt. Im Deutschland dagegen ist das reittouristische Angebot vielfältig und reicht von exklusiv ausgestatteten Reithotels bis zu einfachen Wanderreitstationen. Der Gast hat eine große Auswahl an attraktiven Reisezielen und Urlaubsangeboten. 4.8. ZUSAMMENFASSUNG Die Chancen und Potenziale im Reittourismus in Rumänien sind beachtlich: Von der wachsenden reittouristischen Nachfrage können viele Leistungsträger und Wirtschaftsbereiche profitieren. Aber der Markt entwickelt sich dynamisch und ist neben den wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen durch wachsende Konkurrenz und Qualitätsansprüche gekennzeichnet. Bei zunehmender Verknappung von Zeit und Geld legen die Kunden großen Wert auf einen einzigartigen Urlaub ohne Mängel. Gefragt sind unter anderem die richtige Mischung aus Aktivurlaub und Entspannung sowie authentische Erlebnisse. Um Rumäniens Marktposition im Reittourismus auszubauen und zu festigen, ist vor allem der Aufbau entsprechender Vermarktungsstrukturen und einer zentralen 56 Aus dem Gespräch mit Traian Lapuste, Leiter der Gestüte Beclean 47
  • 48. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext Informationsstelle für Reitgäste aus dem In- und Ausland erforderlich. Das Potenzial des Reittourismus in Rumänien muss erkannt werden, um entsprechende Initiativen ins Leben zu rufen. Nach einer vergleichenden Potentialanalyse des Reittourismus in Deutschland und Rumänien, hat man festgestellt, dass trotz des hohen Entwicklungspotentials, Rumänien noch viel hinter Deutschland zurückliegt. Mit dem Pferd als Wirtschaftsfaktor nachhaltiger Regionalentwicklung, können Aktivitäten und Projekte zur Entwicklung und Förderung des Reittourismus in Rumänien initiiert werden. Weil es notwendig ist, Rumäniens Potential im Bereich des Reittourismus zu nutzen, wird man in den nächsten Kapitel versuchen, die Richtlinien für die Eröffnung einer Reitpension in einer Region mit touristischem Potential, zu beschreiben. Die Eröffnung einer Reitpension in Rumänien, würde nicht nur den Tourismus fördern sondern nachhaltig auch die Regionalentwicklung. 48
  • 49. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext KAPITEL 5: ENTWICKLUNGSLINIEN FÜR DIE ERÖFFNUNG EINER REITPENSION IN RUMÄNIEN Dieser Teil der Arbeit hat als Ziel die Erarbeitung einer Durchführbarkeitsstudie für die Investition in einer Reitpension. Als Forschungsthema wurde die Entwicklung des Reittourismus in der Gemeinde Gilău gewählt und zwar die Eröffnung einer Reitpension. 5.1 ERSTELLUNG EINER DURCHFÜHRBARKEITSSTUDIE Die Durchführbarkeitsstudie für die Finanzierungsmöglichkeit 313 „Förderung der touristischen Aktivitäten im Bereich Erholung/Vergnügung“ wird alle Teile enthalten, welche für den Aufbau einer Reitpension gebraucht werden. Die Ergebnisse werden vorgestellt, um zu beweisen, ob sich das Projekt lohnt oder nicht. Die zukünftige Reitpension muss so erstellt werden, dass sie den Kunden vielfache Möglichkeiten zur Erholung, Vergnügung, Reittherapie aber auch zum Trainieren gibt. Die Menschen die von Pferden fasziniert sind und den Mut haben auch das Reiten zu lernen sind bei der Reitpension willkommen, da man für Anfänger ganz viel Geduld zeigt und schrittweise vorgeht. Die Reitpension ist auch ein Platz für fortgeschrittene Reiter die zusammen mit Pferden die Natur genießen wollen und das Wanderreiten bevorzugen. Für diese Art von Gästen bietet die Reitpension verschiedene Reittouren an. Das Reittherapiezentrum bietet heilpädagogisches Reiten und Reiten für Behinderte an. Für die Zukunft plant man auch Sommerreitschulen für Kinder. Für die Erstellung einer vollständigen und richtigen Durchführbarkeitsstudie wird das Model der Finanzierungsmöglichkeit 313 aus dem Europäischen Fonds für die Entwicklung des räumlichen Landes benutzt. Für diese Studie wurde die Finanzierungsmöglichkeit 313 gewählt, weil das zukünftige Implementierungsprojekt alle Bedingungen der Finanzierungsmöglichkeit 313 erfüllt. Es wird in 49
  • 50. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext Vergnügungstätigkeiten wie: Wanderreiten, einschließlich die Erstanschaffung von Pferden mit touristischem Zwecke (außer der Rennpferde), Unterkunft für die Tiere und Reitpensionen investiert.57 5.1.1. ALLGEMEINE DATEN DES ANTRAGSTELLERS Name des zukünftigen Unternehmens: SC „Equina” SRL - Reitpension und Heiltherapiezentrum“, mit Stammsitz in Gilău Gemeinde, im Kreis Klausenburg, Hauptstraße 14, Telefonnummer: 0264-223567.Die steuerlichen Identifizierungsdaten sind: Steuernummer : R 16277060 Registrierungsnummer : J12-1350 Das Unternehmen SC „Equina” SRL wurde im Jahr 2010 gegründet und hat die CAEN Nummer 9262 „Andere sportliche Aktivitäten“. Das Unternehmen hatte bis jetzt keine anderen Aktivitäten da es in 2010 gegründet wurde, aber durch diesen Finanzierungsantrag wird es für die Leitung und Verwaltung der Reitpension und des Heiltherapiezentrums „Equina” zuständig sein. Der Unternehmensführer besitzt durch eine Erbschaft ein Gelände in der Gilău Gemeinde von etwa 4000 m . Außerdem ist der Unternehmensführer Besitzer von vier Lipizzaner-Pferden. Tabelle 2 Die Vorstellung der besitzen Güter des Antragstellers. Nr. Gut Anzahl Wert in EURO 1. Gelände 4000 m 28.000 2. Lipizzaner 4 4.000 Summe 32.000 ( Quelle: Eigene Darstellung ) 57 http://www.fondurile-structurale.ro/cod-313-Incurajarea-activitatilor-turistice.htm - Zugriff am 20.06.2010 50
  • 51. Roxana Dârjan Die vergleichende Potentialanalyse des Reittourismus im internationalen Kontext 5.1.2. DIE BESCHREIBUNG DES PROJEKTES Das Ziel dieser Projektinvestition besteht in der Erstellung einer Reitpension und eines Heilzentrums in der Gilău Gemeinde und der Sicherung aller nötigen Elemente für den touristischen Betrieb. Mit Hilfe der erhaltenen Entwicklungsfonds will man eine Reitpension und ein Reittherapiezentrum bauen, dass alle möglichen Bedürfnisse der Kunden decken soll und für den Anstieg des touristischen Potentials in der Gegend sorgen wird. Für die Entwicklung der Investition ist folgendes notwendig: Bau einer Pension für maximaler Personenanzahl gleich 20 Restaurant mit traditioneller Küche Büro für das Heiltherapiezentrum Stall für die Unterkunft der Pferde Zwei abgegrenzte Oberflächen für die Reitstunden und die Reittherapie 6 Pferde und 2 Ponys Strom – Wasser - und Gaseinrichtungen Pferdeausrüstung für Reiten und Pflegen. Das Projekt liegt in der Gemeinde Gilău auf dem privaten Gelände des Unternehmensführers. Gilău ist eine Gemeinde im Kreis Cluj und befindet sich 15 km von der Stadt Klausenburg entfernt. Es hat einer Gesamtoberfläche von 116,82 km² und 8.384 Einwohner (2009). Das Projekt liegt am Fuße des Retezat – Gebirge in ländlicher Idylle. Daher kann man behaupten das Gilău für Tourismus geeignet ist. In Gilău gibt es 2 Schutzgebiete: der Tarnita See und als geologisches Naturdenkmal den Steinbruch „Corabia“. Die Infrastruktur zu der Gilău Gemeinde ist gut entwickelt, da die Stadt Klausenburg mit dem Auto, dem Bus, dem Zug oder dem Flugzeug erreichbar ist. Wegen der günstigen Lage ist die Anfahrt auch für diejenigen Kunden, die kein Auto besitzen nicht problematisch, da jede Stunde Buse von Klausenburg nach Gilău fahren. Obwohl es nicht zu weit von einer großen Stadt entfernt ist, liegt das Projekt in der Mitte der Natur, umgeben von Wald, Wiese, Gebirge und Wasser. 58 58 Vgl: Stieu 2005: S. 20 51