L O R E K U T S C H E R A
Mite--
I I
0 f k
mm -i-S'kwk'■' '-■/ ■ ' J;
, y ^ . . f f
*fä (
' ,ti’ f’., ' ' d-/, '' /..• v •...
E RF OL GREI C H E L A N D W I R T S C H A F T
D U R C H P F L A N Z E N S O Z I O L O G I E
V O N
D I P L . - I N G . A G...
Inhaltsangabe
Seite
V o r w o r t ...........................................................................................
V o rw o rt
Die Ertragslage der österreichischen Landwirtschaft gibt allen denen, die in
diesem Wirtschaftszweige tätig si...
deren Erkenntnissen g e m ä ß e n Anbau- und Düngeplan Mittel, die sowieso auf­
ge w a n d t w erd en müssen, richtig, das...
Einleitung
Wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig ist die Landwirtschaft von den natür­
lichen Produktionsbedingungen abhän...
Es war deshalb kein Zufall, daß unmittelbar von der Praxis die erste An­
regung ausging, die von der pflanzensoziologische...
I. A ll« emeine Betriebsgrundlagen und W irtschaftsplanung
a) Lage und Größe des Betriebes
Das Gut gehört zum Produktionsg...
bis Dezember abermals rasche Temperaturabfall. Die Eigenart der Niederschlags-
verteilung liegt in der verhältnismäßig ger...
Oben links: Standort eines ehemaligen Weißkiefern-Stieleichen-Waldes mit schotterreicher
Braunerde, Wurzelsystem von Aufge...
im einzelnen der wechselnden Durchfeuchtung und Durchlüftung der Böden, die
von dieser Art nur schwer ertragen werden.
Urs...
läutete, wie der Landwirt mit Hilfe seiner Kulturen in ähnlicher Weise wie die
W älder einerseits die nachteilige Wirkung ...
den. Ein augenscheinliches Beispiel dafür bietet die schotterreichste Fläche mit den
Vegetationsaufnahmen 11 und 12. Diese...
Standorte für die Anlage intensiver Mähweiden. Schon durch ihre sich allmählich
über dem Boden aufbauenden Horste und durc...
15
Entsprechend diesem Bestandesbild muß auch die Landwirtschaft eine mög­
lichst tiefreichende Durchwurzelung und eine Boden...
Abb. 3. Ersatz tiefreichender Bodendurchwurzelung von Unkräutern durch Kulturpflanzen.
I Acker-Kratzdistel Cirsium arvense...
sonders guten Standorte, doch sagen ihr schon die schwach durchsteinten Lehm­
böden und namentlich die frischen, mehr oder...
Um dem entgegenzuwirken, ist neben erhöhter Düngung mit Phosphorsäure und
Kalisalz der Voranbau von Landsberger Gemenge mi...
Abb. 4. Der ähnliche Tiefgang der unterirdischen Pflanzenteile des Ackerschachtelhalmes
Equisetum arvense (links) und des ...
Abb. 5. Wurzeltiefe des Winterweizens (Sorte Dr. LASSER’s Dickkopf). I 70 Tage nach der
Aussaat am 2. Dezember 74 cm, frei...
chen in der „Lehmgrube“ (Aufnahme 17 bis 19, 36, 48) im Jahre 1958 zeigen, viel
leichter eine Mißernte bringen. Die Ursach...
wassernahen, gerüstreicheren Böden, vor allem bei steigenden Erträgen, stärker als
auf den grundwasserferneren Lehmböden z...
rung gegenüber dem Teilschlag 20, 21 bedingt. Auf diesem Flächenteil tritt wieder­
um das Einjährige Knäuelkraut häufiger ...
Kaligehalt ansprechende Pflanze verdrängt. Eingesät in das Getreide, erspart er
überdies die Bestellung; des Ackers nach d...
Gesamtschlages umzubrechen und Winterraps anzubauen. Dadurch ergab sich eine
wertvolle Vergleichsmöglichkeit. Denn schon s...
Oben links: Weidebestand im Spätsommer des Ansaatjahres mit Vorherrschen des Deutschen
Weidelgrases Lolium perenne (Veg.-A...
fruchtbau nur auf einen Schlag beschränkt bleibt. Dadurch entfällt ein häufigeres
Befahren der ohnehin zur Dichtlagerung n...
A n b a u - D U n g u n g s - und E r t r a g s n a c h w e i s der einzelnen S c h l ä g e
(Schlagbezeichnung nach Nr. de...
in der Samenmischung nur vereinzelt behaupten. Dagegen hatten sich die zu 57 %
vorhandenen Obergräser sehr bald so stark e...
fällt in die Zeit von Ende Juni bis Mitte Juli. So ergibt sich eine sehr günstige
Arbeitsverteilung, da die Arbeit auf den...
Auf der gesamten Almfläche weidet ab 1956 ausschließlich eigenes Vieh in einer
Anzahl von 26 bis 30 Stück, davon 22 bis 24...
III. Zusam m enfassung des Betriebserfolges
a) Entwicklung des Handelsdüngeraufwandes
Die Zunahme der Handelsdüngergaben e...
b) Entwicklung des Viehbesatzes und der Milchleistung
Die Entwicklung des Viehbesatzes, bezogen auf die Gesamtfutterfläche...
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961
Nächste SlideShare
Wird geladen in …5
×

Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961

1.934 Aufrufe

Veröffentlicht am

Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie - Lore Kutschera - 1961

Veröffentlicht in: Bildung
  • Als Erste(r) kommentieren

  • Gehören Sie zu den Ersten, denen das gefällt!

Erfolgreiche Landwirtschaft durch Pflanzensoziologie, Lore Kutschera 1961

  1. 1. L O R E K U T S C H E R A Mite-- I I 0 f k mm -i-S'kwk'■' '-■/ ■ ' J; , y ^ . . f f *fä ( ' ,ti’ f’., ' ' d-/, '' /..• v • -■ V' - T-': V ' . .rt, • E R F O L G R E I C H E L A N D W I R T S C H A F T D U R C H P F L A N Z E N S O Z I O L O G I E
  2. 2. E RF OL GREI C H E L A N D W I R T S C H A F T D U R C H P F L A N Z E N S O Z I O L O G I E V O N D I P L . - I N G . A G R . L O R E K U T S C H E R A Im Eigenverlag der Verfasserin, Klagenfurt, Kempfstraße 12 Vertrieb im Ausland: In Kommission DLG-Verlags-GmbH., Frankfurt (Main), Zimmerweg 16
  3. 3. Inhaltsangabe Seite V o r w o r t ........................................................................................................................................... 5 E in leitu n g...........................................................................................................................................7 I. Allgemeine Betriebsgrundlagen und W irtsch aftsp lan un g...............................9 a) Lage und Größe des B e trie b e s................................................................... 9 b) K l i m a ...............................................................................................................................9 c) Allgemeiner Überblick über Pflanzendecke und B oden.............................. 10 d) T a lm ä h w e id e n .............................................................................................................12 e) Ä cker.....................................................................................................................................14 f) T a lw ie s e n .........................................................................................................................29 g) A l m e n ...............................................................................................................................31 II. Gebäude und M aschinen.................................................................................................32 III. Zusammenfassung des B etriebserfolges...................................................................33 a) Entwicklung des Handelsdüngeraufwandes.......................................................33 b) Entwicklung des Viehbesatzes und der M ilchleistun g...............................34 c) Veränderung des NutzflächenVerhältnisses.......................................................34 d) Entwicklung des A rbeitskräftebesatzes.............................................................36 e) Ertragsentwicklung der einzelnen W irtschaftszweige....................................37 f) Vergleich des Betriebsrohertrages mit dem Durchschnittsrohertrag des Produktionsgebietes.......................................................................................................37 g) Relative Steigerung von Aufwand, Rohertrag und Reinertrag . . . 38 IV. Vegetationslisten mit E rläu teru n g en .......................................... ..............................39 Liste der T alm äh w eid e n .................................................................................................39 Liste der Ä c k e r ...................................................................................................................44 Liste der T alw iesen .............................................................................................................52 Liste der Almweiden (H au p talm )...............................................................................58 Liste der Almweiden (A lp e n w ie se ).........................................................................62 V. V egetatio n skarte...................................................................................................................66 Schriftenverzeichnis 69
  4. 4. V o rw o rt Die Ertragslage der österreichischen Landwirtschaft gibt allen denen, die in diesem Wirtschaftszweige tätig sind, seit Jahren zu steigender Besorgnis Anlaß. W ährend die K osten für alle Betriebsmittel und die K osten für die Arbeits­ kräfte seit Jahren ständig steigen, haben sich die Preise für die Produkte der Land­ wirtschaft kaum geändert und sind sogar in einigen w ichtigen Sparten zurück- gegan gen . Der bäuerliche Betrieb versucht durch die restlose Ausschöpfung des Arbeitspotentials der bäuerlichen Familie dieser Schwierigkeit entgegenzuwirken, was dazu führt, daß der Bauer und seine Familienmitglieder praktisch ohn e B egren­ zung der Arbeitszeit zu einem Lohn zu arbeiten gezw ungen sind, der bereits unter dem eines Hilfsarbeiters liegt. Der mittlere und gr ö ß ere Betrieb kennt diese Aus- w eichm öglichkeiten nicht, weil er v o rw iegen d mit frem d en Arbeitskräften arbeitet, die überdies kaum m eh r aufzutreiben sind. Er hat daher nur die Möglichkeit, der sich ständig verschlechternden Ertragslage durch eine Verbesserung der Produktivi­ tät entgegenzuwirken. Als ein Mittel dazu hat sich in den letzten Jahren die verstärkte Auswertung der Erkenntnisse der Pflanzensoziologie erwiesen. Kärnten hatte das Glück, in dem Pflanzensoziologischen Beratungsinstitut von Frau Dipl.-Ing. Lore KUTSCHERA, die im Vorjahr auf Grund ihrer Arbeiten auf diesem Gebiet mit d em KÖRNER- Preis ausgezeichnet wurde, ein Fachinstitut zu besitzen, w elch es auf diesem Gebiet bah nbrechende Arbeit geleistet hat. Auf Grund ihrer Erfolge haben ihr einige B e­ triebe die Möglichkeit ge geb en , in g r ö ß e rem Maßstab die Erkenntnisse, die sie durch ihre Arbeiten ge w o n n e n hatte, in die Praxis umzusetzen. Es entstand so in Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft in diesem Institut in Klagenfurt von 1954 bis Frühjahr 1961 die vorliegende Arbeit, die in der pflanzen­ soziologischen Abteilung der Bundesversuchsanstalt für alpenländische Landwirt­ schaft dank d em g roß en Verständnis des Direktors der Anstalt, H of rat Prof. Dr. A. BUCHINGER, im letzten Halbjahr beendet w er d en konnte. Der Inhalt der Arbeit, der auf jahrelanger Zusammenarbeit zwischen d e m Gut Grafenstein und Frau Dipl.-Ing. L. KUTSCHERA basiert, zeigt, daß es möglich ist, durch die richtige Auswertung pflanzensoziologischer Erkenntnisse die Ertrags­ lage in der Landwirtschaft wesentlich zu verbessern. Hiezu kommt noch, daß diese Auswertung mit keinerlei wesentlichen K osten verbunden ist, weil es sich letzten Endes nur darum handelt, durch einen den Grundsätzen der Pflanzensoziologie und 5
  5. 5. deren Erkenntnissen g e m ä ß e n Anbau- und Düngeplan Mittel, die sowieso auf­ ge w a n d t w erd en müssen, richtig, das heißt mit d em g röß tm ö glich en Effekt, einzu­ setzen. Der Inhalt des vorliegenden Werkes soll ein Beweis dafür sein, wie dies bei richtigem Zusammenwirken von Theorie und Praxis m öglich ist. In der Erkenntnis, daß auf diese Weise der österreichischen Landwirtschaft außerordentlich fru chtbrin gen d e Hinweise g e g e b e n w erd en können, hat sich der Hauptverband der Wald- und Grundbesitzerverbände Österreichs schon vor Jahren entschlossen, das Z ustandekommen des vorliegenden Werkes in entscheidender Art durch finanzielle Hilfe zu fördern. Ebenso haben sich das Österreichische Produk­ tivitätszentrum sowie das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft in dankenswerter Weise eingeschaltet, um die D urchführung dieser Arbeit zu e r m ö g ­ lichen. Ihre Veröffentlichung w urde dank eines Druckbeitrages der wissenschaft­ lichen Verbände Österreichs erleichtert. Mit d e m n u n m ehrigen Erscheinen der vorliegenden Schrift hofft der landwirt­ schaftliche Betrieb des Gutes Grafenstein, der in den letzten Jahren in Kärnten bew ußt die Erkenntnisse der Pflanzensoziologie ausgewertet hat, der gesam ten öster­ reichischen Landwirtschaft einen W eg zu weisen, wie eine Steigerung der Pro­ duktivität oh n e wesentlichen Mehreinsatz von finanziellen Mitteln erreicht w erden kann. Das Risiko der Übersetzung der theoretisch-wissenschaftlichen Arbeit in die Praxis nahm en wir in der Erkenntnis auf uns, daß es zu den Aufgaben der größeren landwirtschaftlichen Betriebe gehört, überall dort Pionierarbeit zu leisten, w o dies für die Landwirtschaft unseres Bereiches von Vorteil sein kann. Wenn die daran interessierten Kreise sich die Erkenntnisse der Arbeit dieser letzten Jahre zu eigen m a ch en und dabei einen Erfolg verbuchen w erden, so wird dies der schönste Lohn fü r lange Arbeit in Theorie und Praxis sein. Klagenfurt, am 28. N ovem ber 1961 Heinrich Orsini-Rosenberg
  6. 6. Einleitung Wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig ist die Landwirtschaft von den natür­ lichen Produktionsbedingungen abhängig. Für jeden Landwirt wäre es daher ein Gewinn, die Wachstumsbedingungen seines Betriebes weitgehend zu kennen, um danach seine Wirtschaft so gut wie möglich einzurichten. Zu einer wertvollen Hilfe entwickelte sich in jüngster Zeit die Lehre von den Pflanzenbeständen und Pflanzengesellschaften, Pflanzensoziologie genannt. Durch die Vielzahl der Arten, von denen jede für sich ihrem eigenen Wesen gemäß in die Lebensbedingungen eines Standortes Einblick gibt, und das noch mehr durch die weit größere Anzahl ihrer Vereinigungen, gewinnen wir aus der örtlichen Pflanzendecke für die ein­ zelnen Betriebe eine sonst kaum erreichte Vielfalt von Unterlagen für die W irt­ schaftsführung. Diese Unterlagen wurden in der landwirtschaftlichen Praxis aber noch wenig beachtet. Die vielfältigen Hinweise zur Gänze zu berücksichtigen und zu einer Gesamtschau zusammenzufassen, scheint zunächst schwierig. Noch schwie­ riger scheint es, daraus eindeutige Angaben für die Wirtschaftsführung abzuleiten. In beiden Fällen ist es aber nur nötig, die Lebensbedingungen der W ild- und Kul­ turpflanzen sowie darauf aufbauend die der gesamten Pflanzenbestände eingehend kennenzulernen. Das grundlegende Verstehen des Wesens der verschiedenen Arten erleichtert auch deren systematisches Erkennen. Jede neue Art wird als wertvoller Ratgeber mit großer Aufmerksamkeit betrachtet, so daß ihre äußere Gestalt nicht nur als abstraktes Merkmal, sondern auch als Hinweis auf ihr Löben und ihren Zeiger­ wert ins Bewußtsein tritt. Dadurch werden dem Landwirt Wild- und Kultur­ pflanzen zu vertrauten Begleitern, die ihm durch ihr Kommen und Gehen und durch ihr Gedeihen nicht nur das Richtige und Fehlerhafte seiner Wirtschaft weisen, sondern auch die Unterschiede zu den Nachbarbetrieben erklären. Das Verstehen der Unterschiede gegenüber fremden Betrieben ist für den Landwirt besonders wertvoll, weil er damit die auf anderen Standorten gewonnenen Er­ fahrungen in richtiger Weise für seinen Betrieb verwerten kann. Hierin liegt auch der Wert dieses Weges für die Wirtschaftsberatung, denn die Hinweise, die der ein­ zelne Wirtschaftsberater von der Forschung erhält, können immer nur allgemein gültige Grundlagen betreffen. Ihm überlassen bleibt es, sie den verschiedenen Ver­ hältnissen entsprechend auszuwerten. Eine derartige Beratung ist letzten Endes für den praktischen Landwirt wieder besonders leicht verständlich, weil er das Zu­ treffende am Verhalten der Pflanzen selbst verfolgen kann*. * Die genaue Besprechung des Zeigerwertes der am Schlüsse der Arbeit in den Vegetations­ listen angeführten Arten konnte hier nur teilweise erfolgen. Hinsichtlich der Ackerpflanzen sei auf den „Wurzelatlas mitteleuropäischer Ackerunkräuter und Kulturpflanzen“ (KUT- SCHERA 1960) verwiesen. In ihm sind auch nähere Erläuterungen der wichtigsten pflanzen­ soziologischen Begriffe enthalten. Vorliegende Arbeit stellt ein Beispiel für die praktische Auswertung der im Wurzelatlas wiedergegebenen Untersuchungen dar. 7
  7. 7. Es war deshalb kein Zufall, daß unmittelbar von der Praxis die erste An­ regung ausging, die von der pflanzensoziologischen Forschung gewonnenen Erkennt­ nisse durch direkte Beratung den Betrieben zur Verfügung zu stellen. Allen voran hat sich anfangs in Kärnten der Forst- und Güterdirektor der ORSINI-ROSEN- BERG’schen Besitzungen Forstrat h. c. Ing. Josef HEY f darum bemüht. Fürst Heinrich ORSINI-ROSENBERG hat diese Anregung sofort äufgegriffen und die pflanzensoziologische Beratung nicht nur wie in früheren Fällen 'zur Lösung ein­ zelner Fragen, sondern wegen der Bedeutung des Lebensraumes für die gesamte Wirtschaft zur Betriebsplanung im allgemeinen herangezogen. Dabei erwiesen sich die seit mehr als 15 Jahren zunächst in kleinem Rahmen, später, nach Aufbau des pflanzensoziologischen Beratungsinstitutes in Klagenfurt in größerem Umfang durchgeführten Arbeiten als so aufschlußreich, daß darüber am Beispiel der Be­ triebsentwicklung des ORSINI-ROSENBERG’schen Gutes in Grafenstein berich­ tet werden soll. Die großen Staridortsunterschiede des Betriebes boten von vorneherein be­ sonders interessante und vielfältige Vergleichsmöglichkeiten. Dazu kam, daß der Betrieb am Anfang einer neuen Entwicklung stand und daß vor allem der Be­ sitzer Fürst Heinrich ORSINI-ROSENBERG die Arbeit mit großem Verständnis und Tatkraft unterstützte. Fürst Heinrich ORSINI-ROSENBERG hat damit eine Pionierarbeit geleistet, deren Bedeutung für die Landwirtschaft sich in Zukunft immer mehr zeigen wird. Für den Erfolg entscheidend war auch die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit dem Verwalter Herrn Revierförster Franz HARTLIEB und dessen vorbildliche Führung des Betriebes. Die wirtschaftlichen Gegebenheiten vor der pflanzensoziologischen Betriebs­ umstellung waren teils durch kriegs- und nachkriegsbedingte Ursachen beeinträch­ tigt gewesen. Ein Teil der Gründe wurde zudem von Pächtern bewirtschaftet, die diese inzwischen aus Mangel an Arbeitskräften weitgehend Zurückgaben. Geänderte Wirtschaftsvoraussetzungen schufen außerdem die 1948 zusammen mit bäuerlichen Besitzern durchgeführte Entwässerung von etwa 170 der Gründe, die gleichzeitig die Darstellung eines Beispieles für die Umwandlung ertragsarmer Naßflächen in wertvolles Ackerland ermöglichte, und die von der Agrarbehörde in den Jahren 1952 bis 1954 erfolgte Zusammenlegung der teils verstreut liegenden Grundstücke. Der Weg der im Jahre 1954 begonnenen pflanzensoziologischen Wirtschafts­ planung wird in manchem überraschen, weil er zunächst nicht von den Äckern und Grünflächen, sondern von den Wäldern ausgeht. Doch unter Waldbeständen haben sich ehemals fast alle Böden dieses Gebietes aufgebaut und daher sind die Gesetze ihres Wachstums auch für die Beurteilung der landwirtschaftlichen Standorts­ nutzung besonders bedeutungsvoll. 8
  8. 8. I. A ll« emeine Betriebsgrundlagen und W irtschaftsplanung a) Lage und Größe des Betriebes Das Gut gehört zum Produktionsgebiet Kärntner Becken. Es besteht aus einem Tal- und einem Almbetrieb im Gesamtausmaß von 93, später 95 ha. Als Be­ trieb mittlerer Größe und durch seinen zugehörigen Almbesitz' entspricht es noch vielen bäuerlichen Betrieben Kärntens. Der Talbetrieb liegt 15 km östlich Klagen- furt im Ort Grafenstein in 446 m Seehöhe nahe der Bahnstation Grafenstein und wird von einer Bundesstraße berührt. Er umfaßt den an den Hof angrenzenden Teil der Gründe (Heimbetrieb) im Ausmaß von 64,3 ha (davon sind 14,3 ha ver­ pachtet) und ein 3 km vom Hof entfernt am Rande der Bundesstraße bereits im Flußtal der Drau gelegenes Außenfeld (Jungviehhof) im Ausmaß von 10,7 ha. Der überwiegende Teil der Gründe ist nahezu eben bis schwach geneigt. Nur einige Raine haben eine Neigung von 10 bis 20 Grad. Die Alm liegt 28 km vom Talbetrieb entfernt an den östlichen Ausläufern des Hochobirs ober dem Ort Rech- berg und trägt den Namen Grafensteiner Alm. Sie umfaßt eine Fläche von 14 ha in 1398 m und von 6 ha in 1490 m mittlerer Seehöhe. Davon sind 12 ha mehr oder weniger verwachsene Schlagweiden. Das Gelände ist schwach bis stark geneigt. b) Klima Die klimatischen Verhältnisse des Talbetriebes mit Ausnahme des Außenfeldes ähneln denen des Raumes von Klagenfurt. Diese weisen nach den 100jährigen Temperatur- und Niederschlagsmessungen der meteorologischen Station Klagenfurt (LUKESCH, J. 1948) folgende Monats- und Jahresmittel von Temperatur und Niederschlag auf. Monat I II III IV V VI VII VIII IX X XI XII Jahr Temperatur —5,4 —2,3 3,0 8,8 13,9 17,6 19,4 18,1 14,1 8,6 2,0 —3,2 7,88 Niederschlag 38 37 57 74 93 110 118 119 103 107 81 56 993 Abb. 1. Verlauf des 100jährigen Monatsmittels von Temperatur ----- und Niederschlag ---------- in Klagenfurt (nach LUKESCH 1948). Die kennzeichnendsten Merkmale des Temperaturverlaufes sind demnach die verhältnismäßig tiefe, durch den Kaltluftsee des Klagenfurter Beckens verursachte Wintertemperatur, der von Feber bis M ai rasche, von M ai bis Juli langsamere Temperaturanstieg und der gleichsinnige, zunächst bis September langsamere, dann 9
  9. 9. bis Dezember abermals rasche Temperaturabfall. Die Eigenart der Niederschlags- verteilung liegt in der verhältnismäßig geringen Niederschlagsmenge im Jänner und Fdber, in ihrer allmählichen Zunahme auf mehr als das Dreifache im Juli und August und der nachher wieder fortschreitenden Abnahme bis Feber. Sehr entscheidend ist zudem, daß die hohen Niederschlagsmengen im Hochsommer zu einem 'beträchtlichen Teil als heftige Gewitterregen fallen. Sie sind mit eine wesentliche Ursache für die immer wieder feststellbare Verschlämmung der Böden. Ihre Gefahr ist naturgemäß umso größer, je weniger der Boden um diese Zeit durch eine Pflanzendecke geschützt ist. Verstärkt wird ihre nachteilige Wirkung durch die gleichzeitig auftretenden, vorübergehend hohen Temperaturen, die zeit­ weise eine mehr oder weniger starke Austrocknung der Böden verursachen. Beides führt zu einer wiederholten Hemmung der aufbauenden Tätigkeit des Bodenlebens sowie des Wachstums der Pflanzen und damit, im Vergleich zu klimatisch aus­ geglicheneren Geibieten, zu einem rascheren Wiederabbau der bereits erreichten Krümelstruktur. Im Spätsommer und Herbst schaffen die meist lange anhaltende Wärme und die gleichmäßigere Feuchtigkeit günstige Voraussetzungen für Boden­ leben und Pflanzenwuchs, doch werden diese durch Frühfröste mitunter beein­ trächtigt. Im ausgehenden Winter bleibt der Boden infolge der geringen Nieder­ schläge und der schon stärkeren Sonneneinstrahlung nicht selten ohne Schnee­ schutz den tiefen Temperaturen ausgesetzt, so daß auch dadurch Schädigungen auftreten. Im zeitigen Frühjahr wirken sich aber die geringen Niederschläge, die, verbunden mit dem raschen Temperaturanstieg, eine baldige Bodenerwärmung zulassen, zunächst sehr günstig für die Wiederbelebung der Bodentätigkeit und des Wachstums aus. Dieser Wachstumsantrieb wird nur abermals gehemmt durch die bis Mitte M ai fast regelmäßig auftretenden Spätfröste und Kälterückschläge. c) Allgemeiner Überblick über Pflanzendecke und Boden Dieser kontinental beeinflußte Klimaablauf spiegelt sich in der Pflanzendecke durch das Fehlen spät- und frühfrostgefährdeter und durch das Vorhandensein sommerwärmeliebender und wechselfeuchte, luftärmere Böden ertragender Arten wider. So fehlen in den Waldbeständen der eibenen Lagen alle Bäume, die ein ausgeglicheneres und wärmeres Klima benötigen. Selbst die Rotbuche, die auf den mittleren Oberhängen der Schattseiten die Bestände beherrscht und oft nahe­ zu im Reinbestand auftritt, fehlt stellenweise im Talboden oder bleibt doch weit­ gehend zurück. Unter den Kräutern der Auwälder kennzeichnet das Eindringen östlicher Klimaeinflüsse unter anderem die sibirisch-sarmatische, westwärts nur bis Nord- und Mitteldeutschland, in Österreich bis in den Lungau und bis Kärn­ ten vordringende Art, das Wenigblütige Vergißmeinnicht Myosotis sparsiflora. In den Wiesenbeständen weist das Fdhlen des Wilden Kümmels Carum carvi auf Wechselfeuchtigkeit und zeitweise Trockenzeiten hin. Auf dem Ackerland fehlen im besonderen alle früh- und spätfrostgefährdeten bzw. ausgeglichenere Feuch­ tigkeit verlangenden Wildpflanzen. Auch der Feld-Rittersporn Delphinium consolida, der nordwärts bis Mittelskandinavien vordringt, ist nicht mehr vertreten. Wohl aber findet sich der Sommerwärme liebende, Früh- und Spätfrost ertragende Ge­ wöhnliche Venusspiegel Legousia speculum-veneris, der nordwärts nur bis Nord­ deutschland reicht. Als weitere sommerwärmeliebende Arten kommen die Kahle Wicke Vicia dasycarpa var. glabrescens und die Großblütige Wicke Vicia grandi- flora hinzu, die als ausgesprochen südöstliche Art westwärts beständig nur bis Österreich reicht. Das Fehlen des Acker-Täschelkrautes Thlaspi arvense entspricht 10
  10. 10. Oben links: Standort eines ehemaligen Weißkiefern-Stieleichen-Waldes mit schotterreicher Braunerde, Wurzelsystem von Aufgeblasenem Leimkraut Silene cucubalus in einem beweideten früheren Wiesenbestand (Veg.-Aufn. 11). Oben rechts: Standort eines ehemaligen Stieleichen­ Lindenwaldes mit tiefgründigem, verbräuntem Mullgleyboden, Wurzelsystem der Acker- Kratzdistel Cirsium arvense in einem Winterweizen-Acker (Veg.-Aufn. 23). Unten links: Standort eines ehemaligen Schwarzerlen-Grauerlen-Weiden-Eschen-Waldes mit verbräuntem Gleyauboden, Wurzelsystem von Gemeinem Beinwell Symphytum ofjicinale in einem Winter- weizen-Acker (Veg.-Aufn. 14). Aus KUTSCHERA 1960. Unten rechts: Standort eines ehema­ ligen Grauerlenwaldes mit verbräuntem grauem Auboden mit Gleyspuren, Wurzelsysteme der Luzerne Medicagu sativa in einem sieben Jahre alten Luzerne-Bestand (Veg.-Aufn. 71). Wie aus der kurz gehaltenen Narbe zu ersehen ist, wird der Bestand im Spätherbst regelmäßig stark beweidet. Nur die freigelegten Pflanzen tragen noch Sproßteile in der Höhe vor der Beweidung. Das Kurzhalten der Luzerne vor dem Kälteeintritt schützt vor Auswinterung.
  11. 11. im einzelnen der wechselnden Durchfeuchtung und Durchlüftung der Böden, die von dieser Art nur schwer ertragen werden. Ursprünglich trugen alle Standorte mit fortgeschrittener Bodenentwicklung Waldbestände. Auf den terrassenförmig höher gelegenen, teils mit diluvialem Schotter stark durchsteinten, flachgründig humosen, grundwasserferneren Böden mit Bodenentwicklung zu Braunerden und Zwischenstufen von Pararendsinen waren es vorwiegend Weißkiefern-Stieleichen-Wälder, auf den lehmigen Allu- vionen in gleicher Lage mit mehr oder weniger verbraunten Mullgleyböden Stiel- eichen-Linden-Wälder“. Auf den tiefer gelegenen grundwassernahen Böden in Flußnähe breiteten sich am Heimbetrieb auf Gleyauböden und verbraunten Au- böden Schwarzerlen-Grauerlen-Weiden-Eschen-Mischwälderb, auf dem Außenfeld des Talbetriebes (Tungviehhof) infolge stärkerer Fließgeschwindigkeit des Grund­ wassers auf wenig bis nicht vergleyten braunen und verbraunten grauen Auböden Grauerlenwälder0 aus. *, •>, c Übersichtsaufnahmen der Pflanzenbestände der oben bezeichneten Wälder. BAUM­ SCHICHT: Tilia platyphyllos a 3.3, Picea excelsa a 1.2, Prunus avium a + , Populm tremula a + , Prunus padus b 2.2, Salix fragilis b 2.2, Populus nigra b 2.2. Ainus glutinosa b 1.2, Fraxinus excelsior b 1.2, Salix alba b 1.2, Salix purpurea b + , Populus canadensis c-f-, Quercus robur a 3.3, b r, Ainus incana b 2.2, c 4.4. STRAUCHSCHICHT: Corylus avellana a3.3, Lonicera xylosteum a + , Sorbus aucuparia a + , Humulus lupulus b 1.2, Ligustrum vulgare b -f-> Viburnum opidus b + , Populus nigra b + , Salix caprea b + , Salix alba b -J-, Salix purpurea b -f-, Ainus glutinosa b + , Vlmus scabra c r, Sambucus ebulus c r, Prunus padus a 1.2, b 2.2, Sambucus nigra b 1.2, c 1.2, Ribes Uva-crispa b 1.2, c 1.2, Fraxinus excel­ sior b 1.2, c + , Cornus sanguinea b 1.2, c + , Berberis vulgaris b + , c 1.2, Evonymus europaeus b + , c + , Crataegus monogyna b + , c + , Rhamnus frangula a + , b + , c + . KRAUT­ SCHICHT: Luzula albida a 2.2. Dryopteris filix-mas a 1.2, Actaea spicata a 1.2, Maianthe- mum bifolium a 1.2, Quercus robur a + , Hieracium silvaticum a + . Lonicera xylosteum a + , Acer pseudo-platanus a + , Melampyrum pratense a + , Viola silvatica a + , Lamium galeob- dolon b 2.2, Alliaria officinalis b 2.2, Galium silvaticum b 1.2. Chaerophyllum hirsutum b 1.2, Impatiens noli-tangere b 1.2, Myosotis sparsiflora b 1.2, Lamium rubrum b 1.2, Carex bricoides b +.3, Aspidium spinulosum b +-3, Pulmonaria officinalis b +.3, Festuca gigantea b + , Viburnum opidus b + , Adoxa moschatellina b + , Equisetum silvaticum b + , Anthriscus silvestris b + , Rumex crispus b +> Circaea lutetiana b +■ Cardamine impatiens b + , Lysima- chia vulgaris b + , Thalictrum aquilegifolium b -j-, ’TItalictrum flavum b + , Filipendula ulmaria b + , Carex acutiformis b +» Phragmites communis b + , Iris pseudacorus b + , Glechoma hederacea b + , Pimpinella major b + , Stellaria media b -f-, Polvgonum convolvulus b + , Rumex acetosa b + , Convolvulus sebium b + , Veronica serbvllifolia b r, Sanginsorba officinalis b r, Selinum carvifolium b r, Holcus lanatus b r, Chelidonium majus b r. Salvia glutinosa c 1.2. Moehringia trinervia c 1.1, Leucojum vernum c 1.3, Fraxinus excelsior c + , Symphytum tuberosum c + , Ainus incana c + , Mentha longifolia c + , Listera ovata c + , Ra- nunculus lanuginosus c + , Berberis vulgaris c + , Lysimachia nummularia c +.3, Solidago sero- tina c +.3, Ornithogalum umbellatum c +.3, Sambucus ebulus c r, Platanthera bifolia c r, Gagea lutea c r, Urtica dioica a +> b 2.2, c 2.3, Anemone nemorosa a 2.2, b + , c 1.2, Carex hirta a -f-, b + , c 1.2, Paris quadrifolia a + , b + , c 1.2, Prunus padus a + , b + , c + , Ajuga reptans a + , b -j-, c + , Oxalis acetosella a 2.2, b + .3, Stellaria nemorum b 2.2, c 1.3, Poa trivialis b 2.2, c + , Cirsium oleraceum b 2.2, c +.3, Struthiopteris Germanica b 1.3, c 3.3, Aegopodium podagraria b 1.3, c3.3, Brachypodium silvaticum b 1.3, c 2.2, Anemone ranunculoides b 1.3, cl.2, Gera­ nium phaeum b 1.2, c + , Geum urbanum b l.2 , c + , Angelica silvestris b 1.2, c -f-, Carex muricata b + , cl.2, Chrysosplenium alternifolium b + , c2.2, Ranunculus ficaria b + , cl.2, Myosotis silvatica b -f, c 1.2, Eupatorium cannabinum b + , c + , Ranunculus repens b + , c + , Deschampsia caespitosa b + , c 4-, Cirsium palustre b + , c + , Heracleum sphondylium b + , c -f-, Erigeron annuus b + , c + , Asarum europaeum a + , b +.3, Poa pratensis a r. c 1.2, Poly- gonatum multiflorum a 1.2, c + , Evonymus europaeus a + , c -j-, 7 araxacum officinale b r, er, Dactylis glomerata b-f-, c - f , Galium aparine b + , c + , Lamium purpureum a + , c -f-, Cen­ taurea jacea a + , c + . Welche Hinweise wurden nun aus dieser ursprünglichen Waldvegetation für die Landwirtschaft gewonnen? Die zunächst wichtigste und grundlegende Frage 11
  12. 12. läutete, wie der Landwirt mit Hilfe seiner Kulturen in ähnlicher Weise wie die W älder einerseits die nachteilige Wirkung des Klimas auf Boden und Pflanzen­ wuchs abzuschwächen, anderseits seine aufbauenden Kräfte zu unterstützen ver­ mag. Unter den lichten Stieleichen-Weißkiefernwäldern wuchs dank des hohen Lichteinfalles meist eine, ziemlich dicht geschlossene niedere Krautschicht, die das rasche Absickern der Niederschläge hinderte. Reste dieser Waldbestände sind auf den Gründen des Betriebes allerdings nicht mehr vorhanden. Ihre flächenmäßig ohnehin geringen Standorte dienen heute zur Gänze der landwirtschaftlichen Nut­ zung. Vergleiche mit nahe gelegenen Waldbeständen auf ähnlichen Standorten geben aber Einblick in ihren Aufbau. d) Talmähweiden Der wichtigste Hinweis, den wir für die Landwirtschaft aus dem Aufbau die­ ser Stieleichen-Weißkiefern-Wälder gewinnen können, ist, daß sich ihre Stand­ orte am besten unter allen Flächen für die Anlage von Mähweiden eignen. Das mag zunächst ungewöhnlich erscheinen, doch wird es bei näherer Betrachtung rasch verständlich. Die dichte Weidenarbe mindert ähnlich dem Unterwuchs der lichten W älder das rasche Absickern der Niederschläge auf den durchlässigen Böden. Anderseits schützt der hohe Gerüstanteil des Bodens vor Verdichtung durch den Weidetritt und vor Verschlämmung. Auf diese Weise sichert er den für dieses Klima besonders geeigneten, an die Bodendurchlüftung hohe Ansprüche stellenden Weidepflanzen ausreichenden Luftgenuß. Außerdem, begünstigt er die Bodenerwär­ mung und ermöglicht dadurch ein frühes und lange andauerndes, die guten Feuch- tigkeitsbedingungen im Frühjahr und Herbst bestens auswertendes Wachstum. Die Niederschlagsmenge dieses Gebietes von 993 mm im 100jährigen Durchschnitt reicht auch auf stark durchsteinten Böden für eine intensive Weidenutzung aus. Zur Überbrückung der regelmäßig auftretenden Trockenperioden ist es nur nötig, die richtigen Weidepflanzen zu wählen und die Pflege der Weiden darauf abzustim­ men. Das bedeutendste Weidegras dieser Standorte ist das Wiesenrispengras Poa pra­ tensis. Als ausgesprochene Pflanze stärker kontinental beeinflußter Gebiete erträgt es ebensogut Winterkälte uncf Spätfröste wie zeitweise Trockenperioden und ist dankbar für Sommerwärme und hohen Lichtgenuß. Entsprechend seinem überaus feinen, sehr reich verzweigten, dichten Wurzelgeflechtes verlangt es eine sehr gute Bodendurchlüftung. M it ihm zusammen vermag sich auch das Deutsche Weidelgras Lolium peren n e in mäßigem Anteil frohwüchsig zu behaupten, das als Weidegras allein in diesem Gebiet kaum geschlossene Rasen bildet und häufig kümmert. Von den Kleearten ist der Weißklee Trifolium repens die wichtigste Weidepflanze. Er wird ergänzt durch den Gemeinen Hornklee Lotus corniculatus, der sich nament­ lich in den trockenen Jahren in noch wenig geschlossenen Beständen kräftig ent­ wickelt und dadurch ein vorübergehendes Zurückgehen des Weißklees ausgleicht. Zu den entscheidendsten Pflegemaßnahmen dieser Weiden gehört die Stallmist­ düngung. Sie hilft in möglichst kurzer Zeit über dem durchlässigen, stark durch­ steinten Boden eine Humusschicht aufzubauen, die schon bei geringer bis mäßiger Mächtigkeit die wasserhaltende Kraft des Bodens beträchtlich erhöht, ohne dessen gute Durchlüftung und leichte Erwärmbarkeit nennenswert zu verändern. Vor allem das Wiesenrispengras wird durch eine dünne, am besten im Spätfrühling oder Sommer ausgebrachte Stallmistdecke gefördert. Es entwickelt dann besonders zahl­ reiche Ausläufer, die rasch einen dichten Wurzelfilz und eine dichte Grasnarbe bil­ 12
  13. 13. den. Ein augenscheinliches Beispiel dafür bietet die schotterreichste Fläche mit den Vegetationsaufnahmen 11 und 12. Diese Fläche trug zunächst noch nicht die er­ wünschte Weidenarbe. Ehemaliges Wiesenland wurde ohne Neuanlage in die Mäh- weide einbezogen und die BestandesumWandlung ging nur langsam vor sich. Wie aus Aufnahme 11 ersichtlich ist, betrug der Bestandesanteil des Wiesenrispengrases im Jahre 1958 nur etwa 5%. Doch schon eine einmalige Mistgabe im Jahre 1959 bewirkte eine grundlegende Bestandesumwandlung. Bereits im Jahre 1961 war der Bestandesanteil des Wiesenrispengrases unter Aufbau eines geschlossenen Weide­ rasens auf 80 bis 90% gestiegen. Das Deutsche Weidelgras hatte dagegen von ver­ einzelt auf sehr vereinzelt abgenommen (vgl. Aufnahme 12). Eine ähnliche Bestan­ desumschichtung erfolgte auf der Weidefläche mit Aufnahme 9 und 10. Diese Fläche wurde nach Rodung im Jahre 1957 mit einer Weidemischung versät. Die Weidemischung enthielt dem Standort gemäß einen hohen Anteil Wiesenrispengras- Samen. Infolge schlechter Keimfähigkeit und ungünstiger Herkunft des Saatgutes ist das Wiesenrispengras nahezu ausgeblieben, während das Deutsche Weidelgras vollständig gekommen war und in den ersten zwei Jahren mit einem Anteil von zunächst 70, später 50% den Hauptgrasbestand bildete. Seine ökologisch geringe Eignung für diesen Standort sollte sich jedoch sehr bald erweisen. Bereits im Jahre 1961 trat es im Bestand nur noch vereinzelt auf. Das Wiesenrispengras dagegen hatte nach einer Stallmistdüngung im Jahre 1959 stark zugenommen und bildet nun mit etwa 60% den überwiegenden Teil des Bestandes (vgl. Aufnahme 10). Werden Stallmistgaben im Spätherbst oder zeitig im Frühjahr ausgestreut, kommen diese eher weniger erwünschten Kräutern, wie beispielsweise der Gebräuch­ lichen Kuhblume, hier meist Löwenzahn Taraxacum officinale genannt, zugute, die um diese Zeit die Nährstoffe zum Aufbau ihrer kräftigen Speicherwurzeln ergiebig nutzen kann. Jauchegaben fördern neben der Kuhblume das Knaulgras Dactylis glomerata und den besonders unerwünschten Rundblättrigen und Krausen Ampfer Rumex optusifolius, R. crispus. Die Kuhblume soll allerdings nicht nur als uner­ wünschtes Weideunkraut betrachtet werden. Sie durchstößt mit ihren kräftigen Wurzeln selbst dichter gelagerte Lehmböden und hält damit auf den zur Ver­ schlämmung neigenden Standorten die tiefreichende Aufschließung des Bodens durch die Wurzeln aufrecht. Ihre Blätter werden zudem vom Vieh gerne gefressen und fördern die Milchleistung. In den froh- und dichtwüchsigen Grasbeständen wird sie gezwungen, die Blätter aufzurichten und kann daher kaum verdammend wirken oder sich übermäßig ausbreiten. Für die Düngung mit Handelsdünger gelten zunächst als Richtlinie höhere Gaben von Phosphorsäuredüngern, von denen vor allem das Thomasmehl auf die­ sen Standorten das Wiesenrispengras sehr fördert, mittlere Stickstoff- und wegen der nachschaffenden Kraft des Ausgangsmateriales und unter Berücksichtigung der Stallmistdüngung mäßige Kaligaben. Leider reichen die stark durchsteinten Standorte, soweit sie in Hofnähe liegen, für die vom Betrieb als Mähweide benötigte Fläche nicht aus. Schon bei Beginn der Planung mußten daher Standorte herangezogen werden, deren Böden über dem Schotteruntergrund eine 30 bis 40 cm mächtige Schichte durchsteinten Lehm tragen oder im ganzen durchwurzelten Bodenraum über 200 cm tief aus schluffigem Lehm ohne Schotteranteil aufgebaut sind. M it der Zunahme des Lehmanteiles finden sich bereits die ersten Horste der Rasenschmiele Deschampsia caespitosa ein (vgl. Aufn. 3 und 4). Auf den nicht durchsteinten Lehmboden (Aufn. 1) steigt ihr Bestandesanteil stellenweise bis gegen 50%. Dieses besonders schwer zu be­ kämpfende „Weideun'kraut“ kennzeichnet vor allem die geringe Eignung dieser 13
  14. 14. Standorte für die Anlage intensiver Mähweiden. Schon durch ihre sich allmählich über dem Boden aufbauenden Horste und durch das beträchtliche Durchlüftungs­ gewebe ihrer dicken Wurzelstränge (vgl. auch SCHRÖDER 1952), weist sie auf die schlechte Bodendurchlüftung hin. Auch läßt sie infolge ihrer geringeren Wärme­ ansprüche, denen ihre spätere Entwicklung und vor allem ihr langsamerer Wachs- tumsäblauf entsprechen, die geringere Erwärmung und die geringere Tätigkeit die­ ser Böden erkennen. Doch nicht nur in der Zusammensetzung der Bestände, auch in der Güte und Menge der Erträge zeigt sich der Nachteil der nicht durchsteinten Böden im Ver­ gleich zu den durchsteinten Böden. Auf den Böden mit etwa 30 bis 40 cm mächtiger durchsteinter Lehmschichte über Schotteruntergrund sind die Erträge bisher am höchsten. Allerdings haben infolge der aus technischen Gründen bisher nur äußerst selten durchgeführten Stallmistdüngung die Standorte mit dem weiter herauf rei­ chenden Schotterboden, wie Vergleiche mit anderen beratenen Betrieben zeigen, noch lange nicht die volle Ertragsfähigkeit erreicht. Die genaueren Angaben über die Erträge und die physikalischen Eigenschaften der Böden erscheinen in Kürze in einer Arbeit, die die Weidefrage des Gebietes im besonderen behandelt. In diesem Zusammenhang sei nun in nachstehender Tabelle die Ertragsentwicklung auf der Gesamtweidefläche des Heimbetriebes seit Beginn der pflanzensoziologischen Bera­ tung dargestellt. L e i s t u n g e n d e r T a l m ä h w e i d e n v o m J a h r e 1 9 5 4 b i s 1 9 5 9 Jahr 1954 1955 1956 1957 1958 1959 Gesamtweidefläche in ha 4,0 4,0 4,8 6,6 8,0 8,0 Weidefläche je GVE in ha 0,19 0,19 0,18 0,23 0,28 0,27 Düngung in dz/ha: Mist 100: 100; Thomasmehl 4,0 5,5 6,0 7,0 7,0 Kalisalz 40%ig 1,5 2,0 2,0 2,5 3,0 Nitramoncal 1,5 3,0 3,5 4,0 4,0 Weideleistung, kSt E/ha 1730 2460 3340 3530 3670 4000 100: — Stallmistdüngung erfolgte nur auf Teilfächen. e) Äcker Im Gegensatz zur Weidenutzung sind für die Ackernutzung die Lehmböden gut geeignet. In den Wäldern, die sie ehemals trugen, wuchsen besonders Linden und Stieleichen (vgl. Aufnahme a, S. 11). Unter ihrem stärker beschattenden Laub­ dach war die Krautschicht schütterer. Die obersten Bodenschichten waren weniger durchwurzelt, doch drang eine größere Zahl kräftiger Wurzeln weit in den Lehm­ boden hinab. Auf diese Weise wurde das feingehaltreiche Ausgangsmaterial in mächtigen Schichten aufgelockert und mit Humus angereichert, während gleich­ zeitig durch das geschlossene Laubdach die ungünstige Wirkung der heftigen Niederschläge auf den Boden in den Sommermonaten abgeschwächt wurde. Abb. 2. Wurzelsystem der Kuhblume Taraxacum officinale. I auf Fläche der Aufnahme 1 mit Lehmboden; Speicherwurzeln in den obersten Bodenschichten kräftig entwickelt, danach starke Aufgliederung, rasche Verjüngung und geringere Feinverzweigung mit abnehmender Durch­ lüftung in den unteren Bodenschichten. II auf Fläche der Aufnahme 8 mit stark durchsteintem Boden; Speicherwurzeln in den obersten Bodenschichten schwächer entwickelt, geringere Aufgliederung, allmählichere Verjüngung und stärkere Feinverzweigung in dem bis in tiefere Lagen besser durchlüfteten Boden. (In der Arbeit enthaltene Wurzelzeichnungen von E. L1CHTENEGGER). 14
  15. 15. 15
  16. 16. Entsprechend diesem Bestandesbild muß auch die Landwirtschaft eine mög­ lichst tiefreichende Durchwurzelung und eine Bodenabschirmung anstreben. Zum Unterschied von der Weidewirtschaft, bei der die einzelnen Pflanzen infolge der häufigeren Nutzung und des engen Standraumes nicht ihre größte Wurzeltiefe er­ reichen können, erlaubt die Ackerkultur wegen der längeren, zumindest bis zur Blüte anhaltenden Wachstumszeit und durch den schüttereren Stand der Pflanzen eine volle Entwicklung der Wurzelsysteme. ' Unter den Getreidearten erreicht eine der größten Wurzeltiefen von über 220 cm der Winter-Weizen. Außerdem erträgt er trotz seiner tiefreichenden Wurzeln am besten mäßige Bodendurchlüftung. Er ist dankbar für feingehaltreiche Böden, wenn diese bis in die tiefen Schichten genügend erwärmt sind. Zeitweise Trocken­ perioden im Frühling und Sommer vermag er durch Erschließung der tiefen Boden­ lagen und durch Ausnutzen der günstigen Wachstumszeit im Herbst und Vorfrüh­ ling verhältnismäßig gut zu ertragen. Deshalb ist er die geeignete Kulturfrucht die­ ser Standorte. Nach ihm folgt die Sommergerste, doch sinkt ihr Ertrag infolge ver­ späteter Ansaat auf den im Frühjahr langsam abtrocknenden Lehmböden mitunter stark ab. Auch kann sie ihr Wurzelsystem wegen der mäßigen Durchlüftung dei Böden nicht bis in größere Tiefen ausdehnen. Sie leidet daher mehr unter den vor­ übergehenden Trockenzeiten. Die Gerste gewinnt im Kärntner Becken für die durchsteinten Böden größere Bedeutung, wenn diese genügend mit Humus versorgt sind. Der Roggen nimmt infolge des zeitigen Wachstumsbeginnes im Frühjahr eine übereilte Entwicklung, bleibt in den vegetativen Teilen schwach und wird zudem sehr häufig während der Blütezeit durch Spätfröste geschädigt. Sein im Vergleich zum Weizen stärker feinverzweigtes Wurzelsystem verlangt auch eine bessere Durch­ lüftung der Böden. Der Hafer leidet durch das unregelmäßige Wärme- und Feuch­ tigkeitsanbot, wenn höhere Erträge erzielt werden sollen, stark unter Lagergefahr. Doch selbst bei Auswahl tiefwurzelnder Getreidearten und bei bestem Gedeihen der Pflanzen wird der ehemals durchwurzelte Bodenraum nicht zur Gänze genutzt. Dieser Nachteil wird durch das Auftreten sehr tiefwurzelnder Wildpflanzen in den Kulturbeständen gemildert. So weist auch KOPETZ (1949) auf die biologische Bedeutung des Unkrautes im Ackerbau hin. Besonders beachtenswert sind in dieser Hinsicht die am tiefsten wurzelnden Arten, wie Acker-Kratzdistel Cirsium arvense und Ackerwinde Convolvulus arvensis. Sie erreichen bei mehrjähriger Entwicklung mitunter noch größere Wurzeltiefen als der in einer Wiese des Betriebes auf lehmi­ gem Gleyboden freigelegte Krause Ampfer Rumex crispus, dessen Hauptwurzel erst in einer Tiefe von 327 cm endete (vgl. KUTSCHERA 1960, S. 185). In dieser Tiefe und darunter wurden beim Freilegen des Krausen Ampfers auch noch alte Wurzelreste des früheren Waldes gefunden. Je mehr nun durch Wirtschaftsmaßnah­ men diese Unkräuter verdrängt werden, desto notwendiger ist es, durch ergänzenden Anbau gleich tief wurzelnder Kulturpflanzen das für den Wasser- und Lufthaushalt dieser Standorte besonders wichtige tiefreichende Erschließen des Untergrundes zu erhalten. Am besten eignet sich dazu die Luzerne. Sie erreichte auf den Lehmböden des Betriebes bereits nach 15 Monaten eine Tiefe von 221 cm, wobei eine Pflanze mitunter mehrere Wurzelstränge bis zu solchen Tiefen hinabsenden kann. Dem großen Tiefenstreben der Luzerne steht aber ihre schwache Durch­ wurzelung der oberen Bodenschichten entgegen. Hierin ist ihr das Getreide über­ legen, doch gewährt dieses dem Boden gerade während der Sommermonate unge­ nügenden Schutz. Ausgleich bieten Einsaaten von Weißklee in das Getreide zur Gründüngung oder unter den Hauptfrüchten der Anbau von Kartoffeln bzw. Silo­ mais. Für die Kartoffel sind zwar die mäßig durchlüfteten Lehmböden keine foe- 16
  17. 17. Abb. 3. Ersatz tiefreichender Bodendurchwurzelung von Unkräutern durch Kulturpflanzen. I Acker-Kratzdistel Cirsium arvense, II Luzerne Medicago sativa, 15 Monate alt. Beide unmittelbar nebeneinander auf lehmigem, schwach verbräuntem Mülgleyboden mit dicht gelagertem Gleyhorizont freigelegt. 2 17
  18. 18. sonders guten Standorte, doch sagen ihr schon die schwach durchsteinten Lehm­ böden und namentlich die frischen, mehr oder weniger sandigen Auböden besser zu. Günstig für die Abschirmung des Bodens während der Sommermonate wirkt auch das Landsberger Gemenge als ganzjährige Kultur bei fortgesetzter Futternutzung oder anschließender Samengewinnung des Italienischen Raygrases. Diese Betrachtungen ergaben, daß unter Berücksichtigung der Absatzmöglich­ keiten und der Arbeitseinteilung für den Betrieb zunächst zwei Fruchtfolgen vor­ geschlagen wurden. 1. Fruchtfolge: Luzerne mit sehr schwacher Beimengung von Italienischem Raygras zweijährig — Winterweizen mit Weißklee-Einsaat zur Gründüngung — Kartoffel und auf kleinen Teilflächen Silomais — Winterweizen, Zwischenfrucht Lihoraps mit Stallmistdüngung — Sommergerste, nach der Ernte Luzerne-Einsaat. Die Luzerne benötigt wegen ihrer langsameren und oft sehr schwachen Knöll­ chenbildung auf den mangelnd durchlüfteten Böden während der Jugendentwick­ lung meist eine Stickstoffdüngung, um auch die starke Stickstoffbindung im Boden während der Hauptverrottung der Getreiderückstände auszugleichen. Einsaaten von häherwüchsigen Leguminosen in das Getreide sind wegen der Ernteschwierigkeiten wenig erwünscht, zumal am Betrieb der gesamte Getreidebau der Saatgutvermeh­ rung dient. 2. Fruchtfolge: Luzerne oder Rotklee mit sehr schwacher Beimengung von Italienischem Raygras einjährig — Winterweizen — Landsberger Gemenge und auf Teilflächen Silomais — Wdnterweizen mit Weißkleeuntersaat oder Nachsaat von Winterraps zur Gründüngung —• Kartoffel — Sommergerste, nach der Ernte Luzerne oder Rotklee-Einsaat. Auf die Zweite Fruchtfolge wurde bisher die Ackerwirtschaft im wesentlichen aufgebaut. Ihre geringere Futterfläche entspricht besser dem derzeit wegen Mangel an Stallraum nicht mehr zu vergrößernden Viehstand. Außerdem ist sie besser den Standortsverhältnissen auch der tiefer gelegenen Auflächen des Heimbetriebes an­ gepaßt. Die Wälder, die die Auflächen des Heimbetriebes ehemals trugen, setzten sich vorwiegend aus Weiden, Schwarzerlen, Grauerlen, Pappeln und Eschen zusammen, während die Stieleiche erst sehr vereinzelt vorkam (vgl. Aufn. b, S. 11). Bei höhe­ rem Gerüstanteil der Böden und rascher fließendem Grundwasser herrschte die Grauerle, bei Zunahme des Feingehaltes, meist mächtigerer Humusauflage und langsamer fließendem Grundwasser die Schwarzerle vor. Im Zuge der Ackernutzung entwickelten sich an ihrer Stelle Bestände von Zweizahngesellschaften, vor allem solche der Sumpfkressen-Wasserdarmgesellschaft (Rorippo-Malachietum, vgl. Aufn. 13 bis 16 und 41 bis 47). Nach Absenkung des Grundwassers auf 180 bis 200 cm begann sich das Großklima auf diesen Flächen immer stärker auszuwirken, wenn auch der ausgleichende Einfluß des nahezu gleichmäßig anhaltenden Grund- wasserstromes bei dieser Tiefenlage in abgeschwächter Form erhalten blieb (vgl. MEISEL 1960). Das für das Getreide verhältnismäßig hohe Wasseranbot fördert seine vegetative Entwicklung stärker als auf den übrigen Standorten des Heim- betrieibes. In gleicher Richtung wirkt das reichlichere Stickstoffanbot dieser Böden. Unter den Erlenbeständen konnten sich sehr stickstoffreiche Pflanzenrückstände an­ sammeln, aus denen nun, begünstigt durch das rege Bodenleben, die gute Versor­ gung der Pflanzen mit diesem Nährstoff erfolgt. Die Folge sind übermäßige Bestok- kung und große Lagergefahr des Getreides. Dem gegenüber besteht wegen des ge­ ringeren Mineralstoffanbotes der Böden die Neigung zu schwächerer Kornbildung. 18
  19. 19. Um dem entgegenzuwirken, ist neben erhöhter Düngung mit Phosphorsäure und Kalisalz der Voranbau von Landsberger Gemenge mit ganzjähriger Nutzung sehr geeignet. Die Rückstände des Italienischen Raygrases weisen anfangs ein weiteres C : N-Verhältnis auf, zersetzen sich langsamer, so daß während der Jugendentwick­ lung des Getreides das Stickstoffanbot geringer wird. Der Winterweizen, der auch auf diesen Standorten wegen seiner Standfestigkeit die geeignetste Getreidefrucht ist, bestockt sich daher weniger und bildet kräftigere Halme. Durch die starke Wurzelbildung des Landsberger Gemenges werden auch die ihm zugeführten M ine­ ralstoffe, soweit sie nicht durch das Erntegut wieder entnommen wurden, gleich­ mäßiger im Boden verteilt, so daß dem Winterweizen auch in den tieferen Boden­ lagen eine bessere NährstoffVersorgung zur Verfügung steht. Anderseits wirkt sich auf diesen Standorten die starke stickstoffzehrende Wirkung des Landsberger Ge­ menges bei ganzjähriger Nutzung weniger nachteilig als auf den Stickstoff-ärmeren, höher gelegenen Böden des Heimbetriebes aus. In der Fruchtfolge leistet nicht nur der Rotklee, sondern auch die Luzerne selbst auf diesen Standorten wertvolle Dienste, da erst nach Absenken des Grund­ wassers die stärkere Durchwurzelung des Unterbodens und Untergrundes erfolgen konnte. Es genügt aber wegen der noch immer geringeren Mächtigkeit der Grund­ wasser-freien Horizonte ihr einjähriger Anbau. Vorzüglich gedeiht die Kartoffel auf den frischen, teilweise Grobgehalt-reicheren Auböden. Bisher mußte allerdings die Bestellung des vorgesehenen Rotklee- bzw. Luzerne­ schlages sowohl auf den grundwasserferneren Böden als auch auf den Auböden zu­ meist unterbleiben. Wegen der Ertragszunahme des Grünlandes bedurfte es trotz beträchtlicher Erhöhung des Viehstandes und allmählichen Umbruches aller zur Ackernutzung geeigneten Wiesenflächen des Heimbetriebes neben dem Lands­ berger Gemenge keiner zusätzlichen Futtergewinnung. Nur einmal erfolgte auf den grundwasserferneren Böden auf einem ganzen Schlag, und zwar im Jahre 1960, die Ansaat von Rotklee mit schwacher Beimengung von Italienischem Raygras. Für den Anbau von Rotklee eignen sich besonders jene Flächen, auf denen das Auftreten des Ackerschachtelhalmes ein Heraufreichen der Grundfeuchtigkeit bis in mittlere Tiefen anzeigt. Ein großer Wert des Rotklees liegt in der Erleichterung der Arbeitsvertei­ lung bei der Futterernte und insbesondere der Einbringung des Futters. Wegen sei­ ner langsameren Entwicklung im Frühjahr kann sein erster Schnitt erst nach der Mahd eines Teiles der Dauergrünlandflächen erfolgen. M äßig abgetrocknet, läßt er sich sehr leicht silieren und liefert ein ausgezeichnetes Futter besonders für die J ungrindermast. Um andauernd befriedigende Erträge auf dem Ackerland zu erzielen, spielt neben der standortsgemäßen W ahl der Feldfrucht und der Düngung die ebenfalls dem Standort entsprechende Saatzeit und Saatmenge eine besonders entscheidende Rolle. Bei Winterweizen, und zwar bei der hier durchwegs verwendeten Sorte Dr. LASSER’s Dickkopf, liegt auf den Flächen des Heimbetriebes die beste S a a t ­ z e i t zwischen dem 30. September und 8. Oktober. Bis 14. Oktober sind im allge­ meinen noch keine großen Nachteile zu befürchten. Bei späterer Saat sinken Er­ tragssicherheit und Ertragsergiebigkeit jedoch rasch ab. Ein deutliches Beispiel dafür bieten die Winterweizenerträge im Jahre 1956. Am 12. Oktober angebaut, brachte der Winterweizen 33 dz/ha, am 22. Oktober 26 dz/ha, bzw. durch sehr mageren, rohen Boden verschärft, 18 dz/ha, und am 26. Oktober, infolge besonders ungünstiger W itterung und schwieriger Anbauverhältnisse, 14 dz/ha. Bei der spä­ ten Saat konnten auf diesem Felde die Jungpflanzen ihr Wurzelsystem im Herbst 2* 19
  20. 20. Abb. 4. Der ähnliche Tiefgang der unterirdischen Pflanzenteile des Ackerschachtelhalmes Equisetum arvense (links) und des Rotklees Trifolium pratense (rechts, 15 Monate alt), beide nebeneinander freigelegt auf dem Ort der Aufnahme 33, weisen auf die ähnlichen Feuchtig­ keitsansprüche beider Arten hin. und Winter nicht mehr in jene Tiefen vortreiben, in denen die Wärme kaum unter die Keimtemperatur des Weizens absinkt, und wo deshalb eine Wurzeltätigkeit auch im W inter und namentlich im zeitigen Frühjahr während der Schneeschmelze und der Bodenfröste möglich ist. Wie Abb. 5 zeigt, erreichen die Wurzeln des Winterweizens bei zeitgerechter Saat im Herbst auf den tiefgründigen, nährstoff­ reicheren Böden des Betriebes noch eine Wurzeltiefe von etwa 70 cm, die sie bis zum Frühjahr auf 120 cm Tiefe ausdehnen können. 20
  21. 21. Abb. 5. Wurzeltiefe des Winterweizens (Sorte Dr. LASSER’s Dickkopf). I 70 Tage nach der Aussaat am 2. Dezember 74 cm, freigelegt auf der Fläche der Aufnahme 23, II nach der Winterruhe am 22. März 120 cm, III in der Milchreife Ende Juni 178,5 cm, beide freigelegt auf der Fläche der Aufnahme 20. (Aus KUTSCHERA I960). Der zeitgerechten Aussaat und guten Ausbildung des Wurzelsystems entspricht der verhältnismäßig hohe Ertrag, der auf der Fläche der Aufnahme 20 eine Höhe von 36 dz/ha, auf jener der Aufnahme 23 trotz 10%iger Ertragsminderung durch Hagelschlag eine solche von 30 dz/ha erreichte. Auch im Jahre 1961 brachte der Winterweizen bei rechtzeitiger Ansaat am 27. September und 5. Oktober 30 und 38 dz/ha, bei außerbetrieblich verursachter, verspäteter Ansaat am 25. Oktober trotz erhöhter Saatmenge 22 dz/ha, so daß der Durchschnittsertrag am Betrieb bei 30 dz/ha verblieb. Der durchschnittliche Winterweizen-Ertrag des Betriebes beträgt in den Jahren 1955 bis 1961 28,2 dz/ha, jener des Gebietes in der gleichen Zeit, mit Ausnahme des Jahres 1961, 22,1 dz/ha. Die Sommergersten-Erträge befriedigen in diesem Gebiet am besten bei einer Saatzeit zwischen 10. und 25. März. Im April ausgesäte Gerste kann, wie die Flä­ 21
  22. 22. chen in der „Lehmgrube“ (Aufnahme 17 bis 19, 36, 48) im Jahre 1958 zeigen, viel leichter eine Mißernte bringen. Die Ursache dieser Mißernte lag allerdings auch in einer außergewöhnlichen, seit 100 Jahren nicht mehr beobachteten Trockenheit im M ai und in der ersten Junihälfte. Infolge vorher langer Schneelage und langsamer Abtrocknung des durch den Lehmabbau vertieft im Gelände liegenden Feldes hatte die Aussaat nicht früher erfolgen können, so daß die jungen Gerstenpflanzen durch die immer stärker werdende Trockenheit im besonderen M aße'Schaden litten. Die günstigste S a a t m e n g e für Winterweizen liegt auf den grundwasser­ ferneren Lehmböden und durchsteinten Lehmböden für die Sorte Dr. LASSER’s Dickkopf bei 220 kg/ha, auf den grundwassernahen Auböden derzeit bei 150 bis 165 kg/ha. Auf sehr schotterreichen, außerhalb des Betriebes liegenden Flächen, in deren Unkrautbestand mehr oder weniger häufig die Gebräuchliche Ochsenzunge Anchusa officinalis vorkommt, steigt die Saatmenge auf 240 kg/ha an. Ähnlich sind die Unterschiede in der Saatmenge bei der Sommergerste, Sorte Haisa. Bei einer Saatmenge von 170 kg/ha brachte diese Sommergerste auf Lehmboden (Teilschlag Aufnahme 20, 21) im Jahre 1957 den höchsten am Betrieb erzielten Ertrag von 36 dz/ha, ohne auch nur inselweise zu lagern. Auf den grundwassernahen Auböden (Teilschlag Aufnahme 13 bis 16) bewirkte eine Saatmenge von 160 kg/ha im Jahre 1956 einen derart dichten Bestand, daß dieser bald nach dem Schoßen gänzlich lagerte und deshalb nur einen Ertrag von 20 dz/ha brachte. Die günstigste Saat­ menge der Sommergerste liegt hier bei 120 kg/ha. Erst wenn der Boden tiefgrün­ diger durchwurzelt, der Mineralstoffgehalt erhöht und das Wasser- und Stickstoff- anbot in den oberen Bodenschichten vermindert ist, werden auch hier höhere Saat­ mengen bei Weizen und Gerste zweckmäßig sein. Im Unkrautbestand wird sich dies vor allem durch das vollständige Zurückgehen des Dreiteiligen Zweizahnes Bidens tripartitus, des Wasserdarmes M alachium aquaticum und der Großen Brennessel Urtica dioica bemerkbar machen. Der günstige Einfluß von richtiger Saatzeit und Saatmenge ist durch standorts­ gemäße Düngung weiter zu festigen. Als Grundregel für den Getreidebau auf den Standorten der Auböden mit den Beständen der Sumpfkressen-Wasserdarm-Gesell- schaft gilt, daß die Stickstoffdüngung selbst bei schütterem Stand des Getreides unterbleiben soll. Nach Umbruch des alten Wiesenlandes auf Teilschlag, Auf­ nahme 59 bis 61, im Jahre 1954 stand der im Herbst angesäte Winterweizen nach teilweiser Auswinterung auf dem noch nicht gesetzten Boden im Frühjahr so schüt­ ter, daß eine Neuansaat mit Sommerweizen erwogen wurde. Trotzdem wurde von einer Stickstoffdüngung dringend abgeraten, da auf Grund pflanzensoziologischer Vergleiche mit ähnlichen Standorten anderer Betriebe diese nur zum Lagern des Bestandes führen würde. Tatsächlich hat sich der Bestand ohne Stickstoffgabe in kurzer Zeit gut erholt und brachte bei einer Saatmenge von nur 165 kg/ha einen Ertrag von 33 dz/ha. Die Phosphorsäuredüngung ist hier am besten in Form von Thomasmehl zu verabreichen. So günstig sich die Düngung mit Superphosphat auf den grundwasserferneren, kalireicheren Lehmböden bei getreideintensiver Frucht­ folge auswirken kann, so nachteilig wirkt sie auf den grundwassernahen Auböden durch ihre Förderung der auf diesen Standorten ohnehin starken Neigung zur Be­ stockung. So verursachte im Jahre 1959 auf den Teilschlägen, Aufn. 59 bis 61 und 42 bis 45, eine nur zur Hälfte der Phosphorsäuredüngung verabreichte Gabe von Superphosphat eine übermäßig vegetative Entwicklung, der die Kornbildung nicht foleen konnte. Dies ist um so bemerkenswerter, als in den übrigen Jahren die Korn­ bildung bei Winterweizen immer befriedigte und den Güteanforderungen der Saat­ gutvermehrung entsprach. Die Düngung mit Kalisalz ist jedoch auf den grund­ 22
  23. 23. wassernahen, gerüstreicheren Böden, vor allem bei steigenden Erträgen, stärker als auf den grundwasserferneren Lehmböden zu erhöhen und hat sich mehr nach den Nährstoffentzugszahlen unter besonderer Berücksichtigung der Kornqualität zu rich­ ten (vgl. KOPETZ 1958 a, 1958b). Auf den grundwasserferneren Lehmböden, auf denen stellenweise das häufigere Auftreten des Hühnerdarmes auf eine bessere Ver­ sorgung mit Kalisatz hinweist und die Verschlämmungsgefahr der Böden größer ist, sind hingegen höhere Phosphorsäuregaben zweckmäßig. Selbst eine weitgehende Berücksichtigung der standortsgemäßen Saatmenge, Saatzeit und Düngung vermag aber nicht die Ertragsunterschiede der einzelnen Standorte gänzlich auszugleichen. Die nun folgende nähere Besprechung der Stand­ ortsunterschiede an Hand der verschiedenen Pflanzenbestände und Böden der ein­ zelnen Schläge sei daher wiederum ein Hinweis auf deren Bedeutung für die ge­ samte Wirtschaftsplanung des Betriebes. Innerhalb der grundwasserferneren Böden brachte der Teilschlag Aufn. 20, 21 regelmäßig die höchsten Erträge. Sein Boden ist nicht nur tiefgründiger humos, sondern infolge leichter Südneigung auch höher erwärmt. Dies geht aus dem Auftreten einer größeren Zahl wärmebedürftigerer Arten, wie Venusspiegel, Kahle und Großblütige Wicke und Ackerröte, hervor. Die schlechtesten Erträge lieferte der Teilschlag Aufn. 36. Auf ihm wurde der Lehm zur Ziegelgewinnung über 2 m tief abgebaut, so daß der rohe Untergrund nun der Ackemutzung dienen muß. Die geringere wasser- und nährstoffhaltende Kraft, die Armut des Ausgangsmateriales kommen im Zurücktreten anspruchsvollerer Arten und im häufigeren Auftreten des Einjährigen Knäuelkrautes zum Ausdruck, das hier trotz des höher anstehenden Grundwassers vorkommt. Teilschlag Aufn. 20, 21 brachte bei Winterweizen 36 dz/ha, bei Kartoffeln 350 dz/ha, Teilschlag Aufn. 36 18 bzw. 100 dz/ha. Ertragsmindernd wirkte hier allerdings bei Weizen verspätete Ansaat und bei Kartoffeln abgebautes Pflanzgut. Bezeichnenderweise war jedoch der Ertragsunterschied beider Schläge bei Anbau von Landsberger Gemenge am geringsten (vgl. Tabelle S. 28). Der Anteil an Hülsenfrüchtlern schafft auf dem rohen Boden eine natürliche Stickstoffquelle, durch die das Wachstum der Gräser weniger zurückbleibt. Deshalb wirkte sich auch der Anbau von Weißklee als Zwi­ schenfrucht zur Gründüngung gerade auf Teilschlag Aufn. 36 besonders ertrags­ fördernd für die nachfolgende Getreidefrucht aus, wie im folgenden Abschnitt „Zwischenfruchtbau“ dargelegt wird. Die zweitbesten Erträge lieferte Teilschlag Aufn. 22, 23. Der Boden ist hier flachgründiger humos als der des Teilschlages 20, 21, und die Erwärmung ist infolge der ebeneren Lage geringer. Dementsprechend kommen die wärmebedürftigeren Wildpflanzen spärlicher oder nicht mehr vor. Der Winterweizen brachte hier im Jahre 1958 und 1960 29,5 und 30 dz/ha. Auf Teil­ schlag Aufn. 24 bis 26, 34, 51 liegen die Wärmeverhältnisse durch den Schutz des Waldes wieder etwas besser. Die Großblütige Wicke tritt neben den übrigen Wärme­ zeigern mit Ausnahme der Ackerröte wieder auf. Durch den geringeren Humus­ gehalt ist der Oberboden aber stärker verschlämmt. Dies zeigt sich neben dem Feh­ len der Ackerröte im Hervortreten der Arten der Zwergbinsengesellschaften, wie Krötenbinse, Ruhrkraut, Niederliegendes Mastkraut und Mauer-Gipskraut. Der Weizen, der darunter am wenigsten leidet, brachte im Jahre 1957 und 1960 29 und 30 dz/ha. Die Kartoffel, die gegen mangelnde Durchlüftung, besonders der obe­ ren Bodenschichten, empfindlich ist, gab trotz reichlicher Stallmistdüngung nur 270 dz/ha. Die Böden des Schlages Aufn. 33, 35, 49, 50, 54, 55 sind infolge ihres mehr oder weniger hohen Steingehaltes besser durchlüftet. Doch ist namentlich auf dem stärker durchsteinten Teil der Fläche (Aufn. 35, 55) die wasser- und nähr­ stoffhaltende Kraft bereits so gering, daß sie bei allen Früchten eine Ertragsminde­ 23
  24. 24. rung gegenüber dem Teilschlag 20, 21 bedingt. Auf diesem Flächenteil tritt wieder­ um das Einjährige Knäuelkraut häufiger auf. Zu ihm gesellt sich der ähnliche Standortsverhältnisse ertragende Kleine Sauerampfer. Der Winterweizen brachte hier bei rechtzeitiger Ansaat 28 dz/ha, die Kartoffel 340 dz/ha. Der Teilschlag Aufn. 29, 30 liegt in seiner Standortsbeschaffenheit und Ertragsfähigkeit ungefähr zwischen den beiden zuletzt besprochenen Schlägen. Der Wjnterweizen ergab bei rechtzeitiger Ansaat im Jahre 1958 29,5 dz/ha, die Kartoffel im Jahre 1961 300 dz/ ha. Auf den Teilschlägen Aufn. 19 und 17, 18, 48 der „Lehmgrube“ liegen die Standortsverhältnisse im Vergleich zu Teilschlag 36 günstiger. Auf ihnen reicht der belebte Boden tiefer und wurde daher durch den Lehmabbau nicht zur Gänze ent­ fernt. Die Winterweizenerträge betrugen im Jahre 1956 bei rechtzeitiger Saat 33 dz/ha, bei verspäteter 26 dz/ha, der Kartoffelertrag 1960 bei gutem Pflanzgut 320 dz/ha. Von den grundwassernahen Böden des Heimbetriebes verfügt über die größten Nährstoffreserven der Teilschlag Aufn. 42 bis 45. Auf ihm kommt die Sumpf­ kressen-Wasserdarm-Gesellschaft zur flächenmäßig größten Entfaltung. Er brachte im Jahre 1958 mit 350 dz/ha die'gleich hohe Kartoffelernte wie Teilschlag 20, 21 im Jahre 1956, obwohl Saatmenge und Stallmistdüngung niedriger lagen. Im Jahre 1961 lieferte er zusammen mit dem angrenzenden Teilschlag Aufn. 59 bis 61 den höchsten bisher am Betrieb erreichten Ertrag an Winterweizen mit 38 dz/ha. Dem­ gegenüber sinken die Winterweizenerträge auf dem Teilschlag Aufnahme 13 bis 16, bedingt durch Schotterinseln, etwas ab, wenn sie auch bei zweimaligem Anbau mit 32 und 32,5 dz/ha in diesem Gebiet durchaus befriedigten. Die W ahl der Saat­ menge und der Düngung ist auf ihm besonders schwierig, weil nährstoffreiche, sehr lagergefährdete Rinnen mit dem hier höchsten Anteil an Wasserdarm im Unkraut­ bestand auf engem Raum mit nährstoffärmeren, insbesondere trockeneren und stickstoffärmeren Schotterinseln, auf denen die Arten der Sumpfkressen-Wasser- darmgesellschaft bereits weitgehend fehlen, abwechseln. Der Teilschlag Aufn. 62, 63 brachte während seiner vierjährigen Nutzung als Wiese die höchsten Heuerträge des Betriebes mit durchschnittlich 155 dz/ha. Die Fläche mit den Aufn. 41, 46, 47 steht außerhalb der normalen Ackernutzung. Der vorwiegend anmoorig-torfige Boden ist nicht für alle in der Fruchtfolge vorkommenden Früchte gut geeignet. e der höheren Humusreserven und der leichteren Erwärmbarkeit bietet er ueii uesten Standort für den Maisbau. Im Rahmen seiner Kultur erlaubt er auch 1»die günstigste Verwertung der am Betrieb anfallenden Jauche. Die Jauche vermag hier den Boden am wenigsten zu verschlämmen. Damit blieb verhindert, daß die Jauche, wie in den ersten Jahren, auf den Weiden ausgebracht wurde und dort die Verunkrautung förderte. Der Mais erreichte auf dieser Fläche wiederholt eine Höhe von 350 bis 400 cm. Der Nachteil des einseitigen Maisanbaues besteht darin, daß er auf diesem ohnehin zur Verunkrautung neigenden Standort alljährlich einer Spritzung zur Unkrautbekämpfung bedarf. Doch bleibt dadurch die Wirkung der Unkrautbekämpfungsmittel fast ausschließlich auf nur 2 ha des Betriebes be­ schränkt. Denn auf den übrigen, in normaler Ackernutzung stehenden Flächen war es dank der unkrautmindernden Fruchtfolge in den letzten sieben Jahren nur auf drei Teilschlägen nötig, eine Unkrautspritzung vorzunehmen, und zwar auch hier nur je einmal. Diese Flächen waren vorher durch einseitige Nutzung und ungenü­ gende oder einseitige Ernährung der Kulturpflanzen übermäßig stark verunkrautet. Im Z w i s c h e n f r u c h t b a u bietet der Weißklee eine wertvolle Hilfe zur Unterdrückung des Unkrautes. Besonders auch der höheren Kaligehalt des Bodens bevorzugende Hühnerdarm Stellaria media wird durch die ebenfalls auf höheren 24
  25. 25. Kaligehalt ansprechende Pflanze verdrängt. Eingesät in das Getreide, erspart er überdies die Bestellung; des Ackers nach der Ernte. Den Mähdrusch erschwert er dank seines niederen Wuchses kaum. Als stickstoffsammelnde Pflanze erübrigt er auch die bei anderen Zwischenfrüchten meist nötige Stickstoffdüngung. W ichtig ist nur, daß der Weißklee nicht durch zu frühe und zu üppige Entwicklung zu besserem Lichtgenuß als das Getreide gelangt und dadurch diesem .gegenüber in der Nähr­ stoffaneignung voran ist. Dem läßt sich Vorbeugen durch eine je nach Standort verhältnismäßig dichte Ansaat und kräftige Jugendentwicklung des Getreides im zeitigen Frühjahr. Auf Böden mit geringem Stickstoffanbot, namentlich zur Zeit des Wachstumslbeginnes, wie auf den sich langsam erwärmenden Lehmböden des Betriebes ist die kräftige Jugendentwicklung des Getreides nur durch eine sehr zei­ tige Stickstoffdüngung im Frühjahr oder durch Düngung mit Superphosphat zu er­ reichen. Erst wenn ein dichter Stand und eine gute Entwicklung des Getreides ge­ währleistet ist, kann die Weißklee-Einsaat zu dem im Gebiet günstigsten Zeitpunkt, etwa 14 Tage nach Weggang des Schnees bzw. 14 Tage nach der unmittelbar der Schneeschmelze folgenden Stickstoffdüngung geschehen. Bei schütterem Stand und schlechtem Wachstum des Getreides empfiehlt es sich, die Weißklee-Einsaat erst ungefähr 5 bis 6 Wochen nach der oben erwähnten Stickstoffdüngung vorzuneh­ men. Wo mit Weißkleeuntersaaten zur Gründüngung auf einem Betrieb begonnen wird, sind außerdem in den ersten Jahren die Gaben von Phosphorsäure- und K ali­ düngern um ein Viertel bis ein Drittel zu erhöhen. Später braucht infolge der durch die Verrottung wieder teilweise freiwerdenden Nährstoffe die Erhöhung der Grund­ düngung nach den bisherigen Erfahrungen nur etwa 15 Prozent zu betragen. Die Zunahme an nährstoffreichem Humus sichert dem Boden eine höhere wasser­ haltende Kraft und einen größeren Nährstoffvorrat, der für den Ausgleich der hier immer wiederkehrenden Trocken- und Kältezeiten entscheidend ist. An Saatmenge genügen 6 bis 7 kg/ha Weißklee. Auf Standorten mit Auftreten von Acker-Kratz­ distel und Ackerwinde empfiehlt sich eine Beimengung von 4 bis 6 kg Luzerne, auf Standorten mit Ackerschachtelhalm eine solche von' 4 kg Rotklee. Diese geringe Beimengung von hochwüchsigen Hülsenfrüchtlern erschwert den Mähdrusch wenig und bietet vor allem auf jenen Betrieben, auf denen infolge fehlenden Futter­ bedarfes der Kleeschlag innerhalb der Fruchtfolge längere Zeit unterbleiben muß, einen Ausgleich für die so nötige Aufschließung der unteren Bodenschichten durch die Wurzeln stickstoffsammelnder Pflanzen. Im Jahre 1960 erfolgte am Betrieb erstmals die Untersaat von Weißklee zur Gründüngung in Hafer, nachdem diese auf anderen in pflanzensoziologischer Be­ ratung stehenden Betrieben schon wiederholt mit bestem Erfolg durchgeführt wor­ den war. So brachte der am Besitz von Graf GOESS in Carlsberg nach einer 1959 in Sommer-Weizen eingesäten Weißkleedecke im Jahre 1960 angebaute Hafer einen Ertrag von 38 dz/ha bei gleichzeitig sehr guter Kornbildung, so daß, mit Aus­ nahme von nur 5 Prozent Abfall, die gesamte Ernte als Saatgut dienen konnte. Der dicht stehende Sommer-Weizen hatte trotz Weißkleeuntersaat einen Ertrag von 28 dz/ha gebracht. Am Betrieb war die Weißklee-Einsaat vor allem auf dem durch Lehmabbau schlechtesten Standort, Teilschlag Aufn. 36, zur Bodenverbesserung dringend nötig. Bald nach dem Drusch des auf dem mageren Boden schütter stehenden Hafers bedeckte der Weißklee in dichtem Bestand den Boden und hatte eine Höhe von fast 20 cm erreicht. Der nachgebaute Weizen ergab 30 dz/ha. Dem­ gegenüber war die Entwicklung des Weißklees nach dem Drusch eines dichten Weizenbestandes auf einem nahe gelegenen Betrieb im gleichen Jahr infolge später Einsaat zunächst so schlecht, daß sich der Besitzer entschloß, 3 ha des 8 ha großen 25
  26. 26. Gesamtschlages umzubrechen und Winterraps anzubauen. Dadurch ergab sich eine wertvolle Vergleichsmöglichkeit. Denn schon sechs Wochen nach der Weizenernte bildete auch hier der Weißklee auf der 5 ha großen Restfläche weitgehend eine ge­ schlossene Vegetationsdecke, während der Winterraps trotz zusätzlicher Stickstoff­ düngung teils wegen verspäteter Einsaat Ende August im Wachstum auf den dicht gelagerten Böden nicht befriedigte. Wie nachstehende Bestandesaufnahmen im fol­ genden Frühjahr zeigen, unterdrückte der Weißklee den Unkrautwuchs weitgehend, während sich das Unkraut im schlecht wachsenden Rapsbestand gut entwickeln konnte. a Fläche mit Raps: Bedeckung: 40% Raps, 20% Unkraut, Bestandeshöhe 30 cm b Fläche mit Weißklee: Bedeckung: 75% Weißk., 5% Unkraut, Bestandeshöhe 10 cm Brassica Napus var. arvensis a 3.3, Trifolium repens a 2.3, b 5.5, Stellaria media a 2.2, b + , Arabidopsis thaliana a 1.1, b + . Scleranthus annuns a 1.1, b + , Rumex acetosella a 1.2, Vicia hirsuta a 1.2, b + , Agrostis alba a 1.3, b + , Cerastium caespitosum a + , b + , Veronica serpyllifolia a + , b + , Veronica agrestis a + , b + , Achillea millefolium a + , b -f, Ranunculus repens a + , b + , Plantago media a + , b + , Symphytum officinale a +> b + , Polygonum convolvulus a + , b + , Oxalis stricta a + , Veronica arvensis a + , Alche- milla arvensis a + , Vicia villosa a + , Convolvulus arvensis a + , Stachys palustris a + , Lapsana communis a +. In kurz nach dem Getreidedrusch gut stehenden Weißkleedecken sinkt die Unkrautbedeckung noch weiter ab bis auf 3 und 2 Prozent. Die dichte Bedeckung und starke Durchwurzelung des Bodens durch den Weißklee, im Gegensatz zum Winterraps, bewirkte einen lockereren Boden unter der Weißkleedecke als unter der Rapsdecke. Der Weißklee lieferte bei einer Probe­ mahd am 13. April 17 dz/ha lufttrockene oberirdische Pflanzenmasse, der Raps 13 dz/ha. Wie aus Abb. 6 hervorgeht, ist die unterirdische Masse bei Weißklee im Vergleich zu jener bei Raps noch bedeutend größer. KÖHNLEIN und VETTER (1953) geben für Weißklee im Herbst des Ansaatjahres Wurzelrückstände von rd. 7,5 dz/ha Trs., für Sommerraps vor der Blüte 3 dz/ha Trs. an. Die nachgebaute Hirse wuchs demgemäß weit besser auf der Fläche mit vor­ heriger Weißkleedecke als auf jener mit Winterrapsdecke und brachte einen um etwa 30 Prozent höheren Ertrag (siehe Bildtafel II). Dazu kommen die hier um 20 Prozent niedrigeren Anbaukosten bei Weißklee im Vergleich zu Raps. Nicht immer sind die Wachstumsbedingungen für den Winterraps jedoch gleich ungünstig wie in obigem Fall. Die Bedeutung der Rapsdecke für die Boden­ verbesserung sei daher trotz der hier besseren Wirkung der Weißkleedecke nicht unterschätzt. Der hohe Kartoffelertrag auf Schlag Aufn. 33, 35, 49, 50, 54, 55 des Betriebes wurde nach vorheriger Rapsdecke erzielt. Auch auf den dichter gelager­ ten Lehmböden erwies sich der Winterraps infolge seiner besonders leichten Zer­ setzbarkeit der Wurzel- und Sproßrückstände als wertvolle Gründüngungspflanze. Auf den Auböden zeigte sich dagegen auf diesem und auf anderen Betrieben, daß Rübsen und Raps, auf derartigen Standorten einmal eingesät, sehr leicht in den fol­ genden Getreidebeständen ähnlich einem Unkraut auftreten und schwer zurück­ zudrängen sind. Auf den grundwasserfernen, humusärmeren Böden wurde diese Be­ obachtung dagegen weniger gemacht. Innerhalb der Fruchtfolge sind deshalb für diesen Betrieb zunächst Weißkleedecken auf den Auböden und der Wechsel von Weißklee- und Rapsdecken auf den grundwasserferneren Böden vorgesehen. Im all­ gemeinen wurde schon bei der Planung der sechsschlägigen Fruchtfolge darauf Be­ dacht genommen, daß durch Ineinandergreifen der Hauptfrüchte der Zwischen- 26
  27. 27. Oben links: Weidebestand im Spätsommer des Ansaatjahres mit Vorherrschen des Deutschen Weidelgrases Lolium perenne (Veg.-Aufn. 9, 10). Oben rechts: Gleichmäßig abgeweideter vierjähriger Weiderasen mit bereits hohem Anteil von Wiesenrispengras Poa pratensis (Veg.- Aufn. 6). Unten links: Vorne dichte Weißklee-Decke im Frühjahr nach dem Ansaatjahr, eingesät in Winterweizen; hinten Ersatz eines Teiles der gleichen, nach der Ernte des W inter­ weizens zunächst schwach stehenden Weißklee-Einsaat durch Winter-Raps, der auf dem dicht gelagerten Boden kümmert und diesen nur wenig bedeckt. Unten rechts: Auf der im Bild links dargestellten Fläche nachgebaute Hirse, nach Weißklee besser, nach Raps schlechter entwickelt. Die beiden unteren Farbbilder stammen vom Betrieb Schloß Rain. Ihre Wieder­ gabe wurde in dankenswertester Weise durch einen Kostenbeitrag des Besitzers Graf Dr. Carl CZERNIN ermöglicht.
  28. 28. fruchtbau nur auf einen Schlag beschränkt bleibt. Dadurch entfällt ein häufigeres Befahren der ohnehin zur Dichtlagerung neigenden Böden und eine zusätzliche Arbeitsbelastung während des Sommers und Herbstes. Abb. 6. I Winterraps 8 Monate nach der Ansaat, II Weißklee etwa 1 Jahr nach Untersaat in Winterweizen; beide am 12. und 13. April nahe beieinander auf ziemlich dicht gelagerter lehmiger Brauenerde auf dem Gut Schloß Rain östlich Klagenfurt freigelegt. Wie schon vorher erwähnt, war allerdings bisher die Fruchtfolge wegen des raschen Ansteigens des Futterflächenertrages und des begrenzten Stallraumes nicht genau einzuhalten. Der Kleeschlag mußte meistens unterbleiben. Damit konnte auch der Gerstenanbau zugunsten des ertragssicheren Weizenanbaues entfallen, da keine folgenden Einsaaten von Rotklee bzw. Luzerne ein möglichst frühes Räumen des Feldes verlangten. Das Ziel bleibt aber nach wie vor die Beibehaltung des Fut­ terschlages in der Fruchtfolge und die Vergrößerung des Viehstandes. In der Zwi­ schenzeit sollen Weißkleedecken mit Beimengung von Luzerne oder Rotklee zur Er­ haltung und Verbesserung der Bodengüte beitragen. Das Außenfeld des Betriebes (Jungviehhof) im Außmaß von anfangs 4,5 ha, ab 1957 5 ha, dient ausschließlich der Wiesennutzung. Vor der Betriebsumstellung war das Feld verpachtet gewesen und wurde ackerbaulich genutzt. Schon im Jahre 1954 erfolgte die Ansaat einer Dauerwiesenmischung unter schütter angebauter Gerste. Die Fläche sollte in Hinkunft das Futter für das hier über Winter bis zum Almauftrieb gehaltene Jungvieh liefern. Im Jahre 1957 kamen 0,5 ha gerodetes Auland hinzu, auf dem als Vorfrucht für die im kommenden Jahr ohne Überfrucht anzulegende Dauerwiese Kartoffeln angebaut wurden. Bezeichnenderweise brachte hier die Kartoffel den höchsten am Betrieb erzielten Ertrag von 400 dz/ha. Selbst das neugerodete Weiden-Schwarzerlen-Grauerlen-Auland iblieb im Kartoffelertrag zurück. Die Düngung betrug pro ha 300 kg Stallmist, 500 kg Thomasmehl, 200 kg 40prozentiges Kalisalz und 150 kg Nitramoncal. Das Außenfeld unterscheidet sich 27
  29. 29. A n b a u - D U n g u n g s - und E r t r a g s n a c h w e i s der einzelnen S c h l ä g e (Schlagbezeichnung nach Nr. der Vegetationsaufn., ersichtlich in Vegetationskarte und Listen) Bezeichnung 2o , 21 22, 23 24,25,26 29, 3o 33,35,49 7o 17,18,48 19 36 Dreieck 42, 43 59,6o,61 13, 14 62, 63 41,46,47 Schlag 34, 51 5o,54,55 östl.36 44, 45 15, 16 Größe in ha 2,2-2,23 3- 1,8 3- 4,3 3,5o 4- 5 0 ,8-0,6 3,3o 3-1,5o-2 1 ,7o ' o,3 2 3,2o 3 ,3o 2 ,12 -2 1,5- 2 Jahr: 1954 Frucht S.Gerste Wies« ver­ Wei.Klg. ver­ Wiese Roggen Wiese u. Lehm­ Ödland Wiese Mais Wiese Wiese Wei.Rap. K a r .Ru n . ♦Einsaat pachtet pachtet Hafer Rotklee abbau Düngung, dz/ha: Rotklee Kali- Handelsdünger 1,5K 1,5K1,5K 1 ,5K 1.5K 1.5K1.5K 2.5PK Phosphat- " 4 P 4 P 4 P 4 P 4 P 4 * 4 ? 4 P 4 P Stickstoff " 1 ,5N 2 N 1,5* Ertrag in dz/ha 22 7o 21 85 5o 5o 45 5o 5o 1955 Frucht Kleegras Wiese Wiese MaisKlg. S.Gerste Wiese Raps Hafer Lehm­ Ödland Wiese Mais W.Weizen Kartoff. Wiese Wiesen­ abbau ♦Einsaat einsaat Saatmenge in kg/ha 80 15o 1 ° 14o 165 25co Saatzeit 8.5. 26.3. 2o.8 . 15.3. 1 2 .1 o. 28.4. 5.3. Düngung, dz/ha: Jauche Stallmist 25o 2oo 2oo 2 oo 3oo Kali- Handelsdünger 1 ,5K 1,5K1,5K 2 K 2,5K 1 ,5K- 2 K 1,5K 1,5K Phosphat- " 4 P 3 r 4 P4 P 6 P 6 P 4 P 6 P 4 P 5 P 5 F Stickstoff- " 1,5N 1.5N2 N 3,5N 1.5N 3 ,5N 2 N Ertrag in dz/ha 12 o 80 25o 65 28 5o 1 ö 29.5 33 32o 15o 1 oo 1956 Frucht Kartoff. Wiese Mais Wei.Klg. Lands.G. Wiese W.Weizen W. Weizen W.Weizen Ödland Wiese Mais Kleegras S.Gerste Wiese Wiese WW .IR IK Rübe S&atmenge in kg/ha 3ooo 80 2oo 3o 26 14 2oo 2oo 2oo 16o Saatzeit 28.4. 15.5. 26.1o. 2 o .8 . 2 2 .1 o. 1 2 .Io 2 2 .1 o. 12.4. Düngung, dz/ha: Jauche Jauche Stallmist 3oo 1 5o 2oo Kali-Handelsdünger 2,5PK 1,5K 2 K 1,5K1,5K 2 PK 1,5K 1,5K 1,5K 1,5K 1,5K 1,5K 2 K 2 K 2 K Phosphat- " 4 SP 3 P 5 P 6 P4 P 5 P 6 P 6 P 6 P 4 P 4 P 5 ? 6 SP 5 P 5 P Stickstoff-" 1 ,5N 1 ,5N 1.5N2 N 2 N 1 ,5N 1,5N 1,5N 2,5N 3 N 2,5N Ertrag in dz/ha 35o 80 3oo 14 9o 60H. 7 S . 5o 26 33 18 62 1 2 o 2 o* 16o 1 2 o 1957 Frucht S.Gerste Hafer W.Weizen MaisKlg. W.Weizen Wiese Kartoff. Kartoff. Kartcff. Ödland Wiese Mais Kleegras Lands.G. Wiese Mais WW IR IK Saatmenge in kg/ha 17o 2oo 80 2oo 3ooo 3ooo 3ooo 4o 22 12 80 Saatzeit 13.3. 8 .1 0 . 9.5. 9 . 1o. 25.4. 23.4. 27.4. 28.8. 25.5. Düngung, dz/ha Jauche Jauche Stallmist 15o 25o 28o 25o 2 oo Mischkalk 25 25 25 Kali- Handelsdünger 2 K 1 ,5K 1,5K 1 ,5K1,5K 1,5K 2,5K 2,5K 2,5K 1 ,5K 1.5K 1.5K 1.5K 1.5K 2.5K Phosphat- 6 SP 3 P 5P 1.5SP 5 P6 P 6 P 4 P 4 P 4 F 4 P 4 P 5 P 5 P 5 P 4 F Stickstoff- " 1 ,5N 1 ,5N2 N 1 ,5N 2.5SA 2.5SA 2.5SA 2,5N 2 N 3 N 1.5N 1o :1o :15 Vollkorn L. 2,5 Ertrag in dz/ha 36 26 29 35o 85 28 5o 2oo: 2o o : 1 oo: 65 13o 9oH. 5S. 1 60 5oo 1958 Frucht Lands.G. W.Weizen Lands.G. W.Weizen Kartoff. Wiese S.Gerste S.Gerste S.Gerste Mais Kart. Mais Kleegras W. Weizen Wiese Mais WW IR IK WW IR IK Saatmenge in kg/ha 3o 26 16 2oo 35 22 16 2 1 o 3ooo 145 145 145 80 25oo 80 165 80 Saatzeit 2 2 .8 . 1 o.1 o. 2.9. 5.1o. 25.4. 6.4. 6.4. 6.4. 8.5. 28.4. 5.5. 8 .1 o. 3.5. Düngung, dz/ha Jauche Jauche Mischkalk 2o 1 o 10 Stallmist 28o 25o 25o Kali- Handelsdünger 2 K 2,5K 2 K 2,5K 3 K 2 K 2 K 2 K 2 K 2,5K 2,5K 1.5K 4 K 1 ,5K 2.5K Phosphat- " 6 P 6 P 6 P 6 P 8 P 3 SP 3 SP 3 SP 5 P 4 P 4 P 5 P 6 P 5 P 6 P Stickstoff-'" 2,5N 1,5N 2,5N 1 N 2 N 1 N 1 N 1 N 1 ,5N 2,5N 2 N 1.5N Ertrag in dz/ha 9oH. 4 S . 29,5 80H. 3 S . 29.5 34o 5o 14= 14= 7= 35o 13o 32 14o 65o 1959 Frucht W.Weizen Lands.G. Kartoff. Lands.G. W.Weizen Wiese Lands.G. Land s .G . Land s .G . Luzerne W.Weizen W.Weizen Kartoff. S.Weizen Mais WW IR IK WW IR IK +Einsaat WW -IR IK WW IR IK WW IR IK Saatmenge in kg/ha 22o 3o 28 16 3ooo 3o 28 16 18o 3o 28 16 3o 28 16 3o 28 16 35 165 165 25oo 165 80 Saatzeit 1 o . 1 o. 18.8. 26.4. 2 1 .8 . 23.1o. 25.8. 25.8. 25.8. 3.3. 2o . 1 o. 2o . 1 o. 2 o . 4 . 25.3. 3.5. Düngung, dz/ha: Jauche Stallmist 15o 2 oo Kali- Handelsdünger 3 K 1,5K 2,5K 2,5K 2,5K 2 K 2 K 2 K 3 K 3 K 3 K 3 K 3 K Fhosphat- " 2P 3SP 2P 3SP 5 P 6 P 5 P 4 P 4 P 4 P 6 P 2.5SP 2ßP 2ßSP 25P 5 P . 6 P 6 P Stickstoff- " 3 N 3 N 3 N 2 N 2,5N 2,5N 2,5N 3,5N 2 SA 1.5N 1o :1o:15 Vollkorn L. 1,5 Ertrag in dz/ha 36 65H. 8S. 27o 60H. 8S . 2 o 5o 65H. 8S . 65H. 8S . 60H. 6S. 80 2o 21 3oo 25 65o 196o Frucht S.Gerste W.Weizen W. Weizen W.Weizen Rotklee+ Mais Kar.Haf. Kar.Haf. Hafer Luzerne Lands.G. L.G.Mais W.Weizen W.Gerste Mais I.Raygr. WW IR IK Saatmenge in kg/ha 16o 22o 22o 22o 3ooo 15o 3ooo 15o 15o 4o 25 5 16o 12 o Saatzeit 2 o .3. 27.9. 6 . 1 o . 5.1o. 28.4. 25A.243. - 24.3. 1 o . 9. 8 . 1 o . 8.9. Düngung, dz/ha Jauche Jauche Stallmist 2 oo 25o 2oo 2oo Kali- Handelsdünger 3 K 2,5K 3 K 2.5K 2 K 2 K 2,5K 2,5K 3 K 3 K 2.5K 3 K 3 K 3 K 3 K 3 K 2 K Phosphat- " 6 SP 3SP 3HP 3SP 4P 3RP 3HP 5 HP 5 P 5 P 5 P 6 P 6 P 6 P 6 HP 6 HP 6 HI 6 HP 4 HP 6 P Stickstoff- " 3 N 3 N 1,5N 1 ,5N 3 N 3 N 3 N 2 N 2 N 2 N 1 ,5N 1o :1o :15 Vollkorn L. 2 Ertrag in dz/ha 35,5 3o* 3o 26* 13o 45o 32o 32o 18 75H. 6S . 600 32,5 26 65o A n m e r k u n g : In folgenden Janren wurden außerdem an Früchten gebaut. 1954 ncrdl. Vegetationsaufn. 31 1,61 ha Hafer (Fläche schied nach Grundzusam- nenlegung aus), am Jungviehhof (Vegetationsaufnahme 37-4o und 71-76 4,5 ha Gerste mit Dauerwieseneinsaat; 1955 auf der Fläche mit Vegetationsaufn. 6 1,71 ha S.Gerste; 1956 auf dem neu gerodeten Park (Vegetationsaufn. 9,1o) 1,3 ha Kartoffel, am Jungviehhof auf den o,5 ha Neurodung (Vegetationsaufn. 75) Kar­ toffel; 1957 in der Lehmgrube (Vegetationsaufn. 17) o,3 ha Silomais, auf Schlag mit Vegetationsaufnahme 33,35,49,5o,54,55 Winterraps als Zwischenfrucht gedüngt mit 1,5 dz/ha Nitramoncal; 1959 auf Schlag mit Vegetationsaufn. 2o, 21 Lihoraps als Zwischenfrucht gedüngt mit Stallmist; 1960 auf zugekaufter Fläche 0,75 ha Kartoffel, auf gerodeter Fläche 2,25 ha Kartoffel, o,85 ha Silomais. E r k l ä r u n g der Abkürzungen: K = Kalisalz 4o#ig, PK = Patentkali, P = Thomasmehl, SP = Superphosphat, HP = Hyperphosphat, N = Nitramoncal, SA = Schwefelsaures Ammoniak, Lands.G., L.G. = Landsberger Gemenge, WW = Zottelwicke, IR = Italienisches Raygras, IK = Inkarnat-Klee, Kar = Kartoffel, Run = Runkelrübe, H a f . = Hafer, Wei. = Weizen, Klg. = Kleegras, H. = Heu, S. = Samen. * Ertragsminderung durch Hagel, = Ertragsminderung durch starke Trocken­ h e i t im Mai, : abgebautes Pflanzgut. durch seine Lage im Flußtal der Drau wesentlich von dem noch zum Klagenfurter Becken gehörenden Heimbetrieb. Die Luft- und Wasserbewegung ist fließender und die Wärme- und Feuchtigkeitsschwankungen sind ausgeglichener. Diese Stand­ ortsbedingungen zeigen sich deutlich in den ausgedehnten, an den Südostrand des 28
  30. 30. in der Samenmischung nur vereinzelt behaupten. Dagegen hatten sich die zu 57 % vorhandenen Obergräser sehr bald so stark entwickelt, daß sie einen dichten Be­ standesschluß bildeten. Dabei waren bei allen Arten die Saatmengen nur in der Höhe der im Gräserbuch von KLAPP (1950) angegebenen Reinsaatmengen be­ rechnet worden. Bei jährlich vier Schnitten und einer Düngung von 500 kg Tho­ masmehl, 150 bis 200 kg Kali, 300 bis 350 kg/ha Nitramoncal und zusätzlicher Jauchedüngung in den Jahren 1957 und 1958 entwickelte sich auf dem feuchteren Teil der Fläche vor allem der Goldhafer, das Knaulgras und das Gemeine Rispen­ gras (Aufn. 62), auf den trockeneren Stellen neben Knaulgras und Goldhafer das Wiesenrispengras (Aufn. 63). Auf den feuchteren Stellen hatte der kühlere, weni­ ger durchlüftete Boden und die stärkere Beschattung durch die Obergräser die Ent­ wicklung des Wiesenrispengrases gehemmt. Der viermalige Schnitt entspricht am besten dem Wachstumsverlauf von Wiesenrispengras und Knaulgras (vgl. GEE- RING 1941). Auch der Goldhafer kann einen viermaligen Schnitt oder einen drei­ maligen Schnitt mit Nachweide noch verhältnismäßig gut ertragen. Dies zeigten auch vergleichende Wiesenuntersuchungen bei Meran in Südtirol, wo der Gold­ hafer sich namentlich in den Obstgärten bei viermaligem Schnitt sehr gut entwik- kelt und sogar den Hauptbestand der Wiesen bildet. Selbst in den kühleren Lagen im oberen Allgäu und nordöstlichen Vorarlberg in 1000 bis 1400 m Seehöhe wer­ den nach G. u. R. KNAPP (1952) nährstoffreiche Goldhaferwiesen (Trisetum chaerophylletosum) dreimal geschnitten. Der viermalige Schnitt oder der dreimalige Schnitt mit Nachweide ermöglicht unter den in Kärnten herrschenden Klimaverhältnissen trotz der für das Gras­ wachstum zeitweise ungünstigen Feuchtigkeits- und Wärmebedingungen hohe Wie­ senerträge. Auf oben beschriebener Fläche erreichte der Durchschnittsertrag in den Jahren 1955 bis 1958, allerdings auch unter dem Einfluß des höher anstehenden Grundwassers, wie schon vorher erwähnt, 155 dz/ha Heu. Diese Erträge sind aber nur bei einer auch dem jahreszeitlichen Klimaablauf entsprechenden Düngung zu erzielen. Dies betrifft vor allem die Stickstoffdüngung. Die erste Gabe erfolgt, wie auf Acker und Weide, sehr zeitig im Frühjahr. Dadurch werden die günstigen Feuch­ tigkeitsbedingungen nach der Schneeschmelze und der rasche Temperaturanstieg für das erste kräftige Wachstum bestens genutzt. Voraussetzung ist naturgemäß eine ausreichende Grunddüngung mit Phosphorsäure und Kali, wobei die Phosphor- säuregabe zunächst in Form kalkreicher Phosphorsäuredünger vorteilhaft ist. Da­ durch sind die Bestände bereits bis Mitte M ai schnittreif. Die um diese Zeit wäh­ rend der Eismänner fast regelmäßig auftretenden Spätfröste vermögen infolge des hohen dichten Graswuchses den Boden nicht mehr so stark abzukühlen, daß ein empfindlicher Wachstumsrückgang eintritt. Soweit an den Beständen Frostschäden Vorkommen, beeinträchtigen sie den Nachwuchs kaum, weil bereits der erste Schnitt erfolgt und die jungen Triebe ohne Hemmung durch die geschädigten Pflanzen­ teile kräftig nachtreiben können. Ungeachtet der Größe der zu mähenden Futter­ fläche soll der erste Schnitt Ende M ai beendet sein. Im Jahre 1960 traf dies schon für alle Futterflächen des Betriebes zu. Nach dem ersten Schnitt erhalten die Wie­ sen abermals eine Stickstoffdüngung. Die zur Zeit meist noch günstige Feuchtigkeit, und vor allem die noch hohe Wuchskraft der Bestände bewirken in Verbindung mit der Düngung einen raschen Nachwuchs und damit wieder eine dichte Boden­ bedeckung. In diesem zweiten Wuchs nehmen, soweit es die Standortsverhältnisse zulassen, die Kleearten deutlich zu, weil die Beschattung durch die Gräser infolge des frühen ersten Schnittes nunmehr geringer ist. Sie sind es, die während den nun einsetzenden Trockenzeiten die Bestände wuchsfreudig erhalten. Der zweite Schnitt 30
  31. 31. fällt in die Zeit von Ende Juni bis Mitte Juli. So ergibt sich eine sehr günstige Arbeitsverteilung, da die Arbeit auf den Hackfruchtfeldern bereits vorüber ist, die Hauptgetreideernte noch nicht begonnen hat und somit alle Kräfte zur zweiten Heu­ ernte und zur Wiesenpflege zur Verfügung stehen. Dazu kommen wärmeres Wetter und die längeren Tage, die die Futterernte erleichtern. Damit bleibt Zeit zur wich­ tigsten Wiesenpflege, die unmittelbar nach dem zweiten Schnitt folgt, nämlich dem Ausbringen einer schwachen Decke gut verrotteten Stallmistes. Durch das unter den dichten, frohwüchsigen Beständen noch im Sommer rege Bodenleben wird der Stallmist bald abgebaut, zumal die Stallmistdecke die bessere Aufnahme und Spei­ cherung der zwar unregelmäßig, aber reichlich fallenden, hochsommerlichen Nie­ derschläge ermöglicht. Muß die Stallmistdüngung unterbleiben, tritt an ihre Stelle eine nochmalige Stickstoffdüngung, fallweise ergänzt durch eine Phosphorsäure- und Kalidüngung. Der dritte Schnitt fällt in die Zeit von Mitte bis Ende August, mitunter bis Anfang September. Auch er liegt arbeitsmäßig sehr günstig, weil er die Zeit nach der Getreideernte und vor der Hackfruchternte ausfüllt. Die vierte Nut­ zung geschieht in Form einer Nachweide ab Mitte September, wenn das Almvieh zurückkommt, oder in Form eines vierten Schnittes, der in der Regel einsiliert wird. g) Alm en Die im Kalkgebiet der Karawanken auf den östlichen Ausläufern des Hochobirs gelegenen Flächen der Grafensteiner Alm zeichnen sich überwiegend durch eine sonnige und verhältnismäßig warme Lage aus. Der Berg besteht aus älteren Trias­ kalken, die über einen Sockel aus Jurakalk geschoben wurden (KAHLER 1955). Die Böden der 1398 m hoch gelegenen Hauptalm, in deren umgebenden Wäldern noch die Buche zahlreich vorkommt, sind Braunerden oder, soweit sie sich an steile­ ren, gespannten Hängen entwickelt haben, rendsinaartige Böden. Die Braunerden tragen Pflanzenbestände, in denen stellenweise noch der Glatthafer neben anderen Arten der Talfettwiesen vorkommt. Die rendsinaartigen Böden mit teils zutage tre­ tendem Kalkgestein haben je nach der örtlich sehr verschiedenen Tiefe des Humus­ horizontes stark wechselnde, noch mit Arten der Wald- und Schlagflora durchsetzte Bestände, in denen aber Arten trockener Standorte deutlich zunehmen. Die Böden der 1490 m hoch gelegenen, von Fichtenwäldern umgebenen Alpenwiese zeigen da­ gegen bereits mehr oder weniger deutlich podsolige Dynamik und sind von Pflan­ zenbeständen besiedelt, die eine größere Anzahl von Arten der Bergwiesen und Alpenfettweiden aufweisen, während jene der Talfettwiesen zurücktreten oder über­ haupt fehlen. Die kesselförmige, weniger nach Süden geneigte Lage der Alpenwiese schafft trotz des geringen Höhenunterschiedes ein wesentlich kühleres Klima als auf der Hauptalm. Die nähere Besprechung der Standorte erfolgt nachstehend an Hand der Vegetationslisten. Noch vor 10 Jahren weidete neben dem eigenen Vieh des Betriebes eine grö­ ßere Anzahl von Zinsvieh. Die Zahl der Weidetiere betrug insgesamt 70 bis 80 Stück. Die Weidezeit dauerte in der Regel von 9. Juni bis 4. September. Wegen der Steilheit des Geländes bestand die Weidefläche größtenteils aus Waldweide. Sie umfaßte 219 ha. Nach der Trennung von Wald und Weide im Jahre 1955 verblieb eine Weidefläche von 20 ha, ab 1959 von 19 ha. Davon umfaßt die Hauptalm 14 ha mit 12 ha Schlagweiden und 2 ha reiner Weidefläche und die höher gelegene Alpenwiese 6 ha. Die reine Weidefläche auf der Hauptalm wird schon seit längerer Zeit regelmäßig einmal im Jahr gemäht und seit 1959 als intensive Mähweide ge­ nutzt. Auch auf der Alpenwiese, die nur wenig Schlag- bzw. Waldweideflächen umfaßt, erfolgt stellenweise Nachmahd, um die Wiederbewaldung zu verhindern. 31
  32. 32. Auf der gesamten Almfläche weidet ab 1956 ausschließlich eigenes Vieh in einer Anzahl von 26 bis 30 Stück, davon 22 bis 24 Stück Jungvieh und 4 bis 6 Kühe. Die klimatischen Unterschiede der Hauptalm und der Alpenwiese erleichtern die Einteilung der Beweidung. Die ersten 6 Wochen weidet das Vieh auf der Hauptalm. Danach kommen alle Tiere mit Ausnahme von 3 bis 4 Kühen auf die Alpenwiese. Auf dieser bleiben sie etwa 6 Wochen und kehren dann auf die Haupt­ alm zurück. Handelsdünger wird seit dem Jahre 1958 verwendet, da die Bringungs­ kosten erst nach Bau eines Güterweges tragbar wurden. Die standortsgemäße Dün­ gung soll neben der Ertragssteigerung vor allem ein Zurückdrängen des Weißen Germers auf den kühleren Flächen der Hauptalm und einen Ausgleich des teils starken Wechsels von nährstoffarmen und nährstoffreichen Pflanzenbeständen namentlich auf der Alpenwiese bewirken. II. G ebäude und M aschinen Das Gut verfügt am Heimbetrieb über ein Stallgebäude mit einem Standraum für 48 Stück Großvieh, 30 Stück Jungvieh und Kälber und mit einem 3.380 qm großen Futterraum für Heu und Stroh. Der Siloraum umfaßte im Jahre 1953 100 qm, im Jahre 1955 220 qm und im Jahre 1959 380 qm. Dazu kommen Räum ­ lichkeiten für den Maschinen- und Gerätepark. Die ständigen Arbeitskräfte am Hof haben Wohnungsmöglichkeiten im Schloß. Am Jungviehhof steht ein Gebäude mit einem Laufstall für 15 bis 20 Stück Jungvieh und einem 432 qm großen Raum für Heu und Stroh. Die Hauptalm hat Stall- und Vorratsräume für 80 Stück Rinder. Durch die Umstellung des Betriebes von teils tierischen Zugkräften auf reine maschinelle Zugkraft, durch Vergrößerung und Intensivierung der bewirtschafteten Fläche bedurfte es mehrerer Neuanschaffungen von Maschinen. Nur allmählich war deren Ankauf möglich, um den Betrieb nicht vor dem fortschreitenden Ertrags­ anstieg übermäßig zu belasten. Erst im Jahre 1962 wird der für die Betriebsgegeben­ heiten zweckmäßige Stand an Maschinen erreicht sein, wenn die für dieses Jahr vorgesehene Anschaffung eines Feldhäckslers erfolgt ist. Unberücksichtigt bleibt einstweilen der Ankauf einer Kartoffel-Vollerntemaschine, deren Kauf erst in eini­ gen Jahren notwendig sein dürfte, wenn sich die Böden in ihrer Struktur weiterhin verbessert haben. Im Jahre 1953 war nur ein 26 PS starker Traktor mit Anhänger vorhanden. Den übrigen Bedarf an Zugkräften deckten 3 Pferde. In den Jahren bis 1961 wur­ den folgende Maschinen, Geräte und Anlagen in Stall- und Vorratsgebäuden neu angeschafft. Im Jahre 1953 ein Handelsdüngerstreuer, 1954 eine Melkanlage und Stalltränke, 1955 ein Traktor zu 15 PS, 2 Traktoranhänger, 1 Heuma, 1 Wende­ pflug, 1 Vielfachgerät, 1956 ein Heulader, 1957 weitere Stalltränken, 1958 ein Traktor zu 36 PS (Verkauf des alten Traktors zu 26 PS), ein Silohäcksler, ein Heu­ gebläse, eine Heubelüftungsanlage, eine Viehwaage, 1 Kombinator, 1959 ein selbst­ fahrender Mähdrescher zu 38 PS, eine zweite Heubelüftungsanlage am Jungviehhof, weitere Stalltränken, 1961 ein Miststreuer. Demnach verfügt der Betrieb nach Ver­ kauf aller Pferde über folgende motorische Zugkräfte je 10 ha reduz. landwirt- schaftl. Nutzfläche: Im Jahre 1957 7,6 PS, 1958 und 1959 9,4 PS, 1960 8,8 PS. Der Rückgang im Jahre 1960 ergab sich durch Vergrößerung der bewirtschafteten Fläche. Unberücksichtigt blieben 38 PS Zugkraft des selbstfahrenden Mähdreschers ab dem Jahre 1959 und die Zugkraft eines entliehenen Traktors während drei bis fünf Tagen zur Anbauzeit im Herbst. 32
  33. 33. III. Zusam m enfassung des Betriebserfolges a) Entwicklung des Handelsdüngeraufwandes Die Zunahme der Handelsdüngergaben erfolgte ebenfalls nur allmählich und betraf anfangs vor allem die Phosphorsäure und den Stickstoff. M it Kali waren die Böden verhältnismäßig besser versorgt, wenn auch die Nährstoffzahlen ebenfalls sehr niedrig lagen (vgl. Vegetationstabellen und deren Erläuterungen). Gesonderte Kalkdüngung wurde so lange nicht empfohlen, solange ausschließlich kalkreiche Phosphatdünger Verwendung fanden. Fallweise Kalkgaben sind am Betrieb selbst auf den Standorten mit niederen pH-Werten erst dann nötig, wenn die Mineral- stoffvorräte im Boden durch erhöhte Düngung von Kalisalz und kalkreichen Phos­ phatdüngern soweit angestiegen sdnd, daß eine vorwiegende Düngung mit Super­ phosphat notwendig wird. Am höchsten war der Düngeraufwand in den Jahren 1957 und 1958 mit S 650.—- je ha reduz. landw. Nutzfläche. Danach sank der Düngeraufwand 'bis 1960 stetig und verminderte sich noch weiter im Jahre 1961, obwohl in dieser Zeit die Versorgung mit Handelsdünger auf der Alm einsetzte. Die Ursache lag vor allem in der Zunahme des Getreidebaues auf den Auflächen des Heimbetriebes, deren hoher Stickstoffgehalt eine Stickstoffdüngung zum Getreide erübrigte. In Hinkunft wird es dem Betrieb möglich sein, mit Hilfe der Gründüngung von stickstoffsammelnden Zwischenfrüchten weiterhin den Aufwand an Stickstoff-Handelsdünger gegenüber dem an Phosphorsäure- und Kali-Handelsdünger niedrig zu halten. Im Vergleich zum durchschnittlichen Handelsdüngeraufwand im Produktions­ gebiet Kärntner Becken beträgt der Düngeraufwand des Betriebes in den Jahren 1958 und 1959 um ungefähr 100%, 1960 um 58% mehr, doch liegt er weit unter den Höchstwerten des Düngeraufwandes in diesem Gebiet, die je ha landw. Nutzfl. S 1000.—- und darüber erreichen. H a n d e l s d ü n g e r - A u f w a n d Jahr 1954 1955 1956 1957 1958 1959 1960 in dz gesamt: Thomasmehl 101,5 170,0 183,0 230,0 253,0 246,0 200,0 Superphosphat 50,0 18,0 20,0 13,0 15,0 Hyperphosphat 42,0 Kalisalz 40%ig 16,0 45,0 60,0 95,5 109,0 83,0 90,0 Patentkali 7,5 6,5 15,0 17,0 Nitramoncal 15,5 51,0 85,0 78,5 88,5 73,0 80,0 Schwefels. Ammoniak 14,2 10,0 Vollkorn „Linz“ 10 : 10 : 15 3,0 5,5 1,5 2,0 Mischkalk 150,0 120,0 in S/ha landw. Nutzfl.: Gutsbetrieb Grafenstein 210 400 550 650 650 600 540 Kärntner Becken’'' 320 297 342 * Die Wirtschaftszahlen vom Kärntner Becken sind den Buchführungsergebnissen aus der österreichischen Landwirtschaft, herausgegeben von der land- und forstwirtschaftlichen Landes-Buchführungs-Gesellschaft in Wien, entnommen. 33
  34. 34. b) Entwicklung des Viehbesatzes und der Milchleistung Die Entwicklung des Viehbesatzes, bezogen auf die Gesamtfutterfläche, zeigt deutlich die hohen Ertragssteigerungen, die in diesem Gebiet auf den Futterflächen möglich sind. Schon im Jahre 1954 wirkte sich die intensivere Düngung und die zeitgerechtere Nutzung in der Erhöhung des Futterflächenertrages und in der dem­ entsprechenden Steigerung des Viehbesatzes gegenüber den früheren Jahren aus. Der geringe Rückgang in den beiden folgenden Jahren wurde verursacht, weil der Vieh­ bestand nicht rasch genug erhöht und die Futterfläche vermindert werden konnte. Der dadurch anfallende Uberschuß an Rauhfutter wurde in diesen Jahren verkauft. Erst im Jahre 1958 entsprach das Verhältnis von Gesamtfutterfläche und Viehbesatz annähernd der Ergiebigkeit der Futterflächen des Betriebes und im Jahre 1959 er­ reichte die Futterflächeneinheit mit 0,35 ha je Rauhfutter verzehrende Großviehein­ heit das für die vorliegenden Standortsverhältnisse bei guter Futtergewinnung unge­ fähr entsprechende Ausmaß, wenn die Futtergewinnung aus dem Zwischenfrucht­ bau weitgehendst entfällt. Der mäßige Anstieg im Jahre 1960 auf 0.40 ha/RGVE ergab sich aus der Vergrößerung der Anbaufläche des Silomaises infolge neu hinzu­ gekommener Rodungsflächen. Dies brachte abermals einen beträchtlichen Über­ schuß an Futter, der nur durch verstärkte Viehmast im kommenden Jahr zu ver­ werten war. V i e h - B e s a t z Jahr Großvieheinheiten je 10 ha landwirtschaftl. Nutzfläche Produktionsgebiet Gutsbetrieb Kärntner Becken Grafenstein Gesamtfutterfläche für 1 Heuvieh (RGVE) in ha Produktionsgebiet Gutsbetrieb Kärntner Becken Grafenstein 1954/55 9,12 9,6 0,60 1955/56 8,70 9,3 0,67 1956/57 8,81 9,8 1,21 0,66 1958 7,27 12,8 1,56 0,40 1959 8,23 12,5 1,16 0,35 1960 9,35 12,4 0,40 In der Milchleistung stieg der Stalldurchschnitt in den Jahren 1954 bis 1958 von 2650 Liter auf 3496 Liter bei gleichzeitiger Erhöhung der Kuhzahl von 23 auf 28 Kühe. Der durchschnittliche Fettertrag im Jahre 1958 betrug 132 kg. Damit war der Betrieb innerhalb der Genossenschaft des Blondviehzuchtverbandes Klagenfurt in diesem Jahre führend. Danach sank der M ilchertrag infolge hohen Anteiles von Jungkühen und nicht entsprechender Nachzucht bis zum Jahre 1960 auf einen Stall­ durchschnitt von 3000 Liter bei Blondvieh ab. Drei als Kalbinnen zugekaufte Braunviehkühe gaben im Durchschnitt im Jahre 1960 4077 Liter Milch. Die ste­ tige Ertragszunahme in der Viehwirtschaft ergab sich vor allem durch die Aufzucht fast aller Kälber, die entweder als Kühe genutzt oder als gemästete Jungrinder ver­ kauft wurden. Die Kuhzahl stieg im Jahre 1959 auf 32. c) Veränderung des Nutzflächenverhältnisses Die Abnahme des Grünlandes bei gleichzeitiger Erhöhung des Viehstandes und der Futterflächenleistung sowie die Zunahme der Verkaufsfrüchte liefernden 34

×