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"TK spezial" für Hessen 3-2014

  1. 1. Informationsdienst der Techniker Krankenkasse Nr. 3 2014 spezial HESSEN Interview: „Grundsätzlich ist PEPP ein sinnvolles System“ • Stationäre, teilstationäre und ambulante Betreuung unter einem Dach PEPP-Entgeltsystem Wenn Bedürfnisse der Patienten zum Maßstab werden Im Jahr 2003 wurde mit der Einführung der DRG-Fallpauschalen das Entgelt­system im Krankenhaus neu geregelt. Hierbei wurde der psychiatrische Bereich ausgeklammert. Der Gedanke dabei war: Bei den somatischen Erkrankungen ist der erwartete Ablauf im Krankenhaus ziemlich klar. Soll ein Patient ein künstliches Hüftgelenk bekommen, kann der Arzt schon bei der Aufnahme relativ gut einschätzen, wie lang der stationäre Aufenthalt dau-ern wird und welche Kosten dem Kran-kenhaus entstehen. Bei Patienten, die unter Depressionen, Suchtproblemen oder einer anderen psychischen Erkran-kung leiden, ist eine solche Einschät-zung nahezu unmöglich. Wie lange ein psychisch kranker Patient stationär behandelt werden muss, ist sehr indivi-duell und kaum prognostizierbar. Daher wurde für die psychiatrischen Krankenhausleistungen ein eigenes Entgeltsystem geschaffen, das die Dauer und Schwere dieser Erkran-kungen möglichst gut abbildet. Seit 2013 steht den Kliniken mit dem „Pau-schalierenden Entgeltsystem Psychiat-rie und Psychosomatik“ – kurz PEPP – ein reformiertes Vergütungssystem zur Verfügung. Anders als bei den DRG-Fallpauschalen liegen dem PEPP-System nicht Fälle, sondern tagesbe-zogene Pauschalen zugrunde. Tagespauschalen und gerechtere Vergütung Eine grundlegende Strukturreform der psychiatrischen Vergütung war aufgrund der Mängel des bisherigen Entgeltsystems zwingend notwendig geworden: Nach dem alten System erhält das Krankenhaus unabhängig von der Diagnose, vom Aufwand und der Dauer der Behandlung für jeden Patienten und jeden Behandlungstag den gleichen Tagessatz. „Nachteile der bisherigen Vergütung sind, dass Pati-enten, deren Behandlung schwieriger war, unter Umständen nicht die inten-sive Betreuung bekommen haben, die sie benötigt hätten, da die einheitlichen Tagessätze den zusätzlichen Aufwand nicht abgegolten haben. Möglicherwei-se wurden Patienten auch länger als notwendig stationär behandelt“, sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Lan-desvertretung Hessen. Das neue PEPP-System zielt aus die-sen Gründen neben einer besseren Transparenz über die erbrachten Leis-tungen auch auf eine gerechtere Ver-gütung ab: Jeder Patient wird einer der insgesamt fast 80 Fallgruppen im Katalog der PEPP-Tagespauschalen zugeordnet. Dabei werden neben der Erkrankung selbst – zum Beispiel Schi-zophrenie oder Essstörungen – auch deren Schweregrad sowie weitere Faktoren berücksichtigt. Dies können zum Beispiel das Alter des Patienten, der Behandlungsansatz oder besonde-re Erschwernisse sein. Die Höhe der Tagespauschale, die das Krankenhaus erhält, bemisst sich an den Kosten eines durchschnittlichen Krankheitsverlaufs der betreffenden Fallgruppe. Diese Tagespauschale kann sich mit zunehmender Falldauer verrin-gern. Damit wird dem abnehmenden Diagnostik- und Behandlungsaufwand EDITORIAL Liebe Leserin, lieber Leser, Menschen mit psychischen Erkran-kungen benötigen eine intensive individuelle Betreuung. Die Vergü-tung in der psychiatrischen Versor-gung muss diesen individuellen Be-handlungsaufwand abbilden. Das PEPP-System, das im stationären psychiatrischen und psychosoma-tischen Bereich die bisherige Hono-rierung durch Tagespflegesätze ab-löst, bildet dafür eine gute Basis, da es den individuellen Behandlungs-aufwand transparenter honoriert. Dennoch wird die Einführung des PEPP-Systems seit Jahren von hef-tigen Debatten begleitet. Die Dyna-mik dieser Diskussionen hat zu einer konstruktiven Weiterentwicklung des Systems geführt, aber auch dazu, dass sich immer noch zu wenige Kliniken am neuen PEPP beteiligen. Die weitere Entwicklung und Ver-besserung des Vergütungssystems steht und fällt jedoch mit der Zahl der Krankenhäuser, die freiwillig teil-nehmen. Aus unserer Sicht wäre es wünschenswert, wenn mehr Klini-ken bei PEPP mitmachen. Denn nur in der Praxis zeigen sich die Stärken der neuen Finanzierung, und umso konstruktiver kann das neue Entgelt-system weiter verbessert werden. Dr. Barbara Voß Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen
  2. 2. ZEITPLAN TK spezial Hessen · 3/2014 | 2 freiwillig Budgetneutrale Phase freiwillig 2013 bis 2018 freiwillig freiwillig im weiteren Verlauf des stationären Aufenthaltes Rechnung getragen. Noch geringe Beteiligung der Kliniken an PEPP Das PEPP-Entgeltsystem ist als ler-nendes verpflichtend System angelegt, das sich mit jedem neuen Kalkulationsjahr exakter und leistungsgerechter einstellen lässt. Je mehr Krankenhäuser sich auf die Erprobung des PEPP-Systems ein-lassen und ihre Daten zur Verfügung stellen und je genauer die Leistungen erfasst werden, desto sachgerechter wird sich die Finanzierung der statio-nären Versorgung von psychisch kran-ken Menschen weiterentwickeln. Im Bundesgebiet und auch in Hessen haben bislang jedoch vergleichsweise wenige psychiatrische Kliniken und Abteilungen auf das neue Psychiatrie- Entgeltsystem umgestellt. Die Gründe für die noch schwache Beteiligung dürften nicht nur in der Komplexität des PEPP-Systems selbst, sondern auch in der von Beginn an teilweise sehr emotional geführten Diskussion um die Einführung des neuen Entgelt-systems liegen. PEPP hatte von Anfang an starke Befürworter, wird aber bis heute auch von vielen Seiten heftig kritisiert. Zurzeit können die bundesweit rund 580 psychiatrischen und psychosoma-tischen Kliniken am neuen PEPP-Sys-tem noch freiwillig teilnehmen. Ab 2017 müssen sie sich verpflichtend auf das neue Entgeltsystem einlassen. Der Gesetzgeber hat den Zeitplan zur Beginn Konvergenzphase Landesbasis-Entgeltwert PEPP-Einführung im Frühjahr 2014 um weitere zwei Jahre verlängert (siehe Kasten und Grafik auf dieser Seite). Damit räumt er den Krankenhäusern für die Umstellung mehr Zeit ein. Auch für die Weiterentwicklung des ler-nenden PEPP-Systems steht jetzt eine längere Zeitspanne zur Verfügung. In den vergangenen Monaten hatte sich gezeigt, dass einzelne Konstellationen einer Erkrankung, die eine besonders intensive Begleitung der Patienten erfordert, in den Fallgruppen noch nicht passgenau erfasst waren. Daher wurden beispielsweise für besonders aufwendige Leistungen wie etwa die Intensivbehandlung oder die 1:1-Betreuung, die im PEPP-Katalog zunächst nicht ausreichend abgebildet waren, ergänzende Abrechnungsmög-lichkeiten geschaffen. Umstrittene Punkte: Vergütungsverlauf und Dokumentation Einzelne Punkte werden noch kontrovers diskutiert, beispielswei-se der sinkende Vergütungsver-lauf. Dieses Instrument setze bei zunehmender Verweildauer falsche ökonomische Anreize: Da sich die Tagespauschalen nach einer festge-legten Behandlungszeit verringern, könnten Patienten mit schweren Krankheitsbildern wie Depressionen, Schizophrenie oder Suchtproblemen zu früh aus der Klinik entlassen wer-den, um eine Kostenunterdeckung zu vermeiden. 2013 bis 2016: Freiwillige Optionsphase Seit Januar 2013 bis zum Jahres-ende 2016 (ursprünglich bis 2014) können die psychiatrischen und psychosomatischen Abteilungen und Krankenhäuser selbst ent-scheiden, ob sie das neue Ent-geltsystem freiwillig anwenden wollen. Sie haben vier Jahre Zeit, sich in das neue Entgeltsystem einzuarbeiten. Aus Sicht der TK ist es wünschenswert, dass möglichst viele Kliniken das neue Entgeltsys-tem prüfen, damit das lernende System weiterentwickelt werden kann und zum Starttermin am 1.1.2017 einsatzbereit ist. Im Laufe der Optionsphase wird das PEPP-System durch das Bundesgesund-heitsministerium laufend geprüft. 2017: Verbindliche PEPP-Einführung Ab dem 1.1.2017 (ursprünglich ab 2015) muss PEPP von den Kran-kenhäusern verpflichtend einge-führt werden. 2013 bis 2018: Budgetneutrale Phase In der sogenannten budgetneutra-len Phase bis einschließlich 2018 haben die Krankenhäuser die Mög-lichkeit, das neue Entgeltsystem bis zu sechs Jahre unter geschütz-ten Bedingungen zu erproben. Das heißt, das individuell mit dem Krankenhaus vereinbarte Budget, das nach altem Recht in Tagessätze umgerechnet wurde, wird wäh-rend der budgetneutralen Phase weiterhin gebildet. Dieses Budget liegt im PEPP-System der Berech-nung des krankenhausindividuellen Basisentgeltwerts zugrunde. Somit bleibt der finanzielle Rahmen des Krankenhauses gleich – unabhän-gig davon, nach welchem Entgelt-system das Haus abrechnet. 2019 bis 2023: Konvergenzphase In der Vergangenheit wurden mit jedem Krankenhaus individuelle Pflegesätze vereinbart. Zukünftig ist das anders: Im Anschluss an die budgetneutrale Phase sollen die unterschiedlichen Preisniveaus der einzelnen Krankenhäuser im Rahmen der Konvergenzphase an einen landesweit einheitlichen Wert angepasst werden. Zeitplan der PEPP-Einführung 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2023 verpflichtend Freiwillige Optionsphase Konvergenzphase 2019 bis 2023
  3. 3. INFORMATION TK spezial Hessen · 3/2014 | 3 Die PEPP-Pauschalen sind so kalku-liert, dass die entstehenden tatsächli-chen Kosten im Durchschnitt gedeckt sind. Da in der Psychiatrie die Kosten zu Beginn der Behandlung besonders hoch sind und mit der Dauer der Behandlung sinken, sinken auch die PEPP-Tagespauschalen im Verlauf der Behandlung. Das ist sinnvoll, denn Fälle mit kürzerer Verweildau-er haben in der Regel eine höhere Betreuungsintensität als Fälle mit langer Verweildauer. Auch internatio-nale Untersuchungen bestätigen die kontinuierlich sinkenden durchschnitt-lichen Behandlungskosten während eines Krankenhausaufenthalts. Bei aller Kritik sollten die Krankenhäuser im Blick behalten, dass der Einstieg ins PEPP-System durch die sechs-jährige budgetneutrale Phase unter besonders geschützten Bedingungen erfolgt. Dabei fördert das PEPP-Sys-tem grundsätzlich die Möglichkeiten einer flexiblen Behandlung psychisch kranker Menschen und sieht gar kei-ne Obergrenzen für die Dauer einer Krankenhausbehandlung vor. Die Behandlung kann auch mit PEPP so lange dauern wie notwendig. Starke Kritik wird auch am Bürokra-tie- und Dokumentationsaufwand geübt. Die für die Einrichtungen bislang noch ungewohnte Variabilität in der Vergütung, die ein Kernpunkt des PEPP-Systems ist, erfordert eine gewissenhafte Dokumentation der ärztlichen und pflegerischen Leistun-gen. Alle dokumentierten Leistungen werden nach der Entlassung eines Patienten zusammengeführt und das Entgelt des Behandlungsfalls er-rechnet. Die umfassende Dokumen-tation werden die Einrichtungen im Interesse einer leistungsgerechten Vergütung in Kauf nehmen müssen. Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) einbinden Aus Sicht der Techniker Krankenkasse ist PEPP ein richtiger Schritt zu einer leistungsgerechten Vergütung. Im PEPP-System fehlt jedoch noch die Einbeziehung der Psychiatrischen Institutsambulanzen, in denen die Patienten ambulant betreut werden. „Unsere Erfahrung zeigt, dass ein qualitativ hochwertiges ambulantes Behandlungsangebot ein Garant für einen nachhaltigen Behandlungserfolg ist“, so Dr. Voß. „Es ist unabdingbar, dass der Gesetzgeber die Psychiat-rischen Institutsambulanzen in das PEPP-System einbezieht.“ Bei der Weiterentwicklung des PEPP-Sys-tems könnten hierbei Erkenntnisse aus Modellprojekten in der Psychiatrie berücksichtigt werden. Bundesweit hat die TK bereits in meh-reren ausgewählten Regionen neue Versorgungsmodelle mit leistungsge-rechten Entgelten etabliert, in denen die PIA eingebunden ist. Mit diesen Modellvorhaben zeigt die TK, dass veränderte finanzielle Anreize zu einer besseren Versorgung der Patienten führen. Unter anderem ist am Klinikum Hanau die ambulante Behandlung sehr erfolgreich im Versorgungsmodell „Optimierte Versorgung in der Psych-iatrie“ integriert. „Da die ambulante Behandlung durch das Krankenhaus ein wichtiger Baustein für die langfris-tige Sicherung des Therapieerfolgs ist, plädieren wir dafür, die PIA nach dem Vorbild unserer Modellprojekte auch möglichst frühzeitig in das PEPP-Sys-tem zu integrieren“, meint Dr. Voß. Lernendes System Das PEPP-System ist als lernendes System konzipiert. Der bisherige Entgeltkatalog wurde auf der Basis von Kalkulationsdaten erstellt, die über 70 von bundesweit rund 580 Krankenhäusern auf freiwilliger Basis für die Kostenkalkulation zur Verfügung gestellt haben. Die Kalkulation und Klassifikation des Entgeltsystems soll schritt-weise weiterentwickelt werden. Beispielsweise werden neue Behandlungsmethoden oder Ver-änderungen in der Zusammenset-zung der Patientengruppen bei der Weiterentwicklung berücksichtigt. Allerdings hängt das künftige Ent-wicklungstempo entscheidend von der Beteiligung der Krankenhäuser am PEPP-System ab. Damit die Tagespauschalen zu einer ange-messenen Vergütung der Kranken-hausleistungen führen, müssen möglichst viele Krankenhäuser ihre Daten zur Verfügung stellen – mehr als bisher. Die sechsjährige budgetneutrale Phase ermöglicht den Kliniken, risikofrei das Klassifikationssys-tem anzuwenden und weiterzu-entwickeln.
  4. 4. Interview mit Marc Reggentin, Geschäftsführer der Asklepios Klinik für Psychische Gesundheit in Langen „Grundsätzlich ist PEPP ein sinnvolles System“ TK spezial Hessen · 3/2014 | 4 TK spezial | Wie weit sind Sie in Ihrem Klinikum mit der Umstellung auf das neue PEPP-System? Marc Reggentin | Die Vorbereitungen zur Umstellung auf das neue PEPP-System laufen derzeit auf Hochtouren. Entscheidend sind für uns die tech-nischen Voraussetzungen, sprich die elektronische Dokumentation und Codierung der Diagnosen/Prozeduren, um den zusätzlichen Dokumentations-aufwand möglichst gering zu halten. Alle betroffenen Berufsgruppen wur-den bereits umfassend geschult und die Dokumentation erfolgt in unserem Haus bereits seit ein paar Jahren in elektronischer Form. Wir haben damit bereits wesentliche Voraussetzungen für einen zügigen Umstieg geschaffen. Aufgrund der sich momentan noch permanent ändernden Rahmenbedin-gungen ist der Zeitfaktor für eine Umstellung entsprechend schwer abschätzbar. Die interne Planung sieht jedoch einen zeitnahen Umstieg vor. TK spezial | Wie hoch ist der Aufwand der Umstellung, welche Schwierig-keiten haben Sie zu überwinden? Marc Reggentin | Der Aufwand liegt primär in der korrekten Dokumentati-on der Therapie und des Ressourcen-einsatzes. Demnach kommt es gehäuft zu verschiedenen Diskussi-onen, welche Codierung bzw. Ver-schlüsselung am ehesten den gelei-steten Aufwand abbildet. Auch die technische Umstellung des Abrechnungs­­­­­systems und die kor-rekte Übermittlung der Daten an die Kostenträger stellt eine gewisse Unsicherheitsdeterminante dar. Die Kliniken müssen in eine spezielle Ver-schlüsselungssoftware (Grouper) für die PEPPs investieren. Nur mit Hilfe dieser Software lassen sich die erho-benen Diagnosen und Prozeduren zu den jeweiligen Abrechnungs-PEPPs umwandeln. TK spezial | Welche Vorteile des PEPP-Systems zeichnen sich für Ihr Haus bereits ab? Marc Reggentin | Grundsätzlich sehen wir das System als sinnvoll an. Die nun schon seit mehreren Jahren andauernde Diskussion über das neue Entgeltsystem hat zu einer kritischen Überprüfung der klinischen Abläufe und zu der Notwendigkeit einer kon- kreteren Leistungsdokumentation geführt. Obwohl die Kodierrichtlinien und Dokumentationsvorgaben viele klinisch-psychiatrische Behandlungssi-tuationen nur unscharf abbilden, ent-steht hier grundsätzlich eine bessere Transparenz des Leistungsgesche-hens. Die Dokumentation und Abrech-nungsmöglichkeit beispielsweise der „1:1-Betreuung“ ist hier positiv zu erwähnen. Es bleibt nun abzuwarten, inwieweit die noch bestehenden Unschärfen behoben werden können. TK spezial | Welche Unschärfen sollten noch behoben werden? Marc Reggentin | Unbefriedigend ist aus unserer Sicht beispielsweise, dass sämtliche kurze Kriseninterventionen, Krisengespräche, Abklärungsgespräche mit Patienten oder Angehörigen, die kürzer als 25 Minuten sind, nach dem PEPP-Abrechnungssystem nicht als Therapieeinheit gelten. Erst ab 25 Minuten ist die Leistung als Therapie-einheit im PEPP-System abrechenbar. TK spezial | In der Psychiatrie sind bisher keine einheitlichen Behand-lungsstandards zur Qualitätssicherung definiert worden. Welches Potenzial sehen Sie in den PEPPs, was die Sicherung und Verbesserung der Behandlungsqualität betrifft? Marc Reggentin | Als bisherige Grund-lage für Strukturmerkmale wie bei-spielsweise den Personaleinsatz und die anzuwendenden Therapieeinheiten gilt die Psychiatrie-Personalverordnung (PsychPV). Für verschiedene Störungs-bilder sind Leitlinien veröffentlicht, wie etwa die S3-Leitlinie Depression oder Schizophrenie. Die Heterogenität im Erkrankungsverlauf, der Lebenssituati-on und verschiedener anderer Faktoren der Patienten erfordert jedoch neben wissenschaftlich begründeten und durch Experten konsentierten Empfeh-lungen die individualisierte Behand-lungsplanung in Ergänzung mit standar-disierten Therapieelementen. Dabei sind verschiedene Ansätze wie die Psychoedukation, spezifische und eher allgemeine Therapiemodule wie soziales Kompetenztraining für viele Störungsbilder geeignet und etabliert. Möglicherweise wird dies durch das PEPP-System an Bedeutung gewin-nen. Ein Einfluss auf die Entwicklung von wissenschaftlich begründeten Leitlinien ist eher nicht zu erwarten. TK spezial | Aufgrund der einheit-lichen Leistungsdokumentation kön-nen sich einzelne Kliniken künftig ver-gleichen. Welchen Nutzen erwarten Sie von solchen Vergleichen? Marc Reggentin | Die einheitliche Leistungsdokumentation, die zur Ablei-tung von Operationen- und Prozeduren-schlüsseln (OPS) und schließlich PEPPs führt, erfasst nur einen Teil der psychi-atrisch- psychotherapeutischen Behand-lung. Unterschiedliche Strukturen wie regionale Gegebenheiten, Größe der Klinik und damit die Möglichkeit, in unterschiedlichem Ausmaß speziali-sierte Stationen oder Abteilungen zu bilden, schränken die Vergleichsmög-lichkeiten wiederum ein. Voneinander lernen, wo sich dies anbietet, ist sicher ein wünschenswerter Effekt. Marc Reggentin wurde 1981 in Greifswald geboren. Er absolvierte an der Fachhochschule Coburg ein Studium der Betriebs­wirtschaftslehre mit Schwerpunkt Management im Gesundheitswesen. Daran schlossen sich berufliche Sta-tionen als Assistent in der Pflegedienstleitung und Quali-tätsmanager bzw. als Leiter des Bereiches Strategische Projekte und Controlling an der Schön Klinik Starnberger See an. Im Jahr 2011 wechselte Reggentin zum Klinik­betreiber Asklepios, und zwar zunächst als Verwaltungs-leiter der Asklepios Stadtkliniken Bad Tölz. Seit Januar 2014 ist Marc Reggentin Geschäftsführer der Asklepios Klinik für Psychische Gesundheit in Langen. ZUR PERSON
  5. 5. TK spezial Hessen · 3/2014 | 5 TK spezial | Wird es nach Ihrer Ein-schätzung gelingen, dass das PEPP-System die Vergütung leistungsge-rechter machen wird? Marc Reggentin | Die Chance besteht sicherlich. Voraussetzung ist, dass gewisse Parameter berücksichtigt wer-den, die die patientenbezogene Indivi-dualität der psychiatrischpsychothera-peutischen Therapien sowie regionale und strukturelle Bedingungen der Kli-niken mit einbeziehen. Fehlanreize bzw. Ineffizienzen sollten vermieden werden. TK spezial | Wie beim DRG-System handelt es sich auch bei PEPP um ein „lernendes System“. Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht der Ausbau der sek-torenübergreifenden Behandlung in der Psychiatrie und die Einbindung der Psychiatrischen Institutsambulanzen (PIA) ins PEPP-System? Marc Reggentin | Die sektorenüber-greifende Behandlung in der Psychiatrie ist bereits seit Jahren ein fester Bestandteil des ganzheitlichen und gemeindepsychiatrischen Versorgungs-ansatzes. Sektorenübergreifend heißt auch, dass in der Regel unterschiedliche Kostenträger beteiligt sind. Die Entwick-lung der letzten Jahre hat bereits gezeigt, dass in der Verkürzung der mitt-leren Verweildauern im stationären Bereich eine Untergrenze erreicht ist. Die enge Verzahnung stationärer und teilstationärer Behandlungen mit ambu-lanten und komplementären Einrichtung wird zukünftig sicherlich noch mehr an Gewicht gewinnen. Der Anspruch der Patienten nach einer ganzheitlichen und krankheitsbildindividuellen Therapie wird steigen. Dementsprechend werden die unterschiedlichen Versorgungsbereiche noch stärker miteinander vernetzt. Die konsequente Reduzierung bzw. Verlage-rung vollstationärer Behandlungen in den ambulanten Bereich wird jedoch nicht unbegrenzt möglich sein. Eine Einbeziehung ambulanter Leistun-gen, wie der PIA in das PEPP-System, ist aus unserer Sicht zum jetzigen Zeitpunkt mit der aktuellen Ver-gütungsstruktur nicht sinnvoll. TK spezial | Vorausgesetzt, es gäbe einen bundesweit einheitlichen Lei-stungskatalog mit einer einheitlichen Vergütungsstruktur, der eine Integration der PIA-Leistungen in die PEPP-Kalkula-tion ermöglichen würde. Könnten Sie sich unter diesen Bedingungen eine Integration der PIA in das PEPP-System und dessen Kalkulation vorstellen? Marc Reggentin | Primär sind es zwei verschiedene Systeme. PIA steht für die ambulante Leistung und PEPP für die stationäre Leistung. Integrierte Versorgungsansätze sind schwierig abbildbar. Denn die PIA-Leistungen unterscheiden sich deutlich von den PEPP-Leistungen – beispielsweise, was die Therapiezeiten betrifft. Schwerstkranke Menschen – wie etwa chronisch kranke, psychotische Patienten – halten die Therapieein-heiten von 25 Minuten oder länger wegen Konzentrationsschwächen oft nicht durch. Sie sind deshalb auch schwer in vorhandene Therapiegrup-pen integrierbar. Diese Patienten können anfangs meistens nur in kurzen PIA-Sitzungen fünf bis 25 Minuten therapiert werden. Das PEPP-System sieht eine Therapieein-heit aber erst ab 25 Minuten als abre-chenbar an. Das heißt, die ambulante Betreuung erstreckt sich oft über einen längeren Zeitraum als die stationäre Behandlung. Eine gerechte Pauschal-vergütung erscheint mir hier noch schwierig. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, wie die vor- und nach-stationären Leistungen im PEPP-Sys-tem definiert werden. Abrechnungs-modelle, die die verschiedenen Versor-gungsbereiche miteinander vereinen, sind bislang noch sehr theoretisch. Entscheidend wird sein, wie diese Modelle inhaltlich umgesetzt werden sollen bzw. welche Bewertungsme-thoden diesen Modellen zugrundege-legt werden.
  6. 6. TK befürwortet Einbindung der PIA ins PEPP-System Stationäre, teilstationäre und ambulante Betreuung unter einem Dach Psychische Erkrankungen sind oft-mals sehr langwierig. Insbesondere Patienten mit schweren Erkran-kungen sind nach der Entlassung aus der Klinik, bevor die Weiterbehand-lung beim niedergelassenen Facharzt oder Psychotherapeuten beginnen kann, auf eine intensive stabilisieren-de Beglei-tung und Betreuung angewie-sen. Wäh-rend die nie-dergelas-senen Ärzte diese Pati-enten oft nicht oder nicht ausrei-chend im Krankenhaus und die erreichen, bieten die Psychiat-rischen Institutsambulanzen (PIA) für diese Übergangszeit ein Behand-lungskonzept an. Behandlungsbrüche vermeiden Betroffene können mit Unterstützung der PIA im Verlauf der Nachsorge Bewältigungsstrategien festigen, die in der Klinik erarbeitet wurden. Brüche in der Behandlung werden so vermieden und stationäre Aufenthalte oft verkürzt. Die TK zeigt in verschiedenen neuen Versorgungs- und Vergütungsmodellen in der Psychiatrie, dass Patienten von der Einbindung der PIA profi tieren. Sie wer-den in den TK-Modellen je nach individu-eller Not-wendig-keit unter einem Dach sta-tionär, teilstationär oder ambulant betreut. So auch im Modellprojekt „Opti-mierte Versorgung in der Psychiatrie“ (OVP), das die TK gemeinsam mit weiteren Partnern am Klinikum Hanau etabliert hat. „Schon bei der Einführung des PEPP-Systems hätten wir uns gewünscht, dass der sektorenübergreifende Ansatz, wie er im OVP-Modell umgesetzt wur-de, auch sofort in das PEPP-System Impressum Herausgeber | Techniker Krankenkasse, Landesvertretung Hessen Verantwortlich | Dr. Barbara Voß Redaktion | Denise Jacoby Telefon | 069 - 96 21 91-14 Telefax | 069 - 96 21 91-11 E-Mail | lv-hessen@tk.de Twitter | www.twitter.com/TKinHE Internet | www.tk.de/lv-hessen integriert wird“, sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hes-sen. Zwar beruht das schon länger bestehende OVP-Modellprojekt auf einer anderen Kalkulation als PEPP – das Modellprojekt wird jedoch auf das PEPP-System umgestellt und dabei die PIA integriert. Aus Sicht der TK sollten beide Bereiche standardisiert und die ambulante Behandlung in der PIA möglichst früh-zeitig in das PEPP-System und dessen Kalkulation integriert werden. In einer Gesamtpauschale könnte die vollstationäre, die teilstationäre und die ambulante Behandlung vereint werden. Die behandelnden Ärzte und weiteren Leistungserbringer können dann bei jedem einzelnen Patienten individuell entscheiden, welche Behandlungen notwendig und sinnvoll sind. Voraussetzung dafür ist jedoch eine einheitliche Abbildung der Leis-tungen, die in der PIA erbracht werden. Dazu muss ein bundesweit einheit-licher Leistungskatalog mit einer ein-heitlichen Vergütungsstruktur entwi-ckelt werden, um eine Integration der PIA-Leistungen in die PEPP-Kalkulation zu ermöglichen. Die stationäre Behandlung ambulante Versorgung in der PIA sind zurzeit fachlich, strukturell und preislich sehr unterschiedlich gestaltet.“

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