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Plastik am Pranger

Kunststoff zwischen öffentlicher Erregung und politischer Regulierung
- Impuls Dr. Hans Bellstedt, hbpa -
Berlin, im Oktober 2018

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Plastik am Pranger

  1. 1. Kunststoff zwischen öffentlicher Erregung und politischer Regulierung - Impuls Dr. Hans Bellstedt, hbpa - Berlin, im Oktober 2018 Plastik am Pranger
  2. 2. Agenda I. „Am Pranger“ – was ist das eigentlich? II. „Plastik am Pranger“ – eine Annäherung in acht Schritten III. Schlussfolgerungen Plastik am Pranger Seite 2
  3. 3. Was ist (bzw. war) ein Pranger? Plastik am Pranger Seite 3. ▪ Holzpfosten oder –wand, an der ein Verurteilter gefesselt, öffentlich vorgeführt und der allg. Schmach ausgesetzt wurde ▪ Verurteilter hatte öffentliche Schande zu erdulden ▪ „normales“ Weiterleben in der Gemeinschaft dadurch unmöglich ▪ Berühmtes Opfer: Daniel Defoe (1660-1731), Autor v. Robinson Crusoe ▪ In Berlin wurde zuletzt 1853 eine (des Meineids beschuldigte) Frau auf dem Hausvogteiplatz an den Pranger gestellt Im heutigen Sprachgebrauch: jemanden „an den Pranger stellen“ = ihn/sie öffentlich bloßstellen
  4. 4. Bloßgestellt: Daniel Defoe am Pranger
  5. 5. Agenda I. „Am Pranger“ – was ist das eigentlich? II. „Plastik am Pranger“ – eine Annäherung in zehn Schritten III. Schlussfolgerungen Plastik am Pranger Seite 5
  6. 6. Was bewegt die Menschen? Tplastik am Pranger Seite 6 ▪ Emnid-Umfrage (BILD am Stg.), 15.7.:  Top 3: Altersarmut, Bildungschancen, Kranken- und Pflegeversicherung  Umwelt- und Klimaschutz an 7ter Stelle ▪ R+V-Versicherung (6.9.2018), „Ängste der Deutschen“:  Top 3: Gefährdung Weltfrieden, Flüchtlinge, Zuzug von Ausländern  Naturkatastrophen an 8., Schadstoffe in Lebensmitteln an 9. Stelle ▪ Umweltbewusstseinsstudie 2016 (UBA/BMU):  #1: Plastikmüll in den Weltmeeren (Tiefsee, aber auch Strände)  gefolgt von: Abholzung Wälder, Artensterben, Feinstaub o. Glyphosat Plastik und Plastikmüll an der Spitze der Umweltängste!
  7. 7. Zugemüllt: Strand in der Karibik
  8. 8. Plastikmüll - worum geht es genau (1)? Plastik am Pranger Seite 8 ▪ 300-400 Mio t Kunststoffproduktion pro Jahr (z. Vgl. 1950: 2 Mio t) ▪ lt. EU-KOM fallen in Europa 25 Mio. t Abfall/Jahr an ▪ Stark ansteigende Verbreitung von Kunststoffabfällen und Mikroplastik in terrestrischer und aquatischer Umgebung  Primäres Mikroplastik Typ A: Reibkörper in Kosmetika, Strahlmitteln, Pellets, Laserpulver  entsteht bei der Herstellung eines Produkts  Primäres Mikroplastik Typ B: Abrieb von Reifen, beim Waschen freigesetzte Fasern, Verwittern von Farben  entsteht beim Verbrauch  Makroplastik = Abfall wie bspw. Kaffeebecher, Plastiktüten (Plastic Litter)  Sekundäres Mikroplastik: Verwitterung und Fragmentierung von Makroplastik im terrestrischen oder aquatischen Umfeld (u.a. durch UV-Strahlen, Salzwasser) ▪ Gesamtkunststoffemissionen: 26 % Makro-, 74 % Mikroplastik
  9. 9. Plastikmüll - worum geht es genau (2)? Plastik am Pranger Seite 9 ▪ Übergang von Kunststoffemissionen in Flüsse und Meere – Eintrag erfolgt über:  z.B. Regenwasserkanäle (Trennsystem), Mischwasserüberläufe  direkt einleitende Haushalte, Industrien, Schiffe o. wasserbauliche Einrichtungen  daneben diffuse Einträge (Wind, Regen, Grundwasser, Littering) ▪ Zweckentfremdung der Toilette als Abfalleimer  Zusatzlast für Klärprozesse ▪ Hohe Mikroplastikanteile in Klärschlamm – über Verwendung als Dünger erfolgt Rückführung in die Umwelt ▪ Mikroplastikrückstände auch im Arktik-Eis – Abschmelzen (Stichwort Klimawandel) führt zu erneuter Belastung der Meere Betroffenheit von Umwelt und Mensch durch Makro- und Mikroplastik ist unbestritten und besorgniserregend.
  10. 10. KUNSTSTOFF-Produktion: 300 – 400 Mio. t/Jahr z.B. Rohre Gebrauchsartikel Kläranlagen Waschmaschine Abwasse r Gebrauch Abfall Verwitterun g Recycling, Deponien, Thermische Verwertung v.a. Afrika, Asien Flüsse Klärschlamm Boden Abrieb Abwasser Diffuse Einträge, z.B. Wind, Regen Flüsse Eintrag ins Meer Primäres Mikroplastik Sekundäres Mikroplastik Fasern, Partikel Ca. 8 Mio. t/Jah r z.B. Autoteilez.B. Möbel Woher stammt der Meeresmüll? hbpa-Infografik, Oktober 2018 Thermische Entsorgung
  11. 11. Was unternimmt die Zivilgesellschaft? Plastik am Pranger Seite 11 ▪ Ocean Cleanup: Boyan Slat (NL, 23), sammelt westlich von Kalifornien Plastikmüll mit von Schläuchen/Rohren herabhängendem Filter ein ▪ Orange Ocean: Peter Christmann, ehem. Pro7/SAT 1, und Christian Baudis, ehem. Google, gründen NGO, produzieren Bewegtbilder für „1st World Ocean Media Day“ ▪ „Plastic attacks“ (15.9., Berlin): Aktivisten betreten Supermarkt, packen gekaufte Ware in Jutebeutel und Tupperware um – Verpackungen verbleiben im Supermarkt ▪ Greenpeace rät: Einkaufen bei „Unverpackt“, Jute-Beutel, keine To-Go- Getränke, Wasser-aus-der-Leitung-trinken, keine Espresso-Kapseln, Bio- Kaugummi, Kleider tauschen, Holzzahnbürsten, Wascherde… Thema Plastikmüll „in der Zivilgesellschaft angekommen“, wie vorher Atomkraft, Grüne Gentechnik oder Glyphosat…
  12. 12. Den Ozean „fegen“: The Ocean Cleanup
  13. 13. Einkaufen ja, Verpackung nein: „Plastic attack“ in Paris
  14. 14. Was unternehmen Industrie und Handel? Seite 14 ▪ Sept. 2018: Coca Cola, DOW Chemicals, Unilever und WalMart unterstützen G7-Charta zum Kampf gegen Meeresmüll ▪ 2016: 360 Unternehmen verpflichten sich, Plastiktüten aus dem Verkehr zu ziehen (Verbrauch seither um über 50% zurückgegangen) ▪ Aldi, Lidl, Edeka, Rewe eliminieren Plastikverpackungen bei Eigenprodukten; Rewe verkauft kein Einweggeschirr mehr ▪ Starbuck‘s, MacDonalds et al. verzichten auf Plastikstrohhalme, Rührstäbchen – Einführung strohhalmloser Deckel ▪ alternative Strohhalmvarianten (zB Maccaroni, Glas…) ▪ Industrievereinigung Körperpflege und Waschmittel: Verzicht auf Mikroplastik in Körperpflegeprodukten (ab 2013) Selbstverpflichtungen, um härterer Regulierung zuvorzukommen
  15. 15. Starbuck‘s: der strohhalmlose Trinkbecher
  16. 16. Mikroplastik-Filter für die Waschmaschine
  17. 17. Was sagt die Wissenschaft?*) Plastik am Pranger Seite 17 ▪ Makro- und Mikroplastik sind chronisch wassergefährdend. ▪ Mikroplastik beeinflusst Immunsystem, Fertilität und Mortalität. ▪ Heutige Kunststoffemissionen werden zu 50% in 100 Jahren, die übrigen 50% in bis zu 1 000 (!) Jahren abgebaut (Fraunhofer, Juni 2018). ▪ Daher: Kunststoffemissionen um den Faktor 27 (!) vermindern. Gefordert wird ein „Policy-mix“ aus • Faserfilter für Waschmaschinen (Vermeidung am Entstehungsort) • Verbote des vorsätzlichen Einsatzes (z.B. Kosmetik, Reinigungsmtl.) • Ausweitung von Pfandsystemen • Verlängerte Nutzungsdauer (z.B. Reifen, Farben)  Langlebigkeit • Einbezug der Gummibranche (Stichwort Reifenabrieb) • erhöhte Rezyklierbarkeit (u. entsprechende Anreizsysteme) *) Studie Fraunhofer UMSICHT, Juni 2018
  18. 18. Was fordert die Politik (1)? Plastik am Pranger Seite 18 ▪ Nutzen von Plastik generell nicht in Abrede gestellt (z.B. DIE LINKE: „Kunststoffindustrie ist unverzichtbar“; BT-Wahlprogramm 2017) ▪ Ängste der Bürger (s.o.), toxische Wirkungen (sh. Fraunhofer) zwingen dennoch zum Handeln (Plastikmüll, Meeresverschmutzung). ▪ EU-Kunststoffstrategie:  Ab 2030 alle Kunststoffverpackungen auf EU-Markt recyclingfähig (derzeit nur 30% Verwertung)  Einweggeschirr, Plastikhalme aus dem Verkehr ziehen.  wissentliche Verwendung von Mikroplastik (zB in Kosmetika, Reinigungsmitteln) reduzieren  Label für biologisch abbaubare und kompostierbare Kunststoffe ▪ Plastiksteuer?  eher haushalterisch bedingt (G. Oettinger), wird offenbar nicht weiter verfolgt.
  19. 19. Auslaufmodell: Einweg-Plastikprodukte
  20. 20. Was fordert die Politik (2)? Titel der Präsentation / KRV e.V. Seite 20 ▪ Bundesebene:  Verpackungsges. (Verwertungsquoten von 30 auf > 60 %; Zentrale Stelle);  Gewerbeabfall-VO seit 2017: Getrenntsammlung, Doku-Pflichten  Koalitionsvertrag: erhöhte Recyclingquoten, Produktverantwortung  BMBF-Forschungsprogramm „Dem Plastik auf der Spur“ (2017) ▪ B90/Grüne – Aktionsplan gegen Plastikmüll (28.8.2018), u.a.:  Verbot o. Besteuerung von Einwegprodukten; Stärkung v. Mehrwegsystemen  Ökodesign;  Steuer auf rohölbasierte Plastikprodukte  Verbot von Mikroplastik in Produkten EU hat Plan vorgelegt, will „Taten sehen“ - „GroKo“ tastet sich erst noch an Thema heran – Grüne machen Druck...
  21. 21. Taten statt Worte: Grüne stellen Aktionsplan gegen Plastikmüll vor
  22. 22. Wie agieren andere Industrien „am Pranger“? Plastik am Pranger. Seite 22 ▪ AUTO - Dieselgate; Dieselgipfel 2017 (Software-Updates, 500 Mio Euro- Fonds). Ablehnung von Hardware-Umrüstungen, stattdessen Umstiegsprämien. Aber: Sept. 2018: Urteil Verwaltungsgericht Wiesbaden: Fahrverbot Ffm. ab 2019 – Kanzlerin lädt Auto-“Bosse“ vor  Dieselgipfel Anf. Oktober 2018 sieht auch HW-Nachrüstungen vor ▪ CHEMIE - Glyphosat: Industrie (v.a. Bayer/Monsanto) will mit Studien Unbedenklichkeit belegen; BM Schmidt (CSU) stimmt Ende 2017 Verlängerungsgenehmigung auf EU-Ebene zu, bindet SPD nicht ein…  Koalitionsvertrag 2018: Anwendung von Glyphosat "so schnell wie möglich grundsätzlich beenden“ (Begründung: Biodiversität); ▪ FLEISCH - Tierwohl: Industrie, Handel und Tierschutzbund führen freiwilliges Label ein (2015) – Tierschutzbund wittert „Betrug“ und tritt aus (2016)  BMEL J. Klöckner (2018): Staatl. Tierwohllabel kommt!
  23. 23. Vrnl: Matthias Wissmann (VDA), Harald Krüger (BMW), Dieter Zetsche (Daimler), Matthias Müller (VW), Herbert Diess (VW), Rupert Stadler (Audi) Wo sind Sie geblieben? Spitzen der Autoindustrie beim Dieselgipfel 2017
  24. 24. Demonstration gegen Monsanto und Glyphosat in Berlin
  25. 25. Agenda I. „Am Pranger“ – was ist das eigentlich? II. „Plastik am Pranger“ – eine Annäherung in acht Schritten III. Schlussfolgerungen Plastik am Pranger . Seite 25
  26. 26. Schlussfolgerungen: Plastik am Pranger. Seite 26 ▪ „Am Pranger“ stehende Industrien agieren oftmals zu lange defensiv, wollen (überholte?) Geschäftsmodelle verteidigen ▪ Politik nimmt wenig ( Auto) bis keine ( Glyphosat, Tierwohl) Rücksicht darauf… ▪ Vorteile von Kunststoff ggü. anderen Werkstoffen werden anerkannt… ▪ Aber: emotionale Diskussion / Gefahr mangelnder Differenzierung – Überschusshandlungen möglich ▪ Kritische Fragen, z.B. nach mangelnder Rezyklierfähigkeit oder Gesundheitsgefährdung best. Produkte, nicht auszuschließen ▪ Empfehlung: nicht defensiv bleiben, sondern proaktiv kommunizieren ▪ Gesellschaftliche Debatten ernst nehmen, offenen Dialog mitgestalten Wertbeitrag („purpose“) der eigenen Industrie in den Fokus rücken!
  27. 27. Rückfragen gerne an: Kontakt Hans Bellstedt Public Affairs GmbH Französische Straße 14 10117 Berlin Telefon +49 (0) 30 / 83 21 680-50 hb@hbpa.eu Twitter: @HansBellstedt www.hbpa.eu

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