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Integration durch Medien –
Eine ethische Einführung
Alexander Filipović ( @afilipovic)
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Einleitung
Der Bundespräsident hat laut Bundesverfassungsgericht 2014
„kraft seines Amtes insbesondere die Aufgabe, im Sinne der
Integration des Gemeinwesens zu wirken“. Weiter hat er die
Aufgabe, „durch sein öffentliches Auftreten die Einheit des
Gemeinwesens sichtbar zu machen und diese Einheit mittels der
Autorität des Amtes zu fördern“.
BVerfG, Urt. V. 10.06.2014 – 2 BvE4/13
16.02.2017 MEDIENETHIK@HFPH.DE 2
Einleitung
2. Rundfunkurteil: „Die Rundfunkanstalten stehen in öffentlicher
Verantwortung und erfüllen, indem sie Aufgaben öffentlicher
Verwaltung wahrnehmen, zugleich integrierende Funktionen für
das Staatsganze.“
BVerfG, Urt. V. 27. Juli 1971 –31, 314
16.02.2017 MEDIENETHIK@HFPH.DE 3
Einleitung
16.02.2017 MEDIENETHIK@HFPH.DE 4
Quelle: Screenshot am 14.2.17 von https://www.dphv.de/aktuell/nachrichten/details/article/warnung-vor-ghettoisierung.html
Einleitung
16.02.2017 MEDIENETHIK@HFPH.DE 5
Quelle: Screenshot am 14.2.17 von http://www.rtl.de/cms/dschungelcamp-2017-hanka-
rackwitz-marotten-sorgen-bei-den-mitcampern-fuer-gespraechsstoff-4069717.html
Bücher
16.02.2017 MEDIENETHIK@HFPH.DE 6
Übersicht
1. Einleitung
2. Integrationsbegriffe in den Wissenschaften
3. Integration durch Massenmedien
4. Zur Ethik der Integration
5. Ausblick: Tendenz Desintegration?
6. Abschluss: Zur normativen Forderung von Integrationsleistungen
durch Medien
MEDIENETHIK@HFPH.DE 716.02.2017
Übersicht
1. Einleitung
2. Integrationsbegriffe in den Wissenschaften
3. Integration durch Massenmedien
4. Zur Ethik der Integration
5. Ausblick: Tendenz Desintegration?
6. Abschluss: Zur normativen Forderung von Integrationsleistungen
durch Medien
MEDIENETHIK@HFPH.DE 816.02.2017
Erste Annäherung an den Begriff
 „Integration bedeutet, dass eine Einheit als solche fortbesteht
und nicht zerfällt.” (Schimank 2008, S. 554)
 Konnotationen: „Einheit, Widerspruchsfreiheit, Gleichgewicht,
Stabilität, Ordnung, fügsame Einordnung, Konfliktfreiheit,
Konsens, Gerechtigkeit“ (ebd.)
17.10.2016 MEDIENETHIK@HFPH.DE 9
Erste Annäherung an den Begriff
 allgemeine Herangehensweise (A):
Warum besteht eine Einheit als Einheit und zerfällt nicht?
 spezielle Herangehensweise (B):
Integration von „Teilen“ in eine bestehende Einheit.
 kombinierte Herangehensweise (C):
Wie können (alle) Teile zu einem Ganzen, zu einer Einheit
zusammengefügt, also integriert werden.
17.10.2016 MEDIENETHIK@HFPH.DE 10
Erste Annäherung an den Begriff
 allgemeine Verwendungsweise (A): Sind die Medien ein Faktor
dafür, dass eine Einheit als Einheit (also z.B. eine Gesellschaft)
fortbesteht und nicht zerfällt?
 spezielle Verwendungsweise (B): Können durch Medien
Personen in eine Einheit eingebunden werden, die vorher nicht
oder nur ungenügend Teil dieser Einheit waren?
 kombinierte Verwendungsweise (C): Wie können die Medien
die unterschiedlichen Akteure und die verschiedenen anderen
Einheiten unserer Welt bspw. in Europa zu einem Ganzen
verbinden?
17.10.2016 MEDIENETHIK@HFPH.DE 11
Integration in den Wissenschaften
 Soziologie: Individuum und Gesellschaft, Arbeitsteilung und
Differenzierung
 Rechtslehre: Was hält eine gemeinsame Rechtsordnung
aufrecht?
 Politikwissenschaften: gesellschaftliche Pluralität; Demokratie;
politische Öffentlichkeit
 (Sozial)Psychologie: Sozialisation, Bildung, soziales Lernen und
Erziehung
17.10.2016 MEDIENETHIK@HFPH.DE 12
Integration – eine Arbeitsdefinition
„Integration ist der erwünschte soziale Prozess, der die Teile
einer Gesellschaft (Individuen, Institutionen, Gruppen) unter
Mitwirkung ihres Bewusstseins mehr oder weniger stark zum
Ganzen dieser Gesellschaft verbindet, wobei sowohl Ähnlichkeit
und Einigkeit der Teile als auch Verschiedenheit und
Auseinandersetzung zwischen ihnen in einem zu optimierenden
Verhältnis von Bedeutung sind.“
(Pöttker 2005, 40f.)
16.02.2017 MEDIENETHIK@HFPH.DE 13
Integration – eine Arbeitsdefinition
„Integration ist der erwünschte soziale Prozess, der die Teile
einer Gesellschaft … mehr oder weniger stark zum Ganzen dieser
Gesellschaft verbindet, wobei sowohl Ähnlichkeit und Einigkeit
der Teile als auch Verschiedenheit und Auseinandersetzung
zwischen ihnen … von Bedeutung sind.“
(Pöttker 2005, 40f.)
16.02.2017 MEDIENETHIK@HFPH.DE 14
Übersicht
1. Einleitung
2. Integrationsbegriffe in den Wissenschaften
3. Integration durch Massenmedien
4. Zur Ethik der Integration
5. Ausblick: Tendenz Desintegration?
6. Abschluss: Zur normativen Forderung von Integrationsleistungen
durch Medien
MEDIENETHIK@HFPH.DE 1516.02.2017
Integration und Medien: Entwicklung
 Franz Ronneberger
„Angesichts des hohen und sich ständig steigernden
Differenzierungsgrades moderner Gesellschaften, der zu
Unübersichtlichkeit, Entstehung von Subkulturen, sozialer
Regression, politischen Absentismen, insgesamt zu
Desintegrationstendenzen führt, gewinnen die
Massenkommunikationsmittel eine zunehmende Bedeutung
als Integrationsfaktoren.“ (Ronneberger 1964, S. 180f.)
17.10.2016 MEDIENETHIK@HFPH.DE 16
Integration und Medien: Entwicklung
 Bundesverfassungsgericht, 2. Rundfunkurteil von 1971
„Die Rundfunkanstalten stehen in öffentlicher Verantwortung
und erfüllen, indem sie Aufgaben öffentlicher Verwaltung
wahrnehmen, zugleich integrierende Funktionen für das
Staatsganze.“ (Bundesverfassungsgericht 1971)
 Nach dem zweiten Weltkrieg: Bildungsauftrag zur
demokratischen Umerziehung (Re-education) der deutschen
Bevölkerung
17.10.2016 MEDIENETHIK@HFPH.DE 17
Integration und Medien: Entwicklung
 Einführung des privaten Rundfunks in den 1980er Jahren und
die technische Weiterentwicklung der Medien
 Medienwirkungsforschung:
 Homogenisierungseffekte durch Medien: Kultivierungshypothese,
Theorie der Schweigespirale, Agenda-Setting-These, Videomalaise
 Desintegrierende Effekte durch Medien: Wissenskluft,
Fragmentierungsthese
17.10.2016 MEDIENETHIK@HFPH.DE 18
Dimensionen der Integration durch
Medien nach Vlašic 2012
16.02.2017 MEDIENETHIK@HFPH.DE 19
Aus:
Vlašic 2012: 68.
Effekte der Medien im Hinblick auf Integration
/ Desintegration nach Schulz 1999
16.02.2017 MEDIENETHIK@HFPH.DE 20
Aus: Vlašic 2004:
95, nach Schulz
1999: 91 (in
Orientierung an
McQuail und
anderen).
Übersicht
1. Einleitung
2. Integrationsbegriffe in den Wissenschaften
3. Integration durch Massenmedien
4. Zur Ethik der Integration
5. Ausblick: Tendenz Desintegration?
6. Abschluss: Zur normativen Forderung von Integrationsleistungen
durch Medien
MEDIENETHIK@HFPH.DE 2116.02.2017
Ethik der Integration
 Freiheit und Pluralismus
 Gerechtigkeit (soziale Gerechtigkeit, gerechte Beteiligung und
Teilhabe, Inklusion…)
 Solidarität („soziale Liebe“) und Subsidiarität
(Hilfestellungsgebot und Kompetenzanmaßungsverbot)
 Gemeinwohl
17.10.2016 MEDIENETHIK@HFPH.DE 22
Ethik der Integration
16.02.2017 MEDIENETHIK@HFPH.DE 23
Das Gemeinsame soll in besonderer Weise
Berücksichtigung finden – dies fordert die Norm des
Gemeinwohls von Handlungsakteuren. Damit betont
der Begriff des Gemeinwohls, dass neben individuellen
(privaten) Interessen auch überindividuelle
(gemeinsame, öffentliche) Interessen Maßstäbe des
Handelns sein können und sollen.
Vgl. Filipović 2017 - im Druck
Übersicht
1. Einleitung
2. Integrationsbegriffe in den Wissenschaften
3. Integration durch Massenmedien
4. Zur Ethik der Integration
5. Ausblick: Tendenz Desintegration?
6. Abschluss: Zur normativen Forderung von Integrationsleistungen
durch Medien
MEDIENETHIK@HFPH.DE 2416.02.2017
Gesellschaft ohne Diskurs?
16.02.2017 MEDIENETHIK@HFPH.DE 25
„Der Medienethik geht es in ihren Reflexionen auf den
Journalismus im Kontext des Medienwandels letztlich
um die große Frage nach der Qualität des
gesellschaftlichen Diskurses schlechthin. Und so ist die
Frage dieses Bandes, ob wir uns in digitalen Zeiten in
einer Gesellschaft ohne Diskurs befinden, kritisch
gemeint. Wir benötigen einen Diskurs, einen
niveauvollen, also fair und mit Sachargumenten
geführten Streit um gemeinsame Belange, Werte und
Normen des Zusammenlebens.“
(Stapf et al. 2017, S. 11)
Übersicht
1. Einleitung
2. Integrationsbegriffe in den Wissenschaften
3. Integration durch Massenmedien
4. Zur Ethik der Integration
5. Ausblick: Tendenz Desintegration?
6. Abschluss: Zur normativen Forderung von Integrationsleistungen
durch Medien
MEDIENETHIK@HFPH.DE 2616.02.2017
Zur normativen Forderung von
Integrationsleistungen durch Medien
„Integration durch Medien wird in der aktuellen medienpolitischen Debatte vielfach als
obsolet oder als undurchführbar angesehen. Dabei wird auf die Unmöglichkeit, zu
gesicherten empirischen Befunden und damit zu gültigen Aussagen über die
Integrationsleistung von Massenmedien zu gelangen, verwiesen. Die verführt dazu, den
normativen Anspruch an den Rundfunk zur Mitwirkung an der gesellschaftlichen
Integration für obsolet zu erklären […]. Das Problem der Bewertung empirischer Befunde
kann jedoch nicht gegen die Notwendigkeit von normativen Anforderungen ausgespielt
werden. Anforderungen zur Integrationskommunikation sind normativ an
Medienorganisationen zu stellen, um Medien auf die Abbildung gesellschaftlicher
Diskurse zu orientieren. Und Normen sind zudem notwendig, wenn Medienleistungen
zum Gegenstand medienkritischer Debatten werden sollen. Dazu bedarf es jedoch
weniger inhaltlicher, gegenständlich-konkreter als vielmehr prozeduraler Vorgaben für
eine publizistische Praxis, die sich der gesellschaftlichen Diskurse anzunehmen hat.“
(Jarren 2000, S. 22)
16.02.2017 MEDIENETHIK@HFPH.DE 27
Zur normativen Forderung von
Integrationsleistungen durch Medien
 (A) Sollen die Medien Leistungen dafür erbringen, dass eine
Gesellschaft als Einheit fortbesteht und nicht zerfällt?
 (B) Sollen Medien Leistungen dafür erbringen, dass Personen in
die Gesellschaft eingebunden werden, die vorher nicht oder
nur ungenügend Teil dieser Gesellschaft waren?
 (C) Sollen die Medien Leistungen dafür erbringen, dass die
unterschiedlichen Akteure und die verschiedenen anderen
Einheiten der Gesellschaft zu einem Ganzen verbunden sind?
17.10.2016 MEDIENETHIK@HFPH.DE 28
Literatur
 Bundesverfassungsgericht (1971): 2. Rundfunkurteil („Mehrwertsteuer-Urteil“). BVerfGE 31, 314. Online verfügbar unter
http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv031314.html, zuletzt aktualisiert am 27.07.1971.
 Filipović, Alexander (2017 - im Druck): Gemeinwohl als medienethischer Begriff. Über öffentliche Kommunikation und
gesellschaftliche Mitverantwortung. In: Communicatio Socialis 50 (1), S. 9–19.
 Jarren, Otfried (2000): Gesellschaftliche Integration durch Medien? Zur Begründung normativer Anforderungen an Medien. In:
Medien & Kommunikationswissenschaft 48 (1), 22-41.
 Pöttker, Horst (2005): Sozial Integration. Ein Schlüsselbegriff für die Forschung über Medien und ethnische Minderheiten. In:
Rainer Geißler und Horst Pöttker (Hg.): Massenmedien und die Integration ethnischer Minderheiten in Deutschland. Band 1:
Problemaufriss - Forschungsstand - Bibliographie. Bielefeld: transcript Verlag (Medienumbrüche, 9), S. 25–43.
 Ronneberger, Franz (1964): Die politischen Funktionen der Massenkommunikationsmittel. In: Publizistik 9, S. 291–304.
 Schimank, Uwe (2008): Integration, gesellschaftliche. In: Stefan Gosepath, Wilfried Hinsch und Beate Rössler (Hg.): Handbuch
der politischen Philosophie und Sozialphilosophie. Bd. 1: A-M, Bd. 2: N-Z, Bd. 1. 2 Bände. Berlin: de Gruyter, S. 554–557.
 Schulz, Winfried (1999): Fernsehen und sozialer Wandel: Untersuchung zur Integrations- und Fragmentierungsthese. In: Jürgen
Wilke (Hg.): Massenmedien und Zeitgeschichte. Konstanz: UVK Medien (Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für
Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, 26), S. 90–103.
 Stapf, Ingrid; Prinzing, Marlis; Filipović, Alexander (2017): Einleitung: Der Journalismus und die Qualität des gesellschaftlichen
Diskurses. In: Ingrid Stapf, Marlis Prinzing und Alexander Filipović (Hg.): Gesellschaft ohne Diskurs? Digitaler Wandel und
Journalismus aus medienethischer Perspektive. Baden-Baden: Nomos (Kommunikations- und Medienethik, 5), S. 11–14.
 Vlašic, Andreas (2004): Die Integrationsfunktion der Massenmedien. Begriffsgeschichte, Modelle, Operationalisierung.
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. Online verfügbar unter http://dx.doi.org/10.1007/978-3-322-80546-1.
17.10.2016 MEDIENETHIK@HFPH.DE 29
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Prof. Dr. Alexander Filipović
Lehrstuhl für Medienethik
Hochschule für Philosophie München
Kaulbachstr. 31a
80539 München
http://about.me/alexanderfilipovic
Email: alexander.filipovic@hfph.de
Twitter: @afilipovic
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17.10.2016 MEDIENETHIK@HFPH.DE 30

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Integration durch Medien – Eine ethische Einführung

  • 1. Integration durch Medien – Eine ethische Einführung Alexander Filipović ( @afilipovic) Diese Folie finden Sie unter de.slideshare.net/afilipovic/
  • 2. Einleitung Der Bundespräsident hat laut Bundesverfassungsgericht 2014 „kraft seines Amtes insbesondere die Aufgabe, im Sinne der Integration des Gemeinwesens zu wirken“. Weiter hat er die Aufgabe, „durch sein öffentliches Auftreten die Einheit des Gemeinwesens sichtbar zu machen und diese Einheit mittels der Autorität des Amtes zu fördern“. BVerfG, Urt. V. 10.06.2014 – 2 BvE4/13 16.02.2017 MEDIENETHIK@HFPH.DE 2
  • 3. Einleitung 2. Rundfunkurteil: „Die Rundfunkanstalten stehen in öffentlicher Verantwortung und erfüllen, indem sie Aufgaben öffentlicher Verwaltung wahrnehmen, zugleich integrierende Funktionen für das Staatsganze.“ BVerfG, Urt. V. 27. Juli 1971 –31, 314 16.02.2017 MEDIENETHIK@HFPH.DE 3
  • 4. Einleitung 16.02.2017 MEDIENETHIK@HFPH.DE 4 Quelle: Screenshot am 14.2.17 von https://www.dphv.de/aktuell/nachrichten/details/article/warnung-vor-ghettoisierung.html
  • 5. Einleitung 16.02.2017 MEDIENETHIK@HFPH.DE 5 Quelle: Screenshot am 14.2.17 von http://www.rtl.de/cms/dschungelcamp-2017-hanka- rackwitz-marotten-sorgen-bei-den-mitcampern-fuer-gespraechsstoff-4069717.html
  • 7. Übersicht 1. Einleitung 2. Integrationsbegriffe in den Wissenschaften 3. Integration durch Massenmedien 4. Zur Ethik der Integration 5. Ausblick: Tendenz Desintegration? 6. Abschluss: Zur normativen Forderung von Integrationsleistungen durch Medien MEDIENETHIK@HFPH.DE 716.02.2017
  • 8. Übersicht 1. Einleitung 2. Integrationsbegriffe in den Wissenschaften 3. Integration durch Massenmedien 4. Zur Ethik der Integration 5. Ausblick: Tendenz Desintegration? 6. Abschluss: Zur normativen Forderung von Integrationsleistungen durch Medien MEDIENETHIK@HFPH.DE 816.02.2017
  • 9. Erste Annäherung an den Begriff  „Integration bedeutet, dass eine Einheit als solche fortbesteht und nicht zerfällt.” (Schimank 2008, S. 554)  Konnotationen: „Einheit, Widerspruchsfreiheit, Gleichgewicht, Stabilität, Ordnung, fügsame Einordnung, Konfliktfreiheit, Konsens, Gerechtigkeit“ (ebd.) 17.10.2016 MEDIENETHIK@HFPH.DE 9
  • 10. Erste Annäherung an den Begriff  allgemeine Herangehensweise (A): Warum besteht eine Einheit als Einheit und zerfällt nicht?  spezielle Herangehensweise (B): Integration von „Teilen“ in eine bestehende Einheit.  kombinierte Herangehensweise (C): Wie können (alle) Teile zu einem Ganzen, zu einer Einheit zusammengefügt, also integriert werden. 17.10.2016 MEDIENETHIK@HFPH.DE 10
  • 11. Erste Annäherung an den Begriff  allgemeine Verwendungsweise (A): Sind die Medien ein Faktor dafür, dass eine Einheit als Einheit (also z.B. eine Gesellschaft) fortbesteht und nicht zerfällt?  spezielle Verwendungsweise (B): Können durch Medien Personen in eine Einheit eingebunden werden, die vorher nicht oder nur ungenügend Teil dieser Einheit waren?  kombinierte Verwendungsweise (C): Wie können die Medien die unterschiedlichen Akteure und die verschiedenen anderen Einheiten unserer Welt bspw. in Europa zu einem Ganzen verbinden? 17.10.2016 MEDIENETHIK@HFPH.DE 11
  • 12. Integration in den Wissenschaften  Soziologie: Individuum und Gesellschaft, Arbeitsteilung und Differenzierung  Rechtslehre: Was hält eine gemeinsame Rechtsordnung aufrecht?  Politikwissenschaften: gesellschaftliche Pluralität; Demokratie; politische Öffentlichkeit  (Sozial)Psychologie: Sozialisation, Bildung, soziales Lernen und Erziehung 17.10.2016 MEDIENETHIK@HFPH.DE 12
  • 13. Integration – eine Arbeitsdefinition „Integration ist der erwünschte soziale Prozess, der die Teile einer Gesellschaft (Individuen, Institutionen, Gruppen) unter Mitwirkung ihres Bewusstseins mehr oder weniger stark zum Ganzen dieser Gesellschaft verbindet, wobei sowohl Ähnlichkeit und Einigkeit der Teile als auch Verschiedenheit und Auseinandersetzung zwischen ihnen in einem zu optimierenden Verhältnis von Bedeutung sind.“ (Pöttker 2005, 40f.) 16.02.2017 MEDIENETHIK@HFPH.DE 13
  • 14. Integration – eine Arbeitsdefinition „Integration ist der erwünschte soziale Prozess, der die Teile einer Gesellschaft … mehr oder weniger stark zum Ganzen dieser Gesellschaft verbindet, wobei sowohl Ähnlichkeit und Einigkeit der Teile als auch Verschiedenheit und Auseinandersetzung zwischen ihnen … von Bedeutung sind.“ (Pöttker 2005, 40f.) 16.02.2017 MEDIENETHIK@HFPH.DE 14
  • 15. Übersicht 1. Einleitung 2. Integrationsbegriffe in den Wissenschaften 3. Integration durch Massenmedien 4. Zur Ethik der Integration 5. Ausblick: Tendenz Desintegration? 6. Abschluss: Zur normativen Forderung von Integrationsleistungen durch Medien MEDIENETHIK@HFPH.DE 1516.02.2017
  • 16. Integration und Medien: Entwicklung  Franz Ronneberger „Angesichts des hohen und sich ständig steigernden Differenzierungsgrades moderner Gesellschaften, der zu Unübersichtlichkeit, Entstehung von Subkulturen, sozialer Regression, politischen Absentismen, insgesamt zu Desintegrationstendenzen führt, gewinnen die Massenkommunikationsmittel eine zunehmende Bedeutung als Integrationsfaktoren.“ (Ronneberger 1964, S. 180f.) 17.10.2016 MEDIENETHIK@HFPH.DE 16
  • 17. Integration und Medien: Entwicklung  Bundesverfassungsgericht, 2. Rundfunkurteil von 1971 „Die Rundfunkanstalten stehen in öffentlicher Verantwortung und erfüllen, indem sie Aufgaben öffentlicher Verwaltung wahrnehmen, zugleich integrierende Funktionen für das Staatsganze.“ (Bundesverfassungsgericht 1971)  Nach dem zweiten Weltkrieg: Bildungsauftrag zur demokratischen Umerziehung (Re-education) der deutschen Bevölkerung 17.10.2016 MEDIENETHIK@HFPH.DE 17
  • 18. Integration und Medien: Entwicklung  Einführung des privaten Rundfunks in den 1980er Jahren und die technische Weiterentwicklung der Medien  Medienwirkungsforschung:  Homogenisierungseffekte durch Medien: Kultivierungshypothese, Theorie der Schweigespirale, Agenda-Setting-These, Videomalaise  Desintegrierende Effekte durch Medien: Wissenskluft, Fragmentierungsthese 17.10.2016 MEDIENETHIK@HFPH.DE 18
  • 19. Dimensionen der Integration durch Medien nach Vlašic 2012 16.02.2017 MEDIENETHIK@HFPH.DE 19 Aus: Vlašic 2012: 68.
  • 20. Effekte der Medien im Hinblick auf Integration / Desintegration nach Schulz 1999 16.02.2017 MEDIENETHIK@HFPH.DE 20 Aus: Vlašic 2004: 95, nach Schulz 1999: 91 (in Orientierung an McQuail und anderen).
  • 21. Übersicht 1. Einleitung 2. Integrationsbegriffe in den Wissenschaften 3. Integration durch Massenmedien 4. Zur Ethik der Integration 5. Ausblick: Tendenz Desintegration? 6. Abschluss: Zur normativen Forderung von Integrationsleistungen durch Medien MEDIENETHIK@HFPH.DE 2116.02.2017
  • 22. Ethik der Integration  Freiheit und Pluralismus  Gerechtigkeit (soziale Gerechtigkeit, gerechte Beteiligung und Teilhabe, Inklusion…)  Solidarität („soziale Liebe“) und Subsidiarität (Hilfestellungsgebot und Kompetenzanmaßungsverbot)  Gemeinwohl 17.10.2016 MEDIENETHIK@HFPH.DE 22
  • 23. Ethik der Integration 16.02.2017 MEDIENETHIK@HFPH.DE 23 Das Gemeinsame soll in besonderer Weise Berücksichtigung finden – dies fordert die Norm des Gemeinwohls von Handlungsakteuren. Damit betont der Begriff des Gemeinwohls, dass neben individuellen (privaten) Interessen auch überindividuelle (gemeinsame, öffentliche) Interessen Maßstäbe des Handelns sein können und sollen. Vgl. Filipović 2017 - im Druck
  • 24. Übersicht 1. Einleitung 2. Integrationsbegriffe in den Wissenschaften 3. Integration durch Massenmedien 4. Zur Ethik der Integration 5. Ausblick: Tendenz Desintegration? 6. Abschluss: Zur normativen Forderung von Integrationsleistungen durch Medien MEDIENETHIK@HFPH.DE 2416.02.2017
  • 25. Gesellschaft ohne Diskurs? 16.02.2017 MEDIENETHIK@HFPH.DE 25 „Der Medienethik geht es in ihren Reflexionen auf den Journalismus im Kontext des Medienwandels letztlich um die große Frage nach der Qualität des gesellschaftlichen Diskurses schlechthin. Und so ist die Frage dieses Bandes, ob wir uns in digitalen Zeiten in einer Gesellschaft ohne Diskurs befinden, kritisch gemeint. Wir benötigen einen Diskurs, einen niveauvollen, also fair und mit Sachargumenten geführten Streit um gemeinsame Belange, Werte und Normen des Zusammenlebens.“ (Stapf et al. 2017, S. 11)
  • 26. Übersicht 1. Einleitung 2. Integrationsbegriffe in den Wissenschaften 3. Integration durch Massenmedien 4. Zur Ethik der Integration 5. Ausblick: Tendenz Desintegration? 6. Abschluss: Zur normativen Forderung von Integrationsleistungen durch Medien MEDIENETHIK@HFPH.DE 2616.02.2017
  • 27. Zur normativen Forderung von Integrationsleistungen durch Medien „Integration durch Medien wird in der aktuellen medienpolitischen Debatte vielfach als obsolet oder als undurchführbar angesehen. Dabei wird auf die Unmöglichkeit, zu gesicherten empirischen Befunden und damit zu gültigen Aussagen über die Integrationsleistung von Massenmedien zu gelangen, verwiesen. Die verführt dazu, den normativen Anspruch an den Rundfunk zur Mitwirkung an der gesellschaftlichen Integration für obsolet zu erklären […]. Das Problem der Bewertung empirischer Befunde kann jedoch nicht gegen die Notwendigkeit von normativen Anforderungen ausgespielt werden. Anforderungen zur Integrationskommunikation sind normativ an Medienorganisationen zu stellen, um Medien auf die Abbildung gesellschaftlicher Diskurse zu orientieren. Und Normen sind zudem notwendig, wenn Medienleistungen zum Gegenstand medienkritischer Debatten werden sollen. Dazu bedarf es jedoch weniger inhaltlicher, gegenständlich-konkreter als vielmehr prozeduraler Vorgaben für eine publizistische Praxis, die sich der gesellschaftlichen Diskurse anzunehmen hat.“ (Jarren 2000, S. 22) 16.02.2017 MEDIENETHIK@HFPH.DE 27
  • 28. Zur normativen Forderung von Integrationsleistungen durch Medien  (A) Sollen die Medien Leistungen dafür erbringen, dass eine Gesellschaft als Einheit fortbesteht und nicht zerfällt?  (B) Sollen Medien Leistungen dafür erbringen, dass Personen in die Gesellschaft eingebunden werden, die vorher nicht oder nur ungenügend Teil dieser Gesellschaft waren?  (C) Sollen die Medien Leistungen dafür erbringen, dass die unterschiedlichen Akteure und die verschiedenen anderen Einheiten der Gesellschaft zu einem Ganzen verbunden sind? 17.10.2016 MEDIENETHIK@HFPH.DE 28
  • 29. Literatur  Bundesverfassungsgericht (1971): 2. Rundfunkurteil („Mehrwertsteuer-Urteil“). BVerfGE 31, 314. Online verfügbar unter http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv031314.html, zuletzt aktualisiert am 27.07.1971.  Filipović, Alexander (2017 - im Druck): Gemeinwohl als medienethischer Begriff. Über öffentliche Kommunikation und gesellschaftliche Mitverantwortung. In: Communicatio Socialis 50 (1), S. 9–19.  Jarren, Otfried (2000): Gesellschaftliche Integration durch Medien? Zur Begründung normativer Anforderungen an Medien. In: Medien & Kommunikationswissenschaft 48 (1), 22-41.  Pöttker, Horst (2005): Sozial Integration. Ein Schlüsselbegriff für die Forschung über Medien und ethnische Minderheiten. In: Rainer Geißler und Horst Pöttker (Hg.): Massenmedien und die Integration ethnischer Minderheiten in Deutschland. Band 1: Problemaufriss - Forschungsstand - Bibliographie. Bielefeld: transcript Verlag (Medienumbrüche, 9), S. 25–43.  Ronneberger, Franz (1964): Die politischen Funktionen der Massenkommunikationsmittel. In: Publizistik 9, S. 291–304.  Schimank, Uwe (2008): Integration, gesellschaftliche. In: Stefan Gosepath, Wilfried Hinsch und Beate Rössler (Hg.): Handbuch der politischen Philosophie und Sozialphilosophie. Bd. 1: A-M, Bd. 2: N-Z, Bd. 1. 2 Bände. Berlin: de Gruyter, S. 554–557.  Schulz, Winfried (1999): Fernsehen und sozialer Wandel: Untersuchung zur Integrations- und Fragmentierungsthese. In: Jürgen Wilke (Hg.): Massenmedien und Zeitgeschichte. Konstanz: UVK Medien (Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, 26), S. 90–103.  Stapf, Ingrid; Prinzing, Marlis; Filipović, Alexander (2017): Einleitung: Der Journalismus und die Qualität des gesellschaftlichen Diskurses. In: Ingrid Stapf, Marlis Prinzing und Alexander Filipović (Hg.): Gesellschaft ohne Diskurs? Digitaler Wandel und Journalismus aus medienethischer Perspektive. Baden-Baden: Nomos (Kommunikations- und Medienethik, 5), S. 11–14.  Vlašic, Andreas (2004): Die Integrationsfunktion der Massenmedien. Begriffsgeschichte, Modelle, Operationalisierung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. Online verfügbar unter http://dx.doi.org/10.1007/978-3-322-80546-1. 17.10.2016 MEDIENETHIK@HFPH.DE 29
  • 30. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Prof. Dr. Alexander Filipović Lehrstuhl für Medienethik Hochschule für Philosophie München Kaulbachstr. 31a 80539 München http://about.me/alexanderfilipovic Email: alexander.filipovic@hfph.de Twitter: @afilipovic Diese Folie finden Sie unter de.slideshare.net/afilipovic/ 17.10.2016 MEDIENETHIK@HFPH.DE 30