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Familiengesundheitspflege als Erweiterung der Pflege zu Hause im Bezirk Steyr-Land (OÖ)

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Die Implementierung einer Famili- engesundheitsplege wird hier zu Lande bereits von PlegeexpertInnen gefordert.

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Familiengesundheitspflege als Erweiterung der Pflege zu Hause im Bezirk Steyr-Land (OÖ)

  1. 1. FACHBEITRAG Familiengesundheitspflege als Erweiterung der Pflege zu Hause im Bezirk Steyr-Land (OÖ) Von Stefan Hagauer Problemstellung Die Implementierung einer Famili-engesundheitsplege wird hier zu Lande bereits von PlegeexpertIn-nen gefordert. Diese Forderung ist die logische Folge von fehlenden adäquaten familien- und gemeinde-nahen Plege- und Betreuungsan-geboten in Österreich. Der Bericht „Plegenotstand in der mobilen Ple-ge“ (LBIMGS, 2005), das „Regie-rungsprogramm 2008“ (Österreichi-sche Bundesregierung, 2008) sowie die „To Do-Liste für Österreich“ (Ro-tes Kreuz Österreich, 2008) weisen bereits ausdrücklich auf die Notwen-digkeit einer professionellen Famili-engesundheitsplege hin. Folgende Fakten untermauern dies: • Demographische Herausforderun-gen (ca. 80% der Plegebedürftigen in Österreich werden zu Hause ge-plegt und betreut, Familienkonstel-lationen ändern sich und es kommt zum Rückgang der Unterstützungs-ressource „Familie“, alternde Gesell-schaft etc.) (vgl. Chorherr, 2007, 6-7; Wild, 2007, 18) • Krankheit/Plegebedürftigkeit ist nicht nur personenbezogen, sondern hat Einluss auf das Umfeld (Familie) der kranken/plegebedürftigen Person (Born et al., 2002, 4) • Ausbildungsfokussierung auf das stationäre Setting, daraus folgt ein ExpertInnenmangel im ambulanten Plege- und Betreuungsbereich (vgl. LBIMGS, 2005, 6) • Komplexes Gesundheitssystem führt zu Überforderung von plege-bedürftigen Menschen und ihren Familien • Derzeitiger Plegeansatz ist tätig-keits- und einzelpersonenorientiert. Die plegebedürftige Person ist Leis-tungsempfänger. Das einlussreiche Umfeld (Familie/plegende Ange-hörige) wird nicht adäquat wahrge-nommen und als Leistungsspekt-rum kaum berücksichtigt (vgl. Wild, 2008, 11). Keywords: Familiengesundheits-pflege, Family Health Nursing, Familie, Pflegende Angehörige, Hauskrankenpflege, extramurale Pflege und Betreuung Das Rote Kreuz Österreich schlägt diesbezüglich das WHO-Konzept der Family Health Nurse vor und hat bereits in Zusammenarbeit mit dem Land Steiermark, dem Österreichi-schen Gesundheits- und Kranken-plegeverband sowie dem Gesund-heitsministerium ein Ausbildungscur-riculum für eine mögliche Umsetzung entworfen. In diesem Artikel wird nach einer kurzen Erläuterung des Famili-engesundheitsplegekonzeptes und des ambulanten Plege- und Betreu-ungsbereichs des Bezirkes Steyr- Land beispielhaft der Bedarf einer Fa-miliengesundheitsplege anhand der Situation plegender Angehöriger aus der Gemeinde Großraming aufge-zeigt. Weiters werden ausgehend von den Forderungen des Roten Kreuz Österreich bzgl. der Einführung ei-ner Familiengesundheitsplege (Wild, 2008, 28) Empfehlungen für eine mögliche Umsetzung im Bezirk Steyr- Land gegeben und es wird auszugs-weise das Zukunftsszenario der Ar-beit einer Familiengesundheitsplege-kraft im Bezirk Steyr-Land vorgestellt. Die Ergebnisse basieren auf mittels zusammenfassender Inhaltsanalyse nach Mayring (2008) ausgewerteten problemzentrierten Leitfadeninter-views (n=10) mit plegenden Angehö-rigen aus der Gemeinde Großraming, die Anfang 2010 geführt wurden, so-wie auf einer Literaturanalyse. Familiengesundheitsplege Den Grundstein für die Forderungen zur Umsetzung einer Familienge-sundheitsplege in Österreich legte die WHO mit dem Rahmenkonzept „Gesundheit 21“. Darin wurde das Konzept der FHN (Family Health Nurse) vorgestellt. „Gesundheit 21“ beinhaltet als eines der wesentli-chen Ziele den Ausbau der gesund-heitlichen Primärversorgung in Form einer Erweiterung von Versorgungs-angeboten für das familien- und ge-meindenahe Setting. Das FHN-Kon-zept der WHO stellt diesbezüglich ein erweitertes Angebot dar, welches für die Mitgliedsstaaten Rahmen-bedingungen für eine länderspe-ziische Adaptierung vorgibt (vgl. Kollak, 2004, 96). In Deutschland wurde von 2005 bis 2008 ein Pilot-projekt zur Umsetzung einer profes-sionellen Familiengesundheitsple-ge durchgeführt, bei dem positive Auswirkungen für Familien nach-gewiesen werden konnten (Schnitt-stellenvermeidung, Förderung der Unabhängigkeit, Stabilisierung der Familiensituation, Steigerung der Kundenzufriedenheit, etc.) (vgl. Eberl et al., 2008, 156–159). Das bereits existierende Curriculum in Österreich gliedert sich in drei Lehr-gänge (Case und Care Management im Kontext familiärer Plege, Public Health im Plegewesen mit Schwer-punkt Gesundheitsförderung, Famili-engesundheitsplege) und beinhaltet potenzielle Einsatzfelder, Kompe-tenzen und Qualiikationen einer zu-künftigen Familiengesundheitsple-gefachkraft (vgl. Wild, 2007, 21). Für die Plege zu Hause in Österreich bedeutet das eine Erweiterung des Handlungsfeldes – präventive Haus-besuche um Gesundheitsförderung in die direkte PatientInnenplege mit einzubringen, Übernahme von Case und Care Managementaufgaben, Identiizierung des Plege- und Be-treuungsbedarfes für eine Region bzw. für eine bestimmte Zielgruppe (vgl. Wild, 2008, 18–19). Der ambulante Plege- und Betreuungsbereich im Bezirk Steyr-Land (OÖ) In Oberösterreich fällt die Koordi-nierung und Organisation der am-bulanten Plege und Betreuung in den Zuständigkeitsbereich der re-gionalen Träger, der so genannten Sozialhilfeverbände der jeweiligen Landesbezirke. Die 20 Gemeinden des Bezirkes Steyr-Land haben sich nach den Bestimmungen des ober-österreichischen Sozialhilfegeset-zes 1998 dazu entschlossen, den 24 ÖSTERREICHISCHE PFLEGEZEITSCHRIFT 10/2011 www.oegkv.at
  2. 2. möglichst bedarfsorien-tiert bzw. einsetzen. Die Probleme dieses Systems sind die unterschiedlichen Instanzen, die bei der Finanzierung beteiligt sind, Richtlinien vorgeben und Mitspracherecht haben, sowie die zahlreichen unterschiedlichen Leistungsanbieter. Die Leidtragen-den sind die plegebedürftigen Men-schen und ihre Familien, die mit die-ser Komplexität oftmals überfordert sind. Situation plegender Angehöriger in der Gemeinde Großraming Die Interviewergebnisse (Abbildung 2) zeigen beispielhaft den regionalen Be-darf auf und decken sich weitgehend mit den Ergebnissen aus dem Endbericht „Situation Plegender Angehöriger“ (ÖBIG, 2005) und den Familienbefra-gungen 25 FACHBEITRAG SHVSE (Sozialhilfeverband Steyr- Land) zu gründen. Die Gemeinden versuchen, unter dem Schirm des SHVSE das Angebot dem Plege-und Betreuungsbedarf anzupas-sen. Der SHVSE fungiert dabei als Koordinations-, Organisations- und Auftraggeberorgan im Bezirk. Das Rote Kreuz Steyr-Land und die Ca-ritas Oberösterreich führen hierbei im Auftrag des SHVSE die Dienst-leistungen in der ambulanten Plege und Betreuung durch (Abbildung 1). Sie teilen sich ihr Arbeitsgebiet re-gional und nach Leistungsangebot auf. Das Rote Kreuz übernimmt da-bei im gesamten Bezirk die medizini-sche Hauskrankenplege. Vereinzelt bieten auch andere Organisationen unabhängig vom SHVSE ambulante Plege- und Betreuungsdienste an. Zudem werden zahlreiche ehren-amtliche Dienste vom Roten Kreuz, der Caritas, anderen Organisatio-nen, Vereinen etc. angeboten. Die Sozialberatungsstellen genießen ei-ne Sonderstellung. Sie fungieren in ganz Oberösterreich als Anlaufstel-len für Menschen, die soziale Un-terstützung und Informationen über Hilfsmöglichkeiten im Rahmen der Plege und Betreuung benötigen. Primäres Anliegen der Sozialbera-tungsstellen ist es, den Menschen den Zugang zu sozialen Hilfen zu erleichtern. Die Sozialhilfeverbände haben laut Gesetz (gemäß § 31 Abs. 5–7 des oberösterreichischen Sozi-alhilfegesetzes 1998) die Verplich-tung zur Errichtung von Sozialbera-tungsstellen in ihrem jeweiligen re-gionalen Zuständigkeitsbereich (vgl. Land Oberösterreich, 2008, 18–20). Derzeit gibt es im Bezirk Steyr-Land zwei Sozialberatungsstellen. Die Fi-nanzierung der ambulanten Plege und Betreuung erfolgt von mehreren Instanzen (Bund, Länder, Gemein-den). Die Verwendung der Gelder fällt in den Kompetenzbereich der Sozialhilfeverbände, die innerhalb der landesgesetzlichen Rahmenbe-dingungen die inanziellen Mittel verteilen einer Familiengesundheitsplege im Rahmen des deutschen Pilotprojektes (Eberl et al., 2008, 130–137). ÖSTERREICHISCHE PFLEGEZEITSCHRIFT www.oegkv.at 10/2011
  3. 3. 26 FACHBEITRAG Zusammenfassende Empfehlungen für die Einführung der Familiengesund-heitsplege im Bezirk Steyr-Land Adäquate Familiengesundheitsple-geausbildung Infolge der zunehmenden Akademi-sierung der Plege in Österreich ist die Ausbildung zukünftig auf tertiä-rer Ebene anzusiedeln, wie es auch bereits das österreichische Ausbil-dungscurriculum vorsieht. Ein be-rufsbegleitendes Masterstudium bzw. Universitätslehrgang, angeboten von der Gespag (Oberösterreichische Gesundheits- und Spitals AG) in Zu-sammenarbeit mit dem Fachhoch-schulcampus Steyr oder Linz, würde sich diesbezüglich anbieten. Bis zu einer lächendeckenden Akademisie-rung der Plege sollte alternativ eine Weiterbildung nach § 64 angeboten werden und in die derzeitigen ple-gebezogenen Studiengänge sollten zumindest Lehrveranstaltungen mit Fokus auf familien- und gemeindena-he Plege integriert werden. Die Aus-bildung richtet sich an diplomierte Ge-sundheits- und Krankenplegefach-kräfte aus dem ambulanten und sta- ÖSTERREICHISCHE PFLEGEZEITSCHRIFT 10/2011 www.oegkv.at
  4. 4. FACHBEITRAG tionären Bereich. Die AbsolventInnen sollten für eine bessere internationale Transparenz, Vergleichbarkeit und Nostriizierung die von der WHO vor-gesehene Zusatzbezeichnung „Fami-ly Health Nurse“ erhalten (vgl. Eberl et al., 2008, 52). Die Ausbildungskos-ten müssen vom Arbeitgeber und der öffentlichen Hand übernommen wer-den. Das Pilotprojekt in Deutschland zeigt, dass Ausbildungsinteressierte das Angebot wegen fehlender Finan-zierungsunterstützung nicht in An-spruch genommen haben (vgl. Eberl, et al., 2008, 101–102). Nationale ExpertInnen (jene, die bei der Curri-culumsentwicklung mitgearbeitet ha-ben), ausländische ExpertInnen (z.B. jene vom deutschen Pilotprojekt) so-wie regionale ExpertInnen sollten als DozentInnen herangezogen werden. Das berufsbegleitende Ausbildungs-schema (Theorieblöcke) führt dabei zu einer besseren Verfügbarkeit der Lehrkräfte. Sensibilisierung gesundheitspolitischer Entscheidungsträger Die österreichische Plegewissen-schaft muss diesbezüglich Überzeu-gungsarbeit leisten. Gesundheitspo-litischen Entscheidungsträgern muss der nachhaltige Nutzen (inanziell und qualitativ) von Gesundheitsförderung und Prävention kontinuierlich verge-genwärtigt werden. Wissenschaftli-che Arbeiten müssen klar und präzise aufzeigen, dass das österreichische Plegesystem ohne den „günstigen“ Leistungsbeitrag der Familien (ple-gende Angehörige) nicht funktionsfä-hig ist. Eine Aufwertung des ambulan-ten Plege- und Betreuungssektors auf allen Ebenen (bessere Einbin-dung während der Grundausbildung, inanzielle Lukrativität, bessere Wei-terbildungsmöglichkeiten etc.), wie es im Bericht „Plegenotstand in der Mobilen Plege“ (LBIMGS, 2005) vorgeschlagen wird, muss ebenfalls vollzogen werden. Ohne die Aner-kennung und Befürwortung der regi-onalen Leistungsanbieter ist eine Ein-führung nicht möglich. Sie müssen in die wissenschaftlichen Überlegungen miteinbezogen werden, um sie von der Notwendigkeit und den Nutzen einer Familiengesundheitsplege für ihre Organisationen zu überzeugen. Die Überzeugungsarbeit muss auf-grund der föderalistischen Strukturen in Österreich auf Bundes-, Landes-, Bezirks- und Kom-munalebene ge-schehen. Einbindung der Familiengesund-heitsplege in die bezirksspeziischen Strukturen Die vom SHVSE beauftragten Orga-nisationen (Rotes Kreuz und Caritas) sind jene Institutio-nen, die eine pro-fessionelle Famili-engesundheitsple-ge als Ergänzung ihres bisherigen Angebots anbieten können. Die Sozi-alberatungsstellen können von den Fähigkeiten einer Familiengesund-heitsplege erheb-lich proitieren, um ihre Informations-und Beratungsver-plichtung zu pro-fessionalisieren. Wundmanagement Zielgruppe: Gehobener Dienst für Gesundheits- und Kran-kenpflege Studienziel: Sie erwerben Kompetenzen für eine prozess-, ergebnis- und ressourcenorientierteWundpflege. Beginn: 23. April 2012 Abschluss: Akademische/r Wundmanager/in (3-stufig) Dauer: 6 Tage/1 Semester/2 Semester Gebühr: EUR 890,-/EUR 2.210,-/EUR 3.350,- Information und Anmeldung: Mag. Beatrix Aigner, E-Mail: beatrix.aigner@donau-uni.ac.at Tel: +43 (0)2732 893-2644, Fax: +43 (0)2732 893-4602 www.donau-uni.ac.at/pflegewissenschaft Donau-Universität Krems Dr.-Karl-Dorrek-Straße 30, 3500 Krems www.donau-uni.ac.at Eine Family Health Nurse ist in der Lage, ein gezieltes Community Assessment (regionale Bedarfs- und Ressourcenerhebung) durchzuführen (vgl. Wild, 2010, 18), und kann dem SHVSE somit Daten über den regionalen Plege- und Be-treuungsbedarf liefern, die als Basis für die Angebotsplanung dienen. Sie kennt den Plege- und Betreuungsbe-darf und die Ressourcen der plegebe-dürftigen Person und ihrer Familie und kann somit die aktuell bereits geforder-te plegerische Sicht bei der Plegestu-feneinteilung vertreten. Auch für zahl-reiche Fort- und Weiterbildungskurse im Rahmen der Angehörigenplege können Family Health Nurses einen großen Beitrag leisten. Das Angebot darf den anderen, nicht vom SHVSE beauftragten privaten Leistungsanbie-tern in der Region nicht vorenthalten werden. Ehrenamtliche Dienste (z.B. Stammtisch für plegende Angehöri-ge) können durch aktive Beteiligungen von Family Health Nurses ebenso pro-itieren wie Gemeinden (z.B. Hilfe bei der Realisierung von Gesundheitspro-jekten). Bei der Finanzierung bedarf es der notwendigen Voraussetzungen auf Bundes-, Landes-, Bezirks- und Kommunalebene zu, um die Leistun-gen der Familiengesundheitsplege anerkennen und aus öffentlicher Hand vergüten zu können. Von Vorteil wäre ein österreichweit einheitliches ambu-lantes Plege- und Betreuungssystem, ähnlich dem Vorarlberger Modell. Dies würde bei der Finanzierung für Trans-parenz sorgen, bundesweit geltende Qualitätsnormen für sämtliche in der ambulanten Plege und Betreuung tätigen Institutionen ermöglichen und regionale Vergleiche zulassen. Es könnte dadurch auch eine bundes-weit einheitliche Familiengesundheits-plegeausbildung umgesetzt werden. Ähnlich sieht das Rogner (2008, 116) im Zusammenhang mit einer einheitli-chen Einführung von Primary Nursing in Österreich. Regional lächendeckende Bedarfsevaluierung als Handlungsgrundlage Die plegenden Angehörigen aus Großraming erwiesen sich für die beispielhafte Bedarfsanalyse als ad-äquate Zielgruppe. Für eine regional www.oegkv.at ÖSTERREICHISCHE PFLEGEZEITSCHRIFT 10/2011 27
  5. 5. FACHBEITRAG lächendeckende Bedarfsevaluierung scheint demnach der Fokus auf ple-gende Angehörige passend. Es müs-sen auch die Meinungen der regio-nalen ambulanten Leistungsanbieter eingeholt werden. Die Organisations-leitungen, Beratungsstellen und die in der ambulanten Plege und Betreuung tätigen Plegefachkräfte (inkl. ehren-amtlicher MitarbeiterInnen) müssen daher in die Bedarfsevaluierung mit-einbezogen werden. Pilotprojekt als Vorstufe und Richtungsweiser für eine lächendeckende Einführung In Anlehnung an das deutsche Pilot-projekt sollte auch für Österreich ein Pilotprojekt gestartet werden. So kann festgestellt werden, inwieweit eine Fa-miliengesundheitsplege in Österreich überhaupt umsetzbar ist und welche konkreten Problemstellungen es gibt. Vorarbeit diesbezüglich wurde bereits durch die an die österreichischen Ver-hältnisse adaptierte Curriculumsent-wicklung geleistet. Für Oberösterreich würde sich der Bezirk Steyr-Land sehr gut für ein Pilotprojekt eignen. Die durchgeführte Bedarfsanalyse zeigt, dass die im Rahmen des Curriculums erarbeiteten potentiellen Handlungs-felder der Familiengesundheitsplege in Steyr-Land durchaus erprobt wer-den können. Das Land Oberöster-reich, der SHVSE sowie die einzelnen Gemeinden können mit ihrer Zustim-mung zum Pilotprojekt die inanziellen Weichen stellen. Eine wissenschaft-liche Projektbegleitforschung muss dabei evaluieren, wie sich die Arbeit der zukünftigen Familiengesund-heitsplegekräfte auf die ambulante Plege- und Betreuungslandschaft im Bezirk Steyr-Land auswirkt. Nur so kann der nachhaltige Nutzen einer Gesundheitsförderung und Präventi-on im Rahmen einer professionellen Familiengesundheitsplege aufgezeigt werden. Zukunftsszenario der Arbeit einer FHN In Anbetracht der derzeitigen Situati-on bzgl. der Umsetzung einer Famili-engesundheitsplege in Österreich ist dieses Betätigungsfeld derzeit leider nur eine Zukunftsvision. In einem kon-zipierten Zukunftsszenario wird unter der Annahme, dass die zuvor gege-benen Empfehlungen umgesetzt wer-den, die Arbeit einer Familiengesund-heitsplegekraft im Bezirk Steyr-Land beschrieben. Im Einzelnen analysiert das Szenario folgende Punkte: • Berufsqualiikation (fachliche Kom-petenzen, Berufserfahrung, persön-liche Fähigkeiten), • potentielle Anstellungsverhältnisse und die dazugehörigen möglichen Tätigkeitsbereiche, • Arbeitsplatz (Ausstattung, Lokalisati-on, etc.) Nähere Informationen bzgl. der Um-setzungsempfehlungen und des Zu-kunftsszenarios sind auf der Home-page des Österreichischen Gesund-heits- und Krankenplegeverbandes in der vollständigen Diplomarbeit (www.oegkv.at/publikationen/ab-schlussarbeiten/ diplomarbeiten. html) nachzulesen. Literatur Born G., Mertens E., Bartmann K. (2002): Plegende Angehörige. Balance zwi-schen Fürsorge und Entlastung. Verbrau-cher- Zentrale Nordrhein-Westfalen e. V., Düsseldorf. Chorherr T. (2007): Hilfe, wer plegt mich? Fakten, Standpunkte, Perspektiven. Ver-lag Carl Ueberreuter, Wien. Eberl I., Schnepp W. (2008): Abschlussbe-richt – Die multizentrische Pilotstudie der WHO zur Family Health Nurse. Eine Un-tersuchung über die Machbarkeit der Fa-miliengesundheitsplege in Deutschland. Lehrstuhl für familienorientierte und ge-meindenahe Plege in Witten/Herdecke. Im Auftrag des Deutschen Bundesverband für Plegeberufe e. V. (DBfK). Online unter http://www.familiengesundheitsplege.de/ iles/assets/FHN%20Abschlussbericht% 20Uni%20Witten%202008-08-21.pdf (7.03.2010). Hagauer S. (2010): Familiengesundheits-plege als Erweiterung der Plege zu Hau-se im Bezirk Steyr-Land (OÖ). Eine Be-darfsanalyse am Beispiel von plegenden Angehörigen aus der Gemeinde Großra-ming mit Empfehlungen für die Umset-zung im Bezirk Steyr-Land. Diplomarbeit. Universität Wien. Hasseler M., Meyer M. (Hrsg.) (2004): Am-bulante Plege: Neue Wege und Kon-zepte für die Zukunft. Professionalität erhöhen – Wettbewerbsvorteile sichern. Schlütersche, Hannover. Kollak I. (2004): FHN – Internationale Bei-spiele gelungener häuslicher Versorgung. In: Hasseler M., Meyer M. (Hrsg.): Ambu-lante Plege: Neue Wege und Konzepte für die Zukunft. Professionalität erhöhen – Wettbewerbsvorteile sichern. Schlüter-sche, Hannover, 85–108. Land Oberösterreich, Direktion Soziales und Gesundheit, Abteilung Soziales (2008): Oberösterreichischer Sozialbericht 2008. Online unter http://www.ooe.gv.at/cps/ rde/xbcr/SID-355B1567-4D35EF72/ooe/ sozialbericht08_kap01.pdf (15.10.2009). LBIMGS – Ludwig-Boltzmann Institut für Medizin- und Gesundheitssoziologie (2005): Plegenotstand in der mobilen Plege? Diagnosen und Lösungsmöglich-keiten. Mayring P. (2008): Qualitative Inhaltsanaly-se. Grundlagen und Techniken. 10. Auf-lage, Belz Verlag, Weinheim und Basel. ÖBIG – Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen (2005): Situation ple-gender Angehöriger. Endbericht. Online unter http://www.bmsk.gv.at/cms.site/at-tachments/ 9/0/6/ CH0184/CMS1229093595174/situa-tion_ pflegender_angehoeriger.pdf (26.03.2010). Österreichische Bundesregierung (2008): Regierungsprogramm für die XXIV. Ge-setzgebungsperiode. Präambel Regie-rungsprogramm 2008 – 2013. Gemein-sam für Österreich. Online unter http:// images.derstandard.at/2008/11/23/regie-rungsprogramm. doc (25.11.2008). Rogner M. (2008): Primary Nursing im am-bulanten Setting – eine Chance für Öster-reich? Diplomarbeit. Universität Wien. Rotes Kreuz Österreich (2008): To Do-Liste für Österreich. Online unter http://www.ro-teskreuz. at/ileadmin/user_upload/PDF/ Gesellschaftspolitik/Anliegen_Bundesre-gierung_ FINAL__2_.pdf (18.11.2008). Wild M. (2007): Plege (in) der Familie – Umsetzung der Family Health Nurse in Österreich. Österreichische Plegezeit-schrift, 60, 10, 18–23. Wild M. (2008): Gesundheitsförderung im Alter. Gesundheitsförderung ein neues Handlungsfeld für die Plege? Online unter http://www.oeph.at/docs/Linz2008/ Wild.pdf (20.03.2010). Wild M. (2010): Public Health als Hand-lungsfeld für die Plege. Österreichische Plegezeitschrift, 63, 1, 15–19. Mag. Stefan Hagauer Beendetes Studium der Pflegewissenschaft an der Universität Wien Derzeit im 3. Ausbildungsjahr in der Gesundheits- und Krankenpflegeschule am Kaiserin-Elisabeth Spital stefan.hagauer@gmx.at 28 ÖSTERREICHISCHE PFLEGEZEITSCHRIFT 10/2011 www.oegkv.at

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