SlideShare ist ein Scribd-Unternehmen logo
1 von 1
Downloaden Sie, um offline zu lesen
SÜDKURIER NR. 280 | FN
F R E I TA G , 3 . D E Z E M B E R 2 010

22 Das besondere Thema

Endlich im richtigen Körper angekommen
Der Weg zur Selbstfindung
war lang für Zoe, die 43-jährige Blondine aus Tettnang
war einmal ein Mann und
hieß Thomas
VON BRIGITTE GEISELHART

................................................

Jahrgang 1967, 1,85 Meter groß, Schuhgröße 43. In Ailingen geboren und aufgewachsen, jetzt wohnhaft in Tettnang.
Drei Geschwister, die Mutter stand eines Tages ohne Mann da und hat trotz
knappen Geldes ihre Kinder alleine
großgezogen. Eine Biographie wie viele
andere auch, nichts Besonderes. Und
doch war Thomas anders – schon damals. Thomas heißt heute nicht mehr
Thomas, sondern Zoe. Zoe ist eine Frau,
eine durchaus attraktive Erscheinung.
Der Begriff „Transgender“ setzt sich
aus dem Lateinischen „trans“ – „jenseitig“ und dem Englischen „gender“ – „soziales Geschlecht“ zusammen. „Das
Wort ist einerseits eine Bezeichnung für
Menschen, die sich mit der Geschlechterrolle, die ihnen üblicherweise bei der
Geburt, in der Regel anhand der äußeren Geschlechtsmerkmale, zugewiesen wurde, nur unzureichend oder gar
nicht beschrieben fühlen, und andererseits eine Selbstbezeichnung für Men-

Das Schminken gehört zum morgendlichen
Ritual.

................................................
„Nach außen habe ich massiv versucht, die männliche Rolle zu leben.
Mit Schnauzbart und Krafttraining –
aber es hat nicht richtig funktioniert.
Mich selbst konnte ich nicht überlisten.“

Zoe – eine akttraktive
Frau, die sich in ihrem
Körper wohlfühlt. Die
43-Jährige, die in
Tettnang arbeitet,
wurde mit den körperlichen Merkmalen
eines Mannes geboren
und hieß einst Thomas.
Die Namensänderung
ist gerichtlich durch,
die geschlechtsverändernde Operation
steht für Zoe noch an.

Zoe, die einst Thomas hieß
................................................
schen, die sich mit ihren primären und
sekundären
Geschlechtsmerkmalen
nicht oder nicht vollständig identifizieren können“. So erklärt es jedenfalls Wikipedia. Tatsache ist, dass Thomas immer schon ein Mädchen sein und auch
lieber mit Mädchen als mit Buben spielen wollte. Aber was nicht sein sollte,
durfte auch nicht sein. Auch später galt
es sich abzulenken, wenigstens zu versuchen, sich berufsmäßig einzufinden –
was mit der Ausbildung zum Schwimmmeistergehilfen im Häfler Hallenbad
gelang. Eine richtige Freundin hatte
Thomas lange nicht, nur kurze Affären.
„Ich habe mich immer als Frau gefühlt,
nie homosexuell“, sagt Zoe heute. Eine
Selbsthilfegruppe? Die gab es damals in
der Region nicht – erst später ermöglichte das Internet Informationen und
Gesprächsforen.
Der Weg zur Selbstfindung war lang.
„Der härteste Knochen war die Familie“,
erzählt Zoe. „Zuerst habe ich es meiner
Mutter gesagt.“ Ihre Reaktion: „Du
bleibst mein Kind – so oder so“, zeigte
sie Verständnis, um im gleichen Atemzug hinzuzufügen: „Kannst du das denn
nicht in deinen eigenen vier Wänden
machen?“ Später erfuhr es der Bruder,
dann die Schwester. Beide waren entsetzt. „Reiß dich am Riemen, stell das
ab“, hieß es. „Wie es mir mit meinen Gefühlen ging, das fragte niemand“, sagt
Zoe. Vor 15 Jahren dann erste „unbeholfene Klamotten-Versuche“, aber Mutters Rock fühlte sich komisch an, „sah
fürchterlich aus“. Im Kaufhaus nach

B ILD E R: MORITZ KE MPF

Frauenkleidern zu suchen – auch das
war gewöhnungsbedürftig. Draußen
damit herumzulaufen? Völlig unmöglich.
„Nach außen habe ich massiv versucht, die männliche Rolle zu leben“, erzählt Zoe. „Mit Schnauzbart und Krafttraining – aber es hat nicht richtig funktioniert. Mich selbst konnte ich nicht
überlisten.“ Dann eine feste Freundin,
zehn Jahre lang. Heimlich wurde ihr
Schminkzeug ausprobiert. Der blanke
Horror, dabei erwischt zu werden. Das
erst Mal – Outdoor, ohne Schnauzbart,
in femininen Klamotten – war 1994.
„Schau, eine Tunte“, grölte eine Gruppe
Bundeswehr-Rekruten – Zoe hätte trotz
ihrer 185 Zentimeter in ein Mauseloch
gepasst. „Ich wollte es lieber langsam
angehen, nicht am Umwandlungsprozess scheitern, womöglich zum Sozialfall werden.“ Dennoch: Neuer Hausarzt,
Psychotherapie, auch Hormontherapie
– die Weichen waren gestellt.
Nicht jeder verträgt die Hormone
gleich. Man fühlt weiblicher, die Haut
wird weicher, das Hautbild anders, die

Brust beginnt zu wachsen, die Verteilung von Muskeln und Fett verändert
sich. Den Bartwuchs geht Thomas mit
Laserepilation an – das ist teuer und
wird von seiner Kasse nicht übernommen. Vor zehn Jahren befasst er sich
schon mit einer geschlechtsverändernden OP, dann kommt ein „Bio-Mädel“ –
so werden in Transgender-Kreisen
„echte“ Frauen bezeichnet – dazwischen. Heirat 2003. Doch mit zunehmender Beziehungsdauer zeigt sich,
dass „Ablenkung“ und „anderer Reiz“
sich als nicht nachhaltig erweisen. Die
Trennung ist unausweichlich. Im Rosenkrieg der Scheidung informiert die
Frau den Arbeitgeber.
Inzwischen ist aus Thomas Zoe geworden. Die Namensänderung ist auch
gerichtlich durch – mit „Geburtsdatum“
11. August. Zoe ist Meisterin für Badebetriebe, kommt beruflich in Tettnang gut
klar. „Die jobmäßige Outing-Situation
hätte nicht besser laufen können“, sagt
sie. Während der Arbeitszeit hat sie ihre
langen Haare zum einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Wenn

die Kinder sie ansprechen „Frau Bademeisterin, machst du die Rutsche auf“,
dann freut sie das ganz besonders. Zoe
reagiert, fühlt und handelt wie eine Frau,
liebt es, zu shoppen, diskutiert gerne
stundenlang, hat einen neuen Freundeskreis – und es geht ihr gut dabei.
Das Brustwachstum ist „super“, die
Stimme „leider noch etwas dunkel.“ Die
finale OP steht für Zoe noch an. „Die
Haut des Penis wird geteilt und als
Scheide verwendet“, erklärt sie mit bemerkenswerter Offenheit. „Es wird ein
Hohlraum geschaffen und die Eichel so
umfunktioniert, dass eine Klitoris entsteht. Das ist inzwischen so weit perfektioniert, dass man sogar orgasmusfähig
ist.“ Zoe kennt einige, die es hinter sich
haben und begeistert sind – will sich
aber trotzdem noch etwas Zeit lassen.
Zoe sieht sich als Botschafterin in Sachen Transgender. Sie will ihr Thema
authentisch und ohne Scheu nach außen tragen. „Es kann funktionieren. Ich
möchte Mut machen“, sagt sie. Ihr neues Lebensgefühl? „Super – einfach unbeschreiblich.“

Zoe in ihrem beruflichen Umfeld als Meisterin
für Badebetriebe.

Eine Frau, die auf ihr gepflegtes Äußeres Wert
legt.

„Ich sehe in diesem Thema ein hohes Aufklärungspotenzial“
Im Rahmen der Feierlichkeiten zu „200
Jahre Friedrichshafen“ im Jahr 2011 beteiligt
sich Moritz Kempf am Bürgerprojekt „24
Stunden Friedrichshafen – 200 Ansichten
einer Stadt“. Er begleitete Zoe 24 Stunden
lang.

Moritz Kempf begleitete sein „Fotoobjekt“
Zoe 24 Stunden lang. B I L D : GEI SEL HART

Moritz Kempf ist seit zehn Jahren
leidenschaftlicher Hobbyfotograf.
Zusammen mit Gleichgesinnten
beteiligt er sich am Fotoprojekt „24
Stunden Friedrichshafen – 200 Ansichten einer Stadt“, das von Stefan
Blank initiiert wurde. 20 ambitionierte
Amateurfotografen aus Friedrichshafen sollten die Stadt mit insgesamt
200 Bildern einfangen – und das in 24
Stunden – in der Zeit von Freitag, 3.
September 2010, 24 Uhr, bis Samstag,
4. September, 24 Uhr. Die Fotografen
sollten Motive finden von Menschen,
Orten, Begebenheiten, Nationalitäten,
Jungen und Alten, Arbeitswelt, Kultur,

Sport, Vereinsleben – kurz: das Miteinander in Friedrichshafen.
Einen Menschen einen Tag und eine
Nacht mit der Kamera in ganz normalen Situationen zu begleiten – vom
Aufstehen und Schminken bis zur
Arbeit und bis zum privaten QuadFahren, von der beschaulichen Wohnzimmeratmosphäre bis zur abendlichen Party, das reizte ihn.
Nicht klischeehaft darstellen, sondern
als „Geist“ 24 Stunden begleiten,
„normale Situationen eines normalen
Menschen“ ablichten, das war die
Herausforderung für den Fotografen.
Dass er sich als „Objekt“ gerade Zoe
ausgesucht hat, hängt vielleicht auch
damit zusammen, dass sich Moritz
Kempf mit seiner ungewöhnlichen
Körpergröße von 2,03 Metern oft
selbst benachteiligt und unsicher
gefühlt hat und er sich deswegen mit

Menschen, die aufgrund ihrer Randgruppenzugehörigkeit mit Vorurteilen
oder Beschimpfungen zu kämpfen
haben, gut identifizieren kann.
„Da ich selbst die Szene der transgenden Menschen als nicht würdigend vertreten sehe und die Region in
diesem Bereich leider immer noch
eine Wegsehgesellschaft ist, würde ich
die Gelegenheit gerne nutzen, das ist
völlig im Sinne meines Fotomodells,
die Gesellschaft etwas zu sensibilisieren und informieren“, sagt der 25jährige Häfler. „Das Projekt dokumentiert einen kompletten Tag mit ihr und
hat mir selbst den Blick in diese, mir
bis dato völlig fremde Welt ermöglicht. Ich sehe in diesem Thema auch
ein hohes Aufklärungspotenzial“,
bekennt Moritz Kempf.
BRIGITTE GEISELHART

Der Partybesuch am Abend steht an.

Weitere ähnliche Inhalte

Andere mochten auch

Ist eine unfallversicherung sinnvoll oder nicht
Ist eine unfallversicherung sinnvoll oder nichtIst eine unfallversicherung sinnvoll oder nicht
Ist eine unfallversicherung sinnvoll oder nichtThomas Orthey
 
Visplay P/L Systems (Plug and Live!)
Visplay P/L Systems (Plug and Live!)Visplay P/L Systems (Plug and Live!)
Visplay P/L Systems (Plug and Live!)RobertPerilstein
 
Visplay Euro Projects 2009
Visplay Euro Projects 2009Visplay Euro Projects 2009
Visplay Euro Projects 2009RobertPerilstein
 
Best Ager als Zielgruppe
Best Ager als ZielgruppeBest Ager als Zielgruppe
Best Ager als ZielgruppeSteffi Feldmann
 
Singlereisen ab 50 - Singlereisen für Best Agers
Singlereisen ab 50 -  Singlereisen für Best AgersSinglereisen ab 50 -  Singlereisen für Best Agers
Singlereisen ab 50 - Singlereisen für Best Agersbestager
 
Testvergleich: Unfallversicherung 50plus - Unfallversicherung fuer best ager ...
Testvergleich: Unfallversicherung 50plus - Unfallversicherung fuer best ager ...Testvergleich: Unfallversicherung 50plus - Unfallversicherung fuer best ager ...
Testvergleich: Unfallversicherung 50plus - Unfallversicherung fuer best ager ...bestager
 
Zielgruppe 50+ : Best Ager Reisen und Reiseverhalten
Zielgruppe 50+ : Best Ager Reisen und ReiseverhaltenZielgruppe 50+ : Best Ager Reisen und Reiseverhalten
Zielgruppe 50+ : Best Ager Reisen und Reiseverhaltenbestager
 

Andere mochten auch (20)

Nevera ZANUSSI ZBB28460SA
Nevera ZANUSSI ZBB28460SANevera ZANUSSI ZBB28460SA
Nevera ZANUSSI ZBB28460SA
 
Ist eine unfallversicherung sinnvoll oder nicht
Ist eine unfallversicherung sinnvoll oder nichtIst eine unfallversicherung sinnvoll oder nicht
Ist eine unfallversicherung sinnvoll oder nicht
 
Retail projects.
Retail projects.Retail projects.
Retail projects.
 
Visplay P/L Systems (Plug and Live!)
Visplay P/L Systems (Plug and Live!)Visplay P/L Systems (Plug and Live!)
Visplay P/L Systems (Plug and Live!)
 
Visplay Euro Projects 2009
Visplay Euro Projects 2009Visplay Euro Projects 2009
Visplay Euro Projects 2009
 
Visplay projects 5_2012
Visplay projects 5_2012Visplay projects 5_2012
Visplay projects 5_2012
 
Encimera ZANUSSI ZGO65414BA
Encimera ZANUSSI ZGO65414BAEncimera ZANUSSI ZGO65414BA
Encimera ZANUSSI ZGO65414BA
 
Horno Smeg S45VX3
Horno Smeg S45VX3Horno Smeg S45VX3
Horno Smeg S45VX3
 
Congelador ZANUSSI ZFC1040WA
Congelador ZANUSSI ZFC1040WACongelador ZANUSSI ZFC1040WA
Congelador ZANUSSI ZFC1040WA
 
Encimera ZANUSSI ZGG66424XA
Encimera ZANUSSI ZGG66424XAEncimera ZANUSSI ZGG66424XA
Encimera ZANUSSI ZGG66424XA
 
Manual siemens horno hb74as551e
Manual siemens   horno hb74as551eManual siemens   horno hb74as551e
Manual siemens horno hb74as551e
 
Nevera ZANUSSI ZUA14020SA
Nevera ZANUSSI ZUA14020SANevera ZANUSSI ZUA14020SA
Nevera ZANUSSI ZUA14020SA
 
Secadora ZANUSSI ZDH8333PZ
Secadora ZANUSSI ZDH8333PZSecadora ZANUSSI ZDH8333PZ
Secadora ZANUSSI ZDH8333PZ
 
Microondas Zanussi ZBM26542XA
Microondas Zanussi ZBM26542XAMicroondas Zanussi ZBM26542XA
Microondas Zanussi ZBM26542XA
 
Best Ager als Zielgruppe
Best Ager als ZielgruppeBest Ager als Zielgruppe
Best Ager als Zielgruppe
 
Lavavajillas ZANUSSI ZDI22001XA
Lavavajillas ZANUSSI ZDI22001XALavavajillas ZANUSSI ZDI22001XA
Lavavajillas ZANUSSI ZDI22001XA
 
Informe del tabaco.
Informe del tabaco.Informe del tabaco.
Informe del tabaco.
 
Singlereisen ab 50 - Singlereisen für Best Agers
Singlereisen ab 50 -  Singlereisen für Best AgersSinglereisen ab 50 -  Singlereisen für Best Agers
Singlereisen ab 50 - Singlereisen für Best Agers
 
Testvergleich: Unfallversicherung 50plus - Unfallversicherung fuer best ager ...
Testvergleich: Unfallversicherung 50plus - Unfallversicherung fuer best ager ...Testvergleich: Unfallversicherung 50plus - Unfallversicherung fuer best ager ...
Testvergleich: Unfallversicherung 50plus - Unfallversicherung fuer best ager ...
 
Zielgruppe 50+ : Best Ager Reisen und Reiseverhalten
Zielgruppe 50+ : Best Ager Reisen und ReiseverhaltenZielgruppe 50+ : Best Ager Reisen und Reiseverhalten
Zielgruppe 50+ : Best Ager Reisen und Reiseverhalten
 

Mehr von Junge mit Ideen

Konzeption Musikvideo Mauracher
Konzeption Musikvideo MauracherKonzeption Musikvideo Mauracher
Konzeption Musikvideo MauracherJunge mit Ideen
 
Wickelfalz zum Projekt "Mit Laib und Seele"
Wickelfalz zum Projekt "Mit Laib und Seele"Wickelfalz zum Projekt "Mit Laib und Seele"
Wickelfalz zum Projekt "Mit Laib und Seele"Junge mit Ideen
 
Konzept "Mit Laib und Seele"
Konzept "Mit Laib und Seele"Konzept "Mit Laib und Seele"
Konzept "Mit Laib und Seele"Junge mit Ideen
 
Imagebroschüre Anfang 2012
Imagebroschüre Anfang 2012Imagebroschüre Anfang 2012
Imagebroschüre Anfang 2012Junge mit Ideen
 
Geschäftskundenbroschüre Heim Hausgeräte
Geschäftskundenbroschüre Heim HausgeräteGeschäftskundenbroschüre Heim Hausgeräte
Geschäftskundenbroschüre Heim HausgeräteJunge mit Ideen
 
Privatkundenbroschüre Heim Hausgeräte
Privatkundenbroschüre Heim HausgerätePrivatkundenbroschüre Heim Hausgeräte
Privatkundenbroschüre Heim HausgeräteJunge mit Ideen
 
Fallbeispiel Marketingkonzeption Standort
Fallbeispiel Marketingkonzeption StandortFallbeispiel Marketingkonzeption Standort
Fallbeispiel Marketingkonzeption StandortJunge mit Ideen
 
Gestaltungskonzept Oma Heim
Gestaltungskonzept Oma HeimGestaltungskonzept Oma Heim
Gestaltungskonzept Oma HeimJunge mit Ideen
 
Marketingkonzeption Oma Heim
Marketingkonzeption Oma HeimMarketingkonzeption Oma Heim
Marketingkonzeption Oma HeimJunge mit Ideen
 

Mehr von Junge mit Ideen (15)

Konzeption Musikvideo Mauracher
Konzeption Musikvideo MauracherKonzeption Musikvideo Mauracher
Konzeption Musikvideo Mauracher
 
Wickelfalz zum Projekt "Mit Laib und Seele"
Wickelfalz zum Projekt "Mit Laib und Seele"Wickelfalz zum Projekt "Mit Laib und Seele"
Wickelfalz zum Projekt "Mit Laib und Seele"
 
Konzept "Mit Laib und Seele"
Konzept "Mit Laib und Seele"Konzept "Mit Laib und Seele"
Konzept "Mit Laib und Seele"
 
Imagebroschüre Anfang 2012
Imagebroschüre Anfang 2012Imagebroschüre Anfang 2012
Imagebroschüre Anfang 2012
 
IHK über Social Media
IHK über Social MediaIHK über Social Media
IHK über Social Media
 
Geschäftskundenbroschüre Heim Hausgeräte
Geschäftskundenbroschüre Heim HausgeräteGeschäftskundenbroschüre Heim Hausgeräte
Geschäftskundenbroschüre Heim Hausgeräte
 
Privatkundenbroschüre Heim Hausgeräte
Privatkundenbroschüre Heim HausgerätePrivatkundenbroschüre Heim Hausgeräte
Privatkundenbroschüre Heim Hausgeräte
 
Unsere Produkte
Unsere ProdukteUnsere Produkte
Unsere Produkte
 
Shitstorm Pecha Kucha
Shitstorm Pecha Kucha Shitstorm Pecha Kucha
Shitstorm Pecha Kucha
 
Look book
Look bookLook book
Look book
 
Fallbeispiel Marketingkonzeption Standort
Fallbeispiel Marketingkonzeption StandortFallbeispiel Marketingkonzeption Standort
Fallbeispiel Marketingkonzeption Standort
 
Konzept Spendenakquise
Konzept SpendenakquiseKonzept Spendenakquise
Konzept Spendenakquise
 
Bildkonzeption Oma Heim
Bildkonzeption Oma HeimBildkonzeption Oma Heim
Bildkonzeption Oma Heim
 
Gestaltungskonzept Oma Heim
Gestaltungskonzept Oma HeimGestaltungskonzept Oma Heim
Gestaltungskonzept Oma Heim
 
Marketingkonzeption Oma Heim
Marketingkonzeption Oma HeimMarketingkonzeption Oma Heim
Marketingkonzeption Oma Heim
 

PR: Zoe Bachtom - Transgende Botschafterin

  • 1. SÜDKURIER NR. 280 | FN F R E I TA G , 3 . D E Z E M B E R 2 010 22 Das besondere Thema Endlich im richtigen Körper angekommen Der Weg zur Selbstfindung war lang für Zoe, die 43-jährige Blondine aus Tettnang war einmal ein Mann und hieß Thomas VON BRIGITTE GEISELHART ................................................ Jahrgang 1967, 1,85 Meter groß, Schuhgröße 43. In Ailingen geboren und aufgewachsen, jetzt wohnhaft in Tettnang. Drei Geschwister, die Mutter stand eines Tages ohne Mann da und hat trotz knappen Geldes ihre Kinder alleine großgezogen. Eine Biographie wie viele andere auch, nichts Besonderes. Und doch war Thomas anders – schon damals. Thomas heißt heute nicht mehr Thomas, sondern Zoe. Zoe ist eine Frau, eine durchaus attraktive Erscheinung. Der Begriff „Transgender“ setzt sich aus dem Lateinischen „trans“ – „jenseitig“ und dem Englischen „gender“ – „soziales Geschlecht“ zusammen. „Das Wort ist einerseits eine Bezeichnung für Menschen, die sich mit der Geschlechterrolle, die ihnen üblicherweise bei der Geburt, in der Regel anhand der äußeren Geschlechtsmerkmale, zugewiesen wurde, nur unzureichend oder gar nicht beschrieben fühlen, und andererseits eine Selbstbezeichnung für Men- Das Schminken gehört zum morgendlichen Ritual. ................................................ „Nach außen habe ich massiv versucht, die männliche Rolle zu leben. Mit Schnauzbart und Krafttraining – aber es hat nicht richtig funktioniert. Mich selbst konnte ich nicht überlisten.“ Zoe – eine akttraktive Frau, die sich in ihrem Körper wohlfühlt. Die 43-Jährige, die in Tettnang arbeitet, wurde mit den körperlichen Merkmalen eines Mannes geboren und hieß einst Thomas. Die Namensänderung ist gerichtlich durch, die geschlechtsverändernde Operation steht für Zoe noch an. Zoe, die einst Thomas hieß ................................................ schen, die sich mit ihren primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen nicht oder nicht vollständig identifizieren können“. So erklärt es jedenfalls Wikipedia. Tatsache ist, dass Thomas immer schon ein Mädchen sein und auch lieber mit Mädchen als mit Buben spielen wollte. Aber was nicht sein sollte, durfte auch nicht sein. Auch später galt es sich abzulenken, wenigstens zu versuchen, sich berufsmäßig einzufinden – was mit der Ausbildung zum Schwimmmeistergehilfen im Häfler Hallenbad gelang. Eine richtige Freundin hatte Thomas lange nicht, nur kurze Affären. „Ich habe mich immer als Frau gefühlt, nie homosexuell“, sagt Zoe heute. Eine Selbsthilfegruppe? Die gab es damals in der Region nicht – erst später ermöglichte das Internet Informationen und Gesprächsforen. Der Weg zur Selbstfindung war lang. „Der härteste Knochen war die Familie“, erzählt Zoe. „Zuerst habe ich es meiner Mutter gesagt.“ Ihre Reaktion: „Du bleibst mein Kind – so oder so“, zeigte sie Verständnis, um im gleichen Atemzug hinzuzufügen: „Kannst du das denn nicht in deinen eigenen vier Wänden machen?“ Später erfuhr es der Bruder, dann die Schwester. Beide waren entsetzt. „Reiß dich am Riemen, stell das ab“, hieß es. „Wie es mir mit meinen Gefühlen ging, das fragte niemand“, sagt Zoe. Vor 15 Jahren dann erste „unbeholfene Klamotten-Versuche“, aber Mutters Rock fühlte sich komisch an, „sah fürchterlich aus“. Im Kaufhaus nach B ILD E R: MORITZ KE MPF Frauenkleidern zu suchen – auch das war gewöhnungsbedürftig. Draußen damit herumzulaufen? Völlig unmöglich. „Nach außen habe ich massiv versucht, die männliche Rolle zu leben“, erzählt Zoe. „Mit Schnauzbart und Krafttraining – aber es hat nicht richtig funktioniert. Mich selbst konnte ich nicht überlisten.“ Dann eine feste Freundin, zehn Jahre lang. Heimlich wurde ihr Schminkzeug ausprobiert. Der blanke Horror, dabei erwischt zu werden. Das erst Mal – Outdoor, ohne Schnauzbart, in femininen Klamotten – war 1994. „Schau, eine Tunte“, grölte eine Gruppe Bundeswehr-Rekruten – Zoe hätte trotz ihrer 185 Zentimeter in ein Mauseloch gepasst. „Ich wollte es lieber langsam angehen, nicht am Umwandlungsprozess scheitern, womöglich zum Sozialfall werden.“ Dennoch: Neuer Hausarzt, Psychotherapie, auch Hormontherapie – die Weichen waren gestellt. Nicht jeder verträgt die Hormone gleich. Man fühlt weiblicher, die Haut wird weicher, das Hautbild anders, die Brust beginnt zu wachsen, die Verteilung von Muskeln und Fett verändert sich. Den Bartwuchs geht Thomas mit Laserepilation an – das ist teuer und wird von seiner Kasse nicht übernommen. Vor zehn Jahren befasst er sich schon mit einer geschlechtsverändernden OP, dann kommt ein „Bio-Mädel“ – so werden in Transgender-Kreisen „echte“ Frauen bezeichnet – dazwischen. Heirat 2003. Doch mit zunehmender Beziehungsdauer zeigt sich, dass „Ablenkung“ und „anderer Reiz“ sich als nicht nachhaltig erweisen. Die Trennung ist unausweichlich. Im Rosenkrieg der Scheidung informiert die Frau den Arbeitgeber. Inzwischen ist aus Thomas Zoe geworden. Die Namensänderung ist auch gerichtlich durch – mit „Geburtsdatum“ 11. August. Zoe ist Meisterin für Badebetriebe, kommt beruflich in Tettnang gut klar. „Die jobmäßige Outing-Situation hätte nicht besser laufen können“, sagt sie. Während der Arbeitszeit hat sie ihre langen Haare zum einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Wenn die Kinder sie ansprechen „Frau Bademeisterin, machst du die Rutsche auf“, dann freut sie das ganz besonders. Zoe reagiert, fühlt und handelt wie eine Frau, liebt es, zu shoppen, diskutiert gerne stundenlang, hat einen neuen Freundeskreis – und es geht ihr gut dabei. Das Brustwachstum ist „super“, die Stimme „leider noch etwas dunkel.“ Die finale OP steht für Zoe noch an. „Die Haut des Penis wird geteilt und als Scheide verwendet“, erklärt sie mit bemerkenswerter Offenheit. „Es wird ein Hohlraum geschaffen und die Eichel so umfunktioniert, dass eine Klitoris entsteht. Das ist inzwischen so weit perfektioniert, dass man sogar orgasmusfähig ist.“ Zoe kennt einige, die es hinter sich haben und begeistert sind – will sich aber trotzdem noch etwas Zeit lassen. Zoe sieht sich als Botschafterin in Sachen Transgender. Sie will ihr Thema authentisch und ohne Scheu nach außen tragen. „Es kann funktionieren. Ich möchte Mut machen“, sagt sie. Ihr neues Lebensgefühl? „Super – einfach unbeschreiblich.“ Zoe in ihrem beruflichen Umfeld als Meisterin für Badebetriebe. Eine Frau, die auf ihr gepflegtes Äußeres Wert legt. „Ich sehe in diesem Thema ein hohes Aufklärungspotenzial“ Im Rahmen der Feierlichkeiten zu „200 Jahre Friedrichshafen“ im Jahr 2011 beteiligt sich Moritz Kempf am Bürgerprojekt „24 Stunden Friedrichshafen – 200 Ansichten einer Stadt“. Er begleitete Zoe 24 Stunden lang. Moritz Kempf begleitete sein „Fotoobjekt“ Zoe 24 Stunden lang. B I L D : GEI SEL HART Moritz Kempf ist seit zehn Jahren leidenschaftlicher Hobbyfotograf. Zusammen mit Gleichgesinnten beteiligt er sich am Fotoprojekt „24 Stunden Friedrichshafen – 200 Ansichten einer Stadt“, das von Stefan Blank initiiert wurde. 20 ambitionierte Amateurfotografen aus Friedrichshafen sollten die Stadt mit insgesamt 200 Bildern einfangen – und das in 24 Stunden – in der Zeit von Freitag, 3. September 2010, 24 Uhr, bis Samstag, 4. September, 24 Uhr. Die Fotografen sollten Motive finden von Menschen, Orten, Begebenheiten, Nationalitäten, Jungen und Alten, Arbeitswelt, Kultur, Sport, Vereinsleben – kurz: das Miteinander in Friedrichshafen. Einen Menschen einen Tag und eine Nacht mit der Kamera in ganz normalen Situationen zu begleiten – vom Aufstehen und Schminken bis zur Arbeit und bis zum privaten QuadFahren, von der beschaulichen Wohnzimmeratmosphäre bis zur abendlichen Party, das reizte ihn. Nicht klischeehaft darstellen, sondern als „Geist“ 24 Stunden begleiten, „normale Situationen eines normalen Menschen“ ablichten, das war die Herausforderung für den Fotografen. Dass er sich als „Objekt“ gerade Zoe ausgesucht hat, hängt vielleicht auch damit zusammen, dass sich Moritz Kempf mit seiner ungewöhnlichen Körpergröße von 2,03 Metern oft selbst benachteiligt und unsicher gefühlt hat und er sich deswegen mit Menschen, die aufgrund ihrer Randgruppenzugehörigkeit mit Vorurteilen oder Beschimpfungen zu kämpfen haben, gut identifizieren kann. „Da ich selbst die Szene der transgenden Menschen als nicht würdigend vertreten sehe und die Region in diesem Bereich leider immer noch eine Wegsehgesellschaft ist, würde ich die Gelegenheit gerne nutzen, das ist völlig im Sinne meines Fotomodells, die Gesellschaft etwas zu sensibilisieren und informieren“, sagt der 25jährige Häfler. „Das Projekt dokumentiert einen kompletten Tag mit ihr und hat mir selbst den Blick in diese, mir bis dato völlig fremde Welt ermöglicht. Ich sehe in diesem Thema auch ein hohes Aufklärungspotenzial“, bekennt Moritz Kempf. BRIGITTE GEISELHART Der Partybesuch am Abend steht an.