MDG-Milieuhandbuch 2013 - Auszug

28.412 Aufrufe

Veröffentlicht am

Das neue Milieuhandbuch über die "Religiösen und kirchlichen Orientierungen in den Sinus-Milieus".
Zu beziehen über die MDG Medien-Dienstleistung:
www.mdg-online.de

0 Kommentare
4 Gefällt mir
Statistik
Notizen
  • Als Erste(r) kommentieren

Keine Downloads
Aufrufe
Aufrufe insgesamt
28.412
Auf SlideShare
0
Aus Einbettungen
0
Anzahl an Einbettungen
20.359
Aktionen
Geteilt
0
Downloads
0
Kommentare
0
Gefällt mir
4
Einbettungen 0
Keine Einbettungen

Keine Notizen für die Folie

MDG-Milieuhandbuch 2013 - Auszug

  1. 1. AUSZUGMDG-Milieuhandbuch 2013Religiöse und kirchliche Orientierungen in den Sinus-MilieusIm Auftrag der MDG Medien-Dienstleistung GmbHHeidelberg / München, Januar 2013Auszug
  2. 2. AUSZUGImpressumHerausgeber: MDG Medien-Dienstleistung GmbH, MünchenInstitut: SINUS Markt- und Sozialforschung GmbH, HeidelbergAutoren: Dr. Marc Calmbach, Berthold Bodo Flaig, Ingrid EilersProjektleiter: Georg Frericks (MDG)Beratung: Thomas Arnold, Gottfried Baumann, Prof. Andreas Büsch, Prof. Dr. Dr. Michael N. Ebertz, Stefan Eß, Dr. Jürgen Holtkamp, Andreas Huber, Dr. Tobias Kläden, Michael Kleine, Christiane Kolfenbach, Andreas Lohmann, Prof. Dr. Matthias Sellmann, Prof. DDr. Klaus Vellguth, Caroline Wolanski, Dr. Armin WoutersFörderung: Das MDG-Milieuhandbuch 2013 wurde gefördert aus Mitteln des Treuhandfonds Medien des Verbands der Diözesen Deutschlands (VDD)Copyright © 2013 by MDG Medien-Dienstleistung GmbH, MünchenCopyright © 2013 by SINUS Markt- und Sozialforschung GmbH, HeidelbergDie MDG Medien-Dienstleistung dankt folgenden Institutionen für die finanzielle Unterstützung der Studie: MDG-Milieuhandbuch 2013: Religiöse und kirchliche Orientierungen 2
  3. 3. AUSZUGWarum wir uns als Kirche mit den Sinus-Milieus®beschäftigen Die Mitglieder der Kirche finden sich in allen 10 Milieus. Dieser Milieu-Reichtum ist etwas Wertvolles. Mit vielen ihrer Angebote erreicht die Kirche aber nur wenige Milieus. Die Sinus-Milieus bieten eine soziologische Brille, die der Kirche hilft, die Vielfalt und Unterschiedlichkeit ihrer Mitglieder besser zu sehen und zu verstehen. Diese soziologische Brille hilft auch, uns selbst als Kirche besser wahrzunehmen und unsere Milieuverengung zu erkennen. Die Sinus-Milieus sensibilisieren für die Unterschiedlichkeit von Menschen und für die Vielfalt der Lebensweisen MDG-Milieuhandbuch 2013: Religiöse und kirchliche Orientierungen 3
  4. 4. AUSZUGErkenntnisinteressen Update der Vorgängerstudie 2005 auf der Grundlage des aktualisierten Gesellschaftsmodells der Sinus-Milieus Aktuelle Erkenntnisse, wie Glaube, Religion und Kirche in der heutigen Zeit verstanden und gelebt werden Praxisrelevante Befunde, welche Anschlussmöglichkeiten es für die Kirche in den verschiedenen Bevölkerungsmilieus gibt Anhaltspunkte für eine milieusensible Pastoral, Hinweise für zeitgemäßes Kirchen-Marketing und erfolgreiche (mediale) Kommunikation MDG-Milieuhandbuch 2013: Religiöse und kirchliche Orientierungen 4
  5. 5. AUSZUGDie Sinus-Milieus® in Deutschland 2013Soziale Lage und Grundorientierung Sinus B1Oberschicht / Liberal-intellektuelles Sinus C1 Obere 1 Sinus AB12 Milieu Milieu derMittelschicht Konservativ- 7% Performer etabliertes 7% Sinus C12 Milieu Expeditives 10% Sinus B12 Milieu Sozialökologisches 6% Milieu Sinus C2 Mittlere 7% Adaptiv-Mittelschicht 2 pragmatisches Milieu Sinus B23 9% Sinus AB23 Bürgerliche Mitte Traditionelles Milieu 14% 15% Sinus BC23 Hedonistisches Untere MilieuMittelschicht / 3 Sinus B3 15%Unterschicht Prekäres Milieu 9% © SINUS 2013Soziale A B Multioptionalität, C Exploration,Lage Traditions- Modernisierte Lebensstandard, Selbstverwirklichung, Beschleunigung, Refokussierung, verwurzelung Tradition Status, Besitz Emanzipation, Authentizität Pragmatismus neue Synthesen Grund- "Festhalten" "Bewahren" "Haben & Genießen" "Sein & Verändern" "Machen & Erleben" "Grenzen überwinden" orientierung Tradition Modernisierung / Individualisierung Neuorientierung MDG-Milieuhandbuch 2013: Religiöse und kirchliche Orientierungen 5
  6. 6. AUSZUGAnteil von Katholiken in den Sinus-Milieus Ø= 36%* Oberschicht / Mittelschicht Liberal- Obere Intellektuelle Performer Konservativ- 35% 35% Etablierte Expeditive 43% Sozialökologische 34% Mittelschicht 37% Adaptiv- Mittlere Pragmatische Bürgerliche 33% Mitte Traditionelle 36% Untere Mittelschicht / 44% = überrepräsentiert Hedonisten Unterschicht = durchschnittlich 31% = unterrepräsentiert Soziale Lage Prekäre 28% © SINUS 2012 Grundorientierung Festhalten Bewahren Haben & Genießen Sein & Verändern Machen & Erleben Grenzen überwinden Tradition Modernisierung / Individualisierung Neuorientierung Traditions- Modernisierte Lebensstandard, Selbstverwirklichung, Multioptionalität, Exploration, verwurzelung Tradition Status, Besitz Emanzipation, Authentizität Beschleunigung, Refokussierung, Pragmatismus neue Synthesen* Basis: VerbraucherAnalyse 2012, N = 32.218 (Bevölkerung ab 14 Jahren) MDG-Milieuhandbuch 2013: Religiöse und kirchliche Orientierungen 6
  7. 7. AUSZUGKurzcharakteristik der Sinus-Milieus®Sozial gehobene MilieusKonservativ-etabliertes Milieu Das klassische Establishment:10% Verantwortungs- und Erfolgsethik; Exklusivitäts- und Führungsansprüche; Standesbewusstsein, Entre-nous- AbgrenzungLiberal-intellektuelles Milieu Die aufgeklärte Bildungselite:7% liberale Grundhaltung und postmaterielle Wurzeln; Wunsch nach selbstbestimmtem Leben, vielfältige intellektuelle InteressenMilieu der Performer Die multi-optionale, effizienzorientierte Leistungselite:7% global-ökonomisches Denken; Konsum- und Stil- Avantgarde; hohe IT- und Multimedia-KompetenzExpeditives Milieu Die ambitionierte kreative Avantgarde:6% mental und geografisch mobil, online und offline vernetzt und auf der Suche nach neuen Grenzen und neuen Lösungen MDG-Milieuhandbuch 2013: Religiöse und kirchliche Orientierungen 7
  8. 8. AUSZUGKurzcharakteristik der Sinus-Milieus®Milieus der MitteBürgerliche Mitte Der leistungs- und anpassungsbereite bürgerliche14% Mainstream: generelle Bejahung der gesellschaftlichen Ordnung; Wunsch nach beruflicher und sozialer Etablierung, nach gesicherten und harmonischen VerhältnissenAdaptiv-pragmatisches Milieu Die moderne junge Mitte unserer Gesellschaft mit9% ausgeprägtem Lebenspragmatismus und Nutzenkalkül: zielstrebig und kompromissbereit, hedonistisch und konventionell, flexibel und sicherheitsorientiert; starkes Bedürfnis nach Verankerung und ZugehörigkeitSozialökologisches Milieu Konsumkritisches /-bewusstes Milieu mit normativen7% Vorstellungen vom "richtigen" Leben: ausgeprägtes ökologisches und soziales Gewissen; Globalisierungs-Skeptiker, Bannerträger von Political Correctness und Diversity MDG-Milieuhandbuch 2013: Religiöse und kirchliche Orientierungen 8
  9. 9. AUSZUGKurzcharakteristik der Sinus-Milieus®Milieus der unteren Mitte / UnterschichtTraditionelles Milieu Die Sicherheit und Ordnung liebende Kriegs- / Nach-15% kriegsgeneration: verhaftet in der alten kleinbürgerlichen Welt bzw. in der traditionellen Arbeiterkultur; Sparsamkeit, Kon- formismus und Anpassung an die NotwendigkeitenPrekäres Milieu Die um Orientierung und Teilhabe bemühte Unterschicht9% mit starken Zukunftsängsten und Ressentiments: Häufung sozialer Benachteiligungen, geringe Aufstiegs- perspektiven, reaktive Grundhaltung; bemüht, Anschluss zu halten an die Konsumstandards der breiten MitteHedonistisches Milieu Die spaß- und erlebnisorientierte moderne Unter-15% schicht / untere Mittelschicht: Leben im Hier und Jetzt, Verweigerung von Konven- tionen und Verhaltenserwartungen der Leistungsgesell- schaft MDG-Milieuhandbuch 2013: Religiöse und kirchliche Orientierungen 9
  10. 10. AUSZUGProjektrahmen der StudieReligiöse und kirchliche Orientierungen in den Sinus-Milieus 2013 MDG-Milieuhandbuch 2013: Religiöse und kirchliche Orientierungen 1 0
  11. 11. AUSZUGQualitativ-ethnografischer Forschungsansatz Ganzheitlich-verstehender Ansatz – analog zur Vorgängerstudie 2005 – Umfassende, in die Tiefe gehende Analyse der Wahrnehmungs-, Denk- und Erlebnismuster – Erfassung der hinter sozialen Normen und Klischees stehenden Bedürfnisse, Befindlichkeiten, Einstellungen und Motive Validität der Ergebnisse – Aufgrund der eingesetzten qualitativ-ethnologischen Methoden können gültige Aussagen auf vergleichsweise kleiner Stichprobenbasis gewonnen werden – Über die Sinus-Milieu-Quotierung wird das gesamte Spektrum der Lebenswelten berücksichtigt – Dadurch sind alle relevanten Wahrnehmungsmuster und Einstellungsdimensionen repräsentiert Das heißt: Die Ergebnisse der Studie sind gültig im Sinne inhaltlicher Relevanz und Typizität MDG-Milieuhandbuch 2013: Religiöse und kirchliche Orientierungen 1 1
  12. 12. AUSZUGStichprobenkonzept Befragung nur von Mitgliedern der katholischen Kirche – Ausgetretene oder nicht Getaufte wurden nicht in die Stichprobe einbezogen – Auch nicht berücksichtigt wurden Angehörige anderer Konfessionen und Konfessionslose 100 Einzelexplorationen (10 pro Sinus-Milieu®) – jeweils 5 männliche und 5 weibliche Befragte – davon jeweils 2 aktive und 3 passive Mitglieder – Altersquotierung entsprechend den Altersschwerpunkten im jeweiligen Milieu Die Interviews wurden regional gestreut in Nord-, Süd-, West- und Ostdeutschland durchgeführt – Berücksichtigung städtischer und ländlicher Gebiete MDG-Milieuhandbuch 2013: Religiöse und kirchliche Orientierungen 1 2
  13. 13. AUSZUGMethodische Anlage der Untersuchung Explorative Einzelfallstudien – rekrutiert nach Sinus-Milieus, Kirchenmitgliedschaft und Teilnahmeintensität (aktive vs. passive Mitglieder) – Einsatz erfahrener, mit dem Thema vertrauter Interviewer Leitfadengestützte Gespräche von 1½ bis 2 Stunden Dauer – Non-direktive Exploration – „Hausaufgabe“ vor bzw. nach dem Interview („Das gibt meinem Leben Sinn“ / „So stelle ich mir die ideale Kirche vor“) Foto-Dokumentation der Wohnwelten – Durchführung der Gespräche im häuslichen Umfeld der Befragten Einblicke in gelebte Alltagskontexte, unter Einbindung von religiösen und kirchlichen Bedürfnissen und Praktiken MDG-Milieuhandbuch 2013: Religiöse und kirchliche Orientierungen 1 3
  14. 14. AUSZUGDie Erhebungsthemen Alltagsleben, Lebenswelt: Arbeit, Freizeit, Familie Das Wichtigste im Leben, Lebensphilosophie und Lebenssinn Wohlbefinden, Glücksmomente Spiritualität, Glaube, Religion Christliches Leben, religiöse Praxis Wahrnehmung der katholischen Kirche: Die Institution und ihre Veränderung Wünsche und Erwartungen an die Kirche Teilnahme am kirchlichen Leben Ehrenamtliches Engagement neu versus 2005 Kirchliche Kommunikation, Pfarrbrief Sonderthema Spenden (eigenständiger Forschungsbericht) MDG-Milieuhandbuch 2013: Religiöse und kirchliche Orientierungen 1 4
  15. 15. AUSZUGAusgewählte, zusammenfassendeErgebnisseReligiöse und kirchliche Orientierungen in den Sinus-Milieus 2013 MDG-Milieuhandbuch 2013: Religiöse und kirchliche Orientierungen 1 5
  16. 16. AUSZUGGlaube und Religion: Zusammenfassung (1) Viele Befragte verstehen sich nicht als gläubig im traditionellen Sinn und suchen auch nicht aktiv nach einer Beziehung zu Gott. Insbesondere in den jungen und unterschichtigen Milieus spielen Glaube und Religion im Alltag häufig gar keine Rolle mehr. Bei vielen Befragten ist der Glaube individualisiert – und nicht an die katholische Religion und Kirche gebunden. Viele bezeichnen sich zwar als religiös, definieren aber den Inhalt ihres Glaubens ebenso wie ihre Vorstellungen von Gott eher diffus. Kernelemente des katholischen Bekenntnisses (z. B. Auferstehung von den Toten, Erbsünde, unbefleckte Empfängnis) werden nur noch von wenigen wörtlich genommen. Die Verbindlichkeit der katholischen Religion als geschlossenes Glaubenssystem scheint in der Viel- falt religiöser und spiritueller Angebote verloren gegangen zu sein. Viele stellen sich ein individuelles Glaubens-Patchwork zusammen und bedienen sich dabei aus vielfältigen (häufig fernöstlichen) Quellen. Während von den jungen Milieus die freie Wahl von Glaube und Religion selbstverständlich einge- fordert wird, finden sich bei (älteren) Angehörigen des traditionellen Segments noch Restbestände einer dem katholischen Katechismus verpflichteten Lebensführung. In den Milieus der Traditionellen, der Konservativ-Etablierten und zu einem guten Teil auch der Bür- gerlichen Mitte gehören Glaube, Religion und Kirche zusammen, geben in ihrer traditionellen Gestalt Rückhalt, Orientierung und Struktur und sorgen für soziale Einbettung. MDG-Milieuhandbuch 2013: Religiöse und kirchliche Orientierungen 1 6
  17. 17. AUSZUGGlaube und Religion: Zusammenfassung (2) Weithin überlebt hat sich allerdings die traditionelle (volkskirchliche) Frömmigkeit; sie gilt heute in den meisten Milieus, auch in denen des traditionellen Segments, als unzeitgemäße, unkritisch-naive Haltung, der es letztlich an (Selbst)Verantwortung mangelt – und die allenfalls noch in exotischem Gewand (Mystiker, Mönche, Einsiedler) geschätzt wird. In den modernen gehobenen Milieus findet häufig eine intellektuell-distanzierte Auseinanderset- zung mit Fragen der Religion und des Glaubens statt. Die christliche Religion gilt zwar als zentraler Bestandteil der abendländischen Kultur und als Basis einer allgemein verbindlichen Ethik. Vom Kanon kirchlicher Glaubenssätze haben sich aber die meisten emanzipiert, und für die persönliche Ausgestaltung ihres Glaubens haben diese keine Verbindlichkeit. MDG-Milieuhandbuch 2013: Religiöse und kirchliche Orientierungen 1 7
  18. 18. AUSZUGGlaube und Religion:Das Milieu-Panorama 10 Liberal-Intellektuelle 9 Performer • Interessiert-kritischer Zugang zu • Glaube widerspricht den Kernwerten1 Glauben und Religion(en) Rationalität und Eigenverantwortung 8 Expeditive Konservativ-Etablierte • Religion als zentraler Bestandteil • Glaube als „Exit-Strategie“ aus den• Religion als Teil der Familientradition kulturellen Lebens Zwängen des Alltags • Glaube als individuelles Konzept jen-• Religion als gesellschaftliches • Glaube als Basis einer ethischen • Vorbehalte gegenüber den eta- seits der bestehenden Religionen Bindemittel und Hüterin tradi- Grundhaltung blierten Religionen; Katholizismus • Offenheit für unterschiedlichste • Wunsch nach religiöser Vielfalt ist kaum anschlussfähig an das spirituelle Angebote; häufig tioneller Werte und Ökumene moderne Leben Patchwork-Glauben• Häufig intellektuelle Auseinander- • Ablehnung institutionalisierten setzung mit Fragen des 9 religiösen Lebens und jeder Art Glaubens, der Ethik und Moral 1 10 von religiösem Fanatismus 82 7 Sozialökologische Bürgerliche Mitte 7• Glaube kann (in unsicheren Zeiten) • Ablehnung des normativen Rückhalt und Orientierungshilfe sein 2 Anspruchs der Religionen;• Glaube, Religion und Kirche ge- kirchenkritische Grundhaltung 6 • Der persönliche Glaube ist nicht an hören zusammen; Kirche ist fester 3 eine Religion gebunden, häufig Bestandteil des sozialen Gefüges 5 individuelles Glaubens-Patchwork• Akzeptanz der ritualisierten • Faible für fernöstliche spirituelle religiösen Praxis (z. B. Gebete) 4 Angebote3 6 Traditionelle Adaptiv-Pragmatische• Häufig gläubige Katholiken – von 4 Prekäre 5 Hedonisten • Glaube und Religion sind alltags- Kindheit an (traditionelle Volks- • Häufig fehlende Bezüge zu Religion • Glaube und Religion haben im fern; aber Offenheit für Kasualien kirche) und Glaube, Konzentration auf das Alltag wenig Bedeutung • Religion und Glaube werden unter Diesseits • Die Bestimmungen der (christ- Nützlichkeitsaspekten betrachtet;• Kaum kritische Auseinandersetzung • Den wenigen (oft naiv) Gläubigen lichen) Religion sind einengend Kirche als Dienstleisterin mit Glaube, Religion und Kirche spendet ihr Glauben Trost und und spaßfeindlich • Wunsch nach spirituellen Wellness-• Religion ist Lebensgrundlage und Hoffnung • Stark individualisierte Glaubens- Angeboten Lebenssinn, gibt Halt und Struktur • Verbreitet Enttäuschung durch konzepte – losgelöst von Kirche und Kirchenvertreter und Abwendung vom Glauben Kirche, Religion oder sogar Gott MDG-Milieuhandbuch 2013: Religiöse und kirchliche Orientierungen 1 8
  19. 19. AUSZUGGlaube und Religion:Milieutypische Aussagen 10 9 Liberal-Intellektuelle Performer „Als ich in Bosnien mal war, habe „Ich bin da sehr anpassungsfähig1 ich immer versucht, die örtliche geworden. Die einen nennen es 8 Expeditive Konservativ-Etablierte„Mein Glaube gibt mir Kraft und Moschee anzuschauen und zu gläubig und die anderen nennen es „Es gibt die einen, die sind eher soSinn für das Leben, wobei Glauben gucken, wie sieht religiöses Leben in irgendwie anders. Ich selbst habe da auf Kräuterhexen-mäßigja keine wissenschaftlich beweisbare dem Ort aus, wo ich da bin. Weil ich eigentlich gar keinen Begriff dafür.“ unterwegs, dann gibt es welche, die immer auf der Suche bin nach der Akupunktur, Yoga, Ayurveda (…).Tatsache ist“ Funktion von Religion.“ Und ich finde alle Richtungen sehr spannend, habe aber jetzt für 9 mich, glaube ich, noch nicht so das 1 10 gefunden, wo ich jetzt sagen 82 7 würde, das ist jetzt meins.“ Bürgerliche Mitte 7 Sozialökologische„Warum ich gläubig bin? Weil ich so „Ich glaube an den Sinn in unseremerzogen worden bin.“ 2 Leben, ich glaube an die Unsterblich- keit der Seele. Ich glaube an eine„Also was für mich wichtig war, ist 6 3 Verbindung von allem mit allem, andass wir kirchlich geheiratet haben.“ 5 einen Zusammenhang von allen Seelen.“ 43 6 Traditionelle Adaptiv-Pragmatische„Ich glaube, wenn Du keiner Religion 4 5 „Das ist mir schon wichtig. Prekäre Hedonistenangehörst, fehlt Dir einfach irgend- „Als Kind habe ich ihn drum „Sagen wir so, es ist im Moment Ich mache Yoga, ich meditiere.wie die Wärme im Leben. Es gibt gebeten, bitte mach. Er hat nicht nicht wichtig für mich. Ich würde Das ist ja schon sehr spirituell, oder?einfach den Glauben, ich bin darin gemacht. Deswegen ist das für mich nicht sagen, dass mich das Ich glaube schon.“groß geworden.“ ganz arg schwer mit diesen irgendwie trägt oder so.“ Sachen, Geschöpf Gottes.“ MDG-Milieuhandbuch 2013: Religiöse und kirchliche Orientierungen 1 9
  20. 20. AUSZUGErwartungen an die Kirche: Zusammenfassung (1)Wie wird sich die katholische Kirche zukünftig entwickeln? Quer durch die Milieus sind sich die Befragten einig, dass die katholische Kirche in Deutschland, so wie sie im Moment ist, keinen Bestand haben wird: – Auflehnung, Empörung, Widerstand (aber keine Reformation 2.0) – Die Kirche muss sich verändern und sie wird sich verändern (weil sie das Potential dazu hat) – Die Kirche ist besser als ihre derzeitige Führung Die Vorstellungen dazu sind milieuspezifisch: – In den gehobenen Milieus sind viele davon überzeugt, dass die katholische Kirche im Kern unerschütterlich ist. Sie muss ihre Identität bewahren, aber in der Zeit ankommen. – In den Milieus der Mitte wartet man mit einer ganzen Reihe praktischer Vorschläge auf zur Abschaffung überholter Regeln und zur Verjüngung und Modernisierung der Ausdrucksformen von Kirche. – In den jungen und den unterschichtigen Milieus nimmt man die Kirche – aus der Distanz – so wie sie ist, weil man ohnehin nicht glaubt, etwas an den verkrusteten Strukturen ändern zu können. Wenn die Kirche verschwinden würde, wäre das im Alltag ohne Bedeutung. MDG-Milieuhandbuch 2013: Religiöse und kirchliche Orientierungen 2 0
  21. 21. AUSZUGErwartungen an die Kirche: Zusammenfassung (2)Was wünscht man sich von der katholischen Kirche? Trotz aller Kritik wird viel von der Kirche erwartet. Die Kirche und ihre Dienste werden nach wie vor gebraucht. Quer durch die Milieus wünschen sich gläubige Katholiken: – Spirituelle Orientierung, Sicherheit, Sinn – Seelsorgerische Begleitung in schwierigen Lebenslagen, Kasualien – Gemeinschaft mit Gleichgesinnten, Fröhlichkeit und Lebendigkeit – Aussicht auf ein wohlgeordnetes, tröstliches Ende (kirchliche Bestattung) Die Angst davor, „einfach so verscharrt zu werden“, ist ein wichtiges Argument für den Verbleib in der Kirche für diejenigen, die angesichts der desolaten Lage der katholischen Kirche am liebsten austreten würden. Unabhängig davon erwartet man von der Institution Kirche Beweglichkeit und Reformwilligkeit: – Mehr Kompetenzen für engagierte Laien – Mehr Frauen in Leitungsämter; Frauen zu Priesterinnen weihen – Die Zölibatspflicht für Geistliche aufheben; andere Einstellung zur Empfängnisverhütung und zur Sexualität – Sakramente für alle Menschen, die sich als Christen verstehen, unabhängig von Lebenswandel, sexueller Identität oder Konfession – Weniger Prachtentfaltung, weniger Machtmissbrauch – Konzentration auf die Kernaufgaben Gottesliebe und Nächstenliebe MDG-Milieuhandbuch 2013: Religiöse und kirchliche Orientierungen 2 1
  22. 22. AUSZUGErwartungen an die Kirche:Das Milieu-Panorama 10 9 Liberal-Intellektuelle Performer • Grundbedürfnis nach spiritueller • „Fluctuat nec mergitur“; Unbeweg-1 Orientierung bedienen lichkeit ist auch eine Stärke 8 Konservativ-Etablierte Expeditive• Kein Zweifel am Fortbestand der • Balance zwischen Öffnung und • Widerspruch zwischen • Gut für andere, man selbst braucht katholischen Kirche Kultivierung „uralter Riten“ Modernisierung und Wahrung der die Kirche nicht• In Deutschland • Schulterschluss mit anderen eigenen Identität aushalten • Mehr auf Jugendliche eingehen Bedeutungsverlust, in christlichen Konfessionen • Klarheit und Beständigkeit • Toleranz gegenüber unterschied- außereuropäischen Ländern überlebenswichtig lichen Lebensformen und Bedeutungszuwachs erwartet 9 Religionen• Modernisierung erscheint 1 10 82 unerlässlich 7 Bürgerliche Mitte 7 Sozialökologische• Gemeindeleitungsaufgaben auch • Deutliches Eintreten für Menschen an Laien übertragen 2 in sozialen Notlagen• Modernisierung, Öffnung, mehr • Weniger Prachtentfaltung 6 Menschlichkeit, mehr Lebendigkeit 3 • Geschlechtergerechtigkeit• Ansprechendere Gottesdienste 5 • Demokratisierung, Zivilcourage• Nachwuchsprobleme bei Ehrenamtlichen 43 6 Traditionelle Adaptiv-Pragmatische• Kirche wird schrumpfen und an 4 5 • Biblische Aussagen mehr in Prekäre Hedonisten Bedeutung verlieren • Düstere Zukunft erwartet • Bedeutungsverlust durch Alltagskontexte einbinden• In großen Seelsorgeeinheiten kein • Einstellung zu Sexualität müsste mangelnde Präsenz • Mehr Lebensnähe durch modernes persönlicher Bezug mehr gegeben sich ändern • Lockerung von unzeitgemäßen Marketing• Resignation, wenig Hoffnung • Verlust der Vorbildfunktion durch Vorschriften nötig • Verjüngung des Leitungspersonals Missbrauchsfälle • Dennoch sich selbst treu bleiben • Rückbesinnung auf christliche • Wachsendes Betätigungsfeld in der Grundwerte (Nächstenliebe) nötig Dritten Welt MDG-Milieuhandbuch 2013: Religiöse und kirchliche Orientierungen 2 2
  23. 23. AUSZUGErwartungen an die Kirche:Milieutypische Aussagen 10 9 Liberal-Intellektuelle Performer „Die Kirche war mal für Moral „Man muss nicht jeden Trend1 zuständig, und ich hätte gerne, dass mitgehen, aber man muss sich 8 Konservativ-Etablierte Expeditive„Grundsätzlich muss sich unsere sie wieder zuständig ist, ohne bewusst sein, in welcher Zeit man „Obwohl für mich die KircheKirche ganz ernsthaft Gedanken moralisierend zu sein.“ aktiv ist und was man gerade eigentlich abgeschlossen ist, wäremachen, wie man Leute weiter für macht.“ Modernisierung wünschenswert.den Glauben begeistert.“ Weil die Moralen, die sie vermitteln, sind nicht schlecht.“ 9 1 10 82 7 Bürgerliche Mitte 7 Sozialökologische„Wenn da kein Sinneswandel „Also mehr Demokratie, das wärekommt, wenn sie es nicht schaffen 2 das Allererste. Die Demokratiejunge Leute anzusprechen, wird sie dürfte nicht geschlechtsspezifisch 6in dieser Form aussterben.“ 3 sein, das müsste ganz klar sein. Das 5 Zweite wäre, dass Bischöfe mit 70 alle aufhören müssten.“ 43 6 Traditionelle Adaptiv-Pragmatische„Es geht den Bach runter, denke ich. 4 5 „Die müssen das gut verkaufen, gut Prekäre HedonistenIn die Kirche geht ja kein Mensch „Sie müssten ein bisschen ein Auge „Das ist schwer zu sagen, sie soll verpacken, ein bisschenmehr. Wenn ich mal drin bin, sind zudrücken und nicht immer so sich total ändern, was das Ganze interessanter gestalten und mehrda nur noch alte Omas.“ kleinlich, ein bisschen weltoffener natürlich auch unglaubwürdig Aufmerksamkeit auf sich lenken im werden.“ machen würde.“ positiven Sinne.“ „Im Grunde genommen zerstört sie sich selbst.“ MDG-Milieuhandbuch 2013: Religiöse und kirchliche Orientierungen 2 3
  24. 24. AUSZUGCopyright MDG & SINUS-Institut 2013 Das vorliegende Werk ist urheberrechtlich geschützt. Kein Teil davon darf ohne schriftliche Ein- willigung der MDG Medien Dienstleistung GmbH und der SINUS Markt- und Sozialforschung GmbH in irgendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren), auch nicht zum Zwecke der Unterrichtsgestaltung, reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Zitate und Nachdrucke, auch auszugsweise, sind nur mit ausdrücklicher Genehmigung und Quellenhinweisen gestattet. Eine Weitergabe, ein Weiterverkauf oder eine Veröffentlichung dieses Handbuchs – ganz oder in Teilen – ist nicht gestattet. Das gilt insbesondere für das enthaltene Bildmaterial. Die in diesem Handbuch enthaltenen Personenbilder sind Eigentum von Getty Images (THINKSTOCK) und unterliegen den Lizenzbestimmungen dieses Unternehmens. Bei den in diesem Handbuch enthaltenen Wohnbildern handelt es sich um Fotos aus den Wohnungen von Befragten des SINUS-Instituts. Diese dürfen weder veröffentlicht noch an Dritte weiter gegeben werden. Bei den anderen in diesem Handbuch enthaltenen Bildern handelt es sich um Bildzitate, die der unterstützenden Erklärung unserer Forschungsergebnisse dienen. Diese dürfen weder veröffentlicht noch an Dritte weitergegeben werden. MDG-Milieuhandbuch 2013: Religiöse und kirchliche Orientierungen 2 4
  25. 25. AUSZUGBeratung MDG Medien-Dienstleistung GmbH Grillparzerstraße 12a / D – 81675 München Telefon: +49 (0) 89-54 58 89-0 / Telefax: +49 (0) 89-5 50 19 61 E-Mail: info@mdg-online.de Web: http://www.mdg-online.de Wir helfen Ihnen bei der Umsetzung der Ergebnisse des MDG-Milieuhandbuchs in Ihrem Bereich: Wilfried Günther Georg Frericks (Geschäftsführer) (Markt- und Grundlagenforschung) guenther@mdg-online.de frericks@mdg-online.de MDG-Milieuhandbuch 2013: Religiöse und kirchliche Orientierungen 2 5

×