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mind diver




                Mind Diver - Ein Manga
						Anika Weber M6b					

					Begleitperson:	Kobelt
                   Urs

Maturitätsarbeit 2013					
Kantonsschule Zürcher Oberland
Inhaltsverzeichnis


                                   Arbeitsjournal

     Die Vorgeschichte zur jetzigen Form der Maturarbeit: Ein Manga	          04
     	       4. Klasse, 3 Interviews
     		1. Interview: Hypnotiseur				05
     		Wieso Manga?					08
     		                2. Interview: Sprecherin der Zürcher Kantonspolizei	 08
                                   Frau Surber
     		                3. Interview: Herr Killer der Jugendanwaltschaft Uster	09
     	
     Der Überblick über den Arbeitsprozess				                                13
     Arbeitsprozess im Detail						14
     	Charaktere						16
     	Die Orte							19
     	       Die Vorskizzen zu den Mangaseiten				                            20
     	Die eigentlichen Seiten: Outlines				22
     	       Schritt für Schritt mit dem Intuos 4				                         22
     	Weitere Probleme						26
     	       Sprechblasen und das Einfügen von Text			                        26

     Zeitplanung							27
     Weiterführung zur Dokumentation und Sachebene			 27




                                                                                        Sachebene

                                                           Manga – Der japanische Comic					                                  28
                                                           	Die Geschichte						28
                                                           		Tezuka Osamu					29
                                                           		              Weitere Erneuerungen, die Tezuka zu verdanken sind	32

                                                           	 Der heutige Alltag eines Mangakas				        35
                                                           		        Das erste Treffen mit dem Lektor:			 35
                                                           		Das Entstehen eines Mangas			35
                                                           		Der Arbeitsplatz eines Mangakas:			36

                                                           	Mangakas, zwei Beispiele:					37
                                                           		      Dragonball – von Toriyama Akira			 37
                                                           		      ONE PIECE – von Oda Eichirou			    38

                                                           	 Die Verbreitung in der Welt am Beispiel Deutschland		           39
                                                           		        Interview mit der Firma Egmont			                       40

                                                           	 Das Schlussfazit der ganzen Maturarbeit			 42
                                                           	Danksagungen						42
                                                           	Quellenangaben						43




02                                                                                                                            03
Recherche
        ARBEITSJOURNAL                                                                                                    In der vierten Klasse machte ich dann 3 Interviews:

                                                                                                                          Der Grund: In der Geschichte würden einerseits ju-
                                                                                                                          gendliche Straftäter vorkommen, Problemkinder die
                                                                                                                          von Gargon verbessert werden. Von ihnen hatte ich
 Die Vorgeschichte zur jetzigen Form der Maturarbeit:
                                                                                                                          zuerst mal keine Ahnung. Und verbessert werden sie
 Ein Manga                                                                                                                durch Hypnose, doch genaues dazu wusste ich nicht
                                                                                                                          und ich wollte nicht einfach etwas erfinden und recher-
 Alles begann mit einem Bild. Darauf sieht man einen Jungen                                                               chierte vieles im Internet. Aber die Interviews halfen
 der das Loserzeichen, also ein L mit seinen Fingern formt,                                                               am meisten, da die Meinungen auf dem Internet ziem-
 macht und etwas verrückt aussieht. Das ist die Ur-Form von                                                               lich auseinander gingen und mir die Quellen nicht als
 Theodor, ein Charakter, der mysteriös bleiben sollte und sich                                                            glaubwürdig erschienen.
 nichts vorschreiben lässt. Dieses Bild entstand schon in der                                                             Da ich aber nichts von Transkribieren oder dem wirk-
 3.Klasse und mir war nicht bewusst, dass daraus die Geschich-                                                            lichen Verarbeiten eines Interviews wusste, machte ich
 te zum jetzigen Manga entstehen könnte. Deswegen ist das                                                                 einfach Notizen. Schließlich fand das alles in der vier-
 Bild mittlerweile nicht auffindbar, da ich es nicht behielt für                                                          ten Klasse statt und da wurde man zu solchen Dingen
 den Arbeitsjournal, der ja erst ca. 2 Jahre nach der Entstehung                                                          noch nicht informiert.
 des Bildes begonnen wurde. Aber es war wirklich nur eine will-
 kürliche Zeichnung. Ich hatte mir zuerst nichts dabei gedacht.
 Erste Skizzen Theodor und Teresa:


                                                                                       Teresa



                                                                   Geschichtsentwicklung
                                                                   Langsam kam auch der Charakter Teresa hinzu
                                                                   und eine Geschichte entwickelte sich: Schüler ver-
                                                                   schwinden an ihrer Schule und kommen nach eini-                       1. Interview
                                                                   gen Tagen wieder verbessert zurück. Ihre vorherig                     Das erste Interview fand mit einem Hypnotiseur, der mir viele Informationen gab, statt.
                                                                   schlechten Angewohnheiten wurden verbessert,                          Auf meine Anfrage per Mail kam diese Antwort:
                                                                   von aggressiv zu geduldig, von Raucher zum Nicht-
                                                                   raucher. Doch an die Zeit, in der sie verschwunden
                                                                                                                                From: info@hypnosetherapie-zo.ch
                                                                   waren, kann sich niemand von ihnen erinnern.
                                                                                                                                To: anika94a@hotmail.com
                                                                   Die Polizei wird eingeschaltet, Gerüchte machen
                                                                                                                                Subject: Hypnose
                                                                   sich breit über den Entführer: Gargon. Der Name
                                                                                                                                Date: Mon, 28 Feb 2011 08:39:23 +0100
                                                                   wurde ihm im Internet gegeben.
                                           Theodor                 Theodor und Teresa machen sich auf die Suche nach
                                                                                                                                Hallo Anika,
                                                                   ihm. Das war die Urgeschichte.
                                                                   Und zuerst sollte das Ganze auch ein Game werden,
                                                                                                                                ich weiss zwar nicht genau was eure Arbeit mit Hypnose im wissenschaftlichen Sinn zu tun hat,
                                                                   da ich später Game Design studieren will. Später
                                                                                                                                ich habe eher das Gefühl ihr “mystifiziert” das ganze ein bisschen.
                                                                   machte ich mir nicht so viele Gedanken, doch die
                                                                                                                                Aber wenn ihr das Gefühl habt ihr könntet von meinen Auskünften profitieren will ich euch das
                                                                   Geschichte packte mich.
                                                                                                                                nicht verwehren.
                                                                   Eine Organisation namens Latnem kam ins Spiel
                                                                                                                                Wie wäre es am Donnerstag 3.März, so ab 16:45 ?
                                                                   und Gargon bekam eine Persönlichkeit, die ich hier
                                                                   aber weiter nicht erläutere, da ich vorhabe, die Ge-
                                                                                                                                Gruss
                                                                   schichte, die Erstfassung, die hier leider nicht Ge-
                                                                   stalt annehmen konnte, später als ein Game oder              Patrick Steiner
                                                                   Manga umzusetzen. Aber ich finde, Gargon ist der
                                                                   interessanteste Charakter.




04                                                                                                                                                                                                                                 05
Geruch vielleicht sogar, dann soll sich die Person einen
       ARBEITSJOURNAL                                                                                                   Ort vorstellen, den sie langsam mit Sachen füllt, die sie
                                                                                                                        gern hat oder sie beruhigen. Und pro Session, so werden
                                                                                                                        die Sitzungen genannt, macht man nicht viel, damit man
                                                                                                                        sich daran gewöhnen kann. Dann später soll die Person
                                                                                                                        in der Trance sich den Prüfungsort vorstellen und etwas
                                                                                                                        von dem angenehmen Ort, zum Beispiel einen Glücks-
                                                                                                                        bringer, bei sich haben.
Die erste Begegnung mit Hypnose
                                                                                                                        Je öfter man das wiederholt, zum Beispiel mit einer Auf-
Natürlich war ich nervös. Ich bin nämlich ganz alleine
                                                                                                                        nahme auf CD, desto angenehmer wird es für die Person
hingegangen, zuerst sollte mich jemand begleiten, dass
                                                                                                                        eine Prüfung zu schreiben, da sie die Situation so zu sa-
ging aber nicht, und von Hypnose hat man allgemein
                                                                                                                        gen tausendmal positiv erlebt hat. Eine andere Methode
eher ein schlechtes Image im Kopf.
                                                                                                                        wäre die Suggestion, was man der zu hypnotisierenden
Aber ich bin ja heil wieder zurückgekommen.
                                                                                                                        Person im Prinzip vorschlägt zu machen. Auf dem Flyer,
                                                                                                                        von dem ich zum ersten Mal von Patrick Steiner gehört
                                                                                                                        hatte, stand auch Hilfe zur Gewichtsabnahme oder Hil-
                                                                                                                        fe beim Aufhören des Rauchens. Hypnose sei eine große
                                                                                                                        Hilfe, schlechte Gewohnheiten abzulegen.
                                                                                                                        In diesem Beispiel trainiert man sich, aus meiner Sicht,
                                                                                                                        eine innere Stimme an, einen größeren Willen, der einem
                                                                                                                        dann auch hilft, die Gewohnheiten abzulegen. Des Wei-
                                                                                                                        teren hat der Hypnotiseur erklärt, dass in Frankreich und
                                                                                                                        Italien Hypnosetherapien von der Krankenkasse bezahlt
                                                                                                                        werden. Er frage sich, wieso dass das noch nicht in der
                                                                                        Nichts zu befürchten            Schweiz geschehen ist, doch er vermutet die große Skep-
                                                                                        Herr Steiner war freundlich     sis ohne Hintergrundwissen herrscht hier vor.
                                                                                        und hörte mir zu und erklär-
                                                                                        te mir, dass viele glauben,
                                                                                        Hypnose könnte einen Men-       Hypnose und Gehirnwäsche
                                                                                        schen zu etwas bringen, was     Für meine Geschichte waren die Informationen bereits sehr hilfreich. Herr Steiner erklärte mir weiter was der Unter-
                                                                                        er normalerweise nicht tun      schied zwischen der Hypnose und der Gehirnwäsche ist. Diese Methode wird zum Beispiel in Straflagern oder Sekten
                                                                                        würde. Das ist aber falsch.     benutzt. Man entzieht der Person Schlaf, Essen und zu trinken, so, dass sie sich nie wirklich ausruhen kann. Und bestraft
                                                                                                                        sie für alles, dass nach der Meinung des Peinigers „schlecht“ ist, bis die Person anfängt, man vermutet aus Überlebens-
                                                                                                                                                                                          wille, diese willkürliche Theorie anzunehmen und der
                                                                                                                                                                                          Peiniger immer Recht hat und zu so etwas, in perver-
                                                                                                                                                                                          sem Sinne, wie einem Gott aufsteigt. So kann man der
                                                                                                                                                                                          Person eine Autorität aufzwingen, der sie sich hingibt
                                                                                                                                                                                          und kaum anders mehr denken kann.
                                                                                                                                                                                          Diese Erfahrung und die daraus resultierenden Ange-
                                                                                                                                                                                          wohnheiten kann man schlecht ablegen. Ein ehemali-
                                                                                                                                                                                          ger Gefangener aus einem nordkoreanischen Strafla-
                                                                                                                                                                                          ger, der auch dort geboren wurde, sagte in einem
                                                                                                                                                                                          „SPIEGEL“-Artikel aus, dass er zwar physisch mit sei-
                                                                                                                                                                                          nem Körper von dort fliehen konnte, aber psychisch
                                                                                                                                                                                          immer noch dort sei. Eine Form der Gehirnwäsche
                                                                                                                                                                                          ist das Stockholmsyndrom. Es kam zum ersten Mal
Die Bedingungen für Hypnose                                                                                                                                                               öffentlich in Stockholm vor bei einer Geiselnahme bei
Er erklärte mir, dass während des Schlafes verschiedene Phasen stattfinden. Es gibt den Tiefschlaf, in dem am meisten                                                                     einem Banküberfall. Lange Zeit blieben die Geiseln
verarbeitet wird, aber das Gehirn die Außenwelt auch nicht mehr wirklich wahrnimmt und dann gibt es den eher leich-                                                                       bei ihrem Entführer, der, den später befreiten Geiseln
teren Schlaf, der vor allem am Anfang des Schlafes stattfindet. Dieser Phase würde man versuchen sich am ehesten zu                                                                       zufolge, einen triftigen Grund habe. Sie beschützten
nähern. Ein ähnliches Beispiel wäre die Trance oder die Meditation, wenn man sie wirklich beherrscht. Um dies mit                                                                         ihren Entführer sogar vor der Polizei. Schließlich be-
einem Hypnotiseur zu erreichen, muss man zuerst einmal darauf ansprechbar sein. Es gibt Menschen, die stärker darauf                                                                      strafe der Entführer, ihr Peiniger, sie nur für die Din-
reagieren oder weniger. Dann muss man dem Hypnotiseur auch vertrauen und sich wohl fühlen um sich entspannen zu                                                                           ge, die sie auch nicht hätten tun dürfen und schlecht
können. Deswegen ist nach seiner Meinung Hypnose auch immer Selbsthypnose.                                                                                                                seien.
                                                                                                                                                                                          Das waren gute Infos, die ich vom Hypnotiseur er-
Anwendung                                                                                                                                                                                 hielt, und ich bedankte mich für das Interview.
Ein Beispiel wie Hypnose angewendet wird ist bei Prüfungsangst. Wenn man der zu hypnotisierenden Person dem
leicht schläfrigen Zustand nahe gebracht hat, durch eine sanfte Stimme, einer bequemen Liege und einen angenehmen
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-Hatten sie schon mit Fällen zu tun wobei Hypnose eine Rolle gespielt hat?
       ARBEITSJOURNAL                                                                                                        Zu dieser Frage noch, ich war einmal bei einem Hypnotiseur, der Hypnose sozusagen als Therapie anbietet,
                                                                                                                            auch um Fragen zu meiner Geschichte zu beantworten, und er meinte, dass die Hypnose immer gewollt sein
                                                                                                                            muss von demjenigen, der hypnotisiert wird.

Nachdem ersten Interview wurde mir aber klar, das mit meinen Erfahrungen Games zu machen, nur eine sehr amateur-            Sie hätten eigentlich noch nie mit einem solche Fall zu tun gehabt und haben bisher auch nicht von so etwas
hafte Version herauskommen würde. Also entschied ich mich für Manga, da ich da sicherlich, durch mein regelmäßiges          gehört.
Zeichnen, eine höhere Qualität abliefern würde.

                                                                                                                            -Wie gehen sie allgemein mit jugendlichen Straftätern um? Was passiert mit ihnen, wenn sie eine Jugendstrafe
                                                                                                                            erhalten?
                       Wieso Manga?
                       Ich bin Halbjapanerin und wurde etwas beeinflusst von meiner Mutter.
                                                                                                                            Zu dieser Frage meinte sei, dass ich mich an die Jugendanwaltschaft wenden müsse.
                       Aber eigentlich hat mein Bruder mich zu Mangas gebracht. Ich las sie
                       und fand sie witzig, auch wenn das meiste auf Englisch übersetzt wurde
                       und ich die Animes auf Japanisch mit englischen Untertitel schaute. Ich
                                                                                                                            -Haben sie oft Fälle, in denen Jugendliche mit Drogen-Dealern zu tun haben? Oder sogar zu dem Drogen-Ring
                       lernte gleichzeitig japanisch und englisch, was meine Mutter meinem jun-
                                                                                                                            gehören?
                       gen noch nicht so vollen Gehirn damals zuschreibt. Und ich zeichne sehr
                                                                                                                             Haben sie allgemein viel mit jugendlichen Straftätern zu tun?
                       oft. Ich nehme überall zumindest einen Bleistift und Papier mit. Ich liebe
                       Manga und das Zeichnen und will auch an der ZHdK (Zürcher Hoch-
                                                                                                                            Da solche Drogenringe international sind und die meisten voneinander gar nichts wissen, ist es schwer einen
                       schule der Künste) Game Design studieren. Eine gestalterische Arbeit für
                                                                                                                            ganz Ring zu Fall zu bringen. Jugendliche sind da sehr rar und haben eher mit etwas harmloseren Drogen
                       die Mappe, die ich abgeben muss für die Anmeldung, würde sich sicher
                                                                                                                            zu tun, vor allem mit dem Konsum.
                       nicht schlecht machen.

                                                                                                                            -Welche Strafe bekommt der Anstifter einer Tat? Die gleiche wie der Täter? In meiner Geschichte ist der „Bö-
2. Interview                                                                                                                sewicht“ die Anstifterin vieler Taten. Werden dann alle Strafen der Täter zusammengerechnet und sie muss
Die Polizei                                                                                                                 sozusagen die Summe davon absitzen?
Das zweite Interview, ungefähr im Dezember 2011, führte ich mit der Sprecherin der Zürcher Kantonspolizei. Sie bekä-
men regelmäßig Anfragen für Interviews für Maturarbeiten, weswegen sie auch meiner Anfrage positiv gestimmt war.            Auch bei dieser Frage sollte mich an die Jugendanwaltschaft wenden.
Unten die E-Mail mit meinen Fragen, plus die ungefähre Wiedergabe der Antworten zu den Fragen während des Inter-
views bei der Zürcher Kantonspolizei:
      Liebe Frau Surber
                                                                                                                       Die Stimmung
      Danke für ihre positive Antwort.                                                                                 Als ich dort in Zürich war, war es für mich persönlich merkwürdig. Wir waren allein in einem Zimmer, sie war freundlich
                                                                                                                       und hörte mir zu und als ich ihr erzählte, um was für eine Geschichte es sich handelte, wollte sie dann, wenn ich die Ma-
      Hier wären meine Fragen:                                                                                         turarbeit abgebe, eine PDF-Version davon. Auch die Zeichnungen, die ich mitbrachte, fand sie interessant. Auch Patrick
                                                                                                                       Steiner hat das erwähnt, dass er, ihm sagte ich noch, dass ich ein Game machen will, eine CD will. Aber zum Manga sagte
      -Wie gehen sie vor bei einem Fall wie Entführungen? Gehen sie zuerst zu den Angehörigen oder direkt zum Ort      er dann auch ja. Ich hoffe, dass ich die beiden damit nicht enttäusche.
      des Geschehens?

      Wie erwartet, sehen sie sich jedes Detail an und untersuchen jeden Hinweis.                                      3. Interview
                                                                                                                       So wendete ich mich beim dritten Interview an die Jugendanwaltschaft Zürich. Genau wie bei der Zürcher Kantonspo-
      -Wie gehen sie vor wenn der Tatort ein öffentlicher Platz ist wie eine Schule oder ein Bahnhof?                  lizei schrieb ich ihnen eine E-Mail, von ihrer Webseite hatte ich die Emailadresse, und wurde weitergeleitet zu einem
       Lassen sie ihn sperren für die Zeit der Untersuchung?                                                           Herrn Killer der Jugendanwaltschaft Uster, da sie in meiner Region ist.
                                                                                                                       Sie ist eher abgelegen und wenn man nicht genau weiß, wo sie ist, läuft man etwas herum. Aber ich bin angekommen
      Sie lassen den Ort für eine Weile sperren und keiner, auch zum Beispiel die Verantwortlichen für den Bahn-       und wurde nicht von Herr Killer (sein Name lautete wirklich so), sondern von seinem Angestellten begrüsst. Er hatte nur
      hof würden einen Aufstand machen und lassen sie arbeiten. Doch Hinweise zu sammeln, ohne Zeugenaus-              circa eine halbe Stunde, aber das ist viel Zeit bei einem Anwalt und ich brauchte auch nicht länger.
      sagen, seien schwierig, da hier hunderte von Fußspuren liegen und auch DNA-Spuren zu Haufen den Ort
                                                                                                                       Das Jugendstrafrecht
      belegen.
                                                                                                                       Zuerst erklärte er mir, dass der Hauptunterschied vom erwachsenen und jugendlichen Straftätern das Ziel der Strafe ist:
                                                                                                                       Beim Erwachsenen einfach die Strafe, beim Jugendlichen die Prävention.
      -Welche Hinweise würden für sie ausreichen um anzunehmen, dass hinter dem Verbrechen eines Täters noch
                                                                                                                       Bei vielen jugendlichen Straftätern käme es nur zu einer ersten leichten Tat. In ungefähr 90 Prozent können die Anwälte
      ein Anstifter steckt?
                                                                                                                       selber Strafen sprechen. Der jugendliche Straftäter sitzt dann im Büro des Anwalts, der sein Protokoll schreibt und be-
                                                                                                                       kommt seine Strafe. Der Jugendliche hat dann die Möglichkeit, Einspruch zu erheben und das ganze vor ein Gericht zu
      Zu so etwas kommen sie durch Aussagen von Zeugen und Komplizen. Sonst ist es eher schwierig so etwas
                                                                                                                       ziehen, aber das käme sehr selten vor. Meist kommt es auch nicht ins Strafregister, da man den Jugendlichen nicht die
      herauszufinden.
                                                                                                                       Zukunft verbauen will.
                                                                                                                       Wirklich Sorgen machen ihm die 5 %, die immer wieder Strafen begehen und auch von familiären Ständen her nichts
                                                                                                                       anderes kennen. Es gibt zwar einige, die einfach rebellieren wollen und Erwachsene nicht ernst nehmen. Doch dem An-
08                                                                                                                                                                                                                                          09
ARBEITSJOURNAL

                                                                                                                            2011, Weihnachten, bekam ich dann auch den Intuos 4, ein Graphiktablett. Mit dem wollte ich den Manga gestalten, statt
                                                                                                                            traditionell mit Tusche, Zeichenfeder (oft wird der G-Pen gebraucht), und Lineal. Ab und zu zeichnete ich dann darauf
                                                                                                                            als Training.
walt war es etwas mulmig zu Mute, als er sagte, dass einige so weiter machen bis sie erwachsen sind und sie nicht mehr
geschützt werden. Dass sie so ihre eigene Zukunft verbauen.
                                                                                                                            Ein Graphiktablett, der Intuos 4

Heim
Es gibt sehr viele verschiedene Heime für Jugendliche in
der Schweiz, um zum Beispiel dort ihre Strafe „abzusit-
zen“. Es gibt solche, die nur harmlose Straftäter nehmen                                A
und solche, die sich speziell um Wiederholungstäter
kümmern.
Es gibt auch Heime, die innerhalb des Heims ein „Le-
vel-System“ haben. Verhält man sich vorbildlich, steigt
man auf und hat größere Freiheiten, wie Fernseher und
                                                                                        B
Magazine, verhält man sich hingegen schlecht, steigt
man ab und muss mehr der Hausarbeiten erledigen und
hat weniger Freiheiten. Für ein Heim muss sich der Ju-
gendliche bewerben und abwarten, bis er angenommen
wird. In einigen Heimen gibt es auch intern zum Bei-
                                                                                        C
spiel eine Schreinerei, in der die Jugendlichen eine Lehre
vollziehen können.


Aus der Betreuersicht
Von meinem Vater, dessen Bekannte sich um jugendli-
che Straftäter psychologisch kümmert und meist auch
Drogenprobleme haben, habe ich erfahren, dass es für
sie eine sehr harte Realität ist. Sie verliere immer wie-
der ihre, ich nenne sie mal „Patienten“ an Drogen. Meist
sind diese dann an Überdosis gestorben. Auch diese Re-
alität gibt es in der Schweiz, auch wenn sie in der Min-
derheit vorliegt.



                                                                         Drogenkonsum und andere Strafdelikte               So, dass war in der Zeit der 4.
                                                                         Zurück zum Anwalt. Er erklärte mir weiter,         Klasse.
                                                                         als ich Fragen zu den Drogen stellte, dass er      Die Geschichte entwickelte sich
                                                                         sicher, er zeigte zu einem Kasten hinüber, 30      weiter, Hypnose und nun auch
                                                                         Fälle dort drin habe, in der Drogen verwi-         Hirnwäsche kamen vor, die In-
                                                                         ckelt sind.                                        terviews gaben mir reichlich
                                                                         Viele, sehr viele Jugendliche konsumieren          Ideen. Als ich eine Begleitper-
                                                                         nach seiner Meinung Drogen, wenn es auch           son suchte, hatte ich bereits fast
                                                                         eher harmlose sind. Doch die Fälle, die er         einen Ordner voll mit Skizzen
                                                                         hat, seien nur eine dunkle Ziffer, da die Kon-     von Charakteren und wandte
                                                                         sumation zum Beispiel in Clubs und im Aus-         mich dann an Herr Kobelt. Er
                                                                         gang wohl kaum von der Polizei überwacht           habe noch nie jemand gesehen,
                                                                         werden kann. Andere Strafdelikte, die öfters       der so viel Vorarbeit, vor der
                                                                         begangen werden ist der Schaden an Dingen,         5. Klasse, gemacht hatte.
                                                                         eingeschlagene Fensterscheiben, allgemein          Weiter schrieb ich ca. 50
                                                                         Vandalismus und Diebstahl. Auch bei ihm            Seiten reinen Text der Ge-
                                                                         bedankte ich mich. Aber man merkte, dass er        schichte. Es war fast ein
                                                                         nicht viel Zeit hatte, so fragte ich nicht mehr,   Roman.
                                                                         ob er auch eine PDF-Variante meiner Matur-
                                                                         arbeit wollte.
Startschuss, mit dem Drehbuch in den Sommer
       ARBEITSJOURNAL                                                                                                      Die Drehbuchform war praktisch, da ich sozusagen jedes neue Panel sah, nämlich fast immer, wenn der nächste etwas
                                                                                                                           sagte und das ist in der Drehbuchform klar ersichtlich. Diese Form wurde mir auch von meinem Bruder empfohlen.
                                                                                                                           Gelesen wurden diese Seiten dann von Herrn Kobelt und meinem damaligen Deutschlehrer Herr Ebert. Beide meinten,
                                                                                                                           dass sei jetzt gut umsetzbar als Manga. Herr Kobelt bemängelte noch, dass man vielleicht nicht alle Andeutungen ver-
Im Bereich des Möglichen                                                                                                   steht, aber es war meine erste längere Arbeit an einer Geschichte und auch Herr Kobelt meinte, dass ich endlich anfangen
Herr Kobelt las die 50 Seiten und gab mir reichlich Tipps. Wir stellten dann fest, dass ich das alles unmöglich zeichnen   sollte, die Seiten zu zeichnen. Das war vor den Sommerferien 2012.
konnte. Es kamen zu viele verschiedene Themen vor, erste Liebe, Drogen, Entführung, ect, und sehr, sehr viele Personen.    Ich zeichnete die ersten paar Seiten vor, zuerst sehr grob, war unzufrieden mit der Panelaufteilung und ich wollte so an-
Und wenn ich das ganze zeichnen will, bräuchte das 3-4 Jahre und nicht als Schülerin. Also musste ich die ganze Story      sprechende Seiten wie möglich machen. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass ich der Geschichte und der Vorstellung
umkrempeln.                                                                                                                in meinem Kopf mit meinem zeichnerischen Talent nicht gerecht werden würde. Schliesslich sieht das, was man sich
                                                                                                                           vorstellt auch immer gut aus.
                                                                                                                           Doch in den Sommerferien packte es mich.
                                                                                                                            Es war eine Zeit des sehnsüchtigen Blickes nach draussen. Ich konnte nicht nach draussen, denn ich wollte so viele Seiten
                                                                                                                            wie möglich gezeichnet haben.
                                                                                                                            Material
                                                                                                                            Üblicherweise werden, Tusche, G-Pen und andere Materialien verwendet für das Zeichnen von Mangas. Diese sind im
                                                                                                                            Sachteil genauer erklärt.

                                                                                                                            Ich entschied mich für ein Graphiktablett, den Intuos 4.
                                                                                                                           Den wünschte ich mir zu Geburtstag und Weihnachten zusammen und es ist eine Investition für die Zukunft, da Com-
                                                                                                                           puter-Graphik unerlässlich ist für Design.
                                                                                                                           Vorteile und Nachteile
                                                                                                                           In der Sachebene später wird erwähnt, wie wichtig die Linienführung ist für Manga, in dem hauptsächlich Schwarz und
                                                                                                                           Weiß verwendet wird. Auf dem Graphiktablett, auf dem ich noch nicht so viel Erfahrung hatte, war die Linie anfangs
                                                                                                                           nicht so gut. Es gibt keinen Widerstand auf dem Tablett wie auf dem Papier, es war anders, aber das Bild erschien sauberer
                                                                                                                           als wenn ich auf Papier zeichne. Andere Nachteile brachte das Bearbeitungsprogramm Corel Paintshop, das manchmal
                                                                                                                           streikte oder Dinge nicht so darstellen konnte wie ich wollte.


                                                                                                                           Der Überblick über den Arbeitsprozess:

                                                                                                                           Vor dem Graphiktablett sass dann ich also. Mit einiger Angewöhnungszeit an den Stift und das Tablett zeichnete ich.
                                                                                                                           Ich gewöhnte mich auch an das Programm, Corel Paintshop, ein Bildbearbeitungsprogramm. Es war bereits auf meinem
                                                                                                                           Laptop, also nutzte ich es. Ebenen konnte man auch hier bearbeiten, also kam es mir gelegen. Ich zeichnete anfangs zu-
                                                                                                                           erst die Manga-Seiten vor.
Die Änderungen                                                                                                             Dann scannte ich sie ein und bearbeitete sie weiter. Zuerst entstanden die Outlines. Von ersten zwei Seiten entstand
Sebastian war in der 50-seitigen Variante die Hauptfigur, nicht mehr Teresa, und in der ca. 19 seitigen Drehbuchform,      schon früh die Version mit Rasterfolie. Die hatte ich aus dem Internet und für Rasterfolien muss man auch keine Quel-
mit einer völlig neuen, simplen Geschichte mit einer übersichtlichen Anzahl an Charakteren, war es nun Mimi, die als       lenangaben machen. Ausser, wenn sie jetzt zum Beispiel auf deviantart von einem Nutzer bereitgestellt werden und steht,
Hauptperson diente.                                                                                                        dass man einen Link zu Konto machen solle.
                                                                                                                           Nach den Sommerferien hatte ich die Outlines von sage und schreibe 38 Seiten. Ich war ausgelaugt. Aber meinen sehr
1.	     Gargon und die verschwundenen Schüler kamen nicht mehr vor. Die Überlegung war, dass ich Gargon nicht              groben Vorskizzen, mittlerweile nur noch auf dem Graphiktablett erstellt, zufolge, sollten es bis zum Ende der Dreh-
„verbrennen“ sollte für die simple Geschichte. Also übernahm ich von der alten Geschichte Teresa, Theodor, Mimi, Se-       buch-Geschichte 82 Seiten werde. Vor den Herbstferien entschied ich mich zusammen mit Herrn Kobelt dafür, dass ich
bastian und Frederic. Die neuen Charaktere waren Lisa, Elena, Miranda, Niklas und Tiziano.                                 nur „Part 1“, also den ersten Teil, mit einem Kliff-Hänger an einer spannenden Stelle zeichnen sollte. Es nahm mir eine
                                                                                                                           große Last ab. Denn mittlerweile hat sich von allen Vorskizzen der zweiten Version mit Sebastian als Hauptfigur ein
2.	      Mimi änderte ihren Charakter und ihr Aussehen. Sie brauchte einen auffälligeren Stil, ein Kennzeichen, damit      ganzer Ordner voller Skizzen und Zeichnungen angesammelt. Von der dritten, mit Mimi als Hauptfigur ungefähr ein
sie leicht erkennbar war im Manga.                                                                                         halber Order voll. Mir wurde noch nie so klar wie an diesem Punkt bewusst, wie viele Blätter ich eigentlich vollkritzeln
                                                                                                                           konnte, wenn ich wollte.
3.	     Im Vordergrund soll dann das Verschwinden von Miranda, der besten Freundin von Mimi, stehen.                       In den Herbstferien kam nun der Endspurt: Hauptsächlich die Rasterfolien und noch 4 Seiten mussten gezeichnet wer-
                                                                                                                           den, um bis zum Ende des ersten Teiles zu kommen. Von den 38 Seiten waren auch manche dabei, die plötzlich irgendwo
4.	     Hypnose soll noch vorkommen. Ihre Rolle kommt aber erst im zweiten Teil vor.                                       im zweiten Teil vorkommen. Ich fand diese Seiten interessanter zu zeichnen, weswegen ich zuerst diese schön zeichnete.
                                                                                                                           Aber nach der Reihe wäre wohl besser gewesen.
Einige Änderungen und Opferungen. Hätte ich auch noch Teresa und Theodor verschwinden lassen müssen, hätte ich             Mit Indesign fügte ich noch den Text hinzu. Es war ein langer Weg, für mich eine grössere Zeitspanne als andere, aber ich
die ganze Vorarbeit ab dann gehasst und als Verschwendung empfunden. Außerdem wollte ich zumindest einen verrück-          sehe, wie sich alles entwickelt hat und zu dem, was es jetzt ist, geworden ist. Das Ende war erreicht, in gewissem Sinne.
ten, merkwürdigen Charakter und Theodor war das perfekte Exempel dafür, jedenfalls in meiner Vorstellung.                  Nun wartete noch der Schöndruck im B6-Format als Manga-Büchlein. Doch das kann bis nach der offiziellen Abgabe
Vielleicht finde ich verrückte Personen auch zu interessant. So wurde die Geschichte neu aufgerollt. Der rote Faden soll   am 22.Oktober, 2012 warten.
hauptsächlich mit dem Vorgehen von Mimi und Teresa zu tun haben.


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ARBEITSJOURNAL




Arbeitsprozess im Detail
Ich begann mal mit dem Drehbuch, der Geschichte, und zeichnete die
Charaktere. Von vorne, von der Seite mit verschiedenen Kleidern. Auf den
vorherigen Seiten werden ein paar Skizzen gezeigt. Die Charaktere soll-
ten ein simples Design haben, da ich sie immer wieder zeichnen werde,
aber dennoch leicht erkennbar. Es ist unabdingbar, sich nicht auf ein Bild
zu versteifen und das Ganze entstehen zu lassen. Auch wenn man sagt;
„Ich weiß, wie es aussieht, aber kann es nicht zeichnen“, stimmt das nicht,
meiner Meinung nach. Weil man nicht weiß, wie es aussieht, kann man es
nicht zeichnen. Deshalb sollte man sich annähern, sich Inspiration suchen
in Bildern, in anderen Mangas oder den Kleidungsstil von Freundinnen
oder Freunden anschauen und die vielleicht einbauen. Man kann sich von
alles inspirieren lassen. Die Augen offen zu halten ist wichtig. Vor allem am
Anfang. Eine gewisse Richtlinie zu haben ist aber trotzdem nicht schlecht.
Zum Beispiel soll es mehr um Kämpfe gehen, weswegen ihr die Geschichte
noch simpler hält als zum Beispiel bei einem Krimi. Charaktere machen
aber viel aus, vor allem wenn die Geschichte kurz ist und das sollte sie im
Rahmen einer Maturarbeit auch bleiben. Ich musste mich von Charakte-
ren trennen, einige Hintergrundinformationen zu ihnen weglassen. Es war
nicht ganz einfach, da ich sie doch während vielen Monaten im Kopf hatte
und ich sie plötzlich „still legen“ musste.




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Skizzen der 2. Version mit Sebastian in der                                    Skizzen der 2. Version mit Sebastian in der
     ARBEITSJOURNAL                      Hauptrolle                                                                     Hauptrolle


                                    Charaktere
          Sebastian                 Wenn die Story steht und ich eine gute Vorstellung der Persön-               Mimi
                                    lichkeit der Figur hatte, habe ich angefangen sie zu zeichnen.
                                    Ich schränke mich nicht mit einer Idee ein, lieber beginne ich
                                    mit einer ungefähren Skizze eines Körpers.
                                    Das Geschlecht und das Alter waren von der Geschichte schon
                                    bekannt. Also dachte ich nach, ob sich die Figur viel bewegt.
                                    Da wären ein Minirock und Highheels nicht unbedingt prak-
                                    tisch. Also dachte ich an eher einen praktischen Stil.
                                    Wenn die Figur was ausstrahlen sollte, das mehr einem Com-
                                    puter-Nerd entsprechen sollte, erinnerte ich mich an Klischees.
                                    Aber sehr lange habe ich mich nicht mit den Charakteren auf-
                                    gehalten. Einerseits wegen der Zeit und andererseits weil ich
                                    die Priorität auf die Gesichtsausdrücke und den eigentlichen
                                    Manga-Seiten gesetzt hatte.
                                    Denn die machen die größte Arbeit. Schwerpunkte versuchte
                                    ich auf die Einfachheit des Designs und der Erkennbarkeit zu
                                    setzen, damit es keine Verwirrungen gibt während des Lesens.




                                                                                                                                               Frederic

                                                                                                      Frederic
                      Theodor, Sebastian & Teresa




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ARBEITSJOURNAL


                               Skizzen der 3. Version mit Mimi in der Haupt-   Die Orte
                               rolle                                           Wenn ich Zeit hatte, begann ich die
                                                                               Räume zu zeichnen, die man im Man-
                                                                               ga sehen würde. Diese Bilder waren
                  Mimi                                                         vor allem hilfreich, wenn ich im Man-
                                                                               ga Totale zeigte, also einen Überblick
                                                                               über den Raum. Es ist wichtig, ver-
                                                                               schiedene Blickwinkel zu zeigen oder
                                                                               sich von den Gesichtern der Charak-
                                                                               tere wieder zu entfernen. Es macht ei-
                                                                               nen anderen Eindruck und langweilt
                                                    Theodor                    nicht. Außerdem sollte sich der Leser
                                                                               in das Geschehen hineinfüllen und zu
                                                                               wissen wo der Charakter sich aufhält
                                                                               ist angenehmer zum Lesen. Auch hat
                                                                               es mir Spass gemacht manchmal mich
                                                                               sehr um den Hintergrund zu küm-
                                                                               mern um der Geschichte mehr Stim-
                                                                               mung zu verleihen oder vor allem
                                                                               deutlich zu machen, das die Charak-
                                                                               tere an einem nun anderen Ort sind.




                      Teresa




                                                   Niklas, Elena

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ARBEITSJOURNAL


Die Vorskizzen zu den Mangaseiten
Ich hatte Vorskizzen zu der langen Geschichte, die schon nicht schlecht waren. Ich merkte, dass meine immense Menge
an gelesenen Mangas mir ein gutes Gefühl für eine eigentliche Manga-Seite gab. Wann das Panel klein sein sollte, ob es
schräg sein sollte, oder eine Totale zu zeigen oder nur den Charakter. Oder ein Panel mit abstrakten Hintergrund und
Text, um auf die Gefühle des Charakters einzugehen.


                            Alte Seite zur Version 2 mit Sebastian in der Hauptrolle                                     Skizzierte Seite für die 3. Version mit Mimi




20                                                                                                                                                                      21
ARBEITSJOURNAL


Die eigentlichen Seiten: Outlines
In den Sommerferien begann ich wie verrückt zu zeichnen. Ich wollte so viel wie möglich fertig haben, denn die Zeit
nach den Sommerferien ist kurz. Sie geht schneller vorbei als man denkt. Ich hatte vorskizziert, eingescannt und im Bild-
bearbeitungsprogramm mit meinem Graphiktablett bearbeitet.

                               Schritt für Schritt mit dem Intuos 4, Beispiel der Seite 21:




             Eine sehr grobe Skizze. Was für ein Blickwinkel der Leser hat und was für eine Panelaufteilung
                                                                                                                            Die Outlines lassen zwar alles rein und sauber wirken, doch viel Gefühl und Atmosphäre bringen sie
             die Seite bekommen sollte, war in diesem Teil wichtig.
                                                                                                                            noch nicht.
22                                                                                                                                                                                                                               23
Die Rasterfolien habe ich aus dem Internet. Ich begann zu zeichnen und mir vorzustellen, wie die Charaktere genau aus-
       ARBEITSJOURNAL                                                                                                   sehen würden, wenn sie diese Sätze aus dem Drehbuch sagten. Ich war dankbar, die Drehbuchform für die Geschichte
                                                                                                                        gewählt zu haben. Das Gesagte war getrennt und gut findbar im Dokument und mit Copy-Paste konnte ich das schnell
                                                                                                                        in die Seite hineinfügen.

                                                                                                                        Wieder die Menge
                                                                                                                        Als ich all die Seiten sehr schnell vorskizzierte, nach Drehbuch, so merkte ich, dass es ungefähr 82 Seiten werden wür-
                                                                                                                        den. Das Zeichnen verlegte sich auch mehr und mehr auf das Tablett am Computer, den ich merkte, je mehr ich mit
                                                                                                                        diesem Mittel handhabte, desto besser würde das Endergebnis aussehen. Zumindest war das am Anfang eine Vermu-
                                                                                                                        tung, die sich später nur langsam bestätigte. Die Zeit schwindet und mit meiner Begleitperson entschied ich mich nach
                                                                                                                        den Sommerferien, nur den ersten Teil mit einem Cliffhanger aufhören zu lassen, an einer spannenden Stelle. Nach den
                                                                                                                        Sommerferien war ich geschlaucht, brauchte Abwechslung und die 38 Seiten saßen mir im Nacken. Das war nirgends wo
                                                                                                                        ich sein wollte und unter der Woche zu zeichnen, mit Unterbrechungen und die Gewöhnung an das sechste Schuljahr
                                                                                                                        mit Prüfungen war nicht leicht. Bald waren es 30 Seiten, die ich nun für den ersten Teil hatte, die übrigen Seiten waren
                                                                                                                        von späteren Teilen der. Eine Seite fertig zu haben ist vor allem am Anfang sehr aufbauend, doch mehr und mehr wurde
                                                                                                                        es nur zu einer kurzen Verschnaufpause. Dass ich das Ganze zu einem ersten Teil mit offenem Ende umwandeln konnte,
                                                                                                                        nahm mir eine große Last von den Schultern. Ich lernte mich selbst während der ganzen Maturarbeit sehr gut kennen.
                                                                                                                        Ich merkte, dass ich überengagiert war, wenn es um eigene Werke ging. Ich wollte eine sehr gute Arbeit liefern und war
                                                                                                                        mit mir selber sehr streng.
                                                                                                                                                                                                                    Wenn die Erwartungen so
                                                                                                                                                                                                                    hoch und schwer sind, dass sie
                                                                                                                                                                                                                    niemals in der Realität umsetz-
                                                                                                                                                                                                                    bar sind...




                                                                                                                        Übers Ziel hinausgeschossen
                                                                                                                        Wäre ich etwas weniger ehrgeizig gewesen, hätte ich zwar die 38 Seiten nie während den Sommerferien fertig gebracht,
                                                                                                                        aber ich hätte mich mit einer simplen, einfachen Story zufrieden gegeben, die ich schneller fertig hätte. Ich hätte mich
                                                                                                                        wirklich für eine einfachere Story mit starken Charakteren entscheiden sollen um dem zeichnerischen Teil noch mehr
                                                                                                                        Zeit zu geben. Manchmal bereue ich es, nicht viel früher an diesen Seiten gesessen zu haben, aber vor den Sommerferien
                                                                                                                        kam es zu einigen Änderungen der Geschichte. Ich wollte nicht zeichnen, bevor die Geschichte nicht gut war. Aber eine
                                                                                                                        simple, gute Geschichte, hätte sich viel eher für das Zeichnen geeignet. Ich hätte mir mehr Zeit für die einzelnen Seiten
                                                                                                                        nehmen können und jede einzelne Seite zur Perfektion polieren können. Aber der Hacken am Zeichnen ist das endlose,
                                                                                                                        man kann das Bild immer ändern, das Gefühl haben, es könnte immer noch viel besser sein. Doch nie wird man voll-
                                                                                                                        kommen zufrieden sein. Ich musste die Seiten zur Seite legen. Nach einer Weile, in der ich die Seiten nicht sah, konnte
                                                                                                                        ich sie mit einer gewissen Zufriedenheit ansehen. Ich vergleiche mich gern mit professionellen Artisten, da ich später
                                                                                                                        gestalterisch arbeiten will, aber hohe Ziele haben einen langen Weg, und die Zeit für die Maturarbeit mag lang klingen,
                                                                                                                        ist aber kurz für hohe Ziele. Mein Handgelenk schmerzte mir auch manchmal, da ich nicht an das Graphiktablett ge-
                                                                                                                        wöhnt war. Es war ein reines Problem der Stellung, man merkt zuerst nichts, aber über 3 Stunden am Stück zu zeichnen
                                                                                                                        und dass durch die ganzen Wochen der Sommerferien machten sich bemerkbar. Und all die Mühe, die hinter dieser
                                                                                                                        Arbeit steckt, wird nicht sichtbar sein, weil einige Teile gar nicht mehr zur eigentlichen Maturarbeit gehören. Obwohl die
                                                                                                                        später gezeichneten Seiten noch besser aussehen, als die im ersten Teil. Aber ich polierte die Seiten zumindest weiter mit
Nun mit Rasterfolie. Normalerweise wird mit Verdickungen der Linien gezeigt wo Schatten existieren im Manga, statt      Rasterfolie, wobei ich dennoch sehr viel herausholen konnte. Doch vielleicht merkt man bei den ersten paar Seiten, dass
mit Rasterfolien. Aber man kann es auch mit Rasterfolien machen und etwas Schatten, nicht zu viel, lassen die Figuren   es eine Annäherung an Rasterfolie brauchte. Es durfte nicht zu viel Schatten haben, sonst hätte es eine andere erzielte
deutlicher und dreidimensionaler wirken als zuvor. Außerdem bringen verschiedene Grautöne die Unterschiede der          Wirkung.
Charaktere hervor und man kann sie leichter erkennen. Auch bringen Rasterfolien Struktur in die Fläche, sie können
grob oder feinkörnig wirken oder Linien haben.
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ARBEITSJOURNAL
                                                                                                                           Zeitplanung




Weitere Probleme
Ein Problem, das ich hatte, war die Verpixelung der Manga-Seiten. Wenn ich die Manga-Seiten aber zu groß hatte, musste
ich nach jedem Strich warten, bis das Programm wieder geladen war und ich weiterzeichnen konnte. Irgendwann konnte
ich mich auf eine Größe zwischen den Extremen entscheiden, aber dennoch, ich hätte lieber mit Photoshop gearbeitet als
mit Corel Paintshop. Ich musste mich auch mit der Linienführung zufrieden geben. Ich konnte nicht in kurzer Zeit mich
zum Super-Artisten wandeln und plötzlich super Bilder zeichnen, ich konnte auch gleichzeitig nicht alle Zeit der Welt
auf eine Seite verwenden. Ich musste den Kompromiss eingehen von Qualität, Zeit und Quantität.




Sprechblasen und das Einfügen von Text



                                                                                                                           Es gab bei mir keine wirklich genaue Zeitplanung. Ich hatte anfangs versucht mir eine Zeitplanung zu machen, aber das
                                                                                                                           führte dazu, dass ich mir zu viel vornahm für eine gewisse Zeitspanne, aber das liegt an meiner Persönlichkeit, nicht
                                                                                                                           unbedingt an der Methode. Also ließ ich das zeitliche Planen mehr und mehr und für das Zeichnen braucht man auch
                                                                                                                           zur richtigen Zeit Motivation und Inspiration, die man nicht erzwingen kann. Mal hat man Lust zu zeichnen, mal nicht.
                                                                                                                           Aber da ich oft zeichne und ich die Maturarbeit doch gern mache, war die nicht genaue Planung kein wirkliches Pro-
                                                                                                                           blem. Aber ich scheute mich wahrscheinlich ein wenig, den Mange wirklich zu zeichnen, da ich befürchtete, dass die
                                                                                                                           Zeichnungen der Geschichte nicht gerecht werden würden, aber vor allem meinen Ansprüchen.




                                                                                                                           Weiterführung zur Dokumentation und Sachebene
                                                                                                                           Nun kommen in den nächsten Seiten Themen zum Manga,
Ich habe mit Indesign gearbeitet, und dafür die kostenlose Testversion der CS6 von der Adobe Homepage heruntergela-        nämlich in der Sachebene. Ich habe mich per Wikipedia und
den. Das Ganze, wie es beim Manga-büchlein üblich ist, wollte ich im B6-Format machen. Das war sogar kleiner als A5        Internet, dem Manga Bakuman, der sehr ausführlich den
und den Text in das Panel hineinzubringen und an die richtige Stelle zu tun war schwieriger. Doch beim Zeichnen hatte      Werdegang und das Leben als Mangaka in Japan zeigt, und
ich mich selbst entschieden, noch keine Sprechblasen hineinzufügen, da ich nicht wusste, wie viel Platz ich für den Text   mit meiner Mutter ausführlich mit dem Thema befasst. Dieser
im B6-Format beanspruchen würde. Also ging das mühselige Copy-Paste los, jede einzelne Zeile in ein neues Textfeld         Teil hat mir viele neue Informationen während der Recherche
und anpassen, mit einer weissen Ellipse hinter den Text die Sprechblase andeuten. Da mein Graphiktablett in den Herbst-    geliefert, den ich zuvor über Manga gar nicht wusste. Zum
ferien nicht mehr richtig reagierte, musste ich die Sprechblasen in der ausgedruckten Variante selber nochmal per Hand     Beispiel wie es zu seiner heutigen Form gab und was Manga
nachfahren. Alles in allem ist aber Indesign ein tolles Programm und meine Erfahrungen als Layouterin im kuss-Team         zum Manga macht. Es gab mir eine andere Ansicht auf meine
der Schülerzeitung halfen mir enorm. Während des Hineinfügens zeichnete ich noch die letzten vier Seiten fertig und        geliebten Mangas und verdeutlichte mir auch, dass viel hinter
machte noch die Zwischenkapitelbilder und das Cover. Der Endspurt war hart.                                                dieser Form steckt.




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Tezuka Osamu
           SACHTEIL
                                                                                                                           Die weiterführende Geschichte des Mangas lässt sich nicht ohne die Erwähnung von Tezuka Osamu, der am 3. Oktober
                                                                                                                           1928 geboren wurde, erzählen. In Japan wird zuerst der Nachname erwähnt, dann der Vorname, also geht es hier um
                                                                                                                           Herr Tezuka.

                                                                                                                                                                                           Kindheit
Manga - Der japanische Comic                                                                                                                                                               Zu Tezukas Kindheit war der Mangaboom zwar da, aber
                                                                                                                                                                                           nicht in den Ausmaßen von heute. Die einzige Form des
                                                                                                                                                                                           Mangas, die man damals häufig sah, war der Comcis-
Der Manga ist tief verwurzelt in der japanischen Kultur. Einerseits wird er von rechts nach links, also „rückwärts“ für
                                                                                                                                                                                           trip, auf Japanisch 4-koma-Manga (Aussprache „yon-ko-
uns Europäer gelesen. Andererseits gibt es stichhaltige Unterschiede zu den westlichen Comics. In Mangas werden
                                                                                                                                                                                           ma-manga“). Der war vor allem beliebt bei Kindern und
hauptsächlich Grautöne verwendet und es wird sehr auf den Schwarz-weiß-Kontrast gesetzt. Mit den Linien werden
                                                                                                                                                                                           diente oft als Füller für Zeitungsseiten.
gekonnt räumliche Darstellungen gezeigt. Es gibt Panels (die einzelnen Bilder im Manga), die nur Text enthalten oder
                                                                                                                                                                                           Tezuka hatte schon immer gezeichnet und als er einmal
einen abstrakten Hintergrund haben, um die Gefühle des Charakters dem Leser näher zu bringen. Speedlines (dt.
                                                                                                                                                                                           vom Lehrer erwischt wurde, wie er sein Manga-Notiz-
Geschwindigkeitslinien) werden eingesetzt um Bewegung darzustellen und die Panelgrössen variieren, um der Szene,
                                                                                                                                                                                           buch für die Schule weiterführte, nahm ihm der Lehrer
die im Manga gezeigt wird, gerecht zu werden. Es wird mehr ausprobiert und experimentiert im Manga als im Comic.
                                                                                                                                                                                           das ab. Doch statt ihn zu belehren, zeigte der Lehrer das
Der Manga entstand früh und tritt vor allem heute in jeglichen Ecken Japans auf, sei es bei Erklärungen im Fernsehen
                                                                                                                                                                                           im Lehrerzimmer herum. Tezuka gewann viele Bewunde-
mit einfachen Zeichnungen im Mangastil oder des Designs von Schlüsselanhängern. Doch die heutige Form des Man-
                                                                                                                                                                                           rer und Fans. Sein zeichnerisches Talent gehörte nicht zu
gas wurde grundsätzlich von Tezuka Osamu beeinflusst.                                                                                                                                      den besten, aber er liebte das Erzählen. Stark beeinflusst
                                                                                                                                                                                           wurde er von seiner Mutter, die über 200 Manga-Bänder
                                                                                                                                                                                           kaufte und sie gerne ihrem Sohn vorlas. Sie sah auch ger-
                                                                                                                                                                                           ne Musicals an, zu denen Tezuka mitgenommen wurde
                                                                                                                                                                                           und er war auch fasziniert von Filmen. Sein Weg führ-
                                                                                                                                                                                           te aber weiter an die Medizinschule. Sein Grossvater war
                                                                                                                                                                                           Arzt und Tezuka brachte sein medizinisches Wissen spä-
                                                                                                                                                                                           ter in seinem Manga „Black Jack“ zum Vorschein. Allge-
Die Geschichte
                                                                                                                                                                                           mein interessierte sich Tezuka für viele Wissensbereiche,
                                                                                                                                       Das Perret war sein Kennzeichnen.                   Astrologie aber auch Insekten.
Die Frühform des Mangas war die illustrierte Bildrolle.
Sie hatte manchmal auch einen erotischen Zug, doch wur-
den so auch Fabeln und Legenden festgehalten.
Allgemein war und ist Kalligraphie die schriftliche Aus-
                                                                                                                                    Bis heute ist es üblich, dass sich Mangakas viel informieren und aufwändige Recherche betreiben, um
drucksweise der Japaner. Zuerst brachten die Chine-
                                                                                                                                    ihren Manga so interessant wie möglich zu gestalten. Es gibt einige Mangas, wie zum Beispiel „Wild-
sen über buddhistische Mönche Kanji, die chinesischen
                                                                                                                                    life“, die um Tierärzte oder allgemein Ärzte handeln. Oft interviewen Mangaka auch wie in diesem
Schriftzeichen. Diese Zeichen entwickelten sich aus Bil-
                                                                                                                                    Beispiel Ärzte. Zu jeglichen Themen gibt es Manga und jeder Mangaka versucht, seinen Manga so gut
dern. Deswegen werden die chinesischen Zeichen auch
                                                                                                                                    wie möglich zu machen um beliebt zu werden.
als Piktogramme bezeichnet. Bis heute gibt es in Japan
Wettbewerbe und Auszeichnungen für besonders schöne

                                                                                                                           „Manga no Kami“ (dt. Der Gott von Manga)
                                                                                                                           Tezuka wird bis heute als „Manga-Gott“ bezeichnet. Er hat viele Neuerung in den Manga gebracht und soweit verändert,
Kalligraphie, die dem Wort, das dargestellt wird, Leben einhauchen. Bereits in der Grundschule lernen die Kinder regel-    dass er viel zur heutigen Form beigetragen hat.
mässig den Pinsel zu führen, um die chinesischen Schriftzeichen besonders korrekt und elegant schreiben zu können.         1946, im Alter von 18 Jahren während der Uni, schickte er einen 200-seitigen Manga, „Shinkara Jima“ an einen Verlag. So
Neben den chinesischen Schriftzeichen verwenden die Japaner noch zwei weitere Alphabete. Wer viel Kanji gebraucht,         machte er sein Debüt und das Werk wurde 400‘000 mal verkauft, eine hohe Zahl für die Nachkriegszeit. Er war innovativ,
wirkt gebildet und die Kunst der Kalligraphie wird von vielen Japanern hochgeschätzt. Die Führung der Linie ist vor        da er den 4-koma-Manga durchbrach und die heutige übliche Seitenform eines Mangas, zeigte.
Jahrhunderten bis heute für die Japaner wichtig. Die Kalligraphie beeinflusst auch den Manga. Die Aussagekraft der
Bilder in Mangas ist gross und je nach Linienführung haben sie eine andere Wirkung. Talentierte Mangakas (dt. Man-         Die neue Leseweise
ga-Zeichner) können mit den wenigsten Linien eine anschauliche Geschichte erzählen. Von der Bildrolle entwickelte          Das ganze Blatt wird genutzt und statt dass man damals üblich in Japan zuerst die erste rechte Spalte und dann die linke
sich daraus die Frühform des Mangas und vor Tezuka hatte sich der Comicstrip durchgesetzt.                                 Spalte liest, las man bei Tezuka in Zeilen. Auch die ungefähre Einteilung der Seite in drei Zeilen behielt sich bis heute bei
Bsp. Eines westlichen und japanschen comcistrip zeigen) Er wird bis heute aber in einer Spalte gezeichnet, nicht wie bei   in vielen Mangas.
uns im Westen üblich in einer Zeile. Ein westliches Beispiel dazu wäre Garfield.
                                                                                                                           Der harte Alltag Tezukas
                                                                                                                           Seit diesem Anfang seiner Karriere musste er sein Leben als Medizinstudent und Mangaka ausbalancieren, Schlaf war
                                                                                                                           Mangelware und pro Monat musste er nun ein bis zwei Bücher heraus bringen, wenn auch vielleicht nicht so lang wie 200
                                                                                                                           Seiten, aber dennoch nicht viel weniger. Auch wenn durch die Mitteilung der Meinungen anderer er sich nun selbst dann

28                                                                                                                                                                                                                                                  29
Tetsuwan Atom – Astro Boy
                                                                                                                                                              Original von Tezuka
           SACHTEIL                                                                                                                                    Links der Manga, rechts der Anime




auch entschieden hatte, sich dem Beruf Mangaka statt Arzt zu widmen, führte er die Medizinschule fort.
1952 zieht er von Osaka nach Tokyo, der Hauptstadt Japans. Ein Jahr später zieht er in ein Appartement, „Toki wa sou“ in
der er auf seine Mitbewohner trifft, von denen einige später berühmte Mangakas werden, wie Fujiko Fujio, der Erschaffer
von Doraemon und Ishimori Shoutaro, der Kamen Rider zeichnete.

                Doraemon                          Tezukas Werke
                                                  Tezuka zeichnete viele Geschichten für Kinder, den Schritt zum Ziel-
                                                  publikumswechsel zu den Erwachsenen wagte er 1955. Er passte dafür
                                                  auch seinen Zeichenstil an.
                                                  Ein Jahr darauf folgend brachte er auch Bücher in Manga-Form her-
                                                  aus, die beim Lernen über Themen wie Astrologie und sonstigen Na-
                                                  turwissenschaften helfen. Er schrieb auch Bücher und Essay und war
                                                  sehr belesen.

                                                  Anime
                                                  1958 wagte er wieder einen neuen Schritt. All das Geld, das er mit
                                                  Manga verdient hatte, wollte er nun in Animationen (Animes) inves-
                                                  tieren. Er produzierte einen Film im Anime-Stil.                          Viele Animeproduzenten, wie heute auch Miyazaki Hayao (Mein Nachbar Totoro, das flie-
                                                                                                                            gende Schloss, Heidi) kritisieren Tezuka für diese Methode. Er hat so die Produktionskosten
Krise
                                                                                                                            gesenkt und alle Konkurrenten gezwungen ihren Verdienst zu senken, um ihre Produktio-
Im gleichen Jahr wurde „Gorgo 13“ populär, eine eher ernste Geschichte, dem Vorreiter dieses Typs Mangas und der
                                                                                                                            nen noch ausstrahlen zu können. Doch das birgt finanzielle Schwierigkeiten für die Anime
Trend wandte sich von Comedy zu ernsten Geschichten. Doch so etwas hatte Tezuka nie gezeichnet, in dem der Held
                                                                                                                            produzierenden Firmen. Bis heute verdienen Animatoren sehr wenig.
nicht zur lustigen Unterhaltung da war. Er verlor an Popularität und hatte deswegen Stress wie Neurose. Es war eine
dunkle Zeit für ihn.
Eine Änderung gibt es auch bei den reinen Manga-Magazinen, die nun von monatlichen Ausgaben zu wöchentlichen                     1967 kam „Jungle Taite“ als Anime heraus und gewann in Venedig einen Preis.
wechseln. 1959 heiratete er, doch vor der Heirat hatte er nur zwei Verabredungen mit seiner damaligen Freundin und
später Ehefrau, da er sehr viel arbeitete. Man sagt, er habe vielleicht 4 Stunden geschlafen in der Nacht und wenn es auf                              Links der Mangas, rechts der Anime:
den Abgabetermin drückte gar nicht. Er war auch vor der Hochzeit so beschäftigt, dass er eine Stunde zuvor noch seinen
fertigen Manga abgab und dann zur eigenen Hochzeit zu spät kam.

     Bis heute sind erfolgreiche Mangakas viel beschäftigt. Ein früher erfolgreicher Manga „Shaman King“, musste
     für eine Weile unterbrochen werden. Der Mangaka schrieb, dass sein Privatleben gelitten habe und er selbst
     körperlich die Anstrengung merke. Er wolle wieder seine Beziehungen pflegen, die auch gelitten haben, und
     er wollte sich auch um sich selbst kümmern. Gleichzeitig verdienen erfolgreiche Mangakas eine rechte Sum-
     me. Ein Beispiel wäre der Mangaka eines älteren Mangas „Hebi-shoujo“ (dt. Schlangenmädchen), der sein
     Haus renovieren liess und skurrile Dekorationen hinzufügte, die zu keinem anderen Zweck dienen als zur
     Überraschung vorbei gehender Menschen der Nachbarschaft. Der Mangaka von „Bleach“ kann es sich mitt-
     lerweile leisten nach immer einer Zeitspanne von 2 Jahren umzuziehen, weil ihm der Wohnort „zu langwei-
     lig“ wird. „Bleach“ wird seit 11 Jahren regelmässig veröffentlicht.


Mushi Production
Einen neuen Schritt wagte Tezuka 1961. Er wollte eine Anime-Serie herausbringen, die dann wöchentlich eine Episode
zeigen soll. Damals war das Neuland, nur Filme hat man bisher im Anime-Stil gemacht. Vieles wurde noch von Hand ge-
zeichnet und gemalt. Mit seinem Wohlhaben durch den Verdienst mit Mangas gründete er mit sechs weiteren Personen
die Firma „Mushi Production“ (Insekten Produktion) und produzierte innerhalb des folgenden Jahres einen 40minüti-
gen Film, „Aru Majikado no Monogatari“ (Die Geschichte eines Stadtviertels).
Den Lohn für die Arbeiter und die Produktion bezahlte Tezuka selbst und für den Film bekamen sie einen Preis.
1962 kam „Tetsuwan Atom“ (Eisenarm Atom), auch als „Astro Boy“ bekannt, heraus. Doch so eine aufwändige Produk-             Die Story und die Figuren ähneln und scheinen dieselben zu sein wie im Film „Der König
tion wie Disney konnten sie nicht machen, die 24 Bilder in einer Sekunde zeigten. So entstand die „limited“ Variante, in    der Löwen“ von Disney. Der Sohn Tezukas beschwerte sich, doch das wurde ignoriert.
der nur noch 10 Bilder pro Sekunde gezeigt werden. So sparten sie Geld und „Tetsuwan Atom“ wurde ein grosser Hit.
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SACHTEIL



Die schwierige Ausgangslage der Mushi Production                                                                            Eine Szene aus Bakuman: Die Assistenden und der Mangaka arbeiten gemeinsam am Manga
Doch das wenige Personal mit viel Arbeit war keine gute Lage für die „Mushi Production“. Pro Tag musste eine Person
66 Seiten zeichnen und malen. Durch die limited-Variante wurde das Produzieren zwar billiger, doch die Firmen, die
Anime produzierten, verdienten so zu wenig Geld, worauf Tezuka bis heute Einfluss hat. Seine Firma wurde dennoch
langsam grösser und „Tetsuwan Atom“ lief 4 Jahre lang im Fernsehen. „Tetsuwan Atom“, war ein Manga von Tezuka und
für eineinhalb Jahre gab die Vorlage noch genug Stoff, doch die Mitarbeiter mussten die Geschichte irgendwie weiter
fortführen. Weil sie aber eher auf Beliebtheit achteten, versahen sie den Anime mit zu vielen Kämpfen, was das vielleicht
zu frühe Ende nach 4 Jahren bedeutete. Neben alldem hat Tezuka immer noch Manga gezeichnet und durch seine Firma
und die wöchentlich ausstrahlenden Episoden von Anime-Serien neue Arbeitsplätze geschaffen.
Auch den Verlag und das Manga-Magazin „COM“ gründete er. Auch wenn er weiter zeichnete und so verdiente, ging
seine Firma bankrott und er allein schulterte die Schulden von 1.5 Millionen Yen auf sich.


Tezuka ist „zu alt“
Tezuka wurde zu dieser Zeit als „zu alt“ bezeichnet
und er verlor wieder seine Popularität, auch wenn
er viele verschiedene Mangas gezeichnet hatte, auch
Horror passend zum Yokai-Boom (japanische Dä-
monen und spirituelle Fabelwesen, vergleichbar mit
Poltergeistern, aber grösser in der Vielfalt).
Mit den Schulden und der schwindenden Popularität
                                                             Black Jack
begann 1968 seine dunkelste Zeit, die bis 1973 dau-
                                                             Dann kam aber „Black Jack“ im Magazin „COM“ her-
erte.
                                                             aus. Der Lektor dachte damals, dass man noch so gütig
                                                             sein sollte dem Herrn Tezuka seinen letzten Versuch
                                                             zu geben, doch überraschenderweise landete dieser              Der heute oft genutzte G-Pen für die Tusche in Mangas ist auch ihm
                                                             Manga einen Hit und so stieg er wieder in der Ran-             zu verdanken, mit dem man schneller und schönere Linien zeichnen
                                                             gliste auf.                                                    könne. Auch die Rasterfolien sind ihm zu verdanken.
                                                                                                                            Eine Szene aus Bakuman: Hier zeigt eine der Hauptfiguren den G-Pen:                Ein Beispiel einer Rasterfolie:
Als Mangaka sterben
1980 begann er mehr über sich selbst zu erzählen,
zu schreiben und zu zeichnen und beschäftigte sich
auch mit seinen Wurzeln und verfolgte seinen Famili-
enstammbaum bis in die Bakumatsu und Meji-Ära.
1988 war er an einem Festival in Shanghai. Als er zu-
rückkehrte, verschlechterte sich sein Zustand und die
Diagnose war Magenkrebs. Niemand sagte ihm, was
er genau habe, was, nach meiner Mutter, nicht unge-
wöhnlich war zu dieser Zeit. Er führte Tagebuch und
durch seine medizinische Ausbildung glaubt man, dass
er wusste, was er hatte, zumindest, dass er nicht mehr
gesund werden würde. Bis zu seinem Tod hat er weiter
Manga gezeichnet.



Weitere Erneuerungen, die Tezuka zu verdanken sind

Er war der erste, der mit Assistenten für seinen Manga arbeitete und auch so das Assistenten-System ausarbeitete. Heute     Ohne Tezuka, sähe der heutige Manga und auch Anime ganz anders aus. Assistenten und Materialien für den Manga
sind sie nicht wegzudenken, da die monatliche und wöchentliche Veröffentlichung mit der heutigen grossen Qualität           gäbe es gar nicht und auch die Seiyuus (dt. Synchronsprecher) hätten heute nicht so viele Jobs und Rollen. Er war auch
der Manga wohl kaum möglich wäre. Auch dass die Assistenten so bei einem „Meister“ lernen können und Erfahrungen            der erste, der eine wöchentliche Anime-Serie herausbrachte.
sammeln um selber später Mangaka zu werden ist heute ein üblicher Werdegang zum Mangaka.
32                                                                                                                                                                                                                                               33
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  • 1. mind diver Mind Diver - Ein Manga Anika Weber M6b Begleitperson: Kobelt Urs Maturitätsarbeit 2013 Kantonsschule Zürcher Oberland
  • 2. Inhaltsverzeichnis Arbeitsjournal Die Vorgeschichte zur jetzigen Form der Maturarbeit: Ein Manga 04 4. Klasse, 3 Interviews 1. Interview: Hypnotiseur 05 Wieso Manga? 08 2. Interview: Sprecherin der Zürcher Kantonspolizei 08 Frau Surber 3. Interview: Herr Killer der Jugendanwaltschaft Uster 09 Der Überblick über den Arbeitsprozess 13 Arbeitsprozess im Detail 14 Charaktere 16 Die Orte 19 Die Vorskizzen zu den Mangaseiten 20 Die eigentlichen Seiten: Outlines 22 Schritt für Schritt mit dem Intuos 4 22 Weitere Probleme 26 Sprechblasen und das Einfügen von Text 26 Zeitplanung 27 Weiterführung zur Dokumentation und Sachebene 27 Sachebene Manga – Der japanische Comic 28 Die Geschichte 28 Tezuka Osamu 29 Weitere Erneuerungen, die Tezuka zu verdanken sind 32 Der heutige Alltag eines Mangakas 35 Das erste Treffen mit dem Lektor: 35 Das Entstehen eines Mangas 35 Der Arbeitsplatz eines Mangakas: 36 Mangakas, zwei Beispiele: 37 Dragonball – von Toriyama Akira 37 ONE PIECE – von Oda Eichirou 38 Die Verbreitung in der Welt am Beispiel Deutschland 39 Interview mit der Firma Egmont 40 Das Schlussfazit der ganzen Maturarbeit 42 Danksagungen 42 Quellenangaben 43 02 03
  • 3. Recherche ARBEITSJOURNAL In der vierten Klasse machte ich dann 3 Interviews: Der Grund: In der Geschichte würden einerseits ju- gendliche Straftäter vorkommen, Problemkinder die von Gargon verbessert werden. Von ihnen hatte ich Die Vorgeschichte zur jetzigen Form der Maturarbeit: zuerst mal keine Ahnung. Und verbessert werden sie Ein Manga durch Hypnose, doch genaues dazu wusste ich nicht und ich wollte nicht einfach etwas erfinden und recher- Alles begann mit einem Bild. Darauf sieht man einen Jungen chierte vieles im Internet. Aber die Interviews halfen der das Loserzeichen, also ein L mit seinen Fingern formt, am meisten, da die Meinungen auf dem Internet ziem- macht und etwas verrückt aussieht. Das ist die Ur-Form von lich auseinander gingen und mir die Quellen nicht als Theodor, ein Charakter, der mysteriös bleiben sollte und sich glaubwürdig erschienen. nichts vorschreiben lässt. Dieses Bild entstand schon in der Da ich aber nichts von Transkribieren oder dem wirk- 3.Klasse und mir war nicht bewusst, dass daraus die Geschich- lichen Verarbeiten eines Interviews wusste, machte ich te zum jetzigen Manga entstehen könnte. Deswegen ist das einfach Notizen. Schließlich fand das alles in der vier- Bild mittlerweile nicht auffindbar, da ich es nicht behielt für ten Klasse statt und da wurde man zu solchen Dingen den Arbeitsjournal, der ja erst ca. 2 Jahre nach der Entstehung noch nicht informiert. des Bildes begonnen wurde. Aber es war wirklich nur eine will- kürliche Zeichnung. Ich hatte mir zuerst nichts dabei gedacht. Erste Skizzen Theodor und Teresa: Teresa Geschichtsentwicklung Langsam kam auch der Charakter Teresa hinzu und eine Geschichte entwickelte sich: Schüler ver- schwinden an ihrer Schule und kommen nach eini- 1. Interview gen Tagen wieder verbessert zurück. Ihre vorherig Das erste Interview fand mit einem Hypnotiseur, der mir viele Informationen gab, statt. schlechten Angewohnheiten wurden verbessert, Auf meine Anfrage per Mail kam diese Antwort: von aggressiv zu geduldig, von Raucher zum Nicht- raucher. Doch an die Zeit, in der sie verschwunden From: info@hypnosetherapie-zo.ch waren, kann sich niemand von ihnen erinnern. To: anika94a@hotmail.com Die Polizei wird eingeschaltet, Gerüchte machen Subject: Hypnose sich breit über den Entführer: Gargon. Der Name Date: Mon, 28 Feb 2011 08:39:23 +0100 wurde ihm im Internet gegeben. Theodor Theodor und Teresa machen sich auf die Suche nach Hallo Anika, ihm. Das war die Urgeschichte. Und zuerst sollte das Ganze auch ein Game werden, ich weiss zwar nicht genau was eure Arbeit mit Hypnose im wissenschaftlichen Sinn zu tun hat, da ich später Game Design studieren will. Später ich habe eher das Gefühl ihr “mystifiziert” das ganze ein bisschen. machte ich mir nicht so viele Gedanken, doch die Aber wenn ihr das Gefühl habt ihr könntet von meinen Auskünften profitieren will ich euch das Geschichte packte mich. nicht verwehren. Eine Organisation namens Latnem kam ins Spiel Wie wäre es am Donnerstag 3.März, so ab 16:45 ? und Gargon bekam eine Persönlichkeit, die ich hier aber weiter nicht erläutere, da ich vorhabe, die Ge- Gruss schichte, die Erstfassung, die hier leider nicht Ge- stalt annehmen konnte, später als ein Game oder Patrick Steiner Manga umzusetzen. Aber ich finde, Gargon ist der interessanteste Charakter. 04 05
  • 4. Geruch vielleicht sogar, dann soll sich die Person einen ARBEITSJOURNAL Ort vorstellen, den sie langsam mit Sachen füllt, die sie gern hat oder sie beruhigen. Und pro Session, so werden die Sitzungen genannt, macht man nicht viel, damit man sich daran gewöhnen kann. Dann später soll die Person in der Trance sich den Prüfungsort vorstellen und etwas von dem angenehmen Ort, zum Beispiel einen Glücks- bringer, bei sich haben. Die erste Begegnung mit Hypnose Je öfter man das wiederholt, zum Beispiel mit einer Auf- Natürlich war ich nervös. Ich bin nämlich ganz alleine nahme auf CD, desto angenehmer wird es für die Person hingegangen, zuerst sollte mich jemand begleiten, dass eine Prüfung zu schreiben, da sie die Situation so zu sa- ging aber nicht, und von Hypnose hat man allgemein gen tausendmal positiv erlebt hat. Eine andere Methode eher ein schlechtes Image im Kopf. wäre die Suggestion, was man der zu hypnotisierenden Aber ich bin ja heil wieder zurückgekommen. Person im Prinzip vorschlägt zu machen. Auf dem Flyer, von dem ich zum ersten Mal von Patrick Steiner gehört hatte, stand auch Hilfe zur Gewichtsabnahme oder Hil- fe beim Aufhören des Rauchens. Hypnose sei eine große Hilfe, schlechte Gewohnheiten abzulegen. In diesem Beispiel trainiert man sich, aus meiner Sicht, eine innere Stimme an, einen größeren Willen, der einem dann auch hilft, die Gewohnheiten abzulegen. Des Wei- teren hat der Hypnotiseur erklärt, dass in Frankreich und Italien Hypnosetherapien von der Krankenkasse bezahlt werden. Er frage sich, wieso dass das noch nicht in der Nichts zu befürchten Schweiz geschehen ist, doch er vermutet die große Skep- Herr Steiner war freundlich sis ohne Hintergrundwissen herrscht hier vor. und hörte mir zu und erklär- te mir, dass viele glauben, Hypnose könnte einen Men- Hypnose und Gehirnwäsche schen zu etwas bringen, was Für meine Geschichte waren die Informationen bereits sehr hilfreich. Herr Steiner erklärte mir weiter was der Unter- er normalerweise nicht tun schied zwischen der Hypnose und der Gehirnwäsche ist. Diese Methode wird zum Beispiel in Straflagern oder Sekten würde. Das ist aber falsch. benutzt. Man entzieht der Person Schlaf, Essen und zu trinken, so, dass sie sich nie wirklich ausruhen kann. Und bestraft sie für alles, dass nach der Meinung des Peinigers „schlecht“ ist, bis die Person anfängt, man vermutet aus Überlebens- wille, diese willkürliche Theorie anzunehmen und der Peiniger immer Recht hat und zu so etwas, in perver- sem Sinne, wie einem Gott aufsteigt. So kann man der Person eine Autorität aufzwingen, der sie sich hingibt und kaum anders mehr denken kann. Diese Erfahrung und die daraus resultierenden Ange- wohnheiten kann man schlecht ablegen. Ein ehemali- ger Gefangener aus einem nordkoreanischen Strafla- ger, der auch dort geboren wurde, sagte in einem „SPIEGEL“-Artikel aus, dass er zwar physisch mit sei- nem Körper von dort fliehen konnte, aber psychisch immer noch dort sei. Eine Form der Gehirnwäsche ist das Stockholmsyndrom. Es kam zum ersten Mal Die Bedingungen für Hypnose öffentlich in Stockholm vor bei einer Geiselnahme bei Er erklärte mir, dass während des Schlafes verschiedene Phasen stattfinden. Es gibt den Tiefschlaf, in dem am meisten einem Banküberfall. Lange Zeit blieben die Geiseln verarbeitet wird, aber das Gehirn die Außenwelt auch nicht mehr wirklich wahrnimmt und dann gibt es den eher leich- bei ihrem Entführer, der, den später befreiten Geiseln teren Schlaf, der vor allem am Anfang des Schlafes stattfindet. Dieser Phase würde man versuchen sich am ehesten zu zufolge, einen triftigen Grund habe. Sie beschützten nähern. Ein ähnliches Beispiel wäre die Trance oder die Meditation, wenn man sie wirklich beherrscht. Um dies mit ihren Entführer sogar vor der Polizei. Schließlich be- einem Hypnotiseur zu erreichen, muss man zuerst einmal darauf ansprechbar sein. Es gibt Menschen, die stärker darauf strafe der Entführer, ihr Peiniger, sie nur für die Din- reagieren oder weniger. Dann muss man dem Hypnotiseur auch vertrauen und sich wohl fühlen um sich entspannen zu ge, die sie auch nicht hätten tun dürfen und schlecht können. Deswegen ist nach seiner Meinung Hypnose auch immer Selbsthypnose. seien. Das waren gute Infos, die ich vom Hypnotiseur er- Anwendung hielt, und ich bedankte mich für das Interview. Ein Beispiel wie Hypnose angewendet wird ist bei Prüfungsangst. Wenn man der zu hypnotisierenden Person dem leicht schläfrigen Zustand nahe gebracht hat, durch eine sanfte Stimme, einer bequemen Liege und einen angenehmen 06 07
  • 5. -Hatten sie schon mit Fällen zu tun wobei Hypnose eine Rolle gespielt hat? ARBEITSJOURNAL Zu dieser Frage noch, ich war einmal bei einem Hypnotiseur, der Hypnose sozusagen als Therapie anbietet, auch um Fragen zu meiner Geschichte zu beantworten, und er meinte, dass die Hypnose immer gewollt sein muss von demjenigen, der hypnotisiert wird. Nachdem ersten Interview wurde mir aber klar, das mit meinen Erfahrungen Games zu machen, nur eine sehr amateur- Sie hätten eigentlich noch nie mit einem solche Fall zu tun gehabt und haben bisher auch nicht von so etwas hafte Version herauskommen würde. Also entschied ich mich für Manga, da ich da sicherlich, durch mein regelmäßiges gehört. Zeichnen, eine höhere Qualität abliefern würde. -Wie gehen sie allgemein mit jugendlichen Straftätern um? Was passiert mit ihnen, wenn sie eine Jugendstrafe erhalten? Wieso Manga? Ich bin Halbjapanerin und wurde etwas beeinflusst von meiner Mutter. Zu dieser Frage meinte sei, dass ich mich an die Jugendanwaltschaft wenden müsse. Aber eigentlich hat mein Bruder mich zu Mangas gebracht. Ich las sie und fand sie witzig, auch wenn das meiste auf Englisch übersetzt wurde und ich die Animes auf Japanisch mit englischen Untertitel schaute. Ich -Haben sie oft Fälle, in denen Jugendliche mit Drogen-Dealern zu tun haben? Oder sogar zu dem Drogen-Ring lernte gleichzeitig japanisch und englisch, was meine Mutter meinem jun- gehören? gen noch nicht so vollen Gehirn damals zuschreibt. Und ich zeichne sehr Haben sie allgemein viel mit jugendlichen Straftätern zu tun? oft. Ich nehme überall zumindest einen Bleistift und Papier mit. Ich liebe Manga und das Zeichnen und will auch an der ZHdK (Zürcher Hoch- Da solche Drogenringe international sind und die meisten voneinander gar nichts wissen, ist es schwer einen schule der Künste) Game Design studieren. Eine gestalterische Arbeit für ganz Ring zu Fall zu bringen. Jugendliche sind da sehr rar und haben eher mit etwas harmloseren Drogen die Mappe, die ich abgeben muss für die Anmeldung, würde sich sicher zu tun, vor allem mit dem Konsum. nicht schlecht machen. -Welche Strafe bekommt der Anstifter einer Tat? Die gleiche wie der Täter? In meiner Geschichte ist der „Bö- 2. Interview sewicht“ die Anstifterin vieler Taten. Werden dann alle Strafen der Täter zusammengerechnet und sie muss Die Polizei sozusagen die Summe davon absitzen? Das zweite Interview, ungefähr im Dezember 2011, führte ich mit der Sprecherin der Zürcher Kantonspolizei. Sie bekä- men regelmäßig Anfragen für Interviews für Maturarbeiten, weswegen sie auch meiner Anfrage positiv gestimmt war. Auch bei dieser Frage sollte mich an die Jugendanwaltschaft wenden. Unten die E-Mail mit meinen Fragen, plus die ungefähre Wiedergabe der Antworten zu den Fragen während des Inter- views bei der Zürcher Kantonspolizei: Liebe Frau Surber Die Stimmung Danke für ihre positive Antwort. Als ich dort in Zürich war, war es für mich persönlich merkwürdig. Wir waren allein in einem Zimmer, sie war freundlich und hörte mir zu und als ich ihr erzählte, um was für eine Geschichte es sich handelte, wollte sie dann, wenn ich die Ma- Hier wären meine Fragen: turarbeit abgebe, eine PDF-Version davon. Auch die Zeichnungen, die ich mitbrachte, fand sie interessant. Auch Patrick Steiner hat das erwähnt, dass er, ihm sagte ich noch, dass ich ein Game machen will, eine CD will. Aber zum Manga sagte -Wie gehen sie vor bei einem Fall wie Entführungen? Gehen sie zuerst zu den Angehörigen oder direkt zum Ort er dann auch ja. Ich hoffe, dass ich die beiden damit nicht enttäusche. des Geschehens? Wie erwartet, sehen sie sich jedes Detail an und untersuchen jeden Hinweis. 3. Interview So wendete ich mich beim dritten Interview an die Jugendanwaltschaft Zürich. Genau wie bei der Zürcher Kantonspo- -Wie gehen sie vor wenn der Tatort ein öffentlicher Platz ist wie eine Schule oder ein Bahnhof? lizei schrieb ich ihnen eine E-Mail, von ihrer Webseite hatte ich die Emailadresse, und wurde weitergeleitet zu einem Lassen sie ihn sperren für die Zeit der Untersuchung? Herrn Killer der Jugendanwaltschaft Uster, da sie in meiner Region ist. Sie ist eher abgelegen und wenn man nicht genau weiß, wo sie ist, läuft man etwas herum. Aber ich bin angekommen Sie lassen den Ort für eine Weile sperren und keiner, auch zum Beispiel die Verantwortlichen für den Bahn- und wurde nicht von Herr Killer (sein Name lautete wirklich so), sondern von seinem Angestellten begrüsst. Er hatte nur hof würden einen Aufstand machen und lassen sie arbeiten. Doch Hinweise zu sammeln, ohne Zeugenaus- circa eine halbe Stunde, aber das ist viel Zeit bei einem Anwalt und ich brauchte auch nicht länger. sagen, seien schwierig, da hier hunderte von Fußspuren liegen und auch DNA-Spuren zu Haufen den Ort Das Jugendstrafrecht belegen. Zuerst erklärte er mir, dass der Hauptunterschied vom erwachsenen und jugendlichen Straftätern das Ziel der Strafe ist: Beim Erwachsenen einfach die Strafe, beim Jugendlichen die Prävention. -Welche Hinweise würden für sie ausreichen um anzunehmen, dass hinter dem Verbrechen eines Täters noch Bei vielen jugendlichen Straftätern käme es nur zu einer ersten leichten Tat. In ungefähr 90 Prozent können die Anwälte ein Anstifter steckt? selber Strafen sprechen. Der jugendliche Straftäter sitzt dann im Büro des Anwalts, der sein Protokoll schreibt und be- kommt seine Strafe. Der Jugendliche hat dann die Möglichkeit, Einspruch zu erheben und das ganze vor ein Gericht zu Zu so etwas kommen sie durch Aussagen von Zeugen und Komplizen. Sonst ist es eher schwierig so etwas ziehen, aber das käme sehr selten vor. Meist kommt es auch nicht ins Strafregister, da man den Jugendlichen nicht die herauszufinden. Zukunft verbauen will. Wirklich Sorgen machen ihm die 5 %, die immer wieder Strafen begehen und auch von familiären Ständen her nichts anderes kennen. Es gibt zwar einige, die einfach rebellieren wollen und Erwachsene nicht ernst nehmen. Doch dem An- 08 09
  • 6. ARBEITSJOURNAL 2011, Weihnachten, bekam ich dann auch den Intuos 4, ein Graphiktablett. Mit dem wollte ich den Manga gestalten, statt traditionell mit Tusche, Zeichenfeder (oft wird der G-Pen gebraucht), und Lineal. Ab und zu zeichnete ich dann darauf als Training. walt war es etwas mulmig zu Mute, als er sagte, dass einige so weiter machen bis sie erwachsen sind und sie nicht mehr geschützt werden. Dass sie so ihre eigene Zukunft verbauen. Ein Graphiktablett, der Intuos 4 Heim Es gibt sehr viele verschiedene Heime für Jugendliche in der Schweiz, um zum Beispiel dort ihre Strafe „abzusit- zen“. Es gibt solche, die nur harmlose Straftäter nehmen A und solche, die sich speziell um Wiederholungstäter kümmern. Es gibt auch Heime, die innerhalb des Heims ein „Le- vel-System“ haben. Verhält man sich vorbildlich, steigt man auf und hat größere Freiheiten, wie Fernseher und B Magazine, verhält man sich hingegen schlecht, steigt man ab und muss mehr der Hausarbeiten erledigen und hat weniger Freiheiten. Für ein Heim muss sich der Ju- gendliche bewerben und abwarten, bis er angenommen wird. In einigen Heimen gibt es auch intern zum Bei- C spiel eine Schreinerei, in der die Jugendlichen eine Lehre vollziehen können. Aus der Betreuersicht Von meinem Vater, dessen Bekannte sich um jugendli- che Straftäter psychologisch kümmert und meist auch Drogenprobleme haben, habe ich erfahren, dass es für sie eine sehr harte Realität ist. Sie verliere immer wie- der ihre, ich nenne sie mal „Patienten“ an Drogen. Meist sind diese dann an Überdosis gestorben. Auch diese Re- alität gibt es in der Schweiz, auch wenn sie in der Min- derheit vorliegt. Drogenkonsum und andere Strafdelikte So, dass war in der Zeit der 4. Zurück zum Anwalt. Er erklärte mir weiter, Klasse. als ich Fragen zu den Drogen stellte, dass er Die Geschichte entwickelte sich sicher, er zeigte zu einem Kasten hinüber, 30 weiter, Hypnose und nun auch Fälle dort drin habe, in der Drogen verwi- Hirnwäsche kamen vor, die In- ckelt sind. terviews gaben mir reichlich Viele, sehr viele Jugendliche konsumieren Ideen. Als ich eine Begleitper- nach seiner Meinung Drogen, wenn es auch son suchte, hatte ich bereits fast eher harmlose sind. Doch die Fälle, die er einen Ordner voll mit Skizzen hat, seien nur eine dunkle Ziffer, da die Kon- von Charakteren und wandte sumation zum Beispiel in Clubs und im Aus- mich dann an Herr Kobelt. Er gang wohl kaum von der Polizei überwacht habe noch nie jemand gesehen, werden kann. Andere Strafdelikte, die öfters der so viel Vorarbeit, vor der begangen werden ist der Schaden an Dingen, 5. Klasse, gemacht hatte. eingeschlagene Fensterscheiben, allgemein Weiter schrieb ich ca. 50 Vandalismus und Diebstahl. Auch bei ihm Seiten reinen Text der Ge- bedankte ich mich. Aber man merkte, dass er schichte. Es war fast ein nicht viel Zeit hatte, so fragte ich nicht mehr, Roman. ob er auch eine PDF-Variante meiner Matur- arbeit wollte.
  • 7. Startschuss, mit dem Drehbuch in den Sommer ARBEITSJOURNAL Die Drehbuchform war praktisch, da ich sozusagen jedes neue Panel sah, nämlich fast immer, wenn der nächste etwas sagte und das ist in der Drehbuchform klar ersichtlich. Diese Form wurde mir auch von meinem Bruder empfohlen. Gelesen wurden diese Seiten dann von Herrn Kobelt und meinem damaligen Deutschlehrer Herr Ebert. Beide meinten, dass sei jetzt gut umsetzbar als Manga. Herr Kobelt bemängelte noch, dass man vielleicht nicht alle Andeutungen ver- Im Bereich des Möglichen steht, aber es war meine erste längere Arbeit an einer Geschichte und auch Herr Kobelt meinte, dass ich endlich anfangen Herr Kobelt las die 50 Seiten und gab mir reichlich Tipps. Wir stellten dann fest, dass ich das alles unmöglich zeichnen sollte, die Seiten zu zeichnen. Das war vor den Sommerferien 2012. konnte. Es kamen zu viele verschiedene Themen vor, erste Liebe, Drogen, Entführung, ect, und sehr, sehr viele Personen. Ich zeichnete die ersten paar Seiten vor, zuerst sehr grob, war unzufrieden mit der Panelaufteilung und ich wollte so an- Und wenn ich das ganze zeichnen will, bräuchte das 3-4 Jahre und nicht als Schülerin. Also musste ich die ganze Story sprechende Seiten wie möglich machen. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass ich der Geschichte und der Vorstellung umkrempeln. in meinem Kopf mit meinem zeichnerischen Talent nicht gerecht werden würde. Schliesslich sieht das, was man sich vorstellt auch immer gut aus. Doch in den Sommerferien packte es mich. Es war eine Zeit des sehnsüchtigen Blickes nach draussen. Ich konnte nicht nach draussen, denn ich wollte so viele Seiten wie möglich gezeichnet haben. Material Üblicherweise werden, Tusche, G-Pen und andere Materialien verwendet für das Zeichnen von Mangas. Diese sind im Sachteil genauer erklärt. Ich entschied mich für ein Graphiktablett, den Intuos 4. Den wünschte ich mir zu Geburtstag und Weihnachten zusammen und es ist eine Investition für die Zukunft, da Com- puter-Graphik unerlässlich ist für Design. Vorteile und Nachteile In der Sachebene später wird erwähnt, wie wichtig die Linienführung ist für Manga, in dem hauptsächlich Schwarz und Weiß verwendet wird. Auf dem Graphiktablett, auf dem ich noch nicht so viel Erfahrung hatte, war die Linie anfangs nicht so gut. Es gibt keinen Widerstand auf dem Tablett wie auf dem Papier, es war anders, aber das Bild erschien sauberer als wenn ich auf Papier zeichne. Andere Nachteile brachte das Bearbeitungsprogramm Corel Paintshop, das manchmal streikte oder Dinge nicht so darstellen konnte wie ich wollte. Der Überblick über den Arbeitsprozess: Vor dem Graphiktablett sass dann ich also. Mit einiger Angewöhnungszeit an den Stift und das Tablett zeichnete ich. Ich gewöhnte mich auch an das Programm, Corel Paintshop, ein Bildbearbeitungsprogramm. Es war bereits auf meinem Laptop, also nutzte ich es. Ebenen konnte man auch hier bearbeiten, also kam es mir gelegen. Ich zeichnete anfangs zu- erst die Manga-Seiten vor. Die Änderungen Dann scannte ich sie ein und bearbeitete sie weiter. Zuerst entstanden die Outlines. Von ersten zwei Seiten entstand Sebastian war in der 50-seitigen Variante die Hauptfigur, nicht mehr Teresa, und in der ca. 19 seitigen Drehbuchform, schon früh die Version mit Rasterfolie. Die hatte ich aus dem Internet und für Rasterfolien muss man auch keine Quel- mit einer völlig neuen, simplen Geschichte mit einer übersichtlichen Anzahl an Charakteren, war es nun Mimi, die als lenangaben machen. Ausser, wenn sie jetzt zum Beispiel auf deviantart von einem Nutzer bereitgestellt werden und steht, Hauptperson diente. dass man einen Link zu Konto machen solle. Nach den Sommerferien hatte ich die Outlines von sage und schreibe 38 Seiten. Ich war ausgelaugt. Aber meinen sehr 1. Gargon und die verschwundenen Schüler kamen nicht mehr vor. Die Überlegung war, dass ich Gargon nicht groben Vorskizzen, mittlerweile nur noch auf dem Graphiktablett erstellt, zufolge, sollten es bis zum Ende der Dreh- „verbrennen“ sollte für die simple Geschichte. Also übernahm ich von der alten Geschichte Teresa, Theodor, Mimi, Se- buch-Geschichte 82 Seiten werde. Vor den Herbstferien entschied ich mich zusammen mit Herrn Kobelt dafür, dass ich bastian und Frederic. Die neuen Charaktere waren Lisa, Elena, Miranda, Niklas und Tiziano. nur „Part 1“, also den ersten Teil, mit einem Kliff-Hänger an einer spannenden Stelle zeichnen sollte. Es nahm mir eine große Last ab. Denn mittlerweile hat sich von allen Vorskizzen der zweiten Version mit Sebastian als Hauptfigur ein 2. Mimi änderte ihren Charakter und ihr Aussehen. Sie brauchte einen auffälligeren Stil, ein Kennzeichen, damit ganzer Ordner voller Skizzen und Zeichnungen angesammelt. Von der dritten, mit Mimi als Hauptfigur ungefähr ein sie leicht erkennbar war im Manga. halber Order voll. Mir wurde noch nie so klar wie an diesem Punkt bewusst, wie viele Blätter ich eigentlich vollkritzeln konnte, wenn ich wollte. 3. Im Vordergrund soll dann das Verschwinden von Miranda, der besten Freundin von Mimi, stehen. In den Herbstferien kam nun der Endspurt: Hauptsächlich die Rasterfolien und noch 4 Seiten mussten gezeichnet wer- den, um bis zum Ende des ersten Teiles zu kommen. Von den 38 Seiten waren auch manche dabei, die plötzlich irgendwo 4. Hypnose soll noch vorkommen. Ihre Rolle kommt aber erst im zweiten Teil vor. im zweiten Teil vorkommen. Ich fand diese Seiten interessanter zu zeichnen, weswegen ich zuerst diese schön zeichnete. Aber nach der Reihe wäre wohl besser gewesen. Einige Änderungen und Opferungen. Hätte ich auch noch Teresa und Theodor verschwinden lassen müssen, hätte ich Mit Indesign fügte ich noch den Text hinzu. Es war ein langer Weg, für mich eine grössere Zeitspanne als andere, aber ich die ganze Vorarbeit ab dann gehasst und als Verschwendung empfunden. Außerdem wollte ich zumindest einen verrück- sehe, wie sich alles entwickelt hat und zu dem, was es jetzt ist, geworden ist. Das Ende war erreicht, in gewissem Sinne. ten, merkwürdigen Charakter und Theodor war das perfekte Exempel dafür, jedenfalls in meiner Vorstellung. Nun wartete noch der Schöndruck im B6-Format als Manga-Büchlein. Doch das kann bis nach der offiziellen Abgabe Vielleicht finde ich verrückte Personen auch zu interessant. So wurde die Geschichte neu aufgerollt. Der rote Faden soll am 22.Oktober, 2012 warten. hauptsächlich mit dem Vorgehen von Mimi und Teresa zu tun haben. 12 13
  • 8. ARBEITSJOURNAL Arbeitsprozess im Detail Ich begann mal mit dem Drehbuch, der Geschichte, und zeichnete die Charaktere. Von vorne, von der Seite mit verschiedenen Kleidern. Auf den vorherigen Seiten werden ein paar Skizzen gezeigt. Die Charaktere soll- ten ein simples Design haben, da ich sie immer wieder zeichnen werde, aber dennoch leicht erkennbar. Es ist unabdingbar, sich nicht auf ein Bild zu versteifen und das Ganze entstehen zu lassen. Auch wenn man sagt; „Ich weiß, wie es aussieht, aber kann es nicht zeichnen“, stimmt das nicht, meiner Meinung nach. Weil man nicht weiß, wie es aussieht, kann man es nicht zeichnen. Deshalb sollte man sich annähern, sich Inspiration suchen in Bildern, in anderen Mangas oder den Kleidungsstil von Freundinnen oder Freunden anschauen und die vielleicht einbauen. Man kann sich von alles inspirieren lassen. Die Augen offen zu halten ist wichtig. Vor allem am Anfang. Eine gewisse Richtlinie zu haben ist aber trotzdem nicht schlecht. Zum Beispiel soll es mehr um Kämpfe gehen, weswegen ihr die Geschichte noch simpler hält als zum Beispiel bei einem Krimi. Charaktere machen aber viel aus, vor allem wenn die Geschichte kurz ist und das sollte sie im Rahmen einer Maturarbeit auch bleiben. Ich musste mich von Charakte- ren trennen, einige Hintergrundinformationen zu ihnen weglassen. Es war nicht ganz einfach, da ich sie doch während vielen Monaten im Kopf hatte und ich sie plötzlich „still legen“ musste. 14
  • 9. Skizzen der 2. Version mit Sebastian in der Skizzen der 2. Version mit Sebastian in der ARBEITSJOURNAL Hauptrolle Hauptrolle Charaktere Sebastian Wenn die Story steht und ich eine gute Vorstellung der Persön- Mimi lichkeit der Figur hatte, habe ich angefangen sie zu zeichnen. Ich schränke mich nicht mit einer Idee ein, lieber beginne ich mit einer ungefähren Skizze eines Körpers. Das Geschlecht und das Alter waren von der Geschichte schon bekannt. Also dachte ich nach, ob sich die Figur viel bewegt. Da wären ein Minirock und Highheels nicht unbedingt prak- tisch. Also dachte ich an eher einen praktischen Stil. Wenn die Figur was ausstrahlen sollte, das mehr einem Com- puter-Nerd entsprechen sollte, erinnerte ich mich an Klischees. Aber sehr lange habe ich mich nicht mit den Charakteren auf- gehalten. Einerseits wegen der Zeit und andererseits weil ich die Priorität auf die Gesichtsausdrücke und den eigentlichen Manga-Seiten gesetzt hatte. Denn die machen die größte Arbeit. Schwerpunkte versuchte ich auf die Einfachheit des Designs und der Erkennbarkeit zu setzen, damit es keine Verwirrungen gibt während des Lesens. Frederic Frederic Theodor, Sebastian & Teresa 16 17
  • 10. ARBEITSJOURNAL Skizzen der 3. Version mit Mimi in der Haupt- Die Orte rolle Wenn ich Zeit hatte, begann ich die Räume zu zeichnen, die man im Man- ga sehen würde. Diese Bilder waren Mimi vor allem hilfreich, wenn ich im Man- ga Totale zeigte, also einen Überblick über den Raum. Es ist wichtig, ver- schiedene Blickwinkel zu zeigen oder sich von den Gesichtern der Charak- tere wieder zu entfernen. Es macht ei- nen anderen Eindruck und langweilt Theodor nicht. Außerdem sollte sich der Leser in das Geschehen hineinfüllen und zu wissen wo der Charakter sich aufhält ist angenehmer zum Lesen. Auch hat es mir Spass gemacht manchmal mich sehr um den Hintergrund zu küm- mern um der Geschichte mehr Stim- mung zu verleihen oder vor allem deutlich zu machen, das die Charak- tere an einem nun anderen Ort sind. Teresa Niklas, Elena 18 19
  • 11. ARBEITSJOURNAL Die Vorskizzen zu den Mangaseiten Ich hatte Vorskizzen zu der langen Geschichte, die schon nicht schlecht waren. Ich merkte, dass meine immense Menge an gelesenen Mangas mir ein gutes Gefühl für eine eigentliche Manga-Seite gab. Wann das Panel klein sein sollte, ob es schräg sein sollte, oder eine Totale zu zeigen oder nur den Charakter. Oder ein Panel mit abstrakten Hintergrund und Text, um auf die Gefühle des Charakters einzugehen. Alte Seite zur Version 2 mit Sebastian in der Hauptrolle Skizzierte Seite für die 3. Version mit Mimi 20 21
  • 12. ARBEITSJOURNAL Die eigentlichen Seiten: Outlines In den Sommerferien begann ich wie verrückt zu zeichnen. Ich wollte so viel wie möglich fertig haben, denn die Zeit nach den Sommerferien ist kurz. Sie geht schneller vorbei als man denkt. Ich hatte vorskizziert, eingescannt und im Bild- bearbeitungsprogramm mit meinem Graphiktablett bearbeitet. Schritt für Schritt mit dem Intuos 4, Beispiel der Seite 21: Eine sehr grobe Skizze. Was für ein Blickwinkel der Leser hat und was für eine Panelaufteilung Die Outlines lassen zwar alles rein und sauber wirken, doch viel Gefühl und Atmosphäre bringen sie die Seite bekommen sollte, war in diesem Teil wichtig. noch nicht. 22 23
  • 13. Die Rasterfolien habe ich aus dem Internet. Ich begann zu zeichnen und mir vorzustellen, wie die Charaktere genau aus- ARBEITSJOURNAL sehen würden, wenn sie diese Sätze aus dem Drehbuch sagten. Ich war dankbar, die Drehbuchform für die Geschichte gewählt zu haben. Das Gesagte war getrennt und gut findbar im Dokument und mit Copy-Paste konnte ich das schnell in die Seite hineinfügen. Wieder die Menge Als ich all die Seiten sehr schnell vorskizzierte, nach Drehbuch, so merkte ich, dass es ungefähr 82 Seiten werden wür- den. Das Zeichnen verlegte sich auch mehr und mehr auf das Tablett am Computer, den ich merkte, je mehr ich mit diesem Mittel handhabte, desto besser würde das Endergebnis aussehen. Zumindest war das am Anfang eine Vermu- tung, die sich später nur langsam bestätigte. Die Zeit schwindet und mit meiner Begleitperson entschied ich mich nach den Sommerferien, nur den ersten Teil mit einem Cliffhanger aufhören zu lassen, an einer spannenden Stelle. Nach den Sommerferien war ich geschlaucht, brauchte Abwechslung und die 38 Seiten saßen mir im Nacken. Das war nirgends wo ich sein wollte und unter der Woche zu zeichnen, mit Unterbrechungen und die Gewöhnung an das sechste Schuljahr mit Prüfungen war nicht leicht. Bald waren es 30 Seiten, die ich nun für den ersten Teil hatte, die übrigen Seiten waren von späteren Teilen der. Eine Seite fertig zu haben ist vor allem am Anfang sehr aufbauend, doch mehr und mehr wurde es nur zu einer kurzen Verschnaufpause. Dass ich das Ganze zu einem ersten Teil mit offenem Ende umwandeln konnte, nahm mir eine große Last von den Schultern. Ich lernte mich selbst während der ganzen Maturarbeit sehr gut kennen. Ich merkte, dass ich überengagiert war, wenn es um eigene Werke ging. Ich wollte eine sehr gute Arbeit liefern und war mit mir selber sehr streng. Wenn die Erwartungen so hoch und schwer sind, dass sie niemals in der Realität umsetz- bar sind... Übers Ziel hinausgeschossen Wäre ich etwas weniger ehrgeizig gewesen, hätte ich zwar die 38 Seiten nie während den Sommerferien fertig gebracht, aber ich hätte mich mit einer simplen, einfachen Story zufrieden gegeben, die ich schneller fertig hätte. Ich hätte mich wirklich für eine einfachere Story mit starken Charakteren entscheiden sollen um dem zeichnerischen Teil noch mehr Zeit zu geben. Manchmal bereue ich es, nicht viel früher an diesen Seiten gesessen zu haben, aber vor den Sommerferien kam es zu einigen Änderungen der Geschichte. Ich wollte nicht zeichnen, bevor die Geschichte nicht gut war. Aber eine simple, gute Geschichte, hätte sich viel eher für das Zeichnen geeignet. Ich hätte mir mehr Zeit für die einzelnen Seiten nehmen können und jede einzelne Seite zur Perfektion polieren können. Aber der Hacken am Zeichnen ist das endlose, man kann das Bild immer ändern, das Gefühl haben, es könnte immer noch viel besser sein. Doch nie wird man voll- kommen zufrieden sein. Ich musste die Seiten zur Seite legen. Nach einer Weile, in der ich die Seiten nicht sah, konnte ich sie mit einer gewissen Zufriedenheit ansehen. Ich vergleiche mich gern mit professionellen Artisten, da ich später gestalterisch arbeiten will, aber hohe Ziele haben einen langen Weg, und die Zeit für die Maturarbeit mag lang klingen, ist aber kurz für hohe Ziele. Mein Handgelenk schmerzte mir auch manchmal, da ich nicht an das Graphiktablett ge- wöhnt war. Es war ein reines Problem der Stellung, man merkt zuerst nichts, aber über 3 Stunden am Stück zu zeichnen und dass durch die ganzen Wochen der Sommerferien machten sich bemerkbar. Und all die Mühe, die hinter dieser Arbeit steckt, wird nicht sichtbar sein, weil einige Teile gar nicht mehr zur eigentlichen Maturarbeit gehören. Obwohl die später gezeichneten Seiten noch besser aussehen, als die im ersten Teil. Aber ich polierte die Seiten zumindest weiter mit Nun mit Rasterfolie. Normalerweise wird mit Verdickungen der Linien gezeigt wo Schatten existieren im Manga, statt Rasterfolie, wobei ich dennoch sehr viel herausholen konnte. Doch vielleicht merkt man bei den ersten paar Seiten, dass mit Rasterfolien. Aber man kann es auch mit Rasterfolien machen und etwas Schatten, nicht zu viel, lassen die Figuren es eine Annäherung an Rasterfolie brauchte. Es durfte nicht zu viel Schatten haben, sonst hätte es eine andere erzielte deutlicher und dreidimensionaler wirken als zuvor. Außerdem bringen verschiedene Grautöne die Unterschiede der Wirkung. Charaktere hervor und man kann sie leichter erkennen. Auch bringen Rasterfolien Struktur in die Fläche, sie können grob oder feinkörnig wirken oder Linien haben. 24 25
  • 14. ARBEITSJOURNAL Zeitplanung Weitere Probleme Ein Problem, das ich hatte, war die Verpixelung der Manga-Seiten. Wenn ich die Manga-Seiten aber zu groß hatte, musste ich nach jedem Strich warten, bis das Programm wieder geladen war und ich weiterzeichnen konnte. Irgendwann konnte ich mich auf eine Größe zwischen den Extremen entscheiden, aber dennoch, ich hätte lieber mit Photoshop gearbeitet als mit Corel Paintshop. Ich musste mich auch mit der Linienführung zufrieden geben. Ich konnte nicht in kurzer Zeit mich zum Super-Artisten wandeln und plötzlich super Bilder zeichnen, ich konnte auch gleichzeitig nicht alle Zeit der Welt auf eine Seite verwenden. Ich musste den Kompromiss eingehen von Qualität, Zeit und Quantität. Sprechblasen und das Einfügen von Text Es gab bei mir keine wirklich genaue Zeitplanung. Ich hatte anfangs versucht mir eine Zeitplanung zu machen, aber das führte dazu, dass ich mir zu viel vornahm für eine gewisse Zeitspanne, aber das liegt an meiner Persönlichkeit, nicht unbedingt an der Methode. Also ließ ich das zeitliche Planen mehr und mehr und für das Zeichnen braucht man auch zur richtigen Zeit Motivation und Inspiration, die man nicht erzwingen kann. Mal hat man Lust zu zeichnen, mal nicht. Aber da ich oft zeichne und ich die Maturarbeit doch gern mache, war die nicht genaue Planung kein wirkliches Pro- blem. Aber ich scheute mich wahrscheinlich ein wenig, den Mange wirklich zu zeichnen, da ich befürchtete, dass die Zeichnungen der Geschichte nicht gerecht werden würden, aber vor allem meinen Ansprüchen. Weiterführung zur Dokumentation und Sachebene Nun kommen in den nächsten Seiten Themen zum Manga, Ich habe mit Indesign gearbeitet, und dafür die kostenlose Testversion der CS6 von der Adobe Homepage heruntergela- nämlich in der Sachebene. Ich habe mich per Wikipedia und den. Das Ganze, wie es beim Manga-büchlein üblich ist, wollte ich im B6-Format machen. Das war sogar kleiner als A5 Internet, dem Manga Bakuman, der sehr ausführlich den und den Text in das Panel hineinzubringen und an die richtige Stelle zu tun war schwieriger. Doch beim Zeichnen hatte Werdegang und das Leben als Mangaka in Japan zeigt, und ich mich selbst entschieden, noch keine Sprechblasen hineinzufügen, da ich nicht wusste, wie viel Platz ich für den Text mit meiner Mutter ausführlich mit dem Thema befasst. Dieser im B6-Format beanspruchen würde. Also ging das mühselige Copy-Paste los, jede einzelne Zeile in ein neues Textfeld Teil hat mir viele neue Informationen während der Recherche und anpassen, mit einer weissen Ellipse hinter den Text die Sprechblase andeuten. Da mein Graphiktablett in den Herbst- geliefert, den ich zuvor über Manga gar nicht wusste. Zum ferien nicht mehr richtig reagierte, musste ich die Sprechblasen in der ausgedruckten Variante selber nochmal per Hand Beispiel wie es zu seiner heutigen Form gab und was Manga nachfahren. Alles in allem ist aber Indesign ein tolles Programm und meine Erfahrungen als Layouterin im kuss-Team zum Manga macht. Es gab mir eine andere Ansicht auf meine der Schülerzeitung halfen mir enorm. Während des Hineinfügens zeichnete ich noch die letzten vier Seiten fertig und geliebten Mangas und verdeutlichte mir auch, dass viel hinter machte noch die Zwischenkapitelbilder und das Cover. Der Endspurt war hart. dieser Form steckt. 26 27
  • 15. Tezuka Osamu SACHTEIL Die weiterführende Geschichte des Mangas lässt sich nicht ohne die Erwähnung von Tezuka Osamu, der am 3. Oktober 1928 geboren wurde, erzählen. In Japan wird zuerst der Nachname erwähnt, dann der Vorname, also geht es hier um Herr Tezuka. Kindheit Manga - Der japanische Comic Zu Tezukas Kindheit war der Mangaboom zwar da, aber nicht in den Ausmaßen von heute. Die einzige Form des Mangas, die man damals häufig sah, war der Comcis- Der Manga ist tief verwurzelt in der japanischen Kultur. Einerseits wird er von rechts nach links, also „rückwärts“ für trip, auf Japanisch 4-koma-Manga (Aussprache „yon-ko- uns Europäer gelesen. Andererseits gibt es stichhaltige Unterschiede zu den westlichen Comics. In Mangas werden ma-manga“). Der war vor allem beliebt bei Kindern und hauptsächlich Grautöne verwendet und es wird sehr auf den Schwarz-weiß-Kontrast gesetzt. Mit den Linien werden diente oft als Füller für Zeitungsseiten. gekonnt räumliche Darstellungen gezeigt. Es gibt Panels (die einzelnen Bilder im Manga), die nur Text enthalten oder Tezuka hatte schon immer gezeichnet und als er einmal einen abstrakten Hintergrund haben, um die Gefühle des Charakters dem Leser näher zu bringen. Speedlines (dt. vom Lehrer erwischt wurde, wie er sein Manga-Notiz- Geschwindigkeitslinien) werden eingesetzt um Bewegung darzustellen und die Panelgrössen variieren, um der Szene, buch für die Schule weiterführte, nahm ihm der Lehrer die im Manga gezeigt wird, gerecht zu werden. Es wird mehr ausprobiert und experimentiert im Manga als im Comic. das ab. Doch statt ihn zu belehren, zeigte der Lehrer das Der Manga entstand früh und tritt vor allem heute in jeglichen Ecken Japans auf, sei es bei Erklärungen im Fernsehen im Lehrerzimmer herum. Tezuka gewann viele Bewunde- mit einfachen Zeichnungen im Mangastil oder des Designs von Schlüsselanhängern. Doch die heutige Form des Man- rer und Fans. Sein zeichnerisches Talent gehörte nicht zu gas wurde grundsätzlich von Tezuka Osamu beeinflusst. den besten, aber er liebte das Erzählen. Stark beeinflusst wurde er von seiner Mutter, die über 200 Manga-Bänder kaufte und sie gerne ihrem Sohn vorlas. Sie sah auch ger- ne Musicals an, zu denen Tezuka mitgenommen wurde und er war auch fasziniert von Filmen. Sein Weg führ- te aber weiter an die Medizinschule. Sein Grossvater war Arzt und Tezuka brachte sein medizinisches Wissen spä- ter in seinem Manga „Black Jack“ zum Vorschein. Allge- Die Geschichte mein interessierte sich Tezuka für viele Wissensbereiche, Das Perret war sein Kennzeichnen. Astrologie aber auch Insekten. Die Frühform des Mangas war die illustrierte Bildrolle. Sie hatte manchmal auch einen erotischen Zug, doch wur- den so auch Fabeln und Legenden festgehalten. Allgemein war und ist Kalligraphie die schriftliche Aus- Bis heute ist es üblich, dass sich Mangakas viel informieren und aufwändige Recherche betreiben, um drucksweise der Japaner. Zuerst brachten die Chine- ihren Manga so interessant wie möglich zu gestalten. Es gibt einige Mangas, wie zum Beispiel „Wild- sen über buddhistische Mönche Kanji, die chinesischen life“, die um Tierärzte oder allgemein Ärzte handeln. Oft interviewen Mangaka auch wie in diesem Schriftzeichen. Diese Zeichen entwickelten sich aus Bil- Beispiel Ärzte. Zu jeglichen Themen gibt es Manga und jeder Mangaka versucht, seinen Manga so gut dern. Deswegen werden die chinesischen Zeichen auch wie möglich zu machen um beliebt zu werden. als Piktogramme bezeichnet. Bis heute gibt es in Japan Wettbewerbe und Auszeichnungen für besonders schöne „Manga no Kami“ (dt. Der Gott von Manga) Tezuka wird bis heute als „Manga-Gott“ bezeichnet. Er hat viele Neuerung in den Manga gebracht und soweit verändert, Kalligraphie, die dem Wort, das dargestellt wird, Leben einhauchen. Bereits in der Grundschule lernen die Kinder regel- dass er viel zur heutigen Form beigetragen hat. mässig den Pinsel zu führen, um die chinesischen Schriftzeichen besonders korrekt und elegant schreiben zu können. 1946, im Alter von 18 Jahren während der Uni, schickte er einen 200-seitigen Manga, „Shinkara Jima“ an einen Verlag. So Neben den chinesischen Schriftzeichen verwenden die Japaner noch zwei weitere Alphabete. Wer viel Kanji gebraucht, machte er sein Debüt und das Werk wurde 400‘000 mal verkauft, eine hohe Zahl für die Nachkriegszeit. Er war innovativ, wirkt gebildet und die Kunst der Kalligraphie wird von vielen Japanern hochgeschätzt. Die Führung der Linie ist vor da er den 4-koma-Manga durchbrach und die heutige übliche Seitenform eines Mangas, zeigte. Jahrhunderten bis heute für die Japaner wichtig. Die Kalligraphie beeinflusst auch den Manga. Die Aussagekraft der Bilder in Mangas ist gross und je nach Linienführung haben sie eine andere Wirkung. Talentierte Mangakas (dt. Man- Die neue Leseweise ga-Zeichner) können mit den wenigsten Linien eine anschauliche Geschichte erzählen. Von der Bildrolle entwickelte Das ganze Blatt wird genutzt und statt dass man damals üblich in Japan zuerst die erste rechte Spalte und dann die linke sich daraus die Frühform des Mangas und vor Tezuka hatte sich der Comicstrip durchgesetzt. Spalte liest, las man bei Tezuka in Zeilen. Auch die ungefähre Einteilung der Seite in drei Zeilen behielt sich bis heute bei Bsp. Eines westlichen und japanschen comcistrip zeigen) Er wird bis heute aber in einer Spalte gezeichnet, nicht wie bei in vielen Mangas. uns im Westen üblich in einer Zeile. Ein westliches Beispiel dazu wäre Garfield. Der harte Alltag Tezukas Seit diesem Anfang seiner Karriere musste er sein Leben als Medizinstudent und Mangaka ausbalancieren, Schlaf war Mangelware und pro Monat musste er nun ein bis zwei Bücher heraus bringen, wenn auch vielleicht nicht so lang wie 200 Seiten, aber dennoch nicht viel weniger. Auch wenn durch die Mitteilung der Meinungen anderer er sich nun selbst dann 28 29
  • 16. Tetsuwan Atom – Astro Boy Original von Tezuka SACHTEIL Links der Manga, rechts der Anime auch entschieden hatte, sich dem Beruf Mangaka statt Arzt zu widmen, führte er die Medizinschule fort. 1952 zieht er von Osaka nach Tokyo, der Hauptstadt Japans. Ein Jahr später zieht er in ein Appartement, „Toki wa sou“ in der er auf seine Mitbewohner trifft, von denen einige später berühmte Mangakas werden, wie Fujiko Fujio, der Erschaffer von Doraemon und Ishimori Shoutaro, der Kamen Rider zeichnete. Doraemon Tezukas Werke Tezuka zeichnete viele Geschichten für Kinder, den Schritt zum Ziel- publikumswechsel zu den Erwachsenen wagte er 1955. Er passte dafür auch seinen Zeichenstil an. Ein Jahr darauf folgend brachte er auch Bücher in Manga-Form her- aus, die beim Lernen über Themen wie Astrologie und sonstigen Na- turwissenschaften helfen. Er schrieb auch Bücher und Essay und war sehr belesen. Anime 1958 wagte er wieder einen neuen Schritt. All das Geld, das er mit Manga verdient hatte, wollte er nun in Animationen (Animes) inves- tieren. Er produzierte einen Film im Anime-Stil. Viele Animeproduzenten, wie heute auch Miyazaki Hayao (Mein Nachbar Totoro, das flie- gende Schloss, Heidi) kritisieren Tezuka für diese Methode. Er hat so die Produktionskosten Krise gesenkt und alle Konkurrenten gezwungen ihren Verdienst zu senken, um ihre Produktio- Im gleichen Jahr wurde „Gorgo 13“ populär, eine eher ernste Geschichte, dem Vorreiter dieses Typs Mangas und der nen noch ausstrahlen zu können. Doch das birgt finanzielle Schwierigkeiten für die Anime Trend wandte sich von Comedy zu ernsten Geschichten. Doch so etwas hatte Tezuka nie gezeichnet, in dem der Held produzierenden Firmen. Bis heute verdienen Animatoren sehr wenig. nicht zur lustigen Unterhaltung da war. Er verlor an Popularität und hatte deswegen Stress wie Neurose. Es war eine dunkle Zeit für ihn. Eine Änderung gibt es auch bei den reinen Manga-Magazinen, die nun von monatlichen Ausgaben zu wöchentlichen 1967 kam „Jungle Taite“ als Anime heraus und gewann in Venedig einen Preis. wechseln. 1959 heiratete er, doch vor der Heirat hatte er nur zwei Verabredungen mit seiner damaligen Freundin und später Ehefrau, da er sehr viel arbeitete. Man sagt, er habe vielleicht 4 Stunden geschlafen in der Nacht und wenn es auf Links der Mangas, rechts der Anime: den Abgabetermin drückte gar nicht. Er war auch vor der Hochzeit so beschäftigt, dass er eine Stunde zuvor noch seinen fertigen Manga abgab und dann zur eigenen Hochzeit zu spät kam. Bis heute sind erfolgreiche Mangakas viel beschäftigt. Ein früher erfolgreicher Manga „Shaman King“, musste für eine Weile unterbrochen werden. Der Mangaka schrieb, dass sein Privatleben gelitten habe und er selbst körperlich die Anstrengung merke. Er wolle wieder seine Beziehungen pflegen, die auch gelitten haben, und er wollte sich auch um sich selbst kümmern. Gleichzeitig verdienen erfolgreiche Mangakas eine rechte Sum- me. Ein Beispiel wäre der Mangaka eines älteren Mangas „Hebi-shoujo“ (dt. Schlangenmädchen), der sein Haus renovieren liess und skurrile Dekorationen hinzufügte, die zu keinem anderen Zweck dienen als zur Überraschung vorbei gehender Menschen der Nachbarschaft. Der Mangaka von „Bleach“ kann es sich mitt- lerweile leisten nach immer einer Zeitspanne von 2 Jahren umzuziehen, weil ihm der Wohnort „zu langwei- lig“ wird. „Bleach“ wird seit 11 Jahren regelmässig veröffentlicht. Mushi Production Einen neuen Schritt wagte Tezuka 1961. Er wollte eine Anime-Serie herausbringen, die dann wöchentlich eine Episode zeigen soll. Damals war das Neuland, nur Filme hat man bisher im Anime-Stil gemacht. Vieles wurde noch von Hand ge- zeichnet und gemalt. Mit seinem Wohlhaben durch den Verdienst mit Mangas gründete er mit sechs weiteren Personen die Firma „Mushi Production“ (Insekten Produktion) und produzierte innerhalb des folgenden Jahres einen 40minüti- gen Film, „Aru Majikado no Monogatari“ (Die Geschichte eines Stadtviertels). Den Lohn für die Arbeiter und die Produktion bezahlte Tezuka selbst und für den Film bekamen sie einen Preis. 1962 kam „Tetsuwan Atom“ (Eisenarm Atom), auch als „Astro Boy“ bekannt, heraus. Doch so eine aufwändige Produk- Die Story und die Figuren ähneln und scheinen dieselben zu sein wie im Film „Der König tion wie Disney konnten sie nicht machen, die 24 Bilder in einer Sekunde zeigten. So entstand die „limited“ Variante, in der Löwen“ von Disney. Der Sohn Tezukas beschwerte sich, doch das wurde ignoriert. der nur noch 10 Bilder pro Sekunde gezeigt werden. So sparten sie Geld und „Tetsuwan Atom“ wurde ein grosser Hit. 30 31
  • 17. SACHTEIL Die schwierige Ausgangslage der Mushi Production Eine Szene aus Bakuman: Die Assistenden und der Mangaka arbeiten gemeinsam am Manga Doch das wenige Personal mit viel Arbeit war keine gute Lage für die „Mushi Production“. Pro Tag musste eine Person 66 Seiten zeichnen und malen. Durch die limited-Variante wurde das Produzieren zwar billiger, doch die Firmen, die Anime produzierten, verdienten so zu wenig Geld, worauf Tezuka bis heute Einfluss hat. Seine Firma wurde dennoch langsam grösser und „Tetsuwan Atom“ lief 4 Jahre lang im Fernsehen. „Tetsuwan Atom“, war ein Manga von Tezuka und für eineinhalb Jahre gab die Vorlage noch genug Stoff, doch die Mitarbeiter mussten die Geschichte irgendwie weiter fortführen. Weil sie aber eher auf Beliebtheit achteten, versahen sie den Anime mit zu vielen Kämpfen, was das vielleicht zu frühe Ende nach 4 Jahren bedeutete. Neben alldem hat Tezuka immer noch Manga gezeichnet und durch seine Firma und die wöchentlich ausstrahlenden Episoden von Anime-Serien neue Arbeitsplätze geschaffen. Auch den Verlag und das Manga-Magazin „COM“ gründete er. Auch wenn er weiter zeichnete und so verdiente, ging seine Firma bankrott und er allein schulterte die Schulden von 1.5 Millionen Yen auf sich. Tezuka ist „zu alt“ Tezuka wurde zu dieser Zeit als „zu alt“ bezeichnet und er verlor wieder seine Popularität, auch wenn er viele verschiedene Mangas gezeichnet hatte, auch Horror passend zum Yokai-Boom (japanische Dä- monen und spirituelle Fabelwesen, vergleichbar mit Poltergeistern, aber grösser in der Vielfalt). Mit den Schulden und der schwindenden Popularität Black Jack begann 1968 seine dunkelste Zeit, die bis 1973 dau- Dann kam aber „Black Jack“ im Magazin „COM“ her- erte. aus. Der Lektor dachte damals, dass man noch so gütig sein sollte dem Herrn Tezuka seinen letzten Versuch zu geben, doch überraschenderweise landete dieser Der heute oft genutzte G-Pen für die Tusche in Mangas ist auch ihm Manga einen Hit und so stieg er wieder in der Ran- zu verdanken, mit dem man schneller und schönere Linien zeichnen gliste auf. könne. Auch die Rasterfolien sind ihm zu verdanken. Eine Szene aus Bakuman: Hier zeigt eine der Hauptfiguren den G-Pen: Ein Beispiel einer Rasterfolie: Als Mangaka sterben 1980 begann er mehr über sich selbst zu erzählen, zu schreiben und zu zeichnen und beschäftigte sich auch mit seinen Wurzeln und verfolgte seinen Famili- enstammbaum bis in die Bakumatsu und Meji-Ära. 1988 war er an einem Festival in Shanghai. Als er zu- rückkehrte, verschlechterte sich sein Zustand und die Diagnose war Magenkrebs. Niemand sagte ihm, was er genau habe, was, nach meiner Mutter, nicht unge- wöhnlich war zu dieser Zeit. Er führte Tagebuch und durch seine medizinische Ausbildung glaubt man, dass er wusste, was er hatte, zumindest, dass er nicht mehr gesund werden würde. Bis zu seinem Tod hat er weiter Manga gezeichnet. Weitere Erneuerungen, die Tezuka zu verdanken sind Er war der erste, der mit Assistenten für seinen Manga arbeitete und auch so das Assistenten-System ausarbeitete. Heute Ohne Tezuka, sähe der heutige Manga und auch Anime ganz anders aus. Assistenten und Materialien für den Manga sind sie nicht wegzudenken, da die monatliche und wöchentliche Veröffentlichung mit der heutigen grossen Qualität gäbe es gar nicht und auch die Seiyuus (dt. Synchronsprecher) hätten heute nicht so viele Jobs und Rollen. Er war auch der Manga wohl kaum möglich wäre. Auch dass die Assistenten so bei einem „Meister“ lernen können und Erfahrungen der erste, der eine wöchentliche Anime-Serie herausbrachte. sammeln um selber später Mangaka zu werden ist heute ein üblicher Werdegang zum Mangaka. 32 33