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Predigtentwurf. Römer 13,8–14

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Predigtentwurf. Römer 13,8–14

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  1. 1. Examenspredigt Andreas Janke
  2. 2. Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig Landeskirchenamt Prüfungsabteilung Dietrich-Bonhoeffer-Str. 1, 38300 Wolfenbüttel, Germany Predigtentwurf zum zweiten theologischen Examen Römer 13,8–12 . (13–14) 1. Advent 2007 Vikar Andreas Janke An der Kirche 2, 38271 Baddeckenstedt, Germany andreas@janke-home.eu 12. 11. 2007 Korrigierte und angepasste Fassung vom 14. 1. 2013
  3. 3. Ich versichere, diese Arbeit ohne fremde Hilfe geschrieben, alle benutzten Hilfsmittel angegeben und alle wörtlichen wie inhaltlichen Anführungen aus der Literatur kenntlich gemacht zu haben.
  4. 4. Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis 1. Predigt 1 2. Überleitung 6 3. Voraussetzungen 6 3.1. Anlass . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 3.2. Ort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 3.3. Zeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 3.4. Text . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 3.5. Zeit und Text . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 3.6. Gemeinde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 3.7. Prediger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 4. Gestaltung 16 4.1. Entscheidungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 4.2. Predigtaufbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 4.3. Stilmittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 4.4. Liturgische Elemente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 A. Literatur I Abbildungsverzeichnis 1. Kirche St. Lambertus zu Groß Flöthe, Südostansicht, 9. 11. 2007 8 2. Kirche St. Lambertus zu Groß Flöthe, Blick vom Eingang in den Altarbereich mit Erntekrone, 9. 11. 2007 . . . . . . . . . . . . . . 9 i
  5. 5. 1. Predigt 1. Predigt Der Horizont leuchtet Liebe Gemeinde, heute ist der erste Advent. Der Duft von Zimt und Plätzchen liegt in der Luft. Kerzen wärmen die Seele. Ein neues Kirchenjahr beginnt. Die Tür ist geöffnet: Am Horizont leuchtet die Krippe. Gott kündigt an, dass er auf die Erde kommt. Er bleibt nicht fern und unsichtbar. Inferno Gott steht vor der Tür – was wird uns passieren, wenn er hereinkommt? Eigent- lich glauben wir ja, dass es schon gut gehen wird. Ich habe Alte und Kranke getroffen, denen Gott sehr nahe gekommen ist. Eine Frau fragt: Kann Gott nicht noch ein paar Jahre warten, bis er mich holt? Warum denn jetzt schon? Im Advent kommt Gott der ganzen Welt nahe. Vielleicht zu nahe. Warum denn jetzt schon? Am Ende der Tage drängelt die Frage: Genügen wir Gott? Was der Osten wusste, weiß der Westen noch lange nicht Deshalb spreche ich heute über das Gesetz. Ich beginne damit, wie wir es in unserer Kultur ansehen. Unsere Vorstellung vom Gesetz hier in Deutschland 2007. Dem stelle ich gegenüber, wie es sich aus dem Alten Testament erklärt und wie wir es in Teilen des Judentums finden – auch bei Paulus und Matthä- us. Natürlich: Das Alte Testament ist alt – wir sind modern. Der eigentliche Unterschied liegt aber darin, wie man im Osten und im Westen dachte. Bei uns ist die griechisch-römische Kultur angekommen: Entweder Gesetz oder Frohe Botschaft. In der jüdischen Tradition heißt es eher: Frohe Botschaft im Gesetz. Es ist eine lebensbejahende Grundhaltung. Law & Order !? Folgende Ansichten scheinen bei uns verbreitet zu sein: Wir brauchen Gesetze, um den Menschen zu zähmen. Ohne Gesetz geht alles drunter und drüber. Jeder würde machen, was er will. Auf Kosten der anderen. Gesetze schrecken ab, damit niemand einem anderen schadet. Sehen Sie: Ich wundere mich über dieses unglaublich schlechte Bild von un- seren Mitmenschen. Wir unterstellen erst einmal jedem, dass er am liebsten Böses tun will. Nur aus Furcht vorm Gesetz lässt er davon ab. Das ist doch 1
  6. 6. 1. Predigt komisch. Ich mag mir nicht vorstellen, dass Sie hier sitzen und eigentlich über- einander herfallen wollen. Niemand von Ihnen steckt gerade seine Finger in die Tasche des Nachbarn. Fürchte Dich, das Gesetz holt jeden Ja, ich weiß: Es gibt Menschen, die andere verletzen – gefährden – töten. Ich habe das hautnah erlebt: Als Schüler ging ich einmal zu einem Freund ins Nach- bardorf. Es war schon dunkel. Auf halber Strecke lief ich fünf jungen Männern in die Arme. Die hatten einfach nur Lust, mal jemanden aufzumischen. Die- ser jemand war ich. Aus zwei Gründen bin ich da nur mit einer gebrochenen Nase heraus gekommen: Erstens war ich keine leichte Beute, weil ich damals Karate trainierte. Zweitens wohnte eine Klassenkameradin nur 20 m entfernt. Ich konnte mich zu ihr retten. Diesen Männern war es in dem Moment egal ob es ein Gesetz gibt oder nicht. Das Gesetz als Abschreckung ist ein Teufelskreis. Immer wenn es nicht ge- nug abschreckt, müssen härtere Gesetze her, und noch härtere und irgendwann noch viel härtere. Wer Kinder großzieht, kann in diese Falle geraten. Irgend- wann fragt man sich, wie viel härter es noch geht. Was wir zuhause erleben, das gibt es auch in der Gesellschaft. In den Zeitungen können wir das gut ver- folgen. Damit leben wir: Denn wer keinen Dreck am Stecken hat, braucht sich nicht zu fürchten. Dieser Irrtum ist verbreitet. Die eigene Einschätzung zählt nichts vorm Gesetz, sondern die Worte des Gesetzes. Vor ihm hat wahrschein- lich jeder von uns zumindest ein wenig Dreck am Stecken: Hier mal falsch geparkt, da vielleicht einen Fernseher nicht bei der GEZ angemeldet. Wehe ei- ne falsche Regierung stellt gesunden Menschenverstand und Mitmenschlichkeit unter Strafe. Dann ist der Stecken ganz schnell voller Dreck. Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt Gesetze brauchen Gewalt, damit sie sicher gelten und durchgesetzt werden. Sie wirken immer erst im Nachhinein. Gesetze spüren wir, wenn wir mit ihnen in Konflikt geraten sind, oder wenn wir sie brauchen, um uns zu schützen. Die fünf jungen Männer wurden geschnappt und kamen vor Gericht. Sie waren am selben Abend noch in mehrere Wohnungen und Geschäfte eingestiegen, und meine Klassenkameradin hatte einen erkannt. Ich sollte Schmerzensgeld bekommen, aber wer nichts hat, kann nichts zahlen. 2
  7. 7. 1. Predigt Gib mir, was mir zusteht Das Gesetz gleicht aus. Genau ausgemessen bekommt jeder soviel, wie er vom anderen einklagen kann. Als ich anfing zu studieren, versuchte ich, vom Staat Geld nach dem BundesAusbildungsFörderungsGesetz zu bekommen. Dass das ein Kredit ist, beunruhigte mich damals nicht. Ich wollte studieren, nicht Hosen verkaufen, auf dem Markt stehen oder Computer flicken. Aber mein Antrag wurde abgelehnt. Der Sachbearbeiter riet mir, meine Eltern zu verklagen, wenn sie nicht den mir zustehenden Monatssatz zahlten. Das sei ganz selbstverständ- lich. War ich sprachlos! Für mich ist das eine der unglaublichen Geschichten. Meistens fängt man sie mit „Weißt du, was mir passiert ist?“ an. Für mei- nen Sachbearbeiter war das Alltag. Mich macht es traurig, wenn wir nur so miteinander leben. Leider nichts verstanden Diese Ansichten über das Gesetz hatten schon die alten Griechen und Römer. Bei uns wirken sie immer noch fort. Wenn die Römer Gesetz hörten, dann verstanden sie Strafprozess – Verurteilungen mit der Härte des Wortes. Gerade frisch Christen geworden, zerquetschte sie die Furcht vor Gott. So viele Gesetze und nur die Aussicht, den Strafprozess am Ende der Tage zu verlieren. Als erste Christen in Rom waren sie mit dem römischen Gesetz aufgewachsen. So stellten sie sich einen knöchernen Gesetzesgott vor. Der ließ sich nur mit dem Blutgeld Christi besänftigen. Ohne ihn – kein Freispruch für uns. Jede schädliche Tat musste bezahlt werden. Gott verkam zum Gesetzesmonster. Die Römer hatten die jüdische Idee des Gesetzes nicht begriffen. Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben Paulus kannte beide Welten. Er versuchte, den Römern das jüdische Gesetz zu erklären. Ihm war darüber ein Licht aufgegangen. Er schaute ihm ins Herz und fand dort seinen Sinn: Die Wertschätzung des eigenen Lebens und des Mitmenschen. Jeder weiß, was dem anderen gut tut. Und ich glaube, dass jeder spürt, wenn er oder sie einen anderen verletzt. Man kann das Liebe nennen: Mit abgesetzter rosaroter Brille und vom Plüschsofa auf Wolke 7 zur Erde zurückgekehrt. Ich sage wertschätzen, weil das besser zum griechischen Wort passt, das Paulus im Brief an die Römer benutzt: 8 Schuldet niemandem etwas, außer dass ihr einander wertschätzt. Denn der- jenige, der den anderen wertschätzt, hat das Gesetz angefüllt. 9 Denn das • Du wirst die Ehe nicht brechen. 3
  8. 8. 1. Predigt • Du wirst nicht morden. • Du wirst nicht stehlen. • Du wirst nicht begehren. und welchen anderen Auftrag es sonst gibt, das wird in diesem Wort zusam- mengefasst: • Du wirst deinen Nächsten wertschätzen wie dich selbst. 10 Die Wertschätzung tut dem Nächsten nichts Schlechtes an. Also ist die Wert- schätzung die Fülle des Gesetzes. 11 Und dieses wisst1 , weil ihr den Augenblick erkennt, dass schon die Stunde ist, dass ihr aus dem Schlaf aufsteht. Denn jetzt ist uns die Rettung näher als zu der Zeit, als wir gläubig wurden. 12 Die Nacht nahm zu, der Tag rückte herbei. Lasst uns also die Werke der Finsternis able- gen, und lasst uns anlegen die Werkzeuge2 des Lichts: 13 Lasst uns anständig umhergehen wie am Tage, nicht mit Gelagen und Besäufnissen, nicht mit Bett- hüpfen und Ausschweifungen, nicht mit Streitlust und Eifersucht, 14 sondern legt den Herrn Jesus Christus an, und die Fürsorge für das Fleisch macht nicht zur Begierde. [Röm 13,8–14] Die Fülle des Gesetzes: Das ist nicht der Strafprozess und die Verurteilung. Die Fülle des Gesetzes: Das ist, wenn Sie sich selbst und Ihre Mitmenschen wertschätzen. Das traue ich jedem von Ihnen zu. Sie tun es sowieso die meis- te Zeit. Und wenn wieder irgendwelches Gerede über härtere Gesetze in den Zeitungen steht, bewerten Sie es: Werden da Menschen wertgeschätzt oder ver- achtet? Alle Menschen. Überall. Wenn Menschen in Klassen und Hierarchien geteilt werden, wenn Ihnen Freiheit und Verstand abgesprochen wird, wenn sie zu Menschenfeinden und Nichtmenschen erklärt werden, dann wissen Sie, dass etwas schief läuft. Komm, ich helfe Dir, glücklich zu leben Wenn das Gute und die Wertschätzung in Befehle gepackt wird, dann sind das doch auch Gesetze. Ja, das ist richtig. Aber man kann doch nicht festschreiben 1 Eine andere mögliche Ergänzung der Ellipse „ist: ποιεῖτε (»tut«)“ [59, S. 75]. 2 Waffen wird üblicherweise übersetzt. Werkzeuge ist die allgemeinere Bedeutung. Im Deut- schen korrespondiert Werk–Werkzeuge besser als Werk–Waffen. Letzteres ist keine lo- gische Beziehung und bricht den vorgegebenen, logischen Licht-Finsternis-Dualismus: Werke und Waffen haben nichts miteinander zu tun. 4
  9. 9. 1. Predigt und einklagen, dass einer einen anderen wertschätzt und ihm Gutes tut. Auch das stimmt. Dann sind solche Gesetze doch menschenfeindlich, wenn Menschen sie gar nicht halten können. Das trifft unter einer Voraussetzung zu: Man versteht unter Gesetz nur die Hülle des Wortes. Wie Fesseln legt sie sich um einen. Ich habe aber gesagt, dass es auf den Inhalt ankommt. Das verdeutliche ich noch einmal an den Geboten, die Paulus zitiert: • Du wirst die Ehe nicht brechen. • Du wirst nicht morden. • Du wirst nicht stehlen. • Du wirst nicht begehren. Ich habe die Gebote so übersetzt, wie sie bei Paulus stehen, und er hat sie so aus dem Alten Testament. Wo wir lesen: Du sollst und Du sollst nicht, da steht Du wirst und Du wirst nicht. Der Unterschied ist klein, wenn man sollen so versteht: „Dir soll’s mal richtig gut gehen. Ich hab’ dir ’nen Wellness-Wochende im Harz gebucht.“ Der mahnende Zeigefinger sinkt zu Boden. Gott streckt uns seine Hand entgegen: Komm, ich helfe Dir, glücklich zu leben. Ich helfe Dir, glücklich zu leben – nicht „Leb gefälligst glücklich!“ oder „Sieh zu, wie du allein fertig wirst!“ Weniger ist manchmal mehr Was aber, wenn ich unglücklich bin? Habe ich dann etwas falsch gemacht oder hat sich Gott von mir zurück gezogen? Nicht wissen, wie’s weiter geht. Sich immer von allen angegriffen fühlen. Allein sein und kämpfen, kämpfen, kämpfen. Tiefe Angst. Man kann in Panik versuchen, sein Leben mit immer strengeren Regeln in den Griff zu bekommen. Paulus macht es genau anders herum: Er füllt alle detaillierten Regeln mit einem einzigen Inhalt. Er stoppt den Kreislauf von der Angst zu immer härteren Gesetzen.Und dann beschwört er den Ausweg herauf: Du wirst deinen Nächsten wertschätzen wie dich selbst. Nicht mehr, sondern weniger ist die Lösung. Dieser eine Satz ist das Rückgrat aller Gesetze – nicht, dass einer bei einem anderen in der Schuld steht. Wieder streckt uns Gott seine Hand entgegen. Wieder verspricht er: Komm, ich helfe Dir, glücklich zu leben. Schöne Adventszeit Dieser Gott steht vor der Tür – was wird uns passieren, wenn er hereinkommt? Unser Gott legt sich seit tausenden Jahren krumm, damit es uns gut geht. 5
  10. 10. 2. Überleitung Einmal hat er sich sogar in die Krippe gekrümmt. Ist in unsere Welt getreten und nicht vor der Tür stehen geblieben. Hat uns mit auf den Weg gegeben: Komm, ich will dir helfen, glücklich zu sein. Dann können wir uns ja auf ihn freuen. Ich wünschen Ihnen eine schöne Adventszeit. 2. Überleitung Am 2. 12. 2007 predige ich um 10.30 Uhr in der St. Lambertus Kirche zu Groß Flöthe zu Röm 13,8–12.(13–14). Die Predigt ist ein selbstständig wahrgenom- mener Teil kirchlichem Handelns. Deshalb habe ich sie vor die wissenschaftli- che Arbeit gestellt, damit sie auch hier möglichst eigenständig gelesen werden kann. Im Folgenden analysiere ich zuerst ihre Voraussetzungen. Im zweiten Schritt, der Gestaltung, stelle ich die Zusammensetzung dieser Voraussetzungen dar. In der Predigt setze ich diese um, auch wenn ich sie im Ablauf der Arbeit vorangestellt habe – diese Arbeit kann von der Predigt über die Analyse zur Predigt hin gelesen werden –. Eigene Übersetzungen des Predigttexts setze ich kursiv. So bin ich auch in der Predigt vorgegangen. 3. Voraussetzungen Jeder Predigt liegen die Dimensionen Anlass, Ort, Zeit, Predigttext, Gemein- de und Prediger zugrunde. Im Folgenden fasse ich deren Analysen getrennt voneinander zusammen. Manche Dimensionen interferieren miteinander: Zu den meisten Voraussetzungen steht die Gemeinde im wechselseitigen Verhält- nis. Dies stelle ich zum Schluss der betroffenen Abschnitte dar. Zeit und Text sind direkt aufeinander bezogen. Diese Beziehung fasse ich in einem eigenen Abschnitt zusammen. 3.1. Anlass Mein zweites theologisches Examen veranlasst diese Predigtarbeit. Auf 15 Sei- ten soll sie eine Predigt und „eine Zusammenfassung der exegetischen und homiletischen Entscheidungen enthalten“ [15, II.3]. Die Aufgabe umfasst keine Darstellung der systematisch-theologischen Entscheidungen. Aus der Examenssituation ergeben sich zwei Probleme: Erstens liegt der Gottesdienst weit in der Zukunft, so dass ich weder das Zeitgeschehen allge- mein noch das Dorfgeschehen speziell in die Predigt aufnehmen kann. Sie wird 6
  11. 11. 3.2. Ort dadurch allgemein. Zweitens bewirkt die Examenssituation, dass dieser Got- tesdienst außerhalb der normalen Zeit für den Gottesdienst stattfindet (s. auf Seite 11 . 15). 3.2. Ort Ich werde in Groß Flöthe predigen. Das Dorf liegt auf der Wahrnehmungsach- se3 Salzgitter-Bad–Wolfenbüttel. Zwar gehört es zur Samtgemeinde Oderwald, aber die lebendige Verbindung in den Rest der Samtgemeinde über Klein Flö- the hinaus ist durch die A 395 und den Oderwald-Höhenzug unterbrochen. Po- litisch gehört Groß Flöthe zum Landkreis Wolfenbüttel, kirchlich in den Pfarr- verband Flachstöckheim-Groß Flöthe-Klein Flöthe + Ohlendorf-Groß Mahner- Klein Mahner.4 Die kirchliche Zuordnung spiegelt das Heimatgefühl besser wieder, als die Zuordnung zur Samtgemeinde. Um den alten Dorfkern lagern drei Neubaugebiete. Diese werden z. T. von neu Hinzugezogenen bewohnt. Zum anderen Teil haben dort die jungen Ge- nerationen alteingesessener Familien gebaut. Die A 395 begünstigte diese Ent- wicklung, weil sie die anliegenden Dörfer mit Braunschweig, Wolfenbüttel und Goslar schnell verbindet. Flöthe ist damit quasi Vorstadtbezirk geworden. Kirchlich sticht das 1995 fertig bebaute Siedlungsgebiet „Pfarrwiese“ hervor. Dort sind neue Dorfbewohner hinzugezogen, die überwiegend in die Kirchen- gemeinde integriert werden konnten: In jedem Haus lebt mindestens ein en- gagiertes Gemeindeglied.5 Außerdem verfügt das Dorf noch über eine eigene wirtschaftliche Infrastruktur und einen Kindergarten6 . Es ist mehr als eine Schlafstätte für die Arbeiter der umliegenden Schwerindustrie. Die Kirche war ursprünglich romanisch errichtet [38]. Aus den Jahren 1506, 1746, 1786, 1859 und 1963 sind umfangreiche Umbauten bekannt [38, 39]. Die Arbeiten von 1859 und 1963 erforderten zuletzt 2006–2007 eine Sanierung des Turms und der Außenhaut der Kirche. Diese letzten Arbeiten führten dazu, dass die Kirche in Richtung Klein Flöthe weithin sichtbar ist. Die Umbauarbeiten haben einen Mischstil hervor gebracht [zum Folgenden s. 38]: Die romanischen Fenster wurden vergrößert, die romanischen Bögen zwischen Kirchturm und Kirchenschiff liegen heute wieder frei, sind aber ver- 3 Geographische Verortung von Menschen: Der Bereich, der ihnen im Blick ist und in dem sie ihr Leben überwiegend gestalten. 4 Ohlendorf und Mahner werden von Pfarrer Klosendorf betreut und gehören nicht zu mei- ner Vikariatsstelle. 5 Kirchenvorsteher, Kinderkirchenleiterin, Stickgruppenleiterin, allsonntägliche Gottes- dienstbesucher, . . . 6 Der Kindergarten konkurriert gelegentlich mit der Kirchengemeinde. 7
  12. 12. 3.2. Ort Abbildung 1: Kirche St. Lambertus zu Groß Flöthe, Südostansicht, 9. 11. 2007 glast. 1859 war die Kirche über die romanische Apsis hinaus erweitert und mit einer Sakristei ergänzt worden. Dabei wurde die Apsis entfernt. An ihre Stelle trat eine hölzerne Altarwand. 1963 wurde diese samt der wuchtigen Holzbän- ke wieder aus der Kirche entfernt. Über den Grundmauern der alten Absis wurde eine halbrunde Altarwand aus Stein errichtet. In ihrer Mitte erhebt sich ein Kruzifix, davor ist ein umgehbarer Altar aufgebaut. Diese Altarwand steht selbst frei, d. h. man kann ohne Hindernisse um sie herum gehen, und sie hat keinen Deckenkontakt. Der gesamte Altarbereich ist einheitlich durch eine grün ausgelegte Bühne zwei Stufen angehoben. Sie lässt die Altarwand so erscheinen, als stünde sie auf der grünen Wiese. Als Liturg und Prediger arbeitet man etwas über der Gemeinde. Im Übrigen versteckt die Altarwand die Lautsprecher der elektronischen Orgel. Zwischen dem Eingang und dem Kruzifix lässt nur der Altar optisch innehal- ten, so dass die Kirche wie ein Trichter wirkt. Die fokussierte Beleuchtung des Kruzifixes verstärkt diesen Eindruck. Vom Eingang aus gesehen ist das Lese- pult links und der Taufstein rechts schräg vor der Altarwand aufgebaut. Beides passend zum Steinstil der neuen Altarwand und des Altars. Das Lesepult, den Altar und die Stirnseiten der Altarwand zieren seit diesem Jahr in der Trinita- 8
  13. 13. 3.2. Ort Abbildung 2: Kirche St. Lambertus zu Groß Flöthe, Blick vom Eingang in den Altarbereich mit Erntekrone, 9. 11. 2007 tiszeit Antependien, die in kleinteiliger Patchworkarbeit von Gemeindegliedern selbst hergestellt wurden. Sie erleichtern die vorherrschende Steinschwere. Mit der Adventszeit kehrt sie zurück, weil nur der Altar violett behängt ist. Nachdem der Taufengel von 1746 restauriert worden ist, schwebt er wieder seit dem 17. 9. 2007 über dem Taufstein. Die Kirchenbänke entsprechen dem 1960-er-Jahre Stil: Schwere, schwarze Eisenrohrrahmen mit solidem Holz. Dar- auf liegen rote Sitzpolster. Alle Bänke sind beweglich, so dass der Kirchenraum zu besonderen Anlässen7 umgebaut werden kann. Der Kirchraum vermittelt einerseits den Eindruck steinschwerer Unbeweg- lichkeit. Andererseits steckt er voll mit Anzeichen, dass er sich ständig wandelt. Dadurch charakterisiert und formt er eine dörf‌liche Gemeinde, die einerseits ein hohes Beharrungsvermögen hat, andererseits weder ein Museum ist noch sein will. Eine Austellung anlässlich des Tags des offenen Denkmals 2006 mit ver- schiedenen Innen- und Außenansichten der Kirche aus verschiedenen Zeiten förderte zu Tage, dass die Groß Flöther Kirche kaum eine Generation lang gleich ausgesehen hat. Sie wurde immer angepasst. Das zeigt, dass die Ge- meinde mit und in ihrer Kirche lebt. Dieser Prozess geht nach wie vor weiter. Insbesondere die (liturgische) Kunst in der Kirche entsteht in der Ortsgemein- 7 Tischabendmahl, Ausstellungen, . . . 9
  14. 14. 3.3. Zeit de durch ihre Glieder. Der Mischstil bezeichnet auch eine Gemeinde, in der nicht alle das gleiche Glaubensprofil haben, sondern in dem mehrere Profile z. T. spannungsvoll miteinander auskommen. 3.3. Zeit Der Gottesdienst am ersten Advent eröffnet das neue Kirchenjahr. Die drei vorausgehenden Sonntage und der Buß- und Bettag kreisten thematisch um das Weltgericht mit dem Höhepunkt im Ewigkeitssonntag. Der Buß- und Bet- tag kann als notwendige Vorbereitung für die Ewigkeit aufgefasst werden. Die Adventszeit dreht das Rad weiter: Von der abstrakten, fernen Endzeitvorstel- lung geht sie in die Naherwartung des wiederkehrenden Christus über – in die endgültige Ankunft Gottes auf Erden. Der erste Advent öffnet die Tür in diese Vorstellung. Er verschränkt die Freude über Gottes fast schon spürbare Nähe mit der Frage, ob wir Gottes Ansprüchen genügen. Eigentlich ist es eine dra- matische, kritische Zeit, auf die büßend, betend und hoffend reagiert werden sollte, so die hergebrachte Vorstellung zur Adventszeit [57, S. 681 f.]. Viele Gottesdienstbesucher erkennen den Umschwung der Zeiten: Der Ewig- keitssonntag war für sie der letzte schwere Sonntag im Jahr. Mit dem ersten Advent beginnt die Kerzenscheinzeit, in der man leckeres Weihnachtsgebäck in der Familie backt und nascht. Der Advent ist zwar durch Weihnachtsfeiern, Ge- schenkeinkäufe und mancherlei Familientreffen mit Stresspunkten durchsetzt, aber trotzdem dominiert der Anspruch auf eine harmonische Grundstimmung. Freilich gibt es in einigen Familien Probleme, und in Flöthe werden einige Menschen das erste Mal Advent und Weihnachten ohne ihren Lebenspartner feiern. Einsamkeit und Familienstreit widersprechen der Grundannahme, dass die Advents- und Weihnachtszeit schön sein sollte. So verstärkt sie die latenten Alltagsprobleme. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Menschen der kirchlich gewollten Auf‌fassung über die Adventszeit näher kommen, sondern dass sie ein Defizit zur anderen Idee des Advents empfinden. Dass sich die Gemeindeglieder Harmonie wünschen, ist eine Reminiszenz an die althergebrachte Adventsinterpretation: Zur Buße gehört die Umkehrt des Lebenswandels. Diese Idee drückt sich nach wie vor darin aus, menschenfreund- licher und spendenbereiter zu sein. Trotzdem bleibt eine deutliche Spannung zwischen der kirchlichen Bußzeit und der Freudenharmoniezeit der Gemeinde- glieder bestehen. Im Advent reihen sich im Pfarrverband besondere Gottesdienste bis Heilig Abend. Der erste Adventsgottesdienst ist in Groß Flöthe mit keiner speziel- len Tradition belegt, aber mit der Erwartung, dass etwas Außergewöhnliches 10
  15. 15. 3.4. Text passieren wird. Trotzdem kommen vielleicht sogar weniger als die üblichen Got- tesdienstbesucher, weil zum einen der Gottesdienst sonntagmorgens außerhalb des üblichen Zeitrhythmus8 stattfindet, weil zum anderen am Nachmittag der traditionelle Lichtergottesdienst in Flachstöckheim gefeiert wird. Eigentlich ist es üblich, dass im Pfarrverband nur der besondere Gottesdienst gefeiert wird und die anderen Gemeinden dorthin eingeladen werden. Am ersten Advent wäre das der Lichtergottesdienst in Flachstöckheim. Bei der Gottesdienst- und der Examensplanung war das jedoch nicht klar, so dass jetzt um 9.00 Uhr der Sonntagsgottesdienst in Klein Flöthe gefeiert wird, der Gottesdienst in Groß Flöthe eine halbe Stunde nach hinten auf 10.30 Uhr geschoben ist und der eigentliche Hauptgottesdienst des Pfarrverbands erst nachmittags in Flach- stöckheim stattfindet.9 3.4. Text Der Predigttext Röm 13,8–12 . (13–14) schließt direkt an die Argumentation Röm 13,1–7 an. Signale für einen Neueinsatz fehlen. Deshalb grundieren V. 6–7 den verneinten Imperativ ὀφείλετε in V. 8: Schuldet niemandem etwas bezieht sich sowohl auf die materielle als auch auf die immaterielle Dimension des Zusammenlebens. In einer Gesellschaft, die aus materiellen und immateriellen Schuldigkeiten die Rechte und den Status von Menschen begründet [vgl. 21, S. 265.267–270], bedeutet Schuldenfreiheit soziale Freiheit [vgl. 21, S. 271]. Da- mit bündelt V. 8 den Obrigkeitspositivismus in Röm 13,1–7 in dem Ziel, das System der Schuldigkeiten auszugleichen und frei zu sein, ohne das System aussichtslos zu bekämpfen. Da Paulus einen Imperativ Präsens setzt, bleibt dieser Auftrag zur Freiheit fortwährend aktuell. Mit εἰ μὴ . . . ἀγαπᾶν wehrt Paulus den gesellschaftlichen Zerfall ab. Denn wenn in einem an Schuldigkeiten orientierten System alle Schuldigkeiten dau- erhaft ausgeglichen sind, dann schuldet niemand mehr irgendjemandem etwas. Dann können daran weder Rechte noch Status ausgewogen werden. Das gesell- schaftliche Koordinationssystem wäre zerbrochen. Einiges spricht dafür, dass das in Rom ein Problem geworden war und zur Judenverbannung unter Clau- dius geführt hatte. Spätestens seit seinem Aufenthalt in Korinth wusste Paulus von diesen Unruhen durch Aquila und Priszilla [Apg 18,2 f.][21, S. 10 f.]. Einan- der wertschätzen ist nicht im Sinne von Schulden aufrechenbar und trägt eine Gesellschaft in sozialer Freiheit. 8 Durch die drei Predigtstätten rotierend: 9.00 Uhr, 10.00 Uhr, 11.00 Uhr. 9 Zur Begründung s. auf Seite 15. 11
  16. 16. 3.4. Text ᾿Αγαπάω in den Versen 8–9 und ἀγάπη in V. 10 ist die eine tragende Wortli- nie. Die meisten deutschen Übersetzungen geben es mit lieben wieder. Lieben in Bezug auf Menschen ist im derzeitigen Sprachgebrauch vor allem auf die Beziehung von Lebenspartnern und den engsten Familienkreis begrenzt. Da- bei ist das Wort schon im familiären Kontext oft unangebracht. Es meint eine starke, emotionale Beziehung bis ins Körperliche hinein. In unserer Zeit ist das Wort mit zwei unterschiedlichen Linien verbunden: Auf der einen Seite umge- hen moderne Menschen dieses Wort, weil Bindungen wenig gefragt sind und man sehr vorsichtig ist, wenn es doch zu einer kommt. Öffentliches Lieben löst Unwohlsein aus. Auf der anderen Seite wird Liebe inflationär veröffentlicht, verflacht und löst Voyeurismus aus. Die Bedeutungsmöglichkeiten von ἀγαπάω gehen in eine andere Richtung: Es drückt achten, wertschätzen, höf‌lich und zufrieden sein aus [vgl. 55, S. 36 f.]. Die Septuaginta verzerrt das griechische Wort, indem sie damit einheitlich das hebräische Lieben wiedergibt [55, S. 39]. So reicht es von der puren Lust bis hin zur Hochachtung Gottes und von der Liebe zwischen Ehepartnern bis zur Liebe Gottes zu Israel [55, S. 38 f.]. Lediglich die kultische Liebe bleibt ausgeschlossen [55, S. 38]. Da Paulus die Septuaginta zitiert,10 ist bei ihm ihr volles Spektrum des Wortgebrauchs mög- lich. Ob er jedoch an dieser Stelle alles mitdenkt, ist schwer zu entscheiden. Wenn er es tut, dann schließt „Die Fülle des Gesetzes ist die Liebe“ [Röm 13,10] die Liebe zu Gott und Gottes Liebe zu den Menschen ein. Die emotionalen, erotischen und körperlichen Konnotationen sind in dieser allgemeinen, auf das Gesetz bezogenen Formulierung eher nicht gemeint. Deshalb gebe ich ἀγαπάω in seinem griechischen Bedeutungshorizont mit wertschätzen wieder. Πληρόω in V. 8 und πλήρωμα in V. 10 bilden die zweite tragende Wortlinie. Sie bezieht sich direkt auf die ἀγαπάω-Linie. „ »Erfüllen« heißt nicht »erledi- gen«, sondern den in Worten umrissenen Raum mit Wirklichkeit auszufüllen, sei es nun eine Verheißung oder ein Gebot.“ [21, S. 272]. Paulus erhält die de- taillierten Einzelgebote [21, S. 272], aber nicht als auszuführende Worthülsen. Vielmehr helfen die Worte nur, die Wirklichkeit handhabbar zu machen, in diesem Fall die Wertschätzung seiner selbst und des Anderen. Die Beurteilung des Perfekts πεπλήροκεν in V. 8 ist schwierig. Das Perfekt bringt als Perfekt wenig Sinn. Kombiniert mit dem substantivierten Partizip Präsenz ὁ ἀγαπῶν liegt eine gnomische Bedeutung nahe [21, S. 272]. Allerdings gibt es das gno- mische Perfekt in unserem Griechischen fast nicht [8, § 344.2]. Da Paulus ein Mann zwischen den Kulturen ist, kann er auch hier vom alttestamentlichen Sprachgebrauch her das Perfekt gnomisch gebrauchen, wie es darin üblich ist. 10 Zum Beispiel V. 9: ᾿Αγαπήσεις τὸν πλησίον σου ὡς σεαυτόν ist aus LXX Lev 19,18 zitiert. 12
  17. 17. 3.4. Text Dann zementiert Paulus als Faktum, dass jeder, der immerfort (Part. Präs.) den anderen wertschätzt, das Gesetz mit Wirklichkeit anfüllt.11 Als Faktum meint er das ernst [gegen 21, S. 272]. Gegen die Verse 1–7 löst sich Paulus von der zeitgebundenen Situation in Rom und stellt dieser die Wertschätzung als immergültige Wirklichkeit des Gesetzes entgegen. Der νόμος in V. 8 ist ein Signalwort. In römische Richtung gliedert sich daran Ruhe und Ordnung, aber auch Ehre und Ehrenbezeugung an, die mit harten juristischen Mitteln aufrecht erhalten wurden [vgl. 21, S. 267 ff. 273]. Zumin- dest der erste Teil hat sich bis nach Deutschland ins Jahr 2007 durchgetragen [vgl. 21, S. 269]. Im römischen Verständnis ist es sinnvoll, ihn als Gegenbegriff zum Evangelium zu gebrauchen. Bei Paulus funktioniert das nur begrenzt. In V. 8 setzt er νόμος als Scharnier zwischen der römischen Gesetzlichkeit V. 1–7 und dem alttestamentlichen Gesetz pars pro toto V. 9. Ich denke, das beabsich- tigt, die römische Gesetzlichkeit aufzuhebeln und umzuinterpretieren. Deshalb steht der Text hinter der römischen Gesetzlichkeit. Es ist sein Versuch, in den römischen νόμος das jüdische Wissen um die lebensbejahende Kraft Gottes und den lebensfördernden Umgang mit sich und miteinander einzuführen. Römer 13,11–14 kann in der Licht-Finsternis-Metaphorik gelesen werden. Darum ranken sich Phantasien über die Endschlacht zwischen Licht und Fins- ternis. Die christlichen Bodentruppen Gottes hätten ihre Lichtwaffen anzu- legen, um in den bevorstehenden Krieg ziehen zu können [vgl. 21, S. 273 f.]. Jedoch war Paulus zur Abfassungszeit des Römerbriefs ein weitgereister Welt- bürger. Er hatte höchst wahrscheinlich eine sehr genaue Vorstellung vom Groß- stadtleben und wusste, was die Menschen darin tagsüber taten, und was sie nachts trieben. Da es ihm um den lebensbejahenden Aspekt des Gesetzes geht, kann er situationsbezogen meinen, dass die Lebensweise des Tags gesünder für einen selbst und für den Nächsten ist als die Lebensweise der Nacht [vgl. 21, S. 274 f.]. Diese sehr konkrete Vorstellung verbindet er mit seiner Heilsvorstel- lung: Er will die wertschätzende Lebensweise des Tags in die Nacht bringen. Wie er schon für den Staat und das Gesetz dargestellt hat, geht es ihm um die sofort umgesetzte Gesundung, die vom zukünftigen Heil her vorgegeben wird. Das ganze bündelt er in Jesus Christus. Wie die Rabbinen und Matthäus die heilsame Lebensweise von Gott her bestimmen, so bestimmt sie Paulus von Christus her. Dazu gebraucht er das Bild, Jesus Christus anzuziehen. Er ist dann auch der vereinende Punkt der Christen. 11 Im üblichen Griechisch wäre für diese Sinnrichtung ein Aorist zu erwarten – aber kann von Paulus übliches Griechisch erwartet werden? 13
  18. 18. 3.5. Zeit und Text 3.5. Zeit und Text Römer 13,8–14 liegt in der Perikopenreihe II. Der Text ist die Epistel und gehört damit alljährlich als Lesung in den Gottesdienst zum ersten Advent. Wegen meines Examens predige ich außer der Reihe mit diesem Text. Er reiht sich in die Ankündigungen der anderen Texte ein, dass der Herr kommen wird, und er verbindet das Thema Gesetze mit dem nahenden Gott. Damit greift er den Faden der alttestamentlichen Lesung auf, in der Recht und Gerechtigkeit als Heilskategorien stehen. Insgesamt verbinden sich die Texte sehr dicht zu einer Aussicht auf den nahenden Gott mit der Frage, ob wir vor Gottes Recht und Gerechtigkeit bestehen können. Genau das ist der Punkt, der das Tor in die Adventszeit öffnet und den Advent auf die Ebene der Na- herwartung hebt. Diese Fragen sind zu stellen, bevor man sich auf Gott freuen kann – oder ihn fürchtet –. Der Text bietet den Gottesdienstbesuchern andererseits die Wertschätzung ihrer selbst und ihrer Nächsten an. Damit erfüllt er ihre Erwartungen, bzw. ihre Vorfreude auf einen harmonischen Advent. Der Römertext ist das Scharnier zwischen beiden Erwartungshorizonten. Ich gehe davon aus, dass die Gemeinde diesen Text in der Luther-Übersetzung kennt. Er enthält einige typische Sätze, die so oder so ähnlich auch woanders stehen, und die jeder schon einmal gehört hat. Als Epistel gehört er zu den Texten, die jedes Jahr wiederkehren, so dass von ihm mit den Jahren etwas hängen geblieben sein dürfte. Da die Adventszeit emotional belegt ist, kann daraus eine zusätzliche Erinnerungsbrücke entstanden sein. Anstelle der Übersetzung wertschätzen sind die Gemeindeglieder lieben ge- wöhnt, und die futurische Übersetzung der Gebote dürfte ihnen auch fremd sein. Diese Futura lenken den Blick in die Zukunft des Advents und geben für ihn eine Zusage. 3.6. Gemeinde In Groß Flöthe gehen Menschen aller Lebensalter in die Kirche. Einige stam- men aus alteingesessenen Familien, andere sind erst durch den Zweiten Welt- krieg nach Flöthe gekommen oder sind Kinder von Flüchtlingen. Manche sind auch noch später in den Ort gezogen. Beruf‌lich orientieren sich die Gemeinde- glieder sowohl in die umliegenden Städte in unterschiedlichen Berufszweigen als auch in den Ort selbst. Das Spektrum der Berufsqualifizierung reicht von der Berufsausbildung bis hin zu akademischen Graden. Die Geschlechter halten sich gut die Waage. Ich erwarte eine gemischte Gemeinde im Gottesdienst. 14
  19. 19. 3.6. Gemeinde Trotz der Vielfalt treffen sich viele Gemeindeglieder darin, ortsverbunden zu sein. Sie sind teilweise bewusst nicht weggezogen, teilweise bewusst zugezo- gen. Daraus schließe ich, dass sie das Dorf‌leben dem Stadtleben vorziehen. Sie haben sich für das dörf‌liche Beharrungsvermögen mit einem Spritzer Moder- nisierungsdrang entschieden: Eine Oase der Stille für Ohren und Geist. Diese Haltung findet politisch ihren Ausdruck in der Mandatsverteilung im Gemein- derat: Sieben Sitze entfallen auf zwei ortsverbundene Wählergemeinschaften, vier auf die überregionale SPD [43]. Im Gottesdienst kommen beide Impulse zusammen, wobei der modernisierende mehr Gewicht hat – schon die ständigen Umbauten der Kirche machen sichtbar, dass Kirche und Entwicklung in Groß Flöthe zusammengehören –. Die Gemeindeglieder schauen in mehreren Berei- chen über den Tellerrand: In der Partnerschaft mit Poulton-le-Fylde [s. 44], im KFS und in der Kooperation mit den Umlandgemeinden. Die Verbindungen in die Nachbarschaft wurzeln tief. Zwischen den Dörfern gibt es familiäre und freundschaftliche Beziehungen, und die Pfarrer arbeiten in diesem Gebiet eng zusammen. Sie treffen sich monatlich in einem Regionalkonvent, im Jahr fin- den mehrere gemeinsame Veranstaltungen statt, es gibt jährlich eine Zeit des Kanzeltauschs, Andachten und Themenartikel für die Gemeindebriefe werden untereinander ausgetauscht, und der Konfirmandenunterricht wird teilweise gemeinsam organisiert. Die Gemeinde Flachstöckheim kam im Juli 2007 in den Pfarrverband. Die Groß Flöther waren daran gewöhnt, die größere und tonangebende Gemeinde zu sein. Flachstöckheim ist jedoch etwa gleich stark. Auch wenn diese Ge- meinde den Propstsitz und damit den eigenen Pfarrsitz verloren hat, erwarten die Gemeindeglieder eine nahtlose Fortsetzung der vertrauten Organisation. Im ersten gemeinsamen Jahr kann es zu Koordinationsstörungen kommen wie z. B. am ersten Advent. Viele Gemeindeglieder haben eine fundierte theologische Kompetenz.12 Sie sind mit dem KFS groß geworden, sei es als TeilnehmerIn, sei es als TeamerIn. Wieder andere sind in der Frauenhilfe, in der Kinderkirche oder im Kirchen- vorstand aktiv (gewesen). Da Sie meine Predigtarbeit lesen, sind Sie ein Teil meiner Gemeinde. Jeder von Ihnen ist ein theologischer Spezialist mit spezifischem theologischen Profil. Die Predigt ist Ihnen in einem anderen Medium (Schrift statt Schall) und in einem anderen Kontext (Wissenschaft statt Gottesdienst, andere Zeit, ande- rer Ort, andere Beziehungsstruktur) als der Gottesdienstgemeinde zugänglich. 12 Eine Frau ist die Stellvertretende Vorsitzende der Theologischen Kammer der Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig. 15
  20. 20. 3.7. Prediger Deshalb haben Sie andere Rezeptionsvoraussetzungen als die Gottesdienstbe- sucher. Vor Theologen zu predigen, ist ein potentieller Lehrstreit. 3.7. Prediger Ich bin in Flöthe seit dem 1. 7. 2006 Vikar. Seitdem war ich mit Unterbrechun- gen sieben Monate und eine Woche in der Gemeinde. Meinen letzten normalen Gottesdienst feierte ich mit den Flöthern und Flachstöckheimern am 5. August. Am 9. September taufte ich im Gottesdienst eine von drei Frauen, die ich vor- her im Taufunterricht mit begleitet hatte. So liegt der letzte Gottesdienst in dieser Gemeinde weit zurück. Zudem lebe ich bei meiner Familie in der Kirchengemeinde Baddeckenstedt ca. 24 km entfernt auf der Wahrnehmungsachse Hildesheim–Goslar. Die Flöther und die Baddeckenstedter Wahrnehmungsachsen touchieren sich in Salzgitter- Bad, aber aus Flöther Sicht komme ich aus dem unbekannten Land hinterm Berg. Wie schon die politische Neigung zu den ortsverbundenen Wählerge- meinschaften zeigt, ist das ein Problem. Die Neuorganisation des Pfarrverbands bekam ich aus der Entfernung des Predigerseminars und der Examensklausur mit. Meine stärkste Verbindung nach Flöthe ist der Kirchenchor Cantus Lambertus, in dem ich auch während der Examenszeit möglichst wöchentlich mitgesungen habe. Darin sind viele auch sonst aktive Gemeindeglieder. Im Dorf‌leben gelte ich als Vater gleichsam als richtiger, bodenständiger Er- wachsener. Die Gemeinde verfolgte mit großem Interesse die Zeit bis zur Geburt meines zweiten Kindes. Wenn ich von meiner Familie nach Flöthe begleitet wer- de, ergeben sich automatisch sehr dichte Gespräche mit den Gemeindegliedern. Bodenständigkeit wird mit Glaubwürdigkeit zusammengedacht. 4. Gestaltung 4.1. Entscheidungen Der erste Advent pendelt zwischen der Eröffnung der kirchlichen Buß- und Krisenzeit einerseits und der gewünschten harmonischen „Kuschelzeit“ der Ge- meindeglieder andererseits. In der Predigt soll beides Platz haben. Ich versuche zwischen diesen beiden Positionen eine Brücke zu schlagen. Römer 13,8–14 behandelt die Themenbereiche: Der Tag der Endzeit ist nahe- gekommen, Gesetzlichkeit und Wertschätzung/Liebe, wobei letztere bereits im Gesetz enthalten ist. Das übergreifende Thema der Predigt und des Gottes- dienstes ist der nahende Gott. Dieser Gedanke liegt zwar dem alltäglichen 16
  21. 21. 4.2. Predigtaufbau Empfinden fern, aber die kurze Adventszeit lang kann er zugemutet werden. Das Kirchenjahr bietet andere Tage, an denen die pure Freude Thema sein soll- te. Auf der Grundlage der kommenden Einkehr Gottes in die Welt will ich die Position der juridischen Gesetzlichkeit aufbrechen und zeigen, dass im Gesetz bereits die Wertschätzung und die Zuwendung der Menschen zueinander und Gottes zu den Menschen steckt. Damit will ich einerseits die zwischenmensch- lichen Beziehungen entlasten und andererseits Freude auf den nahenden Gott wecken. Daran kann das Bedürfnis nach Harmonie anschließen. Römer 13,13–14 wegzulassen würde dieses Bestreben unterstützen. Aber da- von abgesehen gibt es keine guten Gründe, es zu tun. Insbesondere endete der Text ohne diese Verse auf den Werkzeugen des Lichts, ohne sie zu konkretisie- ren. Das könnte Endschlachtphantasien beflügeln. Römer 13,13–14 erdet diese ausschweifende Vorstellungskraft. Deshalb lese ich beide Verse mit vor. 4.2. Predigtaufbau Im Groben lege ich die Predigt dreiteilig an: Ich beginne mit dem Gesetz wie wir es in unserer Kultur wahrnehmen. Da es eng an die römischen Vorstellungen anschließt, trifft der Brief des Paulus auch heute noch. Den Predigttext setze ich als Scharnier. Es entlastet alle Seiten, wenn auf das Heute eine fremde Stimme reagiert. Im dritten Teil will ich den strafenden und Schuldigkeiten ausgleichenden Charakter des Gesetzes durch seinen lebensbejahenden und -fördernden Charakter ersetzen. Daran will ich die von der Gemeinde erwartete, harmonisch-frohe Stimmung der Adventszeit anschließen. Im Übrigen folge ich mit diesem Ablauf der Reihenfolge von Röm 13: Die Verse 1–7 legen zuerst eine strenge Gesetzlicheit vor, die dann in den Versen 8–12 verwandelt wird. Die Verse 13–14 können in eine neue, strenge Gesetzlich- keit führen. Das ist nicht gemeint und kann nur durch weitläufige Erklärungen abgefangen werden, wenn ich diese Verse stark machen würde. Deshalb deute ich sie nur an und interpretiere sie implizit mit dem Übergewicht der heilsamen Gesetzlichkeit. Die Feinstruktur können Sie den Zwischenüberschriften in der Predigt ent- nehmen.13 Ich umkreise die groben Themen mit mehreren dazugehörenden Aspekten wie bei einer Mindmap. Ich verankere die Aspekte in den Themen durch gleiche oder ähnliche Anfänge der Abschnitte. Weiterhin verbinde ich mit Wiederholungen die Aspekte mit ihrem Kernthema. 13 Die Überschriften trage ich nicht vor. 17
  22. 22. 4.3. Stilmittel 4.3. Stilmittel Ich steige sanft und erwartungsgemäß in die Predigt ein, entwickle dann aber schnell das Thema des nahenden Gottes. Damit versuche ich die Adventser- wartungen der Gemeinde einerseits aufzunehmen, andererseits aber nicht zu stark zu machen, sondern in die kirchliche Vorstellung des Advents umzuleiten. So will ich eine Spannung erzeugen, die zum Nachdenken anregt. Römer 13 ist ein argumentierender, ermahnender Text. Dieser Stil ist mit der Bedeutung des Textes verwoben. Deshalb klingt er auch in meiner Predigt an: Streckenweise gehe ich verallgemeinernd, argumentativ vor. Dazu gehört, dass ich einen Überblick über den Verlauf der Predigt gebe. Darüber hinaus unterbreche ich diesen Stil mit berichtenden, biographischen Einwürfen. Darin konkretisiere ich Fragen zur Gesetzlichkeit, die in Form des Berichts plastischer und verständlicher sind. Der Predigttext in der Mitte der Predigt ist ein Mittel, mit dem ich die beiden Hälften voneinander trennen und zugleich ihre Beziehung zueinander halten kann. Nach vorn hin beendet er ein Thema, nach hinten hin liefert er Stoff für den Neueinsatz und die Uminterpretation des Gesetzes. Ich lese den Text nach meiner Übersetzung vor. Die Hörer sind die Luthersprache gewöhnt, so dass eine andere Übersetzung einerseits irritiert, andererseits aber gerade dadurch zum genaueren Hinhören anregt. An einigen Stellen arbeite ich mit positiven Zusprachen. Sie sollen Wirklich- keit beschreiben und ggf. schaffen. Dieses Mittel hat jedoch die Grenze, dass es auch als (positive) Unterstellung aufgefasst werden kann. 4.4. Liturgische Elemente Der nahende Gott ist ein Grundthema des Gottesdienstes. Es ist mein Leit- kriterium für die Auswahl der Lieder und Gebete und spiegelt sich in den Lesungen wieder. Da die Epistel in der Predigt vorkommt, vermeide ich die Verdopplung und setze stattdessen an ihre Stelle die alttestamentliche Lesung. Sie ergänzt die Lesereihe sehr gut und trägt zu einem runden Gesamtbild bei. Ich werde den Gottesdienst zusammen mit dem Kirchenchor Cantus Lam- bertus gestalten. Er wird u. a. das Wochenlied EG 16 singen. Dieses Lied nimmt die Zeit, den Predigttext und meine Predigt auf und eröffnet musikalisch einen weiteren Zugang zur Thematik. Da die Epistel an der Position der Predigt steht, ist es sinnvoll, auch dieses Wochenlied an die Predigt umzustellen, da- mit es seine verbindende und öffnende Wirkung entfalten kann. 18
  23. 23. A. Literatur A. Literatur [1] Aland, Kurt (Hrsg.) ; Aland, Barbara (Hrsg.) u. a.: Novum Testa- mentum Graece. Apparatum criticum novis curis elaboraverunt Barbara et Kurt Aland una cum Studiorum Textus Novi Testamenti Monasterii Westphaliae. 27., überarb. Aufl. 1993. – ISBN 3-438-05100-1 [2] Balz, Horst (Hrsg.) ; Schneider, Gerhard (Hrsg.): Exegetisches Wör- terbuch zum Neuen Testament. Bd. 3. παγιδεύω–ὠφέλιμος. 2., verb. Aufl. mit Literaturnachträgen. Stuttgart : Kohlhammer, 1992. – ISBN 3-17- 012191-X, 3-17-011205-8 I, II, III, IV, V [3] Balz, Horst (Hrsg.) ; Schneider, Gerhard (Hrsg.): Exegetisches Wör- terbuch zum Neuen Testament. Bd. 1. ᾿Ααρών–῾Ενώχ. 2., verb. Aufl. mit Literaturnachträgen. Stuttgart : Kohlhammer, 1992. – ISBN 3-17-012191- X, 3-17-011205-8 II, III, IV [4] Balz, Horst (Hrsg.) ; Schneider, Gerhard (Hrsg.): Exegetisches Wör- terbuch zum Neuen Testament. Bd. 2. ἐξ–ὀψώνιον. 2., verb. Aufl. mit Lite- raturnachträgen. Stuttgart : Kohlhammer, 1992. – ISBN 3-17-012191-X, 3-17-011205-8 II, III, IV [5] Bauernfeind, Otto: ἀσέλγεια. In: [29], S. 488 [6] Behm, Johannes: προνοέω, προνοία. In: [28], S. 1004–1011 [7] Bergmeister, Roland: περιπατέω. In: [2], S. 177–179. – ISBN 3-17- 012191-X, 3-17-011205-8 [8] Blass, Friedrich ; Debrunner, Albert ; Rehkopf, Friedrich: Gramma- tik des neutestamentlichen Griechisch. 17. Aufl. Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht, 1990. – ISBN 3-525-52106-5 12 [9] Bornemann, Eduard ; Risch, Ernst: Griechische Grammatik. 2. Aufl. 1978. – ISBN 3-425-06850-4 [10] cid – christliche internet dienst GmbH ; Hanna, Munir: Bibel Online. Text nach der revidierten Lutherübersetzung 1984. – URL http: //www.bibel-online.net/. – Zugriffsdatum: 2007-11-06 [11] Conzelmann, Hans: σκότος, σκοτία, σκοτόω, σκοτίζω, σκοτεινός. In: Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament Bd. 7. Σ. Stuttgart : Kohlhammer, 1964, S. 424–446 I
  24. 24. A. Literatur [12] Delling, Gerhard: πλήρωμα. In: [18], S. 297–304 [13] Delling, Gerhard: πληρόω. In: [18], S. 285–297 [14] Dormeyer, Detlev: ἐγγύς. In: [3], S. 897–899. – ISBN 3-17-012191-X, 3-17-011205-8 [15] Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig, Landessynode: Richtlinien des Prüfungsamtes zur Zweiten theologi- schen Prüfung in der Fassung vom 2. April 1986 (AB1. S. 127) – mit Änderungen vom 21. Februar 2005 (AB1. S. 83). In: Schnelle, An- ja (Hrsg.): Rechtssammlung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig. Luchterhand, Wolters Kluwer, 2006, Kap. 415.1. – ISBN 978-3-472-00040-2 6 [16] Evangelische Kirche in Deutschland (Hrsg.): Die Bibel. Nach der Übersetzung Martin Luthers. rev. Fassung 1984, durchges. Ausg. 1999. – ISBN 3-438-01031-3 [17] Evangelische Kirche in Deutschland (Hrsg.) u. a.: Evangelisches Gesangbuch. Ausgabe für die Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Nie- dersachsen und für die Bremische Evangelische Kirche. Hannover; Göt- tingen : Verlagsgemeinschaft für Das Evangelische Gesangbuch Nieder- sachsen/Bremen, 1994 [18] Friedrich, Gerhard (Hrsg.): Theologisches Wörterbuch zum Neuen Tes- tament. Bd. 6. Πε–Ρ. Stuttgart [u. a.] : Kohlhammer, 1965 II [19] Giesen, Heinz: ἔρις, ιδος, ἡ. In: [4], S. 131–132. – ISBN 3-17-012191-X, 3-17-011205-8 [20] Goldstein, Horst: ἀσέλγεια, ας, ἡ. In: [3], S. 407–408. – ISBN 3-17- 012191-X, 3-17-011205-8 [21] Haacker, Klaus: Der Brief des Paulus an die Römer. Leipzig : Evan- gelische Verlagsanstalt, 1999 (Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament. Bd. 6). – ISBN 3-374-01718-0 11, 12, 13 [22] Hackenberg, Wolfgang: σκότος, ους, τό. In: [2], S. 610–612. – ISBN 3-17-012191-X, 3-17-011205-8 [23] Hübner, Hans: νόμος. In: [4], S. 1158–1172. – ISBN 3-17-012191-X, 3-17-011205-8 II
  25. 25. A. Literatur [24] Hübner, Hans: πλήρωμα, ατος, τό. In: [2], S. 262–264. – ISBN 3-17- 012191-X, 3-17-011205-8 [25] Hübner, Hans: πληρόω. ἀναπληρόω. ἀνταναπληρόω. In: [2], S. 256–262. – ISBN 3-17-012191-X, 3-17-011205-8 [26] Hübner, Hans: ἐπιθυμία, ας, ἡ. ἐπιθυμέω. ἐπιθυμητής, οῦ, ὁ. In: [4], S. 68–71. – ISBN 3-17-012191-X, 3-17-011205-8 [27] Institut für Neutestamentliche Textforschung an der Uni- versität Münster (Hrsg.) ; Rechenzentrum der Universität Münster (Hrsg.): Konkordanz zum Novum Testamentum Graece von Nestle-Aland, 26. Auflage, und zum Greek New Testament, 3rd edition. 3. Aufl. Berlin, New York : Walter de Gruyter, 1987. – ISBN 3-11-01157-0 [28] Kittel, Gerhard (Hrsg.): Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testa- ment. Bd. 4. Λ–Ν. Stuttgart [u. a.] : Kohlhammer, 1942 I, III [29] Kittel, Gerhard (Hrsg.): Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testa- ment. Bd. 1. Α–Γ. unveränd. Nachdr. Stuttgart [u. a.] : Kohlhammer, 1953 I, V [30] Kittel, Gerhard (Hrsg.): Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testa- ment. Bd. 2. Δ–Η. unveränd. Nachdr. Stuttgart [u. a.] : Kohlhammer, 1957 IV, V [31] Kleinknecht, Hermann ; Gutbrod, Walter: νόμος. In: [28], S. 1016– 1077 [32] Kratz, Reinhard G.: ἐντέλλομαι. In: [3], S. 1119–1121. – ISBN 3-17- 012191-X, 3-17-011205-8 [33] Lutherische Liturgische Konferenz Deutschlands (Hrsg.) ; Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands, Liturgischer Ausschuss (Hrsg.): Perikopenbuch mit Lektionar. 3. Aufl. Hannover : Lutherisches Verlagshaus, 1986. – ISBN 3-7859-0521-1 [34] Menge, Hermann: Langenscheidts Großwörterbuch Griechisch–Deutsch. Unter Berücksichtigung der Etymologie. Korr. Nachdr. der 2. Aufl. (1913), 27. Aufl. 1991 (Langenscheidts Großwörterbücher). – ISBN 3-468-02030-9 [35] Merklein, Helmut: ἀνακεφαλαιόω. In: [3], S. 197–199. – ISBN 3-17- 012191-X, 3-17-011205-8 III
  26. 26. A. Literatur [36] N.N.: ζῆλος. In: [30], S. 879–884 [37] Oepke, Albrecht: δύω, ἐκδύω, ἀπεκδύω, ἐνδύω, ἐπενδύω, ἀπέκδυσις. In: [30], S. 318–321 [38] Ohne Namen: Groß-Flöthe. – Kleine Ortsgeschichte bis 1894. Erhältlich im Pfarrbüro St. Lambertus/Groß Flöthe 7 [39] Ohne Namen: Zeittafel: Kirchen in Klein und Groß Flöthe. – Daten bis 1963. Erhältlich im Pfarrbüro St. Lambertus/Groß Flöthe 7 [40] Ohne Namen: κοίτη. In: [4], S. 755. – ISBN 3-17-012191-X, 3-17-011205- 8 [41] Ohne Namen: κῶμος, ου, ὁ. In: [4], S. 825. – ISBN 3-17-012191-X, 3-17-011205-8 [42] Ohne Namen: μέθη, ης, ἡ. In: [4], S. 987. – ISBN 3-17-012191-X, 3-17-011205-8 [43] Ohne Namen: Flöthe. 2007. – URL http://de.wikipedia. org/w/index.php?title=Fl%C3%B6the&oldid=37181891. – Zugriffsda- tum: 2007-09-27 15 [44] Ohne Namen: Poulton-le-Fylde. 2007. – URL http://en.wikipedia. org/w/index.php?title=Poulton-le-Fylde&oldid=170144380. – Zu- griffsdatum: 2007-11-08 15 [45] Paulsen, Henning: ἐνδύω. In: [3], S. 1103–1105. – ISBN 3-17-012191-X, 3-17-011205-8 [46] Pesch, Rudolf: Römerbrief. 3. Aufl. Würzburg : Echter Verlag, 1994 (Die Neue Echter Bibel. Kommentar zum Neuen Testament mit der Ein- heitsübersetzung. Bd. 6). – ISBN 3-429-00844-1 [47] Popkes, Wiard: ζῆλος, ου, ὁ. ζῆλος, ους, τό. ζηλόω. In: [4], S. 247–250. – ISBN 3-17-012191-X, 3-17-011205-8 [48] Preisker, Herbert: ἐγγύς. ἐγγίζω. προσεγγίζω. In: [30], S. 329–332 [49] Radl, Walter: πρόνοια. προνέω. In: [2], S. 382–383. – ISBN 3-17-012191- X, 3-17-011205-8 [50] Sand, Alexander: σάρξ, σαρκός, ἡ. In: [2], S. 549–557. – ISBN 3-17- 012191-X, 3-17-011205-8 IV
  27. 27. A. Literatur [51] Schelkle, Karl H.: σωτηρία, ας, ἡ. In: [2], S. 784–788. – ISBN 3-17- 012191-X, 3-17-011205-8 [52] Schlier, Heinrich: ἀνακεφαλαιόομαι. In: Kittel, Gerhard (Hrsg.): Theo- logisches Wörterbuch zum Neuen Testament Bd. 3. Θ–Κ. unveränd. Nach- dr. Stuttgart [u. a.] : Kohlhammer, 1957, S. 681–682 [53] Schrenk, Gottlob: ἐντέλλομαι. ἐντολή. In: [30], S. 541–553 [54] Seesemann, Heinrich: πατέω, καταπατέω, περιπατέω, ἐμπεριπατέω. In: Friedrich, Gerhard (Hrsg.): Theologisches Wörterbuch zum Neuen Tes- tament Bd. 5. Ξ–Πα. Stuttgart : Kohlhammer, 1954, S. 940–946 [55] Stauffer, Ethelbert: ἀγαπάω. In: [29] 12 [56] Stuhlmacher, Peter: Der Brief an die Römer. 14. Aufl., 1. Aufl. d. neuen Fassung. Göttingen, Zürich : Vandenhoeck & Ruprecht, 1989 (Das Neue Testament deutsch. Neues Göttinger Bibelwerk. Bd. 6). – ISBN 3- 525-51372-0 [57] Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands, Kirchenleitung (Hrsg.) ; Evangelische Kirche der Union, Rat von der Kirchenkanzlei (Hrsg.): Evangelisches Gottesdienstbuch. Ta- schenausgabe. Agende für die Evangelische Kirche der Union und für die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands. 2000. – ISBN 3-7461-0141-7 10 [58] Wilckens, Ulrich: Der Brief an die Römer. Teilbd. 1. Röm 1–5. (a) Zürich, Einsiedeln, Köln, (b) Neukirchen-Vluyn : (a) Benziger, (b) Neu- kirchener, 1978 (Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testa- ment. Bd. 6). – ISBN (a) 3-545-23103-8, (b) 3-7887-0514-0 V [59] Wilckens, Ulrich: Der Brief an die Römer. Teilbd. 3. Röm 12–16. (a) Zürich, Einsiedeln, Köln, (b) Neukirchen-Vluyn : (a) Benziger, (b) Neu- kirchener, 1982 Siehe [58]. – ISBN (a) 3-545-23103-4, (b) 3-7887-0650-3 4 V
  1. 1. Examenspredigt Andreas Janke
  2. 2. Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig Landeskirchenamt Prüfungsabteilung Dietrich-Bonhoeffer-Str. 1, 38300 Wolfenbüttel, Germany Predigtentwurf zum zweiten theologischen Examen Römer 13,8–12 . (13–14) 1. Advent 2007 Vikar Andreas Janke An der Kirche 2, 38271 Baddeckenstedt, Germany andreas@janke-home.eu 12. 11. 2007 Korrigierte und angepasste Fassung vom 14. 1. 2013
  3. 3. Ich versichere, diese Arbeit ohne fremde Hilfe geschrieben, alle benutzten Hilfsmittel angegeben und alle wörtlichen wie inhaltlichen Anführungen aus der Literatur kenntlich gemacht zu haben.
  4. 4. Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis 1. Predigt 1 2. Überleitung 6 3. Voraussetzungen 6 3.1. Anlass . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 3.2. Ort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 3.3. Zeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 3.4. Text . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 3.5. Zeit und Text . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 3.6. Gemeinde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 3.7. Prediger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 4. Gestaltung 16 4.1. Entscheidungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 4.2. Predigtaufbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 4.3. Stilmittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 4.4. Liturgische Elemente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 A. Literatur I Abbildungsverzeichnis 1. Kirche St. Lambertus zu Groß Flöthe, Südostansicht, 9. 11. 2007 8 2. Kirche St. Lambertus zu Groß Flöthe, Blick vom Eingang in den Altarbereich mit Erntekrone, 9. 11. 2007 . . . . . . . . . . . . . . 9 i
  5. 5. 1. Predigt 1. Predigt Der Horizont leuchtet Liebe Gemeinde, heute ist der erste Advent. Der Duft von Zimt und Plätzchen liegt in der Luft. Kerzen wärmen die Seele. Ein neues Kirchenjahr beginnt. Die Tür ist geöffnet: Am Horizont leuchtet die Krippe. Gott kündigt an, dass er auf die Erde kommt. Er bleibt nicht fern und unsichtbar. Inferno Gott steht vor der Tür – was wird uns passieren, wenn er hereinkommt? Eigent- lich glauben wir ja, dass es schon gut gehen wird. Ich habe Alte und Kranke getroffen, denen Gott sehr nahe gekommen ist. Eine Frau fragt: Kann Gott nicht noch ein paar Jahre warten, bis er mich holt? Warum denn jetzt schon? Im Advent kommt Gott der ganzen Welt nahe. Vielleicht zu nahe. Warum denn jetzt schon? Am Ende der Tage drängelt die Frage: Genügen wir Gott? Was der Osten wusste, weiß der Westen noch lange nicht Deshalb spreche ich heute über das Gesetz. Ich beginne damit, wie wir es in unserer Kultur ansehen. Unsere Vorstellung vom Gesetz hier in Deutschland 2007. Dem stelle ich gegenüber, wie es sich aus dem Alten Testament erklärt und wie wir es in Teilen des Judentums finden – auch bei Paulus und Matthä- us. Natürlich: Das Alte Testament ist alt – wir sind modern. Der eigentliche Unterschied liegt aber darin, wie man im Osten und im Westen dachte. Bei uns ist die griechisch-römische Kultur angekommen: Entweder Gesetz oder Frohe Botschaft. In der jüdischen Tradition heißt es eher: Frohe Botschaft im Gesetz. Es ist eine lebensbejahende Grundhaltung. Law & Order !? Folgende Ansichten scheinen bei uns verbreitet zu sein: Wir brauchen Gesetze, um den Menschen zu zähmen. Ohne Gesetz geht alles drunter und drüber. Jeder würde machen, was er will. Auf Kosten der anderen. Gesetze schrecken ab, damit niemand einem anderen schadet. Sehen Sie: Ich wundere mich über dieses unglaublich schlechte Bild von un- seren Mitmenschen. Wir unterstellen erst einmal jedem, dass er am liebsten Böses tun will. Nur aus Furcht vorm Gesetz lässt er davon ab. Das ist doch 1
  6. 6. 1. Predigt komisch. Ich mag mir nicht vorstellen, dass Sie hier sitzen und eigentlich über- einander herfallen wollen. Niemand von Ihnen steckt gerade seine Finger in die Tasche des Nachbarn. Fürchte Dich, das Gesetz holt jeden Ja, ich weiß: Es gibt Menschen, die andere verletzen – gefährden – töten. Ich habe das hautnah erlebt: Als Schüler ging ich einmal zu einem Freund ins Nach- bardorf. Es war schon dunkel. Auf halber Strecke lief ich fünf jungen Männern in die Arme. Die hatten einfach nur Lust, mal jemanden aufzumischen. Die- ser jemand war ich. Aus zwei Gründen bin ich da nur mit einer gebrochenen Nase heraus gekommen: Erstens war ich keine leichte Beute, weil ich damals Karate trainierte. Zweitens wohnte eine Klassenkameradin nur 20 m entfernt. Ich konnte mich zu ihr retten. Diesen Männern war es in dem Moment egal ob es ein Gesetz gibt oder nicht. Das Gesetz als Abschreckung ist ein Teufelskreis. Immer wenn es nicht ge- nug abschreckt, müssen härtere Gesetze her, und noch härtere und irgendwann noch viel härtere. Wer Kinder großzieht, kann in diese Falle geraten. Irgend- wann fragt man sich, wie viel härter es noch geht. Was wir zuhause erleben, das gibt es auch in der Gesellschaft. In den Zeitungen können wir das gut ver- folgen. Damit leben wir: Denn wer keinen Dreck am Stecken hat, braucht sich nicht zu fürchten. Dieser Irrtum ist verbreitet. Die eigene Einschätzung zählt nichts vorm Gesetz, sondern die Worte des Gesetzes. Vor ihm hat wahrschein- lich jeder von uns zumindest ein wenig Dreck am Stecken: Hier mal falsch geparkt, da vielleicht einen Fernseher nicht bei der GEZ angemeldet. Wehe ei- ne falsche Regierung stellt gesunden Menschenverstand und Mitmenschlichkeit unter Strafe. Dann ist der Stecken ganz schnell voller Dreck. Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt Gesetze brauchen Gewalt, damit sie sicher gelten und durchgesetzt werden. Sie wirken immer erst im Nachhinein. Gesetze spüren wir, wenn wir mit ihnen in Konflikt geraten sind, oder wenn wir sie brauchen, um uns zu schützen. Die fünf jungen Männer wurden geschnappt und kamen vor Gericht. Sie waren am selben Abend noch in mehrere Wohnungen und Geschäfte eingestiegen, und meine Klassenkameradin hatte einen erkannt. Ich sollte Schmerzensgeld bekommen, aber wer nichts hat, kann nichts zahlen. 2
  7. 7. 1. Predigt Gib mir, was mir zusteht Das Gesetz gleicht aus. Genau ausgemessen bekommt jeder soviel, wie er vom anderen einklagen kann. Als ich anfing zu studieren, versuchte ich, vom Staat Geld nach dem BundesAusbildungsFörderungsGesetz zu bekommen. Dass das ein Kredit ist, beunruhigte mich damals nicht. Ich wollte studieren, nicht Hosen verkaufen, auf dem Markt stehen oder Computer flicken. Aber mein Antrag wurde abgelehnt. Der Sachbearbeiter riet mir, meine Eltern zu verklagen, wenn sie nicht den mir zustehenden Monatssatz zahlten. Das sei ganz selbstverständ- lich. War ich sprachlos! Für mich ist das eine der unglaublichen Geschichten. Meistens fängt man sie mit „Weißt du, was mir passiert ist?“ an. Für mei- nen Sachbearbeiter war das Alltag. Mich macht es traurig, wenn wir nur so miteinander leben. Leider nichts verstanden Diese Ansichten über das Gesetz hatten schon die alten Griechen und Römer. Bei uns wirken sie immer noch fort. Wenn die Römer Gesetz hörten, dann verstanden sie Strafprozess – Verurteilungen mit der Härte des Wortes. Gerade frisch Christen geworden, zerquetschte sie die Furcht vor Gott. So viele Gesetze und nur die Aussicht, den Strafprozess am Ende der Tage zu verlieren. Als erste Christen in Rom waren sie mit dem römischen Gesetz aufgewachsen. So stellten sie sich einen knöchernen Gesetzesgott vor. Der ließ sich nur mit dem Blutgeld Christi besänftigen. Ohne ihn – kein Freispruch für uns. Jede schädliche Tat musste bezahlt werden. Gott verkam zum Gesetzesmonster. Die Römer hatten die jüdische Idee des Gesetzes nicht begriffen. Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben Paulus kannte beide Welten. Er versuchte, den Römern das jüdische Gesetz zu erklären. Ihm war darüber ein Licht aufgegangen. Er schaute ihm ins Herz und fand dort seinen Sinn: Die Wertschätzung des eigenen Lebens und des Mitmenschen. Jeder weiß, was dem anderen gut tut. Und ich glaube, dass jeder spürt, wenn er oder sie einen anderen verletzt. Man kann das Liebe nennen: Mit abgesetzter rosaroter Brille und vom Plüschsofa auf Wolke 7 zur Erde zurückgekehrt. Ich sage wertschätzen, weil das besser zum griechischen Wort passt, das Paulus im Brief an die Römer benutzt: 8 Schuldet niemandem etwas, außer dass ihr einander wertschätzt. Denn der- jenige, der den anderen wertschätzt, hat das Gesetz angefüllt. 9 Denn das • Du wirst die Ehe nicht brechen. 3
  8. 8. 1. Predigt • Du wirst nicht morden. • Du wirst nicht stehlen. • Du wirst nicht begehren. und welchen anderen Auftrag es sonst gibt, das wird in diesem Wort zusam- mengefasst: • Du wirst deinen Nächsten wertschätzen wie dich selbst. 10 Die Wertschätzung tut dem Nächsten nichts Schlechtes an. Also ist die Wert- schätzung die Fülle des Gesetzes. 11 Und dieses wisst1 , weil ihr den Augenblick erkennt, dass schon die Stunde ist, dass ihr aus dem Schlaf aufsteht. Denn jetzt ist uns die Rettung näher als zu der Zeit, als wir gläubig wurden. 12 Die Nacht nahm zu, der Tag rückte herbei. Lasst uns also die Werke der Finsternis able- gen, und lasst uns anlegen die Werkzeuge2 des Lichts: 13 Lasst uns anständig umhergehen wie am Tage, nicht mit Gelagen und Besäufnissen, nicht mit Bett- hüpfen und Ausschweifungen, nicht mit Streitlust und Eifersucht, 14 sondern legt den Herrn Jesus Christus an, und die Fürsorge für das Fleisch macht nicht zur Begierde. [Röm 13,8–14] Die Fülle des Gesetzes: Das ist nicht der Strafprozess und die Verurteilung. Die Fülle des Gesetzes: Das ist, wenn Sie sich selbst und Ihre Mitmenschen wertschätzen. Das traue ich jedem von Ihnen zu. Sie tun es sowieso die meis- te Zeit. Und wenn wieder irgendwelches Gerede über härtere Gesetze in den Zeitungen steht, bewerten Sie es: Werden da Menschen wertgeschätzt oder ver- achtet? Alle Menschen. Überall. Wenn Menschen in Klassen und Hierarchien geteilt werden, wenn Ihnen Freiheit und Verstand abgesprochen wird, wenn sie zu Menschenfeinden und Nichtmenschen erklärt werden, dann wissen Sie, dass etwas schief läuft. Komm, ich helfe Dir, glücklich zu leben Wenn das Gute und die Wertschätzung in Befehle gepackt wird, dann sind das doch auch Gesetze. Ja, das ist richtig. Aber man kann doch nicht festschreiben 1 Eine andere mögliche Ergänzung der Ellipse „ist: ποιεῖτε (»tut«)“ [59, S. 75]. 2 Waffen wird üblicherweise übersetzt. Werkzeuge ist die allgemeinere Bedeutung. Im Deut- schen korrespondiert Werk–Werkzeuge besser als Werk–Waffen. Letzteres ist keine lo- gische Beziehung und bricht den vorgegebenen, logischen Licht-Finsternis-Dualismus: Werke und Waffen haben nichts miteinander zu tun. 4
  9. 9. 1. Predigt und einklagen, dass einer einen anderen wertschätzt und ihm Gutes tut. Auch das stimmt. Dann sind solche Gesetze doch menschenfeindlich, wenn Menschen sie gar nicht halten können. Das trifft unter einer Voraussetzung zu: Man versteht unter Gesetz nur die Hülle des Wortes. Wie Fesseln legt sie sich um einen. Ich habe aber gesagt, dass es auf den Inhalt ankommt. Das verdeutliche ich noch einmal an den Geboten, die Paulus zitiert: • Du wirst die Ehe nicht brechen. • Du wirst nicht morden. • Du wirst nicht stehlen. • Du wirst nicht begehren. Ich habe die Gebote so übersetzt, wie sie bei Paulus stehen, und er hat sie so aus dem Alten Testament. Wo wir lesen: Du sollst und Du sollst nicht, da steht Du wirst und Du wirst nicht. Der Unterschied ist klein, wenn man sollen so versteht: „Dir soll’s mal richtig gut gehen. Ich hab’ dir ’nen Wellness-Wochende im Harz gebucht.“ Der mahnende Zeigefinger sinkt zu Boden. Gott streckt uns seine Hand entgegen: Komm, ich helfe Dir, glücklich zu leben. Ich helfe Dir, glücklich zu leben – nicht „Leb gefälligst glücklich!“ oder „Sieh zu, wie du allein fertig wirst!“ Weniger ist manchmal mehr Was aber, wenn ich unglücklich bin? Habe ich dann etwas falsch gemacht oder hat sich Gott von mir zurück gezogen? Nicht wissen, wie’s weiter geht. Sich immer von allen angegriffen fühlen. Allein sein und kämpfen, kämpfen, kämpfen. Tiefe Angst. Man kann in Panik versuchen, sein Leben mit immer strengeren Regeln in den Griff zu bekommen. Paulus macht es genau anders herum: Er füllt alle detaillierten Regeln mit einem einzigen Inhalt. Er stoppt den Kreislauf von der Angst zu immer härteren Gesetzen.Und dann beschwört er den Ausweg herauf: Du wirst deinen Nächsten wertschätzen wie dich selbst. Nicht mehr, sondern weniger ist die Lösung. Dieser eine Satz ist das Rückgrat aller Gesetze – nicht, dass einer bei einem anderen in der Schuld steht. Wieder streckt uns Gott seine Hand entgegen. Wieder verspricht er: Komm, ich helfe Dir, glücklich zu leben. Schöne Adventszeit Dieser Gott steht vor der Tür – was wird uns passieren, wenn er hereinkommt? Unser Gott legt sich seit tausenden Jahren krumm, damit es uns gut geht. 5
  10. 10. 2. Überleitung Einmal hat er sich sogar in die Krippe gekrümmt. Ist in unsere Welt getreten und nicht vor der Tür stehen geblieben. Hat uns mit auf den Weg gegeben: Komm, ich will dir helfen, glücklich zu sein. Dann können wir uns ja auf ihn freuen. Ich wünschen Ihnen eine schöne Adventszeit. 2. Überleitung Am 2. 12. 2007 predige ich um 10.30 Uhr in der St. Lambertus Kirche zu Groß Flöthe zu Röm 13,8–12.(13–14). Die Predigt ist ein selbstständig wahrgenom- mener Teil kirchlichem Handelns. Deshalb habe ich sie vor die wissenschaftli- che Arbeit gestellt, damit sie auch hier möglichst eigenständig gelesen werden kann. Im Folgenden analysiere ich zuerst ihre Voraussetzungen. Im zweiten Schritt, der Gestaltung, stelle ich die Zusammensetzung dieser Voraussetzungen dar. In der Predigt setze ich diese um, auch wenn ich sie im Ablauf der Arbeit vorangestellt habe – diese Arbeit kann von der Predigt über die Analyse zur Predigt hin gelesen werden –. Eigene Übersetzungen des Predigttexts setze ich kursiv. So bin ich auch in der Predigt vorgegangen. 3. Voraussetzungen Jeder Predigt liegen die Dimensionen Anlass, Ort, Zeit, Predigttext, Gemein- de und Prediger zugrunde. Im Folgenden fasse ich deren Analysen getrennt voneinander zusammen. Manche Dimensionen interferieren miteinander: Zu den meisten Voraussetzungen steht die Gemeinde im wechselseitigen Verhält- nis. Dies stelle ich zum Schluss der betroffenen Abschnitte dar. Zeit und Text sind direkt aufeinander bezogen. Diese Beziehung fasse ich in einem eigenen Abschnitt zusammen. 3.1. Anlass Mein zweites theologisches Examen veranlasst diese Predigtarbeit. Auf 15 Sei- ten soll sie eine Predigt und „eine Zusammenfassung der exegetischen und homiletischen Entscheidungen enthalten“ [15, II.3]. Die Aufgabe umfasst keine Darstellung der systematisch-theologischen Entscheidungen. Aus der Examenssituation ergeben sich zwei Probleme: Erstens liegt der Gottesdienst weit in der Zukunft, so dass ich weder das Zeitgeschehen allge- mein noch das Dorfgeschehen speziell in die Predigt aufnehmen kann. Sie wird 6
  11. 11. 3.2. Ort dadurch allgemein. Zweitens bewirkt die Examenssituation, dass dieser Got- tesdienst außerhalb der normalen Zeit für den Gottesdienst stattfindet (s. auf Seite 11 . 15). 3.2. Ort Ich werde in Groß Flöthe predigen. Das Dorf liegt auf der Wahrnehmungsach- se3 Salzgitter-Bad–Wolfenbüttel. Zwar gehört es zur Samtgemeinde Oderwald, aber die lebendige Verbindung in den Rest der Samtgemeinde über Klein Flö- the hinaus ist durch die A 395 und den Oderwald-Höhenzug unterbrochen. Po- litisch gehört Groß Flöthe zum Landkreis Wolfenbüttel, kirchlich in den Pfarr- verband Flachstöckheim-Groß Flöthe-Klein Flöthe + Ohlendorf-Groß Mahner- Klein Mahner.4 Die kirchliche Zuordnung spiegelt das Heimatgefühl besser wieder, als die Zuordnung zur Samtgemeinde. Um den alten Dorfkern lagern drei Neubaugebiete. Diese werden z. T. von neu Hinzugezogenen bewohnt. Zum anderen Teil haben dort die jungen Ge- nerationen alteingesessener Familien gebaut. Die A 395 begünstigte diese Ent- wicklung, weil sie die anliegenden Dörfer mit Braunschweig, Wolfenbüttel und Goslar schnell verbindet. Flöthe ist damit quasi Vorstadtbezirk geworden. Kirchlich sticht das 1995 fertig bebaute Siedlungsgebiet „Pfarrwiese“ hervor. Dort sind neue Dorfbewohner hinzugezogen, die überwiegend in die Kirchen- gemeinde integriert werden konnten: In jedem Haus lebt mindestens ein en- gagiertes Gemeindeglied.5 Außerdem verfügt das Dorf noch über eine eigene wirtschaftliche Infrastruktur und einen Kindergarten6 . Es ist mehr als eine Schlafstätte für die Arbeiter der umliegenden Schwerindustrie. Die Kirche war ursprünglich romanisch errichtet [38]. Aus den Jahren 1506, 1746, 1786, 1859 und 1963 sind umfangreiche Umbauten bekannt [38, 39]. Die Arbeiten von 1859 und 1963 erforderten zuletzt 2006–2007 eine Sanierung des Turms und der Außenhaut der Kirche. Diese letzten Arbeiten führten dazu, dass die Kirche in Richtung Klein Flöthe weithin sichtbar ist. Die Umbauarbeiten haben einen Mischstil hervor gebracht [zum Folgenden s. 38]: Die romanischen Fenster wurden vergrößert, die romanischen Bögen zwischen Kirchturm und Kirchenschiff liegen heute wieder frei, sind aber ver- 3 Geographische Verortung von Menschen: Der Bereich, der ihnen im Blick ist und in dem sie ihr Leben überwiegend gestalten. 4 Ohlendorf und Mahner werden von Pfarrer Klosendorf betreut und gehören nicht zu mei- ner Vikariatsstelle. 5 Kirchenvorsteher, Kinderkirchenleiterin, Stickgruppenleiterin, allsonntägliche Gottes- dienstbesucher, . . . 6 Der Kindergarten konkurriert gelegentlich mit der Kirchengemeinde. 7
  12. 12. 3.2. Ort Abbildung 1: Kirche St. Lambertus zu Groß Flöthe, Südostansicht, 9. 11. 2007 glast. 1859 war die Kirche über die romanische Apsis hinaus erweitert und mit einer Sakristei ergänzt worden. Dabei wurde die Apsis entfernt. An ihre Stelle trat eine hölzerne Altarwand. 1963 wurde diese samt der wuchtigen Holzbän- ke wieder aus der Kirche entfernt. Über den Grundmauern der alten Absis wurde eine halbrunde Altarwand aus Stein errichtet. In ihrer Mitte erhebt sich ein Kruzifix, davor ist ein umgehbarer Altar aufgebaut. Diese Altarwand steht selbst frei, d. h. man kann ohne Hindernisse um sie herum gehen, und sie hat keinen Deckenkontakt. Der gesamte Altarbereich ist einheitlich durch eine grün ausgelegte Bühne zwei Stufen angehoben. Sie lässt die Altarwand so erscheinen, als stünde sie auf der grünen Wiese. Als Liturg und Prediger arbeitet man etwas über der Gemeinde. Im Übrigen versteckt die Altarwand die Lautsprecher der elektronischen Orgel. Zwischen dem Eingang und dem Kruzifix lässt nur der Altar optisch innehal- ten, so dass die Kirche wie ein Trichter wirkt. Die fokussierte Beleuchtung des Kruzifixes verstärkt diesen Eindruck. Vom Eingang aus gesehen ist das Lese- pult links und der Taufstein rechts schräg vor der Altarwand aufgebaut. Beides passend zum Steinstil der neuen Altarwand und des Altars. Das Lesepult, den Altar und die Stirnseiten der Altarwand zieren seit diesem Jahr in der Trinita- 8
  13. 13. 3.2. Ort Abbildung 2: Kirche St. Lambertus zu Groß Flöthe, Blick vom Eingang in den Altarbereich mit Erntekrone, 9. 11. 2007 tiszeit Antependien, die in kleinteiliger Patchworkarbeit von Gemeindegliedern selbst hergestellt wurden. Sie erleichtern die vorherrschende Steinschwere. Mit der Adventszeit kehrt sie zurück, weil nur der Altar violett behängt ist. Nachdem der Taufengel von 1746 restauriert worden ist, schwebt er wieder seit dem 17. 9. 2007 über dem Taufstein. Die Kirchenbänke entsprechen dem 1960-er-Jahre Stil: Schwere, schwarze Eisenrohrrahmen mit solidem Holz. Dar- auf liegen rote Sitzpolster. Alle Bänke sind beweglich, so dass der Kirchenraum zu besonderen Anlässen7 umgebaut werden kann. Der Kirchraum vermittelt einerseits den Eindruck steinschwerer Unbeweg- lichkeit. Andererseits steckt er voll mit Anzeichen, dass er sich ständig wandelt. Dadurch charakterisiert und formt er eine dörf‌liche Gemeinde, die einerseits ein hohes Beharrungsvermögen hat, andererseits weder ein Museum ist noch sein will. Eine Austellung anlässlich des Tags des offenen Denkmals 2006 mit ver- schiedenen Innen- und Außenansichten der Kirche aus verschiedenen Zeiten förderte zu Tage, dass die Groß Flöther Kirche kaum eine Generation lang gleich ausgesehen hat. Sie wurde immer angepasst. Das zeigt, dass die Ge- meinde mit und in ihrer Kirche lebt. Dieser Prozess geht nach wie vor weiter. Insbesondere die (liturgische) Kunst in der Kirche entsteht in der Ortsgemein- 7 Tischabendmahl, Ausstellungen, . . . 9
  14. 14. 3.3. Zeit de durch ihre Glieder. Der Mischstil bezeichnet auch eine Gemeinde, in der nicht alle das gleiche Glaubensprofil haben, sondern in dem mehrere Profile z. T. spannungsvoll miteinander auskommen. 3.3. Zeit Der Gottesdienst am ersten Advent eröffnet das neue Kirchenjahr. Die drei vorausgehenden Sonntage und der Buß- und Bettag kreisten thematisch um das Weltgericht mit dem Höhepunkt im Ewigkeitssonntag. Der Buß- und Bet- tag kann als notwendige Vorbereitung für die Ewigkeit aufgefasst werden. Die Adventszeit dreht das Rad weiter: Von der abstrakten, fernen Endzeitvorstel- lung geht sie in die Naherwartung des wiederkehrenden Christus über – in die endgültige Ankunft Gottes auf Erden. Der erste Advent öffnet die Tür in diese Vorstellung. Er verschränkt die Freude über Gottes fast schon spürbare Nähe mit der Frage, ob wir Gottes Ansprüchen genügen. Eigentlich ist es eine dra- matische, kritische Zeit, auf die büßend, betend und hoffend reagiert werden sollte, so die hergebrachte Vorstellung zur Adventszeit [57, S. 681 f.]. Viele Gottesdienstbesucher erkennen den Umschwung der Zeiten: Der Ewig- keitssonntag war für sie der letzte schwere Sonntag im Jahr. Mit dem ersten Advent beginnt die Kerzenscheinzeit, in der man leckeres Weihnachtsgebäck in der Familie backt und nascht. Der Advent ist zwar durch Weihnachtsfeiern, Ge- schenkeinkäufe und mancherlei Familientreffen mit Stresspunkten durchsetzt, aber trotzdem dominiert der Anspruch auf eine harmonische Grundstimmung. Freilich gibt es in einigen Familien Probleme, und in Flöthe werden einige Menschen das erste Mal Advent und Weihnachten ohne ihren Lebenspartner feiern. Einsamkeit und Familienstreit widersprechen der Grundannahme, dass die Advents- und Weihnachtszeit schön sein sollte. So verstärkt sie die latenten Alltagsprobleme. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Menschen der kirchlich gewollten Auf‌fassung über die Adventszeit näher kommen, sondern dass sie ein Defizit zur anderen Idee des Advents empfinden. Dass sich die Gemeindeglieder Harmonie wünschen, ist eine Reminiszenz an die althergebrachte Adventsinterpretation: Zur Buße gehört die Umkehrt des Lebenswandels. Diese Idee drückt sich nach wie vor darin aus, menschenfreund- licher und spendenbereiter zu sein. Trotzdem bleibt eine deutliche Spannung zwischen der kirchlichen Bußzeit und der Freudenharmoniezeit der Gemeinde- glieder bestehen. Im Advent reihen sich im Pfarrverband besondere Gottesdienste bis Heilig Abend. Der erste Adventsgottesdienst ist in Groß Flöthe mit keiner speziel- len Tradition belegt, aber mit der Erwartung, dass etwas Außergewöhnliches 10
  15. 15. 3.4. Text passieren wird. Trotzdem kommen vielleicht sogar weniger als die üblichen Got- tesdienstbesucher, weil zum einen der Gottesdienst sonntagmorgens außerhalb des üblichen Zeitrhythmus8 stattfindet, weil zum anderen am Nachmittag der traditionelle Lichtergottesdienst in Flachstöckheim gefeiert wird. Eigentlich ist es üblich, dass im Pfarrverband nur der besondere Gottesdienst gefeiert wird und die anderen Gemeinden dorthin eingeladen werden. Am ersten Advent wäre das der Lichtergottesdienst in Flachstöckheim. Bei der Gottesdienst- und der Examensplanung war das jedoch nicht klar, so dass jetzt um 9.00 Uhr der Sonntagsgottesdienst in Klein Flöthe gefeiert wird, der Gottesdienst in Groß Flöthe eine halbe Stunde nach hinten auf 10.30 Uhr geschoben ist und der eigentliche Hauptgottesdienst des Pfarrverbands erst nachmittags in Flach- stöckheim stattfindet.9 3.4. Text Der Predigttext Röm 13,8–12 . (13–14) schließt direkt an die Argumentation Röm 13,1–7 an. Signale für einen Neueinsatz fehlen. Deshalb grundieren V. 6–7 den verneinten Imperativ ὀφείλετε in V. 8: Schuldet niemandem etwas bezieht sich sowohl auf die materielle als auch auf die immaterielle Dimension des Zusammenlebens. In einer Gesellschaft, die aus materiellen und immateriellen Schuldigkeiten die Rechte und den Status von Menschen begründet [vgl. 21, S. 265.267–270], bedeutet Schuldenfreiheit soziale Freiheit [vgl. 21, S. 271]. Da- mit bündelt V. 8 den Obrigkeitspositivismus in Röm 13,1–7 in dem Ziel, das System der Schuldigkeiten auszugleichen und frei zu sein, ohne das System aussichtslos zu bekämpfen. Da Paulus einen Imperativ Präsens setzt, bleibt dieser Auftrag zur Freiheit fortwährend aktuell. Mit εἰ μὴ . . . ἀγαπᾶν wehrt Paulus den gesellschaftlichen Zerfall ab. Denn wenn in einem an Schuldigkeiten orientierten System alle Schuldigkeiten dau- erhaft ausgeglichen sind, dann schuldet niemand mehr irgendjemandem etwas. Dann können daran weder Rechte noch Status ausgewogen werden. Das gesell- schaftliche Koordinationssystem wäre zerbrochen. Einiges spricht dafür, dass das in Rom ein Problem geworden war und zur Judenverbannung unter Clau- dius geführt hatte. Spätestens seit seinem Aufenthalt in Korinth wusste Paulus von diesen Unruhen durch Aquila und Priszilla [Apg 18,2 f.][21, S. 10 f.]. Einan- der wertschätzen ist nicht im Sinne von Schulden aufrechenbar und trägt eine Gesellschaft in sozialer Freiheit. 8 Durch die drei Predigtstätten rotierend: 9.00 Uhr, 10.00 Uhr, 11.00 Uhr. 9 Zur Begründung s. auf Seite 15. 11
  16. 16. 3.4. Text ᾿Αγαπάω in den Versen 8–9 und ἀγάπη in V. 10 ist die eine tragende Wortli- nie. Die meisten deutschen Übersetzungen geben es mit lieben wieder. Lieben in Bezug auf Menschen ist im derzeitigen Sprachgebrauch vor allem auf die Beziehung von Lebenspartnern und den engsten Familienkreis begrenzt. Da- bei ist das Wort schon im familiären Kontext oft unangebracht. Es meint eine starke, emotionale Beziehung bis ins Körperliche hinein. In unserer Zeit ist das Wort mit zwei unterschiedlichen Linien verbunden: Auf der einen Seite umge- hen moderne Menschen dieses Wort, weil Bindungen wenig gefragt sind und man sehr vorsichtig ist, wenn es doch zu einer kommt. Öffentliches Lieben löst Unwohlsein aus. Auf der anderen Seite wird Liebe inflationär veröffentlicht, verflacht und löst Voyeurismus aus. Die Bedeutungsmöglichkeiten von ἀγαπάω gehen in eine andere Richtung: Es drückt achten, wertschätzen, höf‌lich und zufrieden sein aus [vgl. 55, S. 36 f.]. Die Septuaginta verzerrt das griechische Wort, indem sie damit einheitlich das hebräische Lieben wiedergibt [55, S. 39]. So reicht es von der puren Lust bis hin zur Hochachtung Gottes und von der Liebe zwischen Ehepartnern bis zur Liebe Gottes zu Israel [55, S. 38 f.]. Lediglich die kultische Liebe bleibt ausgeschlossen [55, S. 38]. Da Paulus die Septuaginta zitiert,10 ist bei ihm ihr volles Spektrum des Wortgebrauchs mög- lich. Ob er jedoch an dieser Stelle alles mitdenkt, ist schwer zu entscheiden. Wenn er es tut, dann schließt „Die Fülle des Gesetzes ist die Liebe“ [Röm 13,10] die Liebe zu Gott und Gottes Liebe zu den Menschen ein. Die emotionalen, erotischen und körperlichen Konnotationen sind in dieser allgemeinen, auf das Gesetz bezogenen Formulierung eher nicht gemeint. Deshalb gebe ich ἀγαπάω in seinem griechischen Bedeutungshorizont mit wertschätzen wieder. Πληρόω in V. 8 und πλήρωμα in V. 10 bilden die zweite tragende Wortlinie. Sie bezieht sich direkt auf die ἀγαπάω-Linie. „ »Erfüllen« heißt nicht »erledi- gen«, sondern den in Worten umrissenen Raum mit Wirklichkeit auszufüllen, sei es nun eine Verheißung oder ein Gebot.“ [21, S. 272]. Paulus erhält die de- taillierten Einzelgebote [21, S. 272], aber nicht als auszuführende Worthülsen. Vielmehr helfen die Worte nur, die Wirklichkeit handhabbar zu machen, in diesem Fall die Wertschätzung seiner selbst und des Anderen. Die Beurteilung des Perfekts πεπλήροκεν in V. 8 ist schwierig. Das Perfekt bringt als Perfekt wenig Sinn. Kombiniert mit dem substantivierten Partizip Präsenz ὁ ἀγαπῶν liegt eine gnomische Bedeutung nahe [21, S. 272]. Allerdings gibt es das gno- mische Perfekt in unserem Griechischen fast nicht [8, § 344.2]. Da Paulus ein Mann zwischen den Kulturen ist, kann er auch hier vom alttestamentlichen Sprachgebrauch her das Perfekt gnomisch gebrauchen, wie es darin üblich ist. 10 Zum Beispiel V. 9: ᾿Αγαπήσεις τὸν πλησίον σου ὡς σεαυτόν ist aus LXX Lev 19,18 zitiert. 12
  17. 17. 3.4. Text Dann zementiert Paulus als Faktum, dass jeder, der immerfort (Part. Präs.) den anderen wertschätzt, das Gesetz mit Wirklichkeit anfüllt.11 Als Faktum meint er das ernst [gegen 21, S. 272]. Gegen die Verse 1–7 löst sich Paulus von der zeitgebundenen Situation in Rom und stellt dieser die Wertschätzung als immergültige Wirklichkeit des Gesetzes entgegen. Der νόμος in V. 8 ist ein Signalwort. In römische Richtung gliedert sich daran Ruhe und Ordnung, aber auch Ehre und Ehrenbezeugung an, die mit harten juristischen Mitteln aufrecht erhalten wurden [vgl. 21, S. 267 ff. 273]. Zumin- dest der erste Teil hat sich bis nach Deutschland ins Jahr 2007 durchgetragen [vgl. 21, S. 269]. Im römischen Verständnis ist es sinnvoll, ihn als Gegenbegriff zum Evangelium zu gebrauchen. Bei Paulus funktioniert das nur begrenzt. In V. 8 setzt er νόμος als Scharnier zwischen der römischen Gesetzlichkeit V. 1–7 und dem alttestamentlichen Gesetz pars pro toto V. 9. Ich denke, das beabsich- tigt, die römische Gesetzlichkeit aufzuhebeln und umzuinterpretieren. Deshalb steht der Text hinter der römischen Gesetzlichkeit. Es ist sein Versuch, in den römischen νόμος das jüdische Wissen um die lebensbejahende Kraft Gottes und den lebensfördernden Umgang mit sich und miteinander einzuführen. Römer 13,11–14 kann in der Licht-Finsternis-Metaphorik gelesen werden. Darum ranken sich Phantasien über die Endschlacht zwischen Licht und Fins- ternis. Die christlichen Bodentruppen Gottes hätten ihre Lichtwaffen anzu- legen, um in den bevorstehenden Krieg ziehen zu können [vgl. 21, S. 273 f.]. Jedoch war Paulus zur Abfassungszeit des Römerbriefs ein weitgereister Welt- bürger. Er hatte höchst wahrscheinlich eine sehr genaue Vorstellung vom Groß- stadtleben und wusste, was die Menschen darin tagsüber taten, und was sie nachts trieben. Da es ihm um den lebensbejahenden Aspekt des Gesetzes geht, kann er situationsbezogen meinen, dass die Lebensweise des Tags gesünder für einen selbst und für den Nächsten ist als die Lebensweise der Nacht [vgl. 21, S. 274 f.]. Diese sehr konkrete Vorstellung verbindet er mit seiner Heilsvorstel- lung: Er will die wertschätzende Lebensweise des Tags in die Nacht bringen. Wie er schon für den Staat und das Gesetz dargestellt hat, geht es ihm um die sofort umgesetzte Gesundung, die vom zukünftigen Heil her vorgegeben wird. Das ganze bündelt er in Jesus Christus. Wie die Rabbinen und Matthäus die heilsame Lebensweise von Gott her bestimmen, so bestimmt sie Paulus von Christus her. Dazu gebraucht er das Bild, Jesus Christus anzuziehen. Er ist dann auch der vereinende Punkt der Christen. 11 Im üblichen Griechisch wäre für diese Sinnrichtung ein Aorist zu erwarten – aber kann von Paulus übliches Griechisch erwartet werden? 13
  18. 18. 3.5. Zeit und Text 3.5. Zeit und Text Römer 13,8–14 liegt in der Perikopenreihe II. Der Text ist die Epistel und gehört damit alljährlich als Lesung in den Gottesdienst zum ersten Advent. Wegen meines Examens predige ich außer der Reihe mit diesem Text. Er reiht sich in die Ankündigungen der anderen Texte ein, dass der Herr kommen wird, und er verbindet das Thema Gesetze mit dem nahenden Gott. Damit greift er den Faden der alttestamentlichen Lesung auf, in der Recht und Gerechtigkeit als Heilskategorien stehen. Insgesamt verbinden sich die Texte sehr dicht zu einer Aussicht auf den nahenden Gott mit der Frage, ob wir vor Gottes Recht und Gerechtigkeit bestehen können. Genau das ist der Punkt, der das Tor in die Adventszeit öffnet und den Advent auf die Ebene der Na- herwartung hebt. Diese Fragen sind zu stellen, bevor man sich auf Gott freuen kann – oder ihn fürchtet –. Der Text bietet den Gottesdienstbesuchern andererseits die Wertschätzung ihrer selbst und ihrer Nächsten an. Damit erfüllt er ihre Erwartungen, bzw. ihre Vorfreude auf einen harmonischen Advent. Der Römertext ist das Scharnier zwischen beiden Erwartungshorizonten. Ich gehe davon aus, dass die Gemeinde diesen Text in der Luther-Übersetzung kennt. Er enthält einige typische Sätze, die so oder so ähnlich auch woanders stehen, und die jeder schon einmal gehört hat. Als Epistel gehört er zu den Texten, die jedes Jahr wiederkehren, so dass von ihm mit den Jahren etwas hängen geblieben sein dürfte. Da die Adventszeit emotional belegt ist, kann daraus eine zusätzliche Erinnerungsbrücke entstanden sein. Anstelle der Übersetzung wertschätzen sind die Gemeindeglieder lieben ge- wöhnt, und die futurische Übersetzung der Gebote dürfte ihnen auch fremd sein. Diese Futura lenken den Blick in die Zukunft des Advents und geben für ihn eine Zusage. 3.6. Gemeinde In Groß Flöthe gehen Menschen aller Lebensalter in die Kirche. Einige stam- men aus alteingesessenen Familien, andere sind erst durch den Zweiten Welt- krieg nach Flöthe gekommen oder sind Kinder von Flüchtlingen. Manche sind auch noch später in den Ort gezogen. Beruf‌lich orientieren sich die Gemeinde- glieder sowohl in die umliegenden Städte in unterschiedlichen Berufszweigen als auch in den Ort selbst. Das Spektrum der Berufsqualifizierung reicht von der Berufsausbildung bis hin zu akademischen Graden. Die Geschlechter halten sich gut die Waage. Ich erwarte eine gemischte Gemeinde im Gottesdienst. 14
  19. 19. 3.6. Gemeinde Trotz der Vielfalt treffen sich viele Gemeindeglieder darin, ortsverbunden zu sein. Sie sind teilweise bewusst nicht weggezogen, teilweise bewusst zugezo- gen. Daraus schließe ich, dass sie das Dorf‌leben dem Stadtleben vorziehen. Sie haben sich für das dörf‌liche Beharrungsvermögen mit einem Spritzer Moder- nisierungsdrang entschieden: Eine Oase der Stille für Ohren und Geist. Diese Haltung findet politisch ihren Ausdruck in der Mandatsverteilung im Gemein- derat: Sieben Sitze entfallen auf zwei ortsverbundene Wählergemeinschaften, vier auf die überregionale SPD [43]. Im Gottesdienst kommen beide Impulse zusammen, wobei der modernisierende mehr Gewicht hat – schon die ständigen Umbauten der Kirche machen sichtbar, dass Kirche und Entwicklung in Groß Flöthe zusammengehören –. Die Gemeindeglieder schauen in mehreren Berei- chen über den Tellerrand: In der Partnerschaft mit Poulton-le-Fylde [s. 44], im KFS und in der Kooperation mit den Umlandgemeinden. Die Verbindungen in die Nachbarschaft wurzeln tief. Zwischen den Dörfern gibt es familiäre und freundschaftliche Beziehungen, und die Pfarrer arbeiten in diesem Gebiet eng zusammen. Sie treffen sich monatlich in einem Regionalkonvent, im Jahr fin- den mehrere gemeinsame Veranstaltungen statt, es gibt jährlich eine Zeit des Kanzeltauschs, Andachten und Themenartikel für die Gemeindebriefe werden untereinander ausgetauscht, und der Konfirmandenunterricht wird teilweise gemeinsam organisiert. Die Gemeinde Flachstöckheim kam im Juli 2007 in den Pfarrverband. Die Groß Flöther waren daran gewöhnt, die größere und tonangebende Gemeinde zu sein. Flachstöckheim ist jedoch etwa gleich stark. Auch wenn diese Ge- meinde den Propstsitz und damit den eigenen Pfarrsitz verloren hat, erwarten die Gemeindeglieder eine nahtlose Fortsetzung der vertrauten Organisation. Im ersten gemeinsamen Jahr kann es zu Koordinationsstörungen kommen wie z. B. am ersten Advent. Viele Gemeindeglieder haben eine fundierte theologische Kompetenz.12 Sie sind mit dem KFS groß geworden, sei es als TeilnehmerIn, sei es als TeamerIn. Wieder andere sind in der Frauenhilfe, in der Kinderkirche oder im Kirchen- vorstand aktiv (gewesen). Da Sie meine Predigtarbeit lesen, sind Sie ein Teil meiner Gemeinde. Jeder von Ihnen ist ein theologischer Spezialist mit spezifischem theologischen Profil. Die Predigt ist Ihnen in einem anderen Medium (Schrift statt Schall) und in einem anderen Kontext (Wissenschaft statt Gottesdienst, andere Zeit, ande- rer Ort, andere Beziehungsstruktur) als der Gottesdienstgemeinde zugänglich. 12 Eine Frau ist die Stellvertretende Vorsitzende der Theologischen Kammer der Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig. 15
  20. 20. 3.7. Prediger Deshalb haben Sie andere Rezeptionsvoraussetzungen als die Gottesdienstbe- sucher. Vor Theologen zu predigen, ist ein potentieller Lehrstreit. 3.7. Prediger Ich bin in Flöthe seit dem 1. 7. 2006 Vikar. Seitdem war ich mit Unterbrechun- gen sieben Monate und eine Woche in der Gemeinde. Meinen letzten normalen Gottesdienst feierte ich mit den Flöthern und Flachstöckheimern am 5. August. Am 9. September taufte ich im Gottesdienst eine von drei Frauen, die ich vor- her im Taufunterricht mit begleitet hatte. So liegt der letzte Gottesdienst in dieser Gemeinde weit zurück. Zudem lebe ich bei meiner Familie in der Kirchengemeinde Baddeckenstedt ca. 24 km entfernt auf der Wahrnehmungsachse Hildesheim–Goslar. Die Flöther und die Baddeckenstedter Wahrnehmungsachsen touchieren sich in Salzgitter- Bad, aber aus Flöther Sicht komme ich aus dem unbekannten Land hinterm Berg. Wie schon die politische Neigung zu den ortsverbundenen Wählerge- meinschaften zeigt, ist das ein Problem. Die Neuorganisation des Pfarrverbands bekam ich aus der Entfernung des Predigerseminars und der Examensklausur mit. Meine stärkste Verbindung nach Flöthe ist der Kirchenchor Cantus Lambertus, in dem ich auch während der Examenszeit möglichst wöchentlich mitgesungen habe. Darin sind viele auch sonst aktive Gemeindeglieder. Im Dorf‌leben gelte ich als Vater gleichsam als richtiger, bodenständiger Er- wachsener. Die Gemeinde verfolgte mit großem Interesse die Zeit bis zur Geburt meines zweiten Kindes. Wenn ich von meiner Familie nach Flöthe begleitet wer- de, ergeben sich automatisch sehr dichte Gespräche mit den Gemeindegliedern. Bodenständigkeit wird mit Glaubwürdigkeit zusammengedacht. 4. Gestaltung 4.1. Entscheidungen Der erste Advent pendelt zwischen der Eröffnung der kirchlichen Buß- und Krisenzeit einerseits und der gewünschten harmonischen „Kuschelzeit“ der Ge- meindeglieder andererseits. In der Predigt soll beides Platz haben. Ich versuche zwischen diesen beiden Positionen eine Brücke zu schlagen. Römer 13,8–14 behandelt die Themenbereiche: Der Tag der Endzeit ist nahe- gekommen, Gesetzlichkeit und Wertschätzung/Liebe, wobei letztere bereits im Gesetz enthalten ist. Das übergreifende Thema der Predigt und des Gottes- dienstes ist der nahende Gott. Dieser Gedanke liegt zwar dem alltäglichen 16
  21. 21. 4.2. Predigtaufbau Empfinden fern, aber die kurze Adventszeit lang kann er zugemutet werden. Das Kirchenjahr bietet andere Tage, an denen die pure Freude Thema sein soll- te. Auf der Grundlage der kommenden Einkehr Gottes in die Welt will ich die Position der juridischen Gesetzlichkeit aufbrechen und zeigen, dass im Gesetz bereits die Wertschätzung und die Zuwendung der Menschen zueinander und Gottes zu den Menschen steckt. Damit will ich einerseits die zwischenmensch- lichen Beziehungen entlasten und andererseits Freude auf den nahenden Gott wecken. Daran kann das Bedürfnis nach Harmonie anschließen. Römer 13,13–14 wegzulassen würde dieses Bestreben unterstützen. Aber da- von abgesehen gibt es keine guten Gründe, es zu tun. Insbesondere endete der Text ohne diese Verse auf den Werkzeugen des Lichts, ohne sie zu konkretisie- ren. Das könnte Endschlachtphantasien beflügeln. Römer 13,13–14 erdet diese ausschweifende Vorstellungskraft. Deshalb lese ich beide Verse mit vor. 4.2. Predigtaufbau Im Groben lege ich die Predigt dreiteilig an: Ich beginne mit dem Gesetz wie wir es in unserer Kultur wahrnehmen. Da es eng an die römischen Vorstellungen anschließt, trifft der Brief des Paulus auch heute noch. Den Predigttext setze ich als Scharnier. Es entlastet alle Seiten, wenn auf das Heute eine fremde Stimme reagiert. Im dritten Teil will ich den strafenden und Schuldigkeiten ausgleichenden Charakter des Gesetzes durch seinen lebensbejahenden und -fördernden Charakter ersetzen. Daran will ich die von der Gemeinde erwartete, harmonisch-frohe Stimmung der Adventszeit anschließen. Im Übrigen folge ich mit diesem Ablauf der Reihenfolge von Röm 13: Die Verse 1–7 legen zuerst eine strenge Gesetzlicheit vor, die dann in den Versen 8–12 verwandelt wird. Die Verse 13–14 können in eine neue, strenge Gesetzlich- keit führen. Das ist nicht gemeint und kann nur durch weitläufige Erklärungen abgefangen werden, wenn ich diese Verse stark machen würde. Deshalb deute ich sie nur an und interpretiere sie implizit mit dem Übergewicht der heilsamen Gesetzlichkeit. Die Feinstruktur können Sie den Zwischenüberschriften in der Predigt ent- nehmen.13 Ich umkreise die groben Themen mit mehreren dazugehörenden Aspekten wie bei einer Mindmap. Ich verankere die Aspekte in den Themen durch gleiche oder ähnliche Anfänge der Abschnitte. Weiterhin verbinde ich mit Wiederholungen die Aspekte mit ihrem Kernthema. 13 Die Überschriften trage ich nicht vor. 17
  22. 22. 4.3. Stilmittel 4.3. Stilmittel Ich steige sanft und erwartungsgemäß in die Predigt ein, entwickle dann aber schnell das Thema des nahenden Gottes. Damit versuche ich die Adventser- wartungen der Gemeinde einerseits aufzunehmen, andererseits aber nicht zu stark zu machen, sondern in die kirchliche Vorstellung des Advents umzuleiten. So will ich eine Spannung erzeugen, die zum Nachdenken anregt. Römer 13 ist ein argumentierender, ermahnender Text. Dieser Stil ist mit der Bedeutung des Textes verwoben. Deshalb klingt er auch in meiner Predigt an: Streckenweise gehe ich verallgemeinernd, argumentativ vor. Dazu gehört, dass ich einen Überblick über den Verlauf der Predigt gebe. Darüber hinaus unterbreche ich diesen Stil mit berichtenden, biographischen Einwürfen. Darin konkretisiere ich Fragen zur Gesetzlichkeit, die in Form des Berichts plastischer und verständlicher sind. Der Predigttext in der Mitte der Predigt ist ein Mittel, mit dem ich die beiden Hälften voneinander trennen und zugleich ihre Beziehung zueinander halten kann. Nach vorn hin beendet er ein Thema, nach hinten hin liefert er Stoff für den Neueinsatz und die Uminterpretation des Gesetzes. Ich lese den Text nach meiner Übersetzung vor. Die Hörer sind die Luthersprache gewöhnt, so dass eine andere Übersetzung einerseits irritiert, andererseits aber gerade dadurch zum genaueren Hinhören anregt. An einigen Stellen arbeite ich mit positiven Zusprachen. Sie sollen Wirklich- keit beschreiben und ggf. schaffen. Dieses Mittel hat jedoch die Grenze, dass es auch als (positive) Unterstellung aufgefasst werden kann. 4.4. Liturgische Elemente Der nahende Gott ist ein Grundthema des Gottesdienstes. Es ist mein Leit- kriterium für die Auswahl der Lieder und Gebete und spiegelt sich in den Lesungen wieder. Da die Epistel in der Predigt vorkommt, vermeide ich die Verdopplung und setze stattdessen an ihre Stelle die alttestamentliche Lesung. Sie ergänzt die Lesereihe sehr gut und trägt zu einem runden Gesamtbild bei. Ich werde den Gottesdienst zusammen mit dem Kirchenchor Cantus Lam- bertus gestalten. Er wird u. a. das Wochenlied EG 16 singen. Dieses Lied nimmt die Zeit, den Predigttext und meine Predigt auf und eröffnet musikalisch einen weiteren Zugang zur Thematik. Da die Epistel an der Position der Predigt steht, ist es sinnvoll, auch dieses Wochenlied an die Predigt umzustellen, da- mit es seine verbindende und öffnende Wirkung entfalten kann. 18
  23. 23. A. Literatur A. Literatur [1] Aland, Kurt (Hrsg.) ; Aland, Barbara (Hrsg.) u. a.: Novum Testa- mentum Graece. Apparatum criticum novis curis elaboraverunt Barbara et Kurt Aland una cum Studiorum Textus Novi Testamenti Monasterii Westphaliae. 27., überarb. Aufl. 1993. – ISBN 3-438-05100-1 [2] Balz, Horst (Hrsg.) ; Schneider, Gerhard (Hrsg.): Exegetisches Wör- terbuch zum Neuen Testament. Bd. 3. παγιδεύω–ὠφέλιμος. 2., verb. Aufl. mit Literaturnachträgen. Stuttgart : Kohlhammer, 1992. – ISBN 3-17- 012191-X, 3-17-011205-8 I, II, III, IV, V [3] Balz, Horst (Hrsg.) ; Schneider, Gerhard (Hrsg.): Exegetisches Wör- terbuch zum Neuen Testament. Bd. 1. ᾿Ααρών–῾Ενώχ. 2., verb. Aufl. mit Literaturnachträgen. Stuttgart : Kohlhammer, 1992. – ISBN 3-17-012191- X, 3-17-011205-8 II, III, IV [4] Balz, Horst (Hrsg.) ; Schneider, Gerhard (Hrsg.): Exegetisches Wör- terbuch zum Neuen Testament. Bd. 2. ἐξ–ὀψώνιον. 2., verb. Aufl. mit Lite- raturnachträgen. Stuttgart : Kohlhammer, 1992. – ISBN 3-17-012191-X, 3-17-011205-8 II, III, IV [5] Bauernfeind, Otto: ἀσέλγεια. In: [29], S. 488 [6] Behm, Johannes: προνοέω, προνοία. In: [28], S. 1004–1011 [7] Bergmeister, Roland: περιπατέω. In: [2], S. 177–179. – ISBN 3-17- 012191-X, 3-17-011205-8 [8] Blass, Friedrich ; Debrunner, Albert ; Rehkopf, Friedrich: Gramma- tik des neutestamentlichen Griechisch. 17. Aufl. Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht, 1990. – ISBN 3-525-52106-5 12 [9] Bornemann, Eduard ; Risch, Ernst: Griechische Grammatik. 2. Aufl. 1978. – ISBN 3-425-06850-4 [10] cid – christliche internet dienst GmbH ; Hanna, Munir: Bibel Online. Text nach der revidierten Lutherübersetzung 1984. – URL http: //www.bibel-online.net/. – Zugriffsdatum: 2007-11-06 [11] Conzelmann, Hans: σκότος, σκοτία, σκοτόω, σκοτίζω, σκοτεινός. In: Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament Bd. 7. Σ. Stuttgart : Kohlhammer, 1964, S. 424–446 I
  24. 24. A. Literatur [12] Delling, Gerhard: πλήρωμα. In: [18], S. 297–304 [13] Delling, Gerhard: πληρόω. In: [18], S. 285–297 [14] Dormeyer, Detlev: ἐγγύς. In: [3], S. 897–899. – ISBN 3-17-012191-X, 3-17-011205-8 [15] Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig, Landessynode: Richtlinien des Prüfungsamtes zur Zweiten theologi- schen Prüfung in der Fassung vom 2. April 1986 (AB1. S. 127) – mit Änderungen vom 21. Februar 2005 (AB1. S. 83). In: Schnelle, An- ja (Hrsg.): Rechtssammlung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig. Luchterhand, Wolters Kluwer, 2006, Kap. 415.1. – ISBN 978-3-472-00040-2 6 [16] Evangelische Kirche in Deutschland (Hrsg.): Die Bibel. Nach der Übersetzung Martin Luthers. rev. Fassung 1984, durchges. Ausg. 1999. – ISBN 3-438-01031-3 [17] Evangelische Kirche in Deutschland (Hrsg.) u. a.: Evangelisches Gesangbuch. Ausgabe für die Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Nie- dersachsen und für die Bremische Evangelische Kirche. Hannover; Göt- tingen : Verlagsgemeinschaft für Das Evangelische Gesangbuch Nieder- sachsen/Bremen, 1994 [18] Friedrich, Gerhard (Hrsg.): Theologisches Wörterbuch zum Neuen Tes- tament. Bd. 6. Πε–Ρ. Stuttgart [u. a.] : Kohlhammer, 1965 II [19] Giesen, Heinz: ἔρις, ιδος, ἡ. In: [4], S. 131–132. – ISBN 3-17-012191-X, 3-17-011205-8 [20] Goldstein, Horst: ἀσέλγεια, ας, ἡ. In: [3], S. 407–408. – ISBN 3-17- 012191-X, 3-17-011205-8 [21] Haacker, Klaus: Der Brief des Paulus an die Römer. Leipzig : Evan- gelische Verlagsanstalt, 1999 (Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament. Bd. 6). – ISBN 3-374-01718-0 11, 12, 13 [22] Hackenberg, Wolfgang: σκότος, ους, τό. In: [2], S. 610–612. – ISBN 3-17-012191-X, 3-17-011205-8 [23] Hübner, Hans: νόμος. In: [4], S. 1158–1172. – ISBN 3-17-012191-X, 3-17-011205-8 II
  25. 25. A. Literatur [24] Hübner, Hans: πλήρωμα, ατος, τό. In: [2], S. 262–264. – ISBN 3-17- 012191-X, 3-17-011205-8 [25] Hübner, Hans: πληρόω. ἀναπληρόω. ἀνταναπληρόω. In: [2], S. 256–262. – ISBN 3-17-012191-X, 3-17-011205-8 [26] Hübner, Hans: ἐπιθυμία, ας, ἡ. ἐπιθυμέω. ἐπιθυμητής, οῦ, ὁ. In: [4], S. 68–71. – ISBN 3-17-012191-X, 3-17-011205-8 [27] Institut für Neutestamentliche Textforschung an der Uni- versität Münster (Hrsg.) ; Rechenzentrum der Universität Münster (Hrsg.): Konkordanz zum Novum Testamentum Graece von Nestle-Aland, 26. Auflage, und zum Greek New Testament, 3rd edition. 3. Aufl. Berlin, New York : Walter de Gruyter, 1987. – ISBN 3-11-01157-0 [28] Kittel, Gerhard (Hrsg.): Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testa- ment. Bd. 4. Λ–Ν. Stuttgart [u. a.] : Kohlhammer, 1942 I, III [29] Kittel, Gerhard (Hrsg.): Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testa- ment. Bd. 1. Α–Γ. unveränd. Nachdr. Stuttgart [u. a.] : Kohlhammer, 1953 I, V [30] Kittel, Gerhard (Hrsg.): Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testa- ment. Bd. 2. Δ–Η. unveränd. Nachdr. Stuttgart [u. a.] : Kohlhammer, 1957 IV, V [31] Kleinknecht, Hermann ; Gutbrod, Walter: νόμος. In: [28], S. 1016– 1077 [32] Kratz, Reinhard G.: ἐντέλλομαι. In: [3], S. 1119–1121. – ISBN 3-17- 012191-X, 3-17-011205-8 [33] Lutherische Liturgische Konferenz Deutschlands (Hrsg.) ; Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands, Liturgischer Ausschuss (Hrsg.): Perikopenbuch mit Lektionar. 3. Aufl. Hannover : Lutherisches Verlagshaus, 1986. – ISBN 3-7859-0521-1 [34] Menge, Hermann: Langenscheidts Großwörterbuch Griechisch–Deutsch. Unter Berücksichtigung der Etymologie. Korr. Nachdr. der 2. Aufl. (1913), 27. Aufl. 1991 (Langenscheidts Großwörterbücher). – ISBN 3-468-02030-9 [35] Merklein, Helmut: ἀνακεφαλαιόω. In: [3], S. 197–199. – ISBN 3-17- 012191-X, 3-17-011205-8 III
  26. 26. A. Literatur [36] N.N.: ζῆλος. In: [30], S. 879–884 [37] Oepke, Albrecht: δύω, ἐκδύω, ἀπεκδύω, ἐνδύω, ἐπενδύω, ἀπέκδυσις. In: [30], S. 318–321 [38] Ohne Namen: Groß-Flöthe. – Kleine Ortsgeschichte bis 1894. Erhältlich im Pfarrbüro St. Lambertus/Groß Flöthe 7 [39] Ohne Namen: Zeittafel: Kirchen in Klein und Groß Flöthe. – Daten bis 1963. Erhältlich im Pfarrbüro St. Lambertus/Groß Flöthe 7 [40] Ohne Namen: κοίτη. In: [4], S. 755. – ISBN 3-17-012191-X, 3-17-011205- 8 [41] Ohne Namen: κῶμος, ου, ὁ. In: [4], S. 825. – ISBN 3-17-012191-X, 3-17-011205-8 [42] Ohne Namen: μέθη, ης, ἡ. In: [4], S. 987. – ISBN 3-17-012191-X, 3-17-011205-8 [43] Ohne Namen: Flöthe. 2007. – URL http://de.wikipedia. org/w/index.php?title=Fl%C3%B6the&oldid=37181891. – Zugriffsda- tum: 2007-09-27 15 [44] Ohne Namen: Poulton-le-Fylde. 2007. – URL http://en.wikipedia. org/w/index.php?title=Poulton-le-Fylde&oldid=170144380. – Zu- griffsdatum: 2007-11-08 15 [45] Paulsen, Henning: ἐνδύω. In: [3], S. 1103–1105. – ISBN 3-17-012191-X, 3-17-011205-8 [46] Pesch, Rudolf: Römerbrief. 3. Aufl. Würzburg : Echter Verlag, 1994 (Die Neue Echter Bibel. Kommentar zum Neuen Testament mit der Ein- heitsübersetzung. Bd. 6). – ISBN 3-429-00844-1 [47] Popkes, Wiard: ζῆλος, ου, ὁ. ζῆλος, ους, τό. ζηλόω. In: [4], S. 247–250. – ISBN 3-17-012191-X, 3-17-011205-8 [48] Preisker, Herbert: ἐγγύς. ἐγγίζω. προσεγγίζω. In: [30], S. 329–332 [49] Radl, Walter: πρόνοια. προνέω. In: [2], S. 382–383. – ISBN 3-17-012191- X, 3-17-011205-8 [50] Sand, Alexander: σάρξ, σαρκός, ἡ. In: [2], S. 549–557. – ISBN 3-17- 012191-X, 3-17-011205-8 IV
  27. 27. A. Literatur [51] Schelkle, Karl H.: σωτηρία, ας, ἡ. In: [2], S. 784–788. – ISBN 3-17- 012191-X, 3-17-011205-8 [52] Schlier, Heinrich: ἀνακεφαλαιόομαι. In: Kittel, Gerhard (Hrsg.): Theo- logisches Wörterbuch zum Neuen Testament Bd. 3. Θ–Κ. unveränd. Nach- dr. Stuttgart [u. a.] : Kohlhammer, 1957, S. 681–682 [53] Schrenk, Gottlob: ἐντέλλομαι. ἐντολή. In: [30], S. 541–553 [54] Seesemann, Heinrich: πατέω, καταπατέω, περιπατέω, ἐμπεριπατέω. In: Friedrich, Gerhard (Hrsg.): Theologisches Wörterbuch zum Neuen Tes- tament Bd. 5. Ξ–Πα. Stuttgart : Kohlhammer, 1954, S. 940–946 [55] Stauffer, Ethelbert: ἀγαπάω. In: [29] 12 [56] Stuhlmacher, Peter: Der Brief an die Römer. 14. Aufl., 1. Aufl. d. neuen Fassung. Göttingen, Zürich : Vandenhoeck & Ruprecht, 1989 (Das Neue Testament deutsch. Neues Göttinger Bibelwerk. Bd. 6). – ISBN 3- 525-51372-0 [57] Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands, Kirchenleitung (Hrsg.) ; Evangelische Kirche der Union, Rat von der Kirchenkanzlei (Hrsg.): Evangelisches Gottesdienstbuch. Ta- schenausgabe. Agende für die Evangelische Kirche der Union und für die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands. 2000. – ISBN 3-7461-0141-7 10 [58] Wilckens, Ulrich: Der Brief an die Römer. Teilbd. 1. Röm 1–5. (a) Zürich, Einsiedeln, Köln, (b) Neukirchen-Vluyn : (a) Benziger, (b) Neu- kirchener, 1978 (Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testa- ment. Bd. 6). – ISBN (a) 3-545-23103-8, (b) 3-7887-0514-0 V [59] Wilckens, Ulrich: Der Brief an die Römer. Teilbd. 3. Röm 12–16. (a) Zürich, Einsiedeln, Köln, (b) Neukirchen-Vluyn : (a) Benziger, (b) Neu- kirchener, 1982 Siehe [58]. – ISBN (a) 3-545-23103-4, (b) 3-7887-0650-3 4 V

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