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Dichter für Heimat und Reich:
Identitätsvorstellungen im
„Schwäbischen Dichterkreis
von 1938“
Stefan Keppler-Tasaki
Vortra...
Otto Heuschele: Schwäbische Überlieferung
(Jb. 1939)
Es gehört zu den schönsten Erlebnissen, von der Terrasse des Schiller...
Denkfiguren
 Topoi des Heimatbegriffs: Sammlung, Beharrung, Gliederung, ein
harmonisches Ganzes jenseits von Widersprüche...
Das Schiller-Nationalmuseum
 „Sammelstätte schwäbischer Geistesleistung“
 Dir. Bernhard Zeller über Dir. Otto Güntter: „...
Der Dichterkreis als Teil des Nutzungskonzepts
 Erweiterung der Seitenflügel 1934 von sechs auf zwölf Fensterachsen
 erh...
Wohltatenpraxis und Reichsideologie
 Wohltatenpraxis unter der „Gefälligkeitsdiktatur“ (Götz Aly): Preise
(Finckh u.a.), ...
Gründung des Schwäbischen Dichterkreises
 Rahmenbedingungen:
 „Gaukultur“: kulturelle Kompensation von politischen und a...
Warum „Schwäbischer Dichterkreis“?
Namensgebung
 Ahnenkult um die „Schwäbische Dichterschule“ von Wieland bis
Mörike
 Tr...
Vernetzungen
 Eutiner Dichterkreis : gegr. 1936, 27 Beteiligte, Traditionsanspruch:
Eutiner Kreis um Johann Heinrich Voß ...
Gesichter des Schwäbischen Dichterkreises
(Auswahl, nach Jahrgängen)
Auguste Supper
Hermann Burte
Hans Heinrich Ehrler
Alb...
Georg Schmückle (1880–1948)
 der „oberste Parteibeamte des Kulturlebens
in Württemberg“ (Bernhard Blume)
 „schwäbische M...
Wer fehlt im Bild? Ausschlussmomente
 Entliberalisierung des öffentlichen Lebens: Hermann Hesse, Theodor Heuss,
Bruno Fra...
Institutionalisierungsgrad
 Organisatorisches Selbstbewusstsein bei Wezel (Jbb. 1939, 1940):
„der Schwäbische Dichterkrei...
Kompetenzzuweisung
 Alleinstellung innerhalb der Polybürokratie des NS-Staates:
Zuständigkeit für Literaturproduktion – r...
Jahrbuch Brot und Wein
 periodische Anthologie, Erstdrucke und Reprisen
 Erscheinen: „zu jedem Jahresende“, Jb. 1939 End...
Aufbau und Textsorten
 systematische Traditionsanbindung durch Eingangsworte
(„Leitsprüche“) aus Klassikern der „Schwäbis...
1939
„Leitspruch“ von Hölderlin
Isolde Kurz: Nicht mit Worten noch mit Bildern
Ludwig Finckh: Das Reich
Gerhard Schumann: ...
1940
„Leitspruch“ von Mörike
Georg Schmückle: Sprüche
Hans Heinrich Ehrler: Zwischen Himmel und Erde
Hermann Burte: Dichte...
1941
 „Leitspruch“ von Schiller
 August Lämmle: Im Auftrag der Nation
 Hans Heinrich Ehrler: Abend
 Heinrich Lilienfei...
1942
 „Leitspruch“ von Hölderlin
 Gerhard Schumann: Fünf Gedichte aus dem Krieg
 Hans Heinrich Ehrler: Das Reich
 Geor...
Konvergenzen I
 Wezel: „ein gemeinsames Bekenntnis“ (Jb. 1939), „Landschaft zwischen
Schwarzwald, Ries und Bodensee“ (Jb....
Konvergenzen II
 Antipluralismus: Erlösung vom politischen Dissens, Regionalismus als
deutsche Form des Pluralismus
 Ant...
Divergenzen I
 Wezel (Jb. 1941): „ein Bild von der Vielgestaltigkeit des dichterischen
Schaffens“, „reicher Aufbruch schö...
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 Schwierigkeiten mit der südwestdeutsche Binnendiversität: Inkongruenzen
zwischen Selbstbildern der adress...
August Lämmle, Vorsitzender Heimatschutzbund
1939–1946: Im Auftrage der Nation (Jb. 1941)
Darum ist es für das Geistes- un...
Angelpunkt Identitätsvorstellungen
 unrealistische Selbstbilder: „Größe“, „Stolz“, „Stärke“, „Härte“,
„Feinde“, „Kampf“, ...
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 Ehrler: Von der Berufung des Dichters (Jb. 1939), Wezel: Landschaft und Volkstum
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 Deutschland als „Stammesnation“
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Wezel: Von der Wehrhaftigkeit des Schwaben
(Jb. 1941)
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Wezel: Von der Wehrhaftigkeit des Schwaben
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Einsatzbereich „Wehrkraftstärkung“
 Tatvorbereitung: „der Schwabe“ als geborener
Soldat, „die kämpferische Haltung, der p...
Entnazifierung und Selbstligitimation
 Heimat als Partizipationsanspruch von NS-Belasteten, nach wie vor legitimer
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Jahrbücher 1957, 1958
 Kohlhammer Verlag
 „an eine erfolgreiche Tradition anknüpfen“: „erlebte Bindung an die
wurzelstar...
Gewollte Kontinuitäten: 1939 / 1957
Jahrbuch 1957: Selbstlegitimation mit
Hermann Hesse
 Festschrift für Hesse, „Wenn ‚Brot und Wein‘ erstmals seit 1942 […] ...
Jahrbuch 1958: Selbstlegitimation mit
Theodor Heuss
 Heuss an Wezel, 9. Mai 1958: „Ich habe nichts dawider, dass in dem g...
Danke für Ihre Aufmerksamkeit!
Kontakt:
www.keppler-tasaki.com
Vortragsdokumentation:
slideshare.net/StefanKepplerTasaki
Anhang 1: Funktionäre des
Dichterkreises neben Schmückle
Emil Wezel und Helmut Paulus
 Backnanger Lehrerseminar
 Lehrer in Ludwigslust
 1935 promoviert am Erziehungswissenschaftlichen Seminar,
Tübingen
 1...
Anhang 2: Archivbestände
Nachlass Schmückle
 DLA Marbach, Sign. A:Georg Schmückle, 10 Kästen, geordnet, nicht
katalogisiert:
 Briefe von Hans Fri...
Nachlass Wezel
 DLA Marbach, Sign. A:Wezel, Emil, 3 Kästen, feingeordnet,
katalogisiert
 Korrespondenz mit Emanuel von B...
Nachlass Paulus
 DLA Marbach, Sign. A:Paulus, Helmut, 33 Kästen (!), feingeordnet,
katalogisiert
 Briefe von Hans Heinri...
Anhang 3: Sibylle Lewitscharoff
und der „Gauleitermüll der
Provinz“
Sibylle Lewitscharoff: Consummatus (2006)
 Totengespräche in einem Stuttgart Café („sehe Scharen von gewesenen
Stuttgarte...
Anhang 4: Wolf Wiechert und die
Heimat im Dazwischen
Wolf Wiechert (geb. 1938 b. Königsberg),
Baden-Württembergischer Lyrikpreis 1999
Bei den Hortensien
am fränkischen Grundst...
(Denk-)Figuren
 traditionelle, aber antithetisch gesetzte Naturbilder: Hortensien, Haff
 ostentative Alliteration: Heima...
Literaturhinweise
Bosch, Manfred: Gerhard Schumann: „Wenn einer von uns fällt, tritt stumm der Nächste
vor“. In: NS-Belast...
Ott, Ulrich: Nachwort. In: Helmut Paulus. Ich gehe dunkle Straßen. Späte Gedichte. Berlin
2012.
Schäfer, Hans Dieter: Das ...
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Stefan Keppler-Tasaki: Dichter für Heimat und Reich. Identitätsvorstellungen im "Schwäbischen Dichterkreis" von 1938

Vortrag am Staatsarchiv Ludwigsburg zur Eröffnung der Ausstellung "Der 'Schwäbische Dichterkreis' von 1938 und seine Entnazifizierung", 4. Juni 2019

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Stefan Keppler-Tasaki: Dichter für Heimat und Reich. Identitätsvorstellungen im "Schwäbischen Dichterkreis" von 1938

  1. 1. Dichter für Heimat und Reich: Identitätsvorstellungen im „Schwäbischen Dichterkreis von 1938“ Stefan Keppler-Tasaki Vortrag am Staatsarchiv Ludwigsburg zur Eröffnung der Ausstellung Der „Schwäbische Dichterkreis“ von 1938 und seine Entnazifizierung, 4. Juni 2019 © Berlin 2019
  2. 2. Otto Heuschele: Schwäbische Überlieferung (Jb. 1939) Es gehört zu den schönsten Erlebnissen, von der Terrasse des Schillermuseums in Marbach, dieser Sammelstätte schwäbischer Geistesleistung, in die Neckarlandschaft hinauszublicken. Zwischen dem Erlebnis des schwäbischen Geistes, an dem wir teilhaben dürfen, und dem Erlebnis der schwäbischen Landschaft, wie sie sich vor uns ausbreitet, ist kein Widerspruch. Denn die Gliederung dieser Landschaft […] ist eine durchaus harmonische. […] Ein gleiches gilt von dem Geist, der hier beheimatet ist. […] Dieses Land verlangt nach Synthese und Beharrung.
  3. 3. Denkfiguren  Topoi des Heimatbegriffs: Sammlung, Beharrung, Gliederung, ein harmonisches Ganzes jenseits von Widersprüchen  Nachfrage nach „schönen Erlebnissen“: Gesellschaft des NS-Staates als Erlebnisgesellschaft, Heimat als Erlebnisangebot in einer faschistischen Erlebniskultur  Einsatz des Dichterkreises im Fremdenverkehr  Rückkehr der Widersprüche: zwischen neoidealistischer Grundhaltung und dem Materialismus der Stammesethnologie (die Landschaft bestimmt die Geisteshaltung)
  4. 4. Das Schiller-Nationalmuseum  „Sammelstätte schwäbischer Geistesleistung“  Dir. Bernhard Zeller über Dir. Otto Güntter: „das Archiv zu einem Sammel- und Forschungszentrum für schwäbische Dichtung entwickelt“  Modernisierungskonzept „Heimat“, Otto Güntter: Das Haus der schwäbischen Dichtung (1935 in August Lämmles Zeitschrift Württemberg)  „Verreichlichung“ unter Dir. Georg Schmückle ab 1939, 1943 Umbenennung des Schwäbischen Schillervereins in Deutsche Schillergesellschaft: Schiller mit dem Schwäbischen Schillerverein „kümmerlich weggekommen“, „den Ruhm und die Größe des schwäbischen Stammes verbreiten zu helfen“ (Schmückle), „Heimat im Reich“ (Schumann)  Schnittstellen: 1. Dichterkreis-Mitglieder als „korrespondierende Mitglieder“ des Schillervereins, 2. Parallelaktion (im Dezember 1938) der Kreis-Gründung und der Umstrukturierung von Schillerverein und Schiller-Nationalmuseum, 3. Personalunion in Schmückle
  5. 5. Der Dichterkreis als Teil des Nutzungskonzepts  Erweiterung der Seitenflügel 1934 von sechs auf zwölf Fensterachsen  erhöhter Legitimationsbedarf  Verschuldung des Schillervereins, Baukostenübernahme durch das Reich im Sommer 1939 per „Führerentscheidung“, Gratifikation für die Selbstgleichschaltung vom Dez. 1938  Marbach als praktischer und symbolischer Mittelpunkt panegyrischer und erbaulicher Literaturproduktion „im Dienst von Heimat und Reich“ 1903 1934
  6. 6. Wohltatenpraxis und Reichsideologie  Wohltatenpraxis unter der „Gefälligkeitsdiktatur“ (Götz Aly): Preise (Finckh u.a.), Ämter (Schmückle u.a.), Stellen (Paulus)  Primat der ideologisch-intrinsischen Motivation der Dichterkreis- Autoren: „Heimat“ und „Reich“ als übergreifende Ideologien mit umfassenden Implikationen – antisemitische, antibolschewistische, totalitäre, identitätspolitische und wohlfahrtstheoretische  Verbesserung des Lebensstandards nicht als Selbstwert, sondern als Bestätigung der Erwartungen an das „Reich“ und die „Heimat im Reich“
  7. 7. Gründung des Schwäbischen Dichterkreises  Rahmenbedingungen:  „Gaukultur“: kulturelle Kompensation von politischen und administrativen Entmachtungsprozessen, Staatsumbau nach Maßgabe der „Gleichschaltung“ (Gesetz über den Neuaufbau des Reiches) – Ehrler: Unser Württemberger Land (BZ 1934), Wezel: Überlieferung und Neuordnung (Jb. 1940)  Vorstellungen von „Gliederung“, Stand und Zunft: Koordination statt Konkurrenz  Vorläufer:  „Aufklärungsdienst“ des Kriegsministeriums 1914–1918, Der Schwäbische Bund 1919–1921, mit Schmückle als Mithrsg. und Geldgeber  „Schwäbische Dichterwoche“ seit 1933, „Ehrentag für die schwäbische Dichtung“ und Marbacher Ausstellung 1935  der Dichterkreis als Geburtstagsgeschenk für Reichsstatthalter Wilhelm Murr: alternatives „Treuegelöbnis“  Amtsaufsicht und Förderversprechen
  8. 8. Warum „Schwäbischer Dichterkreis“? Namensgebung  Ahnenkult um die „Schwäbische Dichterschule“ von Wieland bis Mörike  Traditionsansprüche auf stammesethnologischer Grundlage:  „Das staufische Reichsgefühl wie das Naturerlebnis der Antike, Schillers Freiheitsanspruch wie Hölderlins Opferbereitschaft vor dem Leben strahlen noch immer befruchtend in unsere Dichtung ein. Alles Überkommene aber, was solcherweise […] als leitende Kraft in die Gegenwart wirkt, hat sich mit dem Blutserbe des Stammes innerlich verbunden.“ (Wezel, Jb. 1940)  „Reinkarnationen“:  Wieland in Lilienfein: der Schwabe in Weimar (Lilienfein, Jb. 1942)  Schiller in Schmückle: „ist erstmals […], seit Friedrich Schiller, auch dem Drama in Georg Schmückle ein deutscher Meister erwachsen.“ (Wezel Jb. 1940)  Hölderlin in Schumann: „[besitzt] Hölderlins Opferbereitschaft“ (Wezel Jb. 1940)  Mörike in Ehrler: „Stellvertreter Mörikes auf Erden“ (Heuss)
  9. 9. Vernetzungen  Eutiner Dichterkreis : gegr. 1936, 27 Beteiligte, Traditionsanspruch: Eutiner Kreis um Johann Heinrich Voß und Friedrich Leopold von Stolberg, Eutiner Almanach 1936–1940, Wiederauflebungsversuche nach 1945, Eutiner Almanach 1961 – Briefwechsel Emil Wezel (Ludwigsburg) / Christian Jenssen (Eutin): 9. Januar 1941: „von ähnlichen Gedanken leiten [lassen]“, „daß im Starken und im Innigen die schwäbische Seele […] in der Herzmitte deutschen Wesens lebt“  Sauerländischer Künstlerkreis: Maria Kahle, Georg Nellius (Ehrler- Vertonungen)  Scheffelbund Karlsruhe: Jahresgaben mit Burte, Finckh u.a. (Lebende Dichter um den Oberrhein, 1942)  Weimarer Dichtertreffen: Ehrler als Langen-Müller-Autor u.a.
  10. 10. Gesichter des Schwäbischen Dichterkreises (Auswahl, nach Jahrgängen) Auguste Supper Hermann Burte Hans Heinrich Ehrler Albrecht Goes Gerhard Schumann Auguste SupperIsolde Kurz Ludwig Finckh Anna Schieber Peter Dörfler
  11. 11. Georg Schmückle (1880–1948)  der „oberste Parteibeamte des Kulturlebens in Württemberg“ (Bernhard Blume)  „schwäbische Mafia“ (Gerd Schmückle)  „Leiter des Dichterkreises, Herr Dr. Schmückle“ (Wezel, Jb. 1939)  an Wezel, 28. Juli 1939: „Die Arbeit von Anna Schieber können Sie unmöglich bringen, Auguste Supper ja.“  Jurastudium Tübingen und Heidelberg, Dr. jur. 1907, „Aufklärungsdienst“ 1914–1918, exzentrischer Republikgegner, NSDAP- Mitglied seit 1931  RSK-Landesleiter, Gaukulturwart, Direktor des Schiller-Nationalmuseums und Vorsitzender der Schillergesellschaft, Hauptsitz im Neuen Schloss  Erzählung Heinrich und Gregor (Jb. 1942): proto-lutherischer Übermensch gegen verschlagenes Untermenschentum, deutsche Unbesiegbarkeit, Vernichtung des Papsttums unter der Macht des Reichsgedankens, „Sieg“ des Reichs erst am „Ende des Jahrtausends“ Bronzeskulptur von Ulfert Janssen (DLA, Objekte, B 2006.0110)
  12. 12. Wer fehlt im Bild? Ausschlussmomente  Entliberalisierung des öffentlichen Lebens: Hermann Hesse, Theodor Heuss, Bruno Frank – Warner vor Provinzialismus und Nationalismus  „Entjudung“ des öffentlichen Lebens: Bruno Frank und Bernhard Blume vor 1938 ausgereist, Jacob Picard aktiv ausgeschlossen, Berthold Auerbach aus den Traditionsanrufungen ausgenommen  virtuelle Judenvernichtung: Ausblendung jüdischen Lebens in den Heimatbildern des Dichterkreises, bei Ehrler vor 1933: jüdische Viehhändler, Dorfladenbesitzer, Ärzte als fester Bestandteil der erzählten Welt  Ausschlusseffekt der Hohenstaufer-Mythologie (d.i. des römisch-deutschen Reichs unter Führung der Herzöge von Schwaben): Bild eines Deutschlands ohne Juden, das Ende des Staufertums als Beginn jüdischer Siedlung in Südwestdeutschland  nomineller Anti-Antisemitismus, der antisemitische Prämissen akzeptiert – Helmut Paulus, Brief angeblich von Oktober 1933: „Ich lehne ganz stark die Judensache ab, ich lehne ab, in Kunst und Leben das rassisch Andere auszumerzen, nur weil es halt rassisch anders ist.“
  13. 13. Institutionalisierungsgrad  Organisatorisches Selbstbewusstsein bei Wezel (Jbb. 1939, 1940): „der Schwäbische Dichterkreis […] seinen organisatorischen Zusammenschluß gefunden“, „ein gemeinsames Bekenntnis aller Beteiligten“, „der Schwäbische Dichterkreis […] vollzählig beteiligt“ (24–34 Personen)  wiederholte Rede von „Beteiligung“ in der Ambivalenz von „beteiligt werden“ und „sich beteiligen“, unterschiedliche Grade des Engagements im Spektrum von Kurz (Galeonsfigur) bis Schmückle (Leiter) – Rede von „Mitgliedschaft“, Quasi-Akademie, Briefkopf „Karl Hans Bühner. Mitglied des Schwäbischen Dichterkreises“  Institutionelle Elemente: 1. Marbach, 2. Funktionärsstrukturen (Schmückle, Paulus, Wezel), 3. Kompetenzzuweisung, 4. Jahrbuch („Jahresgabe“) Brot und Wein
  14. 14. Kompetenzzuweisung  Alleinstellung innerhalb der Polybürokratie des NS-Staates: Zuständigkeit für Literaturproduktion – relative Abgrenzung von Gaukulturleitung (Georg Schmückle), Gaupropagandaleitung (Adolf Mauer), Gaupresseamtsleitung (Hermann Drewitz), Kulturreferat der Landesstelle des RMVP (Gerhard Schumann), Kultministerium (Christian Mergenthaler), Schiller-Nationalmuseum (Schmückle)  Hohe Erwartungen, zahlreiche Aufträge („Auftragsdichtung“): regionale und nationale Identitätsbildung, Tourismus, Kriegslegitimation, seelische Erbauung während der faktischen Zerstörung – systematische (Selbst-)Überschätzung und (Selbst- )Überforderung
  15. 15. Jahrbuch Brot und Wein  periodische Anthologie, Erstdrucke und Reprisen  Erscheinen: „zu jedem Jahresende“, Jb. 1939 Ende 1938 usw.  Hohenstaufen Verlag Stuttgart, Hausverlag Schmückles  Finanzierung: Schmückle  Herausgeber: Dr. Emil Wezel, Geschäftsführer Heimatschutzbund, Heerespsychologe, SS-Major, SS-Ausbilder für „Schrifttum und Presse“  Auflagenhöhe: bis 37.000  Publikum: regionale Bildungsschichten und die Deutschen „draußen im Reich“, die „uns […] verstehen“ sollen (Heuschele, Jb. 1939)
  16. 16. Aufbau und Textsorten  systematische Traditionsanbindung durch Eingangsworte („Leitsprüche“) aus Klassikern der „Schwäbischen Schule“  programmatische Schlussworte durch Wezel  Naturlyrik, Tag- und Jahreszeitengedichte, Wanderlieder und - erzählungen, Tiergeschichten, Historische Erzählungen, Spruchgedichte, Kriegslyrik, Aufsätze – zum geringen Teil geistliche Gedichte (z.B. Auftaktgedicht 1939 von Kurz), fast keine Beispiele von Mundartdichtung (z.B. Lämmle 1939)  viel Landschaftslob, wenig Hitlerkult – letzterer bei Finckh: Das Reich (Jb. 1939), Schumann: Schwur an den Führer (Jb. 1941)
  17. 17. 1939 „Leitspruch“ von Hölderlin Isolde Kurz: Nicht mit Worten noch mit Bildern Ludwig Finckh: Das Reich Gerhard Schumann: Morgen, Traum und Tat Otto Heuschele: Schwäbische Überlieferung Georg Schmückle: Der heilige Remaklus Hans Heinrich Ehrler: Von der Berufung des Dichters Helmut Paulus: Der Gerstenacker Karl Götz: Erinnerung an das Brenztal Auguste Supper: Die Blautanne Karl Hans Bühner: Mittwinter Emil Wezel: Landschaft und Volkstum in der schwäbischen Dichtung der Gegenwart
  18. 18. 1940 „Leitspruch“ von Mörike Georg Schmückle: Sprüche Hans Heinrich Ehrler: Zwischen Himmel und Erde Hermann Burte: Dichter und Volk Anna Schieber: Mit Gott kannst du nicht streiten Ludwig Finckh: Blühende junge Welt Auguste Supper: Forellen. Erzählung Helmut Paulus: Die Nacht Karl Hans Bühner: Bodenseefahrt Albrecht Goes: Das zersplitterte Fenster. Erzählung Isolde Kurz: Musik der Dinge Gerhard Schumann: Heimat Heinrich Lilienfein: Sprüche Emil Wezel: Überlieferung und Neuordnung [Schlusswort]
  19. 19. 1941  „Leitspruch“ von Schiller  August Lämmle: Im Auftrag der Nation  Hans Heinrich Ehrler: Abend  Heinrich Lilienfein: Gefährliche Stunde  Helmut Paulus: Das allzuharte Herz  Ludwig Finkch: Der Hans scheut am Hohenstoffeln  Karl Hans Bühner: Berggefühl  Gerhard Schumann: Schwur an den Führer  Auguste Supper: Das Bleibende!  Albrecht Goes: An einem Dezembermorgen  Georg Schmückle: Tao  Hermann Burte: Blutbogen  Emil Wezel: Von der Wehrhaftigkeit des Schwaben
  20. 20. 1942  „Leitspruch“ von Hölderlin  Gerhard Schumann: Fünf Gedichte aus dem Krieg  Hans Heinrich Ehrler: Das Reich  Georg Schmückle: Heinrich und Gregor  Heinrich Lilienfein: Wieland  Isolde Kurz: Purpurne Abendröte  Ludwig Finkch: Der Urahn  Hermann Burte: Der Mensch  Auguste Supper: Die Wunderkur  Helmut Paulus: Abendfeier  Albrecht Goes: Soldatennacht  Emil Wezel: Hölderlins deutsche Sendung
  21. 21. Konvergenzen I  Wezel: „ein gemeinsames Bekenntnis“ (Jb. 1939), „Landschaft zwischen Schwarzwald, Ries und Bodensee“ (Jb. 1939), „eine durch ihre gemeinsame schwäbische Herkunft verbundene Gruppe von Schaffenden“ (Jb. 1957)  südwestdeutsches Akademikermilieu: Ärzte (Finckh), Juristen (Schmückle), Lehrer (Wezel, Heuschele), Theologen (Dörfler, Goes), Germanisten (Schumann), Dr. phil. h.c. (Kurz)  Antimodernismus mit ausgeprägten Feindbildern: „da der Expressionismus mancherorts seine billigen Triumphe feierte“, „geschäftigen Treiben derer, die den literarischen Markt verwalten“, „geistiges Abenteurertum“ (Heuschele, Jb. 1939), „Verlockungen einer entarteten und formzerstörenden Zeit“ (Wezel Jb. 1939) – aggressives Marginalisierungsgefühl  Antimodernismus als Teil der Moderne: Vorstellungen totaler Ordnung und absoluter Formierung, Durchorganisation der Gesellschaft nach ästhetisch befriedigenden Prinzipien: „Ordnungs- und Formverlangen“ (Wezel Jb. 1940), Einheitsphantasien: „Stammeseinheit“, „Einheit des Volkes“, „Reinheit“ – „brutale Romantik“ (Heuss über Burte)
  22. 22. Konvergenzen II  Antipluralismus: Erlösung vom politischen Dissens, Regionalismus als deutsche Form des Pluralismus  Antiintellektualismus: Berufung auf „Haltung“, „Gefühl“, „Wogen“, Garantien des „Stammeserbes“ und der „Ahneninstinkte“ – „Wir machen keine Gedichte […]. Wir können nicht hindern, daß sie in uns entstehen.“ (Ehrler Jb. 1939)  Antirationalismus: Aufklärung als Zeit, „in welcher die Fürsten aus eigenwilliger Selbstherrlichkeit das Volk entrechtet und geknechtet hatten“, „deutsche Freiheit“ als „rechtliche Gleichheit des Menschen in der Ordnung des Volkes“ (Wezel Jb. 1940) – vgl. Veit Harlans in Stuttgart und Ludwigsburg spielenden Jud Süß (1940)
  23. 23. Divergenzen I  Wezel (Jb. 1941): „ein Bild von der Vielgestaltigkeit des dichterischen Schaffens“, „reicher Aufbruch schöpferischer Kräfte“  Idee eines deutschen „Vielgestaltigkeit“ jenseits von Pluralismus und Parlamentarismus  generationelle Unterschiede: drei Generationen zwischen Kurz Jg. 1853 (älteste), Finckh Jg. 1876, Schumann (jüngster) Jg. 1911 – Jenssen an Wezel, 24. Oktober 1939: „überraschend, wie harmonisch das Ganze bei der altersmäßig doch großen Spannweite wirkt“  religiöse Unterschiede: kirchennahe und säkularisierte Protestanten, Pietisten (Schieber), Deutsche Christen (Supper), bekennende Katholiken (Dörfler, Ehrler), scharfer Antikatholizismus bei Supper und Schmückle  soziale Unterschiede: Großbürger (Schmückle), Kleriker (Dörfler), Volks- und Mittelschullehrer (Götz), Gymnasiallehrer (Heuschele), Freiberufler (Burte, Ehrler), Honoratioren (Finckh), Aufsteiger in Uniform (Schumann)
  24. 24. Divergenzen II  Schwierigkeiten mit der südwestdeutsche Binnendiversität: Inkongruenzen zwischen Selbstbildern der adressierten Teilregionen, neckar-schwäbische Dominanz gegenüber Oberrhein, Bayerisch-Schwaben und den nicht- schwäbischen Teilen Württembergs – Projektionen von „Großschwaben“ und „Alemannien“: „das gesamte schwäbisch-alemannische Stammesgebiet zu erfassen“, „zwischen den schwäbisch-alemannischen Dichtern vom Neckar, am Oberrhein und an der Donau noch stärkere Brücken zu bauen“ (Wezel Jb. 1940)  Schwierigkeiten mit deutscher Binnenmigration: familiäre Mischungsverhältnisse (Ehrler: Von meinen Ahnen), genealogische Sackgassen (Finckh: Ahnenbüchlein), Umsiedlungen nach Berlin, München, Weimar (Heuss, Jacob Picard, Wezel, Bruno Frank, Lilienfein)  Schwierigkeiten mit dem „gemeinsamen Bekenntnis“: zur „Heimat“, zum „Reich“, zum Nationalsozialismus aufgrund unterschiedlichster Teilaffinitäten – nationaler Sozialismus (Schumann), Wiederherstellung deutscher Weltgeltung (Götz), Eugenik (Finckh), Wiederherstellung des Glaubens (Dörfler, Ehrler, Goes), Heimatschutz (Lämmle)
  25. 25. August Lämmle, Vorsitzender Heimatschutzbund 1939–1946: Im Auftrage der Nation (Jb. 1941) Darum ist es für das Geistes- und Seelenleben eines Volkes von größter, ja von schicksalhafter Bedeutung, was seine Denker und Dichter gesagt haben und sagen. Denn diese sind nicht Menschen für sich, sondern Soldaten ihres Volkes, […] Deuter des oft dumpfen und dunklen, aber darum um so reineren und stärkeren Sehnens der Blutsgemeinschaft, zu der sie selber gehören. […] In Zeitwenden aber, wo sich der Umbruch von Völkerschicksalen vollzieht, wo es […] mit fürchterlichem Ernste um der eigenen Nation große Gegenstände geht, können sie nichts anderes sein als Finder und Künder im Auftrage der Nation.
  26. 26. Angelpunkt Identitätsvorstellungen  unrealistische Selbstbilder: „Größe“, „Stolz“, „Stärke“, „Härte“, „Feinde“, „Kampf“, „fürchterlicher Ernst“  Identitätsstörungen aus den Geschichtsbeschleunigungen von 1871 und 1918  reibungsvolle Umfunktionierung der Territorialstaaten zu Heimaten seit der Reichsgründung  tiefsitzende Verlustgefühle: „Verpflichtung, über einer verschütteten Welt, über der Zertrümmerung des Geistes wieder geistiges Neuland zu suchen“, „Wille zur Neuordnung des Daseins“ (Wezel Jb. 1939)  „Seherdichter“, „Heimat“ und „Reich“ als radikalkonservative Utopien und unerfüllbare Vorstellungen – (Selbst-)Überforderung
  27. 27. Literarisches Selbstverständnis  Ehrler: Von der Berufung des Dichters (Jb. 1939), Wezel: Landschaft und Volkstum in der schwäbischen Dichtung der Gegenwart (Jb. 1939), Hermann Burte: Dichter und Volk (Jb. 1940), August Lämmle: Im Auftrage der Nation (Jb. 1941)  Prämissen:  stammesethnologische: „Ihr Schaffen wächst aus dem Bekenntnis zum Heimatraum, zu Vaterwort und Mutterlaut, zu der ungeteilten Lebensganzheit von Volk, Land und Gott. […] aus den blutgebundenen Erbkräften“(Wezel Jb. 1940), „Binde das Wogen in dir,/ treulich an Aller Gefühle!“ (Burte Jb. 1940)  ständegesellschaftliche: Dichter nicht als Frei- oder Nebenberufler, sondern als „Stand“ (Ehrler Jb. 1939)  epistemische: „unbeirrbare Wahrheit im Wort des Dichters“ (Wezel Jb. 1957), „Der Beste bebt: es braucht der klare Seher/ Die ganze Kraft, zu sagen, was er sieht“ (Burte Jb. 1940)  Aufgaben  „Schau der rassischen Trieb- und Grundschichten des Menschen“ (Heuschele Jb. 1939),  „die Heimatlosigkeit des Geistes und der Seele aufheben“ (Ehrler Jb. 1939)  „zum gesamtdeutschen Geistesbesitz beizutragen“ (Heuschele Jb. 1939)  Tatvorbereitung: „der bedeutsamste Wesenszug des Schwabentums: eine Traumkraft, die sich mit einer beharrlichen Tatkraft verbindet“ (Heuschele Jb. 1939), „Innerlichkeit mit dem politischen Kampfwillen, mit der Einsatzbereitschaft für Volk und Reich [verbinden]“ (Wezel Jb. 1940)
  28. 28. Paradies „Heimat“  Annahmen deutscher Singularität um „Heimat“ und „Reich“  Deutschland als „Stammesnation“  Identitätskonzept der Regionen im Nationalstaat  Konsensbegriff: antimodernistische und modernistische Heimatbegriffe, (Nach-)Exilliteratur: Seghers, Döblin, Brecht  Gleichheitsversprechen: „Wer seine Heimat liebt, ist nicht allein./ Sie fragt nicht, ob du arm bist oder reich./ Gelehrt und ungelehrt – das gilt ihr gleich“ (Lämmle Jb. 1957)  Partizipationsversprechen: „Und ihre Großen werden dir verwandt./ Sie werden Traum und Trost dir in der Nacht./ Dein wird, was sie getan, geliebt, gedacht./ Wenn du sie liebst, dein werden Volk und Land.“ (Lämmle Jb. 1957)  Kontinuitätsversprechen: „das in aller Verwandlung Bleibend“, „wie in Friedrich II. und in Hölderlin eine gleiche schwäbische Urkraft waltet“ (Heuschele Jb. 1939)
  29. 29. Antimodernistische und modernistische Heimatbegriffe „die große Harmonie“, „Der Seele Einklang / Mit der Gottnatur“ (Reuschle: Lied der Heimat, Jb. 1939) „alte winkelige Gassen“, „Schlösser“, „Dome“, „Kirchen und Kapellen“, „Fern dem Treiben, nah den Quellen“, „Frommer Winzer Werk und Danken“ (Schumann: Gesegnetes Franken, Jb. 1957) „[Berlin] gab ich öfter die Bezeichnung ‚Heimat‘ und ärgerte mich über die Frösche im Sumpf, […] die Maulwürfe, die den Boden des Landes unterwühlten, welche Heimat nur um eine Dorfscheune mit Ententeich und um eine Wiese mit weidender Viehherde aufbauen wollten. Zur ‚Heimat‘ gehörte also ein Mückenschwarm und ein pfeifeschmauchender Bauer.“ (Döblin 1946) „nehme ich die Hölderlinische Übertragung, die wenig oder nicht gespielt wird, da sie für zu dunkel gilt. Ich finde schwäbische Tonfälle und gymnasiale Lateinkonstruktion und fühle mich daheim. Auch Hegelisches ist da herum. Vermutlich ist es die Rückkehr in den deutschen Sprachbereich, was mich in das Unternehmen treibt.“ (Brecht 1947)
  30. 30. „Gespaltenes Bewusstsein“: Agrarromantik in der Technologiegesellschaft Robert Bosch, Bosch-Werke um 1940Jahrbuch des SDK 1939
  31. 31. Wezel: Von der Wehrhaftigkeit des Schwaben (Jb. 1941) Durch alle Enttäuschen und Widerstände der Geschichte hindurch können wir den Kampf verfolgen, den sie [die Schwaben] um die Verwirklichung der Reichsidee führen. Dieses Reich meint nicht nur den äußern politischen Zusammenschluss, sondern zugleich die innere Gestaltwerdung des deutschen Volkes, es ist ein Reich der Gleichachtung und der Kameradschaft, ein Reich der geistigen Kraft und des sittlichen Ernstes, wie es von den Denkern und Dichtern ebenso wie von den Soldaten erschaut wird.
  32. 32. „Reich“ als Komplement von „Heimat“  Reichseinheit der deutschen Heimaten: „alle Gegensätze wie Nord und Süd […] zu vereinen“ (Otto Heuschele: Schwäbische Überlieferung, Jb. 1939)  genuin schwäbisch-staufisches Projekt: „Traum [vom Reich], der nur im deutschen Süden geträumt werden konnte“ (Heuschele Jb. 1939), „Wille zur Ganzheit […] tiefgreifende Besonderheit der schwäbischen gegenüber der norddeutschen Geisteshaltung“ (Wezel Jb. 1939), „Denn schon immer hat der Schwabe, der die Reichssturmfahne getragen hat, eine Brücke gebaut vom Heimatboden in die Lebens- und Schicksalsgemeinschaft des gesamten großdeutschen Volkes“ (Wezel Jb. 1940) – deutsche Binnenrivalität um den Reichsbegriff  eschatologisches Projekt: „Wir bauen ein neues Himmelszelt./ Wir schlagen die ehernen Stufen der Welt.“ (Finckh: Das Reich, Jb. 1939), „daß das innere Bild der Dinge sichtbar werde. […] der Mensch im Menschen, das Volk im Volk, […] Gott im Gotteswerk“ (Ehrler Jb. 1939)
  33. 33. „Verreichlichung“: die Nationalisierung des Regionalen  Dichterkreis-Autoren als „Vorkämpfer der Erneuerung und Einung der Nation“, „Chor […] zum Ruhm und zur Ehre des Reiches“, „[Bekenntnis zur Heimat] getragen von dem Glauben an eine großdeutsche Zukunft, an eine gesamtvölkische Lebens- und Schicksalsgemeinschaft“ (Wezel Jb. 1939)  Zweckrationalisierung der Heimat: „Die schwäbische Stammesdichtung“ als Sammlung von „Bausteinen […] zur äußeren und inneren Festigung des Reiches“ (Wezel Jb. 1939)  antiregionalistischer Heimatbegriff: „sich [nicht] in Eigenbrötelei, in Sonderfragen der Stammesdichtung verlieren, sondern ein Weg sein ins Reich“, „Denn schon immer hat der Schwabe, der die Reichssturmfahne getragen hat, eine Brücke gebaut vom Heimatboden in die Lebens- und Schicksalsgemeinschaft des gesamten großdeutschen Volkes“ (Wezel Jb. 1940)  antihumanistischer Idealismus: Aufgabe und Vernichtung der „Heimat“ als Lebenswelt in Namen des Heimat- und Reichsidealismus, „die Heimat […] schwand ins Lied“ (Schumann Jb. 1939)
  34. 34. Einsatzbereich „Fremdenverkehr“  Binnenerschließung Deutschlands und Wechselverkehr der „Heimaten“ – Finckh an Wezel, 29. November 1959: „Brücken geschlagen für Nord und Süd“  agrarromantische Texte als Werbefahnen für den Tourismus  kulturkritisch Schumann, erst im Jb. 1958: „[Kühe schütteln] ihr schweres weises Haupt über eine kesse Reisebüro-Venus“  Reiseliteratur im Schwäbischen Dichterkreis: Lautenschlager: Im Allgäu (Jb. 1940), Bühner: Bodenseefahrt (Jb. 1940), Reuschele: Südliche Felstrift (Jb. 1941), Rombach: Gesang am Nil (Jb. 1957)  Reisespezialist DAI-Kulturrat Kurt Götz: Goldrahmung der Heimat aus der Ferne, Arbeit gegen „Entdeutschung“ von Auslandsdeutschen – Erinnerung an das Brenztal (Hintergrund Chicago, Jb. 1939), Begegnung in Baltimore (Jb. 1940), Aus meinen wolhynischen Tagebuch (Jb. 1941), Die Grillenrede von Guayaquil (Hintergrund Ecuador, Jb. 1957) – „Auf dieser großen Fahrt zu den Deutschen in ganz Amerika spürte ich nun jeden Tag, bei den vielen und bei den einzelnen, daß der Stolz jetzt wieder wuchs.“ (Jb. 1940)
  35. 35. Adolf Mauer (Hg.): Reiseland Württemberg (1939) Adolf Mauer, „Gaupropagandaleiter, Leiter des Landesfremdenverkehrsverbandes Württemberg“ Mit Gedichte und Erzähltexte von  August Lämmle: Schwaben  Karl Hans Bühner: Im Schwarzwald  Gerd Schneider: Bauer im Allgäu  Hans Heinrich Ehrler: Heimat  Georg Schmücke: Heimweh  Ludwig Finckh: Wandersmann  Georg Schmücke: Das Schwabenlied  Heinrich Lilienfein: Schwabenart  Max Reuschele: Herbstjubel  Georg Schmückle: Der Kaspar Schenk von Strümpfelbach
  36. 36. „Sportferien“
  37. 37. „Fahrt in den Frühling“
  38. 38. „Die Straße des Führers“
  39. 39. Wezel: Von der Wehrhaftigkeit des Schwaben (Jb. 1941) Entschlossen und einsatzbereit wie alle deutschen Stämme halten heute auch Schwabens Söhne Wacht vor der Heimat, vor der großen gemeinsamen Heimat aller Deutschen. Wenige Jahre zuvor, im großen Völkerringen des Weltkriegs, kämpften schwäbische Soldaten an allen Fronten. Voll stolzer Freude hörten wir damals das Wort Ludendorffs von der vorbildlichen Tapferkeit der württembergischen Regimenter. […] Schon mit den Staufern, mit Barbarossa beginnt jenes hohe Lied des Heldentums […]. Eben diese Stammeszüge: Einsatzbereitschaft, Härte und Entschlossenheit prägen auch den heutigen Schwaben wieder zum Soldaten. […] Fiesko, Wallenstein, Tell – sie alle sind in der Stunde der Entscheidung Soldaten. […] Schillers Dichtung verpflichtet zum Handeln. […] Mögen diese Früchte dichterischen Schaffens den wehrhaften Einsatz und soldatischen Willen aller Deutschen, die heute geschlossen um des Reiches Fahne stehen, stärken und festigen.
  40. 40. Einsatzbereich „Wehrkraftstärkung“  Tatvorbereitung: „der Schwabe“ als geborener Soldat, „die kämpferische Haltung, der planende, auf die Tat gerichtete Zukunftswille“ (Wezel Jb. 1940)  Dichter als „Soldaten ihres Volkes“ (Lämmle Jb. 1941)  „Ich […] wurde dann Geschäftsträger des Schwäbischen Heimatbundes und als da die politische Situation für mich ungünstig wurde, ging ich zur Heeres-Psychologie.“ (Wezel, 1. Juli 1947, Nuernberg War Crimes Trials Interrogations)  Rekrutierungspraxis der Wehrmacht: regionale Homogenität der militärischen Einheiten zur Steigerung der Kampfmoral  Frucht der Zeit. Kriegsgabe schwäbischer Dichter (= Jb. 1942)  Feldpostreihen: Schmückle: Hie gut Württemberg allweg!, Paulus: Geliebte Heimat, Ehrler: Der Vierröhrenbrunnen (alle 1943)
  41. 41. Entnazifierung und Selbstligitimation  Heimat als Partizipationsanspruch von NS-Belasteten, nach wie vor legitimer Teil der regionalen Gesellschaft zu sein  Anspruch auf „Vertretung der Heimat“ (Schumann an Ehrler, 9. Juli 1949)  Selbstviktimisierung – Finckh: Die Bilanz (Jb. 1957): „Ich habe mein Haus brennen sehen mit all meiner Habe“, „alles das zu tragen, was nachher über uns kam, unaufhörlich: Mord und Tod.“  keine Verantwortungsübernahme für die Zerstörung von Heimat; beklagt z.B. von Döblin in den Mainz- und Berlin-Kapiteln von Schicksalsreise  kaum Spuren von Schuldeinsicht: ansatzweise bei Ehrler auf Zureden von Priestern, halbes Zerwürfnis von Schmückle mit dem Nationalsozialismus wegen der Haltung zum totalen Krieg, dagegen gusseisernes Selbstbewusstsein von Finckh, Schumann, Wezel  Nachfrage Bühners an Wezel, 12. Dezember 1957, warum er nicht im neuen Jahrbuch vertreten: „oder war es ein anderer Umstand, der zu meinem Fehlen führte?“
  42. 42. Jahrbücher 1957, 1958  Kohlhammer Verlag  „an eine erfolgreiche Tradition anknüpfen“: „erlebte Bindung an die wurzelstarken Kräfte des Heimatgrunds, der Landschaft, des Volkstums“ (Wezel Jb. 1957)  Impressum: „erstmalig 1939“  weiterhin Illustrationen von Gottlieb Ruth  weiterhin Leitsprüche zur Traditionsanrufung (Hölderlin, Kommerell)  weiterhin Schlussworte von Wezel
  43. 43. Gewollte Kontinuitäten: 1939 / 1957
  44. 44. Jahrbuch 1957: Selbstlegitimation mit Hermann Hesse  Festschrift für Hesse, „Wenn ‚Brot und Wein‘ erstmals seit 1942 […] wieder erscheint, so ist es eine glückliche Fügung, daß diese gemeinsame Gabe schwäbischer Dichter zum 80. Geburtstag von Hermann Hesse dargereicht werden kann.“ (Wezel)  Auftakt mit Hesse: Meine Kindheit (aus: Gerbersau), „Zu allen Zeiten meines späteren Lebens ist meine Kindheit oft in vielfachen Bildern zu mir getreten, lockig, fremd und unerlöst wie ein blasses Märchenkind“, „ein bewegtes Meer von Rätseln und Anfängen“, Erinnerung an die „Landschaft, in welcher ich aufwuchs“ (Calw alias Gerbersau, Basel)  darauf Laudatio von Walter Dürr in alten Denkmustern: „Hesse im Schöpferischen eins mit den Sprachmusikern seiner Vorzeit […] Hölderlin, Mörike “ (Walter Dürr)  darauf Lämmle: Wer seine Heimat liebt, Finckh: Die Bilanz, Schumann: Gesegnetes Franken  Reklamation Hesses für „heimatgebundene[] Dichtung“: „Bewußtsein der eigenen, eingeborenen Art, das Wissen um das angestammte Erbe“, „Bejahung des eigenen Lebensgrundes“, Heimatliteratur als die eigentliche Weltliteratur: „die Stimme der Heimat so geheimnisvoll eins […] mit der Stimme der Welt“, Abbildung der Welterfahrung nur in der Heimaterfahrung (Wezel)  Kulturkritik: „Erscheinungen einer inneren Zermürbung, Zerbröselung und Auflösung“, „das dichterische Wort eine Hilfe und Tröstung […] in fragwürdiger Zeit“, „Integrität gegenüber dem Zeitgeist“ (Wezel)
  45. 45. Jahrbuch 1958: Selbstlegitimation mit Theodor Heuss  Heuss an Wezel, 9. Mai 1958: „Ich habe nichts dawider, dass in dem geplanten neuen Jahrbuch ein Beitrag von mir Aufnahme findet“, „Bloss scheint es mir nicht angebracht zu sein […] gerade damit das Bändchen zu eröffnen.“  Auftakt mit Heuss: Das Rickele. Friederike Kerner und ihr Justinus (1927), über Kerners Engagement für die Restaurierung der Burg Weibertreu aus Liebe zu seiner Frau, Absetzung vom späteren „Heimatschutz“  anschließend Beiträge von Hesse und Kultusminister Stortz; dazwischen Beiträge von Finckh, Götz, Schumann und Paulus eingestreut  Schlusswort von Wezel: Erbe und Wandlung, mit Einreihung des NS in den natürlichen geschichtlichen Wandel, der jetzige Friede die Frucht des Krieges („Zusammenbruch uralter Ordnungen und das Heraufdämmern neuer in blutigem Morgenschein“), Reklamation des Segens von Heuss  abschließend „Biographische Daten“: mit ns-bereinigten Biografien unter anderem von Finckh, Götz, Schumann und Wezel  Kriegsapologie : „Laß aus dem heißen Mühen / Der Völker Frühling blühen, / Der ihre Tränen überkrönt“, „Die Menschheit ringt sich nur in großen Wehen zu einem neuen Schöpfungswerke auf“ (Finckh)  Kulturkritik: „enthüllen, was unecht, scheinhaft, trügerisch geworden“, Reklamation eines „Verantwortungssinn[s] […], der sich der Welt nicht ausliefert, sich von nichts blenden läßt“ (Wezel), Finckh an Wezel, 30. Oktober 1958: „Das Titelblatt ist ‚gut‘, wenn auch kalt, seelenlos, - Plakat. Wie alles heute.“
  46. 46. Danke für Ihre Aufmerksamkeit! Kontakt: www.keppler-tasaki.com Vortragsdokumentation: slideshare.net/StefanKepplerTasaki
  47. 47. Anhang 1: Funktionäre des Dichterkreises neben Schmückle Emil Wezel und Helmut Paulus
  48. 48.  Backnanger Lehrerseminar  Lehrer in Ludwigslust  1935 promoviert am Erziehungswissenschaftlichen Seminar, Tübingen  1939 Geschäftsführer Heimatschutzbund (Bund für Heimatschutz in Württemberg und Hohenzollern, ab 1949 Schwäbischer Heimatbund)  1940–1942 Weiterqualifizierung zum Heerespsychologen, zweijähriger, dem Reichskriegsministerium unterstellter Ausbildungsgang, unter anderem zur Begutachtung von Offiziersanwärtern, Einschätzung und Entwicklung der Persönlichkeit  1942 zur SS-Schulung überstellt, Leiter „Schrifttum und Presse“  Herausgeber von Brot und Wein  „Sekretär des Schwäbischen Dichterkreises und Herausgeber der periodischen Anthologie Brot und Wein“ (Marbach erhält Briefe aus dem Schwäbischen Dichterkreis, Börsenblatt, 7. Juli 2008)  Schwäbische Dichtung der Gegenwart (Euphorion, 1937)  Der junge Schiller und Hölderlins deutsche Sendung (SS Leitheft, 1943)  Erlebte Heimat in der schwäbischen Dichtung unserer Zeit (SH, 1958)  Pfarrersohn von der Schwäbischen Alb, Buchhändler unter anderem in Magdeburg, freier Autor  Relativer Erfolg erst und ausschließlich unter den Förderbedingungen des Nationalsozialismus  historische Romanen und Novellen vor allem im Heyne Verlag, Geschichte deutscher Tugendhaftigkeit: Treue, Ehrlichkeit, Todesmut, Selbstopfer, Staufermythologie  antiurbanistisch, agrarromantisch: ‚Die Stadt mach krank, das Land gesund‘, kritisch gegenüber Exilanten und deutschen Widerstand gegen Hitler  ab 1939 Archivar im Schiller-Nationalmuseum, 1940 NSDAP-Eintritt, nach 1945 nicht wieder eingestellt: Entnazifierungsverfahren und Einstufung als Mitläufer  Archivar des Dichterkreises, umfangreiche Mediendokumentationen der Beteiligten im DLA, teils direkte Aufträge durch Ehrler u.a.  maßgeblicher Mitarbeiter Schmückles  lebte ab 1952 in den USA, genauer in der Kleinstadt Winnetka bei Chicago: als Küchengehilfe, seltene Besuche in Deutschland  Der Bamberger Reiter. Novelle (1936)  Elf preußische Offiziere (1941)  Der große Zug. Roman (1938, Roman über den Dritten Kreuzzug und den Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa)  Die tönernen Füße (Wiedertäuferherrschaft, letzter Roman, 1953)  Amerika-Ballade (1957): Identifikation mit den „Negros“: Negerballade, Negerliebe Emil Wezel (1905–1984) Helmut Paulus (1900–1975)
  49. 49. Anhang 2: Archivbestände
  50. 50. Nachlass Schmückle  DLA Marbach, Sign. A:Georg Schmückle, 10 Kästen, geordnet, nicht katalogisiert:  Briefe von Hans Friedrich Blunck, Hermann Burte, Ludwig Finckh, Isolde Kurz, Helmut Paulus, Anna Schieber, Gerhard Schumann, Auguste Supper u.a.  eine Mappe Korrespondenz mit Helmut Paulus  Materialien zur Entnazifizierung  Korrespondenz Georg Schmückle (Gaukulturleitung) mit Staatsministerium, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Akten des Staatsministeriums, Sign. E 130 b.  Mediendokumentation, DLA Marbach, Sign. H:Schmückle, Georg
  51. 51. Nachlass Wezel  DLA Marbach, Sign. A:Wezel, Emil, 3 Kästen, feingeordnet, katalogisiert  Korrespondenz mit Emanuel von Bodman, Hans Heinrich Ehrler, Ludwig Finckh, Albrecht Goes, Otto Heuschele, Theodor Heuss, Isolde Kurz, Heinrich Lilienfein, Helmut Paulus, Hermann Pongs, Anna Schieber, Georg Schmückle, Gerhard Schumann, Auguste Supper u.a.  Spruchkammerakten: Staatsarchiv Sigmaringen, Entnazifizierungsakten der Spruchkammer Reutlingen
  52. 52. Nachlass Paulus  DLA Marbach, Sign. A:Paulus, Helmut, 33 Kästen (!), feingeordnet, katalogisiert  Briefe von Hans Heinrich Ehrler, Ludwig Finckh, Otto Heuschele, Hellmuth Langenbucher, Georg Schmückle, Gerhard Schumann u.a.  Arbeitskarteien zum schwäbischen Dichterkreis
  53. 53. Anhang 3: Sibylle Lewitscharoff und der „Gauleitermüll der Provinz“
  54. 54. Sibylle Lewitscharoff: Consummatus (2006)  Totengespräche in einem Stuttgart Café („sehe Scharen von gewesenen Stuttgartern“)  Ralph Zimmermann, „Geschichte und Deutsch. Sechsundzwanzig Jahre mühte ich mich an einem Stuttgarter Gymnasium“  „Spezialgebiet: Herumkramen im Gauleitermüll der Provinz“  „in seiner braunen Uniform mit Goldschmiß Murr, nein, nicht der gewitzte Kater, sondern der Gauleiter, am Arm die Frau, […] Königin ihres Heims und Hauses, wie er sie nannte“  „entdeckte in einer Schublade ein kleines gezacktes Photo, das seinen Vater vor einem Leichenhaufen in Polen zeigte“  „wurde der geschworene Feind des Bürgertums im allgemeinen und des Stuttgarter im besonderen“  „Heilbronner Gluthölle“ (Luftangriff vom 4. Dezember 1944)  „Oft wird einem versichert, wie leicht es sei, Leute dazu zu kriegen, andere zu töten.“
  55. 55. Anhang 4: Wolf Wiechert und die Heimat im Dazwischen
  56. 56. Wolf Wiechert (geb. 1938 b. Königsberg), Baden-Württembergischer Lyrikpreis 1999 Bei den Hortensien am fränkischen Grundstein kühlt vom Kurischen Haff auflandiger Wind mein Herz. Die blanken Schwerter schneiden kein Korn mehr ess ich vom Brot der späteren Jahre. Heimat Aus: Wolf Wiechert: Guinnessgesang, 2016
  57. 57. (Denk-)Figuren  traditionelle, aber antithetisch gesetzte Naturbilder: Hortensien, Haff  ostentative Alliteration: Heimat, Hortensien, Haff, Herz  „Heimat“ in der Interregionalität: aus nordbadischen und ostpreußischen Bezügen  Ortsbezogenheit im Dazwischensein  Formsymbolische Apokoinu von „mehr“ (1. Die blanken Schwerter schneiden kein Korn mehr, 2. Mehr ess ich vom Brot der späteren Jahre)  analoge Intertextualität mit Anspielungen sowohl auf das Nibelungenlied als auch auf Rilke und Böll
  58. 58. Literaturhinweise Bosch, Manfred: Gerhard Schumann: „Wenn einer von uns fällt, tritt stumm der Nächste vor“. In: NS-Belastete aus dem Bodenseeraum. Hg. v. Wolfgang Proske. Gerstetten 2016 (= Täter, Helfer, Trittbrettfahrer, Bd. 5), S. 219–235. Groebner, Valentin: Retroland. Geschichtstourismus und die Sehnsucht nach dem Authentischen. Frankfurt/M. 2018. Keppler-Tasaki, Stefan: Hans Heinrich Ehrler (1872–1951). Biografie eines Abendländers. Köln, Wien u.a. 2018. Molitor, Stephan (Hg.): Der Schwäbische Dichterkreis von 1938 und seine Entnazifizierung. Stuttgart 2019. Nachtmann, Walter: Wilhelm Murr und Karl Strölin. Die „Führer“ der Nazis in Stuttgart. In: Stuttgarter NS-Täter. Vom Mitläufer bis zum Massenmörder. Hg. Hermann G. Abmayr. Stuttgart 2009, S. 186–197. Proske, Wolfgang: „Haben wir eigentlich keine anderen Probleme?“ Zum Umgang mit der Erinnerung an lokale NS-Täter. Vorwort. In: NS-Belastete aus dem östlichen Württemberg. Hg. v. dems. Münster 2014 (= Täter, Helfer, Trittbrettfahrer, Bd. 3), S. 7–17. Rass, Christoph: Das Sozialprofil von Kampfverbänden des deutschen Heeres 1939 bis 1945. In: Die deutsche Kriegsgesellschaft 1939 bis 1945. Politisierung, Vernichtung, Überleben. Hg. v. Jörg Echternkamp. München 2004 (= Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 9/1), S. 641–741.
  59. 59. Ott, Ulrich: Nachwort. In: Helmut Paulus. Ich gehe dunkle Straßen. Späte Gedichte. Berlin 2012. Schäfer, Hans Dieter: Das gespaltene Bewußtsein. Vom Dritten Reich bis zu den langen fünfziger Jahren. Erw. Neuausg. Göttingen 2009. Schönhagen, Benigna: „ein treuer und gewissenhafter Diener und Helfer“. Der Schwäbische Heimatbund in der NS-Zeit. In: „Die schwäbische Heimat in ihrer Eigenart zu schützen“. Die Geschichte des Schwäbischen Heimatbundes von seiner Gründung 1909 bis heute. Hg. v. Martin Blümcke u. Wilfried Setzler. Tübingen 2014. Setzler, Wilfried: Der Schwäbische Heimatbund nach 1945 – ein Neuanfang? In: „Die schwäbische Heimat in ihrer Eigenart zu schützen“. Die Geschichte des Schwäbischen Heimatbundes von seiner Gründung 1909 bis heute. Hg. v. Martin Blümcke u. Wilfried Setzler. Tübingen 2014. Steber, Martina: Ethnische Gewissheiten. Die Ordnung des Regionalen im bayerischen Schwaben vom Kaiserreich bis zum NS-Regime. Göttingen 2010. Wolter, Markus: Dr. Ludwig Finckh: „Blutsbewusstsein“. Der Höri-Schriftsteller und die SS. In: NS-Belastete aus dem Bodenseeraum. Hg. v. Wolfgang Proske. Gerstetten 2016 (= Täter, Helfer, Trittbrettfahrer, Bd. 5), S. 78–102. Zeller, Bernhard: Schiller-Stiftung, Schiller-Bund, Schwäbischer Schillerverein. In: Klassiker in finsteren Zeiten 1933–1945 [Katalog zur Ausstellung]. Marbach 1983, Bd. 2, S. 56–75.

Vortrag am Staatsarchiv Ludwigsburg zur Eröffnung der Ausstellung "Der 'Schwäbische Dichterkreis' von 1938 und seine Entnazifizierung", 4. Juni 2019

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