Zum Wohl. Die Pfalz.
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Was die Alpenmit dem Pfälzer Wein verbindetD     ass die Pfalz einst bayrisch war, wissen viele. Dass indes der     Pfälze...
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Roter SandsteinAllgegenwärtig in Pfälzer Natur- undKulturdenkmälern: Roter SandsteinS   eien es die Felsentürme in der Süd...
Im Geschmack stechen die Weine dieser Stand-orte durch ihre prägnante Säure hervor. Zumcharakteristischen Aromenspektrum g...
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Auf der leicht erwärmbaren Erde reifen dieTrauben früh, die Weine geraten dicht, miteiner milden, abgerundeten Säure. Ries...
KalksteinDie Riffe des Rheingrabens sorgenfür üppigen Geschmack: KalkV    or 20 bis 25 Millionen Jahren schmeckt die    Pf...
deutet es an – stehen die Reben auf purem Kalk-steinboden. Die krümeligen, kreidigen Bödenbringen satte und schwere Weine ...
LössSegensreicher Sturmim Weinglas: LössS   teinig, öde und lebensfeindlich erstreckt sich    in den Kaltzeiten des Pleist...
In den Weinbergen standen bis vor wenigenJahren auf Löss bevorzugt Rotweinsorten,inzwischen wird hier auch Riesling angeba...
Weinaromen und ihretiefgründigen DifferenzierungenI  n vielen Dingen lässt sich über Geschmack streiten – doch dass   der ...
D     ie Fähigkeit des Menschen, Gerüche zu differenzieren, ist      enorm. Bis zu 1000 Aromastoffe können Menschen unters...
Goldberg und Gerümpel:Pfälzer Lagennamen und ihre BedeutungV    on wegen Schall und Rauch: Die Lagennamen auf vielen Pfäl-...
in Kallstadt die Bodenbeschaffenheit namensgebend. Südhängewerden gerne als „Sonnenberg“ bezeichnet, besonders fruchtbareB...
Wie der Pfälzerwalddem Pfälzer Wein nutztA  uch die Pfälzer haben ihren Föhn. Er ist zwar nur ein Hauch   des bekannten Al...
S   o passiert es häufig, dass sich am Haardtrand eine helle, trockene    Föhnstraße erstreckt, während es weiter westlich...
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  1. 1. Zum Wohl. Die Pfalz.
  2. 2. Von den Wurzelndes WeingeschmacksN  amen sind Nachrichten, heißt es im Journalismus – doch bei manchen Namen rätseln viele, was sich dahinter verbirgt.„Terroir“ ist so ein Wort. Viele haben es schon gehört, viele gebrau-chen es – und jeder versteht etwas anderes darunter. Klar ist: Mit demOrt, auf dem der Rebstock wurzelt, hat „Terroir“ zu tun, kommt dieBezeichnung doch vom lateinischen „terra“ für Erde oder Boden.Wer aber den Grund-Lagen des Pfälzer Weingeschmacks nachspürt,muss neben der Gesteinsart jede Menge anderer Standort-Faktorenins Kalkül ziehen. Das Klima im Großen und im Kleinen etwa, Hang-ausrichtung und -neigung, Wasserspeichervermögen und nicht zuletztdie Arbeit des Winzers.
  3. 3. D  ie Winzer im Burgund führten den Begriff „Terroir“ ein. Sie woll- ten die Eigenarten ihre über Jahrhunderte hinweg kultivierten,kleinteiligen Weinbergslagen hervorheben – und sich gegenüber dengroßflächigen Standard-Weinen aus den Tafelwein-Gebieten oder ausÜbersee abgrenzen. Die Herkunft als Qualitätsgarant und Marketing-Instrument liegt vielen Pfälzer Winzern ebenfalls am Herzen. Dennauch in der Pfalz wird seit Römerzeiten Weinbau betrieben unddie Vielfalt der Böden ist ein Grund für die Geschmacksvielfalt desPfälzer Weins. Riesling ist Riesling ist eben Unsinn.W  eil aber das frankophone Wörtchen oft überstrapaziert wird, spricht mancher Pfälzer Winzer lieber vom Weinberg statt vom„Terroir“. Und wir beschränken uns in diesem Führer bei unseremAusflug zu den Wurzeln des Weingeschmacks nicht nur auf denBoden, sondern erläutern auch andere Eigenarten der terra palatina.Das Mysterium Wein ist eben mehr als eine Standort-Frage.
  4. 4. Was die Alpenmit dem Pfälzer Wein verbindetD  ass die Pfalz einst bayrisch war, wissen viele. Dass indes der Pfälzer Wein seine geschmackliche Vielfalt den Alpen verdankt,wissen die wenigsten. Schon bei der Entstehung des Rheingrabenswaren die Alpen wesentlich beteiligt. Vereinfacht gesagt, entstand derRheingraben, weil die Alpen mit ihrem Gewicht auf den Erdman-tel drückten und ihn aufwölbten. Die Erdkruste dehnte sich, ihreSchollen brachen ein und bildeten einen Graben, der heute vonBasel bis Mainz reicht. Spuren der Initialzündung dieses Prozesses– der sich in mehren Phasen über viele Millionen Jahre hinzog –sind noch bei Forst zu entdecken. Dort stieg vor 53 MillionenJahren an den Rissen und Spalten der Erdkruste Magma auf
  5. 5. und hinterließ den Pechsteinkopf mit seinem erkalteten Basalt-gestein. Vier Millionen Jahre später begann sich der Rheingrabenzu senken, später drang das Meer in den Graben vor und sorgtefür kalkreiche Ablagerungen. Es folgte eine längere Ruhephase,das Meer verlandete allmählich. Vor etwa fünf Millionen Jahrenbegann der letzte Akt. Die Alpen stiegen zum Hochgebirge aufund wurden dabei um siebzig Kilometer nordwärts geschoben.Dadurch übten sie auf den Rheingraben eine Schubkraft aus,die weitere Verwerfungen nach sich zog. Am Grabenbruch wurdedas Unterste nach oben gekehrt. Und so freuen sich die Winzer amHaardtrand heute über eine erstaunliche Vielfalt an Gesteinen undBöden.
  6. 6. Roter SandsteinAllgegenwärtig in Pfälzer Natur- undKulturdenkmälern: Roter SandsteinS eien es die Felsentürme in der Südpfalz oder die kunstvollen Toreinfahrten derWinzerhäuser, seien es die Pfälzer Burgen oder sandstein seine rötliche Färbung. Dort, wo heißes Thermalwasser das Eisen herauslöst und das Gestein bleicht, entsteht die gelblicheKirchen wie der Speyerer Dom: Roter Sand- Variante. Das gleichzeitige Vorkommen vonstein ist allgegenwärtig in den Natur- und rotem und gelblichem Buntsandstein gehört zuKulturdenkmälern der Pfalz - und zugleich der den geologischen Besonderheiten der Pfalz. Fürsolide Untergrund, auf dem der Pfälzerwald die Winzer bieten die sonnenverwöhnten Lagenruht. Das Gestein ist vor 250 Millionen Jahren mit ihren zwar nährstoffarmen und trockenen,entstanden, als urzeitliche Flüsse in einer sonst aber die Wärme gut speichernden Sandstein-trockenen Wüstenlandschaft ihre Sedimente böden eine gute Grundlage für besondereablagerten. Eisenoxide verleihen dem Bunt- Spitzenweine. Die Trauben reifen hier früher.
  7. 7. Im Geschmack stechen die Weine dieser Stand-orte durch ihre prägnante Säure hervor. Zumcharakteristischen Aromenspektrum gehörenZitrone, Grapefruit und ein mineralischer Ton.Die meisten Buntsandsteinlagen finden sicham Haardtrand, wo der Pfälzerwald langsamin die Hügellandschaft ausläuft. Um an densteilen Hängen Weinbau zu betreiben, musstendie Menschen erst Terrassen anlegen. Weilsolche Rebflächen schwieriger zu bearbeiten Roter Sandsteinsind, wurden im Laufe der Zeit viele Parzellen Erdzeitalter: Buntsandsteinaufgegeben. Inzwischen werden manche wieder Entstehungsalter: ca. 250 – 235 Millionen Jahrekultiviert. Beschaffenheit: steinige Sandböden, sauer, geringes Nährstoffangebot, trocken, gute Erwärmbarkeit Lagen: Birkweiler Taschberg, St. Martiner Kirchberg Fläche in der Pfalz: 550 ha = 5,5 km²
  8. 8. Rheinkies | RheinsandWie Vater Rhein dem Wein hilft:Rheinkies und -sandW er heute durch Weisenheim am Sand schlendert, fühlt sich meist sicher inseiner Haut. Ganz anders sieht die Situation schwemmen der Ur-Rhein und andere Flüsse Sand und Kies in den Rheingraben. Auch später, in den Kaltzeiten des Pleistozäns, lagertvor einigen hunderttausend Jahren aus. der Fluss immer wieder Sand- und Kiesschich-In der Altsteinzeit gibt es weder Riesling noch ten ab und Stürme wehen den Sand zu DünenPortugieser, aber es gibt den Säbelzahntiger, zusammen. Ortsnamen wie Weisenheim ameine mächtige Raubkatze mit Furcht erregen- Sand weisen darauf hin, dass Sand- und Kies-den Eckzähnen und 300 Kilo Kampfgewicht. böden in der Pfalz weit verbreitet sind. AuchDie ersten Säbelzahntiger tauchen in der Pfalz bei Neustadt, rund um Bad Dürkheim undbereits vor 10 Millionen Jahren im tropischen unterhalb von Deidesheim sind die BödenTertiär auf. In dieser erdgeschichtlichen Epoche von Sand und Kies durchsetzt.
  9. 9. Auf der leicht erwärmbaren Erde reifen dieTrauben früh, die Weine geraten dicht, miteiner milden, abgerundeten Säure. Rieslingeaus Deidesheimer Lagen wie etwa dem Herr-gottsacker oder Kieselberg mit ihren leichtenSandböden sind üppig und verbreiten amGaumen ein geschmeidiges Mundgefühl.Bei den Rieslingen stehen Aromen von grünemApfel, Grapefruit und blumigem Duft imVordergrund. Sie sind ein hervorragender Sand | KiesBegleiter für den Pfälzer Spargel. Erdzeitalter: Tertiär und Quartär Entstehungsalter: ca. 5 Mio. Jahre bis 12.000 Jahre Beschaffenheit: teils kiesige Sandböden und sandige Lehmböden, sauer bis neutral, geringes bis ausreichendes Nährstoffangebot, geringe bis ausreichende Wasserversorgung, mittlere Erwärmbarkeit Lagen: Deidesheimer Grainhübel, Hohen- morgen, Kalkofen, Kisselberg, Mußbacher Johannitergraben Fläche in der Pfalz: 5.200 ha = 52 km²
  10. 10. KalksteinDie Riffe des Rheingrabens sorgenfür üppigen Geschmack: KalkV  or 20 bis 25 Millionen Jahren schmeckt die Pfalz weder nach Wein noch nach Kasta-nien. In der Luft liegt stattdessen ein mariti- schließlich so hoch werden, dass sie die seichten Meeresbereiche vom tieferen Meer des Rhein- grabens abschneiden. Lagunen bilden sich, inmer Salzgeruch. Nachdem im Miozän von denen das Meerwasser allmählich verdampft.Süden ein tropisches Meer in den Rheingraben Zurück bleibt Kalkschlamm, der sich wie dievorgedrungen ist, setzen sich Algen auf dem Riffkalke zu Kalkstein verfestigt. So bröseligMeeresboden fest und bilden dort ausgedehnte und spröde dieses natürliche Sediment auchKolonien. Sie siedeln sich bevorzugt an der anmutet, für den Wein bewirkt Kalk erfreuli-seichten Kante des Rheingrabenbruchs an und cherweise genau das Gegenteil: Seine warmenbilden dort mächtige, weiße Riffe. Unaufhör- basenreichen Böden verleihen den Aromenlich wachsen so die Pfälzer Kalkriffe, bis sie weiche Noten. In Kallstadt etwa – der Name
  11. 11. deutet es an – stehen die Reben auf purem Kalk-steinboden. Die krümeligen, kreidigen Bödenbringen satte und schwere Weine hervor, diemit herrlich seidigen, üppigen Geschmacks-nuancen von Mango, Pfirsich, Honigmeloneund Karamell überzeugen. Weitere PfälzerWeinlagen mit kalkreichem Untergrund sindder Schweigener Sonnenberg, die Kleine Kalmitbei Ilbesheim, die Heiligenkirche in Bocken-heim oder der Königsbacher Idig. Kalkstein Erdzeitalter: Miozän Entstehungsalter: ca. 30 – 25 Millionen Jahre Beschaffenheit: steinige, teils tonige Lehmböden, sehr kalkreich, hohes Nährstoff- angebot, ausreichende Wasser- versorgung, gute Erwärmbarkeit Lagen: Godramsteiner Münzberg, Königsbacher Idig, Bockenheimer Heiligenkirche Fläche in der Pfalz: 650 ha = 6,5 km²
  12. 12. LössSegensreicher Sturmim Weinglas: LössS teinig, öde und lebensfeindlich erstreckt sich in den Kaltzeiten des Pleistozän die Tundraüber weite Teile von Mitteleuropa. Auch in der als Segen. In der Zwischenzeit hat sich auf dem bis zu 15 Meter dicken Löss eine Pflanzen- decke gebildet. Sie sorgt dafür, dass der BodenPfalz herrscht kein Wohlfühl-Klima. Eisige nicht weiter fortgeweht wird. Löss bildet einenStürme blasen riesige Staubwolken über Hun- idealen Ackergrund. Laien können ihn daranderte von Kilometern durch die Landschaft. erkennen, dass sich Hohlwege und steile Bö-Kein Wunder, dass die Jäger und Sammler der schungen in die Weinberge eingegraben haben.Eiszeit das Weite suchen und aus den Flussregi- Die fetten, fruchtbaren Krumen können vielonen fortziehen. Viele Jahrtausende später, als Wasser speichern und liefern hervorragendeder kalkreiche Gesteinsstaub längst zu Boden Erträge, der einst so lästige Staub des Löss istgesunken ist, erweisen sich die Staubstürme heute ein Segen für die Landwirtschaft.
  13. 13. In den Weinbergen standen bis vor wenigenJahren auf Löss bevorzugt Rotweinsorten,inzwischen wird hier auch Riesling angebaut.Der Kalkanteil sorgt dafür, dass die Säure gutabgepuffert wird. Weine, die auf Löss wachsen,sind kraftvoll angelegt, alle Aromen kommengut zum Tragen. Die nährstoffreichen Bödenbringen nachhaltige, füllige Weine hervor, diesich gut als Speisebegleiter eignen. Auch derRiesling gerät hier vollmundiger und harmo- Lössnischer in der Säure als anderswo. Erdzeitalter: Pleistozän Entstehungsalter: ca. 300.000 – 15.000 Jahre Beschaffenheit: leichte Schluff- und Lehmböden, kalkreich, hohes Nährstoffange- bot, sehr gute Wasserversorgung, mittlere Erwärmbarkeit Lagen: Ruppertsberger Reiterpfad, Gimmeldinger Mandelgarten, Kirrweiler Mandelberg Fläche in der Pfalz: 14.700 ha = 147 km²
  14. 14. Weinaromen und ihretiefgründigen DifferenzierungenI n vielen Dingen lässt sich über Geschmack streiten – doch dass der Stein den Wein entscheidend prägt, ist wissenschaftlichbelegt. Eine Neustadter Forschergruppe hat es am Beispiel des Ries-lings nachgewiesen. Ein auf Basalt gewachsener Riesling mundetnachweislich fruchtiger und aromenreicher als ein Riesling vomBuntsandstein – während letzterer mit einer mineralischeren Säureglänzt. Gleichzeitig weisen Weine, die auf dem gleichen Ausgangs-gestein, aber in weit entfernt liegenden Regionen wurzeln, erstaun-liche Parallelen auf. In anderen Worten: Der Boden, aus dem diePflanze Wasser, Nährstoffe und indirekt auch Luft und Wärmebezieht, prägt die Aromen des Weins stärker als manch andererStandort-Faktor.
  15. 15. D ie Fähigkeit des Menschen, Gerüche zu differenzieren, ist enorm. Bis zu 1000 Aromastoffe können Menschen unterschei-den, erfahrene Parfümeure sogar bis zu 4000. Die intensiv geschul-ten Tester, die für die Neustadter Wissenschaftler arbeiten, müssenbei der so genannten „Deskriptiven Analyse“ gut zwei Dutzendverschiedene Geruchs- und Geschmacksattribute erkennen und ihreIntensität auf einer Punkteskala bewerten. Ihre Ergebnisse sind er-staunlich: Beweisen sie doch, dass ein rheinhessischer Riesling ausdem Flonborner Feuerberg und ein Pfälzer Riesling von der KleinenKalmit bei Ilbesheim bis auf Nuancen gleich riechen, vorausgesetzt,sie werden im Keller gleich ausgebaut. Dabei liegen die Wachstums-Orte 60 Kilometer weit auseinander in zwei verschiedenen Anbauge-bieten. Einzige Gemeinsamkeit ist die Gesteinformation, auf der siegewachsen sind: der Kalkstein.
  16. 16. Goldberg und Gerümpel:Pfälzer Lagennamen und ihre BedeutungV  on wegen Schall und Rauch: Die Lagennamen auf vielen Pfäl- zer Weinflaschen, sind nichts Flüchtig-Beliebiges, sondern bild-hafte Fingerzeige. Dahinter verbergen sich interessante Geschichtenüber die Größe, Besitzverhältnisse oder den Boden. Beim „Fuchs-loch“ in Hochdorf-Assenheim oder den „Eschbacher Hasen“ ist klar,dass sich hier gewisse Tiere wohl fühlten. Daneben inspirierenauch Pflanzen die Namensgebung, etwa beim „Kastaniengarten“in Edenkoben, der „Mandelhöhe“ in Maikammer, dem „Kastani-enbusch“ in Birkweiler oder dem „Kirschgarten“ in Erpolzheim. Inanderen Fällen sind Topographie, Klima oder wie beim „Schäwer“in Burrweiler (mundartlich von Schiefer) und dem „Kreidkeller“
  17. 17. in Kallstadt die Bodenbeschaffenheit namensgebend. Südhängewerden gerne als „Sonnenberg“ bezeichnet, besonders fruchtbareBöden als „Goldberg“. Häufig wurden die Weinberge nach den Ei-gentümern benannt. So waren der „Mönchspfad“ in Siebeldingen,das „Kirchenstück“ in Forst oder der „Pfaffengrund“ in Diedesfeldfrüher in geistlichem Besitz. Der Name Wachenheimer „Gerümpel“dagegen geht – wie der des Forster Ungeheuers – vermutlich aufden Familiennamen des ehemaligen Besitzer Grympel von Bechtols-heim zurück, könnte aber ebenso eine Anspielung auf die krümeligeBodenbeschaffenheit sein. Manchmal aber versagt die Deutung.Denn wer will heute noch klären, ob der frühere Weinbergsbesitzerdes Ellerstädter „Dickkopp“ wirklich ein sturer Typ gewesen ist?Überliefert ist lediglich, dass er Hermichin Kopp hieß.
  18. 18. Wie der Pfälzerwalddem Pfälzer Wein nutztA uch die Pfälzer haben ihren Föhn. Er ist zwar nur ein Hauch des bekannten Alpenphänomens, dafür aber dem Weinbauäußerst zuträglich – und dem Pfälzerwald zu verdanken. Denn derMittelgebirgskamm des größten zusammenhängenden deutschenWaldgebietes fungiert wie ein Regenfänger. Beim Aufsteigen überden Mittelgebirgshöhen kühlen die feuchten Luftmassen ab. Da dieLuft nach oben hin nicht nur kühler, sondern auch dünner wird,kann sie weniger Wasserdampf speichern. Sie muss Wasser abge-ben, also regnet es über dem Pfälzerwald. Beim Absinken über demRheingrabenbruch erwärmt sich die trockene Luft wieder und kannmehr Wasser speichern.
  19. 19. S o passiert es häufig, dass sich am Haardtrand eine helle, trockene Föhnstraße erstreckt, während es weiter westlich in Strömen gießt.Damit trägt der Pfälzerwald dazu bei, dass die Pfalz mit bis zu2000 Stunden Sonnenschein pro Jahr eine der wärmsten undtrockensten Regionen Deutschlands ist, kurzum, ein Klima herrscht,das dem Wein zugute kommt.D aneben hat aber jeder Weinberg sein eigenes, morphologisch be- dingtes Kleinklima. Es wird zum Beispiel von der Hangneigungund Himmelsrichtung beeinflusst oder der Nähe eines Taleinschnittesdes Pfälzerwalds. So variieren etwa die Intensität der Sonnenein-strahlung, die Häufigkeit von Frost und die lokalen Windverhältnisse.Dieses Kleinklima ist für die Entwicklung der Trauben und die Wein-stilistik oft entscheidender als die Großwetterlage.
  20. 20. Sie möchten mehr wissenImpressum über Stein und Wein in der Pfalz?Herausgeber: Pfalzwein e.V. In Kürze erscheint bei ein informativerMartin-Luther-Straße 69 Bildband zum Thema, herausgegeben von der67433 Neustadt an der Weinstraße Pfalzwein e. V. Das großformatige, fadengehef-Telefon: 0 63 21. 91 23-28 tete Hardcover-Buch mit geprägtem Titel undFax: 0 63 21. 1 28 81 Lesebändchen enthält auf etwa 100 Seiten vieleinfo@zum-wohl-die-pfalz.de interessante Informationen über die wichtigstenwww.pfalzwein.de · www.pfalz.de Pfälzer Böden, Lagennamen, Klima, SensorikTexte: Bettina Winterfeld und vieles mehr. Bestellungen: Pfalzwein, Verlag und Buchhandel: ISBN 978-3-89857-250-7Fotos: ad lumina / Robert Dieth / Helmut Duden-höffer / Faber & Partner / fotolia / Ohliger-Thomas /Pfalz.Marketing / Plöger Medien / Inge WeberKarten und Beratung:Dr. Ernst-Dieter Spies, LGB Rheinland-PfalzProf. Ulrich Fischer, DLR RheinpfalzGesamtherstellung: Plöger Medien GmbHAltes Schulhaus Gräfenhausen · 76855 AnnweilerTelefon: 0 63 46. 96 33 0 · www.ploeger-medien.deGefördert durch:

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