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Programmheft Die Scheune

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Im Münchener Norden, im Schatten der Zylindertürme betritt ein entflohener Verrückter mit Namen Quantz eine heruntergekommene Kneipe namens „Radi“. Dort sitzen 2 Stammgäste am Stammtisch und langweilen sich. Quantz setzt sich unaufgefordert dazu und ein perfides Spiel beginnt.

Mit: Ursula Berlinghof als Ulk, Gerhard Acktun als Wirt, Henk Flemming als Sepp Glaspeitscher, Gerd Rigauer als John Testkater und Josef Vossenkuhl als Quanz, der Irre
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Veröffentlicht in: Bildung
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Programmheft Die Scheune

  1. 1. DIE SCHEUNEHÖRSTÜCK VON GERHARD ZAHNER EINE PRODUKTION DER SCHAUSPRECHER GbR UND DES RATIONALTHEATERS MÜNCHEN E.V. MIT URSULA BERLINGHOF, GERHARD ACKTUN, GERD RIGAUER, HENK FLEMMING, JO VOSSENKUHL MUSIK UND GESANG HENK FLEMMING BEARBEITET UND EINGERICHTET VON JO VOSSENKUHL AUFFÜHRUNGSRECHTE GERHARD ZAHNER THEATERPRODUKTION DIETMAR HÖSS TECHNIK JOANID K.
  2. 2. Die Rechtsprechung der Strafgerichte hat ihre Einschätzung zur Strafbarkeit von NS-Verbrechen geändert. In Konzentrationslagern waren sämtliche Abläufe organisiert und jeder, der auf Seiten der Mörder, nachweisbar, Funktio- nen der Mordmaschinerie ausübte, kann noch immer wegen Mordes oder Beihilfe zum Mord verurteilt werden, unabhän- gig, ob eine konkrete Tötungshandlung oder Beihilfe nachgewiesen werden kann. Das gilt in diesem Fall nicht nur für beteiligte Soldaten, SS Schergen und die Bevölkerung von Gardelegen, sondern auch für die Betreiber der KZs. Am 13.04.1945 wurden in der Isen- schnibber Feldscheune über 1000 Zwangsarbeiter eingesperrt. Die Scheune wurde angezündet. Wer fliehen wollte, wurde erschossen, die restlichen Gefangenen wurden ver- brannten. Zwischen 7 und 33 Menschen überlebten. Quelle: National Archives and Records Administration, gemeinfrei Quelle: National Archives and Records Administration, gemeinfrei DIE SCHEUNE Die genaue Anzahl ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt. Dieses Kriegsverbre- chen in den letzten Kriegstagen ist auch bekannt als „das Massaker von Gardele- gen“. Todesmärsche aus KZs, deren Außenla- gern und aus Fabriken hatten zum Ziel, Zwangsarbeiter als Zeugen zu ermorden und so ihre Zeugenschaft zu verhindern. Würde heute Gericht darüber gehalten und wäre Jesus Christus ein Richter, so gäbe es keine Schuldigen, denn er hätte alle Schuld auf sich genommen. Wäre Descartes der Richter, würden alle freigesprochen, denn er als Richter bezweifelte deren Schuld. Wäre Quanz Richter, würden alle Verfah- ren niedergeschlagen, denn Quandts ist das Prinzip, nur neutral gewirtschaftet, nie politisch gehandelt zu haben und nie beteiligt zu sein. Dokumentationen und Forschungen belegen, dass die Todesmärsche auch mit den Betrieben der Familie Quandt in Verbindung stehen, da in den Betrieben der Familie während der Schreckensherr- schaft, tausende Zwangsarbeiter arbeiten mussten. Aus Hannover –Stöcken wurden auch Zwangsarbeiter der Betriebe der Quandts auf die Todesmärsche geschickt. Text: Gerhard Zahner
  3. 3. (Auszug aus: Die Scheune von Gerhard Zahner) DIE SCHEUNEHÖRSTÜCK VON GERHARD ZAHNER Glas: Schöne Frau, wir haben Bilder vor unsern Augen, die ein Gericht blind ma- chen würden. DI: Die beiden Herren behaupten, ihre Fa- milien getötet zu haben. Und ich - sei ein Vampir. Also wär ich einer, ich möchte nicht tau- schen. Ulk: Wie krank ist das hier? DI: Erzähl es ihr. Test: Was? DI: Wie krank das ist. Glas: Tu es nicht. DI: Erzähl es ihr. (ohrfeigt Test) Test: Also wir wurden zusammen getrie- ben. Ein Marsch aus vielen Lagern. 1000 Menschen, ein Strom aus Häftlingen. Zwangsarbeiter. 1000 und mehr vielleicht, die in drei oder vier Fabriken arbeiteten. Gegen Kriegsende wurden wir wieder zu etwas Lebendigem, Nämlich zu einer lebenden Gefahr. Wir waren der giftige Müll der Lager, den man zu entsorgen hatte. Jeder von uns hatte die Wärter und Leiter und Wächter und Ingenieure und alle Anderen im Kopf. Die Fabriknamen auch. Einige den Geruch der Batterien bis hin zum Nachsprechen. Die verpestete Luft. Die Vornamen der Vorarbeiter mit den Knotenstöcken......... Wir marschierten: Stunden und Stunden. Als wir endlich zu einer Scheune kamen, bei Gardelegen, zu einer großen Feld- scheune, einer Feldscheune stockte der Marsch: da witterte ich etwas, ich mach- te mich klein und versteckte mich hinter einer großen Fichte und kletterte hinauf und bald in aufsteigendem Rauch einge- hüllt, fühlte ich mich unsichtbar. Ein paar von uns versuchten auch fort- zulaufen. Die wurden sofort erschossen. Leute aus der Umgebung, nicht nur Sol- daten, passten auf uns auf. Wie die Hun- de um eine Schafherde sprangen sie um uns herum. Aber ich sah alles von da oben: wie sie die Anderen in die Scheu- ne hineintrieben. Und wie sie dann die Scheune in Brand steckten. Der Wind rieb den Rauch in mein Haar und auch die Asche. Ich hörte die Schreie da unten. Sah die Soldaten in die Scheune schießen und Granaten hinein werfen....Und die aus der Stadt und aus dem Dorf rannten la- chend, wie Kinder um ein Kartoffelfeuer, um die Scheune, weil alles brannte, wie am ersten Tag.....Mein Freund Glaspeit- scher. Aber er hat im Inneren der Scheune überlebt und ich Außen. Meine Eltern wa- ren am Tag nach dem Feuer geschmolzen und geschrumpft vor der unglaublichen Hitze. Und schwarz. Erde dieser schwar- zen Scheune vergraben können. Ich hab meine Mutter in die Arme genommen. Und seitdem rieselt aus meinem Haar im- mer die Asche. Die Asche eines Kusses. Ich küsste sie. Ja. ULK: Du bist ja krank! Das ist nicht wahr. DI: Ich möchte einen gesunden Richter, der von solchen Dingen nichts weiß. ........... Glas: Ich hab alle Schuld auf mich ge- nommen. Also kann ich keine Schuldigen anklagen. Es ist keine Schuld mehr übrig.
  4. 4. „MAN KANN SICH NICHT VORSTELLEN, DASS DIE NACHT JEMALS EIN ENDE HAT.“ „Was für eine Art Theater schwebt Dir vor?“ Zahner: „Ein Theater der Zuschauer.“ Interessiert Dich also der Zuschauer am Theater? Zahner: „Was mich am Theater inte- ressiert? Der Zuschauer sollte immer glauben, dass er sich selbst zusieht.“ Geht es Dir um die Unterhaltung des Zuschauers? Zahner: „Theater und Zuschauer kämpfen gemeinsam gegen das Verbrechen des Krieges, auch gegen das Vergessen. Das geht über bloße Unterhaltung hinaus.“ Das Thema des Stücks ist doch eigent- lich längst abgehandelt, oder nicht?! Zahner: „Das Spiel auf der Bühne, als das ureigene Prinzip der Gegenwart, beweist aber, dass die Prinzipien der vergangenen Kriege nicht in einem singulären Ereignis zurück bleiben, sondern weiter wirken und sich wie- derholen.“ Und wieso kommt ausgerechnet jetzt das Stück „Die Scheune“? Zahner: „Die erste Wiederholung ist immer das Spiel auf der Bühne als Warnung! Die Scheune ist nun ein Stück, das vor einem Jahrzehnt geschrieben wurde, dass dieses Stück 2016 von einem mutigen Theater und mutigen Thea- terleuten in München aufgeführt wird, hat eine einfache Begründung. Vor un- sern Augen werden Städte zerbombt, Kriegsgefangene in den Kriegsgebieten ermordet, Menschen versklavt, ver- schleppt, Millionen fliehen. Auf dieser Flucht werden Tausende ermordet. Die Produzenten und Händler von Waffen bleiben, wie in allen Kriegen dieser Menschheitsgeschichte, auch in unserer Gegenwart, weitgehend unbehelligt.“ Siehst Du das als Aufgabe des Thea- ters? Realität abzubilden? Zahner: „Ja! – Gewaltige Vermögen entstanden und entstehen, damals und heute. Dies ist ein Nährboden der Kriege von Morgen, denen wir nicht nur zusehen können, die uns entgegen eilen. Quelle: National Archives and Records Administration, gemeinfrei Quelle: Bild Einige Antworten des Autors Gerhard Zahner, der neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller täglich vor Gericht als Rechtsanwalt mit Tätern und Opfern zu tun hat.
  5. 5. Quelle: National Archives UND WIEDER WERDEN TAUSENDE ERMORDET
  6. 6. „Nach meiner Auffassung stoße ich, wenn ich mich mit der traumatischen Wirkung von Auschwitz auseinander- setze, auf die Grundfragen der Lebensfähigkeit und krea- tiven Kraft des heutigen Menschen: das heißt, über Aus- chwitz nachdenkend, denke ich paradoxerweise vielleicht eher über die Zukunft nach als über die Vergangenheit.“ Imre Kertész, Rede zur Verleihung des Nobelpreises für Literatur, 2002 Anmerkungen zur Friedenspreisrede des Schriftstellers Martin Walser am 11. Oktober 1998 in der Frankfur- ter Paulskirche..... ...“Walser beginnt seine Rede mit dem Titel „Erfahrungen beim Verfassen einer Sonntagsrede“ mit der Klage, dass er sich permanent rechtfertigen müsse, wenn er über „das Schöne“ sprechen wolle. Der Grund hierfür liege in der Allgegenwärtigkeit der NS-Vergangenheit. Walser bekennt: „Ich verschließe mich Übeln, an de- ren Behebung ich nicht mitwirken kann. Ich habe lernen müssen, wegzuschauen. […] Auch im Wegdenken bin ich geübt.“... ...“Als ein solches „Übel“ bezeichnet er zunächst die rechtsextremistischen Ausschreitungen im wiederverei- nigten Deutschland, später dann die NS-Vergangenheit. Für Walser resultiert daraus keine moralische Frage nach kollektiver Verantwortung, sondern lediglich eine individuelle Gewissensfrage, die mit Schuld oder Unschuld einhergeht. Erinnern oder Verdrängen wird für ihn zur individuellen Entscheidung. Bezogen auf die rassistischen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen sagt er, er könne das, „was uns da so krass gesagt wird“, einfach nicht glauben. Hier zeigt sich deutlich Walsers Wunschbild einer „normalen“ Nation: Was in dieses Bild von Deutschland nicht hinein passt, wird verharmlost oder bestritten.“.... Tobias Jaecker, hagalil.com DULDET DAS SCHÖNE KEINE MORAL? Die Gerichtsbarkeit der Bühne fängt an, wo das Gebiet der weltlichen Gerichte sich endigt. Wenn die Gerechtigkeit für Gold verblindet und im Solde der Laster schwelgt, wenn die Frevel der Mächtigen ihrer Ohnmacht spotten und Menschenfurcht den Arm der Obrigkeit bindet, übernimmt die Schaubühne Schwert und Wage und reißt die Laster vor einen schrecklichen Richterstuhl. Das ganze Reich der Phantasie und Geschichte, Vergangenheit und Zukunft stehen ihrem Wink zu Gebot. Kühne Verbrecher, die längst schon im Staub vermodern, werden durch den allmächtigen Ruf der Dichtkunst jetzt vorgeladen und wiederholen zum schauervollen Unterricht der Nachwelt ein schändliches Leben. Ohnmächtig, gleich den Schatten in einem Hohlspiegel, wandeln die Schrecken ihres Jahrhunderts vor unsern Augen vorbei, und mit wollüsti- gem Entsetzen verfluchen wir ihr Gedächtniß. Wenn keine Moral mehr gelehrt wird, keine Religion mehr Glauben findet, wenn kein Gesetz mehr vorhanden ist, wird uns Medea noch anschauern, wenn sie die Treppen des Palastes herunter wankt und der Kindermord jetzt geschehen ist. Heilsame Schauer werden die Menschheit ergreifen, und in der Stille wird jeder sein gutes Gewissen preisen, wenn Lady Macbeth, eine schreckliche Nachtwandlerin, ihre Hände wäscht und alle Wohlgerüche Arabiens herbeiruft, den häßlichen Mordgeruch zu vertilgen. So gewiß sichtbare Darstellung mächtiger wirkt, als todter Buchstabe und kalte Erzählung, so gewiß wirkt die Schaubühne tiefer und dauernder als Moral und Gesetze. aus: Friedrich Schiller, Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet.(Vorgelesen bei einer öffentlichen Sitzung der kurfürstlichen deutschen Gesellschaft zu Mannheim im Jahr 1784.) ..“Mo|ral [mora:l], die: -: a) sittliche Grundsätze des Verhaltens: bürgerliche, sexuelle Moral; er hat keine Moral.Syn .:Ethik. Zus.: Arbeitsmoral, Doppelmoral, Zahlungsmoral. b) gefestigte, innere Haltung, Selbstvertrauen: Bereitschaft, sich einzusetzen: die Moral der Mannschaft, der Truppen ist gut. Syn.: Disziplin, Zucht. c) <mit Attribut> Lehre, die aus etwas gezogen wird: die Moral einer Geschichte, eines Theaterstücks. Syn.: Erkenntnis, Lehre, Weisheit.“....DUDEN, Band 10 Das Bedeutungswörterbuch
  7. 7. WELCHE LUST WIR DOCH AN DER ZERSTÖRUNG HABEN. Dem Inferno konnten 20 bis 25 Häft- linge wie durch ein Wunder entkom- men. Sie gruben sich mit Hilfe von Löffeln durch die Betonwand der Scheune und flüchteten in einem günstigen Au- genblick in den nahen Wald. Andere versteckten sich unter Leichen und entgingen so Feuer und Schüssen und wurden zum Teil erst zwei Tage später von Angehörigen der U.S Army entdeckt. Ein Häftling hatte sich mit seinem Hosengürtel an einem Dachbal- ken festgebunden.22 Der NSDAP-Kreisleiter Gerhard Thiele erreichte gegen Mitternacht die Scheu- ne und ließ von Kapos weitere Ben- zinfässer aus der Stadt holen, um die Scheune und die Leichen vollständig verbrennen zu lassen. Er selbst kehrte zur Kreisleitung zurück und orderte die ganze Nacht hindurch telefonisch lokale Verbände für den nächsten Tag an, um die Spuren des Massakers zu beseitigen.23 In den frühen Morgenstunden des 14.April 1945 erreichten Einheiten des Volkssturms, der Feuerwehr und der Technischen Nothilfe aus Gardelegen und den umliegenden Gemeinden die Isenschnibber Feldscheune. Sie hoben einen 55 m langen und 90 cm tiefen Graben aus, um die Leichen zu verscharren. Immer wieder fanden sie in der total verkohlten Scheune noch lebende und schwerverletzte Häftlinge. Ein Beteiligter, Fritz Müller, berichtet: „Ein nackter KZler, der aus der Scheu- ne kam, wurde von Soldaten in feld- grauer Uniform sofort ergriffen, zu einer Grube geführt, wo er gezwun- gen wurde, sich niederzuknien und wo er von einem Soldaten mit der Pistole ins Genick geschossen wurde.“24 Nachdem am Nachmittag ungefähr die Hälfte der Leichen indas Massengrab geschafft wo rden waren, wurden die Arbeiten aufgrund des Herannahens der ame- rikanischen Truppen abgebrochen. Am frühen Abend des 14. April 1945 nahm die 102nd Infantry Division der U.S. Army die Stadt Gardelegen ein - genau 24 Stunden nach dem Beginn der Mordaktion, bei der 1.016 Men- schen bestialisch umgebracht worden waren. Am nächsten Tag entdeckten amerikanische Soldaten auf der Suche nach versprengten Truppenteilen die Isenschnibber Feldscheune. Sie standen fassungslos vor dem Anblick, der sich ihnen bot und dokumentierten mit Fo- tos und einem Film dieses nationalsozi- alistische Verbrechen, das später in den USA als „Holocaust von Gardelegen“ zu trauriger Berühmtheit gelangte. Der Oberbefehlshaber der amerika- nischen Infantry Division erließ einen Befehl, wonach die männliche Bevöl- kerung Gardelegens unter Aufsicht amerikanischer Soldaten die Exhumie- rung und Bestattung der Opfer des Massakers vorzunehmen hatte. Am Morgen des 21. April 1945 sammelten sich auf dem Marktplatz in Gardelegen zwischen 250 und 300 Männer, die, beladen mit Spaten, Schaufeln, weißen Holzkreuzen und Bettüchern in einem Erhebt die PFLICHT den, der die PFLICHT ausübt zum GOTT? „Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht; denn alles, was entsteht, Ist wert, daß es zugrunde geht; Drum besser wär‘s, daß nichts entstünde. So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz das Böse nennt, Mein eigentliches Element.“ Johann Wolfgang von Goethe, Faust I, Vers 1338 ff. / Mephistopheles
  8. 8. von Panzern begleiteten Konvoi zur Scheune zogen. Die Bestattungsar- beiten dauerten vier Tage. Es wurden 586 Leichen exhumiert und 430 noch unbeerdigte Tote aus der Scheune ge- borgen. Jedes Opfer wurde registriert und - soweit möglich - anhand seiner Häftlingsnummer oder des Nationali- tätenkennzeichens auf der Kleidung identifiziert.25 Am 25. April 1945 fand die offizielle Beisetzung und die Einweihung des Ehrenfriedhofes mit einer religiösen und militärischen Feierstunde statt. Jedes der Opfer erhielt ein Einzelgrab mit einem schlichten weißen Holz- kreuz. Neben dem Gräberfeld stellten die Amerikaner eine Gedenktafel auf, die an das hier verübte Verbrechen erinnern sollte. Der Stabschef der U.S. Division beendete seine Ansprache an- die versammelten Gardelegener Bürger mit den Worten: „Sie haben die Ach- tung der zivilisierten Welt verloren.“26 Der Hauptverantwortliche für die Todesmärsche und das Massaker, Kreisleiter Gerhard Thiele, konnte sich vor dem Eintreffen der Amerikaner absetzen. Seine Spur verlor sich in den späteren Westzonen. Sein heutiger Aufenthaltsort ist unbekannt. Ande- re Beteiligte und Mitverantwortliche konnten festgenommen werden und wurden interniert. Inwieweit sie sich in Prozessen für ihre Taten verantworten mußten, ist zur Zeit erst unzureichend bekannt. Mehrere Täter wurden von den amerikanischen Besatzungsbehör- den in die sowjetische Zone ausge- liefert und verbüßten im Gefängnis Waldheim in Sachsen Haftstrafen. Anmerkungen 22 Waleszynski [Anm. 18 ], S.4; Bak [Anm. 4], S.29ff.; Staatsanwaltschaft Magdeburg. Aussage von León Maurice Roussineau, o.O. o.J, S.2; Erinnerungsprotokoll Witold Modselewski, o.O. o.J., S.2, Kopie im Stadtarchiv Gardelegen, Abteilung Mahn- und Gedenkstätte Gardelegen. 23 Cruise [Anm. 3], S.9. 24 Aussage von Fritz Müller vom 26.05.1961 vor dem Kreisgericht Gardelegen, Kopie im Stadtarchiv Gardelegen, Abteilung Mahn- und Gedenkstätte Gardelegen . 25 Die in der Isenschnibber Scheune ermordeten Häftlinge kamen aus Polen, der Sowjetunion, Frankreich, Ungarn, Belgien, Deutschland, Italien, Tschecheslowakai, Jugoslawien, Holland, Spanien und Mexiko. Nur 305 von ihnen konnten namentlich identifiziert werden. Bericht von Lt. A.Carson [Graves Registration Officer] an Headquarters, 102nd Infantry Division, APO 339 vom April 1945, Kopie im Archiv der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. 26 Mick [Anm. 10], S.216. aus: Diana Gring: Die Todesmärsche und das Massaker von Gardelegen - NS-Verbrechen in der Endphase des Zweiten Weltkrieges. (Schriftenreihe des Stadtmuseum Gardelegen, Heft 1) Hannover 1993. RENÉ DESCARTES: „UN- TERSUCHUNGEN ÜBER DIE GRUNDLAGEN DER PHILOSOPHIE“ ERSTE UNTERSUCHUNG. Ueber das, was in Zweifel gezogen werden kann. ...“Ich hatte schon vor mehreren Jähren bemerkt, wie viel Falsches ich in meiner Jugend für wahr gehalten hatte, und wie zweifelhaft Alles war, was ich darauf erbaut hatte. Ich mein- te deshalb, dass im Leben einmal Alles bis auf den Grund umgestossen und von den ersten Fundamenten ab neu begonnen werden müsste, wenn ich irgend etwas Festes und Bleibendes in den Wissenschaften aufstellen wollte. Es schien dies jedoch ein ungeheures Unternehmen, und ich wartete das Alter ab, was so reif sein würde, dass ihm ein geschickteres zur Erwerbung der Wissenschaften nicht mehr nach- kommen könne. In Folge dessen habe ich so lange gezögert, dass ich zuletzt die Schuld trüge, wenn ich die zum Handeln noch übrige Zeit im Zaudern verbringen wollte. Zur passenden Zeit habe ich deshalb heute meine Seele von allen Sorgen losgemacht, mir eine unge- störte Müsse bereitet und ich trete in die Einsamkeit, um endlich ernst und frei zu dieser allgemeinen Ausrot- tung meiner bisherigen Meinungen zu schreiten. Dazu wird indess nicht nöthig sein, dass ich sie alle als falsch aufzeige, denn dies würde ich vielleicht nie vollbringen können; vielmehr räth die Vernunft, dass ich meine Zustim- mung ebenso sorgfältig bei dem nicht ganz Gewissen und Unzweifelhaften zurückzuhalten habe wie bei dem offenbar Falschen, und deshalb genügt es, Alles zu verwerfen, wo ich irgend einen Grund zum Zweifel antreffen werde. Auch braucht deshalb nicht das Einzelne durchgegangen zu werden, was eine Arbeit ohne Ende sein wür- de;“..... René Descartes‘ philosophische Werke. Übersetzt, erläutert und mit einer Lebensbeschreibung des Descartes versehen von J. H. von Kirchmann, Abteilung I-III, Berlin: L. Heimann, 1870 (Philosophische Bibliothek, Bd. 25/26).
  9. 9. DIE MITWIRKENDEN Ursula Berlinghof Ulk, eine Prostituierte www.ursula-berlinghof.de Gerhard Acktun, der Wirt www.gerhardacktun.de Henk Flemming Sepp Glaspeitscher www.henkflemming.com Gerd Rigauer John Testkater www.schauspieler60plus.de/ schauspieler/item/gerd-rigauer. html Josef Vossenkuhl der Irre, Quantz www.josefvossenkuhl.de Der Autor: Gerhard Zahner www.agentur-aziel.de/de/ gerd-zahner.html Das Stück „Die Scheune“ bearbeitet und eingerich- tet hat Jo Vossenkuhl. Für den Programmheftinhalt verantwortlich ist dieSchausprecher GBR; Gestaltung, Satz und Layout: Jürgen Krissler. Das gleichnamige Hörstück, aufgenommen am 17. November 2015 bei Plan 1 Media GmbH, kann gegen einen Unkostenbeitrag in Höhe von EUR 9,95 als mp3 Datei erworben und unter folgender Adresse bestellt werden: diescheune@dieschausprecher.de Dank an: Dietmar Höss vom Rationaltheater für seinen Mut und seine Geduld; Gerhard Zahner für seinen Einsatz und seinen kreativen Umgang mit Geschichte, Michael Wüst für seine Unterstützung. Jürgen Krissler für seine Ideen und seine Inspiration, dem Team vom Rationaltheater für seine wertvolle Arbeit und allen Mitwirkenden für ihre Motivation und Energie!

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