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Statement von Filmemacher Holger Braack zur DVD: "Jugend 3.0 – mit Sicherheit im Netz"

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Digitale Medien wie Computer und Smartphone haben einen festen Platz im Leben fast aller Jugendlichen in Deutschland. Statt mit der Familie verbringen viele ihre Wochenenden lieber in "Digitalien", bei gemeinsamen Mahlzeiten vibriert das Smartphone im Minutentakt auf dem Esstisch. Viele Eltern sorgen sich, dass ihre Kinder immer mehr online und damit off life sind und dass das Nutzungsverhalten zur Sucht werden könnte.

Um eine sachliche Diskussion führen zu können, wie Kinder und Jugendliche den gesunden Umgang mit digitalen Medien lernen, bedarf es zunächst einer Bestandsaufnahme. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Juli 2014 im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) einen repräsentativen Querschnitt der Eltern 12- bis 17-Jähriger in Deutschland befragt. Dabei ging es vor allem um die Mediennutzung ihrer Kinder, aber auch um Fragen zu deren Gesundheit, Ernährungsverhalten und Stresslevel. Einen kompakten Überblick über die Ergebnisse bietet dieser Studienband.

Weitere Informationen zur DVD und der forsa-Umfrage „Jugend 3.0 – abgetaucht nach Digitalien?“ gibt es unter www.tk.de/medienkompetenz.

Dieses Dokument ist das Statement von Holger Braack, dem Produzent und Filmemacher, anlässlich der Vorstellung des Films und der forsa-Studie „Jugend 3.0 – abgetaucht nach Digitalien?“ auf der Pressekonferenz der Techniker Krankenkasse am 3. September 2014 in Berlin. Es kann für redaktionelle Zwecke und mit dem Hinweis "Quelle: Techniker Krankenkasse" honorarfrei verwendet werden. Eine Nutzung zu Werbezwecken ist ausgeschlossen.

Veröffentlicht in: Gesundheit & Medizin
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Statement von Filmemacher Holger Braack zur DVD: "Jugend 3.0 – mit Sicherheit im Netz"

  1. 1. Statement Holger Braack, SchwarzBuntMedia zur Vorstellung des Films Jugend 3.0 - mit Sicherheit im Netz am 3. September 2014 in Berlin Die gesundheitlichen Aspekte der Mediennutzung hat Herr Dr. Baas ja schon ausführlich beleuchtet, ich werde also etwas mehr über meine Erfahrungen bei den Dreharbeiten sprechen und über die Erkenntnisse, die wir dabei gewonnen haben. Ich habe vor fast drei Jahren begonnen, mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Ich bin sehr froh, dass die TK sich zu diesem Film entschlossen hat und bin überzeugt, dass er hier auch richtig angesiedelt ist. Mit der TK arbeite ich nicht das erste Mal zusammen. Unter anderem haben wir Filme zum Thema Organspende und Koordinationstraining für Grundschulkinder realisiert. Das Thema Kindergesundheit liegt mir am Herzen, so habe ich auch unter anderem für die Deutsche Liga für das Kind zusammen mit Heike Mundzeck mehrere Filme zu Themen wie frühkindliche Entwicklung, Krippenkinder oder emotionale Intelligenz gedreht. Mediennutzung ist in vielen Familien ein konfliktbeladenes Thema Im Verlauf der Recherche bin ich sehr schnell darauf gestoßen, wie groß das Konfliktpotenzial in den Familien beim Thema Mediennutzung der Kinder ist, aber auch wie stark sich die Auffassungen der Eltern voneinander unterscheiden. Das geht von "die digital natives wissen schon, was richtig ist" bis hin zu Kleinkriegen um Nutzungszeiten, Spiele und Webseiten, die in vielen Familien geführt werden. Vorherrschend ist das Gefühl der Ratlosigkeit, wie Medienerziehung sinnvoll zu gestalten ist. Wir haben Eltern getroffen, die sehr rigoros mit dem Thema umgehen und ihren Kindern nur wenig Umgang mit digitalen Medien erlauben und Familien, die eine eher liberale Haltung gegenüber dem Medienkonsum ihrer Kinder haben. Sie sind oft der Meinung, Kinder müssen früh damit vertraut gemacht werden, damit sie den Anschluss nicht verlieren. Ein Ergebnis unserer Recherchen sei hier schon einmal vorweg genommen: Kinder, die wenig mit digitalen Medien in Kontakt sind, stehen weder in ihren Peergroups sozial am Rande, schon gar nicht sind sie in der Schule schlechter. Ein Weg durch den Dschungel der Expertenmeinungen Wie es Herr Dr. Baas schon angesprochen hat, mussten wir in der fachlichen Diskussion unter und mit Experten schnell feststellen, dass es sich bei den Fragen nach Sinn und Unsinn von Spielen und wann Kinder mit digitalen Medien in Kontakt kommen sollten, um vermintes 1
  2. 2. Gebiet handelt. Hier prallen Überzeugungen aufeinander und man darf nicht vergessen, dass vor allem Spiele und digitale Kommunikation heute Milliardenmärkte sind. Das wirkt sich auch auf manche veröffentlichte Meinung aus. Wir beschränken uns in unserem Film auf gesicherte Erkenntnisse. Wir wollen Eltern nicht bevormunden. Deshalb haben wir Experten mit verschiedenen Ansichten und Haltungen in den Film integriert. Ein Professor für Spieleentwicklung ist genauso dabei, wie ein Medienpädagoge, ein Psychiater und Psychologe, ein Projektleiter einer Notebook-Klasse ebenso wie ein Suchttherapeut für Onlinespielsüchtige und eine Erzieherin aus einer Kindertagesstätte. Wie gehen Familien mit den neuen Medien um? Wir haben verschiedene Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren nach ihrem Umgang mit digitalen Medien befragt. Wir haben die Eltern gefragt, wie sie ihre Kinder auf das Netz vorbereiten. Und es kommt ein 19-Jähriger zur Wort, der am Anfang seines Studiums steht und uns einen frischen unverstellten Rückblick auf sein Hineinwachsen in die digitale Welt gibt. Wir haben daraus einen Film gemacht, der Eltern, Lehrern und Jugendlichen Entscheidungshilfen und Anregungen bietet. Die verschiedenen Sichtweisen und Beispiele sollen Erwachsene unterstützen, sich ein eigenes Bild zu machen und helfen, individuelle und durchdachte Entscheidungen für die Erziehung zu treffen. Jedes Kind ist anders. Wir möchten Eltern nicht vorschreiben, wie sie ihren Kindern Medienkompetenz beibringen sollen, allerdings ist es heute schlechterdings leichtsinnig, sich mit dem Thema nicht zu beschäftigen und den digitalen Dingen ihren Lauf zu lassen. Ratschläge für den Medienalltag Auf einem sogenannten Eltern-LAN, also einem Elternabend, auf dem Eltern Computer- und Konsolenspiele kennenlernen können, haben wir eine Mutter getroffen, die klagte, dass ihr Sohn ihr nicht sagt, wo er im Netz unterwegs ist und das Notebook jedes Mal zuklappt, wenn sie ihn anspricht. Wie soll sie damit umgehen? Was würden Sie im realen Leben tun, wenn Ihr 13-jähriges Kind ihnen nicht sagt, wo es hingeht? Und mit wem? Sie würden wahrscheinlich sagen: Dann bleibst Du zuhause! Eltern dürfen sich nicht scheuen, konsequent zu sein, in Umgang mit der virtuellen wie in der realen Welt. An anderer Stelle ist da von den Eltern schon mehr Wissen gefordert: Was muss ein Kind beachten, wenn es sich auf Facebook anmeldet? Wie ist das mit den Bildrechten hochgeladener Handyfotos im Internet? Wie kann ich erfahren, was die Kinder im Netz spielen, wenn ich selbst keinen Spaß habe, mich durch etliche Level zu klicken? 2
  3. 3. Der Film macht konkrete Vorschläge, wo und wie man sich informieren kann. Bei Spielen gibt es auf YouTube sogenannte "Let’s Play-Videos", die Eltern sich anschauen können, ohne das Spiel zu beherrschen. Der Film erklärt auch, warum man sich nicht blind auf Altersfreigaben und manche Bewertungen verlassen sollte. Übrigens können sich Kinder, die freien Zugang zu YouTube haben, ebenfalls "Let's Play-Videos" anschauen und damit zum Beispiel auch die schon viel diskutierte Folterszene im Spiel "Grand Theft Auto 5" anschauen, so oft sie wollen – ein Spiel mit einer Altersfreigabe USK 18, das an Minderjährige nicht abgegeben werden darf. Warum wünscht sich mein Sohn eine Grafikkarte zum Geburtstag? Jugendliche entwickeln eine beeindruckende Energie, mit der sie ihre Eltern von der Notwendigkeit eigener Computer überzeugen. In vielen Jugendzimmern stehen Rechner, die hinsichtlich Prozessorleistung, Bildschirmgröße, Grafikkarte und Festplatte deutlich besser ausgerüstet sind als die Geräte ihrer Eltern. Für Schularbeiten, Präsentationen und Internetrecherche brauchen die Jugendlichen einen solchen Computer sicherlich nicht. Ganz davon abgesehen, das Computer genauso wie Fernseher oder Spielekonsolen nicht fest installiert ins Kinderzimmer gehören, sollten sich Eltern genau überlegen, welchen Versuchungen sie ihre Kinder aussetzen wollen. Dr. Baas findet dazu im Film einen schönen Vergleich: Man kann ein Kind nicht in den Süßwarenladen setzen und sagen, Du wirst schon merken, wann Du satt bist. Gerade Jungen sind von Computerspielen oft magisch angezogen und verbringen dann lange Zeiten vor den Geräten. Kinder brauchen Aufgaben Von allen Familien, die wir getroffen haben lief es eigentlich dort am besten, wo es gelungen ist, Kinder für etwas wirklich zu begeistern. Kleine Kinder wollen lernen. Eigentlich probieren sie alles aus, was wir ihnen anbieten. Wenn aus den kleinen Kindern dann Jugendliche werden, wollen sie für etwas brennen, sie wollen sich ihre Welt erschließen – das kann Musik sein, Theater oder Sport. Auch dafür zeigen wir im Film ein Beispiel. Es könnte genauso ein gesellschaftliches Engagement sein, Pferde, Skateboard fahren oder Fußball. Kinder müssen Erfahrungen in der wirklichen Welt machen. Auch das ist nicht immer ungefährlich, aber nur so wachsen Kinder, so werden sie lebenskompetent. Und mit Glück ergeben sich dadurch dann auch Peergroups, in denen es vielleicht nicht am Coolsten ist, bei "League of Legends" auf Level 3.000 zu sein. Auf den gesunden Umgang kommt es an Von manchen Filmen wünscht man sich, man hätte sie früher gemacht. Dieser hier ist einer davon. Wir haben viel gelernt, zum Beispiel, dass Kinder nicht durch das Internet 3
  4. 4. medienkompetent werden, sondern das sie lebenskompetent sein müssen, um mit den modernen Medien umgehen zu können. Wir haben gelernt, dass Kinder nicht möglichst früh an die Medien herangeführt werden sollten, und dass sie nicht besser lernen, wenn sie dazu einen Computer verwenden. Wir haben eine Reihe Studien gefunden, die einen Zusammenhang zwischen den Nutzungszeiten elektronischer Medien und schlechten Schulnoten aufzeigen, aber keine Studie, die das Gegenteil zeigt. Bin ich deswegen gegen elektronische Medien? Sicher nicht. Weder mein Beruf noch der Ihre ist heute ohne sie denkbar. Aber ich glaube, dass wir unsere Kinder sorgsamer und reflektierter an die elektronischen Medien heranführen sollten, als wir das heute oft tun. Dass wir lernen müssen, das weniger manchmal mehr ist und dass wir achtsam sein müssen, damit aus den digital natives keine digital naivs werden. Zum Schluss möchte ich mich noch einmal bei allen Jugendlichen und Eltern bedanken, die die Dreharbeiten unterstützt haben. Uns ist bewusst, dass es nicht einfach ist, offen und zum Teil auch selbstkritisch über so ein Thema zu sprechen. Das ist nicht selbstverständlich. 4

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