4
Schwerpunkt
Über surfende Patienten und das Lernen
in der Cloud
Paradigmenwechsel im Verhältnis Laien – Experten
Patient...
5
Ein gutes Beispiel für Online-Bildung sind die
sogenannten MOOC. Das Akronym steht für
«Massive Open Online Courses». Un...
6
Kuratoren und Coaches werden zum Thema.
Und es stellt sich die Frage, wie Kompetenz-
entwicklung in einer Welt fühlender...
7
cherchen bereits einen Arzttermin vereinbart
oder abgesagt oder die Einnahme von Medi-
kamenten geändert. Auch die Anbie...
Nächste SlideShare
Wird geladen in …5
×

Über surfende Patienten und das Lernen in der Cloud

264 Aufrufe

Veröffentlicht am

Patientinnen und Patienten überprüfen ihre Diagnosen vermehrt online und sprechen ihren Arzt auf die gewonnenen Informationen an. Und: Das Wissen aus dem Netz verändert ihr Verhalten.

Veröffentlicht in: Soziale Medien
0 Kommentare
0 Gefällt mir
Statistik
Notizen
  • Als Erste(r) kommentieren

  • Gehören Sie zu den Ersten, denen das gefällt!

Keine Downloads
Aufrufe
Aufrufe insgesamt
264
Auf SlideShare
0
Aus Einbettungen
0
Anzahl an Einbettungen
2
Aktionen
Geteilt
0
Downloads
2
Kommentare
0
Gefällt mir
0
Einbettungen 0
Keine Einbettungen

Keine Notizen für die Folie

Über surfende Patienten und das Lernen in der Cloud

  1. 1. 4 Schwerpunkt Über surfende Patienten und das Lernen in der Cloud Paradigmenwechsel im Verhältnis Laien – Experten Patientinnen und Patienten überprüfen ihre Diagnosen vermehrt online und sprechen ihren Arzt auf die gewonnenen Informationen an. Und: Das Wissen aus dem Netz verändert ihr Verhalten. Das Thema dieser QUER-Ausgabe ist hochaktu- ell, denn in unserer zunehmend vernetzten Ge- sellschaft erhält das Lernen eine neue Dynamik – auch in Bezug auf den Umgang mit Gesund- heit und Krankheit. Mehr Mobilgeräte als Menschen Wir sind in der Tat umfassend vernetzt: In der Schweiz haben 85 Prozent der Gesamtbevöl- kerung Zugang zum Internet, rund drei Vier- tel davon sind in mindestens einem sozialen Netzwerk aktiv oder zumindest registriert. Fast 3 Millionen Schweizerinnen und Schweizer – rund 37 Prozent der Bevölkerung – nutzten Fa- cebook. Bei den unter 30-Jährigen sind es sogar 96 Prozent. 3,2 Millionen Schweizerinnen und Schweizer und die Hälfte der 9- bis 16-Jährigen Jugendlichen greifen mobil via Smartphone und Tablets auf das Web zu. Seit Ende 2013 gibt es weltweit erstmals mehr Mobilgeräte als Menschen und wir sind die erste Generation, die überall kosten- und draht- losen Internetzugang erwartet. Die daraus entstehende umfassendeVernetzung bedeutet auch, dass wir heute Zugang zu fast allem Wissen der Welt haben: das Internet als Realisierung der antiken Vision der Bibliothek von Alexandria. Wer etwas wissen will, «fragt» bei Google nach. In zehn Sekunden ist möglich, was früher eines Gangs zur Bibliothek bedurfte. Das Bildungsangebot ist im Netz omnipräsent. Die Digitalisierung der behandlungsrelevanten Daten eröffnet neue Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Arzt und Patientin.
  2. 2. 5 Ein gutes Beispiel für Online-Bildung sind die sogenannten MOOC. Das Akronym steht für «Massive Open Online Courses». Und genau das sind sie auch: riesige, kostenlose, frei zugäng- liche, partizipative Lerngefässe für selbstorga- nisiertes Lernen. «Crowdsourced learning net- works» für eine Welt, in der Information und Wissen überall zugänglich ist. MOOCs sind Lernevents, an denen alle mitmachen können, die sich für das Thema interessieren, bei denen Wissen gemeinsam erarbeitet wird und nach- haltige Wissensnetzwerke entstehen. Wissen teilen, Wissen erweitern Ausgehend von einem Thema und einem Zeit- Digitalisierte Patientendaten: Kanton Aargau ist aktiv Immer mehr Patientinnen und Patienten fragen vor oder nach dem Arztebesuch auch Dr. Google. Sie managen ihre Ge- sundheit aktiv und verhalten sich ent- sprechend – auch beim Arzt. Parallel dazu automatisieren die Leistungserbringer im Gesundheitswesen immer mehr Kommu- nikationsprozesse untereinander. Wenn Kommunikationsprozesse im Gesund- heitswesen technisch und inhaltlich stan- dardisiert werden und die Patientinnen und Patienten auf dieser Grundlage Zugriff auf ihre behandlungsrelevanten Daten haben, sprechen wir von ‹Electronic Healthcare› oder von eHealth. Der Kanton Aargau hat 2012 ein Programm lanciert, das sich dieserThematik bis Ende 2015 intensiv widmet. Zum Programm gehört auch die Unter- stützung von Aktivitäten, die in einem erweiterten eHealth-Kontext den Bürge- rinnen und Bürgern direkt zugute kom- men. Dazu gehören ein Angebot zum elektronischen Impfdossier im Rahmen der Schulimpfungen oder die elektro- nische Patientenverfügung: 1000 Aargau- erinnen und Aargauer profitieren von einem um 10 Franken ermässigten Preis, wenn sie hre Vorsorgedokumente – zum Beispiel die Patientenverfügung – auf der Grundlage eines Angebots der Pro Senec- tute Aargau – «Docupass» – erstellen und digitalisieren. Der Vorteil der Digitalisie- rung der Patientenverfügung liegt darin, dass sie im Bedarfsfall jederzeit und von überall her online zugänglich ist. Informationen zum «Docupass» erteilt die Pro Senectute Aargau: www.docupass.ch. Informationen zum eImpfdossier im Rahmen der Schulimpfungen erteilt die Lungenliga Aargau: www.llag.ch. Enrico Kopatz, stv. Leiter Kommunikation und Pro- jektleiter vom ‚Programm eHealth Aargau 2015‘
  3. 3. 6 Kuratoren und Coaches werden zum Thema. Und es stellt sich die Frage, wie Kompetenz- entwicklung in einer Welt fühlender Compu- ter, kluger Wolken (Clouds) und sinnsuchender Netze aussehen mag. Ganz Ähnliches geschieht auch im Gesund- heitswesen. Überhaupt haben diese zwei Sys- teme Bildung und Gesundheit vieles gemein- sam: beide sind von vitaler gesellschaftlicher Bedeutung, verschlingen Unmengen an Geld, sind konstituiert durch traditionell ritualisier- te, aber sich gegenwärtig verändernde Laien- Experten-Gefüge und beide Systeme kämpfen in ihrer verstaatlichten Ausprägungsform mit gesellschaftlichem Status und unentwegten Re- formansprüchen. Dr. Google und Dr. med. – Vom Patienten zum ePatienten Dass Gesundheitsinformationen zunehmend via Internet erschlossen werden, ist nicht neu. Über 80 Prozent der Internetnutzerinnen und -nutzer recherchieren im Web zu gesundheits- bezogenen Themen. Patientinnen und Patienten überprüfen ihre Diagnosen online und sprechen ihre Ärztin oder ihren Arzt auf die Informatio- nen aus dem Netz an. Und lassen sich von die- sem Zusatzwissen leiten: Mehr als ein Drittel der «Onliner» hat aufgrund eigener Internetre- plan, stellen die Kursanbieter von MOOCs the- matische Ressourcen wie Texte oder Videos zur Verfügung. Die Teilnehmenden entscheiden selbst, ob und in welcher Weise sie sich enga- gieren. Sie können selber aktiv werden und wei- tere Materialien kreieren: Blogbeiträge, Tweets, Videos oder Podcasts. Sie stellen Verbindungen zwischen Ideen und Materialien her, die ande- re Teilnehmende einsehen, diskutieren oder er- weitern können. Was zählt ist das Engagement im Lernprozess, das weit über den eigentlichen Kurs hinausgeht. Paradigmenwechsel im Verhältnis Laien – Experten Damit ergibt sich ein Paradigmenwechsel in den Rollen von Lernenden und Lehrenden: das Aus- wendiglernen von in Büchern festgehaltenen Fakten hat ausgedient, das interaktive Lernen im Diskurs ist angesagt. Die meisten MOOC- Angebote sind kostenlos und stehen allen offen. Und sie werden genutzt. Es gibt Kurse, die tau- sende von Teilnehmenden haben, und es gibt tausende mögliche Kurse; ein Ikea-Katalog der Bildung. Traditionelle Bildungsinstitutionen reiben sich verwundert die Augen. Das Bildungswesen verändert sich: informelles und selbstgesteuertes Lernen, vernetzte Lern- Communities und Lehrpersonen als Content- Das Papier-Aktenarchiv ist in naher Zukunft wegzudenken, neue, standardisierte Technologiuen lassen Pati- enten an ihren Patientendaten teilhaben.
  4. 4. 7 cherchen bereits einen Arzttermin vereinbart oder abgesagt oder die Einnahme von Medi- kamenten geändert. Auch die Anbieter zur pri- mären Prävention kommen heute ohne das Netz nicht mehr aus. Patientinnen und Patienten sind heute aber nicht nur digital informiert, sondern zuneh- mend auch digital vernetzt. Sogenannte «Online Health Communities», in denen sich Patienten organisieren, austauschen und moralisch un- terstützen, weisen enorme Wachstumszahlen auf. Allein die Parkinson-Patientencommunity auf PatientsLikeMe (www.patientslikeme.com) hat heute über 8‘000 Mitglieder. Umgang mit Gesundheit und Krankheit als vernetzter Lernprozess Der Umgang mit Gesundheit und Krankheit ge- schieht heute nicht mehr isoliert zwischen Arzt und Patient, zwischen Health Professional und Gesundheitskonsument, sondern ist zu einem zusammenhängenden Gebilde geworden, das sich über verschiedene Orte, Zeiten, Technolo- gien und soziale Settings, formell oder informell Prof. Dr. Andréa Belliger (*1970) ist Prorektorin der Pädagogischen Hoch- schule Luzern und Co-Leiterin des Instituts für Kommunikation & Füh- rung (ikf). Andréa Belliger leitet unter anderem den Studiengang CAS eHealth – Gesundheit digital (Weitere Informationen unter www.ikf.ch). hinwegbewegt. Und wie die Lernenden im Bil- dungswesen, so fordern die heutigen ePatienten vom traditionellen System und seinen Akteuren zunehmend Kommunikation, Transparenz und Partizipation. Das Lernen verändert sich, unser Umgang mit Gesundheit und Krankheit verändert sich. Als Gesellschaft müssen wir uns der Frage stellen, was wir vom Bildungs- und Gesundheitswe- sen unter diesen sich verändernden Vorzeichen eigentlich erwarten. Eines ist klar: In beiden Bereichen benötigen wir Personen mit neuen Kompetenzen, mit Media Literacy und Health Literacy. Menschen, die als Lernende oder Pa- tienten, als Lehrpersonen oder Health Professi- onals fähig sind sich zu vernetzen, gemeinsam Ideen zu entwickeln, sich an Veränderungen an- zupassen … – und die in erster Linie fähig sind, den Umgang mit Gesundheit und Krankheit als vernetzten Lernprozess zu verstehen. Text: Andréa Belliger Fotos: Keystone, zVg, Rahel Meier, DGS Schon heute lassen sich behandlungsrelevante Daten im Netz speichern und über Smartphone abrufen.

×