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A
Eine Welt zum Unternehmen
2020 — PROJEKTE AND HORIZONTE — 2021
R Ü C K B L E N D E A U F 2 0 2 0
B
2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E
1
2
enige Wochen vor Beginn des Jahres 2020
haben wir Sie eingeladen, mit uns gemeinsam die
Funktionsweise disruptiver Entwicklungen kennen
zu lernen. Damals hat noch niemand geahnt, welche
Disruption, welchen Umbruch das Coronavirus für
den Alltag von Milliarden von Menschen und für die
Planung, den Bau und den Betrieb von Straßen und
Infrastrukturen darstellen würde.
Umbruch. Das Wort der Stunde. Unter dem Blickwinkel
von Umbruch, Kontinuität und Transformation
müssen wir heute, am Beginn des Jahres 2021, die
Herausforderungen der Zukunft angehen. Dabei sollten
wir uns allerdings vor übereilten Schlussfolgerungen
hüten. Umbruch, weil einiges aus der „Vor-Corona-Zeit“, um einen Begriff
aus dem ersten Lockdown aufzugreifen, endgültig verschwinden wird.
Kontinuität, weil viele Herausforderungen nach wie vor bestehen: Klima- und
Umweltnotstand, soziale Ungerechtigkeit, weltweite Migrationsbewegungen,
Verstädterung usw. Transformation, weil dies oft ein positiver Effekt von Krisen
ist: Sie beschleunigen den bereits angestoßenen Wandel. Denken Sie beispiels-
weise an das Homeoffice, die Ethik der Pflege, die Überwindung der Dualität
von Natur und Zivilisation, die wachsende Digitalisierung, die alle Bereiche
unserer Volkswirtschaften durchdringt.
Wir stoßen an die Grenzen der Vorhersagbarkeit und wollen deshalb keine
übereilten Schlussfolgerungen ziehen. Dennoch möchten wir uns so aufstellen,
dass wir entschlossen handeln können.
W
EineWeltzum
Unternehmen
2020 lief nichts
wie geplant
Julien Villalongue, Leonard-Direktor
3
Unternehmerisch handeln, darum geht es uns, das wollen wir fördern.
Unternehmerisch handeln, um aus der Krise herauszukommen, Innovationen
umzusetzen, die Zukunft vorzubereiten.
Im vorliegenden Jahrbuch möchten wir einen Überblick der Aktivitäten von
Leonard im Jahr 2020 geben. Das Jahr ist von der Coronakrise gekennzeich-
net. Auch wir waren gezwungen, uns anzupassen, um unsere Aufgaben zu
erfüllen: Wir beobachten, wie sich Städte, Infrastrukturen und die damit
verknüpften Branchen entwickeln, wir blicken voraus, um aus diesen Trends
Zukunftsszenarien und Zukunftsmärkte für die nächsten Jahre abzuleiten, wir
sind innovativ und begleiten so Unternehmerinnen und Unternehmer bei der
Entwicklung neuer Lösungen.
Kann man die letzten Monate überhaupt in einem optimistischen Licht
betrachten? Ich denke schon.
IndiesemJahrhatsichLeonardmitgutzweihundertGeisteswissenschaftler:innen,
Fachleuten, Unternehmer:innen umgeben, die ihre Überlegungen,
Überzeugungen, Zukunftsvisionen mit uns geteilt haben. Wir haben unter etwa
dreihundertfünfzig Bewerbungen vierundvierzig innovative Projekte ausgewählt
und in unsere vier Förderprogramme aufgenommen. Das
zeigt, dass die Wirtschaft durchaus in der Lage ist, inno-
vative Lösungen zu fördern und so den notwendigen
Wandel voranzutreiben.
Die nächsten Monate sind weiter ungewiss;
gefordert sind Demut und ernsthaftes Bemühen.
Dennoch sehe ich auch viel Positives, in Wort und
Tat: Es gibt Bewegung, es gibt Optimismus. Mit dieser
Geisteshaltung möchte ich Sie einladen, in die
vorliegenden Seiten einzutauchen.
Auf dass Sie dort viel
Neues erfahren mögen!
„IchhassediesekleinmütigenHerzen,dieso
sehrandieFolgendenken,dasssienichts
mehrzuunternehmenwagen!“ Molière
R Ü C K B L E N D E A U F 2 0 2 0
4
3. FEBRUAR
Der autonome Roboterhund Spot wird
erstmalig für eine Baustellenbegehung
eingesetzt
Mit ihren Videos haben uns die Robotik-
Fachleute von Boston Dynamics, einem
zu Hyundai gehörenden ehemaligen
Spin-off des MIT bereits an spektakuläre
Neuentwicklungen gewöhnt. Atlas, ein
humanoides Schwergewicht, beherrscht den
Salto rückwärts. Der Vierbeiner Spot hingegen
überwindet mühelos Treppen
und rutschige Rampen; fällt
er hin, steht er einfach wieder
auf. Seit neusestem ist dieser
erstaunliche Roboterhund
sogar auf diversen Baustellen
unterwegs. Die kanadische
Firma Pomerleau will ihn
sechs Monate testen. Spot
soll gefährliche oder schwer
zugängliche Bereiche der
Baumaßnahme „Place
Ville Marie“ inspizieren,
Rückblendeauf2020
Pandemie, Bürgerkonvent zu
Klimafragen, Wahlen in den USA,
Roboterhunde, Gigafactorys...
11 Daten, die 2020 prägten
einem Immobilienkomplex in Montreal.
Der Vierbeiner ist mit einer 360°-Kamera
ausgestattet und kann sich mit einer
Geschwindigkeit von 5 km/h komplett auto-
nom fortbewegen. Boston Dynamics bietet
nordamerikanischen Unternehmen bereits
seit Ende 2019 an, den Roboterhund zu
leasen. Seit kurzem kann er für etwas unter
75.000 Euro auch käuflich erworben werden.
Boston Dynamics ist außerdem Partner von
Holobuilder, eine am CATALYST-Programm
beteiligte Firma (siehe S.22).
2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E
5
11. MÄRZ
Die WHO stuft die Covid-19-Epidemie
zur Pandemie hoch
„Es handelt sich nicht nur um eine
Gesundheitskrise, sondern um eine Krise, die
alle Bereiche - ich wiederhole, alle Bereiche -
betreffenwird,undjedeundjederEinzelnewird
sich an dem Kampf beteiligen müssen“, warnt
TedrosAdhanomGhebreyesus,Generaldirektor
der Weltgesundheitsorganisation, am 11.
März 2020. Gerade hat die WHO offiziell
die SARS-CoV-2-Epidemie zur Pandemie
erklärt. Im Anschluss an die WHO-Erklärung
lässt UNO-Generalsekretär Antónia Guteres
verlauten, dass „wir gemeinsam den Verlauf
dieser Pandemie noch verändern können“.
Fünf Tage später verkündet der französische
Staatspräsident Emmanuel Macron den ersten
Lockdown. Die Wirtschaft wird zurückgefah-
ren, der Straßen- und Flugverkehr kommt
praktisch zum Erliegen. Über das gesamte Jahr
gerechnet sinkt der weltweite CO2
-Ausstoß
um 7 % - das ist Rekord! Auch Städtebau
und Infrastrukturgeschäft sind im Lockdown,
danach wird nichts mehr so sein, wie es war
- Baustellenorganisation, Materialströme,
Digitalisierung... Mit Innovationen wird ver-
sucht, Antworten auf die Krise zu finden.
30. MAI
SpaceX schickt zwei Astronauten
ins All
„HerzlichwillkommenaufderErde,danke,dassSie
mit SpaceX geflogen sind“. Mit diesen Worten
begrüßt der Flugdirektor der Privatgesellschaft
SpaceXam2.August2020zweiamerikanische
Astronauten, die nach etwas mehr als zwei
Monaten auf der Internationalen Raumstation
ISS zurück auf der Erde sind. Doug Hurley
und Bob Behnken von der Nasa flogen am
30. Mai in der Raumkapsel Crew Dragon
an der Spitze einer Falcon 9-Rakete in den
Weltraum - beide von SpaceX entworfen und
gebaut. Mit der Crew Dragon kommen sie
auch wieder zurück auf die Erde. Erstmals wird
ein bemannter Flug von einem kommerziellen
Weltraumunternehmen abgewickelt, das
innerhalbwenigerJahredieRaumfahrtindustrie
in die Ära des „New Space“ katapultiert hat.
SpaceX hat es nämlich geschafft, wiederver-
wendbare Raketen zu konstruieren, ein Low
Cost-Geschäftsmodell aufzubauen und die
Planungs- und Produktionszyklen deutlich
zu beschleunigen. Strategisch kann Amerika
neun Jahre nach Auslaufen des Space Shuttle-
Programms dank SpaceX wieder selbständig
Menschen in die Umlaufbahn bringen - in
der Zwischenzeit war es auf die
russischen Sojus-Raumschiffe
angewiesen. Werden die
Hyperloop-Überschallzüge auf
der Erde genauso erfolgreich
sein wie SpaceX im Orbit? Dieses
weitere Projekt von Elon Musk
hat im November 2020 ein
Etappenziel erreicht: Die ersten
„bemannten“ Testzüge der Firma
Virgin Hyperloop erreichten eine
Geschwindigkeit von 172 km/h.
R Ü C K B L E N D E A U F 2 0 2 0
6
21. JUNI
Das Bürgerkonvent für das Klima legt
dem französischen Präsidenten und
der Regierung seine Vorschläge vor
Sie sind das Ergebnis einer nie dagewesenen
Aufgabe und wurden der Exekutive und dem
Präsidenten von 150 Bürger:innen vorgelegt,
die am 4. Oktober per Losverfahren in den
Bürgerkonvent für das Klima gewählt worden
waren. Der 500-seitige Bericht des Konvents
ist ebenfalls eine Premiere, weil nie zuvor fach-
fremde Bürgerinnen und Bürger (zwischen 16
und 81 Jahren, Schüler:innen, Feuerwehrleute,
Rentner:innen, Landwirt:innen, Ärzt:innen usw.)
aufgerufen waren, einen Rahmen für eine
„tiefgreifende Veränderung der Gesellschaft“
vorzuschlagen. Die Herausforderung:
Reduzierung des Treibhausgasausstoßes
um 40 % unter besonderer Beachtung der
sozialen Gerechtigkeit. Die vom französi-
schen Präsidenten unter dem Eindruck der
„Gelbwesten“ gestartete Initiative legte eine
Liste mit 149 Vorschlägen vor. Dieses „grüne
Programm“ geht zunächst auf die Themen ein,
über die der Konvent nachgedacht, beraten
und debattiert hat: Ernährung, energetische
Sanierung, Mobilität, Flächenverbrauch
usw. Im Dezember 2020 war die legislative
Umsetzung dieses Programms erneut
Gegenstand hitziger Debatten. Emmanuel
Macron hat sich nach einem Treffen mit
den Mitgliedern des Bürgerkonvents zur
Durchführung eines Referendums verpflichtet,
bei dem es um die Übernahme der Begriffe
„biologischeVielfalt,Umweltschutz,Kampfgegen
die Erderwärmung“ in den ersten Artikel der
französischen Verfassung gehen wird.
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7
16. JULI
PSA kündigt Umstellung auf
Homeoffice an
Bereits am 6. Mai, also noch vor Ende des
ersten Lockdowns in Frankreich, hatte PSA
angekündigt, dass „Homeoffice für alle nicht
unmittelbar in der Produktion beschäftigten
Mitarbeitenden zum Normalfall werden soll“.
Diese Entscheidung dürfte letztlich 40.000
Personen betreffen, davon 18.000 allein
in Frankreich. Insgesamt beschäftigt der
Autohersteller weltweit 200.000 Menschen.
Bei einer internen Umfrage gaben 76
% der Mitarbeitenden an, dass sich ihre
Tätigkeit für 3,5 Tage Homeoffice pro Woche
eigne - dem von der Unternehmensleitung
angepeilten Ziel. Ende Juli bestätigte der
Vorstand diese Entscheidung und kün-
digte an, dass die Mitarbeitenden an den
Verwaltungsstandorten von PSA im Großraum
Paris pro Woche mindestens einen Tag im
Büro und drei Tage im Homeoffice sein sollten.
Dies galt vom 7. September und bis 2020. Die
Homeoffice-Regelungen wurden aufgrund der
Pandemie häufig im Eiltempo umgesetzt und
waren im November Gegenstand intensiver
Diskussionen zwischen den Sozialpartnern.
Am 18. November wurde eine Vereinbarung
für sämtliche Berufsgruppen unterzeichnet,
die festlegt, wann Homeoffice möglich ist, wel-
che Kosten erstattet werden usw. Sie könnte
Grundlage eines Gesetzes werden.
19. AUGUST
Der auf Batterien für Elektrofahrzeuge
spezialisierte Hersteller Northvolt
erhält 1,6 Milliarden Euro
Die schwedische Firma Northvolt wurde 2016
von zwei ehemaligen Tesla-Mitarbeitern
gegründet und möchte in Nordschweden eine
Batteriefabrik für Elektrofahrzeuge errichten.
Im Sommer erhielt sie eine Finanzierung
in Höhe von 1,6 Mrd. Euro von einem
Bankenkonsortium, einem Pensionsfonds und
öffentlichen Kreditinstituten. Auch Volkswagen
und BMW beteiligen sich an dem Projekt, um
ihre Versorgung mit Lithium-Ionen-Batterien
abzusichern. Es handelt sich allerdings nicht
um das einzige Projekt dieser Art in Europa.
So kündigten Total und PSA Anfang des
Jahres den Bau einer ersten Batteriefabrik
in Nordfrankreich an. In der französischen
Region Rhône-Alpes will die Firma Verkor
1,6 Mrd. Euro in ein ähnliches Projekt inves-
tieren. Unterstützung kommt unter anderem
von Schneider Electric und InnoEnergy, der von
der Europäischen Kommission ins Leben geru-
fenen Investitionsgesellschaft, mit deren Hilfe
ein „Airbus der Batteriebranche“ auf die Beine
gestellt werden soll. Vorgesehen ist der Bau
einer knapp 200 Hektar großen „Gigafactory“
mit einer Kapazität von 16 GWh im ersten
Ausbauschritt. - genug für 250.000-350.000
Autos pro Jahr.
R Ü C K B L E N D E A U F 2 0 2 0
8
3. SEPTEMBER
Frankreich verabschiedet ein
Konjunkturprogramm
mit starken ökologischen Impulsen
Vor dem Hintergrund der Gesundheits- und
Wirtschaftskrise kündigt die französische
Regierung ein 100 Mrd. Euro schweres,
zweijähriges Konjunkturprogramm an. Dessen
70 Maßnahmen verfolgen drei Hauptziele:
ökologische Wende (30 Mrd.), wettbewerbs-
fähige Wirtschaft (35 Mrd.) sowie sozialer und
territorialer Zusammenhalt (35 Mrd.). Von der
ökologischen „Säule“ des Programms ist vor
allem der Verkehrssektor betroffen: 11 Mrd.
sind dafür vorgesehen - mehr als für die
energetische Gebäudesanierung, erneuerbare
Energien oder die Landwirtschaft. Außerdem
fließt ein Viertel der sieben Milliarden aus dem
Programm zur Förderung grünen Wasserstoffs
in den Bereich Verkehr.
22. SEPTEMBER
VINCI organisiert ersten
Umwelttag
Die ökologischen Ziele des VINCI-Konzerns
betreffen den Kampf gegen den Klimawandel,
die Optimierung des Ressourcenverbrauchs
durch Förderung der Kreislaufwirtschaft sowie
den Schutz unserer natürlichen Umwelt. Der
erste VINCI-Umwelttag wurde von Xavier
Huillard bei Leonard:Paris eröffnet. Er soll die
222.000 Mitarbeitenden des Konzerns für
Umweltfragen sensibilisieren und über die
ökologischen Ziele von VINCI informieren.
Bei dieser Gelegenheit wurde auch der
Umweltpreis ins Leben gerufen. Im Herbst
2021werdendiePreisträger_innenverkündet!
2.-3. OKTOBER
Vorbote des Klimawandels:
Sturmtief Alex stellt Resilienz
der Regionen auf die Probe
Sechs Wochen lang mussten die
Einwohner:innen von Tende im Hinterland von
Nizza eine dreistündige Fahrt über unbefes-
tigte Wege auf sich nehmen, um Saint-Dalmas
zu erreichen, die provisorische Endstation der
Bahnlinie, die sie normalerweise mit dem
Rest Frankreichs verbindet. Die sintflutartigen
Regenfälle am 2. und 3. Oktober hatten Straßen
und Dutzende von Häusern mitgerissen und
mehrere Dörfer vom Umland isoliert. Sieben
Menschen kamen ums Leben, elf wurden
vermisst gemeldet. Viele Bewohner:innen
waren vom Straßen- und Schienenverkehr,
der Kraftstoff- und Internetversorgung
abgeschnitten, die Coronakrise erschwerte
die Hilfsmaßnahmen zusätzlich. Sturmtief
Alex erinnerte wie ein Menetekel daran,
dass unsere Infrastrukturen und Regionen
Extremwetterereignissen oft wenig entgegen-
setzenkönnen- dabeigehendieKlimamodelle
davon aus, dass es solche Wetterkapriolen im
Laufe des Jahrhunderts immer häufiger geben
wird.
2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E
9
7. NOVEMBER
Joe Biden gewinnt die
US-Präsidentenschftswahlen
Es dauerte mehrere Tage, bis die komplexe
StimmenauszählungindenUSAsoweitfortge-
schritten war, dass das Endergebnis feststand.
Am 7. November erklärten die großen ameri-
kanischen Medien Joe Biden zum Wahlsieger.
Der scheidende Präsident, Donald Trump,
reichte zahlreiche Klagen dagegen ein, doch
vergebens: Der 46. Präsident der Vereinigten
Staaten von Amerika legte am 20. Januar sei-
nen Amtseid ab. In der letzten Fernsehdebatte
zwischen den Kandidaten kündigte Trump
ein umfangreiches Konjunkturprogramm
mit einem Volumen von 1.275 Mrd. Dollar
(1.078 Mrd. Euro) an, hauptsächlich für den
Bau von Infrastrukturen. Es ist unwahrschein-
lich, dass Joe Biden diese Pläne unverändert
übernimmt. Dennoch ist weithin bekannt, dass
die amerikanische Infrastruktur, insbesondere
das Straßennetz, umfassende Investitionen in
Instandhaltung und Ersatzneubau erfordert.
Die neue Regierung könnte auf umwelt-
freundlichere Verkehrsträger setzen, die
weniger von fossilen Brennstoffen abhängen:
Joe Biden kündigte eine Verschärfung der
Emissionsnormen und die Förderung von
Elektrofahrzeugen an. Vor allem will er dem
Pariser Klimaabkommen wieder beitreten, aus
dem Trump die USA hinausgeführt hatte.
14. DEZEMBER
Erste Lieferungen für
die „Jahrhundertbaustelle“
Die fahrerlose Linie 14 der Pariser Metro
wird um 4 Stationen verlängert und führt jetzt
durch einen neuen, knapp 6 km langen Tunnel
vom 13. Arrondissement bis zum Vorort Saint-
Ouen. Die angestoßenen Baumaßnahmen
- Investitionsvolumen 1,5 Mrd. Euro - werden
sie zur längsten (27 km) und meistgenutzten (1
Mio. Fahrgäste pro Tag) U-Bahnlinie der französi-
schen Hauptstadt machen. Kurzfristig sollen sie
die Fahrgastzahlen auf der überfüllten Linie 13
senken (610.000 pro Tag) und für die Entwicklung
des Départements Seine-Saint-Denis sorgen.
Außerdem stellt die Einweihung der vier neuen
Stationen auf der Linie 14 die erste Lieferung für
das Großprojekt „Grand Paris“ dar, das damit in die
konkrete Phase übergeht. Die Linie 14 verknüpft
die zukünftigen Linien 15, 16, 17 und 18 mitei-
nander und ist deshalb strukturgebend für das
Gesamtprojekt „Grand Paris Express“.
10
I N H A LT
12
Beschleunigungen
34
Transformationen
1 2
14
Von Unternehmerinnen und
Unternehmern
16
Intrapreneurship-Programm
19
SEED-Programm
22
CATALYST-Programm
26
Fünf Fragen an
Guillaume Bazouin, Leiter
Beschleunigungsprogramme
28
KI-Programm
32
Auf nach Berlin
36
Not Lost in Transition
44
Leonard: Neue Wege
gehen
46
Studien, Datensammlung,
Trendanalyse:
Die Zukunft unter der Lupe
48
Klimaresilienz:
Architektonische Visionen
52
Building Beyond  „30
Minuten für die Zukunft“:
Eine Community voller
Ideen
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11
58
Analysen
92
Denkanstöße
3 4
60
11 Wörter für die Zukunft
66
Mobilität auf dem Land
72
Natürliche Ökosysteme
für die Stadt
76
Remote: Die Kunst
der Telearbeit
79
Clean Tech and Climate
Tech: Stunde der Wahrheit
84
Endlich elektrisch
unterwegs
88
Resilienz: Flexibilität von
Infrastrukturen fördern
R Ü C K B L E N D E A U F 2 0 2 0
12
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13
Beschleunigungen
1
I
llustration:
Andrea
Mongia
Leonard sorgt für unternehmerische Geistesblitze.
Start-ups in der Gründungsphase,
Innovative, stark wachsende Firmen,
Branchenexpert:innen und KI-Fachleute von VINCI
kommen in unseren vier Beschleunigungs- und
Förderprogrammen zusammen. Ein Blick hinter
die Kulissen des Starterzentrums für Stadt- und
Regionalentwicklung.
14
V O N U N T E R N E H M E R I N N E N U N D U N T E R N E H M E R N
Leonard ist seit seiner Gründung eine
maßgeschneiderte Community zur
Unterstützung von unternehmerischen
Projekten. 3 Förderprogramme sind auf
VINCI-Mitarbeitende, Start-ups und inno-
vative Unternehmen zugeschnitten. So
können VINCI-Beschäftigte mit Projekten, die
möglicherweise zu neuen Geschäftstätigkeiten
in den Bereichen Bau, Immobilien, Mobilität
und Energie führen, im Rahmen des
Intrapreneurship-Programms passgenau
betreut werden. Ziele: Strukturierung ihres
VonUnternehmerinnen
undUnternehmern
Drei Programme zur Begleitung
von Unternehmer:innen
G 
SPACEMAKER AI (CATALYST) GEHT ZU AUTODESK
Im November 2020 kündigte Spacemaker AI, eine generative
Planungsplattform, die KI-Modelle zur Beschleunigung und
Optimierung von Projektplanung und -konzeption einsetzt, die
Übernahme durch Autodesk für 240 Mio. Dollar an. Ein großer Erfolg
für das 115 Mitarbeitende zählende Unternehmen, das von Leonard im
Rahmen des CATALYST-Programms unterstützt wurde.
Leistungsversprechens, Festlegung ihrer
Entwicklungsstrategie und Gewinnung von
Sponsor:innen, um eine ersten Version ihres
Angebotes entwickeln und am Markt testen
zu können. Dabei können sie insbesondere
auf Coaches und Mentor:innen aus dem
Management des VINCI-Konzerns zählen.
Viele der 44 Unternehmer:innen, die von
diesem Programm bisher gefördert wurden,
haben sich mit der konkreten Umsetzung der
VINCI-Umweltziele befasst.
Jahr für Jahr wirkt dieses Programm als
wirksamer Treiber für Projekte und Karrieren
vielversprechender, innovativer Talente in allen
Branchen des Konzerns. Zwischen 2017 und
2020 wurden nicht weniger als 34 Projekte
gefördert; 13 neue Geschäftstätigkeiten wur-
den gestartet oder stehen in den Startlöchern.
2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E
15
2019 rief Leonard das erste Gründerzentrum
für Start-ups und innovative Unternehmen
in den Bereichen Bau, Mobilität, Immobilien,
Retail und nachhaltige Stadt ins Leben, um die
Unternehmer_innen von morgen zu fördern.
Dieses Gründerzentrum bietet Förderungen
im Rahmen zweier Programme an: SEED und
CATALYST.
Das SEED-Programm ist für Start-ups
in der Frühphase gedacht. Dank maß-
geschneiderter Betreuung erarbeiten
sie ihr Leistungsversprechen und ihre
Entwicklungsstrategie und legen so den
Grundstein für die Beschaffung erster
Geldmittel. Das Förderprogramm bietet
unter anderem finanzielle Unterstützung,
eine Managementschulung der Universität
Stanford, die geschäftliche Vernetzung mit
Mentor:innen, externen Investor:innen und
Mitarbeitenden der VINCI-Unternehmen.
2020
lief das SEED-Programm
zum ersten Mal und
förderte 5 Start-ups.
Das CATALYST-Progamm
unterstützte 11
Unternehmen.
G 
CONSTRUCTION START-UP COMPETITION :
2 CATALYST-UNTERNEHMEN IM FINALE
Bei der vierten Ausgabe der internationalen „Construction
Start-up Competition“ im Jahr 2020, bei der neben Cemex
Ventures, Ferrovial, Hilti und Nova by Saint-Gobain auch Leonard
als Partner auftritt, kamen unter 700 Bewerberfirmen 10 Firmen
in die Endausscheidung. Darunter zwei, die von Leonard im
Rahmen des CATALYST-Programms begleitet wurden: Converge
(siehe S. 24) und Hiboo, eine SaaS-Anwendung für Baumaschinen.
Hiboo wurde mit der Goldmedaille ausgezeichnet.
Die Start-ups können sich außerdem um
Fördermittel des French Tech Seed-Fonds und
der BPI bewerben, die von Leonard fachlich
beraten werden.
Das CATALYST-Programm wurde eigens ent-
wickelt, um die Zusammenarbeit zwischen
VINCI und innovativen Unternehmen in der
Phase der kommerziellen Umsetzung zu
beschleunigen. Letztere bekommen eine:n
eigene:n Ansprechpartner:in im Leonard-
Team, um mit den Unternehmenseinheiten
der VINCI interagieren zu können - vom
ersten Kontakt bis zum Vertragsabschluss.
Außerdem erhalten sie einen privilegierten
Zugang zu Entscheidungsträger:innen des
Konzerns, werden in den Veranstaltungszyklus
von Leonard eingebunden und bekommen, im
Falle von internationalen Unternehmen, einen
besseren Zugang zum europäischen Markt.
16
Intrapreneurship-Programm
V O N U N T E R N E H M E R I N N E N U N D U N T E R N E H M E R N
G ROADCARE
Problem Die Überwachung des Zustands von
Land- und Gemeindestraßen ist kosten- und
zeitintensiv.
Lösung Die vom Betriebspersonal per
Smartphone erfassten Daten werden auto-
matisch verarbeitet und analysiert. Dies ver-
einfacht die Erfassung des Fahrbahnzustands
und optimiert die Erhaltung.
Projekt Das Projekt wird getragen von Tien
Sy Nguyen von Diagway (Eurovia) und Antonin
Mancel von Sixense (VINCI Construction).
Meilensteine Ende Januar 2021 soll
das Projekt in die Startphase gehen. Die
Entwicklung der Plattform gemeinsam mit
dem Anwenderkreis geht weiter, eine erste
Version soll Anfang 2021 fertiggestellt sein.
„DurchdasLeonard-Programmstelltmansichdierichtigen
Fragen:WiehebeichmichvomWettbewerbab,welchen
Bedarfgibtes,TimetoMarketusw.Esliefertganz
pragmatischeDenkanstößeimAlltag,bringteinenausder
KomfortzoneundsorgtgleichzeitigfürtragfähigeKontakte
undErfahrungsaustauschzwischenUnternehmer_innen.”
 
Antonin Mancel, Sixense
2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E
17
G RESSOURCERIE FÜR
DIE BAUINDUSTRIE
Problem Ressourcenverschwendung auf
Abbruch-Baustellen.
Lösung Eine Vermittlungsplattform und
ein Lager für wiederverwertbare Produkte;
schlüsselfertige Dienstleistung von der
Erfassung der Ressourcen bis zur Suche nach
Absatzmöglichkeiten.
Projekt Héloïse de Bokay ist Projektreferentin
im Umweltbereich bei VINCI SA und hat das
Projekt „Ressourcen für die Bauindustrie“
angestoßen. Sophia Aissi von Neom unter-
stützt sie, um ihre Dienstleistungen auf den
ersten Baustellen zu testen und gemeinsam
mit VINCI Construction France die geplante
Entwicklung der Geschäftstätigkeit fest-
zulegen: Personalgewinnung, Erweiterung
eines Lagers für wiederverwertbare Produkte,
Entwicklung einer digitalen Vermittlungs- und
Managementplattform.
Meilensteine Schlüsselfertiger Service
auf drei Baustellen und Start der neuen
Geschäftstätigkeit bei VINCI Construction
France am 1. Dezember 2020.
„BeieinemKreislaufwirtschafts-
ProjektgehtdieWertschöpfung
überdenreinökonomischen
Aspekthinaus.Zielist
dieSchaffungpositiver
Außenwirkungen.DieInitiative
sollalsobeispielsweisedafür
sorgen,dasswenigerAbfälleauf
derDeponielandenundneue
Möglichkeitenzurberuflichen
Eingliederungentstehen.”
Héloïse de Bokay,
Umweltingenieurin bei VINCI
18
G EBETON
Problem Das Management der
Betonbestellung und -abnahme auf den
Baustellen ist ein händischer, zeitraubender
Prozess; Nachverfolgung und Berichtswesen
gestalten sich schwierig.
Lösung Eine Plattform zur Unterstützung
bei der Auswahl klimafreundlicher Betone
und eine digitale Anwendung zur optimalen
und zuverlässigen Bestellung und Abnahme
von Beton auf den Baustellen; gleichzeitig
vereinfachtes CO2
-Reporting.
Meilensteine Das Projekt ebeton stammt
ursprünglich von Bruno Paul-Dauphin und
wurde dann von Djamil Yahia-Ouahmed,
Clémence Thune und Tom Malo übernom-
men. Alle vier arbeiten bei VINCI Construction.
Inzwischen wird es von VINCI als Business
Unit geführt. Die Startphase begann Ende
August 2020, und das Projekt spielt eine
entscheidende Rolle bei der EXEGY-Initiative
von VINCI Construction zum massiven
Einsatz klimafreundlichen Betons. Die
ebeton-Plattform begleitet die Projekte
von der Planung bis zur Realisierung. Dabei
stützt sie sich auf klimafreundliche Lösungen
von EXEGY und auf die Digitalisierung des
Beton-Prozesses auf den Baustellen. Neue
Funktionen sind in Vorbereitung, um auch
für komplexere Probleme auf den Baustellen
eine Lösung anbieten und Daten mit externen
Anwendungen austauschen zu können.
V O N U N T E R N E H M E R I N N E N U N D U N T E R N E H M E R N
„IchmagdenTeamgeistunter
Intrapreneur_innen(fastdas
gesamte4.Förderjahristin
dieBeschleunigungsphase
übergetreten),wobei80%
dieserBeschleunigungsphaseim
Lockdownstattfanden!Während
desgesamtenProgrammswurden
wirvonVINCIConstruction
unterstützt,vomProjektbeginn
imSeptember2019biszur
EinstellungdesneuenCEOimJuli
2020.”
Bruno Paul-Dauphin, VINCI Construction
2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E
19
G BUILD2B
Problem Baufirmen verbringen jeden Tag
hunderte von Stunden damit, zuverlässige
Freiberufler_innen und Selbständige für
Planungs-,Ausführungs-undBetriebsaufgaben
inallenBereichenzusuchen.DieSelbständigen
ihrerseits wollen mehr Kund_innen gewinnen
undsichergehen,dasssieauchbezahltwerden.
Lösung Die Plattform build2b.fr ermöglicht
mit wenigen Klicks das Auffinden zuver-
lässiger, kompetenter Freiberufler:innen
Die Selbständigen profitieren von einer
Zahlungsgarantie, Versicherungen und dem
Management ihrer Verwaltungsunterlagen.
Projekt Build2B wurde 2019 von drei
Unternehmern gegründet, deren Profile sich
hervorragend ergänzen: Karim Tamarzist
(Finanzexperte, früherer Mitarbeiter der
Investitionsbank). Mounir Bourhrara
(Bauingenieur mit langjähriger Erfahrung in der
Leitung von Großprojekten) und Shakib Jlassia
(Marketingfachmann).
Seed-Programm
Meilensteine Die Coronakrise verstärkt den
Trend zur Prozessautomatisierung, weil die
Unternehmen ihre Reaktionszeit von einigen
Tagen auf wenige Stunden reduzieren mussten.
Seit August 2020 gehört auch ein CTO zum
Team. Er sorgt für eine langfristig stabile, trag-
fähige Technikstrategie.
„DurchdasProgrammkonnten
wirzunächstunsereStrategie
festlegen,insbesondereauch
dankdesStanford-Lehrgangs
(IdeatoMarketEntrepreneurship
Program).Sosindwirgut
fürdiegeradelaufenden
Finanzierungsgespräche
mitVC-Fondsundden
BusinessAngelsgerüstet.
AlsProgrammteilnehmer
konntenwirleichtermitden
Unternehmenseinheitendes
VINCI-KonzernsinKontakt
tretenundwurdenvoneinem
erfahrenen,visionärenMentor
unterstützt:JérômeAnsaldi
(MitglieddesVorstandsvon
BATEG,VINCIConstruction).”
Karim Tamarzist, CEO und Mitgründer
von Build2B.
20
G INERGEEN
Problem BauteninModulbauweise sindhäu-
fig schwer zu transportieren und entsprechen
nicht den wachsenden Umweltanforderungen
der Baubranche.
Lösung  
Cubeen™, ein demontierbares,
polyvalentes Baumodul, und Woodea™, ein
Modul in Holzbauweise mit hervorragender
Energiebilanz.
Projekt Inergeen wurde im März 2017 von
Olivier Kerrec (25 Jahre im Energiesektor),
Christian Bois (seit 35 Jahren Architekt und
Niederlassungsleiter) sowie Clément Bois
(Architekt mit 7 Jahren Berufserfahrung in
Architektur und Design) gegründet.
Meilensteine 2020 war für Inergeen ein
erfolgreiches erstes Jahr am Markt. Im
Oktober lief das SEED-Programm aus und
das Unternehmen startete seine Kampagne
zur Kapitalbeschaffung.
„MitdenTeamsvonLeonard
undderUniversitätStanford
gabeseinenäußerst
konstruktivenAustausch.
Währenddessechsmonatigen
Programmshatsichunsere
Entwicklungsstrategiewirklich
gefestigt.Wirhabenallesauf
denPrüfstandgestellt,unddas
mitErfolg!”
Olivier Kerrec, Vorstand und Mitgründer
V O N U N T E R N E H M E R I N N E N U N D U N T E R N E H M E R N
2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E
21
G EP-TENDER
Problem Im Alltag verfügen die meisten
Elektroautos über genügend Reichweite.
Problematisch sind jedoch die gelegent-
lichen längeren Fahrten, bei denen lange
Zwischenstopps an den Stromtankstellen
erforderlich sind.
Lösung Ein Battery as a Service-Konzept mit
„dockingfähigen“ Batterien: Ein modularer,
kostengünstiger Ansatz zur Förderung der
Elektromobilität und ein Pay-per-Use-
Geschäftsmodell für gelegentliche, längere
Fahrten. Der Carsharing-Tender ist mit allen
marktgängigen Modellen kompatibel und
befreit das Elektroauto von reichweitebeding-
ten Einschränkungen.
Projekt EP-Tender wurde 2012 von Jean-
Baptiste Segard gegründet. Das multidiszi-
plinäre Team stützt sich auf das Know-how
lokaler Unternehmen und deckt so die mecha-
nische Planung und Entwicklung, die elektri-
sche Entwicklung und Systemintegration, das
Design der Produktionsmanagementsoftware,
die Modellierung und das Management
des Mietnetzwerks und den Einbau in den
Kundenfahrzeugen ab.
Meilensteine 2020 führte EP-Tender drei
Versuche durch, einen mit VINCI, zwei weitere
mit Automobilherstellern. Dabei wurden zwei
Langstreckenrekorde ohne Aufladen aufge-
stellt: 1.000 km in 9 Std. 41 min. mit einem
Renault Zoé und 500 km in 6 Std. 42 min. mit
einem Renault Master ZE. Erfolge, welche die
Entwicklung und den Bau einer Vorserie ein-
läuten, gefolgt von präkommerziellen Piloten
im kleinen Maßstab.
„Durch die Aufnahme in ein Leonard-
Förderprogramm werden wir nicht
nur sichtbarer und gewinnen an
Prestige. Das SEED-Programm hat uns
in dreifacher Hinsicht unterstützt.
Durch den intensiven Austausch mit
verschiedenen operativen VINCI-
Gesellschaften konnten wir unsere
Planungen verfeinern und unseren
Businessplankonsolidieren.Überdies
haben wir in einer hervorragenden
Stanford-Schulung gelernt, wie
ein Geschäftsmodell aufgebaut
und gegenüber Investor:innen und
Industriepartner:innen vorgestellt
wird. Last but not least standen wir
im persönlichen Austausch mit allen
Unternehmer:innen in unserem
SEED-Jahrgang sowie den anderen
von Leonard geförderten Projekten.“
Jean-Baptiste Segard, Vorstand
und Gründer von EP-Tender
22
G AOS
Problem Anfragen bei Unternehmen kos-
ten die Auftraggeber:innen häufig hunderte
von E-Mails und müssen oft händisch und
mit Excel-Sheets nachverfolgt werden; die
Weitergabe oder Aktualisierung komplexer
Unterlagen erfolgt mit unterschiedlichen
Tools (Mailbox, Transferplattformen usw.).
Damit wird kein Mehrwert generiert, es
können Fehler entstehen oder Informationen
falsch oder gar nicht weitergeleitet werden.
Lösung AOS (französisch für: Vereinfachte
Ausschreibung) ist eine einheitliche Online-
Plattform, die von Autraggeber:innen wie
Lieferant:innen gleichermaßen genutzt wird.
Sie erlaubt den sicheren, zeitlich und in der
Datenmenge unbegrenzten Austausch aller
Informationen im Rahmen einer Anfrage,
analysiert und vergleicht automatisch die
Angebote und erleichtert die Nachverfolgung
und Einhaltung des Kostenrahmens.
„Anfänglich war es für uns nicht ein-
fach, die Organisationsstruktur des
VINCI-Konzerns zu verstehen und
die Unternehmenseinheiten richtig
zuzuordnen. Aber bald zog Routine
ein, unser Angebot wurde sehr rasch
verstanden, und VINCI entwickelte
sich zu einem unserer wichtigsten
Kunden. Deshalb haben wir heute
zahlreiche interne Sponsor:innen.“
Marc Giraudot, Head of Sales von AOS
„Im Konzern nutzen wir auf
den Baustellen ein Tool zur
Auftragserteilung. Aber von mehre-
renBaustellenkamdieRückmeldung,
dass die AOS-Lösung im Einsatz sei.
Wir überlegen, sie in der gesamten
Gruppezuimplementieren.EinVorteil
wäre, dass mehrere Abteilungen die
Anfragengemeinsambearbeitenkön-
nen. Manchmal gehen Informationen
aus der Kalkulation verloren - das ist
bei dieser Lösung nicht möglich, alles
ist rückverfolgbar und jederzeit ver-
fügbar. AOS ist speziell für Anfragen
gedacht,abereinespätereIntegration
mit juristischen Tools ist denkbar.“
Matthieu Poylo, Leiter Tools
und produktionsfremder Einkauf, VINCI
Construction France
Projekt AOS wurde 2016 von Alexandre
Brochot und Thomas Cassou gegrün-
det und erhielt zweimal hintereinander
Investitionsmittel. Per Juni 2020 hatte
das Unternehmen 50 Mitarbeitende; bis
Jahresende sollen es schon 90 sein. Der
Umsatz beläuft sich auf 2 Mio. Euro.
CATALYST-Programm
Kennzahlen

1.500 neue Projekte in 18
Monaten

350 Kund:innen

8 Milliarden Euro Bauleistung

80 % Wohnungsbau

Etwa 30 Projekte mit dem
VINCI-Konzern

Serie A Anfang 2021
V O N U N T E R N E H M E R I N N E N U N D U N T E R N E H M E R N
2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E
23
G HOLOBUILDER
Problem Für Monitoring, Instandhaltung
oder Koordination werden Fotos von den
Baustellen eingesetzt. Das kostet viel Zeit, und
häufig werden die Bilder unstrukturiert online
gestellt. Dadurchkönnensie nur schwer geteilt
und genutzt werden.
Lösung Holobuilder nutzt 360°-Kameras,
Machine Learning-Algorithmen und eine SaaS-
Plattform, um die Aufnahme der Bilder zu
beschleunigen und das Baustellenmonitoring
und -management zu vereinfachen. Die
360°-Fotos sind online verfügbar und in den
Baustellenplänen hinterlegt. Es können zwei
Orte über einen gewissen Zeitraum hinweg
verglichen werden, es gibt eine Kommentar-
und Messfunktion. Die Plattform ist mit den
wichtigsten Branchenanwendungen für das
Baustellenmanagement kompatibel.
Projekt Holobuilder wurde im Dezember
2019 in das CATALYST-Programm aufgenom-
men. Das Unternehmen mit Sitz in Aachen und
San Francisco zählt knapp die Hälfte der 100
größten US-amerikanischen Bauunternehmen
zu seinen Kunden.
Kennzahlen
18.000 Projekte

2.000 Kundenfirmen

85 % weniger Zeit
für die fotografische
Dokumentation der
Baustelle
„Bauprojekte sind auch innerhalb eines
KonzernsingewisserWeisesehrunab-
hängig voneinander. Deshalb mussten
wir eine Technologie entwickeln,
die sich an viele unterschiedliche
Situationen anpasst. Unsere Lösung
ist deshalb für kleine Maßnahmen
geeignet,aberauchfürGroßbaustellen
- von Infrastrukturprojekten über die
Industrie bis hin zum Wohnungsbau.“
Christian Claus, CMO,
Head of Partnership, Holobuilder
„Für Anwendungsfälle mit besonders
hohen Sicherheitsanforderungen,
etwa unsere Baustellen im
Kernkraftbereich, kommt es ent-
scheidend auf die Datensicherheit an.
Unser hervorragendes Holobuilder-
Team hat die Herausforderung
angenommen und die Möglichkeit
zum Einsatz einer privaten Cloud
oder zur Datenspeicherung vor Ort
geschaffen.“
Matthieu Artaud, Corporate Ventures
Manager, VINCI Energies
24
G CONVERGE
Problem In der Baubranche und ins-
besondere auf den Baustellen kommen
bisher nur wenige digitale Lösungen zum
Einsatz. Verfahrensanweisungen und
Organisationsstrukturen sehen meistens
manuelle Aufmaße in Teilbereichen vor,
welche die Wirklichkeit vor Ort nicht genau
abbilden. So gehen viele Möglichkeiten zur
Produktionsoptimierung verloren.
Lösung Converge verbindet physische
Sensoren, die von der Baustelle bis zum
Betrieb in den Bau integriert werden und deren
Daten in eine Cloud exportiert werden, mit den
räumlichen, zeitlichen und wirtschaftlichen
Daten eines Projekts. Die SaaS-Lösung inte-
griert künstliche Intelligenz und Sensordaten
und digitalisiert so den Bau. Das erste Produkt,
Concrete DNA, ist ein digitales Monitoringtool
für die Betonnachbehandlung. Direkt auf den
Armierungen werden Sensoren angebracht,
die kontaktlos Temperatur-, Feuchtigkeits-
und Druckdaten übertragen.
Kennzahlen

Concrete DNA sorgt für
bis zu 30 %
Zeitersparnis bei der
Betonverarbeitung -
das bedeutet 30 bis
40 % weniger Kosten.
Werdegang Nach diesem ersten Produkt
hat die 2014 von Raphael Scheps und Gideon
FarrellgegründeteConvergeeineganzePalette
an Sensoren entwickelt: GeoDNA (Monitoring
von geotechnischen Strukturen und
Umgebung), OffsiteDNA (Baustellenlogistik)
sowie CraneDNA (Standortlogistik). Ziel dabei
war die Implementierung eines kompletten
digitalen Baustellenzwillings.
V O N U N T E R N E H M E R I N N E N U N D U N T E R N E H M E R N
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25
„WirerlebeneinebeschleunigteEntwicklungim
Bausektor.HeuteinvestierengroßeAnbietervermehrt
dieDigitalisierung,insbesondereauchVINCI.“
Raphael Scheps, CEO, Converge
„WirhabendieConverge-LösungbereitsbeieinemProjekt
eingesetzt.WirhabenimRahmenvoneBetonmit
knapp200Unternehmengesprochen,umuntermehr
Betonrezepturen,insbesondereklimafreundlicheren
Betonen,auswählenunddieaufunserenBaustellen
eingesetztenBetonebesserrückverfolgenzukönnen.
VordiesemHintergrundistdiedurchConvergemögliche
ProduktivitätsverbesserungvongrößtemInteressefür
uns.”
Bruno Paul-Dauphin, Projektleiter klimafreundlicher Beton
und Projektleiter eBeton
26
Fünf Fragen
an Guillaume
Bazouin, Leiter
Beschleunigungs-
programme
Wie sieht Ihre Bilanz für das SEED-
und das CATALYST-Programm nach
einem sehr ungewöhnlichen Jahr aus?
GUILLAUME BAZOUIN
Bei SEED haben wir fünf Firmen
unterstützt mit dem Ziel, dass sie nach einem
Jahr erstmalig eigenes Kapital beschaffen
können. Bei vier von ihnen läuft diese
Kapitalbeschaffung gerade. Es handelt sich um
Build2B, EP Tender, Inergeen (siehe S. 19) sowie
SoLiquid, eine externe 3D-Drucktechnologie.
Das SEED-Programm wurde außerdem von
BPI France als Berater des French Tech Seed-
Fonds anerkannt, der in technologieintensive
Start-ups investiert.
Bei CATALYST wollen wir über Rahmen- oder
Pilotverträge Kooperationen zwischen den
operativen Einheiten von VINCI und einem
Dutzend innovativen Unternehmen aufbauen,
die international zu den Besten ihres Fachs
gehören. Im Mittel kommt es nur in 5 % aller
Fälle zu einer Zusammenarbeit zwischen
solchen Start-ups und Großkonzernen. Wir
gehen bei uns aber von einer Erfolgsquote
von 30 bis 50 % aus.
V O N U N T E R N E H M E R I N N E N U N D U N T E R N E H M E R N
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27
Wie erfolgt die Auswahl der teilneh-
menden Start-ups?
GUILLAUME BAZOUIN
Weltweit bewerben
sich mehrere hundert Start-ups um die
Teilnahme am SEED- und am CATALYST-
Programm. Die Leonard-Teams bewerten ihre
Praxistauglichkeit, ihr Personal, ihren Reifegrad
und ihre finanziellen Möglichkeiten. Dann
tauschen wir uns mit zahlreichen Fachleuten
aus den VINCI-Unternehmen aus, um zu
ermitteln, wie relevant ihre Angebote für
unsere Geschäftsbereiche sind.
Welche Kontakte gibt es zwischen
diesen beiden Programmen und dem
Intrapreneurship-Programm von
Leonard?
GUILLAUME BAZOUIN
Das Intrapreneurship-
Programm ermöglicht es allen Mitarbeitenden
von VINCI, ein eigenes Projekt zu ent-
wickeln, aus dem letztendlich eine neue
Geschäftstätigkeit für den Konzern erwachsen
kann. Sehr häufig befassen sich dann nicht nur
unsere Intrapreneur:innen mit diesem Thema,
sondern auch externe Start-ups (und umge-
kehrt). Dieses Phänomen der Ko-Emergenz
ist übrigens ein guter Indikator für die
Relevanz einer Idee. Solche Überlappungen
bieten immer auch Möglichkeiten zur
Zusammenarbeit und zu gemeinsamen
internen/externen Entwicklungen. Das maxi-
miert die Chancen für die Entstehung einer
disruptiven Innovation.
Welche Besonderheiten weisen SEED
und CATALYST gegenüber anderen
Gründerprogrammen auf?
GUILLAUME BAZOUIN
Bei solchen Programmen
kommt es entscheidend darauf an, die rich-
tigen Bewerber:innen mit den attraktivsten
Angeboten auszuwählen. Um unter den
unzähligen Gründer- und Start-up-Zentren
konkurrenzfähig zu sein, braucht es ein
klares, differenziertes Programm. Bei SEED
ermöglichen wir jungen Start-ups, ihr
Leistungsversprechen zu validieren - und
zwar im Austausch mit VINCI-Mitarbeitenden,
die zukünftig zu ihrem Kundenkreis zählen
könnten. Wir bieten ihnen einen betriebswirt-
schaftlichen Lehrgang in Zusammenarbeit mit
der kalifornischen Stanford-Universität an, um
sie bestmöglich auf die Kapitalbeschaffung
vorzubereiten, und bringen sie sechs
Monate lang in unseren Räumlichkeiten
unter. Jedes Start-up bekommt 30.000 € zur
Finanzierung seines Wachstums während der
ersten Monate. Leonard wertet sein Programm
zusätzlich auf, indem wir uns bei jedem SEED-
Start-up am Kapital beteiligen. CATALYST
hingegen ist kein Investitionsprogramm,
sondern bietet Unterstützung für Scale-ups
oder innovative Unternehmen mit relevanten,
marktreifen Angeboten, die für den gesamten
VINCI-Konzern skaliert werden können.
Wie sehen die Perspektiven für 2021
aus?
GUILLAUME BAZOUIN
Wir sind sehr zuversichtlich. Im
ersten Jahr wurden im SEED-Programm ledig-
lich fünf Start-ups gefördert. Im nächsten Jahr
werden es fast doppelt so viele sein: Aus 150
Bewerbungen haben wir neun Unternehmen
ausgewählt. Sie werden gemeinsam mit
unseren Intrapreneur_innen betreut und alle
nehmen am Stanford-Lehrgang teil. Auch das
CATALYST-Angebot wurde ausgebaut. Die
beteiligten Unternehmen werden gemeinsam
mitzahlreichenoperativenGeschäftsleitungen
des Konzerns qualifiziert.
28
K I - P R O G R A M M
Genau wie bei den KI-gestützten
Anwendungen selbst (Machine Learning,
Computer Vision, Entscheidungsbäume
usw.) verlief auch hier die Entwicklung
sehr schnell. Die acht Projektträger:innen
im ersten Jahr des KI-Programms, das 2019
von Leonard ins Leben gerufen wurde, haben
bereits im April dem VINCI-Vorstand ihre
Initiativen vorgestellt. Drei davon werden zu
eigenen Business Units. KI-basierte Lösungen
zu praxistauglichen Systemen entwickeln,
sich nicht mit der Entwicklung von Proofs-
of-Concept begnügen: Die Zielsetzung des
KI-Programms wurde erreicht. Wie lautet das
Geheimnis dieses Programms? Wir setzen auf
Zusammenarbeit und Synergieeffekte zwi-
schen den Projekten und stützen uns dabei auf
kompetente Mitarbeitende aus dem Konzern.
Und die Fortsetzung sieht genauso vielver-
sprechend aus. Bereits im November 2020
startete das zweite Förderjahr mit 13 neuen
Projekten aus VINCI-Unternehmenseinheiten.
DieKompetenzenimKI-Bereichverbreitensich
dadurch im gesamten Konzern und werden für
Anwendungen eingesetzt, in denen die KI ein
disruptives Potential mitbringt: Automatische
Erfassung des Fahrbahnzustands (Roadcare-
Projekt), generatives Design von technischen
Gebäudeequipments (Diane, neue BU) oder
auch die Simulation des Immobilienpotentials
einer Parzelle. Allgemein werden KI-gestützte
Technologien zukünftig eine entscheidende
Rolle bei der Erreichung von Umweltzielen
spielen und durch ihre Simulations- und
Optimierungskapazitäten die wirtschaftlichen,
ökologischen und sozialen Ziele der Projekte
in Einklang bringen.
KI-Programm
Das KI-Programm
beschleunigt den Einsatz KI-
basierter Technologien bei
VINCI
 230 Schulungsstunden

50 Lehrgänge und
praktische Übungen

100 KI-Modelle trainiert
2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E
29
„DasProgrammzieltnichtauf
ProofsofConceptab,sondern
auferfolgreicheProjekteim
Industriemaßstab.Entsprechend
istdasvondenMitarbeitenden
getrageneundentwickelteProjekt
auchausgerichtet.Siewollen
eslangfristigzurindustriellen
Marktreifebringen.”
Bruno Daunay, AI Lead, Leonard
ImJahr2020
wurdeKIinfolgendenBereichen
eingesetzt:
 
Vorausschauende Instandhaltung für Verkehrssysteme/
VINCI Energies
 
Vorausschauende Instandhaltung für die Industrie und den Betrieb
von Infrastrukturen/ VINCI Construction – VINCI Concessions
 
Vorhersage von Budgetabweichungen bei einem Projekt / 
VINCI Energies-Eurovia
 
Generatives Design in der Industrieplanung / VINCI Energies
 Logistikoptimierung / VINCI Energies
 
Geophysikalische Baugrunduntersuchung / VINCI Construction
 
Betrieb von Telekom-Infrastrukturen / VINCI Energies
30
K I - P R O G R A M M
“WirmüsseneinpaarJahrevorausdenken.HeutesinddieseTools
nurfüreinigewenige,genauumrisseneAnwendungenimGebrauch,
aberinZukunftwerdensiedeutlichbreitereingesetzt.Mitdiesen
ProjektenbereitetVINCIdenWegfürgroßangelegtePlanungs-und
Instandhaltungslösungen,indiebeispielsweiseauchökologische
odersozialeZieleeinfließenkönnen.“
Quentin Panissod, AI Lead, Leonard
„UnsereKI-EntwicklungenderletztenJahre
bestätigendengroßenWertsolcherToolsfür
unserenKonzern,aberauchdieNotwendigkeit
zumAufbauinternerKompetenzeninden
Unternehmenseinheiten,umdieseTechnologien
anunserebetrieblicheRealitätanzupassen-kurz
gesagt,umsievonderPowerPoint-Präsentation
aufdieBaustellezubringen.”

François Lemaistre, Brand Manager Axians, VINCI
Energies
2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E
31
SprinkIA
AUTOMATISIERUNG HÄLT
IN DIE SPRINKLERNETZ-
PLANUNG EINZUG
Fünf Minuten. So
lange braucht die vom
Brandschutzspezialisten Uxello
(VINCI Energies) entwickelte
SprinkIA-Lösung, um auf
Grundlage eines Lastenhefts
und eines Kostenrahmens
ein optimales Sprinklernetz
zu planen. SprinklA wurde im
Rahmen des KI-Programms von
Leonard entwickelt. Sie reduziert
nicht nur den Planungsaufwand
signifikant, sondern sorgt
gleichzeitig für die Optimierung
der Sprinklernetze. Die
verwendeten Machine
Learning-Algorithmen versetzen
die Brandschutzplanung ins
Zeitalter des generativen
Designs. Anders als bei
parametrierten CAD-Tools, bei
denen die vorgeschlagenen
Lösungen auf eine Reihe von
vorkonfigurierten Möglichkeiten
beschränkt sind, lotet das
generative Design sämtliche
physikalischen und ökono-
mischen Möglichkeiten aus
und sucht nach der optimalen
Lösung.
SE@Cloud
 VORAUSSCHAUENDE
INSTANDHALTUNG AUF DER
SCHNELLFAHRSTRECKE
Auf der Hochgeschwindigkeits-
Bahnstrecke zwischen Tours
und Bordeaux kommt bisweilen
ein etwas eigenartiger Waggon
zum Einsatz. Es handelt
sich um das so genannte
„Dring“-Fahrzeug von Lisea und
Mesea, den Konzessions- und
Instandhaltungsgesellschaften
dieser Strecke. Dring ist vollge-
stopft mit Sensoren und misst
jede Woche Veränderungen
der Gleislage. Im Rahmen des
KI-Programms von Leonard
wurden die so erfassten,
wertvollen Daten genutzt, um
auf der Schnellfahrstrecke
ein vorausschauendes
Instandhaltungskonzept
umzusetzen. Es wurden
entsprechende Algorithmen zur
Auswertung der Messfahrten
entwickelt, die auf Grundlage
kurzfristiger (einige Monate)
und langfristiger (drei Jahre)
statistischer Vorhersagen
die Wartungseinsätze
optimieren. Das Ergebnis:
Die Häufigkeit der Einsätze
wurde signifikant gesenkt,
genauso wie der Zeitaufwand
für die Messfahrten und die
Planung der Instandhaltungs-
maßnahmen. Dank KI konnten
die Instandhaltungsfachleute
außerdem tiefergehend
untersuchen, wie sich Wartung
auf die Verschlechterung der
Gleislage auswirkt. Der prä-
diktive Ansatz ermöglicht jetzt
die Vorausplanung des idealen
Zeitpunkts für die Maßnahmen,
und das ohne Einbußen in
Sachen Leistungsfähigkeit und
Sicherheit.
Chronsite
KI SORGT FÜR
PERFEKTE
TERMINPLANUNG
AUF DER BAUSTELLE
Beim Lean Management kommt
es entscheidend darauf an,
den für jede im Rahmen eines
Projekts zu erledigende Aufgabe
notwendigen Zeitaufwand
genau zu analysieren. Diese
Projektmanagementmethode
ist in der Industrie bereits aus-
giebig erprobt worden und hält
nunmehr auch auf Baustellen
Einzug. Die Ingenieur:innen
ermitteln damit die zeitaufwän-
digsten Aufgaben und können
so die Gesamtproduktivität
des Projekts um bis zu 25 %
verbessern. Allerdings stößt
auch dieser Ansatz an eine
Grenze, nämlich die Zeit, die für
die Zeitmessung selbst erfor-
derlich ist! Glücklicherweise
ist es heutzutage möglich,
diese Aufgabe durch die
Kombination von Kameras,
Bildverarbeitungsalgorithmen
und Deep Learning zu
automatisieren. Eine KI kann
laufende Aufgaben erkennen,
das eingesetzte Personal
identifizieren und den
Fortschritt und die Dauer der
Aufgaben mitprotokollieren.
Diese Möglichkeit bietet
heute Chronsite, ein von VINCI
Construction France und
Dodin Campenon Bernard
mit Unterstützung des
KI-Programms von Leonard
entwickeltes Tool.
Im Fokus
R Ü C K B L E N D E A U F 2 0 2 0
32
AufnachBerlin
Im Juli 2020 starteten Leonard und die Teams
von Eurovia und VINCI Energies mit Sitz in
Deutschland Leonard:DACH, die VINCI-Plattform
für Zukunftsforschung und Innovation in
Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie wird
als Ansprechpartnerin für unsere Prospektivstudien
und Beschleunigungsprogramme in diesen Ländern
fungieren.
2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E
33
„Leonardbietetals
Netzwerkplattformdie
Möglichkeit,einfunktionierendes
ÖkosystemmitPartner_innen
ausWissenschaft,Wirtschaft,
Start-upsundvonderöffentlichen
Handzuschaffen.EinNetzwerk,
indemwirIdeenaustauschenund
AnregungenausallenBereichenin
unsereÜberlegungeneinfließen
lassenkönnen.“

Tim Lorenz, Geschäftsführer, VINCI
Deutschland
„Wirwollenunsere
MitarbeitendenzumMitmachen
anregen.DerAustauschzwischen
denTeamsvonLeonardinParis
undderRegionDACHzieltdarauf
ab,gemeinsamMarktvisionen
zuentwickeln,Innovationen
zustimulierenundalle
Möglichkeitenzunutzen,dieuns
DigitalisierungundKIbieten.”
Reinhard Schlemmer, Geschäftsführer,
VINCI Deutschland
Auf
dem
Foto
werden
die
geltenden
Hygienevorschriften
eingehalten.
R Ü C K B L E N D E A U F 2 0 2 0
34
2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E
35
Transfor-
mationen
2
I
llustration:
Bruno
Mangyoku
Wie kann man Umbrüche vorhersehen, aus
schwachen Signalen künftige Nutzungsformen
ableiten und zukunftsgerichtete Überlegungen in
konkrete Projekte einbinden? Wie ist eine erfolgreiche
ökologische Wende auf regionaler Ebene und in
der Wirtschaft möglich? Die von Leonard initiierten
Szenarien, Studien und Begegnungen dienen als
Rahmen für die laufenden Transformationen.
36
N O T L O S T I N T R A N S I T I O N
D i e Z u k u n f t d e r B a u - u n d
Konzessionsbranche ist eng mit der
ökologischen Wende verknüpft. Gebäude,
Infrastrukturen und Regionen haben immer
stärker unter dem Klimawandel zu leiden. Es
ist deshalb eine schnelle Entwicklung in der
Umweltbranche vonnöten, damit sich Städte,
Gemeinden und die Gesellschaft als Ganzes
auf diese Veränderungen einstellen und an
Resilienzgewinnenkönnen.Bestandsgebäude
und Verkehr stehen weltweit für knapp
die Hälfte des Treibhausgasausstoßes. Die
Umweltziele von VINCI sehen vor, bis 2050
klimaneutral zu wirtschaften.
Abmilderung und Anpassung
Eine Abmilderung der Auswirkungen des
Klimawandels wird jedoch nicht reichen - not-
wendig ist die tiefgreifende Umgestaltung der
WirtschaftundihresAufbaus.IndenAugenvon
XavierHuillard,desVorstandsvorsitzendenvon
VINCI, sind „UnternehmenLösungsfabriken,und
wir sichern den Bestand unserer Unternehmen,
indem wir unsere ökologische Umgestaltung
beschleunigen“.
Leonard hat zwischen Oktober 2019 und
November 2020 eine Veranstaltungsreihe zur
ökologischen Umgestaltung von Städten und
Regionen durchgeführt. Am Ende dieser acht
Veranstaltungen sind die angesprochenen
Themen aktueller als je zuvor: Leonard hat
sich zum Ziel gesetzt, die ökologische Wende
von unterschiedlichsten Standpunkten aus
zu analysieren: vom globalen zum lokalen
Maßstab und unter Betrachtung der spezi-
fischen Herausforderungen in den Bereichen
Bau, Mobilität sowie Energie. Leonard hat
die Ergebnisse dieser Veranstaltungen
zusammengefasst, bei denen zahlreiche
Informationen ausgetauscht, Fragen gestellt
und aktuelle Daten vermittelt wurden.
Welche Lehren sollte man aus dieser
tiefergehenden Betrachtung der vor
uns liegenden Veränderungen ziehen?
Zunächst einmal, dass niemand allein die
ökologische Wende durchsetzen kann. Die
öffentliche Hand trägt natürlich eine große
Verantwortung für die schnelle Anpassung
des gesetzlichen Rahmens. Außerdem kann
sie die Finanzbranche dazu bringen, rasch in
diese globale Umgestaltung zu investieren.
Großkonzerne müssen mit gutem Beispiel
vorangehen, vor allem, wenn sie mit ihrer
Geschäftstätigkeit strukturgebend für die
Volkswirtschaft sind. Sie müssen proaktiv han-
deln,sowohlgegenüberderZivilgesellschaftals
auch gegenüber Entscheidungsträger_innen.
„Mit unseren Geschäftsfeldern, unserer Vision der
Gesamtleistungundunserenlangfristigangelegten
Tätigkeiten sind wir Teil der Lösung und müssen
zum Aufbau einer nachhaltigeren Welt beitragen“,
erklärte Xavier Huillard im September 2020.
Die ökologische Wende findet vor dem
Hintergrund zweier globaler Trends statt:
NotLostinTransition
Ökologische Wende auf
Augenhöhe
2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E
37
Bevölkerungswachstum und Verstädterung.
Auch diese müssen in Betracht gezogen
und zu Grundpfeilern der Umgestaltung
werden. Die Zukunft gehört denen, die den
Klimawandel strategisch zu ihrer Entwicklung
nutzen und die in die Zukunft denken können,
um die Mobilität neu zu erfinden, systema-
tisch nachhaltig zu bauen, die boomenden
grünen und klimaneutralen Technologien als
Katalysator zu nutzen und optimale Effizienz
mit optimaler Wirtschaftlichkeit zu verbinden.
Aber wo soll man anfangen? Die Zusammen-
fassung unserer Veranstaltungsreihe stellt die
wesentlichsten Themen heraus, nennt Kenn-
daten, Lösungswege und Herausforderungen,
die von Städten und Regionen angegangen
werden müssen. Hier ein kurzer Überblick.
Neue Technologien, Effizienz,
Wirtschaftlichkeit: Auswirkungen auf
Energieversorgung eines begrenzten
Planeten
Fakten
72 % der weltweiten anthropogenen
Treibhausgasemissionen sind auf den
Energieverbrauch zurückzuführen. a Seit 1800
hat sich die Weltbevölkerung vervierfacht, der
Energieverbrauch stieg um den Faktor 40.
a 1980 standen fossile Energieträger für 88
% im weltweiten Energiemix, heute liegen
sie bei 87 %. a 80 % der bekannten Öl- und
Gasvorkommen müssten im Boden bleiben,
damit die Erderwärmung bis zum Ende dieses
Jahrhunderts auf unter zwei Grad beschränkt
bleibt. a Die CO2
-Reduzierung des globalen
BIP geht noch immer sehr langsam vonstatten:
-3 % pro Punkt und Jahr im Mittel. a 2020
sankderweltweiteTreibhausgasausstoßwegen
Corona um -7 %. Diese Größenordnung müsste
ab sofort jedes Jahr erreicht werden, um die
Pariser Klimaziele einzuhalten.
Lösungen und Herausforderungen
	 Systematische Integration des Dreiklangs
aus Wirtschaftlichkeit, Effizienz und
Klimaneutralität durch erneuerbare
Energien bei jedem Projekt.
	 Ermittlung der Verwundbarkeit und der
Schwachstellen der Projektbeteiligten bei
einer Unterbrechung der Ölversorgung.
	
Vorbereitung von alternativen
Energieversorgungsmöglichkeiten.
	 Aufbau von Infrastrukturen zur Versorgung
mit erneuerbaren Energien, Elektrifizierung
(Mobilität, Gebäude, Industrie usw.).
	Aufbau einer Wasserstoff- und einer
Power-to-Gas-Infrastruktur.
	 Förderung der Klimaneutralität auf inter-
nationaler Ebene, auch wenn die örtlichen
Vorschriften weniger streng sind als auf
den am stärksten entwickelten Märkten.
	 Maximale Klimaneutralität beim internen
Unternehmenswachstum.
	 Ausrichtung eines Teils der FuE auf robuste,
einfache Technik, um die Abhängigkeit
von bestimmten, kritischen Ressourcen
zu verringern.
Wie sieht die Mobilität von morgen
aus?
Fakten
3/4 der verkehrsbedingten Emissionen sind
dem Straßenverkehr zuzurechnen. 2016 hat
er weltweit 5,85 Gigatonnen CO2
ausgestoßen.
Eine Erhöhung um 77 % seit 1990. a Der
Erdölverbrauch des Güterverkehrs hat sich seit
1973 in absoluten Zahlen nahezu verdoppelt.
a In Frankreich hat sich zwischen 1990 und
2017 die Zahl der Pkw um 40 % erhöht, bei
den Lkw waren es 6 %. a Der Flugverkehr
steht weltweit für 2,8 % aller CO2
-Emissionen;
seit dem Zweiten Weltkrieg hat er sich alle
fünfzehn Jahre verdoppelt. a Elektro- und
Wasserstofffahrzeuge sind mittlerweile
marktreif. Ihr Erfolg ist jedoch an verfügbare
38
Ladeinfrastrukturen und Fördermaßnahmen
geknüpft. a Europa braucht bis 2030 drei
Mio. Ladesäulen. Derzeit sind es 185.000.
a Selbstfahrende Autos könnten optimal
genutzt und im Carsharing eingesetzt werden.
Die Anzahl Fahrzeuge könnte sich dadurch
um den Faktor 10 verringern. a Nur 49 %
aller Französinnen und Franzosen haben
nach eigenen Angaben Zugang zu anderen
Mobilitätsangeboten als das eigene Auto.
Diese wohnen hauptsächlich in den Städten.
a 68 % aller privaten Autofahrten erfolgen
laut Auskunft der Nutzer_innen „gezwun-
genermaßen“, weil es keine Alternativen gibt
a 75 % aller französischen Arbeitskräfte fahren
mit dem eigenen Auto zur Arbeit.
Lösungen und Herausforderungen
	 Bau der notwendigen Infrastruktur, um
sanfte Verkehrsträger und den ÖPNV zum
Erfolg zu führen.
	Entwicklung einer intermodalen, inte-
roperablen Mobilitätsinfrastruktur, um
klimafreundliche Verkehrsträger optimal
nutzen zu können.
	 Aufbau einer Infrastruktur zur Integration
der Mobilität in Gebäude und
Energieversorgung.
	 Förderung von Elektromobilität durch den
Bau einer effizienten und überall ausrei-
chend vorhandenen Ladeinfrastruktur,
insbesondere in Regionen mit besonders
klimafreundlichem Strommix.
	 Implementierung von klimafreundlichen
Straßen-/Autobahninfrastrukturen.
	 Förderung von Verfahren zur Optimierung
der Verkehrsströme durch neue
Technologien (selbstfahrendes Auto usw.).
Dabei sind gegenläufige Effekte möglichst
zu vermeiden, etwa mehr Fahrten oder
Zunahme des Datenvolumens.
	 Erprobung und Weiterentwicklung der
Technologie und Implementierung robus-
ter technischer Lösungen.
	Weitere Verringerung des CO2
-
Fußabdrucks von Flughäfen, perspektivisch
Einführung von Flugzeugen mit niedrigem
CO2
-Ausstoß.
Nachhaltige Bauverfahren als
wesentlicher Hebel der ökologischen
Wende
Fakten
Der Gebäudebestand verursacht 18 % der
weltweiten Klimagas-Emissionen und 10 %
des Trinkwasserverbrauchs. a In Frankreich
verbrauchen Gebäude (Bau und Betrieb) 44 %
der Energie und erzeugen jährlich etwa 120
Mio. Tonnen CO2
, ein Viertel des französischen
Gesamtausstoßes. a Die Betonherstellung
und -verarbeitung verursacht 8 bis 9 % der
globalen anthropogenen Klimagasemissionen.
Für die Betonherstellung werden über
2,5 % der weltweiten Primärenergienachfrage
verbraucht. a 15 Mrd. Tonnen Sand fließen
jedes Jahr in die Betonherstellung. a Der
Gebäudesektor verursacht in Frankreich pro
Jahr 40 Mio. Tonnen Abfall. a 60 bis 70 % der
Infrastrukturen im Jahr 2050 sind heute noch
nicht gebaut. a Bei einem Niedrigenergiehaus
nach den Standards von 2005 entspricht die
für den Bau aufgewendete graue Energie dem
Energieverbrauch, den das Gebäude in 30 bis
50 Jahren Betrieb verursacht. a In Frankreich
gibt es sieben Millionen ungedämmte
Gebäude. a Voraussichtlich wird sich der
französische Gebäudebestand im Jahr 2050 zu
75 % aus bereits heute existierenden Bauten
zusammensetzen. a Pro Jahr werden mehr als
65.000 ha Fläche verbraucht - das entspricht
einem Viertel des Saarlandes.
N O T L O S T I N T R A N S I T I O N
2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E
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Lösungen und Herausforderungen
	 Beschleunigung der Markteinführung und
massiver Einsatz von klimafreundlicheren
Betonen.
	 Systematischer Einsatz von wiederver-
wertbaren Baustoffen zur Schonung der
begrenzten Ressourcen.
	 Stärkerer Einsatz von Holzbauweisen -
Holz ist technisch effizient, wirtschaftlich
und bindet Kohlenstoff.
	 Systematisches Recycling von Bauabfällen
zur Errichtung neuer Projekte.
	 Systematische Umweltverträglichkeits-
analyse für den gesamten Lebenszyklus
von Gebäuden.
	Verwirklichung der ökologischen
Versprechen des Smart Building.
	 ThermischeSanierungdesöffentlichenund
privaten Gebäudebestands - dies ist einer
der wichtigsten Hebel zur Verringerung
des Treibhausgasausstoßes und des
Energieverbrauchs.
Metropolen, Unternehmen, Bürger_
innen, öffentliche Hand: Mit welchen
Stellhebeln kann die ökologische
Wende beschleunigt werden?
Fakten
Heute weiß man, dass kleine, individuelle
Gesten und Verhaltensänderungen nicht
ausreichen werden, um den landesweiten
Energieverbrauch zu senken: Sie stehen nur für
etwa 25 % des Reduktionspotentials. a Knapp
die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Städten.
Diese erzeugen wiederum 80 % des BIP und
70 % des weltweiten Treibhausgasausstoßes.
Sie sind gleichzeitig besonders anfällig für
die Auswirkungen des Klimawandels. a In
Frankreich stoßen die Städte 67 % der nati-
onalen Treibhausgasemissionen aus. a Der
Klimawandel verschärft den Wärmeinsel-
Effekt in Städten. Der Temperaturunterschied
zwischen Stadt und Land kann im Sommer fast
10°C betragen. a In 30 Jahren werden 33 bis
55 % aller Städte unter Wasserstress leiden.
40
Lösungen und Herausforderungen
	 Resiliente Städte, die weniger empfindlich
auf Hitzewellen reagieren: mehr Grün,
systematische Verwendung kühler oder
stark abstrahlender Baustoffe.
	Infrastrukturen für wassersparende,
unempfindlicher auf Wasserstress reagie-
rende Städte - insbesondere angesichts
von Klimawandel und Bevölkerungsdruck.
	 Anpassungen unter Berücksichtigung der
Bodenverhältnisse planen, insbesondere
hinsichtlich der Wasseraufnahme.
	Im Küstenschutz bereits heute den
steigenden Meeresspiegel und extreme
Wetterereignisse berücksichtigen.
	 Systematischer Einsatz von Tools zum
Emissionsmonitoring ganzer Regionen,
um geeignete Hebel für die Reduzierung
des CO2
-Ausstoßes zu erkennen.
	 Umgestaltungen auch unter dem Aspekt
der Naherholungsmöglichkeiten für die
BevölkerungunddesGesundheitsschutzes
(insbesondere dem Schutz vor Epidemien)
planen.
	Koordination des Zusammenwirkens
von öffentlicher Hand, Wirtschaft und
Zivilgesellschaft bei jedem großen
Bauvorhaben.
Finanzierung der ökologischen
Wende auf allen Ebenen: Für einen
Green Deal, der den ökologischen
Herausforderungen gerecht wird
Fakten
Die Kosten für den Klimawandel könnten sich
um das Jahr 2050 auf jährlich 5 bis 20 % des
weltweitenBIPimJahr2005belaufen,während
die Stabilisierung der Treibhausgasemissionen
nur 1 % des weltweiten BIP (2005) pro Jahr
kosten würde. a Würden bis 2035 die
Klimaziele verpflichtend umgesetzt, könn-
ten der Öl- und Gasbranche 12.000 Mrd.
Dollar verloren gehen. a Die ökologische
Wende würde 2035 in Frankreich netto etwa
350.000 Arbeitsplätze schaffen, 2050 wären
es 900.000. a 2017 haben 191 Regierungen
5.200 Mrd. Dollar aufgebracht, um den
Verkaufspreis und die externen Kosten von
CO2
-emittierenden Energieträgern zu senken.
Das entspricht 6,5 % vom weltweiten BIP.
a 10 % der 372 Mrd. Dollar, mit denen fossile
Energieträger weltweit direkt subventioniert
werden, würden für die Finanzierung der
weltweiten ökologischen Wende ausreichen.
Derzeit werden nur 100 Mrd. Dollar für grüne
Alternativen aufgebracht. a In Frankreich
beläuft sich der zusätzliche Investitionsbedarf
für den ökologischen Umbau im weitesten
Sinne auf 70 bis 100 Mrd. Euro pro Jahr.
Das entspricht 2 bis 3 BIP-Punkten. a Die
sogenannten „grünen“ Finanzierungen
spielen weiterhin eine untergeordnete Rolle:
Weniger als 2 % im Investitionsportfolio,
unter 2 % des Anleihemarktes. a Wenn wir
unsere Verpflichtungen allein durch die
Kohlendioxidbesteuerung erreichen wollen,
müssen bis 2030 250 € pro Tonne CO2
erho-
ben werden.
Lösungen und Herausforderungen
	 Direkte und indirekte Beihilfen für mit
CO2
-Emissionen verbundene Aktivitäten
für klimafreundliche oder klimaneutrale
Aktivitäten umwidmen.
	 Große Investitionsprojekte systematisch
aufihrenCO2
-Fußabdruckhinuntersuchen.
	 Die Erhöhung des CO2
-Preises und deren
Auswirkungen vorbereiten.
N O T L O S T I N T R A N S I T I O N
2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E
41
Die ökologische Wende ist not-
wendig, weil die Erderwärmung
physische Risiken mit sich bringt
(Zerstörung oder Beschädigung
von Vermögenswerten, Verlust des
Zugangs zu bestimmten Ressourcen
usw.), aber auch Transitionsrisiken
(politische Veränderungen, geänderte
gesellschaftliche Normen und
individuelle Vorlieben usw.). Wie
reagiert die Bau- und
Konzessionsbranche darauf?
„Angesichtsderökologischen
Herausforderungensindwir
zuAntizipationundInnovation
verpflichtet“
Isabelle Spiegel, Umweltdirektorin, VINCI
ISABELLE SPIEGEL
Die physischen Risiken haben
hauptsächlich mit extremen Klimaereig-
nissen zu tun. Ein heftiges Gewitter, eine
Überschwemmung, Brände usw. können
zu Sachschäden führen und die Termine
auf der Baustelle durcheinander bringen.
Bei den Konzessionen kann ein Sturm den
Verkehr lahmlegen, unsere Mitarbeitenden
und Kund:innen gefährden. Diese Risiken
gibt es schon, aber die Häufigkeit nimmt zu.
Wir müssen antizipieren und überlegen, wie
wir die Bauwerke darauf ausrichten. Unter
anderem darauf ist unser Ingenieurbüro
Isabelle Spiegel und
Julien Villalongue:
Im Angesicht des
Wandels
42
Resallience spezialisiert. Die indirekten Risiken
sind genauso bedeutsam und erfordern noch
mehr Weitsicht. Eines der Kernthemen besteht
dabei in der Vorausplanung des schrittweisen
Ausstiegs aus den fossilen Energien. Wir haben
eine Studie durchgeführt, Scénarios 2050, und
sind dabei davon ausgegangen, dass das Ziel
einer Begrenzung der Erderwärmung auf 2°C
erreicht wird. Wir haben zwei Hauptwege
dorthin untersucht, der eine technologie-
orientiert, der andere auf Einsparungen
ausgerichtet, und haben ermittelt, welche
Auswirkungen sie jeweils auf unsere wichtigs-
tenTätigkeitsbereichehaben-einStresstestfür
den gesamten VINCI-Konzern also.
Welche neuen Weichenstellungen und
Chancen eröffnet der zukunftsgerich-
tete Blick auf die ökologische Wende?
ISABELLE SPIEGEL
Unsere Prospektivstudien zeigen
eine Fragilisierung bestimmter Bereiche,
aber auch Chancen auf. Beispielsweise
wird die Stromübertragung, ein Bereich,
in dem wir gut vertreten sind, in Zukunft
noch bedeutsamer. Im Bauwesen könnte
es zu gewissen Beschränkungen für
Neubauprojekte kommen, wenn das Thema
„Null Nettoflächenverbrauch“ angegangen
wird, etwa vom Klimakonvent. Andererseits
scheint es so, als ob sich insbesondere die
energetische Gebäudesanierung zu einem
bedeutenden Zukunftsmarkt entwickelt.
Unser Konzern ist zum Glück sehr breit
aufgestellt, so dass wir unsere Strategien
immer neu austarieren und anpassen, ja sogar
komplett neue Geschäftsfelder erschließen
können. Unsere PowerRoad-Lösung, bei der
ein Wärmepumpen-System in die Fahrbahn
eingebaut wird, verschafft beispielsweise einer
Mobilitätsdienstleistung einen Zusatznutzen
in Form eines Energiedienstes. Wir arbeiten
hier mit einer integrierten Vision über den
gesamten Lebenszyklus einer Lösung hinweg,
um das ökologische Optimum zu erreichen.
N O T L O S T I N T R A N S I T I O N
Wie sehen die einzelnen Schritte
dieser Umgestaltung aus?
ISABELLE SPIEGEL
Der VINCI-Konzern orientiert
sich am Pariser Abkommen; demnach sollen
bis 2050 immer mehr Staaten klimaneu-
tral werden. Wir haben uns ebenfalls zur
Klimaneutralität verpflichtet. Das gilt für
unsere „Scopes“ 1 und 2, also unsere
direkten Treibhausgasemissionen. Bis 2030
wollen wir als Zwischenziel 40 % weniger
Treibhausgase ausstoßen. Dazu haben wir
unter anderem ein Umweltreporting mit
Energiekennzahlen in allen Geschäftsfeldern
umgesetzt. Klimaneutralität ist nur mit
Energieeffizienz, dem Ersatz fossiler
Energieträger und Ausgleichsmaßnahmen
möglich. Wir binden außerdem unsere
gesamte Wertschöpfungskette ein und bieten
auch unseren Kund:innen und Lieferant:innen
klimafreundliche Lösungen an.
Führt das zu neuen Geschäftsfeldern
und Berufsbildern?
JULIEN VILLALONGUE
PowerRoad ist hier ein gutes
Beispiel. Ganz zu schweigen von neuen
Berufen im engeren Sinn. Es entstehen zahl-
reiche Verknüpfungen zwischen unterschied-
lichen Kompetenzbereichen, Energie- und
Infrastrukturbranche nähern sich einander
an, allein schon deshalb, weil sich in vielen
unserer Geschäftsfelder die Elektrifizierung
auf dem Vormarsch befindet. Ich glaube
außerdem, dass unser Intrapreneur-Ansatz
besonders geeignet ist, neue Lösungen
für Probleme der ökologischen Wende zu
entwickeln. Ein Großteil der von Leonard
begleiteten Projektträger:innen befasst sich
von Anfang an mit solchen Fragen. Sie erfin-
den ihre eigene Rolle neu und erschaffen so
auch neue Berufsbilder.
2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E
43
ISABELLE SPIEGEL
Die ökologische Wende erfordert
zudem ganz neue Kompetenzen, etwa die
Erstellung einer CO2
-Bilanz, damit wir einen
Überblick über unser Geschäft bekommen
und dieses Verständnis auch auf andere
Tätigkeitsbereiche übertragen können.
JULIEN VILLALONGUE
Das gilt übrigens auch für das
Thema Biodiversität, mit dem sich immer
mehr operative Teams befassen - etwa im
Rahmen der Renaturierung von Flächen und
Wiederherstellung von Ökosystemen. Wir stre-
benbeiunserenProjekteneineGesamtleistung
an: Das heißt, dass wir sie nicht nur anhand
von wirtschaftlichen Kennzahlen bewerten,
sondern auch anhand ökologischer und sozi-
aler Indikatoren. Das ist nicht neu, rückt aber
immer stärker in den Mittelpunkt.
Wie wirken sich diese ökologischen
Herausforderungen auf die
Unternehmensführung aus?
ISABELLESPIEGEL
DieVINCI-Unternehmenseinheiten
sind dezentral organisiert. Dennoch ist
es ihre Aufgabe, die vom Konzern ange-
strebte Gesamtleistung zu erreichen. Die
VINCI-Strategie wird demnach über das
Management umgesetzt. Ökologie ist kein
Parallelthema, sondern wird unmittelbar von
den Führungskräften getragen.
JULIEN VILLALONGUE
Früher beschäftigten sich aus-
schließlichFachabteilungenmitUmweltfragen.
Das hat sich geändert. Heute ist Umweltschutz
ein Managementthema - bei Projekten, auf
Baustellen, in Unternehmen. Unser Umwelttag
wurde übrigens von den Vorständen der
jeweiligen VINCI-Sparten eröffnet und an die
Prioritäten der Geschäftsfelder angepasst.
Wie kann VINCI auf das System
einwirken, um die ökologische Wende
zu fördern?
JULIEN VILLALONGUE
Die allgemeine Marschrichtung
der ökologischen Umgestaltung wird zunächst
von der Politik festgelegt: Pariser Abkommen,
französische Strategie zur Klimaneutralität,
europäischer Green Deal, RE2020. Im Rahmen
dieser Vorgaben bewegen wir uns. Das muss
übrigensauchsosein,dennwirbrauchenlang-
fristige Planbarkeit, zumal unser Auftraggeber
häufig die öffentliche Hand ist.
ISABELLE SPIEGEL
Nur dank dieser Planbarkeit
können wir Risiken eingehen und Geschäfts-
modelle entwickeln, die diese ökologischen
Forderungen erfüllen. Außerdem wirken wir
in diesem Rahmen auch auf unsere Partner_
innen ein, denn die Herausforderungen
der ökologischen Wende sind alleine nicht
zu bewältigen. Wir betrachten immer den
gesamten Lebenszyklus und stützen uns
deshalb zusätzlich auf die Kompetenzen von
Forschung und Lehre, Ehrenamtlichen usw.
JULIEN VILLALONGUE
Glücklicherweise können wir
auf unsere Partnerschaft mit dem französi-
schen Hochschulnetz ParisTech zählen, mit
dem wir im Umweltforschungslabor „Lab
recherche environnement“ zusammenarbei-
ten. Ein weiteres Beispiel: VINCI ist Partner
des Pariser Naturkundemuseums, gemeinsam
beschäftigen wir uns mit dem Management
der Artenvielfalt in Steinbrüchen, Kieswerken
und bei Infrastrukturprojekten. Außerdem
können wir dank unserer Intrapreneur-
Programme rasch innovative Lösungen ent-
wickeln und uns in der jeweils erforderlichen
Geschwindigkeit anpassen - Gründer- und
Beschleunigungsprogramme sind in dieser
Phase des tiefgreifenden Wandels von über-
ragender Bedeutung.
44
L E O N A R D : N E U E W E G E G E H E N
Leonard:Neue
Wegegehen
„StädteverfügenüberbedeutendeStellhebelzurUmsetzungder
ökologischenWende,unddieStadtParishatsichehrgeizigeZiele
gesetzt,umbis2050klimaneutralzusein.DiesedreiSzenariendienen
alsDiskussionsgrundlage,wennesumdieZukunftderMetropole
unddieKooperationengeht,diezumErreichenderKlimaneutralität
erforderlichsind“
Vincent Baril, Vorstandsvorsitzender Shell France
Szenario1
ENTWICKLUNG DURCH
GRÜNE TECHNOLOGIEN
Die Wirtschaft nutzt sämtliche
technischen Lösungen zur
Verwirklichung der ökologischen
Wende, es werden neue
Unternehmen in diesem Bereich
gegründet. So kann Frankreich
auf ökologische Zwänge
reagieren und gleichzeitig
seine Wirtschaftskraft
erhalten. Eine koordinierte
Regierungspolitik beschleunigt
die Energiewende und schafft
damit die Voraussetzungen für
Klimaneutralität aller Regionen
im Jahr 2050.
Szenario2
MISSTRAUEN UND
UNTÄTIGKEIT
Die Regierung legt ihr
Hauptaugenmerk auf die
Bekämpfung von Sozial- und
Wirtschaftskrisen, der
Klimawandel gerät in den
Hintergrund. Die Bevölkerung,
die den Klimakapriolen am
stärksten ausgesetzt ist, wird
aktiv und fordert Initiativen zur
Gleichbehandlung und zum
Kampf gegen den Klimawandel.
Die Bürgerinnen und Bürger
werden zum Motor der
ökologischen Wende.
Szenario3
NEUE WEGE
Eine enge Zusammenarbeit
zwischen Politik und der
Zivilgesellschaft vor Ort
sorgt dafür, dass die Belange
der lokalen Bevölkerung
in Bezug auf Wohlergehen
und Klimawandel stärker
berücksichtigt werden. Dieses
Konzept wird zum wichtigsten
Schrittmacher beim Übergang
zu einem klimaneutralen Paris.
Klimaneutrales Paris:
Drei Szenarien für eine
Metropole im Wandel
2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E
45
2020kameszurglobalenGesundheitskrise.
Viele Stimmen wiesen damals darauf
hin, dass es bereits im Vorfeld zahlreiche
Warnungen vor einer großen Pandemie
gegeben habe; dennoch seien die Welt
und ihre Städte in sehr unterschiedlichem
Maße darauf vorbereitet. So gesehen könnte
die Coronapandemie nur die erste in einer
Reihe von Krisen sein, verursacht durch
Erderwärmung, Artensterben und wachsende
soziale und wirtschaftliche Ungleichheit. Sie
„DieimPariserKlimaaktionsplanfestgelegtenZielekönnennur
erreichtwerden,wennalleaneinemStrangziehen.Deshalbhaben
wirgemeinsammitShellundderOECDdieInitiativeergriffenund
mitzahlreichenBeteiligtendiesedreiSzenarienzurErreichungeiner
klimaneutralenHauptstadtundMetropoleerarbeitet“
Isabelle Lambert, Leiterin Prospektivstudien bei Leonard
erinnert uns an die lebenswichtige Bedeutung
guter Vorbereitung und Vorausplanung.
Die in Partnerschaft zwischen Shell und
Leonard durchgeführte Prospektivstudie zielte
auf die Erarbeitung von Übergangsszenarien
ab, mit denen die Stadt und der Großraum
Paris bis 2050 klimaneutral werden können.
In einem Workshop kamen 45 Fachleute
aus 30 Institutionen zusammen - Pariser
Stadtverwaltung, Region Ile-de-France,
Umweltministerium, OECD, Internationale
Energieagentur, Forschende von der Sorbonne
und aus Stanford sowie einige der größten
französischen Unternehmen. Dabei wurden
gemeinsam pluralistische Zukunftsvisionen
für die Pariser Metropole erarbeitet. Ein
Ergebnis ist der Bericht „Metropole Paris:
Klimaneutralität bis 2050“, der drei Szenarien
zur Erreichung dieses Ziels aufzeigt.
Die meisten Fachleute, die auf Einladung
von Leonard, Shell und der OECD zusam-
mengekommen waren, wiesen darauf hin,
dass die sozialen und wirtschaftlichen
Ungleichheiten und die Komplexität der
politischen Governance - von der nationa-
len bis hin zur lokalen Ebene - die größten
Unsicherheitsfaktoren auf dem Weg zur
Klimaneutralität seien. Auf Grundlage
dieser beiden Schwerpunkte wurden die
Zukunftsszenarien erarbeitet.
46
S T U D I E N , D A T E N S A M M L U N G E N , T R E N D A N A LY S E N : D I E Z U K U N F T U N T E R D E R L U P E
„Revolutionäre Trends und neue
Formen der Arbeit“
Eine genaue Analyse und eine reich-
haltige Bibliographie beschäftigen
sich mit dem Wandel der Arbeitswelt
Die Einführung und massive Verbreitung der
neuen Informations- und Kommunikations-
technologien führen zu einem tiefgreifenden
Wandel bei der Organisation und sogar der
Art der Arbeit. Diese Entwicklung geht mit
neuen Erwartungen der Kund:innen und
Mitarbeitenden einher, die anspruchsvoller
werden und sich stärker engagieren. In dieser
Veröffentlichung sind eine Reihe von Analysen
zu strukturgebenden Themen der Arbeit von
morgen enthalten: Raummanagement, Flex
Office; Plattformisierung und Multijobber;
neue Technologien; Leaning Company; neue
Ziele; Soft Skills.
Studien,Daten,
Trendanalysen:Die
ZukunftunterderLupe
ImvergangenenJahrhatLeonardVertreter_innenunterschiedlichster
Bereiche(Forschende,Institutionen,operativVerantwortlichevonVINCI,
Unternehmer:innenusw.)darumgebeten,ZukunftsvisionenfürStädte
undRegionenzuentwickeln.HiereineÜbersicht.
Arbeitvonmorgen
In diesen beiden Kompendien findet sich
ein Ausblick auf die großen Veränderungen
in der Arbeitswelt.
„Zukunft der Arbeit - nicht alle
Szenarien sind wünschenswert“
Fest auf beiden Beinen stehen,
Überblick und Weitblick behalten
Die VINCI-Mitarbeitenden teilen ihre
Vision, ihre Überzeugungen und auch ihre
Befürchtungen hinsichtlich der Zukunft der
Arbeit.EinFachgremiumausunterschiedlichs-
ten Unternehmen und Branchen beschäftigt
sich mit der Entwicklung von Szenarien zu
neuen Arbeitsformen im Jahr 2040.
2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E
47
KI
„Künstliche Intelligenz,
Herausforderungen und
Anwendungen - die KI im Dienste der
Branchen und Geschäftsfelder von
VINCI“
Eine genaue Analyse der
Möglichkeiten und Akteur_innen der
KI sowie ihrer Herausforderungen für
die Baubranche
Seit 2018 lotet Leonard die Auswirkungen der
KI auf die Branchen und das Geschäft von
VINCI aus. Die Zukunftsforschungsgruppe KI
hat das Potential der künstlichen Intelligenz
für die Tätigkeiten des Konzerns und die für
ihre Entwicklung und Nutzung erforderlichen
Mittel untersucht.
KIimStraßenbau
„KI-Anwendungen für
Straßeninfrastrukturen und voraus-
schauende Erhaltung“
Ein konkreter Überblick über
KI-Anwendungen im Straßenwesen
In Zusammenarbeit mit dem Cerema
(französisches Studienzentrum für Fragen
der Umwelt, Mobilität und Raumordnung)
und zur zielgenauen Investitionsplanung
des Umweltministeriums war Leonard an
einem Bericht über KI-Anwendungen für
Straßeninfrastrukturen, vorausschauende
Erhaltung und Betrieb beteiligt. Darin wer-
den der FuE-Bedarf sowie die künftigen
AnwendungsmöglichkeitendieserTechnologie
beleuchtet.
StädteVideospiele
„Städte und Videospiele:
Wie imaginäre Welten
die Realität verändern könnten“
Tauchen Sie ein in eine Welt zwischen
Realität und Traum, erleben Sie
Wissenschaft als Inspirationsquelle
Könnten die imaginären Städte in Videospielen
als Vorlagen für die Stadt von morgen dienen?
Nach einem Gespräch mit Raphaël Lacoste,
dem Art Director der berühmten Assassin's
Creed-Reihe von Ubisoft, hat Leonard eine
exklusive Studie über urbane Traumwelten in
Videospielen veröffentlicht. Die Leitung hatte
Audencia-Professor Nicolas Minvielle.
NachCorona
„Erarbeitung kollektiver Szenarien für
die Welt nach der Pandemie“
Ein wichtiger Kompass, um sicher
durch die coronabedingten Krisen zu
kommen
Welche langfristigen Veränderungen wird die
Pandemie in europäischen Städten und bei
ihren Infrastrukturen auslösen? Im Juni 2020
fanden vier Workshops statt, bei dennen sich
Institutionen, Firmen, Forschungszentren und
Think Tanks, VINCI-Unternehmen u.a. über
die von Corona ausgelösten Veränderungen
und Trends, deren Auswirkungen und ihre
Eintrittswahrscheinlichkeit austauschten. Sie
ermittelten 350 Faktoren, sieben Megatrends
und vier Zukunftsszenarien.
48
K L I M A R E S I L I E N Z : A R C H I T E K T O N I S C H E V I S I O N E N
„
DieseProjektewurdenvondenVINCI-Teamsgemeinsammit
weiterenPartner:innenentwickeltundbrachteninspirierende
Ergebnisse.FürdieZukunftsindähnlicheVeranstaltungen
geplant.DurchdieseArtderZusammenarbeitsollenneue
Angeboteentwickeltwerden,dieinsbesonderedieaktuellen
HerausforderungenimUmweltbereichberücksichtigen.”
Étienne Bourdais, Innovative Angebote und Projekte, Leonard.
Klimaresilienz:
Architektonische
Visionen
Leonard hat Architekt:innen, Stadtplaner:innen
und Bauherr:innen eingeladen, um gemeinsam mit
VINCI-Mitarbeitenden über das Thema Klimaresilienz
nachzudenken. Vier Projekte wurden entwickelt,
um die Mitarbeitenden zu inspirieren und einen
neuen Planungsprozess zu testen, der drei
Herausforderungen gerecht wird: Anpassung
der Projekte an die Auswirkungen
des Klimawandels, Absenkung der
Treibhausgasemissionen, Nutzung der
Digitalisierung zum Schutz der Umwelt.
2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E
49
JedesdieserProjekteliefertvisionäre
AntwortenaufeinespezifischeFrageundfür
einenbestimmtenAnwendungsfall.
Wie kann eine Strategie entwickelt werden, mit der sich
Küstengebiete an Klimaschwankungen anpassen lassen?
Implementierung eines dynamischen Szenarios in 4 Sequenzen (Flexibilisierung
des gesetzlichen Rahmens und Landreserven; Anreize, Ausgleichs- und
Verbesserungsmaßnahmen; aktive Umsiedlung; neue Nutzungsmöglichkeiten)
Virginie LEROY, stellvertretende Generaldirektorin für Städtebau und urbane
Großprojekte, VINCI Immobilier
Nicolas PERSYN, Städtebauer, Mitgründer der Agence Concorde
©
Agence
Concorde
50
Welche technischen Lösungen gibt es
für ein Hotel direkt am Meer?
Untersuchung der Klimaanfälligkeit eines
Tourismuszentrums auf der Insel Mauritius;
Strukturen aus biobasierten Baustoffen,
Nutzung des Bestands, Anpassung und
Resilienz gegenüber heftigen Winden und
Überschwemmungen
Bertrand XAVIER – Leiter Entwicklung Hotels
und Prestigebauten, VINCI Construction
Grands Projets
Laurent ROSSET – Stellvertretender
Generaldirektor für Strategie und Innovation,
AIA Life Designers
Stéphanie ALLARD – Assoziierte Architektin,
AIA Life Designers
K L I M A R E S I L I E N Z : A R C H I T E K T O N I S C H E V I S I O N E N
© AIA Life designers
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51
Wie werden Seniorenwohnanlagen angesichts des
Klimawandels zu resilienten Innovationsmodellen?
3D-Fertigmodule in Holzbauweise, bioklimatische Gebäudehülle, natürli-
che Lüftung, Berücksichtigung von Mobilitätseinschränkungen, auf ältere
Menschen abgestimmtes Design
Diego HARARI – Leiter Innovation und Nachhaltigkeit, VINCI Immobilier
Dimitri ROUSSEL – Architekt, Gründer von DREAM Architectes
Florian DUPONT – Mitbegründer von ZEFCO, dem Atelier für die Stadt
im Wandel
Welche operative Lösung gibt es,
um rasch Flughafenkapazitäten zu
schaffen?
Modulare, rückbaubare, transportable, adap-
tierbare Lösung für eine Flughafenerweiterung
Éric DELOBEL – Technischer Leiter, VINCI
Airports
Clément BLANCHET – Architekt und
Städtebauer, Gründer von Clément Blanchet
Architecture
© RSI Studio
© RSI Studio
52
B U I L D I N G B E Y O N D
Auch in diesem Jahr konnte Leonard bekannte Persönlichkeiten
für Vorträge über die Städte und Regionen von morgen
gewinnen. Aufgrund der geltenden Hygienevorschriften haben
wir die dritte Ausgabe des Building Beyond-Festivals vom
21.09. bis 02.10.2020 in den Räumlichkeiten von Leonard als
Hybridveranstaltung ausgerichtet. Jeder Vortrag wurde parallel
online übertragen.
BuildingBeyond
“30Minuten
fürmorgen“:eine
CommunityvollerIdeen
Über150Vortragendeund5.000
Teilnehmendebeieinemgroßen,von
LeonardorganisiertenVorlesungszyklus
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53
43Vorträge
überdieWelt
nachCorona
Während des ersten frankreichweiten Lockdowns haben die
TeamsvonLeonardgemeinsammitderFabriquedelaCité,dem
Umweltlabor „Lab Recherche Environnement VINCI ParisTech“
und der VINCI-Stiftung „Fondation VINCI pour la Cité“ unter
dem Titel „30 Minuten für morgen“ eine Vortragsreihe mit
43 Referaten ins Leben gerufen. In einer Zeit mit vielen
Ungewissheiten trugen diese täglichen Live-Veranstaltungen
dazu bei, die Vertreter:innen von Baubranche und öffentlicher
Hand für einen Moment aus den Zwängen der Hygiene- und
Abstandsregelnzu befreien, umüberdiekurz-undlangfristigen
Folgen der Krise nachzudenken und daraus Lehren für die
Welt von morgen zu ziehen. Die Mitschnitte wurden nach 5
Grundthemen geordnet ins Netz gestellt und bieten einen
facettenreichen, inspirierenden Blick in die Zukunft.
54
DieZukunft
vorbereiten
 
Revolution auf dem Wohnungsmarkt?
 
Klimaneutralität und
Mobilitätsfinanzierung: zwei Seiten
einer Medaille
 
Wie kann die weltweite Umstellung
auf Wind-, Wasser- und
Sonnenenergie gelingen?
 
Können Städte für Gesundheit sorgen?
 
Arbeit in der Welt danach
 
Bewältigung der Gesundheitskrise
in asiatischen Metropolen
 
Homeoffice und Lockdown sind nicht
dasselbe
 
War Corona der Todesstoß für die
Smart City?
 
Sorgen selbstfahrende Autos für
weniger soziale Distanzierung?
 
Städtische Resilienz im Angesicht der
Coronakrise
 
Abstandsregeln in der Stadt:
Wie geht das?
 

Öffentlicher Raum: Mittel und
Gegenmittel zum Lockdown?
 
Zukunftsforschung zur Vorbereitung
auf Unvorhersehbares
 
Mobilität:smart und nachhaltig
zugleich
DergroßeWandel
 
Stadtviertel neu denken und auf eine
nachhaltige Mobilität zuschneiden
 
Stehen Städte und Regionen im Zentrum
eines Aufschwungs, der den Klimawandel
bremsen kann?
 

Welche Lehren ziehen wir im Kampf
gegen den Klimawandel aus der Krise?
 

Sorgt die Pandemie für einen nachhalti-
geren Lebensstil?
 
Hitzewellen in der Stadt: Wie entstehen
städtische Wärmeinseln und wie kann
man sie bekämpfen?
 
Erschwingliche Nullenergiegebäude
 

Herausforderung nachhaltige Gebäude
 
CleanTech und Bau: Technik rettet Klima
 
Dachgärten für resilientere Städte
B U I L D I N G B E Y O N D
2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E
55
Unternehmenmit
Zusatznutzen
 
Wie reagieren soziale Joint-Ventures auf
die derzeitige Krise?
 
Die neuen Armen der Gesundheitskrise
 
Mit VINCI Solidarity können sich
Mitarbeitende leichter sozial
engagieren
 
Reiseberichte aus Aufnahmeländern
 
La Cloche: Kampf gegen Ausgrenzung
 
Stadtlandschaften bewohnen
 
Unternehmen für junge Menschen auf
dem Land und am Stadtrand
 
Schütze Deine Pflegekraft: Technikfans
helfen medizinischem Personal beim
Kampf gegen Corona
 
Bildung und Betreuung von
Jugendlichen während des Lockdowns
ReiseninsDigitale
 
Innovationen in der Bauwirtschaft
während und nach der Krise
  Smart city: Standardquarantäne für
Neubürger:innen?
 
KI in der Architektur: Geht das?
 
Wenn Digitalisierung für
verstopfte Straßen sorgt
 
KI-Anwendungen für Städte und
Regionen in der ganzen Welt
 
Toronto, von der „Metropole wider
Willen“ zur „Google City“
Blicküberden
Tellerrand
 
Kunst und Fiktion die Zukunft der
Mobilität ausloten
 
Natur in der Stadt - ein
„gefährliches Versprechen“?
 
Systemische Bearbeitung der
Umweltfrage: Was bedeutet städtischer
Metabolismus?
 
Ein weites Feld der Möglichkeiten
 
Videospiele als Innovationsquelle
für die Stadt?
 
Im Universum der Referent:innen
56
THINK
TANKS
START-UPS INSTITUTIONEN
SOZIAL- UND SOLIDARWIRTSCHAFT MEDIEN
GEBIETSKÖRPER-
SCHAFTEN
DRITTE ORTE
INVESTOR_INNEN
FACH-
VERBÄNDE
VEREINE
AusallenBereichen...
B U I L D I N G B E Y O N D
BERATUNGSFIRMEN
FORSCHUNGS-
EINRICHTUNGEN
UNTERNEHMEN
19 %
8 % 6 %
6 % 4 % 3 %
1 %
4 %
11 %
11 % 8 %
17 % 16 %
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57
Agence TER • Agripolis • Agro ParisTech • AI for Tomorrow • Air Liquide • ANDES les épiceries solidaires •
Nationalversammlung • Association Aurore • Association Chemins d’avenirs • Association P.I.A.F. Images •
ATEC ITS France • Ateliers Médicis • AutoDesk • Blackhorn Ventures • Bluedigo • Brick  Mortar ventures •
Campus de l’inclusion • Carenews • CEA-LITEN • Cirad • Climatico • Constru.ai • Constructys • Converge.io
• CSTB • DB Schenker • DREAM • École des Ponts-ParisTech • EU COM (URBACT, UIA, EU Urban Agenda) •
Euroméditerranée • Eurovia • EY Consulting • Fabrique des mobilités • Fédération des Usagers de la Bicyclette
(FUB) • Fing • Fondation AIA • Fondation VINCI pour la Cité • France Logistique • France Stratégie • Gares 
Connexions • Good Tech Lab • Ground Control • Groupe Caisse des Dépôts • Groupe VITAMINE T • Hameaux
Légers • IbiCity • Iddri • IDInvest • Iffstar • INES • INRS • Institut Montaigne • Institut Paris Région • Institut
Pasteur • IRD • JobIRL • kheoos • L’Obs • La Cloche • La Fabrique de la Cité • La Ressourcerie du BTP • La
route recyclée (Eurovia) • lab recherche environnement • LATTS • Le Moniteur • LEPAC (Laboratoire d’Études
Prospectives et d’Analyses Cartographiques) • Making Tomorrow • Metabolism of Cities • Michelin • Mines
ParisTech • Mission Agriculture Urbaine, Ville de Paris • Modulous • Morning • Muséum National d’Histoire
Naturelle • Neuilly-sur-Seine • NWOW • OMS • Paradigmes et caetera • PCA Stream • Plaine Commune •
Projet Résilience • PROPASSIF • RATP • Resallience • SafeAI.ai • Sciences Po • Singa • SOGARIS • Spacemaker
AI • Standford Univeristy • SunMind • Sustainable Food Places • Terra Nova • The Boson Project • The Hugo
Observatory • The Shift Project • Total • Transdev • Transition Network • Université de la Pluralité • Université
Paris-Dauphine, Climate Economics Chair • Upside Partners • Urbalia • Users Matter • Utopies • VINCI •
VINCI Autoroutes • VINCI Construction • VINCI Facilities • VINCI Immobilier • VINCI Insertion Emploi • Vivre
et travailler autrement • Voyage Control • Vraiment Vraiment • WasteMarketplace • Yes We Camp
...habensiegemeinsammitunsindie
Zukunftgeblickt.
R Ü C K B L E N D E A U F 2 0 2 0
58
2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E
59
Analysen
3
I
llustration:
Jan
Siemen
Das ganze Jahr über dokumentieren die Website und
der Newsletter von Leonard die Veränderungen in
der Berufswelt von Städten und Regionen. Mobilität,
biologische Vielfalt, Arbeit von morgen, Clean Tech und
Klimaresilienz: Ein Rückblick auf fünf Themen mit
Zukunft.
60
1 1 W Ö R T E R F Ü R D I E Z U K U N F T
TAKTISCHER STÄDTEBAU
Dieser Begriff aus der Alltagsgeographie
setzte sich im Frühjahr 2020 durch, als man
in Städten, an Stränden und in Dörfern neue
Arten und Weisen erfinden musste, um sich
unter Einhaltung der sich immer wieder
ändernden Hygienebestimmungen im öffent-
lichen Raum zu bewegen und ihn miteinander
zu teilen. Die frappierendste Form dieses
taktischen Städtebaus waren im Alltag sicher-
lich die „Pop-up-Radwege“, die von vielen
Großstädten kurzfristig eingerichtet wurden.
Sehr schnell wurden sie mittels Straßenfarbe,
Kunststoffpollern und Beton-Trennwänden im
städtischen Gefüge etabliert. Werden diese
provisorischen Radwege unseren Städten
dauerhaft erhalten bleiben? Der Erfolg war
jedenfalls ebenso groß wie die gähnende
Leere in den öffentlichen Verkehrsmitteln
während der Coronakrise. In Paris ist die
Pandemie eine natürliche Verbündete beim
Zurückdrängen des Autoverkehrs: Die vorüber-
gehende Ausweitung der Außengastronomie in
der französischen Hauptstadt schien wie ein
Vorbote der angekündigten Abschaffung jedes
zweiten Parkplatzes am Straßenrand.
Neben diesen Umgestaltungen in Krisenzeiten
beschäftigt sich der taktische Städtebau
jedoch auch mit längerfristigen Perspektiven:
Etwa die einer „Architektur ohne Architektur“,
wie man sie gleichermaßen bei temporären
Nutzungen als auch bei Festivals sieht und die
Metropolen als Richtschnur bei vorübergehen-
den Umgestaltungen für Großereignisse dient.
Die Erfahrungen aus den Pop-up-Radwegen
könnten beispielsweise die Umgestaltungen im
Vorfeld der Olympischen Spiele 2024 in Paris
leiten. Der taktische Städtebau trägt allgemein
dazu bei, dass die Stadtentwicklung ins Zeitalter
des „TestandLearn“ eintritt, ein guter Ansatz, um
die Resilienz des städtischen Raums zu fördern.
11Wörterausder
2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E
61
ZOOM TOWNS
In früheren Zeiten gab es so genannte
„Boom Towns“, die in manchen Regionen
mit schnell wachsender Industrie von
heute auf morgen aus dem Boden wuch-
sen. In den USA entstand 2020 ein neues
Phänomen: die „Zoom Towns“. Städte, die
ganz auf Homeoffice eingestellt sind und
deren Bürgerinnen und Bürger täglich Zoom
oder andere Videokonferenzanwendungen
nutzen. Für zahlreiche Menschen, die haupt-
sächlich Telearbeit machen (im Oktober
2020 gaben ein Drittel der amerikanischen
Arbeitnehmer:innen an, im Homeoffice zu
arbeiten), wurden diese Sekundärstädte zu
einem ganz natürlichen Wohnort, an dem es
sichgutlebenlässt.ForschendederUniversität
von Utah haben etwa 1.500 „Gateway-Städte“
im amerikanischen Westen identifiziert,
die zwar gut an die großen Ballungsräume
angebunden sind, aber nicht weit von
Naherholungsgebieten (Seen, Parks, Wäldern)
liegen, überdies mehr Platz, niedrigere Mieten
und die meisten Annehmlichkeiten bieten,
welche die Neubürger:innen im Homeoffice
erwarten. Ein Trend mit Folgen: Kanalnetze,
Straßen, Geschäfte,
Daseinsvorsorge müssen
dem wachsenden Bedarf
angepasst werden. So
dienen Zoom Towns in
den USA und anderswo
als richtiggehende
Raumplanungslabors.
H i e r z e i g e n s i c h
möglicherweise neue
Gleichgewichte zwischen
Stadt und Land.
Zukunft
NULL NETTO-FLÄCHENVERBRAUCH
In Frankreich nimmt der Flächenverbrauch
weiterzuundkönntesichbis2030auf280.000
Hektar belaufen - das entspricht der Fläche
von Luxemburg. Verlust von Anbauflächen,
Bedrohung der biologischen Vielfalt, Verlust
von Umweltleistungen, Zerstörung von
Grünflächen, die zu Klimaresilienz und
Lebensqualität beitragen...Die negativen
Auswirkungen werden immer spürbarer.
Deshalb legte die französische Regierung
2018 in ihrem Biodiversitätsplan das Ziel
Null Netto-Flächenverbrauch bis 2050 fest.
2020 wurde dieses Ziel vom Bürgerkonvent
für Klimaschutz bestätigt und in die Liste der
149 Vorschläge aufgenommen: „Kampf gegen
Flächenverbrauch und Zersiedelung durch
attraktivere Lebensbedingungen in Städten
undDörfern.“ WiekannvordiesemHintergrund
die Raumplanung und -ordnung gestaltet wer-
den? Eine genaue Definition der Inhalte dieses
Ziels und die Übernahme in landesweite und
örtliche Planungs- und Bauvorschriften stehen
bisher aus - gemeint ist jedoch der Verbrauch
von offenen Bodenflächen, auf dem Land wie
in der Stadt.
62
WASSERSTOFF
Die Entwicklung der Wasserstoffnutzung hat
sich 2020 stark beschleunigt. Die französi-
sche Regierung kündigte an, die Branche in
den nächsten 10 Jahren mit sieben Mrd. Euro
zu fördern; davon drei Mrd. bis 2023. 54 %
dieser Mittel fließen in eine klimafreundli-
chere Industrie, 27 % in Mobilitätslösungen,
19 % in die Forschung. Deutschland will
neun Mrd. in die Wasserstofftechnologie
investieren. Vorrang hat „grüner“ Wasserstoff
aus erneuerbaren Energien oder Kernkraft.
In der Theorie ist Wasserstoff eine ideale
Ergänzung zu Sonnen- und Windenergie,
zwei unsteten Energiequellen: Er kann
mit überschüssigem Strom hergestellt, in
flüssiger Form zwischengespeichert und in
Brennstoffzellen wieder zu Strom umgewan-
delt werden. Sinnvoll ist diese Technik vor
allem in großen, schweren Verkehrsmitteln:
Züge, Lkw, Schiffe, vielleicht gar Flugzeuge.
Längst sind noch nicht alle Hindernisse
beseitigt: Erhöhung des Wirkungsgrades
der Umwandlungsvorgänge, Senkung der
Kosten von Brennstoffzellen, Entwicklung
einer neuen Industriebranche zur langfristi-
gen Lagerung großer Mengen.
DIGITALE SOUVERÄNITÄT
Corona hat die Digitalisierung der Wirtschaft
beschleunigt und wirkt sich - Stichwort
Homeoffice - bis in die Wohnungen der
Mitarbeitenden aus. Dabei hat sich gezeigt:
Die Infrastrukturen von Kommunen und
Unternehmen, selbst unser normaler Alltag,
sindvongroßenBetreibernwieGoogle,Amazon
und Microsoft abhängig. Schließlich werden
immer mehr Softwaredienste in öffentliche
oder private Clouds ausgelagert. Gleichzeitig
zeigte der Beginn des 5G-Netzausbaus die
Abhängigkeit von den Hardwareherstellern,
wobei China zu den Hauptlieferanten dieser
hochmodernen Netzkomponenten zählt.
Deshalb ergreifen sowohl die Europäische
Union als auch ihre Mitgliedstaaten zuneh-
mend Maßnahmen, um ihre Souveränität in
der digitalen Welt wiederherzustellen und zu
sichern. In den USA bemüht sich die Politik,
die Allmacht von Konzernen wie Google,
Apple, Facebook, Amazon und Microsoft
durch schärfere Kartellregeln zu beschneiden.
Eine europäische Cloud namens Gaia-X ist in
Vorbereitung. Der europäische Binnenmarkt-
Kommissar, Thierry Breton, hat sich die
Rückeroberung der digitalen Souveränität
auf die Fahnen geschrieben.
Der Schutz personenbezo-
gener, medizinischer und
gewerblicher Daten steht
im Mittelpunkt von bereits
recht weit gediehenen tran-
satlantischen Verhandlungen.
Zwei neue, im Dezember
vorgelegte europäische
Rechtstexte, der Digital
Services Act (DSA) und der
Digital Market Act (DMA), sol-
len der Macht großer privater
Anbieter Einhalt gebieten.
1 1 W Ö R T E R F Ü R D I E Z U K U N F T
Das Jahr 2020 in Trends: Eine Welt zum Unternehmen
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Das Jahr 2020 in Trends: Eine Welt zum Unternehmen

  • 1. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E A Eine Welt zum Unternehmen 2020 — PROJEKTE AND HORIZONTE — 2021
  • 2. R Ü C K B L E N D E A U F 2 0 2 0 B
  • 3. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 1
  • 4. 2 enige Wochen vor Beginn des Jahres 2020 haben wir Sie eingeladen, mit uns gemeinsam die Funktionsweise disruptiver Entwicklungen kennen zu lernen. Damals hat noch niemand geahnt, welche Disruption, welchen Umbruch das Coronavirus für den Alltag von Milliarden von Menschen und für die Planung, den Bau und den Betrieb von Straßen und Infrastrukturen darstellen würde. Umbruch. Das Wort der Stunde. Unter dem Blickwinkel von Umbruch, Kontinuität und Transformation müssen wir heute, am Beginn des Jahres 2021, die Herausforderungen der Zukunft angehen. Dabei sollten wir uns allerdings vor übereilten Schlussfolgerungen hüten. Umbruch, weil einiges aus der „Vor-Corona-Zeit“, um einen Begriff aus dem ersten Lockdown aufzugreifen, endgültig verschwinden wird. Kontinuität, weil viele Herausforderungen nach wie vor bestehen: Klima- und Umweltnotstand, soziale Ungerechtigkeit, weltweite Migrationsbewegungen, Verstädterung usw. Transformation, weil dies oft ein positiver Effekt von Krisen ist: Sie beschleunigen den bereits angestoßenen Wandel. Denken Sie beispiels- weise an das Homeoffice, die Ethik der Pflege, die Überwindung der Dualität von Natur und Zivilisation, die wachsende Digitalisierung, die alle Bereiche unserer Volkswirtschaften durchdringt. Wir stoßen an die Grenzen der Vorhersagbarkeit und wollen deshalb keine übereilten Schlussfolgerungen ziehen. Dennoch möchten wir uns so aufstellen, dass wir entschlossen handeln können. W EineWeltzum Unternehmen 2020 lief nichts wie geplant Julien Villalongue, Leonard-Direktor
  • 5. 3 Unternehmerisch handeln, darum geht es uns, das wollen wir fördern. Unternehmerisch handeln, um aus der Krise herauszukommen, Innovationen umzusetzen, die Zukunft vorzubereiten. Im vorliegenden Jahrbuch möchten wir einen Überblick der Aktivitäten von Leonard im Jahr 2020 geben. Das Jahr ist von der Coronakrise gekennzeich- net. Auch wir waren gezwungen, uns anzupassen, um unsere Aufgaben zu erfüllen: Wir beobachten, wie sich Städte, Infrastrukturen und die damit verknüpften Branchen entwickeln, wir blicken voraus, um aus diesen Trends Zukunftsszenarien und Zukunftsmärkte für die nächsten Jahre abzuleiten, wir sind innovativ und begleiten so Unternehmerinnen und Unternehmer bei der Entwicklung neuer Lösungen. Kann man die letzten Monate überhaupt in einem optimistischen Licht betrachten? Ich denke schon. IndiesemJahrhatsichLeonardmitgutzweihundertGeisteswissenschaftler:innen, Fachleuten, Unternehmer:innen umgeben, die ihre Überlegungen, Überzeugungen, Zukunftsvisionen mit uns geteilt haben. Wir haben unter etwa dreihundertfünfzig Bewerbungen vierundvierzig innovative Projekte ausgewählt und in unsere vier Förderprogramme aufgenommen. Das zeigt, dass die Wirtschaft durchaus in der Lage ist, inno- vative Lösungen zu fördern und so den notwendigen Wandel voranzutreiben. Die nächsten Monate sind weiter ungewiss; gefordert sind Demut und ernsthaftes Bemühen. Dennoch sehe ich auch viel Positives, in Wort und Tat: Es gibt Bewegung, es gibt Optimismus. Mit dieser Geisteshaltung möchte ich Sie einladen, in die vorliegenden Seiten einzutauchen. Auf dass Sie dort viel Neues erfahren mögen! „IchhassediesekleinmütigenHerzen,dieso sehrandieFolgendenken,dasssienichts mehrzuunternehmenwagen!“ Molière
  • 6. R Ü C K B L E N D E A U F 2 0 2 0 4 3. FEBRUAR Der autonome Roboterhund Spot wird erstmalig für eine Baustellenbegehung eingesetzt Mit ihren Videos haben uns die Robotik- Fachleute von Boston Dynamics, einem zu Hyundai gehörenden ehemaligen Spin-off des MIT bereits an spektakuläre Neuentwicklungen gewöhnt. Atlas, ein humanoides Schwergewicht, beherrscht den Salto rückwärts. Der Vierbeiner Spot hingegen überwindet mühelos Treppen und rutschige Rampen; fällt er hin, steht er einfach wieder auf. Seit neusestem ist dieser erstaunliche Roboterhund sogar auf diversen Baustellen unterwegs. Die kanadische Firma Pomerleau will ihn sechs Monate testen. Spot soll gefährliche oder schwer zugängliche Bereiche der Baumaßnahme „Place Ville Marie“ inspizieren, Rückblendeauf2020 Pandemie, Bürgerkonvent zu Klimafragen, Wahlen in den USA, Roboterhunde, Gigafactorys... 11 Daten, die 2020 prägten einem Immobilienkomplex in Montreal. Der Vierbeiner ist mit einer 360°-Kamera ausgestattet und kann sich mit einer Geschwindigkeit von 5 km/h komplett auto- nom fortbewegen. Boston Dynamics bietet nordamerikanischen Unternehmen bereits seit Ende 2019 an, den Roboterhund zu leasen. Seit kurzem kann er für etwas unter 75.000 Euro auch käuflich erworben werden. Boston Dynamics ist außerdem Partner von Holobuilder, eine am CATALYST-Programm beteiligte Firma (siehe S.22).
  • 7. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 5 11. MÄRZ Die WHO stuft die Covid-19-Epidemie zur Pandemie hoch „Es handelt sich nicht nur um eine Gesundheitskrise, sondern um eine Krise, die alle Bereiche - ich wiederhole, alle Bereiche - betreffenwird,undjedeundjederEinzelnewird sich an dem Kampf beteiligen müssen“, warnt TedrosAdhanomGhebreyesus,Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, am 11. März 2020. Gerade hat die WHO offiziell die SARS-CoV-2-Epidemie zur Pandemie erklärt. Im Anschluss an die WHO-Erklärung lässt UNO-Generalsekretär Antónia Guteres verlauten, dass „wir gemeinsam den Verlauf dieser Pandemie noch verändern können“. Fünf Tage später verkündet der französische Staatspräsident Emmanuel Macron den ersten Lockdown. Die Wirtschaft wird zurückgefah- ren, der Straßen- und Flugverkehr kommt praktisch zum Erliegen. Über das gesamte Jahr gerechnet sinkt der weltweite CO2 -Ausstoß um 7 % - das ist Rekord! Auch Städtebau und Infrastrukturgeschäft sind im Lockdown, danach wird nichts mehr so sein, wie es war - Baustellenorganisation, Materialströme, Digitalisierung... Mit Innovationen wird ver- sucht, Antworten auf die Krise zu finden. 30. MAI SpaceX schickt zwei Astronauten ins All „HerzlichwillkommenaufderErde,danke,dassSie mit SpaceX geflogen sind“. Mit diesen Worten begrüßt der Flugdirektor der Privatgesellschaft SpaceXam2.August2020zweiamerikanische Astronauten, die nach etwas mehr als zwei Monaten auf der Internationalen Raumstation ISS zurück auf der Erde sind. Doug Hurley und Bob Behnken von der Nasa flogen am 30. Mai in der Raumkapsel Crew Dragon an der Spitze einer Falcon 9-Rakete in den Weltraum - beide von SpaceX entworfen und gebaut. Mit der Crew Dragon kommen sie auch wieder zurück auf die Erde. Erstmals wird ein bemannter Flug von einem kommerziellen Weltraumunternehmen abgewickelt, das innerhalbwenigerJahredieRaumfahrtindustrie in die Ära des „New Space“ katapultiert hat. SpaceX hat es nämlich geschafft, wiederver- wendbare Raketen zu konstruieren, ein Low Cost-Geschäftsmodell aufzubauen und die Planungs- und Produktionszyklen deutlich zu beschleunigen. Strategisch kann Amerika neun Jahre nach Auslaufen des Space Shuttle- Programms dank SpaceX wieder selbständig Menschen in die Umlaufbahn bringen - in der Zwischenzeit war es auf die russischen Sojus-Raumschiffe angewiesen. Werden die Hyperloop-Überschallzüge auf der Erde genauso erfolgreich sein wie SpaceX im Orbit? Dieses weitere Projekt von Elon Musk hat im November 2020 ein Etappenziel erreicht: Die ersten „bemannten“ Testzüge der Firma Virgin Hyperloop erreichten eine Geschwindigkeit von 172 km/h.
  • 8. R Ü C K B L E N D E A U F 2 0 2 0 6 21. JUNI Das Bürgerkonvent für das Klima legt dem französischen Präsidenten und der Regierung seine Vorschläge vor Sie sind das Ergebnis einer nie dagewesenen Aufgabe und wurden der Exekutive und dem Präsidenten von 150 Bürger:innen vorgelegt, die am 4. Oktober per Losverfahren in den Bürgerkonvent für das Klima gewählt worden waren. Der 500-seitige Bericht des Konvents ist ebenfalls eine Premiere, weil nie zuvor fach- fremde Bürgerinnen und Bürger (zwischen 16 und 81 Jahren, Schüler:innen, Feuerwehrleute, Rentner:innen, Landwirt:innen, Ärzt:innen usw.) aufgerufen waren, einen Rahmen für eine „tiefgreifende Veränderung der Gesellschaft“ vorzuschlagen. Die Herausforderung: Reduzierung des Treibhausgasausstoßes um 40 % unter besonderer Beachtung der sozialen Gerechtigkeit. Die vom französi- schen Präsidenten unter dem Eindruck der „Gelbwesten“ gestartete Initiative legte eine Liste mit 149 Vorschlägen vor. Dieses „grüne Programm“ geht zunächst auf die Themen ein, über die der Konvent nachgedacht, beraten und debattiert hat: Ernährung, energetische Sanierung, Mobilität, Flächenverbrauch usw. Im Dezember 2020 war die legislative Umsetzung dieses Programms erneut Gegenstand hitziger Debatten. Emmanuel Macron hat sich nach einem Treffen mit den Mitgliedern des Bürgerkonvents zur Durchführung eines Referendums verpflichtet, bei dem es um die Übernahme der Begriffe „biologischeVielfalt,Umweltschutz,Kampfgegen die Erderwärmung“ in den ersten Artikel der französischen Verfassung gehen wird.
  • 9. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 7 16. JULI PSA kündigt Umstellung auf Homeoffice an Bereits am 6. Mai, also noch vor Ende des ersten Lockdowns in Frankreich, hatte PSA angekündigt, dass „Homeoffice für alle nicht unmittelbar in der Produktion beschäftigten Mitarbeitenden zum Normalfall werden soll“. Diese Entscheidung dürfte letztlich 40.000 Personen betreffen, davon 18.000 allein in Frankreich. Insgesamt beschäftigt der Autohersteller weltweit 200.000 Menschen. Bei einer internen Umfrage gaben 76 % der Mitarbeitenden an, dass sich ihre Tätigkeit für 3,5 Tage Homeoffice pro Woche eigne - dem von der Unternehmensleitung angepeilten Ziel. Ende Juli bestätigte der Vorstand diese Entscheidung und kün- digte an, dass die Mitarbeitenden an den Verwaltungsstandorten von PSA im Großraum Paris pro Woche mindestens einen Tag im Büro und drei Tage im Homeoffice sein sollten. Dies galt vom 7. September und bis 2020. Die Homeoffice-Regelungen wurden aufgrund der Pandemie häufig im Eiltempo umgesetzt und waren im November Gegenstand intensiver Diskussionen zwischen den Sozialpartnern. Am 18. November wurde eine Vereinbarung für sämtliche Berufsgruppen unterzeichnet, die festlegt, wann Homeoffice möglich ist, wel- che Kosten erstattet werden usw. Sie könnte Grundlage eines Gesetzes werden. 19. AUGUST Der auf Batterien für Elektrofahrzeuge spezialisierte Hersteller Northvolt erhält 1,6 Milliarden Euro Die schwedische Firma Northvolt wurde 2016 von zwei ehemaligen Tesla-Mitarbeitern gegründet und möchte in Nordschweden eine Batteriefabrik für Elektrofahrzeuge errichten. Im Sommer erhielt sie eine Finanzierung in Höhe von 1,6 Mrd. Euro von einem Bankenkonsortium, einem Pensionsfonds und öffentlichen Kreditinstituten. Auch Volkswagen und BMW beteiligen sich an dem Projekt, um ihre Versorgung mit Lithium-Ionen-Batterien abzusichern. Es handelt sich allerdings nicht um das einzige Projekt dieser Art in Europa. So kündigten Total und PSA Anfang des Jahres den Bau einer ersten Batteriefabrik in Nordfrankreich an. In der französischen Region Rhône-Alpes will die Firma Verkor 1,6 Mrd. Euro in ein ähnliches Projekt inves- tieren. Unterstützung kommt unter anderem von Schneider Electric und InnoEnergy, der von der Europäischen Kommission ins Leben geru- fenen Investitionsgesellschaft, mit deren Hilfe ein „Airbus der Batteriebranche“ auf die Beine gestellt werden soll. Vorgesehen ist der Bau einer knapp 200 Hektar großen „Gigafactory“ mit einer Kapazität von 16 GWh im ersten Ausbauschritt. - genug für 250.000-350.000 Autos pro Jahr.
  • 10. R Ü C K B L E N D E A U F 2 0 2 0 8 3. SEPTEMBER Frankreich verabschiedet ein Konjunkturprogramm mit starken ökologischen Impulsen Vor dem Hintergrund der Gesundheits- und Wirtschaftskrise kündigt die französische Regierung ein 100 Mrd. Euro schweres, zweijähriges Konjunkturprogramm an. Dessen 70 Maßnahmen verfolgen drei Hauptziele: ökologische Wende (30 Mrd.), wettbewerbs- fähige Wirtschaft (35 Mrd.) sowie sozialer und territorialer Zusammenhalt (35 Mrd.). Von der ökologischen „Säule“ des Programms ist vor allem der Verkehrssektor betroffen: 11 Mrd. sind dafür vorgesehen - mehr als für die energetische Gebäudesanierung, erneuerbare Energien oder die Landwirtschaft. Außerdem fließt ein Viertel der sieben Milliarden aus dem Programm zur Förderung grünen Wasserstoffs in den Bereich Verkehr. 22. SEPTEMBER VINCI organisiert ersten Umwelttag Die ökologischen Ziele des VINCI-Konzerns betreffen den Kampf gegen den Klimawandel, die Optimierung des Ressourcenverbrauchs durch Förderung der Kreislaufwirtschaft sowie den Schutz unserer natürlichen Umwelt. Der erste VINCI-Umwelttag wurde von Xavier Huillard bei Leonard:Paris eröffnet. Er soll die 222.000 Mitarbeitenden des Konzerns für Umweltfragen sensibilisieren und über die ökologischen Ziele von VINCI informieren. Bei dieser Gelegenheit wurde auch der Umweltpreis ins Leben gerufen. Im Herbst 2021werdendiePreisträger_innenverkündet! 2.-3. OKTOBER Vorbote des Klimawandels: Sturmtief Alex stellt Resilienz der Regionen auf die Probe Sechs Wochen lang mussten die Einwohner:innen von Tende im Hinterland von Nizza eine dreistündige Fahrt über unbefes- tigte Wege auf sich nehmen, um Saint-Dalmas zu erreichen, die provisorische Endstation der Bahnlinie, die sie normalerweise mit dem Rest Frankreichs verbindet. Die sintflutartigen Regenfälle am 2. und 3. Oktober hatten Straßen und Dutzende von Häusern mitgerissen und mehrere Dörfer vom Umland isoliert. Sieben Menschen kamen ums Leben, elf wurden vermisst gemeldet. Viele Bewohner:innen waren vom Straßen- und Schienenverkehr, der Kraftstoff- und Internetversorgung abgeschnitten, die Coronakrise erschwerte die Hilfsmaßnahmen zusätzlich. Sturmtief Alex erinnerte wie ein Menetekel daran, dass unsere Infrastrukturen und Regionen Extremwetterereignissen oft wenig entgegen- setzenkönnen- dabeigehendieKlimamodelle davon aus, dass es solche Wetterkapriolen im Laufe des Jahrhunderts immer häufiger geben wird.
  • 11. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 9 7. NOVEMBER Joe Biden gewinnt die US-Präsidentenschftswahlen Es dauerte mehrere Tage, bis die komplexe StimmenauszählungindenUSAsoweitfortge- schritten war, dass das Endergebnis feststand. Am 7. November erklärten die großen ameri- kanischen Medien Joe Biden zum Wahlsieger. Der scheidende Präsident, Donald Trump, reichte zahlreiche Klagen dagegen ein, doch vergebens: Der 46. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika legte am 20. Januar sei- nen Amtseid ab. In der letzten Fernsehdebatte zwischen den Kandidaten kündigte Trump ein umfangreiches Konjunkturprogramm mit einem Volumen von 1.275 Mrd. Dollar (1.078 Mrd. Euro) an, hauptsächlich für den Bau von Infrastrukturen. Es ist unwahrschein- lich, dass Joe Biden diese Pläne unverändert übernimmt. Dennoch ist weithin bekannt, dass die amerikanische Infrastruktur, insbesondere das Straßennetz, umfassende Investitionen in Instandhaltung und Ersatzneubau erfordert. Die neue Regierung könnte auf umwelt- freundlichere Verkehrsträger setzen, die weniger von fossilen Brennstoffen abhängen: Joe Biden kündigte eine Verschärfung der Emissionsnormen und die Förderung von Elektrofahrzeugen an. Vor allem will er dem Pariser Klimaabkommen wieder beitreten, aus dem Trump die USA hinausgeführt hatte. 14. DEZEMBER Erste Lieferungen für die „Jahrhundertbaustelle“ Die fahrerlose Linie 14 der Pariser Metro wird um 4 Stationen verlängert und führt jetzt durch einen neuen, knapp 6 km langen Tunnel vom 13. Arrondissement bis zum Vorort Saint- Ouen. Die angestoßenen Baumaßnahmen - Investitionsvolumen 1,5 Mrd. Euro - werden sie zur längsten (27 km) und meistgenutzten (1 Mio. Fahrgäste pro Tag) U-Bahnlinie der französi- schen Hauptstadt machen. Kurzfristig sollen sie die Fahrgastzahlen auf der überfüllten Linie 13 senken (610.000 pro Tag) und für die Entwicklung des Départements Seine-Saint-Denis sorgen. Außerdem stellt die Einweihung der vier neuen Stationen auf der Linie 14 die erste Lieferung für das Großprojekt „Grand Paris“ dar, das damit in die konkrete Phase übergeht. Die Linie 14 verknüpft die zukünftigen Linien 15, 16, 17 und 18 mitei- nander und ist deshalb strukturgebend für das Gesamtprojekt „Grand Paris Express“.
  • 12. 10 I N H A LT 12 Beschleunigungen 34 Transformationen 1 2 14 Von Unternehmerinnen und Unternehmern 16 Intrapreneurship-Programm 19 SEED-Programm 22 CATALYST-Programm 26 Fünf Fragen an Guillaume Bazouin, Leiter Beschleunigungsprogramme 28 KI-Programm 32 Auf nach Berlin 36 Not Lost in Transition 44 Leonard: Neue Wege gehen 46 Studien, Datensammlung, Trendanalyse: Die Zukunft unter der Lupe 48 Klimaresilienz: Architektonische Visionen 52 Building Beyond „30 Minuten für die Zukunft“: Eine Community voller Ideen
  • 13. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 11 58 Analysen 92 Denkanstöße 3 4 60 11 Wörter für die Zukunft 66 Mobilität auf dem Land 72 Natürliche Ökosysteme für die Stadt 76 Remote: Die Kunst der Telearbeit 79 Clean Tech and Climate Tech: Stunde der Wahrheit 84 Endlich elektrisch unterwegs 88 Resilienz: Flexibilität von Infrastrukturen fördern
  • 14. R Ü C K B L E N D E A U F 2 0 2 0 12
  • 15. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 13 Beschleunigungen 1 I llustration: Andrea Mongia Leonard sorgt für unternehmerische Geistesblitze. Start-ups in der Gründungsphase, Innovative, stark wachsende Firmen, Branchenexpert:innen und KI-Fachleute von VINCI kommen in unseren vier Beschleunigungs- und Förderprogrammen zusammen. Ein Blick hinter die Kulissen des Starterzentrums für Stadt- und Regionalentwicklung.
  • 16. 14 V O N U N T E R N E H M E R I N N E N U N D U N T E R N E H M E R N Leonard ist seit seiner Gründung eine maßgeschneiderte Community zur Unterstützung von unternehmerischen Projekten. 3 Förderprogramme sind auf VINCI-Mitarbeitende, Start-ups und inno- vative Unternehmen zugeschnitten. So können VINCI-Beschäftigte mit Projekten, die möglicherweise zu neuen Geschäftstätigkeiten in den Bereichen Bau, Immobilien, Mobilität und Energie führen, im Rahmen des Intrapreneurship-Programms passgenau betreut werden. Ziele: Strukturierung ihres VonUnternehmerinnen undUnternehmern Drei Programme zur Begleitung von Unternehmer:innen G SPACEMAKER AI (CATALYST) GEHT ZU AUTODESK Im November 2020 kündigte Spacemaker AI, eine generative Planungsplattform, die KI-Modelle zur Beschleunigung und Optimierung von Projektplanung und -konzeption einsetzt, die Übernahme durch Autodesk für 240 Mio. Dollar an. Ein großer Erfolg für das 115 Mitarbeitende zählende Unternehmen, das von Leonard im Rahmen des CATALYST-Programms unterstützt wurde. Leistungsversprechens, Festlegung ihrer Entwicklungsstrategie und Gewinnung von Sponsor:innen, um eine ersten Version ihres Angebotes entwickeln und am Markt testen zu können. Dabei können sie insbesondere auf Coaches und Mentor:innen aus dem Management des VINCI-Konzerns zählen. Viele der 44 Unternehmer:innen, die von diesem Programm bisher gefördert wurden, haben sich mit der konkreten Umsetzung der VINCI-Umweltziele befasst. Jahr für Jahr wirkt dieses Programm als wirksamer Treiber für Projekte und Karrieren vielversprechender, innovativer Talente in allen Branchen des Konzerns. Zwischen 2017 und 2020 wurden nicht weniger als 34 Projekte gefördert; 13 neue Geschäftstätigkeiten wur- den gestartet oder stehen in den Startlöchern.
  • 17. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 15 2019 rief Leonard das erste Gründerzentrum für Start-ups und innovative Unternehmen in den Bereichen Bau, Mobilität, Immobilien, Retail und nachhaltige Stadt ins Leben, um die Unternehmer_innen von morgen zu fördern. Dieses Gründerzentrum bietet Förderungen im Rahmen zweier Programme an: SEED und CATALYST. Das SEED-Programm ist für Start-ups in der Frühphase gedacht. Dank maß- geschneiderter Betreuung erarbeiten sie ihr Leistungsversprechen und ihre Entwicklungsstrategie und legen so den Grundstein für die Beschaffung erster Geldmittel. Das Förderprogramm bietet unter anderem finanzielle Unterstützung, eine Managementschulung der Universität Stanford, die geschäftliche Vernetzung mit Mentor:innen, externen Investor:innen und Mitarbeitenden der VINCI-Unternehmen. 2020 lief das SEED-Programm zum ersten Mal und förderte 5 Start-ups. Das CATALYST-Progamm unterstützte 11 Unternehmen. G CONSTRUCTION START-UP COMPETITION : 2 CATALYST-UNTERNEHMEN IM FINALE Bei der vierten Ausgabe der internationalen „Construction Start-up Competition“ im Jahr 2020, bei der neben Cemex Ventures, Ferrovial, Hilti und Nova by Saint-Gobain auch Leonard als Partner auftritt, kamen unter 700 Bewerberfirmen 10 Firmen in die Endausscheidung. Darunter zwei, die von Leonard im Rahmen des CATALYST-Programms begleitet wurden: Converge (siehe S. 24) und Hiboo, eine SaaS-Anwendung für Baumaschinen. Hiboo wurde mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Die Start-ups können sich außerdem um Fördermittel des French Tech Seed-Fonds und der BPI bewerben, die von Leonard fachlich beraten werden. Das CATALYST-Programm wurde eigens ent- wickelt, um die Zusammenarbeit zwischen VINCI und innovativen Unternehmen in der Phase der kommerziellen Umsetzung zu beschleunigen. Letztere bekommen eine:n eigene:n Ansprechpartner:in im Leonard- Team, um mit den Unternehmenseinheiten der VINCI interagieren zu können - vom ersten Kontakt bis zum Vertragsabschluss. Außerdem erhalten sie einen privilegierten Zugang zu Entscheidungsträger:innen des Konzerns, werden in den Veranstaltungszyklus von Leonard eingebunden und bekommen, im Falle von internationalen Unternehmen, einen besseren Zugang zum europäischen Markt.
  • 18. 16 Intrapreneurship-Programm V O N U N T E R N E H M E R I N N E N U N D U N T E R N E H M E R N G ROADCARE Problem Die Überwachung des Zustands von Land- und Gemeindestraßen ist kosten- und zeitintensiv. Lösung Die vom Betriebspersonal per Smartphone erfassten Daten werden auto- matisch verarbeitet und analysiert. Dies ver- einfacht die Erfassung des Fahrbahnzustands und optimiert die Erhaltung. Projekt Das Projekt wird getragen von Tien Sy Nguyen von Diagway (Eurovia) und Antonin Mancel von Sixense (VINCI Construction). Meilensteine Ende Januar 2021 soll das Projekt in die Startphase gehen. Die Entwicklung der Plattform gemeinsam mit dem Anwenderkreis geht weiter, eine erste Version soll Anfang 2021 fertiggestellt sein. „DurchdasLeonard-Programmstelltmansichdierichtigen Fragen:WiehebeichmichvomWettbewerbab,welchen Bedarfgibtes,TimetoMarketusw.Esliefertganz pragmatischeDenkanstößeimAlltag,bringteinenausder KomfortzoneundsorgtgleichzeitigfürtragfähigeKontakte undErfahrungsaustauschzwischenUnternehmer_innen.”   Antonin Mancel, Sixense
  • 19. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 17 G RESSOURCERIE FÜR DIE BAUINDUSTRIE Problem Ressourcenverschwendung auf Abbruch-Baustellen. Lösung Eine Vermittlungsplattform und ein Lager für wiederverwertbare Produkte; schlüsselfertige Dienstleistung von der Erfassung der Ressourcen bis zur Suche nach Absatzmöglichkeiten. Projekt Héloïse de Bokay ist Projektreferentin im Umweltbereich bei VINCI SA und hat das Projekt „Ressourcen für die Bauindustrie“ angestoßen. Sophia Aissi von Neom unter- stützt sie, um ihre Dienstleistungen auf den ersten Baustellen zu testen und gemeinsam mit VINCI Construction France die geplante Entwicklung der Geschäftstätigkeit fest- zulegen: Personalgewinnung, Erweiterung eines Lagers für wiederverwertbare Produkte, Entwicklung einer digitalen Vermittlungs- und Managementplattform. Meilensteine Schlüsselfertiger Service auf drei Baustellen und Start der neuen Geschäftstätigkeit bei VINCI Construction France am 1. Dezember 2020. „BeieinemKreislaufwirtschafts- ProjektgehtdieWertschöpfung überdenreinökonomischen Aspekthinaus.Zielist dieSchaffungpositiver Außenwirkungen.DieInitiative sollalsobeispielsweisedafür sorgen,dasswenigerAbfälleauf derDeponielandenundneue Möglichkeitenzurberuflichen Eingliederungentstehen.” Héloïse de Bokay, Umweltingenieurin bei VINCI
  • 20. 18 G EBETON Problem Das Management der Betonbestellung und -abnahme auf den Baustellen ist ein händischer, zeitraubender Prozess; Nachverfolgung und Berichtswesen gestalten sich schwierig. Lösung Eine Plattform zur Unterstützung bei der Auswahl klimafreundlicher Betone und eine digitale Anwendung zur optimalen und zuverlässigen Bestellung und Abnahme von Beton auf den Baustellen; gleichzeitig vereinfachtes CO2 -Reporting. Meilensteine Das Projekt ebeton stammt ursprünglich von Bruno Paul-Dauphin und wurde dann von Djamil Yahia-Ouahmed, Clémence Thune und Tom Malo übernom- men. Alle vier arbeiten bei VINCI Construction. Inzwischen wird es von VINCI als Business Unit geführt. Die Startphase begann Ende August 2020, und das Projekt spielt eine entscheidende Rolle bei der EXEGY-Initiative von VINCI Construction zum massiven Einsatz klimafreundlichen Betons. Die ebeton-Plattform begleitet die Projekte von der Planung bis zur Realisierung. Dabei stützt sie sich auf klimafreundliche Lösungen von EXEGY und auf die Digitalisierung des Beton-Prozesses auf den Baustellen. Neue Funktionen sind in Vorbereitung, um auch für komplexere Probleme auf den Baustellen eine Lösung anbieten und Daten mit externen Anwendungen austauschen zu können. V O N U N T E R N E H M E R I N N E N U N D U N T E R N E H M E R N „IchmagdenTeamgeistunter Intrapreneur_innen(fastdas gesamte4.Förderjahristin dieBeschleunigungsphase übergetreten),wobei80% dieserBeschleunigungsphaseim Lockdownstattfanden!Während desgesamtenProgrammswurden wirvonVINCIConstruction unterstützt,vomProjektbeginn imSeptember2019biszur EinstellungdesneuenCEOimJuli 2020.” Bruno Paul-Dauphin, VINCI Construction
  • 21. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 19 G BUILD2B Problem Baufirmen verbringen jeden Tag hunderte von Stunden damit, zuverlässige Freiberufler_innen und Selbständige für Planungs-,Ausführungs-undBetriebsaufgaben inallenBereichenzusuchen.DieSelbständigen ihrerseits wollen mehr Kund_innen gewinnen undsichergehen,dasssieauchbezahltwerden. Lösung Die Plattform build2b.fr ermöglicht mit wenigen Klicks das Auffinden zuver- lässiger, kompetenter Freiberufler:innen Die Selbständigen profitieren von einer Zahlungsgarantie, Versicherungen und dem Management ihrer Verwaltungsunterlagen. Projekt Build2B wurde 2019 von drei Unternehmern gegründet, deren Profile sich hervorragend ergänzen: Karim Tamarzist (Finanzexperte, früherer Mitarbeiter der Investitionsbank). Mounir Bourhrara (Bauingenieur mit langjähriger Erfahrung in der Leitung von Großprojekten) und Shakib Jlassia (Marketingfachmann). Seed-Programm Meilensteine Die Coronakrise verstärkt den Trend zur Prozessautomatisierung, weil die Unternehmen ihre Reaktionszeit von einigen Tagen auf wenige Stunden reduzieren mussten. Seit August 2020 gehört auch ein CTO zum Team. Er sorgt für eine langfristig stabile, trag- fähige Technikstrategie. „DurchdasProgrammkonnten wirzunächstunsereStrategie festlegen,insbesondereauch dankdesStanford-Lehrgangs (IdeatoMarketEntrepreneurship Program).Sosindwirgut fürdiegeradelaufenden Finanzierungsgespräche mitVC-Fondsundden BusinessAngelsgerüstet. AlsProgrammteilnehmer konntenwirleichtermitden Unternehmenseinheitendes VINCI-KonzernsinKontakt tretenundwurdenvoneinem erfahrenen,visionärenMentor unterstützt:JérômeAnsaldi (MitglieddesVorstandsvon BATEG,VINCIConstruction).” Karim Tamarzist, CEO und Mitgründer von Build2B.
  • 22. 20 G INERGEEN Problem BauteninModulbauweise sindhäu- fig schwer zu transportieren und entsprechen nicht den wachsenden Umweltanforderungen der Baubranche. Lösung   Cubeen™, ein demontierbares, polyvalentes Baumodul, und Woodea™, ein Modul in Holzbauweise mit hervorragender Energiebilanz. Projekt Inergeen wurde im März 2017 von Olivier Kerrec (25 Jahre im Energiesektor), Christian Bois (seit 35 Jahren Architekt und Niederlassungsleiter) sowie Clément Bois (Architekt mit 7 Jahren Berufserfahrung in Architektur und Design) gegründet. Meilensteine 2020 war für Inergeen ein erfolgreiches erstes Jahr am Markt. Im Oktober lief das SEED-Programm aus und das Unternehmen startete seine Kampagne zur Kapitalbeschaffung. „MitdenTeamsvonLeonard undderUniversitätStanford gabeseinenäußerst konstruktivenAustausch. Währenddessechsmonatigen Programmshatsichunsere Entwicklungsstrategiewirklich gefestigt.Wirhabenallesauf denPrüfstandgestellt,unddas mitErfolg!” Olivier Kerrec, Vorstand und Mitgründer V O N U N T E R N E H M E R I N N E N U N D U N T E R N E H M E R N
  • 23. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 21 G EP-TENDER Problem Im Alltag verfügen die meisten Elektroautos über genügend Reichweite. Problematisch sind jedoch die gelegent- lichen längeren Fahrten, bei denen lange Zwischenstopps an den Stromtankstellen erforderlich sind. Lösung Ein Battery as a Service-Konzept mit „dockingfähigen“ Batterien: Ein modularer, kostengünstiger Ansatz zur Förderung der Elektromobilität und ein Pay-per-Use- Geschäftsmodell für gelegentliche, längere Fahrten. Der Carsharing-Tender ist mit allen marktgängigen Modellen kompatibel und befreit das Elektroauto von reichweitebeding- ten Einschränkungen. Projekt EP-Tender wurde 2012 von Jean- Baptiste Segard gegründet. Das multidiszi- plinäre Team stützt sich auf das Know-how lokaler Unternehmen und deckt so die mecha- nische Planung und Entwicklung, die elektri- sche Entwicklung und Systemintegration, das Design der Produktionsmanagementsoftware, die Modellierung und das Management des Mietnetzwerks und den Einbau in den Kundenfahrzeugen ab. Meilensteine 2020 führte EP-Tender drei Versuche durch, einen mit VINCI, zwei weitere mit Automobilherstellern. Dabei wurden zwei Langstreckenrekorde ohne Aufladen aufge- stellt: 1.000 km in 9 Std. 41 min. mit einem Renault Zoé und 500 km in 6 Std. 42 min. mit einem Renault Master ZE. Erfolge, welche die Entwicklung und den Bau einer Vorserie ein- läuten, gefolgt von präkommerziellen Piloten im kleinen Maßstab. „Durch die Aufnahme in ein Leonard- Förderprogramm werden wir nicht nur sichtbarer und gewinnen an Prestige. Das SEED-Programm hat uns in dreifacher Hinsicht unterstützt. Durch den intensiven Austausch mit verschiedenen operativen VINCI- Gesellschaften konnten wir unsere Planungen verfeinern und unseren Businessplankonsolidieren.Überdies haben wir in einer hervorragenden Stanford-Schulung gelernt, wie ein Geschäftsmodell aufgebaut und gegenüber Investor:innen und Industriepartner:innen vorgestellt wird. Last but not least standen wir im persönlichen Austausch mit allen Unternehmer:innen in unserem SEED-Jahrgang sowie den anderen von Leonard geförderten Projekten.“ Jean-Baptiste Segard, Vorstand und Gründer von EP-Tender
  • 24. 22 G AOS Problem Anfragen bei Unternehmen kos- ten die Auftraggeber:innen häufig hunderte von E-Mails und müssen oft händisch und mit Excel-Sheets nachverfolgt werden; die Weitergabe oder Aktualisierung komplexer Unterlagen erfolgt mit unterschiedlichen Tools (Mailbox, Transferplattformen usw.). Damit wird kein Mehrwert generiert, es können Fehler entstehen oder Informationen falsch oder gar nicht weitergeleitet werden. Lösung AOS (französisch für: Vereinfachte Ausschreibung) ist eine einheitliche Online- Plattform, die von Autraggeber:innen wie Lieferant:innen gleichermaßen genutzt wird. Sie erlaubt den sicheren, zeitlich und in der Datenmenge unbegrenzten Austausch aller Informationen im Rahmen einer Anfrage, analysiert und vergleicht automatisch die Angebote und erleichtert die Nachverfolgung und Einhaltung des Kostenrahmens. „Anfänglich war es für uns nicht ein- fach, die Organisationsstruktur des VINCI-Konzerns zu verstehen und die Unternehmenseinheiten richtig zuzuordnen. Aber bald zog Routine ein, unser Angebot wurde sehr rasch verstanden, und VINCI entwickelte sich zu einem unserer wichtigsten Kunden. Deshalb haben wir heute zahlreiche interne Sponsor:innen.“ Marc Giraudot, Head of Sales von AOS „Im Konzern nutzen wir auf den Baustellen ein Tool zur Auftragserteilung. Aber von mehre- renBaustellenkamdieRückmeldung, dass die AOS-Lösung im Einsatz sei. Wir überlegen, sie in der gesamten Gruppezuimplementieren.EinVorteil wäre, dass mehrere Abteilungen die Anfragengemeinsambearbeitenkön- nen. Manchmal gehen Informationen aus der Kalkulation verloren - das ist bei dieser Lösung nicht möglich, alles ist rückverfolgbar und jederzeit ver- fügbar. AOS ist speziell für Anfragen gedacht,abereinespätereIntegration mit juristischen Tools ist denkbar.“ Matthieu Poylo, Leiter Tools und produktionsfremder Einkauf, VINCI Construction France Projekt AOS wurde 2016 von Alexandre Brochot und Thomas Cassou gegrün- det und erhielt zweimal hintereinander Investitionsmittel. Per Juni 2020 hatte das Unternehmen 50 Mitarbeitende; bis Jahresende sollen es schon 90 sein. Der Umsatz beläuft sich auf 2 Mio. Euro. CATALYST-Programm Kennzahlen 1.500 neue Projekte in 18 Monaten 350 Kund:innen 8 Milliarden Euro Bauleistung 80 % Wohnungsbau Etwa 30 Projekte mit dem VINCI-Konzern Serie A Anfang 2021 V O N U N T E R N E H M E R I N N E N U N D U N T E R N E H M E R N
  • 25. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 23 G HOLOBUILDER Problem Für Monitoring, Instandhaltung oder Koordination werden Fotos von den Baustellen eingesetzt. Das kostet viel Zeit, und häufig werden die Bilder unstrukturiert online gestellt. Dadurchkönnensie nur schwer geteilt und genutzt werden. Lösung Holobuilder nutzt 360°-Kameras, Machine Learning-Algorithmen und eine SaaS- Plattform, um die Aufnahme der Bilder zu beschleunigen und das Baustellenmonitoring und -management zu vereinfachen. Die 360°-Fotos sind online verfügbar und in den Baustellenplänen hinterlegt. Es können zwei Orte über einen gewissen Zeitraum hinweg verglichen werden, es gibt eine Kommentar- und Messfunktion. Die Plattform ist mit den wichtigsten Branchenanwendungen für das Baustellenmanagement kompatibel. Projekt Holobuilder wurde im Dezember 2019 in das CATALYST-Programm aufgenom- men. Das Unternehmen mit Sitz in Aachen und San Francisco zählt knapp die Hälfte der 100 größten US-amerikanischen Bauunternehmen zu seinen Kunden. Kennzahlen 18.000 Projekte 2.000 Kundenfirmen 85 % weniger Zeit für die fotografische Dokumentation der Baustelle „Bauprojekte sind auch innerhalb eines KonzernsingewisserWeisesehrunab- hängig voneinander. Deshalb mussten wir eine Technologie entwickeln, die sich an viele unterschiedliche Situationen anpasst. Unsere Lösung ist deshalb für kleine Maßnahmen geeignet,aberauchfürGroßbaustellen - von Infrastrukturprojekten über die Industrie bis hin zum Wohnungsbau.“ Christian Claus, CMO, Head of Partnership, Holobuilder „Für Anwendungsfälle mit besonders hohen Sicherheitsanforderungen, etwa unsere Baustellen im Kernkraftbereich, kommt es ent- scheidend auf die Datensicherheit an. Unser hervorragendes Holobuilder- Team hat die Herausforderung angenommen und die Möglichkeit zum Einsatz einer privaten Cloud oder zur Datenspeicherung vor Ort geschaffen.“ Matthieu Artaud, Corporate Ventures Manager, VINCI Energies
  • 26. 24 G CONVERGE Problem In der Baubranche und ins- besondere auf den Baustellen kommen bisher nur wenige digitale Lösungen zum Einsatz. Verfahrensanweisungen und Organisationsstrukturen sehen meistens manuelle Aufmaße in Teilbereichen vor, welche die Wirklichkeit vor Ort nicht genau abbilden. So gehen viele Möglichkeiten zur Produktionsoptimierung verloren. Lösung Converge verbindet physische Sensoren, die von der Baustelle bis zum Betrieb in den Bau integriert werden und deren Daten in eine Cloud exportiert werden, mit den räumlichen, zeitlichen und wirtschaftlichen Daten eines Projekts. Die SaaS-Lösung inte- griert künstliche Intelligenz und Sensordaten und digitalisiert so den Bau. Das erste Produkt, Concrete DNA, ist ein digitales Monitoringtool für die Betonnachbehandlung. Direkt auf den Armierungen werden Sensoren angebracht, die kontaktlos Temperatur-, Feuchtigkeits- und Druckdaten übertragen. Kennzahlen Concrete DNA sorgt für bis zu 30 % Zeitersparnis bei der Betonverarbeitung - das bedeutet 30 bis 40 % weniger Kosten. Werdegang Nach diesem ersten Produkt hat die 2014 von Raphael Scheps und Gideon FarrellgegründeteConvergeeineganzePalette an Sensoren entwickelt: GeoDNA (Monitoring von geotechnischen Strukturen und Umgebung), OffsiteDNA (Baustellenlogistik) sowie CraneDNA (Standortlogistik). Ziel dabei war die Implementierung eines kompletten digitalen Baustellenzwillings. V O N U N T E R N E H M E R I N N E N U N D U N T E R N E H M E R N
  • 27. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 25 „WirerlebeneinebeschleunigteEntwicklungim Bausektor.HeuteinvestierengroßeAnbietervermehrt dieDigitalisierung,insbesondereauchVINCI.“ Raphael Scheps, CEO, Converge „WirhabendieConverge-LösungbereitsbeieinemProjekt eingesetzt.WirhabenimRahmenvoneBetonmit knapp200Unternehmengesprochen,umuntermehr Betonrezepturen,insbesondereklimafreundlicheren Betonen,auswählenunddieaufunserenBaustellen eingesetztenBetonebesserrückverfolgenzukönnen. VordiesemHintergrundistdiedurchConvergemögliche ProduktivitätsverbesserungvongrößtemInteressefür uns.” Bruno Paul-Dauphin, Projektleiter klimafreundlicher Beton und Projektleiter eBeton
  • 28. 26 Fünf Fragen an Guillaume Bazouin, Leiter Beschleunigungs- programme Wie sieht Ihre Bilanz für das SEED- und das CATALYST-Programm nach einem sehr ungewöhnlichen Jahr aus? GUILLAUME BAZOUIN Bei SEED haben wir fünf Firmen unterstützt mit dem Ziel, dass sie nach einem Jahr erstmalig eigenes Kapital beschaffen können. Bei vier von ihnen läuft diese Kapitalbeschaffung gerade. Es handelt sich um Build2B, EP Tender, Inergeen (siehe S. 19) sowie SoLiquid, eine externe 3D-Drucktechnologie. Das SEED-Programm wurde außerdem von BPI France als Berater des French Tech Seed- Fonds anerkannt, der in technologieintensive Start-ups investiert. Bei CATALYST wollen wir über Rahmen- oder Pilotverträge Kooperationen zwischen den operativen Einheiten von VINCI und einem Dutzend innovativen Unternehmen aufbauen, die international zu den Besten ihres Fachs gehören. Im Mittel kommt es nur in 5 % aller Fälle zu einer Zusammenarbeit zwischen solchen Start-ups und Großkonzernen. Wir gehen bei uns aber von einer Erfolgsquote von 30 bis 50 % aus. V O N U N T E R N E H M E R I N N E N U N D U N T E R N E H M E R N
  • 29. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 27 Wie erfolgt die Auswahl der teilneh- menden Start-ups? GUILLAUME BAZOUIN Weltweit bewerben sich mehrere hundert Start-ups um die Teilnahme am SEED- und am CATALYST- Programm. Die Leonard-Teams bewerten ihre Praxistauglichkeit, ihr Personal, ihren Reifegrad und ihre finanziellen Möglichkeiten. Dann tauschen wir uns mit zahlreichen Fachleuten aus den VINCI-Unternehmen aus, um zu ermitteln, wie relevant ihre Angebote für unsere Geschäftsbereiche sind. Welche Kontakte gibt es zwischen diesen beiden Programmen und dem Intrapreneurship-Programm von Leonard? GUILLAUME BAZOUIN Das Intrapreneurship- Programm ermöglicht es allen Mitarbeitenden von VINCI, ein eigenes Projekt zu ent- wickeln, aus dem letztendlich eine neue Geschäftstätigkeit für den Konzern erwachsen kann. Sehr häufig befassen sich dann nicht nur unsere Intrapreneur:innen mit diesem Thema, sondern auch externe Start-ups (und umge- kehrt). Dieses Phänomen der Ko-Emergenz ist übrigens ein guter Indikator für die Relevanz einer Idee. Solche Überlappungen bieten immer auch Möglichkeiten zur Zusammenarbeit und zu gemeinsamen internen/externen Entwicklungen. Das maxi- miert die Chancen für die Entstehung einer disruptiven Innovation. Welche Besonderheiten weisen SEED und CATALYST gegenüber anderen Gründerprogrammen auf? GUILLAUME BAZOUIN Bei solchen Programmen kommt es entscheidend darauf an, die rich- tigen Bewerber:innen mit den attraktivsten Angeboten auszuwählen. Um unter den unzähligen Gründer- und Start-up-Zentren konkurrenzfähig zu sein, braucht es ein klares, differenziertes Programm. Bei SEED ermöglichen wir jungen Start-ups, ihr Leistungsversprechen zu validieren - und zwar im Austausch mit VINCI-Mitarbeitenden, die zukünftig zu ihrem Kundenkreis zählen könnten. Wir bieten ihnen einen betriebswirt- schaftlichen Lehrgang in Zusammenarbeit mit der kalifornischen Stanford-Universität an, um sie bestmöglich auf die Kapitalbeschaffung vorzubereiten, und bringen sie sechs Monate lang in unseren Räumlichkeiten unter. Jedes Start-up bekommt 30.000 € zur Finanzierung seines Wachstums während der ersten Monate. Leonard wertet sein Programm zusätzlich auf, indem wir uns bei jedem SEED- Start-up am Kapital beteiligen. CATALYST hingegen ist kein Investitionsprogramm, sondern bietet Unterstützung für Scale-ups oder innovative Unternehmen mit relevanten, marktreifen Angeboten, die für den gesamten VINCI-Konzern skaliert werden können. Wie sehen die Perspektiven für 2021 aus? GUILLAUME BAZOUIN Wir sind sehr zuversichtlich. Im ersten Jahr wurden im SEED-Programm ledig- lich fünf Start-ups gefördert. Im nächsten Jahr werden es fast doppelt so viele sein: Aus 150 Bewerbungen haben wir neun Unternehmen ausgewählt. Sie werden gemeinsam mit unseren Intrapreneur_innen betreut und alle nehmen am Stanford-Lehrgang teil. Auch das CATALYST-Angebot wurde ausgebaut. Die beteiligten Unternehmen werden gemeinsam mitzahlreichenoperativenGeschäftsleitungen des Konzerns qualifiziert.
  • 30. 28 K I - P R O G R A M M Genau wie bei den KI-gestützten Anwendungen selbst (Machine Learning, Computer Vision, Entscheidungsbäume usw.) verlief auch hier die Entwicklung sehr schnell. Die acht Projektträger:innen im ersten Jahr des KI-Programms, das 2019 von Leonard ins Leben gerufen wurde, haben bereits im April dem VINCI-Vorstand ihre Initiativen vorgestellt. Drei davon werden zu eigenen Business Units. KI-basierte Lösungen zu praxistauglichen Systemen entwickeln, sich nicht mit der Entwicklung von Proofs- of-Concept begnügen: Die Zielsetzung des KI-Programms wurde erreicht. Wie lautet das Geheimnis dieses Programms? Wir setzen auf Zusammenarbeit und Synergieeffekte zwi- schen den Projekten und stützen uns dabei auf kompetente Mitarbeitende aus dem Konzern. Und die Fortsetzung sieht genauso vielver- sprechend aus. Bereits im November 2020 startete das zweite Förderjahr mit 13 neuen Projekten aus VINCI-Unternehmenseinheiten. DieKompetenzenimKI-Bereichverbreitensich dadurch im gesamten Konzern und werden für Anwendungen eingesetzt, in denen die KI ein disruptives Potential mitbringt: Automatische Erfassung des Fahrbahnzustands (Roadcare- Projekt), generatives Design von technischen Gebäudeequipments (Diane, neue BU) oder auch die Simulation des Immobilienpotentials einer Parzelle. Allgemein werden KI-gestützte Technologien zukünftig eine entscheidende Rolle bei der Erreichung von Umweltzielen spielen und durch ihre Simulations- und Optimierungskapazitäten die wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Ziele der Projekte in Einklang bringen. KI-Programm Das KI-Programm beschleunigt den Einsatz KI- basierter Technologien bei VINCI 230 Schulungsstunden 50 Lehrgänge und praktische Übungen 100 KI-Modelle trainiert
  • 31. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 29 „DasProgrammzieltnichtauf ProofsofConceptab,sondern auferfolgreicheProjekteim Industriemaßstab.Entsprechend istdasvondenMitarbeitenden getrageneundentwickelteProjekt auchausgerichtet.Siewollen eslangfristigzurindustriellen Marktreifebringen.” Bruno Daunay, AI Lead, Leonard ImJahr2020 wurdeKIinfolgendenBereichen eingesetzt: Vorausschauende Instandhaltung für Verkehrssysteme/ VINCI Energies Vorausschauende Instandhaltung für die Industrie und den Betrieb von Infrastrukturen/ VINCI Construction – VINCI Concessions Vorhersage von Budgetabweichungen bei einem Projekt /  VINCI Energies-Eurovia Generatives Design in der Industrieplanung / VINCI Energies Logistikoptimierung / VINCI Energies Geophysikalische Baugrunduntersuchung / VINCI Construction Betrieb von Telekom-Infrastrukturen / VINCI Energies
  • 32. 30 K I - P R O G R A M M “WirmüsseneinpaarJahrevorausdenken.HeutesinddieseTools nurfüreinigewenige,genauumrisseneAnwendungenimGebrauch, aberinZukunftwerdensiedeutlichbreitereingesetzt.Mitdiesen ProjektenbereitetVINCIdenWegfürgroßangelegtePlanungs-und Instandhaltungslösungen,indiebeispielsweiseauchökologische odersozialeZieleeinfließenkönnen.“ Quentin Panissod, AI Lead, Leonard „UnsereKI-EntwicklungenderletztenJahre bestätigendengroßenWertsolcherToolsfür unserenKonzern,aberauchdieNotwendigkeit zumAufbauinternerKompetenzeninden Unternehmenseinheiten,umdieseTechnologien anunserebetrieblicheRealitätanzupassen-kurz gesagt,umsievonderPowerPoint-Präsentation aufdieBaustellezubringen.” François Lemaistre, Brand Manager Axians, VINCI Energies
  • 33. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 31 SprinkIA AUTOMATISIERUNG HÄLT IN DIE SPRINKLERNETZ- PLANUNG EINZUG Fünf Minuten. So lange braucht die vom Brandschutzspezialisten Uxello (VINCI Energies) entwickelte SprinkIA-Lösung, um auf Grundlage eines Lastenhefts und eines Kostenrahmens ein optimales Sprinklernetz zu planen. SprinklA wurde im Rahmen des KI-Programms von Leonard entwickelt. Sie reduziert nicht nur den Planungsaufwand signifikant, sondern sorgt gleichzeitig für die Optimierung der Sprinklernetze. Die verwendeten Machine Learning-Algorithmen versetzen die Brandschutzplanung ins Zeitalter des generativen Designs. Anders als bei parametrierten CAD-Tools, bei denen die vorgeschlagenen Lösungen auf eine Reihe von vorkonfigurierten Möglichkeiten beschränkt sind, lotet das generative Design sämtliche physikalischen und ökono- mischen Möglichkeiten aus und sucht nach der optimalen Lösung. SE@Cloud  VORAUSSCHAUENDE INSTANDHALTUNG AUF DER SCHNELLFAHRSTRECKE Auf der Hochgeschwindigkeits- Bahnstrecke zwischen Tours und Bordeaux kommt bisweilen ein etwas eigenartiger Waggon zum Einsatz. Es handelt sich um das so genannte „Dring“-Fahrzeug von Lisea und Mesea, den Konzessions- und Instandhaltungsgesellschaften dieser Strecke. Dring ist vollge- stopft mit Sensoren und misst jede Woche Veränderungen der Gleislage. Im Rahmen des KI-Programms von Leonard wurden die so erfassten, wertvollen Daten genutzt, um auf der Schnellfahrstrecke ein vorausschauendes Instandhaltungskonzept umzusetzen. Es wurden entsprechende Algorithmen zur Auswertung der Messfahrten entwickelt, die auf Grundlage kurzfristiger (einige Monate) und langfristiger (drei Jahre) statistischer Vorhersagen die Wartungseinsätze optimieren. Das Ergebnis: Die Häufigkeit der Einsätze wurde signifikant gesenkt, genauso wie der Zeitaufwand für die Messfahrten und die Planung der Instandhaltungs- maßnahmen. Dank KI konnten die Instandhaltungsfachleute außerdem tiefergehend untersuchen, wie sich Wartung auf die Verschlechterung der Gleislage auswirkt. Der prä- diktive Ansatz ermöglicht jetzt die Vorausplanung des idealen Zeitpunkts für die Maßnahmen, und das ohne Einbußen in Sachen Leistungsfähigkeit und Sicherheit. Chronsite KI SORGT FÜR PERFEKTE TERMINPLANUNG AUF DER BAUSTELLE Beim Lean Management kommt es entscheidend darauf an, den für jede im Rahmen eines Projekts zu erledigende Aufgabe notwendigen Zeitaufwand genau zu analysieren. Diese Projektmanagementmethode ist in der Industrie bereits aus- giebig erprobt worden und hält nunmehr auch auf Baustellen Einzug. Die Ingenieur:innen ermitteln damit die zeitaufwän- digsten Aufgaben und können so die Gesamtproduktivität des Projekts um bis zu 25 % verbessern. Allerdings stößt auch dieser Ansatz an eine Grenze, nämlich die Zeit, die für die Zeitmessung selbst erfor- derlich ist! Glücklicherweise ist es heutzutage möglich, diese Aufgabe durch die Kombination von Kameras, Bildverarbeitungsalgorithmen und Deep Learning zu automatisieren. Eine KI kann laufende Aufgaben erkennen, das eingesetzte Personal identifizieren und den Fortschritt und die Dauer der Aufgaben mitprotokollieren. Diese Möglichkeit bietet heute Chronsite, ein von VINCI Construction France und Dodin Campenon Bernard mit Unterstützung des KI-Programms von Leonard entwickeltes Tool. Im Fokus
  • 34. R Ü C K B L E N D E A U F 2 0 2 0 32 AufnachBerlin Im Juli 2020 starteten Leonard und die Teams von Eurovia und VINCI Energies mit Sitz in Deutschland Leonard:DACH, die VINCI-Plattform für Zukunftsforschung und Innovation in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie wird als Ansprechpartnerin für unsere Prospektivstudien und Beschleunigungsprogramme in diesen Ländern fungieren.
  • 35. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 33 „Leonardbietetals Netzwerkplattformdie Möglichkeit,einfunktionierendes ÖkosystemmitPartner_innen ausWissenschaft,Wirtschaft, Start-upsundvonderöffentlichen Handzuschaffen.EinNetzwerk, indemwirIdeenaustauschenund AnregungenausallenBereichenin unsereÜberlegungeneinfließen lassenkönnen.“ Tim Lorenz, Geschäftsführer, VINCI Deutschland „Wirwollenunsere MitarbeitendenzumMitmachen anregen.DerAustauschzwischen denTeamsvonLeonardinParis undderRegionDACHzieltdarauf ab,gemeinsamMarktvisionen zuentwickeln,Innovationen zustimulierenundalle Möglichkeitenzunutzen,dieuns DigitalisierungundKIbieten.” Reinhard Schlemmer, Geschäftsführer, VINCI Deutschland Auf dem Foto werden die geltenden Hygienevorschriften eingehalten.
  • 36. R Ü C K B L E N D E A U F 2 0 2 0 34
  • 37. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 35 Transfor- mationen 2 I llustration: Bruno Mangyoku Wie kann man Umbrüche vorhersehen, aus schwachen Signalen künftige Nutzungsformen ableiten und zukunftsgerichtete Überlegungen in konkrete Projekte einbinden? Wie ist eine erfolgreiche ökologische Wende auf regionaler Ebene und in der Wirtschaft möglich? Die von Leonard initiierten Szenarien, Studien und Begegnungen dienen als Rahmen für die laufenden Transformationen.
  • 38. 36 N O T L O S T I N T R A N S I T I O N D i e Z u k u n f t d e r B a u - u n d Konzessionsbranche ist eng mit der ökologischen Wende verknüpft. Gebäude, Infrastrukturen und Regionen haben immer stärker unter dem Klimawandel zu leiden. Es ist deshalb eine schnelle Entwicklung in der Umweltbranche vonnöten, damit sich Städte, Gemeinden und die Gesellschaft als Ganzes auf diese Veränderungen einstellen und an Resilienzgewinnenkönnen.Bestandsgebäude und Verkehr stehen weltweit für knapp die Hälfte des Treibhausgasausstoßes. Die Umweltziele von VINCI sehen vor, bis 2050 klimaneutral zu wirtschaften. Abmilderung und Anpassung Eine Abmilderung der Auswirkungen des Klimawandels wird jedoch nicht reichen - not- wendig ist die tiefgreifende Umgestaltung der WirtschaftundihresAufbaus.IndenAugenvon XavierHuillard,desVorstandsvorsitzendenvon VINCI, sind „UnternehmenLösungsfabriken,und wir sichern den Bestand unserer Unternehmen, indem wir unsere ökologische Umgestaltung beschleunigen“. Leonard hat zwischen Oktober 2019 und November 2020 eine Veranstaltungsreihe zur ökologischen Umgestaltung von Städten und Regionen durchgeführt. Am Ende dieser acht Veranstaltungen sind die angesprochenen Themen aktueller als je zuvor: Leonard hat sich zum Ziel gesetzt, die ökologische Wende von unterschiedlichsten Standpunkten aus zu analysieren: vom globalen zum lokalen Maßstab und unter Betrachtung der spezi- fischen Herausforderungen in den Bereichen Bau, Mobilität sowie Energie. Leonard hat die Ergebnisse dieser Veranstaltungen zusammengefasst, bei denen zahlreiche Informationen ausgetauscht, Fragen gestellt und aktuelle Daten vermittelt wurden. Welche Lehren sollte man aus dieser tiefergehenden Betrachtung der vor uns liegenden Veränderungen ziehen? Zunächst einmal, dass niemand allein die ökologische Wende durchsetzen kann. Die öffentliche Hand trägt natürlich eine große Verantwortung für die schnelle Anpassung des gesetzlichen Rahmens. Außerdem kann sie die Finanzbranche dazu bringen, rasch in diese globale Umgestaltung zu investieren. Großkonzerne müssen mit gutem Beispiel vorangehen, vor allem, wenn sie mit ihrer Geschäftstätigkeit strukturgebend für die Volkswirtschaft sind. Sie müssen proaktiv han- deln,sowohlgegenüberderZivilgesellschaftals auch gegenüber Entscheidungsträger_innen. „Mit unseren Geschäftsfeldern, unserer Vision der Gesamtleistungundunserenlangfristigangelegten Tätigkeiten sind wir Teil der Lösung und müssen zum Aufbau einer nachhaltigeren Welt beitragen“, erklärte Xavier Huillard im September 2020. Die ökologische Wende findet vor dem Hintergrund zweier globaler Trends statt: NotLostinTransition Ökologische Wende auf Augenhöhe
  • 39. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 37 Bevölkerungswachstum und Verstädterung. Auch diese müssen in Betracht gezogen und zu Grundpfeilern der Umgestaltung werden. Die Zukunft gehört denen, die den Klimawandel strategisch zu ihrer Entwicklung nutzen und die in die Zukunft denken können, um die Mobilität neu zu erfinden, systema- tisch nachhaltig zu bauen, die boomenden grünen und klimaneutralen Technologien als Katalysator zu nutzen und optimale Effizienz mit optimaler Wirtschaftlichkeit zu verbinden. Aber wo soll man anfangen? Die Zusammen- fassung unserer Veranstaltungsreihe stellt die wesentlichsten Themen heraus, nennt Kenn- daten, Lösungswege und Herausforderungen, die von Städten und Regionen angegangen werden müssen. Hier ein kurzer Überblick. Neue Technologien, Effizienz, Wirtschaftlichkeit: Auswirkungen auf Energieversorgung eines begrenzten Planeten Fakten 72 % der weltweiten anthropogenen Treibhausgasemissionen sind auf den Energieverbrauch zurückzuführen. a Seit 1800 hat sich die Weltbevölkerung vervierfacht, der Energieverbrauch stieg um den Faktor 40. a 1980 standen fossile Energieträger für 88 % im weltweiten Energiemix, heute liegen sie bei 87 %. a 80 % der bekannten Öl- und Gasvorkommen müssten im Boden bleiben, damit die Erderwärmung bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf unter zwei Grad beschränkt bleibt. a Die CO2 -Reduzierung des globalen BIP geht noch immer sehr langsam vonstatten: -3 % pro Punkt und Jahr im Mittel. a 2020 sankderweltweiteTreibhausgasausstoßwegen Corona um -7 %. Diese Größenordnung müsste ab sofort jedes Jahr erreicht werden, um die Pariser Klimaziele einzuhalten. Lösungen und Herausforderungen Systematische Integration des Dreiklangs aus Wirtschaftlichkeit, Effizienz und Klimaneutralität durch erneuerbare Energien bei jedem Projekt. Ermittlung der Verwundbarkeit und der Schwachstellen der Projektbeteiligten bei einer Unterbrechung der Ölversorgung. Vorbereitung von alternativen Energieversorgungsmöglichkeiten. Aufbau von Infrastrukturen zur Versorgung mit erneuerbaren Energien, Elektrifizierung (Mobilität, Gebäude, Industrie usw.). Aufbau einer Wasserstoff- und einer Power-to-Gas-Infrastruktur. Förderung der Klimaneutralität auf inter- nationaler Ebene, auch wenn die örtlichen Vorschriften weniger streng sind als auf den am stärksten entwickelten Märkten. Maximale Klimaneutralität beim internen Unternehmenswachstum. Ausrichtung eines Teils der FuE auf robuste, einfache Technik, um die Abhängigkeit von bestimmten, kritischen Ressourcen zu verringern. Wie sieht die Mobilität von morgen aus? Fakten 3/4 der verkehrsbedingten Emissionen sind dem Straßenverkehr zuzurechnen. 2016 hat er weltweit 5,85 Gigatonnen CO2 ausgestoßen. Eine Erhöhung um 77 % seit 1990. a Der Erdölverbrauch des Güterverkehrs hat sich seit 1973 in absoluten Zahlen nahezu verdoppelt. a In Frankreich hat sich zwischen 1990 und 2017 die Zahl der Pkw um 40 % erhöht, bei den Lkw waren es 6 %. a Der Flugverkehr steht weltweit für 2,8 % aller CO2 -Emissionen; seit dem Zweiten Weltkrieg hat er sich alle fünfzehn Jahre verdoppelt. a Elektro- und Wasserstofffahrzeuge sind mittlerweile marktreif. Ihr Erfolg ist jedoch an verfügbare
  • 40. 38 Ladeinfrastrukturen und Fördermaßnahmen geknüpft. a Europa braucht bis 2030 drei Mio. Ladesäulen. Derzeit sind es 185.000. a Selbstfahrende Autos könnten optimal genutzt und im Carsharing eingesetzt werden. Die Anzahl Fahrzeuge könnte sich dadurch um den Faktor 10 verringern. a Nur 49 % aller Französinnen und Franzosen haben nach eigenen Angaben Zugang zu anderen Mobilitätsangeboten als das eigene Auto. Diese wohnen hauptsächlich in den Städten. a 68 % aller privaten Autofahrten erfolgen laut Auskunft der Nutzer_innen „gezwun- genermaßen“, weil es keine Alternativen gibt a 75 % aller französischen Arbeitskräfte fahren mit dem eigenen Auto zur Arbeit. Lösungen und Herausforderungen Bau der notwendigen Infrastruktur, um sanfte Verkehrsträger und den ÖPNV zum Erfolg zu führen. Entwicklung einer intermodalen, inte- roperablen Mobilitätsinfrastruktur, um klimafreundliche Verkehrsträger optimal nutzen zu können. Aufbau einer Infrastruktur zur Integration der Mobilität in Gebäude und Energieversorgung. Förderung von Elektromobilität durch den Bau einer effizienten und überall ausrei- chend vorhandenen Ladeinfrastruktur, insbesondere in Regionen mit besonders klimafreundlichem Strommix. Implementierung von klimafreundlichen Straßen-/Autobahninfrastrukturen. Förderung von Verfahren zur Optimierung der Verkehrsströme durch neue Technologien (selbstfahrendes Auto usw.). Dabei sind gegenläufige Effekte möglichst zu vermeiden, etwa mehr Fahrten oder Zunahme des Datenvolumens. Erprobung und Weiterentwicklung der Technologie und Implementierung robus- ter technischer Lösungen. Weitere Verringerung des CO2 - Fußabdrucks von Flughäfen, perspektivisch Einführung von Flugzeugen mit niedrigem CO2 -Ausstoß. Nachhaltige Bauverfahren als wesentlicher Hebel der ökologischen Wende Fakten Der Gebäudebestand verursacht 18 % der weltweiten Klimagas-Emissionen und 10 % des Trinkwasserverbrauchs. a In Frankreich verbrauchen Gebäude (Bau und Betrieb) 44 % der Energie und erzeugen jährlich etwa 120 Mio. Tonnen CO2 , ein Viertel des französischen Gesamtausstoßes. a Die Betonherstellung und -verarbeitung verursacht 8 bis 9 % der globalen anthropogenen Klimagasemissionen. Für die Betonherstellung werden über 2,5 % der weltweiten Primärenergienachfrage verbraucht. a 15 Mrd. Tonnen Sand fließen jedes Jahr in die Betonherstellung. a Der Gebäudesektor verursacht in Frankreich pro Jahr 40 Mio. Tonnen Abfall. a 60 bis 70 % der Infrastrukturen im Jahr 2050 sind heute noch nicht gebaut. a Bei einem Niedrigenergiehaus nach den Standards von 2005 entspricht die für den Bau aufgewendete graue Energie dem Energieverbrauch, den das Gebäude in 30 bis 50 Jahren Betrieb verursacht. a In Frankreich gibt es sieben Millionen ungedämmte Gebäude. a Voraussichtlich wird sich der französische Gebäudebestand im Jahr 2050 zu 75 % aus bereits heute existierenden Bauten zusammensetzen. a Pro Jahr werden mehr als 65.000 ha Fläche verbraucht - das entspricht einem Viertel des Saarlandes. N O T L O S T I N T R A N S I T I O N
  • 41. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 39 Lösungen und Herausforderungen Beschleunigung der Markteinführung und massiver Einsatz von klimafreundlicheren Betonen. Systematischer Einsatz von wiederver- wertbaren Baustoffen zur Schonung der begrenzten Ressourcen. Stärkerer Einsatz von Holzbauweisen - Holz ist technisch effizient, wirtschaftlich und bindet Kohlenstoff. Systematisches Recycling von Bauabfällen zur Errichtung neuer Projekte. Systematische Umweltverträglichkeits- analyse für den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden. Verwirklichung der ökologischen Versprechen des Smart Building. ThermischeSanierungdesöffentlichenund privaten Gebäudebestands - dies ist einer der wichtigsten Hebel zur Verringerung des Treibhausgasausstoßes und des Energieverbrauchs. Metropolen, Unternehmen, Bürger_ innen, öffentliche Hand: Mit welchen Stellhebeln kann die ökologische Wende beschleunigt werden? Fakten Heute weiß man, dass kleine, individuelle Gesten und Verhaltensänderungen nicht ausreichen werden, um den landesweiten Energieverbrauch zu senken: Sie stehen nur für etwa 25 % des Reduktionspotentials. a Knapp die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Städten. Diese erzeugen wiederum 80 % des BIP und 70 % des weltweiten Treibhausgasausstoßes. Sie sind gleichzeitig besonders anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels. a In Frankreich stoßen die Städte 67 % der nati- onalen Treibhausgasemissionen aus. a Der Klimawandel verschärft den Wärmeinsel- Effekt in Städten. Der Temperaturunterschied zwischen Stadt und Land kann im Sommer fast 10°C betragen. a In 30 Jahren werden 33 bis 55 % aller Städte unter Wasserstress leiden.
  • 42. 40 Lösungen und Herausforderungen Resiliente Städte, die weniger empfindlich auf Hitzewellen reagieren: mehr Grün, systematische Verwendung kühler oder stark abstrahlender Baustoffe. Infrastrukturen für wassersparende, unempfindlicher auf Wasserstress reagie- rende Städte - insbesondere angesichts von Klimawandel und Bevölkerungsdruck. Anpassungen unter Berücksichtigung der Bodenverhältnisse planen, insbesondere hinsichtlich der Wasseraufnahme. Im Küstenschutz bereits heute den steigenden Meeresspiegel und extreme Wetterereignisse berücksichtigen. Systematischer Einsatz von Tools zum Emissionsmonitoring ganzer Regionen, um geeignete Hebel für die Reduzierung des CO2 -Ausstoßes zu erkennen. Umgestaltungen auch unter dem Aspekt der Naherholungsmöglichkeiten für die BevölkerungunddesGesundheitsschutzes (insbesondere dem Schutz vor Epidemien) planen. Koordination des Zusammenwirkens von öffentlicher Hand, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bei jedem großen Bauvorhaben. Finanzierung der ökologischen Wende auf allen Ebenen: Für einen Green Deal, der den ökologischen Herausforderungen gerecht wird Fakten Die Kosten für den Klimawandel könnten sich um das Jahr 2050 auf jährlich 5 bis 20 % des weltweitenBIPimJahr2005belaufen,während die Stabilisierung der Treibhausgasemissionen nur 1 % des weltweiten BIP (2005) pro Jahr kosten würde. a Würden bis 2035 die Klimaziele verpflichtend umgesetzt, könn- ten der Öl- und Gasbranche 12.000 Mrd. Dollar verloren gehen. a Die ökologische Wende würde 2035 in Frankreich netto etwa 350.000 Arbeitsplätze schaffen, 2050 wären es 900.000. a 2017 haben 191 Regierungen 5.200 Mrd. Dollar aufgebracht, um den Verkaufspreis und die externen Kosten von CO2 -emittierenden Energieträgern zu senken. Das entspricht 6,5 % vom weltweiten BIP. a 10 % der 372 Mrd. Dollar, mit denen fossile Energieträger weltweit direkt subventioniert werden, würden für die Finanzierung der weltweiten ökologischen Wende ausreichen. Derzeit werden nur 100 Mrd. Dollar für grüne Alternativen aufgebracht. a In Frankreich beläuft sich der zusätzliche Investitionsbedarf für den ökologischen Umbau im weitesten Sinne auf 70 bis 100 Mrd. Euro pro Jahr. Das entspricht 2 bis 3 BIP-Punkten. a Die sogenannten „grünen“ Finanzierungen spielen weiterhin eine untergeordnete Rolle: Weniger als 2 % im Investitionsportfolio, unter 2 % des Anleihemarktes. a Wenn wir unsere Verpflichtungen allein durch die Kohlendioxidbesteuerung erreichen wollen, müssen bis 2030 250 € pro Tonne CO2 erho- ben werden. Lösungen und Herausforderungen Direkte und indirekte Beihilfen für mit CO2 -Emissionen verbundene Aktivitäten für klimafreundliche oder klimaneutrale Aktivitäten umwidmen. Große Investitionsprojekte systematisch aufihrenCO2 -Fußabdruckhinuntersuchen. Die Erhöhung des CO2 -Preises und deren Auswirkungen vorbereiten. N O T L O S T I N T R A N S I T I O N
  • 43. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 41 Die ökologische Wende ist not- wendig, weil die Erderwärmung physische Risiken mit sich bringt (Zerstörung oder Beschädigung von Vermögenswerten, Verlust des Zugangs zu bestimmten Ressourcen usw.), aber auch Transitionsrisiken (politische Veränderungen, geänderte gesellschaftliche Normen und individuelle Vorlieben usw.). Wie reagiert die Bau- und Konzessionsbranche darauf? „Angesichtsderökologischen Herausforderungensindwir zuAntizipationundInnovation verpflichtet“ Isabelle Spiegel, Umweltdirektorin, VINCI ISABELLE SPIEGEL Die physischen Risiken haben hauptsächlich mit extremen Klimaereig- nissen zu tun. Ein heftiges Gewitter, eine Überschwemmung, Brände usw. können zu Sachschäden führen und die Termine auf der Baustelle durcheinander bringen. Bei den Konzessionen kann ein Sturm den Verkehr lahmlegen, unsere Mitarbeitenden und Kund:innen gefährden. Diese Risiken gibt es schon, aber die Häufigkeit nimmt zu. Wir müssen antizipieren und überlegen, wie wir die Bauwerke darauf ausrichten. Unter anderem darauf ist unser Ingenieurbüro Isabelle Spiegel und Julien Villalongue: Im Angesicht des Wandels
  • 44. 42 Resallience spezialisiert. Die indirekten Risiken sind genauso bedeutsam und erfordern noch mehr Weitsicht. Eines der Kernthemen besteht dabei in der Vorausplanung des schrittweisen Ausstiegs aus den fossilen Energien. Wir haben eine Studie durchgeführt, Scénarios 2050, und sind dabei davon ausgegangen, dass das Ziel einer Begrenzung der Erderwärmung auf 2°C erreicht wird. Wir haben zwei Hauptwege dorthin untersucht, der eine technologie- orientiert, der andere auf Einsparungen ausgerichtet, und haben ermittelt, welche Auswirkungen sie jeweils auf unsere wichtigs- tenTätigkeitsbereichehaben-einStresstestfür den gesamten VINCI-Konzern also. Welche neuen Weichenstellungen und Chancen eröffnet der zukunftsgerich- tete Blick auf die ökologische Wende? ISABELLE SPIEGEL Unsere Prospektivstudien zeigen eine Fragilisierung bestimmter Bereiche, aber auch Chancen auf. Beispielsweise wird die Stromübertragung, ein Bereich, in dem wir gut vertreten sind, in Zukunft noch bedeutsamer. Im Bauwesen könnte es zu gewissen Beschränkungen für Neubauprojekte kommen, wenn das Thema „Null Nettoflächenverbrauch“ angegangen wird, etwa vom Klimakonvent. Andererseits scheint es so, als ob sich insbesondere die energetische Gebäudesanierung zu einem bedeutenden Zukunftsmarkt entwickelt. Unser Konzern ist zum Glück sehr breit aufgestellt, so dass wir unsere Strategien immer neu austarieren und anpassen, ja sogar komplett neue Geschäftsfelder erschließen können. Unsere PowerRoad-Lösung, bei der ein Wärmepumpen-System in die Fahrbahn eingebaut wird, verschafft beispielsweise einer Mobilitätsdienstleistung einen Zusatznutzen in Form eines Energiedienstes. Wir arbeiten hier mit einer integrierten Vision über den gesamten Lebenszyklus einer Lösung hinweg, um das ökologische Optimum zu erreichen. N O T L O S T I N T R A N S I T I O N Wie sehen die einzelnen Schritte dieser Umgestaltung aus? ISABELLE SPIEGEL Der VINCI-Konzern orientiert sich am Pariser Abkommen; demnach sollen bis 2050 immer mehr Staaten klimaneu- tral werden. Wir haben uns ebenfalls zur Klimaneutralität verpflichtet. Das gilt für unsere „Scopes“ 1 und 2, also unsere direkten Treibhausgasemissionen. Bis 2030 wollen wir als Zwischenziel 40 % weniger Treibhausgase ausstoßen. Dazu haben wir unter anderem ein Umweltreporting mit Energiekennzahlen in allen Geschäftsfeldern umgesetzt. Klimaneutralität ist nur mit Energieeffizienz, dem Ersatz fossiler Energieträger und Ausgleichsmaßnahmen möglich. Wir binden außerdem unsere gesamte Wertschöpfungskette ein und bieten auch unseren Kund:innen und Lieferant:innen klimafreundliche Lösungen an. Führt das zu neuen Geschäftsfeldern und Berufsbildern? JULIEN VILLALONGUE PowerRoad ist hier ein gutes Beispiel. Ganz zu schweigen von neuen Berufen im engeren Sinn. Es entstehen zahl- reiche Verknüpfungen zwischen unterschied- lichen Kompetenzbereichen, Energie- und Infrastrukturbranche nähern sich einander an, allein schon deshalb, weil sich in vielen unserer Geschäftsfelder die Elektrifizierung auf dem Vormarsch befindet. Ich glaube außerdem, dass unser Intrapreneur-Ansatz besonders geeignet ist, neue Lösungen für Probleme der ökologischen Wende zu entwickeln. Ein Großteil der von Leonard begleiteten Projektträger:innen befasst sich von Anfang an mit solchen Fragen. Sie erfin- den ihre eigene Rolle neu und erschaffen so auch neue Berufsbilder.
  • 45. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 43 ISABELLE SPIEGEL Die ökologische Wende erfordert zudem ganz neue Kompetenzen, etwa die Erstellung einer CO2 -Bilanz, damit wir einen Überblick über unser Geschäft bekommen und dieses Verständnis auch auf andere Tätigkeitsbereiche übertragen können. JULIEN VILLALONGUE Das gilt übrigens auch für das Thema Biodiversität, mit dem sich immer mehr operative Teams befassen - etwa im Rahmen der Renaturierung von Flächen und Wiederherstellung von Ökosystemen. Wir stre- benbeiunserenProjekteneineGesamtleistung an: Das heißt, dass wir sie nicht nur anhand von wirtschaftlichen Kennzahlen bewerten, sondern auch anhand ökologischer und sozi- aler Indikatoren. Das ist nicht neu, rückt aber immer stärker in den Mittelpunkt. Wie wirken sich diese ökologischen Herausforderungen auf die Unternehmensführung aus? ISABELLESPIEGEL DieVINCI-Unternehmenseinheiten sind dezentral organisiert. Dennoch ist es ihre Aufgabe, die vom Konzern ange- strebte Gesamtleistung zu erreichen. Die VINCI-Strategie wird demnach über das Management umgesetzt. Ökologie ist kein Parallelthema, sondern wird unmittelbar von den Führungskräften getragen. JULIEN VILLALONGUE Früher beschäftigten sich aus- schließlichFachabteilungenmitUmweltfragen. Das hat sich geändert. Heute ist Umweltschutz ein Managementthema - bei Projekten, auf Baustellen, in Unternehmen. Unser Umwelttag wurde übrigens von den Vorständen der jeweiligen VINCI-Sparten eröffnet und an die Prioritäten der Geschäftsfelder angepasst. Wie kann VINCI auf das System einwirken, um die ökologische Wende zu fördern? JULIEN VILLALONGUE Die allgemeine Marschrichtung der ökologischen Umgestaltung wird zunächst von der Politik festgelegt: Pariser Abkommen, französische Strategie zur Klimaneutralität, europäischer Green Deal, RE2020. Im Rahmen dieser Vorgaben bewegen wir uns. Das muss übrigensauchsosein,dennwirbrauchenlang- fristige Planbarkeit, zumal unser Auftraggeber häufig die öffentliche Hand ist. ISABELLE SPIEGEL Nur dank dieser Planbarkeit können wir Risiken eingehen und Geschäfts- modelle entwickeln, die diese ökologischen Forderungen erfüllen. Außerdem wirken wir in diesem Rahmen auch auf unsere Partner_ innen ein, denn die Herausforderungen der ökologischen Wende sind alleine nicht zu bewältigen. Wir betrachten immer den gesamten Lebenszyklus und stützen uns deshalb zusätzlich auf die Kompetenzen von Forschung und Lehre, Ehrenamtlichen usw. JULIEN VILLALONGUE Glücklicherweise können wir auf unsere Partnerschaft mit dem französi- schen Hochschulnetz ParisTech zählen, mit dem wir im Umweltforschungslabor „Lab recherche environnement“ zusammenarbei- ten. Ein weiteres Beispiel: VINCI ist Partner des Pariser Naturkundemuseums, gemeinsam beschäftigen wir uns mit dem Management der Artenvielfalt in Steinbrüchen, Kieswerken und bei Infrastrukturprojekten. Außerdem können wir dank unserer Intrapreneur- Programme rasch innovative Lösungen ent- wickeln und uns in der jeweils erforderlichen Geschwindigkeit anpassen - Gründer- und Beschleunigungsprogramme sind in dieser Phase des tiefgreifenden Wandels von über- ragender Bedeutung.
  • 46. 44 L E O N A R D : N E U E W E G E G E H E N Leonard:Neue Wegegehen „StädteverfügenüberbedeutendeStellhebelzurUmsetzungder ökologischenWende,unddieStadtParishatsichehrgeizigeZiele gesetzt,umbis2050klimaneutralzusein.DiesedreiSzenariendienen alsDiskussionsgrundlage,wennesumdieZukunftderMetropole unddieKooperationengeht,diezumErreichenderKlimaneutralität erforderlichsind“ Vincent Baril, Vorstandsvorsitzender Shell France Szenario1 ENTWICKLUNG DURCH GRÜNE TECHNOLOGIEN Die Wirtschaft nutzt sämtliche technischen Lösungen zur Verwirklichung der ökologischen Wende, es werden neue Unternehmen in diesem Bereich gegründet. So kann Frankreich auf ökologische Zwänge reagieren und gleichzeitig seine Wirtschaftskraft erhalten. Eine koordinierte Regierungspolitik beschleunigt die Energiewende und schafft damit die Voraussetzungen für Klimaneutralität aller Regionen im Jahr 2050. Szenario2 MISSTRAUEN UND UNTÄTIGKEIT Die Regierung legt ihr Hauptaugenmerk auf die Bekämpfung von Sozial- und Wirtschaftskrisen, der Klimawandel gerät in den Hintergrund. Die Bevölkerung, die den Klimakapriolen am stärksten ausgesetzt ist, wird aktiv und fordert Initiativen zur Gleichbehandlung und zum Kampf gegen den Klimawandel. Die Bürgerinnen und Bürger werden zum Motor der ökologischen Wende. Szenario3 NEUE WEGE Eine enge Zusammenarbeit zwischen Politik und der Zivilgesellschaft vor Ort sorgt dafür, dass die Belange der lokalen Bevölkerung in Bezug auf Wohlergehen und Klimawandel stärker berücksichtigt werden. Dieses Konzept wird zum wichtigsten Schrittmacher beim Übergang zu einem klimaneutralen Paris. Klimaneutrales Paris: Drei Szenarien für eine Metropole im Wandel
  • 47. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 45 2020kameszurglobalenGesundheitskrise. Viele Stimmen wiesen damals darauf hin, dass es bereits im Vorfeld zahlreiche Warnungen vor einer großen Pandemie gegeben habe; dennoch seien die Welt und ihre Städte in sehr unterschiedlichem Maße darauf vorbereitet. So gesehen könnte die Coronapandemie nur die erste in einer Reihe von Krisen sein, verursacht durch Erderwärmung, Artensterben und wachsende soziale und wirtschaftliche Ungleichheit. Sie „DieimPariserKlimaaktionsplanfestgelegtenZielekönnennur erreichtwerden,wennalleaneinemStrangziehen.Deshalbhaben wirgemeinsammitShellundderOECDdieInitiativeergriffenund mitzahlreichenBeteiligtendiesedreiSzenarienzurErreichungeiner klimaneutralenHauptstadtundMetropoleerarbeitet“ Isabelle Lambert, Leiterin Prospektivstudien bei Leonard erinnert uns an die lebenswichtige Bedeutung guter Vorbereitung und Vorausplanung. Die in Partnerschaft zwischen Shell und Leonard durchgeführte Prospektivstudie zielte auf die Erarbeitung von Übergangsszenarien ab, mit denen die Stadt und der Großraum Paris bis 2050 klimaneutral werden können. In einem Workshop kamen 45 Fachleute aus 30 Institutionen zusammen - Pariser Stadtverwaltung, Region Ile-de-France, Umweltministerium, OECD, Internationale Energieagentur, Forschende von der Sorbonne und aus Stanford sowie einige der größten französischen Unternehmen. Dabei wurden gemeinsam pluralistische Zukunftsvisionen für die Pariser Metropole erarbeitet. Ein Ergebnis ist der Bericht „Metropole Paris: Klimaneutralität bis 2050“, der drei Szenarien zur Erreichung dieses Ziels aufzeigt. Die meisten Fachleute, die auf Einladung von Leonard, Shell und der OECD zusam- mengekommen waren, wiesen darauf hin, dass die sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten und die Komplexität der politischen Governance - von der nationa- len bis hin zur lokalen Ebene - die größten Unsicherheitsfaktoren auf dem Weg zur Klimaneutralität seien. Auf Grundlage dieser beiden Schwerpunkte wurden die Zukunftsszenarien erarbeitet.
  • 48. 46 S T U D I E N , D A T E N S A M M L U N G E N , T R E N D A N A LY S E N : D I E Z U K U N F T U N T E R D E R L U P E „Revolutionäre Trends und neue Formen der Arbeit“ Eine genaue Analyse und eine reich- haltige Bibliographie beschäftigen sich mit dem Wandel der Arbeitswelt Die Einführung und massive Verbreitung der neuen Informations- und Kommunikations- technologien führen zu einem tiefgreifenden Wandel bei der Organisation und sogar der Art der Arbeit. Diese Entwicklung geht mit neuen Erwartungen der Kund:innen und Mitarbeitenden einher, die anspruchsvoller werden und sich stärker engagieren. In dieser Veröffentlichung sind eine Reihe von Analysen zu strukturgebenden Themen der Arbeit von morgen enthalten: Raummanagement, Flex Office; Plattformisierung und Multijobber; neue Technologien; Leaning Company; neue Ziele; Soft Skills. Studien,Daten, Trendanalysen:Die ZukunftunterderLupe ImvergangenenJahrhatLeonardVertreter_innenunterschiedlichster Bereiche(Forschende,Institutionen,operativVerantwortlichevonVINCI, Unternehmer:innenusw.)darumgebeten,ZukunftsvisionenfürStädte undRegionenzuentwickeln.HiereineÜbersicht. Arbeitvonmorgen In diesen beiden Kompendien findet sich ein Ausblick auf die großen Veränderungen in der Arbeitswelt. „Zukunft der Arbeit - nicht alle Szenarien sind wünschenswert“ Fest auf beiden Beinen stehen, Überblick und Weitblick behalten Die VINCI-Mitarbeitenden teilen ihre Vision, ihre Überzeugungen und auch ihre Befürchtungen hinsichtlich der Zukunft der Arbeit.EinFachgremiumausunterschiedlichs- ten Unternehmen und Branchen beschäftigt sich mit der Entwicklung von Szenarien zu neuen Arbeitsformen im Jahr 2040.
  • 49. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 47 KI „Künstliche Intelligenz, Herausforderungen und Anwendungen - die KI im Dienste der Branchen und Geschäftsfelder von VINCI“ Eine genaue Analyse der Möglichkeiten und Akteur_innen der KI sowie ihrer Herausforderungen für die Baubranche Seit 2018 lotet Leonard die Auswirkungen der KI auf die Branchen und das Geschäft von VINCI aus. Die Zukunftsforschungsgruppe KI hat das Potential der künstlichen Intelligenz für die Tätigkeiten des Konzerns und die für ihre Entwicklung und Nutzung erforderlichen Mittel untersucht. KIimStraßenbau „KI-Anwendungen für Straßeninfrastrukturen und voraus- schauende Erhaltung“ Ein konkreter Überblick über KI-Anwendungen im Straßenwesen In Zusammenarbeit mit dem Cerema (französisches Studienzentrum für Fragen der Umwelt, Mobilität und Raumordnung) und zur zielgenauen Investitionsplanung des Umweltministeriums war Leonard an einem Bericht über KI-Anwendungen für Straßeninfrastrukturen, vorausschauende Erhaltung und Betrieb beteiligt. Darin wer- den der FuE-Bedarf sowie die künftigen AnwendungsmöglichkeitendieserTechnologie beleuchtet. StädteVideospiele „Städte und Videospiele: Wie imaginäre Welten die Realität verändern könnten“ Tauchen Sie ein in eine Welt zwischen Realität und Traum, erleben Sie Wissenschaft als Inspirationsquelle Könnten die imaginären Städte in Videospielen als Vorlagen für die Stadt von morgen dienen? Nach einem Gespräch mit Raphaël Lacoste, dem Art Director der berühmten Assassin's Creed-Reihe von Ubisoft, hat Leonard eine exklusive Studie über urbane Traumwelten in Videospielen veröffentlicht. Die Leitung hatte Audencia-Professor Nicolas Minvielle. NachCorona „Erarbeitung kollektiver Szenarien für die Welt nach der Pandemie“ Ein wichtiger Kompass, um sicher durch die coronabedingten Krisen zu kommen Welche langfristigen Veränderungen wird die Pandemie in europäischen Städten und bei ihren Infrastrukturen auslösen? Im Juni 2020 fanden vier Workshops statt, bei dennen sich Institutionen, Firmen, Forschungszentren und Think Tanks, VINCI-Unternehmen u.a. über die von Corona ausgelösten Veränderungen und Trends, deren Auswirkungen und ihre Eintrittswahrscheinlichkeit austauschten. Sie ermittelten 350 Faktoren, sieben Megatrends und vier Zukunftsszenarien.
  • 50. 48 K L I M A R E S I L I E N Z : A R C H I T E K T O N I S C H E V I S I O N E N „ DieseProjektewurdenvondenVINCI-Teamsgemeinsammit weiterenPartner:innenentwickeltundbrachteninspirierende Ergebnisse.FürdieZukunftsindähnlicheVeranstaltungen geplant.DurchdieseArtderZusammenarbeitsollenneue Angeboteentwickeltwerden,dieinsbesonderedieaktuellen HerausforderungenimUmweltbereichberücksichtigen.” Étienne Bourdais, Innovative Angebote und Projekte, Leonard. Klimaresilienz: Architektonische Visionen Leonard hat Architekt:innen, Stadtplaner:innen und Bauherr:innen eingeladen, um gemeinsam mit VINCI-Mitarbeitenden über das Thema Klimaresilienz nachzudenken. Vier Projekte wurden entwickelt, um die Mitarbeitenden zu inspirieren und einen neuen Planungsprozess zu testen, der drei Herausforderungen gerecht wird: Anpassung der Projekte an die Auswirkungen des Klimawandels, Absenkung der Treibhausgasemissionen, Nutzung der Digitalisierung zum Schutz der Umwelt.
  • 51. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 49 JedesdieserProjekteliefertvisionäre AntwortenaufeinespezifischeFrageundfür einenbestimmtenAnwendungsfall. Wie kann eine Strategie entwickelt werden, mit der sich Küstengebiete an Klimaschwankungen anpassen lassen? Implementierung eines dynamischen Szenarios in 4 Sequenzen (Flexibilisierung des gesetzlichen Rahmens und Landreserven; Anreize, Ausgleichs- und Verbesserungsmaßnahmen; aktive Umsiedlung; neue Nutzungsmöglichkeiten) Virginie LEROY, stellvertretende Generaldirektorin für Städtebau und urbane Großprojekte, VINCI Immobilier Nicolas PERSYN, Städtebauer, Mitgründer der Agence Concorde © Agence Concorde
  • 52. 50 Welche technischen Lösungen gibt es für ein Hotel direkt am Meer? Untersuchung der Klimaanfälligkeit eines Tourismuszentrums auf der Insel Mauritius; Strukturen aus biobasierten Baustoffen, Nutzung des Bestands, Anpassung und Resilienz gegenüber heftigen Winden und Überschwemmungen Bertrand XAVIER – Leiter Entwicklung Hotels und Prestigebauten, VINCI Construction Grands Projets Laurent ROSSET – Stellvertretender Generaldirektor für Strategie und Innovation, AIA Life Designers Stéphanie ALLARD – Assoziierte Architektin, AIA Life Designers K L I M A R E S I L I E N Z : A R C H I T E K T O N I S C H E V I S I O N E N © AIA Life designers
  • 53. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 51 Wie werden Seniorenwohnanlagen angesichts des Klimawandels zu resilienten Innovationsmodellen? 3D-Fertigmodule in Holzbauweise, bioklimatische Gebäudehülle, natürli- che Lüftung, Berücksichtigung von Mobilitätseinschränkungen, auf ältere Menschen abgestimmtes Design Diego HARARI – Leiter Innovation und Nachhaltigkeit, VINCI Immobilier Dimitri ROUSSEL – Architekt, Gründer von DREAM Architectes Florian DUPONT – Mitbegründer von ZEFCO, dem Atelier für die Stadt im Wandel Welche operative Lösung gibt es, um rasch Flughafenkapazitäten zu schaffen? Modulare, rückbaubare, transportable, adap- tierbare Lösung für eine Flughafenerweiterung Éric DELOBEL – Technischer Leiter, VINCI Airports Clément BLANCHET – Architekt und Städtebauer, Gründer von Clément Blanchet Architecture © RSI Studio © RSI Studio
  • 54. 52 B U I L D I N G B E Y O N D Auch in diesem Jahr konnte Leonard bekannte Persönlichkeiten für Vorträge über die Städte und Regionen von morgen gewinnen. Aufgrund der geltenden Hygienevorschriften haben wir die dritte Ausgabe des Building Beyond-Festivals vom 21.09. bis 02.10.2020 in den Räumlichkeiten von Leonard als Hybridveranstaltung ausgerichtet. Jeder Vortrag wurde parallel online übertragen. BuildingBeyond “30Minuten fürmorgen“:eine CommunityvollerIdeen Über150Vortragendeund5.000 Teilnehmendebeieinemgroßen,von LeonardorganisiertenVorlesungszyklus
  • 55. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 53 43Vorträge überdieWelt nachCorona Während des ersten frankreichweiten Lockdowns haben die TeamsvonLeonardgemeinsammitderFabriquedelaCité,dem Umweltlabor „Lab Recherche Environnement VINCI ParisTech“ und der VINCI-Stiftung „Fondation VINCI pour la Cité“ unter dem Titel „30 Minuten für morgen“ eine Vortragsreihe mit 43 Referaten ins Leben gerufen. In einer Zeit mit vielen Ungewissheiten trugen diese täglichen Live-Veranstaltungen dazu bei, die Vertreter:innen von Baubranche und öffentlicher Hand für einen Moment aus den Zwängen der Hygiene- und Abstandsregelnzu befreien, umüberdiekurz-undlangfristigen Folgen der Krise nachzudenken und daraus Lehren für die Welt von morgen zu ziehen. Die Mitschnitte wurden nach 5 Grundthemen geordnet ins Netz gestellt und bieten einen facettenreichen, inspirierenden Blick in die Zukunft.
  • 56. 54 DieZukunft vorbereiten Revolution auf dem Wohnungsmarkt? Klimaneutralität und Mobilitätsfinanzierung: zwei Seiten einer Medaille Wie kann die weltweite Umstellung auf Wind-, Wasser- und Sonnenenergie gelingen? Können Städte für Gesundheit sorgen? Arbeit in der Welt danach Bewältigung der Gesundheitskrise in asiatischen Metropolen Homeoffice und Lockdown sind nicht dasselbe War Corona der Todesstoß für die Smart City? Sorgen selbstfahrende Autos für weniger soziale Distanzierung? Städtische Resilienz im Angesicht der Coronakrise Abstandsregeln in der Stadt: Wie geht das? Öffentlicher Raum: Mittel und Gegenmittel zum Lockdown? Zukunftsforschung zur Vorbereitung auf Unvorhersehbares Mobilität:smart und nachhaltig zugleich DergroßeWandel Stadtviertel neu denken und auf eine nachhaltige Mobilität zuschneiden Stehen Städte und Regionen im Zentrum eines Aufschwungs, der den Klimawandel bremsen kann? Welche Lehren ziehen wir im Kampf gegen den Klimawandel aus der Krise? Sorgt die Pandemie für einen nachhalti- geren Lebensstil? Hitzewellen in der Stadt: Wie entstehen städtische Wärmeinseln und wie kann man sie bekämpfen? Erschwingliche Nullenergiegebäude Herausforderung nachhaltige Gebäude CleanTech und Bau: Technik rettet Klima Dachgärten für resilientere Städte B U I L D I N G B E Y O N D
  • 57. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 55 Unternehmenmit Zusatznutzen Wie reagieren soziale Joint-Ventures auf die derzeitige Krise? Die neuen Armen der Gesundheitskrise Mit VINCI Solidarity können sich Mitarbeitende leichter sozial engagieren Reiseberichte aus Aufnahmeländern La Cloche: Kampf gegen Ausgrenzung Stadtlandschaften bewohnen Unternehmen für junge Menschen auf dem Land und am Stadtrand Schütze Deine Pflegekraft: Technikfans helfen medizinischem Personal beim Kampf gegen Corona Bildung und Betreuung von Jugendlichen während des Lockdowns ReiseninsDigitale Innovationen in der Bauwirtschaft während und nach der Krise Smart city: Standardquarantäne für Neubürger:innen? KI in der Architektur: Geht das? Wenn Digitalisierung für verstopfte Straßen sorgt KI-Anwendungen für Städte und Regionen in der ganzen Welt Toronto, von der „Metropole wider Willen“ zur „Google City“ Blicküberden Tellerrand Kunst und Fiktion die Zukunft der Mobilität ausloten Natur in der Stadt - ein „gefährliches Versprechen“? Systemische Bearbeitung der Umweltfrage: Was bedeutet städtischer Metabolismus? Ein weites Feld der Möglichkeiten Videospiele als Innovationsquelle für die Stadt? Im Universum der Referent:innen
  • 58. 56 THINK TANKS START-UPS INSTITUTIONEN SOZIAL- UND SOLIDARWIRTSCHAFT MEDIEN GEBIETSKÖRPER- SCHAFTEN DRITTE ORTE INVESTOR_INNEN FACH- VERBÄNDE VEREINE AusallenBereichen... B U I L D I N G B E Y O N D BERATUNGSFIRMEN FORSCHUNGS- EINRICHTUNGEN UNTERNEHMEN 19 % 8 % 6 % 6 % 4 % 3 % 1 % 4 % 11 % 11 % 8 % 17 % 16 %
  • 59. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 57 Agence TER • Agripolis • Agro ParisTech • AI for Tomorrow • Air Liquide • ANDES les épiceries solidaires • Nationalversammlung • Association Aurore • Association Chemins d’avenirs • Association P.I.A.F. Images • ATEC ITS France • Ateliers Médicis • AutoDesk • Blackhorn Ventures • Bluedigo • Brick Mortar ventures • Campus de l’inclusion • Carenews • CEA-LITEN • Cirad • Climatico • Constru.ai • Constructys • Converge.io • CSTB • DB Schenker • DREAM • École des Ponts-ParisTech • EU COM (URBACT, UIA, EU Urban Agenda) • Euroméditerranée • Eurovia • EY Consulting • Fabrique des mobilités • Fédération des Usagers de la Bicyclette (FUB) • Fing • Fondation AIA • Fondation VINCI pour la Cité • France Logistique • France Stratégie • Gares Connexions • Good Tech Lab • Ground Control • Groupe Caisse des Dépôts • Groupe VITAMINE T • Hameaux Légers • IbiCity • Iddri • IDInvest • Iffstar • INES • INRS • Institut Montaigne • Institut Paris Région • Institut Pasteur • IRD • JobIRL • kheoos • L’Obs • La Cloche • La Fabrique de la Cité • La Ressourcerie du BTP • La route recyclée (Eurovia) • lab recherche environnement • LATTS • Le Moniteur • LEPAC (Laboratoire d’Études Prospectives et d’Analyses Cartographiques) • Making Tomorrow • Metabolism of Cities • Michelin • Mines ParisTech • Mission Agriculture Urbaine, Ville de Paris • Modulous • Morning • Muséum National d’Histoire Naturelle • Neuilly-sur-Seine • NWOW • OMS • Paradigmes et caetera • PCA Stream • Plaine Commune • Projet Résilience • PROPASSIF • RATP • Resallience • SafeAI.ai • Sciences Po • Singa • SOGARIS • Spacemaker AI • Standford Univeristy • SunMind • Sustainable Food Places • Terra Nova • The Boson Project • The Hugo Observatory • The Shift Project • Total • Transdev • Transition Network • Université de la Pluralité • Université Paris-Dauphine, Climate Economics Chair • Upside Partners • Urbalia • Users Matter • Utopies • VINCI • VINCI Autoroutes • VINCI Construction • VINCI Facilities • VINCI Immobilier • VINCI Insertion Emploi • Vivre et travailler autrement • Voyage Control • Vraiment Vraiment • WasteMarketplace • Yes We Camp ...habensiegemeinsammitunsindie Zukunftgeblickt.
  • 60. R Ü C K B L E N D E A U F 2 0 2 0 58
  • 61. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 59 Analysen 3 I llustration: Jan Siemen Das ganze Jahr über dokumentieren die Website und der Newsletter von Leonard die Veränderungen in der Berufswelt von Städten und Regionen. Mobilität, biologische Vielfalt, Arbeit von morgen, Clean Tech und Klimaresilienz: Ein Rückblick auf fünf Themen mit Zukunft.
  • 62. 60 1 1 W Ö R T E R F Ü R D I E Z U K U N F T TAKTISCHER STÄDTEBAU Dieser Begriff aus der Alltagsgeographie setzte sich im Frühjahr 2020 durch, als man in Städten, an Stränden und in Dörfern neue Arten und Weisen erfinden musste, um sich unter Einhaltung der sich immer wieder ändernden Hygienebestimmungen im öffent- lichen Raum zu bewegen und ihn miteinander zu teilen. Die frappierendste Form dieses taktischen Städtebaus waren im Alltag sicher- lich die „Pop-up-Radwege“, die von vielen Großstädten kurzfristig eingerichtet wurden. Sehr schnell wurden sie mittels Straßenfarbe, Kunststoffpollern und Beton-Trennwänden im städtischen Gefüge etabliert. Werden diese provisorischen Radwege unseren Städten dauerhaft erhalten bleiben? Der Erfolg war jedenfalls ebenso groß wie die gähnende Leere in den öffentlichen Verkehrsmitteln während der Coronakrise. In Paris ist die Pandemie eine natürliche Verbündete beim Zurückdrängen des Autoverkehrs: Die vorüber- gehende Ausweitung der Außengastronomie in der französischen Hauptstadt schien wie ein Vorbote der angekündigten Abschaffung jedes zweiten Parkplatzes am Straßenrand. Neben diesen Umgestaltungen in Krisenzeiten beschäftigt sich der taktische Städtebau jedoch auch mit längerfristigen Perspektiven: Etwa die einer „Architektur ohne Architektur“, wie man sie gleichermaßen bei temporären Nutzungen als auch bei Festivals sieht und die Metropolen als Richtschnur bei vorübergehen- den Umgestaltungen für Großereignisse dient. Die Erfahrungen aus den Pop-up-Radwegen könnten beispielsweise die Umgestaltungen im Vorfeld der Olympischen Spiele 2024 in Paris leiten. Der taktische Städtebau trägt allgemein dazu bei, dass die Stadtentwicklung ins Zeitalter des „TestandLearn“ eintritt, ein guter Ansatz, um die Resilienz des städtischen Raums zu fördern. 11Wörterausder
  • 63. 2 0 2 0 - E I N E W E LT Z U M U N T E R N E H M E N - 2 0 2 1 - P R O J E K T E U N D H O R I Z O N T E 61 ZOOM TOWNS In früheren Zeiten gab es so genannte „Boom Towns“, die in manchen Regionen mit schnell wachsender Industrie von heute auf morgen aus dem Boden wuch- sen. In den USA entstand 2020 ein neues Phänomen: die „Zoom Towns“. Städte, die ganz auf Homeoffice eingestellt sind und deren Bürgerinnen und Bürger täglich Zoom oder andere Videokonferenzanwendungen nutzen. Für zahlreiche Menschen, die haupt- sächlich Telearbeit machen (im Oktober 2020 gaben ein Drittel der amerikanischen Arbeitnehmer:innen an, im Homeoffice zu arbeiten), wurden diese Sekundärstädte zu einem ganz natürlichen Wohnort, an dem es sichgutlebenlässt.ForschendederUniversität von Utah haben etwa 1.500 „Gateway-Städte“ im amerikanischen Westen identifiziert, die zwar gut an die großen Ballungsräume angebunden sind, aber nicht weit von Naherholungsgebieten (Seen, Parks, Wäldern) liegen, überdies mehr Platz, niedrigere Mieten und die meisten Annehmlichkeiten bieten, welche die Neubürger:innen im Homeoffice erwarten. Ein Trend mit Folgen: Kanalnetze, Straßen, Geschäfte, Daseinsvorsorge müssen dem wachsenden Bedarf angepasst werden. So dienen Zoom Towns in den USA und anderswo als richtiggehende Raumplanungslabors. H i e r z e i g e n s i c h möglicherweise neue Gleichgewichte zwischen Stadt und Land. Zukunft NULL NETTO-FLÄCHENVERBRAUCH In Frankreich nimmt der Flächenverbrauch weiterzuundkönntesichbis2030auf280.000 Hektar belaufen - das entspricht der Fläche von Luxemburg. Verlust von Anbauflächen, Bedrohung der biologischen Vielfalt, Verlust von Umweltleistungen, Zerstörung von Grünflächen, die zu Klimaresilienz und Lebensqualität beitragen...Die negativen Auswirkungen werden immer spürbarer. Deshalb legte die französische Regierung 2018 in ihrem Biodiversitätsplan das Ziel Null Netto-Flächenverbrauch bis 2050 fest. 2020 wurde dieses Ziel vom Bürgerkonvent für Klimaschutz bestätigt und in die Liste der 149 Vorschläge aufgenommen: „Kampf gegen Flächenverbrauch und Zersiedelung durch attraktivere Lebensbedingungen in Städten undDörfern.“ WiekannvordiesemHintergrund die Raumplanung und -ordnung gestaltet wer- den? Eine genaue Definition der Inhalte dieses Ziels und die Übernahme in landesweite und örtliche Planungs- und Bauvorschriften stehen bisher aus - gemeint ist jedoch der Verbrauch von offenen Bodenflächen, auf dem Land wie in der Stadt.
  • 64. 62 WASSERSTOFF Die Entwicklung der Wasserstoffnutzung hat sich 2020 stark beschleunigt. Die französi- sche Regierung kündigte an, die Branche in den nächsten 10 Jahren mit sieben Mrd. Euro zu fördern; davon drei Mrd. bis 2023. 54 % dieser Mittel fließen in eine klimafreundli- chere Industrie, 27 % in Mobilitätslösungen, 19 % in die Forschung. Deutschland will neun Mrd. in die Wasserstofftechnologie investieren. Vorrang hat „grüner“ Wasserstoff aus erneuerbaren Energien oder Kernkraft. In der Theorie ist Wasserstoff eine ideale Ergänzung zu Sonnen- und Windenergie, zwei unsteten Energiequellen: Er kann mit überschüssigem Strom hergestellt, in flüssiger Form zwischengespeichert und in Brennstoffzellen wieder zu Strom umgewan- delt werden. Sinnvoll ist diese Technik vor allem in großen, schweren Verkehrsmitteln: Züge, Lkw, Schiffe, vielleicht gar Flugzeuge. Längst sind noch nicht alle Hindernisse beseitigt: Erhöhung des Wirkungsgrades der Umwandlungsvorgänge, Senkung der Kosten von Brennstoffzellen, Entwicklung einer neuen Industriebranche zur langfristi- gen Lagerung großer Mengen. DIGITALE SOUVERÄNITÄT Corona hat die Digitalisierung der Wirtschaft beschleunigt und wirkt sich - Stichwort Homeoffice - bis in die Wohnungen der Mitarbeitenden aus. Dabei hat sich gezeigt: Die Infrastrukturen von Kommunen und Unternehmen, selbst unser normaler Alltag, sindvongroßenBetreibernwieGoogle,Amazon und Microsoft abhängig. Schließlich werden immer mehr Softwaredienste in öffentliche oder private Clouds ausgelagert. Gleichzeitig zeigte der Beginn des 5G-Netzausbaus die Abhängigkeit von den Hardwareherstellern, wobei China zu den Hauptlieferanten dieser hochmodernen Netzkomponenten zählt. Deshalb ergreifen sowohl die Europäische Union als auch ihre Mitgliedstaaten zuneh- mend Maßnahmen, um ihre Souveränität in der digitalen Welt wiederherzustellen und zu sichern. In den USA bemüht sich die Politik, die Allmacht von Konzernen wie Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft durch schärfere Kartellregeln zu beschneiden. Eine europäische Cloud namens Gaia-X ist in Vorbereitung. Der europäische Binnenmarkt- Kommissar, Thierry Breton, hat sich die Rückeroberung der digitalen Souveränität auf die Fahnen geschrieben. Der Schutz personenbezo- gener, medizinischer und gewerblicher Daten steht im Mittelpunkt von bereits recht weit gediehenen tran- satlantischen Verhandlungen. Zwei neue, im Dezember vorgelegte europäische Rechtstexte, der Digital Services Act (DSA) und der Digital Market Act (DMA), sol- len der Macht großer privater Anbieter Einhalt gebieten. 1 1 W Ö R T E R F Ü R D I E Z U K U N F T