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Verzicht auf betäubungslose Kastration beim Schwein

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Dr. Eckhardt Meyer - Auswirkung auf die Wert- schöpfungskette beim Schwein. LfULG , Abtlg 7;Ref 75 Tierhaltung, Tierfütterung Köllitsch

Veröffentlicht in: Lebensmittel
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Verzicht auf betäubungslose Kastration beim Schwein

  1. 1. 1 | XX. Monat 2013 | Name des Präsentators Verzicht auf die betäubungslose Kastration beim Schwein Auswirkungen auf die Wertschöpfungskette INNO-CONVENTION am 01.06.2018 in Dresden
  2. 2. 2 | 01.06.2018| E. Meyer Kastration der Eberferkel - Bislang Standard in Deutschland: Chirurgische Kastration von unter einer Woche alten Eberferkeln (ca. 30 Millionen Eberferkel/Jahr). Zunehmender Druck insbesondere von Tierschutzverbänden: ‚Entscheidung an der Ladentheke?‘ Düsseldorfer Erklärung 29.09.2008, QS Vorschrift (> 90 % Mastschweine), Schmerzmitteleinsatz ab 01.04.2009. Im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens wurde festgestellt, dass praxistaugliche Alternativen kurzfristig nicht zur Verfügung stehen, Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration ab dem 01.01. 2019, (nicht 2017) in Deutschland. - Ein seit über 100 Jahren angewandtes, anerkanntes und traditionelles Verfahren zur Sicherung der Fleischqualität von männlichen Schweinen (Vermeidung von Ebergeruch).
  3. 3. 3 | 01.06.2018| E. Meyer Alternative Verfahren Betäubung mit Inhalationsnarkose: in Deutschland zur Zeit keine Zulassung (Umwidmung, Therapienotstand?) - Narkosegas Isofluran: teure Apparatur, Probleme: Masken, Narkosetiefe → 7 Tage alte Ferkel (61 % ausreichend betäubt) → 8 Tage alte Ferkel (55 % ausreichend betäubt) Anwenderproblematik? Kosten: 1,50 Euro pro Ferkel - CO2 Betäubung (vorwiegend in den NL) ist preiswert aber nicht tiergerecht! Betäubung mit Injektionsnarkose: Ketamin (2 mg/kg KGW) und Stresnil (Azeperon, 25 mg/kg KGW) + NSAID - Ferkel brauchen 1 - 6 Stunden um wieder mobil zu sein → Erdrückungsgefahr, Energieverlust, Rangordnungsneubildung - Risiken für die Ferkel und Kosten (1 € + x/Ferkel) steigen! - Betäubung und Schmerzausschaltung: tiergerecht durch Tierärzte? Herausforderung: Abdeckung operativer und postoperativer Schmerz
  4. 4. 4 | 01.06.2018| E. Meyer Alternative Verfahren Impfung gegen Ebergeruch: - Impfstoff: IMPROVAC ist seit 2009 in der EU zu gelassen - bislang vorwiegend in Belgien praktiziert - 2 fache Impfung am Anfang und Ende der Mast gegen das körpereigene GNRH → Hodenfunktion wird sicher unterdrückt → keine Nebenwirkungen, tiergerecht → bei der 2 Impfung sind die Eber „schlagartig“ Kastraten - Tiere sind nacheinander Eber und Kastraten zur Unzeit! - Kosten: 4 - 6 € - Problem: - Verbraucherakzeptanz, Mästerakzeptanz, - Medienkommunikation als hormonähnliches Präparat?
  5. 5. 5 | 01.06.2018| E. Meyer Alternative Ebermast (eigene Untersuchungen) nur Zeitgefährten männl. kastriert männlich weiblich Signif. (5 %) n = 1.359 214 439 706 Messwert* Streuung [%] Messwert* Streuung [%] Messwert* Streuung [%] Geburtsgewicht [kg] 1,54 21 1,53 22 1,46 22 aab Säugezunahme [g]** 240 23 236 22 239 21 n. s. Absetzgewicht [kg] 7,7 21 7,6 19 7,6 19 TZ (Anfang - Mitte Aufzucht) [g] 277 31 277 28 279 28 TZ (Mitte - Ende Aufzucht) [g] 593 26 555 28 555 29 abb TZ (Aufzucht) [g] 416 23 399 24 401 25 abb Gewicht (Ende Aufzucht) [kg] 27,3 19 26,4 19 26,5 19 abb Futteraufwand Aufzucht [1:] 2,05 TZ bis 50. Masttag [g] 785 16 730 21 726 19 abb Gewicht (50. Masttag) [kg] 65,9 16 62,5 17 62,4 17 abb Ausstallgewicht [kg] 116,0 8 113,1 11 112,0 9 abc TZ 50. - 100. Masttag [g] 814 22 830 25 802 22 ab, b, a MTZ [g] 830 13 810 15 760 14 aab Futteraufwand [1:] 2,81 2,53 2,62 Tierverluste Eber: +1% in der Ferkelaufzucht + 1% in der Schweinemast
  6. 6. 6 | 01.06.2018| E. Meyer Ebermast erfordert ein angepasstes Verfahren Aggressionen steigen zum Mastende hin an, lose Beziehungen zwischen Schlachtgewicht, Schlachtalter und 5α-Androstenon? (CRONIN et al., 2003, RYDHMER et al. 2006, 2010) Masteber ruhen 1,5 Stunden täglich länger, kämpfen doppelt so lange, reiten 14-mal täglich auf. Rangordnungskämpfe beeinflussen Hormonspiegel, Kämpfe umso ausgeprägter je ‚weniger ersichtlich die Kräfteverhältnisse‘, agonistisches Verhalten nach Vorausstallung nicht stärker (RUSHEN, 1987, BÜNGER 2012, MÜLLER und BESCH, 2012) Schweine erkennen nur etwa 20 Artgenossen, schwache Tiere werden von den Ebern schneller von der Gruppe abgesondert. Masteber in Großgruppen mit geringeren Leistungen (VAN PUTTEN, 1978; FRASER und ROOM,1990;WALGERN et al. 2010, ADAM et al. 2013). Keine Großgruppen ! Möglichst saubere Buchten ! Rekonstruktionen? Skatol wird auch über Haut und Lunge aufgenommen (NONBOE 1991, FRIES 1993, HANSEN et al., 1994) Vorausstallungen eher wenig Schlachtgewicht eher schwer Futterausstattung bedarfsgerecht aber nicht übertrieben ! keine gesonderte Fütterungstechnik ! Masteber enthalten 5 % mehr Protein, fressen 500 g weniger Futter je Tag, energiearmes Futter wirkt aggressionsmindernd, Kartoffelstärke und Inulin senken Skatolgehalt (BROUNS, 1994; ROBERT, 1997, KUPPER und SPRING, 2007; PAULY et al. 2008, LINDERMAYER et al.2012, BÜNGER et al. 2011) Gemischt geschlechtliche Aufstallung Gemischtgeschlechtliche Haltung beeinflusst Ebergeruch und birgt die Gefahr von Frühträchtigkeiten (WEILER und WESOLY 2012, ADAM et al, 2013)
  7. 7. 7 | 01.06.2018| E. Meyer Vorkommen von Androstenon und Skatol oberhalb diskutierter Grenzwerte „Auf Grund von Konsumentenstudien wird vermutet, dass die bisher verwendeten Grenzwerte für Androstenon (0,1 µg/g Fett) zu niedrig und für Skatol (0,25 µg/g Fett) zu hoch festgelegt wurden..“ (FRIEDEN et al., 2012). In eigenen Versuchen identifizierte Faktoren: - Endstufeneber (Duroc/Pietrain) !! - Saison (Spitze im zeitigen Frühjahr)! - Gesundheit (vor allem Darmgesundheit)!!!! - Sauberkeit der Buchten !! aber auch: Behandlung vor der Schlachtung Androstenon % Proben > Skatol % Proben > % Proben > > 0,1 µg/g Fett 83 > 0,05 µg/g Fett 84 > 0,1 und >0,05 µg/g Fett 68 > 0,5 µg/g Fett 36 > 0,1 µg/g Fett 48 > 0,5 und >0,1 µg/g Fett 25 > 1,0 µg/g Fett 18 > 0,25 µg/g Fett 16 > 1,0 und >0,25 µg/g Fett 8 Problem: Wie lässt sich Ebergeruch erfassen und/oder vermeiden?
  8. 8. 8 | 01.06.2018| E. Meyer Problem: Eberfleisch auf Auslandmärkten Pressemeldung Vion am 1.1. 2013: „Das Eber-Boot ist voll“ - ca. 50% des Schlachtaufkommens großer Schlachtunternehmen müssen auf Auslandsmärkten verkauft werden - Viele wichtige Exportmärkte (Italien, Ungarn, China) akzeptieren kein Eberfleisch !! Alle Betriebe, die im Inland in Größenordnung Eberfleisch verarbeiten haben eines gemeinsam: „eine große Wurstküche“ - Auch dadurch war die deutsche Schweinfleischerzeugung in der Vergangenheit eine Erfolgsgeschichte und in der Welt beliebt wegen der hohen standardisierten (hygienischen) Qualität und Preiswürdigkeit!
  9. 9. 9 | 01.06.2018| E. Meyer Der so genannte 4 . Weg : die lokale Betäubung „Herriedener Erklärung“ März 2017: Von 13 unterzeichnenden Schweine Organisationen wird die Lokalanästhesie (z.Z. nur Procain zugelassen) bei der Kastration favorisiert, Forderungen: Zulassung besserer Präparate: Lidocain, Bupovacain, Mepivacain Anwendung durch den Landwirt wird sehr differenziert diskutiert- Berufsstand (BBV), Fleischerverbände, BLM: dafür ! - Bundestierärztekammer (BTK): dagegen ! : „Jede Anästhesie, das gilt auch für die lokale Betäubung ist eine anspruchsvolle und risikobehaftete tierärztliche Tätigkeit, Schmerzausschaltung nicht vollständig.. !“) - nur ein begrenzter Körperbereich betroffen - Schmerzweiterleitung wird sicher unterbrochen - Reaktionsfähigkeit oder die Motorik wird nicht beeinflusst
  10. 10. 10 | 01.06.2018| E. Meyer ❙ Ab dem 01.01. 2019 ist die betäubungslose Ferkelkastration verboten! ❙ Die Wertschöpfungskette kann nur gestärkt werden wenn das alternative Verfahren: - vom Verbraucher akzeptiert wird und keinen Raum bietet: für negative Kommunikation !!! - praktikabel und tiergerecht (ohne zusätzliche Tierverluste) ist und keine (wesentlichen) zusätzlichen Kosten verursacht ! Alle Formen der „Vollnarkose“ fallen aus, weil die Tierverluste steigen und es die dafür erforderlichen Fachtierärzte gar nicht gibt! Die „Impfung gegen Ebergeruch“ wird vom LEH abgelehnt (bleiben!?) und verursacht erhebliche Kosten ohne einen Mehrertrag ! Die „Ebermast“ ist das einzige Verfahren, bei denen die wirtschaftlichen Vorteile für den Betrieb überwiegen (bessere Schlachtkörper bei geringerem Futteraufwand (- 0,3 - 0,4)! Es wird allerdings ein Tierschutzproblem gelöst und dabei zusätzliche Tierschutz Probleme geschaffen! Stand und Perspektive: Leider ist sie keine Alternative für alle Betriebe, weil das Kern Problem Ebergeruch nicht gelöst ist. Sie wurde zu früh zum alleinigen Weg der Zukunft erklärt ohne den Weg zu kennen! Dadurch ist leider viel Zeit für die Entwicklung alternativer Verfahren verstrichen ! Deshalb ist ein 4. Weg dringend erforderlich !

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