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DIPLOMARBEIT
Diplomlehrgang Social Media Management
Das Smartphone als Fluchthelfer
Die Rolle sozialer Netzwerke für die gegenwärtigen Migrationsbewegungen
Verfasserin
Setare Seyyed-Hashemi
Lehrgangsleitung Mag. Dieter Rappold
Kursjahr: 2015/16 Sperrvermerk: JA
1
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ....................................................................................................................... 2
2. Mediale Diskurse – der Einstieg ..................................................................................... 4
3. Neue Technologien und Migration: Ein theoretischer Abriss........................................... 7
4. Das Erkenntnisinteresse................................................................................................. 9
5. Die Befragung ...............................................................................................................10
5.1 Struktur der Stichprobe..............................................................................................10
5.1.1 Geschlecht......................................................................................................10
5.1.2 Alter ................................................................................................................11
5.1.3 Bildung............................................................................................................11
5.1.4 Herkunft ..........................................................................................................12
5.2 Fluchtdauer und –vorbereitungszeit....................................................................12
5.3 Smartphonenutzung ...........................................................................................12
5.4 Nutzung sozialer Netzwerke ...............................................................................13
5.4.1 Soziale Netzwerke zur Fluchtvorbereitung, während und nach der Flucht.......14
5.5 Ursprungsziel: Österreich ...................................................................................21
6. Schlussfolgerungen.......................................................................................................22
Quellenverzeichnis ...............................................................................................................24
Weitere Onlinequellen ...................................................................................................25
Abbildungsverzeichnis..........................................................................................................26
Anhänge...............................................................................................................................27
2
1. Einleitung
„Wenn der Arabische Frühling von 2011 die erste Facebook-Rebellion war, dann
kann man die große Flucht des Jahres 2015 die erste digital gesteuerte
Völkerwanderung nennen. Und all die digital refugees, die sich unterwegs mit ihren
Ladegeräten um die Steckdosen scharen und die, einmal angekommen, ständig zu
ihren Telefonen greifen, sie führen uns zugleich den Stand der Vernetzung unseres
Planeten vor Augen.“ (Habekuß/Schmitt 2015, o.S.)
Abbildung 1: Screenshot: Facebook, öffentlicher Status, AfD-Fraktion im Brandenburgischen Landtag
Seit 2015 wird politisch und medial eine der größten Flüchtlingskrisen der Geschichte
kolportiert. Fakt ist, dass im Vorjahr etwa 60 Millionen Menschen aus ihren Heimatländern
geflüchtet sind und somit mehr als der UN-Flüchtlingsrat jemals zuvor bekannt gab. (Vgl. o.A.
o.J., o.S. in: http://www.zeit.de/thema/fluechtling)
Österreich war schon oftmals Zufluchtsort für eine Vielzahl von Flüchtlingen und dennoch war
diesmal alles anders als je zuvor. Und dies findet seine Ursache neben der Uneinigkeit und
der Unentschlossenheit politischer AkteuerInnen in der Tatsache, dass wir gegenwärtig in
DEM digitalen Zeitalter leben. Niemals zuvor konnten sich die Flüchtlinge selbst, engagierte
FlüchtlingshelferInnen und ebenso engagierte ZuwanderungsgegnerInnen so schnell
formieren, organisieren, vernetzen und bestärken als gegenwärtig mit der Hilfe sozialer
Netzwerke. Denn mit Beginn der großen Flüchtlingswelle im vergangenen Jahr sind soziale
Netzwerke immer wieder zum Austragungsort für Diskussionen und Debatten rund um das
Thema Flüchtlinge geworden.
3
Aber eben diese – in der „digitalen Arena“ - ausgefochtenen Debatten waren und sind
Ausgangspunkt für mediale und wissenschaftliche Diskurse zur Relevanz von Social Media
Kanälen für Flüchtlinge. Und exakt aufgrund dieser Tatsache bildet das Kapitel rund um den
medialen Diskurs den Einstieg in die nun vorliegende Arbeit. Stein des Anstoßes bieten hier
oft einzelne Facebook-Postings, die sogleich eine Welle von Hintergrundberichten,
Reportagen und politischen Statements nach sich ziehen und so beispielsweise im Zuge der
„Warum-haben-alle-Flüchtlinge-eigentlich-Smartphones“-Debatte auch den Zusammenhang
zwischen sozialen Netzwerken und deren Nutzung durch Flüchtlinge beleuchten.
Aber ebenso wichtig wie die Begründung des Ausgangspunktes dieser Arbeit ist ihr
theoretisches Fundament. Dieses bilden wissenschaftliche Erläuterungen zur Thematik der
Relevanz von neuen Technologien für Migrationsbewegungen. Im Prinzip soll hier darauf
verwiesen werden, dass Flüchtlinge, als Subgruppe der MigrantInnen, nicht zufällig Social
Media Kanäle benutzen, sondern dass das Phänomen der digitalen Vernetzung durchaus
Auswirkungen auf die gegenwärtigen Migrationsprozesse hat.
Über den medialen Einstieg und den theoretischen Aufbau erfolgt die Annäherung an das
Erkenntnisinteresse. Der Fokus liegt auf Fragen zur Nutzung und Wichtigkeit von sozialen
Netzwerken für Menschen, die in Österreich um Asyl angesucht haben. Konkret soll hinterfragt
werden: Zu welchem Zeitpunkt der Flucht wurde was genutzt? Aus welchem Grund? Und mit
welcher subjektiven Relevanzeinschätzung?
Zur Instrumentalisierung der Forschungsfragen wurde eine Befragung durchgeführt. Mittels
Selbstausfüllerfragebogen sollen die relevanten Themen abgedeckt werden. Der empirische
Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit den Ergebnissen dieser Erhebung. Diese münden dann
gemeinsam mit Rückschlüssen auf den theoretischen Teil im Fazit.
4
2. Mediale Diskurse – der Einstieg
Wie bereits in der Einleitung erläutert nehmen Social Media Kanäle in den aktuellen Debatten
rund um die Flüchtlingsthematik eine gewichtige Rolle ein: Insbesondere Facebook fungierte
hier stets als Plattform zur Verbreitung von Mythen zu Themen wie Versorgung, Finanzierung
und Unterstützung von Flüchtlingen und avancierte so zum „digitalen Stammtisch“. So konnte
man eine Vielzahl von Beiträgen finden, die einem vorrechneten wie hoch das monatliche,
finanzielle Entgegenkommen unseres Staates für Flüchtlinge sei und dies oft plakativ
inszeniert in Relation mit dem Monatseinkommen von ÖsterreicherInnen setzten. (Vgl. Vogl
2015, o.S.)
Abbildung 2: Screenshot: Facebook, öffentlicher Status, Quelle: http://www.mimikama.at/allgemein/herr-strache-
und-die-lieben-statistiken/
5
Diese Vergleiche waren zwar zumeist nicht haltbar und wurden alsbald von offiziellen Stellen
und JournalistInnen relativiert, dennoch haben und hatten sie Wirkung. (Vgl. Vogl 2015, o.S.)
„Die Wirkung, die solche falschen Inhalte und kritische Hasspostings auf das
Debattenklima in Österreich hatten, war verheerend. Immer dann, wenn
Internetuser diese Falschinformationen kritisierten, wurden diese offen im Netz
attacktiert und der „Social Media Mob“ machte sich über sie her.“ (Vogl 2015, o.S.)
Niemals zuvor gelang es in diesem Ausmaß einzelne Bilder für die jeweiligen Zwecke zu
instrumentalisieren und Botschaften an eine Vielzahl von Menschen zu adressieren. Das Sujet
eines dieser Bilder, das zu Beginn der Flüchtlingswelle viele Kontroversen mit sich brachte, ist
jenes von Flüchtlingen mit ihren Smartphones.
Alsbald kamen Fragen in der Facebook-community auf: Wie und warum flüchten Menschen,
die sich Smartphones leisten können? Wie spontan und erforderlich kann die Flucht gewesen
sein, wenn dann noch genug Platz und Zeit zur Mitnahme eines Smartphones bleibt? Oder
zugespitzt formuliert: Wie können Menschen, die alles verloren haben, doch noch ein
Smartphone haben?
Diese Unsicherheiten in Bezug auf die in Österreich angekommenen Flüchtlinge und ihrer
Smartphones wurde sogleich von rechtspopulistischen Vereinen und Parteien aufgegriffen und
auch hier wurde mit falschen Aussagen argumentiert:
Abbildung 3: Screenshot: Facebook, öffentlicher Status, Quelle: http://derstandard.at/2000021718828/Feindbild-
A1-Hetze-mit-Luegen-ueber-Gratis-Smartphones-fuer-Fluechtlinge
6
Tatsächlich aber kann der alltägliche Smartphonegebrauch nicht als Privileg der westlichen
Welt sondern vielmehr als globales Phänomen bezeichnet werden: Demnach besitzt eine
Vielzahl der Asylwerber bereits in ihrem Heimatland ein Smartphone. (Vgl. Narosdoslawsky
et al 2015, o.S.)
Das Smartphone ist aber nicht nur Gebrauchsgegenstand der Flüchtlinge in der alten Heimat,
es avanciert immer mehr zum Fluchthelfer und gewinnt somit auch an Relevanz für das Leben
und Überleben auf der Flucht: „Man muss erreichbar sein, etwa für die Kontaktaufnahme mit
Schleppern, und braucht das Smartphone als Kompass oder Landkarte. Und natürlich als
Kommunikationsmittel, um sich bei den Eltern, Partner oder den Kindern zu melden oder
nachzufragen, ob sie wohlauf sind.“ (Narosdoslawsky et al 2015, o.S.)
Das sogenannte „Grenzmanagement“ der europäischen Staaten konfrontiert flüchtende
Menschen kontinuierlich mit modifizierten Bedingungen an den jeweiligen Grenzen. Für
Menschen auf der Flucht ist das Smartphone daher nicht nur als Kommunikationsmittel von
großer Relevanz sondern wird ebenso zum Zwecke der Navigation verwendet.
Darüber hinaus ist das Smartphone der Access Point und für Menschen während sowie nach
der Flucht oft für längere Zeit der einzige Zugang zur Nutzung von Social Media Kanälen und
auch deshalb von enormer Bedeutung. Wie relevant dies für flüchtende Menschen ist, zeigt
allein schon der Umstand, dass mittlerweile Facebookgruppen zum Zwecke der
Kommunikation und der Vernetzung von Menschen auf der Flucht existieren. In der jeweiligen
Landessprache stehen Informationen über Routen, Unterkünfte sowie Schlepper zur
Verfügung. „So wird das Smartphone zum Fluchthelfer (…) Mindestens ebenso wichtig ist es
als Nabelschnur in die alte Heimat und als zentraler Integrationshelfer ins neue Leben.“
(Habekuß/Schmitt 2015, o.S.)
Im Interview mit dem deutschen „Wired“ Magazin kritisiert auch der Migrationsforscher Vassilis
Tsianos (2015) die Haltung jener Menschen, die meinen ein Smartphone wäre ein
Luxusgegenstand für MigrantInnen: „Man geht davon aus, dass Migranten und Flüchtlinge im
Grunde digital unmündige Personen sind. Aus der Forschung wissen wir aber längst, dass
genau das Gegenteil der Fall ist: Migranten — wie alle anderen Menschen, die viel unterwegs
sein müssen — sind digitale Vorreiter, Pioniere digitaler Kommunikation und Sozialer Medien.
Diese Vorstellung vom „Digital Divide“ zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden,
die stimmt so einfach nicht. Im Gegenteil: Neue Technologien werden oft erst im sogenannten
globalen Süden erprobt, dort von den Usern angeeignet und dann im Norden eingeführt.“
(Tsianos in Köver 2015. o.S.)
7
3. Neue Technologien und Migration: Ein theoretischer Abriss
“Migrants’ communications practices provides an excellent opportunity to
explore community in the context of new social media.” (Komito, S.5)
Unser Leben ist stets von der Implementierung neuer Technologien beeinflusst – das Ausmaß
dieser Einflussnahme variiert aber von Mensch zu Mensch und ist stark abhängig von der
jeweiligen Lebenssituation. Betrachtet man diesbezüglich die beiden Pole, so befinden sich
auf der einen Seite jene Menschen, die an Orten leben, in welchen die Kommunikation bzw.
Interaktion mit dem „signifikant Anderen“1
großteils „face to face“ passiert. Und auf der anderen
Seite bilden MigrantInnen, welche ihre Herkunftsgemeinschaften zwar physisch verlassen
haben, aber dennoch versuchen den Kontakt zu den zurückgelassenen Freunden und
Beziehungen aufrecht zu erhalten, den Gegenpol dazu. (Vgl. Komito, 2011, S 5)
Obwohl Migrationsbewegungen keine Erfindung der Neuzeit sind, da es immer schon
Menschen gegeben hat, die aus vielfältigen Gründen wie wirtschaftlichen Perspektiven,
politischen Notwendigkeiten oder rein aus persönlichen Präferenzen von einem Ort zu einem
anderen gezogen sind (bzw. von einer Gesellschaft zur nächsten), kann zwischen der
Transformation von Migrationsprozessen und -strukturen und dem Aufkommen der neuen
Technologien durchaus ein Zusammenhang konstatiert werden: Dies wurzelt in der Tatsache,
dass der technologische Fortschritt einerseits Kommunikationskosten reduziert und zum
anderen die Übertragung einer – im quantitativen Sinn – größeren Masse von
Kommunikationsinhalten ermöglicht. (Vgl. Komito, 2011, S 6)
So sind es auch die neuen Technologien, die gleichsam als Katalysator für bestimmte
Migrationsphänomene, wie der Kettenmigration, fungieren. Die Kettenmigration kann als „eine
spezielle Art der Immigration, bei der soziale Beziehungen die Hauptdeterminante für die
Entscheidung zur Migration und zur Auswahl des Zielorts darstellen“ (Haug, 2000, S.4)
definiert werden. Konkret bedeutet dies: Ist jemand aus meinem näheren sozialen Umfeld in
ein Land migriert, dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass auch ich – im Falle einer
Migration – das gleiche Zielland wähle. Exakt hier greift der „Hebel“ der neuen Technologien
und insbesondere der Nutzung von Social Media Kanälen. Social Media erleichtert das
Auffinden von Personen aus der ursprünglichen Herkunftsgesellschaft, ermöglicht das
1 Definition: der „signifikant Andere“ ist definiert als „diejenigen organisierten Gruppen von Haltungen
von Bezugsmitgliedern, denen das heranwachsende Individuum zuerst ausgesetzt ist. In der Regel sind
dies die Familienmitglieder oder nahestehende Verwandte dieser Gruppe von Personen.“ (Soric 1996
S.47)
8
Kontakthalten und nährt somit die Hoffnung auf „Starthilfe“ und Unterstützung von Bekannten
in der Fremde. (Vgl. Komito, 2011, S 6)
Ebenso gilt diese Symbiose für das Konzept der transnationalen Identität. Diese wird definiert
als jene im Herkunftsland erworbene „Identität in Kombination mit der im Aufnahmeland hinzu
gewonnenen Identität. Die Transnationalisten gehen also von ‚doppelten Identitäten‘ aus und
beharren nicht so sehr auf konfligierenden Identitäten.“ (Currle 2006, S14)
Die transnationale Identität ist demnach die Selbstsicht von Individuen, die sich einer
nationalen bzw. ethnischen Gruppe zugehörig fühlen, trotz des Umstandes der geografischen
Trennung. Sie leben also nicht in dem Gebiet, der Nation bzw. sind räumlich von der
ethnischen Gruppe getrennt. Besonders durch den Einsatz von digitalen Medien seitens der
MigrantInnen wird Transnationalismus zusehends zu einem neuen Faktor im Integrations- und
Assimilierungsprozess im Einwanderungsland. Dies ist begünstigt durch den Umstand, dass
neue Technologien Migrantinnen dazu befähigen ihre Zugehörigkeit zu ihrer
Ursprungsgesellschaft aufrecht zu erhalten.
Elektronische Kommunikation und die durch ihre Anwendung unterstützte Verbundenheit sind
von erheblicher Relevanz für MigrantInnen, die den Wunsch zur Partizipation an den
Heimatgemeinden und ihren ursprünglichen sozialen Gruppen hegen:
„(…) electronic communication remains an important resource to maintain
their links with their home community. In contrast to earlier Internet
applications, social media and other recently emerging technologies provide
new opportunities for migrants who wish to maintain contact with friends and
relations they have left. (…) If these new technologies enable migrants to
participate in the communities they have left behind, or create alternative
new electronic communities, these groups will become resources used by
migrants and will have an impact on migration processes. Early research
suggests that these technologies do have the potential to change previous
patterns of migration. ” (vgl. Komito, 2011, S 8)
In diesem Zusammenhang entsteht auch im wissenschaftlichen Diskurs der Begriff des
“connected migrant”: Der/die MigantIn der Gegenwart steht stellvertretend für eine neue
Mobilitätskultur. Eine Mobilitätskultur welche die geografische Mobilität ebenso beinhaltet wie
die digitale Mobilität. (Vgl. Komito, 2011, S 8f)
9
“Border studies and critical migration research show that transnational migrants use digital
media and digital social networks in their border crossing and production of mobility, many of
them with considerable virtuosity.” (Trimikliniotis et al. S 40f)
Aufbauend auf der Theorie rund um den „connected migrant“ und den zuvor dargelegten
medialen Diskurs erwächst das Erkenntnisinteresse für die empirische Untersuchung dieser
Arbeit.
4. Das Erkenntnisinteresse
Aus dem Tenor der medialen Resonanzen rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte entsteht
der Ausgangspunkt der folgenden Analyse: Im Zentrum stehen Fragen wie: Wieso ist das
Smartphone so relevant für Menschen die ihre Heimat verlassen? Und welche Rolle spielen
soziale Netzwerke bzw. Social Media in diesem Zusammenhang?
Aber auch die im theoretisch, wissenschaftlichen Diskurs dargelegten Erläuterungen zu den
digitalen Migrationsströmen und den vernetzten Flüchtlingen sollen im folgenden Beachtung
finden. Der Mittelpunkt des Erkenntnisinteresses liegt hier auf der Relevanz von Social Media
Kanälen für Flüchtlinge. Konkret: Welche Kanäle werden genutzt? Zu welchem Zeitpunkt? Mit
welcher Relevanz?
In Ableitung der Forschungsfragen soll die Nutzung bzw. die Relevanz von Social Media
Netzwerken betrachtet werden. So stellt sich die Frage ob Social Media bereits in der Phase
der Fluchtvorbereitung eine Rolle spielt und wenn ja aus welchen Gründen. Aber wie verhält
es sich mit der Nutzung sozialer Netzwerke im weiteren Verlauf des Fluchtprozesses? Und
können Veränderungen im Umgang mit Social Media Kanälen nach dem Ende der Flucht
konstatiert werden?
Aufgrund der Breite des Forschungsfeldes sowie der zur Verfügung stehenden Ressourcen
und der zeitlichen Determinanten, wurde zur Instrumentalisierung der Forschungsfragen die
Methode der quantitativen Befragung gewählt. Das nun folgende Kapitel erläutert das
Forschungsdesign, die Struktur der Stichprobe und dient als Übersicht der relevanten
Ergebnisse.
10
5. Die Befragung
Die Befragung fand mittels Selbstausfüllerfragebogen statt. Zur Evaluierung seiner
Tauglichkeit wurde der Fragebogen erst in fünf face-to-face-Interviews getestet und danach in
die persische Sprache übersetzt. Das ursprüngliche Ziel, auch arabische Fragebogen zu
produzieren stellte sich leider als zu ambitioniert heraus. Obwohl etwaige Vergleiche gewiss
interessante Fragestellungen eröffnet hätten, ist eine solche zusätzliche Vorbereitung und
Erhebung in diesem determinierten Zeitrahmen leider nicht möglich – als Relikt dieser Idee
bleiben aber die Antwortkategorien „Syrien“ und „Irak“ bei der Frage „Herkunftsland“ im
Fragebogen enthalten.
Insgesamt ist es eine kleine Stichprobe von 50 Personen, die Ergebnisse sind somit nicht
unbedingt als repräsentativ zu verstehen. Generelle Ableitungen bzw. Rückschlüsse auf die
Gesamtheit werden demnach im Folgenden vermieden. Diese kleine Stichprobe erweist sich
aber durchaus als Indikator für die Bestimmung von Trends und bietet somit den optimalen
Einstieg in das Forschungsfeld.
5.1 Struktur der Stichprobe
Insgesamt wurden 50 Personen befragt. Alle 50 Personen sind Asylwerber in Österreich.
Ebenso eine Gemeinsamkeit aller ist die Befähigung zur persischen Sprache in Wort und
Schrift.
5.1.1 Geschlecht
Die Tatsache, dass alle Personen der Stichprobe Männer sind ist kein gewollter Umstand,
sondern ist zum einen der Tatsache geschuldet, dass sich zu den Zeitpunkten der Erhebung
um eine Vielfaches mehr Männer im Quartier befunden haben als Frauen und zum anderen
dadurch entstanden, dass das Gros der anwesenden Frauen weniger Interesse und Neugier
an dem Fragebogen zeigte und diese somit weniger greifbar für die Erhebung waren.
An dieser Stelle muss ergänzt werden, dass etwa drei Viertel der Asylantragssteller in
Österreich Männer sind. Dies wird vor allem mit der Gefahr und den Strapazen der Flucht
begründet. (Vgl. Hadler 2015, o.S.)
11
5.1.2 Alter
Der jüngste Befragte ist 18 Jahre alt, der Älteste 46. Der Altersdurchschnitt der Befragten liegt
bei 25,6 Jahren. Bemerkenswert ist, dass sich das errechnete Durchschnittsalter der
Stichprobe exakt mit den im April 2015 publizierten Daten des Österreichischen Instituts für
Wirtschaftsförderung deckt.
„Asylsuchende sind nicht nur häufiger Männer, sondern meistens auch
zwischen 18 und 34 Jahre alt. Die Daten von Eurostat zu den offenen
Asylansuchen (…) zeigen, dass im Zeitabschnitt 2008 bis 2013 stets gut zwei
Drittel der offenen Anträge von Männern im erwerbsfähigen Alter zwischen 18
und 64 Jahren gestellt werden, hauptsächlich von jüngeren Erwachsenen im
Alter zwischen 18 und 34 Jahren. Entsprechend lag das Durchschnittsalter
von Asylsuchenden in Österreich bei Männern bei rund 25,6 Jahren (…).“
(Bock-Schappelwein/ Huber 2015, S. 36)
5.1.3 Bildung
Auf Grund des Umstandes, dass nicht jedes Land die gleichen Schulsysteme bzw. -kategorien
hat, wurde bereits bei der Fragebogenerstellung beschlossen, die Bildung mittels Anzahl der
Schuljahre zu evaluieren. Die Antworten zu dieser Frage streuen von 2 bis 17 Jahren. Der
Durchschnitt der besuchten Schulzeit liegt bei 11 Jahren. Dieser hohe Durchschnittswert und
die Tatsache, dass 32 Prozent der Befragten mehr als 12 Schuljahre angeben, legt die
Vermutung nahe, dass zumindest einige Respondenten auch weiterführende
Bildungsmaßnahmen, wie Hochschulen mitangegeben haben.
12
5.1.4 Herkunft
Determiniert durch den persischen Fragebogen blieben nun folgende zwei Herkunftsländer:
Afghanistan und Iran. 59 Prozent der Befragten kommen aus dem Iran, die verbliebenen 41
Prozent sind afghanischer Herkunft.
Angaben in Prozent
Basis: alle Befragten (n=50)
Abbildung 4: Herkunftsland
5.2 Fluchtdauer und –vorbereitungszeit
Nach den Angaben der Befragten hat die Fluchtvorbereitung im Durchschnitt 20,8 Tage in
Anspruch genommen. Die Flucht selbst hat zumeist mehr als doppelt so lange, demnach
durchschnittlich 44,7 Tage gedauert.
5.3 Smartphonenutzung
Die überwiegende Mehrheit (89%) der befragten Asylwerber gibt an ein Smartphone zu
besitzen bzw. eines zu nutzen. Betrachtet man den Smartphonebesitz in Relation mit dem
Alter so zeigt sich, dass die Wahrscheinlichkeit selbst ein Smartphone zu haben oder eines
zumindest zu nutzen mit fortschreitendem Alter wächst. Demnach finden sich in der
Alterskohorte der 18- bis 25-jährigen noch 14 Prozent, die angeben ein Smartphone weder zu
nutzen noch zu besitzen. In den darüber liegenden Altersgruppen gibt dies niemand mehr an.
Zudem ist ein Anstieg der Smartphonebesitzer mit zunehmenden Alter zu bemerken.
13
65 Prozent der 18- bis 25-jährigen besitzen selbst ein Smartphone, bei den 26- bis 30-jährigen
haben 70 Prozent eines und bei den über 30-jährigen sogar 90 Prozent.
Angaben in Prozent
Basis: alle Befragten (n=50)
Abbildung 5: Smartphonebesitz/-nutzung
5.4 Nutzung sozialer Netzwerke
Acht von zehn der Befragten geben an soziale Netzwerke zu nutzen. Im Detail bedeutet dies:
59 Prozent nutzen Facebook, 8 Prozent Twitter und 51 Prozent geben an „sonstige“ soziale
Netzwerke zu nutzen. An dieser Stelle muss zur Vorsicht bei der Interpretation der Ergebnisse
im Zusammenhang mit der Antwortkategorie „sonstiges“ ermahnt werden, denn hier wird eine
Unschärfe im Fragebogendesign sichtbar.
Diese Antwortkategorie ist, wie nach der Evaluierung der Fragebogen erst klar wurde, nicht
eindeutig genug definiert. Dies bedeutet, dass sich hier neben anderen Social Media Kanälen
auch Instant Messaging Dienste eingeschlichen haben. Eine genaue Trennung ist im
Nachhinein leider nicht mehr möglich, da nicht jeder, der die Antwort „sonstiges“ gewählt hat,
diese auch mit einer „offenen“ Antwort belegt hat.
Bemerkenswert ist dennoch die unterschiedliche Antwortverteilung je nach Herkunft, so sind
Afghanen signifikant öfter Facebookuser als Iraner. (73% vs 50%)
14
Angaben in Prozent
Basis: alle Befragten (n=50)
Abbildung 6: Nutzung sozialer Netzwerke nach Herkunft
5.4.1 Soziale Netzwerke zur Fluchtvorbereitung, während und nach der Flucht
Auf Basis jener, die angegeben haben soziale Netzwerke zu nutzen (n=41), wurden
Detailfragen zum zweckbezogenen Einsatz gestellt. Hier wurde nach den verwendeten Social
Media Kanälen zur Fluchtvorbereitung sowie während und nach der Flucht per se gefragt,
außerdem nach den Gründen der Nutzung und der diesbezüglichen subjektiven
Relevanzeinschätzung.
Immerhin jeweils 70 Prozent geben an, soziale Netzwerke zum Zweck der Fluchtvorbereitung
sowie während der Flucht genutzt zu haben. In ihrer gegenwärtigen Situation – also nach der
Flucht – tun dies bereits 93 Prozent. Im Detail bedeutet dies, dass vier von zehn Nutzern von
sozialen Netzwerken angeben Facebook zur Fluchtvorbereitung genutzt zu haben. Fast eben
soviele (37%), nutzten diesen Kanal während der Flucht und nach der Flucht sind es sogar 90
Prozent, die sich als Facebooknutzer deklarieren.
„Sonstige“ soziale Netzwerke wurden von fast einem Drittel (30%) der Befragten zur
Fluchtvorbereitung und von rund der Hälfte (50%) während der Flucht genutzt. Nahezu zwei
15
Drittel nutzen sie auch nach der Flucht. Dass 50 Prozent der Nutzer von sozialen Netzwerken
angeben, diese während der Flucht genutzt zu haben, ist übrigens auch Indiz für die
Messungenauigkeit dieser Kategorie. Da insbesondere während der Flucht weniger die
Eigenschaften sozialer Netzwerke, als jene der raschen Nachrichtenübermittlung – wie beim
Instant Messaging der Fall – und der genauen Standortbestimmung von Relevanz sind.
Angaben in Prozent
Basis: Befragten (n=41)
Abbildung 7: Kanäle zur Fluchtvorbereitung sowie während und nach der Flucht
40
30
30
37
50
30
90
63
7
0 20 40 60 80 100
Facebook
Sonstiges
Keines
Fluchtvorbereitung
während der Flucht
nach der Flucht
16
Die Gründe um auf soziale Netzwerke zur Fluchtvorbereitung zurückzugreifen sind vielfältig
und erstrecken sich über das Festlegen der Route (53%) und der Auswahl des Ziellandes
(41%) über das Einholen von Informationen von Fluchthelfern und NGOs (18%) sowie von
Informationen über Schlepper (12%) bis hin zur direkten Kontaktaufnahme mit Schleppern
(12%).
Angaben in Prozent
Basis: Befragte, die soziale Netzwerke zur Fluchtvorbereitung genutzt haben (n=23)
Abbildung 8: Gründe Social Media Nutzung für die Fluchtvorbereitung
In Bezug auf die individuelle Relevanzeinschätzung von sozialen Netzwerken für den Prozess
der Fluchtvorbereitung bewerten 18 Prozent diese als sehr wichtig, 35 Prozent als eher wichtig,
17 Prozent als teils-teils, weitere 18 Prozent als eher unwichtig und 11 Prozent als gar nicht
wichtig.
17
Der Mittelwert von 2,71 zeigt, dass soziale Netzwerke für diese Befragten eher nicht die
Hauptinformationsquelle für die Fluchtvorbereitung waren, aber für einige ein eher wichtiger
Bestandteil davon.
Angaben in Prozent
Basis: Befragte, die soziale Netzwerke zur Fluchtvorbereitung genutzt haben (n=23)
Abbildung 9: Relevanz sozialer Netzwerke für die Fluchtvorbereitung
Welche Gründe gibt es aber während der Flucht, um an Social Media Kanälen teilzuhaben?
Die Mehrheit jener Befragten, die angibt soziale Netzwerke auch während der Flucht genutzt
zu haben, hat dies zur Kontaktaufnahme mit Freunden, Bekannten und Verwandten getan
(60%) und zur Navigation bzw. zur Überprüfung des Standortes (40%) sowie zur
Kontaktaufnahme mit Schleppern (30%). Wie bereits mehrmals erörtert weist dieses
Antwortverhalten stark auf die inadäquate Trennschärfe der Antwortmöglichkeit „sonstiges“
hin.
Während ihrer Flucht holten sich 15 Prozent via sozialer Netzwerke Informationen über
Fluchthelfer und NGOs ein und weitere 10 Prozent wählten so ihr Zielland aus.
18
Angaben in Prozent
Basis: Befragte, die soziale Netzwerke während Flucht genutzt haben (n=27)
Abbildung 10: Gründe Social Media Nutzung während der Flucht
Die Relevanz von sozialen Netzwerken während der Flucht bewerten die Respondenten
durchwegs etwas höher als zur Fluchtvorbereitung: Ein Viertel (25%) schreibt sozialen
Netzwerken während der Flucht eine sehr wichtige, 45 Prozent eine eher wichtige, 20 Prozent
eine geteilte und 10 Prozent eine gar unwichtige Rolle zu.
Angaben in Prozent
Basis: Befragte, die soziale Netzwerke während Flucht genutzt haben (n=27)
Abbildung 11: Relevanz sozialer Netzwerke während der Flucht
25 45 20 10 2,2
0 20 40 60 80 100
sehr wichtig eher teils eher nicht gar nicht wichtig MW
19
Rein quantitativ steigert sich die Anzahl jener, die soziale Netzwerke nutzen, im Verlauf des
Fluchtprozesses von der Fluchtvorbereitung über die Flucht bis zur gegenwärtigen Situation
der Befragten als Asylantragssteller in Österreich. Wie in Kapitel 3 dargelegt, ist es für
MigrantInnen besonders wichtig den Kontakt zur ihrer Ursprungsgesellschaft bzw. zu
Mitgliedern dieser Gemeinschaft aufrecht zu erhalten. Dies kann jedenfalls mit den
Ergebnissen der Erhebung bestätigt werden: 73 Prozent der Respondenten bedienen sich
sozialer Netzwerke um den Kontakt zu Freunden, Bekannten und Verwandten aufrecht zu
erhalten und 27 Prozent zur Vernetzung mit der Ethnic Community. Themen, die der
Orientierungshilfe und der Informationsbeschaffung dienen, wie Informationen zu
Deutschkursen (33%), Fragen zu Asylanträgen und rechtlichen Rahmenbedingungen (30%)
und Informationen zu Notschlafstellen und Unterkünften (13%) sind aber auch von Relevanz.
Angaben in Prozent
Basis: Befragte, die soziale Netzwerke nach der Flucht nutzen (n=41)
Abbildung 12: Gründe Social Media Nutzung nach der Flucht
20
Wie bereits anhand der erhöhten Anzahl der Nutzer ersichtlich, kommt es mit dem
Fortschreiten des Fluchtprozesses erneut zu einer Relevanzsteigerung in Bezug auf soziale
Netzwerke in der subjektiven Wahrnehmung der Befragten. Für nahezu zwei Drittel der
Befragten sind soziale Netzwerke gegenwärtig nach ihrer Flucht (eher) wichtig und nur für 8
Prozent (eher) unwichtig. Der errechnete Durchschnittswert hat sich von der
Fluchtvorbereitung 2,7, über die Flucht per se 2,1 bis hin zur gegenwärtigen Situation als
Antragsteller nach der Flucht auf 1,9 gesteigert und belegt somit eine Relevanzzunahme
sozialer Netzwerke im chronologischen Ablauf der Flucht.
Angaben in Prozent
Basis: Befragte, die soziale Netzwerke nach der Flucht nutzen (n=41)
Abbildung 13: Relevanz sozialer Netzwerke nach der Flucht
21
5.5 Ursprungsziel: Österreich
Die hohe Relevanz, die soziale Netzwerke für die Befragten in ihrer gegenwärtigen Situation
hat, leitet sich demnach wie bereits zuvor erläutert zum einen aus emotional besetzten
Aspekten, wie der Rolle als Nabelschnur an die ursprüngliche Gemeinschaft ab, ist aber zum
anderen auch funktional bestimmt und liefert Orientierungs- und Integrationshilfe in Österreich.
Aber ist Österreich überhaupt das ursprüngliche Wunschziel der Flucht? Und gibt es einen
Zusammenhang zwischen dem Erreichen des Ursprungsziels und der Nutzung von sozialen
Netzwerken?
57 Prozent aller Befragten geben Österreich als das ursprüngliche Wunschzielland ihrer Flucht
an, 38 Prozent hingegen sind eher zufällig oder unfreiwillig hier gelandet. Dies verhält sich
relativ ähnlich – unabhängig davon ob die Respondenten Facebook (59% - Ursprungsziel:
Österreich) oder andere soziale Netzwerke nutzen (64% - Ursprungsziel: Österreich).
Signifikant abweichend ist allerdings das Antwortverhalten jener, die keine sozialen Netzwerke
nutzen: Hier liegt der Anteil derer, die bereits ursprünglich das Ziel Österreich anvisiert haben,
nur bei 29 Prozent.
Angaben in Prozent
Basis: alle Befragten (n=50)
Abbildung 14: Ursprungsziel: Österreich?
22
6. Schlussfolgerungen
Den Rahmen zur Verortung der Ergebnisse im theoretischen Kontext bieten nun die drei
Handlungskomponenten, die sich bei der Nutzung von Social Media Kanälen eröffnen. Hierbei
wird zwischen dem Informationsmanagement, dem Identitätsmanagement und dem
Beziehungsmanagement differenziert. Wie kann nun die Relevanz des
Informationsmanagements, demnach des Selektierens, Rezipierens und Kuratierens von
Informationen, für Flüchtlinge bewertet werden. Hier kann zum einen festgestellt werden, dass
besonders der mediale Diskurs immer wieder Aspekte des Informationsmanagements
aufgreift. Indikatoren hierfür sind Schlagwörter wie „das Smartphone als überlebenswichtig“,
„das Smartphone als Fluchthelfer“, „soziale Netzwerke zur Ermächtigung gegen kriminelle
Schlepper“. Diese deuten alle sehr stark auf einen Fokus im Sinne des
Informationsmanagements hin.
Aber auch die Ergebnisse der Befragung bestätigen, dass Flüchtlinge Social Media Kanäle
häufig wegen der bereitgestellten Informationen nutzen. Wie bereits in Kapitel 2 dargelegt,
spielen Informationsfaktoren der sozialen Netzwerke besonders für die Fluchtvorbereitung
eine beträchtliche Rolle. Auch der signifikante Unterschied zwischen dem Erreichen des
ursprünglichen Ziellandes und der Nutzung von Social Media Kanälen belegt die Wichtigkeit
des Informationsmanagements.
Da die Befragung aber drei Lebensphasen (Fluchtvorbereitung – Flucht – Neubeginn als
Asylwerber) abbildet, die zwar in ihrem chronologischen Ablauf sehr schnell aufeinander
folgen, dennoch aber völlig unterschiedliche Herausforderungen für jeden einzelnen bedeuten,
verlagert sich das meist genutzte Social Media–Handlungsfeld bereits während der Flucht hin
zum Beziehungsmanagement. Die theoretische Begründung der Relevanz findet sich
diesbezüglich im wissenschaftlichen Diskurs. Wie in den Ausführungen zum Zusammenhang
zwischen Migration und neuen Technologien erläutert, stehen hier die Optionen von Social
Media im Vordergrund, die auf Komponenten der Verbundenheit und der Vernetzung der
Geflüchteten zur Heimatgemeinde abzielen. Ebenso belegen dies die Ergebnisse der
Befragung: So geben die Befragten bereits während der Flucht als häufigsten Grund der
Nutzung sozialer Netzwerke den Kontakt zu Freunden, Bekannten und Verwandten an (60%)
Dieser Trend steigert sich noch in der Lebensphase nach der Flucht. 73 Prozent der Befragten
nutzen soziale Netzwerke, um Kontakte zu Freunden und Verwandten a3ufrecht zu erhalten.
Der Umstand, dass Menschen, die erst vor kurzer Zeit nach Österreich geflohen sind, Social
Media Kanäle primär für die Pflege bestehender Kontakte nutzen, gilt als Beleg für das in
23
Kapitel erläuterte Transnationalismuskonzept und zeigt weiters, wie sehr sich Identitäts- und
Beziehungsmanagement bedingen. Die Einflussnahme sozialer Netzwerke auf das
Identitätsmanagement passiert in der Regel durch die eigene Selbstdarstellung in und mit Hilfe
von sozialen Netzwerken. Im Falle von erst kürzlich migrierten Personen scheint aber die
eigene Identität noch sehr von der community des Heimatlandes bestimmt.
Zusammenfassend kann konstatiert werden, dass Social Media eine bedeutende Rolle für die
gegenwärtigen Flüchtlingsbewegungen spielt und zwar auf unterschiedlichen Ebenen. Zudem
sind soziale Netzwerke für MigrantInnen nicht erst im Kontext der Flucht von zentraler
Bedeutung, sondern oftmals bereits lange zuvor integraler Bestandteil ihres täglichen Lebens.
„(…)das total entnetzte migrantische Subjekt, das sich halbnackt auf den
Weg nach Europa macht, existiert nicht.“ (Tsianos in: Köver 2015. o.S.)
24
Quellenverzeichnis
CURRLE, Edda: Theorieansätze zur Erklärung von Rückkehr und Remigration. 2006, in:
soFid Migration und ethnische Minderheiten, 2006, 2. Jg., S. 7-23.
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BOCK-SCHAPPELWEIN, Julia/ HUBER, Peter: Auswirkungen einer Erleichterung des
Arbeitsmarktzuganges für Asylsuchende in Österreich. 2015, Österreichisches Institut für
Wirtschaftsforschung: im Auftrag des BMASK. URL:
https://www.sozialministerium.at/cms/site/attachments/8/2/2/CH2120/CMS1435668609461/st
udie_auswirkungen_einer_erleichterung_des_arbeitsmarktzuganges_fuer_asylsuchende_in_
oesterreich.pdf [Zugriff am 21.05.2016]
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http://orf.at/stories/2283553/2283554/ [Zugriff am 20.05.2016]
HAUG, Sonja: Soziales Kapital Migrationsentscheidungen und Kettenmigrationsprozesse.
Das Beispiel der italienischen Migranten in Deutschland.2000, Arbeitsbericht des Instituts für
Soziologie, 2000, Nr. 13 URL: www2.unileipzig.de/~sozio/content/site/a_berichte/13.pdf
[Zugriff am 12.05.2016]
HILLEBRAND, Ralf: Wie sich Flüchtlinge vernetzen. 2015, in: Salzburger Nachrichten,
01.10.2015 URL: http://www.salzburg.com/nachrichten/dossier/fluechtlinge/sn/artikel/wie-
sich-fluechtlinge-vernetzen-167714/ [Zugriff am 21.05.2016]
KOMITO, Lee: Social Media and Migration: virtual community 2.0. 2011, in: Journal of the
American Society for Information Science and Technology, 2011, v. 62 (6), S. 1075-1086.
URL: http://www.ucd.ie/lkomito/jasist-komito.pdf [Zugriff am 13.05.2016]
KÖVER, Chris: Smartphones sind für Flüchtlinge überlebenswichtig! 2015, in: WIRED,
23.08.2015, URL: https://www.wired.de/collection/latest/ohne-smartphones-hatten-
fluchtlinge-kaum-eine-chance-sagt-der-migrationsforscher [Zugriff am 15.05.2016]
NARODOSLAWSKY, Benedikt/ KLENK, Florian/ BRNADA, Nina/ HORACZEK, Nina/
SCHMITZBERGER, Tobias: Warum haben alle Flüchtlinge Handys? 2015, in: Falter, 32/15,
URL:https://cms.falter.at/falter/2015/08/04/warum-haben-alle-fluechtlinge-handys/ [Zugriff am
14.05.2016]
SORIC, Dragan: Die Genese einer europäischen Identität. George Herbert Meads
Identitätskonzeption dargestellt am Beispiel des europäischen Einigungsprozesses. Marburg:
Tectum 1996.
TRIMIKLINIOTIS, Nico/ PARSANOGLOU Dimitris/TSIANOS Vassilis: Mobile Commons,
Migrant Digitalities and the Right to the City. Palgrave Macmillan 2014.
VOGL, Elisabeth: Social Media & die Flüchtlingswelle in Europa. 2015, in: Social Multi Media
Blog, 08.09.2015, URL: http://blog.viermalvier.at/social-media-die-fluchtlingswelle-in-europa/
[Zugriff am 15.05.2016]
25
Weitere Onlinequellen
http://www.zeit.de/thema/fluechtling [Zugriff am 17.05.2016]
http://www.demokratiezentrum.org/ausstellung/stationen/02-oesterreich.html [Zugriff am
15.05.2016]
http://www.bmi.gv.at/cms/BMI_Asylwesen/statistik/files/Asyl_Jahresstatistik_2015.pdf [Zugriff
am 20.05.2016]
26
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Screenshot: Facebook, öffentlicher Status, AfD-Fraktion im Brandenburgischen
Landtag ................................................................................................................................. 2
Abbildung 2: Screenshot: Facebook, öffentlicher Status, Quelle:
http://www.mimikama.at/allgemein/herr-strache-und-die-lieben-statistiken/........................... 4
Abbildung 3: Screenshot: Facebook, öffentlicher Status, Quelle:
http://derstandard.at/2000021718828/Feindbild-A1-Hetze-mit-Luegen-ueber-Gratis-
Smartphones-fuer-Fluechtlinge ............................................................................................. 5
Abbildung 4: Herkunftsland ..................................................................................................12
Abbildung 5: Smartphonebesitz/-nutzung .............................................................................13
Abbildung 6: Nutzung sozialer Netzwerke nach Herkunft .....................................................14
Abbildung 7: Kanäle zur Fluchtvorbereitung sowie während und nach der Flucht.................15
Abbildung 8: Gründe Social Media Nutzung für die Fluchtvorbereitung ................................16
Abbildung 9: Relevanz sozialer Netzwerke für die Fluchtvorbereitung..................................17
Abbildung 10: Gründe Social Media Nutzung während der Flucht ........................................18
Abbildung 11: Relevanz sozialer Netzwerke während der Flucht..........................................18
Abbildung 12: Gründe Social Media Nutzung nach der Flucht..............................................19
Abbildung 13: Relevanz sozialer Netzwerke nach der Flucht................................................20
Abbildung 14: Ursprungsziel: Österreich?.............................................................................21
27
Anhänge
Anhang 1: Sperrvermerk
Anhang 2: Fragebogen
Anhang 3: Tabellenband

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Das Smartphone als Fluchthelfer. Die Rolle sozialer Netzwerke für die gegenwärtigen Fluchtbewegungen

  • 1. DIPLOMARBEIT Diplomlehrgang Social Media Management Das Smartphone als Fluchthelfer Die Rolle sozialer Netzwerke für die gegenwärtigen Migrationsbewegungen Verfasserin Setare Seyyed-Hashemi Lehrgangsleitung Mag. Dieter Rappold Kursjahr: 2015/16 Sperrvermerk: JA
  • 2. 1 Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung ....................................................................................................................... 2 2. Mediale Diskurse – der Einstieg ..................................................................................... 4 3. Neue Technologien und Migration: Ein theoretischer Abriss........................................... 7 4. Das Erkenntnisinteresse................................................................................................. 9 5. Die Befragung ...............................................................................................................10 5.1 Struktur der Stichprobe..............................................................................................10 5.1.1 Geschlecht......................................................................................................10 5.1.2 Alter ................................................................................................................11 5.1.3 Bildung............................................................................................................11 5.1.4 Herkunft ..........................................................................................................12 5.2 Fluchtdauer und –vorbereitungszeit....................................................................12 5.3 Smartphonenutzung ...........................................................................................12 5.4 Nutzung sozialer Netzwerke ...............................................................................13 5.4.1 Soziale Netzwerke zur Fluchtvorbereitung, während und nach der Flucht.......14 5.5 Ursprungsziel: Österreich ...................................................................................21 6. Schlussfolgerungen.......................................................................................................22 Quellenverzeichnis ...............................................................................................................24 Weitere Onlinequellen ...................................................................................................25 Abbildungsverzeichnis..........................................................................................................26 Anhänge...............................................................................................................................27
  • 3. 2 1. Einleitung „Wenn der Arabische Frühling von 2011 die erste Facebook-Rebellion war, dann kann man die große Flucht des Jahres 2015 die erste digital gesteuerte Völkerwanderung nennen. Und all die digital refugees, die sich unterwegs mit ihren Ladegeräten um die Steckdosen scharen und die, einmal angekommen, ständig zu ihren Telefonen greifen, sie führen uns zugleich den Stand der Vernetzung unseres Planeten vor Augen.“ (Habekuß/Schmitt 2015, o.S.) Abbildung 1: Screenshot: Facebook, öffentlicher Status, AfD-Fraktion im Brandenburgischen Landtag Seit 2015 wird politisch und medial eine der größten Flüchtlingskrisen der Geschichte kolportiert. Fakt ist, dass im Vorjahr etwa 60 Millionen Menschen aus ihren Heimatländern geflüchtet sind und somit mehr als der UN-Flüchtlingsrat jemals zuvor bekannt gab. (Vgl. o.A. o.J., o.S. in: http://www.zeit.de/thema/fluechtling) Österreich war schon oftmals Zufluchtsort für eine Vielzahl von Flüchtlingen und dennoch war diesmal alles anders als je zuvor. Und dies findet seine Ursache neben der Uneinigkeit und der Unentschlossenheit politischer AkteuerInnen in der Tatsache, dass wir gegenwärtig in DEM digitalen Zeitalter leben. Niemals zuvor konnten sich die Flüchtlinge selbst, engagierte FlüchtlingshelferInnen und ebenso engagierte ZuwanderungsgegnerInnen so schnell formieren, organisieren, vernetzen und bestärken als gegenwärtig mit der Hilfe sozialer Netzwerke. Denn mit Beginn der großen Flüchtlingswelle im vergangenen Jahr sind soziale Netzwerke immer wieder zum Austragungsort für Diskussionen und Debatten rund um das Thema Flüchtlinge geworden.
  • 4. 3 Aber eben diese – in der „digitalen Arena“ - ausgefochtenen Debatten waren und sind Ausgangspunkt für mediale und wissenschaftliche Diskurse zur Relevanz von Social Media Kanälen für Flüchtlinge. Und exakt aufgrund dieser Tatsache bildet das Kapitel rund um den medialen Diskurs den Einstieg in die nun vorliegende Arbeit. Stein des Anstoßes bieten hier oft einzelne Facebook-Postings, die sogleich eine Welle von Hintergrundberichten, Reportagen und politischen Statements nach sich ziehen und so beispielsweise im Zuge der „Warum-haben-alle-Flüchtlinge-eigentlich-Smartphones“-Debatte auch den Zusammenhang zwischen sozialen Netzwerken und deren Nutzung durch Flüchtlinge beleuchten. Aber ebenso wichtig wie die Begründung des Ausgangspunktes dieser Arbeit ist ihr theoretisches Fundament. Dieses bilden wissenschaftliche Erläuterungen zur Thematik der Relevanz von neuen Technologien für Migrationsbewegungen. Im Prinzip soll hier darauf verwiesen werden, dass Flüchtlinge, als Subgruppe der MigrantInnen, nicht zufällig Social Media Kanäle benutzen, sondern dass das Phänomen der digitalen Vernetzung durchaus Auswirkungen auf die gegenwärtigen Migrationsprozesse hat. Über den medialen Einstieg und den theoretischen Aufbau erfolgt die Annäherung an das Erkenntnisinteresse. Der Fokus liegt auf Fragen zur Nutzung und Wichtigkeit von sozialen Netzwerken für Menschen, die in Österreich um Asyl angesucht haben. Konkret soll hinterfragt werden: Zu welchem Zeitpunkt der Flucht wurde was genutzt? Aus welchem Grund? Und mit welcher subjektiven Relevanzeinschätzung? Zur Instrumentalisierung der Forschungsfragen wurde eine Befragung durchgeführt. Mittels Selbstausfüllerfragebogen sollen die relevanten Themen abgedeckt werden. Der empirische Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit den Ergebnissen dieser Erhebung. Diese münden dann gemeinsam mit Rückschlüssen auf den theoretischen Teil im Fazit.
  • 5. 4 2. Mediale Diskurse – der Einstieg Wie bereits in der Einleitung erläutert nehmen Social Media Kanäle in den aktuellen Debatten rund um die Flüchtlingsthematik eine gewichtige Rolle ein: Insbesondere Facebook fungierte hier stets als Plattform zur Verbreitung von Mythen zu Themen wie Versorgung, Finanzierung und Unterstützung von Flüchtlingen und avancierte so zum „digitalen Stammtisch“. So konnte man eine Vielzahl von Beiträgen finden, die einem vorrechneten wie hoch das monatliche, finanzielle Entgegenkommen unseres Staates für Flüchtlinge sei und dies oft plakativ inszeniert in Relation mit dem Monatseinkommen von ÖsterreicherInnen setzten. (Vgl. Vogl 2015, o.S.) Abbildung 2: Screenshot: Facebook, öffentlicher Status, Quelle: http://www.mimikama.at/allgemein/herr-strache- und-die-lieben-statistiken/
  • 6. 5 Diese Vergleiche waren zwar zumeist nicht haltbar und wurden alsbald von offiziellen Stellen und JournalistInnen relativiert, dennoch haben und hatten sie Wirkung. (Vgl. Vogl 2015, o.S.) „Die Wirkung, die solche falschen Inhalte und kritische Hasspostings auf das Debattenklima in Österreich hatten, war verheerend. Immer dann, wenn Internetuser diese Falschinformationen kritisierten, wurden diese offen im Netz attacktiert und der „Social Media Mob“ machte sich über sie her.“ (Vogl 2015, o.S.) Niemals zuvor gelang es in diesem Ausmaß einzelne Bilder für die jeweiligen Zwecke zu instrumentalisieren und Botschaften an eine Vielzahl von Menschen zu adressieren. Das Sujet eines dieser Bilder, das zu Beginn der Flüchtlingswelle viele Kontroversen mit sich brachte, ist jenes von Flüchtlingen mit ihren Smartphones. Alsbald kamen Fragen in der Facebook-community auf: Wie und warum flüchten Menschen, die sich Smartphones leisten können? Wie spontan und erforderlich kann die Flucht gewesen sein, wenn dann noch genug Platz und Zeit zur Mitnahme eines Smartphones bleibt? Oder zugespitzt formuliert: Wie können Menschen, die alles verloren haben, doch noch ein Smartphone haben? Diese Unsicherheiten in Bezug auf die in Österreich angekommenen Flüchtlinge und ihrer Smartphones wurde sogleich von rechtspopulistischen Vereinen und Parteien aufgegriffen und auch hier wurde mit falschen Aussagen argumentiert: Abbildung 3: Screenshot: Facebook, öffentlicher Status, Quelle: http://derstandard.at/2000021718828/Feindbild- A1-Hetze-mit-Luegen-ueber-Gratis-Smartphones-fuer-Fluechtlinge
  • 7. 6 Tatsächlich aber kann der alltägliche Smartphonegebrauch nicht als Privileg der westlichen Welt sondern vielmehr als globales Phänomen bezeichnet werden: Demnach besitzt eine Vielzahl der Asylwerber bereits in ihrem Heimatland ein Smartphone. (Vgl. Narosdoslawsky et al 2015, o.S.) Das Smartphone ist aber nicht nur Gebrauchsgegenstand der Flüchtlinge in der alten Heimat, es avanciert immer mehr zum Fluchthelfer und gewinnt somit auch an Relevanz für das Leben und Überleben auf der Flucht: „Man muss erreichbar sein, etwa für die Kontaktaufnahme mit Schleppern, und braucht das Smartphone als Kompass oder Landkarte. Und natürlich als Kommunikationsmittel, um sich bei den Eltern, Partner oder den Kindern zu melden oder nachzufragen, ob sie wohlauf sind.“ (Narosdoslawsky et al 2015, o.S.) Das sogenannte „Grenzmanagement“ der europäischen Staaten konfrontiert flüchtende Menschen kontinuierlich mit modifizierten Bedingungen an den jeweiligen Grenzen. Für Menschen auf der Flucht ist das Smartphone daher nicht nur als Kommunikationsmittel von großer Relevanz sondern wird ebenso zum Zwecke der Navigation verwendet. Darüber hinaus ist das Smartphone der Access Point und für Menschen während sowie nach der Flucht oft für längere Zeit der einzige Zugang zur Nutzung von Social Media Kanälen und auch deshalb von enormer Bedeutung. Wie relevant dies für flüchtende Menschen ist, zeigt allein schon der Umstand, dass mittlerweile Facebookgruppen zum Zwecke der Kommunikation und der Vernetzung von Menschen auf der Flucht existieren. In der jeweiligen Landessprache stehen Informationen über Routen, Unterkünfte sowie Schlepper zur Verfügung. „So wird das Smartphone zum Fluchthelfer (…) Mindestens ebenso wichtig ist es als Nabelschnur in die alte Heimat und als zentraler Integrationshelfer ins neue Leben.“ (Habekuß/Schmitt 2015, o.S.) Im Interview mit dem deutschen „Wired“ Magazin kritisiert auch der Migrationsforscher Vassilis Tsianos (2015) die Haltung jener Menschen, die meinen ein Smartphone wäre ein Luxusgegenstand für MigrantInnen: „Man geht davon aus, dass Migranten und Flüchtlinge im Grunde digital unmündige Personen sind. Aus der Forschung wissen wir aber längst, dass genau das Gegenteil der Fall ist: Migranten — wie alle anderen Menschen, die viel unterwegs sein müssen — sind digitale Vorreiter, Pioniere digitaler Kommunikation und Sozialer Medien. Diese Vorstellung vom „Digital Divide“ zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden, die stimmt so einfach nicht. Im Gegenteil: Neue Technologien werden oft erst im sogenannten globalen Süden erprobt, dort von den Usern angeeignet und dann im Norden eingeführt.“ (Tsianos in Köver 2015. o.S.)
  • 8. 7 3. Neue Technologien und Migration: Ein theoretischer Abriss “Migrants’ communications practices provides an excellent opportunity to explore community in the context of new social media.” (Komito, S.5) Unser Leben ist stets von der Implementierung neuer Technologien beeinflusst – das Ausmaß dieser Einflussnahme variiert aber von Mensch zu Mensch und ist stark abhängig von der jeweiligen Lebenssituation. Betrachtet man diesbezüglich die beiden Pole, so befinden sich auf der einen Seite jene Menschen, die an Orten leben, in welchen die Kommunikation bzw. Interaktion mit dem „signifikant Anderen“1 großteils „face to face“ passiert. Und auf der anderen Seite bilden MigrantInnen, welche ihre Herkunftsgemeinschaften zwar physisch verlassen haben, aber dennoch versuchen den Kontakt zu den zurückgelassenen Freunden und Beziehungen aufrecht zu erhalten, den Gegenpol dazu. (Vgl. Komito, 2011, S 5) Obwohl Migrationsbewegungen keine Erfindung der Neuzeit sind, da es immer schon Menschen gegeben hat, die aus vielfältigen Gründen wie wirtschaftlichen Perspektiven, politischen Notwendigkeiten oder rein aus persönlichen Präferenzen von einem Ort zu einem anderen gezogen sind (bzw. von einer Gesellschaft zur nächsten), kann zwischen der Transformation von Migrationsprozessen und -strukturen und dem Aufkommen der neuen Technologien durchaus ein Zusammenhang konstatiert werden: Dies wurzelt in der Tatsache, dass der technologische Fortschritt einerseits Kommunikationskosten reduziert und zum anderen die Übertragung einer – im quantitativen Sinn – größeren Masse von Kommunikationsinhalten ermöglicht. (Vgl. Komito, 2011, S 6) So sind es auch die neuen Technologien, die gleichsam als Katalysator für bestimmte Migrationsphänomene, wie der Kettenmigration, fungieren. Die Kettenmigration kann als „eine spezielle Art der Immigration, bei der soziale Beziehungen die Hauptdeterminante für die Entscheidung zur Migration und zur Auswahl des Zielorts darstellen“ (Haug, 2000, S.4) definiert werden. Konkret bedeutet dies: Ist jemand aus meinem näheren sozialen Umfeld in ein Land migriert, dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass auch ich – im Falle einer Migration – das gleiche Zielland wähle. Exakt hier greift der „Hebel“ der neuen Technologien und insbesondere der Nutzung von Social Media Kanälen. Social Media erleichtert das Auffinden von Personen aus der ursprünglichen Herkunftsgesellschaft, ermöglicht das 1 Definition: der „signifikant Andere“ ist definiert als „diejenigen organisierten Gruppen von Haltungen von Bezugsmitgliedern, denen das heranwachsende Individuum zuerst ausgesetzt ist. In der Regel sind dies die Familienmitglieder oder nahestehende Verwandte dieser Gruppe von Personen.“ (Soric 1996 S.47)
  • 9. 8 Kontakthalten und nährt somit die Hoffnung auf „Starthilfe“ und Unterstützung von Bekannten in der Fremde. (Vgl. Komito, 2011, S 6) Ebenso gilt diese Symbiose für das Konzept der transnationalen Identität. Diese wird definiert als jene im Herkunftsland erworbene „Identität in Kombination mit der im Aufnahmeland hinzu gewonnenen Identität. Die Transnationalisten gehen also von ‚doppelten Identitäten‘ aus und beharren nicht so sehr auf konfligierenden Identitäten.“ (Currle 2006, S14) Die transnationale Identität ist demnach die Selbstsicht von Individuen, die sich einer nationalen bzw. ethnischen Gruppe zugehörig fühlen, trotz des Umstandes der geografischen Trennung. Sie leben also nicht in dem Gebiet, der Nation bzw. sind räumlich von der ethnischen Gruppe getrennt. Besonders durch den Einsatz von digitalen Medien seitens der MigrantInnen wird Transnationalismus zusehends zu einem neuen Faktor im Integrations- und Assimilierungsprozess im Einwanderungsland. Dies ist begünstigt durch den Umstand, dass neue Technologien Migrantinnen dazu befähigen ihre Zugehörigkeit zu ihrer Ursprungsgesellschaft aufrecht zu erhalten. Elektronische Kommunikation und die durch ihre Anwendung unterstützte Verbundenheit sind von erheblicher Relevanz für MigrantInnen, die den Wunsch zur Partizipation an den Heimatgemeinden und ihren ursprünglichen sozialen Gruppen hegen: „(…) electronic communication remains an important resource to maintain their links with their home community. In contrast to earlier Internet applications, social media and other recently emerging technologies provide new opportunities for migrants who wish to maintain contact with friends and relations they have left. (…) If these new technologies enable migrants to participate in the communities they have left behind, or create alternative new electronic communities, these groups will become resources used by migrants and will have an impact on migration processes. Early research suggests that these technologies do have the potential to change previous patterns of migration. ” (vgl. Komito, 2011, S 8) In diesem Zusammenhang entsteht auch im wissenschaftlichen Diskurs der Begriff des “connected migrant”: Der/die MigantIn der Gegenwart steht stellvertretend für eine neue Mobilitätskultur. Eine Mobilitätskultur welche die geografische Mobilität ebenso beinhaltet wie die digitale Mobilität. (Vgl. Komito, 2011, S 8f)
  • 10. 9 “Border studies and critical migration research show that transnational migrants use digital media and digital social networks in their border crossing and production of mobility, many of them with considerable virtuosity.” (Trimikliniotis et al. S 40f) Aufbauend auf der Theorie rund um den „connected migrant“ und den zuvor dargelegten medialen Diskurs erwächst das Erkenntnisinteresse für die empirische Untersuchung dieser Arbeit. 4. Das Erkenntnisinteresse Aus dem Tenor der medialen Resonanzen rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte entsteht der Ausgangspunkt der folgenden Analyse: Im Zentrum stehen Fragen wie: Wieso ist das Smartphone so relevant für Menschen die ihre Heimat verlassen? Und welche Rolle spielen soziale Netzwerke bzw. Social Media in diesem Zusammenhang? Aber auch die im theoretisch, wissenschaftlichen Diskurs dargelegten Erläuterungen zu den digitalen Migrationsströmen und den vernetzten Flüchtlingen sollen im folgenden Beachtung finden. Der Mittelpunkt des Erkenntnisinteresses liegt hier auf der Relevanz von Social Media Kanälen für Flüchtlinge. Konkret: Welche Kanäle werden genutzt? Zu welchem Zeitpunkt? Mit welcher Relevanz? In Ableitung der Forschungsfragen soll die Nutzung bzw. die Relevanz von Social Media Netzwerken betrachtet werden. So stellt sich die Frage ob Social Media bereits in der Phase der Fluchtvorbereitung eine Rolle spielt und wenn ja aus welchen Gründen. Aber wie verhält es sich mit der Nutzung sozialer Netzwerke im weiteren Verlauf des Fluchtprozesses? Und können Veränderungen im Umgang mit Social Media Kanälen nach dem Ende der Flucht konstatiert werden? Aufgrund der Breite des Forschungsfeldes sowie der zur Verfügung stehenden Ressourcen und der zeitlichen Determinanten, wurde zur Instrumentalisierung der Forschungsfragen die Methode der quantitativen Befragung gewählt. Das nun folgende Kapitel erläutert das Forschungsdesign, die Struktur der Stichprobe und dient als Übersicht der relevanten Ergebnisse.
  • 11. 10 5. Die Befragung Die Befragung fand mittels Selbstausfüllerfragebogen statt. Zur Evaluierung seiner Tauglichkeit wurde der Fragebogen erst in fünf face-to-face-Interviews getestet und danach in die persische Sprache übersetzt. Das ursprüngliche Ziel, auch arabische Fragebogen zu produzieren stellte sich leider als zu ambitioniert heraus. Obwohl etwaige Vergleiche gewiss interessante Fragestellungen eröffnet hätten, ist eine solche zusätzliche Vorbereitung und Erhebung in diesem determinierten Zeitrahmen leider nicht möglich – als Relikt dieser Idee bleiben aber die Antwortkategorien „Syrien“ und „Irak“ bei der Frage „Herkunftsland“ im Fragebogen enthalten. Insgesamt ist es eine kleine Stichprobe von 50 Personen, die Ergebnisse sind somit nicht unbedingt als repräsentativ zu verstehen. Generelle Ableitungen bzw. Rückschlüsse auf die Gesamtheit werden demnach im Folgenden vermieden. Diese kleine Stichprobe erweist sich aber durchaus als Indikator für die Bestimmung von Trends und bietet somit den optimalen Einstieg in das Forschungsfeld. 5.1 Struktur der Stichprobe Insgesamt wurden 50 Personen befragt. Alle 50 Personen sind Asylwerber in Österreich. Ebenso eine Gemeinsamkeit aller ist die Befähigung zur persischen Sprache in Wort und Schrift. 5.1.1 Geschlecht Die Tatsache, dass alle Personen der Stichprobe Männer sind ist kein gewollter Umstand, sondern ist zum einen der Tatsache geschuldet, dass sich zu den Zeitpunkten der Erhebung um eine Vielfaches mehr Männer im Quartier befunden haben als Frauen und zum anderen dadurch entstanden, dass das Gros der anwesenden Frauen weniger Interesse und Neugier an dem Fragebogen zeigte und diese somit weniger greifbar für die Erhebung waren. An dieser Stelle muss ergänzt werden, dass etwa drei Viertel der Asylantragssteller in Österreich Männer sind. Dies wird vor allem mit der Gefahr und den Strapazen der Flucht begründet. (Vgl. Hadler 2015, o.S.)
  • 12. 11 5.1.2 Alter Der jüngste Befragte ist 18 Jahre alt, der Älteste 46. Der Altersdurchschnitt der Befragten liegt bei 25,6 Jahren. Bemerkenswert ist, dass sich das errechnete Durchschnittsalter der Stichprobe exakt mit den im April 2015 publizierten Daten des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsförderung deckt. „Asylsuchende sind nicht nur häufiger Männer, sondern meistens auch zwischen 18 und 34 Jahre alt. Die Daten von Eurostat zu den offenen Asylansuchen (…) zeigen, dass im Zeitabschnitt 2008 bis 2013 stets gut zwei Drittel der offenen Anträge von Männern im erwerbsfähigen Alter zwischen 18 und 64 Jahren gestellt werden, hauptsächlich von jüngeren Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 34 Jahren. Entsprechend lag das Durchschnittsalter von Asylsuchenden in Österreich bei Männern bei rund 25,6 Jahren (…).“ (Bock-Schappelwein/ Huber 2015, S. 36) 5.1.3 Bildung Auf Grund des Umstandes, dass nicht jedes Land die gleichen Schulsysteme bzw. -kategorien hat, wurde bereits bei der Fragebogenerstellung beschlossen, die Bildung mittels Anzahl der Schuljahre zu evaluieren. Die Antworten zu dieser Frage streuen von 2 bis 17 Jahren. Der Durchschnitt der besuchten Schulzeit liegt bei 11 Jahren. Dieser hohe Durchschnittswert und die Tatsache, dass 32 Prozent der Befragten mehr als 12 Schuljahre angeben, legt die Vermutung nahe, dass zumindest einige Respondenten auch weiterführende Bildungsmaßnahmen, wie Hochschulen mitangegeben haben.
  • 13. 12 5.1.4 Herkunft Determiniert durch den persischen Fragebogen blieben nun folgende zwei Herkunftsländer: Afghanistan und Iran. 59 Prozent der Befragten kommen aus dem Iran, die verbliebenen 41 Prozent sind afghanischer Herkunft. Angaben in Prozent Basis: alle Befragten (n=50) Abbildung 4: Herkunftsland 5.2 Fluchtdauer und –vorbereitungszeit Nach den Angaben der Befragten hat die Fluchtvorbereitung im Durchschnitt 20,8 Tage in Anspruch genommen. Die Flucht selbst hat zumeist mehr als doppelt so lange, demnach durchschnittlich 44,7 Tage gedauert. 5.3 Smartphonenutzung Die überwiegende Mehrheit (89%) der befragten Asylwerber gibt an ein Smartphone zu besitzen bzw. eines zu nutzen. Betrachtet man den Smartphonebesitz in Relation mit dem Alter so zeigt sich, dass die Wahrscheinlichkeit selbst ein Smartphone zu haben oder eines zumindest zu nutzen mit fortschreitendem Alter wächst. Demnach finden sich in der Alterskohorte der 18- bis 25-jährigen noch 14 Prozent, die angeben ein Smartphone weder zu nutzen noch zu besitzen. In den darüber liegenden Altersgruppen gibt dies niemand mehr an. Zudem ist ein Anstieg der Smartphonebesitzer mit zunehmenden Alter zu bemerken.
  • 14. 13 65 Prozent der 18- bis 25-jährigen besitzen selbst ein Smartphone, bei den 26- bis 30-jährigen haben 70 Prozent eines und bei den über 30-jährigen sogar 90 Prozent. Angaben in Prozent Basis: alle Befragten (n=50) Abbildung 5: Smartphonebesitz/-nutzung 5.4 Nutzung sozialer Netzwerke Acht von zehn der Befragten geben an soziale Netzwerke zu nutzen. Im Detail bedeutet dies: 59 Prozent nutzen Facebook, 8 Prozent Twitter und 51 Prozent geben an „sonstige“ soziale Netzwerke zu nutzen. An dieser Stelle muss zur Vorsicht bei der Interpretation der Ergebnisse im Zusammenhang mit der Antwortkategorie „sonstiges“ ermahnt werden, denn hier wird eine Unschärfe im Fragebogendesign sichtbar. Diese Antwortkategorie ist, wie nach der Evaluierung der Fragebogen erst klar wurde, nicht eindeutig genug definiert. Dies bedeutet, dass sich hier neben anderen Social Media Kanälen auch Instant Messaging Dienste eingeschlichen haben. Eine genaue Trennung ist im Nachhinein leider nicht mehr möglich, da nicht jeder, der die Antwort „sonstiges“ gewählt hat, diese auch mit einer „offenen“ Antwort belegt hat. Bemerkenswert ist dennoch die unterschiedliche Antwortverteilung je nach Herkunft, so sind Afghanen signifikant öfter Facebookuser als Iraner. (73% vs 50%)
  • 15. 14 Angaben in Prozent Basis: alle Befragten (n=50) Abbildung 6: Nutzung sozialer Netzwerke nach Herkunft 5.4.1 Soziale Netzwerke zur Fluchtvorbereitung, während und nach der Flucht Auf Basis jener, die angegeben haben soziale Netzwerke zu nutzen (n=41), wurden Detailfragen zum zweckbezogenen Einsatz gestellt. Hier wurde nach den verwendeten Social Media Kanälen zur Fluchtvorbereitung sowie während und nach der Flucht per se gefragt, außerdem nach den Gründen der Nutzung und der diesbezüglichen subjektiven Relevanzeinschätzung. Immerhin jeweils 70 Prozent geben an, soziale Netzwerke zum Zweck der Fluchtvorbereitung sowie während der Flucht genutzt zu haben. In ihrer gegenwärtigen Situation – also nach der Flucht – tun dies bereits 93 Prozent. Im Detail bedeutet dies, dass vier von zehn Nutzern von sozialen Netzwerken angeben Facebook zur Fluchtvorbereitung genutzt zu haben. Fast eben soviele (37%), nutzten diesen Kanal während der Flucht und nach der Flucht sind es sogar 90 Prozent, die sich als Facebooknutzer deklarieren. „Sonstige“ soziale Netzwerke wurden von fast einem Drittel (30%) der Befragten zur Fluchtvorbereitung und von rund der Hälfte (50%) während der Flucht genutzt. Nahezu zwei
  • 16. 15 Drittel nutzen sie auch nach der Flucht. Dass 50 Prozent der Nutzer von sozialen Netzwerken angeben, diese während der Flucht genutzt zu haben, ist übrigens auch Indiz für die Messungenauigkeit dieser Kategorie. Da insbesondere während der Flucht weniger die Eigenschaften sozialer Netzwerke, als jene der raschen Nachrichtenübermittlung – wie beim Instant Messaging der Fall – und der genauen Standortbestimmung von Relevanz sind. Angaben in Prozent Basis: Befragten (n=41) Abbildung 7: Kanäle zur Fluchtvorbereitung sowie während und nach der Flucht 40 30 30 37 50 30 90 63 7 0 20 40 60 80 100 Facebook Sonstiges Keines Fluchtvorbereitung während der Flucht nach der Flucht
  • 17. 16 Die Gründe um auf soziale Netzwerke zur Fluchtvorbereitung zurückzugreifen sind vielfältig und erstrecken sich über das Festlegen der Route (53%) und der Auswahl des Ziellandes (41%) über das Einholen von Informationen von Fluchthelfern und NGOs (18%) sowie von Informationen über Schlepper (12%) bis hin zur direkten Kontaktaufnahme mit Schleppern (12%). Angaben in Prozent Basis: Befragte, die soziale Netzwerke zur Fluchtvorbereitung genutzt haben (n=23) Abbildung 8: Gründe Social Media Nutzung für die Fluchtvorbereitung In Bezug auf die individuelle Relevanzeinschätzung von sozialen Netzwerken für den Prozess der Fluchtvorbereitung bewerten 18 Prozent diese als sehr wichtig, 35 Prozent als eher wichtig, 17 Prozent als teils-teils, weitere 18 Prozent als eher unwichtig und 11 Prozent als gar nicht wichtig.
  • 18. 17 Der Mittelwert von 2,71 zeigt, dass soziale Netzwerke für diese Befragten eher nicht die Hauptinformationsquelle für die Fluchtvorbereitung waren, aber für einige ein eher wichtiger Bestandteil davon. Angaben in Prozent Basis: Befragte, die soziale Netzwerke zur Fluchtvorbereitung genutzt haben (n=23) Abbildung 9: Relevanz sozialer Netzwerke für die Fluchtvorbereitung Welche Gründe gibt es aber während der Flucht, um an Social Media Kanälen teilzuhaben? Die Mehrheit jener Befragten, die angibt soziale Netzwerke auch während der Flucht genutzt zu haben, hat dies zur Kontaktaufnahme mit Freunden, Bekannten und Verwandten getan (60%) und zur Navigation bzw. zur Überprüfung des Standortes (40%) sowie zur Kontaktaufnahme mit Schleppern (30%). Wie bereits mehrmals erörtert weist dieses Antwortverhalten stark auf die inadäquate Trennschärfe der Antwortmöglichkeit „sonstiges“ hin. Während ihrer Flucht holten sich 15 Prozent via sozialer Netzwerke Informationen über Fluchthelfer und NGOs ein und weitere 10 Prozent wählten so ihr Zielland aus.
  • 19. 18 Angaben in Prozent Basis: Befragte, die soziale Netzwerke während Flucht genutzt haben (n=27) Abbildung 10: Gründe Social Media Nutzung während der Flucht Die Relevanz von sozialen Netzwerken während der Flucht bewerten die Respondenten durchwegs etwas höher als zur Fluchtvorbereitung: Ein Viertel (25%) schreibt sozialen Netzwerken während der Flucht eine sehr wichtige, 45 Prozent eine eher wichtige, 20 Prozent eine geteilte und 10 Prozent eine gar unwichtige Rolle zu. Angaben in Prozent Basis: Befragte, die soziale Netzwerke während Flucht genutzt haben (n=27) Abbildung 11: Relevanz sozialer Netzwerke während der Flucht 25 45 20 10 2,2 0 20 40 60 80 100 sehr wichtig eher teils eher nicht gar nicht wichtig MW
  • 20. 19 Rein quantitativ steigert sich die Anzahl jener, die soziale Netzwerke nutzen, im Verlauf des Fluchtprozesses von der Fluchtvorbereitung über die Flucht bis zur gegenwärtigen Situation der Befragten als Asylantragssteller in Österreich. Wie in Kapitel 3 dargelegt, ist es für MigrantInnen besonders wichtig den Kontakt zur ihrer Ursprungsgesellschaft bzw. zu Mitgliedern dieser Gemeinschaft aufrecht zu erhalten. Dies kann jedenfalls mit den Ergebnissen der Erhebung bestätigt werden: 73 Prozent der Respondenten bedienen sich sozialer Netzwerke um den Kontakt zu Freunden, Bekannten und Verwandten aufrecht zu erhalten und 27 Prozent zur Vernetzung mit der Ethnic Community. Themen, die der Orientierungshilfe und der Informationsbeschaffung dienen, wie Informationen zu Deutschkursen (33%), Fragen zu Asylanträgen und rechtlichen Rahmenbedingungen (30%) und Informationen zu Notschlafstellen und Unterkünften (13%) sind aber auch von Relevanz. Angaben in Prozent Basis: Befragte, die soziale Netzwerke nach der Flucht nutzen (n=41) Abbildung 12: Gründe Social Media Nutzung nach der Flucht
  • 21. 20 Wie bereits anhand der erhöhten Anzahl der Nutzer ersichtlich, kommt es mit dem Fortschreiten des Fluchtprozesses erneut zu einer Relevanzsteigerung in Bezug auf soziale Netzwerke in der subjektiven Wahrnehmung der Befragten. Für nahezu zwei Drittel der Befragten sind soziale Netzwerke gegenwärtig nach ihrer Flucht (eher) wichtig und nur für 8 Prozent (eher) unwichtig. Der errechnete Durchschnittswert hat sich von der Fluchtvorbereitung 2,7, über die Flucht per se 2,1 bis hin zur gegenwärtigen Situation als Antragsteller nach der Flucht auf 1,9 gesteigert und belegt somit eine Relevanzzunahme sozialer Netzwerke im chronologischen Ablauf der Flucht. Angaben in Prozent Basis: Befragte, die soziale Netzwerke nach der Flucht nutzen (n=41) Abbildung 13: Relevanz sozialer Netzwerke nach der Flucht
  • 22. 21 5.5 Ursprungsziel: Österreich Die hohe Relevanz, die soziale Netzwerke für die Befragten in ihrer gegenwärtigen Situation hat, leitet sich demnach wie bereits zuvor erläutert zum einen aus emotional besetzten Aspekten, wie der Rolle als Nabelschnur an die ursprüngliche Gemeinschaft ab, ist aber zum anderen auch funktional bestimmt und liefert Orientierungs- und Integrationshilfe in Österreich. Aber ist Österreich überhaupt das ursprüngliche Wunschziel der Flucht? Und gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Erreichen des Ursprungsziels und der Nutzung von sozialen Netzwerken? 57 Prozent aller Befragten geben Österreich als das ursprüngliche Wunschzielland ihrer Flucht an, 38 Prozent hingegen sind eher zufällig oder unfreiwillig hier gelandet. Dies verhält sich relativ ähnlich – unabhängig davon ob die Respondenten Facebook (59% - Ursprungsziel: Österreich) oder andere soziale Netzwerke nutzen (64% - Ursprungsziel: Österreich). Signifikant abweichend ist allerdings das Antwortverhalten jener, die keine sozialen Netzwerke nutzen: Hier liegt der Anteil derer, die bereits ursprünglich das Ziel Österreich anvisiert haben, nur bei 29 Prozent. Angaben in Prozent Basis: alle Befragten (n=50) Abbildung 14: Ursprungsziel: Österreich?
  • 23. 22 6. Schlussfolgerungen Den Rahmen zur Verortung der Ergebnisse im theoretischen Kontext bieten nun die drei Handlungskomponenten, die sich bei der Nutzung von Social Media Kanälen eröffnen. Hierbei wird zwischen dem Informationsmanagement, dem Identitätsmanagement und dem Beziehungsmanagement differenziert. Wie kann nun die Relevanz des Informationsmanagements, demnach des Selektierens, Rezipierens und Kuratierens von Informationen, für Flüchtlinge bewertet werden. Hier kann zum einen festgestellt werden, dass besonders der mediale Diskurs immer wieder Aspekte des Informationsmanagements aufgreift. Indikatoren hierfür sind Schlagwörter wie „das Smartphone als überlebenswichtig“, „das Smartphone als Fluchthelfer“, „soziale Netzwerke zur Ermächtigung gegen kriminelle Schlepper“. Diese deuten alle sehr stark auf einen Fokus im Sinne des Informationsmanagements hin. Aber auch die Ergebnisse der Befragung bestätigen, dass Flüchtlinge Social Media Kanäle häufig wegen der bereitgestellten Informationen nutzen. Wie bereits in Kapitel 2 dargelegt, spielen Informationsfaktoren der sozialen Netzwerke besonders für die Fluchtvorbereitung eine beträchtliche Rolle. Auch der signifikante Unterschied zwischen dem Erreichen des ursprünglichen Ziellandes und der Nutzung von Social Media Kanälen belegt die Wichtigkeit des Informationsmanagements. Da die Befragung aber drei Lebensphasen (Fluchtvorbereitung – Flucht – Neubeginn als Asylwerber) abbildet, die zwar in ihrem chronologischen Ablauf sehr schnell aufeinander folgen, dennoch aber völlig unterschiedliche Herausforderungen für jeden einzelnen bedeuten, verlagert sich das meist genutzte Social Media–Handlungsfeld bereits während der Flucht hin zum Beziehungsmanagement. Die theoretische Begründung der Relevanz findet sich diesbezüglich im wissenschaftlichen Diskurs. Wie in den Ausführungen zum Zusammenhang zwischen Migration und neuen Technologien erläutert, stehen hier die Optionen von Social Media im Vordergrund, die auf Komponenten der Verbundenheit und der Vernetzung der Geflüchteten zur Heimatgemeinde abzielen. Ebenso belegen dies die Ergebnisse der Befragung: So geben die Befragten bereits während der Flucht als häufigsten Grund der Nutzung sozialer Netzwerke den Kontakt zu Freunden, Bekannten und Verwandten an (60%) Dieser Trend steigert sich noch in der Lebensphase nach der Flucht. 73 Prozent der Befragten nutzen soziale Netzwerke, um Kontakte zu Freunden und Verwandten a3ufrecht zu erhalten. Der Umstand, dass Menschen, die erst vor kurzer Zeit nach Österreich geflohen sind, Social Media Kanäle primär für die Pflege bestehender Kontakte nutzen, gilt als Beleg für das in
  • 24. 23 Kapitel erläuterte Transnationalismuskonzept und zeigt weiters, wie sehr sich Identitäts- und Beziehungsmanagement bedingen. Die Einflussnahme sozialer Netzwerke auf das Identitätsmanagement passiert in der Regel durch die eigene Selbstdarstellung in und mit Hilfe von sozialen Netzwerken. Im Falle von erst kürzlich migrierten Personen scheint aber die eigene Identität noch sehr von der community des Heimatlandes bestimmt. Zusammenfassend kann konstatiert werden, dass Social Media eine bedeutende Rolle für die gegenwärtigen Flüchtlingsbewegungen spielt und zwar auf unterschiedlichen Ebenen. Zudem sind soziale Netzwerke für MigrantInnen nicht erst im Kontext der Flucht von zentraler Bedeutung, sondern oftmals bereits lange zuvor integraler Bestandteil ihres täglichen Lebens. „(…)das total entnetzte migrantische Subjekt, das sich halbnackt auf den Weg nach Europa macht, existiert nicht.“ (Tsianos in: Köver 2015. o.S.)
  • 25. 24 Quellenverzeichnis CURRLE, Edda: Theorieansätze zur Erklärung von Rückkehr und Remigration. 2006, in: soFid Migration und ethnische Minderheiten, 2006, 2. Jg., S. 7-23. URL:http://www.gesis.org/fileadmin/upload/dienstleistung/fachinformationen/servicepublikatio nen/sofid/Fachbeitraege/Migration_2006-2.pdf [Zugriff am 14.05.2016] BOCK-SCHAPPELWEIN, Julia/ HUBER, Peter: Auswirkungen einer Erleichterung des Arbeitsmarktzuganges für Asylsuchende in Österreich. 2015, Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung: im Auftrag des BMASK. URL: https://www.sozialministerium.at/cms/site/attachments/8/2/2/CH2120/CMS1435668609461/st udie_auswirkungen_einer_erleichterung_des_arbeitsmarktzuganges_fuer_asylsuchende_in_ oesterreich.pdf [Zugriff am 21.05.2016] HABEKUSS, Fritz/ SCHMITT, Stefan: Wozu ein Handy? 2015, in: DIE ZEIT, Nr. 40, 2015, URL:http://www.zeit.de/2015/40/smartphone-fluechtling-whats-app-kommunikation [Zugriff am 16.05.2016] HADLER, Simon: Eins und eins ist nicht drei. 2015, in orf.at, 15.06.2015 URL: http://orf.at/stories/2283553/2283554/ [Zugriff am 20.05.2016] HAUG, Sonja: Soziales Kapital Migrationsentscheidungen und Kettenmigrationsprozesse. Das Beispiel der italienischen Migranten in Deutschland.2000, Arbeitsbericht des Instituts für Soziologie, 2000, Nr. 13 URL: www2.unileipzig.de/~sozio/content/site/a_berichte/13.pdf [Zugriff am 12.05.2016] HILLEBRAND, Ralf: Wie sich Flüchtlinge vernetzen. 2015, in: Salzburger Nachrichten, 01.10.2015 URL: http://www.salzburg.com/nachrichten/dossier/fluechtlinge/sn/artikel/wie- sich-fluechtlinge-vernetzen-167714/ [Zugriff am 21.05.2016] KOMITO, Lee: Social Media and Migration: virtual community 2.0. 2011, in: Journal of the American Society for Information Science and Technology, 2011, v. 62 (6), S. 1075-1086. URL: http://www.ucd.ie/lkomito/jasist-komito.pdf [Zugriff am 13.05.2016] KÖVER, Chris: Smartphones sind für Flüchtlinge überlebenswichtig! 2015, in: WIRED, 23.08.2015, URL: https://www.wired.de/collection/latest/ohne-smartphones-hatten- fluchtlinge-kaum-eine-chance-sagt-der-migrationsforscher [Zugriff am 15.05.2016] NARODOSLAWSKY, Benedikt/ KLENK, Florian/ BRNADA, Nina/ HORACZEK, Nina/ SCHMITZBERGER, Tobias: Warum haben alle Flüchtlinge Handys? 2015, in: Falter, 32/15, URL:https://cms.falter.at/falter/2015/08/04/warum-haben-alle-fluechtlinge-handys/ [Zugriff am 14.05.2016] SORIC, Dragan: Die Genese einer europäischen Identität. George Herbert Meads Identitätskonzeption dargestellt am Beispiel des europäischen Einigungsprozesses. Marburg: Tectum 1996. TRIMIKLINIOTIS, Nico/ PARSANOGLOU Dimitris/TSIANOS Vassilis: Mobile Commons, Migrant Digitalities and the Right to the City. Palgrave Macmillan 2014. VOGL, Elisabeth: Social Media & die Flüchtlingswelle in Europa. 2015, in: Social Multi Media Blog, 08.09.2015, URL: http://blog.viermalvier.at/social-media-die-fluchtlingswelle-in-europa/ [Zugriff am 15.05.2016]
  • 26. 25 Weitere Onlinequellen http://www.zeit.de/thema/fluechtling [Zugriff am 17.05.2016] http://www.demokratiezentrum.org/ausstellung/stationen/02-oesterreich.html [Zugriff am 15.05.2016] http://www.bmi.gv.at/cms/BMI_Asylwesen/statistik/files/Asyl_Jahresstatistik_2015.pdf [Zugriff am 20.05.2016]
  • 27. 26 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Screenshot: Facebook, öffentlicher Status, AfD-Fraktion im Brandenburgischen Landtag ................................................................................................................................. 2 Abbildung 2: Screenshot: Facebook, öffentlicher Status, Quelle: http://www.mimikama.at/allgemein/herr-strache-und-die-lieben-statistiken/........................... 4 Abbildung 3: Screenshot: Facebook, öffentlicher Status, Quelle: http://derstandard.at/2000021718828/Feindbild-A1-Hetze-mit-Luegen-ueber-Gratis- Smartphones-fuer-Fluechtlinge ............................................................................................. 5 Abbildung 4: Herkunftsland ..................................................................................................12 Abbildung 5: Smartphonebesitz/-nutzung .............................................................................13 Abbildung 6: Nutzung sozialer Netzwerke nach Herkunft .....................................................14 Abbildung 7: Kanäle zur Fluchtvorbereitung sowie während und nach der Flucht.................15 Abbildung 8: Gründe Social Media Nutzung für die Fluchtvorbereitung ................................16 Abbildung 9: Relevanz sozialer Netzwerke für die Fluchtvorbereitung..................................17 Abbildung 10: Gründe Social Media Nutzung während der Flucht ........................................18 Abbildung 11: Relevanz sozialer Netzwerke während der Flucht..........................................18 Abbildung 12: Gründe Social Media Nutzung nach der Flucht..............................................19 Abbildung 13: Relevanz sozialer Netzwerke nach der Flucht................................................20 Abbildung 14: Ursprungsziel: Österreich?.............................................................................21
  • 28. 27 Anhänge Anhang 1: Sperrvermerk Anhang 2: Fragebogen Anhang 3: Tabellenband