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Alte Ökonomie vs. Neue Ökonomie
Eine Gegenüberstellung.
Zeit für den Übergang.
von Thomas Dönnebrink,
OuiShare Connector Germany
Freelance Expert Collaborative Economy
Illustrationen von Thuy Chinh Duong For English Version: click here
Vielen Dank für die Einladung
Mein Name ist Thomas Dönnebrink,
ich lebe in Berlin und arbeite als Freelancer zur Collaborative Economy.
Ich bin einer der Konnektoren von OuiShare, einem globales Peer-Netzwerk von Menschen
interessiert eine Gesellschaft zu fördern, die aufgebaut ist auf Kollaboration, Teilen und Offenheit.
Ich möchte Ihnen einen Vergleich von zwei Ökonomien präsentieren:
Eine, die ich alt nennen möchte, da sie bereits Alters- und Verschleißerscheinungen zeigt.
Und eine, die ich – vorerst - neu nennen möchte, da sie gerade im Begriff ist geboren zu werden.
Oder genauer gesagt – sie atmet bereits, ist noch klein, aber entwickelt sich prächtig.
Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Gegenüberstellung schematisch, teilweise provokativ
und daher auch vereinfacht sein wird.
Nichtsdestotrotz hoffe ich wird dieser Präsentation vielleicht mit eigenen Überlegungen und
Gefühlen in Resonanz gehen, Gedanken anstoßen und eine fruchtbare Diskussion und
Beschäftigung mit einem größeren Bezugsrahmen anregen.
Hier ein kurzer Überblick, was Sie erwartet
Zuerst möchte ich Ihnen einen Überblick geben über die Kollaborative Ökonomie, mein
Beschäftigungsfeld und der Winkel von dem aus ich auf den Blick werfen werde auf die
Gegenüberstellung der beiden Ökonomien im zweiten Teil.
Im dritten Teil werde ich kurz vorstellen was einige Personen vermuten, was in Zukunft passieren
wird.
Und dann hoffe ich auf eine anregende Diskussion mit Ihnen und stehe selbstverständlich für
Rückfragen zur Verfügung.
Lassen Sie mich beginnen mit der kollaborativen Ökonomie.
Wir unterscheiden vier Bereiche, welche sich natürlich überlappen und gegenseitig verstärken.
Am bekanntesten und weitesten verbreitet ist das Feld der kollaborativen Konsums, meist auch
bekannt unter dem Begriff Share- oder Sharing Economy.
Weniger bekannt, aber vielleicht in Zukunft noch disruptiver für den Status Quo sind die Felder
der kollaborativen Produktion und der kollaborativen Finanzierung.
In einem vierten Bereich, der unter Begriffen wie Offenheit oder kollaboratives Wissen oder
Lernen bekannt ist, werden Konzepte wie open software, open hardward, open knowledge, open
government and governance zusammengefasst. Aspekte dieses Bereichs der Offenheit spielen für
alle drei vorangehende Bereich auch eine wichtige Rolle.
Wir werden gleich jeden dieser vier Bereiche noch etwas genauer betrachten.
Ein Zitat von Chris Anderson, dem ehemaligen Chefredakteur des Wired Magazines fasst die
Entwicklung der ersten zwei Jahrzehnte dieses Jahrhundert prägnant in zwei Sätzen zusammen.
Er sagt:
„In der letzten Dekade ging es darum neue Kollaborations- und Innovationsmodelle im Internet
zu (er)finden. In der nächsten Dekade wird es darum gehen diese in der realen Welt anzuwende.“
Lassen Sie mich für eine Minute genauer auf dieses Zitat eingehen.
Betrachten wir dieses erste Jahrzehnt, so sehen wir Plattformen wie Wikipedia, Linux, Wordpress,
flickr, Facebook, Youtube & Twitter entstehen und stark anwachsen und einflussreich werden.
Betrachten wir diese erste Dekade, so sehen wir Plattformen wie Wikipedia, Linux, Wordpress,
flickr, Facebook, Youtube &Twitter aufkommen, wachsen und einflussreich werden.
Sie erlauben sich immer mehr ausbreitenden communities
Musik, Wissen, Code, Bilder, Videos, Nachrichten mit der ganzen Welt zu tauschen.
Eine ganze Generation, die DIGITAL NATIVES, sind in dieser online Welt der Kollaboration und des
Teilens aufgewachsen. Sie ist Teil ihrer natürlichen DNA und ihres Verhaltens geworden.
Was folgt ist, das dieses Verhalten und dies Einstellung der Kollaboration und des Teilens auf die
reale Welt angewandt wird. Tausende von Plattformen kommen überall auf und ermöglichen
Menschen den Zugang und das Teilen – nicht nur von digitalen Gütern online, sondern
zunehmend auch von materiellen Gütern in der wirklichen Welt.
Genauer gesagt, was wir beobachten ist eine Verschmelzung der Online und der Offline Welt.
Diese Entwicklung zusammenfassend können vier Phasen unterschieden werden:
Phase 1 Wir verbinden uns um Informationen zu teilen.
Phase 2 Wir verbinden uns untereinander um soziale Netzwerke zu bilden.
Phase 3 Wir verbinden uns um digitale Güter zu teilen
Phase 4 Wir verbinden uns um reale Güter zu teilen und zugänglich zu machen.
Kurzum: Sharing und gemeinschaftliche Nutzung erreicht neue Dimensionen
durch neue Technologien und neue Erfahrungen.
Was sind die Treiber dieser kollaborativen Ökonomie?
Wir sehen vier Treiber am Werk.
Nr. 1 Rasende Verbreitung technologischer Innovationen und Digitalisierung durch Internet &
Smartphones.
Nr. 2 Eine zunehmende Sehnsucht nach Gemeinschaft und Teilhabe nach Jahrzehnten
autistischem Materialismus.
Nr. 3 Ein wachsendes Umwelt-Bewusstsein und Achtsamkeit für die planetarischen Grenzen.
Nr. 4 Ökonomische (Sach)Zwänge. Die Not als Mutter von Innovation.
Die Treiber 2 & 3 stellen weitgehend eine Renaissance traditioneller Verhaltensweisen und alter
Formen der Verbundenheit dar. Nichtdestotrotz können sie aufgrund ihres Bestebens den Status
quo zu ändern, als Ausdruck sozialer Innovation betrachtet werden. Diese Treiber der sozialen
Innovation verbinden sich mit den Treibern der technologischen Innovation und schaffen so eine
neue disruptive Qualität, für die hier der Ausdruck KOLLABORATIVE INNOVATION verwendet wird.
Wir betrachte diese Kollaborative Innovation als einen wichtigen Ursprung als auch kraftvollen
Motor für die Werteverschiebung, die sich zunehmend entfaltet und das Wesen als auch den Lauf
unserer Wirtschaft und Gesellschaft verändert.
Was sind Vorbedingungen für die kollaborative Ökonomie?
Es lassen sich vor allem vier Vorbedingungen ausmachen:
1. Vertrauen: Digitale Technology, GPS, Soziale Netzwerke ermöglichen kollaborative
Technologien wie z.b. Reputation Systeme die Vertrauen schaffen.
Misstraute Fremde (strangers) werden zu vertrauten (frangers) oder sogar Freunden (friends).
2. Wachsender Glaube an die Commons wird geschaffen durch Werteverschiebungen
wie bei der Bedeutung des Privateigentums, Lebenstilen wie auch Lebenszielen
3. Ungenutzte Kapazitäten werden zunehmend wahrgenommen
und als uneffizient und verschwenderisch wahrgenommen
(klassische Beispiel: der Privatwagen 23/24 am Straßenrand stehend).
4. Wachsender Netzwerkeffekt der zunehmend bessere matchings ermöglicht
und gegen Null tendierende Transaktionskosten.
Je mehr sich diese Vorbedingungen verbessern – und alle vier tun dies –
desto schneller und weiter wird sich die kollaborative Ökonomie ausbreiten.
1. Kollaborative Konsum
Was teilen wir?
(Fast) alles kann und wird geteilt werden sofern bzw. sobald die zuvor besprochenen
notwendigen Vorbedingungen erfüllt sind.
Wie teilen wir?
Wir beobachten eine Renaissance traditioneller Markt(platz)verhalten wie Wiederverkauf,
Tausch, Vermieten, Verleihen, Schenkung, etc. Wir teilen mit Hilfe von Geld oder ohne Geld oder
mit Gebrauch von Technologie oder ohne.
Warum teilen wir?
Obwohl ökonomische Gründe, wie die Möglichkeit Geld zu sparen oder zu verdienen, meist am
Anfang steht, wächst die Bedeutung der ökologischen und sozialen Gründe wie Ereichung
größerer Resourceneffizienz und Verbundenheit mit anderen Menschen zunehmend.
Welche Effekte lassen sich beobachten?
1. Zugang schlägt Eigentum.
2. Aufkommen neuer Geschäftsmodelle.
3. Aufkommen neuer kollaborativer Lebensstile und Möglichkeiten.
Fazit: Nicht nur WAS konsumiert, sondern auch WIE konsumiert wird, verändert sich.
2. Kollaborative Produktion
Coworking spaces verdoppeln sich alle 12 Monate und dies ununterbrochen seit fünf Jahren.
Mehr und mehr Menschen kommen zusammen in einer zunehmenden Zahl von Fabrikations-
Laboren, Hackerspaces und Reparatur Cafés um gemeinsam zu entwickeln, reparieren, schaffen
und produzieren.
In der Vergangenheit waren meist zuvor akkumuliertes Kapital und Infrastrukturen notwendige
Vorbedingungen für den Produktionsbeginn.
Heute ermöglicht ein zunehmend einfacherer und günstigerer Zugang zu Produktionsmitteln
immer mehr Menschen die Möglichkeit auch Produzenten zu werden. Diese Entwicklung kann als
Demokratisierung der Produktion bezeichnet werden.
1. Open Hardware stattet einen mit lizenzfreien Werkzeugen und Komponenten aus.
2. FabLabs & Hackerspaces geben einem Zugang zu Räumlichkeiten und Maschinen.
3. Open Communities ermöglichen einem die richtige Leute zu finden und freien Zugang zu
wertvollem Wissen zu bekommen.
4. Marketplätze und Plattformen wie Kickstarter or Etsy geben jedem die Chance sich
Finanzierung zu beschaffen oder seine Produkte ohne weitere Fixkosten direkt anzubieten.
Diese Demokratisierung der Produktion wird auch dessen (Re)Lokalisierung begünstigen. Michael
Bauwens brachte dies prägnant in seiner Rede auf der Degrowth confrence in Leipzig zum
Ausdruck:
“If it‘s light it should be global. If it‘s heavy it should be local”.
Um lediglich ein Beispiel zu geben wie weit kollaborative Produktion etablierte Strukturen
herausfordern kann, möchte ich Wikispeed, ein open source Kraftfahrzeug Projekt vorstellen.
Das Auto erreicht über 180 km/h, fährt mit weniger als 3 Litern. Der erste Prototyp wurde von 40
Freiwilligen innerhalb von 3 Monaten und mit fast keinem Budget erstellt.
Das KFZ besteht aus modularen Komponenten welche es ermöglichen Produktzyklen auf wenige
Tage zu reduzieren, was wiederum schnelle Experimentier- und Anwendungszyklen neuer
Innovationen ermöglicht.
Im Gegensatz dazu betragen in der traditionellen Automobilindustrie Produktzyklen um die
sieben Jahren und gehen mit hohen Fixkosten einher. Beides verursachen hohe Kosten für
Veränderungen und Innovation.
Wie disruptiv sich diese Unterschiede entwickeln werden, wird sich in den nächsten Jahren
zeigen.
3. Kollaborative Finanzierung
Der Bereich kollaborative Finanzierung scheint sich zu einem weiteren Game Changer zu
entwickeln.
Wir unterscheiden crowdfunding, von crowdinvesting und crowdlending.
Alle Varianten geben jedem neue Zugangsmöglichkeiten zu Finanzierungen – unter Umgehung
traditioneller Banken. Die 5,1 Mrd. $ der 2013 weltweit aufgebrachten kollaborativen
Finanzierung waren für die Bankenwelt vernachlässigbare peanuts.
Die 1000 Mrd. $ welche das Forbes Magazine für das Jahr 2020 vorhersagt werden sich sicherlich
nicht mehr wie peanuts anfühlen.
Ein Blick auf die Top 11 crowdfunding Kampagnen bis heute zeigt, dass jede der Hardware, Video
game, or Immobilien Projekte vielfache Millionen zusammengebracht haben. Selbst bei einer
witzige Kampagne zur Erstellung eines Kartoffelsalates kamen über 55.000 $ zusammen.
4. Offenheit / Kollaboratives Lernen
Aufgrund der zeitlichen Begrenztheit der Studie, kann an dieser Stelle nicht groß eingegangen
werden auf das Potential der extrem disruptiven Kraft dieses vierten Feldes der kollaborativen
Ökonomie.
Der Vollständigkeitshalber möchten wir zumindest auf ein Beispiel eingehen: Die freie Online
Enzyklopädie Wikipedia hat es innerhalb weniger Jahre geschafft proprietäre Versionen wie die
ehrwürdige über 200 Jahre alte Britannica oder die kapitalkräftige Microsoft Encarta obsolete
werden zu lassen.
Die kollaborative Ökonomie ist auf dem Vormarsch und setzt sich immer mehr im öffentlichen
Bewusstsein fest . Wie der Economist sagt
“ It’s time to start caring about sharing“
Zusammenfassend kann festgehalten werden:
Die kollaborative Ökonomie verändert
NICHT NUR wie wir ...
... leben, reisen, und uns bewegen,
... lernen, arbeiten, produzieren und finanzieren
SONDERN AUCH wie wir ...
... unser Umfeld und unser Zusammenleben erfahren
... und wie wir denken und handeln.
Ganz nach Charles Eisenstein, dem US Sozial-Philosoph, gilt: Jedes System baut auf Werten und
einer Geschichte auf. Will man das System verändern müssen sich die zu Grunde liegenden Werte
und die Geschichte, die es legitimieren wandeln. Hier liegt der wirkungsvollste Hebel für einen
Systemwandel.
Dies führt uns zur Betrachtung beider Systeme: die alte Ökonomie vs. die neue Ökonomie.
Wie anfänglich betont, die Gegenüberstellung wird schematisch teilweise provokativ sein.
Ein erster Überblick über die alte Ökonomie bzw. Gesellschaft.
In ihr gibt es zwei dominante Spieler/Kräfte: der Staat und private Unternehmen.
Sie streben nach Macht(erhalt) und Profiten.
Beide sind organisiert in Form hierachischer top-down Pyramiden .
Dominante Merkmale sind Konkurrenz, Ordnung & Kontrolle - erreicht mit Hilfe extrinsischer
Motivation auf Grund von Regeln, Zuckerbrot oder Peitsche.
Der Staat und die Betriebe fungieren als Zwischenhändler welche versuchen – mittels
Zugangsbarrieren, Zugangskontrolle und Monopole - Mangel zu erreichen, zu kontrollieren und zu
sichern um so (hohe) Profite und (unangefochtene) Macht zu garantieren.
Damit verbundene Ineffizienz und Intransparenz werden billigend in Kauf genommen oder sogar
angestrebt.
Persönliches Eigentum ist von höchstem Wert, ermöglicht es doch Exklusivität und Status.
Verkörpert durch den homo oeconomicus in seinem Streben nach persönlicher
Nutzenmaximierung.
Ein erster Überblick über die neue Ökonomie bzw. Gesellschaft zeichnet ein anderes Bild:
Menschen werden selber zu Spielern/Kräften
Sie beginnen sich gegenseitig ihre Bedürfnisse zu befriedigen – jenseits von Markt & Staat.
Sie sind organisiert in Peer-Netzwerken mit horizontalen Strukturen wie ein Pfannekuchen.
Dominante Merkmale sind Kollaboration, Vertrauen, Selbstorganisation und intrinsische
Motivation.
Alte Abgrenzungen zwischen Produzenten und Konsumenten, Arbeitgeber und Angestellte
verschwimmen oder entfallen.
Menschen werden zu Prosumenten und Mikroentrepreneuren.
Peers interagieren direkt miteinander – unter Umgehung von Intermediären und schaffen so
mehr Transparenz und Effizienz.
Persönliches Eigentum verliert an Bedeutung da Zugang und Teilhabe an den Commons Inklusion
und Zugehörigkeit schaffen.
Verkörpert durch den homo collaborans in seinem Streben einen Beitrag zu leisten was
seiner/ihrem Umfeld Nutzen und Sinn stiftet.
1. Alt vs. Neu: Ein allgemeiner Vergleich
Die alte Ökonomie ist eine Markt- oder Handelsökonomie.
Aber wie sollte die neue genannt werden? Kollaborative Ökonomie, Care Ökonomie, Solidarische
Ökonomie, Zivilökonomie?
Wir möchten an dieser Stelle offen lassen und zur Debatte stellen.
Der Fokus in der alten Ökonomie liegt auf der materiellen Welt, auf Objekten und Produkten, die
mittels Marketing in den Markt gedrückt werden müssen.
Erfolg wird ausgedrückt und gemessen in BSP Kennzahlen.
In dieser Gier Ökonomie (greed economy) ist das Individuum darauf aus so viel wie möglich zu
nehmen und so wenig wie möglich zu geben.
Diese Gier-Ökonomie ist in ihrem Wesen ego-zentrisch sowie extraktiv und ausbeuterisch.
Der Fokus in der neuen Ökonomie liegt auf Menschen und der immateriellen Welt.
Erfolg wird ausgedrückt in Bruttonationalglück oder anderen sinnhaften Maßeinheiten.
In dieser Bedürfnis-Ökonomie (need economy) ist das Individuum angeregt so viel es kann zu
geben und zu nehmen was es braucht (ähnlich dem Verhalten in Familien und Freundeskreisen).
Diese Bedürfnis-Ökonomie ist in ihrem Wesen eco-zentrisch sowie additiv und kontributiv.
Die alte Ökonomie neigt zu immer mehr Ungleichheit, die neue zu mehr Gleichheit.
2. Alt vs. Neu: Ein Vergleich der Weltbilder und Systemfundamente
Wir erwähnten bereits den homo economicus, den Einzelkämpfer, der abgetrennt von der Natur
diese wie ein Verbrauchsgut behandelt und ausbeutet und der abgetrennt von anderen
Menschen diese als Konkurrenten in einer Welt voller Mangel wahrnimmt mit denen um die
Ressourcen gekämpft werden muss.
Der Fokus liegt auf Quantität, Transaktionen, Produkten und Objekten. Erfolg wird gemessen in
absoluter und relativer Anhäufung privaten Eigentums.
Der homo collaborans hingegen betrachtet sich als Teil der Natur, die es zu erhalten und zu
schützen gilt und fühlt sich verbunden mit den Mitmenschen und will mit ihnen kollaborieren
sowie Güter und Erfahren teilen in einer Welt empfunden als reich an Fülle und Möglichkeiten.
Der Fokus liegt auf Qualität, Verbundenheit, Menschen und Beziehungen. Erfolg wird gemessen
an Glück, Zufriedenheit, Dienlichkeit und Sinn.
Die alte Ökonomie neigt zu Exklusion und Abgrenzung.
Die neue Ökonomie zu mehr Inklusion, Offenheit und Transparenz.
3. Alt vs. Neu: Planet und Umwelt.
Die alte Ökonomie betrachtet und behandelt die Natur und die natürlichen Ressourcen als Ge-
und Verbrauchsgut, verfügbar zur Ausbeutung und persönlichen Bereicherung.
Diese Ökonomie, die Verkaufsorientiert ist, unter einem permanenten systeminternen
Wachstumsdruck steht und nach einem sich stetig beschleunigenden linearen Produkt-rein-Müll-
raus Prinzip funktioniert, akkumuliert zunehmend Abfall, Verschwendung und toxische
Rückstände.
Der Raubbau an der Natur und den natürlichen Ressourcen wird unweigerlich zu Mangel und
Konflikten führen.
Die neue Ökonomie betrachtet sich selber als untrennbaren, voneinander abhängigen und
symbiotischen Teil der Natur. Diese entschleunigte Bedürfnis-Ökonomie ist organisiert in
geschlossenen Kreisläufen, die Verschwendung sowie den Gebrauch bzw. zumindest Verbrauch
von toxischen Bestandteilen meidet.
Zirkulare Kreisläufe und faire Ressourcenverteilung und –nutzung vermeidet Mangel und
reduziert Konflikt.
Die alte Ökonomie neigt zu Monokulturen und einer Degenerierung der natürlichen
Lebensgrundlagen. Die neue Ökonmie hat eine stärkere Neigung zu (Bio)Diversität und der
Bewahrung natürlicher Existensgrundlagen
4. Alt vs. Neu: Menschen in beiden Systemen.
Menschen in der alten Ökonomie haben meist eine mehr statische Position.
Normalweise füllen sie eine bestimmte Rolle aus (ein Beruf, ein Job, eine bestimmte Tätigkeit,
manchmal sogar nur ein bestimmter Handgriff).
Vielmals ist die Rolle von anderen definiert worden und fremdbestimmt und drückt somit
gleichzeitig eine Abhängigkeitsbeziehung aus.
Regularien, Kontrolle, Bestrafung und Incentives werden zu Mitteln extrinsischer Motivation.
Menschen in der neuen Ökonomie finden sich in dynamischeren Kontexten wieder.
Sie haben oftmals mehrere Rollen und somit mehr Optionen und Chancen für einen
autonomeren und aktiveren Lebensstil.
Dies macht das Leben nicht notwendigerweise einfacher oder erfüllter, da wir oftmals noch
wieder erlernen müssen mit dieser zurückgewonnenen Freiheit und Selbstbestimmung
umzugehen.
In der alten Ökonomie agieren die Menschen oftmals aufgrund extrinsischer Motivation.
In der neuen Ökonomie bestimmt zunehmend intrinsische Motivation das Handeln.
5. Alt vs. Neu: Interaktionen
Bestandteile der alten Ökonomie sind unabhängige, isolierte Entitäten.
Unabhängigkeit und Abhängigkeit sind vorherrschende Beziehungen. Konkurrenz ist das
dominante Muster welches die Entitäten antreibt gegeneinander zu arbeiten und so
vorteilssüchtige Elbogengesellschaften schafft in denen Ausbeutung, Exklusion und
Monopolisierung mit Wettbewerbsvorteil belohnt wird.
Regularien, Gesetze und Kontrolle haben die Aufgaben gegenseitiges Misstrauen zu
kompensieren.
Die neue Ökonomie besteht aus Netzwerken verbundener Entitäten.
Interdependenz ist das leitende Beziehungsmuster.
Kollaboration ist die Standarteinstellung welche Vertrauensbildung begünstigt in einer
Gesellschaft in der Teilen, Austausch, Netzwerkeffekte und die Aktivierung der ganzen Potentials
aller Bevölkerungsteile bessere Ergebnisse schafft.
In der alten Ökonomie prägt Wettkampf in der neuen Ökonomie Kollaboration die Interaktionen.
6. Alt vs. Neu: Gegenüberstellung von Organisationsformen.
In der alten Ökonomie sind Organisationen ziemlich statische Einheiten mit starren Grenzen und
top-down Regulierung.
Ziele und Prozesse als auch Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen sind oftmal genau
bestimmt. Aufgaben und Kompetenzen klar getrennt. Beides tendiert zu Spezialistentum und
eingefahrenen Gewohnheiten. Die etablierten Strukturen gehen meist einher mit hohen
Fixkosten und führen zu Inflexibilität und Immobilität.
Typische Aktivitäten der alten Ökonomie sind: kontrollieren, führen, managen, (voraus)planen,
aggregieren, budgetieren, exekutieren.
In der neuen Ökonomie sind die Entitäten dynamischer, flexibler und oftmals ad-hoc geschaffen,
mit fließenden Grenzen und auf Basis von Peer-to-Peer Selbstorganisation.
Ziele und Prozesse werden ad-hoc formuliert oder entsprechend des Bedarfes.
Aufgaben und Kompetenzen sind weniger voneinander getrennt und erlauben somit mehr Raum
und Gelegenheit für Serendipität und Innovation.
Die Entitäten sind oftmals lean und sind daher mobiler und flexibler.
Typische Aktivitäten der neuen Ökonomie sind: koordinieren, ad-hoc bilden und evaluieren,
ermöglichen, improvisieren, experimentieren.
Die alte Ökonomie tendiert zu Zentralisierung und Bürokratisierung.
Die neue Ökonomie zu Dezentralisierung.
Status quo
Es wächst das Bewusstsein, dass unser jetziges ökonomisches System, die alte Ökonomie, und die
Richtung auf die sie zusteuert, weder nachhaltig noch wünschenswert ist.
Eine Umfrage der konservativen deutschen Medienstiftung Bertelsmann ergab, dass 88% bzw.
90% der befragten Deutschen und Österreicher sich eine neue Wirtschaftsordnung wünschen.
Eine Wirtschaftsordnung, welche mehr Rücksicht nimmt auf Umwelt, nachhaltigen
Ressourcengebrauch und soziales Gleichgewicht.
Ein erstaunliches Umfrageergebnis!
Nun stellt sich die Frage, wie gelanden wir auf die andere Seite?
Was wird als nächstes passieren?
Jeremy Rifkin,
Ökonom, Head of Foundation on Economic Trends:
Sagt hybride Wirtschaft & Eclipse des Kapitalismus bis 2060 voraus.
Führt zur 3. industriellen Revolution & Kollaborative Commons.
Charles Eisenstein,
Visonary, Culture philosopher
Rechnet mit Zusammenbruch des alten Systems aufgrund einer
zukünftigen Krise. Vorhersage wann und wo allerdings schwierig.
Vergleich des plötzlichen Reißens eines gespannten Taus.
Ausblick: Hier zwei Stimmen:
Jeremy Rifkin, Ökonom sowie Gründer und Vorsitzender der Foundation on Economic Trends,
wagt eine ziemlich präzise Vorhersage . Er sieht gegenwärtig beide Systeme florieren. Teilweise
kooperieren sie, teilweise stehen sie in Konkurrenz zueinander. Nichtdestotrotz datiert er die
Eclipse des Kapitalismus um das Jahr 2060 und sagt voraus, dass das alte Modell an Kraft
verlieren wird die Ökonomie alleine zu bestimmen. Gründe für diese Entwicklung liegen
einerseits in der zunehmen Substituierung des alten Systems durch Kapital(ismus)ferne
Tätigkeiten wie Teilen, Tauschen, Selber machen oder kooperative Strukturen. Menschen werden
eigene Solarpanels haben anstatt Elektrizität zu kaufen, werden Auto teilen anstatt zu kaufen und
miteinander Räume austauschen anstatt für Hotelzimmer zu bezahlen. Einen weiteren Grund für
diesen Niedergang sieht Rifkin in einem Paradox, welches er tief in der kapitalistischen Theorie
und Praxis verankert sind, den marginalen Grenzkosten, die Systemgefährdent werden wenn sie
gegen Null tendieren.
Charles Eisensteins, Visionär und Sozialphilisoph, erwartet ebenso einen Kollaps des alten
Systems - wahrscheinlich ausgelöst durch eine bestimmte Krise oder (Katastrophen)Ereignis. Er
vergleicht das alte System anschaulich mit einem dicken Tau, welches in entspanntem Zustand
sehr schwierig zu durchschneiden ist. Je mehr es sich jedoch spannt, und dies ist im alten System
zunehmend zu beobachten, desto mehr reicht ein kleiner Schnitt es zu zerreißen. Wann und wo
dies passiert wird halt er für unvorhersehbar.
„Eine andere Welt ist nicht nur möglich,
sie ist bereits im Entstehen.
An einem ruhigen Tag kann ich sie
atmen hören.“
Arundhati Roy
Indische Autorin & Activistin
Abschließen möchte ich mit einem Zitat von Arundhati Roy, Indische Authorin und Activistin.
“Another world is not only possible, she is on her way.
On a quiet day, I can hear her breathing”
„Eine andere Welt ist nicht nur möglich, sie ist bereits im Entstehen.
An einem ruhigen Tag kann ich sie atmen hören.“
Vielleicht gibt diese musische Werkwoche den Raum, die Zeit und die Muße hineinzuhören und
zuzuhören um dieses Atmen zuhören in einer Vielzahl von Menschen, Projekten, Initiativen,
Gedanken und Handlungen welche diesen Geist einer anderen möglichen Welt und einer neuen
Wirtschaftsweise bereits ausdrücken.
Vielen Dank!
Thomas Dönnebrink
OuiShare Connector Germany
Freelancer Collaborative Economy
www.about.me/thomasdoennebrink
thomas@ouishare.net
@tdoennebrink
+49 176 32335744
Illustrationen von Thuy Chinh Duong
chinh@harry.do @chinhzilla
Zusätzliche Informationen zu OuiShare:
OuiShare ist eine globale community wie auch think & do-tank.
Unsere Mission ist die Schaffung und die Förderung einer
Kollaborativen Gesellschaft durch das Verbinden von Menschen,
Organisationen &Ideen im Geiste des Fairness, Offenheit & Vertrauen.
Geteilte Werte und Prinzipien
Offenheit – Transparenz – Unabhängigkeit – Impact – Feedback –
Action – MenschenImWahrenLebenTreffen – PermanentBeta – Inklusion - Play
Community Building
1 Magazin ouishare.net
2 Globale Konferenzen
2 Touren (LATAM/Europa
6 Internationale Summits
100+ Facebook Gruppen
200+ OuiShare Events
21500+ Facebook Fans
> 30 cities in Europa, Lateinamerica & Near Osten
2. Internationale Konferenz 05.-07. Mai 2015
“Age of communities”
30-city Europetour
Think Tank& Do Tank

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Alte Ökonomie vs. Neue Ökonomie - Eine Gegenüberstellung

  • 1. Alte Ökonomie vs. Neue Ökonomie Eine Gegenüberstellung. Zeit für den Übergang. von Thomas Dönnebrink, OuiShare Connector Germany Freelance Expert Collaborative Economy Illustrationen von Thuy Chinh Duong For English Version: click here
  • 2. Vielen Dank für die Einladung Mein Name ist Thomas Dönnebrink, ich lebe in Berlin und arbeite als Freelancer zur Collaborative Economy. Ich bin einer der Konnektoren von OuiShare, einem globales Peer-Netzwerk von Menschen interessiert eine Gesellschaft zu fördern, die aufgebaut ist auf Kollaboration, Teilen und Offenheit. Ich möchte Ihnen einen Vergleich von zwei Ökonomien präsentieren: Eine, die ich alt nennen möchte, da sie bereits Alters- und Verschleißerscheinungen zeigt. Und eine, die ich – vorerst - neu nennen möchte, da sie gerade im Begriff ist geboren zu werden. Oder genauer gesagt – sie atmet bereits, ist noch klein, aber entwickelt sich prächtig. Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Gegenüberstellung schematisch, teilweise provokativ und daher auch vereinfacht sein wird. Nichtsdestotrotz hoffe ich wird dieser Präsentation vielleicht mit eigenen Überlegungen und Gefühlen in Resonanz gehen, Gedanken anstoßen und eine fruchtbare Diskussion und Beschäftigung mit einem größeren Bezugsrahmen anregen.
  • 3.
  • 4. Hier ein kurzer Überblick, was Sie erwartet Zuerst möchte ich Ihnen einen Überblick geben über die Kollaborative Ökonomie, mein Beschäftigungsfeld und der Winkel von dem aus ich auf den Blick werfen werde auf die Gegenüberstellung der beiden Ökonomien im zweiten Teil. Im dritten Teil werde ich kurz vorstellen was einige Personen vermuten, was in Zukunft passieren wird. Und dann hoffe ich auf eine anregende Diskussion mit Ihnen und stehe selbstverständlich für Rückfragen zur Verfügung.
  • 5.
  • 6. Lassen Sie mich beginnen mit der kollaborativen Ökonomie. Wir unterscheiden vier Bereiche, welche sich natürlich überlappen und gegenseitig verstärken. Am bekanntesten und weitesten verbreitet ist das Feld der kollaborativen Konsums, meist auch bekannt unter dem Begriff Share- oder Sharing Economy. Weniger bekannt, aber vielleicht in Zukunft noch disruptiver für den Status Quo sind die Felder der kollaborativen Produktion und der kollaborativen Finanzierung. In einem vierten Bereich, der unter Begriffen wie Offenheit oder kollaboratives Wissen oder Lernen bekannt ist, werden Konzepte wie open software, open hardward, open knowledge, open government and governance zusammengefasst. Aspekte dieses Bereichs der Offenheit spielen für alle drei vorangehende Bereich auch eine wichtige Rolle. Wir werden gleich jeden dieser vier Bereiche noch etwas genauer betrachten.
  • 7.
  • 8. Ein Zitat von Chris Anderson, dem ehemaligen Chefredakteur des Wired Magazines fasst die Entwicklung der ersten zwei Jahrzehnte dieses Jahrhundert prägnant in zwei Sätzen zusammen. Er sagt: „In der letzten Dekade ging es darum neue Kollaborations- und Innovationsmodelle im Internet zu (er)finden. In der nächsten Dekade wird es darum gehen diese in der realen Welt anzuwende.“
  • 9.
  • 10. Lassen Sie mich für eine Minute genauer auf dieses Zitat eingehen. Betrachten wir dieses erste Jahrzehnt, so sehen wir Plattformen wie Wikipedia, Linux, Wordpress, flickr, Facebook, Youtube & Twitter entstehen und stark anwachsen und einflussreich werden. Betrachten wir diese erste Dekade, so sehen wir Plattformen wie Wikipedia, Linux, Wordpress, flickr, Facebook, Youtube &Twitter aufkommen, wachsen und einflussreich werden. Sie erlauben sich immer mehr ausbreitenden communities Musik, Wissen, Code, Bilder, Videos, Nachrichten mit der ganzen Welt zu tauschen. Eine ganze Generation, die DIGITAL NATIVES, sind in dieser online Welt der Kollaboration und des Teilens aufgewachsen. Sie ist Teil ihrer natürlichen DNA und ihres Verhaltens geworden. Was folgt ist, das dieses Verhalten und dies Einstellung der Kollaboration und des Teilens auf die reale Welt angewandt wird. Tausende von Plattformen kommen überall auf und ermöglichen Menschen den Zugang und das Teilen – nicht nur von digitalen Gütern online, sondern zunehmend auch von materiellen Gütern in der wirklichen Welt. Genauer gesagt, was wir beobachten ist eine Verschmelzung der Online und der Offline Welt.
  • 11.
  • 12. Diese Entwicklung zusammenfassend können vier Phasen unterschieden werden: Phase 1 Wir verbinden uns um Informationen zu teilen. Phase 2 Wir verbinden uns untereinander um soziale Netzwerke zu bilden. Phase 3 Wir verbinden uns um digitale Güter zu teilen Phase 4 Wir verbinden uns um reale Güter zu teilen und zugänglich zu machen. Kurzum: Sharing und gemeinschaftliche Nutzung erreicht neue Dimensionen durch neue Technologien und neue Erfahrungen.
  • 13.
  • 14. Was sind die Treiber dieser kollaborativen Ökonomie? Wir sehen vier Treiber am Werk. Nr. 1 Rasende Verbreitung technologischer Innovationen und Digitalisierung durch Internet & Smartphones. Nr. 2 Eine zunehmende Sehnsucht nach Gemeinschaft und Teilhabe nach Jahrzehnten autistischem Materialismus. Nr. 3 Ein wachsendes Umwelt-Bewusstsein und Achtsamkeit für die planetarischen Grenzen. Nr. 4 Ökonomische (Sach)Zwänge. Die Not als Mutter von Innovation. Die Treiber 2 & 3 stellen weitgehend eine Renaissance traditioneller Verhaltensweisen und alter Formen der Verbundenheit dar. Nichtdestotrotz können sie aufgrund ihres Bestebens den Status quo zu ändern, als Ausdruck sozialer Innovation betrachtet werden. Diese Treiber der sozialen Innovation verbinden sich mit den Treibern der technologischen Innovation und schaffen so eine neue disruptive Qualität, für die hier der Ausdruck KOLLABORATIVE INNOVATION verwendet wird. Wir betrachte diese Kollaborative Innovation als einen wichtigen Ursprung als auch kraftvollen Motor für die Werteverschiebung, die sich zunehmend entfaltet und das Wesen als auch den Lauf unserer Wirtschaft und Gesellschaft verändert.
  • 15.
  • 16. Was sind Vorbedingungen für die kollaborative Ökonomie? Es lassen sich vor allem vier Vorbedingungen ausmachen: 1. Vertrauen: Digitale Technology, GPS, Soziale Netzwerke ermöglichen kollaborative Technologien wie z.b. Reputation Systeme die Vertrauen schaffen. Misstraute Fremde (strangers) werden zu vertrauten (frangers) oder sogar Freunden (friends). 2. Wachsender Glaube an die Commons wird geschaffen durch Werteverschiebungen wie bei der Bedeutung des Privateigentums, Lebenstilen wie auch Lebenszielen 3. Ungenutzte Kapazitäten werden zunehmend wahrgenommen und als uneffizient und verschwenderisch wahrgenommen (klassische Beispiel: der Privatwagen 23/24 am Straßenrand stehend). 4. Wachsender Netzwerkeffekt der zunehmend bessere matchings ermöglicht und gegen Null tendierende Transaktionskosten. Je mehr sich diese Vorbedingungen verbessern – und alle vier tun dies – desto schneller und weiter wird sich die kollaborative Ökonomie ausbreiten.
  • 17.
  • 18. 1. Kollaborative Konsum Was teilen wir? (Fast) alles kann und wird geteilt werden sofern bzw. sobald die zuvor besprochenen notwendigen Vorbedingungen erfüllt sind. Wie teilen wir? Wir beobachten eine Renaissance traditioneller Markt(platz)verhalten wie Wiederverkauf, Tausch, Vermieten, Verleihen, Schenkung, etc. Wir teilen mit Hilfe von Geld oder ohne Geld oder mit Gebrauch von Technologie oder ohne. Warum teilen wir? Obwohl ökonomische Gründe, wie die Möglichkeit Geld zu sparen oder zu verdienen, meist am Anfang steht, wächst die Bedeutung der ökologischen und sozialen Gründe wie Ereichung größerer Resourceneffizienz und Verbundenheit mit anderen Menschen zunehmend. Welche Effekte lassen sich beobachten? 1. Zugang schlägt Eigentum. 2. Aufkommen neuer Geschäftsmodelle. 3. Aufkommen neuer kollaborativer Lebensstile und Möglichkeiten. Fazit: Nicht nur WAS konsumiert, sondern auch WIE konsumiert wird, verändert sich.
  • 19.
  • 20. 2. Kollaborative Produktion Coworking spaces verdoppeln sich alle 12 Monate und dies ununterbrochen seit fünf Jahren. Mehr und mehr Menschen kommen zusammen in einer zunehmenden Zahl von Fabrikations- Laboren, Hackerspaces und Reparatur Cafés um gemeinsam zu entwickeln, reparieren, schaffen und produzieren.
  • 21.
  • 22. In der Vergangenheit waren meist zuvor akkumuliertes Kapital und Infrastrukturen notwendige Vorbedingungen für den Produktionsbeginn. Heute ermöglicht ein zunehmend einfacherer und günstigerer Zugang zu Produktionsmitteln immer mehr Menschen die Möglichkeit auch Produzenten zu werden. Diese Entwicklung kann als Demokratisierung der Produktion bezeichnet werden. 1. Open Hardware stattet einen mit lizenzfreien Werkzeugen und Komponenten aus. 2. FabLabs & Hackerspaces geben einem Zugang zu Räumlichkeiten und Maschinen. 3. Open Communities ermöglichen einem die richtige Leute zu finden und freien Zugang zu wertvollem Wissen zu bekommen. 4. Marketplätze und Plattformen wie Kickstarter or Etsy geben jedem die Chance sich Finanzierung zu beschaffen oder seine Produkte ohne weitere Fixkosten direkt anzubieten. Diese Demokratisierung der Produktion wird auch dessen (Re)Lokalisierung begünstigen. Michael Bauwens brachte dies prägnant in seiner Rede auf der Degrowth confrence in Leipzig zum Ausdruck: “If it‘s light it should be global. If it‘s heavy it should be local”.
  • 23.
  • 24. Um lediglich ein Beispiel zu geben wie weit kollaborative Produktion etablierte Strukturen herausfordern kann, möchte ich Wikispeed, ein open source Kraftfahrzeug Projekt vorstellen. Das Auto erreicht über 180 km/h, fährt mit weniger als 3 Litern. Der erste Prototyp wurde von 40 Freiwilligen innerhalb von 3 Monaten und mit fast keinem Budget erstellt. Das KFZ besteht aus modularen Komponenten welche es ermöglichen Produktzyklen auf wenige Tage zu reduzieren, was wiederum schnelle Experimentier- und Anwendungszyklen neuer Innovationen ermöglicht. Im Gegensatz dazu betragen in der traditionellen Automobilindustrie Produktzyklen um die sieben Jahren und gehen mit hohen Fixkosten einher. Beides verursachen hohe Kosten für Veränderungen und Innovation. Wie disruptiv sich diese Unterschiede entwickeln werden, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.
  • 25.
  • 26. 3. Kollaborative Finanzierung Der Bereich kollaborative Finanzierung scheint sich zu einem weiteren Game Changer zu entwickeln. Wir unterscheiden crowdfunding, von crowdinvesting und crowdlending. Alle Varianten geben jedem neue Zugangsmöglichkeiten zu Finanzierungen – unter Umgehung traditioneller Banken. Die 5,1 Mrd. $ der 2013 weltweit aufgebrachten kollaborativen Finanzierung waren für die Bankenwelt vernachlässigbare peanuts. Die 1000 Mrd. $ welche das Forbes Magazine für das Jahr 2020 vorhersagt werden sich sicherlich nicht mehr wie peanuts anfühlen. Ein Blick auf die Top 11 crowdfunding Kampagnen bis heute zeigt, dass jede der Hardware, Video game, or Immobilien Projekte vielfache Millionen zusammengebracht haben. Selbst bei einer witzige Kampagne zur Erstellung eines Kartoffelsalates kamen über 55.000 $ zusammen.
  • 27.
  • 28. 4. Offenheit / Kollaboratives Lernen Aufgrund der zeitlichen Begrenztheit der Studie, kann an dieser Stelle nicht groß eingegangen werden auf das Potential der extrem disruptiven Kraft dieses vierten Feldes der kollaborativen Ökonomie. Der Vollständigkeitshalber möchten wir zumindest auf ein Beispiel eingehen: Die freie Online Enzyklopädie Wikipedia hat es innerhalb weniger Jahre geschafft proprietäre Versionen wie die ehrwürdige über 200 Jahre alte Britannica oder die kapitalkräftige Microsoft Encarta obsolete werden zu lassen.
  • 29.
  • 30. Die kollaborative Ökonomie ist auf dem Vormarsch und setzt sich immer mehr im öffentlichen Bewusstsein fest . Wie der Economist sagt “ It’s time to start caring about sharing“
  • 31.
  • 32. Zusammenfassend kann festgehalten werden: Die kollaborative Ökonomie verändert NICHT NUR wie wir ... ... leben, reisen, und uns bewegen, ... lernen, arbeiten, produzieren und finanzieren SONDERN AUCH wie wir ... ... unser Umfeld und unser Zusammenleben erfahren ... und wie wir denken und handeln. Ganz nach Charles Eisenstein, dem US Sozial-Philosoph, gilt: Jedes System baut auf Werten und einer Geschichte auf. Will man das System verändern müssen sich die zu Grunde liegenden Werte und die Geschichte, die es legitimieren wandeln. Hier liegt der wirkungsvollste Hebel für einen Systemwandel.
  • 33.
  • 34. Dies führt uns zur Betrachtung beider Systeme: die alte Ökonomie vs. die neue Ökonomie. Wie anfänglich betont, die Gegenüberstellung wird schematisch teilweise provokativ sein.
  • 35.
  • 36. Ein erster Überblick über die alte Ökonomie bzw. Gesellschaft. In ihr gibt es zwei dominante Spieler/Kräfte: der Staat und private Unternehmen. Sie streben nach Macht(erhalt) und Profiten. Beide sind organisiert in Form hierachischer top-down Pyramiden . Dominante Merkmale sind Konkurrenz, Ordnung & Kontrolle - erreicht mit Hilfe extrinsischer Motivation auf Grund von Regeln, Zuckerbrot oder Peitsche. Der Staat und die Betriebe fungieren als Zwischenhändler welche versuchen – mittels Zugangsbarrieren, Zugangskontrolle und Monopole - Mangel zu erreichen, zu kontrollieren und zu sichern um so (hohe) Profite und (unangefochtene) Macht zu garantieren. Damit verbundene Ineffizienz und Intransparenz werden billigend in Kauf genommen oder sogar angestrebt. Persönliches Eigentum ist von höchstem Wert, ermöglicht es doch Exklusivität und Status. Verkörpert durch den homo oeconomicus in seinem Streben nach persönlicher Nutzenmaximierung.
  • 37.
  • 38. Ein erster Überblick über die neue Ökonomie bzw. Gesellschaft zeichnet ein anderes Bild: Menschen werden selber zu Spielern/Kräften Sie beginnen sich gegenseitig ihre Bedürfnisse zu befriedigen – jenseits von Markt & Staat. Sie sind organisiert in Peer-Netzwerken mit horizontalen Strukturen wie ein Pfannekuchen. Dominante Merkmale sind Kollaboration, Vertrauen, Selbstorganisation und intrinsische Motivation. Alte Abgrenzungen zwischen Produzenten und Konsumenten, Arbeitgeber und Angestellte verschwimmen oder entfallen. Menschen werden zu Prosumenten und Mikroentrepreneuren. Peers interagieren direkt miteinander – unter Umgehung von Intermediären und schaffen so mehr Transparenz und Effizienz. Persönliches Eigentum verliert an Bedeutung da Zugang und Teilhabe an den Commons Inklusion und Zugehörigkeit schaffen. Verkörpert durch den homo collaborans in seinem Streben einen Beitrag zu leisten was seiner/ihrem Umfeld Nutzen und Sinn stiftet.
  • 39.
  • 40. 1. Alt vs. Neu: Ein allgemeiner Vergleich Die alte Ökonomie ist eine Markt- oder Handelsökonomie. Aber wie sollte die neue genannt werden? Kollaborative Ökonomie, Care Ökonomie, Solidarische Ökonomie, Zivilökonomie? Wir möchten an dieser Stelle offen lassen und zur Debatte stellen. Der Fokus in der alten Ökonomie liegt auf der materiellen Welt, auf Objekten und Produkten, die mittels Marketing in den Markt gedrückt werden müssen. Erfolg wird ausgedrückt und gemessen in BSP Kennzahlen. In dieser Gier Ökonomie (greed economy) ist das Individuum darauf aus so viel wie möglich zu nehmen und so wenig wie möglich zu geben. Diese Gier-Ökonomie ist in ihrem Wesen ego-zentrisch sowie extraktiv und ausbeuterisch. Der Fokus in der neuen Ökonomie liegt auf Menschen und der immateriellen Welt. Erfolg wird ausgedrückt in Bruttonationalglück oder anderen sinnhaften Maßeinheiten. In dieser Bedürfnis-Ökonomie (need economy) ist das Individuum angeregt so viel es kann zu geben und zu nehmen was es braucht (ähnlich dem Verhalten in Familien und Freundeskreisen). Diese Bedürfnis-Ökonomie ist in ihrem Wesen eco-zentrisch sowie additiv und kontributiv. Die alte Ökonomie neigt zu immer mehr Ungleichheit, die neue zu mehr Gleichheit.
  • 41.
  • 42. 2. Alt vs. Neu: Ein Vergleich der Weltbilder und Systemfundamente Wir erwähnten bereits den homo economicus, den Einzelkämpfer, der abgetrennt von der Natur diese wie ein Verbrauchsgut behandelt und ausbeutet und der abgetrennt von anderen Menschen diese als Konkurrenten in einer Welt voller Mangel wahrnimmt mit denen um die Ressourcen gekämpft werden muss. Der Fokus liegt auf Quantität, Transaktionen, Produkten und Objekten. Erfolg wird gemessen in absoluter und relativer Anhäufung privaten Eigentums. Der homo collaborans hingegen betrachtet sich als Teil der Natur, die es zu erhalten und zu schützen gilt und fühlt sich verbunden mit den Mitmenschen und will mit ihnen kollaborieren sowie Güter und Erfahren teilen in einer Welt empfunden als reich an Fülle und Möglichkeiten. Der Fokus liegt auf Qualität, Verbundenheit, Menschen und Beziehungen. Erfolg wird gemessen an Glück, Zufriedenheit, Dienlichkeit und Sinn. Die alte Ökonomie neigt zu Exklusion und Abgrenzung. Die neue Ökonomie zu mehr Inklusion, Offenheit und Transparenz.
  • 43.
  • 44. 3. Alt vs. Neu: Planet und Umwelt. Die alte Ökonomie betrachtet und behandelt die Natur und die natürlichen Ressourcen als Ge- und Verbrauchsgut, verfügbar zur Ausbeutung und persönlichen Bereicherung. Diese Ökonomie, die Verkaufsorientiert ist, unter einem permanenten systeminternen Wachstumsdruck steht und nach einem sich stetig beschleunigenden linearen Produkt-rein-Müll- raus Prinzip funktioniert, akkumuliert zunehmend Abfall, Verschwendung und toxische Rückstände. Der Raubbau an der Natur und den natürlichen Ressourcen wird unweigerlich zu Mangel und Konflikten führen. Die neue Ökonomie betrachtet sich selber als untrennbaren, voneinander abhängigen und symbiotischen Teil der Natur. Diese entschleunigte Bedürfnis-Ökonomie ist organisiert in geschlossenen Kreisläufen, die Verschwendung sowie den Gebrauch bzw. zumindest Verbrauch von toxischen Bestandteilen meidet. Zirkulare Kreisläufe und faire Ressourcenverteilung und –nutzung vermeidet Mangel und reduziert Konflikt. Die alte Ökonomie neigt zu Monokulturen und einer Degenerierung der natürlichen Lebensgrundlagen. Die neue Ökonmie hat eine stärkere Neigung zu (Bio)Diversität und der Bewahrung natürlicher Existensgrundlagen
  • 45.
  • 46. 4. Alt vs. Neu: Menschen in beiden Systemen. Menschen in der alten Ökonomie haben meist eine mehr statische Position. Normalweise füllen sie eine bestimmte Rolle aus (ein Beruf, ein Job, eine bestimmte Tätigkeit, manchmal sogar nur ein bestimmter Handgriff). Vielmals ist die Rolle von anderen definiert worden und fremdbestimmt und drückt somit gleichzeitig eine Abhängigkeitsbeziehung aus. Regularien, Kontrolle, Bestrafung und Incentives werden zu Mitteln extrinsischer Motivation. Menschen in der neuen Ökonomie finden sich in dynamischeren Kontexten wieder. Sie haben oftmals mehrere Rollen und somit mehr Optionen und Chancen für einen autonomeren und aktiveren Lebensstil. Dies macht das Leben nicht notwendigerweise einfacher oder erfüllter, da wir oftmals noch wieder erlernen müssen mit dieser zurückgewonnenen Freiheit und Selbstbestimmung umzugehen. In der alten Ökonomie agieren die Menschen oftmals aufgrund extrinsischer Motivation. In der neuen Ökonomie bestimmt zunehmend intrinsische Motivation das Handeln.
  • 47.
  • 48. 5. Alt vs. Neu: Interaktionen Bestandteile der alten Ökonomie sind unabhängige, isolierte Entitäten. Unabhängigkeit und Abhängigkeit sind vorherrschende Beziehungen. Konkurrenz ist das dominante Muster welches die Entitäten antreibt gegeneinander zu arbeiten und so vorteilssüchtige Elbogengesellschaften schafft in denen Ausbeutung, Exklusion und Monopolisierung mit Wettbewerbsvorteil belohnt wird. Regularien, Gesetze und Kontrolle haben die Aufgaben gegenseitiges Misstrauen zu kompensieren. Die neue Ökonomie besteht aus Netzwerken verbundener Entitäten. Interdependenz ist das leitende Beziehungsmuster. Kollaboration ist die Standarteinstellung welche Vertrauensbildung begünstigt in einer Gesellschaft in der Teilen, Austausch, Netzwerkeffekte und die Aktivierung der ganzen Potentials aller Bevölkerungsteile bessere Ergebnisse schafft. In der alten Ökonomie prägt Wettkampf in der neuen Ökonomie Kollaboration die Interaktionen.
  • 49.
  • 50. 6. Alt vs. Neu: Gegenüberstellung von Organisationsformen. In der alten Ökonomie sind Organisationen ziemlich statische Einheiten mit starren Grenzen und top-down Regulierung. Ziele und Prozesse als auch Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen sind oftmal genau bestimmt. Aufgaben und Kompetenzen klar getrennt. Beides tendiert zu Spezialistentum und eingefahrenen Gewohnheiten. Die etablierten Strukturen gehen meist einher mit hohen Fixkosten und führen zu Inflexibilität und Immobilität. Typische Aktivitäten der alten Ökonomie sind: kontrollieren, führen, managen, (voraus)planen, aggregieren, budgetieren, exekutieren. In der neuen Ökonomie sind die Entitäten dynamischer, flexibler und oftmals ad-hoc geschaffen, mit fließenden Grenzen und auf Basis von Peer-to-Peer Selbstorganisation. Ziele und Prozesse werden ad-hoc formuliert oder entsprechend des Bedarfes. Aufgaben und Kompetenzen sind weniger voneinander getrennt und erlauben somit mehr Raum und Gelegenheit für Serendipität und Innovation. Die Entitäten sind oftmals lean und sind daher mobiler und flexibler. Typische Aktivitäten der neuen Ökonomie sind: koordinieren, ad-hoc bilden und evaluieren, ermöglichen, improvisieren, experimentieren. Die alte Ökonomie tendiert zu Zentralisierung und Bürokratisierung. Die neue Ökonomie zu Dezentralisierung.
  • 51.
  • 52. Status quo Es wächst das Bewusstsein, dass unser jetziges ökonomisches System, die alte Ökonomie, und die Richtung auf die sie zusteuert, weder nachhaltig noch wünschenswert ist. Eine Umfrage der konservativen deutschen Medienstiftung Bertelsmann ergab, dass 88% bzw. 90% der befragten Deutschen und Österreicher sich eine neue Wirtschaftsordnung wünschen. Eine Wirtschaftsordnung, welche mehr Rücksicht nimmt auf Umwelt, nachhaltigen Ressourcengebrauch und soziales Gleichgewicht. Ein erstaunliches Umfrageergebnis! Nun stellt sich die Frage, wie gelanden wir auf die andere Seite? Was wird als nächstes passieren?
  • 53. Jeremy Rifkin, Ökonom, Head of Foundation on Economic Trends: Sagt hybride Wirtschaft & Eclipse des Kapitalismus bis 2060 voraus. Führt zur 3. industriellen Revolution & Kollaborative Commons. Charles Eisenstein, Visonary, Culture philosopher Rechnet mit Zusammenbruch des alten Systems aufgrund einer zukünftigen Krise. Vorhersage wann und wo allerdings schwierig. Vergleich des plötzlichen Reißens eines gespannten Taus.
  • 54. Ausblick: Hier zwei Stimmen: Jeremy Rifkin, Ökonom sowie Gründer und Vorsitzender der Foundation on Economic Trends, wagt eine ziemlich präzise Vorhersage . Er sieht gegenwärtig beide Systeme florieren. Teilweise kooperieren sie, teilweise stehen sie in Konkurrenz zueinander. Nichtdestotrotz datiert er die Eclipse des Kapitalismus um das Jahr 2060 und sagt voraus, dass das alte Modell an Kraft verlieren wird die Ökonomie alleine zu bestimmen. Gründe für diese Entwicklung liegen einerseits in der zunehmen Substituierung des alten Systems durch Kapital(ismus)ferne Tätigkeiten wie Teilen, Tauschen, Selber machen oder kooperative Strukturen. Menschen werden eigene Solarpanels haben anstatt Elektrizität zu kaufen, werden Auto teilen anstatt zu kaufen und miteinander Räume austauschen anstatt für Hotelzimmer zu bezahlen. Einen weiteren Grund für diesen Niedergang sieht Rifkin in einem Paradox, welches er tief in der kapitalistischen Theorie und Praxis verankert sind, den marginalen Grenzkosten, die Systemgefährdent werden wenn sie gegen Null tendieren. Charles Eisensteins, Visionär und Sozialphilisoph, erwartet ebenso einen Kollaps des alten Systems - wahrscheinlich ausgelöst durch eine bestimmte Krise oder (Katastrophen)Ereignis. Er vergleicht das alte System anschaulich mit einem dicken Tau, welches in entspanntem Zustand sehr schwierig zu durchschneiden ist. Je mehr es sich jedoch spannt, und dies ist im alten System zunehmend zu beobachten, desto mehr reicht ein kleiner Schnitt es zu zerreißen. Wann und wo dies passiert wird halt er für unvorhersehbar.
  • 55. „Eine andere Welt ist nicht nur möglich, sie ist bereits im Entstehen. An einem ruhigen Tag kann ich sie atmen hören.“ Arundhati Roy Indische Autorin & Activistin
  • 56. Abschließen möchte ich mit einem Zitat von Arundhati Roy, Indische Authorin und Activistin. “Another world is not only possible, she is on her way. On a quiet day, I can hear her breathing” „Eine andere Welt ist nicht nur möglich, sie ist bereits im Entstehen. An einem ruhigen Tag kann ich sie atmen hören.“ Vielleicht gibt diese musische Werkwoche den Raum, die Zeit und die Muße hineinzuhören und zuzuhören um dieses Atmen zuhören in einer Vielzahl von Menschen, Projekten, Initiativen, Gedanken und Handlungen welche diesen Geist einer anderen möglichen Welt und einer neuen Wirtschaftsweise bereits ausdrücken.
  • 57. Vielen Dank! Thomas Dönnebrink OuiShare Connector Germany Freelancer Collaborative Economy www.about.me/thomasdoennebrink thomas@ouishare.net @tdoennebrink +49 176 32335744 Illustrationen von Thuy Chinh Duong chinh@harry.do @chinhzilla
  • 58. Zusätzliche Informationen zu OuiShare: OuiShare ist eine globale community wie auch think & do-tank. Unsere Mission ist die Schaffung und die Förderung einer Kollaborativen Gesellschaft durch das Verbinden von Menschen, Organisationen &Ideen im Geiste des Fairness, Offenheit & Vertrauen. Geteilte Werte und Prinzipien Offenheit – Transparenz – Unabhängigkeit – Impact – Feedback – Action – MenschenImWahrenLebenTreffen – PermanentBeta – Inklusion - Play
  • 59. Community Building 1 Magazin ouishare.net 2 Globale Konferenzen 2 Touren (LATAM/Europa 6 Internationale Summits 100+ Facebook Gruppen 200+ OuiShare Events 21500+ Facebook Fans > 30 cities in Europa, Lateinamerica & Near Osten 2. Internationale Konferenz 05.-07. Mai 2015 “Age of communities”

Hinweis der Redaktion

  1. Vielen Dank für die Einladung Mein Name ist Thomas Dönnebrink, ich lebe in Berlin und arbeite als Freelancer zur Collaborative Economy. Ich bin einer der Konnektoren von OuiShare, einem globales Peer-Netzwerk von Menschen interessiert eine Gesellschaft zu fördern, die aufgebaut ist auf Kollaboration, Teilen und Offenheit.   Ich möchte Ihnen einen Vergleich von zwei Ökonomien präsentieren: Eine, die ich alt nennen möchte, da sie bereits Alters- und Verschleißerscheinungen zeigt. Und eine, die ich – vorerst - neu nennen möchte, da sie gerade im Begriff ist geboren zu werden. Oder genauer gesagt – sie atmet bereits, ist noch klein, aber entwickelt sich prächtig.   Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Gegenüberstellung schematisch, teilweise provokativ und daher auch vereinfacht sein wird. Nichtsdestotrotz hoffe ich wird dieser Präsentation vielleicht mit eigenen Überlegungen und Gefühlen in Resonanz gehen, Gedanken anstoßen und eine fruchtbare Diskussion und Beschäftigung mit einem größeren Bezugsrahmen anregen.
  2. Hier ein kurzer Überblick, was Sie erwartet   Zuerst möchte ich Ihnen einen Überblick geben über die Kollaborative Ökonomie, mein Beschäftigungsfeld und der Winkel von dem aus ich auf den Blick werfen werde auf die Gegenüberstellung der beiden Ökonomien im zweiten Teil.   Im dritten Teil werde ich kurz vorstellen was einige Personen vermuten, was in Zukunft passieren wird.   Und dann hoffe ich auf eine anregende Diskussion mit Ihnen und stehe selbstverständlich für Rückfragen zur Verfügung.
  3. Lassen Sie mich beginnen mit der kollaborativen Ökonomie. Wir unterscheiden vier Bereiche, welche sich natürlich überlappen und gegenseitig verstärken.   Am bekanntesten und weitesten verbreitet ist das Feld der kollaborativen Konsums, meist auch bekannt unter dem Begriff Share- oder Sharing Economy. Weniger bekannt, aber vielleicht in Zukunft noch disruptiver für den Status Quo sind die Felder der kollaborativen Produktion und der kollaborativen Finanzierung. In einem vierten Bereich, der unter Begriffen wie Offenheit oder kollaboratives Wissen oder Lernen bekannt ist, werden Konzepte wie open software, open hardward, open knowledge, open government and governance zusammengefasst. Aspekte dieses Bereichs der Offenheit spielen für alle drei vorangehende Bereich auch eine wichtige Rolle.   Wir werden gleich jeden dieser vier Bereiche noch etwas genauer betrachten.
  4. Ein Zitat von Chris Anderson, dem ehemaligen Chefredakteur des Wired Magazines fasst die Entwicklung der ersten zwei Jahrzehnte dieses Jahrhundert prägnant in zwei Sätzen zusammen. Er sagt:   „In der letzten Dekade ging es darum neue Kollaborations- und Innovationsmodelle im Internet zu (er)finden. In der nächsten Dekade wird es darum gehen diese in der realen Welt anzuwende.“
  5. Lassen Sie mich für eine Minute genauer auf dieses Zitat eingehen.   Betrachten wir dieses erste Jahrzehnt, so sehen wir Plattformen wie Wikipedia, Linux, Wordpress, flickr, Facebook, Youtube & Twitter entstehen und stark anwachsen und einflussreich werden.   Betrachten wir diese erste Dekade, so sehen wir Plattformen wie Wikipedia, Linux, Wordpress, flickr, Facebook, Youtube &Twitter aufkommen, wachsen und einflussreich werden.   Sie erlauben sich immer mehr ausbreitenden communities Musik, Wissen, Code, Bilder, Videos, Nachrichten mit der ganzen Welt zu tauschen. Eine ganze Generation, die DIGITAL NATIVES, sind in dieser online Welt der Kollaboration und des Teilens aufgewachsen. Sie ist Teil ihrer natürlichen DNA und ihres Verhaltens geworden.   Was folgt ist, das dieses Verhalten und dies Einstellung der Kollaboration und des Teilens auf die reale Welt angewandt wird. Tausende von Plattformen kommen überall auf und ermöglichen Menschen den Zugang und das Teilen – nicht nur von digitalen Gütern online, sondern zunehmend auch von materiellen Gütern in der wirklichen Welt.   Genauer gesagt, was wir beobachten ist eine Verschmelzung der Online und der Offline Welt.
  6. Diese Entwicklung zusammenfassend können vier Phasen unterschieden werden:   Phase 1 Wir verbinden uns um Informationen zu teilen. Phase 2 Wir verbinden uns untereinander um soziale Netzwerke zu bilden. Phase 3 Wir verbinden uns um digitale Güter zu teilen Phase 4 Wir verbinden uns um reale Güter zu teilen und zugänglich zu machen.   Kurzum: Sharing und gemeinschaftliche Nutzung erreicht neue Dimensionen durch neue Technologien und neue Erfahrungen.
  7. Was sind die Treiber dieser kollaborativen Ökonomie?   Wir sehen vier Treiber am Werk.   Nr. 1 Rasende Verbreitung technologischer Innovationen und Digitalisierung durch Internet & Smartphones. Nr. 2 Eine zunehmende Sehnsucht nach Gemeinschaft und Teilhabe nach Jahrzehnten autistischem Materialismus. Nr. 3 Ein wachsendes Umwelt-Bewusstsein und Achtsamkeit für die planetarischen Grenzen. Nr. 4 Ökonomische (Sach)Zwänge. Die Not als Mutter von Innovation.   Die Treiber 2 & 3 stellen weitgehend eine Renaissance traditioneller Verhaltensweisen und alter Formen der Verbundenheit dar. Nichtdestotrotz können sie aufgrund ihres Bestebens den Status quo zu ändern, als Ausdruck sozialer Innovation betrachtet werden. Diese Treiber der sozialen Innovation verbinden sich mit den Treibern der technologischen Innovation und schaffen so eine neue disruptive Qualität, für die hier der Ausdruck KOLLABORATIVE INNOVATION verwendet wird. Wir betrachte diese Kollaborative Innovation als einen wichtigen Ursprung als auch kraftvollen Motor für die Werteverschiebung, die sich zunehmend entfaltet und das Wesen als auch den Lauf unserer Wirtschaft und Gesellschaft verändert.
  8. Was sind Vorbedingungen für die kollaborative Ökonomie?   Es lassen sich vor allem vier Vorbedingungen ausmachen:   1. Vertrauen: Digitale Technology, GPS, Soziale Netzwerke ermöglichen kollaborative Technologien wie z.b. Reputation Systeme die Vertrauen schaffen. Misstraute Fremde (strangers) werden zu vertrauten (frangers) oder sogar Freunden (friends).   2. Wachsender Glaube an die Commons wird geschaffen durch Werteverschiebungen wie bei der Bedeutung des Privateigentums, Lebenstilen wie auch Lebenszielen   3. Ungenutzte Kapazitäten werden zunehmend wahrgenommen und als uneffizient und verschwenderisch wahrgenommen (klassische Beispiel: der Privatwagen 23/24 am Straßenrand stehend).   4. Wachsender Netzwerkeffekt der zunehmend bessere matchings ermöglicht und gegen Null tendierende Transaktionskosten.   Je mehr sich diese Vorbedingungen verbessern – und alle vier tun dies – desto schneller und weiter wird sich die kollaborative Ökonomie ausbreiten.
  9. 1. Kollaborative Konsum   Was teilen wir? (Fast) alles kann und wird geteilt werden sofern bzw. sobald die zuvor besprochenen notwendigen Vorbedingungen erfüllt sind. Wie teilen wir? Wir beobachten eine Renaissance traditioneller Markt(platz)verhalten wie Wiederverkauf, Tausch, Vermieten, Verleihen, Schenkung, etc. Wir teilen mit Hilfe von Geld oder ohne Geld oder mit Gebrauch von Technologie oder ohne.   Warum teilen wir? Obwohl ökonomische Gründe, wie die Möglichkeit Geld zu sparen oder zu verdienen, meist am Anfang steht, wächst die Bedeutung der ökologischen und sozialen Gründe wie Ereichung größerer Resourceneffizienz und Verbundenheit mit anderen Menschen zunehmend.   Welche Effekte lassen sich beobachten?   1. Zugang schlägt Eigentum. 2. Aufkommen neuer Geschäftsmodelle. 3. Aufkommen neuer kollaborativer Lebensstile und Möglichkeiten.   Fazit: Nicht nur WAS konsumiert, sondern auch WIE konsumiert wird, verändert sich.
  10. 2. Kollaborative Produktion   Coworking spaces verdoppeln sich alle 12 Monate und dies ununterbrochen seit fünf Jahren. Mehr und mehr Menschen kommen zusammen in einer zunehmenden Zahl von Fabrikations- Laboren, Hackerspaces und Reparatur Cafés um gemeinsam zu entwickeln, reparieren, schaffen und produzieren.
  11. In der Vergangenheit waren meist zuvor akkumuliertes Kapital und Infrastrukturen notwendige Vorbedingungen für den Produktionsbeginn. Heute ermöglicht ein zunehmend einfacherer und günstigerer Zugang zu Produktionsmitteln immer mehr Menschen die Möglichkeit auch Produzenten zu werden. Diese Entwicklung kann als Demokratisierung der Produktion bezeichnet werden.   1. Open Hardware stattet einen mit lizenzfreien Werkzeugen und Komponenten aus. 2. FabLabs & Hackerspaces geben einem Zugang zu Räumlichkeiten und Maschinen. 3. Open Communities ermöglichen einem die richtige Leute zu finden und freien Zugang zu wertvollem Wissen zu bekommen. 4. Marketplätze und Plattformen wie Kickstarter or Etsy geben jedem die Chance sich Finanzierung zu beschaffen oder seine Produkte ohne weitere Fixkosten direkt anzubieten.   Diese Demokratisierung der Produktion wird auch dessen (Re)Lokalisierung begünstigen. Michael Bauwens brachte dies prägnant in seiner Rede auf der Degrowth confrence in Leipzig zum Ausdruck:   “If it‘s light it should be global. If it‘s heavy it should be local”.
  12. Um lediglich ein Beispiel zu geben wie weit kollaborative Produktion etablierte Strukturen herausfordern kann, möchte ich Wikispeed, ein open source Kraftfahrzeug Projekt vorstellen.   Das Auto erreicht über 180 km/h, fährt mit weniger als 3 Litern. Der erste Prototyp wurde von 40 Freiwilligen innerhalb von 3 Monaten und mit fast keinem Budget erstellt.   Das KFZ besteht aus modularen Komponenten welche es ermöglichen Produktzyklen auf wenige Tage zu reduzieren, was wiederum schnelle Experimentier- und Anwendungszyklen neuer Innovationen ermöglicht.   Im Gegensatz dazu betragen in der traditionellen Automobilindustrie Produktzyklen um die sieben Jahren und gehen mit hohen Fixkosten einher. Beides verursachen hohe Kosten für Veränderungen und Innovation.   Wie disruptiv sich diese Unterschiede entwickeln werden, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.
  13. 3. Kollaborative Finanzierung   Der Bereich kollaborative Finanzierung scheint sich zu einem weiteren Game Changer zu entwickeln.   Wir unterscheiden crowdfunding, von crowdinvesting und crowdlending. Alle Varianten geben jedem neue Zugangsmöglichkeiten zu Finanzierungen – unter Umgehung traditioneller Banken. Die 5,1 Mrd. $ der 2013 weltweit aufgebrachten kollaborativen Finanzierung waren für die Bankenwelt vernachlässigbare peanuts. Die 1000 Mrd. $ welche das Forbes Magazine für das Jahr 2020 vorhersagt werden sich sicherlich nicht mehr wie peanuts anfühlen.   Ein Blick auf die Top 11 crowdfunding Kampagnen bis heute zeigt, dass jede der Hardware, Video game, or Immobilien Projekte vielfache Millionen zusammengebracht haben. Selbst bei einer witzige Kampagne zur Erstellung eines Kartoffelsalates kamen über 55.000 $ zusammen.
  14. 4. Offenheit / Kollaboratives Lernen   Aufgrund der zeitlichen Begrenztheit der Studie, kann an dieser Stelle nicht groß eingegangen werden auf das Potential der extrem disruptiven Kraft dieses vierten Feldes der kollaborativen Ökonomie.   Der Vollständigkeitshalber möchten wir zumindest auf ein Beispiel eingehen: Die freie Online Enzyklopädie Wikipedia hat es innerhalb weniger Jahre geschafft proprietäre Versionen wie die ehrwürdige über 200 Jahre alte Britannica oder die kapitalkräftige Microsoft Encarta obsolete werden zu lassen.
  15. Die kollaborative Ökonomie ist auf dem Vormarsch und setzt sich immer mehr im öffentlichen Bewusstsein fest . Wie der Economist sagt   “ It’s time to start caring about sharing“
  16. Zusammenfassend kann festgehalten werden:   Die kollaborative Ökonomie verändert nicht nur wie wir leben, reisen, und uns bewegen, oder wie wir lernen, arbeiten, produzieren und finanzieren, sondern auch wie wir unser Umfeld und unser Zusammenleben erfahren und wie wir denken und handeln.
  17. Dies führt uns zur Betrachtung beider Systeme: die alte Ökonomie vs. die neue Ökonomie. Wie anfänglich betont, die Gegenüberstellung wird schematisch teilweise provokativ sein.
  18. Ein erster Überblick über die alte Ökonomie bzw. Gesellschaft.   In ihr gibt es zwei dominante Spieler/Kräfte: der Staat und private Unternehmen. Sie streben nach Macht(erhalt) und Profiten. Beide sind organisiert in Form hierachischer top-down Pyramiden . Dominante Merkmale sind Konkurrenz, Ordnung & Kontrolle - erreicht mit Hilfe extrinsischer Motivation auf Grund von Regeln, Zuckerbrot oder Peitsche. Der Staat und die Betriebe fungieren als Zwischenhändler welche versuchen – mittels Zugangsbarrieren, Zugangskontrolle und Monopole - Mangel zu erreichen, zu kontrollieren und zu sichern um so (hohe) Profite und (unangefochtene) Macht zu garantieren. Damit verbundene Ineffizienz und Intransparenz werden billigend in Kauf genommen oder sogar angestrebt. Persönliches Eigentum ist von höchstem Wert, ermöglicht es doch Exklusivität und Status. Verkörpert durch den homo oeconomicus in seinem Streben nach persönlicher Nutzenmaximierung.
  19. Ein erster Überblick über die neue Ökonomie bzw. Gesellschaft zeichnet ein anderes Bild:   Menschen werden selber zu Spielern/Kräften Sie beginnen sich gegenseitig ihre Bedürfnisse zu befriedigen – jenseits von Markt & Staat. Sie sind organisiert in Peer-Netzwerken mit horizontalen Strukturen wie ein Pfannekuchen. Dominante Merkmale sind Kollaboration, Vertrauen, Selbstorganisation und intrinsische Motivation. Alte Abgrenzungen zwischen Produzenten und Konsumenten, Arbeitgeber und Angestellte verschwimmen oder entfallen. Menschen werden zu Prosumenten und Mikroentrepreneuren. Peers interagieren direkt miteinander – unter Umgehung von Intermediären und schaffen so mehr Transparenz und Effizienz. Persönliches Eigentum verliert an Bedeutung da Zugang und Teilhabe an den Commons Inklusion und Zugehörigkeit schaffen. Verkörpert durch den homo collaborans in seinem Streben einen Beitrag zu leisten was seiner/ihrem Umfeld Nutzen und Sinn stiftet.
  20. 1. Alt vs. Neu: Ein allgemeiner Vergleich   Die alte Ökonomie ist eine Markt- oder Handelsökonomie. Aber wie sollte die neue genannt werden? Kollaborative Ökonomie, Care Ökonomie, Solidarische Ökonomie, Zivilökonomie? Wir möchten an dieser Stelle offen lassen und zur Debatte stellen.   Der Fokus in der alten Ökonomie liegt auf der materiellen Welt, auf Objekten und Produkten, die mittels Marketing in den Markt gedrückt werden müssen. Erfolg wird ausgedrückt und gemessen in BSP Kennzahlen. In dieser Gier Ökonomie (greed economy) ist das Individuum darauf aus so viel wie möglich zu nehmen und so wenig wie möglich zu geben. Diese Gier-Ökonomie ist in ihrem Wesen ego-zentrisch sowie extraktiv und ausbeuterisch.   Der Fokus in der neuen Ökonomie liegt auf Menschen und der immateriellen Welt. Erfolg wird ausgedrückt in Bruttonationalglück oder anderen sinnhaften Maßeinheiten. In dieser Bedürfnis-Ökonomie (need economy) ist das Individuum angeregt so viel es kann zu geben und zu nehmen was es braucht (ähnlich dem Verhalten in Familien und Freundeskreisen). Diese Bedürfnis-Ökonomie ist in ihrem Wesen eco-zentrisch sowie additiv und kontributiv.   Die alte Ökonomie neigt zu immer mehr Ungleichheit, die neue zu mehr Gleichheit.
  21. 2. Alt vs. Neu: Ein Vergleich der Weltbilder und Systemfundamente   Wir erwähnten bereits den homo economicus, den Einzelkämpfer, der abgetrennt von der Natur diese wie ein Verbrauchsgut behandelt und ausbeutet und der abgetrennt von anderen Menschen diese als Konkurrenten in einer Welt voller Mangel wahrnimmt mit denen um die Ressourcen gekämpft werden muss. Der Fokus liegt auf Quantität, Transaktionen, Produkten und Objekten. Erfolg wird gemessen in absoluter und relativer Anhäufung privaten Eigentums.   Der homo collaborans hingegen betrachtet sich als Teil der Natur, die es zu erhalten und zu schützen gilt und fühlt sich verbunden mit den Mitmenschen und will mit ihnen kollaborieren sowie Güter und Erfahren teilen in einer Welt empfunden als reich an Fülle und Möglichkeiten. Der Fokus liegt auf Qualität, Verbundenheit, Menschen und Beziehungen. Erfolg wird gemessen an Glück, Zufriedenheit, Dienlichkeit und Sinn.   Die alte Ökonomie neigt zu Exklusion und Abgrenzung. Die neue Ökonomie zu mehr Inklusion, Offenheit und Transparenz.
  22. 3. Alt vs. Neu: Planet und Umwelt.   Die alte Ökonomie betrachtet und behandelt die Natur und die natürlichen Ressourcen als Ge- und Verbrauchsgut, verfügbar zur Ausbeutung und persönlichen Bereicherung. Diese Ökonomie, die Verkaufsorientiert ist, unter einem permanenten systeminternen Wachstumsdruck steht und nach einem sich stetig beschleunigenden linearen Produkt-rein-Müll-raus Prinzip funktioniert, akkumuliert zunehmend Abfall, Verschwendung und toxische Rückstände. Der Raubbau an der Natur und den natürlichen Ressourcen wird unweigerlich zu Mangel und Konflikten führen.   Die neue Ökonomie betrachtet sich selber als untrennbaren, voneinander abhängigen und symbiotischen Teil der Natur. Diese entschleunigte Bedürfnis-Ökonomie ist organisiert in geschlossenen Kreisläufen, die Verschwendung sowie den Gebrauch bzw. zumindest Verbrauch von toxischen Bestandteilen meidet. Zirkulare Kreisläufe und faire Ressourcenverteilung und –nutzung vermeidet Mangel und reduziert Konflikt.   Die alte Ökonomie neigt zu Monokulturen und einer Degenerierung der natürlichen Lebensgrundlagen. Die neue Ökonmie hat eine stärkere Neigung zu (Bio)Diversität und der Bewahrung natürlicher Existensgrundlagen
  23. 4. Alt vs. Neu: Menschen in beiden Systemen.   Menschen in der alten Ökonomie haben meist eine mehr statische Position. Normalweise füllen sie eine bestimmte Rolle aus (ein Beruf, ein Job, eine bestimmte Tätigkeit, manchmal sogar nur ein bestimmter Handgriff). Vielmals ist die Rolle von anderen definiert worden und fremdbestimmt und drückt somit gleichzeitig eine Abhängigkeitsbeziehung aus. Regularien, Kontrolle, Bestrafung und Incentives werden zu Mitteln extrinsischer Motivation.   Menschen in der neuen Ökonomie finden sich in dynamischeren Kontexten wieder. Sie haben oftmals mehrere Rollen und somit mehr Optionen und Chancen für einen autonomeren und aktiveren Lebensstil. Dies macht das Leben nicht notwendigerweise einfacher oder erfüllter, da wir oftmals noch wieder erlernen müssen mit dieser zurückgewonnenen Freiheit und Selbstbestimmung umzugehen.   In der alten Ökonomie agieren die Menschen oftmals aufgrund extrinsischer Motivation. In der neuen Ökonomie bestimmt zunehmend intrinsische Motivation das Handeln.
  24. 5. Alt vs. Neu: Interaktionen   Bestandteile der alten Ökonomie sind unabhängige, isolierte Entitäten. Unabhängigkeit und Abhängigkeit sind vorherrschende Beziehungen. Konkurrenz ist das dominante Muster welches die Entitäten antreibt gegeneinander zu arbeiten und so vorteilssüchtige Elbogengesellschaften schafft in denen Ausbeutung, Exklusion und Monopolisierung mit Wettbewerbsvorteil belohnt wird. Regularien, Gesetze und Kontrolle haben die Aufgaben gegenseitiges Misstrauen zu kompensieren.   Die neue Ökonomie besteht aus Netzwerken verbundener Entitäten. Interdependenz ist das leitende Beziehungsmuster. Kollaboration ist die Standarteinstellung welche Vertrauensbildung begünstigt in einer Gesellschaft in der Teilen, Austausch, Netzwerkeffekte und die Aktivierung der ganzen Potentials aller Bevölkerungsteile bessere Ergebnisse schafft.   In der alten Ökonomie prägt Wettkampf in der neuen Ökonomie Kollaboration die Interaktionen.  
  25. 6. Alt vs. Neu: Gegenüberstellung von Organisationsformen.   In der alten Ökonomie sind Organisationen ziemlich statische Einheiten mit starren Grenzen und top-down Regulierung. Ziele und Prozesse als auch Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen sind oftmal genau bestimmt. Aufgaben und Kompetenzen klar getrennt. Beides tendiert zu Spezialistentum und eingefahrenen Gewohnheiten. Die etablierten Strukturen gehen meist einher mit hohen Fixkosten und führen zu Inflexibilität und Immobilität.   Typische Aktivitäten der alten Ökonomie sind: kontrollieren, führen, managen, (voraus)planen, aggregieren, budgetieren, exekutieren.   In der neuen Ökonomie sind die Entitäten dynamischer, flexibler und oftmals ad-hoc geschaffen, mit fließenden Grenzen und auf Basis von Peer-to-Peer Selbstorganisation. Ziele und Prozesse werden ad-hoc formuliert oder entsprechend des Bedarfes. Aufgaben und Kompetenzen sind weniger voneinander getrennt und erlauben somit mehr Raum und Gelegenheit für Serendipität und Innovation. Die Entitäten sind oftmals lean und sind daher mobiler und flexibler.   Typische Aktivitäten der neuen Ökonomie sind: koordinieren, ad-hoc bilden und evaluieren, ermöglichen, improvisieren, experimentieren.   Die alte Ökonomie tendiert zu Zentralisierung und Bürokratisierung. Die neue Ökonomie zu Dezentralisierung.
  26. Status quo   Es wächst das Bewusstsein, dass unser jetziges ökonomisches System, die alte Ökonomie, und die Richtung auf die sie zusteuert, weder nachhaltig noch wünschenswert ist.   Eine Umfrage der konservativen deutschen Medienstiftung Bertelsmann ergab, dass 88% bzw. 90% der befragten Deutschen und Österreicher sich eine neue Wirtschaftsordnung wünschen. Eine Wirtschaftsordnung, welche mehr Rücksicht nimmt auf Umwelt, nachhaltigen Ressourcengebrauch und soziales Gleichgewicht. Ein erstaunliches Umfrageergebnis!   Nun stellt sich die Frage, wie gelanden wir auf die andere Seite? Was wird als nächstes passieren?
  27. Here two voices Jeremy Rifkin, Economist & head of the Foundation on Economic Trends, makes a quite precise prediction He sees currently a parallel flourishing of both systems partially cooperating, partially competing.   Nevertheless he dates the eclipse of capitalism around the year 2060 & predicts that the old model will cease to unilateral determine the economy.   Reasons for this development are on the one hand the increasing substitution of the old system through barter, DIY & cooperative structure. People will have own solar panels instead of buying electricity, will share cars instead buying an own ones and will exchange spaces among each other instead of renting hotel rooms Another reason for the decline he sees in a paradox deeply embedded in the capitalist theory & practice, the margin costs which turns problematic if they reach zero.   Charles Eisensteins, visionary and social philosopher, also expects a collapse of the old system, but he says that it will be difficult to say when and where this will happen most likely triggered through some sort of crisis or disaster. He compares the old system to a big rope, difficult to cut if it’s loose, but as it tightens a small cut can be enough to snatch it. When & where this will happen he considers unpredictable.
  28. Abschließen möchte ich mit einem Zitat von Arundhati Roy, Indische Authorin und Activistin.   “Another world is not only possible, she is on her way. On a quiet day, I can hear her breathing”   „Eine andere Welt ist nicht nur möglich, sie ist bereits im Entstehen. An einem ruhigen Tag kann ich sie atmen hören.“   Vielleicht gibt diese musische Werkwoche den Raum, die Zeit und die Muße hineinzuhören und zuzuhören um dieses Atmen zuhören in einer Vielzahl von Menschen, Projekten, Initiativen, Gedanken und Handlungen welche diesen Geist einer anderen möglichen Welt und einer neuen Wirtschaftsweise bereits ausdrücken.
  29. OuiShare = global community, think and do-tank. Our mission is to build and nurture a collaborative and sharing society by connecting people, organizations and ideas around fairness, openness and trust. Shared values & Principles Openness – Transparency – Independence – Impact – Feedback - Action – MeetPeopleInRealLife – PermanentBeta - Inclusion - Play