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Jörg Hartmann
                      Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film




               Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film


                             Exposé zum Promotionsprojekt


                                       von Jörg Hartmann


Ziel der Arbeit
Zum Kernbestand des populären Filmgenres ‚Science Fiction‘ zählen Phantasien vom
Aufbruch des Menschen ins All. Raumfahrt- und Raumschiffinszenierungen lassen sich
international und kontinuierlich von der Frühzeit des Kinos bis in die Gegenwart beobachten.
Eine Monographie zu diesem Themenfeld steht jedoch noch aus. Ziel des hier vorgestellten,
primär film- und kulturwissenschaftlich ausgerichteten Promotionsprojektes ist die
Schließung dieser Lücke durch die Erstellung eines umfassenden Korpus von Spielfilmen, in
denen Raumfahrt und Raumschiff Objekt medialer Repräsentation werden, und die daran
anschließende Systematisierung und Interpretation der Bedeutungsverschiebungen, denen
dieses Motiv in seinem historischen Verlauf unterliegt.

Verfilmte Raumfahrtvisionen imaginieren nicht nur Verbesserungen des Verkehrswesens, sie
beziehen sich auch auf einen extradiegetisch positionierten, übertragenen Sinngehalt. Als
moderne Variante der traditionellen Daseinsmetapher ‚Seefahrt‘ verbildlichen sich im Topos
der astronautischen Evasion kollektive Wertungen gegenüber technologischem Fortschritt im
20. Jahrhundert sowie Annahmen über die Stellung des Menschen in Raum und Zeit. Sowohl
zeitgenössische Kontexte der Produktionsgegenwart der Filme als auch die technik- und
kulturhistorischen Vorgeschichten des Motivs sollen daher in die Untersuchung mit
einbezogen und mit der wechselnden Semantik fiktionaler Raumschiffe abgeglichen werden.




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Jörg Hartmann
                           Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film

Methodik und Inhalt

1.1    Metapherntheorie und Film

Der erste, methodisch orientierte Teil des Promotionsprojektes wird den Themenkomplex
‚Metapher‘ und ‚Metaphorik im Film‘ behandeln, wofür zunächst der kognitivistisch-
linguistische Ansatz Lakoff/Johnsons1 und die ‚Metaphorologie‘ Hans Blumenbergs2 erläutert
werden      sollen.     Beide        Ansätze   unterscheiden        sich    von     rhetorisch-traditionellen
Metapherauffassungen3, indem sie die Metapher nicht als eine die Rede zwar schmückende,
im Grunde jedoch durch eigentliche Begriffe ersetzbare Figur sehen, sondern ihr eine
zentrale, nicht in Logizität zurückführbare, erkenntnisleitende Funktion zuweisen. Nach
Lakoff/Johnson        stellen    Metaphern       verbalisierte     Ausdrücke       von     noch     vor    ihrer
Versprachlichung bestehenden kognitiven Strukturen dar, die teilweise somatisch fundiert und
somit anthropologisch konstant sind, ihre Prägung jedoch auch durch kulturelle, variante
Rahmenbedingungen erfahren. Aus der Analyse von Metaphern schließen Lakoff/Johnson auf
deren kulturspezifische Implikationen.

Dieses Vorgehen ähnelt dem der ‚Metaphorologie‘ Hans Blumenbergs, dessen Interesse sich
darauf richtet, was ausgesuchte Metaphern im Prozess menschlicher Selbst- und
Weltverständigung         leisten.     Blumenberg      untersucht     den    historischen      Verlauf     ihrer
Verwendung, um die „ganz elementaren Modellvorstellungen, die in der Gestalt von
Metaphern bis in die Ausdruckssphäre durchschlagen“4, herauszuarbeiten. Eine Kombination
des diachron ausgerichteten blumenbergschen Ansatzes mit dem hauptsächlich synchrone
Perspektiven erschließenden Ansatz von Lakoff/Johnson geschah bisher noch nicht. Eine
solche, im Rahmen der Promotionsarbeit durchzuführende Synthese ermöglicht es jedoch, die
Metaphernträchtigkeit solcher Motive wie des ‚Raumschiffs‘ zu begründen und in
geschichtlicher Tiefe und kultureller Breite darzustellen.




1
            Lakoff, George; Johnson, Mark: Metaphors We Live By. Chicago 1980.
2
            Blumenberg, Hans: Paradigmen zu einer Metaphorologie, in: Archiv für Begriffsgeschichte. Bonn
    1960.
3
             Fuhrmann, Manfred (Hg.): Aristoteles: Poetik. Griechisch und deutsch. Stuttgart 1982. Sowie
    Merklin, Harald (Hg.): Marcus Tullius Cicero: De Oratore. Lateinisch und deutsch. Über den Redner.
    Stuttgart 1976. Und: Loretto, Franz (Hg.): Marcus Fabius Quintilianus: Institutio oratoria, X. Lateinisch und
    deutsch. Lehrbuch der Redekunst, 10. Buch. Stuttgart 1974. Und: Lausberg, Heinrich; Arens, Arnold:
    Handbuch der literarischen Rhetorik. Eine Grundlegung der Literaturwissenschaft. 3. Aufl. Stuttgart 1990.
    Für einen systematischen Überblick über klassische und moderne Metaphertheorien vgl.: Rolf, Eckard:
    Metaphertheorien. Typologie - Darstellung - Bibliographie. Berlin 2005.
4
             Blumenberg, Paradigmen, S. 64.
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                            Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film

Auf die Ausgangsthese der kognitivistischen Metapherntheorie, metaphorische Prozesse seien
nicht primär textbasiert, stützt sich Whittock5, der der Frage nach metaphorischen Prozessen
in Filmen nachgeht. In seiner Monographie entwirft er eine Theorie, deren Kernpunkt die
„notion of seeing as“6 darstellt. Der Inszenierungscharakter des im Filmbild Dargestellten
erlaube es, das Abgebildete als Zeichen zu lesen, das nicht nur auf seinen natürlichen,
denotativen Referenten, sondern zusätzlich auf eine künstlerische, konnotative Aussage
verweist. Forceville7 geht zudem davon aus, dass nach Einführung des Tonfilms
metaphorisches Verstehen auch durch Figurenrede, Musik oder Geräusch-Effekte aufgerufen
werden könne; in solchen Fällen sei von ‚multimodalen’ Metaphern zu sprechen. Diese
Ansätze sollen unter Bezugnahme auf weitere Standpunkte der Filmwissenschaft8 zu einer
Theorie der Metaphorik im Film verbunden werden, um sie zu einer bisher noch ausstehenden
Theorie der Metaphorik im Science-Fiction-Film zu spezialisieren, die im analytischen Teil
der projektierten Untersuchung auf das Raumschiff-Motiv angewandt werden kann.




1.2     Science Fiction und Metaphorik

Die Metaphorizität der in literarischer und filmischer Science Fiction (SF) dargestellten
Raumschiffe liegt nicht nur im Motiv, sondern auch in der narratologischen Disposition des
‚Erzählmodus SF‘9 begründet. SF-Erzählungen entwerfen fiktive Welten, die von
mimetischen Darstellungen empirisch-erfahrbarer Realität unterschieden werden können, da
in ihnen Ereignisse gezeigt werden, die mit dem zeitgenössischen Kontext ihrer Entstehung in
einem nicht realitätskompatiblen Verhältnis stehen. Mit Todorov10 können sie in die Gattung
des ‚Wunderbaren‘ eingeordnet werden und gleichen auf dieser Ebene Märchen und Fantasy-
Erzählungen. Im Unterschied zu diesen Untergattungen des Wunderbaren, die durch
‚Realitätsinkompatibilitäts-Klassifikatoren‘11 als Alternativen zu unserer Welt markiert sind,

5
              Whittock, Trevor: Metaphor and Film. Cambridge 1990.
6
              Ders., S. 126.
7
              Vgl.: Forceville, Charles F.: Bildliche und multimodale Metaphern in Werbespots. In: Zeitschrift für
     Semiotik, H. 1-2, 2003, S. 39–60.
8
               Vgl. dazu: Metz, Christian: Métaphore/métonymie, ou le référent imaginaire, in: ders.: Le signifiant
     imaginaire. Psychanalyse et cinema. Paris 1977, S. 177-371. Sowie Carrol, Noël: A Note on Film Metaphor,
     in: ders.: Theorizing the Moving Image, Cambridge 1996, S. 212-223. Und: Lohmeier, Anke-Marie:
     Hermeneutische Theorie des Films. Tübingen 1996.
9
              Vgl.: Spiegel, Simon: Die Konstitution des Wunderbaren. Zu einer Poetik des Science-Fiction-
     Films. Marburg 2007.
10
              Vgl.: Todorov, Tzvetan: Einführung in die phantastische Literatur. München 1972.
11
              Vgl.: Wünsch, Marianne: Die Fantastische Literatur der Frühen Moderne (1890 – 1930). Definition,
     denkgeschichtlicher Kontext, Strukturen. München 1991.
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                           Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film

geben SF-Erzählungen jedoch vor, Prolongierungen der empirisch erfahrbaren Welt zu sein.
Die Etablierung des narrativen Modus SF findet durch die Einführung eines übernatürlichen
Elements statt, das seit Suvin12 als ‚Novum‘ bezeichnet wird. Suvin fordert, es müsse
„postulated on and validated by the post-Cartesian and post-Baconian scientific method“13
und somit strikt vom Bereich des Magischen getrennt sein. SF-Filme halten die Behauptung,
dass zwischen fiktionaler SF-Welt und empirisch erfahrbarer Referenzwelt Kontinuität
bestehe, durch eine szientistische Rhetorik und technizistische Ikonographie ihrer Nova
aufrecht. Mit dieser Plausibilisierungsstrategie aber ist die SF immer dem jeweils
gegenwärtigen Stand wissenschaftlicher Entwicklung und den kulturell geprägten
Einschätzungen darüber unterworfen. „Die SF ist also ein Spiegel der gesellschaftlichen und
individuellen Reaktionen auf den technisch-wissenschaftlichen Fortschritt. (…) Die fiktionale
Welt mag besser oder schlechter als die unsere sein, (…) auf jeden Fall impliziert die
Andersartigkeit der SF-Welt nicht nur einen Vergleich mit der realen Welt, (…) sondern sie
spricht immer auch ein Urteil über den Fortschritt.“14




1.3     Schifffahrt und Weltall als Metaphernspender

Fiktionale Raumfahrtdarstellungen können als Teilelemente eines Diskurses gesehen werden,
der die ‚Moralität‘ technisch ermöglichter Grenzüberschreitungen thematisiert. Trotz der von
SF-Filmen häufig aufgestellten Behauptung, zukünftige Entwicklungen zu antizipieren,
beziehen sie sich in ihrer Ideologie stets auf die jeweilige Produktionsgegenwart. Oft
aktualisieren sich im ‚uneigentlichen‘ Gewand hoch technisierter Vehikel gerade diejenigen
irrationalen Vorstellungen, die aus dem seit der Aufklärung und im Zuge fortschreitender
Modernisierungsprozesse zunehmend von dem von technischer ‚Vernunft‘ geprägten Denken
verdrängt wurden.

Das Promotionsprojekt soll verdeutlichen, wie sich im Motiv des ‚Raumschiffs‘ zwei
Themenfelder miteinander verbinden, die jeweils für sich bereits eine hohe Potenz als
Metaphernspender aufweisen: die aus der Seefahrt stammende Semantik des Grenzübertritts
vom sicheren Festland in die dämonisierte Sphäre des Meeres, sowie die Tradition der
Kosmologie, die Antworten auf Fragen nach der Stellung des Menschen in Zeit und Raum aus
der Betrachtung des Sternenhimmels zu erhalten hofft.
12
              Suvin, Darko: Metamorphoses of Science Fiction. On the Poetics and History of a Literary Genre.
     New Haven 1979, S. 64.
13
     Ders., ebd.
14
              Spiegel, S. 10.
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                           Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film

Im zweiten Teil des Promotionsprojektes sollen diese archaisch-mythologischen bis
weltbildlich-philosophischen Hintergründe der Raumfahrt in ihren Interferenzen und
kulturhistorischen Dimensionen dargestellt werden, um sie für das Feld der Science-Fiction-
Forschung fruchtbar zu machen.

Die hydronautische Vorgeschichte wird dabei ausgehend von Hans Blumenbergs
metaphorologischer Schrift ‚Schiffbruch mit Zuschauer‘15 und unter Einbeziehung
literarischer16 und piktoraler17 Reflexionen zu den Topoi ‚Seefahrt‘ und ‚Seenot‘
nachgezeichnet werden, um deren Semantik auf die der astronautischen Raumfahrt
auszuweiten. Das Befahren der maritimen Sphäre ist als Verlassen des naturgegebenen,
terrestrischen Aufenthaltsbereichs ständig vom Scheitern bedroht, und verlangt die
Beherrschung und Instrumentalisierung chaotischer Naturgewalten. Die Bewertung solcher
Unternehmungen unterliegt kulturell geprägten Einschätzungen, die zwischen dem Vorwurf
hybrider Grenzverletzung (griechisch-römische Antike, europäisches Mittelalter) und
fortschrittsorientierter Legitimation der ‚curiositas‘ (Aufklärung) schwanken. Blumenberg
entdeckt noch eine dritte Variante dieser ‚Daseinsmetapher‘, deren Tradierung er mit Pascals
„vous êtes embarqués“ im 17. Jahrhundert beginnen lässt, und die er bis ins 20. Jahrhundert
verfolgt.18 Hier dient das Bild des Seit-Jeher-Eingeschifft-Seins in seiner Verabsolutierung
zum „postkolumbianischen Ontologikum“19 als Ausdruck der „condition moderne aus
Ordnungsschwund und Selbstbehauptung.“20

Neben der Verbindung von Elementarem und Existentiellem im Zeichen der Schifffahrt regt
auch die Betrachtung des Sternenhimmels seit frühester Zeit zum Nachdenken über die
Stellung des Menschen in Zeit und Raum an. Noch vor jeglicher Schriftlichkeit soll der



15
              Blumenberg, Hans: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher. Frankfurt/M.
     1997. (Erstausgabe 1979).
16
              Vgl. Hönig, Christoph: Die Lebensfahrt auf dem Meer der Welt. Der Topos. Texte und
     Interpretationen. Würzburg 2000. Sowie Berckenhagen, Ekhart: Schiffahrt in der Weltliteratur. Ein Panorama
     aus fünf Jahrtausenden. Hamburg 1995.
17
              Savigny, Jean Baptiste Henri; Trempler, Jörg; Zeilinger, Johannes: Der Schiffbruch der Fregatte
     Medusa. Mit einem Kommentar von Johannes Zeilinger und einem Essay von Jörg Trempler. 2., verb. Aufl.
     Berlin 2005. Sowie: Segeberg, Harro: Schiffbruch mit Filmzuschauer – Der Kino-Film Titanic (1997) in der
     Geschichte literarischer und filmischer Schifffahrtskatastrophen. In: Lemke, Anja; Schierbaum, Martin;
     Wergin, Ulrich (Hg.): In die Höhe fallen: Grenzgänge zwischen Literatur und Philosophie. Würzburg 2000,
     S. 55-71.
18
              Vgl. hierzu auch: Campe, Rüdiger: Spiel der Wahrscheinlichkeit. Literatur und Berechnung
     zwischen Pascal und Kleist, Göttingen 2003.
19
              Timm, Herrmann: „Nach Ithaka heimzukehren lohnt den größten Umweg.“ Nostrozentrische
     Kosmologie– nautozentrische Metaphorik. in: Wetz, Franz Josef; Timm, Hermann (Hg.): Die Kunst des
     Überlebens. Nachdenken über Hans Blumenberg. Frankfurt/M. 1999, S. 63.
20
              Heidenreich, Felix: Mensch und Moderne bei Hans Blumenberg. München S. 211.
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                           Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film

Himmel als Repräsentant eines ‚Absolutismus der Wirklichkeit‘21 in mythischen Erzählungen
Ziel metaphorischer Zuschreibungen gewesen sein. Mit ‚Kunstgriffen’ wie der Einsetzung des
„Vertrauten für das Unvertraute, der Erklärungen für das Unerklärliche, der Benennungen für
das Unbenennbare“22 sei versucht worden, den unfassbaren Schrecken der Welt in bestimmte
und somit abschätzbare Größen zu transformieren. Namen, Metaphern und Mythen seien die
‚Produkte’ solcher Bemühungen. Auch die Benennung der Sterne kann als ein solcher Akt der
Distanzierung gesehen werden, da sie den „Mechanismus vorgeschobener imaginativer
Instanzen“23 nutzt, um den Anschein von Erkenntnis und Beherrschbarkeit zu evozieren. In
der vorzulegenden Studie soll herausgearbeitet werden, dass sich die metaphorischen
Aufladungen des Raumschiff-Motivs aus dem Hineinwagen in diese kulturell unterschiedlich
geprägten Vorstellungsräume speisen. Lange bevor die Raumfahrt im 20. Jahrhundert
realisiert wird, kann sie als literarischer24, piktoraler, später auch filmischer Topos auf eine
Tradition künstlerischer Bearbeitungen zurückblicken. Diese erstreckt sich von den
Beschreibungen kosmischer Reisen der Antike, über die von christlicher Geozentrik
geprägten Himmelsreisen des Mittelalters, bis in die Neuzeit, die das Weltall nach der
kopernikanischen Wende als zu erforschendes Infinitum entdeckt. In diesen Fiktionen spiegelt
sich ein Wechselspiel, das sich zwischen Wissensgeschichte, Weltbildwandel und
technischem Fortschritt entspinnt. Mit der Durchsetzung eines eher rational geprägten
Weltbilds kommt es auch zu einer Öffnung des bisher von heilsgeschichtlicher Linearität
geprägten Geschichtsdenkens; fiktionale Entwürfe einer Vielzahl möglicher Zukünfte, in
denen Wissenschaft und Technik eine zunehmende Rolle spielen, werden häufiger.
Ausgehend von den Planetenromanen der Renaissance und der Aufklärung und den
Ballonflugvisionen der Romantik verdichten sich diese Erzählungen bis zu den an der
Schwelle zum 20. Jahrhundert stehenden, mathematisch durchdachten Extrapolationen Vernes
und den ‚Scientific Romances‘ Wells`. Hier wird das Motiv der phantastischen Reise adaptiert
und an eine Leserschaft, die weniger an Magie als an technischen Fortschritt glaubt,
angepasst. Verne und Wells liefern als Vertreter einer frühen literarischen Science Fiction in
ihren Romanen auch das Ausgangsmaterial der ersten filmischen Darstellung einer Mondreise
in VOYAGE DANS LA LUNE (F 1901).


21
            Blumenberg, Hans: Arbeit am Mythos. Frankfurt/M. 1979. Sowie: Blumenberg, Hans:
     Höhlenausgänge. Frankfurt/M. 1989.
22
            Blumenberg, Arbeit am Mythos, S. 11.
23
            ebd.
24
            Vgl. Guthke, Karl S.: Der Mythos der Neuzeit. Das Thema der Mehrheit der Welten in der Literatur-
     und Geistesgeschichte von der kopernikanischen Wende bis zur Science Fiction. München 1983. Sowie:
     Hope Nicholson, Marjorie: Voyages to the moon. New York 1948.
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                           Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film

Das Motiv ‚Raumschiff‘ in den historischen Phasen des SF-Films
Das zentrale Anliegen des Promotionsprojektes stellt die Beschreibung und Kategorisierung
von Raumschiffinszenierungen im SF-Film dar. Die Bedeutungsverschiebungen dieser
‚absoluten Metapher‘ sollen unter Einbeziehung kulturhistorischer und zeitgenössischer
Kontexte, die aus gesellschaftlichem und technologischem Wandel im 20. Jahrhundert
resultieren, als Ausdruck kollektiver Einschätzungen gegenüber technologischem Fortschritt
interpretiert werden. Um eine sinnvolle Eingrenzung des vorhandenen Filmmaterials zu
ermöglichen, wird das Promotionsprojekt von vier, für die Entwicklung des Genres besonders
einflussreichen historischen Phasen ausgehen, für die wiederum eine Auswahl an
repräsentativen Beispielen getroffen wird.



1.4     Frühphase 1901-1936: Raumfahrtvisionen

Eine erste Phase wird den Zeitraum von 1901 bis 1936 umfassen. Inspiriert von literarischen
Werken und der Vielzahl von Entdeckungen und Erfindungen bezieht das Kino – selbst eine
Entwicklung der Beschleunigungstendenzen seiner Zeit25 - die reale technologische
Entwicklung des landgebundenen Verkehrswesens26, später auch der Aero- und Astronautik in
seine Erzählungen mit ein. Noch vor der Verdichtung zu einem eigenständigen Genre werden
in dieser Frühphase Raumfahrtphantasien im Erzählmodus SF gezeigt. Der filmanalytische
Teil des Promotionsprojekts kann mit VOYAGE DANS LA LUNE (F 1901) und VOYAGE À TRAVERS L
´IMPOSSIBLE (F 1904) ansetzen. Hier dienen ein bemanntes Kanonenprojektil bzw. ein Zug als
raumschiffähnliche Vehikel zur Reise ins All. Hinter der vordergründigen Komik und
Trickbesessenheit finden in diesen Filme die ambivalent bewerteten technologischen
Neuerungen des Verkehrswesens wie auch die sozialen Umbrüche der französischen
Gesellschaft am Übergang von traditionsorientierter ‚Belle Epoque‘ in die fortschrittsaffine
Moderne ihre Verbildlichung. Der metaphorische, ‚bahnbrechende‘ Aspekt dieser
Innovationen zeigt sich als Zerstörung gewohnter Räumlichkeiten, aber auch als Erweiterung
des Bekannten bis in kosmische Dimensionen.27
Das 1917 in Dänemark entstandene Weltraumabenteuer HIMMELSKIBET (DK 1917) gehört
neben dem 1924 entstandenen AELITA (UDSSR 1924) zu den ersten längeren Filmen im SF-

25
            Vgl. Segeberg, Harro (Hg.): Die Mobilisierung des Sehens. Zur Vor- und Frühgeschichte
     des Films in Literatur und Kunst. München 1996. Sowie: Großklaus, Götz: Medien-Zeit. Medien-
     Raum. Zum Wandel der raumzeitlichen Wahrnehmung in der Moderne. Frankfurt/M. 1995.
26
              Vgl. Schivelbusch, Wolfgang: Geschichte der Eisenbahnreise. Zur Industrialisierung von Raum und
     Zeit im 19. Jahrhundert. München 1977.
27
              Vgl. Ezra, Elizabeth: Georges Méliès. The Birth of the Auteur. Manchester 2000, S. 119.
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                           Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film

Modus. In beiden Fällen wird eine Reise zum Mars geschildert, doch während im messianisch
geprägten HIMMELSKIBET pazifistisches Gedankengut von diesem Planeten auf die Erde
importiert     wird,    reist    im    kommunistisch-missionarischen          AELITA   ein   sowjetischer
Raketenforscher auf den Mars, um den dort unterdrückten Arbeitern die Ideen des
Sozialismus zu verkünden. Seine Weltraumreise entpuppt sich gegen Ende der Erzählung als
Traum, dessen Handlungsinhalt sich dennoch als propagandistisches Plädoyer an seine
außerfilmische Wirklichkeit richtet.

Nach der Entwicklung der theoretischen und praktischen Grundlagen der Raketentechnik
durch Ziolkowski, Oberth und Andere, die ihrerseits von den Visionen der Literatur inspiriert
waren, wird in Deutschland mit FRAU IM MOND (D 1929) der erste Film gedreht, in dem Rakete
und Raumfahrt unter Beachtung wissenschaftlicher Erkenntnisse konzipiert sind.28 Regisseur
Lang zieht hierfür die Raketenexperten Oberth und Ley zu Rate und konzipiert erstmals den
‚Countdown‘, der später in der realen Raumfahrt zum Standard wird, indem er den
Raketenstart durch das Herunterzählen einer Sequenz von Sechs bis Null dramatisiert. In
Langs Film werden die mit der Raumfahrt verbundenen Risiken als dem wissenschaftlichen
Fortschritt, aber auch zur Erreichung kapitalistischer Ziele zu entrichtender Preis dargestellt.

Die Fortschritte der realen Raketentechnik verfolgen während des Zweiten Weltkrieges
militärische Ziele und haben mit bemannten Reisen ins All nichts, mit dem zielgenauen
Wiederherunterfallen als Sprengwaffe viel zu tun. Während der in die USA ausgewanderte
Ley später als technischer Berater von Filmen wie DESTINATION MOON (USA 1950) tätig ist,
treibt Oberth gemeinsam mit von Braun die technische Entwicklung der Rakete bis zur ‚V2‘
voran. Diffuse Ängste vor Luftangriffen und einem zweiten Weltkrieg werden bereits in
THINGS    TO COME   (GB 1936) konkretisiert. Die Narration verfolgt die Entwicklung der fiktiven
Stadt ‚Everytown‘ über mehrere Generationen, bis am Ende der Erzählung eine
technokratisch-utopistische Zukunftsvision steht. Das Projekt einer Reise ins All soll mit
einem Artilleriegeschütz, das von Künstlern und anarchistischen Schwärmern zwar bekämpft,
von nüchternen Wissenschaftlern aber verteidigt werden kann, gelingen. Kriegsangst, der
Verlust tradierter Herrschaftslegitimation und Fortschritte in Technik und Naturwissenschaft
regen hier zu eskapistischen Phantasien an, für deren Realisierung die Rakete bereit steht, um
in der Kolonialisierung des Weltalls die Lösung politischer und wirtschaftlicher Probleme zu
finden.



28
             Vgl. Eisner, Lotte H.: Fritz Lang. London 1976, S. 106.
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                            Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film

Während sich diese Vorläufer des Science-Fiction-Films an ein vorwiegend erwachsenes
Publikum richten, entstehen in Hollywood ab 1936 sogenannte Serials, billig produzierte
Fortsetzungsfilme, für die technisch-wunderbar geprägte Comicserien wie ‚Flash Gordon‘
und ‚Buck Rogers‘ verfilmt werden. Neben den Covergestaltungen der ‚Pulp‘-Magazine sind
die Raumschiffe dieser Filmreihen wesentlich an der Entstehung der SF-typischen
Ikonographie beteiligt. In den Weltraum verlegte Eroberungs- und Verteidigungskämpfe
dienen in diesen ‚Space Operas‘ als Metaphern des amerikanischen ‚Go-West‘-Gedankens
stetiger Expansion. Die Einstellung gegenüber der dargestellten Wissenschaft, die diese
Ausbreitung gewährleistet, ist durchweg positiv. Zu den Filmbeispielen, die zur Untersuchung
dieses Zeitraums herangezogen werden können, gehören FLASH GORDON: SPACE SOLDIERS (USA
1936), FLASH GORDON: ROCKETSHIP (USA 1938) sowie BUCK ROGERS (USA 1939) und KING OF
THE ROCKET MAN (USA 1949).



1.5     1950 – 1972: Raumfahrt zwischen Kaltem Krieg und Mondlandung

Eine zweite historische Phase wird den SF-Film von 1950-1972 umfassen. Vor dem
Hintergrund des Kalten Krieges, des beschleunigten Fortschrittes in Wissenschaft und
Technik und der zunehmenden Angst vor einem Atomkrieg differenziert sich in den USA der
SF-Film um 1950 zu einem eigenständigen Genre aus. Das ‚Space-Race‘ zwischen Ost- oder
Westblock um die Vorherrschaft im All findet seinen Niederschlag in den Raumfahrtfilmen
der 1950er und 1960er Jahre. Nach dem Erfolg des pseudokumentarischen DESTINATION MOON
(USA 1950) bildet der Raumfahrtfilm ein eigenes SF-Subgenre aus.29 In Filmen wie
ROCKETSHIP X-M (USA 1950) oder FLIGHT TO MARS (USA 1951) erscheint die aus der Semantik
der Schifffahrtsmetapher bekannte Aufladung des Grenzübertritts als mit religiösen
Untertönen durchsetzter Frevel. So sabotiert in CONQUEST                       OF   SPACE (USA 1955) der
Kommandant des Raumschiffes, dessen Flugbahn über den Mond hinaus führen soll, das
Vorhaben mit den Worten: „God put man on earth, but nothing is mentioned in the Bible
about him going to other planets!“ In WHEN WORLDS COLLIDE (USA 1951) wird erfolgreich das
Raumschiff als modernisierte Version einer Arche dazu verwendet, die Erde, die von der
totalen Zerstörung durch einen Kometen - Metapher für die Angst vor der Zerstörung durch
einen Atomkrieg - zu verlassen, und einen, dem Garten Eden ähnlichen Planeten zu erreichen.
Weitere zu analysierende Beispiele aus dieser Periode sind RIDERS                   TO THE STARS   (USA 1954),
29
            “The final title, „This is the End of the Beginning” could not have been more true: Destination
     Moon blasted-off a movie cycle that is still in orbit.“ Gifford, Dennis: Science Fiction Film. Bungay 1971, S.
     114f.
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                         Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film

THE   QUATERMASS XPERIMENT    (USA 1955) und der stilprägende           FORBIDDEN PLANET   (USA 1956),
eine in die ferne Zukunft verlegte Adaption von Shakespeares ‚The Tempest‘.

Die reale Raumfahrt, die sich als „Verklammerung von Astronomie und Anthropologie“ 30 und
unter militärischen Vorzeichen entwickelt, erreicht 1957 mit dem Einbringen des ersten
künstlichen    Trabanten     in    den    Orbit    einen    Höhepunkt.      Unmittelbare    Folge    des
‚Sputnikschocks‘ sind verstärkte Anstrengungen der USA, beim Wettlauf ins All
technologische Überlegenheit zu erlangen, woraufhin unter Bezugnahme auf den
‚Frontiermythos‘ die NASA gegründet wird. Mit den fotografischen Abbildungen der Erde
aus dem All, die während der ‚astronautischen Dekade‘31 entstehen, geht auch die Bildung der
Metapher vom ‚Raumschiff Erde‘ einher. Sprachlich und visuell überlagern sich in dieser
Figur die Wahrnehmung eines geschlossen Lebensraumes mit den systemisch-technischen
Lösungen der Raumfahrt. In ihrer erkenntnisleitenden Funktion fokussiert diese Metapher
Aspekte räumlicher Begrenztheit und der Einzigartigkeit des Lebens. Sie steht am Anfang der
ökologischen und der ‚New Age‘-Bewegung, die Zweifel am Sinn eines ungebremsten
Fortschritts lauter werden lassen. Filmhistorisch markiert „2001 - A SPACE ODYSSEY“ (GB/USA
1968) diese Umschlagstelle. Ein Jahr vor der tatsächlichen Mondlandung propagieren dessen
ästhetische Einstellungen zwar die Raumfahrt, stellen jedoch auch die Unmenschlichkeit einer
an Bord herrschenden vollständig technisierten Umgebung heraus. Die von außen gefilmte
Erhabenheit der Raumfahrt wird mit der alltäglichen Langeweile im Inneren von
Zubringershuttle,     Weltraumstation       und     interplanetarischem       Raumschiff    kontrastiert.
Raumfahrt erscheint nicht mehr als Menschheitsabenteuer, sondern als monotones
Überbrücken der ins Unendliche ausgeweiteten Transiträume. Das Abschalten des außer
Kontrolle geratenen Bordcomputers und die darauf folgende Kursänderung münden in eine
transzendente Erfahrung. Hier kann das audiovisuelle Medium Film seine spezifischen
Stärken ausspielen, indem es sich in abstrakten Bilderströmen und unter Einsatz ausgewählter
Musik dem Begrifflich-Rationalen entzieht. Das ‚Scheitern‘ der Raumschifffahrt dient hier als
Metapher für eine Sehnsucht nach Spiritualität, die als menschliches Grundmerkmal gegen
die aseptische Kälte einer computerisierten und maschinisierten Umwelt gestellt wird.

Ähnlich spirituell präsentiert sich der 1972 entstandene SOLJARIS (UDSSR 1972), in dem sich
ein Wissenschaftler mit scheinbar unerklärlichen Phänomenen, die von einem fremdartigen
Planeten auszugehen scheinen, konfrontiert sieht. Auch in SOLJARIS wird aus der
phantastischen Reise ins absolute Außen und aus der Begegnung mit dem Fremden eine
30
           Blumenberg, Hans: Die Vollzähligkeit der Sterne, S. 375.
31
           Ders.: Die Genesis der kopernikanischen Welt. Frankfurt/M. 1975, S. 575.
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philosophische Reise zur Erfahrung der Innerlichkeit des Menschen selbst. Weitere Filme, die
zur Analyse herangezogen werden sollen, sind: LA MORTE VIENE DALLA SPAZIO AKA THE DAY THE
SKY   EXPLODED   (I, F 1958), FIRST MAN    INTO   SPACE (GB 1958), DER SCHWEIGENDE STERN (DDR
1960), THE PHANTOMPLANET (USA 1961), IKARIE XB-1 (CSSR 1963), ROBINSON CRUSOE ON MARS
(USA 1964), SPACEFLIGHT IC1 (USA 1965), JOURNEY TO THE SEVENTH PLANET (USA 1962), PLANET
OF THE   APES (USA 1968) und TUMANNOST ANDROMEDY (UDSSR 1968).




1.6      1972-1985: Der Blick zurück

Die erste reale Mondlandung erfolgt 1969, doch schon 1972 wird das Mondlandeprogramm
der NASA aus Rentabilitätsgründen wieder eingestellt. Auf die Demystifikation des Alls
reagieren einige Science-Fiction-Filme, indem sich in ihnen der Blick aus dem All zurück auf
die Probleme einer als fragil erkannten menschlichen Lebenswelt richtet. Als belebtes
‚Archiv’ dient in SILENT RUNNING (USA 1972) ein Raumschiff. Dort werden unter riesigen
Glaskuppeln die letzten Reste irdischer Vegetation am Leben erhalten, nachdem die Pflanzen-
und Tierwelt auf der Erde durch Umweltverschmutzung zerstört wurde. Als das Projekt
wegen finanzieller Gründe aufgegeben werden soll, widersetzt sich die Hauptfigur und
sprengt die Kuppeln vom Hauptschiff ab. Auf diesen Bruch folgt keine transzendente
Erfahrung wie noch in 2001, stattdessen gleitet die Kuppel als ‚Flaschenpost’ durch ein
gleichgültiges und sinnentleertes All, die menschliche Selbstbehauptung gegen den
‚Absolutismus der Wirklichkeit’ kann sich nicht mehr auf religiöse oder metaphysische
Sinnangebote stützen.

Den Protagonisten in DARK STAR (USA 1972), die seit zwanzig Jahren eingeschifft in einem
maroden Raumkreuzer durchs All treiben, bleibt nur noch die Flucht in die Absurdität. Eine
Descartes zitierende Bombe kommt beim Philosophieren mit einem Crew-Mitglied zu dem
Schluss, dass ihre einzige Raison d’être sei, zu explodieren, woraufhin die ‚Dark Star’ zerstört
wird. Konfrontiert mit dem direkt bevorstehenden Tod, aber befreit vom technischen
Gehäuse, erfüllen sich die zwei Überlebenden ihre letzten Wünsche in kosmischer Dimension.
Der parodistische Gehalt dieses Films richtet sich nicht nur gegen die kolonialistischen
Tendenzen des SF-Genres im ‚alten Hollywood‘, sondern auch gegen die vermeintliche
Allianz von Mensch und Maschine.



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Die Tendenz, Raumschiffe zunehmend düster zu zeigen, verstärkt sich in der Folgezeit und ist
am deutlichsten an ALIEN (GB 1979) abzulesen. Filmhistorisch markiert ALIEN den Beginn
einer Phase im SF-Genre, in dem gefestigte Genrekonventionen aufgelöst und selbstreflexiv
neu zusammengesetzt werden. Der Innenraum des Schiffes, der bisher die vor den Gefahren
einer fremden Außenwelt geschützte Sphäre menschlicher Kultur war, wird zum
labyrinthischen Gefängnis, nachdem ein außerirdisches Wesen, das Jagd auf die Besatzung
macht, an Board gelangen konnte. Mit der Umkehrung der im Genre üblichen
Geschlechterkonstellationen thematisiert der Film auch die im Zuge des Feminismus
aufgekommene Frage nach fester Rollenzuschreibung zwischen den Geschlechtern. 32

Mit der Wiederbelebung der Space Opera in der STAR WARS - Reihe (USA 1977) wird das
Genre ‚nostalgisch‘33 und rekurriert auf inzwischen ‚klassische‘ Vorbilder wie z. B. FORBIDDEN
PLANET. Weitestgehend befreit vom ideologischen ‚Ballast‘ der frühen 1970er Jahre werden in
diesen technisierten Fantasymärchen die Verhältnisse von Mensch und Maschine vor allem
am Verhältnis Mensch-Roboter durchgespielt. Der Raumfahrt kommt dabei eine weniger
prominente Stellung zu, das Element Raumschiff wird inzwischen als gewöhnliches
Fortbewegungsmittel genutzt, das Weltall wird als eine ins Kosmische verlängerte Bühne
verwendet. Die Raumschiffe der STAR TREK-Reihe (USA 1979), die als riesige
Generationenschiffe durch den Weltraum gleiten, stellen hingegen isolierte Modellwelten dar
und erinnern als gesellschaftliche Ideal- und Alternativentwürfe zur außerfilmischen,
irdischen Gegenwart an die Insel Utopia des Thomas Morus. Als weitere Beispiele für diesen
Zeitraum können die Filme CAPRICORN ONE (USA 1977), BATTLE BEYOND THE STARS (1980),
OUTLAND (USA 1981), 2010 – THE YEAR WE MAKE CONTACT (USA 1984) herangezogen
werden. Einen Ausnahmefall stellt ‚MOONRAKER‘ (GB/F 1979) dar. Der elfte Film der JAMES
BOND – Reihe ist eigentlich dem Genre des Agenten-Thrillers zuzuordnen, einige Sequenzen
spielen jedoch im Weltraum, wohin den Geheimagenten das Verschwinden eines
Raumgleiters führt.




32
              Vgl. Böhn, Andreas: Frauen und Schreckensräume im Film. Die Alien-Reihe. In: Fritsch-Rößler,
     Waltraud (Hg.): Frauenblicke. Männerblicke. Frauenzimmer. Studien zu Blick, Geschlecht und Raum. St.
     Ingbert 2002, S. 323-331.
33
              Vgl. Boym, Svetlana: Future of Nostalgia. New York 2001. Sowie: Kuhn, Annette: An Everyday
      Magic. Cinema and Cultural Memory. London 2002.


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1.7   1985-2007: Das gewöhnliche All

Während der 1980er Jahre ist das populäre Filmgenre SF geprägt von einer Vielzahl von
Sequels, vor allem der ‚Blockbuster‘ STAR WARS und STAR TREK, aber auch der ALIEN-Reihe.
Die dramaturgische Verwendung der Raumschifffahrt gestaltet sich heterogen. Sie reicht von
Havarien auf fremden Planeten und dem damit verbundenen Initiieren interplanetarischer
Robinsonaden als Plädoyer für Völkerverständigung wie in ENEMY MINE (D 1985) bis zur
Verlegung unbekannter Flugobjekte in die maritime Sphäre der irdischen Tiefsee, in die dem
Raumschiff analoge U-Boote aufbrechen. Als Aufruf gegen das atomare Wettrüsten zwischen
Ost- und Westblock kann der ins Märchenhafte reichende Erzählinhalt des Unterwasserfilms
ABYSS (USA 1989) verstanden werden. In CONTACT (USA 1997) bleibt der ontologische Status
der gezeigten Reise bis zuletzt unklar, und so kommt es im Erzählmodus des Fantastischen zu
einer Versöhnung wissenschaftlicher und spiritueller Erkenntnis, deren Wahrheit im
Subjektiven verbleibt.

Die reale Industrialisierung der Raumfahrt, das Challenger Unglück 1986 und die Columbia
Katastrophe 2003 tragen zur Trivialisierung der Raumfahrt bei. In den 1990er Jahren wird sie
als Historikum selbst zum Gegenstand filmischer Verarbeitung. So zeigt der an reale
Ereignisse angelehnte APOLLO 13 (USA 1995) die Geschichte eines Beinahe-Unglücks
während einer Mondmission im Jahr 1970. Die Metapher vom ‚alt gewordenen‘
Raumfahrtfilm findet sich in der Komödie SPACE COWBOYS (USA 2000), in dem die fiktive
Geschichte einer Gruppe bereits pensionierter Astronauten, die noch einmal zu einer
Weltraummission aufbrechen, erzählt wird; aus der ‚New Frontier‘ ist die ‚Last Frontier‘
geworden. Weitere Beispiele für diesen Zeitraum stellen die Filme EVENT HORIZON (GB 1997),
MISSION TO MARS (USA 2000) und SUNSHINE (GB 2007) dar.

Die Dichotomie Erde/Weltall scheint gegen Ende des zweiten Jahrtausends ihre Fähigkeit als
Metapher für den Grundkonflikt der Science Fiction, der Konfrontation Bekannt/Unbekannt,
zu stehen, verloren zu haben. Das Raumschiff, das über die Zwischenstufe der Luftschifffahrt
an die Stelle des traditionellen Schiffes getreten ist, wird nicht mehr mit einer Semantik als
Vermittler zwischen diesen Sphären belegt. Als neue Reflexionszone dienen seit den 1990er
Jahren die Welten virtueller ‚Räume‘, in denen Fakt und Fiktion, Realität und digitale
Repräsentation in ein neues, von den Restriktionen der physikalisch-empirischen Wirklichkeit
weitgehend befreites Verhältnis zueinander treten.



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Stand der Forschung und eigene Vorarbeiten

1.8     Forschungsstand

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem SF-Film beginnt im Vergleich zur
filmwissenschaftlichen Erforschung anderer Genres relativ spät. Einen Impuls gebenden Text
stellt dabei Susan Sontags Essay ‚The Imagination of Disaster’34 dar, der 1961 erscheint und
bis heute „one of the most influential and oft-cited articles on science fiction”35 darstellt.
Sontag setzt die Katastrophen- und Invasionsmotive, die die Thematik der SF-Filme der
1950er Jahre prägen, in Bezug zu deren zeitgenössischem Entstehungskontext. Indem sie dem
SF-Film die Möglichkeit zuspricht, die ‚Hintergrundmetaphorik’ seiner Zeit zu präsentieren,
schafft sie ein Feld, auf dem der SF-Film erstmals auch als kulturell wichtige Äußerung
wahrgenommen werden kann.36 John Baxter sieht in seiner Genre-Geschichte ‚Science Fiction
in the Cinema’37 (1970) den SF-Film ebenfalls als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen
und bestimmt zwei inhaltliche Tendenzen, die sich durch die Entwicklung des Genres
hindurch beobachten ließen: „the loss of individuality and the threat of knowledge.“38

Typisch für die frühen Ansätze der SF-Film-Forschung ist die Frage nach dem Verhältnis
zwischen literarischer und filmischer SF, sowie die häufig unklare Differenzierung zwischen
den Genres ‚Horror’ und ‚SF’. 1980 erscheint mit ‚The Limits of Infinity’39 von Vivian
Sobchack eine Untersuchung, die sich mit diesen Fragen detailliert auseinander setzt, zu
einem Standardwerk der SF-Film Forschung avanciert, und unter dem Titel ‚Screening
Space’40 1987 als erweiterte Neuauflage veröffentlicht wird. In den angehängten Kapiteln
nimmt Sobchack Bezug auf Theorien zur ‚Postmoderne‘41, und steht damit steht beispielhaft
für einen großen Teil der SF-Forschung der späten 1980er und 1990er Jahre. Die anglophone
SF-Forschung kann sich in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts auf einen Grundstock von
Überblicks- und allgemeinen Einführungswerken stützen, mit der ‚Encyclopedia of Science
34
               Vgl. Sontag, Susan: The Imagination of Disaster. In: Amelio, Ralph J. (Hg.): Hal in the Classroom:
     Science Fiction Films. Dayton 1974, S. 25ff.
35
     Telotte, J.P.: Science Fiction Film. Genres in American Cinema. Cambridge 2001, S. 34.
36
     Sontag interpretiert die von ihr gefundene ‚Ästhetik der Zerstörung’ als Allegorie auf die ambivalenten
     Gefühle, die die rasante technologisch-gesellschaftliche Entwicklung ausgelöst habe. Sie kritisiert, dass
     Antworten auf die im Subtext gestellten Fragen, etwa, wie ein sinnvoller Umgang mit den Tendenzen der
     Anonymisierung in Massengesellschaften bewerkstelligt werden könne, ausbleiben würden.
37
               Vgl. Baxter, John: Science Fiction in the Cinema. New York 1970.
38
     Ders. S.11.
39
               Sobchack, Vivian Carol: The Limits of Infinity. The American Science Fiction Film, 1950-75. South
     Brunswicks 1980.
40
               Sobchack, Vivian Carol: Screening Space. The American Science Fiction Film. 2nd, enl. ed. New
     York 1987.
41
     Sie stützt sich dabei hauptsächlich auf Jameson, Fredric: Postmodernism, or, The Cultural Logic of Late
     Capitalism. Durham 1991. Sowie Baudrillard, Jean: Simulacra and simulation. Ann Arbor 1994.
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                          Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film

Fiction‘42, sowie der ‚Aurum‘ Filmenzyklopädie43 liegen auch umfangreiche Werke der
Tertiärliteratur vor.

Die deutschsprachige Forschung zum SF-Film nimmt sich dagegen spärlich aus, obwohl es
auch hier mit dem Lexikon des Science-Fiction-Films von Hahn/Jansen44 ein umfassendes
Nachschlagewerk gibt. Desweiteren sind einige Studien zur Geschichte des SF-Films
erschienen, so etwa das frühe Filmbuch Science Fiction (1975) von Menningen/Dütsch45 oder
der Doppelband ‚Science Fiction. Geschichte und Mythologie des Science-Fiction-Films‘46
(2003) von Seeßlen/Jung. Trotz der internationalen, insgesamt recht umfangreichen Literatur
zum Thema SF-Film, bestehen noch wesentliche Forschungsdesiderata, wie Anette Kuhn im
Vorwort zum ersten Teil der von ihr herausgegebenen Anthologie ‚Alien Zone‘47 anmerkt. So
fehle noch immer eine genaue Untersuchung der „specifically cinematic codes”48, die die
‚Sprache‘ des SF-Films selbst darstelle. Der Aufforderung zum Schließen dieser Lücke
nachgekommen ist jüngst Simon Spiegel49, der sich in seinen Ausführungen auf Erkenntnisse
der literarischen Phantastik und SF-Forschung (Todorov, Wünsch, Suvin) bezieht und diese
unter Heranziehung filmwissenschaftlicher Untersuchungen (Sobchack, Altman) an das
Medium Film anpasst.

Weiteren Forschungsbedarf sieht Kuhn auf dem Feld der Motivik des SF-Films. Während
Analysen einzelner Themen und Motiven inzwischen erhältlich sind50, bildet eine
Monographie zum Raumschiff noch immer ein Desiderat. In der internationalen SF-
Forschung finden sich nur wenige, kurze Ansätze. So z.B. bei Sobchack, die zwar angibt, das
Raumschiff sei „one of the most potential icons of SF cinema“, die Thematik dann aber auf
zehn       knappen,      großzügig       bebilderten      Seiten     abhandelt.       Sie    ordnet     die
Raumschiffdarstellungen verschiedener Filme nach formal-ästhetischen Kriterien in die
Kategorien „good“, „demonic“, „simple prop for moving“ ein. In ‘The Known and the

42
              Clute, John; Nicholls, Peter (Hg.): The Encyclopedia of Science Fiction. New York 1995.
43
              Hardy, Phil: The Aurum Film Encyclopedia. 2nd rev. ed. London 1991.
44
              Hahn, Ronald M.; Jansen, Volker (Hg.): Lexikon des Science-Fiction-Films: 1000 Filme von 1902
     bis 1987. Aktualisierte, erg. u. erw. Neuaufl. München 1987.
45
              Menningen, Jürgen; Dütsch, Werner: Filmbuch Science Fiction. Köln 1975.
46
              Seeßlen, Georg; Jung, Fernand: Science Fiction. Geschichte und Mythologie des Science-Fiction-
     Films. Marburg 2003.
47
              Kuhn, Anette (Hg.): Alien Zone. Cultural Theory and Contemporary Science Fiction Cinema. New
     York 1990.
48
              Dies. ebd., S.6.
49
      Spiegel, Simon: Die Konstitution des Wunderbaren. Zu einer Poetik des Science-Fiction-Films. Marburg
     2007.
50
              Vgl bspw: Haraway, Donna J. (Hg.): Simians, Cyborgs, and Women: The Reinvention of Nature.
     New York 1991. Oder: Bukatman, Scott: Terminal Identity: The Virtual Subject in Postmodern Science
     Fiction. Durham 1993.
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                           Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film

Unknown: The Iconography of Science Fiction’51 (1979) widmet Gary Wolfe dem ‚Icon of
the Spaceship’ ein Kapitel. Seinen Grundgedanken bezieht er aus Roland Barthes Aufsatz
über Jules Vernes Nautilus.52 Wolfe überträgt die dort beschriebene submarine Dichotomie
zwischen geschützter Innerlichkeit und gefährdender Äußerlichkeit auf die strukturell gleiche
Situierung des astronautischen Vehikels. Er kommt zu dem (zu) positiven Schluss, das
Raumschiff sei „at once, habitat, womb, and vehicle, that gives mankind the means to
appropriate the unknown without sacrificing any of the comforts of home.“ Dass das Motiv
‘Raumschiff’ auf eine lange kulturgeschichtliche Tradition zurückblicken kann, vermittelt am
ehesten Ron Millers umfangreiche ‚History of the Spaceship in Art, Science and Literature’ 53.
In chronologisch geordneten, kurzen Artikeln werden in diesem populärwissenschaftlich
gehaltenen Nachschlagewerk reale und fiktionale Raumfahrtvehikel der vergangenen zwei
Jahrtausende beschrieben, ab 1920 führt Miller jedoch nur noch Raumschiffe und
Raumfahrtvisionen auf, von denen bereits angenommen wurde, dass sie realisiert werden
könnten. Millers Werk kann im Hinblick auf die Thematik des Promotionsprojektes lediglich
als Ausgangspunkt verwendet werden, da zwar in einigen Abschnitten auf die
Wechselwirkungen            zwischen      Weltbild      und     Raumfahrtvision         hingewiesen       wird,
Raumschiffdarstellungen aus literarischen und filmischen SF-Erzählungen jedoch nicht in
seine Untersuchung einbezogen sind. Die Frage, welche Funktion die Erzählungen von
Raumfahrten in der Konstruktion des Selbstverständnisses des Menschen über seine Stellung
zwischen Erde und Weltall erfüllen, bleibt ebenso offen wie die Verwendung der Astronautik
als Metapher für das Verhältnis der Stellung des Menschen zwischen Physik und Metaphysik,
Natur und Technik.

Ansätze, die die fiktiven Nova der SF als Metaphern, die auf außerdiegetische Bezüge
rekurrieren, auffassen, liegen mit den literaturwissenschaftlichen Untersuchungen Suvins54
bereits vor. Dass sich die neuere SF-Forschung55 stark für den metaphorischen Charakter der
SF interessiert, hängt auch mit der Aufwertung zusammen, die die Metapher in der aktuellen
kognitivistischen Metapherntheorie insbesondere durch Lakoff/Johnson erfahren hat. Eine
Kombination dieses Ansatzes, der hauptsächlich synchrone Perspektiven erschließt, mit dem

51
              Wolfe, Gary K.: The Known and the Unknown. The Iconography of Science Fiction. Kent 1979.
52
              Barthes, Roland: ‚Nautilus und Trunkenes Schiff. In: ders.: Mythen des Alltags. 7. Aufl. Frankfurt/
     M. 1982, S. 39-42; hier S. 39.
53
              Miller, Ron: The Dream Machines: Pictorial History of the Spaceship in Art, Science and Literature.
     Malabar 1993.
54
              Suvin, Darko: SF as Metaphor, Parable and Chronotope (with the Bad Conscience of Reaganism).
     In: Ders: Positions and Presuppositions in Science Fiction. London 1988, S. 185-213.
55
              Vgl. Delany, Samuel R.: Starbord Wine. More Notes on the Language of Science Fiction. New York
     1984.
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                           Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film

diachron ausgerichteten blumenbergschen Ansatz56 ist bisher noch nicht geschehen. Eine
solche, im Rahmen der Promotionsarbeit durchzuführende Synthese ermöglicht es jedoch, die
hohe Potenz als Metaphernspender, die das Motiv des ‚Raumschiffs‘ aufweist,
anthropologisch und kulturgeschichtlich fundiert zu begründen und ihre Verwendung in
geschichtlicher Tiefe und kultureller Breite bis in die Gegenwart detailliert darzustellen.
Zugleich ermöglicht die kognitivistische, nicht primär textbasierte Sichtweise auf die
Metapher die Ausformulierung einer noch ausstehenden, speziellen Theorie der Metapher im
Film, die auf die narratologische Disposition des SF-Films verengt ist und ein
Instrumentarium darstellt, mit dem die Leerstelle, die das Motiv des Raumschiffs im Science
Fiction Film bisher noch bildet, geschlossen werden kann.




1.9     Eigene Vorarbeiten

Den Anstoß für das Dissertationsvorhaben ‚Das Raumschiff-Motiv im Science-Fiction-Film‘
gab die intensive Beschäftigung mit dem ‚Kulturthema Wasser‘ im Rahmen des
gleichnamigen Oberseminars, das von Prof. Dr. A. Böhn sowie von Prof. Dr. B. Krause
geleitet wurde. Gegenstand der dort angefertigten Oberseminararbeit (Note: 1,0) war die
Analyse des Films DIE INNERE SICHERHEIT (D 2001), in dem einige Gedanken aus Hans
Blumenbergs ‚Schiffbruch mit Zuschauer‘ adaptiert wurden. Den Schlussteil dieser Arbeit
bildete der Ausblick auf eine mögliche Erweiterung der nautischen Metapher ins
Astronautische. Die Erarbeitung dieser Thematik erfolgte durch die Anfertigung der
Magisterarbeit ‚Havarie im Sternenmeer – Metaphorologische Überlegungen zum Motiv des
Schiffbruchs im Science-Fiction-Film‘, die im WS 2008 beendet wurde (Erstkorrektor Prof.
Dr. A. Böhn, Zweitkorrektor Prof. Dr. B. Thum; Gesamtnote: 1,0). Hier wurde der
theoretische Zugang zum Raumschiffmotiv über die Kombination von Metaphorologie und
Filmwissenschaft skizziert, die Grundlage der Semantik der Raumfahrt aus ihren
kulturgeschichtlichen Voraussetzungen hergeleitet, sowie die definitorische Kategorisierung
der     SF    als   Modus     bzw.     Genre     wunderbaren       Erzählens     anhand    des    aktuellen
Forschungsstandes geleistet. An zwei, aus der Frühzeit des Kinos stammenden Filme wurden
die in der Arbeit gewonnenen Perspektiven exemplifiziert.

56
             Eine philosophisch-erkenntnistheoretisch orientierte Darstellung der ‚Metaphorologie‘ bietet
     Haefliger auch mit Hinweis auf die Verwandtschaft zur kognitiven Metapherntheorie in: Haefliger, Jürg:
     Imaginationssysteme. Erkenntnistheoretische, anthropologische und mentalitätshistorische Aspekte der
     Metaphorologie Hans Blumenbergs. Frankfurt/M. 1996. Eine Übersicht über die nationale und internationale
     Forschungssituation zu Blumenberg findet sich in: Müller, Oliver: Sorge um die Vernunft. Hans
     Blumenbergs phänomenologische Anthropologie. Paderborn 2005, S. 38-41.
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                     Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film

Zurückgegriffen werden konnte auf Seminare zu Theorie und Analyse des Films, die von Dr.
F. Degler sowie von Dr. C. Haas geleitet wurden (WS 02/03, WS 06/07; Note: 1,3), und auf
Kenntnisse, die aus dem Besuch zweier technikgeschichtlicher Seminare bei Prof. Dr. R.
Gleitsmann (SS 02, WS 03; Note: 1,3) resultierten. Das Themengebiet ‚Phantastik in Literatur
und Film‘ wurde durch die Teilnahme an zwei Seminaren (WS 06/07; SS 07) bei Prof. Dr. A.
Böhn erschlossen. Die Einarbeitung in die Zusammenhänge zwischen den technisch-
wissenschaftlichen Entwicklungen des 19. Jahrhunderts und deren Folgeerscheinungen auf
dem Gebiet der Literatur konnten in einem Seminar bei Dr. C. Arndt, das im WS 07/08 in
Kingston, Kanada stattfand, erfolgen. Während des dreimonatigen Studienaufenthalts in
Kanada    wurden    auch    die    zur    Rezeption       der    Sekundärliteratur   notwendigen
Englischkenntnisse aufgefrischt. Im Rahmen der im Juni 2008 abgelegten schriftlichen und
mündlichen Masterprüfung wurden die Themen ‚Technische Entwicklung im Spiegel der
Literatur des 19. Jahrhunderts‘ und ‚Mediennostalgie‘ geprüft, die im Hinblick auf die
Entstehung der SF bzw. die Selbstreflexion ihrer Genrekonventionen im postmodernen SF-
Film von Bedeutung sind (Gesamtnote: 1,0).




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Jörg Hartmann
                        Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film

Arbeitsprogramm und Zeitplan
Die geplante Dissertation ist auf einen Zeitraum von zwei Jahren ausgelegt. Der Arbeitsplan
orientiert sich an der zuvor dargestellten Phaseneinteilung als den 4 großen Teilbereichen der
Untersuchung. Der Zeitraum des letzten Quartals dient der Zusammenfassung der Ergebnisse,
der inhaltlichen und formalen Überarbeitung sowie der abschließenden Korrektur des
Manuskripts. Das Promotionsverfahren wird im WS 2010/11 nach Ablegen der mündlichen
Prüfung abgeschlossen sein.


2008/
4. Quartal: Theoretische Grundlagen: Theorie der filmischen Metapher und Metaphorik in
        der Science Fiction und definitorische Kategorisierung des Science-Fiction-Films
        -   Aufarbeitung des aktuellen Forschungsstandes zu den Themenkomplexen
            Metapher,      Metaphorologie      und      Metaphorik     im     SF-Film   (Blumenberg,
            Lakoff/Johnson, Whittock, Suvin)
        -   Aufarbeitung des aktuellen Forschungsstandes zur Science Fiction in Literatur und
            Film, definitorische Eingrenzung (Todorov, Suvin, Spiegel)
        -   Ausformulierung der theoretischen Grundlagen der Arbeit
        -   Erarbeitung der Kulturgeschichten von ‚Seefahrt‘ und ‚Kosmologie‘ sowie deren
            Verwendung als Metapher aus kulturgeschichtlicher und anthropologischer
            Perspektive (Blumenberg)


2009/
1. Quartal: Teilbereich I: Raumfahrtvisionen: Das Raumfahrtmotiv im frühen SF-Film 1901-
        1949
        -   Aufarbeitung der Traditionslinie der technisch-wunderbaren Erzählliteratur des 19.
            und frühen 20. Jahrhunderts im Hinblick auf die Themen Mobilität und
            Raumerschließung (Schivelbusch, Großklaus, Segeberg)
        -   Ergänzung der bereits geleisteten Film- und Literaturrecherchen zum Science-
            Fiction-Film
        -   Sichtung der Filmbeispiele und Erstellung von Filmanalysen
        -   Niederschrift der Ergebnisse für den Teilbereiche I




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Jörg Hartmann
                        Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film

2009/
2. Quartal: Teilbereich II/ II a: Raumfahrt zwischen Kaltem Krieg und Mondlandung: Das
        Raumfahrt-Motiv im Science-Fiction-Film 1950-1968
        -   Ergänzung der Filmrecherchen und Analyse der ausgewählten Beispiele im
            Hinblick auf die Semantik der Themen Raumfahrt und technisch ermöglichte
            Raumerschließung
        -   Film- und Literaturrecherchen zum Science-Fiction-Film zwischen Kaltem Krieg
            und Mondlandung


2009/
3. Quartal: Teilbereich II/ II b
        -   Sichtung und Analyse der ausgewählten Filme
        -   Niederschrift der Ergebnisse für den Teilbereich II
        -   Vergleichende Untersuchung der Metaphorik des Raumschiff-Motivs im Film
            unter Einbeziehung der Ergebnisse aus I


2009/
4. Quartal: Teilbereich III/ III a: Der Blick zurück: Das Raumfahrt-Motiv im Science-Fiction-
        Film 1972-1984
        -   Recherchen zu den Auswirkungen der realen Raumfahrt aus kulturgeschichtlicher
            Perspektive sowie in Hinsicht auf die Verwendung des Motivs im SF-Film
        -   Sichtung der ausgewählten Filme, Erstellung von Filmanalysen
        -   Erarbeitung      außerfilmischer       Kontexte       aus     technisch-gesellschaftlicher
            Entwicklungen und philosophischer Reflexionen hierüber, Verknüpfung mit der
            Verwendung des Raumschiff-Motivs


2010/
1. Quartal: Teilbereich III/ III b
        -   Analyse der ausgewählten Filmbeispiele im Hinblick auf die Thematik Raumfahrt/
            Raumschiff
        -   Verknüpfung mit außerfilmischen Kontexten
        -   Niederschrift der Ergebnisse für Teilbereich III




                                                   20
Jörg Hartmann
                       Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film

2010/
2. Quartal: Teilbereich IV: Das gewöhnliche All. Das Raumfahrt-Motiv im Science-Fiction
        Film 1985-2007
        -   Literaturrecherchen zur Theorie der Postmoderne und des postmodernen Science-
            Fiction-Films (Eco, Jameson, Sobchack, Kuhn)
        -   Film und Literaturrecherchen zum Science-Fiction-Film seit 1985
        -   Erarbeitung außerfilmischer Kontexte aus technischen und gesellschaftlichen
            Entwicklungen und philosophischen Reflexionen hierüber
        -   Niederschrift der Ergebnisse für Teilbereich IV


2010/
3. Quartal: Zusammenfassende Darstellung, inhaltliche und formale Überarbeitung,
   Korrektur des Manuskripts
   -    Zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse und Überprüfung der eingangs
        aufgestellten Hypothesen
   -    Vergleichende Analyse der Verwendung des Motivs ‚Raumschiff‘ im Science-Fiction-
        Film aus den vier Teilbereichen des Promotionsprojektes in synchroner und
        diachroner Perspektive
   -    Inhaltliche und formale Überarbeitung und Formulierung eines Einleitungs- und
        Schlusskapitels
   -    Erstellung einer DVD mit ausgewählten Szenen einzelner Filmbeispiele
   -    Erstellung der Druckfassung, abschließende Korrekturen


WS 2010/11: Ablegen der mündlichen Prüfung, Abschluss des Promotionsverfahrens




Filmverzeichnis
Im Folgenden sind die filmographischen Angaben einer vorläufigen Auswahl von Filmen
aufgelistet, die in der geplanten Dissertation einer näheren Betrachtung unterzogen werden.
Die Auflistung der Filme erfolgt in chronologischer Reihenfolge.




                                                  21
Jörg Hartmann
                     Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film


1.101901-1949: Raumfahrtvisionen
LE VOYAGE À TRAVERS L'IMPOSSIBLE (F 1904) Regie: Georges Méliès.

HIMMELSKIBET (DK 1917) Regie: Holger Madsen.

FRAU IM MOND (D 1929) Regie: Fritz Lang.

FLASH GORDON: SPACE SOLDIERS (USA 1936) Regie: Ray Taylor, Ford Beebe, Frederick
   Stephani.

THINGS TO COME (GB 1936) Regie: William Cameron Menzies.

FLASH GORDON: ROCKETSHIP (USA 1938) Regie: Ray Taylor.

BUCK ROGERS (USA 1939) Regie: Ford Beebe, Saul A. Goodkind.

KING OF THE ROCKET MEN (USA 1949) Regie: Fred C. Brannon.




1.111950-1968: Raumfahrt zwischen Kaltem Krieg und Mondlandung
DESTINATION MOON (USA 1950) Regie: Irving Pichel.

ROCKETSHIP X-M (USA 1950) Regie: Kurt Neumann.

FLIGHT TO MARS (USA 1951) Regie: Lesley Selander.

WHEN WORLDS COLLIDE (USA 1951) Regie: Rudolph Maté.

RIDERS TO THE STARS (USA 1954) Regie: Richard Carlson, Herbert L. Strock.

CONQUEST OF SPACE (USA 1955) Regie: Byron Haskin, Chris Spencer.

THE QUATERMASS XPERIMENT (UK 1955) Regie: Val Guest.

FORBIDDEN PLANET (USA 1956) Regie: Fred M. Wilcox.

LA MORTE VIENE DALLA SPAZIO      AKA   THE DAY THE SKY EXPLODED (I, F 1958) Regie: Paolo
   Heusch.

FIRST MAN INTO SPACE (GB 1959) Regie: Robert Day.

SPACE MEN (I 1960) Regie: Antonio Margheriti.

SCHWEIGENDE STERN, DER (DDR 1960) Regie: Kurt Maetzig.

THE PHANTOM PLANET (USA 1961) Regie: William Marshall.

                                                22
Jörg Hartmann
                     Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film

IKARIE XB 1 (CSSR 1963) Regie: Jindrich Polák.

ROBINSON CRUSOE ON MARS (USA 1964) Regie: Byron Haskin.

TERRORE NELLO SPAZIO (ESP 1965) Regie: Mario Bava.

TUMANNOST ANDROMEDY (UDSSR 1967) Regie: Yevgeni Sherstobitov.

BARBARELLA (F 1968) Regie: Roger Vadim.

PLANET OF THE APES (USA 1968) Regie: Schaffner, Franklin J.

2001: A SPACE ODYSSEY (GB / USA 1968) Regie: Stanley Kubrick.




1.121972-1984: Der Blick zurück
SOLYARIS (UDSSR 1972) Regie: Andrei Tarkovsky.

SILENT RUNNING (USA 1972) Regie: Douglas Trumbull.

DARK STAR (USA 1974) Regie: John Carpenter.

STAR WARS (USA 1977) Regie: George Lucas.

CAPRICORN ONE (USA 1978) Regie: Peter Hyams.

THE BLACK HOLE (USA 1979) Regie: Gary Nelson.

MOONRAKER (GB 1979) Regie: Lewis Gilbert.

ALIEN (GB 1979) Regie: Ridley Scott.

STAR TREK: THE MOTION PICTURE (USA 1979) Regie: Robert Wise.

BATTLE BEYOND THE STARS (USA 1980) Regie: Jimmy T. Murakami.

OUTLAND (GB 1981) Regie: Peter Hyams.
2010: THE YEAR WE MAKE CONTACT (USA 1984) Regie: Peter Hyams.




1.131985- 2007: Das gewöhnliche All
ENEMY MINE (D 1985) Regie: Wolfgang Petersen.

SPACEBALLS (USA 1987) Regie: Mel Brooks.

LEVIATHAN (USA 1989) Regie: George P. Cosmatos.
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Jörg Hartmann
                    Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film

THE ABYSS (USA 1989) Regie: James Cameron.

APOLLO 13 (USA 1995) Regie: Ron Howard.

EVENT HORIZON (GB 1997) Regie: Paul Anderson.

CONTACT (USA 1997) Regie: Robert Zemeckis.

MISSION TO MARS (USA 2000) Regie: Brian de Palma.

SPACE COWBOYS (USA 2000) Regie: Clint Eastwood.

NAUFRAGOS (ESP 2001) Regie: María Lidón.

SERENITY (USA 2005) Regie: Joss Whedon.

SUNSHINE (GB 2007) Regie: Danny Boyle.




                                               24
Jörg Hartmann
                       Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film

Literaturverzeichnis
Ebenso wie das Filmverzeichnis beansprucht auch das folgende Literaturverzeichnis keine
Vollständigkeit, sondern setzt sich im Wesentlichen aus der in diesem Exposé zitierten und
verwendeten Sekundärliteratur zusammen.

Aldiss, Brian Wilson: Der Millionen-Jahre-Traum. Die Geschichte der Science Fiction.
   Bergisch Gladbach 1980.
Amelio, Ralph J. (Hg.): Hal in the Classroom : Science Fiction Films. Cincinnati 1974.
Bainbridge, William Sims: Dimensions of Science Fiction. Cambridge, Mass. 1986.
Baudrillard, Jean: Simulacra and Simulation. Ann Arbor 1994.
Baxter, John: Science Fiction in the Cinema. New York 1970.
Berckenhagen, Ekhart: Schiffahrt in der Weltliteratur. Ein Panorama aus fünf Jahrtausenden.
   Hamburg 1995.
Black, Max: Die Metapher. In: Haverkamp, Anselm (Hg.): Theorie der Metapher. Darmstadt
   1983, S. 55–79.
Blumenberg, Hans: Die Genesis der kopernikanischen Welt. Frankfurt/M. 1975.
Blumenberg, Hans: Arbeit am Mythos. Frankfurt/M. 1979.
Blumenberg, Hans: Höhlenausgänge. Frankfurt/M. 1989.
Blumenberg, Hans: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher. Frankfurt/
   M. 1997.
Blumenberg, Hans: Die Vollzähligkeit der Sterne. Frankfurt/M. 2000.
Blumenberg, Hans: Paradigmen zu einer Metaphorologie. In: Archiv für Begriffsgeschichte.
   Bonn 1960. Unveränderte Neuauflage. Frankfurt/M. 2005.
Böhn, Andreas: Frauen und Schreckensräume im Film. Die Alien-Reihe. In: Fritsch-Rößler,
  Waltraud (Hg.): Frauenblicke, Männerblicke, Frauenzimmer. Studien zu Blick, Geschlecht
  und Raum. St. Ingbert 2002, S. 332-331.
Booker, M. Keith: Alternate Americas. Science Fiction Film and American Culture. Westport,
  Conn. 2006.
Boym, Svetlana: The Future of Nostalgia. New York 2001.
Bukatman, Scott: Terminal Identity. The Virtual Subject in Postmodern Science Fiction.
  Durham 1993.
Campe, Rüdiger: Spiel der Wahrscheinlichkeit. Literatur und Berechnung zwischen Pascal
  und Kleist. Göttingen 2003.
Carrol, Noël: A Note on Film Metaphor. In: Carrol, Noël (Hg.): Theorizing the Moving
   Image. Cambridge 1996.
Carrol, Noël (Hg.): Theorizing the Moving Image. Cambridge 1996.
Clute, John; Nicholls, Peter (Hg.): The Encyclopedia of Science Fiction. New York 1995.
Eisner, Lotte H.: Fritz Lang. London 1976.
Ekschmitt, Werner: Weltmodelle. Griechische Weltbilder von Thales bis Ptolemäus. Mainz
   am Rhein 1989.
                                                  25
Jörg Hartmann
                     Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film

Ezra, Elizabeth: Georges Méliès. The Birth of the Auteur. Manchester 2000.
Fischer, Joachim: Philosophische Anthropologie. Zur Rekonstruktion ihrer diagnostischen
   Kraft. In: Friedrich, Jürgen; Westermann, Bernd (Hg.): Unter offenem Horizont.
   Anthropologie nach Helmuth Plessner. Frankfurt/M. 1995.
Forceville, Charles F.: Bildliche und multimodale Metaphern in Werbespots. In: Zeitschrift
   für Semiotik, H. 1-2 2003, S. 39–60.
Frewin, Anthony: One Hundred Years of Science Fiction Illustration. 1840 - 1940. London
   1974.
Friedrich, Hans E.: Science Fiction in der deutschsprachigen Literatur. Ein Referat zur
    Forschung bis 1993. Tübingen 1995.
Friedrich, Jürgen; Westermann, Bernd (Hg.): Unter offenem Horizont. Anthropologie nach
    Helmuth Plessner. Frankfurt/M. 1995.
Fritsch, Thomas; Lindwedel, Martin; Schärtl, Thomas: Wo nie zuvor ein Mensch gewesen ist.
    Science-Fiction-Filme: Angewandte Philosophie und Theologie. Regensburg 2003.
Fritsch-Rößler, Waltraud (Hg.): Frauenblicke, Männerblicke, Frauenzimmer. Studien zu
    Blick, Geschlecht und Raum. St. Ingbert 2002.
Gifford, Dennis: Science Fiction Film. Bungay 1971.
Goedde, Lawrence Otto: Tempest and Shipwreck in Dutch and Flemish Art. Convention,
  Rhetoric, and Interpretation. Pennsylvania 1989.
Großklaus, Götz: Medien-Zeit. Medien-Raum. Zum                     Wandel        der   raumzeitlichen
   Wahrnehmung in der Moderne. Frankfurt/M. 1995.
Green, Roger Lancelyn: Into other worlds. Space-flight in Fiction, from Lucian to Lewis.
   New York 1975.
Gunn, James E. (Hg.): Road to Science Fiction v. 1 From Gilgamesh to Wells. New York
  1979.
Guthke, Karl S.: Der Mythos der Neuzeit. Das Thema der Mehrheit der Welten in der
   Literatur- und Geistesgeschichte von der kopernikanischen Wende bis zur Science Fiction.
   München 1983.
Haefliger, Jürg: Imaginationssysteme. Erkenntnistheoretische anthropologische                    und
   mentalitätshistorische Aspekte der Metaphorologie Hans Blumenbergs. Bern 1996.
Hahn, Ronald M.; Jansen, Volker (Hg.): Lexikon des Science-Fiction-Films: 1000 Filme von
  1902 bis 1987. Aktualisierte, erg. u. erw. Neuaufl. München 1987.
Haraway, Donna: Simians, Cyborgs and Women. The Reinvention of Nature. New York
   1991.
Hardy, Phil: The Aurum Film Encyclopedia. 2nd rev. ed. London 1991.
Haverkamp, Anselm (Hg.): Theorie der Metapher. Darmstadt 1983.
Heidenreich, Felix: Mensch und Moderne bei Hans Blumenberg. München 2005.
Hönig, Christoph: Die Lebensfahrt auf dem Meer der Welt. Der Topos. Texte und
  Interpretationen 2000.
Hope Nicholson, Marjorie: Voyages to the Moon. New York 1948.


                                                26
Jörg Hartmann
                      Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film

James, Edward; Mendlesohn, Farah (Hg.): The Cambridge Companion to Science Fiction.
   Cambridge 2003

Jameson, Fredric: Postmodernism, or, The Cultural Logic of Late Capitalism. Durham, N.C.
   1991.

King, Geoff; Krzywinska, Tanya: Science Fiction Cinema. From Outerspace to Cyberspace.
   London 2000.
Koebner, Thomas: Science Fiction. Stuttgart 2003.
Koschorke, Albrecht: Die Geschichte des Horizonts. Grenze und Grenzüberschreitung in
   literarischen Landschaftsbildern. Frankfurt/M 1990.
Kuhn, Annette (Hg.): Alien Zone: Cultural Theory and Contemporary Science Fiction
  Cinema. Cultural Theory and Contemporary Science Fiction Cinema. New York 1990.
Kuhn, Annette: Introduction: Cultural Theory and Science Fiction Cinema. In: Kuhn, Annette
  (Hg.): Alien Zone: Cultural Theory and Contemporary Science Fiction Cinema. Cultural
  Theory and Contemporary Science Fiction Cinema. New York 1990, S. 1–12.
Kuhn, Annette: An Everyday Magic. Cinema and Cultural Memory 2002.
Kuhn, Thomas: Die kopernikanische Revolution. Braunschweig 1981.
Kurz, Gerhard: Metapher, Allegorie, Symbol. Göttingen 1982.
Lakoff, George: Metaphors We Live by. Chicago 1980.
Lausberg, Heinrich; Arens, Arnold: Handbuch der literarischen Rhetorik. Eine Grundlegung
   der Literaturwissenschaft. 3. Aufl. /. Stuttgart 1990.
Lemke, Anja; Schierbaum, Martin; Nägele, Rainer (Hg.): In die Höhe fallen - Grenzgänge
  zwischen Literatur und Philosophie. Würzburg 2000.
Lohmeier, Anke M.: Hermeneutische Theorie des Films. Tübingen 1996.
Menningen, Jürgen; Dütsch, Werner: Filmbuch Science Fiction. Köln 1975.
Merklin, Harald (Hg.): Cicero, Marcus Tullius: De oratore. Lateinisch und deutsch. Über den
  Redner. Stuttgart 1976.
Metz, Christian (Hg.): Le signifiant imaginaire. Psychanalyse et cinema. Paris 1977.
Miller, Ron: The Dream Machines: Pictorial History of the Spaceship in Art, Science and
   Literature. Pictorial History of the Spaceship in Art, Science and Literature. Malabar 1993.
Müller, Oliver: Sorge um die Vernunft. Hans Blumenbergs phänomenologische
  Anthropologie. Paderborn 2005.
Quintilianus, Marcus Fabius; Loretto, Franz: Institutio oratoria, X. Lateinisch und deutsch.
   Lehrbuch der Redekunst, 10. Buch. Stuttgart 1974.
Riha, Karl (Hg.): Reisen im Luftmeer. Ein Lesebuch zur Geschichte der Ballonfahrt von 1783
   (und früher) bis zur Gegenwart. München 1983.
Rolf, Eckard: Metaphertheorien. Typologie - Darstellung - Bibliographie. Berlin 2005.
Savigny, Jean Baptiste Henri; Trempler, Jörg; Zeilinger, Johannes: Der Schiffbruch der
   Fregatte Medusa. mit einem Kommentar von Johannes Zeilinger und einem Essay von
   Jörg Trempler. 2., verb. Aufl. Berlin 2005.
                                                 27
Jörg Hartmann
                      Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film

Schivelbusch, Wolfgang: Geschichte der Eisenbahnreise. Zur Industrialisierung von Raum
   und Zeit im 19. Jahrhundert. München 1977.
Scholes, Robert; Rabkin, Eric S.: Science Fiction. History, Science, Vision 1977.
Schröder, Torben: Science Fiction als Social Fiction. Das gesellschaftliche Potential eines
   Unterhaltungsgenres. Münster 1998.
Segeberg, Harro (Hg.): Die Mobilisierung des Sehens. Zur Vor- und Frühgeschichte des
   Films in Literatur und Kunst. München 1996.
Segeberg, Harro: Schiffbruch mit Filmzuschauer – Der Kino-Film Titanic (1997) in der
   Geschichte literarischer und filmischer Schifffahrtskatastrophen. In: Lemke, Anja;
   Schierbaum, Martin; Nägele, Rainer (Hg.): In die Höhe fallen - Grenzgänge zwischen
   Literatur und Philosophie. Würzburg 2000, S. 55–71.
Sontag, Susan: The Imagination of Desaster. In: Amelio, Ralph J. (Hg.): Hal in the
   Classroom. Science Fiction Films. Cincinnati 1974.
Spiegel, Simon: Die Konstitution des Wunderbaren. Zu einer Poetik des Science-Fiction-
   Films. Marburg 2007.
Suerbaum, Ulrich; Broich, Ulrich; Borgmeier, Raimund: Science fiction. Theorie und
   Geschichte, Themen und Typen, Form und Weltbild. Stuttgart 1981.
Suvin, Darko: Métaphore/metonymie, ou le référent imaginaire. In: Metz, Christian (Hg.): Le
   signifiant imaginaire. Psychanalyse et cinema. Paris 1977, S. 177–371.
Suvin, Darko: Metamorphoses of science fiction. On the poetics and history of a literary
   genre. New Haven 1979.
Suvin, Darko: SF as Metaphor, Parable and Chronotope (with the Bad Conscience of
   Reaganism). In: Suvin, Darko (Hg.): Positions and Presuppositions in Science Fiction.
   London 1988, S. 185–213.
Timm, Hermann; Wetz, Franz J. (Hg.): Die Kunst des Überlebens. Nachdenken über Hans
   Blumenberg. Frankfurt/M. 2006.
Todorov, Tzvetan: Einführung in die phantastische Literatur. München 1972.
Virilio, Paul: "Fahren, fahren, fahren…". Berlin 1978.
Westfahl, Gary (Hg.): Space and Beyond: The Frontier Theme in Science Fiction. Westport
  2000.
Whittock, Trevor: Metaphor and Film. Cambridge. 1990.
Wolfe, Gary K.: The Known and the Unknown. The Iconography of Science Fiction. Kent,
  Ohio 1979.
Wünsch, Marianne: Die Fantastische Literatur der Frühen Moderne (1890-1930). Definition,
  Denkgeschichtlicher Kontext, Strukturen. München 1991.




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Exposé J. Hartmann - Das Raumschiff im SF-Film

  • 1. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film Exposé zum Promotionsprojekt von Jörg Hartmann Ziel der Arbeit Zum Kernbestand des populären Filmgenres ‚Science Fiction‘ zählen Phantasien vom Aufbruch des Menschen ins All. Raumfahrt- und Raumschiffinszenierungen lassen sich international und kontinuierlich von der Frühzeit des Kinos bis in die Gegenwart beobachten. Eine Monographie zu diesem Themenfeld steht jedoch noch aus. Ziel des hier vorgestellten, primär film- und kulturwissenschaftlich ausgerichteten Promotionsprojektes ist die Schließung dieser Lücke durch die Erstellung eines umfassenden Korpus von Spielfilmen, in denen Raumfahrt und Raumschiff Objekt medialer Repräsentation werden, und die daran anschließende Systematisierung und Interpretation der Bedeutungsverschiebungen, denen dieses Motiv in seinem historischen Verlauf unterliegt. Verfilmte Raumfahrtvisionen imaginieren nicht nur Verbesserungen des Verkehrswesens, sie beziehen sich auch auf einen extradiegetisch positionierten, übertragenen Sinngehalt. Als moderne Variante der traditionellen Daseinsmetapher ‚Seefahrt‘ verbildlichen sich im Topos der astronautischen Evasion kollektive Wertungen gegenüber technologischem Fortschritt im 20. Jahrhundert sowie Annahmen über die Stellung des Menschen in Raum und Zeit. Sowohl zeitgenössische Kontexte der Produktionsgegenwart der Filme als auch die technik- und kulturhistorischen Vorgeschichten des Motivs sollen daher in die Untersuchung mit einbezogen und mit der wechselnden Semantik fiktionaler Raumschiffe abgeglichen werden. 1
  • 2. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film Methodik und Inhalt 1.1 Metapherntheorie und Film Der erste, methodisch orientierte Teil des Promotionsprojektes wird den Themenkomplex ‚Metapher‘ und ‚Metaphorik im Film‘ behandeln, wofür zunächst der kognitivistisch- linguistische Ansatz Lakoff/Johnsons1 und die ‚Metaphorologie‘ Hans Blumenbergs2 erläutert werden sollen. Beide Ansätze unterscheiden sich von rhetorisch-traditionellen Metapherauffassungen3, indem sie die Metapher nicht als eine die Rede zwar schmückende, im Grunde jedoch durch eigentliche Begriffe ersetzbare Figur sehen, sondern ihr eine zentrale, nicht in Logizität zurückführbare, erkenntnisleitende Funktion zuweisen. Nach Lakoff/Johnson stellen Metaphern verbalisierte Ausdrücke von noch vor ihrer Versprachlichung bestehenden kognitiven Strukturen dar, die teilweise somatisch fundiert und somit anthropologisch konstant sind, ihre Prägung jedoch auch durch kulturelle, variante Rahmenbedingungen erfahren. Aus der Analyse von Metaphern schließen Lakoff/Johnson auf deren kulturspezifische Implikationen. Dieses Vorgehen ähnelt dem der ‚Metaphorologie‘ Hans Blumenbergs, dessen Interesse sich darauf richtet, was ausgesuchte Metaphern im Prozess menschlicher Selbst- und Weltverständigung leisten. Blumenberg untersucht den historischen Verlauf ihrer Verwendung, um die „ganz elementaren Modellvorstellungen, die in der Gestalt von Metaphern bis in die Ausdruckssphäre durchschlagen“4, herauszuarbeiten. Eine Kombination des diachron ausgerichteten blumenbergschen Ansatzes mit dem hauptsächlich synchrone Perspektiven erschließenden Ansatz von Lakoff/Johnson geschah bisher noch nicht. Eine solche, im Rahmen der Promotionsarbeit durchzuführende Synthese ermöglicht es jedoch, die Metaphernträchtigkeit solcher Motive wie des ‚Raumschiffs‘ zu begründen und in geschichtlicher Tiefe und kultureller Breite darzustellen. 1 Lakoff, George; Johnson, Mark: Metaphors We Live By. Chicago 1980. 2 Blumenberg, Hans: Paradigmen zu einer Metaphorologie, in: Archiv für Begriffsgeschichte. Bonn 1960. 3 Fuhrmann, Manfred (Hg.): Aristoteles: Poetik. Griechisch und deutsch. Stuttgart 1982. Sowie Merklin, Harald (Hg.): Marcus Tullius Cicero: De Oratore. Lateinisch und deutsch. Über den Redner. Stuttgart 1976. Und: Loretto, Franz (Hg.): Marcus Fabius Quintilianus: Institutio oratoria, X. Lateinisch und deutsch. Lehrbuch der Redekunst, 10. Buch. Stuttgart 1974. Und: Lausberg, Heinrich; Arens, Arnold: Handbuch der literarischen Rhetorik. Eine Grundlegung der Literaturwissenschaft. 3. Aufl. Stuttgart 1990. Für einen systematischen Überblick über klassische und moderne Metaphertheorien vgl.: Rolf, Eckard: Metaphertheorien. Typologie - Darstellung - Bibliographie. Berlin 2005. 4 Blumenberg, Paradigmen, S. 64. 2
  • 3. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film Auf die Ausgangsthese der kognitivistischen Metapherntheorie, metaphorische Prozesse seien nicht primär textbasiert, stützt sich Whittock5, der der Frage nach metaphorischen Prozessen in Filmen nachgeht. In seiner Monographie entwirft er eine Theorie, deren Kernpunkt die „notion of seeing as“6 darstellt. Der Inszenierungscharakter des im Filmbild Dargestellten erlaube es, das Abgebildete als Zeichen zu lesen, das nicht nur auf seinen natürlichen, denotativen Referenten, sondern zusätzlich auf eine künstlerische, konnotative Aussage verweist. Forceville7 geht zudem davon aus, dass nach Einführung des Tonfilms metaphorisches Verstehen auch durch Figurenrede, Musik oder Geräusch-Effekte aufgerufen werden könne; in solchen Fällen sei von ‚multimodalen’ Metaphern zu sprechen. Diese Ansätze sollen unter Bezugnahme auf weitere Standpunkte der Filmwissenschaft8 zu einer Theorie der Metaphorik im Film verbunden werden, um sie zu einer bisher noch ausstehenden Theorie der Metaphorik im Science-Fiction-Film zu spezialisieren, die im analytischen Teil der projektierten Untersuchung auf das Raumschiff-Motiv angewandt werden kann. 1.2 Science Fiction und Metaphorik Die Metaphorizität der in literarischer und filmischer Science Fiction (SF) dargestellten Raumschiffe liegt nicht nur im Motiv, sondern auch in der narratologischen Disposition des ‚Erzählmodus SF‘9 begründet. SF-Erzählungen entwerfen fiktive Welten, die von mimetischen Darstellungen empirisch-erfahrbarer Realität unterschieden werden können, da in ihnen Ereignisse gezeigt werden, die mit dem zeitgenössischen Kontext ihrer Entstehung in einem nicht realitätskompatiblen Verhältnis stehen. Mit Todorov10 können sie in die Gattung des ‚Wunderbaren‘ eingeordnet werden und gleichen auf dieser Ebene Märchen und Fantasy- Erzählungen. Im Unterschied zu diesen Untergattungen des Wunderbaren, die durch ‚Realitätsinkompatibilitäts-Klassifikatoren‘11 als Alternativen zu unserer Welt markiert sind, 5 Whittock, Trevor: Metaphor and Film. Cambridge 1990. 6 Ders., S. 126. 7 Vgl.: Forceville, Charles F.: Bildliche und multimodale Metaphern in Werbespots. In: Zeitschrift für Semiotik, H. 1-2, 2003, S. 39–60. 8 Vgl. dazu: Metz, Christian: Métaphore/métonymie, ou le référent imaginaire, in: ders.: Le signifiant imaginaire. Psychanalyse et cinema. Paris 1977, S. 177-371. Sowie Carrol, Noël: A Note on Film Metaphor, in: ders.: Theorizing the Moving Image, Cambridge 1996, S. 212-223. Und: Lohmeier, Anke-Marie: Hermeneutische Theorie des Films. Tübingen 1996. 9 Vgl.: Spiegel, Simon: Die Konstitution des Wunderbaren. Zu einer Poetik des Science-Fiction- Films. Marburg 2007. 10 Vgl.: Todorov, Tzvetan: Einführung in die phantastische Literatur. München 1972. 11 Vgl.: Wünsch, Marianne: Die Fantastische Literatur der Frühen Moderne (1890 – 1930). Definition, denkgeschichtlicher Kontext, Strukturen. München 1991. 3
  • 4. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film geben SF-Erzählungen jedoch vor, Prolongierungen der empirisch erfahrbaren Welt zu sein. Die Etablierung des narrativen Modus SF findet durch die Einführung eines übernatürlichen Elements statt, das seit Suvin12 als ‚Novum‘ bezeichnet wird. Suvin fordert, es müsse „postulated on and validated by the post-Cartesian and post-Baconian scientific method“13 und somit strikt vom Bereich des Magischen getrennt sein. SF-Filme halten die Behauptung, dass zwischen fiktionaler SF-Welt und empirisch erfahrbarer Referenzwelt Kontinuität bestehe, durch eine szientistische Rhetorik und technizistische Ikonographie ihrer Nova aufrecht. Mit dieser Plausibilisierungsstrategie aber ist die SF immer dem jeweils gegenwärtigen Stand wissenschaftlicher Entwicklung und den kulturell geprägten Einschätzungen darüber unterworfen. „Die SF ist also ein Spiegel der gesellschaftlichen und individuellen Reaktionen auf den technisch-wissenschaftlichen Fortschritt. (…) Die fiktionale Welt mag besser oder schlechter als die unsere sein, (…) auf jeden Fall impliziert die Andersartigkeit der SF-Welt nicht nur einen Vergleich mit der realen Welt, (…) sondern sie spricht immer auch ein Urteil über den Fortschritt.“14 1.3 Schifffahrt und Weltall als Metaphernspender Fiktionale Raumfahrtdarstellungen können als Teilelemente eines Diskurses gesehen werden, der die ‚Moralität‘ technisch ermöglichter Grenzüberschreitungen thematisiert. Trotz der von SF-Filmen häufig aufgestellten Behauptung, zukünftige Entwicklungen zu antizipieren, beziehen sie sich in ihrer Ideologie stets auf die jeweilige Produktionsgegenwart. Oft aktualisieren sich im ‚uneigentlichen‘ Gewand hoch technisierter Vehikel gerade diejenigen irrationalen Vorstellungen, die aus dem seit der Aufklärung und im Zuge fortschreitender Modernisierungsprozesse zunehmend von dem von technischer ‚Vernunft‘ geprägten Denken verdrängt wurden. Das Promotionsprojekt soll verdeutlichen, wie sich im Motiv des ‚Raumschiffs‘ zwei Themenfelder miteinander verbinden, die jeweils für sich bereits eine hohe Potenz als Metaphernspender aufweisen: die aus der Seefahrt stammende Semantik des Grenzübertritts vom sicheren Festland in die dämonisierte Sphäre des Meeres, sowie die Tradition der Kosmologie, die Antworten auf Fragen nach der Stellung des Menschen in Zeit und Raum aus der Betrachtung des Sternenhimmels zu erhalten hofft. 12 Suvin, Darko: Metamorphoses of Science Fiction. On the Poetics and History of a Literary Genre. New Haven 1979, S. 64. 13 Ders., ebd. 14 Spiegel, S. 10. 4
  • 5. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film Im zweiten Teil des Promotionsprojektes sollen diese archaisch-mythologischen bis weltbildlich-philosophischen Hintergründe der Raumfahrt in ihren Interferenzen und kulturhistorischen Dimensionen dargestellt werden, um sie für das Feld der Science-Fiction- Forschung fruchtbar zu machen. Die hydronautische Vorgeschichte wird dabei ausgehend von Hans Blumenbergs metaphorologischer Schrift ‚Schiffbruch mit Zuschauer‘15 und unter Einbeziehung literarischer16 und piktoraler17 Reflexionen zu den Topoi ‚Seefahrt‘ und ‚Seenot‘ nachgezeichnet werden, um deren Semantik auf die der astronautischen Raumfahrt auszuweiten. Das Befahren der maritimen Sphäre ist als Verlassen des naturgegebenen, terrestrischen Aufenthaltsbereichs ständig vom Scheitern bedroht, und verlangt die Beherrschung und Instrumentalisierung chaotischer Naturgewalten. Die Bewertung solcher Unternehmungen unterliegt kulturell geprägten Einschätzungen, die zwischen dem Vorwurf hybrider Grenzverletzung (griechisch-römische Antike, europäisches Mittelalter) und fortschrittsorientierter Legitimation der ‚curiositas‘ (Aufklärung) schwanken. Blumenberg entdeckt noch eine dritte Variante dieser ‚Daseinsmetapher‘, deren Tradierung er mit Pascals „vous êtes embarqués“ im 17. Jahrhundert beginnen lässt, und die er bis ins 20. Jahrhundert verfolgt.18 Hier dient das Bild des Seit-Jeher-Eingeschifft-Seins in seiner Verabsolutierung zum „postkolumbianischen Ontologikum“19 als Ausdruck der „condition moderne aus Ordnungsschwund und Selbstbehauptung.“20 Neben der Verbindung von Elementarem und Existentiellem im Zeichen der Schifffahrt regt auch die Betrachtung des Sternenhimmels seit frühester Zeit zum Nachdenken über die Stellung des Menschen in Zeit und Raum an. Noch vor jeglicher Schriftlichkeit soll der 15 Blumenberg, Hans: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher. Frankfurt/M. 1997. (Erstausgabe 1979). 16 Vgl. Hönig, Christoph: Die Lebensfahrt auf dem Meer der Welt. Der Topos. Texte und Interpretationen. Würzburg 2000. Sowie Berckenhagen, Ekhart: Schiffahrt in der Weltliteratur. Ein Panorama aus fünf Jahrtausenden. Hamburg 1995. 17 Savigny, Jean Baptiste Henri; Trempler, Jörg; Zeilinger, Johannes: Der Schiffbruch der Fregatte Medusa. Mit einem Kommentar von Johannes Zeilinger und einem Essay von Jörg Trempler. 2., verb. Aufl. Berlin 2005. Sowie: Segeberg, Harro: Schiffbruch mit Filmzuschauer – Der Kino-Film Titanic (1997) in der Geschichte literarischer und filmischer Schifffahrtskatastrophen. In: Lemke, Anja; Schierbaum, Martin; Wergin, Ulrich (Hg.): In die Höhe fallen: Grenzgänge zwischen Literatur und Philosophie. Würzburg 2000, S. 55-71. 18 Vgl. hierzu auch: Campe, Rüdiger: Spiel der Wahrscheinlichkeit. Literatur und Berechnung zwischen Pascal und Kleist, Göttingen 2003. 19 Timm, Herrmann: „Nach Ithaka heimzukehren lohnt den größten Umweg.“ Nostrozentrische Kosmologie– nautozentrische Metaphorik. in: Wetz, Franz Josef; Timm, Hermann (Hg.): Die Kunst des Überlebens. Nachdenken über Hans Blumenberg. Frankfurt/M. 1999, S. 63. 20 Heidenreich, Felix: Mensch und Moderne bei Hans Blumenberg. München S. 211. 5
  • 6. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film Himmel als Repräsentant eines ‚Absolutismus der Wirklichkeit‘21 in mythischen Erzählungen Ziel metaphorischer Zuschreibungen gewesen sein. Mit ‚Kunstgriffen’ wie der Einsetzung des „Vertrauten für das Unvertraute, der Erklärungen für das Unerklärliche, der Benennungen für das Unbenennbare“22 sei versucht worden, den unfassbaren Schrecken der Welt in bestimmte und somit abschätzbare Größen zu transformieren. Namen, Metaphern und Mythen seien die ‚Produkte’ solcher Bemühungen. Auch die Benennung der Sterne kann als ein solcher Akt der Distanzierung gesehen werden, da sie den „Mechanismus vorgeschobener imaginativer Instanzen“23 nutzt, um den Anschein von Erkenntnis und Beherrschbarkeit zu evozieren. In der vorzulegenden Studie soll herausgearbeitet werden, dass sich die metaphorischen Aufladungen des Raumschiff-Motivs aus dem Hineinwagen in diese kulturell unterschiedlich geprägten Vorstellungsräume speisen. Lange bevor die Raumfahrt im 20. Jahrhundert realisiert wird, kann sie als literarischer24, piktoraler, später auch filmischer Topos auf eine Tradition künstlerischer Bearbeitungen zurückblicken. Diese erstreckt sich von den Beschreibungen kosmischer Reisen der Antike, über die von christlicher Geozentrik geprägten Himmelsreisen des Mittelalters, bis in die Neuzeit, die das Weltall nach der kopernikanischen Wende als zu erforschendes Infinitum entdeckt. In diesen Fiktionen spiegelt sich ein Wechselspiel, das sich zwischen Wissensgeschichte, Weltbildwandel und technischem Fortschritt entspinnt. Mit der Durchsetzung eines eher rational geprägten Weltbilds kommt es auch zu einer Öffnung des bisher von heilsgeschichtlicher Linearität geprägten Geschichtsdenkens; fiktionale Entwürfe einer Vielzahl möglicher Zukünfte, in denen Wissenschaft und Technik eine zunehmende Rolle spielen, werden häufiger. Ausgehend von den Planetenromanen der Renaissance und der Aufklärung und den Ballonflugvisionen der Romantik verdichten sich diese Erzählungen bis zu den an der Schwelle zum 20. Jahrhundert stehenden, mathematisch durchdachten Extrapolationen Vernes und den ‚Scientific Romances‘ Wells`. Hier wird das Motiv der phantastischen Reise adaptiert und an eine Leserschaft, die weniger an Magie als an technischen Fortschritt glaubt, angepasst. Verne und Wells liefern als Vertreter einer frühen literarischen Science Fiction in ihren Romanen auch das Ausgangsmaterial der ersten filmischen Darstellung einer Mondreise in VOYAGE DANS LA LUNE (F 1901). 21 Blumenberg, Hans: Arbeit am Mythos. Frankfurt/M. 1979. Sowie: Blumenberg, Hans: Höhlenausgänge. Frankfurt/M. 1989. 22 Blumenberg, Arbeit am Mythos, S. 11. 23 ebd. 24 Vgl. Guthke, Karl S.: Der Mythos der Neuzeit. Das Thema der Mehrheit der Welten in der Literatur- und Geistesgeschichte von der kopernikanischen Wende bis zur Science Fiction. München 1983. Sowie: Hope Nicholson, Marjorie: Voyages to the moon. New York 1948. 6
  • 7. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film Das Motiv ‚Raumschiff‘ in den historischen Phasen des SF-Films Das zentrale Anliegen des Promotionsprojektes stellt die Beschreibung und Kategorisierung von Raumschiffinszenierungen im SF-Film dar. Die Bedeutungsverschiebungen dieser ‚absoluten Metapher‘ sollen unter Einbeziehung kulturhistorischer und zeitgenössischer Kontexte, die aus gesellschaftlichem und technologischem Wandel im 20. Jahrhundert resultieren, als Ausdruck kollektiver Einschätzungen gegenüber technologischem Fortschritt interpretiert werden. Um eine sinnvolle Eingrenzung des vorhandenen Filmmaterials zu ermöglichen, wird das Promotionsprojekt von vier, für die Entwicklung des Genres besonders einflussreichen historischen Phasen ausgehen, für die wiederum eine Auswahl an repräsentativen Beispielen getroffen wird. 1.4 Frühphase 1901-1936: Raumfahrtvisionen Eine erste Phase wird den Zeitraum von 1901 bis 1936 umfassen. Inspiriert von literarischen Werken und der Vielzahl von Entdeckungen und Erfindungen bezieht das Kino – selbst eine Entwicklung der Beschleunigungstendenzen seiner Zeit25 - die reale technologische Entwicklung des landgebundenen Verkehrswesens26, später auch der Aero- und Astronautik in seine Erzählungen mit ein. Noch vor der Verdichtung zu einem eigenständigen Genre werden in dieser Frühphase Raumfahrtphantasien im Erzählmodus SF gezeigt. Der filmanalytische Teil des Promotionsprojekts kann mit VOYAGE DANS LA LUNE (F 1901) und VOYAGE À TRAVERS L ´IMPOSSIBLE (F 1904) ansetzen. Hier dienen ein bemanntes Kanonenprojektil bzw. ein Zug als raumschiffähnliche Vehikel zur Reise ins All. Hinter der vordergründigen Komik und Trickbesessenheit finden in diesen Filme die ambivalent bewerteten technologischen Neuerungen des Verkehrswesens wie auch die sozialen Umbrüche der französischen Gesellschaft am Übergang von traditionsorientierter ‚Belle Epoque‘ in die fortschrittsaffine Moderne ihre Verbildlichung. Der metaphorische, ‚bahnbrechende‘ Aspekt dieser Innovationen zeigt sich als Zerstörung gewohnter Räumlichkeiten, aber auch als Erweiterung des Bekannten bis in kosmische Dimensionen.27 Das 1917 in Dänemark entstandene Weltraumabenteuer HIMMELSKIBET (DK 1917) gehört neben dem 1924 entstandenen AELITA (UDSSR 1924) zu den ersten längeren Filmen im SF- 25 Vgl. Segeberg, Harro (Hg.): Die Mobilisierung des Sehens. Zur Vor- und Frühgeschichte des Films in Literatur und Kunst. München 1996. Sowie: Großklaus, Götz: Medien-Zeit. Medien- Raum. Zum Wandel der raumzeitlichen Wahrnehmung in der Moderne. Frankfurt/M. 1995. 26 Vgl. Schivelbusch, Wolfgang: Geschichte der Eisenbahnreise. Zur Industrialisierung von Raum und Zeit im 19. Jahrhundert. München 1977. 27 Vgl. Ezra, Elizabeth: Georges Méliès. The Birth of the Auteur. Manchester 2000, S. 119. 7
  • 8. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film Modus. In beiden Fällen wird eine Reise zum Mars geschildert, doch während im messianisch geprägten HIMMELSKIBET pazifistisches Gedankengut von diesem Planeten auf die Erde importiert wird, reist im kommunistisch-missionarischen AELITA ein sowjetischer Raketenforscher auf den Mars, um den dort unterdrückten Arbeitern die Ideen des Sozialismus zu verkünden. Seine Weltraumreise entpuppt sich gegen Ende der Erzählung als Traum, dessen Handlungsinhalt sich dennoch als propagandistisches Plädoyer an seine außerfilmische Wirklichkeit richtet. Nach der Entwicklung der theoretischen und praktischen Grundlagen der Raketentechnik durch Ziolkowski, Oberth und Andere, die ihrerseits von den Visionen der Literatur inspiriert waren, wird in Deutschland mit FRAU IM MOND (D 1929) der erste Film gedreht, in dem Rakete und Raumfahrt unter Beachtung wissenschaftlicher Erkenntnisse konzipiert sind.28 Regisseur Lang zieht hierfür die Raketenexperten Oberth und Ley zu Rate und konzipiert erstmals den ‚Countdown‘, der später in der realen Raumfahrt zum Standard wird, indem er den Raketenstart durch das Herunterzählen einer Sequenz von Sechs bis Null dramatisiert. In Langs Film werden die mit der Raumfahrt verbundenen Risiken als dem wissenschaftlichen Fortschritt, aber auch zur Erreichung kapitalistischer Ziele zu entrichtender Preis dargestellt. Die Fortschritte der realen Raketentechnik verfolgen während des Zweiten Weltkrieges militärische Ziele und haben mit bemannten Reisen ins All nichts, mit dem zielgenauen Wiederherunterfallen als Sprengwaffe viel zu tun. Während der in die USA ausgewanderte Ley später als technischer Berater von Filmen wie DESTINATION MOON (USA 1950) tätig ist, treibt Oberth gemeinsam mit von Braun die technische Entwicklung der Rakete bis zur ‚V2‘ voran. Diffuse Ängste vor Luftangriffen und einem zweiten Weltkrieg werden bereits in THINGS TO COME (GB 1936) konkretisiert. Die Narration verfolgt die Entwicklung der fiktiven Stadt ‚Everytown‘ über mehrere Generationen, bis am Ende der Erzählung eine technokratisch-utopistische Zukunftsvision steht. Das Projekt einer Reise ins All soll mit einem Artilleriegeschütz, das von Künstlern und anarchistischen Schwärmern zwar bekämpft, von nüchternen Wissenschaftlern aber verteidigt werden kann, gelingen. Kriegsangst, der Verlust tradierter Herrschaftslegitimation und Fortschritte in Technik und Naturwissenschaft regen hier zu eskapistischen Phantasien an, für deren Realisierung die Rakete bereit steht, um in der Kolonialisierung des Weltalls die Lösung politischer und wirtschaftlicher Probleme zu finden. 28 Vgl. Eisner, Lotte H.: Fritz Lang. London 1976, S. 106. 8
  • 9. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film Während sich diese Vorläufer des Science-Fiction-Films an ein vorwiegend erwachsenes Publikum richten, entstehen in Hollywood ab 1936 sogenannte Serials, billig produzierte Fortsetzungsfilme, für die technisch-wunderbar geprägte Comicserien wie ‚Flash Gordon‘ und ‚Buck Rogers‘ verfilmt werden. Neben den Covergestaltungen der ‚Pulp‘-Magazine sind die Raumschiffe dieser Filmreihen wesentlich an der Entstehung der SF-typischen Ikonographie beteiligt. In den Weltraum verlegte Eroberungs- und Verteidigungskämpfe dienen in diesen ‚Space Operas‘ als Metaphern des amerikanischen ‚Go-West‘-Gedankens stetiger Expansion. Die Einstellung gegenüber der dargestellten Wissenschaft, die diese Ausbreitung gewährleistet, ist durchweg positiv. Zu den Filmbeispielen, die zur Untersuchung dieses Zeitraums herangezogen werden können, gehören FLASH GORDON: SPACE SOLDIERS (USA 1936), FLASH GORDON: ROCKETSHIP (USA 1938) sowie BUCK ROGERS (USA 1939) und KING OF THE ROCKET MAN (USA 1949). 1.5 1950 – 1972: Raumfahrt zwischen Kaltem Krieg und Mondlandung Eine zweite historische Phase wird den SF-Film von 1950-1972 umfassen. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges, des beschleunigten Fortschrittes in Wissenschaft und Technik und der zunehmenden Angst vor einem Atomkrieg differenziert sich in den USA der SF-Film um 1950 zu einem eigenständigen Genre aus. Das ‚Space-Race‘ zwischen Ost- oder Westblock um die Vorherrschaft im All findet seinen Niederschlag in den Raumfahrtfilmen der 1950er und 1960er Jahre. Nach dem Erfolg des pseudokumentarischen DESTINATION MOON (USA 1950) bildet der Raumfahrtfilm ein eigenes SF-Subgenre aus.29 In Filmen wie ROCKETSHIP X-M (USA 1950) oder FLIGHT TO MARS (USA 1951) erscheint die aus der Semantik der Schifffahrtsmetapher bekannte Aufladung des Grenzübertritts als mit religiösen Untertönen durchsetzter Frevel. So sabotiert in CONQUEST OF SPACE (USA 1955) der Kommandant des Raumschiffes, dessen Flugbahn über den Mond hinaus führen soll, das Vorhaben mit den Worten: „God put man on earth, but nothing is mentioned in the Bible about him going to other planets!“ In WHEN WORLDS COLLIDE (USA 1951) wird erfolgreich das Raumschiff als modernisierte Version einer Arche dazu verwendet, die Erde, die von der totalen Zerstörung durch einen Kometen - Metapher für die Angst vor der Zerstörung durch einen Atomkrieg - zu verlassen, und einen, dem Garten Eden ähnlichen Planeten zu erreichen. Weitere zu analysierende Beispiele aus dieser Periode sind RIDERS TO THE STARS (USA 1954), 29 “The final title, „This is the End of the Beginning” could not have been more true: Destination Moon blasted-off a movie cycle that is still in orbit.“ Gifford, Dennis: Science Fiction Film. Bungay 1971, S. 114f. 9
  • 10. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film THE QUATERMASS XPERIMENT (USA 1955) und der stilprägende FORBIDDEN PLANET (USA 1956), eine in die ferne Zukunft verlegte Adaption von Shakespeares ‚The Tempest‘. Die reale Raumfahrt, die sich als „Verklammerung von Astronomie und Anthropologie“ 30 und unter militärischen Vorzeichen entwickelt, erreicht 1957 mit dem Einbringen des ersten künstlichen Trabanten in den Orbit einen Höhepunkt. Unmittelbare Folge des ‚Sputnikschocks‘ sind verstärkte Anstrengungen der USA, beim Wettlauf ins All technologische Überlegenheit zu erlangen, woraufhin unter Bezugnahme auf den ‚Frontiermythos‘ die NASA gegründet wird. Mit den fotografischen Abbildungen der Erde aus dem All, die während der ‚astronautischen Dekade‘31 entstehen, geht auch die Bildung der Metapher vom ‚Raumschiff Erde‘ einher. Sprachlich und visuell überlagern sich in dieser Figur die Wahrnehmung eines geschlossen Lebensraumes mit den systemisch-technischen Lösungen der Raumfahrt. In ihrer erkenntnisleitenden Funktion fokussiert diese Metapher Aspekte räumlicher Begrenztheit und der Einzigartigkeit des Lebens. Sie steht am Anfang der ökologischen und der ‚New Age‘-Bewegung, die Zweifel am Sinn eines ungebremsten Fortschritts lauter werden lassen. Filmhistorisch markiert „2001 - A SPACE ODYSSEY“ (GB/USA 1968) diese Umschlagstelle. Ein Jahr vor der tatsächlichen Mondlandung propagieren dessen ästhetische Einstellungen zwar die Raumfahrt, stellen jedoch auch die Unmenschlichkeit einer an Bord herrschenden vollständig technisierten Umgebung heraus. Die von außen gefilmte Erhabenheit der Raumfahrt wird mit der alltäglichen Langeweile im Inneren von Zubringershuttle, Weltraumstation und interplanetarischem Raumschiff kontrastiert. Raumfahrt erscheint nicht mehr als Menschheitsabenteuer, sondern als monotones Überbrücken der ins Unendliche ausgeweiteten Transiträume. Das Abschalten des außer Kontrolle geratenen Bordcomputers und die darauf folgende Kursänderung münden in eine transzendente Erfahrung. Hier kann das audiovisuelle Medium Film seine spezifischen Stärken ausspielen, indem es sich in abstrakten Bilderströmen und unter Einsatz ausgewählter Musik dem Begrifflich-Rationalen entzieht. Das ‚Scheitern‘ der Raumschifffahrt dient hier als Metapher für eine Sehnsucht nach Spiritualität, die als menschliches Grundmerkmal gegen die aseptische Kälte einer computerisierten und maschinisierten Umwelt gestellt wird. Ähnlich spirituell präsentiert sich der 1972 entstandene SOLJARIS (UDSSR 1972), in dem sich ein Wissenschaftler mit scheinbar unerklärlichen Phänomenen, die von einem fremdartigen Planeten auszugehen scheinen, konfrontiert sieht. Auch in SOLJARIS wird aus der phantastischen Reise ins absolute Außen und aus der Begegnung mit dem Fremden eine 30 Blumenberg, Hans: Die Vollzähligkeit der Sterne, S. 375. 31 Ders.: Die Genesis der kopernikanischen Welt. Frankfurt/M. 1975, S. 575. 10
  • 11. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film philosophische Reise zur Erfahrung der Innerlichkeit des Menschen selbst. Weitere Filme, die zur Analyse herangezogen werden sollen, sind: LA MORTE VIENE DALLA SPAZIO AKA THE DAY THE SKY EXPLODED (I, F 1958), FIRST MAN INTO SPACE (GB 1958), DER SCHWEIGENDE STERN (DDR 1960), THE PHANTOMPLANET (USA 1961), IKARIE XB-1 (CSSR 1963), ROBINSON CRUSOE ON MARS (USA 1964), SPACEFLIGHT IC1 (USA 1965), JOURNEY TO THE SEVENTH PLANET (USA 1962), PLANET OF THE APES (USA 1968) und TUMANNOST ANDROMEDY (UDSSR 1968). 1.6 1972-1985: Der Blick zurück Die erste reale Mondlandung erfolgt 1969, doch schon 1972 wird das Mondlandeprogramm der NASA aus Rentabilitätsgründen wieder eingestellt. Auf die Demystifikation des Alls reagieren einige Science-Fiction-Filme, indem sich in ihnen der Blick aus dem All zurück auf die Probleme einer als fragil erkannten menschlichen Lebenswelt richtet. Als belebtes ‚Archiv’ dient in SILENT RUNNING (USA 1972) ein Raumschiff. Dort werden unter riesigen Glaskuppeln die letzten Reste irdischer Vegetation am Leben erhalten, nachdem die Pflanzen- und Tierwelt auf der Erde durch Umweltverschmutzung zerstört wurde. Als das Projekt wegen finanzieller Gründe aufgegeben werden soll, widersetzt sich die Hauptfigur und sprengt die Kuppeln vom Hauptschiff ab. Auf diesen Bruch folgt keine transzendente Erfahrung wie noch in 2001, stattdessen gleitet die Kuppel als ‚Flaschenpost’ durch ein gleichgültiges und sinnentleertes All, die menschliche Selbstbehauptung gegen den ‚Absolutismus der Wirklichkeit’ kann sich nicht mehr auf religiöse oder metaphysische Sinnangebote stützen. Den Protagonisten in DARK STAR (USA 1972), die seit zwanzig Jahren eingeschifft in einem maroden Raumkreuzer durchs All treiben, bleibt nur noch die Flucht in die Absurdität. Eine Descartes zitierende Bombe kommt beim Philosophieren mit einem Crew-Mitglied zu dem Schluss, dass ihre einzige Raison d’être sei, zu explodieren, woraufhin die ‚Dark Star’ zerstört wird. Konfrontiert mit dem direkt bevorstehenden Tod, aber befreit vom technischen Gehäuse, erfüllen sich die zwei Überlebenden ihre letzten Wünsche in kosmischer Dimension. Der parodistische Gehalt dieses Films richtet sich nicht nur gegen die kolonialistischen Tendenzen des SF-Genres im ‚alten Hollywood‘, sondern auch gegen die vermeintliche Allianz von Mensch und Maschine. 11
  • 12. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film Die Tendenz, Raumschiffe zunehmend düster zu zeigen, verstärkt sich in der Folgezeit und ist am deutlichsten an ALIEN (GB 1979) abzulesen. Filmhistorisch markiert ALIEN den Beginn einer Phase im SF-Genre, in dem gefestigte Genrekonventionen aufgelöst und selbstreflexiv neu zusammengesetzt werden. Der Innenraum des Schiffes, der bisher die vor den Gefahren einer fremden Außenwelt geschützte Sphäre menschlicher Kultur war, wird zum labyrinthischen Gefängnis, nachdem ein außerirdisches Wesen, das Jagd auf die Besatzung macht, an Board gelangen konnte. Mit der Umkehrung der im Genre üblichen Geschlechterkonstellationen thematisiert der Film auch die im Zuge des Feminismus aufgekommene Frage nach fester Rollenzuschreibung zwischen den Geschlechtern. 32 Mit der Wiederbelebung der Space Opera in der STAR WARS - Reihe (USA 1977) wird das Genre ‚nostalgisch‘33 und rekurriert auf inzwischen ‚klassische‘ Vorbilder wie z. B. FORBIDDEN PLANET. Weitestgehend befreit vom ideologischen ‚Ballast‘ der frühen 1970er Jahre werden in diesen technisierten Fantasymärchen die Verhältnisse von Mensch und Maschine vor allem am Verhältnis Mensch-Roboter durchgespielt. Der Raumfahrt kommt dabei eine weniger prominente Stellung zu, das Element Raumschiff wird inzwischen als gewöhnliches Fortbewegungsmittel genutzt, das Weltall wird als eine ins Kosmische verlängerte Bühne verwendet. Die Raumschiffe der STAR TREK-Reihe (USA 1979), die als riesige Generationenschiffe durch den Weltraum gleiten, stellen hingegen isolierte Modellwelten dar und erinnern als gesellschaftliche Ideal- und Alternativentwürfe zur außerfilmischen, irdischen Gegenwart an die Insel Utopia des Thomas Morus. Als weitere Beispiele für diesen Zeitraum können die Filme CAPRICORN ONE (USA 1977), BATTLE BEYOND THE STARS (1980), OUTLAND (USA 1981), 2010 – THE YEAR WE MAKE CONTACT (USA 1984) herangezogen werden. Einen Ausnahmefall stellt ‚MOONRAKER‘ (GB/F 1979) dar. Der elfte Film der JAMES BOND – Reihe ist eigentlich dem Genre des Agenten-Thrillers zuzuordnen, einige Sequenzen spielen jedoch im Weltraum, wohin den Geheimagenten das Verschwinden eines Raumgleiters führt. 32 Vgl. Böhn, Andreas: Frauen und Schreckensräume im Film. Die Alien-Reihe. In: Fritsch-Rößler, Waltraud (Hg.): Frauenblicke. Männerblicke. Frauenzimmer. Studien zu Blick, Geschlecht und Raum. St. Ingbert 2002, S. 323-331. 33 Vgl. Boym, Svetlana: Future of Nostalgia. New York 2001. Sowie: Kuhn, Annette: An Everyday Magic. Cinema and Cultural Memory. London 2002. 12
  • 13. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film 1.7 1985-2007: Das gewöhnliche All Während der 1980er Jahre ist das populäre Filmgenre SF geprägt von einer Vielzahl von Sequels, vor allem der ‚Blockbuster‘ STAR WARS und STAR TREK, aber auch der ALIEN-Reihe. Die dramaturgische Verwendung der Raumschifffahrt gestaltet sich heterogen. Sie reicht von Havarien auf fremden Planeten und dem damit verbundenen Initiieren interplanetarischer Robinsonaden als Plädoyer für Völkerverständigung wie in ENEMY MINE (D 1985) bis zur Verlegung unbekannter Flugobjekte in die maritime Sphäre der irdischen Tiefsee, in die dem Raumschiff analoge U-Boote aufbrechen. Als Aufruf gegen das atomare Wettrüsten zwischen Ost- und Westblock kann der ins Märchenhafte reichende Erzählinhalt des Unterwasserfilms ABYSS (USA 1989) verstanden werden. In CONTACT (USA 1997) bleibt der ontologische Status der gezeigten Reise bis zuletzt unklar, und so kommt es im Erzählmodus des Fantastischen zu einer Versöhnung wissenschaftlicher und spiritueller Erkenntnis, deren Wahrheit im Subjektiven verbleibt. Die reale Industrialisierung der Raumfahrt, das Challenger Unglück 1986 und die Columbia Katastrophe 2003 tragen zur Trivialisierung der Raumfahrt bei. In den 1990er Jahren wird sie als Historikum selbst zum Gegenstand filmischer Verarbeitung. So zeigt der an reale Ereignisse angelehnte APOLLO 13 (USA 1995) die Geschichte eines Beinahe-Unglücks während einer Mondmission im Jahr 1970. Die Metapher vom ‚alt gewordenen‘ Raumfahrtfilm findet sich in der Komödie SPACE COWBOYS (USA 2000), in dem die fiktive Geschichte einer Gruppe bereits pensionierter Astronauten, die noch einmal zu einer Weltraummission aufbrechen, erzählt wird; aus der ‚New Frontier‘ ist die ‚Last Frontier‘ geworden. Weitere Beispiele für diesen Zeitraum stellen die Filme EVENT HORIZON (GB 1997), MISSION TO MARS (USA 2000) und SUNSHINE (GB 2007) dar. Die Dichotomie Erde/Weltall scheint gegen Ende des zweiten Jahrtausends ihre Fähigkeit als Metapher für den Grundkonflikt der Science Fiction, der Konfrontation Bekannt/Unbekannt, zu stehen, verloren zu haben. Das Raumschiff, das über die Zwischenstufe der Luftschifffahrt an die Stelle des traditionellen Schiffes getreten ist, wird nicht mehr mit einer Semantik als Vermittler zwischen diesen Sphären belegt. Als neue Reflexionszone dienen seit den 1990er Jahren die Welten virtueller ‚Räume‘, in denen Fakt und Fiktion, Realität und digitale Repräsentation in ein neues, von den Restriktionen der physikalisch-empirischen Wirklichkeit weitgehend befreites Verhältnis zueinander treten. 13
  • 14. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film Stand der Forschung und eigene Vorarbeiten 1.8 Forschungsstand Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem SF-Film beginnt im Vergleich zur filmwissenschaftlichen Erforschung anderer Genres relativ spät. Einen Impuls gebenden Text stellt dabei Susan Sontags Essay ‚The Imagination of Disaster’34 dar, der 1961 erscheint und bis heute „one of the most influential and oft-cited articles on science fiction”35 darstellt. Sontag setzt die Katastrophen- und Invasionsmotive, die die Thematik der SF-Filme der 1950er Jahre prägen, in Bezug zu deren zeitgenössischem Entstehungskontext. Indem sie dem SF-Film die Möglichkeit zuspricht, die ‚Hintergrundmetaphorik’ seiner Zeit zu präsentieren, schafft sie ein Feld, auf dem der SF-Film erstmals auch als kulturell wichtige Äußerung wahrgenommen werden kann.36 John Baxter sieht in seiner Genre-Geschichte ‚Science Fiction in the Cinema’37 (1970) den SF-Film ebenfalls als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen und bestimmt zwei inhaltliche Tendenzen, die sich durch die Entwicklung des Genres hindurch beobachten ließen: „the loss of individuality and the threat of knowledge.“38 Typisch für die frühen Ansätze der SF-Film-Forschung ist die Frage nach dem Verhältnis zwischen literarischer und filmischer SF, sowie die häufig unklare Differenzierung zwischen den Genres ‚Horror’ und ‚SF’. 1980 erscheint mit ‚The Limits of Infinity’39 von Vivian Sobchack eine Untersuchung, die sich mit diesen Fragen detailliert auseinander setzt, zu einem Standardwerk der SF-Film Forschung avanciert, und unter dem Titel ‚Screening Space’40 1987 als erweiterte Neuauflage veröffentlicht wird. In den angehängten Kapiteln nimmt Sobchack Bezug auf Theorien zur ‚Postmoderne‘41, und steht damit steht beispielhaft für einen großen Teil der SF-Forschung der späten 1980er und 1990er Jahre. Die anglophone SF-Forschung kann sich in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts auf einen Grundstock von Überblicks- und allgemeinen Einführungswerken stützen, mit der ‚Encyclopedia of Science 34 Vgl. Sontag, Susan: The Imagination of Disaster. In: Amelio, Ralph J. (Hg.): Hal in the Classroom: Science Fiction Films. Dayton 1974, S. 25ff. 35 Telotte, J.P.: Science Fiction Film. Genres in American Cinema. Cambridge 2001, S. 34. 36 Sontag interpretiert die von ihr gefundene ‚Ästhetik der Zerstörung’ als Allegorie auf die ambivalenten Gefühle, die die rasante technologisch-gesellschaftliche Entwicklung ausgelöst habe. Sie kritisiert, dass Antworten auf die im Subtext gestellten Fragen, etwa, wie ein sinnvoller Umgang mit den Tendenzen der Anonymisierung in Massengesellschaften bewerkstelligt werden könne, ausbleiben würden. 37 Vgl. Baxter, John: Science Fiction in the Cinema. New York 1970. 38 Ders. S.11. 39 Sobchack, Vivian Carol: The Limits of Infinity. The American Science Fiction Film, 1950-75. South Brunswicks 1980. 40 Sobchack, Vivian Carol: Screening Space. The American Science Fiction Film. 2nd, enl. ed. New York 1987. 41 Sie stützt sich dabei hauptsächlich auf Jameson, Fredric: Postmodernism, or, The Cultural Logic of Late Capitalism. Durham 1991. Sowie Baudrillard, Jean: Simulacra and simulation. Ann Arbor 1994. 14
  • 15. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film Fiction‘42, sowie der ‚Aurum‘ Filmenzyklopädie43 liegen auch umfangreiche Werke der Tertiärliteratur vor. Die deutschsprachige Forschung zum SF-Film nimmt sich dagegen spärlich aus, obwohl es auch hier mit dem Lexikon des Science-Fiction-Films von Hahn/Jansen44 ein umfassendes Nachschlagewerk gibt. Desweiteren sind einige Studien zur Geschichte des SF-Films erschienen, so etwa das frühe Filmbuch Science Fiction (1975) von Menningen/Dütsch45 oder der Doppelband ‚Science Fiction. Geschichte und Mythologie des Science-Fiction-Films‘46 (2003) von Seeßlen/Jung. Trotz der internationalen, insgesamt recht umfangreichen Literatur zum Thema SF-Film, bestehen noch wesentliche Forschungsdesiderata, wie Anette Kuhn im Vorwort zum ersten Teil der von ihr herausgegebenen Anthologie ‚Alien Zone‘47 anmerkt. So fehle noch immer eine genaue Untersuchung der „specifically cinematic codes”48, die die ‚Sprache‘ des SF-Films selbst darstelle. Der Aufforderung zum Schließen dieser Lücke nachgekommen ist jüngst Simon Spiegel49, der sich in seinen Ausführungen auf Erkenntnisse der literarischen Phantastik und SF-Forschung (Todorov, Wünsch, Suvin) bezieht und diese unter Heranziehung filmwissenschaftlicher Untersuchungen (Sobchack, Altman) an das Medium Film anpasst. Weiteren Forschungsbedarf sieht Kuhn auf dem Feld der Motivik des SF-Films. Während Analysen einzelner Themen und Motiven inzwischen erhältlich sind50, bildet eine Monographie zum Raumschiff noch immer ein Desiderat. In der internationalen SF- Forschung finden sich nur wenige, kurze Ansätze. So z.B. bei Sobchack, die zwar angibt, das Raumschiff sei „one of the most potential icons of SF cinema“, die Thematik dann aber auf zehn knappen, großzügig bebilderten Seiten abhandelt. Sie ordnet die Raumschiffdarstellungen verschiedener Filme nach formal-ästhetischen Kriterien in die Kategorien „good“, „demonic“, „simple prop for moving“ ein. In ‘The Known and the 42 Clute, John; Nicholls, Peter (Hg.): The Encyclopedia of Science Fiction. New York 1995. 43 Hardy, Phil: The Aurum Film Encyclopedia. 2nd rev. ed. London 1991. 44 Hahn, Ronald M.; Jansen, Volker (Hg.): Lexikon des Science-Fiction-Films: 1000 Filme von 1902 bis 1987. Aktualisierte, erg. u. erw. Neuaufl. München 1987. 45 Menningen, Jürgen; Dütsch, Werner: Filmbuch Science Fiction. Köln 1975. 46 Seeßlen, Georg; Jung, Fernand: Science Fiction. Geschichte und Mythologie des Science-Fiction- Films. Marburg 2003. 47 Kuhn, Anette (Hg.): Alien Zone. Cultural Theory and Contemporary Science Fiction Cinema. New York 1990. 48 Dies. ebd., S.6. 49 Spiegel, Simon: Die Konstitution des Wunderbaren. Zu einer Poetik des Science-Fiction-Films. Marburg 2007. 50 Vgl bspw: Haraway, Donna J. (Hg.): Simians, Cyborgs, and Women: The Reinvention of Nature. New York 1991. Oder: Bukatman, Scott: Terminal Identity: The Virtual Subject in Postmodern Science Fiction. Durham 1993. 15
  • 16. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film Unknown: The Iconography of Science Fiction’51 (1979) widmet Gary Wolfe dem ‚Icon of the Spaceship’ ein Kapitel. Seinen Grundgedanken bezieht er aus Roland Barthes Aufsatz über Jules Vernes Nautilus.52 Wolfe überträgt die dort beschriebene submarine Dichotomie zwischen geschützter Innerlichkeit und gefährdender Äußerlichkeit auf die strukturell gleiche Situierung des astronautischen Vehikels. Er kommt zu dem (zu) positiven Schluss, das Raumschiff sei „at once, habitat, womb, and vehicle, that gives mankind the means to appropriate the unknown without sacrificing any of the comforts of home.“ Dass das Motiv ‘Raumschiff’ auf eine lange kulturgeschichtliche Tradition zurückblicken kann, vermittelt am ehesten Ron Millers umfangreiche ‚History of the Spaceship in Art, Science and Literature’ 53. In chronologisch geordneten, kurzen Artikeln werden in diesem populärwissenschaftlich gehaltenen Nachschlagewerk reale und fiktionale Raumfahrtvehikel der vergangenen zwei Jahrtausende beschrieben, ab 1920 führt Miller jedoch nur noch Raumschiffe und Raumfahrtvisionen auf, von denen bereits angenommen wurde, dass sie realisiert werden könnten. Millers Werk kann im Hinblick auf die Thematik des Promotionsprojektes lediglich als Ausgangspunkt verwendet werden, da zwar in einigen Abschnitten auf die Wechselwirkungen zwischen Weltbild und Raumfahrtvision hingewiesen wird, Raumschiffdarstellungen aus literarischen und filmischen SF-Erzählungen jedoch nicht in seine Untersuchung einbezogen sind. Die Frage, welche Funktion die Erzählungen von Raumfahrten in der Konstruktion des Selbstverständnisses des Menschen über seine Stellung zwischen Erde und Weltall erfüllen, bleibt ebenso offen wie die Verwendung der Astronautik als Metapher für das Verhältnis der Stellung des Menschen zwischen Physik und Metaphysik, Natur und Technik. Ansätze, die die fiktiven Nova der SF als Metaphern, die auf außerdiegetische Bezüge rekurrieren, auffassen, liegen mit den literaturwissenschaftlichen Untersuchungen Suvins54 bereits vor. Dass sich die neuere SF-Forschung55 stark für den metaphorischen Charakter der SF interessiert, hängt auch mit der Aufwertung zusammen, die die Metapher in der aktuellen kognitivistischen Metapherntheorie insbesondere durch Lakoff/Johnson erfahren hat. Eine Kombination dieses Ansatzes, der hauptsächlich synchrone Perspektiven erschließt, mit dem 51 Wolfe, Gary K.: The Known and the Unknown. The Iconography of Science Fiction. Kent 1979. 52 Barthes, Roland: ‚Nautilus und Trunkenes Schiff. In: ders.: Mythen des Alltags. 7. Aufl. Frankfurt/ M. 1982, S. 39-42; hier S. 39. 53 Miller, Ron: The Dream Machines: Pictorial History of the Spaceship in Art, Science and Literature. Malabar 1993. 54 Suvin, Darko: SF as Metaphor, Parable and Chronotope (with the Bad Conscience of Reaganism). In: Ders: Positions and Presuppositions in Science Fiction. London 1988, S. 185-213. 55 Vgl. Delany, Samuel R.: Starbord Wine. More Notes on the Language of Science Fiction. New York 1984. 16
  • 17. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film diachron ausgerichteten blumenbergschen Ansatz56 ist bisher noch nicht geschehen. Eine solche, im Rahmen der Promotionsarbeit durchzuführende Synthese ermöglicht es jedoch, die hohe Potenz als Metaphernspender, die das Motiv des ‚Raumschiffs‘ aufweist, anthropologisch und kulturgeschichtlich fundiert zu begründen und ihre Verwendung in geschichtlicher Tiefe und kultureller Breite bis in die Gegenwart detailliert darzustellen. Zugleich ermöglicht die kognitivistische, nicht primär textbasierte Sichtweise auf die Metapher die Ausformulierung einer noch ausstehenden, speziellen Theorie der Metapher im Film, die auf die narratologische Disposition des SF-Films verengt ist und ein Instrumentarium darstellt, mit dem die Leerstelle, die das Motiv des Raumschiffs im Science Fiction Film bisher noch bildet, geschlossen werden kann. 1.9 Eigene Vorarbeiten Den Anstoß für das Dissertationsvorhaben ‚Das Raumschiff-Motiv im Science-Fiction-Film‘ gab die intensive Beschäftigung mit dem ‚Kulturthema Wasser‘ im Rahmen des gleichnamigen Oberseminars, das von Prof. Dr. A. Böhn sowie von Prof. Dr. B. Krause geleitet wurde. Gegenstand der dort angefertigten Oberseminararbeit (Note: 1,0) war die Analyse des Films DIE INNERE SICHERHEIT (D 2001), in dem einige Gedanken aus Hans Blumenbergs ‚Schiffbruch mit Zuschauer‘ adaptiert wurden. Den Schlussteil dieser Arbeit bildete der Ausblick auf eine mögliche Erweiterung der nautischen Metapher ins Astronautische. Die Erarbeitung dieser Thematik erfolgte durch die Anfertigung der Magisterarbeit ‚Havarie im Sternenmeer – Metaphorologische Überlegungen zum Motiv des Schiffbruchs im Science-Fiction-Film‘, die im WS 2008 beendet wurde (Erstkorrektor Prof. Dr. A. Böhn, Zweitkorrektor Prof. Dr. B. Thum; Gesamtnote: 1,0). Hier wurde der theoretische Zugang zum Raumschiffmotiv über die Kombination von Metaphorologie und Filmwissenschaft skizziert, die Grundlage der Semantik der Raumfahrt aus ihren kulturgeschichtlichen Voraussetzungen hergeleitet, sowie die definitorische Kategorisierung der SF als Modus bzw. Genre wunderbaren Erzählens anhand des aktuellen Forschungsstandes geleistet. An zwei, aus der Frühzeit des Kinos stammenden Filme wurden die in der Arbeit gewonnenen Perspektiven exemplifiziert. 56 Eine philosophisch-erkenntnistheoretisch orientierte Darstellung der ‚Metaphorologie‘ bietet Haefliger auch mit Hinweis auf die Verwandtschaft zur kognitiven Metapherntheorie in: Haefliger, Jürg: Imaginationssysteme. Erkenntnistheoretische, anthropologische und mentalitätshistorische Aspekte der Metaphorologie Hans Blumenbergs. Frankfurt/M. 1996. Eine Übersicht über die nationale und internationale Forschungssituation zu Blumenberg findet sich in: Müller, Oliver: Sorge um die Vernunft. Hans Blumenbergs phänomenologische Anthropologie. Paderborn 2005, S. 38-41. 17
  • 18. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film Zurückgegriffen werden konnte auf Seminare zu Theorie und Analyse des Films, die von Dr. F. Degler sowie von Dr. C. Haas geleitet wurden (WS 02/03, WS 06/07; Note: 1,3), und auf Kenntnisse, die aus dem Besuch zweier technikgeschichtlicher Seminare bei Prof. Dr. R. Gleitsmann (SS 02, WS 03; Note: 1,3) resultierten. Das Themengebiet ‚Phantastik in Literatur und Film‘ wurde durch die Teilnahme an zwei Seminaren (WS 06/07; SS 07) bei Prof. Dr. A. Böhn erschlossen. Die Einarbeitung in die Zusammenhänge zwischen den technisch- wissenschaftlichen Entwicklungen des 19. Jahrhunderts und deren Folgeerscheinungen auf dem Gebiet der Literatur konnten in einem Seminar bei Dr. C. Arndt, das im WS 07/08 in Kingston, Kanada stattfand, erfolgen. Während des dreimonatigen Studienaufenthalts in Kanada wurden auch die zur Rezeption der Sekundärliteratur notwendigen Englischkenntnisse aufgefrischt. Im Rahmen der im Juni 2008 abgelegten schriftlichen und mündlichen Masterprüfung wurden die Themen ‚Technische Entwicklung im Spiegel der Literatur des 19. Jahrhunderts‘ und ‚Mediennostalgie‘ geprüft, die im Hinblick auf die Entstehung der SF bzw. die Selbstreflexion ihrer Genrekonventionen im postmodernen SF- Film von Bedeutung sind (Gesamtnote: 1,0). 18
  • 19. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film Arbeitsprogramm und Zeitplan Die geplante Dissertation ist auf einen Zeitraum von zwei Jahren ausgelegt. Der Arbeitsplan orientiert sich an der zuvor dargestellten Phaseneinteilung als den 4 großen Teilbereichen der Untersuchung. Der Zeitraum des letzten Quartals dient der Zusammenfassung der Ergebnisse, der inhaltlichen und formalen Überarbeitung sowie der abschließenden Korrektur des Manuskripts. Das Promotionsverfahren wird im WS 2010/11 nach Ablegen der mündlichen Prüfung abgeschlossen sein. 2008/ 4. Quartal: Theoretische Grundlagen: Theorie der filmischen Metapher und Metaphorik in der Science Fiction und definitorische Kategorisierung des Science-Fiction-Films - Aufarbeitung des aktuellen Forschungsstandes zu den Themenkomplexen Metapher, Metaphorologie und Metaphorik im SF-Film (Blumenberg, Lakoff/Johnson, Whittock, Suvin) - Aufarbeitung des aktuellen Forschungsstandes zur Science Fiction in Literatur und Film, definitorische Eingrenzung (Todorov, Suvin, Spiegel) - Ausformulierung der theoretischen Grundlagen der Arbeit - Erarbeitung der Kulturgeschichten von ‚Seefahrt‘ und ‚Kosmologie‘ sowie deren Verwendung als Metapher aus kulturgeschichtlicher und anthropologischer Perspektive (Blumenberg) 2009/ 1. Quartal: Teilbereich I: Raumfahrtvisionen: Das Raumfahrtmotiv im frühen SF-Film 1901- 1949 - Aufarbeitung der Traditionslinie der technisch-wunderbaren Erzählliteratur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts im Hinblick auf die Themen Mobilität und Raumerschließung (Schivelbusch, Großklaus, Segeberg) - Ergänzung der bereits geleisteten Film- und Literaturrecherchen zum Science- Fiction-Film - Sichtung der Filmbeispiele und Erstellung von Filmanalysen - Niederschrift der Ergebnisse für den Teilbereiche I 19
  • 20. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film 2009/ 2. Quartal: Teilbereich II/ II a: Raumfahrt zwischen Kaltem Krieg und Mondlandung: Das Raumfahrt-Motiv im Science-Fiction-Film 1950-1968 - Ergänzung der Filmrecherchen und Analyse der ausgewählten Beispiele im Hinblick auf die Semantik der Themen Raumfahrt und technisch ermöglichte Raumerschließung - Film- und Literaturrecherchen zum Science-Fiction-Film zwischen Kaltem Krieg und Mondlandung 2009/ 3. Quartal: Teilbereich II/ II b - Sichtung und Analyse der ausgewählten Filme - Niederschrift der Ergebnisse für den Teilbereich II - Vergleichende Untersuchung der Metaphorik des Raumschiff-Motivs im Film unter Einbeziehung der Ergebnisse aus I 2009/ 4. Quartal: Teilbereich III/ III a: Der Blick zurück: Das Raumfahrt-Motiv im Science-Fiction- Film 1972-1984 - Recherchen zu den Auswirkungen der realen Raumfahrt aus kulturgeschichtlicher Perspektive sowie in Hinsicht auf die Verwendung des Motivs im SF-Film - Sichtung der ausgewählten Filme, Erstellung von Filmanalysen - Erarbeitung außerfilmischer Kontexte aus technisch-gesellschaftlicher Entwicklungen und philosophischer Reflexionen hierüber, Verknüpfung mit der Verwendung des Raumschiff-Motivs 2010/ 1. Quartal: Teilbereich III/ III b - Analyse der ausgewählten Filmbeispiele im Hinblick auf die Thematik Raumfahrt/ Raumschiff - Verknüpfung mit außerfilmischen Kontexten - Niederschrift der Ergebnisse für Teilbereich III 20
  • 21. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film 2010/ 2. Quartal: Teilbereich IV: Das gewöhnliche All. Das Raumfahrt-Motiv im Science-Fiction Film 1985-2007 - Literaturrecherchen zur Theorie der Postmoderne und des postmodernen Science- Fiction-Films (Eco, Jameson, Sobchack, Kuhn) - Film und Literaturrecherchen zum Science-Fiction-Film seit 1985 - Erarbeitung außerfilmischer Kontexte aus technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen und philosophischen Reflexionen hierüber - Niederschrift der Ergebnisse für Teilbereich IV 2010/ 3. Quartal: Zusammenfassende Darstellung, inhaltliche und formale Überarbeitung, Korrektur des Manuskripts - Zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse und Überprüfung der eingangs aufgestellten Hypothesen - Vergleichende Analyse der Verwendung des Motivs ‚Raumschiff‘ im Science-Fiction- Film aus den vier Teilbereichen des Promotionsprojektes in synchroner und diachroner Perspektive - Inhaltliche und formale Überarbeitung und Formulierung eines Einleitungs- und Schlusskapitels - Erstellung einer DVD mit ausgewählten Szenen einzelner Filmbeispiele - Erstellung der Druckfassung, abschließende Korrekturen WS 2010/11: Ablegen der mündlichen Prüfung, Abschluss des Promotionsverfahrens Filmverzeichnis Im Folgenden sind die filmographischen Angaben einer vorläufigen Auswahl von Filmen aufgelistet, die in der geplanten Dissertation einer näheren Betrachtung unterzogen werden. Die Auflistung der Filme erfolgt in chronologischer Reihenfolge. 21
  • 22. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film 1.101901-1949: Raumfahrtvisionen LE VOYAGE À TRAVERS L'IMPOSSIBLE (F 1904) Regie: Georges Méliès. HIMMELSKIBET (DK 1917) Regie: Holger Madsen. FRAU IM MOND (D 1929) Regie: Fritz Lang. FLASH GORDON: SPACE SOLDIERS (USA 1936) Regie: Ray Taylor, Ford Beebe, Frederick Stephani. THINGS TO COME (GB 1936) Regie: William Cameron Menzies. FLASH GORDON: ROCKETSHIP (USA 1938) Regie: Ray Taylor. BUCK ROGERS (USA 1939) Regie: Ford Beebe, Saul A. Goodkind. KING OF THE ROCKET MEN (USA 1949) Regie: Fred C. Brannon. 1.111950-1968: Raumfahrt zwischen Kaltem Krieg und Mondlandung DESTINATION MOON (USA 1950) Regie: Irving Pichel. ROCKETSHIP X-M (USA 1950) Regie: Kurt Neumann. FLIGHT TO MARS (USA 1951) Regie: Lesley Selander. WHEN WORLDS COLLIDE (USA 1951) Regie: Rudolph Maté. RIDERS TO THE STARS (USA 1954) Regie: Richard Carlson, Herbert L. Strock. CONQUEST OF SPACE (USA 1955) Regie: Byron Haskin, Chris Spencer. THE QUATERMASS XPERIMENT (UK 1955) Regie: Val Guest. FORBIDDEN PLANET (USA 1956) Regie: Fred M. Wilcox. LA MORTE VIENE DALLA SPAZIO AKA THE DAY THE SKY EXPLODED (I, F 1958) Regie: Paolo Heusch. FIRST MAN INTO SPACE (GB 1959) Regie: Robert Day. SPACE MEN (I 1960) Regie: Antonio Margheriti. SCHWEIGENDE STERN, DER (DDR 1960) Regie: Kurt Maetzig. THE PHANTOM PLANET (USA 1961) Regie: William Marshall. 22
  • 23. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film IKARIE XB 1 (CSSR 1963) Regie: Jindrich Polák. ROBINSON CRUSOE ON MARS (USA 1964) Regie: Byron Haskin. TERRORE NELLO SPAZIO (ESP 1965) Regie: Mario Bava. TUMANNOST ANDROMEDY (UDSSR 1967) Regie: Yevgeni Sherstobitov. BARBARELLA (F 1968) Regie: Roger Vadim. PLANET OF THE APES (USA 1968) Regie: Schaffner, Franklin J. 2001: A SPACE ODYSSEY (GB / USA 1968) Regie: Stanley Kubrick. 1.121972-1984: Der Blick zurück SOLYARIS (UDSSR 1972) Regie: Andrei Tarkovsky. SILENT RUNNING (USA 1972) Regie: Douglas Trumbull. DARK STAR (USA 1974) Regie: John Carpenter. STAR WARS (USA 1977) Regie: George Lucas. CAPRICORN ONE (USA 1978) Regie: Peter Hyams. THE BLACK HOLE (USA 1979) Regie: Gary Nelson. MOONRAKER (GB 1979) Regie: Lewis Gilbert. ALIEN (GB 1979) Regie: Ridley Scott. STAR TREK: THE MOTION PICTURE (USA 1979) Regie: Robert Wise. BATTLE BEYOND THE STARS (USA 1980) Regie: Jimmy T. Murakami. OUTLAND (GB 1981) Regie: Peter Hyams. 2010: THE YEAR WE MAKE CONTACT (USA 1984) Regie: Peter Hyams. 1.131985- 2007: Das gewöhnliche All ENEMY MINE (D 1985) Regie: Wolfgang Petersen. SPACEBALLS (USA 1987) Regie: Mel Brooks. LEVIATHAN (USA 1989) Regie: George P. Cosmatos. 23
  • 24. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film THE ABYSS (USA 1989) Regie: James Cameron. APOLLO 13 (USA 1995) Regie: Ron Howard. EVENT HORIZON (GB 1997) Regie: Paul Anderson. CONTACT (USA 1997) Regie: Robert Zemeckis. MISSION TO MARS (USA 2000) Regie: Brian de Palma. SPACE COWBOYS (USA 2000) Regie: Clint Eastwood. NAUFRAGOS (ESP 2001) Regie: María Lidón. SERENITY (USA 2005) Regie: Joss Whedon. SUNSHINE (GB 2007) Regie: Danny Boyle. 24
  • 25. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film Literaturverzeichnis Ebenso wie das Filmverzeichnis beansprucht auch das folgende Literaturverzeichnis keine Vollständigkeit, sondern setzt sich im Wesentlichen aus der in diesem Exposé zitierten und verwendeten Sekundärliteratur zusammen. Aldiss, Brian Wilson: Der Millionen-Jahre-Traum. Die Geschichte der Science Fiction. Bergisch Gladbach 1980. Amelio, Ralph J. (Hg.): Hal in the Classroom : Science Fiction Films. Cincinnati 1974. Bainbridge, William Sims: Dimensions of Science Fiction. Cambridge, Mass. 1986. Baudrillard, Jean: Simulacra and Simulation. Ann Arbor 1994. Baxter, John: Science Fiction in the Cinema. New York 1970. Berckenhagen, Ekhart: Schiffahrt in der Weltliteratur. Ein Panorama aus fünf Jahrtausenden. Hamburg 1995. Black, Max: Die Metapher. In: Haverkamp, Anselm (Hg.): Theorie der Metapher. Darmstadt 1983, S. 55–79. Blumenberg, Hans: Die Genesis der kopernikanischen Welt. Frankfurt/M. 1975. Blumenberg, Hans: Arbeit am Mythos. Frankfurt/M. 1979. Blumenberg, Hans: Höhlenausgänge. Frankfurt/M. 1989. Blumenberg, Hans: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher. Frankfurt/ M. 1997. Blumenberg, Hans: Die Vollzähligkeit der Sterne. Frankfurt/M. 2000. Blumenberg, Hans: Paradigmen zu einer Metaphorologie. In: Archiv für Begriffsgeschichte. Bonn 1960. Unveränderte Neuauflage. Frankfurt/M. 2005. Böhn, Andreas: Frauen und Schreckensräume im Film. Die Alien-Reihe. In: Fritsch-Rößler, Waltraud (Hg.): Frauenblicke, Männerblicke, Frauenzimmer. Studien zu Blick, Geschlecht und Raum. St. Ingbert 2002, S. 332-331. Booker, M. Keith: Alternate Americas. Science Fiction Film and American Culture. Westport, Conn. 2006. Boym, Svetlana: The Future of Nostalgia. New York 2001. Bukatman, Scott: Terminal Identity. The Virtual Subject in Postmodern Science Fiction. Durham 1993. Campe, Rüdiger: Spiel der Wahrscheinlichkeit. Literatur und Berechnung zwischen Pascal und Kleist. Göttingen 2003. Carrol, Noël: A Note on Film Metaphor. In: Carrol, Noël (Hg.): Theorizing the Moving Image. Cambridge 1996. Carrol, Noël (Hg.): Theorizing the Moving Image. Cambridge 1996. Clute, John; Nicholls, Peter (Hg.): The Encyclopedia of Science Fiction. New York 1995. Eisner, Lotte H.: Fritz Lang. London 1976. Ekschmitt, Werner: Weltmodelle. Griechische Weltbilder von Thales bis Ptolemäus. Mainz am Rhein 1989. 25
  • 26. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film Ezra, Elizabeth: Georges Méliès. The Birth of the Auteur. Manchester 2000. Fischer, Joachim: Philosophische Anthropologie. Zur Rekonstruktion ihrer diagnostischen Kraft. In: Friedrich, Jürgen; Westermann, Bernd (Hg.): Unter offenem Horizont. Anthropologie nach Helmuth Plessner. Frankfurt/M. 1995. Forceville, Charles F.: Bildliche und multimodale Metaphern in Werbespots. In: Zeitschrift für Semiotik, H. 1-2 2003, S. 39–60. Frewin, Anthony: One Hundred Years of Science Fiction Illustration. 1840 - 1940. London 1974. Friedrich, Hans E.: Science Fiction in der deutschsprachigen Literatur. Ein Referat zur Forschung bis 1993. Tübingen 1995. Friedrich, Jürgen; Westermann, Bernd (Hg.): Unter offenem Horizont. Anthropologie nach Helmuth Plessner. Frankfurt/M. 1995. Fritsch, Thomas; Lindwedel, Martin; Schärtl, Thomas: Wo nie zuvor ein Mensch gewesen ist. Science-Fiction-Filme: Angewandte Philosophie und Theologie. Regensburg 2003. Fritsch-Rößler, Waltraud (Hg.): Frauenblicke, Männerblicke, Frauenzimmer. Studien zu Blick, Geschlecht und Raum. St. Ingbert 2002. Gifford, Dennis: Science Fiction Film. Bungay 1971. Goedde, Lawrence Otto: Tempest and Shipwreck in Dutch and Flemish Art. Convention, Rhetoric, and Interpretation. Pennsylvania 1989. Großklaus, Götz: Medien-Zeit. Medien-Raum. Zum Wandel der raumzeitlichen Wahrnehmung in der Moderne. Frankfurt/M. 1995. Green, Roger Lancelyn: Into other worlds. Space-flight in Fiction, from Lucian to Lewis. New York 1975. Gunn, James E. (Hg.): Road to Science Fiction v. 1 From Gilgamesh to Wells. New York 1979. Guthke, Karl S.: Der Mythos der Neuzeit. Das Thema der Mehrheit der Welten in der Literatur- und Geistesgeschichte von der kopernikanischen Wende bis zur Science Fiction. München 1983. Haefliger, Jürg: Imaginationssysteme. Erkenntnistheoretische anthropologische und mentalitätshistorische Aspekte der Metaphorologie Hans Blumenbergs. Bern 1996. Hahn, Ronald M.; Jansen, Volker (Hg.): Lexikon des Science-Fiction-Films: 1000 Filme von 1902 bis 1987. Aktualisierte, erg. u. erw. Neuaufl. München 1987. Haraway, Donna: Simians, Cyborgs and Women. The Reinvention of Nature. New York 1991. Hardy, Phil: The Aurum Film Encyclopedia. 2nd rev. ed. London 1991. Haverkamp, Anselm (Hg.): Theorie der Metapher. Darmstadt 1983. Heidenreich, Felix: Mensch und Moderne bei Hans Blumenberg. München 2005. Hönig, Christoph: Die Lebensfahrt auf dem Meer der Welt. Der Topos. Texte und Interpretationen 2000. Hope Nicholson, Marjorie: Voyages to the Moon. New York 1948. 26
  • 27. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film James, Edward; Mendlesohn, Farah (Hg.): The Cambridge Companion to Science Fiction. Cambridge 2003 Jameson, Fredric: Postmodernism, or, The Cultural Logic of Late Capitalism. Durham, N.C. 1991. King, Geoff; Krzywinska, Tanya: Science Fiction Cinema. From Outerspace to Cyberspace. London 2000. Koebner, Thomas: Science Fiction. Stuttgart 2003. Koschorke, Albrecht: Die Geschichte des Horizonts. Grenze und Grenzüberschreitung in literarischen Landschaftsbildern. Frankfurt/M 1990. Kuhn, Annette (Hg.): Alien Zone: Cultural Theory and Contemporary Science Fiction Cinema. Cultural Theory and Contemporary Science Fiction Cinema. New York 1990. Kuhn, Annette: Introduction: Cultural Theory and Science Fiction Cinema. In: Kuhn, Annette (Hg.): Alien Zone: Cultural Theory and Contemporary Science Fiction Cinema. Cultural Theory and Contemporary Science Fiction Cinema. New York 1990, S. 1–12. Kuhn, Annette: An Everyday Magic. Cinema and Cultural Memory 2002. Kuhn, Thomas: Die kopernikanische Revolution. Braunschweig 1981. Kurz, Gerhard: Metapher, Allegorie, Symbol. Göttingen 1982. Lakoff, George: Metaphors We Live by. Chicago 1980. Lausberg, Heinrich; Arens, Arnold: Handbuch der literarischen Rhetorik. Eine Grundlegung der Literaturwissenschaft. 3. Aufl. /. Stuttgart 1990. Lemke, Anja; Schierbaum, Martin; Nägele, Rainer (Hg.): In die Höhe fallen - Grenzgänge zwischen Literatur und Philosophie. Würzburg 2000. Lohmeier, Anke M.: Hermeneutische Theorie des Films. Tübingen 1996. Menningen, Jürgen; Dütsch, Werner: Filmbuch Science Fiction. Köln 1975. Merklin, Harald (Hg.): Cicero, Marcus Tullius: De oratore. Lateinisch und deutsch. Über den Redner. Stuttgart 1976. Metz, Christian (Hg.): Le signifiant imaginaire. Psychanalyse et cinema. Paris 1977. Miller, Ron: The Dream Machines: Pictorial History of the Spaceship in Art, Science and Literature. Pictorial History of the Spaceship in Art, Science and Literature. Malabar 1993. Müller, Oliver: Sorge um die Vernunft. Hans Blumenbergs phänomenologische Anthropologie. Paderborn 2005. Quintilianus, Marcus Fabius; Loretto, Franz: Institutio oratoria, X. Lateinisch und deutsch. Lehrbuch der Redekunst, 10. Buch. Stuttgart 1974. Riha, Karl (Hg.): Reisen im Luftmeer. Ein Lesebuch zur Geschichte der Ballonfahrt von 1783 (und früher) bis zur Gegenwart. München 1983. Rolf, Eckard: Metaphertheorien. Typologie - Darstellung - Bibliographie. Berlin 2005. Savigny, Jean Baptiste Henri; Trempler, Jörg; Zeilinger, Johannes: Der Schiffbruch der Fregatte Medusa. mit einem Kommentar von Johannes Zeilinger und einem Essay von Jörg Trempler. 2., verb. Aufl. Berlin 2005. 27
  • 28. Jörg Hartmann Exposé: Das Motiv des Raumschiffs im Science-Fiction-Film Schivelbusch, Wolfgang: Geschichte der Eisenbahnreise. Zur Industrialisierung von Raum und Zeit im 19. Jahrhundert. München 1977. Scholes, Robert; Rabkin, Eric S.: Science Fiction. History, Science, Vision 1977. Schröder, Torben: Science Fiction als Social Fiction. Das gesellschaftliche Potential eines Unterhaltungsgenres. Münster 1998. Segeberg, Harro (Hg.): Die Mobilisierung des Sehens. Zur Vor- und Frühgeschichte des Films in Literatur und Kunst. München 1996. Segeberg, Harro: Schiffbruch mit Filmzuschauer – Der Kino-Film Titanic (1997) in der Geschichte literarischer und filmischer Schifffahrtskatastrophen. In: Lemke, Anja; Schierbaum, Martin; Nägele, Rainer (Hg.): In die Höhe fallen - Grenzgänge zwischen Literatur und Philosophie. Würzburg 2000, S. 55–71. Sontag, Susan: The Imagination of Desaster. In: Amelio, Ralph J. (Hg.): Hal in the Classroom. Science Fiction Films. Cincinnati 1974. Spiegel, Simon: Die Konstitution des Wunderbaren. Zu einer Poetik des Science-Fiction- Films. Marburg 2007. Suerbaum, Ulrich; Broich, Ulrich; Borgmeier, Raimund: Science fiction. Theorie und Geschichte, Themen und Typen, Form und Weltbild. Stuttgart 1981. Suvin, Darko: Métaphore/metonymie, ou le référent imaginaire. In: Metz, Christian (Hg.): Le signifiant imaginaire. Psychanalyse et cinema. Paris 1977, S. 177–371. Suvin, Darko: Metamorphoses of science fiction. On the poetics and history of a literary genre. New Haven 1979. Suvin, Darko: SF as Metaphor, Parable and Chronotope (with the Bad Conscience of Reaganism). In: Suvin, Darko (Hg.): Positions and Presuppositions in Science Fiction. London 1988, S. 185–213. Timm, Hermann; Wetz, Franz J. (Hg.): Die Kunst des Überlebens. Nachdenken über Hans Blumenberg. Frankfurt/M. 2006. Todorov, Tzvetan: Einführung in die phantastische Literatur. München 1972. Virilio, Paul: "Fahren, fahren, fahren…". Berlin 1978. Westfahl, Gary (Hg.): Space and Beyond: The Frontier Theme in Science Fiction. Westport 2000. Whittock, Trevor: Metaphor and Film. Cambridge. 1990. Wolfe, Gary K.: The Known and the Unknown. The Iconography of Science Fiction. Kent, Ohio 1979. Wünsch, Marianne: Die Fantastische Literatur der Frühen Moderne (1890-1930). Definition, Denkgeschichtlicher Kontext, Strukturen. München 1991. 28