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2	
  —	
  Lehrbuch	
  für	
  Lernen	
  und	
  Lehren	
  mit	
  Technologien	
  (L3T)


                                                                                       2. Lernmanagementsysteme	
  
1. Einleitung	
  
                                                                                       Defini5on,	
   Funk5onen	
   und	
   Einsatz	
   von	
   Lernmanage-­‐
Rahmenbedingungen und Lehrmittel beeinflussen
                                                                                       mentsystemen	
  
und gestalten implizit Lernprozesse: Mit einem Buch
unterrichte ich anders als mit einer Tafel, in einem                                   Lernen und Lehren beinhaltet vielfältige organisato-
Stuhlkreis anders als in einem Hörsaal. Auch Techno-                                   rische Aufgaben. Lernmanagementsysteme unter-
logien wirken sich auf den Unterricht und das                                          stützen vor allem Managementaufgaben von Leh-
Lernen aus. Solche Effekte werden von Lehrenden                                        renden.
zum einen angestrebt und genutzt; zum anderen
wirken sich die verwendeten Technologien auch un-
                                                                                                 Ein	
   Lernmanagementsystem	
   (engl.	
   „learning	
   mana-­‐
bewusst auf den Unterricht und das Lernen aus.
   In diesem Kapitel werden wir drei Formen von                                          !       gement	
  system“,	
  kurz	
  LMS)	
  ist	
  eine	
  serverseiGg	
  instal-­‐
                                                                                                 lierte	
  SoHware,	
  die	
  beliebige	
  Lerninhalte	
  über	
  das	
  In-­‐
technologischen Systemen zur Verwaltung des                                                      ternet	
   zu	
   vermiKeln	
   hilH	
   und	
   die	
   OrganisaGon	
   der
Lernen und Lehrens betrachten: Diese sind Lernma-                                                dabei	
   notwendigen	
   Lernprozesse	
   unterstützt	
   (Baum-­‐
nagementsysteme (LMS), dann Kompetenzmanage-                                                     gartner	
  et	
  al.,	
  2002,	
  24).
mentsysteme (KMS) und schließlich sogenannte Per-
sönliche Lernumgebungen (PLE). Es geht also nicht
um einzelne Anwendungen für das Lernen und                                             Umgangssprachlich werden LMS auch oft als „Lern-
Lehren, sondern es handelt sich dabei um die                                           plattformen“ bezeichnet. War die Funktionalität der
Systeme, mit denen das webbasierte Lernen aktuell                                      entsprechenden Produkte der diversen Hersteller an-
gesteuert, verwaltet und dokumentiert wird.                                            fänglich uneinheitlich, so begann sich später durch
   Die drei Systeme wurden ausgewählt, da sie einen                                    die Marktkonsolidierung und den extensiven Praxi-
besonderen Stellenwert einnehmen: Lernmanage-                                          seinsatz eine gewisse funktionelle Standardisierung
mentsysteme sind weit verbreitet und werden seit                                       herauszukristallisieren.
längerer Zeit diskutiert, auch kritisiert und immer                                        In einer Darstellung von Bäumer et al. (2004)
wieder an neue Bedürfnisse angepasst. Die beiden                                       werden Administration, Kommunikation und Inhalte
weiteren Konzepte sind eher jung: Kompetenzma-                                         als die drei wesentlichen Säulen von Lernmanagment-
nagementsysteme spielen sowohl im Rahmen des                                           systemen beschrieben (siehe Abbildung 1).
betrieblichen Lernens, aber auch aus der Perspektive
des lebenslangen Lernens eine wichtige Rolle, da sie
Lernende in ihrer Kompetenzentwicklung unter-
stützen und gleichzeitig betriebliche Anforderungen
erfüllen können. Persönliche Lernumgebungen
fokussieren konsequent auf die Perspektive der Ler-
nenden und erlauben diesen, ihre individuelle Infor-
mations- und Kommunikationsumgebung zu ge-
stalten.
   Alle drei Systeme werden wir in diesem Beitrag
aus der Perspektive der pädagogischen Praxis be-
schrieben, indem wir skizzieren, welche Aufgaben                                             Abbildung	
  1:	
  Drei	
  Säulen	
  von	
  Lernmanagementsys-­‐
diese Systeme übernehmen und wie solche Rahmen-                                              temen.	
  Quelle:	
  nach	
  Bäumer	
  et	
  al.	
  (2004)
bedingungen gegebenenfalls das Lernen beeinflussen.
Zum besseren Verständnis stellen wir diese drei
Systeme als prototypische Konzepte vor. In der                                           Fünf Funktionsbereiche von LMS können dabei
Praxis sind die realen Produkte weniger trennscharf                                    unterschieden werden:
konzipiert.                                                                            ▸ Werkzeuge für Lehrende zur Erstellung von Auf-
                                                                                         gaben und Übungen,
                                                                                       ▸ Evaluations- und Bewertungshilfen (Umfragen
                                                                                         und Tests),
                                                                                       ▸ Präsentation von Inhalten (Lernmaterialien),
                                                                                       ▸ administrative Unterstützung von Lehrenden (zum
                                                                                         Beispiel bei Abgaben, Terminen) und
Technische	
  Konzepte	
  im	
  Einsatz.	
  Lernmanagement,	
  Kompetenzmanagement	
  und	
  PLE—	
  3


▸ Kommunikationswerkzeuge für Lehrende und                                tausch von Dokumenten per E-Mail sowie dezen-
  Lernende.                                                               traler Verwaltung und Bewertung der Beiträge durch
                                                                          den Lehrenden, eine Arbeitserleichterung dar.
    Wenngleich LMS eine Fülle von Funktionen                                 Wie einführend dargestellt, limitieren und ge-
haben, ist ihr praktischer Einsatz häufig auf die Be-                     stalten Technologien das Lernen und Lehren. Aus
reitstellung der Unterrichtsmaterialien der Lehrenden                     dieser Perspektive rücken die Funktionen von LMS in
reduziert.                                                                ein anderes Licht. Die Konzeption von Organisation
    Nach wie vor ist der Funktionsumfang, der diese                       in Kursen und Klassen, sowie insbesondere die Rolle
Software charakterisiert, im ständigen Wandel. Auch                       der Lehrenden als diejenigen, die über Zugänge und
sind in den konkreten Produkten nicht alle Funkti-                        Lehrmaterial wesentlich bestimmen können, ent-
onsbereiche im gleichen Umfang vorhanden, bzw.                            spricht nur eingeschränkt den aktuellen Vorstellungen
kann in einigen Fällen die eine oder andere Kategorie                     des technologiegestützten Lernens und Lehrens.
fehlen. Um die Systeme zu unterscheiden, werden                              Die aktuell dominanten Theorien und erwünsch-
auch weitere Bezeichnungen verwendet. So werden                           ten Konzepte guten Lehrens stellen die Eigenaktivität
LMS, die auch Werkzeuge zur Erstellung und An-                            der Lernenden und damit eigenständige Kon-
passung von Lerninhalten integrieren, auch als Lear-                      struktion und Diskussionen zum Lerngegenstand in
ningcontentmagementsystem (LCMS) bezeichnet.                              den Vordergrund, bei denen der Lehrende nicht
    In nahezu jeder Hochschule in Mitteleuropa                            primär als Experte des Fachs, sondern vor allem als
sowie bei vielen Schulen und Bildungseinrich-                             Unterstützer des Lernens tätig ist. Schneider (2003)
tungen werden derzeit LMS eingesetzt. Recherchiert                        argumentiert so für die Unterstützung einer aktivi-
man LMS, findet man mehrere Hundert Anbieter. Im                          tätsbasierten Pädagogik und kritisiert klassische E-
Open-Source-Bereich gibt es allein mehr als 50 Pro-                       Learning-Technologien wie LMS. Er weist darauf
jekte, die aktuell LMS entwickeln und offerieren. Zu                      hin, dass diese eine behavioristische Tradition fort-
den am weitesten verbreiteten gehören hier Moodle,                        setzen und eine Praxis der klassischen Wissensüber-
Ilias und Blackboard. In Studien wird versucht, Hilfe-                    tragung fördern: Der Zugang zu Informationen,
stellungen bei der Auswahl passender LMS zu geben.                        Wissen und auch der Kontakt zu Gleichgesinnten ist
Beispielsweise wird unterscheiden nach technischen                        in LMS in der Praxis limitiert und nur durch Ver-
Voraussetzungen, Kapazitäten und Funktionen der                           mittlung von Institutionen und Autoritäten er-
Systeme (Schulmeister, 2003).                                             reichbar, die wiederum darüber Prüfungen ab-
    Als Motiv für den Einsatz von LMS wird an erster                      nehmen. In einer Zusammenfassung der Kritik an
Stelle die Zentralisierung der Verwaltung von Lernak-                     LMS von Siemens (2004) wird zudem darauf ver-
tivitäten genannt, weitere wichtige Gründe sind die                       wiesen, dass zentralisierte, monolithische Systeme nur
Möglichkeiten der Überwachung und Kontrolle von                           wenig didaktische Variationen erlauben. Dalsgaard
Lernaktivitäten (Learning Circuits, 2009, 184 Be-                         (2006) kritisiert besonders die geringe Flexibilität, die
fragte).                                                                  bei der Nutzung eines LMS gegeben ist und sieht
                                                                          dringenden Bedarf, Lernenden mehr Freiräume bei
Auswirkungen	
   auf	
   die	
   Gestaltung	
   des	
   Lernens	
   und
                                                                          der Auswahl von Kommunikations- und Interakti-
Lehrens	
  
                                                                          onswerkzeugen zu ermöglichen.
LMS übernehmen, darauf weist auch die Be-                                    In den letzten Jahren hat die Verbreitung der
zeichnung „Management“ hin, vor allem organisie-                          Nutzung von sozialen Netzwerksystemen und die
rende und verwaltende Aufgaben, die auf klassi-                           Entwicklung von zahlreichen Webanwendungen,
schen Kurs-, Klassen- und Unterrichtsstrukturen be-                       welche die Kommunikation und die Kollaboration
ruhen. Lernenden werden bestimmte Kurse freige-                           von Lernenden unterstützen können, zu ihrer zuneh-
schaltet, das heißt sie können in aller Regel dort ver-                   menden Integration oder die Einführung von
fügbare Unterrichtsmaterialien oder Stundenpläne                          Schnittstellen zu solchen Angeboten in LMS geführt.
einsehen und beispielsweise auch in Diskussionsforen
des Kurses Beiträge der Lehrenden und Mitlernenden
                                                                                LMS	
   sind	
   aus	
   vielen	
   Bildungseinrichtungen	
   nicht	
   mehr
lesen oder eigene verfassen. LMS gewährleisten
somit, dass Lernende Zugang zu denen für sie rele-                          ?   wegzudenken.	
   ReflekGeren	
   Sie	
   Ihre	
   eigenen	
   Erfah-­‐
                                                                                rungen	
  mit	
  LMS:	
  Wie	
  nutzen	
  Lehrende	
  und	
  Lernende
vanten Kursen erhalten und Lehrende beispielsweise                              die	
   Möglichkeiten	
   dieser	
   Systeme	
   in	
   Ihrer	
   Umgebung?
Unterstützung bei der geordneten Abgabe, Be-                                    Haben	
   Sie	
   ähnliche	
   Erfahrungen	
   gemacht,	
   wie	
   sie	
   in
wertung und Rückmeldung von Arbeitsaufträgen er-                                den	
  ziGerten	
  KriGkpunkten	
  genannt	
  werden?
halten. LMS stellen hier, im Unterschied zum Aus-
4	
  —	
  Lehrbuch	
  für	
  Lernen	
  und	
  Lehren	
  mit	
  Technologien	
  (L3T)


                                                                                            zentrale Plattform für die Erstellung von Kompe-
3. Kompetenzmanagementsysteme	
  
                                                                                            tenzprofilen, für die Kompetenzüberprüfung und für
Defini5on,	
   Funk5onen	
   und	
   Einsatz	
   von	
   Kompetenzma-­‐                      den Kompetenztransfer.
nagementsystemen	
                                                                             Folgende Funktionsbereiche von KMS können
Während Lernmanagementsysteme überwiegend in                                                unterschieden werden (Dittmann et al., 2005), mit der
Schulen und Hochschulen eingesetzt werden, beginnt                                          Einschränkung, dass eine eindeutige Definition und
sich seit einigen Jahren in Unternehmen eine andere                                         eine Klärung des genauen Verständnis von KMS,
Variante eines Systems zur Unterstützung des Ler-                                           ähnlich wie bei LMS vor einigen Jahren, noch aus-
nens durchzusetzen. Eine Aufgabe betrieblichen Ma-                                          steht:
nagements, insbesondere des Personalwesens ist es,                                          ▸ Erstellung und Verwaltung von Kompetenzmo-
zu gewährleisten, dass die Mitarbeiter/innen so ein-                                           dellen,
gesetzt werden, dass sie notwendige Kompetenzen                                             ▸ Erstellung und Verwaltung von Kompetenzpro-
mitbringen oder deren Entwicklung gezielt unter-                                               filen für Aufgabenbereiche im Unternehmen,
stützt wird.                                                                                ▸ Anlegen, Verwaltung und Pflege der Kompetenz-
                                                                                               profile der Mitarbeiter/innen,
         Ein	
  Kompetenzmanagementsystem	
  (kurz	
  KMS)	
  ist	
  eine                   ▸ Darstellung der Kompetenzprofile auf individu-
   !     serverseiGg	
   installierte	
   SoHware,	
   die	
   das	
   Personal-­‐
         wesen	
   und	
   die	
   Personalentwicklung	
   in	
   Unternehmen
                                                                                               eller und organisationaler Ebene,
                                                                                            ▸ Recherche- und Verwaltungsaufgaben (Recherche
         unterstützt,	
   indem	
   Soll-­‐	
   und	
   Ist-­‐Stände	
   der	
   Kompe-­‐
         tenzen	
   der	
   Mitarbeiter	
   erfasst	
   und	
   dokumenGert
                                                                                               nach passenden Mitarbeiter/innen, Qualifikations-
         werden	
   und	
   entsprechende	
   Bildungs-­‐	
   und	
   auch	
   Be-­‐           bedürfnissen) und
         setzungsentscheidungen	
  beeinflussen.                                             ▸ Planung und Dokumentation der Kompetenzent-
                                                                                               wicklung.
Während es Anfang der 1990er Jahre noch wichtig                                             Eine Fokussierung der Systeme liegt darin, möglichst
war, die Mitarbeiter/innen mit den passenden Quali-                                         umfassendes Wissen über die Kompetenzen im Un-
fikationen, also mit entsprechend bescheinigten                                             ternehmen zu erhalten. KMS ermöglichen zum Bei-
Kenntnissen und Fortbildungen, an einer bestimmten                                          spiel die Modellierung von Kompetenzmodellen und
Position einzusetzen, wurde zunehmend die For-                                              deren Verknüpfung mit Job- oder Aufgabeprofilen.
derung nach Kompetenzen laut (Grootings, 1994).                                             Durch die Verknüpfung mit weiteren Werkzeugen aus
Stark vereinfacht bezeichnen Kompetenzen das Kon-                                           der Personalentwicklung lassen sich auch Kennzahlen
glomerat an Fähigkeiten, Fertigkeiten, Werten und                                           für Ist-Kompetenzen erheben und entsprechende
Willen, das Individuen ermöglicht, in komplexen und                                         Maßnahmen zu deren Verbesserung einleiten. Ob die
dynamischen Situationen Probleme erfolgreich lösen                                          Informationen über die Kompetenzen von Personen
zu können (Erpenbeck & Rosenstiel, 2003). Kompe-                                            unternehmensweit veröffentlich werden, um bei-
tenzen, die häufig eingefordert werden, sind bei-                                           spielsweise die richtigen Ansprechpartner zu finden,
spielsweise Teamfähigkeit, Selbstorganisation oder                                          oder ob sie nur Führungskräften zugänglich gemacht
Durchsetzungskraft. Unternehmens- oder aufgaben-                                            werden, ist unterschiedlich gelöst.
relevante Kompetenzen zu definieren, zu bewerten                                               Es gibt mehrere kommerzielle KMS, wie zum Bei-
und zu erfassen ist nicht trivial und gehört zum Auf-                                       spiel „SAP ERP Human Capital Management“, oder
gabenbereich des Kompetenzmanagements. Kompe-                                               auch Open-Source-Systeme, wie zum Beispiel das im
tenzmanagement ist „eine Managementdisziplin mit                                            Rahmen des Europäischen Forschungsprojektes
der Aufgabe Kompetenzen zu beschreiben, trans-                                              TENCompetence entwickelte (Koper & Specht,
parent zu machen sowie den Transfer, die Nutzung                                            2008). Inwieweit in Unternehmen derzeit technolo-
und Entwicklung der Kompetenzen orientiert an den                                           gische Unterstützung in Form von KMS zum Einsatz
persönlichen Zielen des Mitarbeiters sowie den                                              beim Kompetenzmanagement kommt, ist unbekannt.
Zielen der Unternehmung sicherzustellen“ (North &                                           Das liegt auch daran, dass entsprechende Systeme
Reinhardt, 2005, 16).                                                                       unter unterschiedlichen Bezeichnungen vertrieben
   KMS unterstützen das Kompetenzmanagement                                                 und bekannt sind (zum Beispiel auch unter dem Be-
und vermitteln zwischen verschiedenen Bereichen in                                          griff „Talentmanagement“). Vor allem werden sie in
Unternehmen (zum Beispiel zwischen Personalmana-                                            internationalen, großen Unternehmen eingesetzt, was
gement und Strategischem Management). Sie sind die                                          wiederum in Form von Fallbeispielen dokumentiert
                                                                                            und beschrieben ist (Elbert, 2001).
Technische	
  Konzepte	
  im	
  Einsatz.	
  Lernmanagement,	
  Kompetenzmanagement	
  und	
  PLE—	
  5


Auswirkungen	
   auf	
   die	
   Gestaltung	
   des	
   Lernens	
   und
                                                                                         4. Persönliche	
  Lernumgebungen	
  
Lehrens	
  
Kompetenzmanagementsysteme unterstützen darin,                                           Defini5on,	
   Funk5onen	
   und	
   Einsatz	
   von	
   Persönlichen
Kompetenzen und Kompetenzentwicklung von Mit-                                            Lernumgebungen	
  
arbeiter/innen zentral zu erfassen, zu dokumentieren                                     Mit der Entwicklung und dem wachsenden Erfolg
und zu organisieren sowie gleichzeitig dabei unter-                                      von partizipativen Anwendungen im Internet gewann
stützen, entsprechende Bildungs- und Besetzungsent-                                      mit sogenannten Persönlichen Lernumgebungen
scheidungen zu treffen. KMS nehmen damit sowohl                                          (engl. „personal learning environment“, kurz PLE)
für Unternehmen als auch Mitarbeiter/innen wichtige                                      ein neues Konzept Aufmerksamkeit. Im Fokus der
Funktionen ein. Doch auch hier stellt sich die Frage,                                    „Persönlichen Lernumgebung“ stehen die Ler-
inwieweit die Technologie bzw. das inhärente Modell                                      nenden, die sich selbst Webinhalte, Lernressourcen
der Personalentwicklung das Lernen in Unternehmen                                        und Lernwerkzeuge so arrangieren und sie so nutzen,
beeinflusst.                                                                             dass sie deren persönliches Wissensmanagement und
   Der Umgang mit Bildungs- und Kompetenzfragen                                          Lernen unterstützen. Im Unterschied zu den Lern-
durch das Management, welches sich aus organisatio-                                      managmentsystemen rückt es die selbst gesteuerten
naler und strategischer Perspektive damit beschäftigt,                                   und aktiven Lernenden in den Fokus.
wird häufig als eher irrelevant für das eigene Lernen
empfunden. Werden KMS mit einem Fokus auf die                                                    PLE	
   sind	
   Systeme,	
   bei	
   denen	
   Lernende	
   verteilte
Entwicklung der Mitarbeiter/innen gelegt, kann dies
Unterschiedliches auslösen: Zum einen erlebt die                                           !     Online-­‐InformaGonen,	
   -­‐Ressourcen	
   oder	
   -­‐Kontakte
                                                                                                 aus	
   unterschiedlichen	
   Social-­‐SoHware-­‐Anwendungen
Kompetenzentwicklung und Weiterbildung im Unter-                                                 und	
   anderen	
   Systemen	
   zentral	
   integrieren	
   und	
   ver-­‐
nehmen allgemein – sofern dies auch entsprechend                                                 walten	
  können	
  und	
  dabei	
  große	
  Freiräume	
  bei	
  der	
  in-­‐
im System abgebildet wird – eine Aufwertung und                                                  haltlichen	
   Gestaltung	
   haben	
   (Schaffert	
   &	
   Kalz,
                                                                                                 2009,	
  6)
Anerkennung. Gleichzeitig befürchten Mitarbei-
ter/innen auch die Erfassung von Kompetenzen und
deren Evaluierung, gerade wenn davon Beförde-                                            Auf den ersten Blick wird man mit dem Begriff
rungen oder Stellenbesetzungen abhängen. Be-                                             „Persönliche Lernumgebung“ nicht zwangsläufig eine
sonders problematisch wird der Einsatz, wenn die                                         neue Variante des internetgestützten Lernens assozi-
Kompetenzanalysen nicht nachvollziehbar sind                                             ieren: Der Begriff zielt zunächst einmal darauf ab,
(Hüneke & Zimmermann, 2000). Über das Lernen                                             dass es sich hier um die individuelle, nach persön-
hinaus können KMS noch viele weitere Konse-                                              lichen Interessen und Bedürfnissen ausgerichtete,
quenzen haben, die auch dazu führen, dass sie von                                        also personalisierte Umgebung handelt, in der Ler-
Unternehmen abgelehnt werden: So können Füh-                                             nende ihr persönliches Wissensmanagement und ihre
rungskräfte auf kompetente Mitarbeiter/innen aus                                         eigene Weiterbildung organisieren. Tatsächlich ver-
anderen Abteilungen aufmerksam werden und sie ab-                                        birgt sich hinter PLE jedoch ein neues technologi-
werben (Dittmann et al., 2005).                                                          sches Konzept für die Unterstützung von Lernenden.
                                                                                         Dabei gibt es unterschiedliche technologische Vorge-
                                                                                         hensweisen und Realisierungen (Schaffert & Kalz,
       Welche	
   Vorteile	
   haben	
   Mitarbeiter/innen,	
   die	
   in               2009). Manchmal wird dabei das persönliche Wis-
  ?    einem	
  Unternehmen	
  arbeiten,	
  in	
  dem	
  ein	
  Kompetenz-­‐
       managementsystem	
   eingesetzt	
   wird?	
   Wo	
   sehen	
   Sie
                                                                                         sensmanagement unterstützt, indem eigene virtuelle
                                                                                         Dokumentationsräume angeboten werden (zum Bei-
       Schwierigkeiten?	
   Welche	
   Vorteile	
   und	
   Herausforde-­‐
       rungen	
   sehen	
   Sie	
   auf	
   Seiten	
   des	
   Managements,	
   bei-­‐
                                                                                         spiel bei Lernweg.de). Immer häufiger werden jedoch
       spielsweise	
   der	
   Personalentwicklung?	
   -­‐	
   BiKe	
   sammeln         Mashup-Technologien eingesetzt (siehe Kapitel
       und	
   dokumenGeren	
   Sie	
   entsprechende	
   Vorteile	
   und               #webtech). Ein PLE stellt dann eine technologische
       Nachteile	
   bzw.	
   Herausforderungen	
   aus	
   Mitarbeiter-­‐               Basis dar, mit der Anwendungen und Dienste, die
       und	
  Unternehmenssicht.                                                         Lernende nach Verfügbarkeit entsprechender Anwen-
                                                                                         dungen (zum Beispiel in Form von Widgets) hinzu-
                                                                                         fügen können. Potentiell stehen ihnen dabei Res-
                                                                                         sourcen und Anwendungen des gesamten Webs zur
                                                                                         Verfügung.
6	
  —	
  Lehrbuch	
  für	
  Lernen	
  und	
  Lehren	
  mit	
  Technologien	
  (L3T)


   Folgende Funktionsbereiche von PLE können un-                                       sich ist vergleichsweise einfach. Häufig muss man die
terschieden werden:                                                                    einzelnen Anwendungen nur in das eigene Cockpit
▸ individuelle Abonnements von Quellen und Res-                                        „ziehen“. Voraussetzung ist jedoch, die vorhandenen
   sourcen sowie Präsentation der Inhalte,                                             Webanwendungen und Ressourcen auch zu kennen
▸ Zugänge zur persönliche Kommunikation und                                            und nutzen zu können. Dies ist also nur bei einer re-
   Netzwerkpflege und                                                                  lativ kleinen web-affinen Gruppe selbstgesteuerter
▸ Schnittstellen und Werkzeuge für individuelles                                       Lernenden gegeben.
   oder kollaboratives Arbeiten.                                                           PLE sind für Lernende. Es gibt also keine direkten
                                                                                       Möglichkeit für Lehrende, Inhalte vorzugeben, oder
Das Konzept der Persönlichen Lernumgebung wird                                         korrigierend einzugreifen. (Allerdings können Ler-
erst seit kurzer Zeit auf einer breiteren Basis disku-                                 nende in ihren PLE auch Meldungen ihrer Leh-
tiert. Es gibt jedoch schon länger Ansätze in diese                                    renden oder des verwendeten LMS integrieren.) Da
Richtung. So waren Olivier und Liber (2001) die                                        die Vorteile der PLE, insbesondere das einfache Hin-
Ersten, die diese Idee thematisiert haben. Einige                                      zufügen von neuen Webanwendungen auch für
Jahre später waren es die Entwickler der Blogging-                                     andere Lernangebote attraktiv sind, werden ihre
und Social-Networking-Plattform Elgg, die mit den                                      Funktionalitäten zunehmend in LMS eingebunden.
„Personal Learning Landscapes“ ein integriertes
Konzept vorgestellt haben, aus dem sich dann später
das Konzept der „Personal Learning Environments“                                                Auch	
   wenn	
   voller	
   Enthusiasmus	
   von	
   PLE	
   gesprochen
entwickelt hat (Kalz, 2006).                                                              ?     wird:	
   Manche	
   behaupten,	
   die	
   aktuellen	
   „PLE“-­‐Anwen-­‐
                                                                                                dungen	
  wären	
  auch	
  nicht	
  mehr	
  als	
  Werkzeuge	
  zur	
  Un-­‐
    Im Gegensatz zu traditionellen multifunktionalen                                            terstützung	
   des	
   Persönlichen	
   Wissensmanagements
virtuellen Lernumgebungen, die verschiedene As-                                                 im	
   Internet.	
   BiKe	
   recherchieren	
   Sie	
   nach	
   aktuellen
pekte in das System integrieren (zum Beispiel Studie-                                           Tools,	
  die	
  als	
  PLE	
  bezeichnet	
  werden	
  und	
  analysieren
rendenverwaltung, Kommunikations- und Kollabora-                                                Sie,	
   welche	
   FunkGonalitäten	
   diese	
   anbieten.	
   In
tionswerkzeuge), stellt das PLE-Konzept den Ler-                                                welcher	
  Weise	
  könnten	
  Sie	
  mit	
  diesen	
  Anwendungen
                                                                                                Ihr	
  eigenes	
  Lernen	
  unterstützen?
nenden, seine Aktivitäten und Bedürfnisse in den
Mittelpunkt; es holt die Werkzeuge und Informa-
tionen in die PLE des Lernenden.
    Anwendungen wie i-Google und Netvibes werden
                                                                                       5. Vergleich	
  der	
  Systeme	
  
aktuell häufig als vergleichsweise bekannte Realisie-
rungen genannt. Auch gibt es erste PLE-Entwick-                                        Zum Abschluss des Beitrages wollen wir die hier dis-
lungen, die auf der Mashup-Technologie basieren, die                                   kutierten Systeme noch einmal aus Perspektive ihrer
bereits an Universitäten eingesetzt werden (Ebner &                                    Zielsetzungen und der möglichen Aktivitäten ver-
Taraghi, 2010).                                                                        gleichen. Einen Überblick gibt Tabelle 1 auf der fol-
                                                                                       genden Seite. Es zeigt sich, dass LMS und KMS eher
Auswirkungen	
   auf	
   die	
   Gestaltung	
   des	
   Lernens	
   und
                                                                                       die administrative Zielsetzungen erfüllen, während
Lehrens	
  
                                                                                       PLE die Lernenden unterstützen.
PLE wurden maßgeblich als Gegenentwurf zu admi-                                           Wie bereits in der Einführung angedeutet, ist die
nistrativen Verwaltungstools wie LMS kreiert und                                       Darstellung im Rahmen dieses Beitrages nur skiz-
stellen den aktiven, selbstgesteuerten Lerner in den                                   zenhaft und bedarf einer Vertiefung. Mittlerweile
Mittelpunkt. Lernende können in ihrer PLE aus-                                         existieren einige Mischformen und konvergente
wählen, welche Ressourcen sie nutzen wollen, mit                                       Systeme, beispielsweise werden LMS immer häufiger
welchen Werkzeugen und wie sie mit ihren Kon-                                          so erweitert, dass dort Beiträge aus anderen Anwen-
takten und Netzwerken arbeiten wollen und können                                       dungen eingebunden werden.
mit der Mashup-Technologie ihr persönliches Infor-
mationsmanagement optimieren. Dies setzt voraus,                                                Welche	
   Aufgaben	
   und	
   FunkGonen	
   sollte	
   ein	
   System
das Lernende wissen und einen Überblick haben (a)
wie die PLE funktioniert, (b) wie sie ihr eigenes
                                                                                          ?     erfüllen,	
   dass	
   Lernen	
   und	
   Lehren	
   in	
   Ihrer	
   Einrichtung
                                                                                                gelungen	
  und	
  zeitgemäß	
  unterstützt?	
  Entwerfen	
  Sie	
  –
Lernen gut planen und durchführen können, (c) ge-                                               möglichst	
  gemeinsam	
  mit	
  einer	
  Partnerin	
  oder	
  einem
eignete Quellen auswählen und bewerten können und                                               Partner	
   –	
   ein	
   System,	
   das	
   die	
   Vorteile	
   der	
   hier	
   be-­‐
(d) geeignete Werkzeuge und Webanwendungen                                                      schriebenen	
   Systeme	
   gelungen	
   kombiniert,	
   gleich-­‐
                                                                                                zeiGg	
  die	
  negaGven	
  Auswirkungen	
  umgeht	
  und	
  disku-­‐
kennen (beispielsweise Kalender). Damit kein
                                                                                                Geren	
  Sie,	
  wenn	
  möglich,	
  Ihren	
  Entwurf	
  mit	
  anderen.
falsches Bild entsteht: Die Bedienung der PLE an
Technische	
  Konzepte	
  im	
  Einsatz.	
  Lernmanagement,	
  Kompetenzmanagement	
  und	
  PLE—	
  7




                                                   LMS                                             KMS                                              PLE

     Ziele	
                   Erfüllen	
  v.a.	
  die	
  Bedürfnisse	
  von    Erfüllen	
  v.a.	
  die	
  Bedürfnisse	
  von    Erfüllen	
  v.a.	
  die	
  individuellen
                               Bildungseinrichtungen	
                          Unternehmen	
                                    Wünsche	
  von	
  Lernenden	
  an	
  eine
                                                                                                                                 personalisierte	
  (informelle)	
  Ler-­‐
                                                                                                                                 numgebung	
  
     AkGvitäten	
              Kurs-­‐	
  und	
  Trainingsabwicklung,           Für	
  Mitarbeiter/innen	
  werden               Unterstützen	
  persönliches	
  Wis-­‐
                               Bereitstellung	
  von	
  Kursunterla-­‐          Kompetenzprofile	
  angelegt,	
  mit              sensmanagement	
  und	
  sind	
  auf
                               gen	
  sowie	
  Monitoring	
  und	
  Qua-­‐      Sollprofilen	
  verglichen	
  und	
  Maß-­‐       kompetente,	
  selbstgesteuerte
                               litätssicherung	
                                nahmen	
  zur	
  Kompetenzanpas-­‐               Lerner/innen	
  angewiesen	
  
                                                                                sung	
  empfohlen,verwaltet	
  und
                                                                                mit	
  strategischen	
  Zielen	
  in	
  Ein-­‐
                                                                                klang	
  gebracht.	
  

    Tabelle	
  1:	
  Vergleich	
  der	
  technologischen	
  Konzepte	
  im	
  Hinblick	
  auf	
  die	
  Ziele	
  ihres	
  Einsatzes	
  und	
  unterstützte	
  Aktivitäten

Literatur
▸ Baumgartner, P.; Häfele, H. & Maier-Häfele (2002). E-Learning                             ▸ Grootings, P. (1994). Von der Qualifikation zur Kompetenz.
    Praxishandbuch: Auswahl von Lernplattformen Marktübersicht                                Wovon reden wir eigentlich? Europäische Zeitung für Berufs-
    - Funktionen - Fachbegriffe. Innsbruck: Studien Verlag.                                   bildung (CEDEFOP), 1, 5-8.
▸ Bäumer, M., Malys, B. & Wosko, M. (2004). Lernplattformen                                 ▸ Hüneke, K. & Zimmermann, B. (2000). Skill-Datenbanken.
    für den universitären Einsatz. In K. Fellbaum & M. Göcks                                  Computer Fachwissen, 8/9 (9), 51-55.
    (Hrsg.), eLearning an der Hochschule, Aachen: Shaker Verlag,                            ▸ Koper, R. & Specht, M. (2008). Ten-Competence: Life-Long
    121-140.                                                                                  Competence Development and Learning. In: M. Sicilia (Hrsg.),
▸ Dittmann, L.; Peters, M.L. & Zelewski, S. (2005). Motivationale                             Competencies in Organizational e-learning: concepts and tools.
    Aspekte von Kompetenzmanagementsystemen. In: Zelewski,                                    Hershey: IGI Global, 234-252.
    S.; Ahlert, D.; Kenning, P. & Schütte, R. (Hrsg.), Wissensmana-                         ▸ Schulmeister, R. (2000). Selektions- und Entscheidungskriterien
    gement in Dienstleistungsnetzwerken - Wissenstransfer                                     für die Auswahl von Lernplattformen und Autorenwerkzeugen.
    fördern mit der Relationship Management Balanced Scorecard.,                              Hamburg: Universität Hamburg.
    Wiesbaden: DUV, 345-362.                                                                ▸ Schaffert, S. & Kalz, M. (2008). Persönliche Lernumgebungen:
▸ Ebner, M. & Taraghi, B. (2010). Personal Learning Envi-                                     Grundlagen, Möglichkeiten und Herausforderungen eines
    ronment for Higher Education - A First Prototype.In: Procee-                              neuen Konzeptes. In: K. Wilbers & A. Hohenstein (Hrsg.),
    dings of World Conference on Educational Multimedia, Hy-                                  Handbuch E-Learning, Cologne, Deutschland: Deutscher
    permedia and Telecommunications 2010, Chesapeake, VA:                                     Wirtschaftsdienst, 1-24.
    AACE, 1158-1166.                                                                        ▸ Siemens, G. (2004). Learning management systems: The wrong
▸ Elbert, S. (2001). Einführung eines Management-Support-                                     place to start learning. Elearnspace, 22.11.2004. URL:
    Systems zum effektiven Skill- Management bei Bertelsmann                                  http://www.elearnspace.org/Articles/lms.htm [2010-09-10].
    mediaSystems. In: H.-P. Schnurr; S. Staab; R. Studer; G.
    Stumme & Y. Sure (Hrsg.), Professionelles Wissensmana-
    gement-– Erfahrungen und Visionen, Aachen: Shaker Verlag,
    129-144.
▸ Erpenbeck & Rosenstiel, v. L. (2003). Handbuch Kompetenz-
    messung. Stuttgart: Schäffer-Pöschel.

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Systeme im Einsatz - Lernmanagement, Kompetenzmanagement und PLE

  • 1.
  • 2. 2  —  Lehrbuch  für  Lernen  und  Lehren  mit  Technologien  (L3T) 2. Lernmanagementsysteme   1. Einleitung   Defini5on,   Funk5onen   und   Einsatz   von   Lernmanage-­‐ Rahmenbedingungen und Lehrmittel beeinflussen mentsystemen   und gestalten implizit Lernprozesse: Mit einem Buch unterrichte ich anders als mit einer Tafel, in einem Lernen und Lehren beinhaltet vielfältige organisato- Stuhlkreis anders als in einem Hörsaal. Auch Techno- rische Aufgaben. Lernmanagementsysteme unter- logien wirken sich auf den Unterricht und das stützen vor allem Managementaufgaben von Leh- Lernen aus. Solche Effekte werden von Lehrenden renden. zum einen angestrebt und genutzt; zum anderen wirken sich die verwendeten Technologien auch un- Ein   Lernmanagementsystem   (engl.   „learning   mana-­‐ bewusst auf den Unterricht und das Lernen aus. In diesem Kapitel werden wir drei Formen von ! gement  system“,  kurz  LMS)  ist  eine  serverseiGg  instal-­‐ lierte  SoHware,  die  beliebige  Lerninhalte  über  das  In-­‐ technologischen Systemen zur Verwaltung des ternet   zu   vermiKeln   hilH   und   die   OrganisaGon   der Lernen und Lehrens betrachten: Diese sind Lernma- dabei   notwendigen   Lernprozesse   unterstützt   (Baum-­‐ nagementsysteme (LMS), dann Kompetenzmanage- gartner  et  al.,  2002,  24). mentsysteme (KMS) und schließlich sogenannte Per- sönliche Lernumgebungen (PLE). Es geht also nicht um einzelne Anwendungen für das Lernen und Umgangssprachlich werden LMS auch oft als „Lern- Lehren, sondern es handelt sich dabei um die plattformen“ bezeichnet. War die Funktionalität der Systeme, mit denen das webbasierte Lernen aktuell entsprechenden Produkte der diversen Hersteller an- gesteuert, verwaltet und dokumentiert wird. fänglich uneinheitlich, so begann sich später durch Die drei Systeme wurden ausgewählt, da sie einen die Marktkonsolidierung und den extensiven Praxi- besonderen Stellenwert einnehmen: Lernmanage- seinsatz eine gewisse funktionelle Standardisierung mentsysteme sind weit verbreitet und werden seit herauszukristallisieren. längerer Zeit diskutiert, auch kritisiert und immer In einer Darstellung von Bäumer et al. (2004) wieder an neue Bedürfnisse angepasst. Die beiden werden Administration, Kommunikation und Inhalte weiteren Konzepte sind eher jung: Kompetenzma- als die drei wesentlichen Säulen von Lernmanagment- nagementsysteme spielen sowohl im Rahmen des systemen beschrieben (siehe Abbildung 1). betrieblichen Lernens, aber auch aus der Perspektive des lebenslangen Lernens eine wichtige Rolle, da sie Lernende in ihrer Kompetenzentwicklung unter- stützen und gleichzeitig betriebliche Anforderungen erfüllen können. Persönliche Lernumgebungen fokussieren konsequent auf die Perspektive der Ler- nenden und erlauben diesen, ihre individuelle Infor- mations- und Kommunikationsumgebung zu ge- stalten. Alle drei Systeme werden wir in diesem Beitrag aus der Perspektive der pädagogischen Praxis be- schrieben, indem wir skizzieren, welche Aufgaben Abbildung  1:  Drei  Säulen  von  Lernmanagementsys-­‐ diese Systeme übernehmen und wie solche Rahmen- temen.  Quelle:  nach  Bäumer  et  al.  (2004) bedingungen gegebenenfalls das Lernen beeinflussen. Zum besseren Verständnis stellen wir diese drei Systeme als prototypische Konzepte vor. In der Fünf Funktionsbereiche von LMS können dabei Praxis sind die realen Produkte weniger trennscharf unterschieden werden: konzipiert. ▸ Werkzeuge für Lehrende zur Erstellung von Auf- gaben und Übungen, ▸ Evaluations- und Bewertungshilfen (Umfragen und Tests), ▸ Präsentation von Inhalten (Lernmaterialien), ▸ administrative Unterstützung von Lehrenden (zum Beispiel bei Abgaben, Terminen) und
  • 3. Technische  Konzepte  im  Einsatz.  Lernmanagement,  Kompetenzmanagement  und  PLE—  3 ▸ Kommunikationswerkzeuge für Lehrende und tausch von Dokumenten per E-Mail sowie dezen- Lernende. traler Verwaltung und Bewertung der Beiträge durch den Lehrenden, eine Arbeitserleichterung dar. Wenngleich LMS eine Fülle von Funktionen Wie einführend dargestellt, limitieren und ge- haben, ist ihr praktischer Einsatz häufig auf die Be- stalten Technologien das Lernen und Lehren. Aus reitstellung der Unterrichtsmaterialien der Lehrenden dieser Perspektive rücken die Funktionen von LMS in reduziert. ein anderes Licht. Die Konzeption von Organisation Nach wie vor ist der Funktionsumfang, der diese in Kursen und Klassen, sowie insbesondere die Rolle Software charakterisiert, im ständigen Wandel. Auch der Lehrenden als diejenigen, die über Zugänge und sind in den konkreten Produkten nicht alle Funkti- Lehrmaterial wesentlich bestimmen können, ent- onsbereiche im gleichen Umfang vorhanden, bzw. spricht nur eingeschränkt den aktuellen Vorstellungen kann in einigen Fällen die eine oder andere Kategorie des technologiegestützten Lernens und Lehrens. fehlen. Um die Systeme zu unterscheiden, werden Die aktuell dominanten Theorien und erwünsch- auch weitere Bezeichnungen verwendet. So werden ten Konzepte guten Lehrens stellen die Eigenaktivität LMS, die auch Werkzeuge zur Erstellung und An- der Lernenden und damit eigenständige Kon- passung von Lerninhalten integrieren, auch als Lear- struktion und Diskussionen zum Lerngegenstand in ningcontentmagementsystem (LCMS) bezeichnet. den Vordergrund, bei denen der Lehrende nicht In nahezu jeder Hochschule in Mitteleuropa primär als Experte des Fachs, sondern vor allem als sowie bei vielen Schulen und Bildungseinrich- Unterstützer des Lernens tätig ist. Schneider (2003) tungen werden derzeit LMS eingesetzt. Recherchiert argumentiert so für die Unterstützung einer aktivi- man LMS, findet man mehrere Hundert Anbieter. Im tätsbasierten Pädagogik und kritisiert klassische E- Open-Source-Bereich gibt es allein mehr als 50 Pro- Learning-Technologien wie LMS. Er weist darauf jekte, die aktuell LMS entwickeln und offerieren. Zu hin, dass diese eine behavioristische Tradition fort- den am weitesten verbreiteten gehören hier Moodle, setzen und eine Praxis der klassischen Wissensüber- Ilias und Blackboard. In Studien wird versucht, Hilfe- tragung fördern: Der Zugang zu Informationen, stellungen bei der Auswahl passender LMS zu geben. Wissen und auch der Kontakt zu Gleichgesinnten ist Beispielsweise wird unterscheiden nach technischen in LMS in der Praxis limitiert und nur durch Ver- Voraussetzungen, Kapazitäten und Funktionen der mittlung von Institutionen und Autoritäten er- Systeme (Schulmeister, 2003). reichbar, die wiederum darüber Prüfungen ab- Als Motiv für den Einsatz von LMS wird an erster nehmen. In einer Zusammenfassung der Kritik an Stelle die Zentralisierung der Verwaltung von Lernak- LMS von Siemens (2004) wird zudem darauf ver- tivitäten genannt, weitere wichtige Gründe sind die wiesen, dass zentralisierte, monolithische Systeme nur Möglichkeiten der Überwachung und Kontrolle von wenig didaktische Variationen erlauben. Dalsgaard Lernaktivitäten (Learning Circuits, 2009, 184 Be- (2006) kritisiert besonders die geringe Flexibilität, die fragte). bei der Nutzung eines LMS gegeben ist und sieht dringenden Bedarf, Lernenden mehr Freiräume bei Auswirkungen   auf   die   Gestaltung   des   Lernens   und der Auswahl von Kommunikations- und Interakti- Lehrens   onswerkzeugen zu ermöglichen. LMS übernehmen, darauf weist auch die Be- In den letzten Jahren hat die Verbreitung der zeichnung „Management“ hin, vor allem organisie- Nutzung von sozialen Netzwerksystemen und die rende und verwaltende Aufgaben, die auf klassi- Entwicklung von zahlreichen Webanwendungen, schen Kurs-, Klassen- und Unterrichtsstrukturen be- welche die Kommunikation und die Kollaboration ruhen. Lernenden werden bestimmte Kurse freige- von Lernenden unterstützen können, zu ihrer zuneh- schaltet, das heißt sie können in aller Regel dort ver- menden Integration oder die Einführung von fügbare Unterrichtsmaterialien oder Stundenpläne Schnittstellen zu solchen Angeboten in LMS geführt. einsehen und beispielsweise auch in Diskussionsforen des Kurses Beiträge der Lehrenden und Mitlernenden LMS   sind   aus   vielen   Bildungseinrichtungen   nicht   mehr lesen oder eigene verfassen. LMS gewährleisten somit, dass Lernende Zugang zu denen für sie rele- ? wegzudenken.   ReflekGeren   Sie   Ihre   eigenen   Erfah-­‐ rungen  mit  LMS:  Wie  nutzen  Lehrende  und  Lernende vanten Kursen erhalten und Lehrende beispielsweise die   Möglichkeiten   dieser   Systeme   in   Ihrer   Umgebung? Unterstützung bei der geordneten Abgabe, Be- Haben   Sie   ähnliche   Erfahrungen   gemacht,   wie   sie   in wertung und Rückmeldung von Arbeitsaufträgen er- den  ziGerten  KriGkpunkten  genannt  werden? halten. LMS stellen hier, im Unterschied zum Aus-
  • 4. 4  —  Lehrbuch  für  Lernen  und  Lehren  mit  Technologien  (L3T) zentrale Plattform für die Erstellung von Kompe- 3. Kompetenzmanagementsysteme   tenzprofilen, für die Kompetenzüberprüfung und für Defini5on,   Funk5onen   und   Einsatz   von   Kompetenzma-­‐ den Kompetenztransfer. nagementsystemen   Folgende Funktionsbereiche von KMS können Während Lernmanagementsysteme überwiegend in unterschieden werden (Dittmann et al., 2005), mit der Schulen und Hochschulen eingesetzt werden, beginnt Einschränkung, dass eine eindeutige Definition und sich seit einigen Jahren in Unternehmen eine andere eine Klärung des genauen Verständnis von KMS, Variante eines Systems zur Unterstützung des Ler- ähnlich wie bei LMS vor einigen Jahren, noch aus- nens durchzusetzen. Eine Aufgabe betrieblichen Ma- steht: nagements, insbesondere des Personalwesens ist es, ▸ Erstellung und Verwaltung von Kompetenzmo- zu gewährleisten, dass die Mitarbeiter/innen so ein- dellen, gesetzt werden, dass sie notwendige Kompetenzen ▸ Erstellung und Verwaltung von Kompetenzpro- mitbringen oder deren Entwicklung gezielt unter- filen für Aufgabenbereiche im Unternehmen, stützt wird. ▸ Anlegen, Verwaltung und Pflege der Kompetenz- profile der Mitarbeiter/innen, Ein  Kompetenzmanagementsystem  (kurz  KMS)  ist  eine ▸ Darstellung der Kompetenzprofile auf individu- ! serverseiGg   installierte   SoHware,   die   das   Personal-­‐ wesen   und   die   Personalentwicklung   in   Unternehmen eller und organisationaler Ebene, ▸ Recherche- und Verwaltungsaufgaben (Recherche unterstützt,   indem   Soll-­‐   und   Ist-­‐Stände   der   Kompe-­‐ tenzen   der   Mitarbeiter   erfasst   und   dokumenGert nach passenden Mitarbeiter/innen, Qualifikations- werden   und   entsprechende   Bildungs-­‐   und   auch   Be-­‐ bedürfnissen) und setzungsentscheidungen  beeinflussen. ▸ Planung und Dokumentation der Kompetenzent- wicklung. Während es Anfang der 1990er Jahre noch wichtig Eine Fokussierung der Systeme liegt darin, möglichst war, die Mitarbeiter/innen mit den passenden Quali- umfassendes Wissen über die Kompetenzen im Un- fikationen, also mit entsprechend bescheinigten ternehmen zu erhalten. KMS ermöglichen zum Bei- Kenntnissen und Fortbildungen, an einer bestimmten spiel die Modellierung von Kompetenzmodellen und Position einzusetzen, wurde zunehmend die For- deren Verknüpfung mit Job- oder Aufgabeprofilen. derung nach Kompetenzen laut (Grootings, 1994). Durch die Verknüpfung mit weiteren Werkzeugen aus Stark vereinfacht bezeichnen Kompetenzen das Kon- der Personalentwicklung lassen sich auch Kennzahlen glomerat an Fähigkeiten, Fertigkeiten, Werten und für Ist-Kompetenzen erheben und entsprechende Willen, das Individuen ermöglicht, in komplexen und Maßnahmen zu deren Verbesserung einleiten. Ob die dynamischen Situationen Probleme erfolgreich lösen Informationen über die Kompetenzen von Personen zu können (Erpenbeck & Rosenstiel, 2003). Kompe- unternehmensweit veröffentlich werden, um bei- tenzen, die häufig eingefordert werden, sind bei- spielsweise die richtigen Ansprechpartner zu finden, spielsweise Teamfähigkeit, Selbstorganisation oder oder ob sie nur Führungskräften zugänglich gemacht Durchsetzungskraft. Unternehmens- oder aufgaben- werden, ist unterschiedlich gelöst. relevante Kompetenzen zu definieren, zu bewerten Es gibt mehrere kommerzielle KMS, wie zum Bei- und zu erfassen ist nicht trivial und gehört zum Auf- spiel „SAP ERP Human Capital Management“, oder gabenbereich des Kompetenzmanagements. Kompe- auch Open-Source-Systeme, wie zum Beispiel das im tenzmanagement ist „eine Managementdisziplin mit Rahmen des Europäischen Forschungsprojektes der Aufgabe Kompetenzen zu beschreiben, trans- TENCompetence entwickelte (Koper & Specht, parent zu machen sowie den Transfer, die Nutzung 2008). Inwieweit in Unternehmen derzeit technolo- und Entwicklung der Kompetenzen orientiert an den gische Unterstützung in Form von KMS zum Einsatz persönlichen Zielen des Mitarbeiters sowie den beim Kompetenzmanagement kommt, ist unbekannt. Zielen der Unternehmung sicherzustellen“ (North & Das liegt auch daran, dass entsprechende Systeme Reinhardt, 2005, 16). unter unterschiedlichen Bezeichnungen vertrieben KMS unterstützen das Kompetenzmanagement und bekannt sind (zum Beispiel auch unter dem Be- und vermitteln zwischen verschiedenen Bereichen in griff „Talentmanagement“). Vor allem werden sie in Unternehmen (zum Beispiel zwischen Personalmana- internationalen, großen Unternehmen eingesetzt, was gement und Strategischem Management). Sie sind die wiederum in Form von Fallbeispielen dokumentiert und beschrieben ist (Elbert, 2001).
  • 5. Technische  Konzepte  im  Einsatz.  Lernmanagement,  Kompetenzmanagement  und  PLE—  5 Auswirkungen   auf   die   Gestaltung   des   Lernens   und 4. Persönliche  Lernumgebungen   Lehrens   Kompetenzmanagementsysteme unterstützen darin, Defini5on,   Funk5onen   und   Einsatz   von   Persönlichen Kompetenzen und Kompetenzentwicklung von Mit- Lernumgebungen   arbeiter/innen zentral zu erfassen, zu dokumentieren Mit der Entwicklung und dem wachsenden Erfolg und zu organisieren sowie gleichzeitig dabei unter- von partizipativen Anwendungen im Internet gewann stützen, entsprechende Bildungs- und Besetzungsent- mit sogenannten Persönlichen Lernumgebungen scheidungen zu treffen. KMS nehmen damit sowohl (engl. „personal learning environment“, kurz PLE) für Unternehmen als auch Mitarbeiter/innen wichtige ein neues Konzept Aufmerksamkeit. Im Fokus der Funktionen ein. Doch auch hier stellt sich die Frage, „Persönlichen Lernumgebung“ stehen die Ler- inwieweit die Technologie bzw. das inhärente Modell nenden, die sich selbst Webinhalte, Lernressourcen der Personalentwicklung das Lernen in Unternehmen und Lernwerkzeuge so arrangieren und sie so nutzen, beeinflusst. dass sie deren persönliches Wissensmanagement und Der Umgang mit Bildungs- und Kompetenzfragen Lernen unterstützen. Im Unterschied zu den Lern- durch das Management, welches sich aus organisatio- managmentsystemen rückt es die selbst gesteuerten naler und strategischer Perspektive damit beschäftigt, und aktiven Lernenden in den Fokus. wird häufig als eher irrelevant für das eigene Lernen empfunden. Werden KMS mit einem Fokus auf die PLE   sind   Systeme,   bei   denen   Lernende   verteilte Entwicklung der Mitarbeiter/innen gelegt, kann dies Unterschiedliches auslösen: Zum einen erlebt die ! Online-­‐InformaGonen,   -­‐Ressourcen   oder   -­‐Kontakte aus   unterschiedlichen   Social-­‐SoHware-­‐Anwendungen Kompetenzentwicklung und Weiterbildung im Unter- und   anderen   Systemen   zentral   integrieren   und   ver-­‐ nehmen allgemein – sofern dies auch entsprechend walten  können  und  dabei  große  Freiräume  bei  der  in-­‐ im System abgebildet wird – eine Aufwertung und haltlichen   Gestaltung   haben   (Schaffert   &   Kalz, 2009,  6) Anerkennung. Gleichzeitig befürchten Mitarbei- ter/innen auch die Erfassung von Kompetenzen und deren Evaluierung, gerade wenn davon Beförde- Auf den ersten Blick wird man mit dem Begriff rungen oder Stellenbesetzungen abhängen. Be- „Persönliche Lernumgebung“ nicht zwangsläufig eine sonders problematisch wird der Einsatz, wenn die neue Variante des internetgestützten Lernens assozi- Kompetenzanalysen nicht nachvollziehbar sind ieren: Der Begriff zielt zunächst einmal darauf ab, (Hüneke & Zimmermann, 2000). Über das Lernen dass es sich hier um die individuelle, nach persön- hinaus können KMS noch viele weitere Konse- lichen Interessen und Bedürfnissen ausgerichtete, quenzen haben, die auch dazu führen, dass sie von also personalisierte Umgebung handelt, in der Ler- Unternehmen abgelehnt werden: So können Füh- nende ihr persönliches Wissensmanagement und ihre rungskräfte auf kompetente Mitarbeiter/innen aus eigene Weiterbildung organisieren. Tatsächlich ver- anderen Abteilungen aufmerksam werden und sie ab- birgt sich hinter PLE jedoch ein neues technologi- werben (Dittmann et al., 2005). sches Konzept für die Unterstützung von Lernenden. Dabei gibt es unterschiedliche technologische Vorge- hensweisen und Realisierungen (Schaffert & Kalz, Welche   Vorteile   haben   Mitarbeiter/innen,   die   in 2009). Manchmal wird dabei das persönliche Wis- ? einem  Unternehmen  arbeiten,  in  dem  ein  Kompetenz-­‐ managementsystem   eingesetzt   wird?   Wo   sehen   Sie sensmanagement unterstützt, indem eigene virtuelle Dokumentationsräume angeboten werden (zum Bei- Schwierigkeiten?   Welche   Vorteile   und   Herausforde-­‐ rungen   sehen   Sie   auf   Seiten   des   Managements,   bei-­‐ spiel bei Lernweg.de). Immer häufiger werden jedoch spielsweise   der   Personalentwicklung?   -­‐   BiKe   sammeln Mashup-Technologien eingesetzt (siehe Kapitel und   dokumenGeren   Sie   entsprechende   Vorteile   und #webtech). Ein PLE stellt dann eine technologische Nachteile   bzw.   Herausforderungen   aus   Mitarbeiter-­‐ Basis dar, mit der Anwendungen und Dienste, die und  Unternehmenssicht. Lernende nach Verfügbarkeit entsprechender Anwen- dungen (zum Beispiel in Form von Widgets) hinzu- fügen können. Potentiell stehen ihnen dabei Res- sourcen und Anwendungen des gesamten Webs zur Verfügung.
  • 6. 6  —  Lehrbuch  für  Lernen  und  Lehren  mit  Technologien  (L3T) Folgende Funktionsbereiche von PLE können un- sich ist vergleichsweise einfach. Häufig muss man die terschieden werden: einzelnen Anwendungen nur in das eigene Cockpit ▸ individuelle Abonnements von Quellen und Res- „ziehen“. Voraussetzung ist jedoch, die vorhandenen sourcen sowie Präsentation der Inhalte, Webanwendungen und Ressourcen auch zu kennen ▸ Zugänge zur persönliche Kommunikation und und nutzen zu können. Dies ist also nur bei einer re- Netzwerkpflege und lativ kleinen web-affinen Gruppe selbstgesteuerter ▸ Schnittstellen und Werkzeuge für individuelles Lernenden gegeben. oder kollaboratives Arbeiten. PLE sind für Lernende. Es gibt also keine direkten Möglichkeit für Lehrende, Inhalte vorzugeben, oder Das Konzept der Persönlichen Lernumgebung wird korrigierend einzugreifen. (Allerdings können Ler- erst seit kurzer Zeit auf einer breiteren Basis disku- nende in ihren PLE auch Meldungen ihrer Leh- tiert. Es gibt jedoch schon länger Ansätze in diese renden oder des verwendeten LMS integrieren.) Da Richtung. So waren Olivier und Liber (2001) die die Vorteile der PLE, insbesondere das einfache Hin- Ersten, die diese Idee thematisiert haben. Einige zufügen von neuen Webanwendungen auch für Jahre später waren es die Entwickler der Blogging- andere Lernangebote attraktiv sind, werden ihre und Social-Networking-Plattform Elgg, die mit den Funktionalitäten zunehmend in LMS eingebunden. „Personal Learning Landscapes“ ein integriertes Konzept vorgestellt haben, aus dem sich dann später das Konzept der „Personal Learning Environments“ Auch   wenn   voller   Enthusiasmus   von   PLE   gesprochen entwickelt hat (Kalz, 2006). ? wird:   Manche   behaupten,   die   aktuellen   „PLE“-­‐Anwen-­‐ dungen  wären  auch  nicht  mehr  als  Werkzeuge  zur  Un-­‐ Im Gegensatz zu traditionellen multifunktionalen terstützung   des   Persönlichen   Wissensmanagements virtuellen Lernumgebungen, die verschiedene As- im   Internet.   BiKe   recherchieren   Sie   nach   aktuellen pekte in das System integrieren (zum Beispiel Studie- Tools,  die  als  PLE  bezeichnet  werden  und  analysieren rendenverwaltung, Kommunikations- und Kollabora- Sie,   welche   FunkGonalitäten   diese   anbieten.   In tionswerkzeuge), stellt das PLE-Konzept den Ler- welcher  Weise  könnten  Sie  mit  diesen  Anwendungen Ihr  eigenes  Lernen  unterstützen? nenden, seine Aktivitäten und Bedürfnisse in den Mittelpunkt; es holt die Werkzeuge und Informa- tionen in die PLE des Lernenden. Anwendungen wie i-Google und Netvibes werden 5. Vergleich  der  Systeme   aktuell häufig als vergleichsweise bekannte Realisie- rungen genannt. Auch gibt es erste PLE-Entwick- Zum Abschluss des Beitrages wollen wir die hier dis- lungen, die auf der Mashup-Technologie basieren, die kutierten Systeme noch einmal aus Perspektive ihrer bereits an Universitäten eingesetzt werden (Ebner & Zielsetzungen und der möglichen Aktivitäten ver- Taraghi, 2010). gleichen. Einen Überblick gibt Tabelle 1 auf der fol- genden Seite. Es zeigt sich, dass LMS und KMS eher Auswirkungen   auf   die   Gestaltung   des   Lernens   und die administrative Zielsetzungen erfüllen, während Lehrens   PLE die Lernenden unterstützen. PLE wurden maßgeblich als Gegenentwurf zu admi- Wie bereits in der Einführung angedeutet, ist die nistrativen Verwaltungstools wie LMS kreiert und Darstellung im Rahmen dieses Beitrages nur skiz- stellen den aktiven, selbstgesteuerten Lerner in den zenhaft und bedarf einer Vertiefung. Mittlerweile Mittelpunkt. Lernende können in ihrer PLE aus- existieren einige Mischformen und konvergente wählen, welche Ressourcen sie nutzen wollen, mit Systeme, beispielsweise werden LMS immer häufiger welchen Werkzeugen und wie sie mit ihren Kon- so erweitert, dass dort Beiträge aus anderen Anwen- takten und Netzwerken arbeiten wollen und können dungen eingebunden werden. mit der Mashup-Technologie ihr persönliches Infor- mationsmanagement optimieren. Dies setzt voraus, Welche   Aufgaben   und   FunkGonen   sollte   ein   System das Lernende wissen und einen Überblick haben (a) wie die PLE funktioniert, (b) wie sie ihr eigenes ? erfüllen,   dass   Lernen   und   Lehren   in   Ihrer   Einrichtung gelungen  und  zeitgemäß  unterstützt?  Entwerfen  Sie  – Lernen gut planen und durchführen können, (c) ge- möglichst  gemeinsam  mit  einer  Partnerin  oder  einem eignete Quellen auswählen und bewerten können und Partner   –   ein   System,   das   die   Vorteile   der   hier   be-­‐ (d) geeignete Werkzeuge und Webanwendungen schriebenen   Systeme   gelungen   kombiniert,   gleich-­‐ zeiGg  die  negaGven  Auswirkungen  umgeht  und  disku-­‐ kennen (beispielsweise Kalender). Damit kein Geren  Sie,  wenn  möglich,  Ihren  Entwurf  mit  anderen. falsches Bild entsteht: Die Bedienung der PLE an
  • 7. Technische  Konzepte  im  Einsatz.  Lernmanagement,  Kompetenzmanagement  und  PLE—  7 LMS KMS PLE Ziele   Erfüllen  v.a.  die  Bedürfnisse  von Erfüllen  v.a.  die  Bedürfnisse  von Erfüllen  v.a.  die  individuellen Bildungseinrichtungen   Unternehmen   Wünsche  von  Lernenden  an  eine personalisierte  (informelle)  Ler-­‐ numgebung   AkGvitäten   Kurs-­‐  und  Trainingsabwicklung, Für  Mitarbeiter/innen  werden Unterstützen  persönliches  Wis-­‐ Bereitstellung  von  Kursunterla-­‐ Kompetenzprofile  angelegt,  mit sensmanagement  und  sind  auf gen  sowie  Monitoring  und  Qua-­‐ Sollprofilen  verglichen  und  Maß-­‐ kompetente,  selbstgesteuerte litätssicherung   nahmen  zur  Kompetenzanpas-­‐ Lerner/innen  angewiesen   sung  empfohlen,verwaltet  und mit  strategischen  Zielen  in  Ein-­‐ klang  gebracht.   Tabelle  1:  Vergleich  der  technologischen  Konzepte  im  Hinblick  auf  die  Ziele  ihres  Einsatzes  und  unterstützte  Aktivitäten Literatur ▸ Baumgartner, P.; Häfele, H. & Maier-Häfele (2002). E-Learning ▸ Grootings, P. (1994). Von der Qualifikation zur Kompetenz. Praxishandbuch: Auswahl von Lernplattformen Marktübersicht Wovon reden wir eigentlich? Europäische Zeitung für Berufs- - Funktionen - Fachbegriffe. Innsbruck: Studien Verlag. bildung (CEDEFOP), 1, 5-8. ▸ Bäumer, M., Malys, B. & Wosko, M. (2004). Lernplattformen ▸ Hüneke, K. & Zimmermann, B. (2000). Skill-Datenbanken. für den universitären Einsatz. In K. Fellbaum & M. Göcks Computer Fachwissen, 8/9 (9), 51-55. (Hrsg.), eLearning an der Hochschule, Aachen: Shaker Verlag, ▸ Koper, R. & Specht, M. (2008). Ten-Competence: Life-Long 121-140. Competence Development and Learning. In: M. Sicilia (Hrsg.), ▸ Dittmann, L.; Peters, M.L. & Zelewski, S. (2005). Motivationale Competencies in Organizational e-learning: concepts and tools. Aspekte von Kompetenzmanagementsystemen. In: Zelewski, Hershey: IGI Global, 234-252. S.; Ahlert, D.; Kenning, P. & Schütte, R. (Hrsg.), Wissensmana- ▸ Schulmeister, R. (2000). Selektions- und Entscheidungskriterien gement in Dienstleistungsnetzwerken - Wissenstransfer für die Auswahl von Lernplattformen und Autorenwerkzeugen. fördern mit der Relationship Management Balanced Scorecard., Hamburg: Universität Hamburg. Wiesbaden: DUV, 345-362. ▸ Schaffert, S. & Kalz, M. (2008). Persönliche Lernumgebungen: ▸ Ebner, M. & Taraghi, B. (2010). Personal Learning Envi- Grundlagen, Möglichkeiten und Herausforderungen eines ronment for Higher Education - A First Prototype.In: Procee- neuen Konzeptes. In: K. Wilbers & A. Hohenstein (Hrsg.), dings of World Conference on Educational Multimedia, Hy- Handbuch E-Learning, Cologne, Deutschland: Deutscher permedia and Telecommunications 2010, Chesapeake, VA: Wirtschaftsdienst, 1-24. AACE, 1158-1166. ▸ Siemens, G. (2004). Learning management systems: The wrong ▸ Elbert, S. (2001). Einführung eines Management-Support- place to start learning. Elearnspace, 22.11.2004. URL: Systems zum effektiven Skill- Management bei Bertelsmann http://www.elearnspace.org/Articles/lms.htm [2010-09-10]. mediaSystems. In: H.-P. Schnurr; S. Staab; R. Studer; G. Stumme & Y. Sure (Hrsg.), Professionelles Wissensmana- gement-– Erfahrungen und Visionen, Aachen: Shaker Verlag, 129-144. ▸ Erpenbeck & Rosenstiel, v. L. (2003). Handbuch Kompetenz- messung. Stuttgart: Schäffer-Pöschel.