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Anlagensicherheit in der Chemie

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Im Rahmen des Umwelt Produkte Technik Ausschusses (UPTA) des VCI Rheinland-Pfalz beschäftigten sich die Experten mit Fragen der Sicherheitskultur, Prävention und Krisenkommunikation.

Veröffentlicht in: Leadership & Management
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Anlagensicherheit in der Chemie

  1. 1. Die größtmögliche Sicherheit ist elementares Anliegen der chemischen Industrie Was passiert bei einem übergreifenden Stromausfall? Narrative und deren Bedeutung für die Sicherheitskultur im Unternehmen Das erste Jahr: Vision Zero Update Thermische Explosion – Prävention und Kontrolle Krisenarbeit mit Behörden, Journalisten und Sozialen Medien festgehalten Die Veranstaltungen der Chemieverbände Rheinland-Pfalz 09 | 2017  UPTA Die Gesundheit der Mitarbeiter und Nachbarn sowie die Um- welt zu schützen, ist der chemischen Industrie sehr wichtig. Die Branche unternimmt große Anstrengungen, um den störungsfreien Betrieb der Anlagen zu gewährleisten. Über die bestehenden Verordnungen und Gesetze hinaus verbessert die Branche kontinuierlich die Sicherheit der Anlagen. Dies betrifft technische Verbesserungen, das betriebliche Sicherheits- management und die Ausbildung der Mitarbeiter. Im Rahmen des Umwelt Produkte Technik Ausschusses (UPTA) beschäftigten sich die Experten mit Fragen der Sicherheitskultur, Prävention und Krisenkommunikation. Tobias Göpel | Chemieverbände Rheinland-Pfalz INHALT
  2. 2. UPTA | Frankenthal Was passiert bei einem übergreifenden Stromausfall? Bericht aus dem Fachbeirat Chemie Am 7. Dezember 2016 fand in Basel ein trinationaler Kongress der Oberr- heinkonferenz zum Thema „Blackout – grossflächiger grenzüberschreiten- der Stromausfall“ statt: Was passiert, wenn in Ballungsräumen großflächig die Energieversorgung ausfällt? Was passiert mit den Industrieanlagen – gehen die Lichter aus? In einem Schweizer Krankhaus wurde bei einer Überprüfung festgestellt, dass in diesem Fall die Abwasserpumpen nicht mit Notstrom versorgt werden. Als Folge wäre das Spital binnen einer Stunde nicht mehr handlungsfähig. Nicht bekannt ist, ob es solche Folgen im Ernstfall auch für Industriebetriebe gibt. Auffällig ist jedoch, dass die Unternehmen bei diesem Thema unterschied- lich weit sind. Das Resumee der Konferenz war dann auch, nicht nach der Eintrittswahrscheinlichkeit zu fragen, sondern zu hinterfragen, wie hand- lungsfähig die Unternehmen in einem solchen Fall sind. Dabei ist nicht nur die Anlage zu betrachten, sondern auch das Umland: Wie reagiert die Bevölkerung in der Umgebung, wenn bei tagelangen Stromausfällen Warmwasser und Lebensmittel knapp werden und der Betrieb mit seinen Notstromaggregaten zum Ziel der notleidenden Menschen wird? Einen Bericht zur Konferenz gibt es online unter http://cvrp.de/upta517b Weitere Themen des Fachbeirates Chemie Welche Auswirkungen das EuGH-Urteil zum wasserrechtlichen Verschlech- terungsverbot hat, ist noch unklar. Die Auslegung wird sich in der Praxis zeigen. Im Grenzfall kann der Ausbau eines Werkes möglicherweise unter- sagt werden. Da die Entsorgung von Alt-Dämmstoffen mit HBCD (hexabromcyclododecan) als Flammschutz­mittelzusatz als gefährlich eingestuft wurde und nicht alle Entsorgungs­betriebe die notwendigen Genehmigungen haben, sind die Entsorgungspreise deutlich angestiegen. Derzeit besteht eine Übergangslösung. Narrative und deren Bedeutung für die Sicherheitskultur im Unternehmen Die Arbeitssicherheit ist in den Betrieben häufig ein rein technisches oder organisatorisches Thema. Die Sicherheitshinweise und die Art und Weise, wie Mitarbeiterinnen über Sicherheit reden, spiegeln diese tech- nische und organisatorische Sichtweise wider. Dr. Höfling ruft dazu auf, Arbeitssicherheit als Teil eines aktiven Handelns und der unternehme- rischen Wertschöpfung zu sehen. Dies verändert auch das Narrativ – die Art und Weise, wie wir darüber sprechen. Denn darüber zu kommuni- zieren, hilft ein gemeinsames Verständnis zu gewinnen. Über Narrative können wir auf das Verständnis und damit auf das Verhalten der Men- schen Einfluss nehmen. „Die Sicherheitskultur existiert in den Narrativen.“ Die Vielfalt der Erzählungen und die Vielfalt der Verhaltensweisen, die sich daraus ergeben bezeichnen wir als Kultur. Das Unternehmen sollte sich daher überlegen, wie es die Sicherheit im Betrieb sprachlich umsetzt und welche Narrative es verwendet. Worauf Unternehmer achten sollten Die Kultur wird beeinflusst durch das sie umgebende System und die Sprache. Und die Erfahrung zeigt, dass einige Unternehmen die Audits auf dem Papier bestehen, aber deren Inhalte nicht leben. So entsteht eine trügerische Sicherheit auf der Basis von Formalismus. Ein kleines Beispiel dessen sind die verkeilten Feuerschutztüren. „Erzählen Sie Narrative neu und schaffen Sie eine neue Sicherheitskultur.“ Die Erzählung könnte wie folgt lauten: „Der Umgang mit Risiken ist Teil des unternehmerischen Handelns. Um produzieren zu können, gehen Unterneh- men auch Sicherheitsrisiken ein. Der Unternehmenserfolg hängt daher vom zuverlässigen Umgang mit diesen Risiken ab. Als Führungskräfte, Sicher- heitsfachkräfte und Mitarbeiter unterstützen wir unser Unternehmen darin, mit diesen Risiken verantwortlich und sicher umgehen zu können, indem wir uns selbst, unsere Kollegen und unseren Betrieb mit sichern helfen …“ Dr. Wolfgang Höfling „Die Wahrscheinlichkeit eines Blackouts ist zwar gering, die Tragweite im Ernstfall aber weitestgehend unbekannt.“ Dr. Hubert Lendle Sichtweise verändert Identifikation Extrinsische Motiviation: „Die Firma will das so …“ Intrinsische Motivation: „Ich tue dass, um meine Kollegen zu schützen …“ Die intrinsische Motivation ist höherwertiger und schafft eine starke Identifikation. Damit einher geht eine große Verhaltensänderung.
  3. 3. 09/2017 Das erste Jahr: Vision Zero Update Arbeit hat vielfältige Facetten. Wir arbeiten im Idealfall gerne, um uns zu verwirklichen, unsere Kompetenzen und Fähigkeiten zu nutzen und um un- sere Familien zu ernähren. Doch Arbeit kann auch körperlich fordernd und gefährdend sein, mitunter sogar verletzen. Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, die Vermeidung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren stehen im Fokus der Arbeit der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) und deren zukunftsweisender Präventionsstrategie VISION ZERO. Die VISION ZERO basiert auf der Überzeugung, dass alle Unfälle und Berufskrank- heiten verhindert werden können. Ziel ist es, dass niemand bei der Arbeit getötet wird, sich schwer verletzt oder erkrankt. Die BG RCI ist davon überzeugt, dass sich letztlich jeder Unfall verhindern lässt. Realisiert wer- den kann diese Vision nur gemeinsam, wenn alle Sicherheit und Gesund- heit als elementare Werte erkennen und verantwortungsvoll handeln. Erfolgreiche Prävention rettet und schützt Leben und dient letztlich dem nachhaltigen Unternehmenserfolg. Zur Umsetzung der Präventionsstrategie „VISIONZERO. Null Unfälle – gesund arbeiten!“ hat sich die BG RCI sieben konkrete Ziele gesetzt. Gemeinsam mit Mitgliedsbetrieben und Versicherten sollen durch inno­ vative und bewährte Instrumente weitere Meilensteine auf dem Gebiet der Prävention erreicht werden. Mit den VISION ZERO-Angeboten der BG RCI wird aktiv eine gesunde und unfallfreie Arbeitswelt gefördert. Die sieben Ziele der Strategie sind auf zehn Jahre ausgelegt und beinhal- ten neben den Meilensteinen auch regelmäßige Evaluationen. Die Ziele sind unter anderem die Senkung des Arbeitsunfallrisikos, die Halbierung der neuen Arbeitsunfallrenten sowie die Steigerung der Anzahl unfallfrei- er Betriebe. Erreicht werden soll dies durch verschiedenste Maßnahmen. „Bewusstes Handeln, gesunder Menschenverstand und intrinsische Motivation führen zu mehr Sicherheit bei der Arbeit – ohne zusätzliche Kosten.“ Bei 2/3 aller Unfälle sind die Risiken bekannt und der Unfall ist dennoch passiert. Durch eine Veränderung der Sicherheitskultur kann hier viel bewirkt werden. Thermische Explosion – Prävention und Kontrolle „Die in verfahrenstechnischen Anlagen durchgeführten chemischen Reakti- onen können zu Gefahren für Menschen und Umwelt führen, wenn Drücke oder Temperaturen bei den Prozessen über die Auslegungsgrenzen der An­ lagenteile ansteigen und unkontrolliert Energie und Stoffe freigesetzt wer- den“, so leitet die Technische Regel Anlagensicherheit TRAS410 in das Thema Erkennen und Beherrschen exothermer chemischer Reaktionen ein. Oftmals werden in der chemischen Industrie Stoffe mit thermischen Poten­ tial verwendet. Teil der Prävention ist die Kenntnis der Stoff- und Reaktions- daten, also das Wissen, welche Energie bei der Synthese bzw. Zersetzung freigesetzt werden kann. In seinem Vortrag ging Dr. Sommer auf verschie- dene Analyseverfahren ein, wie die Differenzthermoanalyse oder das Reak- tionskalorimeter. In allen Fällen betonte er, dass sich die Unternehmen bei den Verfahren auch Gedanken über mögliche Abweichungen von Prozess­ parametern und Prozesszuständen machen sollten, wie zum Beispiel  Art und Spezifikation der Ausgangsstoffe  Dosierung (Menge, Geschwindigkeit, Reihenfolge)  Vermischung (Rührerfunktion und -typ)  Präsenz von Hilfsstoffen  Verfügbarkeit von Hilfsenergien. Besonders wies er auf Fragestellungen bei Maßstabsvergrößerungen (Scale-Up) hin, da bei Laborversuchen andere Schlussfolgerungen gezo- gen werden könnten, als es dann im großen Maßstab abläuft. Muss im Laborversuch zum Beispiel Hilfsenergie zugeführt werden, um überhaupt die Reaktion zu ermöglichen, so kann im großen Maßstab eine massive Kühlung erforderlich sein, um eine Explosion zu verhindern. In der Merkblattreihe „Anlagensicherheit“ der BG RCI (http://download- center.bgrci.de/shop/bgi/rreihe bzw. http://medienshop.bgrci.de/shop/in- dex.jsp?query=/r001.xml&field=path ) gibt es ausführliche Informationen sowie Lehren aus Schadenereignissen. Statistiken des BG RCI für das Jahr 2014 über 30 Menschen sind bei der Arbeit oder auf dem Weg zur/von der Arbeit  tödlich verunglückt  65.000 Unfälle  840 neue Unfallrenten  94.000 Witwen- und Waisenrenten  1 Milliarde Euro Entschädigungsleistungen Dr. med. Harald Wellhäuser Dr. Joachim Sommer
  4. 4. UPTA | Frankenthal IMPRESSUM Herausgeber: Chemieverbände Rheinland-Pfalz – eine Dachmarke von Arbeitgeberverband Chemie Rheinland-Pfalz e.V. und Verband der Chemischen Industrie e.V. Landesverband Rheinland-Pfalz e.V., Bahnhofstraße 48, 67059 Ludwigshafen, Telefon 06 21-520 56‑0, Telefax 06 21‑520 56‑20, info@chemie-rp.de, www.chemie-rp.de, Redaktion: Tobias Göpel, Fotos: Marcel Hasübert, mh-foto.de, Gestaltung: gestaltbar@netcologne.de, Köln, Druck: Chroma Druck & Verlag GmbH, Römerberg-Berghausen, Auflage: 400, Stand: September 2017. Die Veranstaltung fand am 5. Mai 2017 in Frankenthal statt. Krisenarbeit mit Behörden, Journalisten und Sozialen Medien Wie Unternehmen in der Krise schlecht kommunizieren, zeigte nicht nur das Unglück von Seveso. Auch in der heutigen Zeit schweigen viele Unter- nehmen, statt aktiv zu kommunizieren. Dadurch verlieren die Unternehmen die Deutungshoheit und Reputation, die sich nachhaltig auf das Geschäft auswirken können. Die Erfahrung zeigt, dass die Firmen oft eine sehr gute technische Einsatz- leitung haben, die im Unglücksfall souverän die Situation meistert. Jedoch wird die Kommunikation nach außen vernachlässigt. Öffentlich- keitsarbeit sollte nicht als störend empfunden werden, sondern als Hilfe für die eigene Arbeit. Besonders die Schnittstelle im Krisenstab zwischen der technischen Einsatzleitung und der Kommunikation muss funktionieren. Denn auch wenn das Unternehmen nicht kommuniziert – andere tun es. Befragt werden Polizei, Feuerwehr, Anwohner und auch Mitarbeiter, die sich ggf. auf Sammelplätzen außerhalb des Werkgeländes bewegen. Zudem zeigen die Analysen jüngster Vorfälle, dass solche Situationen genutzt werden, um Freunde zu informieren oder sich endlich mal öffentlich wirksam „Luft zu verschaffen“. Während öffentlich zugänglichen Platt- formen wie facebook für die eigene Arbeit ausgewertet werden können, klappt dies bei privaten Messengerdiensten wie WhatsApp oder Snapchat nicht. Die Mitarbeiter sollten daher präventiv sensibilisiert werden, welche Auswirkungen ihr Mitteilungsbedürfnis haben kann. Kommunikation ist mehr als Medienarbeit Sich im Falle eines Vorfalles auf die Arbeiten vor Ort zu konzentrieren ist wichtig. Ebenso wichtig ist die Information relevanter Zielgruppen. Dazu zählt die interne Kommunikation an Mitarbeiter und Angehörige ebenso wie die Information an Kunden, Behörden, Lieferanten sowie an die Presse und Öffentlichkeit. Hilfreich ist es, wenn vor dem Vorfall be- reits Checklisten erarbeitet wurden, die fester Teil des Krisenhandbuches sind. Hier können Pressemitteilungen ebenso vorbereitet werden, wie die Aufgabenverteilung bei Pressekonferenzen. Unternehmen, deren Sitz im Ausland ist, können so bereits ohne Zeitdruck Freigaben für Kernbotschaf- ten erhalten. Denn in der Krise ist am Unfallort wie in der Kommunikation der Zeitfaktor essentiell. „In der chemischen Industrie arbei- ten wir mit Risiken. Sie sind eine imaginäre Größe, die da ist und nicht ausgeschaltet werden kann. Wir können aber alles tun, um die Risiken zu minimieren. Das meint Arbeits- und Anlagensicherheit.“ Dr. Hubert Lendle Tobias Göpel

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