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Dr. Holger Bengs

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638
      ÍChemiewirtschaftU

               Reifende Biotechindustrie

               Holger Bengs


               Steigender Umsatz, wachsende Unternehmenszahlen, wieder Gründungen, frisches Eigenkapital, mehr
               Mitarbeiter: Die Biotechbranche wuchs im Jahr 2010 und hat dennoch ein Problem.



               G  Nach der Durststrecke aufgrund             Biotechwertschöpfung                         gut bio- und gentechnische Metho-
               der Finanzkrise vom Jahr 2008 ist             in Anwenderbranchen                          den. 17 000 Arbeitsplätze und damit
               die Stimmung der Biotechindustrie                                                          mehr als in den über 500 Biotech-
               nun wieder auf Vorkrisenniveau1)              G  Die Biotechnologie hat als inno-          unternehmen zählen hier zur Bio-
               und wichtige Kennzahlen steigen               vative Basistechnologie ihre Da-             technik.
               (Tabelle).2,3)                                seinsberechtigung. Die Wertschöp-
                  Mit 422 Mio. Euro erreichte die            fung allerdings findet häufig in den
               Einwerbung von Eigenkapital wie-              Anwenderindustrien statt (siehe              Kooperieren mit dem Mittelstand
               der einen guten Wert, bestehend               Kasten). Das hilft der Branche nicht         G   Energieriesen und Autohersteller
               aus 279 Mio. Euro Venture Capital             in ihrer Sichtbarkeit, ist aber volks-       sind auf den Kongressen zur indus-
               und 143 Mio. Euro aus Kapital-                wirtschaftlich in Ordnung. Denn die          triellen Biotechnologie bereits unter
               erhöhungen an der Börse.2)                    langen Konjunkturwellen dauern               den Vortragenden. Nachwachsende
                  Die Unternehmenszahl stieg um              mindestens 40, eher 60 Jahre, und            Rohstoffe und Biotechnik bieten in-
               7 auf 538 Unternehmen, der Um-                die Biotechnik könnte einen solchen          zwischen Alternativen im Fahrzeug-
               satz um 8,7 % auf 2,37 Mrd. Euro.3)           Kondratieff-Zyklus lostreten.5) Die          bau, wie der Cluster industrielle Bio-
               Verteilt auf die 15 480 Mitarbeiter           dazu notwendigen Innovationen                technologie in Stuttgart beweist.
               der Biotechbranche ergaben sich               nehmen zwar häufig in flexiblen                  Cluster sind ohnehin im Kom-
               153 000 Euro Umsatz pro Mitarbei-             Schnellbooten, den jungen Biotech-           men: Nachdem sich die Finanz-
               ter. Das ist noch ausbaufähig und             unternehmen, ihren Anfang, setzen            industrie in der letzten Dekade bei
               nicht das, was man von einer reifen           sich aber erst in den scheinbar trä-         weitem als nicht so produktiv für die
               Branche erwarten kann. In der che-            gen Dampfern der Großindustrie               Biotechbranche herausgestellt hat,
               mischen Industrie brachte es ein              durch: Produktion, Markteinfüh-              wie erwartet, sind einige Unterneh-
               Mitarbeiter im Jahr 2010 durch-               rung und Vertrieb sind am Ende               mer kreativ geworden. So stehen die
               schnittlich auf 413 000 Euro.4)               wichtige Ergänzungen für den Er-             oft in Clustern initiierten Koope-
                  Geduld und Ausdauer sind ange-             folg.                                        rationen hoch im Kurs [Nachr.
               sagt: In Deutschland ist die kommer-             Die vom Bundesministerium für             Chem. 2011, 59, 538]. Darunter ist
               zielle Verwertung biotechnischer La-          Bildung und Forschung (BMBF)                 inzwischen auch der Pharmamittel-
               borergebnisse nur 20 Jahre alt und            jährlich unter biotechnologie.de ver-        stand: Das Pharmaunternehmen
               die Hälfte der deutschen Biotech-             öffentlichte Statistik3) bestätigt: In-      Engelhardt Arzneimittel aus Nieder-
               unternehmen hat maximal zehn                  zwischen nutzen 125 Großunter-               dorffelden bei Frankfurt kooperiert
               Mitarbeiter.                                  nehmen aus den Branchen Chemie,              mit dem Marburger Biotech-Start-up
                                                             Pharma, Nahrungsmittel und Saat-             Sterna Biologics bei DNAzymen. Das
                                                                                                          sind neuartige Arzneiwirkstoffe ge-
                                                                                                          gen entzündliche Erkrankungen wie
          Kennzahl                                  Jahr 2009        Jahr 2010     Änderung [%]           Formen von Asthma, Dermatitis und
                                                                                                          Arthritis. Bei einem Blasenmedi-
          Anzahl Biotechunternehmen                      531             538             + 1,3
          Anzahl Mitarbeiter                           14950           15840             + 3,5            kament kooperiert in Dresden das
          Umsatz [Mrd. Euro]                             2,19            2,37            + 8,7            pharmazeutische        Unternehmen
          F+E-Aufwendungen [Mrd. Euro]                   1,05            1,02            – 2,9            Apogepha nicht nur mit dem Bio-
          genutzte Fördermittel [Mio. Euro]                51              45           – 11,8            techunternehmen Urotec, sondern
          Kennzahlen der Biotechindustrie der Jahre 2009 und 2010.                                        beteiligt sich auch daran.


                                                                                 Nachrichten aus der Chemie | 59 | Juni 2011 | www.gdch.de/nachrichten
Chemiewirtschaft ÍBlickpunktU   639

    Mittelständische Chemieunter-              bundesweite Einheitlichkeit für
nehmen zögern noch, doch mancher               mehr internationale Sichtbarkeit
                                                                                               Kurz notiert
Ausgangs- oder Zusatzstoff für                 wünschenswert. Hier könnte, drit-
Farb-, Kleb- und Kunststoffe wird              tens, eine allseits anerkannte natio-           Reichere Länder verursachen mehr
zukünftig wohl der Biotechnik ent-             nale Leitfigur helfen. Die vielen Bio-          Kohlendioxid in ärmeren Ländern
springen und so mancher Produkt-               tech-Fürstentümer – also zu viele
lebenszyklus wird sich durch Inno-             Verbände für die gleiche gute Sache             G  Industrieländer bewirken in anderen
vationen aus Enzymen und Mikro-                – nutzen da wenig.                              Ländern fünf mal größere CO2-Emissionen
ben verlängern. Waschmittelenzyme                  Wer global zu den Trendsettern              als sie in ihren eigenen Grenzen sparen.
sind dafür der beste Beweis.                   gehören will, darf sich nicht im                Während in Industrieländern der CO2-Aus-
    Doch auch das Fachwissen der               Kleinklein der Verbände, Bundeslän-             stoß seit dem Jahr 1990 immer weniger
Mittelständler könnte schon bald im            der und Bioregionen verlieren.                  stark stieg, nahm er weltweit um 39 % zu.
Kurs steigen. Deutsche Biotech-                Deutschland hat beste Chancen auf               Dies fand ein internationales Wissenschaft-
unternehmen verantworten bereits               neue Produkte. Noch sind China                  lerteam heraus, zu dem Jan Christoph Minx
344 vorklinische und klinische Pro-            und Indien reine Absatzmärkte, aber             gehört. Der Ökonom des Klimawandels der
gramme.2) Wenn die Industrie weiter            wie lange noch? Da könnte es hilf-              Technischen Universität Berlin erklärt: „Wer
reift, benötigt sie bald umfassend             reich sein, wenn der Biotech-Föde-              ein Radio oder eine Hose in Deutschland
Expertenwissen in der Arzneimittel-            ralismus ad acta gelegt würde. „Die             kauft, verursacht CO2-Emissionen im Her-
herstellung oder beim Abfüllen von             Weichen stellen“, meint der Report              stellungsland, etwa in China oder Bangla-
Biopharmazeutika wie monoklona-                von Ernst & Young, könnte sonst am              desch.“
len Antikörpern in neuartigen Ap-              Ende „am Scheideweg stehen“ be-                 www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/
plikationsformen. Die richtige Ver-            deuten.                                         pnas.1006388108
packung und Logistik dürfte
schließlich auch eine Frage für in             Holger Bengs ist promovierter Chemiker, Kauf-

Deutschland gut vertretene Diagnos-            mann und Geschäftsführer von BCNP Consul-       Evonik kauft Hanse Chemie
                                               tants, ehemals Dr. Holger Bengs Biotech Con-
tikneuheiten in Form von DNS-,                                                                 G   Evonik Industries erwirbt die Hanse-Che-
                                               sulting, in Frankfurt am Main.
Peptid- und Protein-Chips sein.                                bengs@bcnp-consultants.com      mie-Gruppe für Spezialanwendungen der Si-
                                                                                               likonchemie in Geesthaacht bei Hamburg.
                                               Quellen:                                        Zur Gruppe gehören Hanse Chemie (Sili-
So ginge es: Ein Land,                         1) BIO Deutschland, Pressemitteilung            konwerkstoffe) und Nanoresins (Nanomate-
eine Statistik, eine Leitfigur                    18.1.2011.                                   rialien) mit zusammen 80 Beschäftigten.
                                               2) Ernst & Young, Deutscher Biotechnolo-
G Was der Branche auf jeden Fall
                                                  gie-Report 2011.
noch mehr Durchschlagskraft verlei-            3) Biotechnologie.de, Die Deutsche Biotech-
hen würde, wäre erstens eine ein-                                                              BASF veräußert Anteile an K+S
                                                  nologie-Branche 2011.
heitliche Statistik statt der zwei jähr-       4) Verband der chemischen Industrie, Pres-      G  BASF verkaufte circa 19,7 Mio. Aktien
lichen Erhebungen zum einen von                   semitteilung 1.3.2011.                       des Salz- und Düngemittelkonzerns K + S
                                               5) L. A. Nefiodow, Der sechste Kondratieff,
Ernst & Young2) und zum anderen                                                                (etwa 10 % des Aktienkapitals) trennte sich
                                                  Rhein-Sieg-Verlag, 2007, 6. Aufl.
vom BMBF3). Zweitens wäre mehr                                                                 damit komplett von der früheren Tochter.
                                                                                               Mit dem Gewinn vor Steuern von etwa
                                                                                               900 Mio. Euro reduzieren die Ludwigshafe-
  G   Biotechnik als Kerndisziplin                                                             ner ihre Schulden, die Ende letzten Jahres
                                                                                               bei 13,5 Mrd. Euro lagen.
  „Die Biotechnologie ist weitaus
  mehr als eine Branche. Sie ist eine
  entscheidende Kerndisziplin mit
                                                                                               Bayer: Lackrohstoffe in Schanghai
  bereits erheblicher und dabei                                                                G  Bayer Material Science will für 65 Mio.
  immer stärker wachsender Bedeu-                                                              Euro eine Anlage für den Lackrohstoff Iso-
  tung für angrenzende Bereiche wie                                                            phorondiisocyanat in Schanghai, China, bau-
  Pharmaindustrie, Gesundheits-                                                                en. Im Jahr 2015 soll die Produktion starten.
  wesen, Lebensmittelindustrie,
  Materialwissenschaften, Energie-
  wirtschaft, Umwelt und Elektronik.           Roland Göhde, Geschäftsführer des Zyto-
                                                                                               Biotechnica wieder zweijährlich
  Demzufolge sind auch die in die-             metriespezialisten Partec in Görlitz und        G  Die Biotechnica, Messe für Biotechnolo-
  sen Branchen durch biotechnische             Vorstandsvorsitzender des Vereins für die       gie und Life Sciences in Hannover, findet
  Verfahren und biotechnisches                 Biotechnologie und angrenzende Bereiche         wieder im Zwei-Jahres-Turnus statt. Nach
  Know-how entstandenen Arbeits-               von Materialwissenschaft bis Medizintech-       der diesjährigen Veranstaltung vom 11. bis
  plätze hinzuzurechnen.“                      nik in Sachsen Biosaxony.      (Foto: Partec)   13. Oktober wird die Veranstaltung im
                                                                                               Herbst 2013 erneut ausgerichtet.


Nachrichten aus der Chemie | 59 | Juni 2011 | www.gdch.de/nachrichten

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Dr. Holger Bengs

  • 1. 638 ÍChemiewirtschaftU Reifende Biotechindustrie Holger Bengs Steigender Umsatz, wachsende Unternehmenszahlen, wieder Gründungen, frisches Eigenkapital, mehr Mitarbeiter: Die Biotechbranche wuchs im Jahr 2010 und hat dennoch ein Problem. G Nach der Durststrecke aufgrund Biotechwertschöpfung gut bio- und gentechnische Metho- der Finanzkrise vom Jahr 2008 ist in Anwenderbranchen den. 17 000 Arbeitsplätze und damit die Stimmung der Biotechindustrie mehr als in den über 500 Biotech- nun wieder auf Vorkrisenniveau1) G Die Biotechnologie hat als inno- unternehmen zählen hier zur Bio- und wichtige Kennzahlen steigen vative Basistechnologie ihre Da- technik. (Tabelle).2,3) seinsberechtigung. Die Wertschöp- Mit 422 Mio. Euro erreichte die fung allerdings findet häufig in den Einwerbung von Eigenkapital wie- Anwenderindustrien statt (siehe Kooperieren mit dem Mittelstand der einen guten Wert, bestehend Kasten). Das hilft der Branche nicht G Energieriesen und Autohersteller aus 279 Mio. Euro Venture Capital in ihrer Sichtbarkeit, ist aber volks- sind auf den Kongressen zur indus- und 143 Mio. Euro aus Kapital- wirtschaftlich in Ordnung. Denn die triellen Biotechnologie bereits unter erhöhungen an der Börse.2) langen Konjunkturwellen dauern den Vortragenden. Nachwachsende Die Unternehmenszahl stieg um mindestens 40, eher 60 Jahre, und Rohstoffe und Biotechnik bieten in- 7 auf 538 Unternehmen, der Um- die Biotechnik könnte einen solchen zwischen Alternativen im Fahrzeug- satz um 8,7 % auf 2,37 Mrd. Euro.3) Kondratieff-Zyklus lostreten.5) Die bau, wie der Cluster industrielle Bio- Verteilt auf die 15 480 Mitarbeiter dazu notwendigen Innovationen technologie in Stuttgart beweist. der Biotechbranche ergaben sich nehmen zwar häufig in flexiblen Cluster sind ohnehin im Kom- 153 000 Euro Umsatz pro Mitarbei- Schnellbooten, den jungen Biotech- men: Nachdem sich die Finanz- ter. Das ist noch ausbaufähig und unternehmen, ihren Anfang, setzen industrie in der letzten Dekade bei nicht das, was man von einer reifen sich aber erst in den scheinbar trä- weitem als nicht so produktiv für die Branche erwarten kann. In der che- gen Dampfern der Großindustrie Biotechbranche herausgestellt hat, mischen Industrie brachte es ein durch: Produktion, Markteinfüh- wie erwartet, sind einige Unterneh- Mitarbeiter im Jahr 2010 durch- rung und Vertrieb sind am Ende mer kreativ geworden. So stehen die schnittlich auf 413 000 Euro.4) wichtige Ergänzungen für den Er- oft in Clustern initiierten Koope- Geduld und Ausdauer sind ange- folg. rationen hoch im Kurs [Nachr. sagt: In Deutschland ist die kommer- Die vom Bundesministerium für Chem. 2011, 59, 538]. Darunter ist zielle Verwertung biotechnischer La- Bildung und Forschung (BMBF) inzwischen auch der Pharmamittel- borergebnisse nur 20 Jahre alt und jährlich unter biotechnologie.de ver- stand: Das Pharmaunternehmen die Hälfte der deutschen Biotech- öffentlichte Statistik3) bestätigt: In- Engelhardt Arzneimittel aus Nieder- unternehmen hat maximal zehn zwischen nutzen 125 Großunter- dorffelden bei Frankfurt kooperiert Mitarbeiter. nehmen aus den Branchen Chemie, mit dem Marburger Biotech-Start-up Pharma, Nahrungsmittel und Saat- Sterna Biologics bei DNAzymen. Das sind neuartige Arzneiwirkstoffe ge- gen entzündliche Erkrankungen wie Kennzahl Jahr 2009 Jahr 2010 Änderung [%] Formen von Asthma, Dermatitis und Arthritis. Bei einem Blasenmedi- Anzahl Biotechunternehmen 531 538 + 1,3 Anzahl Mitarbeiter 14950 15840 + 3,5 kament kooperiert in Dresden das Umsatz [Mrd. Euro] 2,19 2,37 + 8,7 pharmazeutische Unternehmen F+E-Aufwendungen [Mrd. Euro] 1,05 1,02 – 2,9 Apogepha nicht nur mit dem Bio- genutzte Fördermittel [Mio. Euro] 51 45 – 11,8 techunternehmen Urotec, sondern Kennzahlen der Biotechindustrie der Jahre 2009 und 2010. beteiligt sich auch daran. Nachrichten aus der Chemie | 59 | Juni 2011 | www.gdch.de/nachrichten
  • 2. Chemiewirtschaft ÍBlickpunktU 639 Mittelständische Chemieunter- bundesweite Einheitlichkeit für nehmen zögern noch, doch mancher mehr internationale Sichtbarkeit Kurz notiert Ausgangs- oder Zusatzstoff für wünschenswert. Hier könnte, drit- Farb-, Kleb- und Kunststoffe wird tens, eine allseits anerkannte natio- Reichere Länder verursachen mehr zukünftig wohl der Biotechnik ent- nale Leitfigur helfen. Die vielen Bio- Kohlendioxid in ärmeren Ländern springen und so mancher Produkt- tech-Fürstentümer – also zu viele lebenszyklus wird sich durch Inno- Verbände für die gleiche gute Sache G Industrieländer bewirken in anderen vationen aus Enzymen und Mikro- – nutzen da wenig. Ländern fünf mal größere CO2-Emissionen ben verlängern. Waschmittelenzyme Wer global zu den Trendsettern als sie in ihren eigenen Grenzen sparen. sind dafür der beste Beweis. gehören will, darf sich nicht im Während in Industrieländern der CO2-Aus- Doch auch das Fachwissen der Kleinklein der Verbände, Bundeslän- stoß seit dem Jahr 1990 immer weniger Mittelständler könnte schon bald im der und Bioregionen verlieren. stark stieg, nahm er weltweit um 39 % zu. Kurs steigen. Deutsche Biotech- Deutschland hat beste Chancen auf Dies fand ein internationales Wissenschaft- unternehmen verantworten bereits neue Produkte. Noch sind China lerteam heraus, zu dem Jan Christoph Minx 344 vorklinische und klinische Pro- und Indien reine Absatzmärkte, aber gehört. Der Ökonom des Klimawandels der gramme.2) Wenn die Industrie weiter wie lange noch? Da könnte es hilf- Technischen Universität Berlin erklärt: „Wer reift, benötigt sie bald umfassend reich sein, wenn der Biotech-Föde- ein Radio oder eine Hose in Deutschland Expertenwissen in der Arzneimittel- ralismus ad acta gelegt würde. „Die kauft, verursacht CO2-Emissionen im Her- herstellung oder beim Abfüllen von Weichen stellen“, meint der Report stellungsland, etwa in China oder Bangla- Biopharmazeutika wie monoklona- von Ernst & Young, könnte sonst am desch.“ len Antikörpern in neuartigen Ap- Ende „am Scheideweg stehen“ be- www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/ plikationsformen. Die richtige Ver- deuten. pnas.1006388108 packung und Logistik dürfte schließlich auch eine Frage für in Holger Bengs ist promovierter Chemiker, Kauf- Deutschland gut vertretene Diagnos- mann und Geschäftsführer von BCNP Consul- Evonik kauft Hanse Chemie tants, ehemals Dr. Holger Bengs Biotech Con- tikneuheiten in Form von DNS-, G Evonik Industries erwirbt die Hanse-Che- sulting, in Frankfurt am Main. Peptid- und Protein-Chips sein. bengs@bcnp-consultants.com mie-Gruppe für Spezialanwendungen der Si- likonchemie in Geesthaacht bei Hamburg. Quellen: Zur Gruppe gehören Hanse Chemie (Sili- So ginge es: Ein Land, 1) BIO Deutschland, Pressemitteilung konwerkstoffe) und Nanoresins (Nanomate- eine Statistik, eine Leitfigur 18.1.2011. rialien) mit zusammen 80 Beschäftigten. 2) Ernst & Young, Deutscher Biotechnolo- G Was der Branche auf jeden Fall gie-Report 2011. noch mehr Durchschlagskraft verlei- 3) Biotechnologie.de, Die Deutsche Biotech- hen würde, wäre erstens eine ein- BASF veräußert Anteile an K+S nologie-Branche 2011. heitliche Statistik statt der zwei jähr- 4) Verband der chemischen Industrie, Pres- G BASF verkaufte circa 19,7 Mio. Aktien lichen Erhebungen zum einen von semitteilung 1.3.2011. des Salz- und Düngemittelkonzerns K + S 5) L. A. Nefiodow, Der sechste Kondratieff, Ernst & Young2) und zum anderen (etwa 10 % des Aktienkapitals) trennte sich Rhein-Sieg-Verlag, 2007, 6. Aufl. vom BMBF3). Zweitens wäre mehr damit komplett von der früheren Tochter. Mit dem Gewinn vor Steuern von etwa 900 Mio. Euro reduzieren die Ludwigshafe- G Biotechnik als Kerndisziplin ner ihre Schulden, die Ende letzten Jahres bei 13,5 Mrd. Euro lagen. „Die Biotechnologie ist weitaus mehr als eine Branche. Sie ist eine entscheidende Kerndisziplin mit Bayer: Lackrohstoffe in Schanghai bereits erheblicher und dabei G Bayer Material Science will für 65 Mio. immer stärker wachsender Bedeu- Euro eine Anlage für den Lackrohstoff Iso- tung für angrenzende Bereiche wie phorondiisocyanat in Schanghai, China, bau- Pharmaindustrie, Gesundheits- en. Im Jahr 2015 soll die Produktion starten. wesen, Lebensmittelindustrie, Materialwissenschaften, Energie- wirtschaft, Umwelt und Elektronik. Roland Göhde, Geschäftsführer des Zyto- Biotechnica wieder zweijährlich Demzufolge sind auch die in die- metriespezialisten Partec in Görlitz und G Die Biotechnica, Messe für Biotechnolo- sen Branchen durch biotechnische Vorstandsvorsitzender des Vereins für die gie und Life Sciences in Hannover, findet Verfahren und biotechnisches Biotechnologie und angrenzende Bereiche wieder im Zwei-Jahres-Turnus statt. Nach Know-how entstandenen Arbeits- von Materialwissenschaft bis Medizintech- der diesjährigen Veranstaltung vom 11. bis plätze hinzuzurechnen.“ nik in Sachsen Biosaxony. (Foto: Partec) 13. Oktober wird die Veranstaltung im Herbst 2013 erneut ausgerichtet. Nachrichten aus der Chemie | 59 | Juni 2011 | www.gdch.de/nachrichten