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Träume - Kafka
Alfred Döblin

 Es haben einige von Kafkas Romanen gesagt: sie hatten
 die Art von Träumen und man kann dem zustimmen. Aber
 was ist denn die Art der Träume ? Ihr ungezwungener, uns
 jederzeit ganz einleuchtender, transparenter Ablauf, unser
 Gefühl und Wissen um die tiefe Richtigkeit dieser
 ablaufenden Dinge, und das Gefühl daß diese Dinge uns
 sehr viel angehen.
Hans Hiebel

 Kafkas Poetik verschränkt aber Unbewußtes und
 Bewußtes mit Hilfe traumartiger Szenen dergestalt, daß
 die Anwesenheit des Unbewußten im Alltäglichen
 sichtbar wird. Daher sind die Erzählungen nicht
 Traumerzählungen, sondern Ineinanderbildungen von
 Traum und trügerischem Realitätsprinzip; Nacht und
 Tag schieben sich eineinander.
Hans Hiebel

 Es sei darauf hingewiesen, daß die sexuelle
 Blumensymbolik, die ja auch sonst sehr
 verbreitet ist, die menschlichen Sexualorgane
 durch die Blüten, die Sexualorgane der P anzen
 symbolisiert; das Blumenschenken unter
 Liebenden hat vielleicht überhaupt diese
 Unbewußte Bedeutung.
 Die Verwandten überhaupt spielen im Träume
 meistens die Rolle von Genitalien. [...]
Sigmund Freud I

 Das naive Urteil des Erwachten nimmt an, daß
 der Traum – wenn er schon nicht aus einer
 anderen Welt stammt – doch den Schläfer in
 eine andere Welt entrückt hatte.
 Der Traum ist knapp, armselig, lakonisch im
 Vergleich zu dem Umfang und zur
 Reichhaltigkeit der Traumgedanken. Der Traum
 füllt niedergeschrieben eine halbe Seite; die
 Analyse in der die Traumgedanken enthalten
 sind, bedarf das sechs-, acht-, zwölffache an
 Schriftraum.
Sigmund Freud II

 Höchst auffällig ist das Verhalten des Traumes
 gegen die Kategorie von Gegensatz und
 Widerspruch. [...] Gegensätze werden mit
 besonderer Vorliebe zu einer Einheit
 zusammengezogen oder in einem dargestellt.
 Der Traum nimmt sich ja auch die Freiheit, ein
 beliebiges Element durch seinen
 Wunschgegensatz darzustellen, so daß man
 zunächst von keinem eines Gegenteils fähigen
 Element weiß, ob es in dem Traumgedanken
 positiv oder negativ enthalten ist.
Sigmund Freud III

 Es sei darauf hingewiesen, daß die sexuelle
 Blumensymbolik, die ja auch sonst sehr
 verbreitet ist, die menschlichen Sexualorgane
 durch die Blüten, die Sexualorgane der P anzen
 symbolisiert; das Blumenschenken unter
 Liebenden hat vielleicht überhaupt diese
 Unbewußte Bedeutung.
 Die Verwandten überhaupt spielen im Träume
 meistens die Rolle von Genitalien. [...]

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  • 2. Alfred Döblin Es haben einige von Kafkas Romanen gesagt: sie hatten die Art von Träumen und man kann dem zustimmen. Aber was ist denn die Art der Träume ? Ihr ungezwungener, uns jederzeit ganz einleuchtender, transparenter Ablauf, unser Gefühl und Wissen um die tiefe Richtigkeit dieser ablaufenden Dinge, und das Gefühl daß diese Dinge uns sehr viel angehen.
  • 3. Hans Hiebel Kafkas Poetik verschränkt aber Unbewußtes und Bewußtes mit Hilfe traumartiger Szenen dergestalt, daß die Anwesenheit des Unbewußten im Alltäglichen sichtbar wird. Daher sind die Erzählungen nicht Traumerzählungen, sondern Ineinanderbildungen von Traum und trügerischem Realitätsprinzip; Nacht und Tag schieben sich eineinander.
  • 4. Hans Hiebel Es sei darauf hingewiesen, daß die sexuelle Blumensymbolik, die ja auch sonst sehr verbreitet ist, die menschlichen Sexualorgane durch die Blüten, die Sexualorgane der P anzen symbolisiert; das Blumenschenken unter Liebenden hat vielleicht überhaupt diese Unbewußte Bedeutung. Die Verwandten überhaupt spielen im Träume meistens die Rolle von Genitalien. [...]
  • 5. Sigmund Freud I Das naive Urteil des Erwachten nimmt an, daß der Traum – wenn er schon nicht aus einer anderen Welt stammt – doch den Schläfer in eine andere Welt entrückt hatte. Der Traum ist knapp, armselig, lakonisch im Vergleich zu dem Umfang und zur Reichhaltigkeit der Traumgedanken. Der Traum füllt niedergeschrieben eine halbe Seite; die Analyse in der die Traumgedanken enthalten sind, bedarf das sechs-, acht-, zwölffache an Schriftraum.
  • 6. Sigmund Freud II Höchst auffällig ist das Verhalten des Traumes gegen die Kategorie von Gegensatz und Widerspruch. [...] Gegensätze werden mit besonderer Vorliebe zu einer Einheit zusammengezogen oder in einem dargestellt. Der Traum nimmt sich ja auch die Freiheit, ein beliebiges Element durch seinen Wunschgegensatz darzustellen, so daß man zunächst von keinem eines Gegenteils fähigen Element weiß, ob es in dem Traumgedanken positiv oder negativ enthalten ist.
  • 7. Sigmund Freud III Es sei darauf hingewiesen, daß die sexuelle Blumensymbolik, die ja auch sonst sehr verbreitet ist, die menschlichen Sexualorgane durch die Blüten, die Sexualorgane der P anzen symbolisiert; das Blumenschenken unter Liebenden hat vielleicht überhaupt diese Unbewußte Bedeutung. Die Verwandten überhaupt spielen im Träume meistens die Rolle von Genitalien. [...]