UNIVERSITA’ DEGLI STUDI DI GENOVA
DIPARTIMENTO DI LINGUE E CULTURE MODERNE
Corso di Laurea in Lingue e Culture Moderne
Tes...
Selbstständigkeitserklärung
Ich versichere, die vorliegende Arbeit selbstständig verfasst zu haben. Ich habe keine anderen...
Danksagung
Für das Zustandekommen dieser Arbeit möchte ich Frau Prof. Livia Tonelli danken, die mir beim
Verfassen mit Rat...
Inhaltsverzeichnis
1
1. Einleitung
„Es war einmal...“: Bekanntlich fangen viele Märchen mit dieser rituellen Redewendung an, seit
jeher entfü...
2
2. Das Märchen
Bevor ich auf die pädagogische Funktion des Märchens näher eingehe, möchte ich kurz die
etymologische Her...
3
• Typisierte namenlose Personen (der König, die Prinzessin, etc.)
• Sprechende Namen (Aschenputtel, Rotkäppchen, etc.)
•...
4
Märchen gelten aufgrund ihrer Kürze und Einfachheit, der linearen Erzählstruktur und des meist
glücklichen Endes - indem...
5
gegenwärtig. Sie werden als Märchensymbole angesehen.
Bettelheim zufolge ist die Stiefmutter beispielsweise in den Märch...
6
auseinander. Bereits Plato äußerte sich gegenüber Märchen überaus negativ. Er war überzeugt, dass
Märchen den Kindern sc...
7
Grimm J. und W., 1812: 7).
Rotkäppchen machte sich also wieder einmal auf den Weg und folgte dieses Mal dem Ratschlag de...
8
gute Kontexte, Themen und Konzepte zu wählen.
Diese Schwierigkeiten sind sowohl in den Originalversionen der Märchen als...
9
charakteristischen Merkmale der Kultur. Deutlicher sind die Unterschiede in volksmärchenartigen
Erzählungen nicht nur be...
10
• Einsatz eines ungefähren Begriffes aus der Kultur der Zielsprache.
• Vereinfachung: Einige kulturspezifische Wörter w...
11
Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm veröffentlichten ihre Sammlung von Volksmärchen dreimal
zwischen 1812 und 1858. Die ...
12
Märchen der Gebrüder Grimm und Legenden aus Italien. In seiner Arbeit „I racconti die fratelli
Grimm. "Le traduzioni or...
13
(Antonio Gramsci,Cappuccetto Rosso, 1935) (Grimm, Rotkäppchen, 1857)
„Té“ ist eine umgangssprachlich-dialektale Form vo...
14
helft mir lesen:
Die guten ins Töpfchen,
die schlechten ins Kröpfchen3
“
(Grimm, Aschenputtel, 1857)
le lenticchie,
la ...
15
Durch diese Übersetzung gibt es keine direkte Beziehung mehr zwischen den Schwestern und
Aschenputtel, außer durch die ...
16
des Aschenputtels familiäre Verhältnisse eine sekundäre Rolle spielen und der Prinz einfach wissen
möchte, woher Aschen...
17
Bastin G., 2008, Adaptation In: Mona Baker and Gabriela Saldanha,, London, Routledge
Encyclopedia of Translation Studie...
18
Ulreich A., 1983, Märchen in erzieherischer Bedeutung: Hilfe zum Erkennen der Welt?,
Dissertation, Wien
Vannerem M./Sne...
19
haben?« »Vater, das erste Reis, das Euch auf Eurem Heimweg an den Hut stößt, das brecht für mich ab.« Er kaufte nun für...
20
wollte auch mit sonst niemand tanzen, also daß er ihm die Hand nicht losließ, und wenn ein anderer kam, es aufzufordern...
21
der Schuck ist zu klein,
die rechte Braut sitzt noch daheim.«
Da blickte er auf ihren Fuß und sah, wie das Blut herausq...
22
»Ich will schon alles gut machen«, sagte Rotkäppchen zur Mutter und gab ihr die Hand darauf. Die Großmutter aber
wohnte...
23
Questo lavoro si prefigge lo scopo di dimostrare quali sono le difficoltà che un traduttore riscontra
confrontandosi co...
24
Il primo fattore riguarda la differenza d´età tra l´autore/traduttore e il piccolo lettore. Il secondo
fattore, da tene...
25
riferendosi alla selezione delle lenticchie, invece di tradurre letteralmente “le buone nel pentolino”
e “le cattive ne...
Nächste SlideShare
Wird geladen in …5
×

Diplomarbeit

178 Aufrufe

Veröffentlicht am

0 Kommentare
0 Gefällt mir
Statistik
Notizen
  • Als Erste(r) kommentieren

  • Gehören Sie zu den Ersten, denen das gefällt!

Keine Downloads
Aufrufe
Aufrufe insgesamt
178
Auf SlideShare
0
Aus Einbettungen
0
Anzahl an Einbettungen
0
Aktionen
Geteilt
0
Downloads
1
Kommentare
0
Gefällt mir
0
Einbettungen 0
Keine Einbettungen

Keine Notizen für die Folie

Diplomarbeit

  1. 1. UNIVERSITA’ DEGLI STUDI DI GENOVA DIPARTIMENTO DI LINGUE E CULTURE MODERNE Corso di Laurea in Lingue e Culture Moderne Tesi di Laurea Triennale Italienische Übersetzungen deutscher Volksmärchen im Vergleich Relatore: Prof.ssa Livia Tonelli Candidata: Silvia Satriani Anno Accademico 2014/2015
  2. 2. Selbstständigkeitserklärung Ich versichere, die vorliegende Arbeit selbstständig verfasst zu haben. Ich habe keine anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt. Alle von mir für direkte und indirekte Zitate benutzten Quellen sind nach den Regeln des wissenschaftlichen Zitierens angegeben. Mir ist bekannt, dass beim Verstoß gegen diese Regeln eine positive Beurteilung der Arbeit nicht möglich ist. Ich habe die Arbeit bzw. Teile davon weder im In- noch im Ausland zur Begutachtung als Prüfungsarbeit vorgelegt. Mir ist bekannt, dass die in der vorliegenden Arbeit Verwendung gefundenen Abbildungen der Zu- stimmung zur Benützung durch die Rechteinhaber bedurft hätten. Aufgrund des zur Erstellung der Arbeit vorgegebenen begrenzten zeitlichen Rahmens war mir jedoch eine Einholung dieser Rechte nicht möglich. Da die vorliegende Arbeit weder publiziert noch sonst anderweitig kommerziell genutzt wird, befand ich die Nennung der Urheber bzw. Rechteinhaber als ausreichend. Wien, im Jänner 2016 Silvia Satriani
  3. 3. Danksagung Für das Zustandekommen dieser Arbeit möchte ich Frau Prof. Livia Tonelli danken, die mir beim Verfassen mit Ratschlägen und Verbesserungsvorschlägen zur Seite gestanden hat. Mein besonderer herzlicher Dank gilt Herrn Univ.-Prof. Klaus Kaindl, der mir während meines Aufenthalts an der Universität Mainz seine fachliche Kompetenz und seine wissenschaftliche Erfahrung zur Verfügung gestellt hat. Inoltre, vorrei esprimere sincera gratitudine ai miei genitori, Paola e Claudio, per il loro sostegno economico e il loro costante supporto durante il mio percorso di studio e questo lavoro finale all ´estero. Intendo poi ringraziare Christoph, che ha fornito un aiuto essenziale con le sue correzioni e il suo amore. Infine, desidero ringraziare con affetto mia sorella Giorgia, perché senza di lei e la sua passione per la cultura germanofona non sarei qui dove sono a discutere il mio lavoro in lingua tedesca.
  4. 4. Inhaltsverzeichnis
  5. 5. 1 1. Einleitung „Es war einmal...“: Bekanntlich fangen viele Märchen mit dieser rituellen Redewendung an, seit jeher entführen daher diese Worte Jung und Alt in eine Zauberwelt. Befasst man sich näher mit der Dichtungsgattung „Märchen“, stößt man auf folgende Fragen: Stimmt es, dass durch den Übersetzungsprozess Inhalte der Märchen verloren gehen oder verändert werden? Und: Was sind die größten Schwierigkeiten (sprachliche, literarische, stilistische usw.) bei der Übersetzung von Märchen? Meine Arbeit versucht Antworten auf diese Fragen zu geben. Das Ziel meiner Arbeit ist es nämlich, zwei verschiedene italienische Übersetzungen der Volksmärchen „Rotkäppchen“ und „Aschenputtel“ der Brüder Grimm auf ihre Übersetzungsqualität hin zu untersuchen. Als Orientierungslinie meiner Übersetzungsanalyse verwende ich einen pädagogischen Ansatz. Zunächst werde ich versuchen, einige Probleme die während des Übersetzungsprozesses entstehen, überblicksmäßig darzulegen. Danach folgen einige biografische Informationen über die beiden italienischen Übersetzer Antonio Gramsci und Clara Bovero. Anschließend werde ich meine Aufmerksamkeit auf den inhaltlichen Aufbau der Märchentexte „Rotkäppchen“ und „Aschenputtel“ richten und ihre beiden Übersetzungen einer punktuellen Analyse unterziehen.
  6. 6. 2 2. Das Märchen Bevor ich auf die pädagogische Funktion des Märchens näher eingehe, möchte ich kurz die etymologische Herkunft des Terminus „Märchen“ unter die Lupe nehmen und einige Argumente anführen, die eine wissenschaftliche Untersuchung der Textsorte „Märchen“ begründen. 2.1. Etymologie Das deutsche Wort „Märchen“ bzw. „Märlein“ im Frühneuhochdeutschen (mhd. maerlîn) ist eine Verkleinerungsform von „Mär“ (ahd. mârî, mhd. maere), das Kunde, Bericht, Erzählung oder Gerücht bedeutet. Schon im germanischen Sprachgebrauch findet man das Adjektiv „man“ in der Bedeutung von „groß“, „bedeutend“, „berühmt“ (vgl. Schulz 2009: 21). Die Charakteristika einer „fabula incredibilis“ erhielt das Märchen erst im Zuge seiner Entwicklung (vlg. URL: Deacademic). Das frühneuhochdeutsche Diminutiv „-lein“ änderte sich aber im Laufe der Geschichte zur neuhochdeutschen Verkleinerungsform „-chen“, sodass die heutige Bezeichnung „Mär-chen“ entstand (vgl. URL: Wiktionary). 2.2. Übersicht über die Forschungsgeschichte Es gibt verschiedene Gründe, die für eine wissenschaftliche Untersuchung der fantastischen Traumwelt der Märchen sprechen. Am Beginn des wissenschaftlichen Interesses an Märchen – insbesondere an Kinder- und Hausmärchen − stand die Frage, ob Märchen gemeinhin als eine der volkstümlichen literarischen Gattungen gelten können, die historisch gesehen der Buchkultur vorausgehen und das Alltagswissen in elementarer Gestaltung übermitteln. Für unsere Gesellschaft sind Märchen ein wesentlicher Teil der Kultur und gehören sogar zum literarischen UNESCO Weltkulturerbe (vgl. URL: UNESCO). In der Literatur wird zwischen Volks- und Kunstmärchen unterschieden. Im Unterschied zum Kunstmärchen ist bei Volksmärchen der Autor meistens unbekannt (vgl. Neuhaus 2005: 5). Dies liegt in der vor allem zu Beginn größtenteils mündliche Überlieferung der Volksmärchen. Doch Märchen sind keine bloße Idee aus vergangenen Tagen sondern zeichnen sich durch ihre Aktualität aus. Einige Märchen sind gerade von Gegenwartsliteratur mit ironischer oder kritischer Anspielung oder in Form von Parodien wieder aufgenommen worden. Manchmal wurden auch die früheren Moralvorstellungen in den übertragenen Versionen aufgegriffen. Da eine eindeutige Definition des Begriffs Märchen wegen ihrer zahlreichen und facettenreichen Charakteristika schwer zu finden ist, werden hier zur Umreißung dieser Literaturgattung folgenden Merkmale herangezogen: • Raum und Zeitlosigkeit • Handlungsstereotypen (Bewährung) • Stereotypische Schauplätze (Schloss, Wald, etc.) • Stereotypische Isolation des Märchenhelden • Nebenfiguren (Funktionsträger)
  7. 7. 3 • Typisierte namenlose Personen (der König, die Prinzessin, etc.) • Sprechende Namen (Aschenputtel, Rotkäppchen, etc.) • Happy End Aufgrund dieser Charakteristika, die es auszeichnen, gilt das Märchen in der wissenschaftlichen Forschung als eigene volkstümliche literarische Gattung (vgl. Neuhaus, 2005: 3). Darüber hinaus haben die Brüder Grimm betont, dass Märchen volkstümliche Gattungen sind, die auch die Geschichte und den nationalen Geist eines Volkes wiederspiegeln (vgl. Cocchiara 1951: 13). 3. Die pädagogische Funktion des Märchens Die deutschsprachigen Märchen, und insbesondere die Kinder- und Hausmärchen (KHM) der Brüder Grimm, bekamen innerhalb der literaturwissenschaftlichen und unterrichtsdidaktischen Reformdiskussion der siebziger Jahre, nachdem ihr Inhalt und ihre Sprache für die Unterrichtspraxis überarbeitet worden war, eine neue Stellung (vgl. Cocchiara, 1951: 9). Während man früher die Ansicht vertrat, die Hauptfunktion des Märchens bestehe in der Abbildung des nationalen Geistes eines Volkes, werden Märchen heute als pädagogisches Instrument angesehen. In der Tat spiegeln Märchen die allerersten Weltdarstellungen wieder, mit denen die Kinder konfrontiert werden. Märchen sind unbestreitbar Wertvoll für die psychologische Entwicklung von Kindern (vlg. URL: Elternwissen). Sogar Albert Einstein hat sich nach seiner Auswanderung in die USA für die Bedeutung des Märchens ausgesprochen: „Wenn du intelligente Kinder willst, lies ihnen Märchen vor. Wenn du noch intelligentere Kinder willst, lies ihnen noch mehr Märchen vor.“ (vgl. URL: Denkreich) In der ersten Kindheit formt das Kind seine Persönlichkeit und erfährt Konflikte, die es von nun an selbst zu lösen hat. Es ist unbestreitbar, dass Märchen voll von bedeutenden Symbolen sind, durch die sich eine konstante Verbindung zum Alltag herstellen lässt (vgl. Spring 2001: 24). Der Held ist z.B. logischerweise eines von den wichtigsten Symbolen: Er symbolisiert sowohl die Seele, die sich während einer realen und psychologischen Reise verwandelt, als auch die Suche nach dem Selbst und dem eigenen Lebenssinn (Vogler 2007: 167). Der zweite Aspekt der pädagogischen Funktion neben der Bildung ist also die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit (Charakter, Wertesystem, ...). Durch Märchen bekommen die Kindern Antworten auf grundlegende Fragestellungen, die sich in reellen Situationen ergeben. Märchen werden nicht als Betriebshandbuch fürs Leben der Kinder verstanden, sondern sie vermitteln vielmehr durch ihre historisch-soziale Funktion und ihre elementare bildhafte Gestaltung Alltagswissen.
  8. 8. 4 Märchen gelten aufgrund ihrer Kürze und Einfachheit, der linearen Erzählstruktur und des meist glücklichen Endes - indem der Märchenheld belohnt und das Böse, sei es die Hexe, die Stiefmutter oder andere bösartige Gestalten, bestraft wird - als eine besonders kindgerechte Gattung der Literatur. Außerdem sind Märchen aufgrund ihres einfachen Gut-Böse-Denkens nicht nur leicht nachvollziehbar, sondern bieten auch mögliche Lösungen an, welche die Kinder für ihr Alltagsleben übernehmen können. Ihre fantastischen Geschichten stellen eine alternative Welt dar und beinhalten einige Allegorien, die sich in diversen Aspekten des realen Lebens wiederfinden. Aus pädagogischer Sicht kann daher schlussfolgernd behauptet werden, dass Märchen für die Entwicklung der Kinder sinnvoll und förderlich sind (vgl. Puurtinen 1995: 17). Man kann also mit gutem Recht behaupten, dass Kinder Märchen brauchen. Dies ist simpel zu erkennen, befasst man sich mit der Bemerkung Ulreichs, dass Märchen, durch konkrete Bilder veranschaulicht, eine ursprüngliche Welterfahrung an Kinder vermitteln können. Ulreich zählt in seiner Arbeit einige ausschlaggebende Strukturelemente des Märchens zur Stützung dieser Behauptung auf: • seine Bildhaftigkeit • die Beweglichkeit und der Abwechslungsreichtum seiner Handlung • seine magischen Bestandteile • die Überdeutlichkeit seiner Archetypen Diese Elemente kommen Kindern entgegen und unterstützen sie dabei, zwischenmenschliche Erfahrungen bereits in ihrer der Fantasie zu durchleben (Ulreich 1983: 130). 3.1. Sind Märchen kindgerecht? Obwohl einige positive Aspekte der Märchen anerkannt werden, lehnen andererseits manche Pädagogen und Pädagoginnen Märchen ab, da sie als Mittel angesehen werden, um Kinder zu Gehorsam, Anpassung, Weltfremdheit und Passivität zu erziehen. Somit haben Märchen stets gleichermaßen auch Kritik erfahren. Denkt man beispielsweise an die Figur der kannibalischen Hexe aus Hänsel und Gretel, erscheint spontan die Frage, inwiefern dies alles das kindgerecht ist. Die Problematik an einer Szene dieser Art ist grundsätzlich nicht die Konfrontation der Gedankenwelt des Kindes mit dem Tod an sich. Kannibalismus hebt diese Konfrontation auf die nächste Ebene an, da hier nicht nur die Auslöschung eines lebenden Wesens thematisiert wird, sondern zugleich ein brachialer Akt der Gewalt in den Mittelpunkt der Handlung rückt, sowie der darauf folgende Verzehr des Lebewesens. Bruno Bettelheim, ein amerikanische Psychoanalytiker, erstellte mit seinem berühmten Studium „Kinder brauchen Märchen“ von 1975 unter pädagogischen Gesichtspunkten eine Analyse zum Thema Märchen. Er plädiert für verdrängte Könige und Königinnen, Jäger und Holzhacker, Feen und Zwerge, Hexen, Zauberer, Riesen, Ungeheuer und Stiefmütter. Des Weiteren sollten die guten und die bösen Tiere schleunigst wieder Einzug in die Vorstellungswelt der Kinder halten. Alle diese Figuren sind in unserer Alltagswelt sehr oft
  9. 9. 5 gegenwärtig. Sie werden als Märchensymbole angesehen. Bettelheim zufolge ist die Stiefmutter beispielsweise in den Märchen immer böse und soll die dunkle Seite, die Schattenseite der Mutter darstellen (vgl. Bettelheim 1975: 183). In seinen Studien stellt er zwei zentrale Thesen auf. Die erste besagt, dass Kinder durch Märchen innere Konflikte, die sie im Laufe ihrer Entwicklung durchleben, bereits vorab in ihrer Fantasie erfassen, ausleben und auch lösen können. (vgl. Bettelheim 1975: 12). Die zweite These besagt, dass die Todesstrafe, zu welcher der böse Gegenspieler im Märchen verurteilt wird, nicht schädlich, sondern geradezu notwendig für die psychische Stabilität des Kindes sei. Ihm zufolge projizieren die Kinder ihre inneren Ängste und Unsicherheiten auf die negativen Charaktere der Märchen, die dann von den Kräften des Guten, mit denen sie sich identifizieren können, bekämpft werden. Im Falle der kannibalischen Hexe wird zum Beispiel ihr grausames Handeln vor Augen geführt, doch muss sie auch dafür büßen, wodurch wiederum Gerechtigkeit hergestellt wird. Als weiteres Beispiel sollte hier auch die Stiefmutter angeführt werden, welche im Märchen immer als Böse dargestellt wird. Der Meinung von Prof. Dr. Ruth Klüger nach, sind Märchenstiefmütter ein Sinnbild für typische soziale Probleme in der Mutter- Kind-Beziehung, wie beispielsweise der Angst von den eigenen Eltern verlassen zu werden. Diese sollen ihrer Meinung nach somit die Schattenseiten der Mutter versinnbildlichen (vgl. URL: Uni- Marburg). Bettelheim bezog sich in erster Linie auf die Märchensammlung der Brüder Grimm mit dem Titel Kinder- und Hausmärchen, die vor mittlerweile 200 Jahren zum ersten Mal veröffentlicht wurde, was eine Reaktion auf die Kritik der Märcheninhalte war, die in den 70er Jahren von vielen Seiten geübt wurde. 3.2. Märchen bauen Ängste ab und geben Hoffnung. Märchen bieten Kindern für sie verständliche Lösungen und nehmen sie in ihren Ängsten und inneren Konflikten ernst (vgl. Eggert/Garbe 2003: 106). Um Gefühle der Angst abzubauen, spielt die Identifikation des Kindes mit einer Märchenfigur eine zentrale Rolle, beispielweise die Identifikation mit dem Helden oder der Heldin. Durch diesen Prozess gewinnen die Kinder mehr Mut und Selbstsicherheit. Sie können sich mit allen Märchenfiguren identifizieren, nicht nur mit den Helden (stark, mutig, klug und großes Herz) sondern auch mit den Bösen. Tabelle 1: Erklärung des Identifikationsprozesses für die primären Märchensymbole (vgl. URL: elternwissenb ) Held oder Heldin das Kind Prinz oder Prinzessin das Kind König und Königin Eltern böse Stiefmutter, Hexe, böser Wolf ungeliebte, gefährliche Seite von Eltern oder anderen Erwachsenen Wald Symbol des Unbewussten Die Meinungen der Märchenforscher über das Thema der brutalen Szenen in Märchen gehen
  10. 10. 6 auseinander. Bereits Plato äußerte sich gegenüber Märchen überaus negativ. Er war überzeugt, dass Märchen den Kindern schaden, da Märchen seiner Meinung nach im Wiederspruch zu den Ansichten stehen, die ein Mensch im reiferen Alter haben sollte und daher definitiv nicht zur Erziehung von Kindern gehören sollten (Plato, nach Röhrichl 1964: 123). Der Neurologe Gerald Hüther hingegen bezeichnete Märchen als „Superdoping für Kinderhirne“, da diese die Kinder still sitzen und aufmerksam werden lassen, gleichzeitig allerdings ihre Fantasie anregen und ihren Sprachschatz erweitert (Stöcklin-Meier 2008: 28). Brigitta Schieder vertritt ebenfalls die Ansicht, dass Märchen für die Kinde hilfreich sind, da die negativen Charaktere nicht die Realität verkörpern, sondern Allegorien für all das sind, was auf Kinder bedrohlich, angsteinflößend, oder erschreckend wirken (Schieder 2004: 12). 3.3. Die pädagogische Funktion von Kinder- und Hausmärchen. Die Märchen der Gebrüder Grimm haben im 19. Jahrhundert eine zentrale Rolle bei der Kindererziehung gespielt. Jacob und Wilhelm Grimm sind die bekanntesten deutschen Märchensammler. Nichtsdestotrotz sind Sie selbst nicht die Autoren dieser Märchen, sondern lediglich die Herausgeber. Das Ziel der Veröffentlichung ihrer Kinder- und Hausmärchen (in der Folge KHM genannt) war es, dem Volk eine Art pädagogischen Ratgeber zur Verfügung zu stellen, aus dem die Rezipienten Morallehren ziehen können. Zum Beispiel sollten sie bewirken, dass die bürgerlichen Kinder auch arme Mitglieder der Gesellschaft berücksichtigen und aufnehmen. Dies sollte durch die Identifikation der Kinder mit den Märchenfiguren geschehen, denen die positiven Eigenschaften eines Charakters viel wichtiger waren, als deren Rolle in der Gesellschaft. Des Weiteren sollten die Geschichten vermitteln, dass der Aufstieg in der gesellschaftlichen Hierarchie möglich ist, wenn man sein Leben nach positiven Werten und guten Handlungen ausrichtet. Letzteres wird in Märchen fast als Voraussetzung gesehen, wie man zum Beispiel in der Todesszene der Mutter von Aschenputtel erkennen kann. Diese bittet sie auf dem Sterbebett darum „fromm und gut“ zu bleiben (vgl. Grimm, 1857: 7). Diese Bitte suggeriert, dass Aschenputtel belohnt werden wird, wenn sie ein geradliniges, tugendhaftes Leben führt. Märchen können zusätzlich auch als Integrationshilfe angesehen werden. Für Menschen aus anderen Ländern können sie als sozialer und sogar sprachlicher Wegweiser dienen. Die Gebrüder Grimm haben die Märchen auf eine Art und Weise umformuliert und weiterentwickelt, dass sie zu einer „pädagogischen Erzählform“ wurden, die einen festen Platz im Bildungskanon erhielten. Die Brüder Grimm veröffentlichten nicht nur eine einzige Ausgabe ihrer Märchensammlung, sondern entschieden sich bereits bei der 2. Auflage einige Teile zu löschen. Diese Löschung beinhaltet eine wichtige pädagogische Rolle. Wenn man zum Beispiel die Auflage von 1812 mit derer von 1857 vergleicht, so kann man in „Rotkäppchen“ folgenden Zusatz bei der Erstversion finden: „Es wird auch erzählt, dass einmal, als Rotkäppchen der alten Großmutter wieder Gebackenes brachte, ein anderer Wolf ihm zugesprochen und es vom Wege habe ableiten wollen“ (vgl.
  11. 11. 7 Grimm J. und W., 1812: 7). Rotkäppchen machte sich also wieder einmal auf den Weg und folgte dieses Mal dem Ratschlag der Mutter, nicht vom rechten Weg abzuweichen. In der Originalversion symbolisiert die Ermahnung die schützende Fürsorge der Mutter, ohne die, laut den Gebrüdern Grimm, das Kind verloren wäre. Das Kind bleibt jedoch nicht nur durch den Ratschlag der Mutter auf dem rechten Weg, sondern auch durch seine beim letzten Alleingang gewonnene Erfahrung. Durch die Löschung dieser Passage wird jedoch suggeriert, dass der Ratschlag der Mutter alleinig ausschlaggebend für ein gefahrloses Erreichen des Ziels ist. 4. Die Übersetzung des Volksmärchens Ziel dieses Kapitels ist, einen Überblick der Forschung zur Übersetzung von Volkmärchen zu bieten. Wichtige Impulse für die Kinder und Jugendliteratur in der Übersetzungsforschung gingen von den Translation Studies der 1970er Jahre aus. Zumindest gleichermaßen bedeutend ist das Texttypenmodell von Katharina Reiß, sowohl für die Übersetzungswissenschaft im Allgemeinen, als auch für die Übersetzung literarischer Werke für Kinder im Speziellen. In ihrem Text zur „Übersetzung von Kinder- Jugendliteratur“ schreibt Reiß, dass drei Faktoren für diese Art von Übersetzungen kennzeichnend sind: a) Asymmetrie:  Als Asymmetrie des Übersetzungsprozesses versteht man, dass eine kommunikative Distanz zwischen dem Autor, einem Erwachsenen, und dem Leser, bei Märchen zumeist einem Kind, besteht. Der Übersetzer leistet seine Arbeit im Falle von Märchen ebenso nicht für Erwachsene, sondern für Kinder. b) Vermittlerinstanzen:  Im Zuge der Übersetzung passiert eine Geschichte verschiedene Vermittlerinstanzen, die für eine entsprechende Kommunikation auf dem literarischen Markt unumgänglich sind, da Kinder sich auf diesem noch nicht selbständig bewegen. Diese üben auf den Übersetzter potentiell verschiedene Einflüsse aus, die zum Beispiel durch religiöse Tabus oder ähnliche Dinge bedingt sind. c) Adaption:  Mit dem Begriff Adaption wird darauf hingewiesen, dass gewisse Inhalte aufgrund der kulturellen Abweichungen zwischen verschiedenen Völkern, ohne Erläuterung oder Änderung des Inhaltes, missverstanden werden könnten. In Verbindung mit Märchen adjustiert man den Zusammenhang einer Geschichte für gewöhnlich zugunsten des Lesevergnügens des Kindes. Da Märchen Lernen, Lehren und Erfahren ermöglichen ist es sehr wichtig und zugleich schwierig,
  12. 12. 8 gute Kontexte, Themen und Konzepte zu wählen. Diese Schwierigkeiten sind sowohl in den Originalversionen der Märchen als auch in den übersetzten Versionen derselben in der jeweiligen Fremdsprache zu finden. Es gibt viele spezifische Schwierigkeiten und Besonderheiten bei der Übersetzung von Kinder- und Jugendliteratur, weshalb die Übersetzung manchmal nur in leicht variierender Form, d.h. als Adaptation des Textes und des Sujets möglich ist. Die Diskussion der Adaption nimmt in der Übersetzungstheorie einen großen Stellenwert ein (vgl. Reiß 1982: 7-8). Speziell in der Kinderliteratur gibt es häufig Anpassungen, durch den Grundgedanken bedingt, bestimmte Inhalte seien für Kinder nicht geeignet. Das Dargestellte könnte womöglich Gewalt, Aggression und Angst bei Kindern hervorrufen. Anhand dessen erkennt man, dass die Funktion des Übersetzers von Märchen gleichermaßen wichtig wie jene des Schriftstellers ist, denn immerhin entscheidet der Übersetzer welche Aspekte er übernimmt, weglässt oder ergänzt, wodurch die Botschaft einer Erzählung merklich verändert werden kann. Wenn ein Übersetzer ein Märchen übersetzt, muss er sich vor allem eine Frage stellen: Wer ist der Empfänger? (vgl. Oittinen 2005: 5) Tatsächlich muss man bedenken, dass jede Übersetzung eine Bearbeitung eines an Kinder gerichteten Textes darstellt. Kinder, welche die Märchen allein oder mit einem Erwachsen lesen, an Kinder, die sich mit den Märchen auseinandersetzen. 4.1. Die Rolle der Kulturkompetenz „Translators never translate words in isolation, but whole situations. They bring to the translation their cultural heritage, their reading experience, and, in the case of children’s books, their image of childhood and their own child image. In so doing, they enter into a dialogic relationship that ultimately involves readers, the author, the illustrator, the translator, and the publisher. “(Oittinen 2000: 3) Dieses Zitat besagt, dass sich die Beschäftigung mit Übersetzung nicht nur den Bereich der Literatur- und Sprachwissenschaft betrifft, sondern auch kulturwissenschaftliche und ethnologische Aspekte ins Blickfeld nimmt. Märchen bieten sich vor allem für das Lesen mit einer Fokussierung auf tiefergehendes Verständnis an, um dabei kulturspezifische Unterschiede zu erkennen (vgl. Vannerem/Snell-Hornby 1986: 189). Der komparatistische Ansatz der interkulturellen Literaturwissenschaft legt den Schwerpunkt auf den Vergleich deutschsprachiger Märchen mit Märchentraditionen aus verschiedenen Herkunftsländern und fördert somit die Reflexion über Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Kulturen (vgl. Mecklenburg 2009: 12). Schon die Brüder Grimm wollten eine Bindung ihrer als universal verstandenen Märchen an konkrete Regionen vermeiden und kaum auf eine Kulturidentität der Texte eingehen. Vor allem können sich ethische und moralische Werte von einer Kultur zur anderen ändern. Adaptieren oder nicht adaptieren, ist seit jeher die Frage, welche die kulturelle Entwicklung der Märchen während ihrer ganzen Geschichte begleitet. Die Adaption des kulturellen Kontextes betrifft verschiedene Aspekte, wie literarische Bezüge, Fremdsprache, historischen Hintergrund, Flora, Fauna, Namen und andere spezifische und
  13. 13. 9 charakteristischen Merkmale der Kultur. Deutlicher sind die Unterschiede in volksmärchenartigen Erzählungen nicht nur bei Pflanzen und Tierwelt sondern auch in Bezug auf das Verhältnis des Menschen zur Natur, einer verschiedenen sozialen Struktur und zu religiösen Traditionen. Die universalen Charakteristika werden dank der europäischen Märchenforschung sichtbar. Diese Charakteristika werden vor allem durch den Vergleich kulturspezifischer Gemeinsamkeiten mit Unterschieden der volkstümlichen Erzähltraditionen aus den jeweiligen Herkunftsländern der fremdsprachigen Empfänger deutlich. Die Märchenkomposition folgt strengen Gesetzmäßigkeiten, die bei der Übersetzung des Ausgangstextes (AT) auch noch im Zieltext (ZT) berücksichtigt und wiedergefundenen werden müssen. Stilistischen Sprachebenen. Außerdem müssen im AT vorhandene Archaismen im ZT ersetzt werden. 4.2. Stilistische Aspekte Beim Übersetzen von Märchentexten muss der Übersetzer auf den Sprachstil achten, d.h. er muss sich die Frage stellen, ob der Autor beispielweise die Hochsprache oder den Dialekt absichtlich verwendet hat. Man könnte auch sagen, dass der Grad der Kulturdifferenzen der unterschiedlichen Länder gesondert analysiert werden muss (vgl. Rieken-Gerwing 1995: 92). Volksmärchen zeichnen sich durch einen konkreten, einfachen Stil aus. Das bedeutet, dass sie hauptsächlich aus mehreren aneinandergereihten Gliedsätzen bestehen. Es gibt eine geordnete Folge von verschiedenen Ereignissen: die Erzählperspektive richtet sich immer nach dem Helden und es werden nur die wichtigsten Protagonisten dargestellt. (Vgl.: Wikipedia). Um auf dem Literaturmarkt mit der Übersetzung eines Märchens gleichermaßen Erfolg zu haben, sollte man versuchen, dessen klaren und prägnanten Stil abzubilden. Das bedeutet, man sollte versuchen, auf einfache Formulierungen zurückzugreifen, anstatt komplexe Wortgebilde einzusetzen (Puuritinen, 1995: 179). Wenn aber zum Beispiel ein deutscher Reim oder auch nur ein kleiner deutscher Kinderreim im Original vorhanden ist, stellt das nicht einfache Probleme bei ihrer Übertragung in andere Sprachen dar. Vor allem Göte Klingberg hat sich in den 1970er und 1980er Jahren mit der Thematik der Kulturspezifika auseinandergesetzt und die praxisnahe kinderliterarische Übersetzungsdiskussion mitbestimmt. Von ihm stammen einige Vorschläge, um kultur- und sprachspezifischen Anspielungen am besten zu übersetzen. Laut Klingberg kommt daher der Adaption des kulturellen Kontextes eine sehr große Bedeutung zu. Er entwarf dazu die nachstehenden Vorschläge (vgl. Klingberg, 1986: 18): • Hinzugefügte Erklärung: Der Übersetzer fügt eine kurze Erklärung innerhalb des Zielsprachentextes hinzu, um dem Leser zu helfen. • Umformulierung: Einige kulturspezifische Wörter werden nicht wortgetreu übersetzt, aber sie werden mit anderen Formulierungen ausgedrückt. • Erklärende Übersetzung: Der kulturspezifische Begriff wird nicht wörtlich übersetzt, stattdessen wird jedoch seine Funktion oder Verwendung wiedergegeben. • Einsatz eines äquivalenten Begriffes aus der Kultur der Zielsprache.
  14. 14. 10 • Einsatz eines ungefähren Begriffes aus der Kultur der Zielsprache. • Vereinfachung: Einige kulturspezifische Wörter werden generalisiert. • Streichung: Einige nur für die Ausgangskultur relevante Details werden nicht wiedergegeben. • Lokalisation: Der kulturelle Ort des Originals wird dem Zieltextleser manchmal angenähert. Der Übersetzer hat in semantischen Bereichen die Möglichkeit, auf einfachere Worte und transparente syntaktische Konstruktionen zurückzugreifen (z.B. mittels Paraphrasen, Synthese und Auslassung) (vgl. Bastin 2008: 3-4). 4.3. Sprachvergleich Deutsch-Italienisch Im Folgenden werden die wichtigsten Merkmale, durch die sich das Italienische und das Deutsche unterscheiden, kurz summarisch aufgezählt. • Die Form des unbestimmten und des bestimmten Artikels im Italienischen richtet sich nach dem Genus und dem Anfangslaut des darauf folgenden Nomens. Es gibt nur zwei Genera: Maskulinum und Femininum. Im Vergleich dazu weist das Deutsche wesentliche Unterschiede auf: es gibt drei Genera und oft gibt es keine Übereinstimmung in der Zuweisung der Genera. Aus diesem Grund ist es zum Beispiel verblüffend für Italiener, eine weibliche Person mit neutralem Genus zu kennzeichnen (z.B. das Mädchen). 1 • Die Wortstellung ist im Italienischen freier als im Deutschen, wo in der Regel in Deklarativsätzen das konjugierte Verb an zweiter Stelle steht. • Das deutsche Präteritum entspricht im Italienischen sowohl dem Imperfetto als auch dem Passato remoto. In den zwei italienischen Übersetzungen, die in dieser Arbeit analysiert wurden, greifen die Übersetzer auf zwei verschiedene Lösungen zurück: Gramsci verwendet lieber das Imperfekt, während Bovero, das Präteritum lieber mit dem „Passato remoto“ wiedergibt. Beide Verbformen drücken eine Aktion aus, die sich in der Vergangenheit abspielt, und sind somit die gebräuchlichsten Verbformen, die in Märchen vorkommen. • Italienisch ist eine Nullsubjekt-Sprache, d.h. das pronominale Subjekt muss nicht obligatorisch verwendet werden. • Im Italienischen gibt es keine Kasusformen, während das Deutsche vier Kasus unterscheidet, die auch durch die Artikel wiedergegeben werden. • Im Italienischen gibt es keine trennbaren Verben (z.B. etwas abbrechen – es bricht ab, etwas eintauschen – er tauscht etwas ein etc.). 5. Ausgewählte Grimm‘sche Märchen und ihre Übersetzung 1 Siehe hierzu Kapitel 5.2.2
  15. 15. 11 Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm veröffentlichten ihre Sammlung von Volksmärchen dreimal zwischen 1812 und 1858. Die Märchen der Gebrüder Grimm werden auch „Kinder- und Hausmärchen“ genannt und mit „KHM“ abgekürzt. Diese Sammlung hat zwei zentrale Ziele: Erstens, zu erziehen und zweitens, einen Text unter besonderer Berücksichtigung der deutschen Sprachstruktur zu verfassen. Die Gebrüder Grimm betrachteten nämlich ihre Sammlung als ein Erziehungsbuch (Kirkness A., Kühn P., Wiegand H., 1991: 1618), gleichzeitig aber verfolgten sie auch ein linguistisches Interesse. Dieses bestand einerseits darin, in ihrem Werk die Vielfältigkeit der deutschen Dialekte abzubilden - d.h. die Märchen wurden in der ursprünglichen dialektalen Varietät abgedruckt - andererseits aber beabsichtigten sie – ganz im Sinne der nationalstaatlichen Bewegungen, die im 19. Jahrhundert sehr stark waren – zur Bildung einer einheitlichen deutschen Sprache beizutragen. Jacob Grimm schrieb dazu in seiner Akademie-Schrift Über den Ursprung der Sprache: „Die Sprache bildet Völker und hält sie zusammen, ohne ein solches Band würden sie sich versprengen."(Grimm 1858: 30). Da Deutschland sich aber erst 1871 seine Nationalstaatlichkeit erkämpfte (was eine wichtige Voraussetzung für die Einführung und Durchsetzung einer einheitlichen Sprache gewesen wäre) und zur damaligen Zeit das Land in mehrere Fürstentümer aufgeteilt war, fokussierten die Brüder Grimm ihre Anstrengungen dahingehend, durch linguistische und philologische Forschungsansätze eine gemeinsame nationale Literatur zu fördern. Für diese Untersuchung wurden zwei Märchen aus dem Band „Kinder- und Hausmärchen ausgewählt. Diese zwei Märchen wurden wiederum auf zwei spezifische Kriterien hin überprüft. Das erste ist ein pädagogisches Kriterium, welches darauf abzielt, zu untersuchen, in welchen Märchen eine drastische Darstellung von Gut und Böse vorhanden ist. Vor diesem Hintergrund gibt es eine gewisse Polarisierung die zwischen einem totalen Sieg des Guten und einer totalen Niederlage des Bösen zu finden ist2 . Fraglich ist ebenso, ob kleine Kinder nicht in Angst versetzt werden, wenn der Wolf mit Wackersteinen im Bauch im Brunnen ersäuft und Aschenputtels Stiefmutter in glühenden Schuhen tanzen muss, bis sie tot umfällt. Das zweite Kriterium ist ein sprachliches: Dabei wird näher auf die sprachlichen Unterschiede in den beiden übersetzten Versionen der Märchen eingegangen. 5.1. Die Übersetzer Für die Übersetzungsanalyse wurden zwei Werke der folgenden italienischen Übersetzter ausgewählt: 5.1.1. Antonio Gramsci Antonio Gramsci war ein italienischer Politiker, Schriftsteller und Philosoph. Er wurde am 22. Januar 1891 in Ales, Sardinien geboren und starb mit 46 Jahren am 27. April 1937 in Rom. Er hat, offenbar während der Gefängnishaft Märchen und Fabeln zusammengetragen, darunter einige 2 In ein - und demselben Märchen gibt es verschiedene Arten von Polarisierung. Durch die Polarisierung lernt das Kind früh, Gut und Böse zu unterscheiden (vgl. URL: cdn.wehrfritz, 2010).
  16. 16. 12 Märchen der Gebrüder Grimm und Legenden aus Italien. In seiner Arbeit „I racconti die fratelli Grimm. "Le traduzioni originali dai Quaderni del carcere“ hat er 24 Märchen übersetzt. Wie es dazu kam, hat Gramsci in einem Brief an seine Schwester Teresina erläutert. In seinen Übersetzungen schwankte er zwischen einer wortgetreuer Übertragung und dem Versuch, einzelne Passagen umzuschreiben. Antonio Gramsci hat in seinem Werk nicht alle grimmschen Märchen übersetzt, sondern ausschließlich diejenigen ausgewählt, die ein Happy End beinhalten. Der Zweck seines Werkes ist zu zeigen, dass die Güte am Ende triumphiert. Antonio Gramsci wollte nicht nur die Märchen der Grimms übersetzen sonder auch Teile davon verändern um eine optimale Erziehung der Kinder zu ermöglichen. Tatsächlich machte er sich Sorgen darum, welche Message die Kinder während der Lektüre verstehen würden. Gramsci glaubte, dass Kinder als politische Opfer anzusehen sind. Aus diesem Grund wollte er durch seine Übersetzungen den Kindern die Bedeutung von Freiheit und Gleichheit näherbringen (Borghese L. 2011: 7-31). 5.1.2. Clara Bovero Die Arbeit der Übersetzerin Clara Bovero wurde mehrmals von verschiedenen Schriftstellern kommentiert. Italo Calvino (vgl. Cocchiara 2013: 1519) verglich die Art und Weise, wie Clara Bovero die Grimm’schen Märchen übersetzte, mit einer Form von Kunst. Clara Bovero ist eine Übersetzerin, die die verschiedenen Register des einfachen Volkes unaufgefordert und deutlich nutzt. Sie kann Märchen und Kinderreime solch einzigartiger Art und Weise übersetzen, dass der Eindruck erweckt wird, die Geschichten seien in italienischer Sprache verfasst worden und nicht vom Deutschen ins Italienische übertragen worden. Sogar Dialekte und Kinderreime überführt sie ohne Probleme in die italienische Sprache. Auch Giuseppe Cocchiara, ein italienischer Anthropologe, bestätigt im Vorwort des Buches Fiabe, dass sich Clara Bovero, bei der Übersetzung der deutschen Märchen, der damit verbundenen Schwierigkeiten bewusst war und durch dieses Wissen nicht nur die linguistischen Aspekte sondern auch den Geist der Originalversion weitergeben konnte (vgl. Cocchiara 1951: 25) 5.2. Kommentar zu den Übersetzungen 5.2.1. Rotkäppchen Zuerst werden die Hauptunterschiede zwischen dem deutschsprachigen Märchen „Rotkäppchen“ und den beiden italienische Übersetzungen „Cappuccetto Rosso“ analysiert. • Gramsci hat in seiner Übersetzung eine besondere Wortwahl getroffen. Er hat manche Begriffe, die umgangssprachlich geläufiger sind, verwendet und dadurch die Ausdrücke des Originals ersetzt. Hierzu ein kurzes Beispiel: „Té, Cappuccetto rosso, eccoti un pezzo di focaccia.“ „Komm, Rotkäppchen, da hast du ein Stück Kuchen…“
  17. 17. 13 (Antonio Gramsci,Cappuccetto Rosso, 1935) (Grimm, Rotkäppchen, 1857) „Té“ ist eine umgangssprachlich-dialektale Form von „tieni“, was so viel wie „Da hast du“ oder „Nimm´s“ bedeutet. „Komm“ hingegen gilt als allgemeiner Zuruf. Das Wort „focaccia“ kann ins Deutsche am ehesten mit „Fladen“ übersetzt werden. Man erkennt an diesen Beispielen deutlich, dass die ursprünglichen ausgangssprachlichen Termini durch gebräuchlichere ersetzt wurden. • Das Italienische kennt keine Adverb-Partikel-Unterscheidung wie das Deutsche. Stattdessen erfolgt die Wiedergabe von Partikeln mit „Modalfunktion“ oder mit „Gliederungsfunktion“ mittels der Intonation (vgl. Helling 1983: 20): „Cappuccetto Rosso guarda dunque i bei fiori“ (Antonio Gramschi, Cappuccetto Rosso, 1935) „Rotkäppchen sieh einmal die schöne Blume“ (Grimm, Rotkäppchen, 1857) Das deutsche Wort „einmal“ entspricht dem italienischen Adverb „una volta“. „Dunque“ hingegen heißt auf Deutsch „folglich“ oder „also“. 5.2.2. Aschenputtel • In der italienischen Version von Clara Bovero wird die Rolle der Ehefrau durch die Anfangsstellung hervorgehoben: „La moglie di un ricco signore si ammalò...“ (Clara Bovero, Cenerentola,1951) „Einem reichen Manne, dem wurde seine Frau krank“ (Grimm, Aschenputtel, 1857) • Wie bereits erwähnt, ist auch die Wortwahl sehr wichtig. Ein Wort kann verschiede Zusatzbedeutungen ausdrücken. Ein gutes Beispiel ist das Wort „Capezzale“ (Clara Bovero, Fiabe) statt „Ans Bett“, was eher dem deutschen Begriff Sterbebett übersetzt entspricht. • Gramsci verändert die formelhaften Redewendungen, wobei diese Veränderung in erster Linie aus stilistischen und kulturellen Gründen erfolgt. „Ihr zahmen Täubchen, ihr Turteltäubchen, all ihr Vöglein unter dem Himmel, kommt und „O dolci colombe, o tortorelle, e voi tutti uccellini del cielo, venite e aiutatemi a mondare
  18. 18. 14 helft mir lesen: Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen3 “ (Grimm, Aschenputtel, 1857) le lenticchie, la buona in cucina, le cattive nel salotto„ (Antonio Gramschi, Cenerentola,1935) Der in der deutschen Fassung enthaltene Reim ist in der italienischen Übersetzung Gramscis verständlicherweise nicht mehr vorhanden, da die auslautenden Silben der übersetzten Wörter in der Zielsprache verschieden sind und sich nicht reimen. Dennoch schafft er eine groteske Passage: anstatt die deutschen Wörter „Töpfchen“ und „Kröpfchen“ zu verwenden, entscheidet er sich für „Küche“ und „Wohnzimmer“, so dass die Vögel nicht einmal die schlechten Linsen fressen dürfen, sondern leer ausgehen. Damit deutet er indirekt an, dass die Arbeit in einem ökonomischen System nur wenig bis gar nicht lohnend für die tätigen Arbeiter ist (vgl. Wörsdörfer, 2012). • Es gibt eine kleine Ergänzung in Boveros Übersetzung: „E pensava << Non ci riuscirà mai>>“ „Das wird sie niemals schaffen. “ Dadurch wird die unrealisierbare Aufgabe, die Aschenputtel tun sollte, stärker betont. • Wie schon zuvor erwähnt, ist es für italienische Muttersprachler ungewöhnlich, dass eine Frau bis zum Ende der Geschichte immer mit dem Genus Neutrum bezeichnet wird. z.B. „Einziges Töchterlein, liebes Kind“ oder auch der Vater antwortet dem Prinz am Ende „Nein, […] nur von meiner verstorbenen Frau ist noch ein kleines verbuttetes Aschenputtel da...“ Im Italienischen gibt es kein Neutrum, deshalb muss man das Femininum verwenden. Durch diese Änderung wird Aschenputtel nicht mehr als ein Objekt (aus Sicht der Stiefmutter und der Stiefschwestern) sondern als ein reales Mädchen präsentiert. • Schöpferisch umdeutend verfahren Gramsci und Bovero bei der Übersetzung der Verwandtschaftsbeziehung: Aschenputtels Peinigerinnen werden als „Stieftöchter“ im väterlichen Haus bezeichnet, nicht jedoch als „Stiefschwestern“ des unglücklichen Mädchens. „ Er kaufte nun für die beiden Stiefschwestern schöne Kleider...“ (Grimm, Aschenputtel, 1857) „Egli comprò per le due figliastre bei vestiti“ (Antonio Gramschi,Cenerentola, 1935) 3 Kröpfchen steht für den Kropf von Vögeln. Clara Bovero übersetzt Kröpfchen mit “gozzino” (vgl. Bovero, 1951: 228)
  19. 19. 15 Durch diese Übersetzung gibt es keine direkte Beziehung mehr zwischen den Schwestern und Aschenputtel, außer durch die Figur des Vaters. • Auch die Modalverben werden von beiden Übersetzern unterschiedlich wiedergegeben: „ Es trug sich zu, dass der Vater einmal in die Messe ziehen wollte“ (Grimm, Aschenputtel, 1857) „Accadde che una volta il padre dovesse andare alla fiera“ (Antonio Gramschi,Cenerentola,1935) „Una volta il padre, prima di andare alla fiera” (Clara Bovero, Cenerentola, 1951) Clara Bovero verzichtet gänzlich auf die Übertragung des Modalverbs. In einer anderen Passage findet man dasselbe Problem bei der Übersetzung: “ Questa stupida ochetta vuole stare con noi nel salotto” (Antonio Gramsci,Cenerentola, 1935) “ Soll die dumme Gans bei uns in der Stube sitzen?” (Grimm, Aschenputel, 1857) Hier wurde auch die Satzart verändert. Im Original kommt ein Interrogativsatz vor (in Wirklichkeit handelt es sich um eine rhetorische Frage), in Gramscis Übersetzung finden wir dagegen einen Affirmativsatz. • Es gibt ein klares Beispiel einer ganzen Löschung: „Egli comprò per le due figliastre bei vestiti, perle e gemme..“ (Antonio Gramsci,Cenerentola,1935) „Als er nach Haus kam, gab er den Stieftöchtern, was sie sich gewünscht hatten..“ (Grimm, Aschenputtel, 1857) Das zeigt, dass Kleider und Schmuck als Wunschobjekten von Gramsci abgelehnt werden. Der einzige echte Wunsch wird formuliert, als Aschenputtel die Vögel um etwas bittet („und wenn es einen Wunsch aussprach, so warf ihm das Vöglein herab, was es sich gewünscht hatte.“). Möglicherweise hat Gramsci gemeint, dass Aschenputtel die einzige ist, die einen berechtigten Wunsch hat (Borghese 2011: 16). „Er wollte sehen, wem das schöne Mädchen angehörte“ (Grimm, Aschenputtel, 1857) „Voleva vedere di chi fosse figlia“ (Antonio Gramsci,Cenerentola,1935) „Voleva vedere da dove venisse “ (Clara Bovero, Cenerentola, 1951) Gramscis und Boveros Übersetzungen sind leicht unterschiedlich. Für Gramsci ist das väterliche Haus für die Identität des „schönen Mädchens“ maßgebend, während in der Übersetzung Boveros
  20. 20. 16 des Aschenputtels familiäre Verhältnisse eine sekundäre Rolle spielen und der Prinz einfach wissen möchte, woher Aschenputtel kommt. „ Ging er damit zu dem Mann“ (Grimm, Aschenputtel,1857) „Egli si recò dal padre di Cenerentola“ (Clara Bovero, Cenerentola, 1951) Mit diesem Satz beginnt das Märchen. Der Vater von Aschenputtel hat keinen Namen und wird am Anfang als „ einem reichen Manne“ bezeichnet. Clara Bovero zieht es vor, seine väterliche Beziehung zu Aschenputtel hervorzuheben: 6. Konklusion Das Ziel dieser Arbeit war es, zu verstehen, was die Rolle eines Übersetzers von Märchen ist und worin seine Arbeit besteht. Vor allem war es wichtig, die Bedeutung und die Relevanz der Märchen zu erklären, sowie auch die Wichtigkeit einer getreuen Übersetzung für die Kinder. Nach diesen Beobachtungen wurden die Problemen und Lösungen der Übersetzung durch zwei Modelle bestimmt. Die Untersuchung lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: Die übersetzten Märchen sind nicht immer getreue Abbilder der Märchen in der Ursprungssprache sondern können kulturelle, stilistische und sprachliche Unterschiede aufweisen. In der Tat, haben die Unterschiede bei den zwei ausgewählten übersetzen Märchen „Aschenputtel“ und „Rotkäppchen“ das Interesse von zahlreichen Wissenschaftlern geweckt. Durch den Vergleich zwischen den deutschen Märchen und ihren italienischen Übersetzungen ist es möglich festzustellen, dass die Übersetzungen nicht in einem willkürlichen Gegensatz zur Originalversion stehen, vielmehr haben sie notgedrungen manche Adaptationen (ob auf syntaktischem oder inhaltlichem Niveau) durchgeführt. Diese Adaptationen sind durchaus nicht zu kritisieren, vielmehr muss man sie verstehen. Es ist festzustellen, dass Märchen schwierig zu übersetzende Texte sind. Abgesehen davon lässt sich aber auch demonstrieren, dass eine gute Übersetzung von Märchen möglich ist. 7. Bibliographie Primärliteratur: Gramsci A., N. Caleffi (Hrsg.), 2011, I racconti dei fratelli Grimm, le traduzioni dai Quaderni del carcere, Abhandlung von Borghese L., Torino, Einaudi Grimm J. & W., 1857, Kinder- und Hausmärchen, Berlin, Dieterichsche Buchhandlung Grimm J. & W., 2013, Fiabe, Übersetzung aus Deutsch von Bovero Clara, mit einem Vorwort von Cocchiara Giuseppe, Torino, Einaudi Grimm, 1812, Kinder- und Hausmärchen, Berlin, Realschulbuchhandlung Sekundärliteratur:
  21. 21. 17 Bastin G., 2008, Adaptation In: Mona Baker and Gabriela Saldanha,, London, Routledge Encyclopedia of Translation Studies Benjamins J. B., 2010, Handbook of translation studies, Amsterdam/Philadelphia, John Benjamins Publishing Company Cnd.wehrfritz: https://cdn.wehrfritz.com/documents/pdf/WS-Wehrfritz_Kinder_%20brauchen_ %20Maerchen_4-2010.pdf Denkreich: http://www.denkreich.com/2013/05/01/albert-einstein-so-werden-kinder-intelligent- zitat-der-woche/, Stand: 2013 Dr. med. Schmelz Andrea, s.a., Wie Märchen die Entwicklung Ihres Kindes Unterstützen, In: http://www.elternwissen.com/familienleben/basteln-mit-kindern/art/tipp/wie-maerchen-die- entwicklung-ihres-kindes-unterstuetzen.html Eggert H./Garbe C., 2003, Literarische Sozialisation, Stuttgart/ Weimar, Metzler Grimm J., 1858, , Helling C., 1983, Deutsche Modalpartiken im Übersetzungsvergleich : Deutsch – Italienisch, Udine, Del Bianco Industrie Grafiche Klingberg G., 1986, Children’s Fiction in the Hands of the Translators, Mälmo, CWK Gleerup Mecklenburg N., 2009, Das Mädchen aus der Fremde, Germanistik als interkulturelle Literaturwissenschaft, s.l., Iudicium Neuhaus S., 2005, Märchen, Tübingen/Basel, Franke Oittinen R., 2000, Translating for Children. London/New York, Garland Prof. Dr. Klüger Ruth, 2014, Grimms Märchen als Frauenliteratur, In: https://www.uni- marburg.de/aktuelles/news/2014d/preisrede.pdf Puurtinen T., 1995, Linguistic Acceptability in Translated Children’s Literature, Joensuu, University of Joensuu Reiss K, 1982, Zur Übersetzung von Kinder- und Jugendbüchern. Theorie und Praxis, s.l., Lebende Sprachen Rieken-Gerwing I., Gibt es eine Spezifik kinderliterarischen Übersetzens?: Untersuchungen zu Anspruch und Realität bei der literarischen Übersetzung von Kinder- und Jugendbüchern. (=Europäische Hochschulschriften - Reihe I; Dt. Sprache u. Literatur; Bd. 1508), Frankfurt am Main, Peter Lang Röhrichl L. 1964, Märchen und Wirklichkeit, Wiesbaden, Franz Steiner Verlag GmbH Schieder B., 2004, Erzähl mir doch ein Märchen: Eine methodische Märchensammlung für Kinder ab 4, s.l., Don Bosco Medie Schulz G.., 2009, Märchen in der Grundschule, Berlin, Cornensel Verlag Scriptor Spring W., 2001, Die Symbolik des Handelns im Märchen. Tun und Nicht-Tun im deutschen Märchen, Bern, Lang Stöcklin- Meier S., 2008, Von der Weisheit der Märchen, München, Kösel
  22. 22. 18 Ulreich A., 1983, Märchen in erzieherischer Bedeutung: Hilfe zum Erkennen der Welt?, Dissertation, Wien Vannerem M./Snell H., 1986, Die Szene hinter dem Text: „scenes-andframes-semantics“ in der Übersetzung..Francke, Tübingen, Vogler C., 2007,The Writer’s Journey: Mythic Structures for Writers, s.l., Michael Wiese Productions, Studio City CA Wege B./Wessel M., 2009, Kinderliteratur, Troisdorf, Bildungsverlag EINS Wörsdörfer R., 2012, „Die guten in die Küche, die schlechten ins Wohnzimmer“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2012, Seite N3, In: https://flore.unifi.it/retrieve/handle/2158/606173/18672/Recensione%20FAZ.pdf Tertiärliterarur: Deacademic: http://idiome.deacademic.com/1788/M%C3%A4rchen, Stand: 2013 Deutsches Wörterbuch. Von Jacob und Wilhelm Grimm, Kirkness A. & Kühn P. & Wiegand H., 1991, München, Deutscher Taschenbuchverlag Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft, 2000, Fricke H., Berlin, Walter Gruyter UNESCO: http://whc.unesco.org/en/list/, Stand: 2016 Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Volksm%C3%A4rchen, Stand: 2015 Wiktionary: https://de.wiktionary.org/wiki/M%C3%A4rchen, Stand: 2015 8. Anhang 8.1. Aschenputtel ( 1837) Einem reichen Manne, dem wurde seine Frau krank, und als sie fühlte, daß ihr Ende herankam, rief sie ihr einziges Töchterlein zu sich ans Bett und sprach: »Liebes Kind, bleib fromm und gut, so wird dir der liebe Gott immer beistehen, und ich will vom Himmel auf dich herabblicken und will um dich sein.« Darauf tat sie die Augen zu und verschied. Das Mädchen ging jeden Tag hinaus zu dem Grabe der Mutter und weinte und blieb fromm und gut. Als der Winter kam, deckte der Schnee ein weißes Tüchlein auf das Grab, und als die Sonne im Frühjahr es wieder herabgezogen hatte, nahm sich der Mann eine andere Frau. Die Frau hatte zwei Töchter mit ins Haus gebracht, die schön und weiß von Angesicht waren, aber garstig und schwarz von Herzen. Da ging eine schlimme Zeit für das arme Stiefkind an. »Soll die dumme Gans bei uns in der Stube sitzen!« sprachen sie. »Wer Brot essen will, muß es verdienen: hinaus mit der Küchenmagd.« Sie nahmen ihm seine schönen Kleider weg, zogen ihm einen grauen alten Kittel an und gaben ihm hölzerne Schuhe. »Seht einmal die stolze Prinzessin, wie sie geputzt ist!« riefen sie, lachten und führten es in die Küche. Da mußte es von Morgen bis Abend schwere Arbeit tun, früh vor Tag aufstehn, Wasser tragen, Feuer anmachen, kochen und waschen. Obendrein taten ihm die Schwestern alles ersinnliche Herzeleid an, verspotteten es und schütteten ihm die Erbsen und Linsen in die Asche, so daß es sitzen und sie wieder auslesen mußte. Abends, wenn es sich müde gearbeitet hatte, kam es in kein Bett, sondern mußte sich neben den Herd in die Asche legen. Und weil es darum immer staubig und schmutzig aussah, nannten sie esAschenputtel. Es trug sich zu, daß der Vater einmal in die Messe ziehen wollte, da fragte er die beiden Stieftöchter, was er ihnen mitbringen sollte. »Schöne Kleider«, sagte die eine, »Perlen und Edelsteine« die zweite. »Aber du, Aschenputtel«, sprach er »was willst du
  23. 23. 19 haben?« »Vater, das erste Reis, das Euch auf Eurem Heimweg an den Hut stößt, das brecht für mich ab.« Er kaufte nun für die beiden Stiefschwestern schöne Kleider, Perlen und Edelsteine, und auf dem Rückweg, als er durch einen grünen Busch ritt, streifte ihn ein Haselreis und stieß ihm den Hut ab. Da brach er das Reis ab und nahm es mit. Als er nach Haus kam, gab er den Stieftöchtern, was sie sich gewünscht hatten, und dem Aschenputtel gab er das Reis von dem Haselbusch. Aschenputtel dankte ihm, ging zu seiner Mutter Grab und pflanzte das Reis darauf und weinte so sehr, daß die Tränen darauf niederfielen und es begossen. Es wuchs aber und ward ein schöner Baum. Aschenputtel ging alle Tage dreimal darunter, weinte und betete, und allemal kam ein weißes Vöglein auf den Baum, und wenn es einen Wunsch aussprach, so warf ihm das Vöglein herab, was es sich gewünscht hatte. Es begab sich aber, daß der König ein Fest anstellte, das drei Tage dauern sollte und wozu alle schönen Jungfrauen im Lande eingeladen wurden, damit sich sein Sohn eine Braut aussuchen möchte. Die zwei Stiefschwestern, als sie hörten, daß sie auch dabei erscheinen sollten, waren guter Dinge, riefen Aschenputtel und sprachen: »Kämm uns die Haare, bürste uns die Schuhe und mache uns die Schnallen fest, wir gehen zur Hochzeit, auf des Königs Schloß.« Aschenputtel gehorchte, weinte aber, weil es auch gern zum Tanz mitgegangen wäre, und bat die Stiefmutter, sie möchte es ihm erlauben. »Du, Aschenputtel«, sprach sie, »bist voll Staub und Schmutz und willst zur Hochzeit? Du hast keine Kleider und Schuhe und willst tanzen!« Als es aber mit Bitten anhielt, sprach sie endlich: »Da habe ich dir eine Schüssel Linsen in die Asche geschüttet, wenn du die Linsen in zwei Stunden wieder ausgelesen hast, so sollst du mitgehen.« Das Mädchen ging durch die Hintertüre nach dem Garten und rief: »Ihr zahmen Täubchen, ihr Turteltäubchen, all ihr Vöglein unter dem Himmel, kommt und helft mir lesen, die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen.« Da kamen zum Küchenfenster zwei weiße Täubchen herein und danach die Turteltäubchen, und endlich schwirrten und schwärmten alle Vöglein unter dem Himmel herein und ließen sich um die Asche nieder. Und die Täubchen nickten mit den Köpfchen und fingen an pick, pick, pick, pick, und da fingen die übrigen auch an pick, pick, pick, pick und lasen alle guten Körnlein in die Schüssel. Kaum war eine Stunde herum, so waren sie schon fertig und flogen alle wieder hinaus. Da brachte das Mädchen die Schüssel der Stiefmutter, freute sich und glaubte, es dürfte nun mit auf die Hochzeit gehen. Aber sie sprach: »Nein, Aschenputtel, du hast keine Kleider und kannst nicht tanzen: du wirst nur ausgelacht.« Als es nun weinte, sprach sie: »Wenn du mir zwei Schüsseln voll Linsen in einer Stunde aus der Asche rein lesen kannst, so sollst du mitgehen«, und dachte: »Das kann es ja nimmermehr.« Als sie die zwei Schüsseln Linsen in die Asche geschüttet hatte, ging das Mädchen durch die Hintertüre nach dem Garten und rief: »Ihr zahmen Täubchen, ihr Turteltäubchen, all ihr Vöglein unter dem Himmel, kommt und helft mir lesen, die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen.« Da kamen zum Küchenfenster zwei weiße Täubchen herein und danach die Turteltäubchen, und endlich schwirrten und schwärmten alle Vöglein unter dem Himmel herein und ließen sich um die Asche nieder. Und die Täubchen nickten mit ihren Köpfchen und fingen an pick, pick, pick, pick, und da fingen die übrigen auch an pick, pick, pick, pick und lasen alle guten Körner in die Schüsseln. Und eh eine halbe Stunde herum war, waren sie schon fertig und flogen alle wieder hinaus. Da trug das Mädchen die Schüsseln zu der Stiefmutter, freute sich und glaubte, nun dürfte es mit auf die Hochzeit gehen. Aber sie sprach: »Es hilft dir alles nichts: du kommst nicht mit, denn du hast keine Kleider und kannst nicht tanzen; wir müßten uns deiner schämen.« Darauf kehrte sie ihm den Rücken zu und eilte mit ihren zwei stolzen Töchtern fort. Als nun niemand mehr daheim war, ging Aschenputtel zu seiner Mutter Grab unter den Haselbaum und rief: »Bäumchen, rüttel dich und schüttel dich, wirf Gold und Silber über mich.« Da warf ihm der Vogel ein golden und silbern Kleid herunter und mit Seide und Silber ausgestickte Pantoffeln. In aller Eile zog es das Kleid an und ging zur Hochzeit. Seine Schwestern aber und die Stiefmutter kannten es nicht und meinten, es müßte eine fremde Königstochter sein, so schön sah es in dem goldenen Kleide aus. An Aschenputtel dachten sie gar nicht und dachten, es säße daheim im Schmutz und suchte die Linsen aus der Asche. Der Königssohn kam ihm entgegen, nahm es bei der Hand und tanzte mit ihm. Er
  24. 24. 20 wollte auch mit sonst niemand tanzen, also daß er ihm die Hand nicht losließ, und wenn ein anderer kam, es aufzufordern, sprach er: »Das ist meine Tänzerin.« Es tanzte, bis es Abend war, da wollte es nach Haus gehen. Der Königssohn aber sprach: »Ich gehe mit und begleite dich«, denn er wollte sehen, wem das schöne Mädchen angehörte. Sie entwischte ihm aber und sprang in das Taubenhaus. Nun wartete der Königssohn, bis der Vater kam, und sagte ihm, das fremde Mädchen wär' in das Taubenhaus gesprungen. Der Alte dachte: »Sollte es Aschenputtel sein«, und sie mußten ihm Axt und Hacken bringen, damit er das Taubenhaus entzweischlagen konnte; aber es war niemand darin. Und als sie ins Haus kamen, lag Aschenputtel in seinen schmutzigen Kleidern in der Asche, und ein trübes Öllämpchen brannte im Schornstein; denn Aschenputtel war geschwind aus dem Taubenhaus hinten herabgesprungen und war zu dem Haselbäumchen gelaufen: da hatte es die schönen Kleider abgezogen und aufs Grab gelegt, und der Vogel hatte sie wieder weggenommen, und dann hatte es sich in seinem grauen Kittelchen in die Küche zur Asche gesetzt. Am andern Tag, als das Fest von neuem anhub und die Eltern und Stiefschwestern wieder fort waren, ging Aschenputtel zu dem Haselbaum und sprach: »Bäumchen, rüttel dich und schüttel dich wirf Gold und Silber über mich.« Da warf der Vogel ein noch viel stolzeres Kleid herab als am vorigen Tag. Und als es mit diesem Kleide auf der Hochzeit erschien, erstaunte jedermann über seine Schönheit. Der Königssohn aber hatte gewartet, bis es kam, nahm es gleich bei der Hand und tanzte nur allein mit ihm. Wenn die andern kamen und es aufforderten, sprach er: »Das ist meine Tänzerin.« Als es nun Abend war, wollte es fort, und der Königssohn ging ihm nach und wollte sehen, in welches Haus es ging: aber es sprang ihm fort und in den Garten hinter dem Haus. Darin stand ein schöner großer Baum, an dem die herrlichsten Birnen hingen, es kletterte so behend wie ein Eichhörnchen zwischen die Äste, und der Königssohn wußte nicht, wo es hingekommen war. Er wartete aber, bis der Vater kam, und sprach zu ihm: »Das fremde Mädchen ist mir entwischt, und ich glaube, es ist auf den Birnbaum gesprungen.« Der Vater dachte: »Sollte es Aschenputtel sein«, ließ sich die Axt holen und hieb den Baum um, aber es war niemand darauf. Und als sie in die Küche kamen, lag Aschenputtel da in der Asche, wie sonst auch, denn es war auf der andern Seite vom Baum herabgesprungen, hatte dem Vogel auf dem Haselbäumchen die schönen Kleider wieder gebracht und sein graues Kittelchen angezogen. Am dritten Tag, als die Eltern und Schwestern fort waren, ging Aschenputtel wieder zu seiner Mutter Grab und sprach zu dem Bäumchen: »Bäumchen, rüttel dich und schüttel dich, wirf Gold und Silber über mich.« Nun warf ihm der Vogel ein Kleid herab, das war so prächtig und glänzend, wie es noch keins gehabt hatte, und die Pantoffeln waren ganz golden. Als es in dem Kleid zu der Hochzeit kam, wußten sie alle nicht, was sie vor Verwunderung sagen sollten. Der Königssohn tanzte ganz allein mit ihm, und wenn es einer aufforderte, sprach er: »Das ist meine Tänzerin.« Als es nun Abend war, wollte Aschenputtel fort, und der Königssohn wollte es begleiten, aber es entsprang ihm so geschwind, daß er nicht folgen konnte. Der Königssohn hatte aber eine List gebraucht und hatte die ganze Treppe mit Pech bestreichen lassen: da war, als es hinabsprang, der linke Pantoffel des Mädchens hängengeblieben. Der Königssohn hob ihn auf, und er war klein und zierlich und ganz golden. Am nächsten Morgen ging er damit zu dem Mann und sagte zu ihm: »Keine andere soll meine Gemahlin werden als die, an deren Fuß dieser goldene Schuh paßt.« Da freuten sich die beiden Schwestern, denn sie hatten schöne Füße. Die Älteste ging mit dem Schuh in die Kammer und wollte ihn anprobieren, und die Mutter stand dabei. Aber sie konnte mit der großen Zehe nicht hineinkommen, und der Schuh war ihr zu klein, da reichte ihr die Mutter ein Messer und sprach: »Hau die Zehe ab: wann du Königin bist, so brauchst du nicht mehr zu Fuß zu gehen.« Das Mädchen hieb die Zehe ab, zwängte den Fuß in den Schuh, verbiß den Schmerz und ging heraus zum Königssohn. Da nahm er sie als seine Braut aufs Pferd und ritt mit ihr fort. Sie mußten aber an dem Grabe vorbei, da saßen die zwei Täubchen auf dem Haselbäumchen und riefen: »Rucke di guck, rucke di guck, Blut ist im Schuck:
  25. 25. 21 der Schuck ist zu klein, die rechte Braut sitzt noch daheim.« Da blickte er auf ihren Fuß und sah, wie das Blut herausquoll. Er wendete sein Pferd um, brachte die falsche Braut wieder nach Haus und sagte, das wäre nicht die rechte, die andere Schwester sollte den Schuh anziehen. Da ging diese in die Kammer und kam mit den Zehen glücklich in den Schuh, aber die Ferse war zu groß. Da reichte ihr die Mutter ein Messer und sprach: »Hau ein Stück von der Ferse ab: wann du Königin bist, brauchst du nicht mehr zu Fuß zu gehen.« Das Mädchen hieb ein Stück von der Ferse ab, zwängte den Fuß in den Schuh, verbiß den Schmerz und ging heraus zum Königssohn. Da nahm er sie als seine Braut aufs Pferd und ritt mit ihr fort. Als sie an dem Haselbäumchen vorbeikamen, saßen die zwei Täubchen darauf und riefen: »Rucke di guck, rucke di guck, Blut ist im Schuck: der Schuck ist zu klein, die rechte Braut sitzt noch daheim. Er blickte nieder auf ihren Fuß und sah, wie das Blut aus dem Schuh quoll und an den weißen Strümpfen ganz rot heraufgestiegen war. Da wendete er sein Pferd und brachte die falsche Braut wieder nach Haus. »Das ist auch nicht die rechte«, sprach er, »habt Ihr keine andere Tochter?« »Nein«, sagte der Mann, »nur von meiner verstorbenen Frau ist noch ein kleines verbuttetes Aschenputtel da: das kann unmöglich die Braut sein.« Der Königssohn sprach, er sollte es heraufschicken, die Mutter aber antwortete: »Ach nein, das ist viel zu schmutzig, das darf sich nicht sehen lassen.« Er wollte es aber durchaus haben, und Aschenputtel mußte gerufen werden. Da wusch es sich erst Hände und Angesicht rein, ging dann hin und neigte sich vor dem Königssohn, der ihm den goldenen Schuh reichte. Dann setzte es sich auf einen Schemel, zog den Fuß aus dem schweren Holzschuh und steckte ihn in den Pantoffel, der war wie angegossen. Und als es sich in die Höhe richtete und der König ihm ins Gesicht sah, so erkannte er das schöne Mädchen, das mit ihm getanzt hatte, und rief: »Das ist die rechte Braut!« Die Stiefmutter und die beiden Schwestern erschraken und wurden bleich vor Ärger: er aber nahm Aschenputtel aufs Pferd und ritt mit ihm fort. Als sie an dem Haselbäumchen vorbeikamen, riefen die zwei weißen Täubchen: »Rucke di guck, rucke di guck, kein Blut im Schuck: der Schuck ist nicht zu klein, die rechte Braut, die führt er heim.« Und als sie das gerufen hatten, kamen sie beide herabgeflogen und setzten sich dem Aschenputtel auf die Schultern, eine rechts, die andere links, und blieben da sitzen. Als die Hochzeit mit dem Königssohn sollte gehalten werden, kamen die falschen Schwestern, wollten sich einschmeicheln und teil an seinem Glück nehmen. Als die Brautleute nun zur Kirche gingen, war die Älteste zur rechten, die Jüngste zur linken Seite: da pickten die Tauben einer jeden das eine Auge aus. Hernach, als sie herausgingen, war die Älteste zur linken und die Jüngste zur rechten: da pickten die Tauben einer jeden das andere Auge aus. Und waren sie also für ihre Bosheit und Falschheit mit Blindheit auf ihr Lebtag gestraft. 8.2. Rotkäppchen (1837) Es war einmal eine kleine süße Dirne, die hatte jedermann lieb, der sie nur ansah, am allerliebsten aber ihre Großmutter, die wußte gar nicht, was sie alles dem Kinde geben sollte. Einmal schenkte sie ihm ein Käppchen von rotem Sammet, und weil ihm das so wohl stand und es nichts anders mehr tragen wollte, hieß es nur das Rotkäppchen. Eines Tages sprach seine Mutter zu ihm: »Komm, Rotkäppchen, da hast du ein Stück Kuchen und eine Flasche Wein, bring das der Großmutter hinaus; sie ist krank und schwach und wird sich daran laben. Mach dich auf, bevor es heiß wird, und wenn du hinauskommst, so geh hübsch sittsam und lauf nicht vom Weg ab, sonst fällst du und zerbrichst das Glas, und die Großmutter hat nichts. Und wenn du in ihre Stube kommst, so vergiß nicht, guten Morgen zu sagen, und guck nicht erst in alle Ecken herum.«
  26. 26. 22 »Ich will schon alles gut machen«, sagte Rotkäppchen zur Mutter und gab ihr die Hand darauf. Die Großmutter aber wohnte draußen im Wald, eine halbe Stunde vom Dorf. Wie nun Rotkäppchen in den Wald kam, begegnete ihm der Wolf. Rotkäppchen aber wußte nicht, was das für ein böses Tier war, und fürchtete sich nicht vor ihm. »Guten Tag, Rotkäppchen«, sprach er. »Schönen Dank, Wolf.« »Wo hinaus so früh, Rotkäppchen?« »Zur Großmutter.« »Was trägst du unter der Schürze?« »Kuchen und Wein: gestern haben wir gebacken, da soll sich die kranke und schwache Großmutter etwas zugut tun und sich damit stärken.« »Rotkäppchen, wo wohnt deine Großmutter?« »Noch eine gute Viertelstunde weiter im Wald, unter den drei großen Eichbäumen, da steht ihr Haus, unten sind die Nußhecken, das wirst du ja wissen«, sagte Rotkäppchen. Der Wolf dachte bei sich: »Das junge zarte Ding, das ist ein fetter Bissen, der wird noch besser schmecken als die Alte: du mußt es listig anfangen, damit du beide erschnappst.« Da ging er ein Weilchen neben Rotkäppchen her, dann sprach er: »Rotkäppchen, sieh einmal die schönen Blumen, die ringsumher stehen, warum guckst du dich nicht um? Ich glaube, du hörst gar nicht, wie die Vöglein so lieblich singen? Du gehst ja für dich hin, als wenn du zur Schule gingst, und ist so lustig hausen in dem Wald.« Rotkäppchen schlug die Augen auf, und als es sah, wie die Sonnenstrahlen durch die Bäume hin und her tanzten und alles voll schöner Blumen stand, dachte es: »Wenn ich der Großmutter einen frischen Strauß mitbringe, der wird ihr auch Freude machen; es ist so früh am Tag, daß ich doch zu rechter Zeit ankomme«, lief vom Wege ab in den Wald hinein und suchte Blumen. Und wenn es eine gebrochen hatte, meinte es, weiter hinaus stände eine schönere, und lief darnach, und geriet immer tiefer in den Wald hinein. Der Wolf aber ging geradeswegs nach dem Haus der Großmutter und klopfte an die Türe. »Wer ist draußen?« »Rotkäppchen, das bringt Kuchen und Wein, mach auf.« »Drück nur auf die Klinke«, rief die Großmutter, »ich bin zu schwach und kann nicht aufstehen. « Der Wolf drückte auf die Klinke, die Türe sprang auf, und er ging, ohne ein Wort zu sprechen, gerade zum Bett der Großmutter und verschluckte sie. Dann tat er ihre Kleider an, setzte ihre Haube auf, legte sich in ihr Bett und zog die Vorhänge vor. Rotkäppchen aber war nach den Blumen herumgelaufen, und als es so viel zusammen hatte, daß es keine mehr tragen konnte, fiel ihm die Großmutter wieder ein, und es machte sich auf den Weg zu ihr. Es wunderte sich, daß die Türe aufstand, und wie es in die Stube trat, so kam es ihm so seltsam darin vor, daß es dachte: »Ei, du mein Gott, wie ängstlich wird mir's heute zumut, und bin sonst so gerne bei der Großmutter!« Es rief »Guten Morgen«, bekam aber keine Antwort. Darauf ging es zum Bett und zog die Vorhänge zurück: da lag die Großmutter und hatte die Haube tief ins Gesicht gesetzt und sah so wunderlich aus. »Ei, Großmutter, was hast du für große Ohren!« »Daß ich dich besser hören kann.« »Ei, Großmutter, was hast du für große Augen!« »Daß ich dich besser sehen kann.« »Ei, Großmutter, was hast du für große Hände« »Daß ich dich besser packen kann.« »Aber, Großmutter, was hast du für ein entsetzlich großes Maul!« »Daß ich dich besser fressen kann.« Kaum hatte der Wolf das gesagt, so tat er einen Satz aus dem Bette und verschlang das arme Rotkäppchen. Wie der Wolf sein Gelüsten gestillt hatte, legte er sich wieder ins Bett, schlief ein und fing an, überlaut zu schnarchen. Der Jäger ging eben an dem Haus vorbei und dachte: »Wie die alte Frau schnarcht, du mußt doch sehen, ob ihr etwas fehlt.« Da trat er in die Stube, und wie er vor das Bette kam, so sah er, daß der Wolf darin lag. »Finde ich dich hier, du alter Sünder«, sagte er, »ich habe dich lange gesucht. « Nun wollte er seine Büchse anlegen, da fiel ihm ein, der Wolf könnte die Großmutter gefressen haben und sie wäre noch zu retten: schoß nicht, sondern nahm eine Schere und fing an, dem schlafenden Wolf den Bauch aufzuschneiden. Wie er ein paar Schnitte getan hatte, da sah er das rote Käppchen leuchten, und noch ein paar Schnitte, da sprang das Mädchen heraus und rief: »Ach, wie war ich erschrocken, wie war's so dunkel in dem Wolf seinem Leib!« Und dann kam die alte Großmutter auch noch lebendig heraus und konnte kaum atmen. Rotkäppchen aber holte geschwind große Steine, damit füllten sie dem Wolf den Leib, und wie er aufwachte, wollte er fortspringen, aber die Steine waren so schwer, daß er gleich niedersank und sich totfiel. Da waren alle drei vergnügt; der Jäger zog dem Wolf den Pelz ab und ging damit heim, die Großmutter aß den Kuchen und trank den Wein, den Rotkäppchen gebracht hatte, und erholte sich wieder, Rotkäppchen aber dachte: »Du willst dein Lebtag nicht wieder allein vom Wege ab in den Wald laufen, wenn dir's die Mutter verboten hat. 9. Riassunto
  27. 27. 23 Questo lavoro si prefigge lo scopo di dimostrare quali sono le difficoltà che un traduttore riscontra confrontandosi con la traduzione di un testo per bambini e più precisamente di una fiaba. L ´obiettivo di questa ricerca viene perseguito prima attraverso una riflessione teorica ed in seguito per mezzo di un´analisi comparata. Prima di tutto bisogna chiarire il concetto di “Märchen”: la parola “Märchen” deriva dalla forma diminutiva del sostantivo medio-alto-tedesco Mär, che significava originariamente notizia e annuncio. In seguito il significato subirà una variazione, con i “Märchen” si designeranno brevi composizioni costituite da elementi stupefacenti e fantastici. Alcuni tratti distintivi ci permettono chiaramente di distinguere i “Volksmärchen”, oggetto di quest ´analisi. Basti pensare al loro carattere indefinito di spazio e tempo o alle tematiche che si ripetono, quasi fossero degli stereotipi, ne sono un esempio la solitudine dell´eroe a inizio della fiaba o all ´utilizzo di nomi parlanti (Cenerentola, Cappuccetto rosso etc.). Eppure oltre a questi tratti fiabeschi, cosa hanno veramente i “Märchen” d´interessante? I “Märchen”, e in generale ogni testo fiabesco scritto appositamente per un pubblico infantile, hanno una rilevante importanza culturale e pedagogica. Bisogna tenere a mente che la pubertà è per l´uomo la fase di vita in cui si ci pongono più domande, alle quali si può trovare una risposta attraverso la lettura di fiabe. Del resto la fantasia è un´allegoria della realtà attraverso la quale vengono spiegati i diversi aspetti della vita. Einstein, in una conferenza tenutasi nel 1932 in America, afferma che l´intelligenza di un bambino è proporzionale al numero di fiabe che gli sono state lette. Proprio per l´importanza che le fiabe hanno nella nostra società, il traduttore acquista un´ importanza pari a quella dell´autore. Uno dei primi problemi con cui il traduttore deve scontrarsi è la scelta di contenuti da trasferire dalla versione originale a quella tradotta, non sempre infatti si possono riportare tutti i contenuti di una fiaba in un´altra lingua, o perché non adatti alla sfera culturale dei destinatari o perché non adatti a un pubblico infantile (basti pensare ai contenuti delle prime versioni dei fratelli Grimm). Molti studiosi hanno evidenziato il messaggio che potrebbe essere trasmesso al bambino; Bruno Bettelheim, per esmpio, si chiede se la morte degli antagonisti debba essere in qualche modo vista come una punizione per le loro cattive azioni. Emerge anche qui l´esigenza di avere una buona traduzione. Il testo in lingua originale preso in considerazione per questa ricerca è “Kinder- und Hausmärchen” dei fratelli Grimm nella sua quinta edizione. Come è ben noto, il lavoro dei fratelli Grimm fu quello di raccogliere alcune favole che rispecchiassero la tradizione popolare tedesca al fine di riportare in auge lo splendore della Germania e testimoniare la sua storia. I “Märchen”, vista la grande varietà dello stile e dei contenuti, sono tutt´altro che facili da tradurre. I principali aspetti sui quali il traduttore deve soffermarsi sono quello culturale, quello linguistico e lo stile. Spesso i traduttori ricorrono ad adattamenti per rendere più familiari i contenuti nel testo. Katharina Reiße, che si è occupata di traduzione di testi per bambini, ha elencato una serie di fattori che evidenziano i problemi a cui il traduttore deve prestare la sua attenzione: -) l´asimmetria -) l´importanza dei mediatori -) l´adattamento
  28. 28. 24 Il primo fattore riguarda la differenza d´età tra l´autore/traduttore e il piccolo lettore. Il secondo fattore, da tenere in considerazione è la presenza di persone (tra le quali il traduttore) che devono mediare per far comprendere al meglio la fiaba al bambino. Ultimo aspetto da tenere presente, è la necessità di ricorrere ad adattamenti. Göte Klinberg risponde a queste esigenze proponendo un insieme di soluzioni possibili, tra le quali l´adattamento risulta essere una delle migliori strategie di traduzione. Per “adattamento”, s´intende non sola la modifica dei contenuti di un testo, ma anche del suo contesto culturale. Del resto una traduzione ben riuscita non si basa sulla resa parola per parola ma si focalizza sulla resa dell´intero concetto non sacrificando lo stile del testo originale. Bisogna inoltre tenere a mente che il confronto linguistico di questo lavoro si basa su due lingue tipo logicamente diverse e che quindi presentano differenze rilevanti tra di loro. A livello di sintassi ad esempio, il tedesco presenta più rigore con il verbo delle proposizioni principali tendenzialmente in seconda posizione e l´obbligo di utilizzare il soggetto pronominale. Altra considerazione importante riguarda i generi: in italiano il genere neutro è assente, ciò vuol dire che un lettore italiano si troverà confrontato con il genere neutro in parole che in italiano sono o maschili o femminili (cfr. p.es. das Kind, das Mädchen) caratterizzati come neutri. L´opera dei fratelli Grimm è un ottimo spunto per questo confronto linguistico, lo stesso Wilhelm Grimm afferma che è la lingua ad educare e a tenere unito un popolo. Nella stesura di questa tesi sono state scelte per il confronto due fiabe: “Aschenputtel” (in lingua italiana “Cenerentola”), e “Rotkäppchen” (in lingua italiana “Cappuccetto rosso”). Queste due fiabe hanno una certa rilevanza per due motivi: da un punto di vista pedagogico si tratta di due fiabe in cui il bene sconfigge completamente il male, e da un punto di vista linguistico presentano interessanti differenze a livello di traduzione. Le traduzioni italiane prese in considerazione sono quelle scritte da Antonio Gramsci nei “Quaderni del carcere” e da Clara Bovero in “Fiabe”. Gramsci, politico e scrittore italiano, che si è dedicato anche alla scrittura di leggende e fiabe, ha più volte affermato che i bambini sono vittime della politica e perciò si rende necessaria una particolare accuratezza nella scelta delle favole che si vuole loro leggere. Nelle ventiquattro favole tradotte nella versione gramsciana si nota una certa attenzione nel tradurre la morale o il messaggio stesso della fiaba. Per quanto riguarda Clara Bovero, le sue traduzioni sono molto interessanti da un punto di vista linguistico. Molti critici e scrittori, come Italo Calvino, hanno paragonato i suoi lavori a delle vere e proprie opere d´arte. Notevole la sua maestria nel riproporre nella versione tradotta i registri popolari in maniera tale da far sembrare al lettore che quelle favole siano nate proprio in lingua italiana. Le differenze culturali e linguistiche tra queste versioni hanno risvegliato l´interesse di filosofi, scrittori, antropologi e giornalisti. Durante l´analisi vera e propria, troviamo delle scelte particolari, come ad esempio la scelta di tradurre “Kuchen” con “Focaccia” e non piuttosto con “Torta” o comunque con un termine designante qualche altro alimento da forno. Infatti, “Focaccia” è una parola frequente in area ligure e toscana ma meno comune nel resto d´Italia. Va sottolineata inoltre la scelta di verbi che a volte (come avviene nella traduzione del verbo “kommen” in Cappuccetto rosso con “tenere”) donano una sfumatura stlistica diversa al significato. Entrambe queste modifiche si trovano nelle due traduzioni italiane. Altri cambiamenti rilevanti sono quelli a livello culturale, come quello che effettua Gramsci variando i versi originali della filastrocca magica di Cenerentola: Gramsci,
  29. 29. 25 riferendosi alla selezione delle lenticchie, invece di tradurre letteralmente “le buone nel pentolino” e “le cattive nel gozzino” preferisce tradurre con “le buone nel salotto” e “le cattive in cucina”. Compiendo questa scelta Gramsci rimanda alla sfera economica basata sull´agricoltura in Italia all ´inizio del ´900. Antonio Gramsci opta per non ricompensare gli uccellini che aiutano Cenerentola, esprimendo così metaforicamente, la misera condizione di coloro che lavorano in questo sistema economico. A questo punto, dopo la discussione di alcuni esempi utilizzabili nella traduzione di testi per l´infanzia e dopo il confronto diretto tra fiabe appartenenti a due lingue e culture diverse, si può arrivare a una conclusione. Riuscire a riportare i contenuti dei Märchen in maniera adeguata a un giovane pubblico, non è un lavoro facile per il traduttore, ma è allo stesso tempo un lavoro che il rispetto dello stile della versione originale e l´adattamento al contesto culturale del lettore rendono possibile.

×