Vorwort 
Es gibt keinen Grund, unser Gesundheitssys-tem 
schlecht zu reden – und erst recht müssen 
wir keinen internation...
1. Die Deutschen und ihr Gesundheitssystem................................................................4 
Die Frage der...
1. Die Deutschen und ihr Gesundheitssystem 
Trotz aller Meckerei: Wer danach fragt, ob die 
Menschen in Deutschland mit ih...
TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 5 
Ob Ost oder West, Männer oder Frauen – das 
Meinungsbild ist in der aktuellen Befragu...
Die Frage der Gerechtigkeit 
Jeder zweite Befragte findet, dass es im deut-schen 
Gesundheitssystem gerecht zugeht. 
Immer...
gesetzlich Versicherte privat Versicherte 
TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 7 
Mehrheit findet Gesundheitssystem gerecht ...
Neun von zehn sehen Reformbedarf 
Allerdings: Auch wenn die Mehrheit der Befrag-ten 
mit dem deutschen Gesundheitssystem 
...
Optimismus nimmt zu: Doppelt so viele wie 2006 halten das Gesundheitssystem 
für zukunftsfähig 
Das deutsche Gesundheitssy...
Finanzierung: 
Leistungs- oder Beitragsstabilität? 
Um die Finanzierung des Gesundheitssystems 
langfristig zu sichern, si...
TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 11 
Unter dem Strich ist den Menschen der Erhalt 
des Leistungsspektrums wichtiger als s...
Mehr bezahlen? Am ehesten für den medizinischen Fortschritt 
Höhere Beiträge würde ich in Kauf nehmen für … 
Deutschen nic...
schlecht 2 % 
1 % sehr gut 
13 % 26 % 
bereit, höhere Beiträge zu akzeptieren, um das 
Solidarprinzip im heutigen Umfang z...
Wettbewerb: 
mehr Markt im Gesundheitssystem 
Eine vielgenannte Forderung in Diskussionen 
um die Zukunft des deutschen Ge...
3. Die ambulante Versorgung in Deutschland 
TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 15 
Die meisten Menschen in Deutschland sind...
Ärztemangel: auf dem Land jeder Fünfte unzufrieden 
Zufriedenheit mit dem Arztpraxen-Angebot in der Umgebung (nach Ortsgrö...
… längere Wege in Kauf nehmen. … längere Wartezeiten in Kauf nehmen. 
ja, bestimmt ja, wahrscheinlich 
nein, bestimmt nich...
Warten, wenn es nicht eilt 
Wenn das Fieber steigt oder ein Knoten getas-tet 
wird, der da vor kurzem noch nicht war, ist ...
Alter Bildungsabschluss 
TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 19 
Telemedizin: 
Arztgespräch per Video-Verbindung 
In Skandin...
Krankenschwestern zur 
Unterstützung auf dem Land 
Zahlreiche Studien zeigen, dass in vielen ländli-chen 
Gebieten Deutsch...
TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 21 
4. Zu Besuch beim Arzt 
Zu welchen Ärzten gehen die Deutschen beson-ders 
oft? Einen...
Gutes Zeugnis für Deutschlands Ärzte 
Die Deutschen stellen ihren Ärzten ein gutes 
Zeugnis aus: Mit ihrem letzten Besuch ...
TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 23 
Fachliche Kompetenz 
Was das Fachliche betrifft, fühlen sich die 
Deutschen bei ihre...
Zeit und Einfühlungsvermögen 
Mit sieben von zehn Befragten zeigt sich eine 
deutliche Mehrheit sehr zufrieden mit dem 
Ei...
TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 25 
Arzt und Patient im Gespräch: Hier gibt es noch Luft nach oben 
Wenn es darum geht, ...
5. IGeL: Extra-Behandlung auf eigene Kosten 
Jeder Zweite hat schon IGeL -Leistungen angeboten bekommen – 
Frauen öfter al...
Bei welchem Arzt sind Ihnen schon einmal selbst zu zahlende Leistungen angeboten 
worden? 
TK-Meinungspuls Gesundheit 2014...
Nur wenige wollen mehr wissen 
Macht ein Arzt seinem Patienten ein IGeL -Ange-bot, 
scheint es naheliegend, dass dieser zu...
Ärzte im Ländle „IGeLn“ am meisten 
Anteil der gesetzlich Versicherten, die vom Arzt schon einmal oder öfter eine indivi-d...
6. Patientensicherheit: kompetent als Patient 
Die Frage, welche Therapie die richtige ist, lässt 
sich nicht immer einfac...
Nicht nur der Arzt ist gefragt: Drei von vier ziehen weitere Informationsquellen zu Rate 
Bildungsabschluss Gesundheits-zu...
Vom guten Gefühl, gut informiert zu sein 
Offene Worte sind wichtig – sie zeigen den Pati-enten, 
dass ihr Arzt sie als Ge...
Kam es bei Ihnen in den letzten zehn Jahren zu einem vermuteten Fehler bei einer 
medizinischen Untersuchung oder Behandlu...
7. Prävention: über den Lebensstil 
zu besserer Gesundheit 
Gesund zu bleiben, ist nicht nur eine Frage des 
Schicksals. D...
TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 35 
Das tun die Deutschen für ihre Gesundheit 
Doch was tun die Menschen in Deutschland ...
Gesunder Lebensstil: Eigenverantwortung oder Kollektivaufgabe? 
Die Verantwortung für die eigene Gesundheit liegt … 
Präve...
Jeder Zweite macht sich keine Gedanken über eigene Pflege – selbst im Alter 
verdrängt jeder Dritte das Thema 
Mit meiner ...
Vier von zehn haben noch nichts für den Pflegefall getan 
So sorgen die Menschen in Deutschland – über die gesetzliche Pfl...
TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 39 
woanders gepflegt wurden – etwa in einem 
Pflegeheim. 16 Prozent waren oder sind sog...
Studienband "Meinungspuls Gesundheit 2014" (9. Oktober 2014)
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Über ihr Gesundheitssystem jammern die Deutschen gern. Reformbedürftig oder zukunftsfest? Mehr Wettbewerb oder weniger? Stabile Beiträge oder medizinischer Fortschritt? Gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa haben wir konkret nachgefragt, wo es hakt und was sich ändern muss. Wie zufrieden sind die Deutschen mit ihren Ärzten und dem Versorgungsnetz in Stadt und Land? Wie oft greifen sie für IGeL-Angebote ins eigene Portemonnaie? Und welche regionalen Unterschiede gibt es dabei? Außerdem im Fokus: wen die Deutschen in Sachen Prävention in der Verantwortung sehen und wie sie zum Thema Pflege stehen. Wie viele machen sich Gedanken über die eigene Absicherung - und wer ist bisher tatsächlich aktiv geworden? Der Meinungspuls gibt Antworten: So bewerten die Deutschen ihr Gesundheitssystem - das wollen sie wirklich.

2.000 Menschen, 70 Fragen. Die Ergebnisse der bevölkerungsrepräsentativen forsa-Umfrage zum deutschen Gesundheitssystem stellte die Techniker Krankenkasse (TK) am Donnerstag, 9. Oktober 2014 in der Bundespressekonferenz in Berlin vor. Als Gesprächspartner standen u.a. zur Verfügung: Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK, und forsa-Geschäftsführer Professor Manfred Güllner.

Dieses Dokument ist der TK-Studienband „Meinungspuls Gesundheit 2014“ der auf der Pressekonferenz vom 9. Oktober 2014 vorgestellt wurde. Der Studienband kann für redaktionelle Zwecke und mit dem Hinweis "Quelle: Techniker Krankenkasse" honorarfrei verwendet werden. Eine Nutzung zu Werbezwecken ist ausgeschlossen.

Weitere Informationen zum Studienband Meinungspuls und die digitale Pressemappe gibt es unter http://www.tk.de/tk/660174.

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Studienband "Meinungspuls Gesundheit 2014" (9. Oktober 2014)

  1. 1. Vorwort Es gibt keinen Grund, unser Gesundheitssys-tem schlecht zu reden – und erst recht müssen wir keinen internationalen Vergleich scheuen. Vieles läuft richtig gut. Ausruhen dürfen wir uns deshalb aber noch lange nicht, denn auch Bau-stellen gibt es viele. Mit dem „TK-Meinungspuls Gesundheit“ bitten wir nunmehr bereits zum zehnten Mal diejenigen um ihre Einschätzung zum System, die es am unmittelbarsten betrifft: Die Menschen in Deutschland, die zum einen auf ein funktionierendes Gesundheitswesen angewiesen sind und die es zum anderen auch mit ihren Beiträgen fi nanzieren. Für wie zukunftsfest halten die Menschen das Gesundheitssystem? Wo hakt es aus ihrer Sicht und was muss sich ändern? Um davon ein umfassendes Bild zu bekommen, haben wir 2.000 bevölkerungsrepräsentativen Erwach-senen in Deutschland 70 Fragen gestellt. Das Themenspektrum ist breit: Finanzierbarkeit, Leistungsumfang, Teilhabe am medizinischen Fortschritt, Solidarprinzip und Wettbewerb sind nur einige Punkte, zu denen wir die Befragten um ihre Meinung gebeten haben. Konkret nach-gehakt haben wir vor allem dort, wo sie aus ihrer persönlichen Erfahrung berichten können. Zum Beispiel: Wie zufrieden sind sie mit ihren Ärzten und dem Versorgungsnetz in Stadt und Land? Wie oft bekommen sie IGeL -Angebote und wer greift dann tatsächlich ins eigene Portemon-naie? Außerdem im Fokus: wen die Deut-schen in Sachen Prävention in der Verantwor-tung sehen und wie sie zum Thema Pfl ege stehen. Wie viele machen sich Gedanken über die eigene Absicherung – und wer ist bisher tatsächlich aktiv geworden? Antwort auf die-se und viele weitere Fragen gibt der vorliegen-de Bericht. Mich hat sehr gefreut, dass die Menschen in Deutschland ihrem Gesundheitssystem unterm Strich ein gutes Zeugnis ausstellen – gesetzlich Versicherte sogar noch häufi ger als privat Versi-cherte. Und: Schaut man in die Zeitreihen, ist der Trend in nahezu allen Bereichen ein positi-ver. Dennoch legen die Menschen den Finger in die Wunde: Auch wenn sie das System für gerecht und zukunftsfähig halten, sehen doch neun von zehn Befragten Reformbedarf – eine Einschätzung, die ich ausdrücklich teile. Die Beitragssätze trotz medizinischen Fortschritts und demografi schen Wandels auf einem ver-tretbaren Niveau zu halten, den Schritt vom unhaltbaren Nebeneinander von GKV und PKV zu einem einheitlichen Versicherungsmarkt zu wagen oder die Honorierung für Krankenhäuser und Ärzte auf eine stärker qualitätsbasierte Basis zu stellen – die Herausforderungen, die es künftig zu meistern gilt, sind groß. Also: Packen wir sie an! Ihr Dr. Jens Baas Vorsitzender des Vorstands der Techniker Krankenkasse TK-Meinungspuls Gesundheit 2014. Herausgegeben von der Techniker Krankenkasse Pressestelle, Bramfelder Straße 140, 22305 Hamburg, Telefon: 040 - 69 09-17 83, Fax: 040 - 69 09-13 53. Internet: www.presse.tk.de. E-Mail: pressestelle@tk.de. Verantwortlich: Dorothee Meusch. Redaktion: Inga Laboga, Gabriele Baron, Teresa Urban, Katja Wohlers. Gestaltung: The Ad Store GmbH. Fotos: Corbis, Getty Images, Michael Zapf. Druck: TK-Hausdruckerei. ISBN 978-3-9813762-6-5. © Techniker Krankenkasse 2014
  2. 2. 1. Die Deutschen und ihr Gesundheitssystem................................................................4 Die Frage der Gerechtigkeit..................................................................................................6 Neun von zehn sehen Reformbedarf...................................................................................8 2. Die Zukunft des Gesundheitssystems.........................................................................9 Finanzierung: Leistungs- oder Beitragsstabilität?............................................................... 10 Leistungsangebot: Wohin geht die Reise?......................................................................... 11 Innovationen: mehr bezahlen für medizinischen Fortschritt?............................................. 11 Solidarität: Soll es dabei bleiben?....................................................................................... 12 Qualität: Was wird aus der medizinischen Versorgung?..................................................... 13 Wettbewerb: mehr Markt im Gesundheitssystem............................................................ 14 3. Die ambulante Versorgung in Deutschland............................................................ 15 Aus der Arztpraxis ins spezialisierte Krankenhaus............................................................. 16 Lange Wege für gute Behandlung...................................................................................... 17 Warten auf den Spezialisten............................................................................................... 17 Warten, wenn es nicht eilt................................................................................................. 18 Telemedizin: Arztgespräch per Video-Verbindung.............................................................. 19 Krankenschwestern zur Unterstützung auf dem Land ......................................................20 4. Zu Besuch beim Arzt.................................................................................................21 Gutes Zeugnis für Deutschlands Ärzte..............................................................................22 Fachliche Kompetenz..........................................................................................................23 Wartezeit und Praxisorganisation.......................................................................................23 Zeit und Einfühlungsvermögen..........................................................................................24 Umfassend informiert?.......................................................................................................24 5. IGeL: Extra-Behandlung auf eigene Kosten............................................................26 Spitzenreiter sind die Gynäkologen....................................................................................27 Nur wenige wollen mehr wissen.......................................................................................28 Die Mehrheit greift zu........................................................................................................28 6. Patientensicherheit: kompetent als Patient............................................................30 Die meisten wollen mitentscheiden...................................................................................30 Vom guten Gefühl, gut informiert zu sein..........................................................................32 Wenn Zweifel bleiben.........................................................................................................32 Fehler können jeden treffen...............................................................................................33 Nur die Hälfte hat etwas gesagt.........................................................................................33 7. Prävention: über den Lebensstil zu besserer Gesundheit.....................................34 Ein bisschen mehr ist möglich............................................................................................34 Das tun die Deutschen für ihre Gesundheit.......................................................................35 Verantwortung für die eigene Gesundheit.........................................................................35 Prävention in Lebenswelten...............................................................................................36 8. Pflege in Deutschland...............................................................................................36 Zusätzliche Absicherung zur gesetzlichen Pflegeversicherung...........................................37 Wie präsent ist das Thema Pflege?....................................................................................38 Pflegen ist Frauen-Arbeit....................................................................................................39 9. Ernstfall Pflegebedürftigkeit – wie teuer wird es?.................................................40 Einschätzung versus Realität..............................................................................................40 Zum Nachdenken gebracht................................................................................................42 Hoffen, dass es gut geht....................................................................................................43 10. Die Deutschen und ihre Gesundheit......................................................................44 Der Rücken macht Ärger....................................................................................................44 Fünf bis zehn Mal im Jahr zum Arzt...................................................................................44 TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 3 Inhalt
  3. 3. 1. Die Deutschen und ihr Gesundheitssystem Trotz aller Meckerei: Wer danach fragt, ob die Menschen in Deutschland mit ihrem Gesund-heitssystem zufrieden sind, bekommt ein äu-­ßerst positives Bild. Insgesamt geben ihm drei Viertel der Befragten gute Noten – jeder Vierte bezeichnet sich sogar als sehr oder voll-kommen zufrieden. Ein knappes Viertel vertritt die gegenteilige Auffassung und ist unzufrieden. gesamt Befragte, die vollkommen oder sehr zufrieden 53 % 18 % 6 % 4 | TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 Im Zehnjahresvergleich ist der Trend positiv: Denn die Zufriedenheit der Deutschen wächst seit 2005 stetig, wie der Blick in die vorausge-gangenen Meinungspuls-Studien der TK zum Gesundheitssystem zeigt. Vor zehn Jahren war es noch mehr als jeder Zweite, der sich als weniger zufrieden beschrieb. Drei Viertel der Deutschen geben dem Gesundheitssystem gute Noten – die Jüngeren sind besonders zufrieden 6 % 1 % 16 % vollkommen zufrieden weiß nicht/ keine Angabe wenig zufrieden unzufrieden sehr zufrieden Prozent 30 20 10 0 35 % 18–25 Jahre 31 % 26–35 24 % 36–45 17 % 46–55 23 % 56–65 20 % 66 und älter zufrieden sind, nach Lebensalter
  4. 4. TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 5 Ob Ost oder West, Männer oder Frauen – das Meinungsbild ist in der aktuellen Befragung recht einheitlich. Allerdings sind Jüngere ten-denziell etwas zufriedener, die meisten Anlässe für Kritik sehen die 46- bis 55-Jährigen. Knapp jeder Dritte in dieser Altersgruppe ist weniger oder gar nicht zufrieden. Insgesamt gilt: Je hö-her der Bildungsgrad und auch das Einkommen sind, desto zufriedener sind die Befragten mit dem System. Zeigen sich von denen mit niedri-gerem Bildungsabschluss nur 19 Prozent eher zufrieden, sind es bei denen mit Abitur oder Hochschulabschluss bereits 30 Prozent. Ein deutlicher Zusammenhang besteht auch zwi-schen der eigenen Gesundheit und der Bewer-tung des Gesundheitssystems: Wer gesund ist, sieht das System in der Tendenz positiver. Von denen, die ihren eigenen Gesundheitszu-stand als weniger gut oder schlecht beschrei-ben, ist mit 43 Prozent fast jeder Zweite mit dem System unzufrieden. So zufrieden wie noch nie Mit unserem Gesundheitssystem bin ich … 2014 2012 2011 2010 2009 2008 2006 2005 2004 2003 Angaben in Prozent 24 21 15 13 11 8 8 8 9 53 55 54 50 48 45 36 37 41 23 23 30 37 40 44 54 54 49 weiß nicht/keine Angabe … vollkommen/ sehr zufrieden. … zufrieden. … weniger zufrie-den/ unzufrieden. 13 52 35
  5. 5. Die Frage der Gerechtigkeit Jeder zweite Befragte findet, dass es im deut-schen Gesundheitssystem gerecht zugeht. Immerhin sind es aber auch 45 Prozent, die das System als ungerecht empfinden. Auch hier lässt sich ein Zusammenhang mit dem Alter feststellen. Während von den jungen Erwachse-nen 71 Prozent das System für gerecht halten, halbiert sich dieser Anteil bei den 46- bis 55-Jäh-rigen fast. Auf einen Zusammenhang zwischen dem eigenen Wohlbefinden und dem Empfin-den von Ungerechtigkeit deutet der Blick auf den Gesundheitszustand hin: 54 Prozent der Gesunden finden das System eher gerecht, während dies bei den Kranken wiederum ganz anders aussieht: Nur 39 Prozent von ihnen ge-hen bei dieser Einschätzung mit. Ich finde das deutsche Gesundheitssystem … eher gerecht eher ungerecht 6 | TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 Und: Gesetzlich Versicherte finden das System gerechter als privat Versicherte. Während bei den gesetzlich Versicherten mit 53 Prozent mehr als jeder Zweite das System als eher gerecht einstuft, sind es bei den privat Versi-cherten nur 42 Prozent. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass in der Bevölkerung parallel zur wachsenden Zufriedenheit mit dem Gesund-heitssystem auch die Einschätzung zunimmt, das System sei gerecht. Während vor zehn Jahren nicht einmal jeder Dritte das System als gerecht bezeichnete, tut dies heute die Mehrheit. Jeder Zweite findet Gesundheitssystem gerecht – Kranke kritischer als Gesunde gesamt Befragte nach Gesundheitszustand 4 % * 45 % 51 % Prozent 54 % 43 % 39 % 56 % sehr gut/gut weniger gut/schlecht 50 40 30 20 10 0 * weiß nicht/keine Angabe
  6. 6. gesetzlich Versicherte privat Versicherte TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 7 Mehrheit findet Gesundheitssystem gerecht – Tendenz steigend Empfinden Sie das deutsche Gesundheitssystem als gerecht? 2014 2012 2011 2010 2009 2008 2006 2005 2004 51 50 42 Angaben in Prozent 33 33 33 28 33 30 45 47 53 63 64 63 69 64 68 eher gerecht eher ungerecht Privat Versicherte finden Gesundheitssystem ungerechter und sehen größeren Reformbedarf Prozent 50 40 30 20 10 0 Ich empfinde das Gesundheitssystem als gerecht. Das Gesundheitssystem wird auch künftig in seiner heutigen Form finanzierbar bleiben. Das deutsche Gesund-heitssystem ist gut, wie es ist, und sollte deshalb so bleiben. 53 % 46 % 42 % 37 % 11 % 7 %
  7. 7. Neun von zehn sehen Reformbedarf Allerdings: Auch wenn die Mehrheit der Befrag-ten mit dem deutschen Gesundheitssystem zufrieden ist, heißt das nicht, dass sie deshalb keinen Reformbedarf sieht. 77 Prozent finden das System im Prinzip richtig, wollen aber auch, dass es an einigen Stellen reformiert wird. Nur jeder Zehnte ist der Ansicht, dass alles bleiben sollte, wie es ist. Der Trend ist auch hier ein positiver: Seit knapp zehn Jahren nimmt die grundlegende Kritik am System kontinuierlich ab. 2006 etwa war es noch fast jeder Vierte, der umfassende Reformen für angebracht hielt. Die Notwendigkeit für einschneidende Verän-derungen sehen heute nur noch 13 Prozent. Frauen plädieren häufiger als Männer für mo-derate 8 | TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 Änderungen. Männer sprechen sich dagegen stärker für radikale Reformen aus: 15 Prozent von ihnen sehen umfassenden Reformbedarf. Und auch in diesem Zusammen-hang spielt wieder der eigene Gesundheitszu-stand eine wichtige Rolle: Jeder vierte Kranke sieht grundlegenden Reformbedarf. Im Ver-gleich dazu ist es bei den Gesunden nur etwa jeder Zehnte. Unzufriedener zeigen sich auch die privat Versicherten: Unter ihnen ist der Wunsch nach grundlegenden Änderungen mit 15 Prozent stärker präsent als bei den gesetzlich Versicher-ten mit 12 Prozent. Und lediglich 7 Pro­zent der privat Versicherten wollen, dass das deutsche Gesundheitssystem komplett so erhalten bleibt, wie es heute ist. Bei den gesetzlich Versicherten liegt der Anteil mit 11 Prozent deutlich höher. Neun von zehn sehen Reformbedarf – aber nur die wenigsten stellen das Gesundheitssystem grundlegend in Frage Das deutsche Gesundheitssystem ist gut, wie es ist, und sollte deshalb so bleiben. 10 % 77 % 13 % Es sollte grundlegend und umfassend geändert werden. Es ist im Prinzip gut, sollte aber an einigen Stellen reformiert werden.
  8. 8. Optimismus nimmt zu: Doppelt so viele wie 2006 halten das Gesundheitssystem für zukunftsfähig Das deutsche Gesundheitssystem wird auch zukünftigen Herausforderungen gewachsen sein. TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 9 2. Die Zukunft des Gesundheitssystems Zwei Drittel der Deutschen glauben daran, dass das Gesundheitssystem auch in Zukunft seinen Aufgaben gewachsen sein wird. Damit bestä-tigt sich auch aktuell der seit knapp zehn Jah-ren anhaltende Trend, dass die Menschen in Deutschland mehr und mehr auf die Stärken des deutschen Gesundheitssystems vertrauen. 2006 war es noch genau andersherum: Damals 2009 2008 Besonders optimistisch blicken die Jungen in die Zukunft. 76 Prozent der 18- bis 25-Jährigen halten das Gesundheitssystem für zukunftsfä-hig. Aber auch in den älteren Generationen ist die Wertschätzung für das System hoch. Ab Mitte 50 schätzen 71 Prozent das System als fit für die Zukunft ein. Pessimistisch dagegen sind die mittleren Altersgruppen: Rund 40 Pro-zent der Befragten zwischen 26 und 55 Jahren gehen eher nicht davon aus, dass das Gesund-heitssystem für die Zukunft gut aufgestellt ist. Und: Je höher der Bildungsgrad, desto größer sind auch die Zweifel. Bei jenen mit Abitur oder Studienabschluss glauben 38 Prozent eher nicht an die Zukunftsfähigkeit, bei jenen mit niedri-gerem Bildungsabschluss sind es 28 Prozent. Skepsis herrscht abermals bei den Kranken: Von ihnen glaubt nur jeder Zweite an die Zu-kunftsfähigkeit, während es bei den Gesunden fast 70 Pro­zent sind. waren es zwei Drittel der Befragten, die an der Zukunftsfähigkeit zweifelten. Heute stimmen 23 Prozent der Einschätzung voll und ganz zu, das System sei zukünftigen Herausforderungen gewachsen. Weitere 43 Prozent unterstützen diese These nicht vollumfänglich, aber doch in der Tendenz. Eine zentrale Frage für die Zukunftsfähigkeit des Systems besteht darin, ob es auch künftig in seiner heutigen Form finanzierbar sein wird. Dass das möglich ist, glaubt fast jeder zweite Deutsche. Allerdings halten 34 Prozent der Optimisten es lediglich für wahrscheinlich, nur 11 Prozent sind sich ganz sicher. Mit 29 Pro-zent ist es fast jeder Dritte, der eine Finan-zierbarkeit für eher unrealistisch hält. Männer blicken in dieser Hinsicht etwas positiver in die Zukunft. 49 Prozent halten das System auch künftig für finanzierbar, unter den Frauen sind es nur 41 Prozent. Über alle Altersgruppen hinweg glauben die Älteren ab 66 am stärksten an die Finanzierbarkeit (53 Prozent). Und privat Versicherte sind deutlich pessimistischer als gesetzlich Versicherte: In der privaten Kranken-versicherung (PKV) halten 37 Prozent die Finan-zierbarkeit in Zukunft für realistisch, in der ge-setzlichen Krankenversicherung (GKV) sind es 46 Prozent. 2014 2012 2011 2010 2006 23 20 15 17 13 13 9 43 42 39 33 35 35 24 33 37 44 49 51 51 65 stimme voll und ganz zu stimme eher zu stimme eher nicht/ überhaupt nicht zu Angaben in Prozent weiß nicht/keine Angabe
  9. 9. Finanzierung: Leistungs- oder Beitragsstabilität? Um die Finanzierung des Gesundheitssystems langfristig zu sichern, sind verschiedene Wege denkbar. Krankenkassen können beispielsweise ihre Beiträge erhöhen, um den Leistungsumfang beizubehalten. Dazu befragt, präferieren 44 Pro­- zent der Befragten diese Variante. Denkbar ist beispielsweise auch, Leistungen zu re­du­zieren, um Beiträge und Zuzahlungen stabil zu halten – ein Weg, den 32 Prozent mitgehen eher steigen eher sinken gleich bleiben 10 | TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 würden. Und was erwarten die Deutschen in Sachen Beiträge, Leistungsumfang oder auch medizinische Versorgung? Die große Mehrheit der Menschen in Deutschland (85 Prozent) rechnet damit, dass die Beiträge für die gesetzli-che Krankenversicherung in Zukunft steigen werden. Diese Einschätzung ist seit 2012 stabil. In den Jahren davor hatte sogar ein noch größe-rer Prozentsatz mit steigenden Beiträgen ge-rechnet. Mit steigendem Einkommen nimmt auch die Zahl derer zu, die steigende Beiträge erwarten. Wie entwickeln sich Beiträge, Leistungsumfang, medizinische Versorgung? Das erwarten die Deutschen Die Beiträge werden ... Das Leistungsangebot wird ... gleich bleiben eher sinken gleich bleiben eher umfangreicher eingeschränkt 85 % 54 % 12 % 36 % 9 % Die Qualität der medizinischen Versorgung wird ... eher steigen 47 % 39 % 1 % 13 % 1 % 2 % 1 % weiß nicht/ keine Angabe weiß nicht/ keine Angabe weiß nicht/keine Angabe
  10. 10. TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 11 Unter dem Strich ist den Menschen der Erhalt des Leistungsspektrums wichtiger als stabile Beiträge: Vor die Wahl gestellt, wären 44 Pro­- zent der Befragten einverstanden, mehr für ihre Krankenversicherung zu bezahlen, um die bishe-rigen Leistungen auch weiterhin zu bekommen. Ein Drittel der Befragten (32 Prozent) tendiert zu stabilen Beiträgen und würde dafür auch einen geringeren Leistungsumfang in Kauf nehmen. Mehr zu bezahlen, sind besonders die Männer bereit. 48 Prozent von ihnen wollen die Leistun-gen im vollen Umfang behalten, während dies nur 41 Prozent der Frauen bevorzugen. Fest steht: Wer gutes Geld verdient, ist eher bereit, mehr zu bezahlen. Die Befragten im arbeitsfä-higen Alter tendieren durchweg öfter zu der Alternative, ihre Leistungen zu behalten und dafür mehr zu zahlen. In der Altersgruppe der über 65-Jährigen sind es nur 37 Prozent. Ganz deutlich wird der Zusammenhang beim Blick auf das Einkommen. Ab einem Haushaltsnet-toeinkommen von 3.000 Euro im Monat steigt die Bereitschaft, mehr zu zahlen, auf 50 Pro-zent, ab 4.000 Euro im Monat auf 53 Prozent. Bei denen, die weniger als 1.500 Euro im Monat zur Verfügung haben, würden sich nur 39 Pro-zent für höhere Beiträge entscheiden. Denkbar wäre, dass auch bei dieser Frage die eigene Gesundheit ein Faktor ist: Wem es gut geht, der könnte eher gewillt sein, auf Leistungen zu verzichten. Doch dem ist nicht so. Von den Gesunden sind es mit 47 Prozent etwas mehr als der Durchschnitt, die ihren Leistungsum-fang behalten wollen und dafür auch bereit wären, mehr zu bezahlen. Leistungsangebot: Wohin geht die Reise? Mehr als die Hälfte der Deutschen (54 Prozent) geht davon aus, dass der Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung in Zukunft eingeschränkt wird. Jeder Dritte nimmt an, der Umfang bleibt gleich. Jeder Zehnte glaubt, dass es künftig sogar mehr Leistungen werden. Die-ses Ergebnis entspricht dem Bild, das bereits der TK-Meinungspuls 2012 gezeichnet hatte. In den Jahren davor ging sogar eine noch grö-ßere Mehrheit von zukünftigen Einschränkun-gen aus. Die aktuelle Studie zeigt, dass sich auch an dieser Stelle die Jüngeren durch Opti-mismus hervortun. 17 Prozent der 18- bis 25-Jährigen erwarten in Zukunft ein größeres Leistungsangebot. Zudem halten 50 Prozent von ihnen stabile Leistungen für wahrschein-lich. Pessimismus herrscht in der so genannten Sandwich-Generation der Mittdreißiger bis Mitt-fünfziger, die zwischen Familie und Karriere be-sonders starke Anforderungen im Alltag zu bewältigen hat. Von ihnen sind es bis zu 66 Pro­- zent, die von weniger Leistungen in Zukunft ausgehen. Innovationen: mehr bezahlen für medizinischen Fortschritt? Ein wesentlicher Faktor für den Kostenanstieg im Gesundheitssystem und steigende Kranken-versicherungsbeiträge ist der medizinische Fortschritt. Und darauf will die Mehrheit der Zwei Drittel sagen: Unser Gesundheitssystem ist zukunftsfähig Aber: Skepsis bei Finanzierbarkeit und medizinischem Fortschritt für alle Das deutsche Gesundheitssystem … ist zukünftigen Herausforderungen gewachsen. 33 1 66 wird auch künftig in seiner heutigen Form finanzierbar bleiben. 1 45 25 29 wird weiterhin allen Patienten ermöglichen, am medizinischen Fortschritt teilzuhaben. eventuell 33 28 39 ja, auf jeden Fall/wahrscheinlich wahrscheinlich nicht/auf keinen Fall weiß nicht/keine Angabe Angaben in Prozent
  11. 11. Mehr bezahlen? Am ehesten für den medizinischen Fortschritt Höhere Beiträge würde ich in Kauf nehmen für … Deutschen nicht verzichten. Zwei Dritteln ist es wichtig, auch künftig am medizinischen Fort-schritt teilzuhaben, und sie würden dafür auch höhere Beiträge akzeptieren. Es ist aber auch noch gut jeder Fünfte, der stabile Beiträge wich-tiger findet als einen umfassenden Zugang zu neuen Diagnose- und Therapieverfahren. Wäh-rend dabei die Frage des Ge-schlechts keinen Unterschied macht, sinkt die Bereitschaft, für den Fortschritt mehr Geld zu bezahlen, mit dem Alter. 78 Prozent der jungen Erwachsenen wol-len, dass in innovative Verfahren investiert wird. Jenseits der 65 sind dies nur noch 56 Prozent. Eine deutliche Verbindung besteht auch mit dem Bildungsniveau. 73 Prozent derer mit Abi-tur oder Studium sind bereit, für Fortschritte in der Medizin mehr zu zahlen. Bei jenen mit Haupt- oder Volksschulabschluss sind es 58 Pro-zent. Analog dazu steigt die Bereitschaft mit dem Einkommen. 83 Prozent der Gutverdienen-den würden für Innovationen höhere Beiträge Solidarität: Soll es dabei bleiben? In der gesetzlichen Krankenversicherung gilt im Unterschied zur privaten Krankenversicherung das Solidarprinzip. Es bedeutet, dass Versicher-te gegenseitig füreinander einstehen. Jeder zahlt nach seiner finanziellen Leistungsfähig-keit ein und bekommt davon unabhängig die medizinische Versorgung, die er benötigt. Die-sen Grundgedanken findet mit 84 Prozent die überwiegende Mehrheit der Befragten richtig. Überdurchschnittlich oft befürworten Männer das Solidarprinzip. 88 Prozent stimmen ihm zu. Bei den Frauen sind es dagegen 81 Prozent. Im Generationenvergleich sind es ganz besonders die Jüngeren, die das Solidarprinzip wollen. Die Zustimmung bei den 18- bis 25-Jährigen er-reicht den Spitzenwert von 91 Prozent. Auffällig 12 | TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 akzeptieren. Ein klares Bekenntnis zum medizi-nischen Fortschritt legen zudem die privat Ver-sicherten ab. Von ihnen sind 75 Prozent bereit, dafür mehr zu zahlen. Ein klares Bekenntnis zum medizinischen Fortschritt liefern zudem auch die privat Versicherten. Von ihnen sind es 75 Prozent, die dafür mehr zu zahlen bereit sind. Die persönliche Bereitschaft ist das eine – nach ihren Erwartungen befragt, ob tatsächlich auch in Zukunft alle Patienten bei Bedarf nach neu-esten medizinischen Erkenntnissen und mit neuesten Techniken untersucht und behandelt werden, glauben daran nur 9 Prozent aller Be-fragten. Weitere 24 Prozent halten es immerhin für wahrscheinlich. Die Mehrheit ist jedoch skeptisch: 28 Prozent glauben nur eventuell daran und weitere 39 Prozent halten das für unwahrscheinlich oder sogar ausgeschlossen. ist darüber hinaus, dass mit der Höhe des Bil-dungsgrads auch die Zustimmung zum Solidar-prinzip steigt. Unter den Menschen mit Abitur oder Studium unterstützen 91 Prozent diesen Grundgedanken, bei denen mit geringeren Ab-schlüssen sind es rund 80 Prozent. Während die Gesunden mit 85 Prozent die Solidarität in der gesetzlichen Krankenversicherung befürwor-ten, sind es bei den Kranken 79 Prozent. Insgesamt meinen sechs von zehn Befragten, der Solidargedanke werde im jetzigen Gesund-heitssystem gut umgesetzt. Das sind wiederum besonders die Jungen sowie jene mit höherem Bildungsabschluss. Kritik kommt abermals von Seiten der Menschen mit schlechterer Ge-sundheit: Von ihnen findet nur jeder Zweite, dass das Solidarprinzip heute gut funktioniert. die weitere Teilhabe am medizinischen Fortschritt. den Erhalt des Solidar-systems. 65 % 50 % 44 % 20 40 60 einen gleich bleibenden Leistungsumfang.
  12. 12. schlecht 2 % 1 % sehr gut 13 % 26 % bereit, höhere Beiträge zu akzeptieren, um das Solidarprinzip im heutigen Umfang zu erhalten. Die geringste Bereitschaft zeigen beim Ver-gleich der Altersgruppen die 36- bis 55-Jähri-gen mit knapp jedem Zweiten. Ein deutlicher Unterschied besteht außerdem zwischen den gesunden und den kranken Menschen. Von den Kranken würden nur 34 Prozent höhere Beiträge in Kauf nehmen, um das Solidarprin-zip zu erhalten, bei den Gesunden sind es da-gegen 54 Prozent. Generell zeigt sich: Das Be-kenntnis zum Solidarprinzip nimmt stetig zu. Im Mehrjahresvergleich äußern sich die Befragten zunehmend positiv sowohl zum Grundgedan-ken der Solidarität als auch zu seiner Finanzier-barkeit. TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 13 Ebenfalls sechs von zehn Deutschen sind der Meinung, das Solidarsystem lasse sich im jet-zigen Umfang auch weiterhin finanzieren. Mit 67 Prozent sind Männer in dieser Frage deut-lich optimistischer als Frauen mit 56 Prozent. Spannend ist der Blick auf das Alter. In der Sand-wich- Generation glaubt nur knapp jeder Zweite an die Finanzierbarkeit, während es bei den jungen Erwachsenen und den Menschen jen-seits der 55 mit rund sieben von zehn signifi-kant mehr sind. Einen Gedanken zu unterstützen, ist das eine. Etwas anderes ist die Bereitschaft, für seine Umsetzung auch mehr Geld zu bezahlen. Kon-kret danach befragt, erklärt sich jeder Zweite Qualität: Was wird aus der medizinischen Versorgung? In Sachen medizinische Versorgung gehen die Deutschen mehrheitlich davon aus, dass die Zukunft nicht besser wird. Fast jeder Zweite nimmt an, dass die Qualität der medizinischen Versorgung bei niedergelassenen Ärzten und in Krankenhäusern in Zukunft eher sinken wird. Knapp 39 Prozent glauben, sie bleibt gleich, und nur 13 Prozent erwarten einen Anstieg. Hier sind die Menschen in den letzten Jahren deutlich pessimistischer geworden, wie der Blick in die vorausgegangenen Meinungspuls-Erhebungen zeigt: 2012 war es noch lediglich jeder Dritte, der von einer sinkenden Versorgungsqualität ausging. In der aktuellen Befragung zeigt sich, dass besonders die Frauen pessimistisch sind. Nur knapp jede zehnte Frau glaubt daran, dass die Qualität steigen wird, bei den Männern ist es jeder sechste. Optimistisch zeigt sich wie-der die junge Generation. Nur drei von zehn jungen Erwachsenen erwarten einen Rückgang der Qualität. Zwischen Mitte 40 und Mitte 50 sind es dagegen fast doppelt so viele. Einen negativen Blick auf die Zukunft haben auch die Kranken. 58 Prozent von ihnen rechnen mit einer schlechteren medizinischen Versorgung, während von den Gesunden nur 45 Prozent diese Annahme teilen. Regional betrachtet fällt auf, dass vor allem in ländlichen Gebieten Pessi-mismus herrscht. Mehr als die Hälfte der Men-schen in Ortschaften unter 5.000 Einwohnern geht von einem Absinken der Qualität aus. Klares Votum für das Solidarprinzip Wie beurteilen Sie die Idee des Solidaritätsgedanken in der gesetzlichen Kranken-versicherung? 58 % weniger gut gut * weiß nicht/keine Angabe *
  13. 13. Wettbewerb: mehr Markt im Gesundheitssystem Eine vielgenannte Forderung in Diskussionen um die Zukunft des deutschen Gesundheits-systems ist die nach einem Ausbau des Wett-bewerbs auf allen Ebenen – also unter den Krankenkassen, Krankenhäusern, Ärzten, Arz-neimittelherstellern Anteil der Befragten, die folgenden Aussagen zustimmen 14 | TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 und Apotheken. Diesen Gedanken unterstützt mit 52 Prozent mehr als jeder zweite Deutsche. Besonders hoch ist die Zustimmung in der älteren Generation. 60 Pro-zent der Menschen jenseits der 65 Jahre finden, es müsse mehr Wettbewerb herrschen. Ein etwas differenzierteres Bild ergibt sich jedoch, wenn es um konkrete Vorschläge geht. Dann erreichen einzelne Wettbewerbsvarianten eine Wenn es um Art und Umfang des eigenen Ver-sicherungsschutzes geht, sind es mit 67 Pro­- zent zwei Drittel der Deutschen, die sagen, jeder solle darüber selbst bestimmen dürfen. Am stärksten ist der Wunsch nach Mitsprache bei den jungen Erwachsenen ausgeprägt: 86 Pro­zent von ihnen wollen selbst entschei-den. Ein Zusammenhang besteht zudem mit dem Einkommen: Je weniger die Befragten verdienen, desto größer ist ihr Wunsch nach Selbstbestimmung beim Umfang des Versiche-rungsschutzes. Bei den Geringverdienern sind es sieben von zehn, die flexibel entscheiden wolllen. Bei den besser Verdienenden sind es nur sechs von zehn. Kaum Unterschiede beste-hen in dieser Hinsicht zwischen Kranken und Gesunden oder zwischen gesetzlich und privat Versicherten. deutlich höhere Zustimmung – etwa bei der Frage, ob jeder die Möglichkeit bekommen soll-te, sich gesetzlich oder privat zu versichern. Dem stimmt mit knapp acht von zehn die gro-ße Mehrheit der Befragten zu. Die Befürwor-tung im Osten Deutschlands ist mit 82 Prozent gegenüber 77 Prozent im Westen etwas höher. Die Frauen votieren mit 79 Prozent etwas öfter als die Männer mit 76 Prozent für die freie Wahl der Versicherungsart. Unter den privat Versicher-ten liegt der Anteil der Befürworter mit 82 Pro-zent höher als bei den gesetzlich Versicherten (77 Prozent). Noch weiter ginge die Idee, dass sich alle Menschen in Deutschland privat versi-chern müssen – doch die Zustimmung dazu fällt gering aus: Lediglich 8 Prozent befürwor-ten dies. Eine Möglichkeit, um den Wettbewerb unter Ärzten zu fördern, besteht darin, dass Verträge zwischen den einzelnen Kassen und den einzel-nen Ärzten frei verhandelbar sein könnten. Dies befürwortet jeder zweite Deutsche. Insgesamt ist die Mehrheit der Befragten überzeugt, dass sich mehr Wettbewerb positiv auf das Gesund-heitssystem auswirken würde. 62 Prozent mei-nen, dass mehr Wettbewerb zu einem besseren Service bei den Krankenkassen und Kranken-versicherungen führen würde, 61 Prozent ge-hen davon aus, dass mehr Wettbewerb eine höhere Qualität der medizinischen Versorgung zur Folge hätte – beispielsweise durch die Ein-beziehung neuer medizinischer Entwicklungen. Und immerhin jeder Zweite erwartet, dass es durch mehr Wettbewerb zu einem besseren Management der Krankenkassen sowie -versi-cherungen und dadurch zu geringeren Kosten kommen würde. Votum für mehr Wettbewerb Der Wettbewerb soll auf allen Ebenen des Gesundheitswesens ausgebaut werden. Mehr Wettbewerb führt zu einem besseren Service der Krankenkassen. Mehr Wettbewerb führt zu höherer Qualität in der medizinischen Versorgung. 52 % 20 40 62 % 61 % 50 % 49 % Verträge zwischen Kassen und Ärzten sollten frei verhandelbar sein. Mehr Wettbewerb führt zu einem bes-seren Management der Krankenkassen und damit zu geringeren Kosten. 60 Mehrfachnennungen möglich
  14. 14. 3. Die ambulante Versorgung in Deutschland TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 15 Die meisten Menschen in Deutschland sind glücklich mit dem Netz an Haus- und Fachärz-ten, das ihnen zur Verfügung steht. Fast jeder Zweite ist sehr oder vollkommen zufrieden mit dem Angebot an Arztpraxen in seiner Umge-bung. Lediglich 16 Prozent der Befragten sind weniger zufrieden oder sogar unzufrieden. Einen deutlichen Unterschied gibt es zwischen West-und Ostdeutschland: Während im Westen die Hälfte der Bevölkerung beste Noten für das ambulante Angebot vergibt, tut dies im Osten nur ein Drittel. Auf Länderebene betrachtet, liegen Bayern und Niedersachsen in Sachen Zufriedenheit an der Spitze. Klar erkennbar ist auch ein Stadt-Land-Gefälle: In größeren Städ-ten und Ballungsräumen ist die Zufriedenheit sehr viel größer als auf dem Land. Ab einer Einwohnerzahl von 500.000 liegt die Zahl der Zufriedenen bei 60 Prozent, in Orten unter 5.000 Einwohnern sind es nur 40 Prozent. Einen positiveren Blick auf die Versorgungssi-tuation haben die Männer: 52 Prozent von ihnen äußern sich zufrieden über das Arztan-gebot in ihrer Umgebung, während es bei den Frauen nur 44 Prozent sind. Besonders hohe Zustimmung erreicht die ambulante Versor-gung bei den unter 25-Jährigen. 57 Prozent von ihnen signalisieren eine hohe Zufriedenheit. Ein Wermutstropfen: Das Angebot an Arztpraxen vor Ort wird von denjenigen, die häufi ger darauf angewiesen sind, deutlich schlechter bewertet. Fast jeder dritte Kranke zeigt sich weniger oder ganz unzufrieden, während es bei den Gesünde-ren nur etwa jeder achte ist. Wo Deutschland seinem Praxen-Angebot gute Noten gibt Anteil der Menschen, die mit dem Angebot an Arztpraxen in ihrer Umgebung vollkommen beziehungsweise sehr zufrieden sind, nach Regionen Schleswig- Holstein Hamburg Mecklenburg- Vorpommern Niedersachsen Bremen* Nordrhein-Westfalen Hessen Saarland Baden- Württemberg Brandenburg Berlin Sachsen- Anhalt Thüringen Sachsen Bayern Rheinland- Pfalz 53% 43% 33% 51% 41% 44% 53% 51% 49% Bundesgebiet: 48 % * Wert für Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern: 49 %
  15. 15. Ärztemangel: auf dem Land jeder Fünfte unzufrieden Zufriedenheit mit dem Arztpraxen-Angebot in der Umgebung (nach Ortsgröße) Aus der Arztpraxis ins spezialisierte Krankenhaus Krankenhäuser, in denen bestimmte Operati-onen besonders häufig durchgeführt werden, können aufgrund ihrer Erfahrung häufig auch eine besonders hohe Qualität anbieten. Die spe-zialisierte Klinik ist nicht unbedingt das nächstge-legene Haus. Die Folge: Die Anfahrt kann für den Patienten länger dauern. 84 Prozent der Deutschen sind dennoch bereit, in ein weiter entferntes Krankenhaus zu gehen, wenn dort viel Erfahrung vorliegt und eine besondere Be-handlungsqualität Ich bin bereit, in ein entfernteres Krankenhaus zu gehen, wenn es dort eine besondere Behandlungsqualität gibt. 16 | TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 sichergestellt ist. Dem ste-hen nur 14 Prozent gegenüber, die sich auch dann für ein Krankenhaus in der Nähe entschei-den, wenn die erforderliche Operation dort seltener vorgenommen wird. Gebildetere und Gutverdiener zeigen sich besonders flexibel. 88 Prozent derjenigen mit Abitur oder Studium würden eine längere Strecke akzeptieren, bei den Menschen mit einem niedrigeren Bildungs-abschluss sind es 83 Prozent. Zudem geben neun von zehn Gutverdienern der Behandlungs-qualität den Vorrang. Bei den Geringverdienern sind es deutlich weniger, aber dennoch mit 73 Prozent weit über zwei Drittel. Zudem zeigen die Kranken mit 77 Prozent eine etwas gerin-gere Bereitschaft zur weiteren Anreise als die Gesunden mit 84 Prozent. vollkommen zufrieden/ sehr zufrieden weniger zufrieden/ unzufrieden 48 % 40 % 20 % 9 % 20 40 60 % 16 % 60 unter 5.000 Einwohner 500.000 Einwohner und mehr Gesamt Krankenhäuser: Bereitschaft zu längerer Anfahrt ist da 84 % 14 % 2 % Ich würde mich auch dann in der Nähe behandeln lassen, wenn die bei mir erforderliche Operation dort seltener durchgeführt wird. weiß nicht/ keine Angabe
  16. 16. … längere Wege in Kauf nehmen. … längere Wartezeiten in Kauf nehmen. ja, bestimmt ja, wahrscheinlich nein, bestimmt nicht eher nicht TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 17 Lange Wege für gute Behandlung Ein ähnliches Bild ergibt sich, wenn es darum geht, ob die Deutschen im Falle einer schwe-ren Erkrankung auch längere Wege akzeptieren würden, um sich von einem niedergelassenen Arzt untersuchen zu lassen, der eine besondere Behandlungsqualität sicherstellt. Neun von zehn Deutschen sind dazu bereit. Hier ist das Verhält-nis zwischen Ost und West sowie zwischen Männern und Frauen ausgeglichen. Die Bereit-schaft zur Mobilität sinkt jedoch mit dem Alter: Sind es bei den Erwachsenen um die 20 Jahre noch 94 Prozent, die eine längere Fahrt in Ord-nung finden, sinkt der Wert bei den Befragten Warten auf den Spezialisten Ein anderes Thema, bei dem die individuelle Haltung ganz unterschiedlich ausgeprägt ist, betrifft die Wartezeit auf einen Termin. Ge-fragt wurde nach der Bereitschaft, im Fall ei-ner schweren Krankheit längere Wartezeiten in Kauf zu nehmen, um sich von einem Arzt untersuchen zu lassen, der eine besondere Behandlungsqualität sicherstellt. Vorausge-setzt natürlich, dass diese Wartezeit gesund-heitlich vertretbar ist. Die Ergebnisse zeigen, dass die Bereitschaft zum längeren Warten et-was geringer ausfällt als die zum längeren Fah-ren. Mit 72 Prozent der Befragten, die längere Wartezeiten tendenziell akzeptieren würden, jenseits 65 Jahren auf 84 Prozent. Offensichtlich ist auch, dass in höheren Einkommensschichten die Bereitschaft zu längeren Wegen ausgepräg-ter ist: Ab einem monatlichen Einkommen von 3.000 Euro liegt sie bei rund 95 Prozent. Dage-gen würden nur 86 Prozent von denen, die weniger als 1.500 Euro zur Verfügung haben, weitere Wege auf sich nehmen. Die hohe Auf-geschlossenheit, im Fall der Fälle auch weitere Wege in Kauf zu nehmen, findet sich in Stadt und Land wieder. So liegt die Akzeptanz auf dem Dorf bei zum Beispiel 92 Prozent, in den Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern bei 83 Prozent. sind es jedoch immerhin noch knapp drei Vier-tel. Etwas ungeduldiger sind die Männer. Für 30 Prozent von ihnen muss es schnell gehen, wenn es ernst ist. Bei den Frauen sehen das nur 24 Prozent so. Ansonsten ist es offenbar eher eine Frage des Typs, ob längere Warte-zeiten als erträglich bewertet werden. Denn weder Alter noch Bildung oder Wohnort spie-len eine Rolle. Allerdings scheint die Erfahrung ein Faktor zu sein: Wer das Gefühl, krank zu sein, gut kennt und öfter in dieser Situation ist, dem fällt auch das Warten schwerer. So sind es 73 Prozent der Gesunden, die auch länger auf einen Termin warten würden, aber nur 57 Pro-zent der Kranken. Behandlungsqualität: Große Mehrheit würde weite Wege und längere Wartezeiten akzeptieren Bei einer schweren Erkrankung würde ich für einen Arzt, der eine besondere Qualität der Behandlung sicherstellt, … ja, bestimmt ja, wahrscheinlich eher nicht 61 % 29 % nein, bestimmt nicht 4 % 6 % 31 % 1 % * 8 % 41 % 19 % * weiß nicht/keine Angabe
  17. 17. Warten, wenn es nicht eilt Wenn das Fieber steigt oder ein Knoten getas-tet wird, der da vor kurzem noch nicht war, ist schnellstmöglich ein Termin beim Arzt gefragt. Doch was ist, wenn sich immer mal leichte Rückenschmerzen bemerkbar machen oder die Brillenstärke endlich wieder überprüft werden müsste? Die Einschätzung, was dann eine an-gemessene Wartezeit auf einen Termin beim Facharzt ist, fällt unterschiedlich aus. 16 Pro-zent der Deutschen haben es eilig: Sie wollen auch, wenn es nicht eilt, einen Termin inner-halb von drei Tagen. Die Mehrheit (59 Prozent) akzeptiert eine oder zwei Wochen Wartezeit. Drei oder vier Wochen warten finden immer noch 20 Prozent in Ordnung, fünf Wochen 18 | TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 und länger warten nur noch 5 Prozent. Ein wenig mehr Geduld bringen die Ostdeutschen auf. Ein Viertel von ihnen findet auch Warte-zeiten zwischen vier und acht Wochen akzep-tabel. Im Westen gilt dies nur für jeden Achten. Regional betrachtet, sind die Niedersachsen besonders ungeduldig, von ihnen wollen 22 Pro-zent nur ein bis drei Tage auf einen Facharztter-min warten; die Hessen hingegen bringen mit nur 10 Prozent sehr Ungeduldigen etwas mehr Ruhe auf. Schaut man auf die Geschlechter, sind Frauen mit 20 Prozent deutlich drängender als Männer (12 Prozent). Die Art der Versiche-rung spielt in Sachen Ungeduld keine Rolle. Zwischen gesetzlich und privat Versicherten be­- stehen keine nennenswerten Unterschiede bei der Einschätzung einer annehmbaren Wartezeit. Ungeduldig bei der Terminvergabe: Fast jeder Zweite will nur wenige Tage warten Welche Wartezeit auf den Termin beim Facharzt finden Sie bei leichten Beschwerden angemessen? 1 bis 3 Tage 1 Woche 9 % 5 % 11 % 5 Wochen und länger 29 % 16 % 30 % 2 Wochen 3 Wochen 4 Wochen
  18. 18. Alter Bildungsabschluss TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 19 Telemedizin: Arztgespräch per Video-Verbindung In Skandinavien oder auch in den USA ist es für viele Patienten bereits üblich, sich mit seinem Arzt per Video-Verbindung auszutauschen. Auch in Deutschland setzen Forscher große Hoffnungen in die so genannte Telemedizin, um besonders in strukturschwachen Regio-nen eine bessere Versorgung zu erreichen. Mit 37 Prozent kann sich gut jeder dritte Deut-sche vorstellen, mit einem Arzt per Videoge-spräch zu kommunizieren, wenn er dadurch längere Wege vermeiden und schneller Zu-gang zu einem Spezialisten bekommen kann. 61 Prozent der Deutschen sagen dagegen, dass sie im Zweifelsfall auch weitere Wege und War-tezeiten auf einen Termin in Kauf nehmen wür-den, um persönlich mit einem Spezialisten zu sprechen. Einen Unterschied zwischen den Geschlechtern gibt es kaum. Dafür besteht ein deutlicher Zusammenhang mit dem Alter: Bis Mitte 50 sind vier von zehn bereit zum Videoge-spräch mit dem Arzt. Zwischen Mitte 50 und Mitte 60 sinkt die Bereitschaft auf 33 Prozent. Dennoch würden auch ab Mitte 60 immer noch knapp drei von zehn Befragten mit ihrem Arzt via Bildschirm sprechen. Etwas überraschen mag, dass die jungen Erwachsenen – also jene, die als „Digital Natives“ aufgewachsen sind – mit 38 Prozent nicht die höchsten Zustimmungs-werte zur Telemedizin zeigen. Die größte Be-reitschaft weisen mit 44 Prozent die 36- bis 45-Jährigen auf. Eine Erklärung könnte sein, dass diese zum großen Teil in einer Lebenspha-se zwischen Kindern und Karriere stecken, in der einfach jede Zeitersparnis ein Plus ist. Eine stär-kere Zustimmung findet sich auch unter jenen mit höheren Bildungsabschlüssen. Bei denen mit Abitur oder Hochschulabschluss kann sich jeder Zweite die Sprechstunde am Bildschirm vorstellen. Regional wiederum existieren kaum Unterschiede: Die Befragten aus ländlichen Regionen sind der Telemedizin gegenüber in gleichem Maße aufgeschlossen wie Städter. Arztgespräch per Video? Für vier von zehn eine Alternative Anteil der Befragten, die per Video mit einem Arzt sprechen würden, um lange Wege zu vermeiden und schneller Zugang zu einem Spezialisten zu bekommen Prozent 18–25 Jahre 40 30 20 10 0 38 % 42 % 44 % 28% 38 % 48 % 42 % 33 % 28 % 26–35 36–45 46–55 56–65 66 und älter Volks-/ Haupt-schule mittl. Ab-schluss Abitur/ Studium 37 % * * gesamt
  19. 19. Krankenschwestern zur Unterstützung auf dem Land Zahlreiche Studien zeigen, dass in vielen ländli-chen Gebieten Deutschlands zukünftig immer weniger Menschen leben werden und Landarzt-praxen deshalb in ihrer Existenz bedroht sind. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, junge Mediziner für die Arbeit auf dem Land zu gewin-nen. Der daraus folgende Ärztemangel ist in einigen Gegenden Deutschlands bereits Reali-tät. Dennoch brauchen die Menschen dort nach wie vor eine gute medizinische Versorgung. Eine Idee als Ausweg aus diesem Dilemma sieht vor, bestimmte Aufgaben, die bisher von Ärzten erledigt werden, an medizinisches Fach-personal wie etwa Krankenschwestern zu über-tragen. Diese könnten etwa Hilfestellung bei Kur-Anträgen leisten, Hausbesuche zu Routine- Kontrollen bei chronisch Kranken machen oder gesamt nach Region 80 70 60 8 % 40 1 % 20 | TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 Erklärungen zu Arzneimitteln übernehmen. Drei Viertel der Menschen in Deutschland halten das für eine gute oder sehr gute Idee. Nur 8 Prozent lehnen sie ab. Senioren zeigen sich dabei etwas skeptischer als jüngere Menschen. Im Zusam-menhang mit der Frage, ob medizinisches Fach­- personal bisherige Arzt-Aufgaben übernehmen könnte, spielt der Gesundheitszustand der Be­- fragten keine Rolle. Chronisch Kranke unter-stützen den Vorschlag in gleicher Weise wie Gesunde. Geht der Blick in die Deutschlandkar-te, dann zeigt sich eine größere Aufgeschlos-senheit im Osten. 82 Prozent der Menschen dort unterstützen diese Idee, im Westen sind es mit 72 Prozent etwas weniger. Zwischen ländlichen Regionen und städtischen Gebieten ergeben sich kaum Unterschiede. Krankenschwester statt Landarzt: drei von vier einverstanden – Ostdeutsche offener als Westdeutsche So beurteilen Menschen in Deutschland die Idee, bestimmte ärztliche Aufgaben an medizinisches Fachpersonal zu übertragen sehr gut/gut Prozent Ost West (inkl. Berlin) 30 20 10 0 24 % 18 % 49 % weniger gut/schlecht 82 % 18 % 72 % 28 % 50 sehr gut gut schlecht weniger gut weiß nicht/keine Angabe
  20. 20. TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 21 4. Zu Besuch beim Arzt Zu welchen Ärzten gehen die Deutschen beson-ders oft? Einen Hinweis darauf geben die Ant-worten auf die Frage, bei welchem Arzt die Menschen in Deutschland zuletzt gewesen sind. Ausgenommen waren Besuche beim Zahnarzt und Aufenthalte im Krankenhaus. Und das waren die Ergebnisse: Mehr als 90 Prozent der Befragten waren innerhalb der vergangenen zwölf Monate beim Arzt – die Frauen mit 94 Pro­- ­zent etwas öfter als die Männer (89 Prozent). Die Altersgruppe mit den wenigsten Arztbesu-chen sind die 36- bis 45-Jährigen.13 Prozent von ihnen waren ein Jahr lang in keiner Sprechstun-de. Menschen mit schlechterer Gesundheit gehen zwar öfter zum Arzt, doch auch von denen mit guter Gesundheit haben sich 89 Pro­- zent innerhalb der vergangenen zwölf Monate mindestens einmal beim Arzt vorgestellt. Sechs von zehn Deutschen waren bei einem Hausarzt oder Allgemeinmediziner, drei von zehn bei einem Facharzt. Die Westdeutschen nannten mit 33 Prozent öfter den Facharzt als die Ostdeutschen (23 Prozent). Zudem sind es die Frauen, die mit 37 Prozent gegenüber 26 Prozent der Männer häufiger zuletzt einen Facharzt besuchten – meist ihren Gynäkologen. Mit dem Bildungsniveau und dem Einkommen steigt die Tendenz, den Facharzt aufzusuchen. Nur jeder vierte Geringverdiener war zuletzt beim Facharzt, bei den Gutverdienenden waren es dagegen 40 Prozent. Außerdem macht es einen Unterschied, wie stark Fachärzte vor Ort vertreten sind: Im ländlichen Raum suchten 68 Prozent zuletzt den Hausarzt auf und 25 Prozent den Facharzt, in Großstädten waren 50 Prozent beim Hausarzt und 42 Prozent beim Facharzt. Was den Gang zum Spezialisten betrifft, unter-scheiden sich gesetzlich und privat Versicherte nicht, allerdings waren privat Versicherte etwas seltener beim Hausarzt. Schaut man bei den Fachärzten ins Detail, be-suchten die meisten Befragten der Reihenfolge nach zuletzt den Orthopäden, danach den Gynä-kologen, den Hautarzt und den Hals-Nasen- Ohren-Arzt sowie – alle mit gleichen Anteilen – den Augenarzt, den Chirurgen, den Kardiologen, den Neurologen und den Urologen. Aus dieser Liste ergibt sich bereits, dass die Frauen am häufigsten den Gynäkologen nannten. Außer-dem liegen sie im Vergleich mit den Männern beim Orthopäden vorn. Mehr Männer hingegen besuchten zuletzt den HNO-Arzt oder einen Chirurgen. Auffällig ist zudem, dass die Frauen weit öfter zuletzt beim Frauenarzt als die Män-ner zuletzt beim Männerarzt, also dem Urolo-gen, waren. Besonders die jüngeren Frauen nannten oft den Gynäkologen: Von Mitte 20 bis Mitte 30 waren es 14 Prozent, die dort zuletzt waren, ab Mitte 50 dagegen nur noch 2 Prozent.
  21. 21. Gutes Zeugnis für Deutschlands Ärzte Die Deutschen stellen ihren Ärzten ein gutes Zeugnis aus: Mit ihrem letzten Besuch bei ei­- nem Arzt waren sieben von zehn Befragten sehr zufrieden. Hinzu kommen weitere 22 Prozent, die auch nichts Großes auszusetzen hatten. So bleibt nicht einmal jeder Zehnte, der unter dem Strich tatsächlich unzufrieden war. In der Groß-stadt ist die Zufriedenheit ausgeprägter als auf dem Land. Und mit dem Einkommen steigt auch die Zahl der besonders positiven Bewer-tungen. Den größten Einfluss auf die Bewertung hat jedoch der Gesundheitszustand: Von den Gesunden waren drei Viertel zuletzt sehr zufrie-den mit ihrem Arzt, von den Kranken waren vollkommen zufrieden 22 | TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 es dagegen nur knapp 60 Prozent. Besonders zufrieden waren die Deutschen – in dieser Rei-henfolge – mit der Fachkompetenz des Arztes, mit der telefonischen Erreichbarkeit der Praxis, mit der Verständlichkeit der Informationen, mit dem Verständnis und Einfühlungsvermögen des Arztes, mit der Zeit, die er sich genommen hat, mit der Gründlichkeit der Untersuchung, mit den Sprechzeiten, mit der Wartezeit auf einen Ter-min sowie mit der Einbeziehung in die Entschei-dungen zur eigenen Behandlung. Während bei den vorgenannten Aspekten jeweils die Mehr-heit zufrieden war, gilt dies beim Schlusslicht auf der Zufriedenheitsskala – der Wartezeit in der Praxis – nur noch für jeden Zweiten. Die Deutschen und ihre Ärzte: viel Lob – wenig Kritik Wie zufrieden waren Sie mit Ihrem letzten Arztbesuch? gesamt Anteil der vollkommen und sehr zufriede-nen Prozent Ortsgröße Einkommen Gesundheits-zustand unter 5.000 Ein-wohner unter 1.500 Euro sehr gut/gut 500.000 Einwoh-ner und mehr 4.000 Euro und mehr weniger gut/ schlecht 80 60 40 20 0 69 % 66 % 74 % 77 % 76 % 59 % Befragten nach 40 % 31 % 22 % 4 % 3 % sehr zufrieden zufrieden unzufrieden weniger zufrieden
  22. 22. TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 23 Fachliche Kompetenz Was das Fachliche betrifft, fühlen sich die Deutschen bei ihren Ärzten gut aufgehoben. 71 Prozent der Befragten waren bei ihrem letz-ten Arztbesuch mit der Fachkompetenz der Ärzte mehr als zufrieden, 64 Prozent lobten die Gründlichkeit und Sorgfalt des Arztes bei der Untersuchung. Mit steigender Bildungs-schicht und steigendem Einkommen nimmt die Zufriedenheit mit diesen Punkten nochmal zu. So zeigten sich die Geringverdiener nur zu 67 Prozent sehr zufrieden mit der Fachkompe-tenz ihres Arztes, während es bei den Gut-verdienern 78 Prozent waren. Doch fachliche Kompetenz ist nicht alles – auch Patientenorien-tierung und Empathie spielen eine große Rolle, wenn es um die Zufriedenheit der Pati-enten geht. Wartezeit und Praxisorganisation Auch die Praxisorganisation hat einen großen Einfluss darauf, inwieweit sich Patienten gut versorgt fühlen. Fast drei Viertel der Befragten berichten, dass sie mit der telefonischen Er-reichbarkeit bei ihrem letzten Arztbesuch sehr zufrieden waren. Zwischen Haus- und Fach-arzt ergibt sich kein Unterschied in der Bewer-tung. Mit den Sprechzeiten, die für Termine zur Verfügung stehen, zeigen sich 63 Prozent mehr als zufrieden. Allerdings gibt es eine Differenz zwischen Gesunden und Kranken. Bei den Ge-sunden fanden gut zwei Drittel die Sprechzei-ten ausreichend, bei den Kranken dagegen war es nur jeder Zweite. Besonders gute Werte er-reichen die Praxen in Norddeutschland. Mit 72 Prozent Zufriedenen liegen Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Mecklenburg-Vorpom-mern bei den Sprechzeiten an der Spitze. Schlusslicht sind die Länder Sachsen, Sach-sen- Anhalt und Thüringen mit nur 57 Prozent sehr Zufriedenen. In Großstädten ab 100.000 Einwohnern sind Bestnoten zudem häufiger als in ländlichen Regionen. Mit der Terminplanung, also der Zeitspanne zwischen der Vereinbarung und dem tatsächli-chen Termin, waren insgesamt sechs von zehn Befragten bei ihrem letzten Arztbesuch zufrie-den. Allerdings scheint es im Westen etwas schneller zu gehen als im Osten. Nur 56 Pro-zent der Ostdeutschen waren zuletzt mit der Wartezeit auf den Termin einverstanden. Im Westen dagegen waren es 63 Prozent. Etwas unzufriedener sind die Kranken: Während von ihnen mit 52 Prozent nur jeder Zweite mit der Dauer bis zum Arzttermin zufrieden war, gilt dies bei den Gesunden für 65 Prozent. Mit 80 Prozent privat Versicherten, die sich in dieser Hinsicht gut bedient fühlten, sind diese zudem deutlich zufriedener als die gesetzlich Versi-cherten (60 Prozent). Ist der Termin gekommen, beginnt die nächste Wartezeit – nämlich darauf, zum Arzt gerufen zu werden. Und damit ist unterm Strich nicht einmal jeder Zweite glücklich – in Ostdeutsch-land sogar nur jeder Dritte. Ob Frauen bei Ärz-ten waren, die längere Wartezeiten hatten, oder im Schnitt etwas ungeduldiger in der Pra-xis sind, lässt sich anhand der Antworten nicht belegen. Fest steht jedenfalls, dass 52 Prozent der Männer die Zeit im Wartezimmer völlig in Ordnung fanden, aber nur 46 Prozent der Frau-en. In Hausarztpraxen sind Akutfälle an der Ta-gesordnung. Viele Hausärzte vereinbaren des-halb gar keine Termine, sondern setzen Patien-ten nach Anruf oder Ankunft in der Praxis auf die Warteliste. Gerade in der Erkältungssaison kann die Wartezeit dann schon einmal länger ausfallen. Entsprechend sind nur 46 Prozent der Befragten mit den Wartezeiten beim Hausarzt sehr zufrieden, während es bei den Fachärzten 54 Prozent sind.
  23. 23. Zeit und Einfühlungsvermögen Mit sieben von zehn Befragten zeigt sich eine deutliche Mehrheit sehr zufrieden mit dem Einfühlungsvermögen ihres Arztes. Gut zwei Drittel der Befragten hatten bei ihrem letzten Arztbesuch zudem das Gefühl, dass dieser sich ausreichend Zeit für sie genommen hat. Gut sechs von zehn haben sich von ihrem Arzt aktiv in die Entscheidungen zu ihrer Be-handlung einbezogen gefühlt. Besser gelingt Ärzten die Kommunikation mit ihren Patienten offenbar, je höher deren Bildungsniveau ist. Von den Befragten mit Abitur oder Studienab-schluss bewerteten sieben von zehn die Ver-ständlichkeit der Informationen und die eigene Arzt und Patient im Gespräch: Höhere Bildungsschichten fühlen sich besser verstanden Bei meinem letzten Arztbesuch war ich voll und ganz zufrieden mit … Umfassend informiert? 0 Insgesamt sagen zwei Drittel der Befragten, dass sie bei ihrem letzten Arztbesuch mit den Informationen, die sie von ihrem Arzt bekom-men haben, zufrieden waren. Fragt man kon-kreter nach, ergibt sich ein differenzierteres Bild. Am zufriedensten waren die Patienten mit den Informationen zu Ursachen und Ver-lauf ihrer Erkrankung – 60 Prozent derer, bei denen dies bei ihrem letzten Arztbesuch ein Thema war, waren damit dann auch komplett 24 | TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 Einbeziehung durch den Arzt als sehr positiv. Bei jenen mit Volks- oder Hauptschulabschluss ziehen dagegen nur 62 Prozent ein positives Resümee. Auch was das Einfühlungsvermögen und die Einbeziehung in Entscheidungen be-trifft, liegen die Werte ganz ähnlich. Mit 71 ge-genüber 64 Prozent sind die privat Versicherten etwas häufiger zufrieden mit der Zeit, die sich ihr Arzt für sie genommen hat, als die gesetz-lich Versicherten. Ein noch deutlicherer Zusam-menhang besteht mit dem Gesundheitszustand der Befragten. Nur 58 Prozent der Kranken hat-ten zuletzt das Gefühl, dass die Zeit im Sprech-zimmer ihren Bedürfnissen gerecht wurde. Bei den Gesunden waren es 68 Prozent. 62 % zufrieden. Unglücklich war damit nur knapp jeder Elfte. Dabei zeigten sich die Männer mit 64 Prozent Zufriedenen an diesem Punkt noch etwas zufriedener als die Frauen mit 56 Prozent. Und: Schwieriger scheint es zu werden, sobald es ernst wird. Die Gesunden vergeben mit 63 Prozent deutlich bessere Noten in Sachen Information als die Kranken mit 52 Prozent. Von ihnen ist es mit 14 Prozent auch schon gut jeder Siebte, der sich vom Arzt über Ursa-chen und Verlauf seiner Krankheit nur unzurei-chend aufgeklärt fühlte. der Verständlichkeit der Informationen, die ich von meinem Arzt bekommen habe. dem Verständnis und Einfühlungsvermögen meines Arztes. dem Umfang, in dem mein Arzt mich in Entscheidungen zu meiner Behandlung einbezogen hat. 68 % 62 % 56 % 70 % 65 % 20 40 72 % 67 % 61 % 60 80 Volks-/Hauptschule Abitur/Studium Gesamt
  24. 24. TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 25 Arzt und Patient im Gespräch: Hier gibt es noch Luft nach oben Wenn es darum geht, was Patienten auch selbst zu ihrer Heilung beitragen können, war es mit 55 Prozent auch noch mehr als jeder zweite Patient, der sich in dieser Hinsicht gut infor-miert fühlte. Wirklich unzufrieden war damit jeder zehnte der Patienten, bei deren Arztbe-such dies auch ein Thema war. Mit 13 Prozent gegenüber 7 Prozent waren es deutlich mehr Frauen als Männer, die daran Kritik übten. Im Gegensatz zum sonstigen Bild ist es hier ein-mal die Sandwich-Generation, die zufriedener ist als die Älteren. Die 36- bis 45-Jährigen fühl-ten sich mit 64 Prozent besonders gut versorgt mit Hinweisen, was sie selbst zu ihrer Heilung beitragen können. Ab Mitte 60 liegt der Pro-zentsatz nur noch bei 49. Und wieder sind es die Kranken, mit denen die Kommunikation weniger gut zu klappen scheint: Von ihnen fühl-te sich ein Fünftel nicht ausreichend aufgeklärt, bei den Gesunden wiederum nur jeder Elfte. Eine große Zufriedenheit herrscht insgesamt auch über die Informationen zu geplanten The-rapien und verschiedenen Behandlungsalter-nativen. 52 Prozent der Befragten äußerten sich über ihren letzten Arztbesuch in dieser Hinsicht sehr zufrieden – die Quote der Unzu-friedenen liegt bei 12 Prozent. Über Risiken und Nebenwirkungen von Medika-menten fühlte sich jeder Zweite umfassend aufgeklärt – es sind jedoch auch 17 Prozent, die diesen Aspekt kritisch sahen. Und wiederum ist auffällig, dass jene in schlechterem gesundheitli-chen Zustand öfter ein Zuwenig an Information bemängeln. 26 Prozent von ihnen äußerten sich weniger oder ganz unzufrieden mit der Aufklä-rung über Risiken und Nebenwirkungen. Bei den Gesunden waren es dagegen nur 15 Prozent. zu den Ursachen und dem Verlauf meiner Erkrankung. dazu, was ich selbst zur Heilung beitragen kann. über die geplante Therapie und verschiedene Behand-lungsalternativen. über Risiken und Nebenwir-kungen von Medikamenten. 60 % 20 40 55 % 52 % 50 % 60 Bei meinem letzten Arztbesuch war ich sehr zufrieden/voll und ganz zufrieden mit den Informationen … 0
  25. 25. 5. IGeL: Extra-Behandlung auf eigene Kosten Jeder Zweite hat schon IGeL -Leistungen angeboten bekommen – Frauen öfter als Männer, Gutverdiener öfter als Geringverdiener Haben Sie beim Arzt schon einmal Leistungen angeboten bekommen, die die gesetzlichen Krankenkassen nicht übernehmen? Befragte insgesamt ja, passiert bei fast jedem Arztbesuch 34 % ja, öfters Eine Situation, die viele gesetzlich Versicherte kennen: Beim Arztbesuch werden ihnen Unter-suchungen oder Behandlungen angeboten, die ihre Krankenkasse nicht übernimmt. Die Kosten rechnet der Arzt dann direkt mit ihnen ab. Diese Leistungen sind unter der Abkürzung IGeL zusammengefasst. Sie steht für „Individuelle Gesundheitsleistungen“. Was zum Leistungs-katalog der gesetzlichen Krankenkassen gehört und was nicht, bestimmt der Gesetzgeber, indem er definiert, was eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Patientenver-sorgung ist. Um das konkrete Leistungsangebot kümmert sich der Gemeinsame Bundesaus-schuss (G-BA), also das oberste Beschlussgre-mium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Kranken-häuser und Krankenkassen in Deutschland. Eine 60 40 30 20 vom G-BA negativ bewertete Leistung dürfen die Krankenkassen nicht übernehmen, sie kann von den Ärzten jedoch als IGeL angeboten werden. Allerdings: Das Internetportal „IGeL - Monitor“, das basierend auf den Methoden der Evidenzbasierten Medizin die am häufigs-ten privat angebotenen aber auch von Versi-cherten nachgefragten Leistungen auf den Prüf­- stand stellt, hat nach heutigem Stand lediglich 26 | TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 Anteil der Befragten, die mindestens ein-mal ein IGeL -Angebot bekommen haben Geschlecht Einkommen vier der bisher 35 geprüften IGeL mit „tenden-ziell positiv“ bewertet. Danach gefragt, gibt jeder zweite gesetzlich Versicherte an, mindestens einmal bei einem Arztbesuch auf eine mögliche „Individuelle Gesundheitsleistung“ aufmerksam gemacht worden zu sein. Ein gutes Drittel hat bereits mehrfach IGeL -Angebote von seinem Arzt bekommen. 3 Prozent der Befragten berichten, das passiere bei fast jedem Arztbesuch. Deut-lich öfter scheinen IGeL -Angebote in großen Städten ab 100.000 Einwohnern eine Rolle zu spielen: Dort sind es fast sechs von zehn, die bereits mit IGeL in Kontakt gekommen sind, in ländlichen Gebieten nur 43 Prozent. Im Ver-gleich der Bundesländer liegt Baden-Württem-berg an der Spitze. Dort sind es sechs von zehn, die mindestens einmal ein IGeL -Ange-bot bekommen haben, im Südosten der Repu-blik, in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, dagegen nur etwas mehr als vier von zehn. Mit 58 Prozent sind es weit häufiger Frauen, de-nen Selbstzahl-Leistungen offeriert werden, als Männer (46 Prozent). Und: Bezüglich des Alters zeigt sich ein unterschiedliches Bild. Sind es beispielsweise bis Mitte 20 erst nur ja, einmal nein Prozent unter 1.500 Euro Männer 10 0 3 % 15 % 48 % 46 % 58 % 46 % 64 % 50 Frauen 4.000 Euro und Basis: gesetzlich Versicherte mehr
  26. 26. Bei welchem Arzt sind Ihnen schon einmal selbst zu zahlende Leistungen angeboten worden? TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 27 22 Prozent, die damit zu tun hatten, sind es bei den 56- bis 65-Jährigen mit 68 Prozent drei Mal so viel. Ein deutlicher Zusammenhang zeigt sich mit dem Einkommen: Von den Geringver- Spitzenreiter sind die Gynäkologen Wie oft gesetzlich Versicherten zusätzliche Leis-tungen angeboten werden, variiert zwischen den fachärztlichen Bereichen stark. Am häufigs-ten nennen die Befragten Gynäkologen als An-bieter von IGeL -Leistungen. 40 Prozent der Frauen haben bereits Angebote wie zusätzliche Ultraschalls zur Krebsfrüherkennung oder in der Schwangerschaft bekommen. Auf Rang zwei liegen die Zahnärzte. 32 Prozent der Befragten kennen etwa das Angebot einer professionellen Zahnreinigung. Eine häufige IGeL -Leistung bei Augenärzten sind Checks zur Glaukom-Früher-kennung. Mit 26 Prozent liegen sie auf dem dritten Platz. Dahinter folgen die Urologen, die Haus- und Allgemeinärzte, zum Beispiel mit Check-ups oder Sportuntersuchungen, die Hautärzte, etwa mit Laser-Behandlungen von Krampfadern oder besonderen Hautkrebs-Scree-nings, sowie Orthopäden beispielsweise mit Angeboten zur Knochendichtemessung. Geht der Blick auf die ersten drei, berichten die Men-schen im Westen Deutschlands deutlich häufi-dienern haben 46 Prozent schon mindestens einmal ein IGeL -Angebot bekommen, von den Gutverdienern 64 Prozent. ger von IGeL -Angeboten als im Osten: Bei den Gynäkologen sind es 42 Prozent der Frauen im Westen gegenüber 31 Prozent im Osten, die damit konfrontiert waren, bei Zahnärzten sind es im Westen 34 Prozent, im Osten 24 Prozent und bei den Augen­ärzten West schließlich 28 Prozent und Ost 15 Prozent. Zahnärzte sind besonders in den süddeutschen Ländern mit IGeL -Angeboten aktiv. Spitzenreiter ist Baden- Württemberg: Dort haben 42 Prozent der Befragten von ihrem Zahnarzt zusätzliche Leis­- tungen angeboten bekommen. Zwischen Frau-en und Männern ist das Verhältnis – abgesehen von Gynäkologen und Urologen – ausgeglichen. Hauptzielgruppe von IGeL -Angeboten ist die Sandwich-Generation der 36- bis 55-Jährigen – ihnen werden durch die Bank am häufigsten Selbstzahl-Leistungen angeboten. So sind es beispielsweise 60 Prozent der 36- bis 45-jähri-gen Frauen, die bei ihrem Gynäkologen bereits IGeL -Angebote bekommen haben. Die Generati-onen ab Mitte 50 bekommen vergleichsweise häufig Angebote von Augenarzt, Urologe und Orthopäde. Diese Ärzte „IGeLn“ am meisten Gynäkologe (Basis: Frauen) 40 % 20 40 Zahnarzt Augenarzt Urologe (Basis: Männer) Allgemeinmediziner Hautarzt Orthopäde 32 % 26 % 14 % 13 % 12 % 12 % Basis: gesetzlich Versicherte 10 20
  27. 27. Nur wenige wollen mehr wissen Macht ein Arzt seinem Patienten ein IGeL -Ange-bot, scheint es naheliegend, dass dieser zu-nächst weitere Informationen einholt, bevor er das Portemonnaie öffnet – zum Beispiel bei der Internetplattform www.igel-monitor.de, die auf wissenschaftlicher Basis IGeL -Leistungen be­- wertet, oder bei den Krankenkassen. Doch nur 39 Prozent derer, die schon einmal Selbstzahl- Leistungen angeboten bekommen haben, nutz-ten weitere Quellen, um sich kundig zu machen. Mit 61 Prozent ist es die Mehrheit, die es bei dem beließ, was der Arzt ihnen mitteilte. Von denen, die sich darüber hinaus schlaumachen wollten, besuchten 51 Prozent spezielle Seiten im Internet wie den „IGeL -Monitor“. 47 Pro-zent wandten sich persönlich, telefonisch oder online an ihre Krankenkasse. Ein Viertel der Befragten suchte einen anderen Arzt auf, um eine zweite Meinung zu bekommen. Dabei haben vor allem die Jüngeren weiter recher-chiert: Bei den 18- bis 35-Jährigen gilt dies mit 47 Prozent für fast jeden Zweiten. Von diesen wiederum nutzt mehr als die Hälfte spezielle IGeL -Websites. Bei den 56- bis 65-Jährigen waren es nur 30 Prozent, die noch an anderen Stellen nach Informationen gesucht haben. Außerdem reichten fast jedem Zweiten mit Abitur oder Hochschulabschluss die Informati-onen vom Arzt nicht aus. Bei Menschen mit niedrigerem Schulabschluss war es nur etwas mehr als jeder Dritte, der weiter recherchierte. 28 | TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 Die Mehrheit greift zu Drei Viertel derer, denen eine IGeL -Leistung angeboten worden ist, haben diese auch schon mindestens einmal angenommen. Jeder Zwei-te hat mehrfach Angebote angenommen. Da­- bei liegen die Frauen im Vergleich zu den Män-nern leicht vorn. Regional betrachtet, sind die Spitzenreiter unter den Patienten beim „IGeLn“ die Bayern. Fast neun von zehn Bayern, denen eine Selbstzahl-Leistung angeboten wurde, haben auch schon mindestens einmal zugegrif-fen. Die wenigsten IGeL -Nutzer finden sich mit 65 Prozent in Nordrhein-Westfalen. Während Gesunde mit 78 Prozent gegenüber Kranken mit 70 Prozent öfter ja gesagt haben, besteht der deutlichste Zusammenhang mit dem Geld: Bei denen, die monatlich weniger als 1.500 Euro zur Verfügung haben, sind es nur 63 Prozent, die mindestens einmal ein IGeL -Angebot genutzt haben. Ab einem Einkommen von 3.000 Euro sind es 84 Prozent. IGeL -Angebote: Drei Viertel greifen zu – besonders häufig die Gutverdiener einmal kein Mal Prozent Anteil der Versicherten, die mindestens einmal ein IGeL -Angebot in Anspruch genommen haben, nach Männer 80 70 40 30 20 10 0 mehrmals 49 % 24 % 2 % bei fast jedem Arztbesuch 74 % 76 % 63 % 84 % 50 Frauen 25 % Geschlecht Einkommen Ich habe schon einmal eine private Zusatzleistung angeboten bekommen und habe sie so oft angenommen … 60 unter 1.500 Euro 3.000 Euro und mehr
  28. 28. Ärzte im Ländle „IGeLn“ am meisten Anteil der gesetzlich Versicherten, die vom Arzt schon einmal oder öfter eine indivi-duelle Gesundheitsleistung (IGeL) angeboten bekommen haben, nach Regionen Durchschnitt: 52 % TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 29 Schleswig- Holstein Hamburg Mecklenburg- Vorpommern Niedersachsen Bremen* Nordrhein-Westfalen Hessen Saarland Baden- Württemberg Brandenburg Berlin Sachsen- Anhalt Thüringen Sachsen Bayern Rheinland- Pfalz 50% 49% 43% 57% 56% 44% 53% 58% 52% * Wert für Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern: 52 %
  29. 29. 6. Patientensicherheit: kompetent als Patient Die Frage, welche Therapie die richtige ist, lässt sich nicht immer einfach beantworten: Bei vielen gesundheitlichen Beschwerden und Erkrankun-gen gibt es nicht nur eine, sondern verschie­dene Möglichkeiten der Behandlung. Patienten gehen damit ganz unterschiedlich um. Für nahezu alle steht jedoch grundsätzlich fest, dass sie das offene Gespräch mit ihrem Arzt suchen und aus-führlich über Untersuchungsergebnisse und die Diagnose informiert werden möchten. 97 Pro-zent legen darauf großen Wert. Fast ebenso viele, nämlich 96 Prozent, bitten den Arzt zudem, ausführlich über die Vor- und Nachteile der Behandlungsmöglichkeiten zu berichten. Dabei gibt es in Hinblick auf Einkom-men und Bildung der Befragten so gut wie keine Unterschiede. Regional betrachtet, sind die Unterschiede ebenfalls gering. Klar ist auch, dass die Deutschen den Arzt als Ge-sprächspartner 40 20 30 | TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 und Berater bei Sorgen und Nöten sehen. 96 Prozent der Befragten geben an, sie würden dem Arzt all ihre Fragen oder Bedenken mitteilen und erwarten, dass er da­rauf eingeht. Die meisten wollen mitentscheiden Die Mehrheit der Menschen in Deutschland legt Wert auf die Mitsprache bei medizini-schen Entscheidungen. Sich auf den Arzt als Experten verlassen und ihm deshalb gänzlich die Entscheidung über Behandlungsmethoden übertragen wollen nur 15 Prozent der Befrag-ten. Weitere 24 Prozent sagen aber, dass sie unter dem Strich die Entscheidung doch eher beim Arzt als bei sich selbst sehen. Insgesamt sind es also 39 Prozent, die gänzlich oder eher den Experten entscheiden lassen würden. Einen deutlichen Unterschied gibt es zwischen Män-nern und Frauen: Während es mit 45 Prozent fast jeder zweite Mann ist, der die Entschei-dung eher an den Fachmann oder die Fachfrau abgibt, ist es bei den Frauen mit 33 Prozent nur jede dritte. Unter den Kranken ist es mit 46 Prozent fast jeder Zweite, der die Entschei-dungsaufgabe beim Arzt sieht, bei den Gesun-den sind es dagegen nur 35 Prozent. Vier von zehn lassen den Experten entscheiden Prozent 0 Gesamt Geschlecht Bildungsabschluss Gesundheits-zustand Frauen Männer sehr gut/gut weniger gut/ schlecht Volks-/ Haupt-schule Abitur/ Studium 39 % 33 % 49 % 35 % 45 % 33 % 46 % So viele Menschen sagen, der Arzt soll ihnen die Entscheidung abnehmen (trifft voll und ganz zu/trifft eher zu)
  30. 30. Nicht nur der Arzt ist gefragt: Drei von vier ziehen weitere Informationsquellen zu Rate Bildungsabschluss Gesundheits-zustand TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 31 Dass jedoch Fachwissen notwendig ist, um eine Entscheidung zu fällen, erkennen die meisten an. 77 Prozent informieren sich deshalb vor einer Entscheidung noch anderweitig. Bei den Frauen neigen 80 Prozent dazu, eine zweite Meinung einzuholen, bei den Männern dage-gen nur 74 Prozent. Außerdem nimmt mit stei-gender Bildung die Tendenz zu, sich kritisch mit dem Arzt auseinanderzusetzen und rundum zu informieren, bevor eine Entscheidung fällt. Zudem recherchieren jene, die ihren Gesund-heitszustand als gut oder sehr gut bezeich-nen, mit 80 Prozent eher als jene, die ihre Gesundheit als eher schlecht einschätzen. Ist eine Entscheidung gefallen, können trotz-dem Zweifel aufkommen. Und diese äußern die Menschen auch: 93 Prozent der Befragten sagen dem Arzt, wenn sie den Eindruck haben, dass eine Behandlung nicht die richtige ist. Prozent 80 60 40 20 0 Gesamt Geschlecht Frauen Männer sehr gut/gut weniger gut/ schlecht Volks-/ Haupt-schule Abitur/ Studium 77 % 80 % 71 % 80 % 74 % 85 % 70 % Frauen kritischer als Männer – je besser gebildet, desto informierter Vor einer Entscheidung zu einer Behandlung informiere ich mich noch anderweitig.
  31. 31. Vom guten Gefühl, gut informiert zu sein Offene Worte sind wichtig – sie zeigen den Pati-enten, dass ihr Arzt sie als Gesprächspartner auf Augenhöhe ernst nimmt. Allerdings sagt nur gut jeder dritte Deutsche (36 Prozent), er fühlte sich angemessen über mögliche Chancen, Risiken oder Alternativen aufgeklärt, als er das letzte Mal in Behandlung bei einem niedergelassenen Arzt oder im Krankenhaus war. Fast noch einmal so viele (34 Prozent) sind es, die diese Aussage zwar nicht voll und ganz, aber immerhin in der Tendenz als zutreffend bezeichnen. Damit hat- Risiken und Alternativen: Nur jeder Dritte fühlt sich voll und ganz aufgeklärt Haben Sie sich bei Ihrer letzten ernsteren medizinischen Behandlung angemessen über Chancen, Risiken und Alternativen aufgeklärt gefühlt? Wenn Zweifel bleiben Auch Ärzte sind nicht perfekt. Untersuchungs-oder Behandlungsfehler können vorkommen und haben mitunter tragische Folgen. Die gute Nachricht ist, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen hierzulande (82 Prozent) in den vergangenen zehn Jahren weder beim Arzt noch im Krankenhaus einen Fall erlebt hat, in dem sie einen Fehler bei einer medizinischen Untersuchung oder Behandlung vermutete. 15 Prozent geben an, dass sie ein einziges Mal den Eindruck hatten, falsch untersucht oder behandelt worden zu sein, 3 Prozent sagen, sie hätten diesen Verdacht sogar schon mehrfach gehabt. Insgesamt berichtet also jeder Sechste von einem vermuteten Fehler. 32 | TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 ten insgesamt sieben von zehn Befragten das Gefühl, zumindest einigermaßen aufgeklärt wor-den zu sein. Der Anteil derer, die die Frage nicht beantworten konnten, da sie noch keine erns-te medizinische Behandlung hatten, liegt bei 11 Pro­zent. Damit bleibt aber immer noch gut jeder Sechste, der sich nicht ausreichend infor-miert fühlte. Deutlich unterschiedliche Bewer-tungen zeigen sich beim Blick auf die Altersgrup-pen: Während sich bei den 26- bis 35-Jährigen lediglich ein Viertel voll und ganz informiert fühlt, ist es bei den Befragten über 65 Jahren nahezu die Hälfte, die sich rundum aufgeklärt fühlt. Etwas häufiger betrifft es die Frauen: 21 Prozent von ihnen hatten mindestens einmal den Ein-druck, eine Behandlung sei nicht richtig gewe-sen, bei den Männern sind es nur 15 Prozent. In Hinblick auf das Alter der Befragten besteht ein Gefälle in der Wahrnehmung. 12 Prozent der Menschen über 65 vermuten, mindestens einmal einen Fehler erlebt zu haben. Bei den Jungen zwischen 18 und 25 sind es gut dop-pelt so viele (26 Prozent). Ein deutlicher Zusam-menhang besteht mit dem eigenen Gesund­- heitszustand: Bei den Kranken haben drei von zehn bereits den Eindruck gehabt, bei ihnen sei etwas schiefgelaufen. Auch bei den chronisch Kranken sind es mit 22 Prozent mehr als bei denen ohne chronische Erkrankung (16 Prozent). * weiß nicht/keine Angabe 11 % 1 % 5 % 13 % 34 % 36 % * eher nein nein, überhaupt nicht Ernste medizinische Behandlung kam noch nicht vor. ja, voll und ganz eher ja
  32. 32. Kam es bei Ihnen in den letzten zehn Jahren zu einem vermuteten Fehler bei einer medizinischen Untersuchung oder Behandlung? Anteil der Patienten, bei denen es ein oder mehrere Male vermutete Fehler gab, nach Geschlecht TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 33 Jeder Sechste vermutet Fehler bei der Diagnose oder Therapie Fehler können jeden treffen Schwere Behandlungsfehler sind Einzelfälle, die unter anderem meist auch juristische Kon-sequenzen haben. In der vorliegenden Studie wurde danach gefragt, ob schon einmal eine falsche Untersuchung oder Behandlung vermu-tet worden ist. Damit ist der Begriff eines Feh-lers hier sehr viel weiter gefasst und bezieht auch ausdrücklich Fälle ein, die nie besprochen oder untersucht worden sind. Interessant ist dabei die Frage, in welchen Bereichen Patien-ten am häufigsten Zweifel an dem hatten, was ihnen beim Arzt oder im Krankenhaus widerfah-ren ist. Der größte Anteil (45 Prozent) derer, die einen solchen Fall erlebt haben, berichtet von vermuteten Fehlern in der Anamnese, der Diag-nostik oder der Untersuchung. Deutlich weni-ger (21 Prozent) nennen vermutete Fehler bei einer Operation oder bei anderen Eingriffen (12 Prozent). 9 Prozent gehen davon aus, einmal ein falsches Medikament bekommen zu ha-ben. Von vermeintlichen Hygienefehlern oder Narkosefehlern berichten jeweils 3 Prozent. Ebenfalls 3 Prozent bemängeln Kommunikati-onsfehler oder mangelnde Aufklärung. Bei sämt-lichen vermuteten Fehlern in der Behandlung zeigt sich, dass sich diese Fälle quer durch die Gesellschaftsschichten ziehen – signifikante Frauen 21 % 15 % Unterschiede gibt es etwa weder zwischen Einkommens- oder Bildungsgruppen noch zwischen unterschiedlichen Regionen Deutsch-lands oder zwischen Stadt und Land. Es scheint sich also weniger um ein strukturelles Problem zu handeln als größtenteils tatsächlich um unglückliche Einzelfälle, die theoretisch jeden treffen können. Nur die Hälfte hat etwas gesagt Lediglich jeder Zweite, der in den vergangenen zehn Jahren einmal den Verdacht hatte, nicht korrekt behandelt oder untersucht worden zu sein, hat sich mit seinem Zweifel an einen Außenstehenden gewandt, um Hilfe zu bekom-men oder beraten zu werden. Von denen, die sich Hilfe gesucht haben, wandten sich fast drei Viertel an einen anderen Arzt – etwa den Hausarzt, wenn sie sich von einem Facharzt falsch behandelt fühlten. Jeder Dritte wandte sich an den behandelnden Arzt oder an das Kran-kenhaus, in dem der vermutete Fehler passiert ist. Ihre Krankenkasse oder Krankenversiche-rung baten 9 Prozent um Rat und Unterstüt-zung. In den seltensten Fällen kontaktierten Betroffene eine Patientenberatungsstelle, einen Anwalt, eine Verbraucherberatungsstelle oder einen Ärzteverband, um dort Hilfe zu suchen. ja, mehrmals Männer 15 % 82 % 3 % nein, noch nicht ja, einmal 0 10 20 30 gesamt
  33. 33. 7. Prävention: über den Lebensstil zu besserer Gesundheit Gesund zu bleiben, ist nicht nur eine Frage des Schicksals. Der eigene Lebensstil spielt eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, seine Gesundheit zu erhalten. Doch wem vertrauen die Menschen, wenn sie etwas für ihre Gesund-heit tun und sich über passende Möglichkeiten und Angebote zur Vorbeugung und Gesund-erhaltung informieren wollen? Das größte Ver-trauen genießen die Ärzte. Fast neun von zehn Befragten nennen sie, wenn es um Fachwissen zur Prävention geht. Sieben von zehn sehen ihre Krankenkasse oder Krankenversicherung als kompetenten Ansprechpartner in Sachen Gesundheitsförderung – gesetzlich Versicherte mit 73 Prozent deutlich stärker als privat Versi-cherte, von denen dies nur 53 Prozent angeben. Staatliche Stellen wie etwa Gesundheitsämter gelten vier von zehn Befragten als vertrauens-würdige Informationsquellen. Ein Viertel sieht in privaten Anbietern wie Fitnessstudios verlässli-che Ansprechpartner für Präventionsfragen. Männer haben mit 91 Prozent eine etwas grö-ßere Bereitschaft, ihrem Arzt in dieser Hinsicht zu vertrauen, als Frauen mit 84 Prozent. Bei den Kranken ist das Vertrauen in den Arzt mit 79 Prozent deutlich weniger ausgeprägt als bei den Gesunden mit 89 Prozent. Private Anbieter wie Fitnessstudios gelten eher in der jüngeren Generation als gute Ansprechpartner für Prä-ventionsfragen. 34 | TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 44 Prozent der jungen Erwach-senen vertrauen auf das dortige Personal, bei den über 65-Jährigen sind es nur 16 Prozent. Ein bisschen mehr ist möglich Prävention bezieht sich im Kern auf vier große Themenfelder: eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung, eine gesunde Balance zwischen Stress und Entspannung sowie einen verantwortungsvollen Umgang mit Suchtmitteln. Knapp sieben von zehn Deutschen (68 Prozent) gestehen ein, dass sie an der einen oder ande-ren Stelle mehr für ihre Gesundheit tun könn-ten. Jeder Dritte (32 Prozent) ist dagegen der Ansicht, er pflege bereits einen ausreichend gesunden Lebensstil. Etwas häufiger sind es die Männer, die ihr Gesundheitsverhalten als ausbaufähig beschreiben: 72 Prozent sagen, sie könnten mehr tun. Bei den Frauen sind es dagegen nur 65 Prozent. Am zufriedensten mit ihrem Gesundheitsverhalten ist die ältere Gene-ration. Jenseits der 65 ist jeder Zweite über-zeugt, genug für seine Gesundheit zu tun. Offenkundig ist es für viele der Job, der einen gesunden Lebensstil kompliziert macht: 76 Pro­- zent der Erwerbstätigen sagen, sie könnten mehr tun. Zwischen den Einkommensschich-ten gibt es kaum Unterschiede. Am zufriedens-ten mit ihrem eigenen Präventionsverhalten sind die Menschen in Norddeutschland. 41 Pro-zent von ihnen finden, sie verhalten sich im Sin-ne ihrer Gesundheit richtig. Der größte Prozent­- satz derer, die der Ansicht sind, sie könnten ihren Lebensstil noch optimieren, findet sich in Berlin und Brandenburg. Dort räumen drei Viertel der Befragten ein, sie könnten mehr für ihre Gesundheit tun. Prävention: Männer sind kritischer mit sich Für meine Gesundheit … Frauen Männer … mache ich bereits genug. 28 % 72 % … könnte ich mehr tun. … mache ich bereits genug. 35 % 65 % … könnte ich mehr tun.
  34. 34. TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 35 Das tun die Deutschen für ihre Gesundheit Doch was tun die Menschen in Deutschland konkret für ihre Gesundheit? Acht von zehn Befragten (82 Prozent) trinken wenig oder gar keinen Alkohol. Auf gesunde Ernährung achten mit 77 Prozent fast ebenso viele. Drei Viertel sorgen dafür, dass sie ausreichend Schlaf be-kommen. 68 Prozent der Deutschen sind Nicht-raucher. Eine Balance zwischen Stress und Entspannung finden nach eigener Einschät-zung 66 Prozent der Befragten für sich. Und mit 53 Prozent ist es immer noch jeder Zwei-te, der angibt, Sport zu treiben. Zwischen den Geschlechtern bestehen deutli-che Unterschiede. Alkohol und Ernährung – das sind die Themen, bei denen die Frauen besser dastehen. 88 Prozent der Frauen trinken nur wenig oder gar keinen Alkohol, bei den Män-nern hingegen sind es 76 Prozent. Gesunde Ernährung ist für 84 Prozent der Frauen ein wichtiges Thema, dagegen sagen nur 69 Pro-zent der Männer das Gleiche von sich. Die Aspekte Schlafen, Rauchen und Sport sind zwischen den Geschlechtern einigermaßen ausgeglichen. Beim Stress wiederum sehen die Männer etwas besser aus: 70 Prozent von ihnen kommen entspannungsmäßig auf ihre Kosten, während dies nur für 62 Prozent der Frauen gilt. Beim Thema Alkohol sagen gut acht von zehn Befragten, dass sie nur wenig oder nichts trin-ken. Die 18- bis 25-Jährigen haben dabei noch Aufholbedarf: Von ihnen achten nur sieben von zehn auf geringen Konsum. Als Nichtraucher bezeichnen sich fast sieben von zehn Befragten, wobei die Zahl der Nichtraucher mit steigendem Verantwortung für die eigene Gesundheit Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkran-kungen: Die großen Zivilisationskrankheiten sind immer weiter auf dem Vormarsch. Fast neun von zehn Todesfällen und drei Viertel der Krankheits-last in Europa entfallen nach Angaben der Welt-gesundheitsorganisation auf – zumindest teil­- weise – lebensstilbedingte Erkrankungen. An dem so genannten „tödlichen Quartett“, der Kombination von Übergewicht, hohen Blutzu-cker- und Blutfettwerten sowie Bluthochdruck, leidet in der westlichen Welt jeder vierte Erwach-sene. Die Folge: großes Leid für den Einzelnen und hohe Kosten für die gesamte Gesellschaft. Doch bei wem liegt die Aufgabe, die Menschen zu einem gesunden Lebensstil zu motivieren? Die Mehrheit der Deutschen (58 Prozent) ist Alter tendenziell eher zunimmt. Beim Thema Schlaf stehen ebenfalls die Älteren gut da: 89 Prozent der Befragten jenseits der 65 kom-men auf ausreichend Schlaf, bei den Mitte 20- bis Mitte 30-Jährigen sagen dies nur rund 65 Prozent. Diese mittleren Jahrgänge haben gleichzeitig die größten Schwierigkeiten zu ent­- spannen. Nur 56 Prozent geben an, auf eine ge­- sunde Balance von Stress und Entspannung zu achten. Dagegen tun dies am anderen Ende der Skala 81 Prozent der älteren Befragten ab 66. Tendenziell steigt mit dem Alter auch das Ernäh-rungsbewusstsein: Von den 18- bis 25-Jährigen achten nur 66 Prozent darauf, ausgewogen zu essen, bei den Befragten ab 66 Jahren sind es 84 Prozent. Regelmäßig Sport treiben vor allem die Jüngeren: 63 Prozent der jungen Erwachse-nen kommen durch Sport ins Schwitzen, wäh-rend es bei denen in der „Rushhour des Le­- bens“ zwischen Mitte 30 und Mitte 40 nicht einmal jeder Zweite ist. Ein klarer Zusammenhang besteht mit der Er-werbstätigkeit: In fast allen Aspekten eines gesunden Lebensstils schneiden die Nicht-Er-werbstätigen deutlich besser ab als die Berufs-tätigen. Ausnahmen bilden die Themen Alkohol und Sport. Auffällig ist schließlich auch, dass Kranke auf einigen Feldern weniger für sich tun als Gesunde. Während bei den Gesunden 70 Prozent nicht rauchen, sind es bei den Kran-ken nur 59 Prozent. Unter den Gesunden beträgt der Anteil derer, die auf eine ausgewogene Balance von Stress und Entspannung achten, 70 Prozent, unter den Kranken 59 Prozent. Sechs von zehn Gesunden treiben regelmäßig Sport, aber nur vier von zehn Kranken sind sportlich aktiv. der Ansicht, jeder sei selbst für seine Gesund-heit und ein gesundheitsorientiertes Verhalten verantwortlich. Besonders stark vertritt die Gene­- ration 66 plus diese Einschätzung. 41 Prozent der Befragten sehen die Gesundheit der Men-schen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe – auch der Staat, die Krankenversicherungen und die Arbeitgeber sind ihrer Ansicht nach in der Verantwortung. Außerdem zeigt sich, dass mit steigendem Bildungsgrad auch die gesamtge-sellschaftliche Perspektive auf das Thema Ge­­sundheitsförderung stärker verbreitet ist. Von den Befragten mit geringeren Schulabschlüssen finden 62 Prozent, dass die eigene Gesundheit in der Verantwortung jedes Einzelnen liegt, unter denen mit Abitur oder Hochschulabschluss sind es 48 Prozent.
  35. 35. Gesunder Lebensstil: Eigenverantwortung oder Kollektivaufgabe? Die Verantwortung für die eigene Gesundheit liegt … Prävention in Lebenswelten Im Mittelpunkt zeitgemäßer Prävention steht der so genannte Setting-Ansatz. Er sieht vor, Präventionsangebote und gesundheitsförderli-che Strukturen dort zu etablieren, wo sich Men-schen in ihrem Alltag ohnehin aufhalten und wo sie viel Zeit verbringen, also in Kinderbetreu-ungseinrichtungen, 8. Pflege in Deutschland 36 | TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 Schulen, Universitäten oder in Betrieben. Diesen Ansatz halten 90 Prozent der Deutschen für sinnvoll. Vom Setting-An-satz sind insbesondere Frauen überzeugt: 54 Prozent von ihnen halten die Prävention in Lebenswelten sogar für sehr sinnvoll, bei den Männern sind es 45 Prozent. In welchem Umfang ein jeder später auf Hilfe von außen angewiesen sein wird, lässt sich im Voraus nicht sagen. Die allermeisten Menschen aber brauchen im Alter Unterstützung – ob im Pflegeheim, von ambulanten Pflegediensten oder von pflegenden Angehörigen. Ist es erst einmal so weit, kommt der Gedanke an die Absi-cherung zu spät. Um eine möglichst lange An-sparphase zu haben, ist es ratsam, sich frühzeitig mit der eigenen Absicherung für den Pflegefall zu befassen. Der Blick auf die Zahlen ist jedoch entmutigend: Erst jeder zweite Deutsche hat sich bisher mit seiner Absicherung für den Pflegefall beschäf-tigt. Wenig überraschend ist, dass die Bereit-schaft, sich mit dem Thema Pflegeabsicherung zu befassen, mit dem Alter steigt. Bei den jun-gen Erwachsenen ist es nur knapp jeder Fünfte, der sich schon einmal mit dem Thema befasst hat. Ab Mitte 20 sind es 40 Prozent, ab Mitte 30 schon 48 Prozent, ab Mitte 40 mit 56 Pro-zent mehr als die Hälfte und ab Mitte 60 dann 65 Prozent. Das heißt aber auch: Selbst in der älteren Generation ist es gut jeder Dritte, der über seine Absicherung im Pflegefall noch nicht nachgedacht hat. Dass Pflege als Thema besonders bei denen präsent ist, die bereits mit Krankheiten konfron-tiert sind, zeigt sich bei den chronisch Kranken: Von ihnen sind es 64 Prozent, die sich schon mit ihrer Absicherung im Pflegefall befasst ha-ben. Bei den Nicht-Chronikern sind es 45 Pro-zent. Naheliegend wäre die Annahme, dass jene, die in den vergangenen fünf Jahren mit dem Thema Pflege in Berührung gekommen sind, besonders oft ihre eigene Zukunftspers-pektive reflektiert haben. Doch dieser Effekt ist gering: Mit 57 Prozent liegt der Wert bei dieser Gruppe nur leicht über dem Bevölkerungsschnitt. Sogar bei denen, die in den vergangenen fünf Jahren privat oder beruflich eigene Erfahrungen mit Pflegebedürftigkeit gemacht haben, ist die Situation vergleichbar. Auch von ihnen sind es nur 62 Prozent, die sich daraufhin mit der eige-nen Absicherung im Pflegefall auseinanderge-setzt haben. * weiß nicht/keine Angabe 41 % 58 % … bei der gesamten Gesellschaft, also auch beim Staat, bei Krankenversicherungen und Arbeitgebern. … bei jedem selbst. 1 % *
  36. 36. Jeder Zweite macht sich keine Gedanken über eigene Pflege – selbst im Alter verdrängt jeder Dritte das Thema Mit meiner Absicherung im Pflegefall habe ich mich noch nicht beschäftigt. TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 37 80 82 % 60 40 20 Zusätzliche Absicherung zur gesetzlichen Pflegeversicherung 52 % Pflege ist teuer. Die gesetzliche Pflegeversiche-rung reicht nicht aus, um die anfallenden Kos-ten zu decken – heute nicht und in Zukunft auch nicht. Sie war nie als Vollkaskoversicherung angelegt. Dennoch: Vier von zehn Deutschen (38 Prozent) geben an, über die gesetzliche Pflegeversicherung hinaus noch nichts getan zu haben, um im Falle der eigenen Pflegebe-dürftigkeit finanziell abgesichert zu sein. Jeder Zweite (49 Prozent) gibt an, dass er mit eigenem Vermögen wie einer Immobilie oder Geldanlage vorgesorgt hat. Lediglich jeder fünfte Befragte (22 Prozent) hat eigens zum Zweck der Absiche-rung eine zusätzliche private Pflegeversiche-rung abgeschlossen. Fünf Prozent antworten auf die Frage nach einer zusätzlichen Absiche-rung für den Pflegefall, dass sie andere private Versicherungen abgeschlossen haben, wie etwa eine Rente zur Altersvorsorge. So gut wie niemand der Befragten gibt an, eine staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung („Pflege- Bahr“) abgeschlossen zu haben. Und eine sehr geringe Minderheit von einem Prozent setzt auf die Unterstützung durch Freunde und Familie. Prozent 0 60 % 44 % 39 % 35 % 18–25 26–35 Jahre 66 und älter 36–45 46–55 56–65 * gesamt 49 % *
  37. 37. Vier von zehn haben noch nichts für den Pflegefall getan So sorgen die Menschen in Deutschland – über die gesetzliche Pflegeversicherung hinaus – für den Pflegefall vor bisher noch nicht 5 % Insgesamt zeigt sich, dass die Zahl der Men-schen ohne Absicherung in Großstädten beson-ders hoch ist. Dort ist es knapp jeder Zweite, der ohne zusätzlichen Schutz ist. Auf dem Land gilt dies nur für jeden Dritten – dort ist es oft das eigene Häuschen, das der Absicherung dienen soll. Auch wird deutlich, dass etwas mehr Frauen (40 Prozent) als Männer (36 Prozent) bislang noch keine Vorsorge getroffen haben – obwohl sie diejenigen sind, die sich bereits mehr Ge-danken über das Thema gemacht haben. Als vorausschauend erweist sich die Generation der 26- bis 35-Jährigen. Von ihnen haben 27 Prozent eine zusätzliche private Pflegeversicherung, 9 Prozent zudem eine andere private Altersvor-sorge. Damit kommt diese Altersgruppe im Ge-nerationenvergleich 38 | TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 auf die höchsten Werte. Bei denen, die das Thema am stärksten betrifft – die Menschen jenseits der Mitte 60 – verfügen le-diglich zwei von zehn über eine zusätzliche priva-te Pflegeversicherung und 2 Prozent über eine zusätzliche private Altersversorgung. Wenig überraschend: Ob vorgesorgt wird, hängt in starkem Maße schlicht davon ab, ob das nöti-ge Geld dafür vorhanden ist. Bei den Geringver-dienern ist es eine große Mehrheit von 62 Pro­- zent, die noch gar nichts in der Hand hat, um im Pflegefall abgesichert zu sein. 24 Prozent von ihnen setzen auf eigenes Vermögen, nur 14 Pro­- zent haben eine private Pflegeversicherung. Ab einem Einkommen von 4.000 Euro sind es dage-gen nur 15 Prozent, die noch nichts für ihre Absi-cherung getan haben. Gutverdiener setzen vor allem auf Vermögen, um die finanziellen Lasten bei Pflegebedürftigkeit abzufangen: Drei Viertel haben etwa Immobilien oder Geldanlagen. Eine private Pflegeversicherung hat von ihnen jeder Dritte abgeschlossen. Und auch hier zeigt sich wieder: Mit dem Thema an sich konfrontiert zu sein, führt nicht dazu, die eigene Situation besser abzusichern. Zwar haben nur 35 Prozent derer, die zuletzt mit dem Thema Pflege in Berührung kamen, noch nichts getan, während es bei den übrigen 46 Prozent sind, doch sind es vor allem Vermögenswerte, die hier eine Rolle spielen. Die Zahl derer, die eine zusätzliche private Pflegeversicherung abgeschlossen haben, ist mit 22 gegenüber 20 Prozent nahezu identisch. Ebenso verhält es sich bei denen, die privat oder beruflich eigene Erfahrungen mit Pflegebedürftigkeit gemacht haben: Auch sie liegen in Sachen Pflegevorsor-ge im Bevölkerungsschnitt. Wie präsent ist das Thema Pflege? Die Mehrheit der Deutschen hat mit dem Thema Pflege zumindest indirekt zu tun. 56 Prozent geben an, dass sie in ihrem privaten Umfeld andere kennen, die privat jemanden pflegen oder einen Nahestehenden haben, der pflegebe-dürftig ist. 39 Prozent pflegen momentan zwar niemanden regelmäßig, haben oder hatten jedoch in ihrem privaten Umfeld pflegebedürf-tige Bekannte oder Verwandte. Zwei von zehn Befragten (22 Prozent) kümmern oder kümmer-ten sich in der jüngeren Vergangenheit regelmä-ßig mehrmals die Woche um Nahestehende, die eigenes Vermögen wie Im-mobilien oder Geldanlage private Pflegeversicherung 10 20 30 40 50 1 % 22 % 38 % 49 % andere private Versicherung/ Rente zur Altersvorsoge Unterstützung durch Familie/Freunde 0 Mehrfachnennungen möglich
  38. 38. TK-Meinungspuls Gesundheit 2014 | 39 woanders gepflegt wurden – etwa in einem Pflegeheim. 16 Prozent waren oder sind sogar an der Pflege eines Menschen beteiligt, der bei ihnen im Haushalt lebt. Und 9 Prozent der Be-fragten arbeiten schließlich in einem Beruf, in dem sie es mit Pflegebedürftigkeit zu tun haben. Nur etwas mehr als jeder vierte Deut-sche (27 Prozent) ist in den letzten fünf Jahren nie direkt mit dem Thema Pflege in Berührung gekommen. Pflegen ist Frauen-Arbeit Während sich das Geschlechterverhältnis bei jenen, die sich regelmäßig um einen außerhalb des eigenen Haushalts lebenden Pflegebedürf-tigen kümmern, noch einigermaßen die Waage hält, liegen die Frauen vorn, wenn es darum geht, innerhalb der eigenen vier Wände einen Nahestehenden zu pflegen. 19 Prozent der Frauen kümmern sich zuhause um einen pfle-gebedürftigen Angehörigen. Bei den Männern sind es 14 Prozent. Am gravierendsten ist der Unterschied bei den Pflegeberufen: Hier stehen 14 Prozent Frauen 4 Prozent Männern gegen-über. Neben dem Geschlecht spielt auch das Alter eine Rolle: Mit zunehmendem Alter sind es deutlich mehr, die direkt in die Pflege oder regelmäßige Betreuung von Nahestehenden involviert sind. Ab Mitte 40 besucht und unter-stützt mindestens jeder Vierte regelmäßig Pfle-gebedürftige – in den meisten Fällen vermutlich die eigenen Eltern. Ab Mitte 60 steigt der Wert derer, die im eigenen Haus Angehörige pflegen, auf 27 Prozent – dann wohl überwiegend den eigenen Partner. Schließlich zeigt sich, dass auch das Einkommen eine Rolle spielt, wenn es um die Pflege zuhause geht: Je geringer das Ein-kommen, desto eher wird zuhause gepflegt. Bei den Geringverdienenden sind es 21 Pro-zent, die einen Nahestehenden in den eigenen vier Wänden pflegen, von den Gutverdienenden tun dies lediglich 9 Prozent. Zudem ist die Pfle-ge zuhause in ländlichen Regionen mit 18 Pro-zent stärker verbreitet als in Großstädten mit 11 Prozent. Je geringer das Einkommen, desto häufiger pflegen Angehörige zuhause Anteil der Menschen, die sich zuhause um einen Pflegebedürftigen kümmern oder dies innerhalb der letzten fünf Jahre getan haben, nach Haushaltsnettoeinkommen Prozent unter 1.500 Euro 20 10 0 21 % 16 % 9 % 16 % * 17 % 1.500 bis unter 3.000 Euro 3.000 bis unter 4.000 Euro 4.000 Euro und mehr * gesamt

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