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Podium Schule 1.11 - Thema Individuelle Förderung

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Podium Schule 1.11 - Thema Individuelle Förderung

  1. 1. PodiumSchule 1.11 Heterogenität als Herausforderung für Schule und Unterricht Was „individuelle Förderung“ in der Unterrichtspraxis bedeutet und wie sich Schulen – trotz schwieriger Rahmenbedingungen – auf den Weg machen können Individuelle Förderung ist ein Konzept, an nämlich um die Ziele geht, die jeder für sich bisher mehrheitlich und traditionell davon werden somit entsprechend ihres Lernstands das wir hohe Erwartungen haben. Wie nichts mit der individuellen Förderung verknüpft. aus, dass junge Menschen sich an Schule gefördert – es ist nicht nur der zu erreichende anderes soll sie die Qualität von Unterricht Dann ist „Individuelle Förderung statt Sitzen- anpassen müssen. Nehmen wir individuelle Standard im Blick, sondern immer mehr der und Schule verbessern. Fast schon könnte bleiben“ ebenso populär wie „Individuelle Förderung aber wirklich ernst, dann müssen Lernfortschritt jedes einzelnen Schülers. Ein man meinen, sie sei eine Art Allheilmittel mit Förderung statt Einheitsschule“. An den Begriff sich Schulen viel stärker an die anpassen, für Sitzenbleiben oder Abschulen auf niedrigere dem Potenzial, jeglichen Missstand und jedes selbst knüpfen sich also durchaus unterschied- die sie auch gemacht sind: eben die Schülerin- Schulformen gibt es nicht mehr. Problem zu kurieren. Schauen wir auf die liche Erwartungen, Ziele und Konzepte. nen und Schüler. Ein solcher Schritt ist radi- Individuelle Förderung als offener Begriff Kinder und Jugendlichen, dann soll sie es bietet aber nicht nur Chancen. Eine der Gefah- schaffen, dass jeder Einzelne besser lernen ren besteht darin, dass individuelle Förderung und seine Talente entfalten kann. Blicken wir … dann müssen sich Schulen viel stärker Widerstand erzeugt. Und zwar dadurch, dass auf Schule als Ganzes, dann soll sie diese die Erwartungen, die mit ihr verknüpft sind, leistungsstärker machen, gerechter und auch an die anpassen, für die sie auch gemacht sind: stetig steigen, während inhaltlich diffus bleibt, menschlicher. Kurzum: Sie soll all das lösen, wie individuelle Förderung in der Praxis was bisher nicht gelöst werden konnte. Und eben die Schülerinnen und Schüler. überhaupt umzusetzen ist. Hier schnappt die die Last für ihr Gelingen liegt auf den Schul- Komplexitätsfalle zu (vgl. Wischer/Trautmann tern der Lehrer. 2010). Individuelle Förderung als tägliche Landauf, landab und egal welcher politi- Diese begriffliche Offenheit bietet Chancen. kal. In letzter Konsequenz bedeutet er näm- normative Forderung setzt Lehrkräfte unter schen Couleur, überall hört man die Forderung Sie führt dazu, dass wir unseren Blick in lich, dass Heterogenität in den Klassen als Druck. So scheint es kaum leistbar, dass ein nach individueller Förderung. Nicht gerade jedem Fall stärker auf das einzelne Kind und völlig selbstverständlich angenommen wird. Lehrer den persönlichen Entwicklungsstand eine Selbstverständlichkeit, führt man sich die den einzelnen Jugendlichen richten – wie Im Unterricht hieße dies dann, dass Schü- von 30 einzelnen Schülern feststellt, doku- vielen Kontroversen vor Augen, mit der die auch immer unsere Motivation ist. Für Schule ler mit Stärken in einem spezifischen Bereich mentiert und dann auch noch 30 darauf auf- Bildungspolitik von Bund und Ländern behaf- und Bildungspolitik bedeutet dies einen ech- ebenso gefördert werden wie Schüler mit bauende Lernangebote entwickelt. Wobei diese tet ist. Und doch gibt es Differenzen. Wenn es ten Perspektivenwechsel. Gehen wir doch Schwächen in diesem Bereich. Alle Schüler Lernangebote natürlich auf individuelle Ziele
  2. 2. 2 | PodiumSchule 1.11 ausgerichtet sind und entsprechend der indivi- duellen Motivation noch eine Auswahl unter- darauf aufbauend sechs zentrale Aspekte erkennen, die individuelle Förderung fassbar Will Schule ihre Schüler individuell fördern und schiedlicher Aufgabentypen enthalten sollen. Ein solcher Anspruch ist überfordernd. Damit machen, die ihr als Konzept Gestalt geben und die sie letztlich zum Erfolg führen: fordern, gelingt das nur, wenn ihre Lehrer im ist er aber auch Wasser auf die Mühlen der Skeptiker. Ebenso wie die Argumentation, • Faktoren gelingenden Lernens berücksich­ tigen Team arbeiten. dass unser Schulsystem derzeit auf Selektion • Schüler im Unterricht aktivieren ausgerichtet ist und im internationalen Ver- • Professionelles Selbstverständnis erweitern: werden kann. Das menschliche Gehirn arbei­ - Lernen und Wochenplanarbeit oder Instru- gleich mithalten soll. Wie aber ist das mit der Lehrer als Lernender tet dabei auf Grundlage von „Lernlandkarten“. mente wie Kompetenzraster und Lernlogbü- einem inklusiven, individualisierten Verständ- • Kollegiale Zusammenarbeit in Jahrgangs- Neue Informationen werden nicht willkürlich, cher. Aufgaben, die auf unterschiedlichen nis von Unterricht vereinbar? oder Fachteams ausbauen sondern an „passenden“ Orten gespeichert – Niveaus bearbeitet werden können oder die Die Antwort darauf lautet: Es gibt sie, die • Individuelle Förderung als ganzheitlichen dort, wo es schon Speicherinhalte gibt, die zu unterschiedliche Zugänge zu einem Thema Lehrer und Schulen, die ihren Weg zu indivi- Ansatz der Schulentwicklung verstehen den neuen Informationen passen. Je häufiger erlauben, ermöglichen es, dass – mit Blick auf dueller Förderung gefunden haben. Und die • Förderliche Rahmenbedingungen schaffen: also Informationen aufgerufen und mit beste- die Lernziele – auch unterschiedliche Lern- Wege zu ihr sind so unterschiedlich wie Schü- Ganztag und Vernetzung mit dem außer- hendem Wissen verknüpft werden, desto fes- stände und Interessen berücksichtigt werden ler einer Klasse es heute sind. Ein Pfad eint schulischen Umfeld ter wird beides gespeichert: Der Mensch lernt. können. die Schulen jedoch: der Pfad der Weiterent- In Schulen, die mit Preisen bereits für ihre wicklung des Unterrichts. Im vorliegenden 1. Faktoren gelingenden Lernens 2. Schüler im Unterricht aktivieren gute Praxis ausgezeichnet wurden, gewinnen Podium Schule zeigen Schulen, die sich auf berücksichtigen Folgt man dem Didaktiker Hilbert Meyer, so die Schüler mehr Lernzeit, Freiraum und den Weg gemacht haben, dass nichts völlig Im Zentrum individueller Förderung steht der scheinen in der Unterrichtsforschung häufig Selbstständigkeit. Die Lehrkräfte stehen dabei neu ist und Vorhandenes gut genutzt werden Schüler, stehen seine Fähigkeiten, seine Poten- zwei Konzepte gegenübergestellt zu werden: nach wie vor in der Verantwortung für die der lehrerzentrierte Frontalunterricht und der Lehrprozesse der Kinder und Jugendlichen. offene Unterricht mit selbstgesteuertem Ler- Wenn sie strukturierte Lernumgebungen Es gibt sie, die Lehrer und Schulen, die ihren nen (vgl. Meyer 2005). Was häufig als gegen- schaffen, behalten sie den Kompetenzzuwachs sätzlich empfunden wird, lässt sich – das der Schüler im Hinblick auf ihre Lernziele und Weg zu individueller Förderung gefunden haben. wissen Lehrer – natürlich gut kombinieren. Standards im Blick. Die Chance: Lehrkräfte gewinnen Raum für gezielte Beobachtungen und Reflexion, Gespräche über Lernprozesse und Vereinbarungen von individuellen Lern- zielen. Dafür benötigen sie punktuell pädago- gische Diagnosekompetenz. Welche Position die Lehrer einnehmen, hängt von der jeweiligen Unterrichts- bzw. Lernphase ab. Mal sind sie Instrukteure und Wissensvermittler, dann wieder Lernprozess- berater, Mitgestalter oder Lern-Coaches. Ent- scheidend ist, dass der Unterricht vom Schüler her gedacht wird und dass Lehrer jede Gele- genheit nutzen, sie zu begleiten, zu ermutigen und zu aktivieren. 3. Professionelles Selbstverständnis erweitern: die Lehrer als Lernende Schule ist ein Ort des Lernens, in dem es nicht nur um das Lernen der Schüler, sondern auch das Lernen der Lehrer geht. Diese brin- gen Unterschiedliches mit – an Erfahrung, an Professionalität und an Unterrichtsskripten. Genau hier aber liegt die Krux: Es ist alles andere als einfach, verinnerlichte Skripte oder Schemata zu verändern. Und dennoch, damit Unterricht schüleraktivierender wird, sind Ver- änderungen notwendig. Hier unterscheiden sich Lehrkräfte auch nicht von anderen Berufsgruppen. Wer wollte sich schon von einem Chirurgen operieren lassen, der neueste Operationsstandards weder kennt noch anwen- det? Aber anders als bei anderen Berufsgrup- pen ist Lernen eben das Kerngeschäft von kann – dass es aber gleichzeitig erforderlich ziale, seine Interessen und all das, was Leitend für die Art der Unterrichtsgestaltung Lehrern. Professionelles Lernen erhält damit ist, mit einigen lieb gewonnenen Routinen zu er als Mensch mitbringt. Schule muss sich ist das Ziel des Unterrichts. Beim individuell eine besondere Bedeutung. brechen. Wenn die Schulen es schaffen, ihren da­ auf ausrichten, damit Lernen gelingt. r fördernden Unterricht ist es auch der selbst- Aus der Wirksamkeitsforschung zur Lehrer- Unterricht schüleraktivierender zu gestalten, Doch was sind überhaupt die Faktoren gelin- ständig lernende Schüler. Je selbstständiger qualifizierung wissen wir, dass Lehrkräfte dann führt individuelle Förderung zu Schüler- genden Lernens? er wird, desto mehr steuert er auch den eige- eines Kollegiums besonders gut gemeinsam leistungen, die im bestehenden System nicht „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ – Viel nen Lernprozess – was Auswirkungen auf die lernen. Wenn sie Neues kennenlernen, es erreicht werden können. zitiert und in verschiedensten Kontexten Rolle des Lehrers hat. In dem Maße, in dem selbst ausprobieren, ihre Erfahrungen gemein- Derzeit ist die Schüleraktivierung sehr ge­ raucht. Auch (oder gerade) bei der indivi- b dieser aus dem Rampenlicht heraustritt, sam reflektieren und das Gelernte anschlie- viel weniger selbstverständlich, als man den- duellen Förderung steht „… mit Kopf, Herz kommt der Schüler hinein. Beide teilen sich ßend nachhaltig in ihren Unterrichtsalltag ein- ken mag – und als Lehrpersonen selber es und Hand“ unweigerlich im Zentrum erfolgrei- die Verantwortung in diesem Prozess: Der bauen. denken. Obwohl wir wissen, dass Lernen ein aktiver Prozess ist, liegt der Sprechan- teil von Lehrern im Unterricht bei durch- Entscheidend ist, dass der Unterricht 4. Kollegiale Zusammenarbeit in Jahrgangs- schnittlich 70 Prozent (vgl. Klieme u. a. 2006). oder Fachteams ausbauen Fragt man die Lehrer selbst, so schätzen vom Schüler her gedacht wird … Will Schule ihre Schüler individuell fördern sie diesen Anteil auf durchschnittlich etwa und fordern, gelingt das nur, wenn ihre Lehrer 50 Prozent – ein Wert, der immer noch hoch im Team arbeiten. Sie können die Lernpro- wäre. Realität und Selbstwahrnehmung drif- chen Lernens. Es knüpft an den Alltags­ Lehrer aktiviert und unterstützt, wo es sinn- zesse ihrer Schüler besser planen, indem sie ten hier also weit auseinander. Zeit, um sich interessen des Lernenden an, baut darauf auf. voll ist, der Schüler wird aktiver und gestaltet sich mit ihren Kollegen über die Potenziale, Gedanken zu machen, wie ein Unterricht Dass eine solche Form des Lernens wirksam sein Lernen zunehmend selbst. Interessen und Hintergründe der Kinder und schüleraktivierend sein soll, wenn doch fast ist, kennen wir aus den Lerntheorien des Kon- Auch wenn es für eine solche Form des Jugendlichen austauschen. Und sie können nur der Lehrer spricht. struktivismus oder der Lernpsychologie. Unterrichts kein Patentrezept gibt, Erfolgs­ - eine größere Kontinuität im Schulalltag ermög- Individuelle Förderung setzt also an eini- Die Hirnforschung zeigt, dass Lernen als f­ ktoren und gute Instrumente gibt es einige. a lichen, indem Regeln überall gleich sind, Ritu- gen inhaltlich vermeintlich profanen, in der Prozess höchst individuell ist und sich nach Schüler lernen zum Beispiel nur wirklich ale zusammenpassen und das selbstständige Konsequenz jedoch entscheidenden Punkten den Erfolgserlebnissen, Interessenlagen sowie dann selbstständiger, wenn der Anteil an Lernen nicht nur vereinzelt vorkommt, son- an. Grundannahme dabei ist immer, dass die dem Aktivitätsgrad jedes Lernenden richtet. aktiver Lernzeit hoch ist. Und zwar deutlich dern als durchgängiges Prinzip verfolgt wird. Unterschiedlichkeit der Schülerinnen und Lernerfolge sind umso langfristiger, je tiefer höher, als es heute allgemein Praxis ist. Geht Natürlich ist es zunächst ein Mehraufwand, Schüler zum Ausgangspunkt des Unterrichts eine Information verarbeitet wird und je häufi- es darum, die individuellen Lernprozesse zu wenn in Jahrgangs- oder Fachteams zusam- gemacht wird. Aus unserer Sicht lassen sich ger sie in unterschiedlichen Kontexten genutzt gestalten, helfen Ansätze wie kooperatives mengearbeitet und gegenseitig hospitiert wird,
  3. 3. PodiumSchule 1.11 |3 wenn Kollegen sich über Erfahrungen und Belastungssituation an Schule anzuerkennen. Materialien austauschen oder die didaktisch- Zu groß und zu verständlich ist die Sorge methodische Gestaltung von Unterrichtsreihen vieler Lehrkräfte, dass mit der individuellen abstimmen. Schließlich stehen ja zusätzliche Förderung die Arbeitsbelastung weiter Abstimmungs- und Teambildungsprozesse an. zunimmt – zumal es kaum empirische Langfristig stellt die Zusammenarbeit aber Befunde gibt, die für das Gegenteil sprechen. einen deutlichen Mehrwert dar: Gemeinsam Eine weitere Herausforderung besteht den Unterricht zu planen und zu gestalten darin, dass nicht nur die Schüler, sondern kann auch entlastend wirken; es ermöglicht auch die Lehrkräfte eine sehr heterogene eine größere inhaltliche und methodische Gruppe bilden. Bei der Umstellung auf indi­ Kreativität, Arbeitsentlastung, wenn Materia- viduelle Förderung ist es deshalb wichtig, lien systematisch zugänglich gemacht und das vorhandene Wissen und den individuellen genutzt werden, und es erhöht das Gefühl Entwicklungsstand der Kollegen zu berück- der Selbstwirksamkeit. sichtigen. So sollten anfänglich erst kleinere Ansatzpunkte für Veränderungen gesucht wer- 5. Individuelle Förderung als ganzheitlichen den. Das kann bedeuten, dass neue Methoden Ansatz der Schulentwicklung verstehen zunächst von einem Teil eines Kollegiums Individuelle Förderung braucht eine kontinu- erprobt werden. ierliche Schulentwicklung, die vom Kollegium Gerade weil es für Lehrkräfte nicht einfach getragen und umgesetzt wird. Im Zentrum ist, die „eigenen Unterrichtsskripte zu verän- steht die Unterrichtsentwicklung. Dabei liegt es auf der Hand, dass der Unterricht nur dann dern“, benötigen sie kollegiale Konzepte der Unterrichtsentwicklung (vgl. Tillmann 2007). Gemeinsam lernen – entwickelt werden kann, wenn das Kollegium sich entwickelt – wenn Lehrkräfte gemeinsam Dazu gehören Methoden, Rituale und Struktu- ren, die zu einer sicheren Lernatmosphäre mit und ohne Behinderung! und für sich lernen. Genauso wichtig ist die beitragen. Und um diese zu entwickeln, Weiterentwicklung von Schule als Organisa- braucht es gleich mehrere Dinge: ausreichend Jakob Muth-Preis für inklusive Schule 2011/2012 tion: Sind die bestehenden Gremien, Struktu- Zeit, den Rückhalt der Schulleitung, passge- ren und Prozesse zielführend, wenn individu- naue Fortbildungs- und Unterstützungsange- elle Förderung vorangetrieben werden soll? bote sowie geeignete Unterrichtsmaterialien. Diese Frage ist für die systematische Organi­ Damit wird deutlich, wie voraussetzungsreich Unter dem Motto „Gemeinsam lernen – mit und ohne Behinderung“ zeichnet sationsentwicklung wichtig. Es ist dabei hilf- individuelle Förderung ist. Doch sie ist not- der „Jakob Muth-Preis für inklusive Schule“ Schulen aus, in denen behinderte reich, wenn sie von der Schulleitung und wendig. Sie ist notwendig, weil wir der zuneh- und nicht behinderte Kinder vorbildlich gemeinsam lernen. Projektträger sind einer Steuergruppe gestellt und im Diskurs menden Heterogenität im Klassenzimmer nur der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, mit der Schulgemeinschaft bearbeitet wird. mit ihrer Hilfe gerecht werden können: „Wer Hubert Hüppe, die Bertelsmann Stiftung, die Sinn-Stiftung und die Deutsche die Vielfalt negiert, weil er glaubt, individuali- UNESCO-Kommission. 6. Förderliche Rahmenbedingungen sierter Unterricht sei nicht realisierbar, der Mit dem bundesweiten Preis soll die Praxis von Schulen bekannter gemacht schaffen: Ganztag und Vernetzung mit dem hat als Pädagoge kapituliert, damit die Vielfalt werden, die eine bessere Teilhabe ermöglichen – unabhängig von Herkunft, außerschulischen Umfeld unter den Kindern aber nicht aus der Welt Beeinträchtigung oder sonstiger Benachteiligung. Namensgeber Jakob Muth Für eine Schule, die ihre Kinder und Jugend­ geschaffen.“ (Largo 2010) (1927 – 1993) hatte sich als Bochumer Professor schon früh für eine gemein- lichen individuell fördern will, bietet der same Erziehung behinderter und nicht behinderter Kinder eingesetzt. Bis heute (gebundene) Ganztag große Vorteile. Der sieht die Praxis in Deutschland immer noch anders aus: Rund 80 Prozent der Unterricht lässt sich besser als im Halbtag Kinder mit Behinderungen oder Lernschwierigkeiten in Deutschland werden in rhythmisieren und für die Schüler bieten sich separaten Förderschulen unterrichtet. Diese erweisen sich häufig als Sackgasse mehr Möglichkeiten für eine angemessene für ihre weitere Entwicklung: Die Abgänger erhalten keinen qualifizierenden Literatur: pädagogische Betreuung über den gesamten Helmke, Andreas (2011): Guter Unterricht!? NDS – Die Schulabschluss und eine gesellschaftliche Teilhabe wird ihnen wesentlich Tag. Beispielsweise können längere Arbeits- Zeitschrift der Bildungsgewerkschaft (5 – 2011), 3. erschwert. Dass es anders geht, zeigen andere europäische Länder: In Italien, phasen (von z. B. 90 Minuten) dazu beitragen, Klieme, Eckhard u.a. (Hrsg.) (2006): Unterricht und Norwegen und Schweden etwa besuchen über 90 Prozent aller förderbedürfti- dass Schüler und Lehrer flexiblere Möglichkei- Kompetenzerwerb in Deutsch und Englisch. Zentrale gen Schüler allgemeine Schulen. Auch in Deutschland kann das Konzept der ten für individuelle Lernprozesse gewinnen Befunde der Studie „Deutsch Englisch Schülerleistungen inklusiven Schule gelingen: Dies zeigen die Mut machenden Beispiele der International“ (DESI). Download: www.dipf.de/de/pdf- und tiefer in einzelne Themen vordringen dokumente/projekte-materialien/desi-zentrale-befunde Schulen, die sich bislang am Jakob Muth-Preis beteiligt haben. können. Sie müssen nicht ständig zwischen Largo, Remo (2010): Lernen geht anders. Bildung und Inhalten, Fächern und Räumen wechseln. Erziehung vom Kind her denken. Editon Körber. Kontakt Karolina Zarzycki | 05241 81-81315 Schließlich können sie sich über längere Zeit Meyer, Hilbert (2005): Merkmale guten Unterrichts – karolina.zarzycki@bertelsmann-stiftung.de | www.jakobmuthpreis.de intensiv mit einem Thema beschäftigen. Sie Qualitätssicherung im Schulalltag. In: Praxiswissen Schulleitung. 27.01.2005. haben zudem die Möglichkeit, eigene Lern- Tillmann, Klaus-Jürgen (2007): Kann man in heterogenen wege und Zugänge zum Kernthema zu finden Lerngruppen alle Schülerinnen und Schüler fördern? Der Der diesjährige Wettbewerb richtet sich an Grundschulen, weiterführende und dieses Thema aus verschiedenen Blick- Blick der Bildungsforschung in das Regelschulsystem. Schulen und Schulverbünde. Es werden drei gleichwertige Preise, die je mit winkeln zu betrachten. Vortrag auf dem Symposion des VdS auf der DIDACTA 3.000 Euro dotiert sind, an Einzelschulen und ein Preis mit 5.000 Euro an Ein weiterer Gewinn für die individuelle am 1.3.2007 in Köln. einen Schulverbund vergeben. Bewerbungen können bis zum 15. September Wischer, Beate / Trautmann, Mattias (2010): „Ich tue es Entwicklung von Schülern liegt darin, als nicht, also bin ich ein schlechter Lehrer“? Zu Problemen an die folgende Adresse eingereicht werden: Schule mit anderen Einrichtungen zu koope- und Fallstricken der inneren Differenzierung. In: rieren. Seien es Sportvereine, Verbände, Pädagogik Heft 11. 2010, S. 32 – 34. Bertelsmann Stiftung c/o Jakob Muth-Preis Religionsgemeinschaften oder soziale Initiati- Carl-Bertelsmann-Str. 256 | 33111 Gütersloh ven. Ihre sportlichen Angebote, musikalischen Kontakt Projekte oder andere Aktivitäten machen den Weitere Informationen und Bewerbungsunterlagen Christian Ebel | christian.ebel@bertelsmann-stiftung.de Ganztag nicht nur vielfältiger, sondern sicher finden Sie im Internet unter www.jakobmuthpreis.de Dr. Nicole Hollenbach | nicole.hollenbach@bertelsmann-stiftung.de auch wertvoller. Externe Partner, Mentoren, Angela Müncher | angela.muencher@bertelsmann-stifung.de Paten oder Eltern lassen sich an vielen Stellen mit einbinden. Schlussfolgerungen und Perspektiven Literaturtipps Der Anspruch, Kinder und Jugendliche indivi- duell zu fördern, bedeutet eine grundlegende Veränderung der Schul- und Unterrichtskultur. Bertelsmann Stiftung, Institut für Bertelsmann Stiftung, Beauftragter der Ein solche Umgestaltung kann weder von Schulentwicklungsforschung IFS (Hrsg.) Bundesregierung für die Belange behinderter heute auf morgen erfolgen noch kann sie Chancenspiegel 2011 Menschen, Deutsche UNESCO-Kommission gegen den Willen derjenigen durchgeführt Über den Zusammenhang von (Hrsg.) werden, die an Schule beteiligt sind. Indivi­ Herkunft und Bildungserfolg in Deutschland Gemeinsam lernen – Auf dem Weg duelle Förderung hat überhaupt nur Aussicht zu einer inklusiven Schule DVD Materialien auf Erfolg, wenn es gelingt, an die bestehende Bertelsmann Stiftung, Institut für Schulentwicklungsforschung IFS (Hrsg.) erscheint im Herbst 2011 Bertelsmann Stiftung, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen,Deutsche UNESCO-Kommission (Hrsg.) und bewährte Unterrichtspraxis anzuknüpfen. Chancenspiegel 2011 Über den Zusammenhang von Herkunft und ca. 150 Seiten, Broschur Gemeinsam lernen – Auf dem Weg zu einer inklusiven Schule erscheint im Herbst 2011 Gleichzeitig muss der mit ihr verbundene Bildungserfolg in Deutschland ca. Euro 20,– (D) / sFr. 35,50 ca. 150 Seiten, Broschur, mit DVD Mehrwert herausgestellt werden. Um diesen ISBN 978-3-86793-335-3 ca. Euro 25,– / sFr. 43,90 Prozess in Gang zu bringen, gilt es, das Kol­ Auch als E-Book erhältlich. ISBN 978-3-86793-334-6 legium frühzeitig mit einzubeziehen und Auch als E-Book erhältlich. mögliche Bedenken und Kritikpunkte ernst zu nehmen. Dazu gehört auch, die bestehende
  4. 4. 4 | PodiumSchule 1.11 „Ich kann als Lehrer nicht für meine Schülerinnen und Schüler lernen.“ Interview mit Klaus Wenzel, Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) W ie weit sind unsere Schulen von der sei damit der Prozess der individuellen Förde- mehr zum Beobachter, Begleiter und im Form individueller Förderung entfernt, rung bereits vollbracht. Bedarfsfall zum Berater werden. Lernen ist wie wir sie uns heute wünschen? Individuelle Förderung bekomme ich nicht ein aktiver Prozess. Ich kann als Lehrer nicht Ich sehe uns da ziemlich weit entfernt. Das ist dadurch, dass ich – wie es bei uns im Schul- für meine Schüler und Schülerinnen lernen. nicht nur eine Aufgabe für die nächsten Jahre, system deutschlandweit passiert – den Paul Ich war selbst 34 Jahre Lehrer und habe sondern für die nächsten Jahrzehnte. Die mit der Sophie vergleiche und die Sophie mit lange Zeit erlebt, um wie viel erfolgreicher Entwicklung dahin muss zunächst einmal in der Emma. Individuelle Förderung heißt, dass die Schüler sind, wenn ich IHNEN das Lernen unseren Köpfen passieren. Sie beginnt mit ich den Paul mit dem Paul, die Sophie mit überlasse. einem veränderten Denken und sie endet der Sophie und die Emma mit der Emma ver- Lehrer müssen sich von dieser immer mit einer veränderten Gesellschaft. Der erste gleiche: Und dann stelle ich fest, dass der noch weitverbreiteten Verkündigungskultur Schritt muss der sein, dass wir Heterogenität Paul am 31. Januar 2011 einiges mehr kann verabschieden. Sich selbst zum Beobachter, als Bereicherung und Anderssein als Chance als am 15. September 2010. Einige Dinge kann Begleiter und Berater zu machen, fällt den begreifen. Vielfalt bringt mehr Leben in er aber noch nicht so richtig und genau da meisten Lehrern noch schwer – insbesondere unsere Gesellschaft. fängt jetzt die individuelle Förderung an. vielen Gymnasiallehrern. Ich muss aber ein- Dieses Denken ist aber nun leider über- räumen, dass es für einen Gymnasiallehrer haupt nicht weitverbreitet. Wir kommen Wie lässt sich individuelle Förderung im Schul­ auch wirklich schwer ist. Solche Prozesse gerade erst einmal dahin, anzuerkennen, alltag praktisch gestalten? brauchen nämlich Zeit. Und solange es gän- dass wir eine Einwanderungsgesellschaft sind. Intensive und individuelle Förderung ist gige Praxis ist, dass ein Gymnasiallehrer Wir brauchen eine andere Willkommenskultur zunächst einmal sehr kostspielig. Die Alter­ nach 45 oder maximal 90 Minuten das für Menschen aus anderen Ländern. Dann native dazu ist, dass wir die Kinder nicht Klassenzimmer wechselt, wird das schwerlich wird sich auch die Schule ändern und dann individuell fördern und dass dann – wie es gelingen. wird das Ganze ein positiver Kreislauf. in unserem Schulsystem der Fall ist – jährlich Für eine individuelle Förderung brauchen 40.000 bis 50.000 Jugendliche die Schule wir eine innere Reform des Gymnasiums. Das Hat es auch etwas damit zu tun, dass wir ohne Abschluss verlassen. Und das wird dann wird jedoch nicht so einfach werden, da wir schulisch bisher eine Separationsgesellschaft richtig teuer. Das sind Beträge, die würde ich uns lange mit der äußeren Reform zum Thema sind? lieber ins Fundament unseres Bildungssys- G8 rumgeschlagen haben. Darüber haben wir Ja, die Skepsis gegenüber dem Anderen und tems stecken. vergessen, dass wir auch die innere Struktur Fremden hat viel damit zu tun, dass unsere Zur Frage, wie individuelle Förderung aus- des Gymnasiums verändern müssen. Kinder schon früh erleben: Wer anders ist, sieht: Wir müssen hier nichts neu erfinden. Es Positives Beispiel sind aber die Grundschu- len in Deutschland. Grundschulen sind die eigentlichen Reformschulen. Hier wird zuneh- Der erste Schritt muss der sein, mend mit individuellem Blick gefördert – in der Regel aber leider weiterhin nur mit einer dass wir Heterogenität als Bereicherung und Fachkraft. Anderssein als Chance begreifen. Vielfalt bringt Was muss innerhalb der Lehrerausbildung geschehen? Müssen hier neue Kompetenzen mehr Leben in unsere Gesellschaft. erworben werden oder braucht es eine grund­ legende Haltungsänderung? Da gibt es kein Entweder-oder. Beides ist muss raus. Wer schneller lernt, darf eine ist in der Pädagogik alles schon mal auspro- wichtig. Die Fachwissenschaften dürfen hier Klasse überspringen. Wer zu langsam ist, biert worden. Wenn wir wieder Paul, Sophie nicht gegen die Erziehungswissenschaften muss wiederholen und am Ende der vierten und Emma nehmen, so wird es für jeden der oder umgekehrt ausgespielt werden. Beides Klasse kommt es dann ganz hart, da werden drei zunächst eine Eingangsdiagnose geben. muss sich ergänzen. Lehramtsanwärter brau- die Schüler in drei Begabungstypen aufgeteilt Sie wird aber nicht von einem Lehrer, sondern chen in jedem Fall eine gut reflektierte Praxis An dem Punkt fehlt mir dann jegliches von einem Schulpsychologen vorgenommen. bzw. Berufsfeldorientierung. Das kann ich mir Verständnis. Wer eine solche Unterteilung Eine solche Diagnose ist dann die Basis für im Laufe des Studiums aneignen. Die innere viel höheren Wertschätzung zusammenhängt, vornimmt, der hat einfach keine Ahnung und individuelle Lern- und Förderpläne, nach Haltung, die Art und Weise, wie ich zu Kin- die die Lehrer dort erfahren. der hat auch nicht mitbekommen, was sich in denen jedes einzelne Kind für sich arbeitet. dern in Beziehung trete, die muss ich aller- Bei einem so großen Andrang von Studie- den letzten fünf Jahren in der Hirnforschung Im günstigsten Fall habe ich im Klassen- dings schon in einem gewissen Umfang mit- renden muss man sich in Sachen Zugangs- getan hat. zimmer auch noch eine zweite pädagogische bringen. Da stehen besonders Kandidaten möglichkeit und Eignung etwas einfallen Kraft, die die individuellen Entwicklungs- und auf dem Prüfstand, die sich eher aus Verle­ lassen. In Finnland gibt es dafür eine Art Sie sprachen gerade die Hirnforschung an. Was Arbeitsprozesse beobachtet. Das ist genau das, genheit für das Lehramtsstudium entschieden Beobachtungsprozess. Die Studierenden meinen Sie damit? was die ganze Sache teuer macht. Aber ich haben – weil für Medizin der NC nicht gepasst müssen zunächst auf einem Blatt Papier Das Problem der bestehenden Schule mit habe ja nicht nur Paul, Sophie und Emma in hat, weil Jura zu trocken schien oder weil die Essenz eines pädagogischen Buches ihrem vorhandenen Lehrpersonal liegt darin, der Klasse, sondern noch 15 oder 20 andere Ingenieurwissenschaften schon vom Bruder zusammenfassen. Dann gilt es, in fünf Minu- dass alle mit dem Ziel groß geworden sind, Kinder. studiert werden. ten – und nicht mehr – überzeugend darzu­ möglichst homogene Gruppen zu bilden, legen, warum man unbedingt Lehrer werden um so vermeintlich optimal zu fördern. Wie verändert sich innerhalb dieses Prozesses Muss vor dem Lehramtsstudium also die pädago- möchte und nicht etwas anderes. In einem Das ist aber nicht mehr aktueller Stand der die Rolle der Lehrkräfte? gische Eignungsprüfung stehen? dritten Teil muss jeder Lehramtskandidat eine Er­ enntnis, was Lernpsychologie und Hirn­ k Das ist im Rahmen der individuellen Förde- Der Begriff Prüfung ist mir in diesem Kontext Gruppe von 6- bis 16-Jährigen über 48 Stun- forschung betrifft. Zum einen ist es über- rung eine ganz entscheidende Frage. Wir nicht treffend genug. Wir müssen die jungen den betreuen. Dabei ist ihm die Art und Weise haupt nicht möglich, homogene Gruppen zu bzw. die „Programmgestaltung“ völlig selbst bilden, und zum anderen ist es auch nicht überlassen. wün­ chens­ ert. s w … um wie viel erfolgreicher die Schüler sind, Damit habe ich noch keine klassische Ein- Selbst in der kleinsten Gruppe – und das gangsprüfung absolviert. Ich werde aber als sind zwei Personen – herrscht Heterogenität. wenn ich IHNEN das Lernen überlasse. junger Mensch sowohl intellektuell wie auch Wenn nun die Schüler eines Jahrgangs auf persönlich in der Selbstpräsentation und im drei Schularten verteilt werden, dann hat vor pädagogischen Praxiskontext so gefordert, diesem Hintergrund jede einzelne dieser brauchen hier dringend einen Paradigmen- Menschen in pädagogischen Kontexten beob- dass sich ein schlüssiger erster Eindruck hin- Schularten die höchstmögliche Heterogenität, und Perspektivenwechsel. Die einzelne Lehr- achten. Ein gutes Beispiel dafür ist Finnland. sichtlich meiner persönlichen Eignung für den die man sich überhaupt nur vorstellen kann. person muss aus der Rolle des Aktiven, des Die Finnen haben im Lehramtsbereich einen Lehrerberuf ergibt. Ich kann nur allen Lehrer- Wir tun aber so, als sei das homogen und als „Belehrers“ zurücktreten und muss mehr und sehr hohen Zulauf, was nicht zuletzt mit der bildungseinrichtungen bei uns empfehlen,
  5. 5. PodiumSchule 1.11 |5 Das bedeutet dann insgesamt, dass wir mit der g­ums für die individuelle Förderung fortzu- i bilden? In der BLLV-Lehrerbefragung 2011 geben 98 Pro- zent der Befragten an, ihre Schüler individuell Ausgrenzung aufhören, dass wir uns um alle Nein, es muss eine schulhausinterne Fortbil- dung geben, an der das gesamte Kollegium fördern zu wollen. Aber nur 26 Prozent halten die Realisierungsmöglichkeit für „gut“ bzw. kümmern, dass keiner verloren geht … beteiligt ist. Das ist vor allem mit Blick auf die eingangs erwähnte Veränderung im Den- „sehr gut“. Was steckt dahinter? Sind Pädago- gen Pessimisten oder Realisten? ken wichtig. Alle pädagogisch wirksamen Dass hier eine so große Lücke klafft zwischen Kräfte im Schulhaus brauchen in gleichem dem, was Lehrer wollen, und dem, was sie für zumindest Teile eines solchen Konzeptes zu zesses zu nachhaltigen Ergebnissen kommen. Maße das Bewusstsein dafür, was individuelle umsetzbar halten, hat auch damit zu tun, dass übernehmen. Schließlich brauche ich als Lehrer auch in Förderung bedeutet und was individuelle För- unsere Bildungspolitiker viel zu wenig wissen, hohem Maße Reflexionskompetenz. Aus totem derung leistet. wie Lernen funktioniert. In den Bildungsaus- Was muss ein Lehrer nun konkret können, um Vorrats- und Faktenwissen wird bei den Schü- Individuelle Förderung ist eben keine schüssen sitzen Leute unterschiedlichster individuell zu fördern? Welche Kernkompetenzen lern nur dann ein lebendiges und intelligentes pädagogische Spezialdisziplin. Sie ist viel- beruflicher Herkunft. Diese Form der Hetero- braucht er? Handlungswissen, wenn ich Reflexionsphasen mehr die Grundlage eines Schul- und genität ist zwar auch schön. Aber ich bräuchte Zum einen brauchen Lehrkräfte eine grund­ zulasse. Dafür muss ich aber selbst wissen, Bildungs­ ystems, das wir als BLLV gerade s wenigstens eine Handvoll Experten, die sich legende Diagnosekompetenz. Die ist nicht in wie gute Reflexion zu organisieren ist. Und ganz neu denken und gestalten. Das bedeutet mit kindlichen Entwicklungsprozessen ausken- dem Maße vorhanden, als dass Lehrer bei- ich muss wissen, wie weit die Fähigkeit zur dann insgesamt, dass wir mit der Ausgren- nen, die die aktuellen Befunde aus der Hirn- spielsweise zuverlässige und treffende Aus­ Reflexion bei Kindern unterschiedlichen Alters zung aufhören, dass wir uns um alle küm- forschung kennen und denen klar ist, wie indi- sagen über die Lernentwicklung ihrer Schüle- sowie unterschiedlicher individueller Entwick- mern, dass keiner verloren geht und dass viduelle Förderung aussehen kann – und dass rinnen und Schüler machen könnten. lungsstufen vorhanden ist. wir den Ehrgeiz haben, alle Schülerinnen und die Verteilung auf parallele Schularten das Die zweite zentrale Fähigkeit ist Lernkom- Schüler zu einem Abschluss zu führen. Genau Gegenteil von individueller Förderung ist. petenz. Ich muss wissen, wie ich Lernprozesse Wie können diese Kompetenzen an einer das muss das Ziel sein. Nur so kommen wir so arrangiere, dass junge Leute nicht nur Lust Schule verankert werden? Reicht es aus, zu einem Schulsystem, in dem Heterogenität Kontakt darauf bekommen, sondern im Laufe des Pro- nur einige ausgewählte Lehrkräfte eines Kolle­­ - als normal empfunden wird. Klaus Wenzel | praesident@bllv.de „Individuelle Förderung ist längst noch nicht da, wo wir sie brauchen“ Interview mit Prof. Christian Fischer, wissenschaftlicher Leiter des Landeskompetenzzentrums für Individuelle Förderung in Münster K onnten Eltern eigentlich bisher nicht einzelne Kind mit seinen Potenzialen und das ist natürlich ganz klar eine Ressourcen- davon ausgehen, dass ihr Kind als „ler- Bedarfen gesehen wird. Das gelingt über eine frage. Dann spielen natürlich auch weitere nendes Individuum“ gesehen wurde? Was Eingangsdiagnose für Erstklässler, bei der Formen der Unterrichtsgestaltung eine Rolle, ist so „neu“ an der individuellen Förderung? bestenfalls auch die individuellen Interessen wie das Peer-Coaching oder das selbst gesteu- Im Rahmen der schulischen Qualitätsanalyse mit erfasst werden. Erst dann sind wir in der erte Lernen. ist z. B. in Nordrhein-Westfalen festgestellt Lage, Unterricht auch inklusiv zu gestalten. Ich weiß, dass es eine große Herausforde- worden, dass die Unterrichtsentwicklung rung ist und es führt mitunter auch zu Frust- mit dem Ziel, individuell zu fördern, eine Wie lang ist der Weg, der hier noch vor uns ration. Umso wichtiger ist es aber, darauf zu der größten Baustellen ist. Besonders in der liegt? achten, wie wir die Entwicklung hin zur indi- Sekundarstufe I überwiegen immer noch For- Es ist ein sehr weiter Weg. Der Begriff der viduellen Förderung in der Praxis gestalten. men der direkten Unterweisung – Stichwort individuellen Förderung wurde ja nicht durch Wir dürfen unsere Lehrkräfte nicht dadurch Frontalunterricht. Wir wissen heute einfach die Wissenschaft geprägt, sondern 2001 durch belasten und frustrieren, dass wir hehre päda- besser, wie wichtig es ist, das Unterrichtsan- gebot auf die individuellen Bedürfnisse und Leistungsstufen des einzelnen Schüles auszu- Grundschulen sind im Bereich der individuellen richten. Das erfordert natürlich eine gründliche Ver- Förderung sehr viel moderner und fortgeschritte- änderung der Lehrerausbildung. Diagnostische Kompetenzen sind jetzt viel stärker gefragt. ner als die weiterführenden Schulen. Lehrer müssen wissen, wie sie den individuel- len Förderbedarf erkennen beziehungsweise feststellen. Daran schließt sich aber auch eine das Forum Bildung. Ich bin nicht nur Päda- gogische Ideale vor uns hertreiben, die aber Erweiterung der didaktischen Kompetenzen goge, sondern auch Psychologe und habe in der schulischen Praxis mit den vorhande- an; also inwieweit der Unterricht den Förder- zehn Jahre in der Einzelfallberatung gearbei- nen Ressourcen kaum umsetzbar sind. bedarfen entspricht. tet. In der Psychologie gilt die Einzelfallhilfe als ideale Form der individuellen Förderung. Braucht der Weg vom Unterricht hinter verschlos- Welche Schulform hat im Bereich der individuel- Ein Mentor kann direkt auf die Anforderungen sener Klassentür bis hin zu Team-Teaching nur len Entwicklung den größten Nachholbedarf? und Bedürfnisse eines Menschen eingehen. neue Kompetenzen? Grundschulen sind im Bereich der individuel- Genau das macht die Eins-zu-eins-Förderform Es braucht hier natürlich auch eine Haltungs- len Förderung sehr viel moderner und fortge- so erfolgreich. änderung. Obwohl die Notwendigkeit dafür schrittener als die weiterführenden Schulen. Das können wir natürlich so im schuli- in der Lehrerausbildung erkannt wird, lässt Die Internationale Grundschul-Lese-Untersu- schen Kontext nicht umsetzen. Entsprechend sich eine Haltungsänderung nicht so einfach chung (IGLU) hat aber gezeigt, dass in den war es auch für mich erst mal eine große erreichen. Das hängt damit zusammen, dass von Praxis beitragen. NRW geht hier einen Grundschulen zwar eine ausgeprägte Förder- Umstellung, als ich in die Schule kam und die Lehrerausbildung immer noch zweiphasig sehr interessanten Weg, sowohl im Hinblick kultur existiert, was Kinder mit Lernschwierig- dort mit 30 unterschiedlichen Persönlichkeiten ist. Dadurch haben wir einfach keine ausrei- auf die Praxissemester als auch die Verein- keiten betrifft. Es fehlt aber oftmals eine hin- möglichst individuell umgehen sollte. Da chende Kopplung des theoretischen Wissens heitlichung der Ausbildungslängen in den reichende Forderkultur mit Blick auf Kinder bedarf es intelligenter Organisationsformen, mit den praktischen Erfahrungen. Veränderte unterschiedlichen Lehrämtern und nicht mit besonderen Begabungen oder besonderen wie zum Beispiel Team-Teaching, das für den pädagogische Ansätze oder neue didaktische zuletzt auch die Einführung eines Eignungs- Interessen. Tendenziell schaut man sich häufig einzelnen Lehrer eine zusätzliche und wich- Verfahren können von den Studierenden nicht praktikums. Zunächst einmal stellt sich ja für nur die Randgruppen an, weil dort die Förder- tige Unterstützung darstellt. Reformschulen unmittelbar im Kontext von Schule erlebt oder jeden Studierenden die Frage, ob er überhaupt und Forderbedarfe einfach klar erkennbar machen es vor, wie es mithilfe von Praktikan- erprobt werden. Noch ist es leider so, dass den Anforderungen und Belastungen einer sind. In diesem Punkt müssen wir ganz klar ten, Mentoren und Seniorexperten gelingen Studierende Lehramtsstudiengänge absolvie- Lehramtstätigkeit gewachsen ist. Das ist eine umschwenken und dahin kommen, dass jedes kann, den Schülern gerecht zu werden. Aber ren können, die nicht wirklich zur Gestaltung Frage der Lehrergesundheit, und für
  6. 6. 6 | PodiumSchule 1.11 bestimmte Persönlichkeitstypen können wir erweiterter didaktischer Ansätze, wie zum schon sehr früh feststellen, dass sie später im Beispiel verstärkte Projektarbeit, Freiarbeit, Berufsalltag große Probleme haben werden. kooperatives Lernen usw. Darin liegt letztlich auch die größte Gefahr, Damit aber aus dem klassischen Lehrer wenn Theorie und Praxis so weit auseinander- mehr und mehr ein Lernbegleiter und Modera- liegen. Keinem ist gedient, wenn ein Lehr- tor von Lernprozessen wird, müssen Studie- amtskandidat erst nach mehreren Jahren des rende die dafür notwendigen Fähigkeiten Theorie- und Fachstudiums feststellt, dass er trainieren. Bei uns an der Uni bedeutet das, den praktischen Anforderungen des Lehrer­ dass wir neben den diagnostischen und didak- berufes nicht gewachsen ist. tischen auch kommunikative Kompetenzen vermitteln. Das geht dann in der Form wieder Dann laufen unsere Lehramtskandidaten mit in Richtung Schule, als dass wir hier eine ent- Eintritt ins Referendariat also weiterhin Gefahr, sprechende Aufgeschlossenheit für die erwei- einen Praxisschock zu bekommen? terte Lehrerrolle brauchen, damit das Erlernte Absolut! Es gibt leider immer noch die Situa- in der Praxis auch umgesetzt werden kann. tion, dass Studierende in die zweite Phase ihrer Ausbildung wechseln und dann in der An welcher Stelle können Schule und das Schule den Satz hören: „Vergessen Sie erst mal Bildungssystem Lehrer darin unterstützen, alles, was Sie in der Hochschule gelernt haben. individuelle Förderung zu betreiben? Jetzt geht die Praxis los.“ Wenn es uns so Zunächst einmal brauchen wir personelle wenig gelingt, die erste und zweite Phase der Unterstützung zur Bildung multiprofessionel- … die Schulen sind auf dem Weg. Die einen etwas bedächtiger und die anderen, wie vor allem die Reformschulen, in einem sehr guten Tempo. Lehrerausbildung aufeinander abzustimmen, ler Teams, wie wir sie aus den skandinavi- dann wundere ich mich nicht über die man- schen Ländern kennen. Das setzt aber voraus, gelnde Effizienz der gesamten Ausbildung. dass sowohl diese Teams als auch die Fachpä- Die Mediziner-Ausbildung ist für uns das dagogen untereinander überhaupt gemeinsam beste Vorbild. Dort sind die klinischen Praxis- arbeiten können. Wenn mehrere Lehrkräfte anteile sehr hoch. Es wäre überhaupt nicht am Unterricht beteiligt sind, dann müssen vorstellbar, den praktischen Anteil der medizi- sie diesen Unterricht zunächst einmal vorbe- nischen Ausbildung vollständig von der Theo- reiten und gestalten. Viele Schulen bieten rie zu entkoppeln. Und genau so etwas versu- schon dafür keine Möglichkeiten. So fehlt es chen wir auch an der Universität Münster für an festen Arbeitsplätzen innerhalb der Schule, die Lehramtsstudierenden umzusetzen. Wir an denen eine gemeinsame Unterrichtsvorbe- qualifizieren sie im Rahmen von Lehramts­ reitung stattfinden könnte. Schon diese – eher veranstaltungen für bestimmte Projekte in formale – Rahmenbedingung würde für den der Praxis. einzelnen Lehrer eine große Entlastung bedeu- ten. Nun werden den Studierenden schon heute Theo- Wenn wir das Stichwort Entlastung schließ- rien und Erkenntnisse zur individuellen Förde- lich im Zusammenhang mit individueller rung vermittelt. In der schulischen Praxis treffen Förderung aufgreifen, dann muss auch für sie aber auf Strukturen, die das noch gar nicht die Anfänger in der dritten Ausbildungsphase umsetzen oder die zumindest in den praktischen eine Entlastung geschaffen werden. Das bein- Möglichkeiten weit hinter der Theorie zurückblei- haltet sowohl eine Stundenreduktion als auch ben. Wie lässt sich damit umgehen? eine systematische Anleitung innerhalb der Das muss man für die große Masse der Stu- Eingangsphase. dierenden erst mal so hinnehmen. Aber die Schulen sind auf dem Weg. Die einen etwas Wie sieht es mit der Ressourcenverteilung bedächtiger und die anderen, wie vor allem zwischen den einzelnen Schulen aus: Muss die Reformschulen, in einem sehr guten diese paritätisch geregelt werden oder ist es Tempo. Wir selbst arbeiten in Münster bereits wichtig, auch an dieser Stelle heterogenen mit vielen innovativen Schulen zusammen, Ansprüchen gerecht zu werden? die sich hier unglaublich engagieren. Das muss in jedem Fall bedarfsgerecht erfol- Und man darf aber auch nicht glauben, gen. Auch im schulischen Vergleich treffen wir dass die Lehrerausbildung inhaltlich und auf unterschiedliche Situationen und instituti- didaktisch schon weit voraus wäre. Die Leh- onelle Voraussetzungen. Da ist eine Schule rerausbildung ist mit ihren zahlreichen Diszi- im sozial schwachen Stadtteil ganz anders zu plinen und Schulstufen doch sehr vielschich- unterstützen und mit Ressourcen zu versehen, tig. Und wir sind weit davon entfernt, dass als es eine starke Schule verlangt. Neben der individuelle Förderung ein Thema ist, welches Frage nach den verfügbaren Ressourcen ist es die Lehrerausbildung als Ganzes bereits aber durchaus auch eine Frage der Fantasie vollkommen durchdrungen hätte. Individuelle und Kreativität, wie mit den unterschiedlichen Förderung ist längst noch nicht da, wo wir Situationen umgegangen wird. Das erleben sie brauchen. wir zum Beispiel an Schulen aus Problem- stadtteilen, wie in Berlin-Neukölln. Hier wird Welche Rahmenbedingungen brauchen wir in jenseits der Frage nach Ressourcen eine der Schule, damit individuelle Förderung gelingt? un­ eheure Kreativität entwickelt, vor allem g Zunächst einmal müssen wir die Rolle des was den Umgang mit Schülern angeht. Schon Lehrers neu setzen und verstehen: weg von jetzt sind die Lehrer an diesen Schulen mehr dem rein Lehrenden und hin zum Lernbeglei- Sozial­ ädagogen als Vermittler von Fachinhal- p ter bzw. Lernberater. Wir brauchen keine ein- ten. Solche Lehrkräfte sind wichtig, auch seitigen Wissensvermittler, sondern Mentoren, wenn es um die Auflösung der Hauptschulen die Lernprozesse steuern und begleiten. Wenn geht. Dann stellt sich nämlich die Frage, wie wir von dieser erweiterten Lehrerrolle aus sich auf einmal alle Schüler zusammenführen weiterdenken, dann erhält die pädagogische lassen. So was kann man dann nicht mehr Diagnostik eine viel größere Bedeutung. über fachliche Kompetenzen regeln. Dabei müssen wir zum Beispiel versuchen, Lernausgangsvoraussetzungen nicht nur durch Beobachtung, sondern durch Testverfahren zu Kontakt ermitteln. Ein zweiter Schritt geht in Richtung Prof. Dr. Christian Fischer | fiscchr@uni-muenster.de
  7. 7. PodiumSchule 1.11 |7 Wie Neugier und Freude am Lernen erhalten bleiben Die Konrad-Adenauer-Schule in Langenberg richtet ihre Unterrichtsangebote gezielt auf die individuellen Lernvoraussetzungen, Bedürfnisse und Interessen der Schüler aus. Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beispiel im Projekt „Musik macht – MUM“. sind die Schüler auch in der Lage, sich im Beethoven, Johannes Brahms, Bruno Mars: Einer dieser Komponisten gehört Darin haben alle Schüler der KAS in der Erprobungsstufe die Möglichkeit, ein eigenes Schulalltag zu orientieren und eigenständig zu arbeiten. Nur so fühlen sich die Schüler auch Konrad-Adenauer- nicht in diese Reihe – und genau dessen Instrument zu erlernen. Musikalische Bildung ernst genommen. Song performt heute die sechste Klasse richtet sich damit nicht mehr nach der finan­ Verbundschule der Konrad-Adenauer-Schule (KAS) in ziellen Situation im Elternhaus. Und wenn die Transparenz in jeder Stunde Langenberg, Nordrhein-Westfalen. Statt Schüler als Band-Bläserklasse gemeinsam im Wie sich Transparenz in der schulischen Pra- Wissenswertes auf klassische Musik setzt Lehrerin Probenraum oder auf der Bühne stehen, dann xis überhaupt schaffen lässt, das zeigt schon Claudia Mintert auf aktuellsten Pop. gibt nur noch Musik den Takt an und nicht der reguläre Mathematikunterricht von Lehrer Das begeistert nicht nur, sondern lässt etwa soziale Herkunft. Sven Hauptstein. Zu Beginn jeder Unterrichts- Schultyp: Haupt- und Realschule im die Schüler der Sechsten ebenso konzen- Genauso viel Disziplin, Eigenverantwortung einheit verteilt er einen Flyer, der gemeinsam organisatorischen Zusammenschluss triert wie engagiert bei der Sache sein. und Selbstständigkeit wie beim Musizieren von allen Mathematiklehrern entwickelt (Verbundschule) mit schulformgemisch- Der Erfolg bleibt nicht aus: Niemand ver- verlangt auch die Cash-Methode, mit der die wurde. Neben Inhalt, Ablauf und Teilzielen ten Eingangsklassen in der Erprobungs- passt den Einsatz, (fast) jeder Ton sitzt Schüler sich zusätzliche Hilfe einkaufen kön- des anstehenden Arbeitsprozesses finden sich stufe (Sondergenehmigung); integrative und Bruno Mars‘ Pop-Ballade ,Grenade‘ nen. Die Methode ist Teil des Projektes Selbst- darin unterschiedliche Übungsaufgaben. Die Schule mit Gemeinsamem Unterricht schmeichelt sich gefühlvoll ins Ohr. gesteuertes Lernen (SEGEL). „Cash ermöglicht Schüler bearbeiten diese entsprechend ihrer von Kindern mit und ohne Förderbedarf; es den Schülern, ihren eigenen Arbeitsprozess persönlichen Lernvoraussetzungen und ver- gebundene Ganztagsschule; einzige Während die jungen Musiker weiter an ihrer aktiv zu planen und zu gestalten“, erklärt merken dann in einer Tabelle, wie sie ihren weiterführende Schule der Gemeinde Ballade proben, werden nebenan leisere Töne Birgit Fraune. „Außerdem lernen sie, wie sie Lernstand einschätzen. Langenberg im Kreis Gütersloh; ab angeschlagen. Hier sitzen die übrigen Schüler verantwortlich mit Geld umgehen.“ An der Letzteres ist Ausdruck eines Paradigmen- 2011/12 Gemeinschaftsschule, sodass der Klasse an Gruppentischen und stecken Konrad-Adenauer-Schule ist eigenverantwort­ wechsels, der sich an der Konrad-Adenauer- zukünftig alle Kinder der Gemeinde ihre Köpfe zusammen. „Schokolade für dich“ liches Arbeiten ein verbindlicher Bestandteil Schule schon vor Längerem vollzogen hat. „Die Langenberg, unabhängig von ihrer steht in großen Buchstaben an der Tafel. Es des alltäglichen Lernens. Die Cash-Methode Bewertung schulischer Leistungen muss sich Schulformempfehlung, die Schule am geht darum, sich bei jemandem zu bedanken, fügt sich optimal darin ein. Die Schüler ent- an die neuen Lernformen anpassen“, davon ist Ort besuchen können. der einem im letzten Schuljahr besonders geholfen hat. Als Dankeschön gibt es Kalorien- Träger: Öffentlich reiches auf amerikanische Art: selbst geba- Die Freiheit, die wir den Schülern hier im Lernen ckene Muffins. Also heißt es Förmchen bas- Zahlen: derzeit 300 Schülerinnen und teln, Rezepte nachschlagen, Einkaufskosten ermöglichen, gelingt nur durch verbindliche Regeln. Schüler, davon 22 mit sonderpädagogi- berechnen und eine Präsentation vorbereiten. schem Förderbedarf im Gemeinsamen „Wir brauchen erst mal einen Plan. Wer macht Unterricht, 25 Lehrkräfte mit unter- denn überhaupt was?“, fragt Jan in die Runde. scheiden eigenständig über ihren Lernprozess. Schulleiterin Westhoff überzeugt. In den schiedlichen Lehrämtern sowie vier „Dilara kann doch so gut zeichnen“, sagt Pia. Die Lernmöglichkeiten, die sie sich jeweils unteren Jahrgängen setzt die Schule deshalb Sonderpädagogen – im Vollausbau „Aber wie sieht eigentlich eine Schablone für schaffen, können sie individuell einsetzen – je konsequent auf Portfolioarbeit. Individuelle ca. 450 Schüler und Schülerinnen Muffin-Förmchen aus?“ Ratlosigkeit unter den nach Bedürfnis oder Interesse. Leistung wird gleich in mehrfacher Form Schülern. „Das heißt dann wohl, Cash für eine gemessen und bewertet: durch Zeugnisse Abschneiden in Leistungsvergleichen: Beratung“, stellt Klassenkamerad Deniz nüch- Struktur und feste Regeln mit Ziffernnoten und differenzierte Rückmel- Lernstandserhebungen Jahrgang 8 und tern fest. Auch außerhalb der SEGEL-Sequenzen gibt dungen sowie durch Selbsteinschätzungs- und zentrale Prüfungen im Durchschnitt Beratung erhalten die Schüler bei ihren es Unterrichtsformen, in denen die Schüler Lernentwicklungsbögen. (Englisch) und über dem Durchschnitt Lehrern Andreas Völkel und Birgit Fraune. sich als selbstwirksam erfahren. Wie zum Bei- (Deutsch und Mathematik) Als Koordinatoren für gemeinsamen Unterricht spiel im Rahmen der sogenannten „Vorhaben­ Schule ohne Grenzen und individuelle Förderung an der KAS haben wochen“. Hier werden für die Dauer von Sich von klassischen Modellen zu lösen und Qualitäts- und Quantitätsoffensive: sie das Lernarrangement „Schokolade für dich“ sechs Wochen gleich mehrere Fächer zu offen gegenüber neuen Lernformen zu sein 2006/2007 Korrespondenzschule im aufwendig gestaltet: Bilder, Skizzen, Koch­ einem Stundenblock zusammengelegt. Die beinhaltet für Anette Westhoff aber noch mehr, Projekt „Selbstständige Schule“; Gemein- bücher und jede Menge Bastelmaterial liegen Lehrer sind in dieser Zeit „nur noch“ Modera- wie zum Beispiel die Aufhebung strikt getrenn- samer Unterricht in integrativen Lern- als Arbeitsgrundlage bereit. Alles, was darüber toren und Begleiter, nehmen sich also bewusst ter Klassen- und Jahrgangsstufen. So werden gruppen seit 2007/08 hinaus geht, kostet – und zwar Cash. Cash ist zurück. Dadurch ermöglichen sie es den Mathematik, Englisch und Deutsch an der die Bildungswährung an der KAS. Jede zusätz- Schülern, selbst gewählte Themen eigenstän- KAS jahrgangsübergreifend unterrichtet. Dass Ganztagskonzept: Erweiterter, gebun­ liche Info oder individuelle Hilfe belastet das dig zu erarbeiten. Das beinhaltet nicht nur das gemeinsame Lernen und die gegenseitige dener Ganztag seit 2008/09; Unterricht gruppeneigene Cash-Konto. Die Tarife sind den Arbeitsprozess, sondern auch die Zusam- Hilfe der Schüler zu einem besseren Mitein­ vollständig im 90-Minuten-Rhythmus. übersichtlich: Lassen sich die Schüler von ihren menstellung des eigenen Arbeitsmaterials. ander führen, erlebt die Schulleiterin jeden Tag. Fächerübergreifendes Lernen in jahr- Lehrern beraten, kostet dies drei Cash. Greifen Zunächst ist eine solche Form des Arbeitens Was hinsichtlich Transparenz und Offenheit gangsgemischten Gruppen (5/6, 5–7, sie auf Dateien vom Whiteboard zurück, wer- natürlich Neuland. Aber genau das gilt es zu im Unterricht funktioniert, das gelingt der 5–8) und Werkstätten Konrad-Adenauer-Schule auch auf Ebene ihrer Organisations- und Personalentwicklung. Lebens- und Berufsorientierung: durch An der Konrad-Adenauer-Schule ist Anette Westhoff hat früh erkannt, dass Schule schuleigenes Konzept, u. a. mit Eltern- Veränderungen gegenüber genauso offen praktikum und strukturierter Kooperation eigenverantwortliches Arbeiten ein verbindlicher sein muss wie gegenüber Vernetzungen nach mit mittelständischen Unternehmen bzw. außen. Heute treffen in der Schule die ver- Institutionen. Innere Differenzierung Bestandteil des alltäglichen Lernens. schiedensten Professionen und Kompetenzen durch stärkenorientierte Profile in den aufeinander: Tischlermeister, Musiker der Jahrgangsstufen 9–10 Kreismusikschule und Mitglieder verschiede- den vier Cash fällig. Wie viel Cash sie in eine entdecken. Und so landet am „Tag der Vor­ ner Sportvereine arbeiten eng mit den Lehr- Multiprofessionalität: Fachlehrer und Aufgabe investieren, darüber entscheiden die haben 2011“ – fast schon symbolisch – auch kräften zusammen. Flache Hierarchien und Sonderpädagogen arbeiten zusammen Schüler, bevor sie mit der Arbeit beginnen. Christoph Kolumbus‘ Flaggschiff „Santa Maria“ feste Team-Strukturen sorgen dafür, dass alle im Unterricht; es gibt zwei Schulsozial­ als Holzmodell auf dem Präsentationstisch. sich hoch motiviert für Schule engagieren. Um arbeiterinnen, die im gesamten Schul­ Selbstgesteuertes Lernen Dass eigenverantwortliches Lernen in Schulentwicklung aber wirklich voranzubrin- alltag mitwirken. So unterschiedlich die Lernsettings „Muffin & dieser lebendigen Form überhaupt möglich gen, braucht es nach Meinung von Schullei- Musik“ zunächst auch erscheinen mögen, ist, gründet auf klaren Strukturen und einem terin Westhoff noch eine ganz entscheidende Auszeichnungen: Gütesiegel „Individu- beide spiegeln die tragenden Säulen des festen Regelwerk. „Die Freiheit, die wir den Eigenschaft: den Mut, trotz Fehler immer elle Förderung“ (2008); „Berufswahl- Schulkonzepts der Konrad-Adenauer-Schule Schülern hier im Lernen ermöglichen, gelingt wieder Öffentlichkeit zu schaffen. und ausbildungsfreudige Schule“ (2000, wider. Teilhabe und selbstgesteuertes Lernen nur durch verbindliche Regeln“, erklärt Anette 2003, 2006, 2009), Starke Schule 2009 gehören ebenso zum Selbstverständnis der Westhoff, Schulleiterin an der Konrad-Ade- Verbundschule wie gemeinsames, soziales nauer-Schule. Solche Regeln müssen natürlich Lernen und individuelle Förderung. Sicht- und transparent gemacht werden. Und es muss Kontakt Anette Westhoff hörbare Umsetzung findet dieses Konzept zum klar sein, dass sie verbindlich sind. Nur so 147242@schule.nrw.de | www.kas-langenberg.de
  8. 8. 8 | PodiumSchule 1.11 menarbeit mit außerschulischen Experten. Wenn Verantwortung Schulfach ist Miriam und Friederike haben mit ihrer Klasse gerade erst das Projekt „Stadtführer“ abge- schlossen. Das Ergebnis waren verschie- Lernen fürs Leben an der Evangelischen Schule Berlin Zentrum densprachige Audio-Guides für Berlin. Sie helfen Gastschülern, ihre „neue“ Stadt leichter und besser kennenzulernen. Täglich vor dem Mittagessen finden die sogenannten Klassen- stunden statt. In deren Mittelpunkt stehen Wer Friederike und Miriam nach ihrem Lieb- Der Unterricht in den drei Klassenstufen findet gemeinsames Lernen und der Aufbau von lingsfach fragt, der bekommt eine unerwartete jahrgangsübergreifend statt. Jede Klasse hat Beziehungen. Individueller wird es dann wie- Antwort: Herausforderung. Herausforderung zwei Klassenlehrer und jeder Klassenlehrer ist der innerhalb der Werkstätten, die mit vier ist in der Evangelischen Schule Berlin Zent- Tutor für 13 Schüler. Das ist möglich, weil die Stunden pro Woche angesetzt sind. Hier geht rum (ESBZ) ein ganz normales Schulfach, ESBZ eine Gemeinschaftsschule ist. Als solche es um Lernen nach Neigung und Interesse genau wie Verantwortung. Herausforderung hat sie sich entschlossen, ihre Ressourcen für sowie um praxisorientiertes und forschendes als Unterrichtsfach heißt, dass die Schüler äußere Differenzierung in die Lehrerstunden Lernen. Die Lernbereiche sind vielfältig. Sie jedes Jahr für drei Wochen unterwegs sind, zu stecken. Äußere Differenzierung gibt es beinhalten unter anderem musisches/künstle- allein oder in kleinen Gruppen. In dieser Zeit nicht. Im Vordergrund stehen stattdessen indi- risches Lernen, Bewegung, Forschen, Weltreli- gilt es, eine persönliche Herausforderung zu viduelle Förderung und die Vermittlung von gionen, Agenda 21, Fördern und Fordern usw. meistern. Selbst gewählt und irgendwo außer- Werten – wie zum Beispiel Verantwortung, halb von Berlin. Solidarität, Wertschätzung und Anerkennung. Lob-Kultur in Schule 150 Euro stehen jedem zur Verfügung. Je drei Klassen bilden eine „Schule in der Arbeitsinhalte und Fortschritte einer Woche Geld, von dem die Jugendlichen alles bezahlen Schule“. Ihre Lehrer arbeiten als Kleinteam werden von den Schülern in einem eigenen „Logbuch“ festgehalten. Darin steht, was müssen: Anreise, Essen und Unterkunft. Letz- genau sie gemacht haben, woran sie noch tes Jahr war Friederike mit einigen Freundin- arbeiten wollen und auf welche Erfolge sie nen in Schleswig-Holstein unterwegs, per Rad. besonders stolz sind bzw. was ihnen gut Dort haben sie an Schulen Klima-Projekte vor- gelungen ist. Die Logbücher sind Grundlage gestellt, ein Thema, das gut in das Selbstver- für die wöchentlichen Tutorengespräche. ständnis ihrer eigenen Schule passt. Die ESBZ Darin geht es ebenso um das fachliche Fort- ist nämlich Agenda-21-Schule. Mit ihrem Geld kommen wie auch um die persönliche Situa- sind die Schülerinnen gut ausgekommen. Jede tion jedes Einzelnen – wie es ihm geht: mit von ihnen hatte sogar noch 60 Euro übrig. sich selbst, mit der Klasse, mit der Schule und Dieses Jahr wollen die Mädchen auf einen mit der Welt. Dass jeder Schüler auch wirklich Bauernhof nach Frankreich und dort arbeiten, wahrgenommen und wertgeschätzt wird, ist um Essen und Unterkunft zu verdienen. an der ESBZ wichtig. Das zeigt sich besonders Ein Kontakt nach Hause ist nicht vorgesehen. im Rahmen der Schulversammlungen, die an Allerdings gibt es ein Nottelefon für besorgte Mütter und Väter. Angst haben die Eltern aber zusammen. Wenn Friederike und Miriam die Ergebnisse der Romanbearbeitung zusam- eigentlich immer nur im ersten Jahr. Danach morgens in die Schule kommen, erwartet sie mengefasst werden. Das Buch wird neben dem Lernen in Zusammen- wissen sie, dass ihre Kinder stärker zurück- daher nicht ein Stundenplan nach Stunden­ Lernbürolehrer und dem Tutor auch den eige- kommen, als sie gefahren sind. Und sie wis- tafel. Statt einer Doppelstunde Mathe oder nen Eltern vorgelegt, die dem Schüler dann hängen, Lernen im Team sen, welche Chancen die Herausforderungen 45 Minuten Latein beginnt jeder Tag mit ein persönliches Feedback dazu geben. Das ihren Kindern bieten. zwei Stunden Lernbüro. Lernbüros gibt es beinhaltet auch eine Rückmeldung dazu, wie und Lernen im Leben. Verantwortung ist ein weniger zeitraubendes für Deutsch, Mathe, Englisch sowie Natur & und mit welchem Einsatz die Schüler vorge- und aufwendiges Fach. Hier gehen alle Schüler Gesellschaft. Jedes Lernbüro besteht aus ein- gangen sind. In den Bausteinen geht es also für mehrere Stunden pro Woche „in die Gesell- zelnen Bausteinen. Sie müssen irgendwann im nicht darum, vorgegebenen Stoff abzuarbeiten. drei Freitagen im Monat stattfinden, oder im schaft“. Sie sind Spielplatzpaten, machen Haus- Laufe der 7. bis 9. Jahrgangsstufe bearbeitet Die Schüler müssen sich Inhalte und Arbeits- Gottesdienst, den die Schüler und Lehrer werden. Eine festgelegte Reihenfolge gibt es wege selbst entwickeln. Wer glaubt, dass er jeden vierten Freitag feiern. Beide Veranstal- nicht. Bildet ein Baustein aber die Grundlage fit genug ist, der macht am Ende eines Bau- tungen sind Orte des individuellen, aber für Allerdings gibt es ein für einen anderen, wird er zuerst bearbeitet. steines einen Test – oder er überlegt sich eine alle sichtbar gemachten Lobes. Besondere andere Möglichkeit, wie er zeigen kann, dass Leistungen und außergewöhnliche Anstren- Nottelefon für besorgte Lernen, Stein für Stein er das Thema beherrscht. Sind die Schüler gungen können hier von allen gesehen und Wer nun mit einem neuen Baustein beginnt, erfolgreich, erhalten sie ein Zertifikat. Das gewürdigt werden. Friederike und Miriam Mütter und Väter bespricht dies zunächst mit dem zuständigen allerdings ist ohne Noten, denn die gibt es schätzen diese Kultur des Lobens, weil, so Lernbürolehrer. Bei Bedarf gibt es eine Einfüh- erst ab Klasse 9. sagen sie, nichts so sehr motiviert, weiterzu- rung. Sind einzelne Kompetenzen schon vor- machen, wie das Gefühl, gesehen zu werden. unterricht für ein schwer rheumakrankes Kind, handen, können Arbeitsaufträge auch ausge- Individuell im Verbund Und zwar gleichgültig, ob jemand deshalb betreuen geistig behinderte Erwachsene, besu- lassen werden. Die Lernbüro-Fächer sind (fast) die einzigen gesehen wird, weil er einer anderen beim chen mit ihnen Veranstaltungen oder geben Jeder Schüler arbeitet in seinem eigenen „klassischen“ Schulfächer an der ESBZ. Stehen Lernen geholfen hat, weil er einen schwieri- Computerkurse für Senioren – kurz: Sie brin- Tempo. Die Bausteine sind so konzipiert, dass bei ihnen die individuelle Arbeit und Organi- gen Baustein geschafft hat oder weil er die gen sich ein in die Gesellschaft. sie genug Freiraum lassen, um auch eigene sation im Vordergrund, geht es im Rahmen Schule erfolgreich nach außen vertreten hat. Interessen zu verfolgen. Für den Baustein der Projektarbeit, der Werkstätten sowie auch Genau das, so sagen Frederike und Miriam, Schule irgendwie anders … „Deutsch 7 – Inhaltsangabe“ lesen zum Bei- der Klassenlehrerstunden um das Gemein- ist der Grund, warum sie gern weitermachen Herausforderung und Verantwortung als spiel nicht alle Schüler denselben Roman. same und das „Eingebundensein“. Die sechs und stolz sind – auf sich und ihre Schule. Schulfächer – das sind nur zwei von vielen Jeder sucht sich zunächst den Roman aus, Stunden Projektarbeit pro Woche haben zum Dingen, die „anders“ sind an der Evangeli- mit dem er sich gern beschäftigen möchte. Beispiel drei Schwerpunkte: Lernen in Zusam- schen Schule Berlin Zentrum. Anders ist zum Danach legen die Schüler „Lesekisten“ an. menhängen, Lernen im Team und Lernen im Beispiel auch, dass Friederike und Miriam Darin sammeln sie Gegenstände, die in Leben. Über mehrere Wochen arbeiten die zwar in der 8. Klasse sind, ihre Klassenkame- irgendeiner Form zu ihrem Roman in Bezie- Schüler im Klassenverband an einem fächer- raden aber sowohl zur 7. als auch zur 9. Jahr- hung stehen. Die letzte Aufgabe besteht übergreifenden Thema. Das geschieht auch Kontakt gangsstufe gehören. Die einfache Erklärung: schließlich in einer Art Begleitbuch, in dem an außerschulischen Lernorten und in Zusam- Margret Rasfeld | m.rasfeld@arcor.de | www.ev-zentrum.de

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